Nr. 113. Abomument»• frthtgttngtn: Abonnemin»-Pr«l» prSnumeranda: «ierteljährl. ZL0 Ml., mon-Il. l.lvMI. wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Donntag»- Nummer mit illuftrtrter Donntag»» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZL0 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung«- Preisliste für 1897 unter Er. 7487. Unter streuzdand für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für da« übrige Ausland S Mark pro Monat. 14. Jahrg. Die Instrtions- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und VerfammlungS-Anzeigen. sowie ArbeitSmarN 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis « Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi! 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi« 8 Uhr vormittag» geöffnet. Erscheint täglich nutzer Montag». Devlinev VolKsblatt. Fernsprecher: Amt I, Er. 1898. Telegramm- Adresse: „Soi>-ildrm»krat Verlin". Dentratorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Meuly-Straß- 2. Sonntag, den 16. Mai ISV'T'. Expedition: SW. 19, Menty-Slmße S. Div MakionÄlliberttlen und dAs Vereinsvorhk. In dem großen Kampfe»nsereS Zeitalters zwischen den konservativen und den fortschrittlichen Mächten versuchen jene es stets von neuem, ihre Widersacher mit den brutalen Mitteln der Gewalt und der Unterdrückung zu bekämpfen. Am liebsten möchten sie alle moderne freie Entmickelnng aufhalten und das Idyll des Patriarchalismus wieder herstellen, wo Beamtenweisheit und Iunkcrfürsorge eine zli schweigendem Gehorsanl verbundene Volksmasse regieren. Darum ist ihnen jede freie Bethätigung des Volkes zuwider, iusbesoudere aber richtet sich ihr Haß gegen die Partei, welche an der Spitze des Fortschritts marschirt, ivelche das Gegeiltheil des Patriarchalisnuis anstrebt,'nämlich die selbstthätige freie Verwaltung des Volkes über sein Wohl und Wehe. So ergeben sich zweierlei Möglichkeiten für die Gewalt- Haber in der Bekämpfung ihrer Gegner. Entweder suchen sie durch ein Ausnahmegesetz die Partei der am energischsten nach vorwärts treibenden Kräfte, die Sozialdemokratie, nieder- zuiverfen, indem fie hoffen, daß sie, nach der Besiegnng ihres mächtigsten Gegners, auch mit den übrigen minder weitgehenden, minder„gefährlichen" Gegnern, mit allem, was dann noch an freier Lebensthätiggung im Volke übrig geblieben, leicht fertig werden können. Oder sie wenden ihre Waffen gegen alle ihr unbequemen Eleniente ans einmal. Ein Versuch letzterer Art ist auch die neue Novelle zum Vereins- und Versammlungs- recht des Herrn v. d. Recke. Darllni konnte dieser Versuch auch nur in einer Ver- tretnngskörperschaft unternommen werden, in der von vorn- herein beinahe eine Majorität für die„patriarchalische" Weltanschauung vorhanden ist. Die Konservativen, die nur einen kleinen Brnchtheil des deutschen Volkes zu Anhängern haben, haben fast die Hälfte der Sitze des Abgeordnetenhauses inne und wollen nun, auf grund ihrer durch ein heillos ungerechtes Wahlsystem nsurpirtcn Machtstellung, das Vereinsleben und die Versammlungs- bethätigung des Volkes zerstören. Nur über das Wie sind sie sich noch nicht ganz klar. Es fragt sich für sie, ob sie nicht, unter Rücksicht auf die momentane parla- men tarische Lage und zur Vorbereitung späterer größerer Aktionen, besser thun, wenn sie die neuen Gesetzesbestimmungen nicht in der von der Regierung vorgeschlagenen Form, die alle, auch die bürgerlichen Parteien, mit den« Polizeiknüppel bedroht, zu stände bringen, s o n d.e r u sie lediglich auf die Sozialdemokratie zu- zuspitzen versuchen. Dies ist das Problem für die konservative Partei ini gegenwärtigen Augenblick. Durch seine glückliche Lösung hoffen sie wenigstens eine größere Anzahl der National- liberalen für den Entwurf zu gewinnen, so daßdem- selben eine große Majorität sicher wäre. Fast alle konservativen Blätter sprechen sich in diesem Sinne aus. Der Rcgierungsentwnrf hat ja auch auf national- liberaler Seite mehr oder minder scharfe Zurückweisung gc- fnnden. Bei den Nationalliberalen besteht die Furcht, daß der Entwurf des Freiherrn v. d. Recke, der der Polizeiwillkür Thür und Thor öffnet, auch die bürgerlichen Bestrebungen, auch ihre eigenen Interessen schwer treffen könnte. Und jeder, der unsere Junker und ihren Eifer, die Landwirthschaft ans Kosten des Handels und der Industrie zu bevorzugen, kennt, wird sagen müssen, daß die Befürchtungen der National- liberalen nur zu sehr begründet sind. Die Thaten des Landraths von Puttkamer gegenüber dem l i b c- ralen Bauern verein Nordost sind in aller Gc- dächtniß. Und das Verhalten des Herrn v. d. Recke gegen- über den gegen diese Puttkamereicn im Abgeordnetcnhause erhobenen Beschwerden war gewiß nicht geeignet, die Libe- ralen zu beruhigen. Noch deutlicher zeigte das höhnische und zynische Verhalten der Konservativen bei den- selben Verhandlungen des Abgeordnetenhauses, was auch den Liberalen bevorstehen dürfte, wenn jene„Edelsten" völlig uneingeschränkt im Staate walten und schalten könnten, wie es der Rccke'sche Entwurf mit sich bringen würde. Unseren pommerschen Junkern ist oft genug die liberale Vereinsthätigkeit im eigenen Neste viel u n- angenehmer, als die sozialdemokratische in einer entfernten Stadt. Dieses scheinen auch die Nationalliberalen zu empfinden. Sie haben deshalb, wie die Leser schon aus den von uns zitirten Stimmen ans ihrer Presse sahen, sich im allgemeinen gegen den Rcgierungs- Entwurf ausgesprochen. Sie umzustimmen ist die Aufgabe der konservativen Blätter, die ani liebsten den Recke'scheu Entwurf, ganz wie er ist, annehmen oder gar, wie die„Krenz-Zeitnng", noch verschärft wissen möchten. Die Unistinimung wird da- durch versucht, indem die konservativen Blätter sich insofern „nachgiebig" stellen, daß die den Nationalliberalen bedenklichen Stellen des Entwnrses anders f o r m u l i r t werden sollen. So schreibt beispielsweise die freikonservative„Po st": „Deingeaenüber erscheint die Begriffsbestimmung deS Eulwurss allerdings noch nicht sest begrenzt»nd korrekt genug; das gilt ins- besondere von dem Ausdruck„öffentticher Friede", und es wird eine der wichtigslen Aufgaben sein, die Bvräussetzuugen snr die Auflösung so zu fasse», daß sie z w a r alle wirklich st a a I s- gefährlichen B c st r e b il u g e n sozial- oder national- r e v o l u t i o n ä r e r A r t. a b e r a u ch n u r d i e s e t r e f s e». Das hat auch taktisch den großen Werth, völlig klarzustelle», daß von einer auch die bürgerlichen Parteien be- schivcrende» Beschränkung der Vereins- und Versammlungsfreiheit nicht die Rede ist, es sich vielmehr um Ausnahmebeflimuiuugen gegen solche Bestrebungen handelt, welch« sich gegen die Grundlagen unserer Verfaffung selbst richten und daher den Schutz der Verfassung für sich nicht anrufen können. Tie freie Aeußeruug der Meinung soll niemand verwehrt werden, auch dem Oppositionellsten nicht, so lange er mit seinen Bestrebungen auf dem Boden des Versassungsrechts bleibt." Aehnlich lassen sich„Reichsbote",„Deutsche Tageszeitung", „Berliner Neueste Nachrichten"«. aus. Der„Neichsbole meint u. a.: „Wir wollen eine freie Kritik und freie Neformthätigkeit, aber wir meine» die Freiheit, die sich aus sittlichem staatslreuem Boden hält, und wir verlangen, daß diese Freiheit gegen polizeiliche Willkür durch klare Gesctzesbestimmilngen geschützt wird, auf daß nicht einseitige„Scharsmacher" ein dehnbares Gesetz benutzen könne», um sich unbequeme Reform-Bestrebungen vom Halse zu schaffen." Auf diese Weise sucht man den Abgrund mit Rosen zu verhüllen. So sollen Nationalliberale und auch andere Leute den schivärzesteu Reaktionsplänen freundlicher gestimmt werden. Wird diese Liebesmüh Erfolg haben? Sonderbar ist da aber nur, daß keines der konservativen Organe eine solche bessere Formulirung der attsschlaggebenden Stellen des Entwnrfes mitzutheilen weiß. Man wird bald er- kennen müssen, daß, wie man sich auch drehe und wende, ein Willkürgesetz ein Willkürgesctz bleibt. Es giebt keine Formel, die geschützt wäre vor den schlimmsten Auslegungskunststücken der Polizeilentc, sobald diesen einmal überhaupt eine Entscheidung darüber eingeräumt wird, ob irgend welche Bestrebungen„staats- erhaltend" oder„staatsgefährdend" seien. Die„Post" ivünscht, daß auch„national-revolutionäre" Bestrebungen verboten werden. Aber was soll man darunter verstehen? Tie eine Polizei- behörde würde daraufhin alle polnischen Versammlungen auf- lösen, die andere alle Vereine der Naumann'schen Richtung verbieten. Der„Reichsbote" will die„berechtigten Reform- bestrebnngen" gegen die„Scharfmacher" geschützt wissen. Zlber das ist ja die ganze Frage: Was sind„berechtigte Reforni- bestrebnngen"? Genau wie der„Reichsbote" die Bestrebungen der Sozialdemokratie für„nicht berechtigt" erklärt, genau so erklärt Herr von Stumm die Bestrebnngen des Professor Wagner und des„Reichsboten" sür„unberechtigt". Hier giebt es nirgends absolute Grenzlinen.„Alles fließt". Die Nationalliberalen dürsten sich also doch wohl bedanken, sich auf das Glatteis der junkerlichen Lockungen zu begeben. Wollten sie es versuchen, wollten sie aus ein Schacher- geschäft mit den Feudalherren eingehen,— glauben sie wohl, daß es ihnen gut bekommen könnte? Tie nationalliberale Partei kann jetzt nicht in den Wind schlagen, was sie vor kurzem erst betheuert und gelobt hat. Am 3. Oktober vorigen Jahres hat der Allgemeine Delegirten- tag der nationalliberalen Partei eine Resolution ein- st i in m i g angenommen, deren Anfangsworte folgendermaßen lauteten: „Der nationalliberale Delegirtentag hält es unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen für bje s o n d e r s n o l h w e n d i g, die alten Grundsätze zu betonen: das Baterland über der Partei, das allgemeine Wohl über alle Sonderinteressen, Unabhängigkeit nach rechts und links ,v je gegenüber der Regierung; volle Wahrung der konstitutionellen Rechte; Bekäinpfung jcdeö Riickschrittrö und beharrliches Streben«ach stetiger Fort- rutwiltcluug aller Einrichtungen des öffentliche» Lebens." Speziell aber bezüglich des Vereinsrechtes beschloß der- selbe Delegirtentag, ebenfalls e i n st i m in i g, eine ent- sprechende, gestern bereits von uns veröffentlichte Resolution. Eine Partei, die nach solchen Zusagen wortbrüchig werden wollte, setzt ihre gesammte Existenz aufs Spiel. Die national- liberale Partei hat, wie sie wohl selbst weiß, alle Ursache, niit denl Ansehen und der Macht, die sie in Deutschland noch besitzt, sehr vorsichtig hauszuhalten. Wollte sie in dieser Lebens- frage des preußischen, des deutschen Volkes sich ans die Seite der Reaktion schlagen, würde auch nur durch Absplittern ng einiger Stimmen von dieser "artei der verhängnißvolle Plan der Reaktion zur Verwirk- ichnng gelangen, so würde damit auch die Todesstunde dieser Partei gekommen sein. Sie würde ausgelöscht sein ans der Reihe der politischen Parteien. Ans den nächsten Reichstags-Wahlen würde auch kein Mann dieser Partei mehr mit heiler Haut hervorgehen. Es ist gewiß eine eigenartige und seltene Konstellation der Parteiverhältnisse, daß iy die Hände der nationalliberalen Partei die parlanientarische Entscheidung über die gesammte weitere Gestallung der politischen Dinge in Deutschland gelegt ist. Aber die parlamentarische Entscheidung wird in letzter Linie bedingt durch die Haltung des Volkes selbst. Worauf es jetzt ankommt, das ist. daß das Votk Preußens und Deutschlands s i ch mächtig gegen den neuen V e r g e w a l t i g u n g s p l a n der Reaktion rühre und den p a r t am e n t a r i s ch e n Parteien den erforderlichen Rückhalt gebe! 1 Auf zuü-efichnittr«. Aus Parteikreisen wird uns über die Aussichteil der Vereins» gesetz-Rovelle»och folgendes geschrieben. Wenn die in dieicr Zu- schrifl enthaltenen Anschauungen nuch mit Rücksicht ans die bisherige Hallüug der ualioiiallibcralen Presse etwas pessiniistijch erscheinc», so glaube» wir dieselben doch imllheilen zu sollen: „Die blamirten Europäer", wie jüngst Herr Lieber in einem Augenblicke unsiaalsmännischer Offenherzigkell sich selbst»nd die anderen durch Regiemngsversprechuuge» irregeführten Politiker genannt hat, entrüsten sich weidlich darüber, wie die regierende Bureau- kralie ihr Versprechen wegen Aufhebung der Bestimmung, die das Jnverbindnngtreten von Vereinen verbietet, eingelöst hat. Sogar bis in die Reihen der Nationnlliberaleu hinein werden Rufe des Unwillens laut, da ihnen zu- gemnthet werde, das Vereins- und Versannnlungsivesen in der dem Recke'sche» Gesetzeulwurs eigenartige» Weise der schrankenlosen Willkür der Polizei-Organe, in de» meisten Fällen dem Ermessen der Kollegen des politischen Kriminalkommiffarius v. Tausch oder des Gendarmen Munter zu überlassen. Den Aeußerungen der Entrüsttnig mische» sich Fragen der Ver- wnnderung bei, wie den» überhaupt die Regierung sich einbilde» könne, daß ein Gesetz, wie sie es entworfe». angenommen werde. Uns scheint, daß diese wackeren politisirende» Bürgersleute sich mit ihrer Verwunderung völlig auf dem Holzwege befinden. Nach unserer Kenntniß preußischer Regierungs-Taklik und-Praktik rechnet ein löbliches Ministerium garnicht darauf, daß der Gesetzentwurs in der vorgelegte» Form angenommen wird. Sie hat ihn wohlweislich auf's Abhandeln zugeschnitten. Wir schätzen die staatsmännischen, oder sagen wir lieber ab- schwächend, die politischen Fähigkeiten der in Preußen amtirenden und regierende» Bureaukratie sicher erheblich niedriger ein, als die Ver» treter aller übrige» Parteien es thun. Aber wir erkennen es gern« an, daß unsere Bureaukratie stets sich trefflich ans die Psychologie der bürgerlichen Parteien versteht. Die Erfahrung hat es dntzendfach gelehrt, daß die Bureaukratie an Machterweiterung erlangen kann. was nur ihr Herz begehrt, wenn sie nur etil erhebliches Plus ver- lqngt, das sie sich abringen lassen kann. Bei den Politikusse» der bürgerlichen Opposition im liberalen und Zentrmnslager hat sich die Anschauung herausgebildet, daß es„parlamentarisch" sei. zivischen dem Standpunkte, den die Regierung eiimimmt, und dem der Parlamenlsmehrheit eine Mittellinie zu finde». Gelingt ei ihnen, nach längerem Hin- und Herreden von einer reaklionären Forderung der Regierung etwas abzudingen, so glauben sie wunder was für eine konstitutionelle Großthat sie vollbracht habe», Die Bnreaukratie ist bald dahinter gekommen, wie sie diese Disposition slirihreZwecke auszunutzen ha«. Sie verschiebt ihreFordernngeinsachso- >veit nach rechts, daß die„konstilutionelle" Mittellinie ungefähr mit dem, was sie zu erlangen wünscht, zusammenfällt. Nach dem Schema dieser Geschäftspraxis ist die Reichsversichcrung, sind die Reichs« Justizgefetze, so ist auch das Sozialistengesetz zu stände gekomme». Kommt das Geschäft einmal ausnahmsweise nicht zu stände, so adel das der Bureaukratie weiter nichts. Der verhandelnde «reaukrat preist die Nachgiebigkeit der Negierung, schiebt die Schuld auf die Halsstarrigkeit der Parlamente, schiebt die Hände i» di» Hosentaschen und zieht vergnügt von hinnen: das nächste Mal wird es schon besser gehen. Er kann nnt um so größerer Sicherheit auf spätere Nachgiebigkeil der bürgerlichen Parteien rech»«», wenn die Bureaukratie Machlertveitermigs-Forderiingen mit irgend einer Maßregel verknüpft hat. an deren Durchsetzung den entscheidenden Parteien viel gelegen ist. Nach diesem Schema hat die ReichSregierung bei der Novelle zum Jnslizgesetz gearbeitet. Sie konnte, als die Verhandlungen zunächst nicht zum Ziel führten, die Sache vertagen lassen und selbst ruhig die Hände in den Schoob lege», weil sie sicher sein durfte, daß irgend ei» bürgerlicher Politikus, um die Berufung und die Entschädigung un« schuldig Vernrlheiller durchzusetzen, im Schweiße seines Angesichts sich um die Festlegung des goldenen Mittelweges abmühen würde, aus dem die Bureaukratie dann ohne weitere Fährniß ihrem reaktionären Ziele zuwandeln kann. So hat sie sich auch aus den Berathungen des Bürgerlichen Gesetzbuches mit Hilfe der überschlagen Politikusse Lieber nnh Bennigsen die Bestimmung gegen das Jnuerbindtlugtreten der Verein« qls Handelsobjekle in den preußischen Landtag hinübergerettet. Sie gedenkt diese unhaltbare Gesetzesbestimmung dort gegen ein« möglichst ausgedehnte Erweiterung der Polizeibesuguisse loszuschlagen. Die Forderung selbst aber, die sie gestellt hat, ist auf das Abhandeln zugeschnitten. Täuscht sie sich in ihrer Spekulation— nun. was verschlägt's ihr? Sie kann ja warten. Der Bureaukratie lhut's weiter keinen Schade», wenn die Vereine mit dem chikauösen Bereinsgesetz sich noch länger abquäle» müssen. Aber es ist noch garnicht einmal sicher, daß sie sich getäuscht bat. Sie hat das Forum für Abschluß der Geschäft« trefflich gewählt. In der politischen Börse am Dönhoffsplatz stehe» die AitSsichteu snr sie erheblich besser als in der am Köuigsplatz. Im preußischen Abgeordnetenhaus ist dank dem elendesten aller Wahlgesetze, das dem Proletariat eine eigene Vertretung unmöglich macht, die nationalliberale Partei ausschlaggebend. Sie ivurde entgegen allen ihre» Traditionc» handeln, wenn sie diesmal nicht sich abmühte, den„goldenen Mittelweg" zu finden,>»» dann mit de», Brusttöne männlichen Stolzes sich zu rühmen, was sie nicht wieder alles für das Volk gelha» habe, indem sie der Re, giernng das Tültelche» über dem i abfeilschte. Für Herrn v. Beiniigsen tväre es ja ein trefflicher Abgang pon per politischen Schaubühne— pardo» Handelsbörse, wenn er hier nochmals den ehrlichen Makler machte für die Reaktion. Der Mrieg. Die Pforte hat� noch keine Antwort auf die VermittelmigS, Vorschläge gegeben. Sie erklärt, eist daS Beirains-Fest vorübergehe» lassen zu müssen, sodaß vor Montag keinerlei Fortgang der Ber» Handlungen zn erivarten ist. Man glaubt jetzt, daß die Türkei eine Kricgsenlschädigung von 7b Millionen verlangen wird. Die M»chli> würden Griechenland in lein er Weise verpflichten, sich durch Auslieferung seiner Flotte loszukaufen; wenn aber Griechen« lanb die Entjchädigllng in Geld zahlt, werde» die Machte eine Kombination erwägen, welche die Wahrung der Rechte der früheren Gläubiger GriecheuInndS gestaltet. Cs scheint sich zu bestäligur, daß die Türkei lim deswillen die Unterhandlungen hinauszögert, u!» womöglich zuvor b i s an die vormalige türkisch, griechische Grenzlinie vorzudringen. Dieses scheint auch nicht fern z» liege». Den» die Griechen sollen ihre Stellung vor Domoko verlasse» haben und sich tiefer in die Olhtycberge zurückziehen. In Ko»slantirwp«k ist über dir Eliinahme vor, Tonioko allerdings bieder nichts bekannt gegeben worden. Man vcrumthet, dnp d>« Operntionen noch nicht beendet sind oder daß dor weiter« Vormarsch geheim gehalten werden soll. Der Privat- Depeschenverkehr mit dem Kriegsschauplatz ist vollständig auf, gehoben. Edhem Pascha erhielt in den letzten Tagen wiederholt die dringendsten Befehle, die Operationen zu beschleunigen. Auf dem epirotischen Kriegsschauplatze haben, wie gestern schon telegraphisch mitgelheill war, erhebliche Kämpfe statt- gefunden. Am Donnerstag entspann sich bei G r i b o w o am linken Huros- Ufer ein heftiger Kampf. Zwei griechische Brigaden Mit zahlreichen Kanonen, zivei Kompagnien Pioniere und einer Eskadron geriethcn mit de» Türken, die fast gar keine Artillerie hatten, in Kampf. Die Griechen warfen die ersten Reihen der Türken, begegneten dann aber einem heftigen Widerstande; an »ichrcrc» Orlen wurden die Soldaten handgcmei». Die Truppen standen so nahe gegenüber, daß die Zlrtillerie nicht eingreisen konnte. Man spricht, daß LOO— SOO Mann griechischer Truppen kämpf- unfähig ivurden. Auch die griechische Flotte trat aus ihrer Unthätigkeit heraus. Es wird darüber ans A r t a vom Freitag Abend berichtet: Seit 4 Uhr greift die griechische Kanonenboots-Flolille Nikopolis lauf der schmalen Landzunge, in die Epirus südlich ansläufl) an. Der Angriff erfolgt gleichzeitig von der Landseite. Die türkischen Ballericn nach der Seeseite wurde» schnell zum Schweigen gebracht; diejenigen nach der Landfeitc erwiderten das Feuer lebhaft. Die Türken leisteten kräftig Widerstand. Bei Einbruch der Nacht hörte der Kamps auf. Alle Anstrengungen der griecbischen Armee in Epirus richten sich jetzt auf die Einnahme von Nikopolis und Prevesa Wenn diese erfolgt ist. wollen die griechischen Truppen gegen Pentepighadia marschiren. Die Friedensverhandlungen werden natürlich durch diese Forlführung der militärischen Operationen nicht gefördert. Es verlautet, daß die Vertreter der Mächte an die griechische Re- gierung Vorstellungen anläßlich der Operationen in Epirus gerichtet haben. Die griechische Regierung hat erwidert, daß sie durchaus nicht verpflichtet sei, ihre militärischen Operationen einznstelle». solange die Türkei»och keinen Waffenstillstand angenommen habe; sie habe die Pflicht, die epirotischen Christen zu beschützen, die sich bei dem ersten Ein- marsch in die Provinz bewaffnet erhoben hätten. Thatsächlich solle» die Türken gegen die Epiroten sehr gransam verfahren. Ueber die Lage auf Kreta und im ägäischen Meere wird gemeldet: K a n e a, 15. Mai. Nachdem die Insurgenten in Akrotiri er- fuhren, daß König Georg auf die Anneltion Kreta's verzichtet habe, beschlossen dieselben, die Waffen nicht eher niederzulegen, bis türkischerseits die Truppen von der Jnsel entfernt worden seien. K 0 n st a n t i» 0 p e l, 14. Mai. Aus die Nachricht von dem Erscheinen griechischer Freibeuterschiffe vor verschiedenen Jnsel» des ägäischen Archipels ertheilte die Pforte dem Kommandanten des Dardanellen-Geschwaders Befehl, die Freibeuter verfolgen zu lassen. Nach einer Drahtmcldnng des Konimandanten hätten nun die von der Verfolgung zurückkehrenden türkischen Schiffe 11 Segler ein- gebracht, welche versucht hätten, Landungsplätze herzurichten. Schließlich wollen wir noch die folgende Meldung der„Züricher Post" wiedergeben: Wegen Feigheit wurde in Athen der ! griechische Stabsarzt Tipaldos mit noch drei anderen Offiziere» t a n d r e ch t l i ch erschossen. Die griechischen Offiziere: Oberst Jaskos, Oberstlieulenant Sapiropulos, Major Metaxa, Oberlieutenant Mavromichailis. Lieutenant Geniserlis und Lieutenant Antono- pulos ivurden unter Eskorte nach Athen gebracht und werden gleichfalls vom Kriegsgericht abgenrlheilt werden. Einige von diesen Offizieren halten Franenkleider angelegt und wollten sich flüchlen, wurden aber in Stylis, dem Hasen von Lamia gefangen genommen. Die Adjutanten des Kronprinzen, Oberst Zapunzakis und Hauptmann Hadschipetro, wurden ihres Dienstes enthoben und nach Athen versetzt. Volttische Lleberfichl. Berlin, 15. Mai. Was kommt nach der Slnfhebnng des Vereinsrechtes? Die„Kreuz-Zeitung" hat nach langem Schweigen endlich auch Worte zum Recke'schen Entwurf ge- künden. Und was das Blatt sagt, ist in einer Hinsicht recht interessant. Es ist natürlich für den Gesetzentwurf, der am liebsten noch durch Präventivmaßregeln gegen die Vereinigungsberechtigung verschärst werden soll. Es schließt seine Betrachtung wie folgt: „Wir meinen, daß die Regierung, nachdem sie den Entwurf einmal gebracht hat, auf seiner sofortigen Durchberathung in beiden täusern bestehen muß und ihn erst preisgeben darf, wenn jede offnnng auf sein Zustandekommen in einer wesentlich UN- veränderten Gestalt geschwunden ist. Man hat so oft be- klagt, daß es der Regiernng an Festigkeit und Zielbewußtsein fehle. Hier kann beides bethätigt werden. Geschieht das, so sehen wir den nächstjährigen Wahlen mit Ruhe ent- gegen. Wenn die Regierung zeigt, daß es ihr Wille ist. mit fester Hand den Umsturzparteien entgegenzutreten, würden die gutgesinnten Kreise des Volkes gern Heeresfolge leisten. Unter jener Voraussetzung wird selbst ein u n g ü n st i g e r Ausfall der Wahlen zu Besorgnissen wegen der Zukunft unseres Vaterlandes keinen Anlaß gebe n." Die„Kreuz-Zeitung" weiß also, daß das Zustandekommen des reaktionären Vcreinsgesetzes zu einer Verstärkung der oppositionellen Kräfte bei den nächsten Reichstagswahlen führen würde. So unangenehm ihr dies an sich wäre, so angenehm ist es ihr in dem Falle, daß eine„feste und ziel- bewußte" Regierung da wäre. Das heißt: M a n m u ß durch reaktionäre Maßnahmen das Volk immer>n e h r in Unwillen versetzen und z u r Verzweiflung treiben, damit dann„mit f e st e r H a n d" eingegriffen w e r d e n k a n n. Also Konflikt, Staatsstreich! Es ist recht gut, daß die„Kreuz-Zeitung" selbst daran erinnert, wohin der Kurs des Herrn v. d. Recke führen soll!— Die Aussichten der Vereinsgesetz- Novelle. Die „National-Zeitung" spricht sich über dte Haltung ihrer Partei zum Vereinsgesctz folgendermaßen aus: „Nach allem, was wir über die Stimmung in der national- liberalen Fraktion des Abgeordnetenhanses hören, besteht dort kein Zweifel über die Nothwendigkeii. das Reckeffche Vereinsgesetz zu verwerfen. Die Verweisung an eine Kommission wird sich am Montag wohl nicht vermeiden lassen, da sie, wenn von einer der größere» Parteien verlangt, feststehende parlamentarische Gewohnheit ist und im vorliegenden Falle von Fraktionen gefordert werden wird, die nahezu die Hälfte des Hauses ausmachen; aber der in der reaktionären Presse sich seit gestern ankündigende Versuch, die Zwecke der Vorlage vermittelst angeblich beruhigender Amendirungen zu erreichen, wird, wie wir hoffen, nicht von Erfolg gekrönt sein, obgleich bei der Zu- sammensetzung des Abgeordnetenhauses alles von wenigen Stimmen abhängt. Der nationalliberalen Fraktion des- selben ist gegenwärtig eine Verantwortlichkeit zugefallen, deren Bedeutung für das Land und für die eigene Partei ohne Zweifel voll gewürdigt wird." Die Nat.-Ztg." hat Recht, es hängt alles von wenigen Stimmen ab. Nach einer Feststellung der„Freis. Ztg." ist das Stimmenverhältniß wie folgt: Da gegenwärtig ein nationalliberales Mandat durch Tod erledigt ist und ein polnisches Mandat erledigt ist, so zählt das Abgeordnetenhans 431 Mitglieder. Von diesen gehören der konservativen und sreikonser- vativen Fraktion 205 Mitglieder an, dazu kommen noch 7 Wild- lonservülive. Im ganzen stehen also 212 Abgeordnete auf dem Boden der Vorlage. Auf der Gegenseite befinden sich 86 Nationalliberale, 94 Zentrumsmänner, 20 Frei- sinnige, 16 Polen und 2 Dänen oder 219 Abgeordnete. Die g e g n e ri s ch e Mehrheit beträgt also nur? und kann durch den Umfall von 4 oder 5 Nationalliberalen in das Gegentheil verkehrt werden. Im prenstischcn Abgeorduetenhanfe entspann sich heut« bei der Berathung des Berichts der Rechnungskommission über die Uebersicht der Staatseinnahmen und Ausgaben 1895/96 eine längere Debatte über die Frage der B e a m t e n k a n t i o n e n. Abg. R i ck e r t(srs. Vg.) trat für eine Beseitigung des ganzen Kantions- wesens ein, da dasselbe auch nicht die Spur einer Garantie für das Bewußtsein höherer Verantwortlichkeit hervorrufe und dem Staate durch die Verwaltung nur Unkosten bereite. Auch Abg. Krawinkel (natl.) bezeichnete das Kautionswesen als eine verfehlte wirth- schaftliche Einrichtung. Finanzminister Dr. von M i q u e l erkannte an, daß in diesen Ausführungen manches Richtige liege. Eine völlige Beseitigung der Kautionen fei aber nicht möglich, ebenso sei der Plan der Bildung einer Kaultonsgenossenschast bedenklich; doch werde die Regierung die Frage weiter befolgen. Hieraus nahm das Haus in zweiter Berathung die Charit ee- Vorlage in unveränderter Form an, nachdem die Berliner Ab- geordneten Dr. L a n g e r h a n s, Schultz und Dr. V i r ch o w nochmals die Nothweudigkeit des NmbaneS der Charitee betont und gegen die Verlegung des Botanischen Gartens warnend ihre Stimmen erhoben hatten. Finanzminister Dr. v. Miquel hatte für die sonderbare Verzwickttug zweier so verschiedener Projekte nur die bekannte Ausrede, daß der Staat der Stadt Berlin kein Geschenk machen könne. Der rein fiskalische Standpunkt trat in seiner Rede deutlich hervor. Der letzte Punkt der Tagesordnung, die zweite Lesung des Gesetzentwurfs, betr. Abänderung der Gesetze über den Bau neuer Schiffsah rtskanäle und die Verbesserung vorhandener Wasserstraßen gab den Agrariern wieder einmal Gelegenheit zu beweisen, daß sie kein anderes Interesse mehr kennen, als für sich vom Staate möglichst viel zu ergattern. Die Vorlage fordert weiter 15 Millionen Mark für die Vollendung des Baues des Dortmuud-Emskanals. Wenn sich auch die Konservativen unter Führung des Grafen K anitz der Forderung nicht widersetzten, weil die Ablehnung einer Sistirung deS Baues gleich- käme, so hielten sie es doch für nöthig, ihre warnende Stimme zu erheben und auf die Unrentabilität des Kanals hinzuweisen. Leider vergaßen die Herren, daß der Kanal hauptsächlich deshalb unrentabel sein wird, weil das damit im Zusammenhang stehende Projekt des Dortmnnd-Rhein-Kannls von ihnen selbst abgelehnt ist. Unter den üblichen Klagen über die Roth der Landwirthschaft und unter den bekannte» Angriffen auf die Industrie, die trotz ihrer günstigen Lage doch nicht zu den Kosten herangezogen würde, nahm das Hans endlich die Vorlage in der Komniissionsfassung an. Montag: Erste Lesttng des VereiusgcsctzeS. Chronik der MajestätSbeleidigungS- Prozesse. In das Altonaer Untersuchungsgesängniß wurde am 14. Mai ein Dienst. mädchen eingeliefert, das bei dem Hosbesitzer H e n n i g s e» in dem holsteinischen Dorfe Leert diente. Es ist verhaftet unter der An- schuldigung der MajestStsbeleidiguug. Ein Knecht, der mit dem Mädchen zusammen diente, hat daZ Mädchen aus Rache denunzirt, weil es ihn nicht erhört hat.