3>er verySngnrSvoille GHlaftrunk. »Herr Umerfuchungsrichter— ich weiß. Sie haben kein Urteil zu fällen, es ist nicht Ihres Anites, Dinge, d e mit dem Gesetzbuch nicht zu fassen siird, zu verfolgen. Aber— haben Sic die Güte— ne n, die Gnade, m'.ch anzuhören. Es ist doch vielleicht möglich, daß es eine Sühne vor bn Welt, daß cs eine Strafe gibt. Es muß möglich fein. Sonst a'bt es kein Recht am d eser Erde und alles ist nur Schein unb Trug. Und ich will Recht, Recht und Strafe. Ich halt's ja nicht mehr aus— so ertrag ich es nicht mehr!"... „Wollen S'c mir nicht aber weirgstens erst null.. „Ich rot.ß. ich weiß, toas Sie sagen wollen. VerZcihcn Sic, wenn ich eiwas wirr durcheinander spreche. Lassen Sie m'.r Zeit, eine halbe Minute Zeit. Sie sollen alles, olles erfahren. Herr, lassen Sie nr'ch noch c nmal daran denken, wie alles gekommen ist. Und ackton Eie ucht auf nieine Tränen — es geht vorüber. Rur— es ist so entsetzlich oer We-'s gekommen ist? Herr Richter glauben Sir mir— dies eine wenigstens glauben Sie mir—, daß ich das Mädchen, das dann meine Frau wurde, schr, sehr geliebt habe. So geliebt, wie nie einen Menschen vorher. Aber nein, das stimmt schon wieder nicht. Einmal, lange Jahre bevor ich heiratete, kannte ich ein« andere, Sonja h'eß sie»ich war eine Russin. Sie war ineine große Leidenschaft. Wir verstehen uns, Herr Richter, nicht wahr? Wer bat sie rocht einmal gebäht, die große, flammende Jugendliebe? Man heiratet sie gewöhnlich nicht— es koimnt immer etwas dazwischen. Auch be» Sonja war es nicht anders. Sic barte m ch wohl sehr gern, ober ihr Vater verheiratete sie— nein, verkaufte sie— an irgend einen reichen Kaufmann oder Bankmenschen in gesetzten Jahren. Denn der Vater stand vor dem Bankerott und Sonia war eine gehorsame Tochter. Dir haben uns be^de darein gesunde». Son>a und ich, schließlich— woran gewöhnt man sich nicht? Und dann, viel, viel später heiratete ich Ellen und vergaß Souja. Oder ich glaubte wenigstens, sie vergessen zu badet». Sah sie auch nie mehr; sie mußte wohl die S'adt verlassen haben. Ellen war nicht so schön wie Sonja, gewiß nicht, obgleich sie nicht häßlich war. Aber JtoMle von XBiNn 9nnfen. sic war so demütig, so bescheren, so treu. Und auch klug. Sie lächeln Herr Richter'? Ader es war so, wie ich sagte, es war ganz gewiß so. Und ich war so glücklich, ich hatte keinen Wunsch mebr. Ein treues, liebes Weib, ein Zuhause, keine Sorgen— ist das nicht ein ewiger Feiertag? Es war eine glückliche Che— ein schändlicher Verleumder, wer das Gegenteil behauptet. Wir hatten keine Kinder, leider, so sehr wir nns danach scbnten. Und es ist möglich, daß wir noch glücklicher gewesen wären, wenn uns das Schicksal diese Freude beschert hätte. Aber vcllcichr wären wir übermütig geworden. Man kann es nicht wisse». Und es mag sogar sein, daß diest leise Trauer, die doch noch inmrer der Hoffnung Raum gab, uns noch inniger aneiu- arrder schmiedete. Jedenfalls lebten wir sieben lange, st'lle rurd friedliche Jahre zufam- men. Dann wurde Ellen plötzlich krank— irgend eine rätselhafte und undefinierbare Krankheit. Ich sparte kein Geld— aber was hilft des? Die Acrztr wiffen auch heute noch so wenig. Es war keine Krankheit, die sich auf den Menschen wirst wie ein Feind — es war ein furchtbares, langwieriges Siechmm. ganz ohne Aussicht auf Pciserung. Herr, haben Sie schon einmal einen Baum, irgend eine Pflanze gesehen, die auf rätselhafte Art plöhicb zu verkünmrern und einzuqchen beginnt? So war cs mit ine'- ner Frau. Erst hnstete sie bloß, dann verlor sie ihre fr.'che Farbe, wurde saht und blaß, das Gehen fiel ihr immer schwc.er, schließlich konnte sic sich nicht mehr vom Bett erheben. D- ckxnlana lag sie so. wurde immer aParh-scher, zuletzt nahm sic fast feine Nadvung uubr an. Ter Arzt batte mich b-- reits darauf vorbereitet, daß es fick nur noch um Tage, höchstens um Wochen handeln kenne. Dabei immer geduld:-- immer ein Lächeln auf den blaffen, zcrqnälicn Lippen, wenn ich in ihrer Röhe war. Ich ging fast gar nicht nrchr au-— wenn sie ein paar stunde» in einen Schlaf fiel, der einer Ohnmacht glich, saß ich int Nebenzimmer»ich bewachte ibrrn Schkum- nwr. Und dann— ja, an einem dieser Tage, da es dem Ende cn'gogengmg, klingelte es. Ich hatte das Mädchen zur Apotheke geschickt, ein Echlosuiirtel zu besorgen, und ging selbst öffnen. Da staick vor mir 7- Sonja! und war noch