Gwamp Moeeaffin Von Sohn K. onatyeuo. Diese Skizze erschien anläßlich eines Preisausschreibens in der anrerikanischcn Reg e r;«i t u n g„TheCrisis" und wurde uiit dem ersten Preis ousgezcicknet. Verkrüppelte Zwergpalme», gebeugt unter der tlrbrigetl Feuchtigkeit, die sich vor Sonuenanfgang au der Golfküste niederschlägt. Myriadensachcs Leben, aus dem Schlafe e uer schwülen Nacht envacht, summende Fliegen, schwirrende Insekte» und Hunde, eine zahllose Brut von Bastarden. In den Zellenwagen hatten die ganze Nacht verlassene Menschen geschlafen. Mit den Hunden, den fliegenden und kriechenden Lebewesen, öffneten auch sie ihre Augen in e ne erwachende Welt, nur daß ihr Blick müde tvar und ihre Welt ohne Hoffnung. Sie sahen nur eine Sumpfwildnis, ein Labyrinth von laugnadcligen Fichten, wc ßlich schimmernde Flecke und ein paar Fußhoch über dem Boden trogariige Becher, in okncn das Harz dieser weißflcck gen Baume gerann. Bei Morgengrauen nnd in der Dämmerung nahmen diese Flecke manchmal sclisanic Formen an: Gelichter zeigten sie, grinsende nnd spottende. Sie waren oft schreiende Kopien jenes schrecklichsten Antlipes— des Gesang- nisvcnoaltcrs. Die Nachtschicht der Wache lauschte Grüße aus mit der Tagschicht nnd troch nnter d'c niederen Zelte hinter de» Zcllen- ivageir, um noch ein bißchen Schlaf zu erhaschen, ehe die brennende Glut sich niedersenkte. Die Kühle des Sumpfes hüliic sie ei» nitd ermüdete sie. Seine Stille benahm jcdeir Mut und zerstörte jede Lebensfreude. Der Geruch von Kaffee heftete sich au die feuchte Luft. Der einzige Weiße Gesungene war der .\tsei; des Lagers. Man hörte. ihn seinem Mitgefangenen und Hilfskoch im Kücken- wagen Befehle cric ien. Tic Zellen wurden aufgcsperrt, und dreinndjioanzig Reger krochen ans ihren Grüften wie wandelnde Leichname. Sie iru g.ul Gefäilgiiissleider bei Tag nnd Nackt. Gleich den Hnnden durften sie nur stöhnen, sich strecken nnd znul Essen bereit sein. Einige holte» Wasser aus einer Quelle und witschen sich hastig. Andere tranken gierig ans der hohlcir.Hand. Drciuudzlvanzig Körper iioarrn es, laug, kurz, rnagcr, feit, muskulös, gestählt, Menschen nur, nicht besonders wertvoll, aber von einiger Bedeutung für die Gewinnung des Terpentins. Die Anwesenheit der Wache tvar eine iukuierwährcnde Qual. Gewehre, die tötete», Augen, dw immerzu beobachteten—• waS konnte ein nnbewaffiteter Neger noch irgendwie erhoffen! Eins, zwei; eins, ztvci. Sie schritten im Gänsemarsch zu ihrer Morgeitration. Dampfende Bleckbmhsen^ Kaffees, große Stücke Specks und dicke Schnitten Kornbrotes. Gieriges Schlucken, Schmähen dicker Lippen. Sie mußten ihre Wänste füllen oder sterben. Auch die Wachen aßen; aßen nnd wachten. Der erste Schimmer des Morgens breitete sich über die Gipfel der Bäunic. Tie Schatten noch an den Bäumen haftend, sind farbig angehaucht, grün die Blätter, braun die Zapfen. Darunter grünes Gras, grüner Schlamm, fchlwarze Gesichter, Weiße Gesichter, schwarw Streifen, weiße Streffcn; menschliche Zebras. Die Sträflinge aßen mehr oder weniger schwe'gsam, traurig und mürrisch. Diese Ein- tön'gkeit, der Mangel an jedem Ding, das Freude machen konnte, überwältigte sogar die Wachen. Kein Wechsel der Landschaft, immer nur vom Tang überwucherter Sumps und Hobe Bäume, die das Sonnenlicht verdunkelten; keine Briefe, cs sei denn, der Borrals- isagen brachte welche m t Lebensmitteln aus einer Entfernung von neunzig Meilen mit. Keine Erholung außer Schlaf, keine Frauen, keine Kirche. Die Wachen richten und beobachteten, de Sträflinge arbeiteten nnd wurden bewacht. Aber Menschen müffcn leben. Es gab ja auch noch andere Berufe, die sicherlich viel schlimmer waren, als unbewaffnete Reger in Schach zu halten, llnd daun kann mau ja auch laugentbchrtc Bcrguügnngen nachhotcn, denn