— *** Deutsches Reich. — Protestbewegung gegen die neue Umsturzvorlage! Diese Parole wird von vielen Seiten ausgegeben. Unsere Genossen sind natürlich wieder die ersten am Platze. In Magdeburg finden schon morgen Versammlungen statt mit der Tagesordnung: Die Stellung der Sozialdemokraten zu dem Entwurf eines Gesetzes zur Ergänzung und Abänderung von Bestimmungen über Versammlungen und Vereine. Für die nächsten Tage sind Versammlungen unserer Partei in zahlreichen Orten angekündigt. In Berlin sind für de» nächsten D o n n e r st a g von unseren Partei- genossen eine ganze Zln zahl von Versammlunge» einberufen w o r d e»*) Auch für die Umgebung Berlins sind eine Anzahl Versammlungen seitens unserer Parteigenossen ge- plant. AuS München meldet uns eine Privat-Depesche: Die Partei beruft für Montag eine große Volksversammlung nach dem„Mün- chener Kindl", Münchens größtem Saal, mit der Tagesordnung: „Die preußische Reaktion und ihre Gefahr für das Deutsche Reich". Vollmar wird reseriren. Die National- Sozialen fordern ihre freilich wenig zahlreichen Anhänger im Lande auf, überall Protestverfammlungen zu arrangireu. Die Frankfurter Demokraten berufen für Montag eine öffentliche Bersammlung ein mit der Tagesordnung:„Der reaktionäre preußische Vereins-Gesetzentwurf". Auch seitens der freisinnigen Volkspartei werden Versammlungen vorbereitet gegen Herrn v. d. Recke's Versuch, die öffentliche Meinung zu knebeln.— — Verfassungswidrig. Die„Freis. Ztg." schreibt a» der Spitze ihres Blattes folgendes: „Verfassungswidrig ist die Novelle zum Vereinsgesctz, weil die Bestimmung über den Ausschluß Minderjähriger von politischen Versammlungen in direktem Widerspruch steht mit Artikel 29 der Verfassungsurkunde. Vor Einbringung der Novelle wurde dies von keiner Seite bestritte» und deshalb auch überall in der Presse daraus hingewiesen, daß die Novelle als Verfassungsänderung in jedem Hause des Landtages eine doppelte Abstimmung mit einem Zwischenraum von 21 Tagen erfordert. In dem Text der Novelle und in der Begründung dagegen ist mit keiner Silbe darauf hingewiesen, daß die Novelle»ine Abänderung der Vir- fastung voraussetzt.* BersafsnnflSänderungen können, da die verfassnngsinäßigen Be- stimmunaen tu einer einzigen Urkunde zusammengefaßt sind, auch nicht mittelbar durch Gesetzesbestimmungen unter den für Verfassungsänderungen vorgeschriebenen Formen erfolge», sonder» bedürfen einer ausdrücklichen Vorlage, welche die Ver- sassuug entsprechend abändert. Artikel 29 der VersassungSurkunde bestimmt in seinem erste» Absatz ausdrücklich: „Alle Preußen sind berechtigt, sich ohne vorgängige obrigkeitliche Erlaubniß friedlich und ohne Waffen in geschlossenen Räumen zu versammeln." Die Bestimmung, daß alle Preußen dazu berechtigt sind, berechtigt auch alle m i n d e rj ä h r i g e n Preußen zu solchen Versammlungen. AuS Artikel SO der VersassungSurkunde läßt sich nicht das Gegentheil darlegen. Allerdings heißt es im zweiten Absatz des Artikels 30: „Das Gesetz regelt insbesondere zur Aufrechterhaltnng der öffentlichen Sicherheit die Ausübung des in diesem und im vor- stehenden Artikel gewährleisteten Rechts." Danach kann die Vereiusgesetzgebnng nur die„Ausübung" des Versammlungsrechts regeln, nicht aber dieses Ver- s a m m l u u g s r e ch t s e I b st einschränke». Die Verfassung ge- stattet der Gesetzgebung daher wohl, Bestimmungen zu treffen über die Anmeldung und die Auflösung von Versammlungen, nicht aber über Einfchränkmigen des Besuchs der Versammklingen. Anders verhält es sich in bezug auf die politischen Vereine. Politische Vereine können nach einer besonderen Bestimmung des Artikels 30 Beschränkungen und Verboten im Wege der Gesetz- gebung unterworfen werden. Deshalb war auch in dem bisherigen Vereinsgesetz die Bestimmung zulässig, wonach Franeuspcrsonen, Lehrlinge und Schüler sich nicht an politischen Vereinen betheiligeu durften. Auch die Praxis hat scharf unterschieden zwischen der Betheiligung Minderjähriger a» den politische» Versamnilungen •) Es wird deshalb crsncht, keine anderen Versammlungen für Donnerstag einzuberufen. und der Vetheiligung an politischen Dereinen. Letztere war unter- sagt, erstere gestattet. Auch Minderjährige konnten bisher an politischen Versammlungen, die nicht Verewsversammlungen waren, unbehindert theilnehmen." — Zu einem selbständigen Borschlag zum Vereins-Gesetzentwurf schwingt sich die„Deutsche Tageszeitung" auf. Sie möchte in den Artikeln 2 und 3 des Entwurfs statt der Ausdrücke„öffentliche Sicherheit, insbesondere die Sicherheit des Staates, oder den öffentlichen Frieden gefährden" setzen: Versammlungen(bez. Vereine), welche den Bestand der monarchischen Berfassung des Staates oder die öffentliche Ordnung gefährden...." Durch eine solche Fassung der beiden Artikel sollen alle„berechtigten" Partei- bestrebungen gesichert sein und nur diejenigen, die es also„ver- dienen", werden dem Polizeiwillen überliefert. Ob diese Formulirung des Bündlerblattes eine„glückliche" ist? Ob irgend jemand auf diesen Vorschlag eher hineinfallen wird, als ans den des Herrn v. d. Recke? Schon mit der„monarchischen Verfassung" ließe sich gar viel machen, nicht nur gegen die Sozialdemokratie, sondern auch gegen die Demo- kralie und den Liberalismus, deren Stellung znr Monarchie vielfach den rechtsstehenden Parteien durchaus nicht genügt. Und dann: Die.öffentliche Ordnung"! Das ist doch zweifelsohne Kautschuk erster Qualität!— — Znr Borgeschichte des allgemeinen Wahl- rechts. In Horst Kohl's Bismarck-Jahrbnch finden sich die beiden folgenden Briese Lassalle's auS dem Jahre 1864: " Exzellenz! Vor allem klage ich mich an, gestern vergessen zu haben, Ihnen noch einmal aus Herz zu legen, daß die Wählbarkeit schlechterdings allen Deutschen ertheilt werden muß. Ein immenses Machtmiitel! Tie wirkliche„moralische" Eroberung Deutschlands! Was die Wahltechnik betrifft, so habe ich noch gestern Nacht die gesaunnte französische Gesetzgebnngs-Geschichte nachgelesen und da allerdings wenig Zweckmäßiges gefunden. Aber ich habe auch nach gedacht und' bin nunmehr allerdings wohl in der Lage, Eiv. Exzellenz die gewünschten Zanberrczeple znr Verhütung der Wahlenihaltung wie der Stimmenzerbröckelnng vorlegen zu können, An der durchgreifenden Wirkung derselben wäre nicht im ge- riugstcn zu zweifeln! Ich erivarle demnach die Fixirnng eine? Abends feiten Ein. Exzellenz. Ich bitte aber dringend, den Abend so zu wählen, daß wir nicht gestört werden. Ich habe viel über die Wnhliechnik und noch mehr über anderes mit Ew. Exzellenz zu reden und eine ungestörte und erschöpfende Besprechung ist bei dem drängenden Charakter der Situation wirklich unumgängliches Bedürfniß. Der Bestimmung Ew. Exzellenz entgegensehend, mit au?- gezeichneter Hochachtung Ew. Exzellenz B s r 1 1 u, Mittwoch 13./1. 64.' ergebenster Potsdamer Str. 13. IT. 1.»s sali«. Exzellenz! Ich würde nicht drängen, aber die äußern Ereignisse drängen gewaltig, und somit bitte ich, mein Dränge» zu entschuldige». Ich schrieb Ihne» bereits Mittwoch, daß ich die ge- wünschten„Zauberrezepte"— Zauberrezepte von der durch- greifendsten Wirkung— gefunden habe. Unsere nächste Unter- rednng wird, ivie ich glaube, endlich von entscheidenden Beschlüssen gefolgt sei» und da, wie ich ebenso glaube, diese eiUscheidenden Ent- schlüffe unmöglich länger zu verschieben find, so werde ich mir er- lauben, morgen(Sonntag) Abend S»/» Uhr bei Ihnen vorzusprechen. Sollten Ew. Exzellenz zu dieser Zeit verhindert sein, so bitte ich mir eine andere möglichst nahe Zeit bestiminen zu wollen. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ew. Exzellenz Eonnabend Abend, sl6. l. 1364j ergebenster Potsdamer Str. 13. IT. Bassall«. Man sieht hieraus, wie Laffalle überzeugt war, Bismarck völlig in Händen zu haben.— — Auch die um Stumm werden parlameiitZmüde. Gras v. Arnim, einer der agrarischen Redner der Reichspartei im Reichs- tage, soll nach der„Mit. Pol. Korr." beabsichtigen, kein Mandat für de» Reichstag wieder anzunehmen. Nachdem der Herr Graf sich so energisch gegen das allgemeine Wahlrecht ausgesprochen hat, begreifen ivir, daß er nach dem Grundsatz«„die Traube» sind doch zu sauer", handelt.— — Der Vorstand der Bereinigung der ver- liner Getreide- und Produkte»Händler hat in feiner heule Vormittag abgehaltenen Sitzung einstimmig beschlösse»»: 1. Gegen die Verfügung des Oberprästdente» vom 14. Mai er. die Klage beim OberverivaltüngSgericht unverzüglich einzuleiten. 3. Dein Oberpräsidcnlen von der Erhebung der Klage in geeigneter Weise Mittheilnng zu mache».— — Der Keltentran Sport Steiger' 8 hat w der Presse des Auslands womöglich eine»»och stärkeren Slnrin der Entrüstung hervorgerufen, als in Deutschland selbst. Die Presse de? Auslands trägt keinen Maulkorb wie die deutsche; und daß ein Vertreter der Press«»vegen einer Preßäußerung»vi« ein gemeiner Verbrecher ins Gefänguiß ge» ivorseu»nid von den Behörden ivie der gemeinste Strolch gefesselt werden kann, daß ist„ran in zivilifirten Ländern einfach nußer Stand, zi» begreifen. Wenn das»veiler so fort geht in»lnseren» preußischen Junkerreich. wird ein Deutscher im Ausland bald nicht mehr sage» dürfen, daß er ein Deutscher ist. Fürwahr, wir habe» es herrlich»veil gebracht!— — DicPolenpolitik der preußischenRegierirng war gestern— Freitag— in Fr a» k fu r t a. M. aus der Anklagebank. Genosse Quarck hatte als Nedakteur der„Frankfurter Volks- stiinme" in dieses Blall eine Notiz der gemäßigt liberalen„Danziger Zeitung" mit Quellenangabe anfgenomnien. Die Notiz»var betitelt:„Verbot der Muttersprache" und meldete, das, polnische Rekruten in Ods in Schlesien in der Kaserne bestraft »vnrde»,»veil sie polnisch sprachen. Die Militärbehörde erhob An- klage. Qnarck ließ den Major vo» Kalkreuth und den— in der Notiz gleichfalls benannteil— Oberjäger Klein als Zeugen vernehinen. Beide gaben die Bestrafung»vegci» Gebrauchs der polnischen Mlitter spräche zu. Die Bestrafung habe aber nicht,»vi« die Notiz behauptet, i» LähmliigSabzng für die Sinbenkasse und UrlaubSveriveigc- rung bestände». Auch ini kalte» Wasser hätte» die Bestrafte» nicht zu stehen gehabt, auch nicht mit bleibeschivertei» Gewehren exerzire» »Nissen. Beide letztere» Punkte waren in der Notiz gar nicht erivahnt. Wie die militärischen Zeugen dazu kamen, Dinge abzustreiten, die garnicht behauptet ivurden, ist äußerst seltsam. Jedenfalls müssen sie eine» G rund zu dieser»uerkivürdige» Ableugunug gehabt baden. Genug— die Strafe für das polnisch rede» ist erfolgt und sie bat nach Aussage des Zeugen Klein(die Zeugen waren der großen Entferuuiig halber k o n»»» i s s a r» s ch vernommeii»vorde»») blos darin bestanden, daß ei» Rekrut die Worte: Ich soll nicht polnisch reden!„häufig" abschreiben mußte,»vas »vahrhaftig kein Vergnügen. Die Berlheidigung»vies nach, daß die behauptete Thatsache Verbot der Muttersprache! eriviesen sei, daß der Nachweis, ob Urlaubsveriveigernng, Löhuniigsabzng eine Strafe für ein bestimmtes Vergehe», fei. einfach nicht geführt»verden könne, daß der Redakteur nicht blos in gutem Glauben gehandelt, sondern auch eine Pflicht der Humanitäl erfüllt habe. Ter Staatsanwalt beantragte zwei Monate Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte auf 150 M. Geldstrafe, eventuell 50 Tag« Gefängniß, ans Veröffentlichung des llrtheils und Vernichtung der Nummern und Druckplaiten. Der Staat habe ei», berechtigtes Interesse an der Be- känipfiing der polnischen Sprache beim Militär schon im Interesse der Disziplin. Die deutsche Sprache erlerne ein Nicht-Dentsch« erfahrungsgemäß am besten dadurch, daß ihm der Gebranch der fremde» Spraco« möglichst erschwert werde. Es frage sich»um, od diese Erfahrung durch uusachgtniciße Strafen erzielt worden sei. DaZ allein eriviesene SIbschreibc» sei keine unpassende Straf«, wohl aber habe durch die MiUheiluug von der Urlaubsverweigerung und de» Löhnungsabzügen der Eindruck erweckt werden sollen, daß un- sachgemäße Strafe» verhängt worden seien. Darin lieg« die Be- leidignug der betreffenden Vorgesetzten. Gegen das Erkenntniß ist Rektirs erhoben. Was die Begründung angeht, daß das Verbot der polnischen Sprache im Interesse der Disziplin liege. so ist der Franksurter Gerichtshof entschieden auf dem Holzwege. Die schweizerische Armee enthält Italiener. Franzosen und Deutsche. Jeder Soldat hat das Recht in seiner Muttersprache zu reden, und die Disziplin besteht dabei vortrefflich. Rudolstadt.(Eig. Ber.) Die Reaktion ist an der Arbeit auf der ganzen Linie. Während in Preußen der Arbeiter»och weiter durch das neue Vereins- und Versammlungsrecht geknebelt werden soll, geht man hier bei uns zu Lande noch einen Schritt weiter. Am Vereins- und Versammlungsrechte läßt sich bei uns beim beste» Willen nichts mehr verböser», den» Arbeitervereine sind bekanntlich nach hiesigem Rechte„audurch verboten" und Versammlungen dürfen eben nur stattfinde», wenn die löbliche Polizei dies erlaubt; einmal thut sie dies, zehnmal wieder nicht. Also muß sich die hohe Regierung schon etwas anderes heraussuchen und dies ist da»» eine„Umarbeitung" der Gemeinde-Ordnung vom Jahre 1ö76. Diese Umarbeitung bezweckt nichts mehr und nichts weniger, als der Sozialdeniokratie die Möglichkeit zu benehmen, in irgend einem Orte je die Majorität in der Stadt» oder Gemeindevertretung zu erreichen und erhebt darum das„elendeste aller Wahl- systeme", das preußische Dreiklassenwahlsyftem zum Ideal. Es berührt doch wirklich wunderbar, daß man nur immer einzig der Sozialdemokratie den Vorwurf macht, sie fördere und schüre fort» gesetzt de» Klassenkampf; und was thun die Regierungen? Preußen hat„sein" vorbildliches K l a s s e u Wahlsystem für. Landtag und Gemeindevertretungen schon längst, Sachse» revidirte sein Landtags- Wahlsystem und führte das Klassen Wahlsystem ein, Mei- uingen änderte erst in diesem Jahre das auf freierer Basis aufgebaute Gemeindewahlrecht für die Städte um in ein in zehn Klassen abgestuftes Wahlrecht und nun kommt auch noch unsere allezeit fortschrittliche Regierung und schafft— nicht etwa das vorsintfluthliche Chauffeegeld ab, sondern— schafft das Dreiklaffeusystem für die Wahl der Gemeindevertretungen. Und die Regierung wird sich in„ihrem getreuen Landtage" nicht ver- rechnen; es werden zu den vier döchstbestenerten von den zwölf „gewöhnlichen Vertretern" höchstwahrscheinlich so viele umfallen, als gebraucht werde», um den herrliche» Gesetzentivnrf unter Dach und Fach zu bringen. Und die Sozialdemokratie rvird quittiren für solch aufreibende Fürsorge bei der Reichstagswahl im Jahre ISSS!— Miinchcn, 14. Mai.(Eig. Ber.) Ein neueS demokratisches Organ wird unter dem Titel„Bayer. Bürgerzeitung" ab 15. Mai dahte. erscheinen und soll dasselbe eine„entschiedenere" Richtung als die bereits bestehende„Freie Presse" vertreten. Herr Dr. Qnidde, dessen Ansehe» als Parteiführer bei de» LOS Münchener Demokraten arg im Sinke» ist. will von hier fort und in Kaiserslautern sein Glück versuchen.— Schweiz. vorn, 13. Mai.(Eig. Ber.) In Zürich hat gestern die nationalrälhliche Kommission für die Berathuug der Kranken- und Unfallversicherung ihre Arbeiten beendet, so daß man wohl nächstens, jedenfalls aber vor Beginn der Juni- Session der Bundesversammlung das Protokoll ihrer Verhandlungen und, was die Hauptsache ist, die Entwürfe für beide Versicherungen in der Gestalt erhalten wird, in der sie dem Nationalrath vorgelegt werden. Endlich ist nun einmal der Termin nahe gerückt. da die eidgenössffche Kranken- und Unfallversicherung parla- mentarisch behandelt und erledigt werden wird.— Hier in der Bundesstadt ist am Montag die ständeräthliche Kommission zur Vorberathung des Gesetzentwurfes betreffend die E i s e n b a h n v e rst a a tl i ch n» g zusammengetreten, welche ebenfalls in der Jnnisession behandelt iverden soll. In der Koni- Mission zeigt sich nun bereits dieselbe Situation, wie sie gegenüber der Bundesbank bestand. Welsche und Ultramontane machen Hand in Hand mit einander Opposition und Obstruktion gegen die Bahn- Verstaatlichung, wobei sich zeigt, daß die Genfer„Radikalen" sich in nichts unterscheiden von den Konservativen. Die Mehrheit der Kom- Mission ist allerdings für die Verstaatlichung und lehnte mit sechs gegen vier Stimmen den bauernfäugerische» Antrag des„Radikalen" Gavard auf Znrückverweisung der Vorlage an den Buudesralh, dainit er erst mit den fünf Hauptbahne» über den Preis bei freihändigein Rückkauf verhandle, ab. Der Vertreter der Eisenbahnaktionäre ver- folgte damit natürlich nur den offenen Zweck, die Sache z» ver- schleppe», damit der Kündigungstermin im Februar resp. Mai 1898 unbenutzt gelassen werden müßte und die Bahnen auch fernerhin dem Privatkapital als Ausbeutungsobjekte erhalte» bleiben würden. Man darf also bezüglich der Verstaatlichung der Eisenbahnen sich auf den gleichen heftigen Kampf gefaßt mache», wie er um die Bundesbank geführt wurde, nur daß für die Bahnverstaatlichung die Chanzen günstigere sind.— Frankreich. PariS, 13. Mai.(Eig. Ber.) Der Bankerott des „ ch r i st l i ch e n S o z i a l i s m u s" in Frankreich ist von dessen Begründer, dem Grafen de Mun, proklamirt worden. In einem öffentlich bekannt gemachten Brief an einen„katholischen Arbeiter- zirkel" des Norddepartements klagt der edle reaktionäre Demagoge gar wehleidig über die Abweichung der bis dahin getreuen katholischen Arbeiter von dem ihnen vor- gezeichneten Wege. So lange nämlich die christlich- soziale Bewegung sich auf die Anwerbung und Eindrillung von rückständige» oder zweifelhaften proletarischen Elementen in einzelnen Zirkeln und gemischten, aus Arbeitern und Nnternehmern bestehenden, Fach- vereinen beschränkte, ging alles nach den Wünschen der klerikal- aristokratischen Anführer. Die„Einigung der Klassen" im Interesse des Geldsacks und des Altars schien dem Grasen de M»n zur Wirklichkeit geworden zu sein, weil er das küustlichcMilieu der Zirkel und achvereine mit der lebendigen gesell schaftliche» Wirklichkeit verwechselte. auin war es aber zu einer Berührung zwischen den einzelne» Zirkeln gekommen, als sich der proletarische Instinkt der Arbeiter gegen die Klasseuverhöhnungsduselei recht deutlich geltend machte. Das geschah auf dem Kongreß von Reims, wo die Gründung einer christlich- demorratischen Partei beschlossen und deren Leitung ausschließlich Lohnarbeitern anvertraut ivurde. Graf de Mun entsetzte sich nun darüber, wie ein« Henne, die Enteneier ausgebrütet hat und nun vom Ufer aus dein fröhliche» Tummeln der jungen Brut im Teiche zusehen muß. Der Graf gluckt:„Durch diesen Beschluß hat der Kongreß aus der neue» Partei eine reine Arbeiterpartei gemacht. Wenn jedermann der Partei beitreten kann, so ist es billig, daß jedermann auch an deren Leitung theilnehme» kann, es sei den», daß man aus der Arbeiterklasse«ine neue herrschende Klasse machen will, die an stelle der alten treten würde... Diese Tendenz, die sich übrigens noch durch andere Anzeichen äußert, erachte ich für gefährlich...." Die katholischen Arbeiter machen überhaupt„zu viel Politik und entfcrnen sich zu sehr von de» ge- bildeten Klassen". Das Heil dagegen liege darin,„die soziale Rolle der gebildeten Klaffen nicht zu verkenne»....* Arme gräfliche Henne! Ihr bleibt nur der magere Trost, ihre guten Absichten von der Geldsackpresse anerkannt zu sehen. Auf die Wirkung ihres warnende» Gluckens rechnet kein vernünftiger Mensch.— Belgien. Brüssel, 18. Mai. Die Landeskundgebuug zu gunsten der persönliche» Wehrpflicht wird am 13. Juni staltfinden. Eine Tele- gation von vier Mitgliedern, unter denen sich auch die Generale Brialmont und Brassine befinden, ist eruanut worden, um für dje Demonstranten dem Könige eine Petition bezüglich der persönlichen Wehrpflicht zu überreichen. Man ist auf die Autwort des Königs sehr gespannt.— Di- katholischen Blätter sage», diese ganze An- Gelegenheit fei ein Manöver der Liberalen, und die am 13. Juni statlfiudcnde Demouslratio» werde das Begräbniß für die allgemeine Wehrpflicht sein.-»- Ettglnnd. London, 14. Mai. Parlamentarischer Unter- s u ch» n g s- A u s s ch u ß. Charles Leonard. Vorsitzender des Reformkomitees, welcher als Zeuge vernommen wurde, legte eine etwa 200 Seite» umfassende geschichtliche Darstellung der Uitlander-Frage vor. Diese Ausarbeitung stellt sich als eine Anklageschrift gegen die Regierung von Transvaal dar. Drei in dem Schrtsistück euthalicue Depeschen an die Charlered Company in Kapstadt wurden nicht verlesen.— — Der Entwurf des Unfall-Versicherungs» g e s e tz e s war Gegenstand einer mehrtägigen Berathuug des „Parlamentarischen Komitee's". Dies Komitee wird auf jedem Gewerkschaftskongreß von neuem gewählt und hat die Aufgabe, die Geseheseutivürse, die im Parlamente eingebracht werden, vom Stand- punkte der Arbeiter aus zu prüfe» und Stellung dazu zu nehmen. Das Komitee hat sich im Prinzip für das Gesetz ausgesprochen; die Arbeitervertreter werden in der zweiten Lesung Vcrbessernngsanträge stelle», namentlich soll Gewicht daraus gelegt werde», daß das Gesetz einem größeren Theil der Arbeiter zu gute komme.-» Schweden. — De m Reichstage lag der ArbeiterversicherungS- Gesetzentwurf zur Beralhung vor. Die erste Kammer wußte sich damit sehr leicht abzufinden. Nur Herr Treffe»berg trat dem Hedin'schen Antrage eines Staatsznschnsses von 3 400 000 Kronen bei, aber trotzdem stimmte auch er schließlich nur sür die 1 400 000 Kr., die der Ausschuß zu bewilligen beantragt hat. In der zweiten Kammer gab es eine etwas längere Debatte. Znerst wies H e dji n darauf hin, was sür langsame Fortschritte alle Resormideen in Schweden machen. Vor 13 Jahren ivurde die Arbeiterversicheruug bereits zur Debatte gestellt und noch ist das Resultat gleich Null, während man in dieser Zeit in Dänemark, Norwegen und Finnland energisch vorgegangen sei. Eelbstverständ- lich können alle die Versichernngssragcn nicht auf einmal gelöst werden. ein schrittweises Vorgehen ist nöthig— aber es muß einmal«in energischer Anfang gemacht werden. Einige Vertreter der Rechten, die dann das Wort erhielten, meinten. es sei Aufgabe der Parteien, die solche Wünsche hätten, auch mit Gesetzanlrägen zu kommen. Auch meinte man, man solle doch erst die Resultate ab- warten, die man in anderen Ländern mit den Versichernngsgesetze» mache. Jedenfalls solle man vorläufig nur kleine Summen sür die Sache bewilligen. S j ö v all(Linke) findet, die Bewilligung von 1400 000 erinnere an den Berg, der eine Maus geboren hat. Was habe man für ein Geschrei in der Presse gemacht, und nun wolle man eine so gering- sügige Summe bewilligen. Tann wurde durch Zetlerstrand ein neuer Vermiltelnngsvorschlag ans Bewilligung von 3 000 000 Kr. eingebracht, worauf man zur Abstimmung schritt. Der Hedin'sche Antrag wurde mit 93 gegen 122 Slimmen abgelehnt. der Zetterstraud'sche Aul rag mit 129 gegen 86 Stimmen an- genommen.— Spanien. Madrid, 14. Mai. Der Deutsche Heinrich Hüffel, der ein Jahr lang auf der Festung Moutjnich bei Barcelona als A n a r ch i st eingekerkert war, wurde aus Spanien ausgewiesen.— — Zur Deportation der Anarchisten von Bar- celona nach Rio d e O r o schreibt der liberale Abg. Cellernelo im Madrider„Corres" folgendes:„Die Nachricht, daß unsere Re- gierung die 63 Personen, die von dem obersten Kriegsgerichte in dem Prozesse gegen die Anarchisten freigesprochen wurden, zur Aus- weisnug ans Spanien nnd dem spanischen Jnselgebiet« vernrtheilt hat, ist amtlich bestätigt worden. Dieser Entschluß der Regierung bedeutet eine traurige Verdrehung des Rechtsgesübls. Die jetzt frei- gesprochenen 63 saßen ans der Festung Moutjnich gesangen, als im Jahre 1896 das Gesetz gegen die anarchistische Propaganda veröffentlicht wurde. Mit welchem Recht wendet man nun das Gesetz gegen diese unglücklichen Individuen an? In allen Gesetzgebungen der Welt können die Strafgesetz« eine rück- wirkende Kraft haben, so iveit sie sich zu gunsten der Schuldigen aus- legen lassen; in keinem Lande aber, nicht einmal bei den nn- zivilisirtesten Völkern, haben sie»ine solche Kraft zum Nachlheile der 'Angeklagten. Eine solche Handlungsweise, eine Bcstrasnng von Thalen— wirklicher oder vermeintlicher— durch ein Gesetz, das später kam als diese Thaten selbst, eine Verurtheilnng von 63 rcgel- recht ireigesprochenen Personen zur Deportation nach einem Orte wie Rio de Oro, scheint mir ein so freches Attentat an! die Sache der Gerechtigkeit und der Ziviltsalion zu sein, daß ich das alles erst glauben werde, wenn es, zu nnserem Unglück, wirklich geschehen sollte." Bei der Regierung dcS Herrn Canvvas finden diese Worte natürlich kein Gehör. Ma» hält»och immer an der Deportation der 63 Freigesprochenen fest, soll aber gleichzeitig mit den Regierungen der anderen Ländern Unterhand- lungen bezüglich der Ausweisung der ausländischen Anarchisten an- geknüpft haben. Es heißt, daß England und die Vereinigten Staaten sich bereit erklärt haben, den ausgewiesenen Anarchisten eine Zuflucht zu gewähren, während die anderen Länder nur ihre„nationalen" Anarchisten aufnehme» wollen.— Nuszkand. Warschau, 11. Mai. Die rusflsche Polenpolitik bringt seit der Ernennung des Fürsten Jinerytinski zum Generalgouverneur von Warschan mancherlei widerspruchsvolle Erscheinungen zn tage. Ten Polen sind mancherlei Zngestäudnisse gemacht; so z. B. die Aufhebung der Kontribution von 1863, die Erlaubniß zur Erwerbung von Groß- griindbesitz durch Personen polnischer Abstammung in Littaueu nnd in der Ukreine, die der polnischen Presse ertheill« Erlaubniß,„polnische Angelegenheiten" zu besprechen und polnische Parleipolitik zu treiben,— ans der anderen Seite wird aber so tapfer russisizirt, wie nicht einmal znr Zeit des Gnrko'schen lliegimcnis. So müssen von jetzt ab, wie der„Köln. Ztg." von hier berichtet wird, die städtischen Darlehnsvereine in ganz Polen ihre Bücher nnd die gesammte Korrespondenz ausschließlich in rnsflschcr Sprache führen. Wechsel müssen nicht nur in russischer Sprache ge- schriebe» sei», sondern Akzeptanten, Giranten n. s. w. müssen auch ihre Vornamen rnssifiziren. I» zahlreiche» Retlnngs- vereinen, Kinderasylen nnd Wohlthätigkeitsgesellschaftcn ist plötzlich die russische Sprache eingeführt worden. Nene in der Bildung be- griffene Darlehnsvereine werden unr dann genehmigt, wenn sie die russische Sprache als Gcschästssprache annehmen. In verschiedenen Gouvernements müssen gegenwärtig polnische Beamte russischen Klubs beitreten. Pferdezucht nnd Sportvereine, die von Pole» gegründet werden sollten, sind neuerdings in zahlreichen Fällen nicht gestaltet worden. Im Gouvernement Plock müsse» seit kurzem Polen, die Todes- anzeigen verschicken, sie in russischer Sprache drucken lassen. Eine Todesanzeige nur in polnischer Sprache wird in diesem Gonverne- meiit nicht mehr gestaltet. Ein Ausgleich zwischen Russen nnd Polen, wie er seit einiger Zeit von den ruhigeren polnischen Elementen und von mehreren Organen' der Petersburger Presse angestrebt wird, ist nach Lage der Tinge ans- geschlossen. Die langjährige Feindschaft zwischen den beiden slnvischen Bollsstämmen ist aus der einen wie ans der anderen Seite schon zu sehr ins Blut übergegangen, sodaß sie geradezu erb- lich geworden ist. Dies gilt mehr für die stäbtische Bevölkerung„nd einen Theil des Adels als sür die Bauernschaft, Ivo eine den Bedürfnissen«ni- gegenkommende Gesetzgebung und Verwaltung vieles znr Milderung der schroffen nationale» Gegensätze beigetragen hat.— Asien. — Für Indien wird eine Anleihe von 70 Millionen Rmk. vor allein wohl aus Anlaß der großen Kosten der Nothstandsbauten aufgelegt.