schöner, noch hinreißender geworden. Ich erschrak sehr, alle Erinnerungen tauchten wieder aus jener Tiefe empor, in der sic so kaugc geschkuimuert hatten, und mein-Herz schlug wild und stürmisch. Ich ivurdc bald blaß, bald rot und der Boden schien mir unter dm Füßen;u Weichen. Ich führte Sonja in mein Arbeitszimmer, das neben deni Schlafzimmer lag, und sic er» zählte, daß ihr Platte vor einem halbe» Jahre gcfrorbcu, und daß sic jetzt reich rurd unabhängig und ftei fei. Dabei lächelte sie mich an und ihre Lippen leuchteten so rot wie das Leben. Nnd ich sagte ihr, daß ich verheiratet sei, seit vielen Jahren— und dann wurde sie Plötzlich ganz blaß unlächelte nicht mehr und ihre Lippen waren fahs und farblos. .Herr, damals glaubte ich, bei dem all- mächr ge» Gott, ich glaubte es. daß es nur Mitleid sei. was nrich veranlaßte, sofort, als ich ihr Erblassen sah, leise hinzuzusetzen— ganz leise: Aber nieine Frarr ist feit langem krank— sie liegt jetzt da drüben... im Sterben.— Nnd daun stände» wir beide sehr rasch auf, und ich begleitete sie hinaus und küßte ihre schöne,-weiße-Hand zum Abschied. Eie streichelte saust, gcdaickcnvoll meine Haare und tvar fort, ehe ich noch ein weiteres Dort zu sagen vermocht«. Ich ging nickt ins Schlafzimmer, len- der» setzte mich an de» Schreibtisch uud flüsterte den Namen Sonja wohl tausendmal Vor mich hin, sonnte ihn mft den Lippe« und inalte ihn mit den Fingern ans die Tischplatte. Und nicht einmal dachte ich a» Ellen, diese ganze Zeit, bis das Mädchen kam mit dem Pulver. Da mischte ich den Schlaf» trnnk zurecht, uni meiner Frau einige Er- lrichterung zu vcvsckafscn. falls sic inzwiiche» «ifgewacht iein sollte; den» sie litt furchtbar, sobald sie wach und bei ollem Bcwußnei« war. Ta hörte ich ein Gcräu'ch und ging, das GlaS mit dem Schlaftnrnk in der von der Aufregung noch, zttterndcn Hand halterid, hinüber. Ich glaubt«, mein Werb, wie im- nrcr, in halber Agonie in den Kiffe» liegen zu seben— aber da laß Ellen.mfrecht im Bett-»ich sah mir niit großen, argswollen aufgeriffenen Augen entgegen, während ch« Lippen zuckten und unartikulierte Laute ausstießen und ein wilder Fiebevansall ihre blaffen Wangen mit dem roten Hauch Mhenden, jungen Lebens färbten. Die Plötzliche Veränderung war schrecklich— am schrecklichsten aber chre Augen, die ste starr auf mich gerichtet hielt. In diesen Augen lag «ine furchtbare, bittere Anklage, lag der Zu- sanunenbruch einer ganze»« Welt von Glaube, Liebe, Treue. Kein Zweifel, sie mußte jedes Wort gehört haben, dar Sonja und ich mLenan gewechselt hatten. Und mit der besonderen Empfindsamkeit der Sterbenden hatte sie wohl auch den Tonfall, mit dem ich g-iaar barte:„Mein« Frau liegt im Sterben" «in gewisses Gffübl der Erleichterung und Befreiung bervu^ae^rt. Gräßlich... gräßlich. das zu denken. Schani, Angst, Verzweiflung überwältigten mich ganz. Ich floh in die äußerste Ecke des Zimmers uni diesen starren Augen gu entgehen— stand am Fenster und bemühte mich, in das dämmernde Grau des finkenden Abends hinauSzMicken. Aber die grausamen Augen hielten mich fest, zwangen mich, mein Antlitz der Sterbenden zuzukehren, warfen meinen Kopf herum— und immer noch saß die Frau aufrecht im Bett, ohne iede Stütze, den schmalen, o, so leicht güvordcnen Körper gerade ausgerichtet, und ihre Hände waren mir abwehrend entgegen- gestrcckt. Niemand hätte in diesem Augenblick geglaubt, eine Stechende vor sich zu haben. Ich hielt das Glas mit deui Schlaftrunk wie ein Geistesabwesender, wie ein Traurn- wandler noch immer in der Hand. Ich fühlte ganz genau. tnaS Elle» dachte in die- senr Augenblick— daß es Gift sei, das ich ihr einflößen tvollte, um mich ihrer schneller zu entledigen, daß sie mir schon viel zu lange lebte. ES war kein Gift— bei Gott, Herr. ES war dasselbe, harmlose BeruhigungS- vulycr, das sie zwei-, dreimal an« Tage zu sich nahm. Aber ich dachte plötzlich, daß es gut sein müßte, für unS beide, wenn diese Augen etwas Schlaf fänden. Ich dachte, daß ich diesen Blick nicht länger rrtraaen könnte, ohne wahnsinnig zu werden. Da riß ich' allen Mut zusammen und näherte mich mit ein paar schwankei den Schritten dem Bett, setzte das Glas an ihre trockenen Lippen. Sie wehrte sich verzweifelt und die Angst gab ihr unglaubliche Kräfte. Aber ich bog ihren Kops zunick, öffnete ihre sLipven nrit den Fingern und träuftlte d'e Flüssigkeit tropfenweise