3hf. LL unterSaltanaiMlafle. 192®. Eine Gevurt, ein Leven, ein Lod. Jaiujl.iio Hutsa.?<_- letatische Dichter, statb inr Aller von A» Jahr«» im Mai IftM. Zwe-'fKntfce Et-chkun zählen gehört hatte. Er erzählte von Jrv- lickteru, die den Wanderer rn tiefe Sümpfe locken, in denen er umkonnnen muß. DaU Hirtenmädchen irgendeines Bauern, ein Mi», oel mit Haaren so steif wie Roßhaar meinte:^Zch möchte mich nicht verlocke» lallen! Das kann nur entern solchen Buke paf fieren, wie unserem Käslein hier!"(Sie nannten ihn Käslein.) Tie Kinder brach« in ein Gelächter aus und gleich hatten sie ein selbstgemachtes Liedlein fertig: ,Htäslein, Kasleiu, Bulle, Bttllc, Bnlle, Bu-Bu-Bu!", llud dann fchlugen diese Heilten Rohlinge dem Hänschen auf dett hageren Rück«. Er wehrte sich nicht und schwieg.> In derselben Nacht träumte er von Irrlichtern, welche alle diese Rohlinge vom Dorfe in einen großen Sumpf lockten. lll. t Später geschah es einmal, als er Gänse auf die Weide trieb, daß sich eines Nachbarn Hund, weiß der siebe Gott, dttrch was ge» reizt, auf die Gäitse stürzte und eine zerrtß. Der Landwirt, dem die Gans gehörte, mig- handclte den Knaben fürchterlich. Tränenüberströmt und voll heimlicher Wut nah» er sich vor, zu entlaufen. Abends stahl er in der dunklen Stube ein Meffer und verbarg es in der Tasche seines zerrissenen Rockes. Tann ging er auf fei» Henlagcr schlafen. Als dann alles cm Gehöfte schlief, kroch er vom Bodeit und floh dttrch den Obstgarten auf die Wiesen. Die Rächt war jinster wie ein itachdenkliches lltcheil. Er lief. Im Walde schrie die Enk in lattggcdehntcn Intervallen. Es klang wie eine Warnung, wie eine dunkle Verwünschung von irgend eüvas. Der Knabe irrte lange umher, uttd als er meinte, daß ihn schon niemand such« würde, warf er sich in das tattbcsäte Gras nieder mtb schlief ein. Er erwachte zeitig und irrte durch Wald, Wiesen und reifende Felder. Mittags kam er zufällig, von Hunger geplagt, in ein entferntes, idm gänzlich unbekanntes Torf. Am Fenster des ärmev- sten Gebäudes stand eine dampfende Schuffel von Buchten. Das Fenster war geöffnet, und die Buchten sollten hier scheinbar anS- tüblen. Leise trat er nüber, streckte di« Hand ans, daun stahl er rasch nacheinander drei Lackten und lies loco. Damit sättigte er sich dm e rsteu Tag. Am anderen Tage, nach einer Nacht im'Walde, stahl er ein Huhn, Aach eil mit dem gestohlenen Messer ab«ad langte gierig sein heißes Blut. Ein leichtes Fieber tanzte schon in seinem ganzen, armen, schwachen jwrper. Er E wieder im Wald und mit der erste» ,endämmerung schlich er sich weiter. An diesem Tage aß er überhaupt nicht-. Gegen Abend erblickte er unterwegs die uniformen von Gendarmen. In närrischer Angst kehrte er mn und floh. Die Sonne neigte sich wieder und er lief ihr entgegen, mit ausgestreck» ten Armen, als ob er oie Sonne in seine Arme nehmen wollte. Sie bemerkten ihn und in der Meinung, daß er ein Dieb und der Mörder sei, der den Schrecken dm Gegend bildete und dessen sie nicht habhaft werden konnten, setzten sie ihm nach. Die Sonne blendete sie und sie erkannten nicht, daß eS ein Kind war. Er lief rasch, von der Angst gehetzt,«scher als jene mit ihrer Ausrüstung. Die Sonne neigte sich zu'»en Gipfeln der Bäume. Sie riefen:„Halt!" Er lief weiter. Sie riefen:„Halt!" Er rannte weiter. Da nahm einer die Flinte und zielte. Der Schuß zerriß di« Lust, eine kleine WoAe erhob sich aus dem Ritzenden Lauf, errötete durch den Abendglan; und verschwand. Das Büblein rannte schwitzend noch ein paar Schritte, dann beugte eSnch vor, brach zusammen und sank nieder. Als sie vor ihm standen und ihren Irrtum erkannten, war er schon tot. Ein dünner