— — Chinesische Anleihe. Die„Times" melden ans Peking, die chinesische Rcgierniig habe mit einem belgischen Finanz- Konsortium eine Anleihe von 4 Millionen Taels(ca. 19'/« Millionen Mark) zu 4 pCt. abgeschlossen. Die Anleihe werde garanlirt durch die Einnahme» aus den chinesischen Eisenbahnen. Der deutsche nnd der englische Gesandte protestirteu gegen dieses Abkommen.— Korea kündigt diplomatische Beziehnngen mit Europa an. AuS Odessa wird telegraphirt: Auf dem Dampfer der Freiwilligen Flotte„Saratow" traf gestern die koreanische Gesandischast ein. welche bei der russischen, englischen, französischen nnd österreichisch-nngarische» Regierung, mit dem ständigen Wohnsitz in Pelersburg, beglaubigt ist.— / Afrika. Prätoria, 14. Mai. Die ernsthafte nnd höfliche Art, mit welcher die Untersuchung der Regierungskommissiou über die Lage der Minenindustrie geführt wird, ruft große Besriedignng hervor. Es wurden bereits viele Vertreter der Minemnteressenten vernommen. Der jüngst erfolgte Beschluß des Volksraad von Trans» vaal, das Einwanderungsgesetz aufzuheben, hat dem Präsidenten Krüger einen großen Zuwachs an Popularität unter der ans- ländischen Bevölkerung eingetragen. Man sieht, Präsident Krüger will jetzt de» Nachgiebigen spielen! Vo-rlolmonkttviflszes. Zur zweite» Berathnng der Besoldnngsvorlagc im Reichslage ist der Antrag gestellt worden, die Gehälter der Staatssekretäre des Reichs- Schatzamts, des Reichs-Justizamts nnd des Reichs-PostamtS von 24 000 M. ans 80 OOO M. zu erhöhen. Eine Dotation für die Wittwe des Staatssekretärs v. Stephan soll nach einem Telegramm der„Münch. Allg. Ztg." beabsichtigt sein, dem Reichstage vorzuschlagen. In Reichstagekceisen hat allerdings, wie die„Freis. Ztg." meldet, die Ansicht Ausdruck gefunden, daß in der einen oder anderen Form sür die Wittwe eines so langjährigen Staatsbeamten wie des Staatssekretärs v. Stephan besser gesorgt werden müsse, als es durch die gesetzmäßige Witlivcn- Pension von 1600 M. jährlich möglich ist. Dem Herrenhanse ist der Entwnrs eines Gesetzes über d.u Erlaß polizeilicher Slrafverfügnngen wegen Ueberschreitnng ström- und schifffahrtspolizeilicher Vorschristen aus der Elbe nnd aus den; Rheine zugegangen._ Z�eeMinttnen zum Vvreiusgefrtz-Eufmurf. Die Aeußerungen der Presse brauchen wir nicht weiter i» gleicher Ausführlichkeit mitzntheile», wie in den vorigen Tagen. Nur einige bemerkenswerthere Anssiihrnngen wollen wir»och wiedergeben. Die offiziöse„Norddeutsche Allg. Zeitung" schreibt: „Mit dem vorliegenden Entwurf eines Gesetzes znr Ergänzung nnd Abänderung von Bestiiimiimgen über Versammlungen und Vereine hat die preußische Regierung sich trotz der gegnerischen Preßstinunen sicherlich in allen Volksschichten(„alle Volksschichten" ist einfach famos! Red. d.„Vorm.") Dank erworben. Die Erkenntniß von der Nothwendigkeit ver- schärfter Garantien wider die Umtriebe zur Erschütterung der Fundamente des Staats- nnd Gesellschaftslebens hat längst bei den monarchisch und patriotisch gesinnten Bürgern Eingang gefunden. In weiten Kreisen der Bevötkerung hat man es nicht anders erwartet, als daß die Staatsgewalt mit dein Zn- gesländniß der Aufhebung des Verbots der Verbindung politischer Vereine zugleich auch das Verlangen nach verstärkten Schutzmitteln gegenüber den Mißbräuchen nnd Auswuchs«» der gesetzlich garautirk» Freiheit geltend machen werde." Tie„Kreuz-Zeitung" meint: „In Frage könnte kommen, ob nicht außer den Repressiv- maßregeln auch Präventiv maßregeln vorzusehen sind. Ohne Zweifel wirkt das Verbot einer Versainmlnng ans die Be- lheiligien weniger imangenekin als die A n f l ö s n» g. Das Ver« bot hat auch die weiteren Vorlheile. daß es in die Hände einer höheren Polizeibehörde gelegt nnd dieser ausreichende Zrit zur Erwägung des Falles gelassen iverden kann, während die Entscheidung über die Auflösung meistens untergeordneten Or, ganen überlassen nnd von diesen augenblicklich getroffen werden muß.'Auch würde es möglich sein, die Fälle, in denen ein Verbot zulässig ist, im Gesetze so genau zu prnzisireii, daß jenes nicht zur Aushebung der Vcrsaminlungssreiheit führen kann. Diese Er- Wartungen sind jedoch nach unserer Auffassung für die konservative Partei kein Grund, dem Znsiandekouime» des Entwurfs ihre Hilfe zn versagen. Andererseits iverden sie sich auf w e s e» l- liche Abschwächunge» nicht einlassen können. Höchstens kau» in Frage koiinnc», ob nicht hier und da eine be- stimmtere Formulirnng oder eine Abänderung der Strafmaße»nd der Voraussetzungen der Slrasbarkeit anzustreben ist.... Das chrisilich-soziale„Volk" führt ans: „Der Wille ist zur That geworden. Die preußische Regierung hat eine» Entwurf eingebracht, der die wichtige Frage»ach den llicchten einer Volksversaminlniig nicht gesetzlich zu löse» sucht, sondern das erwähnte Recht als diskretionäre Gewalt so gut wie ganz i» die Hand der Beamte» zu legen bestrebt ist. Schon innerhalb der Regierung hat nun dieser Plan zu Wirre» und Krisen geführt. Freilich ist Fürst Hohenlohe insofern siegreich aus benselbeii hervorgegangen, als das Gesetz nicht zurückgezogen, sonder» eingebracht ist. Aber leider hat das Gesetz au sich«ine Gestalt ge>vo»»en, daß mit Ausnahme der äußcrstcn Rechten kein Mensch etwas damit zn schaffen haben will. Niemand auch in den Parteien, welche in gemäßigiesiei: Opposition stehe», wünscht sich s e l b st den Strick zu drehen, mit dem man ihn und seine Versammlnngeii, wenii nicht erdroffel» ivill, doch erdrosseln könnte." Endlich ist die neueste Aenßerung der„Kölnischen Z�e i t n n g" wichtig; „Die Belaslnng der Vereinsgeseh-Novelle mit äußerst bedenklichen Bestinimnngeu wird in der gesammte» Presse der Nationalliberale», des Zeutrums nnd der Freisinnige» als ein klärendes E r e i g» i ß und als ein n» b e i l v e r k ü n d e» d e s Stur ni- zeichen anfgcsaßt. Man erblickt darin einen Beweis der ge- wältigen Macht der antisemitisch- agrarischen Gruppen, die dei» Bisinarcktnllns heuchlerisch als Betriebekraft benntzen und durch Ränkcspiel die Zerfahrenheit der leitenden Kreise zu steigern suchen, um schließlich in eine n, allgeni einen Wirrwarr die Stnatsleitniig au [ich z u reißen. Das Erclgniß wirkt wie ein Wcck- ruf zum Sammeln asier nichtrcakliouären Kräste im Kampf um die Macht; es kann in diesem Sinne ein« große nnd erfreuliche Bedentnug gelvinnen. Nur sollte man nicht übersehen, daß der Ansturm der Beutepoliliker sich gerade gegen die sähigsten und beliebtesten Mitglieder der Negierung richtet, die, mögen sie auch in einer Einzclfrage aus taklischen Gründen»ach« gebe», in der Hauptsache doch als eine wichtige Schutzwehr gegen unliebsame Ueberraschuugcn zu betrachten sind. Diese Männer habe» unler den Umflünde», die»vir genugsam angedeutet habe», ohnehin einen schweren Stand; das politisch gereisle Bürgerihui», das be, greift, welche politischen und wirlhschastlichc» Interesse» flus den» Spiele stehe», hat daher ällln'Anlaß, nicht etwa die Geschäfte dc* Intrigante» dadurch zu besorgen, daß es in eine Knmpsstellnng gegen die Regierung einzuschwenken sucht, auf deren Siniz das Jnnkerlhvm hinarbeitet. Wir würden es also für richtig Halle», den Kampf entschieden, aber mit scharfer Begrenzung auf die Sacke zu führen, dagegen den Ostelbiern nicht den Gesalieu zn eriveiscn. zu persönliche» Angriffen überzngehc», welche die Herreu voüufflich zn verwerthe» wissen würden." rkei- Ti anrichten» Polizeiliches, Gerichtliches zc. »- Wegen Enlfaltung einer r o t h e n Fahne hatte der Partei- genösse Meyer in Brandenburg ein Strafmandat erhallen. Das Schöffengericht sprach ihn kostenlos frei, weil die Polizei- Verordnung vom IS. Juni 1891 materiell ungiltig sei. Der in Frage lommende§ 6 des Gesetzes über die Polizeivcnvaltung berechtige z>»n Erlaß der Verordnung nicht. Durch das Entfalten einer Fahne sei die„Ordnung und Gesetzlichkeit bei dem öffeaclichen Zusammen- sein einer größeren Anzahl von Personen" an sich noch nicht gefährdet. Die rothe Fahne symbolisire die Bestrebungen der Sozialdemokratie. Die Entfaltung von Symbole» könne aber einer politischen Partei nicht ver- boten werde». Mit dem gleiche» Recht müßte sonst z. B. gegen den B n» d der L a n d>v i r t h e vorgegangen werden, wen» dieser sich ei» seine Ziele symbolisirendes Wahrzeichen zugelegt und es bei passenden Gelegenheiten entfalten wollte. — Der Parteigenosse Huth, Ncdaklcur an der„Branden- Bürger Z e i t u u g hat am Sonnabend eine achttägige Gefängniß- strafe angetreten. Wegen Beleidigung des Feldwebels Scheidt vorn Bezirks- kommando in Essen wurde in Dort m u n d der verantwortliche Redakteur der„R h e i n i s ch- W e st f ä l. A r b.- Z t g.", Genosse Theiß, zu 4 Wochen Gefängniß verurtheiit. — Wegen formaler Beleidigung des Spinnmeisters Dreßlcr in Forst wurde der Redakteur der„Märkischen Volkssliinme", Genosse Z a p pay, vom dortigen Schöffengericht zu 10 M. Geldstrafe und zu den Kosten vcrnrtheilt. — Gegen den Parteigenossen Gustav Wabersky vom „Hamburger Echo" wurde in Hamburg in der Be- rufungsinstanz wegen Vergihens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung verhandelt. Das Schöffengericht hatte in einem Sprechsaal-Artikel eine Drohnng gegen Schausteller gesehen, deren Söhne während des Streiks im Hafen arbeilelen, und hatte auf eine Woche Gefängniß erkannt. Das Landgericht sah nun zwar eine direkte Drohung i» dem Artikel nicht, wohl aber eine D r o h n n g m i t einer V e r» r n f s e r k l ä r u n g, die»ach§ 153 der Gewerbe-Ordnung eben- falls strafbar sei. Es wurde deshalb wiederum auf eine Woche Ge- fängnitz erkannt. Gegen das Urtheil wird Revision beim Ober- landesgericht eingelegt werden. — Der Parteigenosse Franz Walter, früher verantwort- licher giedakteur des„V o l k s b l a t t s für A n h a l t", hat am Sonnabend das Gefängniß in Coswig verlaffe», wo er wegen eines Artikels über die Brüsewitzem drei Monate zubringen mußte. GetueMfllsMfklidjes. Berlin»ud Umgebung. Die Gewerbegerichts-Beisitzer deö GewerbegerichtS Berlin beschlossen einstimmig nach einem' einleitenden Referat des Reichs- tags-Abgeordneten Tutzauer über:„Die Nolhwendigkeit und Nützlichkeit der Gewerbegcrichte gegenüber de» Jnnungsgerichten", an den Reichstag eine Petition zu richte». In derselben solle» folgende Forderungen aufgestellt werden: 1. Der Entwurf, betreffend die Abänderung der Gewerbe-Ordnung, enthält in seine» Vorschriften über die Errichtung von Jnnungs- Schiedsgerichte» Bestimmungen, welche die Rechtsprechung in den aus dem gewerblichen Arbeitsvertrag entspringenden Streitigkeiten und die Ausbildung des Arbeitsvertragsrechls, soivie die Entwickelung der Einigungsämter in erheblicher Weise gefährden. Außerdem bieten die zu schaffenden Jnnungs- Schiedsgerichte nicht einmal die Bürgschaft der Unparteilichkeit, da ja der Vorsitzende selbst Arbeitgeber sein kann und nicht selten fein wird. Für die Geiverbegerichte blieben dann nur die Streitigkeiten der Großindustrie. 2. Die endgilligeEntschei- dung in Lehrlingsstreitigkeiten im Fall der Klage gegen den Vorentscheid der Jnnungsbehörde soll nicht durch die Amtsgerichte beziehungsweise Landgerichte, sondern durch die Gewerbegerichte gefällt werden. 3. Dem§ 84 des Entivurfs der Jnnungsvorlage, welcher die Fälle aufzählt. in denen eine», Jnnuugsstatut die Genehmigung zu ver- sage» ist, hinzuzufügen 0!? Absatz 4: Wenn das Jnnungsstntut ei» Jnnungs- Schiedsgericht vorsieht für Streitigkeiten, für welche ein bestehendes Gewerbegericht zuständig ist. Alle Gewerbegerichte Deutschlands sollen aufgefordert werden, sich dieser Petition anzu- schließen. Die vorstehenden Forderungen decke» sich im wesentlichen mit denen, die auch von feiten des Ausschusses des Ver- bandeS deutscher Gewerbegerichts-Vorsitzenden ausgestellt worden sind. Deutsches Reich. Achtung, Steiuat beiter l In W e h r s d 0 r f bei Oppach habe» am 14. d. M- sämmtliche i» 5 Steinbrüche» beschäftigte» 70 Steinarbeiter nach dreimaligem erfolglosem Versuch, mit den Unternehmern in Unterhandlung zu treten, die Arbeit niedergelegt. Die Forderung ist eine Sprozentige Lohnerhöhung und Einführung eines Tarifs. Unterstützung ist»othwendig. Gelder und Anfragen sind an Unterzeichnete» zu adressiren. Die Geschästsleitnng der Steinarbeiter Deutschlands. I. A.: Paul M itschke in Nixdorf bei Berlin, Steinmetzstr. 14. Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Achtung, Wirker in Apolda und Lieguitz! Bei der Firma Wilhelm M a i e r, Wirk- und Webwaarcnfabrik in Wie n VI, Bürgerspitalgasse Nr. 21, befinden sich die Wirker im Streik. Der Streik steht günstig, sämmtliche Wirker werde» ausharren. Wir hoffen, daß alle Wirker Wie» fernbleiben. Von Liegnitz erwarten »vir keinen Zuzug, da wir bestimmt aus die Solidarität der dortigen Fachgenoffen rechnen. Jedoch sind wir aus grnnd unserer Er- fahrunge» im Zweifel mit den Arbeitern von Apolda und Umgebung. Jede bis jetzt in Wien gestellte Lohn- bewegung unserer Branche ist nur durch de» Zuzug von Wirkern aus Apolda verloren gegangen. Wir ersuchen die Genossen in Apolda und Umgegend dringlichst, mit aller Kraft dahin zu ivirken, daß der Zuzug künftig unterbleibt, und bemerken dabei, daß der Verdienst in Wien durchaus nicht glänzend ist. Wir haben eine Saison von 5— 6 Monate», wo der Lohn zwischen 8 und 10 fl. schwankt. Sollte trotz alledem Zuzug aus Apolda und Umgegend kommen, so erklären die Wirker Wien's: Unsere Organisation besitzt kein Geld, um, wie beim vorjährigen Streik bei der Firma I. Plan, die Zugereisten mit Geld zur Rückkehr zu versehen. Die Streikbrecher hätte» sich also alle Folgen selbst zuzuschreibe». Wir hoffen, daß sich bei diesem Streit, wo wir uns sagen, daß wir den Sieg erringen müssen, kein Streikbrecher finden wird, dem wir energisch entgegen- treten müßten. Zuschriften sind zu richten an die Ortsgruppe der Wirker, Lampert. Neubnber's Gasthaus, VI.. Mottardgasse 68. Unterstützungen sind zu senden an Heinrich Schreier i» Wien, XVI., Haberlgasse 43. Das Streikkomitee. Kostenlos freigesprochen wurde in Brandenburg vorn Schöffengericht der Maurer Kluge, Vorsitzender der dortige» Zahlstelle des Z e n t r a l v e r b a n d e s d e r M a» r e r. Er hatte im Januar vorigen Jahres von der Polizei die Aufforderung erhalten, ein Verzeichniß der Mitglieder der Zahlstelle ein- zureichen. Veranlaßt wurde zu diesem Verlangen die Polizei, so erklärte der Polizeisekretär Herr Kolrey, durch die Lohnbewegung der Maurer. Kluge ist der Aufforderung nicht nachgekommen und hat dafür ein Strafmandat erhalten. In der Verhandlung vor dein Schöffengericht führte der Vorsitzende aus, daß Kluge nicht verpflichtet war, der Aufforderung der Polizei nachzukommen. Das Gesetz besage klar, daß die Ein- reichung der Mitgliederliste nicht mehr zu erfolgen brauche, wenn innerhalb dreier Tage die Polizei nicht eine Aufforderung dazu er- lassen habe. Die Zahlstelle bestehe jedoch schon seit 1892. Der Amlsanwalt beantragte selbst Freisprechung. Die Barbier- und Friseurgehilfen tu Brandenburg beschlossen, die Forderung zu stellen, daß vom 1. Juni an die Barbierläden um'll Nhr abends geschlossen iverden solle». Von 33 Prinzipalen haben 26 bereits die Forderung be- willigt. Das GewerkschastSkartell hat den Gehilfen seine Mit- Wirkung bei der Durchführung des Nennnhr- LadenschluffeS zu- gesagt. In Breölan beschloß am Freitag eine Versammlung von Unternehmern des Tischlergewerbes mit großer Mehrheit, von einer Anssperrnng der Gesellen vorläufig abzusehen und die Vorstände der beiden Innungen und der Freien Vereinigung zu beauftragen, mit der Lohnkommission der Gesellen Verhandinngen zu eröffnen unter der Bedingung, daß der partielle Streik sofort auf- gehoben wird. Neber den Tischlerstreik in Stettin wird uns geschrieben: In einer Versammlung am Freitag gab die Lohnkommission bekannt, daß sich bis jetzt 620 Gesellen an dem Streik beiheiligt haben, darunter 40 Mitglieder des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins Von de» Streikenden habe» 43 Arbeit auf den von der Beivegung nicht berührten Schiffswerften angenommen und 118 sind abgereist. In der vergangenen Woche waren 231 Verheirathcte mit 348 Kindern und 143 Ledige zu»nterstützen. Die Versammlung beschloß ein- stimmig, Aufrechlerhaltung des Generalstreiks(die nenliche Meldung, daß 32 Meister bewilligt hätten, hat sich nicht bestätigt) und de» Versuch zu machen, mit dem von Fabrikanten und Meistern ge- gründeten Arbeitgeberverband Verhandlungen anzubahnen. Diesem Verband traten in der koustituirenden Versammlung 80 Personen als Mitglieder bei. In Bant fordern die Maurer und Bauhilfsarbeiter die 9Vs stündige Arbeitszeit, 50 beziehentlich 42l/s Pf. Stundenlohn, bessere Einrichtung der Baubuden, Auszahlung des Lohres aus der Baustelle und Aushängung der Unfallverhütungs-Vorschristen. Tie Bauhandwerker in Anrich beschlossen, den Zehnstundentag und 35 Pf. Stundenlohn zu fordern. In Erfurt arbeiten bei 16 Unternehmern 52 Zimmerer zu den geforderten Bedingungen. 60 streikende Zimmerer mit 114 Kindern und 9 streikende Bautischler mit 13 Kinder» sind zu»nter- stützen. Der Streik der Leipziger Seidenhntmacher dauert unver- ändert fort. Die Unternehmer zeigen sich in keiner Weise zu Ver- Handlungen geneigt. Zuzug wolle man daher von Leipzig fern- halten. Im Ausnande befinden sich noch 16 Mann. In betracht kommen insgesanimt unr 4 Geschäfte mit 21 Arbeitern. Korrespon- deuzen sind zu richten an R. Pöschel, Südstr. 24. Ans Meerane bringt der„Textilarbeiter" ein Schriftstück folgenden Inhalts zur Keuntniß seiner Leser: B e st i in in ir n g e n. I. Jede Anfrage seitens der Arbeiter, den I.Mai feiern zu dürfen, muß von dem betreffenden Fabrikbesitzer entschieden ab- lehnend beantwortet werden. 2. Sollte trotzdem in einer oder anderen Fabrik die Arbeit für den ganzen Tag eingestellt werden, so übernehnie» die betreffenden Fabrikanten die Verpflichtung, wenn mehr als Zweidrittel der n Akkord Stehenden die Arbeit eii'gestellt, die Fabrik für diesen und die folgenden 2 Tage z» schließe», dieselbe ist andernfalls im Betrieb zu lassen, wenn wenigstens V3 der in Arbeit stehenden Arbeiter zur Arbeit antritt. 3. Die betr. Fabrikbesitzer verpflichten sich ferner, alle nicht zur Arbeit erscheinenden Arbeiter für volle 3 Tage aus der Fabrik ans- zuscbließe» und in die in der Fabrikordnung festgesetzte Ordnnngs- ftrafe zu nehmen; sämmtliche der Vereinigung angebörige Fabrikanten verpflichten sich dagegen, aus diesen Gründen feiernde Arbeiter innerhalb der nächsten 4 Wochen vorn I. Mai nicht in Arbeit zu nehme». Zuwiderhandlungen werden mit einer Konventionalstrafe von 1000 M. für jeden einzelnen Fall belegt. Ebenso verpflichten sich, unter Berücksichtigung obiger Konventional- strafe, die der Vereinigung angehöngen Fabrikanten, am 1. Mai Arbeiter anderer Fabrikanten ans der Vereinigung überhaupt nicht anzunehmen. Diejenigen Arbeiter, welche aus de» angeführten Gründe» ani 1. Mai feiern, sind dem Vorsitzenden der Vereinigung sofort noch am selbe» Tage namhaft zu mache» und übernimmt derselbe die Verpflichtung, diese Namen den übrigen der Vereinigung angebörige» Fabrikanten sofort bekannt zu geben. Mcerane, 30. April 1897. Gezeichnet: Straff u. Sohn. L. Thieme u. Ko. Müller». Hartman». Focke n. Baum. Franz Götze. L Quaas u. Ko. Gebrüder Bochmann. C. I. Beinmann ppa. Otto Schwedler. Ernst Herwich. Eduard Reinhold. C. F. Schmieder u. Ko. F. R. Wildenhain. Wenn die Herreu Fabrikanten i» Mcerane für jeden einzelnen Fall eintausend Mark Konventionalstrafe zahlen können, wie riesig müssen ihre Profite sei»! Wie bezahlen sie dagegen ihre Personale? Die mehr als kümmerliche Lebenshaltung der Arbeiter Meerane's giebt Slusschluß darüber. Die Bauhaudwerker in Greiz in Re»ß ä. L. halten 35 Pf. Mindest-Stundenloh» bei Ivstündiger Arbeiiszeir verlangt. Die Maurer- und Zimmerer-Jnnung und die freie Vereinigung dortiger Banarbeitgeber antivorteieu, daß sie die vom I. Mai ab augebolcnc Erhöhung des Höchstlohnes aus 33 Pf. pro Stunde für Maurer- und Ziiumerergesellen wieder zurückzögen und jede weitere Ver- Handlung in Lohnangelegenheiten ablehnten. Sie könnte» sich nur dazu verstehen, die seither gezahlten Löhne beizubehalteu. Zum Tapezirerstreik in Mannheim berichtet die„Volks- stimme": Nachdem ain Montag in einem, für die Bewegung sehr maßgebende» Geschäfte die Arbeit zu den von den Meistern ver- einbarte» Bedingungen wieder aufgenommen worden ivar, wurde in der Versammlung vom Dienstag beschlossen, einstweilen die Arbeit überall wieder aufznnehiuen,»ud mit allen gesetzlichen Mitteln dahin zu wirken, die noch nicht ganz bewilligten Forderungen i» nächster Zeit doch durchzubringe». Der Streik der Bauhaudwerker in Schwab ach ist durch Vergleich nach zweitägiger Dauer beendet. Ein Theil der Forderunge» wurde bewilligt. In München beschloß eine Versammlung von Arbeitern der Wagenfabriken und Sattlereien, folgende Forderungen zu stellen: zehnstündige Arbeitszeit unter Beibehaltung des bis- herigen Lohns; möglichste Einschränkung der Ueberstuuden und Sonntagsarbeit; in Fälle», wo Ueberarbeit unumgänglich noch- wendig: 25 pCt. Zuschlag für Ueberstuuden, SOpCt. liir Sonntagsarbeit; Sonnabends Feierabend 5 Uhr, an Vorabenden von hohe» Festlagen um 3 Uhr. Dieser Tarif soll, nach seiner Bewilligung durch die Unternehmer, in jedem Betriebe ausgehäugt werden. Ueber den Hafuerstreik in München berichtet die„Müncheuer Post": Bis Donnerstag Abend umrde in 21 Geschäfte» die Arbeit niedergelegt. Die Zahl der Streikenden ist auf 107 angewachse». 25 Meisler mit zirka 70 Gehilfe» habe» die Forderungen der Gehilfen bewilligt und dies durch ihre Unterschrift bestätigt. In diele» Geschäfte» sind 68 Kollegen untergebracht. Die Begeisterung der Streikenden für ihre gewiß berechtigte Sache iü wider alles Erwarten groß. Leute, die sich früher nie um die Gehilfensache kümmerte», sind durch die Handlungsweise der Innung aufgerüttelt worden, auch diese sind nun zur Ueberzeugung gekouunen, daß hier nur mehr die letzte Konsequenz des wirlhschast- lichen Kaippses maßgebend sein kann, nämlich die Niederlegung der Arbeit. Seit Jahrzehnte» hat man eilten solchen Zusammenhall der Münchener Hasner nicht mehr gesehe». Ein Acrztestmk, der sich über ganz Württemberg auszudehnen droht, ist, wie die„Schwäb. Tagwacht" inillheilt. in Cannstatt ausgebrochen. Der Kampf richtet sich indessen nur gegen die Privat- Uufallver sicher uugs- Gesellschaften. Die Aerzte müffe» seit lauger Zeit bei der Behandlung vou Unfällen für diese Gcsellschafle» große Atlestsormulare aussüllen, ohne daß sie von deuselbe» dafür eine entsprechende Entschädigung erhalle». Häufig mußten sie sogar das Honorar dafür selbst von den Kranke» erheben Die Cnnustatler Aerzte einigten sich deshalb dahin, dem Unfallverletzten wohl je ein ärztliches Attest über Beginn und Ende der Erwerbsunfähigkeit auszustellen, die Ausfüllung aber der von den Gesellschaften vorgeschriebenen und gewünschte» Attest- forntulare in Zukunft davon abhängig zu machen, daß die Gesell- schaften das Honorar aus eigener Tasche— ohne Abzug von der Eutschädigungssunime des Versicherte»— bezahlen. Die Cannstatter Aerzte sandte» Zirkuläre an alle Aerzte des Landes und fanden so zahlreiche Unterstützung bei ihren Kollegen, daß an» 8. d. M. der ärztliche Landesausschuß in Stuttgart Stellung zu dieser Frage genommen und einstimmig den Beschluß gefaßt hat, zunächst mit Umgehung des ärztlichen Buudesausschusses der Aerzte Deutschlands, der diese Frage erst für das Jahr 1898 auf sein Pro- granim zu setzen gesonnen ist, sofort mit den Gesellschaften in Unter- haudluug zu treten. Nns Konstanz am Bodensee wird uns mitgetheilt, daß am 12. Mai sämmtliche Weißgerber der Hartmann'schen Handschuh-Fabrik wegen der Entlassung von 6 Kollegen die Arbeit niedergelegt haben. Sie sind sämmtlich Mitglieder des Deutschen Lederarbeiter-Verbandes. AnSland. Der Schweizerische Typographeubuud hat nach seinem soeben erschienenen Bericht im Jahre 1896 um 103 Mitglieder zu- genommen, so daß die Mitgliederzahl Ende des Berichtsjahres 1556 betrug. Der Organisation stehen 494 Buchdrucker fern. Buch- drnckerlehrlinge weist die Schweiz 445 auf. Der Verband zahlte an 3466 durchreisende Kollegen 5234,20 Fr. Unterstützung. Tie Kranken-, Invaliden- und Sterbekasse verausgabte im Berichtsjahr 72 942,85 Fr. Im Krankheitsfalle werden täglich 2,50 Fr., ii» Falle der Invalidität 9,— Fr. pro Woche bis zum Todessalle bezahlt. Tie von den Schloffern in Juterlakcu Ende März unternommene Lohnbewegung hatte für die Arbeiter erfolg- reich geendet. Sie erreichten den Zehnstundentag, die Ab- schaffung des Kost- und Logiszwanges und die Versicherung gegen Unfall durch die Meister. Ferner wird ein einheitliches Werkstatt- Rcglenient aufgestellt.— Tie Sticker in St. Gallen haben in 6 Etablissements den Zehnstundentag erreicht. Ter Ausstand der Bergleute i» I-a Grand Combe (Frankreich) dauert noch immer sort; im Gegensatz zu den Angabe» bürgerlicher Blätter sind wenig Arbeiter in die Gruben zurückgekehrt. Der Pariser Gemeinderalh hat 10 000 Franks zur Unterstützung der Streikenden bewilligt. Der Präfekt machte aber seinen„nach- drücklichsten Vorbehalt"— die übliche Formel für Ankündigung der kommenden Annnllirung des arbeitersreuudlichen Votums durch die Regierung. Tom Mann aus London, der unter den Hafenarbeitern Frankreichs agitireu wollte, ist nun auch dort ausgewiesen worden. Die Zahl der streikenden Hufschmiede Londons ist auf 1200 gesunken, nicht auf 120, wie in gestriger Nummer des„Vor- wärts" gedruckt stand._ Depeschen imfc letzte MAchetchten. Berlin, 15. Mai. Die„Berliner Correspondenz" tritt der Aeußeruug des englische!» Staatssekretärs der Kolonien, die dahin ging, daß die deutsche Regierung beabsichtige, die industrielle Ge- sängnißarbeit noch weiter anszndehnen, entgegen, indem sie schreibt: „Diese Annahme ist, soweit die vom preußischen Ministerium des Innern ressorlirende Gefängniß- Verwaltung in Frage kommt, unrichtig. Gerade das Gegentheil ist der Fall; die Gesängnißverivaltnng ist seil Jahren benuiht, die Unternehmer» arbeit in den Strafanstalten und Gefängnissen einzuschränken, mit dem Erfolge, daß nach der Statistik für 1395/96 nur noch 52 pCt. aller Gefangenen im Unternehmerbelriebe beschäftigt waren, gegen 73 pCt. im Jahre 1869. Hannover, 15. Mai.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die hiesigen Steinsetzer erklärten heute den allgemeinen Ausstand. Köln, 15. Mai.(B. H.) Der„K. Z." wird aus Berlin telegraphirt: Es war bis heute nicht ausgeschlossen, daß das Vereins, gesetz vom Älbgeorduetenhanse nicht an eine Kommission verwiesen. sondern alsbald in zweiter Lesung berathen iverden sollte. Heule ist nach Meinungsäußerung der ausschlaggebenden Personen die Koiumisflonsberathnng gesichert. Köln, 15. Mai.(B. H.) Aus London wird der„K. Z." ge- meldet: In gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß der größte Theil des griechischen Heeres sich bereits auf dem Rückzüge von Domoko befindet. Gestern trat erneute Un- sicherheit und Bestürzung ein, da die tagS vorher als fest, stehend angenommene Waffenruhe ziveifelhaft erschien. In Kanea herrscht unter den fremden Admiralen und Konsuln große Erregung, weil England einseitig den Aufständischen mittheilen ließ, daß Griechenland die Autonomie Kretas anerkenne. Wien, 15. Mai.(B. H.) In Wiskolcz hat die Frau Mari« Borza idren Säugling und dann sich selbst getödlet. Wien, 15. Mai.(B. H.) Durch die in den letzten Tagen niedergegangenen kolossalen Regengüsse sind alle Flüffe und Bache des Wiener Waldes derart angeschwollen, daß sich viele Ortschaften in großer Gefahr befinden. Die Dämme bei der Wienerfluß« Regnlirung, sowie die Reservoirs beim Tullner Bach drohen zu berste»; geschieht dies, dann ist das Geleise der Westbahn ge« sährdel.'Aber auch zahlreichen Ortschaften droht in diesem Falle Ueberschwemlnuug. Agram, 15. Mai.(W. T. B.) In Griszane wurde gegen die im Gauhause versammelten Wähler der Nationalpartei ein'Anschlag verübt. Eine Dynamitpalrone wurde in den Hof geivorien; das Hans wurde beschädigt; Menschenwürden nicht verletzt. Die Unter- suchung ist im Gange; mehrere der That verdächtige Personen wurden verhastet. Rom, 15. Mai.(B. H) Der Direktor der Sparkasse in Messina, Amadeo Principe, soivie ein Wechselagent als Mitschuldiger wurden verhastet. Es haben sich in der Kasse ein Fehlbetrag von l 100 000 Lire und eine Unterbilanz von 600 000 Lire herausgestellt. Die Defraudationen reichen bis in das Jahr 1891 zurück. Rom, 15. Mai.(W. T. B.) Tie mit der Leichenschau deS im Gefängniß gestorbenen Sozialisten Frezzi betrauten Aerzte sind der Ansicht, daß der Tod Frrrzi's durch Mißhandlungen verursacht worden ist. Infolge dessen wurden ein Polizeiivachtmeister und zwei Polizisten verhaftet. Petersburg, 15. Mai.