in ihren Mund. Die Hälfte ging vorbei, an- fängsich— aber als der erste Tropfen ihre Zunge berührt batte, gab sie ihren Widerstand plötzlich auf. Und kaum Jwr Glas leer, als ihr Körper sich Plötzlich in meinen Armen streckte, ein sanfter Seufzer entwich ihren Lippen, sie siel schwer gegen meine Brust und war— wt. Und sehen Sie, Herr Richter, in diesem letzten, allerletzten Augenblick, da ihr Haupt bereits nach hinten sank, verloren die Augen plötzlich jenen Ausdruck von Angst, Vorwurf und Grauen— wurden sie ganz sanft, ja es war der liebe Blick, den ich aus zahllosen Stunden friedlichen Zusamnicn- seins kannte, geläutert nur noch durch ein restloses Verzeihen— und der Mund der Toten lächelre gütig und seltsam. Gerade das aber war das Allevschreck- lichske. Dieses gütige Lächeln, dieser Blick voller Versöhnung>»nd Verzeihung in dem» selben Augenblick, wo sie glaubte, daß ich sic töte. Diese Vcrzeibnng, diese Güte, dieses Mitlech— sie sind die erbanmungslestste Strafe für mein Verbreche»«, an eine andere Frau gedacht zu babcn, wäbrcich mein Weib im Sterbe»« lag. Herr, lese»« Sie Ihre Gesetzbücher— es muß doch eine andere nlknich- sichere Söhne geben. Verurteilen Sie mich nach der eanzcn Schärfe des Gesetzes— nur nehmen Sie diese furchtbare Last, d'elc ent» schrliche Erinnerung von mir. Ich kann ja nicht niebr atnien— mit diesem— Bild vor meinen Angen...* BallaefMNer... Bon Erich Kästner. Dabei ist der Mann, wie es heiß«, ein Baron... Ich schminke mich nie. Ich nehme nurPnder... Und tritt mich.wie blöd, das albern« Luder... Fort mit den Psoten! Det kenne ick schon... Das ist nicht mein Mann. Das ist nur ein Bruder... Ich bring' Sie, ganz klar, in den Aufsichtsrat— Wie so ein Skelett, nur Haut und Knochen... Die hat sich in Garmisch verschiedenes gebrochen... Eie halten die Meldung für Landesverrat?... Und kam ein« Woche zu früh in di« Wochen... Ich fragte Sie, ist das nun TanMusik?... Man hat nur gefag«, daß der Dr. Luther... Ra prost, Herr PUsator!... Die Hand von der Butter!... Gnädigste haben sowas*im Blick... Genau als hört« ich Ihre Frau Mutter... Mensch, nimm dich zusammen! Mein Mann sieht her... Berbindlichen Dank, ich nlöchte nicht rauchen... Und falls Sie mal einen Doktor brauchen... Zum Tee im Eden..Das Stück Malheur!... Ich dachte, hier lärmte man untertauchen... Ich suchte doch nur einen Scheidungsgrund... Bavaria SechsunddreißignKlsiebe»... Gelogen nicht, aber übertrieben... Er dachte, sie würde vom Esse» so rund... Rein, manche können erst hinterher lieben... und KeNnergemurmel. Und so etwas will nun erwachsen sein!... Run sich nur daS Rindvieh dort!... Das Ganze ist ein Jdiotenverein... Der Kellnerberuf ist wirklich zum Spei'n... Eie wünschen, mein Herr?... Sofort!... Das Gewissen. Während er seinen Mantel anzog, kam ste zu ihm hinaus in den Korridor. Sic hatte einen Brief in der Hand und lächelt« rätselhaft, während sie ihn in seine Manteltasche schob. „Ocffne diesen Brief, wenn du in deinem Bureau angekommen bist, aber nicht vorher!" Er blickte sie schr erstaunt an und zog den Brief aus der Tasche. „DaS sind das für neue Manieren? Was soll das bedeuten?"' „Nur— ach, nichts— tut, was ich dir sage", erwiderte sie bestimmt.„Bersprichft du nrir, daß du den Brief nicht früher öffnen willst, als bis du an deinem Pult sitzt?" Sie legte die Hände sanft auf seine Schultern. In ihren Augen«var eine Bitte— ein wenig Angst— Schmeichelei— ein verwirrtes Spiel von Gefühlen— aber hinter allem lag Entfchloffenheit— oder— war es etwas anderes— Wille, oder vielleicht ein Bersuch, ihren Willen durchzusetzcn... Er sah alles in einem Augenblick, aber verstand nichts— rein gar nichts... „Versprichst du mir, un« was ich dich bitte?» „Ja— ich verspreche— aber ich verstehe kein Wort— was steht denn in dem Bries", fragte er ärgerlich und zugleich etwas ängstlich. „Lies ihn, wenn du auf dem Bureau bist! Versprich eS mir!" „Ja— ja— selbstverständlich, das muß ich la schon, aber—» „Auf Wiedersehen— und vergiß nicht, was du mir versprochen hast!" Sie küßte ihn flüchtig und schob ihn zur Türe hinaus. Er konnte nichts begreifen. Während er auf der Hinteren Plattform der Elektrischen stand, grübelte und grübelte er. Diese Entschloffenheit in ihrem Auftreten verwirrte ihn vollends. So hatte er sie noch nie gesehen. Dir ganze Szene glich ja einer Entscheidung, einem Ultimatum, einem Abschied. Hatte