ciuinat mußte cs doch ein Ende haben. Die Gefangenen fanden Trost im Deuten. Nuinnicr c ns war wegen Attoyolschiuuggels heraufgcschicki tvorteri— secks Monate. Er wußie, seine Weißen Beschützer lvürdcn sie: seine Feeilassnng sorgen, so bald dem Gesetz Genüge getan tvar. Nummer drei war weniger zuversichtlich. Nummer dreizehn haiic seinen Rivalen im Bordell gelötet. „Totschlag" nanntetl cs dis Gefchivo- renen. „Zwei Jahre Zwangsarbeit," jagte der Richter. Man rannte sich ringsuul zu, daß, solange das Lager währen würde, das herßt solange die als die Baume einen Nutzen abwarfen, ein bestimmter Stand von Arbritcnr nolens volens anftechtrrhalten Weichen mußte. Bestimmungen über die Dauer der Strafe gingen ost verloren oder wurden vergessen. Der Koch fütterte die Hunde. Das war die tägliche Zerstreuung bei den Mahlzeiten. Ihr.Knurren. Bellen nnd Wim'cln übertönte das dumpfe Gemnrrncl der Neger. 'Tagte da Rümmer drviundgwauzig zu Rümmer zweiundzwauzig:„Einer von uns muß weg, ich oder der Berwaltcr." Nuunncr zlveinndztvanzig raunte, seinen runde» Kopf warnend schüttelnd Nummer dreimckzwanzig zu: seiner von uns hat irgend eine Aussicht." Rings im Kreise die Köpfe auf dem Boden, mit tropfenden Ästen, kläfften die Bestien des Sumpfes, machten wüte gurgelnde Ewräikschc. Zu den Augen der Gefangenen blitzt unterdrückte Erregung auf. Die Wachen freuen sich auf den Kampf. Die große» Hunde wollen mehr habe«. Sic müsse» mehr habe». Ihre Wanste fassen mehr. Ein riesiger weißer Hund be'ßt sich zum Sieger durch. Die Besiegten machen sich hinkend, ktäffcnd, ihre Wunden leckend, davon. „Anfgcfchenchk ivie so einen Haufen Neger." lacht orn Wächter. Zweirlndziranzig afrikanische Sträflinge grinsen und lachen ein afrikanische-, Lacken. ,.Küah! Kyah! Hhah! Hhah!" Aber Nummer drcuindpvanzig. sehnig, schwarz, furchtlos, ballt die Fäuste.~ Die Sonne stand höher. Einzelne Strahlen brachen durch die düstcreu Wipfel der Bäume, und die Anse» der Gesaugeuen treffend ließen sie das Dunkel nur noch wirksamer hervortreien. ilngekäu'-nite wollhaarige Köpfe kcl'.rtcn sich jäh zur Seite, runzelige schivarze Hände beschatteten blutunterlaufene Augen. Rumnier dreinndzwanzig starrte gc- radcans vor sich hin. Die Schatten, die sich von den Wipfeln der Bäunr gelöst hatten, schienen in sein Wesen zu dr'ngen, sein Innerstes auszutrocknen, dcc Atmosphäre seines Elends zu durchdringen und sich zu dem ewigen Schat.» — 2— ten der Furcht zu gesellen, der seine Kamera- den bedruckte. Wie ein Leichentuch lag all das Verbotene über ihnen, hüllte sie ein und erstickte jede Regung. Manche lebten stumpfsinnig dahin, Vergangenheit und Gegenwart vergessend, di« Zutunst nicht kennend; andere wurden mürrisch und tierisch, nicht nur stumpfsinnig, sondern auch menschenunähn- Lch. Tic Crrcc des Suuipfcs verwandelte sie al« in Tiere, in Schtvciuc, Oppossume, Stinktiere und Wölfe. Ter Lagerverwalier, dessen Schritte schon Dchircckcn erweckten, des- stn Anblick zu. Stein erstarren üeß,. der nn- oeheminr Gewalt und Macht handhabte, war Mr sichtbares Werkzeug. Er war der weiße Hund, der sichrer der Meute. Bei Hunden nnd Menschen sind Instinkte stärker als Furcht. Der Hunger ist vir solcher, und Hunger war es, der die halbverhungerten kleineren und.ühwächeven Tiere einen Happen erhaschen und davonlaufrn Setz. „Yee-ow!