(W. T. B.) Eine Anzahl der infolge der Eutgleifnng des Btililärznges bei Dorpat schwer verletzten Personen ist ihren Wi»>den erlegen. Man zählt daher jetzt 56 Soldaten und 2 Schaffner todt, 43 Soldaten»ud 1 Schaffner schwer verwundet, 3 Offiziere und 37 Soldaten leicht verwuiidet. Di« Katastrophe ereignete sich infolge eines furchtbaren Wolkenbruchs, der den Bahudamin überschwemmt n»d beschädigt halte. 25 Minuten vorher halle ein Postzng die Stelle ohne Schaden zu»ehuie», passirt. Riga, 15. Mai.(W. T. B.) Wie sich nulimehr herausgestellt hat, hat das Eiieiibabniinglück aus der Eiseiibahnstrecke Dorpal-Waik doch nicht so viele Opfer gefordert, wie zuerst angegebeu worden war. Es sind 32 Personen gelödtet, 70 schiver und 33 leicht ver, wundet worden. Koustantinopel, 15. Mai.(B. H.) Nach Meldnngen aus Epirus find die gestrigen Kämpfe um Prevesa und NicopoliS die blutigsten des ganzen Krieges gewesen. Die Griechen wurden überall zurückgeschlagen. Athen, 15. Mai.(B. H.) An de» Kronprinzen ist der strikte Befehl ergange», die Stellung in Domoko um keinen Preis aus- zugeben. Athen, 15. Mai.(W. T. B.) N i k 0 p 0 l i S wird seit heute früh bombardirt. Folgende Meldung! ans Domoko von heule Mittag wird hier veröffentlicht: Die ganze Nacht bis heute früh ging über die ganze Ebene von Pharsala strömender Regen nieder. Ein türkisches Kavallerie-Detachemenl zeigte sich, zog sich aber an- gesichls des Feuers der griechischen Vorposten zurück. Alle Dörse« um Pbarsala sind von den Türken in Brand gesteckt worden. Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt i» Berlin. Für den Jnscratcutheil veraiilwortlich: Th. Glocke m Berti». Trucl und Vertag vv» Rlnx Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u. Nliterhaltnugsblatt. luaiu-iw i. Ifiljp des„Wmiirls" Knliim DcksliiÄ.-»M.« Die Enkmickelung im Vvttuevei� gemevbe. Die NahrungZmittel-Jndustrie stellt der kapitalistischen Entivickelung größeren Widerstand entgegen, als die Mehrzahl der übrigen Heimstätten des Kleingewerbes dies vermögen. Es handelt sich bei ihnen häufig, wie namentlich in der Bäckerei und Fleischerei, um Gegenstände des täglichen Bedarfs, die uothwendig gebraucht werden, nicht leicht ohne Gefahr des Verderbens transpartirt werden können, und bei deren Kundschaft die persönliche Beziehung, wie Nachbarschaft, Verivandtschaft u. s. w., eine beträchtliche Rolle spielt. Weist auch hier die Entwickelung genossenschaftlicher und anderer Brotfabriken, städtischer oder genossenschaftlicher Schlachthäuser und namentlich das erfolgreiche Ein« dringen der Erzeugnisse amerikanischer und australischer Großschlächtereien aus eine nicht allzu ferne Zukunft, die durch die vielfältige Misz« des Kleinbetriebes auch in diesen Zweigen schon vielfach angedeutet wird, so läßt sich doch von einer eigentlich typischen Entwickelung zum Großbetrieb hier noch am wenigsten reden. Deutlich aber läßt sich diese Entwickelung verfolgen in der; B r a u e r e i- I n d u st r i e. Sie kennzeichnet sich durch eine reißend schnelle Verdrängung altmodischen Kleingewerbes durch moderne Großindustrie, zugleich durch ein steigendes Ueberwiegen der allerkapitalistischsten Betriebsform, bei der Arbeit und Kapital vollständig getrennt sind: der Aktiengesellschaft. Es erklärt sich diese Erscheinung einmal durch die Ent- Wickelung der Technik auf diesem Gebiete, die zu ihrer voll- kornmenen Anwendung beträchtliche Mittel erheischt, dann anch durch die Art des Produkts, das ohne Schaden Lagernng und großen Transport erträgt, also in ganz anderem Maße als Brot oder Fleisch auf Lager hergestellt und für weite Gebiete bestimmt werden kann. Dazu hat der in hohem, vielleicht all zu hohem Maße steigende Bierkonsum im Reiche von 91,8 Liter pro Kopf in 1876 auf 11S,8 in 1895/96— eine ziemlich sichere Aussicht auf zunehnrenden Absatz rrnd Erweiterung deS Marktes eröffnet. So hat sich das Kapital, ausländisches, vornehmlich englisches, ebensowohl wie„heimisches" des Gegenstandes bemächtigt, und die tödtliche Konkurrenz der großen Unternehmungen drängt den ehrsamen Handwerks- betrieb in raschem Lauf zurück. Jur Brausteuergebiet(Deutsches Reich außer Bayern. Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen) waren 1873 im Be> trieb 13561 Brauereien, darunter 16927 gewerbliche. 1880/81 war die Zahl zurückgegangen auf 11564(10 374 gewerb. liche), 1890/91 auf 8969(8054) und 1895/96 auf 7847(7068). In zweiundzwanzig Jahren mithin eine V e r m i n d e r rr n g um 5714(42 pCt.). In besonders raschenr Gange vollzieht sich die Auflösung der im Nebenbetrieb von landwirthschaft- liehen oder sonstigen Unternehmungen geführten nicht- gewerblichen Brauereien, deren Zahl von 2634 ans 779 sank, also um 70 pCt. Die Leistungen der Brauereien steigerten sich im um- gekehrten Verhältniß zu ihrer Zahl. Die im Jahre 1873 vorhandenen 13 561 Brauereien produzirten 19 654 900 Hekto- liter, durchschnittlich also eine Brauerei 1449,36 Hektoliter — 1895/96 erzeugten die noch vorhandenen 7847 Betriebe 37 725 615 Hektoliter, durchschnittlich 4807. Während die Zahl der Betriebe um 42 pCt. abnahm, wuchs die erzeugte Menge um 92pCt.; die Leistung eines Betriebs um 231�/, pEt., über das Dreifache. So erklärt es sich denn auch, daß die Abnahme durchaus keine gleichmäßige ist. Die kleinen Brauereien mit weniger als 300 M. Brausteuer betrugen nach den amtlichen Angaben 1875 noch 6933, 1885/86 waren es 4907 und 1895/96 nur noch 3065. Die mittleren(300—6000 M. Brausteuer) beliefeu sich 1875 auf 4200, 1885/86: 4794, 1895/96: 3312. Dagegen zählten die Großbrauereien(über 6000 M. Steuer) in den be- lreffenden Jahren 568—662—983. Aus die Brauereien unter 60 M. Brarrsteuer, die eigentlich„handwerksmäßigen", ent- fielen 1875: 3978--- 31,3 pCt., 1895/96: 1672= 21,3 pCt. Die größten Betriebe(über 15 000 M. Brausteuer) zählten dagegen 1875 noch 197— 1,55 pCt.— 1896/96 aber 414— 5,23 pCt. Diese Verschiebungen erklären sich nur zum kleineren Theile durch Aufrücken kleiner Betriebe in höhere Klassen, obwohl die Fluth der allgemeinen Produklionssteigerung auch manchen kleinen Unter- irehmer emporgetragen haben mag, sondern fast ausschließlich durch Eingehen kleinerer Betriebe; die Abnahme der Betriebe mit 1500—6000 M. Brausteuer, die schon nicht mehr zu den kleinereir gerechnet werden können, um 151(von 1665 rn 1875 ans 1514) wird sich dagegen zum theil durch Aussteigen in die höchsten Betriebsformen, die in der gleichen Zeit um 415 zu- nahmen, erklären. Ganz freilich nicht. Tcrrn die Gründungsthätigkeit auf dem Gebiete der Aktiengesellschaften hat sich in besonders hohem Maße der Brauereien bemächtigt, und wenn es sich auch in zahlreichen Fällen um Umwandlirng bestehender Unternehmungen in Aktiengesellschaften gehandelt hat, so sind doch nicht wenige neue Betriebe errichtet worden, die dann natürlich stets in die Reihe der Großbetriebe fallen. In den 5 Jahren 1890—94 wurden im Deutschen Reich in der Nahrungs- und Genuß- mittel-Jirdustrie 127 Aktiengesellschaften gegründet mit einem Kapital von 59,3 Millionen Vi. Davon nehmen die Brauereien den größten Theil in Anspruch: so im Jahre 1891 nach der Angabe von Lexis 20 mit 10 640 000 M. Kapital, unter 31 mit 19,5 Millionen. Im Deutschen Reich gab es in 1393/94 330 Aktienbrauereien mit einem Kapital von 318 174 663 M., 1894,95 347 mit 340 948 768 M. Kapital. Ihr Absatz belief sich ans 15 663 083 Hektoliter in 1893/94 und 16 966 262 Hektoliter 1894/95, d. i. 28,2 pCt. der gesammtenProduktivn des Reichs in 1893/94, rrnd 30,7 pCt. in 1894/95; also auch hier eine beträchtliche Zunahme. Und wenn die Zunahme der Großbetriebe und der Aktien- gesellschasten häufig auf einer Umwandlung bestehender Be- triebe mit erhöhtem Betriebskapital, mitunter auch auf der Zusammenlegung mehrerer kleinerer Betriebe an einem Orte zu einer Unternehmung zwecks erhöhter Leistung oder Ver- meidung einer ruinösen Konkurrenz beruht, so bekundet auch diese Entwicklung den Fortschritt der rein kapitalistischen Pro- duktionsweise gegenüber der handwerksmäßigen. Beruht diese auf der Arbeit des Eigenthümers, d. h. auf der Vereinigung von Arbeit und Eigenthnm an den Arbeitsmitteln in derselben Hand, so jene auf der Trennung beider, der Produktion durch kapitallose Arbeiter und der Aneignung des Mehr- ertrags der Produktion über den Arbeitslohn hinaus durch den nicht oder doch nicht seiner Vergütung ent- sprechend arbeitenden Kapitalisten. Im mittleren Be-' triebe ist das Verhältniß in der Regel dadurch verschleiert, daß der Kapitalist zugleich kaufmännischer oder technischer Leiter ist, mithin neben dem Kapitalgewinn auch Arbeitsvergütung empfängt. Je größer der Betrieb ist, um so mehr tritt gegenüber dem reinen Profit dieser„Arbeitslohn" zurück— in der Aktiengesellschaft ist er völlig ver- schwunden. Hier liegt die leitende Thätigkeit bezahlten Beamten ob— der Gewinn fällt den Aktionären zu, die mit der Arbeit gar keine Berührung mehr haben. Also der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und individualistischen Aneignung: im Gegensatz zur in- dividnalistische Produttion und der ihr entsprechenden in- dividualistischen Aneignung im Kleinbetrieb. Und da dieser Klein- betrieb zusehends verfällt und die gesellschaftliche Produktion sich in reißender Schnelligkeit entfaltet, so ist es nur eine Frage der Zeit, daß auch diese die ihr entsprechende An- eignnngsform des Ertrages finden wird: die gesellschaftliche, die mit allen Vortheilen des rationellsten Großbetriebesfde nfVortheil einer gemeinnützigen und gerechten Vertheilungsform als Ersatz der Ausbeutung des Arbeiters durch das Kapital verbindet. Ein Arbeikev-Dttvndies. Diesen schönen Namen haben gute Kenner dem letztentdeckten und kleinsten Erdtheil. Australien, hinstchllich seiner sozialen Ver- hältnisse beigelegt. Ei» Arbeiter-Paradies— a workers paradise — sollte es sein. Hohe Löhne, kurze Arbeitszeiten, großer Einfluß der Arbeiterschaft im öffeullichen Leben sollten es auszeichnen. Es handelte sich bei diesem Urtheil natürlich nur um die kultivirteren Theile der«nglischen Kolonien, besonders um die Kolonie Viktoria, welch letztere jetzt etwa 1 182 000 Einwohner hat. Inzwischen ist von den günstigen Zuständen ja manches ab- gebröckelt. Der vom allen Europa nach Australien verpflanzte Kapitalismus hat dort mächtig gewuchert, hat in kaum fünfzig Jahren eine neue Knlturwelt geschaffen, aber er hat auch schon, edeusalls nach europäischem Muster, seine Finanz- und Produklions- krisen gehabt,— und die häufigen Klagen australischer Arbeiter, die nach Europa dringen, beweisen, daß die Lage der Arbeiter dort nicht mehr so günstig ist>vie früher. Aber in einem Punkte stehen diese australischen Kolonien noch heute unerreicht da: sie haben die beste A r b e i t e r s ch n tz- Gesetzgebung der Welt. Es sind dies Gesetze, bei deren Ausarbeitung der Wille der Arbeiter selbst gewichtig in die Wag- schale gefallen ist und die sich daher bemühe». die bestehenden Schäden soweit zu beseitigen, wie dies innerhalb des kapitalistischen Systems überhaupt möglich ist. Diese Gesetze find nicht in dein Maße Zwitterdinge, wie sie in den europäische» Parlamenten ans grund von Kompromisse» der verschiedensten Absichten und Welt- anschanungen zu stände kommen, sondern sie sind aus dem richtigeii soziale» Gedanken gebore», daß Arbeitskraft und Gesundheit der Bevölkerung gegen ruinöse Anwendung geschützt werden müssen. Man hat deswegen in die Gestaltung der Arbeiterverhältnisse theil- weise recht tief eingegriffen und dem Unternehnierthum empfindliche Beschränkungen auferlegt.— wenn in dieser Beziehung anch»och nicht alles wünschenswerthe erreicht ist. Um zu zeige», ivie weit uns Ausstralien in der Arbeilerschutz- Gesetzgebung überholt hat, gebe» wir im folgenden die wichtigsten Bestimmungen des Fabrik- und Ladeirgesetzes für Viktoria vom Jahre 1896 wieder, indem wir uns dabei an den Text des Gesetzes hallen, wie er im soeben erschienenen vierten Hest des Archivs für soziale Gesetzgebung und Statistik von Dr. Benno Karpeles in London veröffentlicht wird. Von dem mehr allgemeinen wollen wir nur da? wichtigste herausgreifen. Als Fabrik oder Werkstatt gilt und untersteht demnach den Schutzgesetzen jeder Ort, wo mindestens vier Personen beschäftigt sind. Wird irgend eine Kraftmaschine benutzt, so treten die Gesetze in kraft, auch wenn nur eine Person beschäftigt ist. Die Schutzgesetze haben auch überall da Geltung, wo nur ein Chinese beschäftigt ist. Durch die letzlere Bestimmung soll dem Nieder- lonkurriren der iveißen Arbeiter durch die gänzlich bedürfuißlosen und zu allem willfährigen Kulis vorgebeugt werden— Fabrikärzte und Fabrikinspektoren sind in reichlicher Zahl angestellt, sie unterstehen einem Chef-Jnspektor.— Die Räumlichkeiten dürfen nicht eher als Werkstätten benutzt werden, bis alle vom Gesundheitsamt vor- geschriebenen Bedingungen erfüllt sind. I» jeder Werkstatt ist ein Register zu führen, das über Namen, Alter. Arbeit und Lohn der Beschäftigten Auskunst grebt. Dieses kann vom Jufpektor jederzeit kontrollirt werden und ist dem Chef-Jnspektor alljährlich einmal ein- zusenden.— In jeder Werkstatt und am Eingang zu derselben sind anzuschlage»: Name und Adresse deS Inspektors und des FabrikarzlcS, die Feiertage, die Länge der Arbeitszeit in der Werkstatt und ein Auszug ver Schutzgesetze.— Der Inspektor kann jede Werkstatt auch des NachtS betrete», und kann alle Betheiligten verhören; auch Schulen kann er betreten und die etwa erwerbs- thätigen Kinder verhöre». Personen unter 16 Jahren müssen einen Arbeits-Erlanbnißschein vom Fabrikarzt haben. Nachtarbeit ist für jugendliche Personen verboten. Wo ein Chinese arbeitet, darf nur zwischen 7'/s Uhr morgenS und S Uhr nachmittags gearbeitet werden. Die Werkstätten müssen pro Person einen beflimmlcn Lust- räum haben. Gase je. müssen abgesogen werden, sonstige Gesundheitsschädlichkeiten müssen abgestellt, die Einrichtung genügender Feuerlöscheiurichtungen, Nolhausgänge, Aborte je. kann erzwungen iverden.— Alle Junenränme, Wände, Fußböden, Decken, Fenster, Klosels je. müssen i» bestimmten Zeitabschnitten mit vor- geschriebenen Materialien gewaschen oder neu gestrichen werden.— Keine Werkstatt darf als Lchlasraum dienen, wie dort auch keine Mahlzeiten eingenommen iverden dürfen. Anch auf den Schutz des Laden Personals erstreckt sich die Gesetzgebung. Die Läden sind, von geivissen Ausnahmen abgesehen, um 7 Uhr, Sonnabends um 10 Uhr zu schließe». Jede in einem Laden beschäftigte Person ist in jeder Woche an irgend einem Wochentage von I Uhr mittags an freizulassen. In Läden, deren Betricbszeit nicht beschränkt ist, ivie Apotheken, Konditoreien. Restau- ranls je., dürfe» miter 16 jährige, sowie Frauen und Mädchen nicht länger wie 9 Stunde» täglich und bll.Slnnden wöchentlich beschäftigt werden. In den Läden sind Sitzgelegenheiten zu schaffen, und zwar mindestens für je drei Personen ein Sitz, dessen Benutzung zu allen passenden Zeilen zu gestatten ist.— Zum Schutz der Ladenbesitzer selbst ist die Einrichtung getroffen, daß aus Antrag der Majorität der Ladenbesitzer für die verschiedene» Klassen von Läden der Ladenschluß für eine» bestimmten Wochentags- Nachmittag an- geordnet werden kann. Besonders will daS neue Gesetz von 1396, das eine Ergänzung der schon vorher bestehenden Schutzgesetze sein soll, aber den durch die Hausindustrie, daS Z iv i f ch e n m e i st e r s y st e m und die Heimarbeit bedingten Schäden zu Leibe gehen. Unter I6jährige, sowie Frauen und Mädchen, dürfen in Fabriken und Werkstätten nicht länger als 48 Stunden die Woche und 10 Stunden pro Tag beschäftigt werden. Um unvorher- gesehenem Arbeitsandrang begegnen zu können, ist eine Beschäftigung von S4 Stunden die Woche erlaubt; jedoch ist dies an besonders erschwerende Bedingungen geknüpft und jede Ueberschreitung der Beschäftigungsvauer dem Inspektor mitzntheilen, eine Abschrift dieser Mittheilung auch jedesmal in der Werkstatt anzuschlagen.(Be- I sonders dieser öffentliche Aushang scheint eine sehr wirksam« Bestimmung zu sein, weil er die Kontrolle durch die Arbeiter ermöglicht.) Außerdem ist die Bezahlung dieser Ueberarbeit gesetzlich geregelt. Für jede Stunde, die über 43 Stunden die Woche gearbeitet wird, muß das eineinhalbfache des Zeitlohns oder des Stücklohns außer dem Arbeitsverdienst für jede Ueberstuude 3 Penee(25 Pf.) gezahlt werden. Außerdem hat jede Person, die Ueberstundeu arbeilet, für jeden solchen ZIbend ein„Theegeld" von 6 Penee(50 Pf.) zu bekommen.— Der Unternehmer, der ctwaL außer dem Haus arbeiten läßt, hat ein genaues Verzeichnis! zu führe», in dem die Namen der Heimarbeiter, die Art und Menge der Arbelt, sowie die dafür bezahlten Preise enthalten sind. Zu vor- geschriebenen Zeiten sind Abschriften dieses Verzeichnisses dem Chef- inspektor einzusenden, wie die Verzeichnisse auch stets den revidirende» Inspektoren vorzulegen sind.— Jede Person, die als Heimarbeiter (bei sich zu Haus) Kleidungsstücke anfertigt, muß dem Chef-Jnspektor ihren Name» und Adresse, sowie jede Adressenänderung mit- theilen.(Also auch die Damen der„besseren Stände", die als Heimarbeiterinnen so oft Preisdrückerei berreibcn.) Die Anzeigen werden durch die Post gebührenfrei besördert. Die Heimarbeiter haben den sie aufsuchende» Inspektoren alle Fragen über Lohnhöhe je. zu beantworten. Frauen dürfen nur von den weiblichen Inspektoren befragt werden. Jetzt kommt aber das beste, für deutsche Bourgeois freilich ent« setzlid)ste: der M i n i m a l l o h n. Für die in Fabriken, Werk- stälte» oder durch Heimarbeit erfolgende Herstellung von Kleidern. S dmhzeug, M öbeln und Backwaareu könne» durch die Regierung Spezial« kommissiouen ernannt werde», die zur Halste aus Unternehmern, zur Hülste aus Arbeitern bestehen und für die einzelnen Arbeitsleistungen Minimallöhue festzusetzen haben. Zur Junehaltung dieser Tarife ist jeder Unlernehiner durch Strusen bei 2000 M. gezivungen. Für Heimarbeiter dürfen nur Stücklohn preise festgesetzt werden. Die Tarife sind in lesbarer Schrift am Eingang der Werkstätten auzubriiige» und jedem Heimarbeiter auszuhändigen. Sofern die Konimissioii über die zu zahlende» Preise entscheidet, muß sie auch gleichzeitig bestimmen, wieviel Lehrlings unter 18 Jahre» in den betroffeneu Branchen gehalten werden dürfen und welcher Lohn ihnen zu zahlen ist. Dies sind die wesentlichste» Punkte des ani 1. Oktober 1396 in Geltung getretenen Gesetzes. Gegen die Heimarbeit wollte die Re- gierung von Viktoria sogar noch strenger vorgehen. Der Minister P e a e o ck wollte nicht nur den Minimallohn und die Vorschriften über die sanitären Zustände der Betriebsstätten, die ja ins Gesetz hineingekommen sind, sondern auch das Verbot oder die Beschränkung der Heimarbeit. Zur Anfertigung von Kleidungsstücken in f Heimarbeit sollte eine Erlanbuiß des Chef-JnspektvrS nöthig ein und diese nur crtheilt werden, wenn die Person zum Erwerb des Lebensunterhalls auf Heiinarbeit angewiesen und durch häusliche Pflichten oder körperliche Leiden an der Arbeit außer dem Hause verhindert sei. Dies drang jedoch im Oberhaus nicht durch, ebenso wenig wie die durch die Arbeiterpartei im Unter« yaus ausgestellte Forderung der 48 Stuuden-Woche auch für erwachsene männliche Arbeiter. Es ist jedoch notorisch, daß die australischen Arbeiter den Achtstundentag in Wirklichkeit fast überall haben. Nicht getroffen hat man bisher die Länge der Arbeitszeit in der eigentlichen Heimarbeit, auch nicht die sanitären Zustände der Heimarbeitsstnlten.— Als ein großer Fortschritt will ims aber erscheinen die für Männer wie für Frauen geltende gesetzliche Statuirung eines Minimallohnes für jene Industrien, in denen be- sonders die Heimarbeit verbreitet ist. Es ist dies ein gänzlich neues Prinzip in der Sozialpolitik der Staate». Den Erfolg muß die Zu» kunst lehren. Jedenfalls zeigen alle diese Dinge, daß die Staatsmänner und Unternehmer Europas von dem kleinen Australien noch recht viel lernen lörnun. Monttnunttles. Der ArdeitSanSschust der Berliner Gewerbe-AuSstellung 1896 hat an den Magistrat das Ersuchen gerichtet, ihn theilweise aus der Verpflichtung, zur Wiederherstellung des Treptower Parks auf sein» Kosten in seiner früheren Gestalt, gegen Zahlung einer Summe von l 60 000 M. zu entlasten und die Wiederherstellung des Parkes seitens der Stadtverwaltung bewirken zu lassen. Nach einer aufgestellten Berechnung und einer gutachtlichen Aeußernng der städtischen Parkdeputation ivird dieser Betrag zur Wiederherstellung des Parkes ausreichen, wenn hiervon ausgeschlossen bleiben, das dem Gartenbau- Verein für Zwecke der'Ausstellung zur Verfügung gestellte Terrain zwischen Treptower Chaussee und Spree einerseits, und Chemie- und Fifchereigebäude(beide inkl.) andererseits, zu dessen Wiederherstellung der genannte Verein verpflichtet ist, sowie diejenigen Parktheile, zu deren Wiederherstellung dritte Personou verpflichtet sind. Bezüglich der letzteren ist der Arbeits» auSschuß mit den in betracht kommenden Aussteller» beziehungsweise § ächtern bereits in Verbindung getreten, und hofft er die chwierigkeiten der Erledigung dieser Frage dadurch zu überwinden, daß einem Unternehmer die Wiederherstellung dieser Terrain- abschnitte übertragen wird. Infolge dessen hat der Magistrat die Stadtverordneten-Versannnluug ersucht, sich mit der Eni- lastuug des bezeichneten SlrbeitsausschnsseS und der Ver- pflichtung zur Wiederherstellung des Treptower Parkes mit 'Ausschluß der oben benannten Parktheile gegen Voraitkzahlung einer Eutschädignug von 160 000 M. einverstanden zu erkläre». Dieser Vorschlag wird vorsichtig zu prüfen sein. Der Arbeitsausschuß würde keine 160 000 M. darbieten, wenn er nicht doch einen Vor- theil bei diesem Opfer sähe. Die Siadtverordueteu Dr. Friedmann und Genossen Hachen in der Stadlverordnete»' Versammlung folgenden Antrag eingebracht: „Die Stadtverordnelen-Versammlung ersttckt de» Magistrat, in ge- mischter Deputation mit ihr zu berathe», ans welche Weise dem Uebelstande zu begegnen ist, daß GruudstückSeigenthümer beim Eriverb von Grundstücken in unverschuldeter Unkenntniß bleibe» von der Ver« pfiichtung zur Zahlung ortsstatutarischer Beiträge für Herstellung von Straßen". Das Komitee zur Errichtung eineS Denkmals für die März- g e f a! l e» e n hat an die Gemeindebehörde von Berlin das Er- suchen gerichtet, es zur Erreichung seines Ziveckes, Errichtung eines Denkmals für die Märzgefallenen, durch Gewährung eines Beitrages unterstützen zu wollen. DaS Polizeipräsidinm hat dem Projekte zur Festsetzung neuer Fluchtlinien längs der Grundstücke Münzstr. 18 und Alexanderstr. 55(Kaiser Alexander-Grenadierkaserne) und Nr. 56 zu, gestimmt. Danach erhält die Alexanderstraße an jener Stelle eine Breite von 19 Metern. Ter häßliche Fleck in der Prinz Louis Ferdinandstraße, an der Ecke der Dorotheenstraße, die dort befindliche Baumaske,"on 66 Quadratmeter Größe, wird demnächst auch verschwinden. Der Magistrat hat nämlich bei der Stadtverordnetenversammlung den Antrag gestellt, dieselbe möge sich damit einverstanden erkläre», daß die erwähnte Baumaske für den Preis von 150000 M. an den Eigenthümer des Nachbar- Grundstückes, Dorotheenstraße II, frei- händig verkaust werde._ Vokttles. DaS reaktionäre Attentat auf das BersammlnugS- und Vereiusrecht wird auf der Tagesordnung einer großen Anzahl Versammlungen stehe», die zum D o n u e r st a g, de» 20. Mai, augesetzt sind. Es ist Pflicht der gesammten Berliner Arbeiterschaft, dies« Protestversammlungen zu besuchen, und daher richten wir an sämmtliche Leiter von Arbeitervereinen die Bitte, zum genannten Tage kein« Bersammlunge» einzuberufen und bereits angeordnete Versammlungen thunlichst rückgängig zu machen. Näheres über Lokale ,c. wird rechtzeitig bekannt gegeben. Die Vertrauens. Personen. Tie Lokallistc stir Berlin n»d Umgegend ist neu heraus- gegeben und der heutigen Nummer unseres Blattes beigefügt morden. Bei der Wichtigkeit der Lokalfrage erwächst den Parteigenossen namentlich zur jetzigen Zeit die dringende Pflicht, die Lokalliste strenge zu beachten. In nächster Nähe der Neichshauptstadt besteht noch der traurige Zustand, daß behördliche und ordnungsparteilich« Einflüsse die sozialdemokratisch gesinnte Arbeiterschaft an der Wahr- nehmung deS bischen Vereins- und Versammlungsrechts hindert, das in Preußen unter den Unzeitgemäßesten Verklausnlirungen gesetz- lich festgelegt ist. und das nunmehr nach dem Willen der Reaktion gänzlich vernichtet werden soll. Der Ansturm der Reaktion macht mehr wie je ein geschlossenes Vorgehen der Proletarier auf der ganzen Linie nothwendig. Den Saalabtreibereien gegenüber bleibt uns kein Mittel übrig, als die Lokalsperre. und diese dort, wo nöthig, durchzuführen, muß das Bestreben aller Parteigenossen sein. Arbeiter. Parteigenossen, besucht daher nur solche Lokalitäten. w e I ch e a u f d e r L i st e v e r z e i ch n e t st e h e n. Auch in diesem Kampfe führt uns Beharrlichkeit und Energie zum Zielet Preßkommission. Die Adressen der Mitglieder der Preß- kommisfion sind: Für de» I.Wahlkreis: e r m. S o y k a, Köpnickerstr. 176, Hos I. oh. Timm, Alte Jakobstr. 18/19. Für den 2. W a h l k r e i S: C. Koblenzer, Muskauerstr. 26, vorn IV. H. Knöpfet, Schöneberg, Goltzstr. 17, Quergebäude IV. Für den 3. Wahlkreis: Franz Hoch, Admiralstr. 7, vorn IV. August Pohl, Skalitzerstr. 113, vorn III. Für den 4. Wahlkreis: (Für den Osten): W. Schulz, Weidenweg 5, III. (Für den Südosten): Paul Hoffman», Oppelnerstr. 21, v. II. Für den 5. Wahlkreis: Leopold L i e p m n n u, Liuienstr. 25, II. Adolf Roth, Schönhauser Allee 2, rechter Seitenfl. IV. Für den 6. Wahlkreis: Karl H e l b l g, Usedomstr. 9. Herm. Dornbusch, Pasewalkerstr. 3. Für T e l t o w- B e e s k o w: Otto John, Ober-Schöneweide, Siemensstr. 7. G. F. Schneider, Steglitz, Schützenstr. 16. Für Nieder-Barnim: I. Malinowsky, Berlin, Reinickendorfcrstr. 39, 2. Aufgang. W. Heyfelder, Fricdrichshagen, Ahorn-Allee 31. An die Vorgenannten sind sämmtliche Beschwerden den lokalen Theil des„Vorwärts" betreffend, zu richten. Die Sitzungen finden an jedem auf den Ersten des Monats folgenden Donnerstag statt. Der Wahlverein für de» l. Berliner Wahlkreis hält am Montag Abend im Lokal von Mörschel, Jüdenstr. 36. eine Ver- sammlimg ab, woranf wir die Parteigenossen hiennit besonders aufmerksam machen.(Siehe Annonce.) Achtung, zweiter Wahlkreis! Wir bringen den Mitgliedern des sozialdemokratischen Wahlvereins hiermit zur Kenntniß, daß am Dienstag, den 18. Mai, abends 8>/z Uhr. bei F. Bickel, Hasen- Haide 52/53, eine Versammlung stattfindet, in der Reichstags- Abgeordneter Dr. Lütgenau über„Politische Tagesfragen" sprechen wird. Wir bitten um rege Agitation für den Besuch dieser Versammlung. Der Borstand. Achtung» dritter Wahlkreis! Die im Jnseratentheil der heutigen Nummer für Donnerstag, den 20. d. M., einberufene Ver- sammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins für den dritte» Berliner Reichstags-Wahlkreis muß der für diesen Tag anberaumten öffentlichen Protestversammlungen wegen unterbleiben. Der Vorstand. An die Parteigenossen des 4. Berliner Reichstags Wahlkreises. Am 2. Juli ist es ein Jahr her, daß eine stark- besuchte Versammlung in Keller's Festsälcn die Errichtung eines neuen Wahlvereius beschloß. Dem ist genüge geschehen. Mit de- rechtigte» Hoffnungen sahen mir einer großartigen Theilnahme ent- gegen. Wenn nun auch zugegeben werden muß, daß die Zahl der Mitglieder stetig> nächst, so muß im Hinblick auf die fortwährenden Kämpfe der sozialdemokratischen Partei, die bevorstehenden Stadt- verordneten-Wahlen und die demnächst folgende Reichstagswahl«i» viel regeres Interesse für unsere Organisationen vorhanden sein. Da ist der Wahlverein, der es sich zur Aufgabe macht, seinen Mit- gliedern durch Vorträge und Diskussionen aller Art die bestehenden Verhältnisse, wie sie sind und ivie sie sein müssen, vor Augen zu führe». Nur dadurch ist es möglich, sich ein klares Bild zu schaffen und Stellung zu nehmen zu den uns so nahe liegenden wichtigen Angelegenheiten. Darum noch einmal: Vergesset unsere Organisation nicht imd tretet Mann für Mann ein in den Wahlverein des vierten Berliner Wahlkreises Südosten. Zur Aufnahme neuer Mitglieder, wie zur Entgegennahme von Beiträgen find folgende Zahlstellen eingerichtet: Erbe, Cuvrystr2b. T r i t t e l w i tz. Falckeusteinstr. 7. T o l k s d o r f, Görlitzerftr. 58. D i e r b e r g, Forsterstr. 17. Beyer, Wrangelstr. 