ste vielleicht irgendetwas erfahren? Berteufel« noch mal! Beinahe sah es ja so aus. Für den Fall, daß... ja— dani« mußte er die Sache auf sich nehmen wie ein Mann. Haltung— Haltung! Vielleicht war es am richtigsten, den Brief überhaupt nicht zu lesen, aber — der Teufel mochte wissen, was dann ge- schehen würde! Wenn er sie hätte anläntcn können, um ihr zu erklären— ja— daß die ganze Sache ja im Grunde nichts auf sich habe. Eine Bekanntschaft au§ alten Zeiten— nicht mal eine Freundin— nur eine ganz gleichgültige Jugendbekanntschaft— eine zufällige Be- gegnung— zu ärgerlich, daß er zu Hause kein Telephon hatte. Sonst hätte er doch sicherlich die ganze Geschichte mit ein paar Worten in Ordnung bringen können. Mer jetzt? Zweifellos wußte sie alles. In diesem verdammten Briefe stand natürlich irgendeii« alberner Quatsch, daß, wenn er nach Hause käme, sie fort sein würde, zu den Ätern gereist usw. Dann wäre der Skandal unvermeidlich. Wie sollte er sich denn nur aus dieser ganzen fatalen Geschichte herausrctten? Dieser verfluchte Brief auch... alles zwischen uns ist aus. Ich weiß es. Dieser kühle, dünne Brief, nur ein einzige» Blatt Papier ist wahrscheinlich darin. Ihm war, als könne er durch den Umschlag hindurch lesen: „Alles ist vorbei!» Hier standen aber so viele Menschen um ihn herum. Cs war unmöglich, den Brief zu öffnen. Das war ja auch ganz gleichgülttg, etwas früher oder später spielte wohl keine Rolle. Auf dem Bureau angrlang«, knallte er seinen Hnk auf den Tisch und warf seinen Man- tel über den Stuhl. Schnell griff er nach dem Brieföffner. Die Gcmütsbowcgung ließ seine Hände zittern. Schließlich riß er den Umschlag ganz in Stücke. Den Brieföffner konnte er doch bei dieser Gelegenheit nicht ri htig handhaben. Dann hielt er einen kleinen boshaften Zettel in den Händen— endlich— er«var viermal zusammengefaltet. Er jeuszte tief, faßte einen raschen Entschluß und faltete ihn auseinander. Mit großen, kantigen Buchstabei« stand dort zu leien:„Vergiß nun nicht wieder, sofort der» Schornsteinfeger zu telephonieren..." B. Groß. Der alte Sim chinesisch« Skizze von Er war srchSundsiebzig Jahre alt. Er war fast noch ein Knabe, als er als zweiter Matrose mit einem Segler nach China gekommen war, «nd seit jener Zeit war er nie mehr in seine Heimat zurückgekehrt. Seit jener Zeit war so mancherlei vorgcsallen. Lange Jahre hindurch war er Kommandant eines chinesischen Schiffes gewesen, das von Schanghai nach Jchang fuhr, und es war ihm jeder Zoll des großen und schrecklichen Jangtse bekannt. Er war Kapitän eines Schleppers in Hongkong gewesen und hatte in der siegreichen Armee mitgefochten. Er hatte sich während der Boxeraufftände eine schöne Beute erworben und war während der Revolution in Hankow gewesen, als die Rebellen die Stadt bombardierten. Er war dreimal verheiratet gewesen, das erstemal mit einer Japanerin, dann mit einer Chinesin, und endlich, als er schon stark an die Fünfzig war, mit einer Engländerin. Alle Frauen waren gestorben, dock» die Japanerin blieb ihm für immer im Gedächtnis. Er Pflegte gerne zu erzählen. wie sic die Blumen in seinem Hause in Schanghai arrangierte, wie sie eine Chrysan- tdc>nc oder eine Kirschblüte in eine Base steckte. Nnd immer wieder erinnerte er sich daran, wie bezaubernd sic eine Teeschale mit ihren beiden Händen zu halten Pflegte. Er hatte eine Anzahl Kinder, aber interessierte sich nicht um sie: sie hatten sich in den verschiedenen Häfen von China niedergelassen, waren in Banken und Schiffskanzleien angestellt, und er bekam sie selten zu Gesicht. Stolz war er auf seine Tochter, die als einziges Mädchen aus letzter Ehe mit der Engländerin stammte, doch sie hatte sich sehr gut verheiratet und war nach England gegangen. Er bekam sic nie mehr zu Gesicht. Die einzige Person, zu der er eine Zuneigung fühlte, war sein Bursche, der mit ihm seit fünfundvierzig Jahren lebte. Er war ein kleiner cingeschrumpfter Chinese, mit einem kahlen Kopfe, langsam und feierlichen Bewegungen. Er tvar schon stark über die Sechzig. Sie rausten sich beständig miteinander. Der alte„Beteran" pflegte dem„Burschen" zu sagen, daß er zu nichts mehr nütze sei nnd daß er ihn daher wrgschicken müsse, nnd der„Bursche" Pflegte ihm wieder zu erwidern, daß er vom Bedienen eines verrückten fremden Teufels müde gewor- den sei. Doch wußten beide voneinander, daß keiner seine Worte