18 LSnterhattungüveriage. 1929. GGsntzettSkSnigin. Neulich Hube ich»eben der„Schönheitskönigin" eines Landes gesessen, dessen spräche mir einigermaßen geläufig ist, und es war, wie nicht anders zu erwarten, sehr schön. Mit Ministern ist unsereiner schon zusammrngekom- men, wobei eine Kleinigkeit weniger heraus- kommr, als beide Teile glauben— mit Zir- kusaussicllern und Satirikern, der Fall ist äußerst selten; mit Bindsadendirekiorrn und Privatdozcntcn— mit Schönheitsköniginnen noch nie. Wie sieht es mit Bcrlaub zu sagen im Kopf einer Schönheitskönigin ans? Berwirrend. Was ist denn vor sich gegangen? Da haben sie— der Reklame halber, aus Langerweile an einer Zeit, di« man als Biedermeier mit Radio bezeichnen darf, aus Eel- rungsdrang und Freude am Klamauk— eine Schönheiiskonkurrenz ausgeschrieben. Wer? Irgend wer. In Deutschland wird auch dieses wissenschaftlich betrieben— in andern Landern sind einfach ein paar Männerchen gekommen, haben einige Maler und Akademieprofessoren zusammengetrommelt, und diesen Haufen würdiger Männer nennt man„Jury". Gut. Ungeheure Aufregung unter den Mädchen des Landes. Hier liegt nun der erste Irrtum. Denn eS ist ganz und gar ausgeschlossen, daß die europäische Durchschnittsbürgerin an solchen Konkurrenzen tcilnimmt. So amerikanisch fühlen wir nicht. Das Verhältnis des Europäers zur Oeffcntlichkeit ist doch ein anderes als das des Amerikaners znm Publikum: so ganz nnd gar wohl ist dem Enorpäer im Ozcan der Masse nicht, er ist rin geborener Privatmann. Der Amerikaner, scheint's ist das nicht— ein soeben geborenes amerikanisches Baby, in den Riesenrund eines Zirkus getragen, wird sicherlich stolz sein Sternenbannerfähnchen schwenken und mit heller Stimme eine kurze Ansprache an das Volk piepsen, wobei cs Papachens Geschäft zu erwähnen sicherlich Gelegenheit nehmen wird. In Europa ist da noch so eine leise Scheu... Es stürzen sich also auf diese Konkurrenz viele Mädchen, die beruflich oder seelisch unerlöst sind, lechzend nach dem Abenteuer, im Kino erschaut...«Mich etwas Abwechslung lion vtter Dsnter. im grauen Leben! Bin ich schön? Hunderte von Spiegeln erblinden in diesen Tagen. Tag der Jury. Waffenstillstand zwischen den Geschlechtern— es wird zwar von den Damen scharf geschossen(Schiffe sind im Englischen weiblich)— aber es geschieht zu Mano- verzwerkcn, und alle wissen das. Die männlichen Generale sitzen da, haben eine weiße Binde um den Arm und begutachten di« Attak- ken, die keine sind und doch welche sind... Wahl. Man kann dergleichen auch auswürseln. Denn wonach geht das? Lisa sieht nnr gut aus, wenn sie geliebt, aber nicht zu viel geliebt wird; Musch braucht Licht, viel Licht, das von rechts fallen muß; Lottchen kann süß ausschen, das hängt von mancherlei Dingen ab, und die frommen Ratschläge(„Rehm Sie jrien, det hebt Ihnen— rot macht dicke Beene!") nutzen da nicht so viel. Eine hat gerade an diesem Tage einen kleinen Fieberpickel; die andere hat vor Aufregung schlecht geschlafen; die dritte ist sehr schön, aber wenn sie vor Fremden steht, zuckt sie sanchmal mit der Rase und weil in den urteilenden Männern der sublimierte Trieb und die echt« Freude am Schauern sich seltsam mische», so wird irgendeine der Damen Schönheitskönigin— von der Qualifikation der Herren Kunstrichlcr ganz zu schweigen. So— da ist sie nun. Herausgeriffen aus dem tägliche» Trott; höchste Schmeichelei und scheinbar höchste Erwartung: die andern erwarten nun etwas von ihr, Karriere, Gunst und Photographien: der Neid der Freundinnen erwartet das nahe Ende, nnd sie erwartet das Wunder. Was für ein Wunder? „Wissen Sie," sagte die oben angezogcnc Schönheitskönigin zu mir,„ich bin ja so gespannt, wie sich meine Zukunft gestatten wird!" Und da hälie ich sic aus den Schoß nchmcu und streicheln können: ich habe es aber nicht getan. Wie wird sich denn diese Zukunft gestalten? Film. Sofortige Berfilmnng