136. Roll, Waldemarstr. 61. Gottfried S ch u lz, Admiralstr. 40 a. Meyer, Lübbenerstr. 30. Sei dl er, Ratiborstr. 16. O. Rasche, Reichen- bergerstr. 160. Bröden feld, Mantenffelstr. 69. G o l z, Grünauerstr. 3. Streit, Naunynstraße 86. M e tz n e r, Oranieu- straße 184, und Carl Scholz. Wrangelstr. 32. Außerdem werden Aufnahmegesuche und Beiträge entgegengenommen bei F. Thiel, Zeitungs-Spedition des„Vorwärts", Skalitzerstr. 35, W. Tesche, N».«-gelstr. 63, und Schilling, Mantenffelstr. 33. Der Borstand. Sozialdemokratischer Berein„Vorwärts", Berlin. Die Mitglieder werden hiermit noch besonders auf die nächsten Dienstag Abend im Colberger Salon stattfindende außerordentliche Generalversammlung des Vereins aufmerksam gemacht. Die Tagesordnung lautet: Wie stellen sich die Mitglieder zur A u f- l ö s u n g des Verein. Zahlreiches Erscheinen erwartet der Vorstand. Vom Kapitel des„TheilenS". Die an stelle der städtischen Nachtwächter getretenen Privat Wächter sind Angestellte der Wirthschaftsgenossenschaft der Berliner Grundbesitzer und werden für ihre Thätigkeit mit dein fürstliche» Gehalt von 60 bis 75 M. monatlich entlohnt. Bei einem solchen Einkommen sind die Leute darmff angewiesen, sich Nebenverdienst zu verschaffen, und so hat dieser es übernommen, dort den Gashah» pünktlich zuzudrehen, jener, hier den Ladenverschluß zu prüfen und ähnliche kleine Ver- richtnugen mehr, die im Vorbeigehen erledigt werden können und wofür in den meiste» Fällen monatlich l M. an den Wächter ver- gütet wird. Die Genossenschaft hat sich nun von ihren Wächtern ein genaues Verzeichniß dieser Nebeneinnahmen eingefordert und versucht, mit mehr oder weniger Glück diese: Beträge selbst einzuziehen. Den Geschäftsleuten, die derartige Dienste von den Wächtern in Anspruch nehmen, werde» nämlich gedruckte Reverse vorgelegt, worin sie sich durch Unterschrist verpflichten solle», diese Gelder fortan direkt zu bezahlen; den Wächtern werden gnädigst 25 Pf. pro Mark davon bewilligt. Ob sie die Trinkgelder für das Aufschließen der Häuser auch an diese „ausgetragene" Genossenschaft abliesern müsse», konnte» wir nicht feststellen; so unmöglich erscheint es nicht l Bedenkliche Zustände herrschen in der dritten Klaffe der vom Görlitzer Bahnhof aus»ach den Bororle» und zurück verkehrende» Zügen. Wie es scheint, kommt hier das älteste Wagenmaterial zur Verwendung. Die Trittbretter zu dc» Koupees gleichen Hühner- stiegen und sind so hoch und steil, daß Frauen sie nur schwer mid nicht ohne Gesährdnng ihrer Gesundheit erklettern können. Die Koupees sind so eng, daß die Paffagier« mit den Kniee» aneinander- stoßen, es sei den», ste lehnen sich völlig nach hinten zurück. Die Abtheilungen empfangen ihr Licht nur durch zwei in den Koupee- lhüren angebrachte, ganz schmale Fensterchen. Sind die Gänge auch noch mitStehpaffagicre» überfüllt, und dies ist ja häufig geniig der Fall, so fällt buchstäblich kein Lichtstrahl in den Wagen. Die Thören können nur von außen geöffnet oder geschlossen werden. Abends ist die Beleuchtung unter aller Krilik. Eine einzige Thranfunzel, genannt Lampe, beleuchtet immer zwei Koupees zusammen. Wenn bei der auf der Görlitzer Bahn üblichen Ueberfüllung einmal ein Paffagier krank wird, können sich richt erbauliche Zustände enl- wickeln. Vielleicht benutzt Exzellenz v. Thielen mit seiner Familie einmal einen Sonntag-Abendzng der Görlitzer Bahn»md sieht selbst, wie er seine lieben Berliner unterbringt. Etwas mehr Licht für die Augen, Herr Minister, es dürfte sonst endlich in den Köpfen„helle" werde». Elektrische Stadtbahn. Die der Firma Siemens u. Hakske bereits genehmigte elektrische Stadtbahn von der Warschanerstraße bis zum Zoologischen Garte» soll bekanntlich von beiden Seiten her je eine Abzweigung nach dem Polsdamer Bahnhofe erhalten. Beide Abzweigungen sollten gemeinsam in einem unmittelbar unter deni Pflaster liegenden, mit Eisenträgern flach abgedeckten Tunnel in einer End- Haltestelle an» Potsdamer Bahnhofe endige» und zwar in der Schniltlinie der Droschkenstraße des Potsdamer Bahnhofes mit der südwestliche» Bordkante der Königgrätzerstraße. Diese Abzweigung ans der Dnrchgangslinie Warschauerstraße— Zoologischer Garte» beabsichtigt die Firnia vom Potsdamer Bahnhof aus unter der Königgrätzerstraße und Sommerstraße, sowie unter dem Reichs- lags-Ufer nach dem Bahnhofe Friedrichftraße und weiter längs der Spree unter dem Weidendamm und dem Knpfergraben bis zur 'Schloßbrücke foriziiführen, so daß die gesammte elektrische Stadtbahn- anlage dann aus drei Linien bestehen wird, welche von drei End- punkten,»mnlich östlich vom Stadlbahnhofe Warschauer Brücke, westlich vom Stadtbahnhose Zoologischer Garte» und nördlich vo» der Schloßbrück« bezw. vom Stadlbahnhofe Friedrichstraße aus- gehend in der Gegend der Lnckenwalderstraße zusammenlaufen und unter einander derart verbunden find, daß diese Linien zusaminen mit durchgehenden Zügen betriebe» werde» könne», nämlich a. Warschauer Brücke— Zoologischer Garten und um- gekehrt; d) Warschauer Brücke— Potsdamer Bahnhof— Bahnhof Friedrichstraße— Schloßbrücke und umgekehrt, c) Zoologischer Garten— Potsdamer Bahnhof— Bahnhof Friedrichstraße— Echloßbrücke und umgekehrt. Die von der Potsdamer Bahn»ach Norden anzu- legende Bahn soll als sogenannte U n t« r p f l a st e r b a h n aus- geführt werden, nach dem Muster der König Franz Joseph- Untergrundbahn i» Budapest, welche von der Unternehmerin ausgeführt und seit dem 1. Mai 1396 in Betrieb ist. Zur Erörterung des den» königlichen Polizeipräsidium vorliegende» Projektes»st eine Konferenz zun» 21. d. M. anberanint worden,»vozu auch der Ma- gistrat Einladung erhalten hat. Eine Einrichtung zum besseren Erkennen der einzelne» Pfcrdrbahn-Linieu bei der Dunkelheit hat die Große Berliner Pferdebahn-Gisellschaft versuchs>veise auf der Linie Dönhossplatz— Reichenbergerstraße durchgeführt. Statt der bisherige» Signal- laternc» sind an der Decke des Wagens»eben den Linienschildern je zwei Glühlampe»» angebracht, die einerseits die Schilder beleuchte», andererseits ihre Strahlen»veit auf die Strecke hinauswerfen. Hier- durch»vird eine vergrößerte Betriebsficherheil und eine Beq»lemlich- keit für daS Publikum herbeigeführt, indem man selbst bei der größten Dunkelheil auf größere Entfernungen erkennen kann,»velcher Linie der fragliche Wagen angehört. Tie bisher Oranienbnrgerstr. 7V und Heiligegeiststr. 26 untergebrachten Dienststellen des den Vermitteluiigsanstalte» I. und V. vorgesetzten kaiserl. Haupt-Fernsprechamts sind nach der Fraiizösischen- straße 33bjo verlegt worden. Tic Errichtung einer Heilanstalt für T r>» n k s>'i ch t i g e hat gestern Abend der Berliner Bezirksverei» des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke in einer Versammlung im Ständehanse befchloffen. Ter deutsche Kniser Wilhelm II. hält sich zur Zeit in Elsaß- Lothringen auf. Aus den» Metzer Aufenthalt des Kaisers veröffent- licht die„Metzer Ztg." folgende Episode:„Als der Kaiser, au» Exerzirplatz aiikoniinend, den Wagen verließ, sprach er den Wunsch ans, sein R e i t p f e r d von den» Steine ans zu besteigen, den weiland sein kaiserlicher Großvater bei der Parade am 7. Mai 1877 z» den» gleichen Zivecke benutzt hatte. Der z»» stetem An- denken durch ein D r a h t g i t t e r eingefriedigte Stein erschien jedoch unnahbar. Der Anslrag, das Gitter zu beseitigen,»var durch ein paar Soldaten schnell erledigt,»voraitf der kaiserliche Enkel seinen pietätvollen Wunsch ausführte. Den Dienst der Soldatei» lohnte ein Zehnmarlstück." Ans zahlreiche Begnadigungsgesuche, so berichtet die „Germania", die seitens der Angehörigen von Militär-Strafgefangenen aus Anlaß der Hundertjahrfeier a» de» Kaiser gerichtet»vurden, »vnrde den Petenten von de» miliiärischen Behörden mitgelheilt, daß die Gesuche beim Kaiser nicht befürivortet»verde»» konnte». Bei fortgesetzter guter Führung habe der Berurtheilte— nach Ver- büßung von drei Viertel seiner Strafzeit— jedoch Aussicht,„vor- läufig" entlaffen zn»verde». Eine den Hilfsvercin für weibliche Angestellte betreffende Angelegenheit, welche eines»veitere» JnlereffeS iiicht entbehrt, kam i» einer Versaminlnng des Ortsvereins der Kaufleute VIII, O., znr Sprache. Die»veiblichen Angestellten der Firma Hermann Engel, hier, Landsbergerstraße, gehören sämintlich de»» der Obhut der Frau (Satter unterstehenden Hilfsverein für»veibliche Angeftellie an. Nach- den» genannte Firma die Vereinbarung getroffen hatte,»»»» Falle der Erkrankttng eines ihrer weiblichen Angestellten noch fernere sechs Wochen hindurch Gehalt zn zahle»», glaubte dieselbe sich mit ihren Angestellten hinsichllich der Krankenverstchernng abgefunden zn haben. Als kurze Zeit daraus der Bote des Hilfsvereins wieder mit einer Beitragsqniituiig erschien, erklärte Herr Engel, daß er auf grnnd der oben gedachten Vereinbarung sich nicht mehr be- müßigt sehe, irgend einen Beilrag zun» Verein und zu der Kranken- kaffe zu leisten Nach dieser Zurückiveisnng meldete sich nun eine »ei» in das Geschäft eingelretene Dame ebenfalls ztm» Beitritt in den �Hilfsverein". Diese»vurde jedoch init ihren» Anfiiahmegesuche vom Vereinsvorstande abgeiviesen und zivar mit der Molivirung, daß, da der Chef keine Beiträge zum Vereine mehr leiste, daS Aufnahme- gesnch der Angestellte» abgelehnt werden muffe. Das genügt! Tie gebildete Jugend. Das Korps„Normannia" hält seine Saufgelage in» Hause Hainbttrgerstraße 15/16 ab. Die ihm an- gehörenden Slndenten kamen dort am vergangenen Montag Nach- mittag gegen 1 Uhr in betrunkenem Znstande angefahren»md setzte» „zu Hatsse" die Kneiperei fort. Gegen 3 Uhr gingen einige der Beiigel auf den an» Hofe gelegenen Balkon hinaus und kletterte»» zur Alnveckselung hin und»vieder auch auf das niedrige Dach des Seitengebäudes hinüber. Von» Balkon und Dach aus bom- bardirten sie nun den Hof mit Geschossen aller Art: Ueber- ziehen». Eiern, Bielgläsern und Champagnerflaschen. Von diesen flogen wohl 20 bis 25 attf den Hos hinab. Die Kinder, die dort spielten,»»»ßten eiligst flüchten. Leute, die in dem Hintergebäude zu thun hallen, konnte» nur mit Gefahr für ihre Gesundheit Über de»» Hof gelange». Ein Hans- diener, der auf dem Hofe sei» Pferd anschirren und anspannei» »vollte, kau» hier nicht dazu, sonder»»nußte es auf der Straße be- sorgen. Der Hausvenvalter untersagte»viederholt den Unfug,»vurde aber nur ausgelacht und beschimpft und mußte sich mit dem Haus- diener»ach der Straße zurückziehen. Da er sich anders nicht mehr»u helfen»vnßte, so ging er zur Revierpolizei. Ztvei Schutzmänner, die erst dann Einlaß in die Räume de« Korps bekamen, als sie drohten, die Thür durch einen Schlosser geivaltsam öffnen zu laffen, wurden mit Hohn empfangen. Man nahm ihnen die Heline ab»»nd setzte ihnen Korpsmützen dafür auf. Auf das Verlangen, ihre�Per- sonalien anzugeben, ertviderle» die Lümmel, das sei gartiicht nöthig; man möge ihnen»ur ein Strafmandat schicken, sie könnten es ja bezahlen.— So ei» Berichterstatter, dessen Angaben nicht ganz voll- ständig zu sein scheinen. Denn es müßte doch»nerkwnrdig zugehen. wenn die Polizeibeamtei», die in» Streit« mit Arbeitern sich sehr schnell darauf bestnuen, zu welchem Zivecke sie ihre Waffe haben, sich diese Verhöhnung von seiten dummer Jungen so ohne weiteres gefallen ließen. Znr Affäre im Pnssage-Panoptikum geht der Preff« folgende Richligstellung des Herrn Riarquardt zu: Es ist»inwahr, daß an den Samoanerinnen lagläglich Grausamkeiten verübt»vorden sind. Es ist unwahr, daß die Mädchen»ach ihrer Rückkehr von mir mit Knulendieben traklirt»vurden. Es ist somit auch»intvahr, daß Malta 30 und Moto 15 Knutenhiebe erhalten hat. Es besindet sich in» Besitz der Samoalruppe überhaupt keine dreisträhnige Knut« oder überhaupt eine Knute. Es»st unwahr, daß Direktor Neu- mann Zeuge von Mißhandlungen gewesen sein kann, da solche überhaupt nicht stattgefunden haben,»veder durch nüch noch durch die Männer der Truppe. Ich habe mir uiemnls das Recht angemaßt, Geivalt über Leben und Tod der Samoaner zu besitze», habe auch niemals vorgegeben, einen hierauf hinzielende» Brief des Königs von Samoa zu besitzen. Die Direktion hat mir allerdings geräumigere Plätze für meine Truppe zur Verfügung gestellt, es sind dies aber Räume, die sich unter der Bühne des Panoptikums befinden und die keine Fenster besitzen, die auch nicht gelüstet»verde» könne», die ferner so niedrig sind, daß ein Mensch in denselben nicht allsrecht stehen kann. Außerdem stellte die Direktion als Wohnräume sür die Truppe zivei mit Asphalt belegte, neben der Bühne befindliche Garderoben zur Verfügung, in denen ins- gesainint höchstens drei Menschen schlafen können. Von dort Wohnen- können kann überhaupt nicht die Rede sein. Es ist univahr, daß in den Räume», die ich augenblicklich inne habe, 32 Menschen die Rächte zubringen. Die Direktion giebt die Truppe nur als so groß an, während dieselbe i» Wirklichkeit außer den drei Männern»»ur 22 Mädchen stark ist. Das Esten der Sainoaner ist nicht,»vie behailptet»vird, das denkbar schlechteste, sondern vorzüglich. Die Leute erhalten pro Person»wd Tag mehr als ein Pfund knochenloses Fleisch, vertheilt auf die Mittags-- und Abendmahlzeit, aiiberdeni Kartoffeln, Reiß. Brot, Weißbrot, Milch und Thee nach Beliebe». Es ist univahr, daß die Samoaner noch kein Geld erhalten haben. Sie erhallen an baaren Bezügen neben der Verpflegling pro Monat»nd Kopf 64 Mark,»vovon ihnen 40 Mark hier und nach Vorschrift de? Königs 24 Mark in Samoa nach erfolgter Rückkehr ausgezahlt werden. Es ist univahr, daß ich von der Direktion für die zweimonatlichen Bor- stellungen 20 000 Mark erhalte» habe. Ich erhielt sehr viel weniger. Es ist Erfindung, daß kein Tag vergangen ist, an dem nicht das eine oder andere der Mädchen schwer gezüchtigt wurde, Es liegt also für die deutschen Behörden keinerlei Grund vor,»»ich für irgend eine unrechte Thai zur Rechenschafr zu ziehen. Meine Angabe» bezüglich der Verpflegung»verde»»»nein Schlächter,»»eine Köchin»nd ineine Schlächterrechnnuge» beweisen. Ueber die Arl der Behandlung der Mädchen»verde» cimvandfreie, sich in angesehenen Stellungen befindliche unparteiische Leute Zeugniß ablegen, dasselbe»vird»mser Arzt thun, den»ch bei den geringsten Krankheitsfällen in meiner Truppe zu Rathe gc- zogen habe. Dieser Herr wird sogar bezeugen, daß ich einzelnen Leuten in Krankheitssällen sogar mein eigenes Bett zur Verfügung gestellt habe. Wegen der i»ir zugefügten Beleidigungen habe ich gegen Herr» Direktor Neumann von» Paffage-Panoptiknm die Klage bereits eingeleitet»md»vird genanntem Herr» somit Gelegenheit gegeben sein, seine Behauptungen vor dein Gericht auch zu beiveise». Soiveit Herr Marquardt. Die Angelegenheit scheint in der That in den ersten Berichte» stark aufgebauscht»vorden zu sein. Gestrige Abendblätter»vissen über die polizeilichen Untersuchungen folgendes zu melden: Tie Vernehmung der Samoaner soivie ihres Impresario Marquardt hat heilte Vormittag vor dein Chef der Kriminal- Polizei Grafen Pückler stnltgefnnden. Es»vnrde eine Anzahl der Mädchen verhört. Als Dolinelscher fnngirte Hauptmann BrandeiS. Die angestellte Untersuch»»»« ergab nicht, daß die Samoanerinnen in der von den» Direktor Neumann geschilderten Weise mißhandelt »vorden sind. Das einzige,»väs festgestellt»vurde, ist, daß eineS der Mädchen von den» Häilptling Lezugn mit eine»» Lederriemen ge- züchtigt»vorden ist. Die ärztliche Untersuchung der Samoaner ergab anch, daß dieselben wohlgenährt sind. Die polizeilichen Akte» über die vo» betheiligler Seite anscheinend stark ausgebanschle An- gelegenheit sind geschlossen und der Staatsanwaltschaft übergeben »vorden. Gegen den Kassirer E. der Berliner LerkehrSanstalt ist.»vie verlautet, ein Strafverfahren ivege», Beiruges eingeleitet. Der Be- schuldigte hat die Leute bei ihrer Anstellung znr Leistung von je 50 M. veranlaßt unter der Angabe, daß diese Beträge als Kaution gelte» sollten. Thatsächlich lag aber die Absicht vor, die Summe als Betriebskapital im Interesse der Gesellschaft zu vemveuden. Also doch! Herr Dr. Jacques Joseph hat seine Poliklinik stir orchopädischc Chirurgie(Berkriiniinungcn und Mißbildungen) von der Schmidsir. 12 nach der Brückenstr. 7 verleg». Daselbst werden Unbeinittelte von 9-10 Uhr vormittags unentgeltlich behandelt. Fränlein Marie Gerdes ist am Freitag Nachmittag auS den» Krank-nhanse«nllaffen und durch die Polizei in das Untersnchnngs- gefängniß zu Moabit gebracht»vorden. In» Perfolg,»igöwahusinn hat der 50 Jahre alte Zigarren« arbeitet Friedrich Gönner ai,s der Barniinstr. Rr. 12 Hand an sich gelegt. Gönner»var früher in einer Zigarrensabrik»» der Neue» Königstraße beschäftigt. Vor vierzehn Tagen kam er zu seiner Frau, init der er seil zwanzig Jahren verheirathel»var, und erzählte ihr, in der Fabrik seien zivei Arbeiter wegen Majestät s- beleidigung verHaftel»vorden; ihn»volle man auch holen. Da diese zeilgemäße Verhaftung schon acht Wochen zurückliegt»nid Gönner»üt der Angelegenheit garnichls zu ttni» hatte, so suchte ihin die Frau seine Angst auszureden. Die Ein- bildnng setzte sich aber bei den» Manne so fest, daß sie ihm das Leben verleidete. In der Nacht zu gestern hatte er sich heimlich aus der Schlafstube entsernt. Gestern Morgen um 6 Uhr fand ihn seine Fra» als Leiche a» der Klink« der Flurthüre hängen. Zwei HeirathSschwindlcr sind von der Kriminalpolizei fest- genommen»vorden, und zivar der frühere Gerichtsdiätar Otto M., der sich sür einen Krintinalbeamten auszugeben pflegte, nnd der 69 Jahre alte Kaufmann Gustav O. Letzlerer, ein beschästigungL- und mittelloser Man», verstand unter dem Vorgebe»,«in Grundstück in Adlershos soivie ein kleines Baarverm öge» zu besttze» und ei» Zigarren- geschäft im Osten Berlins eröffnen zn ivollen, eine Anzahl Frauen und Mädchen uu» ihre sauer erivorbenen Ersparnisse zu betrugen. Der Zilsall wollte es. daß»hu, gerade als er einem neuen Opfer sein zu eröffnendes Geschäftslokal zeigte, eine bereits betrogene Braut überraschte. Festgestellt ist die Person des Mannes, der vorgestern Mvrgen auf dem Molke»»narkte krank umfiel und auf dem Wege zur Charitee in der Droschke starb. Es»st der 36 Jahre alt« Arbeiter Christoph Nanjvcks, der zuletzt in der Landivehrstr. 22»vohnte. Eine erhebliche Verkehrsstörung wurde gestern Vormittag in der belebten Königstraße hervorgerufen. Ein der Speditions- firma Jacob u. Valentin gehöriger, mit Frachtgut hochbeladener Roll, vagen verlor an der Kreuzung der Neuen Friedrichftraße ein Rad, der Wage» blieb direkt zwischen den Pferdebahngeleisen liege». so daß der Verkehr nach dem Alexanderplatz und dein Spiltel- markt gesperrt»var. Schließlich»nußten die Wagen, u»n nur einigermaßen sorlzukommen, aus den Schienen aussetzen und die ge- fvevrte Stelle umfahre». Der Noll, vage» lag etwa»ine halbe Stund» an der Stelle. ?ltts de» Nachbarorten. Die Partcigenosscu von Rciuickciidorf» Eichboruplan. Tegel. pern.-dorf. Dalldorf, Lübars und Wnidinannslust werden dringend ersucht. die am heutigen Sonntag Nachmittag g'/e Uhr bei ? ö t tch e r. Marllstr. 1-2. statlfindende Versammlung des ZIr- o-lter-Bildungsvereins zahlreich und pünltlich zu besuchen. Der Vorstand. De» Parteigenosse» nud-Genosssnnen von Charlottcnbnra zur viachricht» dap am Mittivoch. den 19. d. M.. abends 3 Uhr. im Lokale des Herr» Leder, Bismarcks, r. 74. eine öffentliche Aer- sammluiig für Frauen und Mädchen stattfindet, zu der besonders die Plätterinnen eingeladen werden. Um rege Betheiligung ersucht Die Vertrauensperson. Die Stadt Spandan plant die Einführung einer Radfahr- Steuer, und zwar 19 M. pro Fahrrad. Die dortige Polizei hat ca. 309 Fahrscheine in diesem Jahre ausgegeben. I» NowawcS scheinen absonderliche Znstände zn herrschen. Wenigstens läßt der Unistand darauf schließe», daß die jüngste Ge- meiudeverlreter° Versammlung den Erlaß einer Polizciverordnung beschlossen hat, laut welcher während der Abhaltung des Wochen- Marktes das Radfahren auf dem Marktplatze verbolen sein soll. Um der Verordnung mehr Nachdruck zn verleihen, sind gleich drei große Tafeln i» Arbeil gegebe» worden mit der inhaltsschweren Inschrift: „Radfahren verboten." Auf dem Wochenmarkte hcrumznradeln— ein eigenartiges Vergnügen! Ei» Deserteur. Freitag Abend wurde der fahnenflüchtige Musketier ünnfch(Jnsanlerie. Regiment Nr. 43), welcher vor zehn Tagen das Regiment heimlich verlassen halte, in der Wohnung der unverehelichten Minna Klein in Eberswalde durch die Polizei ver- hafiet. Er will sich während der ganzen Zeit bei der Klein aus» gehalten habe». Er wurde aus dem Keller, wo er versteckt war, hervorgeholt und machte im letzten Augenblicke einen Selbstmord- versuch durch Trinken von Karbolsäure. Seine Verletzungen sind unerheblich. Ei» UngliilkSfall hat sich Freitag Nachmittag in der Charlotten- knirger„ssloca" zngelrage». Paul Eichler, Geschäftsführer bei seinem Vater, Schlächtermeister Gustav Eichler in der Kaiser Wilhclmstraße. der die Fleischliefernngen für die„Flora" hat. war mit zwei Groß- schlächlcrmeistern. darunter Schlächtermeister Edwin Schulz, Thaer- strahe V/Z.»ach Charloltenburg gefahren, um ihnen die Einrichtnnge» des Flora- Etablissements zn zeigen. Als sie in der Küche sich Abendbrot bestellt hatten, kamen sie darauf, das Abendbrot „nusznschießen". Ter Koch gab ihnen dazu ans einer Schublade einen Revolver. Eichler, der annahm, daß der Revolver nicht ge- lade» sei, richtete im Scherz de» Revolver auf Schulz, drückte tos und nun drang aus dem schon geladenen Revolver die Ladnngtdem Schulz in den Unterleib. Tie Verletzungen waren sehr schwer. Der Meister wurde sofort nach den, Charlottenburger Krankenhaus ge- bracht; gester» früh hatte man»och Professor v. Bergmann rufen lassen, aber es war zu spät. Gestern Vormittag ist, wie die„Allg. Fl.-Ztg." erfährt, der erst 41 Jahre alte Meister gestorben. Paul Eichler. der 31 Jahre alt ist. wurde verhaftet. Nrbeitcrrisiko. Bei den Bohrarbeiten für einen Brunnen hat sich gestern in Pankow ein schwerer Unglücksfall ereignet. Der Brnnnenmacher Wilhelm Krüger aus Berlin stürzt« dort infolge eines Keltenbruches in die Tiefe. Es glückte, ihn lebend herauszi» ziehen; mit erheblichen Verletzungen wurde er nach der Chariiee gebracht._ Theetkev. „Goethe-Theater." Intendant Prasch vom Berliner Theater übernimmt nun doch die Leitung des Theaters des Westens. Er schreibt hiesigen Blätter»:„Nach langen, oftmals abgebrochenen und wieder neu aufgenommenen Unterhandlungen ist heute zivischen Herrn Baumeister Sehring und mir ein Verlrag zn stände gekonimen, durch welchen das Theater des Westens vom 1. September d. I. in meine Hände als Pächter übergeht. Der Name„Theater des Westens" wird mit Ablauf dieser Spielzeit verschwinden. Unter das Patronat des größten deutschen Dichters soll sich fortan das jüngste Thealer Berlins stellen und»nter dem Namen„Goelhe-Theater" im Herbste neu er- öffnet werden. Trotzdem von der neue» Spielzeit ab Berliner Thealer und Goethe-Theater einer und derselben Direktion unter- stehen, wird doch jeder der beiden Bühnen ihre Eigenart, ihr de- fouderes Personal und ihr besonderes Repertoir unbedingt gewahrt bleiben. Nur einige wenige beliebte Künstler, die infolge der Rcpertoirverhältnisse in, Berliner Theater nicht genügend Be- schäftigung finden konnten, iverden dem Goethe-Theater zugeführt: Margarethe Tondeur, Else Heine, Arthur Wehrlin. Emil Hecht; die beiden letztgenannte» Künstler werden als Regisseure thätig sein. Der seitherige Direktor Max Hofpauer wird die Stelle eines artistischen Direktors bekleiden und gleichzeitig als Schauspieler wirke». Herr Jelenko ist als Oberregisseur angestellt. Verschiedene beliebte Darsteller deS Theaters des Westens werde» dem Goethe- Theater erhalten bleiben. Mit bekannten auswärtigen Künstler» sind EngagementSunterhandlnngen im Gange. In Ausnahmsfälle» werden Rollen, die eine besondere Künstlerindividulitäl verlange», von hervorragenden Kräften des Berliner Theaters dargestellt werden." Bekanntlich sollte vor einigen Monaten Direktor Max Hospauer daS Thealer des Westens übernehmen. Es wird anzunehmen sein, daß daS„Goethe-Theater" mit Deutschlands größten. Dichter ungefähr ebenso viel zn thun haben wird, wie z. B. das Lesfing-Theater mit dem Verfasser des„Nathan". . zvoch»«chron»r. Oper»hau«. Sonntag, I».:„Undtne". Montag:„Lueia von Lammermoor".(Lucia: Signorwa FranceSchina Prevostl; Sdgardo: Herr«mit«öge, al« Säfte.)„Slavische Braulwerbuug". Tienstag; „Die Ilfrilanertn". Ansang 7 Uhr. MUlwoch;„Undine". Anfang 7 Uhr. Donnerstag:„Carmen".(Carmen: Signorina Prcvosit; San Jose: Herr Sinti Säge, al« Säfte.) Freitag:„Cevolleria rusticana"; ,UIN soo. Male:„Der Babter von Sevilla". Sonnabend:.Dte Metfterstnger von Nürnberg".(Hang Sache: Herr Theodor Reichmann, Wien, ron Siolztna: Herr Emil Sätze, als Säfte.) Anfang Uhr. Eonnlaa:„Haschisch".„Ta Traviata". lVioleita: Signorina Prcvostt, als Saft.) Ansang 7 Ubr.-- S ch a u sp i elh a u S. Sonnlag:„Co- riolan". Montag:„Sappdo". Dienstag. Neu etnstudlrt:„Der zerbrochene «rüg".„Dle gelehrten Fronen". MUlwoch:„Cortolan". Tonnerfiag:„Der zerbrochene Krug".„Die aelehrlen Frauen". FreUag:„Cortolan". Tonnabend: „Viel Lärmen>>m nichts". Sonntag:„Coriolan". Montag:„Don Carlo«". Ansang 7 Uhr.— Neue« töntgltcheS Operntheater(Kroll). Eonniag:„Der Verschwender".— Im Deutschen Theater gelangen die in der türzltch veranstalteten Matinee betfälltg aufgenommenen beide» elnalllaen Stück«„Die Schulrettertn" und„Guten Morgen, Herr Fischer!", zu denen stch noch Marie von Ebner- Eschenbach'« Szene„Am Ende" g-selll, am Donnerstag dieser Woche zur ersten Anstührung! die Brsetzung bleibt die gleiche wie in der Malinec. Der weitere Fptelplan der Woche gestallet stch wle folgt: heute Abend, am Mllrwoch und Freitag„Die versunkene Slocke"; am Montag„Einsame Menschen": am Dienstag gehen neu eingerichtet zum ersten Mal unter der DtreNton Brahm Schiller'«„Räuber" tn Szene(den Franz Moor spielt Josef Kainz): Sonnabend„Der Sohn de««haltfen: am nächstfolgenden Sonnlag Abend„Am Ende",„Die SchulreNerin",„Suten Morgen, Herr Fischer!": NachmlUags-Vorstellungen: heule„Hamlet", nächstfolgenden Eonnlaa:„Hannele'« Himmelfahrt" tu Verbindung mit„Blau".— Im Berliner Theater geh« heute„Renatstance" zum»». Mal t» Szene und wlrd am Donnerstag und Sonnabend wlederholt. Am Montag wird„Faust", Dienstag.Kaiser Heinrich" gegeben. Am MUlwoch stndet, vielsochen Wünschen entsprechend, eine Aufführung de« Hoyer'schen Luftspiel«„Kinder der Buhne" statt. Am Freitag gelangt ali M. Abonnenrenls-Vorftellung da« Weyrauch'sche Volk«ftück„Die Maschinendauer" zur Aufführung und wlrd am darauf solgenben Sonnlag wtederholt. AIS NachmtUagS-Vorstellungen werden heule„Die Brüder", am nächsten Sonntag„Kabale und Liebe" gegeben. Die OpereNe„Die Seifha" wird im Lesfing-Theater auch tn der nächste» Woche an allen Abenden zur Anstührung gelangen.— Im Schiller- Theater lommt heute Rachmtllag„Maria Stuart" zur Austuhrung: tn der Abendvorstellung werden„Bauernehre"(„Cavalleria rusticana") und Moltäre'« Lustspiel„Der etngidlldete Kranke" gegeben. Am Montag stndei dle erste Auf- führung von„Madame Bonivard" stakt: am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend wird diese Borstellung wi-derholt. Am Mittwoch geht„Der G'wtstenSwurm" von Anzengruder, am Freilag Ibsen'« Schauspiel„Sin Bollsseind" tn Seene.— Der Wochenspielplan de« Theater« de« W- st e n« ts» felg-nd-rmaben«est- gestellt:„Unser Doltor" wird heute Abend. Dienstag, Donnerstag und Freitag rviederholt mit Aug. Junkermann, Franz Euiherq und Martha Stuck ali Säften. Am MUlwoch und Sonnabend wird Aug. Junlermaun den„Onkel Brästg" lptelen. Di« EtnaNer Granne Nüke'« Abschied",„Müller Voh">,»d .Lochen Päse!" mit Aug. Junkermann als Gast gehen Moniag zum letzte» Male tn Szene. Heule Nachmittag wird„Maria Stuart" wiederholt.- Stil einer Art Revue üver die Erfolge seiner zehnjährigen Direktion wird stch Dlrekior Lautenbnra demnächst vom Residenz-Theater verabschieden. Die Slücke, die für die Sulwickelurg unsere« Thcaierivesen« charalreristtlch find, solle» tn einem Abschied«°ZylIu« an UN« vorüberziehen. Neben sranzöstsche» gehären auch sehr beniirkenswerlhe deutsche und skandinavische Werk« zu diesem Schauspiel- Zyklus, dessen Vorführung am Sonnabend, de» 22. d. M., mit einer Wieder- aufsührung von Alerondre Dnma«' llsteisterwerk„Besuch nach der Hochzeil" und de« Schwanke«„Im Pavillon" beginnen soll.