Blutstrahl quoll aus feinem Rücken heraus, vermischte sich mit dem Staub und formte rote Blumen. Die Sonne sa>ck herab und über dem Wald glänzte die Abendröte. Es war, als ob ein unbekannter Weber am Horizont eine riesengroße Fahne gewebt hätte... Letztes Kapitel. Di« Eule: Wer hat die Schuld? Der Wald: Die Menschheit! Di« Eule: Die ganze? Dm Wald: Rein, nur diejenigen, die sich am Geld, an den Amen und Spekulationen berauschen; die Desvoten und Egoisten, die indirekten Mörder in-Handschuhen. Eule! Die du in der Nacht heulest, die bis jetzt regiert, und von dm wir abm wissen, daß sie vorübergehen witt>, daß sie dem lächelnden Taa Platz machen Witt»,»vas gibst du jenen Goldenen? Die Eule: Meinen Fluch! Neujahr! So manchaml ward ich ine an dm Stund«, An Tag und Jahr, och, an der ganzen Zeit; Er gärt und tost, doch mitten auf dem Grunde AP es so still, so kalt, so zugeschneit. Habt ihr euch auf ein neues Jahr gefreut, Dir Zukunft preisend mit beredtem Munde? Es rollt heran und schleudert, o wie weit. Euch rückwärts.— Ihr versinkt i« alten Schlmcke. l- Doch kann ich nie die Hoffnung ganz verlieren. Sind auch»och viele Nächte zu dnrchtraumen, Zn schlafen, zu durchwachen, zu dnrchfriercn. So wahr erzürnte Wasser müssen schäumen. Muß, ob der tiessten Nacht, Tag triumphieren. And sieh; Schon bricht eS rot auS Wollenfiumen! Gottfried Keller. Sozialistische Feierstunde. 2ch wr«. ,Jch Willi" Das Wort ist mächtig, spricht'- einer ernst und still, di« Sterne rrißt's vom Himmel, das eine Wort:„Ich will!" Halm. , Der-Wille ist di« zeugende Kraft, die dir 'Wett b«wegt. Oft ruht er in der Geschichte. Ost ist m verflacht, und still und träge find daun dir Zeiten. Doch dann erhrbt sich der Wille neu. Dann stemmt«r sich an gegen dos Alte. Dann reckt er sich auf, und die Zeit heißt: Leben. Die Geschichte schreitet in Perioden, und jeder Periode gibt ein bcstiuimter Wille den Thar aller. Aber immer waren Klassen die Träger des Willens der Zeit, und darum war der Wille bisher cchiir den universalen Schwung, ohne die Größe allumfassender Leidenschaft. ES warJuteressewille. Da löste der eine den anderen ab, und der Geschichte fehlte das G.'waltrgc, wie es der Wille bringt, den Massen tragen und dm die ganze Welt umspannt. Zu nie gewesener revolutionärer Echöpsrr» I kraft erwacht der Wille heute. Wohl trägt ihn ' wieder eine Klasse, doch eine andere Klasse, die Klasse der Schassenden Menschen. Und sic will als letztes Ziel ihr Interesse nur als den Ausdruck menschlichen Rechts. Durch sie wächst die Klasse über die Klasse hinaus. Der Mcnsch» heitsgcdanke. durchglüht sie. Klassenwille wird Menschenwille. Der Mensch reckt sich erwachend 's»« Licht, und der große neue Dille heißt: Leben in Freiheit und Recht für alle. Kann solchem Willen irgend etwas dauerrch 1 widerstehen? Der Massenwive ist dm Sieg. Dm Mapmwivr lp di« große Revolution dm Ge schichte, und nur der ist ein ganzer Maisch an dieser Wende, in dem dieser Maffrnwille als Kämpferwille einer starken Persönlichkeit aufwärts zum Ideale»euer menschlicher Gemeinschaft glüht. Dr. Gustav Hoffmann. Neklame. In Amerika. Die Mauer eines Krematoriums bat di« geschäftstüchtige Firma Bcrneponc u. Ehapla gemietet und folgendes in Blockschrift hinaufpinseln lassen: „SBoflt Ihr mich noch lauge meiden, so bereitet Euren Salat mit den: berühmten Red-River^ksfig von Bernestone u. Chapla." Ein Möbelfpediteur in Los Angeles hat vor seine« Haufe ein paar bequeme Klubsessel «afgestellt, die das Schild tragen: „Setze dich hier ein Liertelftündchen nie- der, während wir Deinen Umzug besorgen!" Ein EinheitSpveiShotel in San Franzisko verkündet in seiner Lichtreklame: „Geldverdiener: wenn Du wachst, kannst Du überall. Hier aber kannst Du sparen während Du schläfst." Dem reklametüchtigen Geschäftsmann gibt dir Kirche nichts nach, wie man aus einer Anzeige in einer Zeitung von Portland lMoine) ficht: „Wir fordern sämtliche Theater in Maine zum Wettstreit heraus! Bieten sie dem Pub- kikmn ein ebenso interessante-, nützliche- nnd Abwechslungsreiches Programm wie die erste Pfarrkirche? Großer Hanptgoltesdienst: Sonntag 7 Uhr 30. Leitanflatz:„Der wird nnser nächster Senator sein?" Predigt über das Buch:„The big House", einen Roman vmr Mildred Wasson, der in Maine spiel: und von jcdermarur gelesen wird. Frag:«:„Wer war Charles D. Eliot?".^können wir unsere Landstraßen säubern?"„Wec ist der neureligiöse Führer, der sich für den Messias ausgibt?" Ein nnisormicrter Beamter h ird die Automobile bewachen. Laurence Brced Walker. Pfarrer." In Japan. Ein Espgsabrikant: Meine Ware ist schär- k«r als die Zunge pes spitzfindigsten Advok-rten. Ein Spediteur: Wir verpacken mit der Sorgfalt, di« eine Nenvermähtte'hrcm Gatten widmet. Unsere Wogen eilen mit der Schnellig- kcit von Kanonenkngeliu Ei» PapierhäNdler: Briefpapier führe ich so zart nnd glatr, wie die Psirsichwaugen jchönrr Frauen nNd dabei zäh wir ein Katzenlcben. «i Ein Warcichaus: Treten Eie ein! Unsere Angestellten pick liebcnÄvürdig wie ein Batrr, der einen Mann für seine Tochter sucht. Selbst Briefmarke«, an denen wir nicht- verdienen, werden mit dem liebenswürdigsten Lächeln verkauft. Darum treten Sie ein, und Sie dürfen Versichert sein, überall mit Freude empfangen zu werden, mit der man einen Sonnenstrahl begrüßt, der nach langen Regentagen durch die Wolken bricht In Deutschland. Ei» Optiker: Die von mir angefertigten Teleskope bringen selbst eine Fliege, die eine halbe Meile entfernt ist, so nahe, daß man sie snmmen hören kann. Dir Papierfirma Max Krause: Schreibst mir, schreibste ihr, Schrcibste ans M.-K.-Papier! DaS Schuhwarenhaus Leiter: Zwei Frauen kauften Schuhe ein. Die eine die fiel tüchtig rein, Die andere war weiser, Die kanstc pe bei Leiser. * Ein WichsesabrUant: Kennst Dn das Land, wo die Zitronen blüh»? Auch dort Putzt man die Schuhe mit Urbin? Geschickten au« dem Orient. Aber keine March««. Schmuggelversuch mit 3000 Schafen. Ja letzter Zeit versuchte eine Sippe von Kara- katschani, nomadisier«»-- Hirten griechischen Stamme«, in der Nähe von Swilengrad eine Herde von über 9000 Schafen nnd 32 Pferden als Konterbande von bulgarischem Gebiet auf türkisches Territorium zu treiben. Die bulgarische Grcnzbehörde erhielt jedoch im letzten Augenblick von dem Schmuggclverfuch Kenntnis. Ein Aufgebot von Zollwächtern und Grenzmiliz umzingrtte die Bande mit ihrer riesigen Herde und trieb sie ins Innere zurück. Den Schmugglern ist«ine Zollstrafe von zwei Millionen Lctva auserlegt worden. Ein Bierjähriger mit Bollbart. Die türkischen Zeitungen berichten von eine« ungewöhn» lichen Kind« au« der kleinen astatischen Stadt TrapeMwt. E« handelt sich um einen vierjähri- gen J»ngr». der einen völlig«isgewackiene» o schnurr» und Vollbart hat. Das Kind, das ein»hoch. Der Wunderknabe wird jetzt in den ana- männliches Stimmorgan und auch das Aus-1 olischen Städten und Dörfern zunutzen des sehen eines Mannes besitzt, ist 61 Zentimeter| Roten Halbmonde« zur Schau gestellt. ÄE feiere TteujaOr mit ven Liveiern. Von Alexandra David-Reel. Frau Alexandra David-Rrel kennt Tibet und seine Bewohner wie kaum ein anderer Europäer, da sie sich als Einsiedlerin und Pilgerin ganz in die uns so fremde Gedankenwelt dieses eigenartigen BolkeS eiiüebte. Als Frau erhält sie auch Einblick in Dinge, die dem Männlichen Forscher wohl immer verschlossen bleiben werden. In ihrem wundervollen, als Festgeschenk so recht geeigneten Buch„A r j o p a. Dir erst« Pilgerreise einer weißen Frau nach der„Verbotenen Stad?' des Dalai Lama"(geheftet Mk. 1L—, Ganzleinen Mk. 14.