für die Wochenschau: Warten in den Vorzimmern der Generalsekretäre der Generatdircklorcn, schüchterne Probe und Kummer auf der ganzen Linie. Theater. Dasselbe Revue.., hier in Paris hat eine Schönheitskönigin einen dicken Prozeß mit einem noch dickeren Revuetheaterdirektor: das Mädchen will ihren Vertrag nicht halten, nach dem sie verpflichtet war, jede« Abend, fast nur mit ihrer Schönheit bekleidet^ I durchs Bild zu gehen. Rach dem vierten Maltz fiel ihr ihre Moral ein, vielleicht hatte ihr auchj jemand gesagt, daß ihre dicken Bein« sich nicht gar so heiter da oben ausnähmen— kurz: die! Königin verkroch sich hinter die Königin« Mutter, sie spielte nicht mehr mit, und jetzt prozessieren sie. Ja, was für eine Zukunft! also? Heirat? Die Heirat mit dem jungens Mann, der ein Lord ist, zugleich schön wie Douglas Keaton, zugleich reich wie Bauder», bildt, zugleich kann er laufen wie Rurmi, flie» gen wie... ach du lieber Gott. Kommt ja nie.- Ist auch gar nicht so erstrebenswert. Die zur „Miß Europa" erwählte junge Ungarin hak aber hier in Paris erklärt, sie warte auf diesen jungen Mann. Und so warten sie denn alle.- Borläufig haben sie den Eintagsruhm.< Merkwürdig ist daran, daß der Urteilsspruch! einer Gruppe, die kein Mensch kennt, und der««! Legitimation sehr dahinsteht, von allen aner-. I kannt wird, nur, weil er ein Urteilsspruch ist. Bei unserem kleinen Frühstück zum Beispiel! warfen die anwesenden Frauen schnelle Blick« auf die Königin, ob sie wirklich soZchön sei...- und sie stellten mit Befriedigung fest, daß-em sicherlich nicht so sei— aber da mischte sich doch eine ganz leise Beängstigung mit ein und vor allem die klare Anerkennung des Urteils jener Parissc, die de» Apfel verteilt hatten. Ich kann ja nicht klagen— denn ich genoß hohes Ansehen an diesem Mittag, weil sie mich für den Prinzgemahl hielten. Die schönste Frau Europas... Ta ging j also die schönste Fran Europas durch die Straßen von Paris, nnd cs muß eine groteske Sache gewesen sein: sic wußte doch nun, daß sie dies schönste Frau Europas war— aber, ätsch, dies andern wußten cs nicht, die dummen Passau»| tcn und die Schutzleute, sic gingen und standen, da herum, als ob nicht der Stern des Kon» tinenis durch die Straße glitzerte... Sie' war inkognito schön. Ein seltsames Schauspiel. Gewiß ist das ein harmloses Gesellschaftsspiel. Aber mir will es nicht recht scheinen, daß wir jeden amerikanischen Unfug nachahmen, ganz gleich, ob er hcrpaßt oder nicht, und ich' kann mir denken, daß das auf einzelne der jungen Damen keine sehr heitere Wirkung ansübt— dergleichen verdummt. Die unsachliche Liebe. Tagcbiichgloffen eines Verliebten. Bon Rastignac. Verfluch« Liebe! Ist cs erlaubt, daß man in dieser großen Zeit der Sachlichkeit sich mit diesem veralteten Gefühl hernmschlägt? Nachts nur wenig zu schlafen, einen dummen kleinen Namen in jeden Gümnken des Tages und der Arbeit zu mischen? Schämt man sich nicht vor dem Schnelliempo des Auto-Verkehrs der Großstadt? Schämt man sich nicht vor den nüchtern klaren Glasfassaden der Warenhäuser, vor den dunkeln langgestreckten Fabriken in den Vorstädten, vor den Lichtreklamen der Bergnii- gungsstätten? Schämt man sich nicht, von dem altmodischen Gefühlen„Liebe" ergriffen zu sein? Beüoirrt zu sein durch ein bachstelzen- hastes Geschöpfchcn, an dem die Äugen noch das Größte sind? Bor Kvei Stunden habe ich die vorletzten drei Mark für ein Auto und den letzte» Taler für zwei Kinobilletis ausgegeben. Jetzt reicht es nicht mehr für rin vernünftiges Abendessen. Mein Vorfahre, mein Urfahr«, der vielleicht Landsknecht unter Ludwig dem Frommen war, hättte zuerst gegesicn und dann für ein Liebchen gesorgt. Und diesen ungesunden Zustand nennt man Zivilisation! Heute vormittag habe ich bereits viermal antelephoniert, ohne sie zu erreichen. Und ich Haffe doch das Telephon. Immer von unterwegs angcrufen und Zeit