ernst meinte. Sie waren beide, die alten Leute, gute Freunde miteinander und blieben es wahrscheinlich, bis sic der Tod trennte. Als er die Engländerin geheiratet hatte, zog er sich von seiner Schifferei zurück nnd legte seine Gelder in einem Hotel an. Aber er hatte keinen Erfolg damit. Es war ein Sommeraufenthalt, etwas abseits von Schanghai, nnd zu einer Zeit, bevor man noch Motorräder in China kannte. Er war ein gesellschaftlicher Mensch nnd brachte einen großen Teil seiner Zeit im Ausschanke zu. Er war freigeberisch und schenkte ebensoviel Freibier wie für Geld aus. Er harte auch die besondere Gewohnheit, ins Bad zu spucken; di« empfindlicheren Gäste nahmen daran Anstoß. Als sein letztes Weib starb, fand er bald heraus, daß sie es gewesen war, die die Sachen zusannnenhielt, und kurze Zeit nachher konnte er der Schwierigkeiten nicht mehr Herr werden. Me seine Mittel waren durch den Ankauf der Realität erschöpft, und jetzt stark init Hypotheken belastet, und die Der- lüfte stiegen von Jahr zu Jahr. Er mußte daher das Anwesen einem Japaner verkaufen, nnd nachdem«r, achtundscchzig Jahr alt, seine Schulden gedeckt chatte, stand er ohne Penny da. Movitän. W. Somerset Maugham. Aber, beim Herrgott noch einmal, er war doch ein Matrose! Eine der Schiffahrtsgesellschaften, dir auf dem Jangtse fuhren, gaben ihm eine Stelle als kommandierender Afizirr— er hatte kein Kapitänszeugnis— und so kehrte er also auf den Fluß zurück, den er so gut kannte. Acht Jahre lang hatte.er die Sickle innegehabt. Und nun stand er auf der Brücke seines schmucken, kleinen Schiffes, das nicht einmal so breit war wie die billigen Einpenny-Dampfrr auf der Themse, eine prächtige Figur, aufrecht und schlank, als ob er ein Jüngling wäre, in einer schmucken, blauen Unifonn, die Mütze der Schiffahrtsgesellschaft anmutig auf seinem weißen Haare, mit seinem nett zugeschnittenen Spitzbarte. Siebzig Jahre alt. Ein hohes Alter. Er harte den Kopf zurückgeworfen, hielt seinen Fernstecher in der Hand, neben ihm stand der chinesische Lotse, und so starrte er den weiten, gewundenen Strom herunter. Eine ganze Flöt» r v«'> v rr^ r»««>««« Böses Weib und rechte Jungfrau. Predigten aus drei Jahrhunderten. Abraham a Santa Clara, der berühmte Kanzelredner des 17. Jahrhunderts, schilderte in einer Predigt ein böses Weib: „Es ist besser, in der Wüsten sich aushalten bey giftigen Basilisken, bey grausamen Amphibien, k«y erschröcklichcn Drachen, bey schädlichen Kroeodillrn, bey wilden Salamandern, bey blutgierigen Tygern, bey zornigen Löwen, Bären und Wölfen, als bey einem bösen Weibe. Ein böses Weib ist ein Schiffbruch ihres Mannes, sie ist ein steter Wetter-Hahn im Hause, sie ist eine übel laufende Klapper-Büchse, sie ist ein fränkischer Stiefck-Balg, den man fast alleweil schmieren müßte. Sir ist ein gewichster Wetter-Mantel, in dem das Wasser der Ermahnung nicht eingchet, sie ist ein Blasbalg des feurige» ZornS, sie ist ein Zugpflaster des BentelS, sie ist ein Manlt-er, das manchen armen Maim zu tobt beißt, sie ist c»ne Onar- tier-Stnben aller Bosheit, sie ist ein Braban- tischeS Stamm-Wappen, darinnen ein zänkischer Hundskopf, sie ist ein Friedhof der guten Tage, sic ist eine giftige Schlange, eine bittere Aloe, sie ist ein übler Sanerampf, sie ist ein ewiger Blas-mich-an, eine Commissarin der drey Furien, sie ist das letzte Gebet im Batcr-Unser: erlös uns von allem Uebel; sie ist rin höllischer Brennspiegel, der Fröhlichkeits-Kehr-ans, ein immerwährendes Jgckfest, sie ist eine Haspel der Ungelegenheiten, sie ist ein Jahr-Marckt der Zanktvörter, kurzum sie ist, ist, ist, waS nicht sattsam beschreiben kann." Es ist amüsant, die Schilderung einer frommen Jungfrau aus einem Berner Mis- sionsbkättchen des Jahres 1928 dagegenzustellen: „Eine rechte Jungfrau muß sein wir die Glocken am Karfreitag: still und eingezogen. — Wie eine Orgel: sobald sie auch nur ange- tastet wird, schreit sie laut.— Wie eine»pital- suppe: die hat nicht viel Augen: also soU eine rechte Jungfrau nicht viel herumgaffen.— Wie eine Eule: die kommt fein wenig ans Tageslicht.— Wie ein Spiegel: wenn man,dem ein klein wenig zu nahe kommt und anhaucht, so macht er ein finsteres Gesicht.— Wie ein Licht: das in einer Laterne eingeschlossen viel sicherer ist, als außer derselben.