—. F. A. Brockhaus, Leip- zig) erzählt sic in packender Weise von ihrer gefahrvollen und mühseligen Reise nach Lhasa, der„Berboteneu Stadt" des Dalai Lama. Daß sie dieses Abenteuer als erste nnd bisher einzige Europäerin erfolgreich durchführen konnte, verdankt sie neben ihrer eisernen Energie nur der bcwunderungswerten Selbstentäußerung, mit der sic das armselige Beitlergewand einer tibetischen Pilgerin trug. Wilhelm Filchner schrieb ihr:„Meine unbegrenzte Bewunderung der heldenhaften Frau, die Tibet erlitt und erlebte." Wir veröffentlichen nachstehend mit freundlicher Genehmigung des Berlages einen zeitgemäße» Abschnitt: In Lhasa fitldet jedesmal im ersten Monat des Jahres bei Dollmond ein weitberühmtes Fest statt. Große leichte Holzgerüflc werden ganz mit aus Butter hrrgestellten, bunt gefärbten Ornamenten und Bildern von Göttern. Menschen und Tieren bedeckt. Diese schwanken Kaulen heißen.Tannas". Gegen hmrdert von ihnen sichen am„par kor", das heißt an den Straßen, die den mittleren Kreis für den religiösen Umgang nm den„Jo lhang"(es gibt drei Kreise für den frommen Rnndgang: den „mang kok", den inneren Kreis nahe bei dem großen Jowoienrpel; den„Par kor", etwas entfernt davon, rmd den„tschikor", dessen Kreis die ganze Stadt Lhasa und den Potala umfaßt) bilden, und vor jedem brennen auf einem kleinen Altar unzä^ige Butlerlämpchen. Dies nächtliche Fest lvie auch gewisse auf den Dächern der Tempel stattfindende Konzerte sind als Belustigung für die Götter gedacht. DaS Butter-TormaS-Fest in Lhasa ist nicht nur in Tibet, sondern auch in der Mongolei und China berühmt, nnd es ist auch wirklich großartig. Aber ich meine doch, viel schöner Wirkt es noch in der üppigen Umgebung der großen Kum-bnm-Lamaserei, wo ich es mehrere Male erlebt habe, als ich in diesem Kloster wohnte. Immerhin habe ich diesen Teil der Reujahrsvrrgnügnngcn auch in Lhasa sehr genossen. Sobald es dunkel gelvorden tvar und die Lichter brannten, gingen Aongden nnd ich nach dem„par kor". Wir fanden dort eine große Menge, die den Dalai Lama erwartete, der seinen R.nckgang zur Besichtigung der Tormäs machen sollte. Ich hatte zwar schon mehr als einmal große tibetische Dolksansammlungen gesehen, aber damals hatten Diener rnid andere Begleiter mir stets de» Weg gebahnt. Diesmal gehörte ich das erstemal mit zur Bolksmengc. Gruppen von wahren Riesengestalten, in Schaffelle gekleidete Hirten, rannten wild vor Freude mitten in die dicksten Menscheichaufen hinein. Ihre großen Fünfte bearbeiteten die Rippen eines jeden, der sich ihnen zu seinem Schaden in den Weg stellte. Die mit langen Stöcken und Peitschen ausgerüsteten Polizisten wurden desto aufgeregter, je mehr die Zeit der Ankunft des Dalai Lama sich näherte, und gebrauchten ihre Waffen ohne Ansehen der Person. ES ging wirklich recht lebhaft her, und wir hatten genug zu tun, um uns gegen all die Puffe und Stöße zu schützen. Endlich wurde das Kommen des Lama- köuigs verkündet. Roch mehr Polizisten, gefolgt von Soldaten, erschienen. Das Stoßen, Drängen und Puffen nahm immer mehr zu. Einige Weiber schrien, andere lachten. Schließlich blieben nur noch ein paar Menschenreihen in den Mauern der Häuser zurück, vor denen die„Tor» maS" standen, aber sie waren so dickt wie Heringe im Faffe zusammengepackt. Und ich war mitten drunter. Bon Zeit zu Zeit bekam ich einen tüchtigen Puff in den Rücken von einem Mann, der an einem Fenster im Erdgeschoß faß und