versäumt. Einmal stand ein junges Mädchen, einmal em junger Mann vor mir und ließ mich warten. Nebenan in der Zelle hörte ich eine junge Frau fast weinend auf ihren Gatten einreden, mit dem sie scheinbar eine bedauerliche Eheverwicklnng Hane... „ Bei dieser Gelegenheit ist mir ausgefallen: wieviel Telephongespräche mögen wohl um der Liebe willen gepflegt, wieviel Telephonfräulrin und Oberpostbeamte mehr durch die Frequenz dieser altbackenen Sehnsucht ernährt werden? Eben erhielt ich ein Honorar. Die Miete ist wieder bezahl«. Man kann bis Ende der Woche lebe». Ich schlendere durch die Straßen fröhlich und erleichtert, denn ich habe einen Bries von ihr. Eine» Brief... Ein Blumenladen lockt. Einige schöne illosen muß ich kaufen. Dazu reichl's noch. Ob andere Männer auch so dumm sind? Lächerliche Frage: der ganze Laden gilt doch der Liebe. Tenn wer wird seiner Groß- mntter Orchiden kaufen? Blitinengeschäfte, Gärtnereien, Basllicse- rauten und Körbchenslechter leben von der antiquierten Empsindelei der verleugneten Liebe. Ich hatte Glück: traf sie aus der Straße. Ikonnte ihr zärtlich die Hand drücken. Ich durfte mit in das große Warenhaus gehen, nm einzukanscn. Sie brauchte ein Paar neue Schuhe. Habe ich je geahnt, daß cs so viele Möglichkeiten gibt, einen kleinen Fuß kaum zu bedecken? Welch eine Maschinerie wird in Bewegung gesetzt, nm Leder von dieser Zarcheit zu erzeugen? Wieviel Zeit war nötig, um die schwierigen Methoden des Ledcrfärbcns zu entdecken; um die sinnstvollen Apparate zum. Sticken und Nähen zu erfinden! Und in allen Abteilungen sah ich wieder siegreich die Liede triumphieren; alle Waren : schienen nur angehäust, damit dir Frauen sich schmücken und die Männer bezahlen können. Millionen Arbeiter, die Brot erzeugen könnten für sich und alle Menschen, dienen diesem Traum der Zivilisation, dieser Chimäre der Liebe. Dummheit über Dumuchrir! Ich habe sie zum Wochenende ringriode». Nur so nebenbei angetippt während des Gesprächs, ohne lang zu überlegen. Richt im Traum daran gedacht, daß es Wirklichkeit werden könnte. Sie aber sagte:„Wie nett von dir, wirklich liebenswürdig". Und ich Narr cchote:„Die Liebenswürdigkeit ist ganz bei dir, da du so freundlich bist, anzunrhmrn". Ich glaube fcststellcu zu können: die Bescheidenheit— diese edelste weibliche Zierde— verringert sich proportional zum Grad der zunehmenden Vertraulichkeit. Resultat des überstandenen Wochenendes: auch diese Erholungs- Einrichtung ist industrialisiert. Sie dient— beinahe so vationalisert und genormt wie die Fabrikation von Berschönerungsmitteln— auch nur dieser Sache, die früher einfach und nun so verdrängt, verkleidet und intcreffank ist,— der Liebe. Erkenntnis: Tiefer ganze gewaltige Tam- tam, dieser imposante Apparat, diese ganze aufgeblasene Wichtigkeit, dieses gewaltige Schwungrad des modernen Daseins ist von demselben kleineir Antrieb in Bewegung gesetzt, das einen Pfau zwingt, fein Rad;u schlagen. Was mich betrifft: Beinahe hätte ich mich verlobt. Ueberraschung! Unglück! Glück! Erlösung! Qual! Ich weiß nicht, was in diesem Gemisch voir bösem und gutem, leidenschaftlich-dummem und gescheit-nüchternem Gefühl das Sirgctldc ist. Sic hat sich verlobt. Aber nicht mit mir. Diese schlaue, reizende Person hat den Mann gefunden,„den man heirat«". Eine Rase hat er zwar so gut wie gar nicht, aber ein Kleinauto hat er ihr schon geschenkt. Erleuchtung: Was verdankt die Automo- bitindustric den Launen der Verliebten? Ich sah sie zusammen mit ihm in einen Juwelicrladcn gehen. Wer weiß, ob er nicht auch Pein anssiehi, wenn sie sich eine„Kleinig- feit" aussncht. Im großen dieselbe Angst, dir ich hatte, wenn ich ihr über uicinc Berhältniffe «ine Theaterkarre kauft«: die Angst Vor dem Opfer der verschleuderten Arbeirsmnhe. Man weiß'längst: Tas kapitalistisrhe System ist da; das Angebot übersteigt die Nachfrage; aber den Antrieb, den winzigen Reiz, der(wie gewiße Hormone) das Blut im Wirtschaftskörper zum Umlauf anfpcitscht, bildet in dieser sachlichsten aller Wellen das durämus unsachliche, unrentable Gefühl: die Liebe! Der Finger Gottes. In meinen Knaben fahren hatte ich einen Mitschüler, Stäbe! hieß er— ein uiageres, armes, räudiges Kerlchen.