31 r. 43 LSnterhattunasvettage. 1923. Das ZeLGsss im Haufe des De. Ban DaSen. Don 3. 20ertttOale*. Im Oktober-es Jahres 1925 beschäftigt« die Aerzte von Waterford in Irland ein merkwürde:ger Fall. Der junge Geistliche Roger Ban Dale»,«in gebürtiger Holländer, der seit einigen Jahren in der St. Margaret Church tätig war und bei seinem Onkel, einem Arzt, wohnte, wurde eines Morgens tot im Bett« aufgestruden. Dies wäre nun an sich nichts Besonderes gewesen, wenn man die plötzliche Todesursache feststellen Härte können. Der einzige Anhaltspunkt, das bis zur Unkenntlichkeir entstellre Gesicht des Toten, wurde hinfällig nti> einer genauen Untersuchung der für eine Vergiftung in Frage kommenden Organe. Und da die Leiche nicht die geringsten Verwundungs- und Erdrosselungserscheinungen auswies, so blieb die Möglichkeit eines Mordes in Frage gestellt und der Tod Ban Dalens war ein Rätsel, das den Bewohnern von Waterford reichlich zu raten gab. Die theosophisch interessierten Krerse, denen der Geistliche im geheimen nahegcstanden hatte, glaubten einen Erfolg ihrer Lehre buchen zu können; sie bestätigten sich untereinander, daß Van Talen durch langjährige Uebung in weißer Magie mit denk Meister in Verbindung getreten fei, sich nun in einer Art seherischem Schlaf bc fände und auf keinen Fall begraben werden dürfe. Die weniger an lolche Dinge glaubenden uild die für die Ocffentlichkeil maßgebenderen Bürger und Behörden aber zwei- fclien keinen Ilugenblick, daß Dr. Ban Talen, der Onkel des Geistlichen, der als Sonderling bekannt war, seinen Neffen Roger durch irdcndwclche gefährliche moderne Experimente ins Jenseits befördert habe; es wäre ja alles schon von Anfang an so sonderbar gewesen mit dem alten Doktor: er hätte sich doch drultten an dem morastigen unwirt- lichen Ufer des Blackwater ein Haus hinbauen lassen und sich in der Zeit, in der er nun hier lebte, kaum sehen lassen in der Stadt... Als man nun noch, vier Wochen nach dem seltsamen Ereignis, erfuhr, daß er sein Haus verkauft habe und nach Dublin gezogen sei, nahm man nichts anderes mehr an. als daß er ans Angst vor Nachforschung Waterford verlassen habe, und beschuldigte den siebz-g- jährigcn Doktor offenkundig des Mordes an seinem Neffen. Der neue Besitzer kam Mitte Dezember.| Er war auch Holländer und schien ebenso- ivenig wie Dr. Ban Talen die nähere Bekanntschaft der Watcrforüer Bürger zu wünschen. Er ließ sich nicht in der Stadt sehen, und man konnte nicht mehr erfahren, als daß er Ter Meer hieß und Briefe aus Indien bekam. Unter diesen Umstanden hatte man Gründe gcimg, den Holländer iu geheimnisvolle Verbindung mit dem Doktorhaus zu bringen, aber es vergingen Wochen und es ereignete sich nichts, was das Interesse wacherhalten hätte können;>nan kam nicht auf seine Rechnung mit dem„Dutch- man". * Es war ein Jahr vergangen und das Ereignis vergessen, als um die dritte Mor- gensttlndc des 25. Oktober die Bewohner der dem Flusse zugslegcnen Bezirke von zahllosen Schüssen aus dem Schlafe geweckt wurden; die Schüsse kameir von dem Dokrorhaus. Tie Polizei wurde alarmiert. Die je sechs schnell aufeinanderfolgenden Schüsse wiederholten sich in kurzen Abständen und rollten und brachen schwer durch den Nebel wie durch einen riesigen Kessel voll Dampf. Die Konstabler verließen auf Fahrrädern die Stadt; sie erreichten in wenigen Minuten das.Haus am Fluß, das still dalaq, so, als sei nichts geschehen. Vorsichtig kletterten sie über das Purkgitter. In keinem Fenster Licht, sämtliche Eingänge verschlossen; keinerlei Spuren deuteten auf einen Ucbcrfall. Es war vorläusig nichts anderes zu tun, als die Eingänge zu besetzen und sich still zu Verhalten. Ta knallten wieder die Schüsse in die unheimliche Stille. Es waren wieder sechs schnell aufeinanderfolgende; sie unterschieden sich nicht voneinander in Stärke nnd Ton und kamen, dem Schall nach zu urteilen, aus dem hintere», dem Flusse zugewandten Teil des Hanfes. War cs ein Alarmschießen? Ter Kommissar schlich mir einigen Leuten hinter das Haus. Wieder die sechs Schüssel Ne kamen ans einem offenstehenden Fenster im Erdgeschoß. Auch da kern Licht! Es erinnerte sich der Kommissar, daß in einem der hinteren Zimmer vor einem Jahre um dic- selbc Zei» der Geistliche tot aufgefunden tvurde. Regelmäßig wiederholten sich nun die sechs Schüsse, lind das Fenster blieb dunkel. An einer Stelle in der Mauer, einer« kreisrunden Vertiefung, einem Blendfenster ähnlich, war deutlich das Aufschlagen von den Kugeln und ein Rieseln von Mörtel zu hören; es wurde also von drinnen gegen d:e Zimmerwand geschossen? Der Kommissar schwang sich auf die Feirsterbrüftung. und leuchtete, den Revolver schußbereit haltend^ in das Zimmer hinein. Gardinen grelltea auf, ein rundes, behagliches Gesicht erschien; das Gesicht Ter Meers. „Guten Morgen!" „Herr, Sie machen Witze! Was ist los?" „Bitte!" sagte der Hollander ruhig,„treten Sie ein." Er verschwand vom Fenster, schaltete das Licht im Zimmer an, kam wieder an das Fenster und half dem erstaunten Kommissar bei dem ungewöhnlichen Eintritt. „Ah, Sie haben noch Begleitung?" meinte er, als er die Dranßcnstckcnden im Dunkel gewahrte.„Kommen Sic bitte alle herein!" Und er war auch den Konstablern behilflich, cinzusteigen. Die an den Eingängen postierten Leute ließ der Kommissar vorsichtigerweise nicht hereinholcn; man koun:c nicht wigen, wer sich iwch im-Hause aufh eil und cs ungesehen zu verlassen siir gut finden mochte. Ter Meer war nur mit einem Schlafanzug bekleidet.„Entschuldigen Sie bitte,... aber ich habe Ihnen Jiiicreuanles.zu zeigen!" Er lächelte listig und sprach so. als hätte er die Gesellschaft eingeladen. „Aber hören Sie, was soll das heißen?" wetterte der Kommissar und deutele auf die Wand neben dem Fenster: es zähligc Kugeln kreisförmig,„ eines mittleren Wagenrades in der Mauer; der Verputz war abgesprungen und Splitter von Holz stachen daraus hervor. „Was das heißen soll...?" Einen Augenblick! Ter Meer trat zum Lichtschalter, knipste das Licht aus. „Hali! Halt!" schrie der Kommissar, „Hall!.Hali!" die Konstabler. Aber bitte... Sie sehen— ich stehe hier und rühre mich nicht von der Stelle..." „Machen Sie Licht, sofort! Alle sprangen auf Ter Meer ein. „Ich uiöchte Sie bitten, dorthin auf dis Wand zu sehen. Ein eigeittümlicher giftgrüner Scher» — 2— breitete sich jetzt von der Maner her, lantz- snn auwachftno, im Raum aus; es war«« tigelgespickte Stelle: ein handbreiter Ring leuchtete phosphorisch im Umfange eines mittleren Wagenrades. „Was gebt hier vor?" ^Jch werde Ihnen alle- erklären," sagte Ler Meer gelangweilt.„Aber das kann nur ohne Licht geschehen, denn sehen Sie..." Er schaltete das Licht wieder an. Der leuchtende Ring war weg.„Run, Sie erlauben also..." Es knackte der Schalter, und der phantastische Ring schimmerte gum zweitenmal an der Wand; er war nicht auf dem ganzen Umfange gleichmäßig hell, dunklere Äellen und lleinere Linkte gaben chnnda- Aussehen einer Schlangenhaut. „Also," ftrhr Ter Meer fort,„Gie sehen hier nichts als einen gewöhnlichen, runden, HNzernen Fensterstock, den man nicht entfernte, als man aus irgendeinem Grunde das Feickter vermauerte, und er verfault in der feuchten Mauer und leuchtet nun...?. „Das ist ja unglaumich," faßte sich der Kommissär kleinlaut. „Allerdings"— Ter Meer sprach wie ein gleichgükig dotierender Gelehrter—„ist das eine Seltenstert. Aber nun die Hauptsache: Mr. Ban Jalen erzählte mir, als ich den Kaufvertrag mit chm abschloß, von dem Plötzlichen Tod seines Neffen, den ich als einen anscheinend von füsch angewandten okkulten Uebungen.gänzlich verwirrten und krankhaft erregten Menschen kannte. Mr. Ban Jalen verriet mir auch das Ammer, in dem sein Neffe auf so seltsame Weise starb. ES ist dieses hier. Wie Sie sehen, benütze ich es als Schlaf^mmer. Der alte Arzt bewohnte es nie; war eS ihm zu feucht oder sonst was, ich weiß eS nicht... Es ist nun Oktober und das bedeutet hier Nebel. Regen und wieder Nebel und Regen und hier in diesem Hause dazu noch lo cltvas wie eine lleberschwemmung... Die Mauer nach dem Master zu ist natürlich wieder feuchter, und der gespenstische Fensterstock wieder:n Tätigkeit... Sie verstehen, wie ich das meine, nicht wahr? Stellen Sie sich vor: der junge Geistliche, der die Zeichen und Wunder auf der anderen Seite suchte, sich durch Meditation, Konzentration, Askese und weiß Gott welchen Uebungen Einlaß in die andere Welt zu verschaffen suchte— dieser junge überreizte Mensch erwacht eines Nachts, sieht diesen leuchtenden Ring, oder sieht ihn mehrere Nächte schon immer stärker leuchten, sieht ihn immer mehr zu seinem Zeichen werden, bis er es nicht mehr«tragen kann... Run — welche Kraft den plötzlichen Tod herbei- führtr, wissen wir nicht... Sicher ist, daß dieses Zeichen den Anstoß zu seinen! Tode gegeben hat..." Mit diesen Worten^haftete Ter Meer das Licht an; es flammte über ine Wand und blendete. Die Leute schauten gebannt aus den kngelgespickten Hohrahmen. „Nun. meine Her«n, danke ich Ihnen für Ihre wohlgemeinte Hilfe; ich konnte nicht gut auf weniger lärmende An das Zeichen deutlich machen, da es teilweise mir Verputz verdeckt war. Selbstverständlich wußte: d) nicht, daß die Schüsse bis zu Ihnen in die Stadt zu hören sind..." Und Ter Meer fuhr fort zu erklären, daß der leuchtende Ring schließlich auch»vi einem harmloseren Werkzeug bloßgelegt härte wer. den können... Kennst öu bas Land wo die Kanonen blü hen? Kennst du das Land, wo die Kommen blühn? Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen! Dort stehn dir Prokuristen swl; und kühn Zn den Bureaus, als wären es Kasernen. Dort wachsen untrem Schlips Grftrirrnknöpsr. And unsichtbare Helme trägt man dort. Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe. And wer;u Bett geht, pflanzt sich auch schon fort! Wenn dort rin Vorgesetzter etwas will — und eS ist sein Beruf etwas zu wollen—, Stehr der Verstand erst stramm und zweitens still. Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen! Die Kinder kommen dort mit Seinen Sporen And mir gezognem Scheitel auf die Welt. Dort wird man nicht als Zivilist geboren. Dori wir befördert, wer die Schnauze hält. Kennst du das Land? Cs könnte glücklich sein. Es könnte glücklich sein und gUicklich machen! Dort gibt es Aecker, Kohle, Stahl und Stein Und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen. Selbst Geist und Güte gibt's dort dann und wann! And wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen. Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann. Das will mit Bleisoldaten spielen. . Dort reift die Freiheit nicht. Dori'bleib: sie grün. Was man auch baut,— es werden stets Kasernen. Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn? Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen! Ans dem Eedlchtband von Erich Kästner„Herz auf Taille", Verlag E. Weller u. Co., Leipzig. Freiheit. Kein einzelner kann glücklich sein, ehe wir es nicht-alle sind, weil kein einzelner frei sein kann, ehe nicht alle frei sind. Richard Wagner. Wer ist frei? Wer kann heute sich frei nennen? Niemand. Und hätte einer den unab- hängigsten Beruf und könnte sich jemand mit seinem Einkommen alle Freuden des Lebens leisten, er ist nicht frei, weil seine Schwestern und seine Brüder nicht frei sind. In dieser kiefften sittlichen Erfassung großer Freiheit- liegen die stärksten Wurzeln unserer Kraft. Freiheit ist Gemeinschaft, und wir alle kämpfen, bis allen die Freiheit errungen ist. Freiheit ist kein persönliches Glück. Freiheit ist Sturm. Freiheit ist Kamps von allen für alle. Freiheit ist Liebe, und nur wenn Liebe ist, kann Freiheit sein. Menschen verlangt solch ein Gedanke, ganze Menschen, sozialistisch-sittliche Menschen, denen nnchr als das eigene Glück das Ziel ihres Strebens ist. Genosse sein, heißt als Bruder kämpfen für die Freiheit von allen. Wann hat der Menschheit je ein heiligeres Ziel geleuchtet? Wann war ihr je eine größere sittlichere Aufgabe gestellt? Man predigte die Liebe, aber vergaß die Freiheit dabei. Oder man glaubte an Freiheit, ohne von Liebe durchglühr zu sein. Doch Sozialismus ist Eines. Er ist Liebe in Freiheit und Freiheit in Brudertum. Und unter diesem universalen, herrlichen, siegenden sittl'chen Gedanken zerbricht die alt« Welt. Dr. Gustav Hoffmann. Nach dem„Urlaub". Betrachtungen eines englischen Bergarbeiters. Bon Joe Corrie. Ich hätte eigentlich nicht„Urlaub" jagen sollen: Urlaub sind doch Tage, für welche man bezahlt bekommt, es sind Tage, an denen man eine andere Luft einatmet, andere Ansichten hört, andere Gegenden sieht, andere— und indifferente Menschen trifft. An dergleichen haben wir keinerlei Anteil, denn wir sind Bergarbeiter. Eine„Rast" wollen wir es besser nennen. Doch nein, Rast ist ohne inneren Frieden nicht möglich, und wer kann sich innerlich friedvoll suhlen, wenn er die illustrierten Blätter voll mit Bildern sieht, wie fröhliche Leute am Meeresstrande ihre Tage müßig hinbringen, während wir uns aufs Gras niederlassen mußten,— oder besser gesagt, dort, wo Gras einmal gewesen war, Karlen spielend, ost hart miteinander streitend, denn Laune und Stimmung find an solchen Tagen übel und pnsere Herzen waren voll von Bitternis gegen alles ringsum. Wie kann man dies auch nur eine„Rast" nennen, wenn wir innerhalb eines Kreises von drei Meilen vom Dorfe angekettet bleiben, wohl weit genug, um an einem heißen Tage hier herauszugehen, doch nicht genug enr. fern!, die Räder und Kamine und die Kohlen» haldeichügel aus unseren Angen zu verlieren. Und wir hassen dies alles gleich der Hölle! Rast! Eine Woche ohne Lohn bedeutet eine Woche ohne Nahrung! Vertrödelte Zeit, das ist die richtige Definition— eine ganze volle Woche vertrödelter Zeit! Die alte Sonne tat ihr Bestes für uns: sic schien die ganze Woche wolkenlos herab, und wir schleppten uns Montag früh schwarz wie die Mohren zur Grube. Ein Kamerad kam pfeifend zur Grubeneinfahrt. Und hundert Augen blickten ihn erbost an: sogleich hörte er auf. Roch ein Pfiff— und es hätte einen Krawall gegeben. Und dann hinunter in die Finsternis. Gott, was für ein Gestank nach einer Woche frischer Luft. Dazu waren wir wir blind und schwankten wie Betrunkene. Doch„Arbeit macht das Leben süß" heißt es im Liede, und so begannen wir zu arbeiten— mit einem Fluche! Zur Mittagspause wurde nicht viel gesprochen. Ich war neugierig.. was sich Bob dachte, und was wohl Jim? Seine Gedanken waren den meinen gleich, nämlich, daß wir nur eine Woche von der Grube weg waren, nm die unmenschlichen Verhältnisse desto klarer zu erkennen. Oder dachten sie vielleicht au Vc» Inhalt ihrer Proviantbüchse? Geröstetes Brot mit Margarine, am Ende der Woche wird, es nur trockenes Brot sein, denn am Samstag bekommen wir keinen Lohn. Am Ende der ersten Schicht trollten wir heim/ jeder Knochen im Leibe tat uns weh. Eine Woche Rast macht uns mürbe wie Giaser- kitt. Die Frau war still: für sie harre es keinerlei Rost gegeben, sür sie war die gleiche alte Plackerei, der gleiche alte Kampf. Wenn sie etwas sagte, geschah es bloß, um etwas ans- zusetzen. Ein leerer Tisch erzeugt stets schlechte Laune. Es wär« besser gewesen, wenn die Grube die ganze Zeit im Betrieb gewesen wäre. Aber das hätte wieder nicht unseren Herren Gruben» besihern gepatzt. Unsere Körper mutzten sich 8 doch ausruhen, sonst können wir doch kein vollwertiges Stück Arbeit leisten, und das wäre wohl schlimm für unser Land! Auch für den Magen soll Rast außerordentlich zuträglich sein, erklären die besten Doktoren im Lande, und so ist vielleicht alle- zu unserem Wohle— vielleicht. Und wir steht es denn mit eurer Seele, Bergarbeiter? fragt ihr. Bei eurem Seelenheil, wozu braucht denn einer ein« Seel«, um in einem Kohlenschachte zu arbeiten? I« weniger Seele einer hat, desto mehr besitzt er Kraft, jemehr Kraft er hat, desto billiger ist die Kohle!* A Es wird drei Wochen dauern, ehe wir unsern„Urlaub" überstanden haben werden. Ich wünscht« bei Gott, daß die drei Wochen schon vorüber wären, und wir wieder im alten Ge lcise sind! Welche Farbe Hot das Meer? Ist es blau? Ist cs grün? Woher Namen stammen. Büro., Das Wort Büro hak eine'merkwürdige Bcrioandtschaft mit dem bekannten Könige PyrrhoZ. Das französische Wort dureau heiß' eigentlich grobes Tuch. Später war es der Name für einen mit Tuch überzogenen Tisch— — man spricht ja auch bei uns vom„grünen Tisch". Dann wurde der ganze Raum so genannt. Dem Worte dureau liegt zugnindr das lombardische dur— dunkel, lateinisch dürres — rot, griechisch pyrrhos. der Name jener Königs. Kandidat. Dir Römer, die sich um eine Stell« bewarben, trugen eine schneeweiße Toga stoga randida). Der wahr« Jakob. Das Heiligtum des heiligen Jakob zu Com- postclla in Galizien wurde oft von spanischen Pilgern besucht, welch« die mühselige Reise dorthin unternahmen. Dies« Pilger sahen auf Gräber der andern gleichnamigen Heiligen, welche bequemer zu erreichen waren, mit Geringschätzung herab und sagten von ihrem Heiligtum:„Das ist der wahre Jakob." Berserker. Das Dort stammt aus dem Skandinavischen nnd bedeutet„Barheniden" oder ,whne Hemden". Unter Hemd lSarker) verstand mair nicht unser« jetzigen Hcn'den, sondern das gesteppte und gefütterte Panzerhemd, das als Unterhenid getragen wurde. Die Berserker, welche also das zum Schutze übliche Panzerhemd nicht trugen, waren also kühne Raniboldc, die mir mit Panzer gekleidet in den Kampf gingen. Mausetot. Das Wort manscioi hat mit dem deutschen Dort Maus nichts gemein. Vielmehr besteht das Wort aus einem hebräischen und einem deutschen Stamm. Mös; heißt im hebräischen io:; wahrscheinlich sagte man früher, er ist müsz, er ist