** Einer von ihnen lvar nicht heimlich nnd rasch genug gewesen. Zeine Tollkühnheit brachte ihm den Tod. Der große Hund erdrosselte ihn, biß und zerriß ihn in Stucke. Zeine Beine zuckte» lrampfhast. Ein Wächter rief:„Ein Hurra den Weißen!" „Haw! Haw!" lachten grinsende rote Mäuler. „Huh! Huiuph!" stöhnte irgend ein Sträfling diesen unnachahmlichen, singenden Ton des Spott'ö der Schwarzen. Alle wurden nun austnerksam. Langweile enisloh siir eine» Augenblck. Die Sträflinge w.chcn zurück vor dem gefährlichen Tier. All-, außer Nummer dreiundzwauzig. Dieser ergriff einen Fichtenast, der in der Nähe lag, und schlug dein Tier den Schädel rin. Es war entsetzlich. „Rasch! Rasch! Ein gefährlicher Neger." Auf jeden Tträfling war ein Gewehr gerichtet. Aus seine!» Zelte kam der Verwalter mit langen Schritten, mit seinen dicken Stieseln die Erde auswerfend. „Zum Teufel!" fluchte er und stürmte dahin. Er tvar ein Herkules von einem Manne: breite Schultern, Stiernacken, rotes Haar, rotes Gesicht, stahlblaue Augen, auto- mattsche Pistole in der einen, Peitsche in der anderen Hand. „Ter große Reger da, Nummer dreiundzwanzig. hör de» bcstcu Hund der Meute getötet. Ihm vor unseren Angeu den Schädel eingeschlogcn.",' „Neger," zischle der Weiße, schäumend vor Wut, legte die Pistole au, die Finger am Hahn:.Melder herunter!" ,Mrine Hoffnung für uns"— das Echo eines Flüsterns. Tträflinaskleider bedeckten die feuchte Erde, dann sattste die Peitsche. „Reger, sag dein Gebet!" Tunipfc Schläge nnd entsetzliche Stille. „Ich will dich heute nicht töten. Reger. Verdammt, mach! dich an die Arbeit!". Er wcildcte sich zur Wache rnch befahl: „Schinder sic, schindet sie, bis sie nicht mehr können. Der Hauptsaumielplatz braucht Material. Gestern kam ein Brief." Lahm, blutend bückte sich der Geprügelte, nm seine Zträfl-ngsUeider anfzuheben. „Eine Kugel in deine Eingeweide, wenn du nur einen Lappen anzschst." Vor ihnen dehnte Äh eine Allee von lanablättrigen Bäunie»; grausige Narben leuchteten gclblichweiß im ausgehenden Son- nenkcht. Der kostbare Saft tropfte herunter, der den Kulturnwnschcn Terpentin gibt für Apotheker, Maler und.Künsller, Har; fir Sch'ffc, die Welthandel vermitteln. Sie stürzten in den Smnpf, ivo cs trie- chcudes und sich anklammerndes"lewürm und Käfer gab, Skorpione, die sich in der alten Rinde toter Bäume verbargen und, allen weit überlegen an Schrecken, die, unerbittliche, furchtbare Ratter der Sümpfe, de Swauip Moccassin. Sie ist so gefährlich wie die Klapperschlange und nur noch rascher als diese, weil sic nicht tvarnt. Sie ist noch nie gezähmt worden und ist der Mcnfckheit un- barmherzigste, grausamste Feindin. Tic verlangt keine'Schonung und gewährt keine. „Sing uns ein Lied. Neger!" rief der Bcrivalter, der wohl wußte, daß mürrische Unzufriedenheit am besten dlirch den Tt'nni- lus eines Liedes zerstreut wurde, wie man ja auch sonst schwarze Arbeiter in dieser Wesse anzusporucn Pflegt. Es gibt immer einen Anflihrer unter schtvarze» Gütcrpackcrn, Hafenarbeitern, Straßenarbeitcrn, Farmern, Terpcntinge- winncrn, der Worte und Melodie eines Li« des zu improvisieren weiß. Er schöpft ans ter Eingebung des Augenblickes.. Die schwarze Rasse reagiert auf jede Regung-rascher, vielleicht. weil sie der Rattir näher ist., Eine Stimme bracb hervor, so klagend und nnirdisch, als wäre sic vom Körper getrennt, und sang:„Twamp Moccassin! Swamp Bloccassin! Swa—a—mp Rlocassin!" Vom anderen Ende der Allee, von unsichtbaren Schatten, kam als Antwort der Refrain:„Swamp Moccassin! Swamp Moccassin!" Tie ganze Tragik des Sumpfschreckens lag'n diesen! Refrain, und der ganze lauernde Haß gegen die Weißen, ein schmerzhaftes Gefühl des Unrechts. Der Anführer improvisierte. Swamp Moccassin, die sich im Sumpf verbirgt. Hab' Mitleid mit uns Regern heute. Wir bemühen uns. dir- aus dem Weg zu gehn, Swamp Moccassin, die sich im Sumpf verbirgt! Ter Refrain erklang gespenstcrhast unter den Bäunie», während der Säst von der jungfräuliche» Schönheit der Bäunie in die Becher tropfte. Swamp Moccassin fürchtet keinen Menschen. Licat auf einem Stamm mit baumwoll- weißem Mund, Leckt mit der Zunge hinauf-und hinunter, Swamp Moccassin fürchrct keinen Menschen. Tic Klapperschlange klappert, wenn sic