— Jüngst wackelt er mir— nach vierzig Jahren— wieder in den Weg: überlebensgroß, schlachtreif und hoher Würdenträger. Na, wie er so dick und wie er Kirchenrai geworden, frage ich. „Ter Finger Gottes," sprach er,„hat mir descheidenem Mann die Bahn gewiesen.—Seit Jahren plante die Landesregierung den Bau von Eisenbahnwcrkfiöiten am Rand der Stadt. Aber wo? Das wußte kein Mensch— dir Meinungen der Maßgebenden gingen auseinander und wechselten oft.— Eines Tages erzählte mir der Siegrist unseres schönsten Heiligtums. der Jakobskirche, daß Herren der Regierung das Kirchengelände am Rand der Stadt besichtigt haben, und haben geheim unter sich entschieden: hier müßten die Werkstätien her.— So hatte der Herr einen niederen Knecht, den Sirgrist, zu seinem Finger erkoren.— Die Kunde, die er mir da gebracht, war mir eine bare Million Mark wert— ich drückte dem Sirgrist auch sofort 5V Pfennig in die Hand und trug ihm strengstes Schweigen auf.— Am selben Nachmittag leitete ich Tauschverhandlungen ein mit unserer Kirchgemeinde. Es war «in mühevolles Werk; doch es gelang mir," die Herren von der Nützlichkeit des Tausches zu überzeugen— ich gab meine eigenen, weit besseren Terrains gegen jene hin, die der Staat für sich begehrte. Gott segnen ein Beginnen, durch das ich ihn gleichsam zum Teilhaber meiner Bauspekulation gcuiacht hatte; und wo Gottes Segen ist— was kann da noch fehlen.? «Roda Roda im„Simpl") Der„RAualmord" von Tisza Sfzlar. In Amsterdam starb dieser Tag« ein aller Man», uiit deffen Namen die Erinnerung an einen der unwahrscheinlichsten Exzesse anii- semilischer Hetze verknüpft ist. Er hieß Moritz Scharf und tvar zuletzt ein Diamantcnschieiser, der in seiner Unigebung höchstens durch besonders große Armut anffallen konnte. Bor einem halben Jahrhundert hatte ganz Europa seinen Namen gekannt. Damals, im Jahre 1882, war Moritz Scharf ei» Knabe von!! Jahrei«, dessen Angaben die schauerliche Anklage stützie, in der kleinen ungarifchcn Stad: Tisza» Eszlar hätten 15 Inden, darunter Scharfs eigener Baier, eine christliche Jungfrau namens Escher Solymosi geschlachtet, um ihr Blut in das jüdische Ostcrbro« zu verbacke». Esther Solymosi war um die Zeit des jüdische«« Osterfestes spurlos verschwunden und unter der ein- sältigcu Bevölkerung der Stadt hatte sich das Gerücht verbreitet, sie sei das Opfer eines Ritualmordes geworden. Man munkelte, der kleine Moritz, der Sohn des Tcmpeldicncrs, habe«was darüber erzählt. Ein Gendarm nahm de«« Jung«« iu feilte Wohnung, und hier gestand Moritz Scharf, er habe gehört, wie sei» Vater das Ehristenmädchm in den Tempel hin- eillgelockt und ihr dann mit Hilfe anderer Verwandten den Hals durchstochen und das Blut abgrzapst habe. So kam es zu den« seu- sätioncllsten Ritnalmordprozeß des vorigen Jahrhunderts. 33 Tage lang focht der Staals- antvalt für das Todesurteil gegen die 15 Angeklagten.— Moriv Scharf wiederholte vor Gericht sciu Geständnis,«nchrmals hintereinander, ohne ciir Wort z«t verändern. Zum Glück für die Angeklagten«vurde noch während des Prozesses der Lcichnant des verschwundene»« Mädchens an das Ufer der Theiß gespült, und die ärztliche Obduktion ergab, daß sie wahrscheinlich Selbstmord verübt, sicher aber nihr durch Messerstiche ihres Blutes beraubt worden sei. Schließlich vcrivickelic sich auch der kleine Moritz in Widersprüche, ans denen jich klar ergab, daß er den Vorgang, de«« er schilderte, unmöglich beobacht«, haben konnte. So ivurden die Angeklagten srcigesprochen. Wie Moritz Schars z>« seiner Aussage gekommen ist, wurde restlos nie aufgeklärt. Er selber