dem ich die Aussicht versperrte; aber das hals ihm gar nichts. Selbst wenn ich gewollt hätte, ich konnte auch nicht einen einzigen Schritt machen. Entweder begriff er das endlich, oder meine Unempfindlichkeit entwaffnete; ihn kurz, er hörte auf, diese unnütze Gewalt anzuwenden. Die ganze Garnison Lhasas war unter Wasfeu. Fußvolk und Reiterri marschierten an den strahlenden Butterbauten, die von Tausenden von Lampen beleuchtet waren, vorbei. In einem mit gelbem Brokat bezogenen Tragstnbl kaut auch der Dalai Lama vorbei, begleitet von dem Oberbefehlshaber der tibetischen Armee und andern hohen Würdenträgern; Soldaten bildete» die Nachhut. Die Musik spielte eine englische Operettenmelodie. Frösche wurden abgebrannt, und ein etwas dürftiges bengalisches Licht färbte den Zug ein paar Minuten lang rot und grün. Das war alles; der lamaistische Herrscher war vorbeigezogrn. Dem Zuge des Königs folgten noch viele private Prozessionen, vornehme Herren, deren Dienerschaft chinesische Laternen in der» Händen trug, die hohe Geistlichkeit, begleitet von ihren Untergebenen, die Vertreter des Maharadscha von Nepal und andere mehr. Alle aber, Geistliche, Edelleute, wohlhabende Kaufleute und ihre Frauen, trugen ihre schönsten Festgctoänder und zogen fröhlich lachend vorbei, waren freilich auch alle mehr oder weniger betninkrn. Ihre Heiterkeit wirkte ansteckend.' Nongdeu und ich ließen uns von der Menge treiben, rannten, pufjten und schoben mit ihr und genossen mit kindlichem Bergnügen den Spaß, wirklich in Lhasa zu sein und das Neujahrsfest mit den Tibetern zu feiern. Als cs endlich Zeil wurde, in unsere Höhle zurückzukchren, fiel uns unterwegs auf, daß die Straßen, obgleich Bollmond war, mit jedem Augenblick dunkler wurden. Sonderbar! Wenn wir nicht Abstinenzler gewesen wären, hö«'-u wir cs uns ja allenfalls erklären können, denn die meisten Bürger sahen in dieser Rächt wohl nicht»lehr ganz Nar, aber der Grund siel bei uns lvog. Am Ende kamen wir auf einen offenen Platz und sahen, daß der Mond in einer Ecke einen schwarzen Schatten hatte. Es war also der Anfang einer Mondfinsternis, und bald hörten wir, wie die guten Leute laute Trommelwirbel i ickluaen, nm den Drachen zn verscheuchen, der| ihrer Ansicht nach ihr Nachtlicht verschlucke« wollte. ES ward eine totale Mondfinsternis;: ich verachtete sie während der ganzen Nacht; und eS war eine der interessantesten, die ich je gesehen habe. „Tas ist noch besser als damals am Tage unserer Ankunft der Saniworhang vor de«- Potala", scherzte Iongden.„Nun schützen uns deine Götter sogar vor dem Monde, damit wir! nicht zu deutlich gesehen werden. ES wird gut, lein, wenn du sie jetzt bittest, mit ihrem Schutz'. unseres Inkognitos nicht zu weit zu gehen, sonst lassen sie am Ende gar die Sonne nicht mehr scheinen!" Was ich aber auch für Schutzgeistcr gehabt haben mag, es kam doch wieder ein Tag, mr dem ich Gefahr lief, erkannt zu werden, und wo ich mich selbst wieder meiner Haut wehren! mußte. Ich wanderte gerade auf dem Markte um-. her, als ein Polizist stehenblicb und mich scharf! ansah. Vielleicht nur, weil er sich verwundert'■ fragte, aus welchem Teile Tibets ich tvohl j stammen mochte, aber cs lvar immerhin besser,! auf alles gefaßt zu sein. Mein Herz schlug' etwas schneller, aber im übrigen stürzte ich; mich mutig wie imuier in den neuen Kampf, 1 den es ausznfechten galt. Ich tat so, als ob nn-\ ter den ausgelcgtcn Waren»reine Wahl auf i einen Aluminiumtopf fiele, und begann mit all dem lächerlichen Eigensinn der Leute von den halbwilden Greuzstänimen darum zu Han»; dein. Ich bot eine» geradezu unannehmbaren' Preis und ließ mir kaum Zeit zum Atemholen,' so laut nnd anhaltend schwatzte ich das unsin» j nigste Zeug. In den Buden ringsuui singen die Leute an zu lachen und sich über mich lustig M machen. Die Kuhhirten aus der nördlich«». Einöde nnd ihr Weibervolk bilden für die zivi» lisiertcn Einwohner Lhasas stets ein willkom-' menes Ziel des Spottes. „Ra!" sagte der Händler lachend und halb ärgerlich über mein unaufhörliches Geschwätz, „du bist mir die richtige Dopka, das steht fest!