zum Sprunge ansetzt, Dloccassins Augen sind ein furchtbarer Anblick, Sich dich vor, Reger, sobald du nur ge boren, Swauip Moccassin bring: dich zum Jüngsten Gericht. Ter nackte Schwarze tamnelie nach vor» und rückwärts, sank nieder, erhob sich wieder, stöhnte mit schwimmenden Linnen und Sausen in den Ohren. So wanderte er, in afrikanischer Langmut, iiu Kongodschungel. Mittag. Tie Sonne, am Mittelpunkt des Firmaments, glüht wie Feuer, Wänste sind wie leer, Kehlen ausgedörrt und trocken. Eine endlose Kette von Essen, Mühen. Schlafen, Gehen, Essen, Mühen Schlafen. Warum nicht verhungern? Tann keine Zelle mehr, keine Plackerei, ewiger Schlaf. Die müden Sträflinge liegen keuchend im Schatten. Tic Hunde sind zu müde, zu raufen. Geruch von angcbrannlen Bohnen nnd Dust von reinem Harz. Braungedörrt von Tonuenglut liegt der Schwamm auf eine»! faulenden Baumsnimpf. Rein, nicht braun. Kupferfarben sieh: er aus. Ist es eilt Tchtvamm'? Es beivcgr sich! Ein schlängelndes Gleite». Ah! Eine Swamp Moccassin, die sich sonnt. Die-Hunde haben sie erblickt. Sic winseln nnd schleichen rückwärts. Ter Verwalter will seincu Spaß haben. „Reger, Hunde tötender Reger, fang die Schlange, sonst ziehe ich dir dein schwarzes Leder herunter!" „Um Gott!" , r'it? unbekannt ist! ES gibt aber auch noch rinc andere Form der Zcitche des Rotgardisten. Wenn er von der roten Armee adgcht, muß er wieder in sein Heimatdorf zurück. War er aber einmal in der Stadt, treib: ihn keine Sehnsucht mehr zurück ins Torf. Le sagt, die dummen Bauern öden ihn an, und er kann cs nickt mehr auf dem Land- anshaltcn! Er will dann in der Stadt bleiben. Er darf aber nicht, wenn er nicht nachwersen kann, daß er Bcr- wandte in der betreffenden Stad: har. Nichts leichter als das, sagt sich der Rotgardist, der sich überlegen fühlt gegenüber der Fran, und der die bourgeoise Ehe praktisch bekämpft: Kur; vor Abgang aus dem Hccresverkand sucht er sich ein: Frau, welche, das ist ihm gleichgültig, wenn sie nur ein Zimmc:cken hat und eine Existenz. Dir heiratet er, und nun bekomm! e, cineu Anf.n'ha lsschein, so daß cr sich in der Stad! aufhaltcn und arbeitet: kann. Richt lange dauert cs, dann geht er auf das Registrieramt und laß: sich von seiner Fran scheiden, denn der Zweck, in der Stadt zu blei- den, ist erfüllt.-5>ic Ehe ist aus. Er kann jetzt eine andere Fran heiraten. Man sage, was man will, gegen die heutige Form der Ehe, aber so korrupt, wie sie in Rußland ist, ist sic bei uns doch nicht. Wie wenden sich die Bolschewiken und ihre Adle- gcr, die Kommunisten, gegen die bourgeoise Ehe und bekämpfen sic um ihres prostituieren- den Charakters willen. Richtig, viele Eheir sind schlimmer wie eine Prostituierung! Ist r» aber nicht noch korrupter, prostituierender, rinc Ehe nur deshalb zu schließen, um in der Stadt;n bleiben und eine Wohnung zu erhalten? Ist hier ans der Ehe nicht ebenso.-ine Zweckcinrichlnug geworden, wie in de» kapitalistischen Ländern die Ehe eine Gcschäitsver- biudung ist? Ob Einheirat oder Zeitehe um eines bestimmten Zweckes willen, das ist gleichgültig, in-beiden Fällen ist die Ehe;u einer Pros'ilnlronseinrichtung geworden. Die rnsiiscke Ehe ist alles andere als ideal und vorbildlich für eine Ek.reform. Bas.Kriegsandenken. Bon Rilos Ctrnaety. Sie befanden sich eines Tages in Sknrari. Er pendelte a>:f gut Glück durch die Straßen, begegnete montenegrinischen und albanischen Frauen mir Traglasten auf den Köpfe» und betrachtete die Werkstätten kleiner Hand- wcrkslruie. So gelangte er zu?» Laden eines Kleinodienhändlers, der ein» Reihe zierlicher Gcgenstäude ausgestellt harte, die ans silbernem Drahte Nansverserrigr waren. „Ei, was für ein hübsches Armband.'" dachte er bei sich. Er ging in den Laden hinein und kairfte es für Lili. Er kannte es sich