bar, unmittelbar nach Verkündung des Freispruches, unter Tränen seinen Vater um Verzeihung und gab an, die Gcndarnien halten ibn zu seiner falschen AnSsage mit der Drohung gezwungen, ihn für Lebenszeit cinznfperren. Später wanderte Schars nach Holland ans und wurde Tianmntenschleifer in Amsterdam. Jahrzehntelang hat man nichts von ihm gehört. — s— QHIerVet. Während man fcpon lange wußte und erklärte, daß die Armen kein Anrecht auf das Eigentum der Reichen haben, wünschte ich, daß man ebenfalls wisse und erkläre, daß die Reiche» kein Anrecht auf das Eigentum der Armen haben. Ruskin. Fatal ist mir das Lumpenpack, Das, um die Herzen zu rühren. Den Patriotismus trägt zur Schau Mit allen seinen Geschwüren. Heine. fl I tier alles 00000000000000000000000000000 .. Au einem im-Frack; er «tveiße Hände. emacls Sendung" den Prozeß und feine Bor- : meisterhaft dramatisiert. r T T—V r"V wachsen können und das Maul Platz vor Gericht sehr hübsche Gesicht; sie ist nnschulöig! und das Maul zum Brüllen, llnteir ' Tie ist zum Ziehen Wenn die Leute ziehen, kommt die Die Milch wird niemals alle; die innner mehr. aitatffeti. QHIöerreiOe atu> dem ftaraebol des Setten*. Bon Anton Tschechow. „Gäbe mir der al lager einen Hunderter mehr, ich ließe sie verknallen'." denkt er.„Qfn der Rolle des Anklägers wäre ich effektvoller.'" ... Durchs Dorf geht ein betrmltenes Bäuerlein, singt und spielt schrill auf einer Ziehharmonika. Sei» Gesichisausdruck fft trnukne Rübrung. Er kichert und macht Hüpsschriite. Er hat ein lustiges Leben, nicht wahr? Nein, er ist nur eine Maske. „Fressen will ich", denkt er. vr rr»»TTTTTTTT v t w t t t< Ja, wenn nun so drei blonde oder braune, Amazonen— ei potz! im Schritt und Tritt und. Trier u. Schritt— über den Augustusplatz marschieren, so könnte man tvahrhastig glauben, drei hsstorischcn Dragoner seien in weiblicher Ren», anflage erschienen. Bis zunr Knie gehe» die Kauonensrirfel und bis zum Knie gehen die Gamaschen. Sie scheinen uns nicht sehr praklisch zu sein. Denn dar- unter und darüber sind mir die obligaten schim-' merndeu-Scidenstrümpfe. Also: Kaltes Knie und warmes Bein! Aber sic wollen ja auch gar nicht übermäßig i praktisch fein, die Gamaschen und Kononenstiefel. Sie Wolken Akzente sein. Besonders die Kanonen», i stiefel, die Pelzverbrämten. Eine neue Art des Charme flave mit einem ganz martialischen I Retz. Drüben in Rußland, dem gärenden Reiche,-‘ gibt es Amtyoncikba taillone. Warum sollen sie nicht auch bei uns eingefiihrt-werden? Schon berichten ja die Zeitungen aus England, daß bei den Prüfungen zu den höheren Staatsbeauckenposten die Frauen mit Merioäl-' tigeuder Majorität gesiegt haben. Und einige der. bedeutendsten Acrztc Amerikäs haben längst her-' ausgefundcn, daß die Frauen, da sie sich rer»! miNstiger kleiden als die Männer auch zusehends I physisch stärker und größer werden als d'ese' Bertveichlichten. Die Männer lausen in Halbschuhen herum und fetzen sich zu-Hause enrsetzüche Frificrhanben- auf das aitgcprcßte Haar, sprechen über„Karne-- radfchaftschen" und lassen Golt den guten Mann' fest». Dieiveilen erwächst ihnen ein verblüffend und bedrohlich starker Kamerad, der zwar noch' nicht die Hosen angezogen hat, dastrr aber schon Stiesel, lind noch dazu Kanonenstiefel! bis fetzt die Nachricht von seinem Tode kant. I„Semacl llebrigens bat Arnold Zweig in deur Stück| geschickte ... Ein Anwalt verteidigt eine Beklagte... Sie ist eine Fran mit unsagbar traurigem ist nnschutdig! Bei Gott, sie's Die Angen des Awvalts gllrhcn, seine Wan gen lodern, ans seiner Stimme hört»ran Dränen heraus... Er leidet sirr Vie Angeklagte, nnd>»enn man sie verurteilt, wird er vor Klluuncr sterben!... Das Pnblilnin hört ihm zn» es erstirbt vor Genuß uilb sülchtet, er köniltc plötzlich seine Rede beenden. „Er ist eil» Dichter!" raunen sich die Zuhörer zu. Aber er hat sich nur als Dichter maskiert. Spieltisch sitz, ein dicker hat ein dreifaches Kinn Reben feinen Händen Es ist Abeird. Durch die Straße» zieht eine bunte Menge, die sich ans brirnnkenen Mnschikpelzen und Franenjalken zii'ammcil- fctzt. Es wird gelacht, geredet und getanzt. An der Spitze des Hansells hüpft ein Leiner Soldat in altem Kommißmantel und schräg sitzender Mütze. Der Menge kommt ein Unteroffizier entgegen. „Warum machst Dn kenn vor mir keine Ehrenbezeigung?" schnauzt der Unteroffizier de» kleineit Soldaten an.