— Besonders aber wie eine Schildkröte: die ist allezeit zu Haus, hr sie ihr Haus mit sich herumträgt: tille von Dschunken mit ihren gebogenen Buge» und gehißten, viereckigen Segeln fuhren tat Strom herunter und die Ruderer sangen eine» monotonen Sang, während sie mit ihren knarrenden Rudern arbeiteten. Das gelbe Wasser spielte in der untergehenden Sonne lieblichs in bleichen, sanften Farben, und der Strom schien glatt wie Spiegeleis zu sein. Und er ging entlang an den flachen Ufern und den Hütte» eines verwahrlosten Dorfes, in der neblige» Hitze des Tages und Bäume und Häuser am Ufer nahmen sich gegen den bleichen Himmel geradezu wie Silhouetten arcs. Er erhob seine« Kopf, sobald er den Schrei von Wildgänsen vernahm, und er sah ihnen nach, wie sie in Form eines V wer weiß in welches ferne Land entflatterten. In der Ferne erhob sich auf einem Hügel ein Tempel im Souncnglanze. Und da er dies so oft schon gesehen hatte, rührie eS ihn ganz sonderbar. Der sterbende Tag gab ihm zu denken, er wußte nicht wieso, und er sann über seine große Vergangenheit und sein hohes Alter nach. Und er bedauerte nichts. „Beim heiligen Georg", murmckte er vor sich hin,„schön, wunderschön war mein Leben!" o o V«VT TTyTTVTffTf««« also soll eine rechte Jungfrau sich meistens zu Hause aufhalten zur Bcrmeidung aller bösen Gelegenheiten. Denn die Jungfrauen, die sich immer auf Wegen und Gaffen sehen lassens sind vor losen Schckmen nicht sicher." In der gewaltigen Schimpfkanonade des weiland Wiener Hofpredigers— der übrigens faule Männer und Trunkenbolde, auch aus den höchsten Kressen, nicht um ein Haar milder in seinen Predigten behandelte— spüren wir. noch heute die Kraft der ehrlichen Urbrrzeugung. Seine Nachfolger auf den Kanzckn aber brach« ten drei Jahrhunderte später wohl eine Imitation seines Srils zustande: doch sic griffe» nicht wie ihr Vorbild in das lebendig kreisende Leben, sondern in ein Gerümpel von Muff und Verlogenheit. Das böse Weib Abraham a Santa Claras hat immer gelebt— die„rechte Jungfrau" der Berner Frömmler nie. Was kostete die Entdeckung Amerttnrf? Die Entdeckung Amerikas ist erstaunlich billig gewesen, wenn man den Berechnungen trauen darf, die ein holländischer Gelehrter aufgestellt hat. Er hat nämlich- nicht mehr als 6038 Gulden herausgerechnet, llm zu diesen Resultat zu kommen, hat er eingehende Studien über die Berhältniffe anstelle» müssen, unter denen Kolumbus und seine F hrtgeuossen in dem denkwürdigen Jahre rer Entdeckung lebten. DaS Gehalt eines Admirals betrug in'enrr Zeit 768 Gulden jährl-ch Ta nun die Expedition von Anfang August 1492 bis Ende Feber 1183 dauerte, so erhielt Kolumbus, für diese Zeit«in Gehalt von 811 Gulden. Weiter mußte die Frage beantwortet wertar:wievick Schiffe, Offiziere nnd Mannschaften nahmen an der Expedition teil, und wie groß war ihr Gchalt- Aus alten Schiffsjournalen ermittelte der holländische Gelehrte, daß der Kapitän eines Schiffes in jener Zeit 492 Gulden jährlich verdiente Das Jahresgehalt der übrige» Schiffsbesatzung schwankte zwischen 55 und 7K Gulden. Nach langen Berechnungen kam dann der Forscher zu dem bereits erwähnten Resultat von 6063 Gulden, welche die Entdeckung Amerikas die spanische Regierung gekostet hat. Die Berechnung mag wohl stimmen. Also 6036 Gulden für die Entdeckung Amerikas. DaS» ist wirlllch nicht viel Geld. Aber wenn man sieht, welche Zustände sich seit Einführung der Prohibition hier entwickelt haben, dann kommt einem selbst diese bescheidene Summe doch noch, reichlich hoch vor. — 4— MTOtr für Sau« und Samilit.|»>""““ ZLLL" „«««lisch lerne«— ei« Vergnügen!" Bo« T. W. Mae Callum. Verlag R. Piper^Lo, München. Der Professor der englischen Sprache Mac Callum hielt im vorige« Jahre durch den Wener Radiosender Vorträge über die eug- lische Sprache, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreuten und die in diesem Büchlein zusammengefaßt wurden. Diese Sprachkurse sind das Er- gcknis langjährigen Suchens nach einer leichtfaßlichen Lchrmechode und der Titel des Buches verspricht nicht zu viel, denn die Sprackkstunden. die man an seiner Hand nimmt, sind, so weit dies beim Studium einer Sprache nur möglich ist, wirklich ein Vergnügen. Sichtlich ist dieses Lehrbuch davon geleitet, dem Lernenden das Studium tunlichst zu erleichtern und ihn nicht mit unnützem Balast zu beschweren. Dabei lassen die Lektionen an Gründlichkeit nichts zu wünschen übrig. Den Anhang bilden eine Anzahl Lcsestücke und ein Bokabularium. Zahlreiche