selbst nicht erklären, wieso es ihn: plövlich eingefallen tvar. Scho» seit längerer Zeit hatte cr ihr nicht cinuial eine Zeile mehr geschrieben. Aber dennoch kehrten seine Gedanken wieder zu ihr zurück, zn der letzten Fra», die cr vor seinem Abgänge ins Feld in seinen Annen gehalten hatte. Er Hane sie vor dem Kriege ans cincut Balle keirttengelcrnt. Sie war ihm angenehm und sumpaihisch. Tann traf cr sie im Parke wieder und begleitete sie nach Hause. Später suchte er sie selbst aus und machte die Bekanntschaft ihrer Fumilic. Er fühlte, daß sic still in sein Leben ringeireien war, um ihm eine andere Richtung zu geben. Sic gab sich ihm im ersten aufrichtigen Aufslammen ihrer Gefühle hin, ohne an eine Zukunft zu denken Auch daheim standen sie ihrer Liebe nicht im Wege, den» ein junger Ingenieur schien die Gewähr für das Glück der Tochter zu bieten. Ta kam mit einem Male der Krieg, der sie trennte. Rasch»rußte cr fort, cs blieb kaum Zeit, ihr Lebewohl zn sagen. Es kam zn unverhofft. So wurden sie sich nicht einmal der Tragweite desselben bewußt und hofften auf rin baldiges Wiedersehen. Und indes gingen ganze Monate vorüber. Im Anfänge schrieben Pc einander ost, später seltener. Er stand täglich dem Tode gegenüber nnd kein Geist war wie zerschlagen. Er sehnte sich nach ihr, aber allmählich war cr nicht mehr imstande, ihr einen herzlichen Brief zu schreiben, ans den sie sicherlich tvartclr. Und so verstümmle er langsam gänzlich. Er freute sich darauf, daß cr bald heimkrhren nnd ihr alles erklären würde. Aber kein Ende kaum heran, seilt Weg führte ihn auf neue Kriegsschauplätze. Er kam auf den Balkan, wo cr seine Pflicht an! der ttzcnauigkeil einer Maschine erfüllte. Biel erstarb da in ihm. Tas Leben schien ihm gänzlich gleichgültig zu sein. Rur der Gedanke an sie tauckrc wiederholt wie— ein Unteese»boor aus der Meereskiefe auf— und entzündete in ihm den Funken einiger Hoffnung. Bicllcich! würde die schwere Wolke, die auf seiner Seele lastete, dennoch vorüberzieheu, und dir-.-.ine der Freude wieder anflenchicn. Und so blitzle in ihm die Erinnerung auch an jenem Tage ans, als cr das Arntbaud bei dein-Händler erblickte. Wieder ging eine Reihe von Tagen vorüber. Tas Armband lag mit Seidenpapier umwickelt in seinem Rucksacke. Es lag dorr bereits halb vergessen. Endlich schrieb er ihr einen Bries, legte das Armband in den Briefumschlag und begab sich zn seinem nächsten Kameraden, der in einer Rachbarstcllnng lag. „Ich Hörle, daß du morgen heinifährst!" „Ja, kann ich dir mit etwas dienlich sein?" „Erweise mir einen Freundschaftsdienst und gib diesen Brief ab. Tie Adresse befindet sich darauf. Aber verlier ihn nicht, cs ist ein Geschenk für— meinen Schatz darinnen. Er fühlte eine Art Erleichterung. Als oh ihm ein Stein vom Herzen gefallen wäre, so ein Gefühl hatte er, als er den Brief übergab. Was wird sic wohl sagen, wenn sie ihn bekommen wird? Sie wird sich davon überzeugen, daß er ihrer gedachte, anck wen» cr cs mit keiner"Albe kundgab. Binnen kurzem kam eine Antwort. „Teinem Wunsche bin Ich mir Vergnüge» nachgckommen und habe Lili das Armband übergeben. Als sie es erblickte, schlnchzke sie. Lange schon habe ich niemanden so heftig tvcinen gesehen. Weshalb, begriff ich erst, als sie mir miitcilte, daß sie— verlobt sei. Sie handelte so mir Rücksicht auf ihre Familie. Tas Armband sendet sic dir zurück, nnd bittet dich, ihr zu verzeihen." Er las den Brief, nnd cS war ihm, als ob ihm jemand ein Messer in die Brust stoßen würde. Es war die schwerste Wunde, Sic er im Kriege erlitten hatte. Äugend- und Kinderbücher. „Pu der Bär." Bon A. A. M i l n e. Ber- lag.Williams u. Eo., Berlin-Gninewald. Der durch die Herausgabe der reizenden Toktor- Toolittlc-Bücher bekannte Verlag Williams u. Co. hat mit„Pu der Bar" wieder