„He? Warum nicht? Halt! Was bist Du denn fiir einer? Warum nicht?" „Liebster, wir sind ja doch maskiert!" sagt der kleine Soldat mir Wciberstimme, und| der Hanse bricht in ein fchallendes Gelächter ans. . Zn einer Loge sitzt eine schöne, üppige Dame; ihr Aller läßt sich schlver bestimme», aber sie ist noch jung und wird noch lange jung bleiben... Sie ist prächtig gekleidet. An ihren beiden weiße» Anne» trägt sie je ein massives Armband, ans der Brust eine Brillanlcnbrofche. Neben ihr liegt ein Pelzmantel, ianstiid Rubel wert. Im i^ang zvaner ans sie ein betreßter Diener, und ans der Straße harren ihrer zwei Rappen lind ein Schlirien mit einer Decke aus Bärenfell... Ihr zufriedenes, schönes Gesicht uitd chre Umgebung besagten: Ich bin glücklich und reich! Doch glaube» Sie ihr nicht, Leser! „Es ist alles nur Maskeutand," denkt sie.„Morgen oder übermorgen wird der Baron sich mit Nadine liieren nnd mir dies nehmen.. M dienen.„Die Wissenschaft.— ist alles!" sagt er,„sie ist das Leben'" Und das wird ihm geglaubt... Aber, tvenn man gehört; itatt«, tvas er»rach der Vorlesung zu zetnvk! Frau äußerte, so lmirde man jagen, das fei' mir eine MaÄe. Er äußerte zu Hr: ,^«ht, meine Liebe, bin ich Professor.i Ein Professor hat eine zehnmal größer»! Praxis als ein gewöhnlicher Arzt. Ich rechne. jetzt ans ein Einkommen von fttirstindztv-rnsiq Taikfend im Jähr." ... Sechs Portale, tausend Lichter, Meikschcnmeiige, Polizisten, Zwischenoer» käufer von EintrittÄarte». Es ist ein Theater.! lieber seinen Türen steht:„Satire und Moral." Hier wird großes Geld ge,zahlt, hiev- iverdcn lange Kmrffcn geschrieben, hier wird'! viel applaudiert nnd selten gezischt... Ein' Tcntpel. Aber dieser Tempel ist maskiert. Entfernen Sie die Anffchrift„Satire und Moral" und Sie rverden leicht die Worte„Reinfalk und Hohn" lesen können. Herr nick» liegt ein Hansen Geld. Er verliert zivar, läßt aber den Mut nicht sinken. Im Gegenteil: er lächelt. Macht es ihm doch gar nichts ans, ein oder zwei Tausender zn verspielen. Im Speijezimener stellen ein paar Diener fiir ihn Anstern, Sekt und Fakanenbraren zurecht. Er ißt gern nnd gut zn abend. Nach dem Abendessen wird er in einer Equipage zu i h r fahren. Sie evlvartct ihn. Nicht lvahr, er hat ein schönes Lebe»? Er ist glücklich! Aber sehen Sie doch einmal zu, ivas fiir abgeschmackte Dinge sein verspeckles Gehirn beioegcu: „Ich bin mir eine Maske. Kommt eine Revision, w werden alle erfabreti. daß ich mir rine Maske bin!...* Gamaschen und Kanonenfrielel. - Eine neue Etappe aus dec» Wege zur Brrmänn- lichung der Frau. Da sind wir also wieder ein ganzes Stücklein weiter auf dein Wege der Bennännlichuiig der Fran. Allembalben marschierett sie. die Berirerer I innen des schöneren und stärkeren Geschlechts, in Gamaschen und Kanoncnstiefeln, welch letztere allerdings jeder Mensch, der auf seine Bildung hält, ,^Waitrloo>Bools" zu nennen gehalten ist, obgleich sich loeder Blücher noch ,Fcr eiserne Herzog" mir ihrer Erfindung zwecks evfolgreichcr Erledigung der Schlackt von Waterloo befaßt ... Ein junger Professor der Medizin hält seine Antrittsvorlesung. Er versichert, cs gäbe kein größeres Glück, als der Wissenschaft F T V T T T V VT TT T- T T 1 Die Kuh. Dem Anfsatzhest eines zehnjährigen Schülers entnehmen wir:- Die Kuh ist ein-Säugetier und ein Hans! Hie hat sechs Zeiten, links und rechts, oben und unten, hinten und vorn. Sie ist überall