— Willem Royaard«, der holländisch-deutsche Schauspieler de« Neuen Theaters, hak stch von seinem Unwohlsein vollständig erholt und wird, von heute, Sonnabend, angefangen, in dem Se»satto»Ss>ücke„Trtlby" den Hypnotiseur Svengali fortan täglich spielen. — Im O st e» d-Dh e a l er liegen die Rollen zu der Novität„Der Husenfuh", welche heute zum ersten Male in Szene geht, in Hände» der Dame» Lid. Are», Vau», Ullrich, Schönberg, der Herren Hcckmann, Waller, Paul! und Färster. De» Schlug de« Abend« bildet da« einaltige Ltederspiel„Die Ztlierthaler", und stnd die Rolle» durch Heckmann. Dill, Wach, Kelwer, Alchinger und Frl. Anna Müller besetzt. Im Earle» beginnt das Konzert und die Vorstellung um« Uhr. Nachmittag« stndei eine Vorstellung der„Räuber" zu halben Preisen stau. Sozwlo Mersztspflegs« Sind Musiker i» Singspiel- Halle» Gcwerbcgehilfe»? Zur Bciirlheiluug dieser weile Kreise interessireudeu Frage hat das bauseatiscke Oberlandesgericht in Hamburg in letzter Instanz in Nebereinstimmlnig niit dein Landgericht eine grundsätzliche E»l- scheidung getroffen. Es handelte sich»m einen Fall, in welchem eine Schankivirlhin nach ihrer Meinung widerrechtlich von der Hain- burger Orts-Krankcnkusse der i» Holels, Restaurants und verwandten Gewerbe» beschäftigten Personen für eine» in ihrer Siugspiel-Halle beschäftigten Musiker zur Beitragszahlung für Krankeuversichcnlug herangezogen worden war. Nach der Entscheidung des Oberlandes. gerichls kommt es bezüglich der Versicherungspflicht daraus an, ob ein Kouzerlunleruehmeu als ein selbständiges Unternehmen oder nur als ein Anhängsel eines WirthschaflsbetriebeS anzusehen ist. Der erster« Fall trete ein, wenn die gebotenen Kunstleistiingen eine» besonderen Werth haben und vom Publikum. insbesondere gegen Erlegung eines Eintrittsgeldes, um ihrer selbst willen vorn Publikum besucht wurde», die Nestaurirung aber nur Nebensache sei. In diesen Fällen feie» die bei den Anssührnngen mitwirkenden Kräfte nicht versicherungspflichtig, nicht als Gewerbegchilfei« zn be- trachten. Wenn ein derartiges Unternehinen an sich auch«inen Ge- wcrbebetricb darstelle, so seien die mitwirkende» Künstler doch nicht in den» Geiverbebetriebe des Unternehmers beschäftigt, der Gewerbe- beirieb des Unternehme» s bestehe vielmehr darin, daß er die Künstler beschäftige. Anders liege die Sache, wenn eS sich nur um ein Anhängsel eines Witlhschaslsbetriebes handele, die gebotenen Produklioue» für die Besucher eines Wirthshanses nur eine nebenhergehende Unterhaltnng abgäben und nur daraus berechnet seien, Gäste anzulocken und den Wirlhschaftsbetrieb zu fördern. Dies sei der Fall, wenn z. B. ein Klavierspieler engagirt sei, welcher zur Unlerhaltuug der Gäste Klavierstücke vortrage. Derartige Lokale besuche niemand der Klaviervorträge, sondern lediglich der Viestaurirungszwecke wegen. In solchen Fälle» seien die belreffenben Akteure als Gewerbegehilsen zu belrachten und»nterlägen der Versicherungspflicht. /Geriltzt-S-Drikung. Ter Verleger der„Deutsche» Aruicc-Zeituug", Wilhelm K r a h l, ist s. Z. vom hiesigen Schöffengericht wegen Betruges zu sechs Monate» Gesängniß vernrtheilt worden. Er ist ein viel- seitiger Mann, der zuerst Barbier, dann Inhaber eines Gummi- waaren-Geschästs und schließlich Zeitiingsverleger gewesen ist. Die Redaktion der von ihm begründelen„Denlschen Armee-Zeitung" überlrng er eiuei» früheren Ossizier. Nach Ausweis des Zeitungs- katalogs von Haasenftein und Vogler muß das neue Unternehmen einen rapiden Aufschwung genommen haben, denn schon ein Jahr nach dem Erscheinen der eisten Nummer vcrzeichnele der Katalog die„Deutsche Armee- Zeitung" mit einer Auflage von 10000. Die Jnseralen- Ageiilen, welche zu den Gcschästsleuten liefen, um für die neue Zeitung Jnseraie»- Aufträge zn er- halten, paradirten gleichfalls mit der angeblichen Ans- läge von 10 Olli) Exemplaren, die ihnen von dem Angeklagten an- gegeben worden war. Thatsächlich war diese Angabe. aus welche hin sich verschiedene Geschäftsleute zur Rufgabe von Inserate» be- wegen ließe», nicht richtig. Tie wirkliche Auflage der Zeitung betrug nur etwas über 200 und nur hin und wieder wurde zur Propaganda eine Nmiimer in einer höhereu Auflage, die dann wohl bis zn 10 000 Exemplaren anwuchs, gedruckt. Eine solche Propaganda- Nummer wurde dann an Offiziere, Kasinos. Forstbcamte jc. verschickt, um sie zum Abonnement einzuladen. Vor dem Schöffengericht ivare» fünf Geschäslslente aufgetreten, die bekundeten, daß sie nimmer mehr inserirl haben würden, wenn ihnen belannt gewesen iväre- daß die Zahl der iilbonnenlen der Zeitung eine so ivinzig kleine war. Das Schöffengericht hielt die ThatbestandSmerkmale des Be- triiges für vorliegend und vernrtheilt« den Angeklagten zu 6 Monaten Gesängniß. Aus die vom Angellagten eingelegte Berufung wurde die ganze Sache gestern»och einmal von der 6. Stvaskammer des Landgerichts I geprüft. Das Gericht hatte hierzu auch einen Sachverständigen vorgeladen, welcher bcguiachlete. daß, da der An- geklagte den Inserenten auch noch hohen Rabatt gewährte, der thatsächlich von diesen gezahlle Preis selbst bei der geringen Auslage des BlaitcS als ein angemessener zu betrachten sei. Der Gerichtshof hatte ans gnind der Beweikanfnnhme keinen Zweifel, daß die angebliche Höhe der Auflage von 10 000 Exempl. für das große Publikum, welches iuserirte, entscheidend gewesen und daß wahrscheinlich auch eine ganze Reihe von Personen existiren mögen, die durch die falsche Angabe ge- schädigt sind, weil fle viel zu hohe Preis« für die Inserate gezahlt haben. Solche Personen seien aber nicht vorgeführt ivordeu. Bei den fünf Zeugen vennißle der Gerichtshof auf grund des fach- verständigen Gutachtens den direkte» Bermögensnachlheil. Sie hätten vielleicht eine» zivilrechtlichen Anspruch ans die Vortheile. die ihnen zugesagt wurden, sie könnte» aber nicht nachweisen, daß ihr ursprünglich vor dem Vertrage mit dein Angeklagten vorhandenes Vermöge» durch denselben verringert worden sei. Andere Fälle, i» denen Personen getäuscht und geschädigt worden. lägen nicht vor und so habe der Gerichtshof zur Freisprechung des An- geklagten kommen müssen, wenn auch dessen Treiben durchaus zw tadeln sei. P Eine Patlournlieferung für den chinesisch-japnnische» Krieg beschäftigte gestern die vierte Strafkainmer des Land- gerichlS I. Der frühere Inhaber der hiesigen Firma„Deutsche Waffensabnk", Kaufmann Georg K n a a k sollte sich der Betruges schuldig gemacht haben. Im September l304 bestellte die Firma Mandel n. Co. i» Shanghai für die chinesische Regierung bei dem Kaufmann Moritz Magnus in Hamburg eine große Anzahl Palronen. Die ganze Lieferung mußte zehn Tage nach Eingang der Bestellung an Bord des von Haniburg abgehenden Dampfers sein. Bei der Kürze der Lieserfrist mußte Magnus bei verschiedenen Firme» Thetlbestellungen mache». Er schloß mit dem Angellaglen einen Vertrag über 400 000 Patronen ab. Knaak führte die Be- siellung auch aus. Nach etwa Jahresfrist lheille die Firma Mandel u. Co. den, Kaufmann Magnus i» Hamburg mit. daß die Patronen theilweise nicht vertragsmäßig geliefert seien, in ver- schieden«» Kisten hätten sich anstatt scharfer Patronen nur Platz- palrouen befunden, denen die Kugel» nur lose beigelegl waren. MagnnS hatte der Firma über 2000 M. Entschädigung zu zahle». Er hielt sich seinerseits wieder an den An- geklagten, unter dessen Lieferung sich die mangelhafte» Patrone» befunden hatten. Nach langen zeitraubenden Uuterhand- lnnge» zeigte Magnus den Angeklagten wegen Betruges a». Nach dem mit dem Angeklagten abgeschlossene» Bertrage sollten Manser- Patronen Modell 71 mit Bleikugel und 3 Gramm Pulver geliefert werden. Da nun mehrere tausend Platzpatronen darunter waren, welche nur je 3 Gramm Pulver und anstatt der lingel nur einen Holzpflock enthielten, so habe der Angeklagte sich einen erheblichen»nrechtmäßigen Bortheil verschafft.» Der Zeuge Magnns nahm a». daß der Angeklagte haben wissen müssen. daß die einzelne» Kisten, die außerdem exportmäßig einen luftdichten Zinkeinsatz hatten. in Hamburg nicht erst auf ihren Inhalt geprüft werden konnte». Auch habe Knaak wohl gehofft, daß die Palronen garnicht erst nach Shanghai in die Hände der Besteller gelangen, sondern schon vorher i» irgend einem dem Kriegsschauplätze nahe gelegenen Hafen zur Ausladung kouunen würde». Der Angeklagte räumte ei», daß er die Platzpalronen unter Beifügung der losen Geschosse milversendet habe, aber dies sei mit ausdrücklicher Uebereiustinnnnng mit dem Zeugen Magnus ge- schehen. Bei der ganzen Lieferung sei Schnelligkeit die Hanplsnche gewesen. Schon am Tage nach der Uebernahme der Besteillmg habe er dem Zeugen Magnus geschrieben, daß er schwerlich die 400 000 Patronen fertig bekommen werde, wenn er nicht einige tausend Platzpatronen, die er ans Lager habe, mit zur Hilfe»ehmen könne./ Der Zeuge gab dies z», verwies aber auf sein Antwort- schreibt.», worin er den Angeklagte» fragt, ob sich den» die Platz- Patronen durch Znsatz von»och 2 Gramm Pulver auch so verstärke» ließen, daß das Geschoß hillausgetrieben würde. Er babe an» genomme», daß dies geschehen sei. Nun berief der Angeklagte sich aber auf einen seiner früheren Angestellten darüber, daß er tclephonisch mit Magnns über diesen Punkt verhandelt nud ihm mitgetheilt habe, daß sich eine Verstärkung durch Pulver nicht ausführen laffe. Magnus habe darauf seine Zustimmung ge- geben, daß die Geschosse den Platzpatrone» einfach beigelegt wurden. Bei einer späteren Unterredung habe Magnus geäußert:„A ch ivas, die Chinesen kömien ihre Kugeln nachwerfe— Der von dem Angeklagten vorgeschlagene Zeuge, der übrigens im Unfrieden von ihn» geschieden ist, bekundete, daß er thatsächlich da? diesseitig geführte Gespräch gehört, aber natürlich von der Antwort nichts vernommen habe. Er habe aber den Eindruck gewonnen, daß die in Hamburg am Telephon befindliche Person niit dem ihr gemachten Borschlage einverstanden war. Ferner überreichte der Angeklagte dem Gerichtshof eine» von dem Zeugen Magnus geschriebenen Zettel, dessen In- halt, wenn auch nur veiblünit, daraus schließen ließ, daß Magnus von der Art der Lieferung unterrichtet ivar. Am Schlüsse heißt es: „Nur viele Patronen schicke» mein lieber Knaak!" Der Vorsitzende. Landgericktsdirektor Denso, machte de» Zeuge» Magnus ans den ans- fälligen Umstand aufmerksaui, daß dieser Zettel nicht kopirt sci. Der Zeuge führte dies ans Eile und Vergeßlichkeit zurück, bestritt aber mit aller Entschiedenheit, daß die dem Inhalte beigelegte Ten- tung richtig sei. Der Staatsanwalt verzichtete auf jede weitere Beiveisaiifnahme und beantragte die Freisprechung des Angellaglen. Der Ver- theidiger, Rechlsanwall V o l l g o l d, schloß sich dem Antrage a>» und der Gerichtshof erkannte demenlsprechend niit der Begründung, daß, wenn von einem Betrüge die Rede sein könne, so sei er gegen die Firma Mandel». Co. in Shanghai begange», und zwar gemein» schafllich von Knaak und Magnus, denn der Gerichtshof habe die Ueberzengung gewonnen, daß der letztere von der Verwendung der Platzpatronen gewußt und den» Versahren zugestimmt habe. Ei» Liebesdienst, den zivei bis dahin unbescholtene Leute einem Verurlheillen geleistet haben, hat ihnen eine Anklage wegen Begünstigung eingetragen. Ein Tischler und späterer Bauunter- uehiner Bormann war wegen Betruges zn 9 Monaten Gesängniß vernrtheilt worden, hatte aber gar keine Luft, diese Strafe abzu- büßen, sondern trug stch mit dem Gedanken, flüchtig z» werden. Er hat diesen Plan auch ausgeführt und»st— wie sich später herausstellte— ans grund von Legitimationspapieren, die ihm der Sohn eines Hansuachbarn, Musikus Roihstock, von einem gewissen Gebet beschafft hat, nach Amerika entkommen. Gegen Gebet und Roihstock wurde Anklage erhoben und das Schöffengericht vernrtheilte sie zu je einer Woche Gesängniß. Rothstock legte Berufung ein und ver- suchte gester» der sechsten Strafkammer klar zn machen, daß er die Papiere nur beschafft habe, weil er geglaubt habe, Bormain» wolle wegen ebelicher Zwistigkeilen nnter fremdem Namen das Weit« suche». Der Gerichtshof hatte aber gar keinen Zweifel daran, daß der Angeklagte wohl erfahren hatte, daß Borniann zn harter Ge- fängnißstrafe vermtheill worden war nnd über das große Wasser gehe» wollte, um sich der Strafe zu entziehen. Die eingelegte Be- rusung wurde daher verworfen. Eine gegen de» Berliner Magistrat versuchte Veruntreuung führte gestern vier Personen, den Steinsetzer H., den früheren Auf- seher S. und die iknlscher L. und D. vor die 130. Abtheilnng des Schöffengerichts. Im März d. I. wurde der Markgrafcndamm neu gepflastert. Das Material wurde von den» großen Slätteplatz, de» die Stadt in Treptow besitzt, geholt. Einer der Kutscher machte dem Bauführer die Miltheilnng, daß seine beiden Kollegen L. und D. je zwei Fuhren Kopfsteine nicht nach dem Markgrasendannn. sonder» nach einem Platz in einer anderen, fast unbewohnten Straße gefahren nnd dort abgeladen hätten. Die Steine sollten von H. nnd S, für eigene Rechnung verlauft werden. Auch ihn habe H. versühren wolle», Steine zn liiilerschlagen nnd ihm für jede Fuhre 3 M. geboten, er habe sich aber geweigert. Der Bau- sührer überzeugte sich, daß die Angaben des Kutschers auf Wahrheit beruhten, die veruntreuten Steine hatten einen Werth von 174 M. Dem Magistrat ist ei» Schaden noch nicht entstanden. Der Gerichls- Hof war mit dem Staatsanwalt« der Ansicht, daß dieser Umstand kaum mildernd ins Gewicht fallen könne. Besonders sei der von den Angeklagten H. nnd S. begangene Vsrtrmlensbruch ein sehr schwerer, während die beiden verführten Kutscher milder anzusehen seien. H. mid S. wurden zn je drei Woche». L. und D. z» je einer Woche Gesängniß vernrtheilt. AuS Anlast des Kampfes, den die Gewerbetreibenden im„Süd- wesleu" gegen die dortige» Konsum- resp. Rabatt-Sparvereine schon seit Ende vorige» Jahres führten, waren bei der Staatsanwalischast ans den Kreisen der Antikonsmnler gegen Konfumvereins-Lieferanle» wegen Ueberlretung der gesetzliche» Bestinnunngen vom 12. August 1896, welche den Berkehr der Konsum-Rabntt-Sparvcreine mit den Mitgliedern nnd Lieferanten regeln, nicht weniger als 40 Anzeige» eingereicht worden. Die Sache schwebte einige Monate vor dein Untersuchungsrichter, und es fanden auch Erhebungen statt, doch scheint die Sache ein negatives Resultat ergeben zu habe». Wie jetzt anZ den 5treisen der Jntcressenlen mitgetheilt wird, hat die Staatsanwaltschaft eS abgelehnt, auf die Denunziationen einzugehen. Eine Reihe bon Eutschcidnngeu deS KammcrgerichtS, die in der„D. Jur.-Ztg." veröffentlicht werde», beziehen sich auf dt« 9t c ch t s g i l t i g k e i t von P o l i z e i v e r o r d n n n g c n. Danach ist eine Polizeiverordnilng, welche das öffentlich« Aushängen, Aus- stellen und Tragen von Fahne» nnd Flaggen in anderen als den preußischen Landes- oder den» deutsche» Reichs- oder Landesfarben ohne Genehmigung verbietet, rechtsgiltig. Dagegen ist ein« Polizeiverordnnng, welche das Tragen von Kokarden, Bändern und Abzeichen in de» gedachten verbotenen Farbe» verbietet, rechisungillig.— Eine Polizeiverordinuig, welche Reden nnd Gesänge, sowie öffentliche Knud- gebungen anderer Art ans dein Kirchhofe ohne Erlaubnis! des Pfarrers untersagt, rechtsgiltig, ebenso cini Polizei- verordnilng, die das Schieße» ans'Anlaß von Festlichkeiten ohne Erlaubniß der Ortspolizeibehörde verdielet. Ferner ist ein- Polizeiverordnnng, welch« die nicht gewerbsmäßige öffentliche Dar- bietung deklamatorischer Vorträge von einer Anzeige bei der Ortspolizeibehörde»nd der infolge derselben erlheilten Vescheim- gnng oder Erlaubniß abhängig macht, als rechlLungiltig nicht zu betrachten; sie liegt außerhalb des Rahniens der Geiverbe-Ordnung nnd kann als der letzteren widersprechend nicht angesehen werden. Soziales. Die TodeSnrsachen der lSSS in Prenste« Gestorbene». In Beziehung ans die Hnnsigkeit einzelner wichliger Todesursachen in Preußen sind für das Jahr 169ö unter de» 689 629 Gestorbenen 24 Todesfälle an Pocken hervorzuheben; davon betrasen 10 daS männliche und 14 das weibliche Geschlecht. Unter diesen Gestorbenen waren 7 Knaben und 10 Mädchen weniger als 13 Jahre all; die übrige» Todesfälle an Pocken kamen vereinzelt in den höheren Allers- klaffen vor. Der a s i a t i s ch e n C h o l e r a fiel im Berichisjahr» eine Person im Alter von 28 Jahren zum Opfer. Es starben ferner vo» 10 0(0 Einwohner» an Scharlach 2.L3, an den Masern und Rötheln 1,93, an Diphtherie und Kronp 9,06, «n Kelichhusten 3,89, an TyphuS 1,48, an Nuhr 0,62, an ein. beimischem Brcchd>l>ck)faII 9,08, a» Diarrhöe der Kinder 7,56, au alnici» eSelenkrheuniätiSuius 0,49, an den Skrovheln und der englische» Krankheit 1.02, an Tuberkulose LZ, ÄS, an Krebs 5.31, an Luslröhren-Entzündung und Lungenkatarrh 6.47. a» Lungen- und Brustfellentznndnng 14,51, insolge Seibstiuordes 1,95 und durch Verunglücknng 3,72. Endlich ist das Auftrete» von Influenza zu erwähnen. Nachdem diese Krankheit in den beiden letzten Monaten des Jabres 1889 nach den Angaben der Slandesbeaniien 314. im Jahre 1390 9 576— 3,20, im Jahre 1891 8 050= 2,68, im Jabre 1692 sogar 15 911— 6,23, im Jahre 1893 10 403— 3.37 und 1894 7 336 Per- fönen— 2,25 von 10 000 Einwohnern dahingerafft hat, sind ihr im Berichtsjahre 6 509 Personen---- 2,05 erlegen. Von diesen Todes- fällen sind 2 081 in 114 Orlen mit mehr als 20 000 Einwohnen, vorgekommen. In Nimiberg berielh der Polizcisenat darüber, auf welche Weise der Vi i l z b r a n d v e r g i f l u n g durch Borste», die die Arbeiter d a h e i»i verarbeiten, vorgebengt werden könne. Wie die „Franks. Ztg." inittheilt, wurde ein direktes Verbot der Heimarbeit mit desinfizirtcn Haare» für»»durchführbar erklärt, weil die Ar- beitcr selbst sich ihm widersetze» würden. Es wurde beschlossen, mit den Arbeitern selbst in Berathung darüber zu treten, wie das Hebel zu bekämpfen sei. Bei dieser Gelegenheit erinnert die „Franks. Ztg" daran, daß von de» neuen Versuchen, ein brauch- bares Tesinfiziningsmittel zu finde», seit langem nichts ver- lautet hat. Acht groß« Eisenbahn- Kompagnien in London haben bekannt gegeben, daß von dieser Woche an neder ihre eigenen Gütersammelwagen noch ihre Agenturen an Sonnabenden »ach 3 U h r nachmittags noch Güter entgegennehmen. Für Ab- oder Einlieferiingen von Gütern, die vor dieser Zeil begonnen habe». werden 10 Minuten über die angegebene Zeit zugebilligt. An anderen Wochentage» tritt der Schluß um 6 Uhr ein. Handelsbilanzen. Kanada führte im Jahre 1896 für 118 Millionen Dollars Waaren ein und für 121 Millionen Tollars Maaren aus. Gegen das Jahr 1895 stieg die Einfuhr um zirka 8 Millionen Dollars, die Ausfuhr um zirka 7�/2 Millionen. Mnkevnelzmev-VevbÄndr. In Stettin hat sich ein Arbeitgeberbnud für das Tischler- gelverbe gebildet. Der„Volksbote" schreibt darüber:„Der Bund dezweckt die Abwehr„unberechtigter Forderungen" der Gesellen. Was alles als unberechiigt angesehen wird, dafür liefert der jetzige Streik, der als unberechtigt erklärt wurde, ein Beispiel. Bekanntlich fordern die Gesellen einen Minimalloh» von 18 Mark. Und dieser Lohnsatz soll in der heutigen Zeil unberechtigt sei». Es ist kaum zu glauben." Die vor einiger Zeit im Bezirk Chemnitz ins Leben gerusene, gegen planlose Produktion und Waarenschleuderei gerichtete Schutz- Vereinigung sächsischer Struuipfexportenre hat ihre Thätigkeii seit einige» Tage» anfgenomnien. Die i» Cheninitz eröffnete Geschäftsstelle der Vereinigung soll de» Verkauf von Lngcrwaaren und Bestellungen aus anzuserligende Waaren a» die Fabrikanten ver- Mitteln. Namentlich soll sie das Abschließe» von Exportgeschäften niit sog. Faktoren zu verhindern suche». Der Zentralvcrband der Industriellen Oesterreichs, dem gegenwärtig fast 2500 GroßindiistrieUe angehöre», beanflragte ans feine», in voriger Woche in Wien zusaniniengetrelenen Verbandstag fei» Präsidium, in einer Eingabe an das Handelsministerium und an das Ministerium des Aenßern die Regierung aufzufordern, in geeigneter Weise eine internationale V e r e i» b a r n n g an- zustreben und durchzuführe», durch welche der p r o h i b i t i v e n Zollpolitik der Vereinigten Staate» von Amerika und der damit verbundenen gemeinsaincn Gefahr für das enropäische Wirthschastsgebiet wirksam begegnet werden könnte. Weiter wurde die Ausarbeitung eines I n d n st r i e- P r o g r am m s beschlossen und das leitende Komitee beauftragt, schriftlich und mündlich um Einrichtung eines Industriellen- Beiraths im Handels- Ministerium vorstellig zu werden. Vevfnnnttlnttigen. Ter Verein der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- und Kravattcnbranche hielt au, Mittwoch, den 12. d. M., eine gut besuchte Versammlung ab, in welcher Genosse Dr. Wey! über: „Die Entstehung der Schwindsucht und deren Heilung" sprach. Be- kannt gemacht wurde, daß am Dienstag, den 13. Mai, eine öffent-' liche Versammlung stallfinde» wird, in welcher:„Die Kranken- Versicherung der'Heimarbeiter und die Gewerbedeputation des Magistrats" ans der Tagesordnung steht. Anschließend hieran wurde» de» Isenburger Wäscherinnen 40 M. aus der Vereinskasse überwiesen. Ter Verband aller iu der Kiirschnerbranche beschäftigten Arbeiter»ud Arbeiterinnen hielt am 16 Mai seine regelmäßige Monalsverfainmlung ab, in welcher ein Vortrag über Geschickits- forschung und geschichtliche Wahrheit gehalten wurde. Unter Ver- schiede»«», verlas der Schriftführer einen Brief des Fabrikanten S. Gärtner. Da Herr Gärtner selbst erschienen war, entspann sich eine längere Debatte verschiedener Kollegen mit Herrn Gärtner, welche ans Antrag des Kollegen R o g g e damit endete, daß die ganze Sache den Verein nichts anginge, zumal der Kollege Wittascheck dem Verband nicht angehört und Herr Gärtner die letzten 3 Jahre de» Arbeitsnachweis nicht in Anspruch genominen hat. Kollege Peters schlägt vor. daß alle Kollegen, welche gezwungen waren, am 1. Mai zu arbeite», 50 Pf. bis l MZzum Agitationssonds zusteuern. A>t>eitrr.KII»»no»l'ch«>I». Tie Blbliothek in der Nordschulc, Brun» e n sl r es, ist für dt- Milfllieder an folgenden Togen geöffnet i Sonn- Ings, oomitiog«»on io-js, D i e n f, a g s und Freitags, abends M bis 10 Uhr. MtlgliedsbeUröge weiden an dielen Tagen in der Nordschule entg gen- genommen, ebenso in folgenden Zahlstellen: EoNfr. Schulz. Admirolstr. loa; Schöning, köpnichcrstr. 68; Reul, Bariiimftr.«> I Babtel, Mosenihalerstr. 57; wleinert, Müllerstr. 7a; Bnrghaule, Pulbuserftr. 82: Blanlenfeld. Stephan, tr. 2»; Werner. Bülowstroste 59; Siube, Meirteiidorferftraste 5; Kaßler, Junkerstrab- 1; H. Königs, Dieffenbachstr. 80. Alle Zuschriften sind an den Boisitzendcn Paul Mücke jr., SO. Man- teuffelftr. ,19, Seldseiidungeit an den Kassirer H. Königs, s. Tieffenbachstr. 89, zu lenden. �»driler-Säiig-tbiiiid Berlins und Ningegend. Vorsitzender Ad. Neuinann, Tchwedenstr. ,8, v., Tr. ANe Aenderungeii iin Bereiiiskalender sind zurichten an griedrich Karin in. Manlenflelstr.<9. v. 2 Tr. Knud der grfriiiyeu Ardiiterverciiie Kerlin» und der Umgegend. Bor- sitzender P. Gent, ivresdenerstr. lor/ios. Ali« gufchriften, den Vereinstalender beiresfend, sind an H. Bendix, Alerandrinenstrabe loo, zu richten. Zirbeiier»zi>i»chrrl>«ud Krrliu» und der Hinigegexd. Aenderungeii ii» Bireinslaiender sind zu richten a» Hermann Braun schweig, Tresdener- straßc 80, 2. Hof, 4 Tr. Allgemeine Zirnnlien- und Kferbedass» der MetaUarbeiter. Filiale Berlin 2. Heute, abends Uhr, Mitglieder-B erfantmlung im MärNfchen Hof, Aduiiralstr. ISr. Arbeiter-Kilduxgoverein Kchönederg. Montag, abends 8 Uhr, bei Obst, GrunewaldsiraKe iio, Veisantinlung. Tagesordnung: Bortrag über soziale Zu- stände im alten Griechenland. «eleUiger Krrei» Leliotrez». Sitzung Montag im Bereinslolal Möwis, Böckhstr. 8._ MtersviMes. Gretllich, Hermann. Ueber die inaterialistische G e s ch i ch t s a u s f a s s u n g. 32 S. Preis 25 Pf. Berlin, Verlag der Bnchhaudlung Vorivarts. Der Verfasser giebt in dem ersten Theile seines Schristchens eine Ziisammensasiung der Maix-Engels- scheu Gefchichtkphilosophie, und wendet sich in-besondere gegen jede» Versuch, dieselbe etiva in einseilig dogmatischer Weise auszulegen. Wie wenig eine solche Anslegiing im Sinne der Urheber wäre, wird an sehr interessanten brieflichen Aeußerungen von Engels selbst nnsführlich gezeigt. Der zweite Theil der Schrift versucht durch Belettchlmig der Krenzzüge ejne nähere geschichtliche Jllnstration der allgemeinen Auffassung zu geben. Im Schlußwort iveist der Verfasser auf den Znknnsts- Ätusblick hin, den der historische Materialismus dem sozialistisch denkenden Proletariat eröffnet. Eiiigekanfeue Druckschriften. ,,!k»ii>'le Pra»I», ZeitinIIialt für Sozlalpolitil". enthält in ihrer neuesten Nummer 88 fatgenden leitenden Aufsatz: D te Rekrnttritng der höheren Schulen. van Oberlehrer Tr. E. Hnckert.— Sti.idtlat« von Unternehmern unb Arbeitern tn Franlretch.— Landwtrthschalttichi Getreide-Lageihäuscr in Preußen.— Bauernbund und Bauernsekretartat in der Schweiz.— AnslunfisfUlle der deutsch-fretstnuigen Partei in Nürnberg.— Frauenrecht. Ktiiik des Bürger- tich-n Gisitzbuchs.— B-tampsu, g iozialer Bestrebungen tn Teutschland. Tie Untersuchung über tas Regie-Amt deS Londcrer Grafschaft eraths. Bau Ed. Bernstein.— Schutzoorrtchkungen bei etettrtfchen Etiabenbahnen tu Ehtcago. Unfallftrafen an die Benteinbi-Bei waltung.— BatteriologischeS Unterfuchnngsamt der Stadt Dresden.— Lastenoerthetlmta für Stadt mtd Land. Zwangsweise Chausseeoer etnigung im Kreise Grünberg.— Die Mai- feier.— Schubinacher-Stretk in Osienboch.- Abstufung der gewerlschoftUchen Mtlgltedsbetträge in Belgien.— Gewerbe-Jnspeltto n in Würileinberg. Bon Dr. zur. M. Quarck.— Sitzgelegenheit für Berläuferi nnen in Ladengeichäften. Bestimmungen des neuen Handels-Sefetzbuche«.— Int ernaltonaler Kongreß für Arbitterschutz in Zürich.— Reform der Unfallentschä digung in England— Statistil der deutschen Kranlenverstcherung 1895.— Ergebnisse der Unsall-Ber» sicherung tn Oesterreich 1896. I,e äevenir soaial, Nevue international« ckeeanomt«, ä'stistoire»t lle pdtlosapbis.?arait tont les mois en UN fasc. de 80 Pages gr. in-S0. Abonnement annuel; France 18 fr.; Etranger SO fr. 16, nie Soufflot, Paris. Sontmaire No. 4(Avril) L« fonctlon econotnique de 1« Bourse, Contribution t la thiorle de U valeur, Paul Lafargue, les formes et les iransformat en«cklbg.[ 1 Oscar Busse, chemische Fabrik.| Hierdurch die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Bater, Schivager und Onkel, der Eisendreher Ott« Grimm, im Alter von 38 Jahren nach kurzen, aber schweren Leiden ant 13. d. Mtö. verschieden ist.— Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. d. Mts., um 4 Uhr von der Leichenhalle des neuen Jakoby- Kirchhofes in der Hermannstraße aus statt. 2084b Die trauernden Hinterbliebenen. Marie Grimm, geb. Graf, n. Sohn. Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß unser Vater, der Tischler Gastav Rcinhold am 12. d. Mts. verstorben ist.— Die Beerdigung findet Sonntag, den 16., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- halle der Zions-Gemeinde auS statt. Die trauernden Kinder. Verein der Maschinisten, Heizer nnd Bernfsgenossen Berlins und Umgegend. Todes-Attxeige. Am 14. d. M. verstarb unser Mitglied Lrnst Thomas. Die Beerdigung findet Sonntag, den 16. Mai, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhausc, Soraucrstr. 10, aus nach dem Emmaus-Kirchhof Britz, Hermann- straße, statt. 138/18 Um rege Betheiligung bittet Der Vorstand. I.A.: H.Holz. Kuchhandlung Uorwiirts, Keuthstr. 2. Soeben ist in unserem Berlage erschienen: �eütt die mateMWe GeWtsuvUW. Ein Vortrag von Hermann Greulich. Preis 85 Pf.— Porto 3 Pf. Diese Schrift zeichnet sich vor allem durch die Gemeinverstäiid- lichkeit der Darstellung aus. Der Bersasfer schildert kurz die der materialisttschen vorausgegangenen Geschichtsauffassmtgen, stellt auS den verschiedenen Schriften von Marx und EnaelS die genaue Forum- lirung der Marxfichen Theorie fest und weist deren Richtigkeit an der Geschichte der Krenzzüge und mehreren Vorgängen aus der Neuzeit praktisch nach. - 234/5 Femer empfehlen wir die soeben erschiene Schrift: Lonsiimverelne und Ardelterbewegung. Bon Karl Kautsky.— Preis 15 Pf. Porto 3 Pf. . Knubeil-Anzülie- reelleWaare, v. 2,75 M.; Burschen-! Anzüge t. allen Größen zu jedem mtr annehmbar. Preise. Herren- Hosen, reine Wolle, v. 3,50M. an, sowie einzelne Hosen. H.Stein, Kastanien-Ällce 54- Part. Todes-Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bananschläger Willielni Oemandt, am 14. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jo- hamtis-Kirchhofes aus statt. Um recht rege Betheiligung bittet 33/17 Der Vorstand. 