ein Kin- derbnch heransgegebcn, das jedes Kindes Entzücken Hervorrufen wird. Pü ist ein Teddybär, Ser in der Welt vieles erlebt, was die Kinderleser fröhlich stimm: und neben ihm treten noch vielerlei andere Tiere handelnd auf. Ter Per» fasier bat, phaniasievoll nnd mit prächligcin Humor, in„Pu der Bär" ein Märchenbuch geschaffen, das allen damit beschenkten Kindern im späteren Leben eine schöne politische Jugend- erinnernng bleiben wird. Tie zahlreichen, dem Text bcig.'sngtcn Illustrationen sind reizend. „Jugend und Welt." Bd. 2. Heransgegebcn von Rudolf A r n h e i m. Verlag Williams u. Co., Berlin-Grunewald. Tiefes Jugend- Jahrbuch bringt in vorzüglicher Ausstattung eine Fülle anregenden, belehrenden und nnter- halteuden Lesestoffes für die reifere Jugend. Eine Reihe von Mitarbeitern habe» Beiträge geliefert, die in ihrer Gesamtheit das Buch zu einem wertvollen Besitz der Jungen nnd Mädels machen wird. Schöne neue Bilderbücher des Verlages Jos. Scholz, Mainz. Man imiß dem Verlag zngcstehen, daß er bei den von ihm hcrausgege» denen Bilderbücher die Devise befolgt:„Tas beste ist für das Kind gerade gut genug." Ter Verlag bezeichnet selber als These, der bei der Herausgabe seiner Bilderbuchreihc gefolgt ist, diese:„Der Bilderbuchstil kann nur in der Richtung einer Verschmelzung der wesentlichen Züge der Kindcczeichnung mit dem periönlichcn Stil des berufenen Künstlers liegen." Daß er dieses Prograinm treu befolgt hat, dafür erbringt jedes einzelne der Bücher den Beweis. Technik, Ausstattung, Bilder nnd Texte dienen durchwegs der Aufgabe, das Bilderbuch zu einem wichtigen Mittel der Jugenderziehung zu machen. Da sind:„Die Bremer Stadtmusikante«" (1.75 Mark),„Bunt Durcheinander"(1.75 Mk.), „Die Reise der Tiere"(2. Mark) Zirkus"(1.— Mark),„Tas Jahr im Leben der Kinder"'2.— Mark),„Ringel, Ringel, Reihe"(MO Mark), — 4— „Schneewittchen und Rotkäppchen"(1.— Mark), i „Tiere ans Haus und Hof"(1.50 Mark). Die| allen unverwüstlichen Märchen sind künstlerisch und farbenprächtig illustriert, die anderen Bilderbücher nicht minder und führen so die Kinder in das wundervolle Land der Phantasie und der Träume. Das beste Geschenk für d>e Kinder sind Bücher, diesem Grundsatz ist der Verlag durch die Heranziehung hervorragender Künstler als Illustratoren cntgegengekommen und damit ist auch das beste über diese Bilderbückrr gesagt, was über sie z»r sagen ist. „Odysseus". Irrfahrten linb Abenteuer dcS listenreichen Odysseus. Ben K. Meier- Lemgo. Verlag: Frankhsche Derlogsbuchhand- 7nng7 Stuttgart.(Preis 6.— Mark.) Sollte je» urand in der Erinnerung an die Schrecken der -Schulzeit sich abgeschreckt fühlen, rveml er den Namen Odysseus liest, so täte er diesem Buche Unrecht an. Hier ist der Versuch unternommen, diesen Stofs neu zu gestalten und er kann als gelungen bezeichnet werden. Odysseus und die anderen Gestalten der griechischen Mythe schrei- reu nicht aus hohen Stelzen einher, soydern sind Menschen der Wirklichkeit. Es ist kein Zweifel, daß das Buch der reiferen Jugend ausserordentlich gefallen wird. -.Marti« StesfeuS wilde Fahri". Bon Willy Stcding. Frankhsche Berlagsbuch- handlnng, Stuttgart.(Preis 8 Mark.) Wer Bedenken trägt, Knaben ein Abruteuerbuch in die Hand zn geben, der erinnere sich an seine eigene Jiigcud, in der er sicher mit fiebernden Augen solche Bücher gelesen hat. Jeder richtige Junge dürstet nun riirmal darnach, au abenteuerlicheu Geschehen Anteil zu nehmen und Bücherlcsrn ist noch die harmloseste Forur, dleseur Drange Rechnung zn tragen. Martin Steffens wilde Fahrr ist ei» Buch so recht nach dem Herzen der Knaben, das noch dazu nicht ohne dicktcriickrn Werl ist. Was monier nicht weiß. Eine Arbeitsbiene gewinnt aus einer einzigen Klceblüte 7.5 Milligramm Nektar. Ilm diese Menge zu