flotte und- lustige Randzeichnungen von Tibor Gergely schmücken das Buch, das auch einige englische Lieder enthält und aufs beste empfohlen werden kann. Französische und englisch« Lesebogrn. Verlag Belhagen& Klosing, Bielefeld-Leipzig. Unter obigem Titel gibt der genannte Verlag kleine wohlfeile Hefte heraus, die für jeden, der französische oder englische Sprachst«ndeu nimmt, «inen wichtigen Behelf bilden. Die Hefte rnt- halien kleinere und größere Erzählungen französischer oder englischer Schriftsteller, Skizzen, geschichtliche Darstellungen, wissenschaftliche Abhandlungen und Gedichte, den Anhang bilden Erklärungen der Aussprachezeichen und aller schwierigen Worte, sowie aller Namen.von Personen, Städte ustv., die im Lesestoff Vorkommen. Im Sprachstudium Fortgeschrittene mögen so viel als nur möAich diese Heftchen erwerben und lesen, sie werden ihnen ausgezeichnete Dienste leisten. „Die tanzende Uhr.- Hundert Bilder mit lustigen Versen, Hl Seiten. Preis Halbleinen G Mark. Bon Johannes Thiel. Verlag Josef Kösel z- Friedrich Pustet, München. Was in den Köpfen unserer kecken Jungens und Mädels von heute an geheimen Träumen und Wünschen, an wagemutiger Abenteuerlust und Entdeckerfr» uüen lebt, hak Johannes Thiel, der Maler und Dichter, in aquarellierten Federzeichnungen und lustigen Versen seines neuen Märchenbuches„Tie ranzende Uhr" erschaut und erzählt. Dieses Bilderbuch schildert die Er- lebniffe des kleinen Peter. Dieser arme Tropf, an Masern erkrankt, träumt iu seinem Bett mir offenen Augen von seinen Bausteinen und all seinen lustigen Spielen. Plötzlich hört die llhr auf zu ticken. Sekunden-, Minuten- und Stundenzeiger, llhrölatt und Pcndrlschnur spa- zirrci- davon. Der llhrnranu versucht vergebens die Racker zu sangen, fällt bin und stöhnt. Alle Gegennäiide beginnen zu lachen, zu reden und sich inr Kreise zu drehen. Kasperl stellt den ganzen Chor Pctcrchen vor. Da kommt der Uhrmann mit bösem Schuaufen und alles drängt «ach Hanse. Als Petercken wieder erwacht, entdeckt er voller Freude, daß die llbr ganz gc- bliebr» Da lvird er wieder fröhlich und gesund. Die hunrorvollen, bunikolorierwn Bilder sprechen auch ohne Worte in der dem Kinde ver- sündlichen Sprache. Mas mancher- nicht weiß. Den größten städtischen Platz in Europa besitz! Paris mit seinem Marsfeld mit 112000 Quadratmetern. Hierauf folgen der Königs- platz in Berlin mit 100.000 Quadratmetern, der Rathausplatz in Wien mit 90.000 Quadrat- Der berühmte Petersplatz in Rom hat nur 21.000 Quadratmeter 1914 gab eS in Deutschland 83.953 Tabakpflanzer, die 14.182 Hektar mit Tabak bepflanzten u>ck 20 Prozent des gesamten deutschen Tabakbedarfes deckten. In den Bereinigten Staaten rechnet man damit, daß 1930 annähernd 30 Millionen Kraftfahrzeug« vorhanden fein werden, so daß auf 3.5 Einwohner ein Auto kommen würde Die Haare einer Zahnbürste, herauSge- nommen und aneinandergereiht, ergeben eine Gesamtlänge von fünf Metern. Der erwachsen« Mensch ißt durchschnittlich in jedem Jahr das Vierfache seines Eigengewichtes Wen»»«an eine Kartoffel in Schwefelsäure legt, wird sie nach längerer Zeit so hart wie Marmor und kein Messer kann ein Stück von ihr abschneideu. In Deutschland leben die meisten Kurzsichtigen aus der ganzen Welt; am ineisten Kurzsichtige in Deutschland wiederum gibt es in Sachsen. Aus tausend Erwachsene kommen bei uns zweihundert, die Gläser tragen nrüssen. DieMinbestlohnsätze des Todes Wie alle anderen Berufe, haben sich bc- kanntlich auch die Artisten zu einem gewerkschaftlichen Verband zusanrmcngeschloffrn, der Internationalen Artistenorganisation. Daß diese Organisation Lohnverträge sür ihre Mitglieder abschließt und alle ihr« gewerkschaftlichen und sozialpolitischen Rechte wahrnimmt, ist nur selbstverständlich. Originell sind aber die Lohnverrinbarungen, die kürzlich die Film-Luftakrobaten in Hollywood für sich erzielt habe». ES wurden kollektivvertraglich für folgende halsbrecherische Kunststücke Sonderhonorare ver- einbart: Hinübcrspringen von einem Flugzeug auf ein anderes 100 Dollar, Hinüberspringen von einem Flugzeug auf einen fahrenden Zug 150 Dollar, Hinübcrspringen von einem fahrenden Automobil auf einen Zug 150 Dollar, Hinüber- springen vor« einem fahrenden Motorrad aus einen Zug 250 Dollar, Fallschirm-Absprung 80 Dollar, Flug mit einem auf den« Kopf stehenden Apparat 100 Dollar, Fallschirmabsprung