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Schläfst. Manteuffclsn. NI. v. 4 Tr., Schmidt. 207Sb Frdl. Schläfst, z. verm. b. Leininger, Reinickendorferstr. 19, 2. C. Wiesenstr. �MöblTSchläfst. f. Herrn, fep.Eg., 7M. bei Grönkc, Fürstenstr. 15, Hos 3 Tr. ÄitMlick. Tüchtige Möbeipoiirer finden dauernde Beschäftigung mit Erstattung des Reisegeldes bei Paul Gronau, Bromberg;, Lindl nftraste. Tamenkrag- u. Mansch.-* Arbeiterinnen in n. auver dem Hause finden sofort dauernde u. sehr lohnende Beschäftigung.* Emil Riese, Leipzigerstr. 72 Tüchligcr Fraiser wird sos. Verl. Köpenick, Lindenftr. 6, Komptoir. 4Va1�er, VerHllberln n. Fai-bljcinacber finden Beschäftignng. B. Gross, Leipzig-Reudititz. Goldleistcn-Fabrisi_ Schuhm. a. Sohl. u. Abs. LietzmanNstr.3. Präger auf Karte» verlangt Wilhelm Böhme- Reichen- bergerstraße 158. 2067b Gesucht zum 1. Jmil nach Gassei ein für ZeitungsunterneHmen nnd Buch Handel. Offerten mit Angabe der Gchaltsansprüche erbittet bis zum 20. Mai 2055b Ludwig Dettmering Cassel Mauerstraße 18 IV. i«r Fräser"BIG sucht Knopsiabril Blumenstr. 24. Kurbelstcppen I2ÖS2Ä lehrt, beschäftigt Oruincnfir. 157, II. Plätterinnen uns Stehkragen und geschweifte Umlegekragen in u. außer dem Hause sucht M. Treppe, Luthringerstr. 16, Ouergcb. 4 Tr. Veraniwortlicher Redallenr: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnseraleniheii verantwortlich:?h. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. p.«z.«. 2. KilU des Jotnärte" fcdinet WklM SM-g. 16. pl 1897. Aus Snglund. (@iJt Bemammngsgefetz für englische Handelsschiffe veschloffen; der gflljter der Matrosenunwn sein Urheber.— Der Londoner Graffchastsrath norunrt eine» Mmimallohn für Konsektionsschneider.— Londoner Bestrhwahlen: Die ProgreMe» rücken vorwärts.— Aus einer progressiven Bestry.— Ausstand der Londoner Hufschmiede.-» Das Jubiläum der Königin und die Arbeiter.) London, den 13. Mai 1SS7. In der ReichStagZ-Sitzung vom 8. Mai bekämpfte der national- liberale Abgeordnete Jebsen den von sozialdemokratischer Seite ge- stellten Antrag, dem Gesetz über das Auswanderungsivesen einen Paragraphen einzufügen, der gehörige Bemannung der Aus- wandererschiffe vorschreibt, mit dem Bemerken, eine solche Bestimmung bestehe nicht einmal in England. Dem Buchstaben nach ist das richtig. Aber zum Unglück für Herrn Jebsen hat grade fünf Tage vorher— am 3. Mai— das englische Parlament ohne Widerspruch die zweite Lesung eines Gesetzentwurfes ge- nehmigt, der die Hafenbchörden des Bereinigten König- reichs ermächtigt beziehungsweise es ihnen zur Pflicht macht, jedes Handelsschiff im Hafen zurück- zuhalten, das nicht genügend bemannt ist. Das Zustandekommen dieses Gesetzes ist ein Erfolg des bekannten Führers des Matrosen- ec. Verbandes. John Havelock Wilson. Wilfon's politisches Verhalte» wird von hiesigen Sozialisten ost ab- fällig kritiflrt— er ist liberaler Arbeiter-Abgeordneter— aber daß er ein unermüdlicher, unerschrockener Kämpfer für die Interessen seiner Seelente ist, kann niemand bestreiten. Er ist Virtuose in der Knust Ides„LdbtyiriLi", des Bearbeitens der Abgeordneten in den Vnrhallen(„iLobdies") des Parlaments, und der Pression auf die jeweiligen Regierungen, denn wo Arbeiterinteresse» in belracht kommen, ist er so unabhängig wie nur irgend ein sozialistischer Pariciman». Auf sein Drängen bewilligte im Jahre 1894 der damalige liberale Handelsminister Mundella die Einsetzung einer Koinmisston, welche die Frage der Kontrolle der Handelsschiffe hin- sichtlich ihrer Bemannung untersuchen sollte, und vor diese, in jihrer Medrheit aus Sachverständigen zusammengesetzte Kommission brachte Wilson seine Zeuge» und seine Beiveisfälle und hatte die Genugthnung, daß sie sich schließlich mit großer Mehrheit dafür erklärte, daß eine nach Zahl und Leistungsfähigkeit genügende Bemannung ebenso zur Bedingung der Ausfahrtserlaubniß gemacht werden solle wie die genügende technische Ansrüstung und die Einhaltung der Ladevorschriften. Die Kommission, der eine Reihe von Rheder» angehörten, erklärte es in ihrem Bericht für möglich und wünschens werth, ein abgestuftes Schema für das Bemannungs-Minimum der Schiffe aufzustellen. Als der Bericht fertig war, war mittlerweile das liberale Ministerium gefallen, und der neue Handelsminister, Mr. Ritchie, zeigte anfangs Neigung, der Agitation »achzugeben, die von der Masse der Rheder gegen die Empfehlungen der Kommission ins Werk gesetzt wurde. Noch im Januar dieses Jahres erklärte er es für unthunlich,«ine solche Bill ein- zubringen. Aber er hatte seine Rechnung ohne Wilson gemacht. Wieder ließ derselbe alle seine Minen springen und fetzte dem Minister bei der Etatsberathung so kräftig zu, daß derselbe sich schließlich zu einem Kompromiß bereit erklärte. Der Kompromiß besteht darin, daß das von Herrn Ritchie vorgeschlagene Gesetz von der Ausstellung eines bestimmten Bemannungsschemas absieht und die Beurtheilung, ob im bestimmte» Falle die Bemannung genügend sei, den betreffenden Regierungsvertretern überläßt. Das ist nicht unbedenklich, aber das Prinzip ist wenigstens rückhaltlos anerkannt, so daß, wenn die den Becunten gegebene Vollmacht nicht in zufrieden- stellender Weise ausgeübt wird, es später verhältnißmäßig leicht sein wird, das dem Gesetz noch Fehlende nachzutragen. Da im gegenwärtigen Moment nicht mehr zu erreichen war, hat sich Wilson bereit erklärt, das Rilchie'sche Gesetz anzunehmen und so ist am 3. Mai die zweite Lesung ohne Opposition durchgegangen. Einer von den Rhedern zwischen der ersten und zweiten Lesung entfalteten Agitation, die gegen jede Benachtheiligung englischer zu gunstin auswärtiger Handelsschiffe protestirte, hat der Minister dadurch Rechnung getragen, daß er daS Gesetz für alle Handels- schiffe bindend erklärt hat, die in englischen Häfen Ladung auf- nehme.!. Eine durchaus zu billigende Bestimmung, die hoffentlich zu e'nem internationale» Bcmannungsgesetz führt.— Eine erfreuliche Nachricht ist ferner, daß es dem Londoner Grafschaftsrath endlich gelungen ist, das sehr verwickelte Problem der Aufstellung einer Lohnlifte für die zu vergebenden Schueiderarbeiten erfolgreich zu lösen. Bei der mangelhaften Or- aanisation der Konfektionsarbeiter im East-End, um die es fich da handelt, sind Vorschriften wie„Zahlung von Gewerkschasts- löbnen" ec. meist leere Worte, aber auch selbst die Durch- führung fester Tarife war bisher nicht möglich gewesen. Jetzt endlich ist es dem betreffenden Komitee des Grasschaftsraths gelungen, einen Tarif auszuarbeiten, den die maßgebenden Meister als durchführbar und die Vertreter der Arbeiter als gerecht(tair) anerkannt haben. Die Kampfhähne der Gemäßigten wollen auch diesen Tarif verwerfen, da aber die Neuwahlen heranrücken, fiel ihre Opposition kläglich ins Wasser. Mit 8S gegen 22 Stimmen ist der Minimaltarif vorigen Dienstag in der Vollsitzung des Raths angenommen worden. John Burns, der sich mit großer Energie für die Sache ins Zeug gelegt hatte, soll nach dem„Star" in der Sitzung ausgerufen haben:„Größer als prinzliche Prozessionen und königliche Ehren ist diese Botschaft eines Minimallohnes an Juden und Heiden." Die Begeisterung ist erklärlich, denn so winzig der Schritt erscheint, so hat er doch seinen großen Werth. In den verschiedenen Londoner Kirchspielgemeinden finden im Laufe dieses Monats Neuwahlen für die Gemeindevertretung statt. Im allgemeinen stehen sich auch hier Progressisten und Ge- mäßigte gegenüber, doch haben in einigen Gemeinden auch die Sozialdemokraten(Sozialdemokratische Föderation und Ind. Labour Party) Kandidaten aufgestellt. Soweit die Wahlen bis jetzt erfolgt, läßt sich eine Verstärkung des gegnerischen Elements konstatiren. Sehr heftig ist der Kampf u. a. in Battersea, wo die Progressisten zur Zeit eine große Mehrheit in der Bestry haben. Eine der Maß- regeln der von ihnen dort befolgten Wirthschaftspolitik besteht darin, daß die Vestry keinen Straßenfeger anstellt, der nicht das vierzigste Lebensjahr überschritten hat. Maßgebend dafür ist die Erfahrung. daß ältere Leute sehr viel schwerer Arbeit finden als jüngere, die letzleren den Kampf ums Dasein leichter führen können als die erstere». Sehr verführerisch ist die Beschäftigung ja nicht, aber doch für manchen heute ein leidlicher Nothbehelf. Seit einigen Tagen streiken, wie im„Vorwärts" bereits mitgelheilt, in den Londoner Fuhrwerksanstalten die Huf- schmiede. Dieselben besitzen gegenwärtig eine starke Orga- uisation, und ihre Löhne sind nicht gerade als niedrig zu be- zeichnen. Aber sie halten die Zeit für eine Aufbesserung für ge- kommen und verlangen für acht Stunden Arbeit pro Tag einen Minimaillohn von 7 Schillinge K Pence für Arbeit am Feuer und 7 Schillinge für das Beschlagen, mit erhöhtem Tarif für alle Ueber- zeitarbeit. Da die Arbeit meist im Stück bezahlt ivird, kommt das Wocheneinkommen in der Regel höher heraus, als es diese Zahlen zeigen. Aber es ist Arbeit, die viel Kraft und Hebung erfordert. und— die Konjunktur ist günstig. Eine ganze Reihe Firmen hat sich genölhigt gesehen, die Forderung der Arbeiter zu bewilligen. Namentlich die großen Waarenhäuser, die ihre Waaren den Kunden täglich bis weit in die Vororte per Wagen ins Haus schicken, können es auf einen längereu Streik nicht ankommen lassen. Auch eine Omnibusgesellschaft hat schon nachgegeben, während andereGcsellschafte» Theilbewilligungen angeboten haben.diejedoch von denSlreikende» zurück- gewiesen wurden. Die Feier des„Diamantjubiläilms" der Königin bringt ganz London in Aufruhr und Veranstaltungen aller Art werden zu seiner Verherrlichung getroffen, an denen so viele Leute betheiligt sind, und von denen so viele Leute wenigstens unmittelbar Vortheil ziehen, daß jede Protestbewegung zum hoffnnngs- losen Fiasko verurtheilt wäre. Es hieße sich aber selbst täuschen, wollte man annehmen, daß irgend ein nenuenswerther Bruchtheil der Arbeiter ernsthaft gegen die Feier wäre. Dazu ist erstens die Königin zu sehr— ich will nicht sagen beliebt, aber doch geachtet, und zweitens ist selbst gar mancher klassenbewußte Proletarier nicht über das„nach uns die Sündfluth" erhaben. Und das ist am Ende menschlich._ Soziake MerhkspPtvlge. Wann ist daS Zuspätkommen ein EntlassnngSgrund? Der Fahrradfabrikant S i e b e r t engagirte im vorigen Jahre den Mechaniker Frederik King aus Birmingham(England) als Gestell- bauer auf zwei Jahre. Im September 1898 sollte der Vertrag ab- laufen; King wurde aber bereits vor einigen Wochen entlassen. Er klagte nun beim Gewerbegericht auf Erfüllung des Vertrages und machte vorläufig eine Enlschädigungsforderung von 120 M. geltend. Der Beklagte wandte ein, der Kläger habe sich das Reckt auf Jnnehaltung des Vertrages' dadurch verscherzt, daß er wiederholt zu spät gekommen sei und trotz eindringlicher Verwarnung von dieser Gewohnheit nicht gelassen habe. Der Kläger, welcher der deutschen Sprache nicht mächtig ist, ließ sich durch Herrn Weigert vertreten. Dieser betonte besonders, es sei noch kein Ent- lassungsgrund, wenn jemand mehrmals 10 oder IS Minuten zu spät zur Arbeit komme. Die größten Firmen der Berliner Metallindustrie entließen deswegen nicht gleich ihre Arbeiter. sondern bestrasten das Zuspätkommen nur mit dem Verlust eines Theils des Tagelohnes. Auch liege hier kein unbefugtes Verlassen der Arbeit vor, das nach der Gewerbe-Ordnung ei» Ent- lassungsgrund sei. Die Beiveisaufnahme ergab, daß King mit der Maßgabe verwarnt ivorden ist, im Wiederholungsfälle entlassen zu werde».— Die Kammer V des Gewerbegerichts unter dem Vorsitz des Assessors Hellwig wies den Kläger mit folgender Begründung ab: Wenn ein Arbeiter 10 oder IS Minuten zu spät komme, dann sei das allerdings noch kein Enllassungsgrund. Anders liege jedoch die Sache hier, wo King trotz wiederholter Verwarnung und trotz derDrohung ent- lassen zu werden, doch wieder zu spät gekomme» sei. Eine vielleicht ganz unerhebliche Verspätung gewinne unter diesen Umständen eine sehr große Bedeutung und berechtige dann zur Entlassung. Und zwar sei Z 123 Nr. 3 der Gewerbe-Ordnung maßgebend, der be- stimme, daß ohne Jnnehaltung der vertragsmäßigen Zeit entlaffe» werden könne, wer sich beharrlich weigere, den ihn nach dem Arbeitsvertrage obliegenden Verpflichtungen nachzukommen. Es komme hierbei die Vertrags d a u e r gar nicht in betracht. UnbefttgteS Verlassen der Arbeit. Der Kellner G. hatte in seiner Stellung bei dem Restaurateur Winter ost bis in den frühen Morgen hinein zu thuu. Er glaubte deshalb, sich auch einmal einen Ruhetag können zu können, und schickte eines Tages für fich eine» Stellvertreter. Der Chef nahm diesen jedoch nicht an und entließ G., weil er unbefugt fortgeblieben sei. G. klagte darauf beim Gewerbegerich t mit dem Antrage, Winter zu einer Lohnentschädigung zu verurtheile». Zur Begründung seines Anspruches berief er sich auf die lange Arbeitszeit, die manchmal 18 Stunde» betragen habe. Es sei am kritischen Tage zu abgespannt gewesen,»m arbeiten zu können. Die Kammer VI des Gewerbegerichts wies indessen den Kläger ab. Es stände fest, daß G. ohne Erlaubniß fortgeblieben sei; hierin liege aber ein unbefugtes Verlaffen der Arbeit, und das berechtige zur sofortigen Entlassung. Daran ändere es nichts, daß Kläger einen Vertreter sandte._ Ger irlzks � Teilung. Die befrenudeten Ehepaare. In bürgerliche» Blättern findet sich der folgende erbauliche Gerichtsbericht über eine Ehescheiduugs- Angelegenheit aus„feineren" Kreise»: Zwei in der Provinz lebende innig miteinander. befreundete Ehepaare machten im vorigen Jahre einen kurzen Ausflug nach Berlin, wo man sich vortrefflich amiisirte und die Zeit zur Rückfahrt in einem feinen Weinrestaurant abzu- warten beschloß. Die beiden Pärchen pokulirten lusiig daraus los, und in dieser gehobenen Stimmung versäumten sie denn auch richtig die Zeit zur Rückfahrt mit dem letzten Abendzuge. Es blieb nichts übrig, als ein Hotel für die Nacht aufzusuchen, und da dies keine Schwierigkeiten bieten konnte, so opferte man noch einige weitere Stunden dem Wein und der zärtlichen Freundschaft, ivelche aus der weinseligen Basis sich schließlich sogar bis zu dem einstimmig angenommenen Beschlüsse exaltirte, daß für den Rest der Nacht ein Tausch der refp. Männer und Frauen mit allen Rechten und Pflichte» staltfinden sollte. Demzufolge bezogen die ver- tauschten Paare denn auch im Hotel ihre gesondert liegenden Stube». In der einen herrschte nur Plato, Frau T. und Herr G. unterhielten sich vortrefflich bei witzigem Gespräch über das improvisirte Ver- hältnih, welches sie lediglich als Scherz auffaßten, und begaben sich lachend nach den, Gemach der anderen„Neuvermählten", um ihnen zu gratuliren. Mag dort der Riegel nicht genügend vorgeschoben gewesen sein oder die Thür dem vereinten Drängen zu schnell»ach- gegeben haben, genug, Herr X. und Frau A. wurden durchaus „überrascht". Frau X. nahm daraus Veranlassung, die Scheidungs- klage einzuleiten, da Ehebruch vorliege. Herr X. machte demgegenüber den Einwand:„Du hast ihn ja erlaubt, und ich habe nur in den Grenzen der mir gegebenen Vollmacht gehandelt." Er drang damit auch wirklich bei dem Landgericht durch und letzteres wies die Klage der Frau X. ab, womit die Sache aber noch nicht endgiltig erledigt sein dürfte. Bei Herrn und Frau D. war die Scheidung unter gegenseitiger Einwilligung bald erfolgt. Eine„seine" Gesellschaft!_ Vevssmtttluttgrn. Eine öffentliche Versammlung der Kupferschmiede tagte am Sonnabend, 8. Mai, im Herbergs-Lokal Weiustr. 11. Vor Eintritt in die Tagesordnung entspann sich eine lebhaste Debatte über die Annonce vom 6. Mai im„Vorwärts, in welcher bekannt gemacht wird, daß es zum Schluß der Versammlung wegen guten Kaffeubestandes 2 Tonnen Freibier giebt. Alle Redner verurtheilten scharf die Handlungsweise des Vertrauensmannes und wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die heutige öffentliche Ver- sammlnng der Kupferschmiede Berlins protestirt gegen das Verhallen des Kollegen Tausendschön, bezüglich der Annonce vom 6. Mai im „Vorivärls" und erklärt, wenn der Dispositionsfonds einen guten Kasscnbestaud aufweist, derselbe nicht zu Freibier,- sondern ivie bisher zur Unterstützung streikender Kollegen und anderer Gewerkschaften verwandt wird." Hierauf erstattete Kollege Kropp Bericht über den Stand des Dispostlionsfonds. Derselbe weist einen Bestand auf von 18V3,S1 M. An die Hamburger streikenden Hafenarbeiter wurden im ganzen 875 M. geschickt. Nachdem die Revisoren erklärt, Bücher und Kasse in bester Ordnung gefunden zu haben, wurde der Kassirer einstimmig entlastet. Dann gab der Vertrauensmann eine kurze Ueberficht über feine Thätigkeit im verflossenen Jahre. Abgehalten wurden 4 öffentliche Versammlungen und 8 Werkstatt- Vertrauens- mäuner-Sitzungen. Lohnstreitigkeiten kamen nur in einem Falle vor, wo bei der Firma Martin u. Piltzing Ueberstnnden ohne den üblichen Zuschlag gemacht werden sollten, jedoch bewilligte die Firma die 25 pCt., da die Kollegen fich einmüthig weigerten, Ueber- stunden zu machen. Redner führte noch an, daß die Belheiligung der Kollegen an der letzten Maifeier leider eine sehr schwache war. Hierauf erstattete der Delegirte zur Berliner GewerkschaflSkommissiou Bericht, und wurde im Anschluß hieran beschlossen, für die Unkosten des Gewerkschaftsbureans 40 M. pro Jahr(bisher 30 M.) zu bezahlen. Nachdem der Gewerbegerichts-Beisitzer den Anwesenden einige Anweisungen gegeben, wie sie sich bei eventuellen Klagen zu verhalten haben, wurde zu den Nemvahlen geschritten. Ein Antrag, die Posten des Vertrauensmannes und Gewerkschastsdelegirten in einer PersoiV zu vereinigen, wurde angenommen. Gewählt wurde E. Aisseu; als Stellvertreter H. Zanzow. Zum Verwalter deS Dispositionsfonds wurde Kollege H. K r o p p wiedergewählt. Hierauf legte Genoffe Rüther in kurzen Ausführungen dar, wie noth- wendig ein Znsammenschluß sämmtlicher Metallarbeiter ist und daß für Berlin ein Zusammengehen der Metallarbeiter aller Branchen insoweit gesichert ist, daß ein gemeinsamer öffentlicher Fonds für die Berliner Metallarbeiter gegründet werde, gleichviel, ob die eine oder andere Branche sich davon ausschließen wird. Die Mehrheit der Organisationen haben sich für diese Gründung ausgesprochen und sind die diesbezüglichen Verhandlungen durch den Uebertritt des „Berliner Metallarbeiter- Verbandes" in den deutschen Verband ein gut Stück gefördert worden. Es wurden die Kollegen W. Kühn« und Korboivicz gewählt, an den noch stattzufindenden Ber- Handlungen theilznnehmen. Nach Erledigung einiger interner An« gelegeuheiten erfolgte Schluß der Versammlung. Die hiefige Mitgliedschaft des ZentraldereinS der Bureau- angestelltcn hielt am 6. d. M. ihre regelmäßige Mitglieder- Versammlung ab. Kollege Danziger gab die Abrechnung vom Stiftungsfest, das bei einer Einnahme von 144,SS M. und bei einer Ausgabe von 135,38 M. einen Ueberschuß von 9,17 M. ergeben hat. Nachdem noch kurz der Beschluß betreffs Zahlung von 25 pCt. von, Arbeitslohn seitens der am I. Mai thätig gewesenen Kollegen und die am 13. d. M. stattfindende öffentliche Bureau-Angestellten- Versammlung in Erinnerung gebracht worden war, erfolgte Schluß der Sitzung. Der Verband deutscher Zimmerlcnte, Zahlstelle Berlin, hielt am 9. Mai eine Versammlung in den Arminhallen ab. Zu Ehren des verstorbenen Kameraden P ö s ch m a n n erhob sich die Versammlung von ihren Plätzen. Rückert erstattete als, dann Bericht von der Halberstädler Generalversammlung. In der? Diskussion, an der sich mehrere Redner betheiligten, gab S t e h r vom Ausschuß bekannt, daß die Kassenverhältnisse nach Maßgabe der Bücher in bester Ordnung vorgefunden worden sind. Zum Schluß erklärten sich die Anwesenden durch Annahme einer Re- solulion mit den Beschlüssen der Generalversammlung einverstanden. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Bezirks- und B r a n ch e n- V e r s a m m l u n g e n vom 10. Mai. In der Versammlung für die Rosenthaler Vorstadt hielt Genosse Dr. W e y l einen Vortrag über„Berufskrankheiten"— Getadelt wird die Nach- lässigkcit verschiedener Werkstätlen-Vertrauensleute. Mitgelheilt wird, daß bei R o g g e r s, Ruppinerstraße, Lohnabzüge gemacht worden seien, nachdem zuvor ein Wechsel des Personals vorgenommen worden war.— Die Versammlung für den Westen und Süd- weste n tagte bei Z u b e i l. Sie war nur sehr schwach besucht und da auch der Referent nicht erschienen war, wurden nur einige Werkstatt- Angelegenheiten zur Sprache gebracht.— In der Branchen- Versammlung derParquetbodenleger hielt Kollege M a a ß einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Vor- theile und Pflichten der gewerkschaftlich organisirten Kollegen. Unter Verschiedenem wurde das Verhalten einzelner Unternehmer einer scharfen Kritik unterzogen. Beispielsweise wurden die immerwährenden Versuche der Firma K a m p m e y e r, den im vorigen Jahre aus- gearbeiteten Lohntarif zu durchbrechen, scharf gegeißelt. Weiter noch wurden die Praktiken der Firma A. Mittag allgemein verurtheilt; während der Chef Herr A. Mittag im vorigen Jahre nach Beendigung des Streiks sein Wort gegeben habe, den Tarif zu bezahle», seien schon nach allerkürzester Zeit Lohnreduzirungen an der Tagesordnug gewesen. Jedoch müsse ein Theil der Schuld auch den Kollegen beigemessen werden. Ein Antrag, bei der mächtig sich entwickelnden günstigen Konjunktur die Grundtaxe auf I M. festzusetzen, wurde der Komniission überwiesen.— Der Bezirk Süd-Osten tagte bei Rautenberg. Genosse Peus hielt einen Vortrag über die Gleichberechtigung der Menschen.— In die Werkstätten-Kommission wurden die Kollegen M i n s ch k e und ff a u f m a n n gewählt. Alle Angelegenheiten, die für die Werkstatt-Kontrollkomnrission bestimmt sind, sollen an Kollegen Lantzop, Liegnitzerstr. 26, vorn 2 Tr., gemeldet werden.— In der Bezirksversannnlung in Friedrichsberg hielt Kolleg« E n g m a n n einen Vortrag über Ziveck und Nutzen der Gewerk- schastsbewegung. In der Diskussion wurde die große Interesse- losigkeit der Kollegen am Ort getadelt, die sich erst in so geringer Anzahl dem Verbände angeschlossen haben. Der Verein Deutscher Schuhmacher(Filiale Berlin II) wählte in seiner letzten Versammlung den Kollegen Rackow als ständiges Mitglied des Vergnügungskomitees. Vorher hatte Genosse S t r a in m einen Vortrag gehalten. Der Fachvem» der Bäcker nahm in seiner Versammluuz vom 1l. d. M. die Berichte der Gesellenausschiisse der Innung „Germania" und„Konkordia" entgegen. Durch Annahme einer Resolution erklärte sich die Versammlung mit der Thätigkeit der Ausschüsse einverstanden und verspricht, die Ausschußmitglieder zu unterstützen. Besuchszeit verschiedener Museen und sonstiger SehenSwiirdigkeiten. Alte« und Neues Museum am Lustgarten. Besuchszeit täglich, mit Ausnahme des Montags in den o Wintermonaten von lo— s Uhr, in den » Sommermonaten von»— s Uhr; Sonntags im1 April— September 12 bis « Uhr, Oktober und März 12—6 Uhr, November und Februar>2—» Uhr, Dezember und Januar 12—3 Uhr(Unentgeltltch).— Die National- galle rte in der Muleumsstrahe. Besuchszeit Wochentags von 10— 3 Uhr (Montags ausgenommen). Sonntags tm April— September von 12 bis 6 Uhr, tm März und Oktober l2— 5 Uhr, Februar und Slovemder 12-4 Uhr. Januar und Dezember 12— 3 Uhr stlnentgeUltcki).-- itunstgewcrbe- Museum, Prinz Aibrechtstr. 7. Geöffnet an den Wochentagen(Montag» ausgenommen) tm Sonlmer von 3—3 Uhr, im Winter von 10— 3 Uhr, S 0» n I agS, April— September von 12— s Uhr, Oktober und März 12—6 Uhr November und Februar 12—4 Uhr, Dezember und Januar 12—3 Uhr(Unent- geltlich).— Museum für Völkerlunde, Königgräherstr.>20. Besuch«- zeit wie im Kunstgewerbe-Museum(Unenigeltltch).— H y g> e n e- M u s e u m, Kloslerstr. 36. Besuchszeit Sonntags wie tm Kunstgeiverbe-Museum. Auher- dem Dienstags und Freitags von Iv— 2 Uhr(Unentgeltlich).— Museum für Naturkunde, Jnvalidenstr. 42, Besuchszeit Sonntags wie tm Kunst- pewerbe-Museum. Außerdem Montags und Sonnabends vo» u— 3 Uhr.— Museum für deutsche Boirsirachren und Erzeugnisse des Ha»Sg ewerbes, Kloslerstr. 3«. Jeden Tag mit Ausnahm- des Mittwoch» vo» lt— 2 Uhr geöffnet. Etntrtllsgcid: Erwachsene 60 Pf., Kinder 26 Ps Vereine Svnniags 10 Pf.— R c! ch S p 0 st- M u s e u m, Leipzsgerstr. 16. Ge- öffnet Sonntags l2— 2 Uhr. Montags, Dienstags, Donnerstags, Freitags von lt— 2 Uhr(Unentgeltlich).- RalhhauS, Königflraße. Geöffnet»äalich außer Donnerstag und Freitag von lt— 3 Uhr.(Unenlgeliiich). Au«- s t ch t s t h u r m(Eintrittspreis 20 Pf.).— Kunstausstellung des Vereins Berliner Künstler, Wilhelinstr. 82. Sonntags U— 2 Uhr Wochentags Iv bis 4 Uhr. 60 Psennig Eniree.— Sternwarte Ernte- plah 8a. Mittwochs und Sonnabends von» bis Ii Uhr Bormttlags— U r a>> t a, Wissenschaftliches Theatsr. Sternwarte. Jnvaltdsnstraße S7--6» und Saubenfir. 48/48. Geöffnet von 6 Uhr Nachmittags bis i« Uhr Abends. Sntree 6V Pf. Zuschlag für Theater von 60 Ps. bis 6 M.— Aquarium- Schadowstr.>4. Geöffnet von 8-0 Uhr. Enlree Sonntags 60 Ps., an jedem leeicn Sonnlag im Monat 26 Ps.— Castan's Panopttlum, Friedrich- straße. Geöffnet 10—10 Uhr. SimritiSpreis 60 Pf.— Passage- Pa novltlum 10-10 Uhr. Eintrittspreis 50 Pf.— Martne-Panorama Am Lehrter Bahnhos. Sonntags von 8— 9 Uhr. Enlree 60 Pf.— Ka t ser- Pan 0 ra m a Passage(Unier den Linden). Geöffnet von- Uhr Morgens bis 10 Uhr Abend» 300 verschiedene Reisen, Landschaftsbilder. Jede Reise 20 Pf.—»volo gtscher Garte», Lühowuser. Sonntags 00 Ps.— Borsia's Garten mti Palmenbaus, AU-Moabil 85/s«. Eintriuspreis so Ps— O essen t- ltche Lesehalle der Deutschen Gcsellschast sür Ethische Kultur. Neue Schönhauserstr. l3. Unentgeltitch geöffnet am Werttag abend« von 0 bis 10 Uhr, sonnrag 8�—1 vorm., 6— lo abends.— Städtische Lese- Halle, Mohrenstr. 41, geöffnet Wochentags abends von 0— g Uhr und Sonn- tags von ti bis 2 Uhr. Achtung! Achtung I v MaldeWkraMer Wahlvereiu des 1. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Mitglieder-Bersammlung «m Montag, den 17. Mai 18S7. abends 8V- Uhr. im Lokale drS Herrn Jüdenftrafte 3K. TageS-Ordnung: I. Vortrag deö Genossen.Arrgnnt TÄteroxr über: Tie Ber- faffungs- Verhältnisse in den modernen Staaten. 2.®iäfuffion. 8. Verschiedenes. m Genoffen werden dringend ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Neue Mitglieder werden aufgenommen, Der Borstand. Die Herren Restaurateure, welche Vereiustafeln zum Bekanntgeben der Versammlungen in ihrem Besitz haben, werden gebeten, ihre Adressen sofort an den Vorsitzenden Genossen Hvinrlcl» Jahna, Holzmarkt- strafte 13(3Imt VII 1656) einzusenden. Die Zahlstellen bcsinden sich bei Ilvi-achel(früher Linke), Jliden- strasje 36; Prcnaa, Neue Friedrichstr. 20; Ptitaehlrv, Französischestr. 6; »ominvi-, Grllnstr. 23, Dort werden auch neue Mitglieder aufgenommen. 2. MuHlKrets. Sozialdemokratischer Wahlverein. Dienstag, den 18. Mai. abends 8l/2 Uhr. im Lokale deS Herrn P.»1 vir vi, Hasenhaide Nr. 52—53: Oeffcntliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Vi». lititirenaii über: Politische TageSfragen. 2. Diskussion. 238/12 Zahlreichen Besuch erwartet llvr Toratand. „ Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Am Tonnerstag. den 26. Mai 18»7. abends 8'/- Uhr. In Schmiedel' 8 Fcatsälen, Alte JakohstraHHO Xo. 82: Große Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deö Reickistags-Abgeordneten Genossen Togtherr über den Programnipunkt:„Religion ist Privatsache". 2. Diskussion. 3. Vereins- augelegenhetten.— Gäste haben freien Zutritt. 210/17_ Ter Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein im 4. Kerl. Reichstags-Wahlkreis(Süd-Gst). MM"* VersaiiiiiilBiii� am Dienstag, den 18. Mai. abends 8'/, Uhr. im Lokale des Herrn Brildei*, Waldemarftr. 75. Tages-Ordnung: 243/1 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. ______ Her"Vorwtand. Sozialdemokrat. Verein„Vorwärts" Berlin. Dieustag, IS. Mai, abends SV- Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerftraße: AußnordeMchc General-Unsammluiig. Tages-Ordnung: I. Wie strsten sich die Mitglieder zur Auflösung des Vereins »VortvärtS"? 2. Anträge. 3. Verschiedenes. Arbeiter-Sängerlrand Berlins n. Umg. IV Achtung! ISf Montag, den 17. Mai, abend» prdzlse 8 Uhr, im„Bngllschen Garten", Alexander• Strasse 27 c: Aiissclmss-Sitzitng. 16/18 Siehe Annonce Sonntag, den 9. Mai. Der Vorstand. Limä der geselligen Arbeitervereine. BundesRersammlnng*;<***<' am Sonntag, den 16. Mai, bei Babeil, Linden st raße 106. Enttee 10 Pf. pro Person."VS Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Naturheilkundigcn Herrn Grundmann über:„Ein Blick in das Innere des Menschen" mit Demonstrationen an einer lebens- groben, auseinandernehmbaren Figur. 