mit Rindleder bezogen, hinten hat sic einen Schwan; und einen Püschel dran. Damit jagt sie die Flicgeil weg, damit sie nicht in die Milch sallcit. Born ist der Kopf, damit die Hörner daran" darauf hat. Die Hörner braucht die Kuh zum Stoßen au der Kuh hängt die Milch, eingerichtet. Milch ran Kuh-macht innner mehr. Wie sie das macht, habe» wir noch nicht gehabt. Tie Kuh hat einen feinen Geruch. Man riecht sie schon von wcilenr, denn das macht die gute Landluft. Der Mann von der Kuh ist der Ochse, er sicht genau so aus wie die Kuh, nur hängt nuten keine Milch dran. Darum ist der Ochse auch kein Säugetier. Ter Ochse ist ein Schimpfwort. Die Kuh kriegt edesmal ein Kalb; wie sie das macht, weiß ich nicht. Das Kalb ernährt sich durch Nuckeln. Die Kuh lebt von Gras, Kartoffelschalen und Bnr- terblnuicn. Wenn das Futter gut ist, macht sie gute Milch, wenn es schlecht ist, macht sie schlechte Milch; wenn cs donnert, wird die Milch sauer. Tic Kuh braucht nur wenig Nahrung. Was sic einmal gegessen hat, ißt sie öfters,»veil sie alles wicderkaut, bis sic ganz satt ist. Wen» sie einmal rnnterschlnckt, dann rülpst sie nnd dauil hat sie das Maul wieder voll. Mehr weiß ich nicht... — 4— Aus der Welt der Bücher. Die Eroberung'der Lust schreitet rastlos .vorwärts, miaeohnteu Möglichkeiten eirtgegen. Schon ist ein einen großen Teil der Walt um- sftlsseickes Retz des Luftverkehrs gespannt und wenn dieser auch vorläufig bestiuruiicir Bedingtheiten unterliegt, so kann doch noch niemand enneffen, welcher großen' Entwicklung dar FLngtvescn entgegengeht. Im Verlag B. G. Toubner, Leipzig, ist mm von Dr. E. Pollog ein Buch erschienen(„Der Weltluftber- keh r", Preis kart. W. 5.—), welches über den gegenwärtigen Swick, die Existeiyfähigkeit, die Bedeutung, die Organisation und die Zu» knnst des Luftverkehrs aufschlußreich nick anregend berichtet. Mährer« Kartenstizzen und Abbickmiaen Unterstützen die Darstellungen, des Verfassers. Im gleichen Verlage ist rmtrr deut Titel ^Mathematik und Sport" vonSdudien- di re klar E. Lamp« ein Buch erschienen, das über* hundert mathematische und Physikalische Ausgaben aus dem Gebiete der Leckesülbungen enthält.(Preis kart. Akk. 1.2V). Dem sortier, dem daran gelegen ist, die in seinem Sportzweig auf'.rrteicken Fragen auch theoretisch. zu durchdringen soivie Lehrer und Schüler höherer Lehranstalten werden in-em Büchlein interessante Fragen der Mathematik und der Physik bchandrlj finden. Was mancher nicht weiß. Die Stadt Halle hat als erste denische Stadt Stücke von Shakespeare aufgesührt. Im Jahre 1611 wurde nach Meldung einer alten Chronik der„Iud von Venedig", eine Komödie aus dem Englischen, gegeben. Die älteste Republik Europas ist An» dorra.Drr Staat liegt eingekeilt in den Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien. Die Selbständigkeit dieser kleinen Republik(6ÜVV Einwohner) rührt aus dem Jahre 8VV n. Ehr. und wurde ihnen durch Ludwig den Frommen verliehen. Ihre Verfassung wurde im dreizehnten. Jahrhundert scstgelegt und ist seit dieser Zeit fast unverändert geblicbcu. Eine Weckeruhr besaß Plata bereits, und zwar war es eine nach dem Prinzip der Was» servöget gebaute Maschine, die nach Ablauf einer bestimm.«» Wasscrmcngc eine» lauten Ton eizeugte mck ihm dadurch das Ende feines Schlafpcnsums anzeigte. In ganz Afrika<29.8 Millionen Ouadrat- kilonretcr) befanden sich vor dem Weltkriege mir zwei selbständige Staatsgebiete, und pvar: Abessinien un> Liberia. Heute ist Abessinien, nachdem Liberia sich mehr oder minder freiwillig in amerikanische Abhängigkeit begeben hat, der einzige soureräne Staat in Afrika. Alle übrigen Teile Afrikas sind heute Kolonien europäischer Staaten oder stehen in starker Abhängigkeit zn ihnen, wir z. B. Aegypten. Dir Fliegen vermehren sich in einem einzigen Jahre um zwölf Generationen.' Ein einziges Fliegenweibchen kann cs in einem Jahre auf 100 bis 200 