* Und alle Umstehende» verhöhnten das dumme Weib, das von nichts anderm wußte als von' seinem Bieh und dcur Wüstengras. Ich erstand■ den Topf, und weil ich doch fürchtete, daß man' mir folgen könnte, zwang ich mich dazu, noch' aus dem Markt herumznbummeln und eine wahre Kourödie der Dummheit und der Bewunderung vor den häßlichsten nnd billigste» Waren auszuführen. Zum Glück stieß ich dabei auf eine Gruppe echter Dopkas und fing gleich: ein Gespräch mit ihnen in ihrem eigenen Dialekt an, denn ich hatte vor eiuigen Jahren ein». mal in ihrer Gegend gelebt. Dabei nannte ich ihnen bekannte Menschen und Orte bei Namen und brachte ihnen die Ucberzcugung bei, daß ich aus ihrer Nachbarschaft stamme. Diese Leute hoben eine so lebhafte Phantasie, daß ich wetten möchte, am folgenden Tage würden sie schon darauf schwören, mich ihr lebelang gekannt zu haben. Ein paar Tage später hatte ich einen neuen Schreck. Eine Art Schutzmann in Zivil ver» üchtc, Geld von mir zu erpressen, aber ich zog mich schlau genng aus der Berlegeicheit, ohne ihm ettvas zu geben nnd ohne mich zu verraten. Ein anderer Polizist schlug mich mit seinem Knüppel, weil ich au einen nur für vornehme Leute reservierten Platz gedrängt hatte. Ich amüsierte mich so gut über den Spaß, daß ich an mich halten mußte, um dem Mann nicht ei« Trnckgeld zu geben.„Ich kann wirklich mit meinem Inkognito zufrieden sein," vertrank« ich Aongden an,„nun habe ich sogar auf der Straße Prügel bekommen." And nach diese« Erlebnis fühlte ick mich völlig sicher. — 4— „Bmwolk Oer kommenden WWW *tn«ufantftffwW Snt<•:^BauMß Her kommenden Welt." Bekenntnis M Rene», M Werdende« liegt darin. Und voll Stelz bekenne« sich Mfne Rot» AaNen da»». Vie stu- D» d immer Mieder nnd»Kd« mit leuchte»- »K» Ang«: Wir find da« BauvoL der kommend« Welt, Wir find der Sima««, die Sank«Kd da« Feld, 'Wir find dir Schnitter der kommend« Mahd, Wir find dir Zukunft nnd wir find dk Lat! Bon diesem„Barwolk der kommend« Welt", von den Sinderfrenndeo nnd Ski« .Dalken, von ihre« Leb« nnd Treibe» in der Zeltrepubkik erzählt ein neue« Buch:„Die »Rote Ri»der-Rep»blik", da« i» Auftrage der Reichsarbeitsgemeinschaft d« Riader- -freunde im Arbeiterjugrnd^erlag«schien« ist. Und mit de« Buch ist e« etwa« ganz besonderes. Da« hat nicht irgendein Erwachsener für Rinder geschrieben. Biele Arbeiterkinder hab« ^rusanimengebolsen. dies Buch für Arbeiterkinder zu schaffen. Aus Gruppenbüchern, Rinder- briefeu, kleine« Bericht«, Tagesrmchaufzeich- nungen. Bilde« von Rinder» und vom Zeltlager leb« ist da ein Kinderbuch entstanden, das so eigenartig schön und Packend und so ganz , auf das Arbeiterkind eingestellt ist, dach«an .wünschen möchte, es in jeder Arbeiterfamilie j» schen. Auf 7s Seiten Quartformat ist die Rinder- Republik eiugefangen in ihrer gauzw Buntheit Nid SsnnigKit, mit ihrem Ernst und ihre« Spiel. Uud-tv vorzügliche Blldseiten lass« dageschriebene Wort lebendig werden: Photo«, .Fituwusschuitte, Rinderzrichnuug« und Kari« -kaiure». Alles auf gutem RurchdruckpapKr mit , modernst« Mitteln hergrstellt. So präsentiert ,fich dies Buch auch technisch als eine Muster- ' leistuug und mau wundert fich, daß es nur i LLü Mark krqtet.(OrgauisationsproiS L80 M.l Aber so muh es sein. Bücher für Arbeiterkinder dürfen bei bester Qualität nicht viel kosten, da- ' mit sie für jeden Arbeiterhaushalt erschwinglich find. Die Sonnenseite. Ich besichtige»ine der größt« deutsche« Lelisabriken. Da liege« viele Million«« Moschen »es teure« Getränks gestapelt. Zwei Jahre da«ri der Gärungsprozeß. I» diese« Zwei Jahren«nrß jede Masche Sekt mehrer« Make ge- schütlelt toerden. Dir diese Arbeit tun, heißen Sskischüttler. Diese Mensche» nehmen ragaus, tagein eine .Flasche nach der ander« vom Regal, schüttel» tfik, und leg« fie wieder hin. Eine Mische nach 'der andere», ach: Stunden am Tag. sechs Tage - in der Bowe, scküireln, schütteln, schütteln... Ich sprach«in« ergrauten Mann mir;er- -stirchtem Gesichte an. Er ist seit vierzig Jahr« in diesem Betrieb. Krank ist«r kaum gewesen. ISeit vierzig Jahren schüttelt er Sekt. Tag für Tag. 1l«unterbrochen. Sekt, Sekt, Sekt.... Und nun das fast Ceibstvelstärrdliche und das noch Erschürrernde: getrunken hat er noch ^Krueu! Das besorgen dir anderen, di« ans der IsN'tnieire des Lebens. Er steht im Keller, in Räffe und Dunkel. Er schüttelt de« gärendeu Wein. Tag für Tag. Bkrzig Jahre. Bon ihm weiß uremand. wenn bi- Pfropf« knallen. Dm»»mn blickt nicht zer» i» die Tief«, M-no dwlk» dk Sonne lach«. W. Wißt ihr schon?... Da» heutig» Law».T«n»i«-Spkl ist da« Ergebnis einer jahrhundertelang« Entwicklung. Lange Zett wurde da« Ballspiel, auf da» da» Temel» sei«» Ursprung zurückfichet, mrr in geschlossen« Räum«(Ballhäusern) gespielt. Berühmt wurde da» Ballhaus in Bersaille», in dem 178V hi, französisch« Rationalversauimlung d« Schwur ablegte, mtgegm de« Will» der Regierung nicht auseinander zu gehen. Grundregel» für das heutige Lawu-TemriS wurd« erst 1877 i» England festgelegt. B«stB«i konnte um» bereit» im Altertw». In einem aus de» Iah« SSVV v. Ehr. herrührend« Grab fand ma» eine mit Silberfolk teilweise bedeckte Tonvase. Ariftotek» kannte schon dk Schutzsärbung der Derr sowie de» Farbwechsel des Chamäleons al» AnpasfungSerfcheinmrg an die Um- gebnug.; .Elend" bedeutet« ursprünglich: anderes Land, Fremde,«ad wurde der Heimat gegen- Lbergestellt. Der Bedeutungswaudet dieses Wortes läßt die Heimatliebe der Deutsch« erkennen. Goethe gebraucht das Wort noch im alt« Sinne, indem er sagt:„Weil« nicht herrliche Männer von hoher Geburt nun i« Elend." Er «eint damit: in der Fremde. Auch llhlaud sagt:„3ete« ist das Elend finster, jede« glänzt das Baterlaud." Jeder Mensch i» Europa, einschließlich der Rinder, verbraucht durchschnittlich acht Streichhölzer täglich. I« Bachs gibt es mehr Badeanstalten für Hunde als für Mensch«. Aus einem Gramm Seist kau» um» mehr als 50.000 Seifenblase» machen. DK Chiues« teil« den Lag in zwölf Teile zu je zwei Stund« ein. König Ludwig IX von Frankreich war der erste Monarch, der Majestät tituliert tmrrde. Taufend Kilogramm des Wasser» im Atlantisch« Ozean enthalten 88.7!» Kilogramm Satz Bon S4S4 bekannt« Dialett« wird über ein Bicrtel i» Ast« gesprochen. Im 11. Jahrhnndech kam der Gebrauch von Strümps« auf. Bi» Chinese schreibt zuerst sein« Nachnamen, darauf sein« Titel, wen» er eia« hat, und schließlich den Vornamen. Genau so ist es muh in der ungarisch« Sprache. Zahme Pferde werd« gewöhnlich A» Jahre att; in der Wildnis erreichen Pferde meist enr Alter von 38 Jahr«. Hunger und Unterernährung werd« in der uvuzeitlich« Heilwisseuschaft vielfach angewendet, um in den Stoffwechsel einzugrrism. So können kurzandauernde Hungerperiod« auf daS Nervensystem nnd dk Muskeltätigkeit ein« sehr günstig« Einfluß ausüben. Der MuSkel behält noch bei A-stündigem Fast« die Fähigkeit, in tmgeschwächlem Maße Arbeit zu leisten, ja