2. Aufnahme neuer Bereine. 3. Ver- schiedenes-c. 43/2 NB. Bis zur Beendigung des Vortrages darf im Saale nicht geraucht werde».— Anfang: Kaffeekochen 3 Uhr. Versammlung 6 Uhr. Um recht zahlreiches Erscheinen der Vereine und ihrer Angehörigen-c. ersucht. I. A: Paul Gent, Drcsdenerstr. 107/8. Dktitsclt. Metallarbeiter-Verband (Verwaltnng Berlin). Bezirks-Bersammlnngen um Dienstug, den 18. Mai 1SS7, abends 8 Uhp: Für Osten bei«eller, Koppenstr. 2S(Tunnel). Tagesordnung: 1. Vorttag des Kollegen R o h r l a ck über:„Ost- asiatische Kultur." 2. Diskussion. 3. Der bevorstehende Anschluß deS Lokal- Verbandes.— Diskussion. Für Moabit bei riaeher, Benfselstr. 9. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen A. Hoffmann über: „Modernes Raubrittetthum." 2. Diskussion. 3. Der bevorstehende Anschluß des Lokalverbandes.— Diskussion.— Verschiedenes. Gäste willkommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet 121/20 Tie Ortsverwaltung. Die Versammlungen für Ocsnndbrnnnen und Bosen thaler Vorstadt und für Zentrnui und Süden fallen wegen der an diesem Tage, den 19. Mai. stattfindenden Bertranens- männer-Versammlung aus. Montag, den 84. Mai 1897, abends S'/j Uhr, im Feenpalast: Außerordentliche GenerulVersammlung. Näheres später. D. O. Arhkuns! Adgtunjg! Marmor- und Oranltarbeiter. Dienstag. 18. Mai, abends 8 Uhr, Englischer Garten, Alexanderstr. 27«: M Große öffentliche Versnmmlung. � Tagesordnung: I. Vierteljahrsabrechnung. 2. Regelung der Reiseunter- stützung. 3. Verschiedenes. 2083b Es ist Pflicht emes jeden Marmorarbeiters, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vertrauensmann. Zahlreiches scheinen erwartet Nur Mitgliedsbuch legttnnirt. Der Vorstand. 275/3 Mtung! Putzer. Achtung! Montag. den 17. Mai er., abends pünktlich 6 Uhr, bei Beller, Koppe nstrafte Nr. 89: GroHe öffentl. Versammlung der Putzer Berlins und Umgegend. Tagesordnung: Die Einführung des AchtstmidentageS und wie pellen stch die Putzer Berlins und Umgegend dazu?_ 280/12 icbtungl Ordentliche Achtung! GeneraSvensammSung des Vereiilö z. Wahrvilg berznttreisenh. Zinkgicher v.Ttürztt Berlins und Umgegend am Dienstag, den 18. Mai 1897. abends 87, Uhr, im Lokale des Herrn Sehomaeher, Pücklerftrafte Nr. 49. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 3. Neuwahl des Vorstandes. 3. Gewerkschaftliches. 4. Verschiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht 260/3 Her Vorstand. Allgemeiner Ardeiter- und Ardeiterinnen-Verein Berlins nnd Umgegend. Montag, dm 17. Mai, abends 8Va Uhr, im Englischen Garten, A l ex and erst r. 27o-. 18/10 ff Mitglieder Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Br. Wollhelm über: Naturerkenntniß und Weltfortschritt 2. Diskussion. 3. Bereinssachen. Kollegen u n d Kolleginnen! Da in der letzten Zeit eine große Versammlnngsmüdigkeit der Mitglieder in Berlin eingerissen ist, so wäre es endlich Zeit, unsere Mttglieder-Vcrsammlungen besser zu besuchen alö bisher. Es erscheinen daher sämmtltche Mitglieder am Montag. Her Vorstand. veutseber Holzarbeiter-Verband (Zahlstelle Berliu). Montag, den 17. Mai, abends 8 Uhr, im grossen Saale der Armiiihailen, Koiiiniandanteiistr. ÄO; I�T" Versammlung her MustkittPtvumenten �Apeveikev. Tages-Ordnung: 1. Vorttag deS Kollege» W. Brinkmann über:„Allerlei Mißstände und deren Beseitigung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zuttttt. Mitglieder werden in der Versammlung auf- genommen und ebenfalls Beitrage in Empfang genommen._ 103/15 Achtung!-MEi Achtung! Verdood der i» NoftbclirbkiwllD-kabrUlt» «.auf Dolsplätze« deich. Arbeiter Se«tschsi»ds (Filiale Berlin IT.) Am Dienstag, den 18. Mai. abends 8'/- Uhr. Bergstrafte 18: mr Verbands- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vorttag des Herrn Wagner. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes.- Um zahlreiches Erscheinen bittet 83/13 _ Der Borstand. Bildungsverein„Mehr Licht" (früher Ethische Gesellschaft). Sonntaq. de» 16. Mai. abends 7 Uhr. Alexanderstrafte Nr. 87e t Wss" V r v fa ur nr l u n r,. Vortrag deS Genossen Adolf Hoffmann über Hemrich Heine. DiSknsstoii. Darauf: Geselliges Beisammensein mit Tanz. 56/16 Gäste stets willkomnien.®er Vorstand. Heate, Tonntag, de» 16. Mai, abends 6 Uhr, im„Englischen Garten� Alexanderstr. 37 e: Große Sektwns-Nersammlung her RöSknUer, MöbeltrilWsrt- il. Tßebitions-Arbeittr. Tages-Ordnung: 1. Vorttag des Genossen W'aldeek M anasse über: Krieg und Frieden. 2. Diskussion. 3. Berufsangelegenheiten. Alle Kollegen sind willlommen. Stach der Versammlung: Geselliges Beisammensein, arrangirt vom Zentralverband. 67/0_ Die SektjoHsleltnng. AltlUNg! Korbmacher. Achtung! Mitglieder-Versammlung Montag, de« 17. Mai. abends 8 Uhr, Oranienstrafte 51. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen M a s s a s ch über Klassenkampf. 2. Diskusston. 3. VerSssentlichnug des neuen Lohntanfs der Grünbranche. 4. Verschiedenes Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 98/10_ Der Vorstand. Schuhmacher. Montag, 17 Mai, abends» Uhr, Beuthftr. ÜZOjSI; M Große öffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1, Die Ausdehnung der»rankenverstcherung aus die Ha Referent Gewerlschafts-Sckretär Millarg. 2. Dtskufston. 3. Verschiedenes. Die Herren Arbeitgeber sind zu dieser Versammlung fteundlichst ein- geladen. 188/8 Kollegen, zahlreiches Erscheinen ist in dieser Versammlurg dringend nothwendig. Agitationskommisston der Schuhmacher Berlins. Maschebranche. Dienstag. 18. Mai, abends 8'/, Uhr, in Schulz Festsälen. Reue Königstr. 7: Grotze össentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Krankenversicherung ber Henuarbeiter nnd die Gewerbedeputatwn des Magistrats. Referent R. M i l l a r g. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 251/0 Da die Tagesordnung von großer Wichtigkeit ist, so«rwattet einen zahlreichen Besuch Der Einberufer: M. StanowSky, Höchftestr. 48. Verband der Graveure, Ziseleure u. (Filiale Berlin.) Dienstag, den 18. Mai, abends 8»/, Uhr, Oranienstrafte 51: gjggT Versammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. Wahl der Delegirlen zur General- Versammlung. 2. Vorttag des Genossen Waldeck Manafie über: Glaube und Vernunft. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 74/18 Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Mrbeikvv! Klrbvileriunen! Posamentenbranche. Dienstag, den 18. Mai, abends 8l/z Uhr, Reue Roftstrafte 3. T a g e s- O r du u n g: 1. Vorttag. 2. Diskussion. 3. Die Zentenarfeier und daS Verhalten der Firma Fr. Ebel Nachflg. 4. Slbrechnung.__ 153/7 Charlattenbiirg. Montag, 17. Mai, abends 8 Uhr. Leder, Bismarekstr. 74: Oesseutliche Versammluug der Stellmacher u. Drechsler. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über unsere gegenwärtige Lage. 2. Diskussion. 2. Wahl eines Delegirten zum Gelverkschastskartell. 105/17 Die Kollegen siimmtlicher Fabriken ladet ein Der Bcrtranensmann. Iferenii für volksthüm- liche Wissenschaft. Dienstag, den 18. d. M., abends 9 Uhr. bei Hcnsel, Brnimenstr. 173: „Freie Liebe und bürgerliche Ehe." Referent: Herr R 0 s e n st 0 ck. Diskussion. Gäste willkommen. 265/18 „Kosmos", Charlottenbnrg. Dienstag, den 18. Mai 18F7, abends 8 Uhr, im Saale der Gambrinns- Brauerei, WaWraste SV: Gr. össtiitliche vrotkWkrsaliimlung. TageS-Ordnung: 1. Die BereinS- und Berfammlungsgesetz-Novelle im prenftische». Landtage. Referent: Genoff« Bat-enstein. 2. Diskusston. 204/10_ Der Bertrauensmann. Achtung! Bixdorf. Achtung! Holzarbeiter-Versammlung DM- am T i e n st a g. den 18. Mai 1897, abends 8 Uhr,"Wg in den„Biktoriasälen«, Hermannstrafte. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung über die Konferenz der Holzarbeiter der Provinz Brandenburg. 2: Diskusston. 3. Verschiedenes und Verbands- Augelegen- heilen.— In der Versammlung wird kassirt. 105/16__ Die Ortsverwaltung. Pankow-Hiedersehönhausen. Sonntag, den 16. Mai er., nachmittags 8'/? Uhr. im Lokale deS Herrn Sehlaek, Riederfchönhanseu, Lindenstrafte: Große össeiit!. Nolks-Versammlmig. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Frau E m in a I h r e r. 2. Diskussion und Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind die Frauen ganz besonders eingeladen. 223/7 Der Llnbernfer. Frtedvi ttzjs borg. Mitgliederversammlung des Arbeiter-Bildangs-Vereins am Dienstag, 18. Mai, abends 8»/, Uhr, in: Lokale des Herrn G ü r s ch, Franlfuttcr Allee 174. Tagesordnung: 1. Vorttag des Genossen Hansen über: Die wirthschnstliche und politische Lage. L. Diskussion. 3. Verschiedenes. 14/8 Der Vorstaad. Ptttiil siir Körper- tnib Mturbeilkukiit. Montag, den 17. Mai 1897. abendS 8Vz Uhr. im„Englischen Garten", Alezanderstraße Nr. 27 0: Herr Br. med. Hinz über: Simulantenthnm. soziale nnd»atnrärzttiche Reformen in den Krankeukafie». EWKftt für Frauen und Männer 10 Pf. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Borstand. Alexanderstr. 8. Schloss Weissensee. (Ob Regen!) Heute. Sonntag:(Ob Sonnenschein!) Gr. Konzert, Kapellmeister V. kinsterhuZCh. Spezialitäten 1. Ranges. Jantpser, Rndtt- n. Segtlboate. lierrliober See, romantisch. Park. Veronupngen aller Art. Fahrgelegenheit von allen Bichtangen. Entree 20 Pf. Entree 20 Pf. Stlef A Emmerich. Max Kliem's Jeden Sonntag: tZrosses Frel-lionssrt. In den Säle»! Grosser Ball. Ende 2 Uhr._ Im Theater- Tunnel: KAT Sper.iallt»ten-VorstclInng. NB. Meine aufs prachtvollste renovirten Säle lParquet-Fußboden) halte Vereinen und Gesellschaften angelegentlichst empfohlen. Max Kllein. Märkischer Hof, Admlralstr. 18 c. Jeden Sonntag im prachtvollen Spiegelsaal: i)V Orosser Festball. Anfang 4 u|r Ende 2 Uhr. Gr. 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Trotz des„Gesetzes wider den unlauteren Wettbewerb" liest man doch in allen Stadtgegcnden, besonders aber im„Südosten" nach wie vor Ankündigungen von„Ausverkäufen", die den Anschein erwecken sollen, als würde die Waare fast verschenkt. Jedoch ist es eine feststehende Thatsache, dag diese Anzeigen der _ sogenannten„M a ssen-Ausverkäufe wegen Aufgabe des Geschäftes:c." nur auf Täuschung des Publikums berechnet sind und lediglich den Zweck ver- folgen,„unter allen Umständen" Käufer anzulocken. Und leider finden sich auch immer wieder— Leute, die auf derartige schwindelhafte Anpreisungen hineinfallen, um allerdings nach kurzer Zeit die trübe Erfahrung zu machen, daß sie die nur aus Ramschwaare bestehenden Gegenstände mit dein so„fabelhaft billig" erscheinenden Schleuderpreis noch viel zu theuer bezahlt haben. 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Auf alle» Werften ohne Ausnahme ist jetzt thatsächlich eine ganz bedeutende Steigerung der technischen Leistungsfähigkeit hervorgetreten, die auch für die Wersten rnit bedeutenden finanzielle» Erfolgen verbunden war. Wenn selbst die kapüaHstischen Blätter betonen, daß das Betriebs- fahr 1895-96 beziv. 1896 als zufriedenstellend und die Aussichten für das laufende Jahr als gut bezeichnet werden können, dann können wir es geiviß glauben. Ter hiesigen„Nord-Ostsee-Zeitniig", einem nationalliberalen Blatte, entnehmen wir über die finanziellen Er- trägnisse der Wersten folgende Znsammenstellung für das Geschäfts- jähr 1896 bezw. IS9bst;6- Dividende 1896 beziv. 1895/96 •••• 6 Neingewinn Mark Vulkan, Stettin.. �. 6 882 086 Oderwerks, Stettin.... 5 35 5<'5 Neptun, No üock..... 0 I 457 Germania, Kiel...,, iVi 307 698 Howaldswerke, Kiel.... 6 265 053 srlcnsb. Schiffsbau-Gesellsch. 10 314 153 Blohm n. Voß, Hamburg. 7 648 973 Rriherstieg, Hamburg... 7 195 282 Vulkan, Bremen.... 10 173 620 Seebeck, Bremen.... Auffallend hierbei sind Abschreibungen Mark 429 430 133 999 37 164 192 415 95 273 ? ? 60 000 36 534 7V2(17 Mo») III 732 45 861 die enorm hohen Summen für Ab- kchreibungen, trotz welcher noch die fetten Dividenden bezahlt werden konnten, lieber die, in der Zusainmenstellung ohne Dividende ver- zeichnete Neptunwerft in Rostock wird milgetheilt. daß dieselbe: „die Hoffnungen, die sich an die Rekonstruktion des Werks geknüpft habe», der Erfüllung entgegen gehen sehe. In wenigen Monaten werden ihre Anlagen sich den beste» Werkstätten deutsche» Schiffsbancs ebenbürtig zu Seite stellen." Also im laufenden Jahre, wo die Neueinrichtungen völlig in Ge- brauch genommen sind, wird den armen Aktionären schon mehr Glück erblühen. Aus dem uns vorliegenden letztjährigen Jahresbericht der»ül nur 4>/e pCt. Dividende verzeichneten Gerinania-Wcrft, Kiel, ersehen wir aber, daß der Gesammtgewinn der Werft die Summe von 1 140 063 M. betrug. Erst nach Tilgung des Verlustsaldos aus 1895 von 347 196 M., nach Abrechnung der Generalunkosten, Zinsen, Aufwendungen für Reparaturen und Instandhaltung der Gebäude, Werkzeuge, Maschinen u. s. w. in Höhe von 292 753 M. und nach Abzug der in der obigen Zusammenstellung verzeichneten 192 415 M. für Abschreibungen verbleibt der v e r t h e i l t e Reingewinn von 307 693 M., der die 4Mi prozenlige Dividende ergiebt. So ist das Geschäftsergebniß der am ungünstigsten in der Zusammenstellung er- scheinende» Werft; wie mögen da wohl die Ergebnisse der mehr Dividende zahlenden Wersten sein. Weiterhin wird milgetheilt, daß der Vulkan, Stettin, fortgesetzt namentlich durch den Kriegsschiffsbau rege Beschäftigung findet. Die aus dem Konkurs der Schiffsbau- Gesellschaft Möller und Hallberg entstandenen Oderwerke, Stettin, bezeichnen ihr erstes Geschäftsjahr als zufriedenstellend, zumal ihnen für die Zukunft zahlreiche Anfträgc vorliegen. Bei Howaldswerke», Kiel, sind die Vergrößernngsarbeiten im vollen Gange. Die Auf- träge haben sich verdreifacht und der gute Geschnslsgang hat zu einer abermaligen Erhöhung des Aktienkapitals geführt. Von den Weserwcrsten verfügt der Bremer Vulkan über ein sehr günstiges Ergebniß. Die Werft beschloß im vorigen Jahre eine Erhöhung ihres Aktienkapitals um 300 000 M. und hat jetzt eine weitere Erhöhung um 500 000 M. vorgenommen. Interessant sind auch die Ausfübrnngen über die Flensburger Schiffsban-Gesell- schaft,—„dieselbe erfreue sich seil Jahren einer ausgezeichneten Pro- sperität." Diese Prosperität kommt ja auch deutlich in der 10 prozentige» Dividende zum Ausdruck,— eine ganz unerwartet hohe Dividende, wenn man bedenkt, daß durch die Aussperrung der zirka >500 Werftarbeiter dieser Werft, diese über drei Monate im vorigen Jahre fast still gelegen Hai. Die Werft wollte damals nicht im stände sein, ca. 350 Arbeitern, welche unter 30 Pf. Stundenlohn bezogen, den Lohn auf 30 Pf. zu erhöhen, welches im Jahre eine Mehrausgabe von 7—8000 M. bedeutet hätte. Als dann diese Ar- beiter die Arbeit einstellten, da sperrte die Werftleitung sämmtliche Arbeiter aus, welcher Kampf sich über drei Monate hinzog und den Arbeitern 80 000 M. allein an Unterstützung gekostet hat, wovon noch jetzt eine Schuldenlast von 15 000 M. auf der Flensburger Arbeiterschaft lastet. Schließlich bequemte sich die Werft denn doch Zugeständnisse zu mache», die für sie eine Mehrausgabe von jährlich 3—4000 M. zur Folge hatten. Jetzt hat die Werft allein an Dividende 314 153 M. vertheilt und davon waren keine 7—8000 M. für die Arbeiter vorhanden! Das werden die Arbeiter sich merken, das zeigt ihnen wieder deutlich, daß s i e es sind, die vom frühen Morgen bis zum späten Abend sich für einen Hungerlohn abquälen müssen, damit die Aktionäre 10 pCt. in die Tasche stecken. Aber so wie hier in Flensburg, geht's überall auf den Werften. Von dem goldenen Segen, der auf die Aktionäre herabtränfelt, fällt nichts auf sie. Löhne von 22, 23, 25 Pf. die Stunde an giebt's für die Arbeiter, und wohl dem, der ein Jahres- einkomme» von über 1000 M. zu verzeichnen hat. Die Germania- Werft zahlte nach eigenen Angaben für 1400 Arbeiter 1 362 829 M. an Löhnen, also nur etwas mehr wie der Gesammtgewinn der Werft, durch den Schweiß der Arbeiter geschassen; das macht pro Arbeiter und Jahr ca. 973 M. Selbstverständlich sind in der Gesanimisumme aber die Gehälter der Meister n. s.>v. mit einbegriffen, so daß nach Abzug dieser, ja natürlich bedeutend besser gestellten Klasse, das Durchschnitts- Einkommen um ein weiteres beträchtlich sinken würde. So finden wir auch wieder hier im Schiffsbau dasselbe Bild, wie in allen anderen Ziveigen der Industrie: außerordentliche Prosperität, reicher, goldener Segen für die Aktionäre und Unter- nehmer, und für die Arbeiter dasselbe kümmerliche Loos, dieselbe Muhe und Plage, denselben niedrigen Lohn. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstag?, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Berichtigung. In der gestrigen Nummer ist unter der Rubrik„Parteis Nachrichten" iu der Notiz aus Berlinche» zu lesen: Fischer aus Neuen» bürg(nicht /.ümberg). G. St., SKrineterftraste. Können die Eltem der Knaben mcht emmal zu uns kommen? L., Durlach. Auf grund der von uns angestellten Recherchen rst zu einer Berichtigung kein ausreichender Anlaß vorhanden. Rohrlack. Betreffende Quittung können wir nicht aufnehmen. W. E. R. Vertreter der Polizei haben nach dem Veremsgcsetz auch zu gewerkschaftlichen Versammlungen Zutritt.— Arndt. Schriftliche Antwort crthcilcn wir nicht. 1. Dem Anwalt scheint keine Schuld zur Last zu fallen. Für Ehescheidungsklagen ist ausschließlich das Landgericht zu- ständig, in dessen Bezirk der Ehemann bei Zustellung der Klage seinen Wohnsitz hat. Zuständig siir Einreichung der Klage ist nur derjenige Anwalt, der bei dem Landgericht zugelassen ist. Ein Anwalt ist für Zivilsachen nur bei einem Landgericht zugelassen.(In Strafsachen kann er hingegen vor jedem Gericht auftreten.) Es scheint die Rücknahme der Klage erforderlich zu sein, um unnütze Kosten zu ersparen. 2. Slrafbar ist das betreffende nicht.— G. Setschin. Zahlen, da Sie sich auch nach wiederholten Eni- scheidungen des Kammergcrichts durch Erfüllung Ihrer Pietätspflicht strafbar gemacht hätten.— M. W., Weistcnbnrgerstrasse. I.Ja. 2. New. — San Francisco. Wenden Sie sich an den amerikanischen General- konsul in New-Uork.— B. K. Vis zurückgelegtem 42. Lebensjahre fetzt sich der betreffende im Fall der Rückkehr zu den hcimathlichen Penaten der zwangsweisen Einreihung in die Ferienkolonie aus.— K. W. 1. 1. Nein; indessen herrscht darüber Streit. 2. Das ist in den verschiedenen Landes- theilen verschieden. Für Preußen ist die Städte-Ordnung und für Land- gemeinden die Landgemeinde-Ordnnng maßgebend. 3. Ja.— M. S. 100. Unpfändbar sind; 1. die Kleidungsstücke, die Betten, das Haus- und Küchengcräth, soweit diese Gegenstände für den Schuldner, seine Fauulie und sein Gesinde unentbehrlich sind. 2. die für den Schuldner, seine Familie und sein Gesinde auf 2 Wochen erforderlichen NahrungS- und Feucnmgs- mittel. 3. eine Milchkuh oder nach der Wahl des Schuldners statt einer solchen zwei Ziegen oder zwei Schafe nebst dem zum Unterhalt und zur Streu für dieselben aus 2 Wochen erforderlichen Stroh und Futter, sofern diese Thicre für die Ernährung des Schuldners, seiner Familie und seines Gesindes erforderlich sind. 4. bei Künstlern, Handwerkern, Hand- und Fabrikarbeiterinnen, sowie bei Hebammen die. zur persönlichen Aus» Übung des Berufs unentbehrlichen Gegenstände. 5. Die Bücher, welche zum Gebrauch des Schuldners und seiner Familie in der Kirche oder Schule bestimmt sind.- C*.«. 23. 1. Oktober 1898.- M. W. 1000. Nein. — Hannover. Ihre Frau hat, falls sie innerhalb drei Monaten nach der Hetrath den Niickerstattungs-Antrag stellt, Anspruch auf Rückerstattmig, da sie mehr als 234 Marken geklebt hat. Sie verliert durch die Riick- erstattung die bis dahin erworbenen Rechte. Wenn sie weiter arbeitet, muß sie weiter kleben. Ihre Rechte ans eventuelle Alters- oder Invalidenrente werden dann von dein Zeitpunkt der neuen Kleberei ab gerechnet.— Otto 100. 1. Wenn kein Testament vorliegt möglicherweise: das hängt davon ab, wo Ihre Großtante ihren letzten Wohnsitz hatte. Sprechen Sie in der SprechstiiNde gelegentlich vor. 2. Die Anfechtung des Testanients hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn unzweifelhaft die Geistesfchäche bewiesen wird.— F. H. 100. Der strafrechtliche Weg wäre zwecklos. Der be- treffende soll seinen Schuldner verklagen und dann, eventuell in sein Erbe, Vollstreckung vornehmen. Verjährung liegt nicht vor.— R. L. H. Die Anspräche ans außerehelichem Beischlaf sind in Deutschland sehr verschiedene. Ohne Angabe, wo das Mädchen geschwängert ist nnd wo es zu derselben Zeit wohnte, läßt sich daher Ihre Anfrage nicht beantworten. ksiliskrek'-Beldeiliima. Sämmtliche Preise verstehen sieh für Jaqnet, Weste nnd Hose. Preisliste 1897 wird auf Wunsch gratis nnd franco zugesandt. Obiger Radfahrer Anzug nach Maass aus porösem, haltbarem Lodenstoff in vielen modernen Farben Obiger Radfahrer-Anzug nach Maass aus wetterfestem, haltb. Sport- Zwirnstoff in ohiken Mustern Obiger Radfahrer-Anzng nach Maass aus starkem, gezwirnt. Buckskin. Praktische Dessins. Mk Obiger Radfahrer-Anzng nach Maass aus marineblauem, schwarzem und braunem reinwoll. Cheviot. Stark, fest und solide. Obiger Radfahrer-Anzug nach Maass Sammetartiges Gewebe, sog. Manchester, in praktisch. Lederfarben, ohne Weste, Obiger Radfahrer-Anzng nach Maass Reinwollene, nach englisch, Art j hergestellte, gute Erzeugnisse in modernen, eleganten Karos. 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Nachm. 3 Uhr: Hamlet. Montag: Einsame Menschen. Bertiner. Renaissance. Stachm. 3 Uhr: Die Brüder. Montag: Faust. Lesiii, g. Die Geisha. Montag: Dieselbe Vorstellung. Bieste». Unser Doltor. Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Montag: Hanne Nüte's Abschieb. Müller Boss. Jochen Pasel, wat biist Du för'n Esel. Neues. Trilby. Nachm. 3 Uhr: Marcelle. Montag: Trilby. Nesidenz. Vaterfreuden. Der neue Aanymed. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schill er. Bauernehre. Der ein- gebildete Kranke. Stachm. 3 Uhr; Maria Stuart. Montag: Madame Bonivard. Linde». Der Vogelhiindlcr. Nachm. 3 Uhr: Der Obersteiger. Montag: Der Vogelhiindler. Thalia. Die schöne Helena. Montag: Frau Lieutenant. Ostend. Der Hasenfuß. Die Ziller- thalcr. Nachm. 3 Uhr: Die Räuber. Montag: Der Hasenfuß. Sllexanderplah. Endlich allein.— Eine tolle Prinzeß. Nachm. 3 Uhr: Der Nattenfänger von Hameln. Montag: Endlich allein.— Eine tolle Prinzeß. Friedrich- BJilhcl,»städtisches. Der Raub der Sabinerinuen. Nachm. 3 Uhr: Trilby. Montag: Die Räuber. Belle-Alliance. Trilby. Montag: Dieselbe Vorstellung. Volks. Auf eigenen Fußen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage-Pailvptiknm. 32 Mädchen aus Samoa. Zlpollo. Venus auf Erden. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst. Theater). Letztes Gastspiel der Frau Julie Kopaczy-Karczag u. des Herrn Oskar Vauberger vom Stadttheater in Leipzig. Die schöne Helena. Operette in 3 Alten v. I. Offenbach. Montag und folgende Tage: Frau Lieutenant. Osteud-Theater. Gr. Fraukfurterstr. 132. Dir.«. Weist. Heute zun, 1. Male: Der Hasenfnft. Schwank in 5 Akten von Ad. Garbell. Hierauf: Die Zillerthaler. Lieder- spiel in 1 All. Anfang?:/, Uhr. Nachmittags 3 Uhr halbe Preise: Die Rauber. In, Garten 4 Uhr: Gr. Spezialitäten-Borstellung. Konzert, Theater. Eutree 30 Pf reservirter Platz 50 Pf. Fee»-Palast, Direktion Winkler A Fräibel. Heute, Sonntag, den 10. Mai: Vorletzte Vorstellung des gesammteu vorzüglichen Theater-».Küilftlmersomls. Zum vorletzten Male: Eine SlhrelkMNchtiUGrmlmali!. 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Neh>mgd.4. Klasse 196. Kssl. Prenss. Lotterie. Ziehung vom 15. Mai IS97, NachaiittngS. Nu» die Scwinne Iber 210 Rar! find den deiriffendni Nummern in Parenthese deigejägl. (Ohne Eewihr.) 82 168(1500) 812 71 336 426 989 1188 447 64 520 (500] 796 838 64(600] 2010 60 114 8t 260 85 369 453 666 700 896[15001 8004 63 385 547 48 750(300) 835 953 4065 77 91 118 93 213 17 317[5001 568 755 59 840 88 5096 232 754 62 94 871 931 74 77 1010 158 80 323 455 619[1500] 642 929 60 7044 237 53 350 425 72 560 605 62[30001 837 56 8175[300] 365 874 90 953 0097 126 439 542 47 616 730 83 804 10014 134[15001 240 342 505 666 721 818(30001 63 99 917 11178 289 360 661 718 36 94 180001 814 [3000] 74 951 74 1 2550 814 68 82 90[3001 916 1 3084 SOO 62 347[300] 518 55 683(500) 712 82 839 14024 125 83 223 50 361 57 489 538 623 52 761 8C0 1 23 15068 117 208 382 489 540 49 64 685 763 803 1 6072 89 238 339 925 26 39 17068 134[1600] 210 30 48 359 83 499(600) 942 57 18060 92 120 115001 326(3000) 607 630 709 18(3000) 874 923 57 19243 319 592 660 «OOOO 614 727 822 41 76 966*1139 375 405 40 59 642 721 819 25 61 938»*014 87 154(30001 86 323 24 476 503 21 619 933«3029 131 62 249 83 353 433 501 74 88 630 83 962*4311 451 57 88 508 726 851*5018 117 357««068 282(5001 88 322 36 618 41 64 86 868 91 27031 97 251 861 650 854 971[5001 95 2 8030 307 87 98 443 72 521 26 75 767 92 809»9190 97 282 378 451 59 640 93 761 821 27 31 963 30062 74 87 134 350 578[300] 614 60 72 743 58 68 77(1500) 905 31048 90 285 338 69 90 91 649 52 54 885 82049 112 52 236 336 59 413 38 580 601 718 865 76 935 58 33157 68 595 732(30001 77 87 84059 95 339 95 429 511 668 73 79 778 809*5179 318 87 95 499 514 (1500) 74(500) 66-1 797 30003 247 72 326 514[15001 21 43 696 768 93 853 929 3 7055[500] 293 326 80 449 519 691 910 88009 38 194 274«1 355(15001 84 404 709 93 945 51 92 33081 91 92 309 87 94 536(3001 612 61 704 980 40269 807 481 87 504 657 817(3000) 83 41120 11500] 407 51 861 42208 63 380 507 659 973 43075 116 246 «SS 408 604 13 830 90 901 44062 64 121 246 94 326 497 500(3000) 65(500) 803 966 45067 206 49 362 711 24(3000) 43 801 28 1600) 996 4 6032 170 241-108 541 94 828 90 47113 603 711 12 16 3s 915 84 48016 179 237 69 334(600) 68 405 34 49(15001 597 770 75 869 74 948 49029 1500) 47 142 381 421(15001 716 93 824 54)092 105 3« 53 61 96 240 305 517 649 701 868 949 S12S3 I 13001 26 57 560[5001 881 43 995 5*076 200 7 81 301. 444 612 99 772 5 3075 107 270 85 602 752 826 54137 87 326 601 34 782 89 893 997 5 5375 464 609 15 49 71 51318 521 82 42 59 768 69 72 943 93 57004 15 130 208 17 434[15001 789 949 58010 58 156 351 435 69 564 615 790 813 959 50170 273 308 81 410 78 692 637 754 »»«052 64 295 308 32(1500) 41 73 445 88 754(500] 966(300)«1006 138 45 59 62 368 625 78 777 820 I300J «SO 18 314 458 97 634«»05»(3001 SO 9g 180 90 447 587 709 15 45(3000) 96 958 67«4092 226 375 647 51 620 761(3000) 988 05023 134 282 317[8000] 420 rtl 625 79 659 76 942«6108 559 65 703 560(3001 80 901 07072 159 1300) 323 435 626 738 872 935 08078 195 253 65 853 69 525 881 87 933 41 43 19441 402 580 777 »«»SS 447 577(300) 762 805 44 7 1 400 79 530 53 99 «21 43 45 800 51 958 96 72323 466 95 834 36 45 97 »»049(5001 177 92 314 403 44 70 71 646 53 68 871 953 68»4021 49 82 281 311 410 520 66[15001 85 817 923 72*5146 224 430 502 35 46 646 74 77 7C182 265 3:8 4K9 605 56 773 892 954»7027 133 528 638*8041 70 85 131 23t 71 83 4SI 52 576 619 702 872 81 925 78010 135 5» 302 SO021 129[3001 56 276 80 661 687 88 754 57 81 81144 71 72 216 326 86 417 80 512 706 843 67 79 8*039 83 97 1300] 521 81[3001 842 948 88151 55 621 97 6»3 304 45 84404 52 695 829 92« 85331 547 757 894 907 80050 92 97 629 798 919 87014(500] 41 199 282 324 47 55 579 863 913 23 65 88032 19 t 206 305 1600] 28 457 517 649 746 883 93 919 80071 285 301 59 456 833 916 * 14*284[15001428 614(3001 55 727 81 907 1 4*036 104 45 335 403 65 512 11500] 37 64 640 887 1 44102 444 561«90 989 145 012 73 360 708 869 1 41149 90[30Q01 270 886 947 72 14*088 186 271(IS«OOI 91 310 447 769 883 910 30 76 1 4X113 44 207 31«) II(500) 423 824 14019" 261(3000) 92 386 582 616 17 814,42 906 ISO-OS 55 100 18 89 391 430 80(3000) 804 72 151255 62 354 407 72 630 57 785 9(2 99 IS*"' 0 3« 146(5001 59 447 500 663 783 800 25 90 909 90 1 5*083 132 92 338 56 02 405 694 613 792«36 43 921 1 5430» 701 71(3001 811 81 945 155071 10t 15001 75 203 21 4» «4 97 422 83(5001 860 936 38 13000) 40 68 1 51097 o34 666 814 1 5*069 125 205 402 42 62 96 527 41 754 93 868 941 49 15(4164 244 321 39 84 455 534 57 665 741 84 888 1 50008 57 213 17 862(3001 506 601 787 1 00029 320 42 53((5001 59 78 454 696 719 845 903 101094 98 249 338 1 0*173 81 276[3000] 327 413 22. 83 526 63 90 605 27[500] 37 73 943 108291 3,7-.2., 763 84 826 34 114022 131(1500) 619(300) 802 43 9".» 68 115036 417 75 555 62 638 728 810(300( 16 91'» 110080 125 299 335 553 674(3001 768 71 824(15>u)I« 200 427 95 518 87 639 753 959 60 86 105018 166 21« 33 55 537 54 66" 713 19107 7 91 196 204 374 7? 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Für de» Jnserateiilheil vernntwortlich: Th.&(Mte in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin,