( 3t*. 46 UnterQaltuuQ^eiiage. 1926. Wie iG im Kriminal eingemauert wurde. Al» vor drei Zahreir das zweite Bataillon des vierten Regimentes, welches damals in Marrakesch, dem ehemaligen Sultanssitze lag, in die Wüste abkomnianmcrt wurde, um silr Frankreich neue Landstriche zu erobern, da waren die wackeren Einwohner der Stadt nicht wenig überrasch». Tag um Tag marschierten durch eines der hohen Tore der Jahrtausende alten Lehmsckvnzcn kleine und größere Haufen von Frcnwenlcgionären, müde und verstaubt, auf den Marktplatz Tschemal clFua, wo sie ein paar Schalen Tee oder saure Milch tranken nnd sich dann weiter ins Niilitärlagcr schleppten, das noch fünf Kilometer hinter Marrakesch lag. Es waren Deserteure, welche die Kolonne verlassen batten, zur nicht geringen Freude der Einwohner, die die Kommandatur des zweiten Bataillons absolut nicht in ihr Her; geschlossen hatten und sich freuten, daß auf diese Weise- die Formation dc;imicrt rverden würde, noch ehe ein Schuß siel. Fch war mit nieiueiu Freunde Danda damals der 8..Kompanie zngcicilt. Wir marschierten gleichfalls ab, aber kamen»ncht weiter als drei Fußmärsche von der Stabt., Der .Kommandant, ein Neuling auf afrikanischem Boden, glaubte nämlich, daß, er die Müdigkeit der Soldaten durch eiserne Disziplin heilen werde und feaierle uns im wahre» Sinne des Wortes. Wir mußten in.wohlaus- gcrichtcien Reihen marschieren, wie man in Europa auf ciucm Exerzierplatz marschiert, die Gewehre mußte» genau laut Vorschrift getragen werden, und tausend andere Tinge hatte er sich ausgedacht, die im Gucrille absolut wertlos sind- So kam es also, daß ihm die Legionäre desertierten und rvieder;u- rückkehrtcn. Am dritten Tage kamen Tanda uitd ich Mr Ucbcrzeuanng, daß das Maß voll sei, und so liefen wir also davon, indem wir uit» sieden anderen Legionären auschlojscn, die die gleiche Absicht halten. Am Abend vorher hielt unser Leutnant Duval eine weinerliche Rede, die er mit den Worten endigte: „Und wenn ihr schon desertieren wollt, liederliches Pack, dann tut es, aber laßt wcnig- steu» die Flinten und die Munition da!" Und so stachen also jene sieben Legionäre vor ihrer Flucht ihre Bewehr« um das Zelt des Leut- nauts in die Erde ein, ehe sie davonliefen, und hängten ihre Patronentasche» daran. Danda»mb ich«hielten aber»sie Gewehre. Do« X Soft. weil wir unS vor dm Arabern fürchteten. Nach dreitägiger müder Wanderung durch die marokkanische Wüste, nachdem uns der-Hunger und die Furcht vor den Arabem mürbe gemacht hatte, erreichten wir endlich Marrakesch und standen ratlos am Platze Tfchemal elFua.... Ter Kommandant des Kriminals war sei- ucrzeit der Sergeant Pikres, der wegen seiner Grausamkeit berüchtigt war. Man behauptete von ihm, daß er ein Narr sei, was nicht so unwahr war, denn er war ein Quartalsäuser. Tom wir hatten nicht viel Auswahl, also gmgcu wir tapfer ins Lager, da wir uns sagten, daß wir nicht die Ersten und nicht die Lctztm waren, die in seine Fange kamen. Er empsing uns mit einer Flut von Verwünschungen und schloß uns gleich im„Wei- ßen Hause" ein, einem kleinen Gefängnis ganz aus Stein. Es gingen hier höchstens 40 Gefangene herein, aber es befanden sich gut an die dreihundert drinnen. Pikres sperrte dort nur jene ein, die mit Gewehren geflüch- > tet waren: dies war ein erschwerendes Moment. Tic