getvinnen, muß sie aber ihren Rüssel in 60 verschiedene Blütenröhren stecken, li ui ein Pfund Nektar eiuzusammeln, muß die Biene 58.000 verschiedene Kteeblüten besuchet, und da sie bei jeder Blüte den Rüssel in 80 Röhren steckt, so bedeutet dos, daß sie 3,360.00 Rüssrlziigc tun muß, uui soviel Süßigkeit zu sauunelu, daß daraus ein Pfund Honig gewonnen wird. I» allen tiefen Schächte», in tiefen Bobr- löchcru, in großen Tunueküauten nimuit die Teuiperatur mit der Zunahme der E ltfernurg von der.Erdoberfläche ständig zu. Jui allgemeinen darf daulit gerechnet werden, taß bei einer Zunahme der Tiefe um:e 33 Meter die Temperatur um 1 Grad ilcigr. Bri den asiatischen Kirgisen gilt es für nn- srtiicktich. wenn eine Frau jemals Sen Name» eines ihrer männlichen Ve/wandren ausspricht. In Tibet gibt cs Thermen mit Siedetemperatur noch in 4700 Meter Höhe. Harem heißt ursprünglich nichts als„verboten", also ein dein Unbefugten verborerles Froueugcmach. Das türkische Haremsledeu spielt sich in Wirklichkeit weit nüchterner ab, aiS cs Roulanfchriftsteller in buntschillerudeu Farben sensationell darzustellcn beliebten, schon aus dem Grunde, weil bereits im verflossenen Jahrhundert nur der wililick reiche Türke sich snchr als eine Frau„leisten" Ginnte. Mit dem im September vorigen Jahres in Kraft gclrc- rcueu, nach„Schweizer Muster" modifizierten Bürgerlichen Gesetzbuch ist die Vielweiberei verboten worden und cs sind dem Mann und der Fran gleiche Rechte eingr-Änmt. Aus Viktor Adlers Neben und Schriften. Was ihr wissen sollt. Ihr sollt wissen, daß ihr nicht vereinzelt seid und daß alles anders wcrdeik kann, wenn ihr eure ganze Kraft zusammennehmt, nm den Druck, der auf euch lastet, zn brechen. Rede über Jugend und Alkohol. Dir Frauen. Wenn die Frau reif ist für die Ausbeutung, wenn sie reif ist für jede Pflicht, dann muß sie auch reif sein für jedes Recht. Und wären die Frauen politisch unreif, so müssen sie das Wahlrecht erhalten, um reifer zu werden. Es wird einer der größten Fortschritte in der polittschen Erziehung des Volkes sein, wenn alle Mütter mit dem Wahlrecht auch die RoUvendigkeit des Politischen Urteils und der Antcilnohnie an politischen Interessen gewinnen. Broschüre über das Wahlrecht, 1893. lieber Politik. Wähler gewinnen ist nützlich und notwendig; Sozialdemokraten erzic- ben ist nützlicher und notwendiger. Reue Aufgaben..Kamps", 1007. KDerlel Die„zähen" Frauen. Ein amerikanischer Gelehrter, Dr. Hugh Cumming, der sich eingehend mit den Beziehungen zwischen Geschlecht, Lebensalter und Krankheit beschäftigt hat, erklärt die Frauen-m allgemeinen für„Mer" als die Männer. Rack seinen Beobachtungen leben die Frauen läng'r, aber die Männer sind gesünder. Bis zum Alter von 11 Jahren ist das Mädchen besser entwickelt, widerstandsfähiger gegen Krankheiten. Der Knabe ist in diesem Alter viel größeren Gefahren ausgesetzt. Aber nach dem 11. Geburtstag wendet sich das Blättchen. Dann ist Hans der Gesunde und Kräftige in der Familie, während Grete anfällig wird utrd in der Entwicklung etwas zurückbleibt. Die Zeit von 20 bis 25 Jahren ist die gesündeste Periode Lebens für beide Ge- schiechter. Rach dem 40. Jahre fangen die organischen Krankherren an, sich bemerkbar zu machen, und die meisten von uns sterben an einer solchen Erkrankung, nicht an Altcrs- schwäche. Aber die Frau zeigt, je älter sie wird, eine immer größere Zähigkeit und ist in der Ucbcrtoindung von Schädigungen vor dem Manne bevorzugt. Ei» vorgeschichtlicher Walfisch wird für ein Schiff gehalten. Ein merkwürdiges Mißverständnis hat zu ciucr wissen'ckaftlich bedent- fanlcn Feststellung geführt. Vor einiger Zeil entdeckten Arbeiter, als sie an der Küste von Kistinge bei Halmstadt in Schweden einen Graben aushoben, ein mächtige» Gebilde, das sie für