von einem auf dem Kops« fliegenden Apparat 150 Dollar, Kampf zwischen zwei Personen auf der oberen Tragfläche des Flugzeuges und Fallschirmabsprung des Besiegten 225 Dollar, Fallschirmabsprung zweier Artisten mit einem Fallschirm 180 Dollar, Zertrümmerung eines Flugzeuges durch Fahrt gegen einen Bauin, gegen ein Haus oder ähnliches 1200 Dollar, Hinüberspringen von einem Flugzeug auf das andere, während beide kopfüber fahren, 150 Dollar, auftechtes Stehen auf der oberen Tragfläche des Flugzeuges, während dieses eine Todesschleis« macht, 500 Dollar, Fahrt eines Automobils gegen einen fahrenden Zug 15V Dollar. Zusammenstoß Weier Automobile 225 Dollar, Absturz eines Flugzeuges auf die Erde 1200 Dollar, Jnbrandstecken eines Flugzeuges oder Zusammenstoß zweier Flugzeuge in der Lust 1500 Dollar. Die Todeskurve bewegt sich also zwische«« hundert und fünfzehnhundert Dollar. Sie ist wirklich«licht überzahlt und inuner noch käme es einem bequemer, anstatt von einem Flugzeug für hundert Dollar aus ein anderes zu springen, den Vorschlag des alten Nestroy anzunehmen:„Mir könnt' einer o Million anbieten dafür, daß ich arm sein soll, ich nchmert sie nicht!" Lieber mit einer Million arm fein,| als mit 1500 Dollar den Kragen brechen...| —, derlei. Tirrsang mit„barmherzigen Kugeln". Die Beschaffung des Tiermaterials für di« zoologischen Gärten hatte bisher noch immer Fangmethoden zur Boraussetzung, bei denen eS trotz allem Bemühen, den Tieren Schmerzen zu ersparen, ohne Grausamkeit nicht abgeht. Auch in dieser Beziehung hat die neue Zeit einen Fortschritt zu verzeichnen, der rin schmerzloses Einfangcn wilder Tiere ermöglicht. Die Ber« waltung des zoologischen Gartens von Pretoria, der Hauptstadt der südafrikanischen Republik, ist aus diesem Wege mit gutem Beispiel vorangegangen. Sic hat Captain Burnett Harris, den Erfinder der„barmherzigen Kugel", mit der Ausführung der neuen Fangn«ethvdc betraut. Dir genannte Kugel erfüllt praktisch den Zweck der für subtatane Einspritzungen verwendeten Radel. Das Tier, das von der Kugel getroffen wird, fühlt keinen größeren Schmerz als den durch einen Steinwurf verursachten. Dir Kugel ist mit einem Betäubungsmittel gefüllt, das das Tier einschläsert. ebne ihm irgendwie schädlich zu sein. Dö: gestohlene Eisenbahnlinie. Neulich wurde eine ganze Eisenbahnlinie mit allem Drum und Dran gestohlen. Während der Kriegszeit hatte die habsburgische Armee in der Bukowina ein« Bahnlinie von Borsa nach Jakobeni gebaut. Rach dem Zusanunenbruch ging die Linie natürlich an den rumänischen Staat über. Ta sie aber zuvor strategischen Zwecken gedient hatte, wurde sie in der Nachkriegszeit zuerst nur wenig, schließlich gar nicht «nehr benutzt. Dir Linie geriet, wie man so sagt, in Bcrgrsseuheil, und erst dieser Tage kam die rumänische Bureaukratie wieder auf sie zurück und beschloß, wenigstens das reichliche Material dieser Linie nutzbringend zu verwenden. Es reiste also eine Kommission»ach der Bukowina, aber von der Eisenbahnlinie war keine Spur zu sehen, w.der von den Schienen, den Schwellen, noch auch von den Waggons, den Lokomotiven und dein sonstigen Material. ES war und blieb verschwunden, war einfach rätsillhaft und unaufllärlich verschwunden. Die Eisenbahnlinie war auf Reisen gegangen. F. R. —-« Heiteres.—n Geteilter Schmerz.„Hier hast du die versprochene Mark. Trudchen. Die warS denn beim Zahnarzt?"—„Es war zu schön, Tont«, wie Paul gebrüllt hat."—„Wieso hat Paul gebrüllt?"—„Paul hat sür mich'n Zahn ziehen lassen Er kriegt fünfzig Pfennig ab." EhrkrifiS.„Elender, du willst mir vorlügcn, daß du bis zwei Uhr nachts bei deinem Freunde Armand warst. Wo gerade ich um diese Zeit bei ihm tvar!" Dir Mahnung. Ter Geiger Rose, der dem berühmten Quartett seinen Name« gegeben hat, lieh sich von einem Freund Noten, vergaß aber, sie zurückzugeben. Der Freund schrieb ihm schließlich ein paar Zeile««:„Lieber Meister! In der Auffassung der Klassiker find Sic unerreicht, aber in der Wiedergabe lassen Sic entschiede» zu wünsche» übrig." ES geht nicht mehr. Einem deutschen Richter flog kürzlich folgender Notschrei auf den Schreibtisch: weither her Landgcrichtsrat teile mit das meine ehe durch und durch zerüttelt ist, so daß nichts«nehr möglich ist und sagt meine Frau Wens nicht anderst wird gisse ich dir Schwefelwasscr ins Bisasth! bitte daher um baldige Schcitwng! Mathias.,. kniber.