anderen sperrte er in den Baracke» des Lagers ein. Ein paar Tage hindurch ging es uns an- gcmeffcn. Als dann jene, die ohne Waffen desertierten, amnestiert und zur Expedition zurückgesendet wurden, die warten mußte, weil ein Drittes der Mminschafi nach Marrakesch zurückkehrie, brachen über uns„bewaffnete Deserteure" Mimme Zeiten Herrin. Pikres quälte«ns durch Hungern, wir mußten schwer arbeiten, und so verweigerten wir ihm eines Tages den Gehorsam und begannen mit dem Hungerstreik. Pikres wütete, denn der Kapitän der 7. Kompanie, der als Lagerkcinmandant.zurückblieb, hatte ihm auf eine Beschwerde mitgcteilt. daß er mit uns anständiger umgehen solle, dann würden wir gewiß gehorchen. Nachdem der Herr Kapirän dieses salomonische Urteil geschrieben hatte, widinrte cr sich aber wieder mit Eifer seinen Pferden und Mätressen. Doch Pikres halle sich in den.Kopf gesetzt, unseren Widerstand zu brechen und er vollführtc rin Stücklein, das in der ganze» französischen Fremdenlegion berüchtigt wurde. Eines Tage» rief cr uns paarweise her- aus- Die Burschen giugeu weg und wir dachten, daß nian uns nach Easablanca zum Kriegsgericht senden werde und daß man uns zwecks Erlcdiguug der nötigen Formalitäter» in die Kanzlei berief. Endlich wurden auch Danda und ich Herausgerufe». Wr traten heraus und waren starr vor Erstaunen. Bov dem Gefängnis faß Pikres wie ein türkischer Pascha mit einem Revolver, einer Peitsche und einer Flasche Wem neben sichb neben ihm ein paar Leute der Wachmannschaft mit aufgepskanztem Bajonett.- Wen« cr nicht Menageschalen mit Suppe und Makkaroni zu seinen Füßen gehabt hätte, tvas einigermaßen störend wirkte, es wäre«irr sehr, malerisches Bik> gewesen. „Also, ihr Viechskerle," enlpsiug er uns, „werdet ihr wollen oder nicht? Werdet ihr fressen oder nicht? Ich befehle es euch!" Was beim, essen?... Wir waren gründlich ausgehungert nnd gehorchten gerne! Pikres, der über unsere Bereitwilligkeit er« ! freut schien, sorderte uns auf, rvciterzn- cjsen. Als wir satt waren und glücklich aufatmeten, traut cr seinen Wein, dann schrie cr:„Seht ihr also, ihr Viechskerle, was für gute Legionäre noch aus euch werden, wie schön ihr gehorchen könnt? So, und jetzt werdet ihr den Hof kehren!" „Wir gehen nirgends hin," erklärten wir gleichzeitig. Wir werden nicht eher gehorchen. bevor wir nicht die Kost laut- Vorschrift erhalte», zweimal täglich Suppe, Fleisch und Beilage. So einen Fr.-" Dir sprachen nicht ein Wort mehr. Pikres warf sich mit der Karabatfte über_ uns, wir wchrren uns, aber die Wache überwältigte und fesselte uns. Sie trugen uns dann:it die Ecke des Gefängnisses, wo es ein Wiedersehen mit den anderen Kameraden gab. Sie waren schön wie Delsardinen ausgestcllt, natürlich gefesselt wie wir so daß sie sich nicht bewegen konnten. Nacheinander wurden je zwei und zwei gefesselt hierher getragen, wo wir waren, bis alles da stand, oe- zichtmgswcise lag. Tanir wurden wir in das Gefängnis hincingctrageu und der schon stark betrunkene Pikrrs dielt mit uns Gericht. „Bande!" wütete er, über uns schreitend, da auf dein Böden nicht ein Zoll frei war. „Wcuu ich euch jetzt niederknalle, bekomme ich dafür noch eine Auszeühnuirg. Aber so einen angenehmen Tod verdicm ihr euch ja nicht. Doch wartet, ich habe etwas andrrcs für euch... Und er beriet sich nut dem Korporal