tot. Durch Hinzufügung der Ueber- sevung entstand mösztoi und daraus Mausrot. Gleiche Zusammensetzung finde» wir auch in dem Wort mäuschenstill, was so viel bedeutet wie totstill. Das Wort müsz persisch oder arabisch möth, hat im Deutschen noch einen andern Irrtum geschaffen. Man gebraucht nämlich beim Schachspiel den Ausdruck„Matt", in- dciit man sagt:„der König ist matt". Es heißt aber richtig: der König ist müih, also der König ist tot. Chauvinismus. Chatwin ist der Name einer Person inj einem Lustspiel von Seribc, das besonders während der sogenannten RestauratiouSzeil sehr beliebt wa,. Chauvin war«in Beteran aus der Kaiserzeit, der in der glorreichen Erinnerung an Austerlitz und Jena schwelgt«, furchtbar mit dem Säbel rasselt«, Revanche für Waterloo verlangte und dergleichen mchr. In Frankreich ist Chauvin der Name eines sehr verbreiteten Typus geworden und hat allmählich sein« ursprünglichen Begriff« erweitert. Ein Chauvinist ist nicht nur ein begeisterter Soldat, sonder» auch jeder Bürger, der seine Nationalgefühle stark übertreibt. Der tWK in der Kalke. Bon Wilhelm Rothhaupt. Seit dem frühesten Morgen schon wirr- schaftete mein Koch BonifaziuS in Küche und HauS hermm, jagt« t»e BojS und Lastenträzrr hin nnd her und kam wieder zu mir gelaufen, um mein« Entscheidung über die Mitnahme eines Küchengerätes oder eines Kleidungsstückes zu erkundigen. Nur Pcndarcho bewahrte seine schön« Ruhe. Er, der Pfleger der Haustiere und der Pcrjchöncrcr meines Gartens, hatte seine Traglast beretts fertig verschnürt und ging nunmehr mit seinem Verwandt«» Chakulamingi(der BiAessende), dem er sein Amr hinterlassen wollte, noch einmal die auszuführenden Arbeiten und in Frage kommenden Pflichten durch. In der Hand ein« lange Nadel, auf die er einen aus einer jungen Palme gestocherten Nashornkäfer gespießt hatte, verlangt« er von seinem Freund die unerbittlichste Verfolgung dieser gefräßigen Wadulu, und hielt ihm zur Warnung und Belehrung«inen von dem Schädling angefressenen Palmcntrieb unter die Rase. Tann legte er sein Gesicht in seierliche Falten, holte daS kleine, braune Tabakfläjchchen auS dem Gürtel und gab daraus seinem Schüler ein« Prise. Von einer zweiten füllte er die größere Hälft« in sein rechtes, die kleinere in sein linkeS Nasenloch und kam dann, mit verklärtem Lächln gegen den Schleimhauttitzel ankämpfcnd, auf di« Tierpflege zu sprechen. Er wies auf die in der Trockenheit so schwierige Futterbcschaffung für die Gazellen hin, nannte die von letzteren besonders bevorzugten Kräuter und Rankpflanzen nnd machte die täglich« Versorgung mit frischem, reinem Wasser zur ichärfften Bedingung. Tann nach einer kleinen Pause deutete er mit einem wütenden Blick auf den über die ungewöhnlichen Vorgänge freudig hüpfenden Affenjüngling Zomo und riet seinem Nachfolger, diesem bösen Tier Futter wie Wasser nur aus sicherer Entfernung zu reichen. Als' Begründung dieser Warnung wies er dem Freunde seine noch immer Zomos Handschrift nagende Nase. Schließlich verschwanden die beiden tüchtigen Beamten hinter dein Küchengebäude, um noch die Bewässerung der dort stehenden Bananen und Obstbänme zu besprechen. Endlich wollte die Karawane aufbrechen. Aber Allah bestimmte es anders. Mir dem erregten Ruf:„Ein Löwe! Herr! Ein Löwe sitzt in deiner Falle!" stürmte mit flicgrude» Gewändern rin alter Araber, der Jumbe des nahegelegenen Arbeiterdorfes heran und beschwor mich, dem Räuber seiner Ziegenherde den Garaus zu machen. Scir mehreren Tagen hatte ich meine Löwensalle nahe einem