cS kann sogar unter der Einwirkung mehrtägigen Hungers eine Zunahme der Muskelkraft cintre- :«. Eine zweite deutliche Erscheinung ist im Anfang des Hrmgerus eia Abfircken des Blutdrucks. Gau; besonders bei Fettsucht, Gicht, Znckerkrarckhcit, bei allergisch« Krankheit«. >ei Störungen in der normale» Bakterknflor» des Darmes nsw. find maßvoll angeweudek Hunger-«nd Unterernährungskuren von guter Wirkung, zumal fie gewissermaßen verborgene Kräfte Wachruf«, über die der Organismus bei uormakr Ernährung nicht oder wenigst«» nicht in diesem Umfange verfügt. Freilich darf «an dabei nicht an die Hungerkuren denken, die da» Unternehmertum über die Arbeiter verhängt. tos. Neber den Eiasluß der Sonueujieck« auf das Wetter geh« die Meinungen immer noch rveit auseinander. Rach Beobachtungen von Dr. Myvbach ließ sich ein solcher Zusammelchang folgendermaßen denk«: Bon den Sonnruflecken, die Wirbelstürme elektrisch geladener Teile darstellen, geh« Strahl« auS, den« die Fähigkeit innrwohnt, die Luft elektrisch zu laden. Durch eine solche Ionisation" der Luft ist die Möglichkeit raschwirkeudec Wetterumstür^ gegeben, denn um^oueu". die elektrisch geladene» winzig« Teilen, herum verdichtet sich der Dasserdampf zu Tröpfchen. Durch die gcbäufte Bildung solcher„Brrdichtungskerne^ kann der normale Ablauf der Willerung katastrophal beschleunigt werden, und die Folg: sind iene Welrcrkalastropbeit. Ueberschwemmungeu und tropische Wirbelstürme, wie sie sich iu der Zeit d«S Durchtritts großer Fleck« durch d« Zentral- Meridian der Sonne ereigueu. kos. TKrfutter au» Hotz Eßbares Holz bat Professor Bergius, der Erfinder der Koülen- verflüsiigung, durch sthoninde Behandlung dr» ch.misch« ÄelettS der Zellulose mit Salzsäure hergrstellt. Es gelang ihm dadurch, da» Holz in verdauliche Kohlenhydrate(Zucker, Stärke und Mehls zu übrrrühre». Das dick Entdeckung wirtschaftlich bedeutet, wenn«S möglich sein sollte, sie praktisch auszunutzen, mag mau daran erseh«:, daß Deutschbnck jährlich für über 700 Million« Mk. Kohlenhydrate in Form von Gerste uns Mais rinführl. Besonders für dir Schwei newirtschaft, die 60 Prozent des deutschen Fleischbrdarfs deckt, dürfte die Herstellung von KvhlehVdrat-FuUenmsicln auf chemischem Wege hohe Bedeutung getvinuen. Einsttveile» bleibt aber natürlich abzuwart«, ob die Sache überhaupt praktisch« Wert bat. Schwedischer Humor. DK alte Fra« steh» om Rücheufeuster, als eia Lumpensammler auf de» Hof kommt.„Hab« Sir alte Knochen?" nist er hinauf.„Ja", antwortet die Frau,. alte Knochen habe ich schon, aber die brauche ich vorläufig noch selber." Peinlich...Kaum hat er weine Tochter geheiratet, hat er mich um 3000 Mark a»gepumpt."—„Hat er fie zurückgcgeben?"— „Die 3000 Mark nicht. Aber meine Tochter." Cr bessert sich.„Mein lieber Herr Rose«, berg", sagt Rechnitzer zum Prokurist«,„daS geht nicht so weiter. Mit meiner Frau haben Cie ein Berhältnis; iu der Kassegebarung las- sen Sie fick Unregelmäßigkeit« zuschulden kommen. Die Bnreauzeit halten Sie nickt rin. Ihre» Urlaub hab« Sie um albt Tage überschritten. Und jetzt höre ich noch, daß Sie habbe Rächte in einem der verrufensten Racktkaffec- Häuser zubringen. Im alten Iabr habe ich noch zugeschaut. Aber länger gehl das nickt!"— Darauf Rosenberg:„Sie soll« jede», daß ick mit mir rede» laste. Ab 1. Jänner gebe ick in ein anderes Lokal." Gaennik.„Herr Doktor", sagte der Mann aufgeregt,„ich muß sterben?"—..Ja warum denn?"—„Meine Füllfeder, die garantiert lebenslänglich hält, ist zerbrochen." Ach j»! Sie:„Ist eS nicht erstaunlich, Männe, wie vkle Mensch« auS der Dummheit anderer Rntzen zieh«?"— Er:„Ach ja? Ich denke bloß«n den Pastor, der«ns getraut hat"