von der Woche, waS für eine TodcSart er uns geben sollte, den anderen„zur Warnung". Wir hörten die Unterredung mit stummem .Entsetzen an. ES war uns durchaus nicht zmn Lachen zumute, denn der närrische .Pikres war zu allen» fähig. Um Hilfe zu rufen, war«in Dmg der Unmöglichkeit, denn der Lagerkommandant wohnte natürlich lücht nn Lager. Erstechen, erwürgen, all diese Ratschläge des Korporals gefielen dem Sergeanten nicht. Nicht einmal der Vorschlag, unS den Bauch anfjuschlitzen, uns dann leibeniügc Ratten herenuustecken, fand sein Gestcklen. Erst als der Korporal meinte, dcch man unS «inmaucrn könnte, da jubelte Pikres auf. „Das ist etwas!" brüllte er, vor Freude einen Cancan tanzend,„wir werden sie so 'einmanern, wie wir die drei Legionäre in .Sidi Bel Zkbbcs vermauert haben. Zwei, drei Tage lang werden fie so gemartert werden... Eine Stunde später ritz man unS die Kleider herunter, da Pikres meinte, datz es um ine Monturen schade sei. Tann übcrgotz inan «ns nut Wasser, damit wir bester„verfaulen" sollten und dann vernahmen wir das Scheppern der Maurerkellen, wie man das Fcnstcrchrn des Kriminals vermauerte und es um uns herum dunkel wurde.-. Wir dachten, daß dies alles ein Scherz sei und daß der Sergeant, bis er sich ausgeschlafen hatte und wieder nüchtern geworden war, wieder zu Vcrstarid kommen werde. Aber die Nacht verging und niemand kani. Es wurde unsbange zumute. Hunger^ Durst, der Gestank der Eflremenie, Mause, die über uns hinwealicstn und die Aussicht auf das entsetzliche Ende ließen uns erbeben. Wir brüllten,«wer es war vergeblich^ denn die besoffene Wache verhöhnte uns. Es war «in Glück, daß Pikres nicht auch die Tür vermauern ließ, sonst wären wir sicher erstickt- So drang doch durch die Türspalten ein wenig Lust herein, aber natürlich unzureichend. Wir dachten also, datz keiner von uns den Morgen erleben würde. GbuNrcherwcisc gelang es einem unter «ns, seine Fesseln zu lösen. Er befreite die anderen und mit gemeinsamer Bemühung erbrachen wir die Türe. Im gleichen Augenblick rechneten ivir mit der trunkenen Wache ab und warst« uns voller Witt ins Lager, Pikres suchend. Es war sein Glück, daß cs ihm gelang, zu Pstrd in die Stadt zu entfliehen, und dann beruhigte uns der Kapi. tön der 7. Kompanie. Pikres fiel wegen stiner originellen Art von Bestrafungen bei seinen Vorgesetzten in Ungnade und wurde dann fiir einige Zeit ins Irrenhaus gesperrt. Wir wurden nachher amnesttert und statt zum Kriegsgericht zu unserem Bataillon gesendet. Wir waren froh darüber, denn auf diese Weise entgingen wir einer mehrjährigen Strafe, die uns Deserteure mit Waffen erwartete. Doch Pikres entkam unserer Rache dennoch nicht. Zwei Jahre nachher, ain Feiertag der Jungfrau von Orleans, dem Tage unserer Einmauerung, wurde Pikres im Lager erschossen und ihm der Revolver in die Hand gedrückt. Und obgleich der Kommandant die Art, wie Pikres gcswrbeu war, sehr wohl erkannte, schrieb er dennoch als TodcSart nn Bericht über seinen Tod cin einziges Wörtchen:„Selbstmord." Beherzigung. Bon Hoffmann von Fallersleben. Richt dctteln» nicht bitten! Rur mutig gestritten! Rie kämpft cs sich schlecht Für Freiheit und Recht! Und nimmer verzagct! Bon neuem gewaget! Und mutig voran! So zeigt sich der Mann! Wir wollen belachen Die Feigen und Schwachen. Wer steht wie ein Held, Dem