ei» in alter Zcir versunkenes Schiss hielten. Tic nähere Untersuchung dieses seltsamen Gegenstandes ergab jedoch, dass cs sich uni die Ueberrcstc eines riesigen Grönland- wales handelte» den mau uunrnehr allmählich vollsiäudig ans Tageslicht fördern wird. Bis j'tzt wurde ein gewaltiger Kinnbacke» ausgr- grabcn, der eine Länge von nahezu 1.5 Meter ausweist. Im Laufe der wisscnichafilichen Un- tersuö ung hat man fcststellen können, daß dieser Walfisch vor mindestens 5000 Jahren, also uni das Ende der Eisz-il, gelebt har. . Ein Baum, der Assen frißt. Taß cs fleischfressende Pflanzen gibt, ist eine bekannte Tatsache. Aber daß rin Baum cs sogar fertig bring:, Affen zu verschlingen, das ist eine überraschende Rcuigkeit, die nach einem Bericht der Coniocdia ein brasilianischer Forschungsreisen- der von einer Reise nach dem Innern von Guyana miigebrachl haben soll. Diese Bäume, die Tiere verzehre», hauchen uack> den Angaben des Reisenden einen schwüle» und durchdringenden Geruch ans. Wehe dem Lebewesen, das in ihr dickes Gezweig ciu-dringt und zwischen ihre Blätter gerät. Die Blätter, die drei bis vier Fuß groß sind, schließe» sich fest um die Wesen, die sich ihnen nähern, und öffnen sich, erst wieder nach einer Reihe von Tagen, uni die Knochen des Tieres niedersallen zu lassen. Es sollen auf diese Weise hauptsächlich Affen von dem Baume getötet werden. Luftiges aus Kinderland. ... Tonte Lisa koninit zu Besuch.„Run, Peter", sagte sie zu ihrem kleinen Reffen,„wie gefällt dir denn das Buch, das ich dir zum Geburtstage geschenkt habe-'"—„Es sieht sehr schön aus, aber gelesen habe ich es noch nicht!" —„Du hast es noch nicht gelesen-' Aber warunr Henn nicht?"—„Vater sagt, ick darf nnr dar!» lesen, wenn ich saubere Hände habe." Lieselotte, die eben secks Jahre alt ist, geht nkit ihrer Mutter in den Keller, uni etwas zu holen, aber die Mutter kann das, lvas sie sucht, nicht finden. Deshalb sagt sie zu Lieselotte: „Lauf rasch hinauf und holle Vaters clcktriscke Taschenlaicnle!" Rach ein paar Minuten kommt das Mädel wieder.„Die Taschenlampe kann ich nicht finden, da hob ich statt dessen Papas Brille mitgebrackt." In der ReligionsstnuSe fragt die Lehrerin: .Kanu jemand mir sagen,»varnm Adam ol» erwachsener Manu zur Well kam?" Ein langes Schweigen folgt dieser wirklick kehr schwierigen Frage. Eicklich meldet sich'Elli: ,Ja, loenn er als kleines Kind zur Welt gekommen wäre, dann hätte er doch keinen gehabt, der ibn hätte nähren können!" Ein Allto kam in rascher Fahrt die Landstrasse entlang und fuhr gegen einen bockbeladenen Hcuwagen. Der Zusammenstoß Ivar w heftig, daß der Wagen umstürzle und alles Heu auf die Landstraße fiel. Ein Bauernjunge, der oben auf der Fuhre gesessen hatte, wurde tops- iibcr in den Grabe» geschleudert, dort blieb er alücklickerweise uubeichödigt. Der Besitzer W Autos, der das Gefühl hatte, daß irgend etwas geicheben müsse, sagte zu dem Jnngcn. ob er nickt schnell nack Hanse laufen wolle uns seinen Vater benachrickrigen; er wolle-o lange hier- bleiben und aufpassen.„Das ist nickt nona." erwiderte der Junge,„mein Baier weiß des ickon."—..Woher?" sroaie der Antoniob-lisr erstaunt.„Wir sollte er das schon tvissen könne!'.?"—„Ja, er liegt dock unter dem Heu," erwiderte der Junge grinsend. Die Lehrerin ist mit Fritzchens Recheuani- gobcn nickt zufrieden. Er batte wieder eiirwal lauter falicke Lösungen herausgerecknek. Kom- schüiielnd betrachtet sie sein Heil. Sie ruft sick Len Sünder nach vorn:„Hör mal, mein Junge", sagte sie,„es scheint wirklich, als ob du diese Rechenaufgaben noch immer nicht versian- dcn hast. Hast du denn nickt einen Bruder oder eine Scklvester, die dir helfen könnten?" — Fritzchens Gefickt verklärt sick:„Rein, Fräulein," sagte er,„aber ich glaube, ich bekomnie bald einen!"