Zicgenstall des Dorses ausgestellt, aber vergeblich auf den Erfolg gewartet. Die letzte Stunde brachte mir nun Glück. Der gerade anwesende Letter der Pflanzung und ich machten uns znm Löwenabschuß bcreir. Noch einmal lief ich durch den Garten, lockte Zomo zu mir und streichelte dem lieben Schlingel Abschied nehmend das Köpfchen. Einen letzten Blick auf mein Häuschen, auf di« Palmen und Sträucher, deren Wachstum ich verfolgt. Noch einen Zuruf der Antilope, die neugierig zum Gitter gekommen. Dann begann die Wanderung. Im Negerdorf erwartete uns eine Schar großer und kleiner Mohren. Alle hatten es sich au» leicht begreiflichen Dingen auf den Strohdäöbern nnd Hütten bequem geniacht, um von dort aus die aufregenden Ereignisse zu verfolgen. Auch ich war auf das Kommende recht gespannt, deitn ich halte wohl schon einig« Lecparden geschossen, einen Löwen aber noch nicht zu Gesicht bekommen. Meinem Begletter, der zu den alten Afrikanern zählte, war«ine Löwenjagd nichts Neues. Der Dorfälteste führte nns bis zum Ostrande-es Dorfes und bezeichnete von dort an» ein kniehoch wucherndes Dornengestrüpp als den Fangplatz. Als wir uns dem Platze bis auk dreißig Schritte genähert hatten, kau« aus dem Busch«in tiefes, grollendes Knurren, ein Knacken und Brechen von Aesteu und daun fuhr ein mächtiger heller Körper in die Höhe. Im selben Augenblick gaben wir Feuer. Ter Löwe fiel zurück urü» kam nicht mehr hach. Als ihn einige Steinwürfe auch nicht urchr zum Leben erweckte», näherten wir uns der Falle nnd sanden in ihr eme riesige Löwin. Ein wunderschönes Tier mit gesundem, prächtigem Gebiß nnd mächtigen Pranken. Bei allem Schaden, den sie angerichtet, tat es mir leid, daß dieses königliche Tier in die Falle geraten, welche für Hyänen und ähnliches Gelichter sein mag. Ter Löwe aber ist wert, auf frischer Wildbahn geschossen zu werden. Die Eingeborenen dachten natürlich anders mrd drängten, jetzt kühn geworden, an die Löwin heran,>tm das sonst so gefährliche Tier aus der Nähe zu betrachten und in Schmäh- und Spottrufen Rache zu üben. Ihre Neugierde mußte jedoch eine harte Probe bestehen. Meine getreuen Begleiter, Kazimbaya und Äifumbale, die sich immer dicht bei uns gehalten und natürlich«inen guten Teil des Erfolges für sich beanspruchten, wollten die Feigheit der Dorfbewohner bestrafen. Kifumbäle warf sich unbemerkt auf den Boden nieder nnd begann die nahe stehenden Sträucher wild zu schütteln, während Kazimbaya mit den Armen angswoll in der Luft fuchtelnd und — ,D«r Löwe steht auf!"„Er kommt, er kommt," brüllend den Neugierigen«nrgegen- pürzte. Diesen entschwand sofort aller Mut. Schrecklich zeternd rannten sie, was die Beine leisten konnten, in das Dorf zurück, wo sie behende wie die Affen ans die Dächer kletterten. Schallendes Gelächter, in das dann die Genarrten bald fröhlich mit«instimmten, lohnte die Spaßmacher und unter Lachen und freundlichen Zurufen wurde schließlich Abschied genommen. (Mit besoiwerer Erlaubnis des. Berlages Strecker und Schröder, Stuttgart, dem Buche„Habari", von schwarzen nnd. weißen Afrikanern von Wilhelm Rothhaupt entnommen.)---—’ Spiegel der Jahrhunderte. Bon Heinrich Jnführ. 1828. Die Züricher möchten«in« Erleichterung in bezug auf die nächtliche Torspcrre. Nicht etwa um allenfalls hüben und drüben einen leichtsinnigen Lebenswandel zu begünstigen — Gott behüte!— sondern weil bei Feuersgefahr nachts immer erst der TorschLissel bei der Hauptwache geholt werden muß, wodurch diel Zeit vergeht und der Löschzug in der Regel zu spät