bleibet das Feld! Einst wird es sich tocnden, Einst muß es sich enden Z« unserem Glück. Drum nimmer zurück! Rein, nimmer zurück! Das Schuldkonto des Aetna. Der Aetna, der wieder einmal di« Bewohner der anliegenden sizilianischen Ortschaften in Furcht und Schrecken versetzt, ist stit der ältesten Zeit als Vulkan bekannt. Bon den rund 80 Ausbrüchen in geschichtlicher Zeit waren die heftigsten, die aus den Jahren 396, 126 und 122 vor Christi lybeurr und die aus den Jahre» 1069, 1329, 1537 und 1669 unjercr Zeitrechnung. Im Verlauf dieses letzten Ausbruches, der«ine der bemerkenswerten Katastrophe» darstellt, entstanden die Monti Rossi, die gewaltigen Lavaergüstc, die sich in Menge und Mächtigkeit zu denen des Vesuv verhalten, wie etwa gewaltige Ströme zu unbedeutenden Flüssen. Bei der genannten Katastrophe wurden 27000 Menschen obdachlos; viele Menschenleben gingen verloren. Dem Ausbruch von 1693 folgte ein getvaltiges Erdbeben, das 10 Städte und Dörfer ganz oder teilweise zerstörte und 60000 bis 100000 Menschenleben olS Opfer sordertc. Weitere Ausbrüche sind in den Jahren 1755, 1766, und 1792 zu verzeichnen. Auf das 19. Jahrhundert entfallen 19 Ausbrüche, deren schlimmsten die Jahre 1812, 181», 1813, 1852 und 1865 sind. Am 26. Mai 1879 erfolgte«in gewaltiger Ausbruch, der bis zum 6. Juli anhirlt. ES bildete sich damals ans dem Rordabhang deS Aetna«in neuer Krater, der Monte Uurberto Margherita, wobei der Lavastrom ununterbrochen herabsloß, bis er den Alcantaraflnß erreicht hatte. Eine Reitze von nnbedrnlrnden Erdbeben und Ausbrüchen des Jahres 1883 leilete eine neue Ausbruchspcriode ein, die sich über zehn Jahre erstreckte. Der Ausbruch vom Jahre 1886 begann am 18. Mai vom Zentralkrater aus, und die flüssige Lava ergoß sich damals mit einer Ttundengcschwindigkeit von 70 Meter in der Richtung des Dorfes Ricolosi. Die verängstigten Eintvohner veranstaltrtrn «ine Bittprozcssion unter Borantragen der aus den Kirchen geholten Heiligenbilder, und am Morgen des 24. Mai entfallet« der Erzbischof von Catania in höchster Rot den Schleier der heiligen Agathe.-Am 6. Juni kam dann end. lich der verheerende Lavastrom zum' Stillstand, nachdem er nur noch ruqd 300 Meter von dem ersten Haus deS OrteS«utstrnt war. Erheblichen Schaden verursachte ferner rin Ausbruch im Juli 1892, wobei sich die Stundeitgeschlvindigkeit der flüssigen Lava gegen di« des Jahres 1886 verdreifachte. Als am 6. August die herabslrömcndc Lavamassc endlich zum Stillstand kam, war sic nur noch ondcrthalb Kilomrtcr von Borcllo und rund drei Kilometer von Rirolosi und Pcdara enl» cntfcrnt. Rach sicbcniährigcr Ruhe erfolgte am 19. Juli 1899 im Mittclkrater eine heftige Explosion, wobei eine Dampf- und Aschrnsäule von der üblichen Regenschirmgestall bis zu einer Höhe von über 500 Meter über de» Krater in die Lust geschleudert wurde. Gleichzeitig«rgroß sich cin heftiger Regen von rotglühende» Steinen, Asche und Schwefel über den Gipfel. In den Jahren 1908 und 1910 folgten dann weiter« Ausbrüche, und im Jahre 1911 steigert« sich die Tätigkeit des Vulkans zu einer gewaltigen Eruption, die sich aus der Nordseite des Berges zwischen dem 11. und 21. September vollptg. Die Souffleuse. Bon Fred Hildcnbrandt. Wenn man von der Rangloge hinuntersah in den Orchesterraum, ein trüber, ver- staubter Schacht, r