Millionen Rachkommen bringen. Der größte Geiser, der Exclsior in Pellow- stonc Park in Nordainerila wirft seine beißen Dasiersättlen 80 Meter hoch empor und fördert bei einer einzigen Explosion IW Kubikmeter Wasser. Mit der„Lnnqenprobe" stellt man fest, ob ein nriigcborcncs Kind noch lebend zur Welt gekommen ist oder nicht. Die Probe besteht darin, daß man die heransgcnommenc Lunge Im Iah« 1811 lvarcn nur zwei Sonnen- flecke bekannt. Heute hat man 136 Fleckt, welche Mit Namen belegt sind. i ins Wasser legt. Wemi noch keine Atmungsbewegungen vorhanden waren, sinkt die Lunge meder, wurde durch di« Lung« schon gcäftner, so schwimmt die Lunge. Die Tochter des Gummikönigs Abdullah auf der ostindischen Insel Borneo trug an ihrem Hochzeitstage«in Kleid, das ans 20, 50 und 100 Dollarnoten hergestellt war. Die Noten waren zerschnitten, daß sie ihren Wert verloren. Dieses eigenartige Hochzeitskleid kostete nach deutschem Gckde rund 70.000 Mark. Was kostet der Grund und Boden von Loudon? Der Wert des Londoner Bodens ist allein im letzten Jahr« um 12.8 Millionen Mark auf 1170 Millionen(1/17 Milliarden) Mark gestiegen. Diese Steigerung, die 1,1 Prozent beträgt, ist verhältnismäßig in den letzten sechzig Jah«n nur zweimal übertroffen worden. Sie ist hauptsächlich dem Umstaick zuzuschreiden, daß Boden im eigentlichen London und in Westminster mit Geschästsgebäuden bebaut worden ist. Deshalb entfällt die größte Wertstcigerung auf diese Stadtteile. Der Boden der City Hal beispielsweise allein eine Wertsteigerung um 3,4 Millionen Akark und der Bicken von Westminster um 3,9 Millionen Mark erfahren. Geradezu phantastisch erscheinen diese Preise, wenn man bedenkt, daß die Bereinigten Staaten die Halbinsel Alaska von Rußland zu dem lächerlichen Preise von 30 Millionen Mark gekauft haben und daß Napoleon das Riejcngcbiet zwischen dem Mississippi und dem Felscngcbirge (Louisiana) für 63 Millionen Ntark an Amerika abgetreten hat. Ter heutige Boden Londons kostet demnach genau 3gmal so viel als seinerzeit den Amerikanern Alaska, das mehr wie dreimal so groß ist wie Deutschlaick. Ter Wald der toten Vögel. Auf der einsamen Insel Isabel, nahe der südkalisornischen Küste, nisten ungeheure-Schwärme von Vögeln, Sturmvögel, Seeschwaiben, Tropikvögel, Möwen, Pelikane und Felsentauben und vor allem auch Fregattvögel. Bei der Erforschung der Insel entdeckte der amerikanische Reisende Banning einen Wald, der einen ganz seltsamen Anblick bot. Wohin man sah, lagen tote Fregatwögel auf dem Boden oder hingen Bogelleichen in den Bäumen. Selbst nahe bei den Nestern, die voller Vögel waren, hingen die toten Vögel und unzählige Vogelgerippe. Es waren zweifellos nicht weniger tote als lebende Vögel in diesem un- heinilichcn Wald. Dazu kam, daß auch zahlreich« Vögel sterbend zwischen dem Gezweig hingen. An diesem Massensterben sind merkwürdigerweise die Fregatt Vögel selbst schuld, da dieser Wald zum größten Teil aus Büschen besteht, deren Gezweig so dicht ineinander verwachsen ist, daß cs stellenweise wie verfilzt aussieht. Kommt nun ein Vogel zwischen ein solches Zweiggewirr, so verfängt er sich in dem verfilzten Astwcrk derart, daß er nicht mehr loskommen kann und sich immer fester verwickelt, je mehr er bestrebt ist, sich zu befreien. Die Vögel sind wie von einem Retz umhüllt und müffcn in dieser qualvollen Hilflosigkeit langsam verhungern. Dieses Sterben der Fregattvögel ist um so eigenartiger, als gerade der Fregattvogel unter allen Wasservögeln der beste Flieger ist. Mondsüchtig. Obgleich die Physik keine Kraft kennt, die der Mond auf die Menschen ausübcn könnte, ist doch di« Einwirkung des Moicklichts auf viele Menschen— nicht auf alle in gleicher Weis« und Stärke— eine unbestreitbare Ta flache. Nachtwandeln gehört zu i den seltenen Erscheinungen, bei denen Be-1 wcgung und gelegentlich das Reden ganz ohne Mitarbeit des Tagesbewußtscins vonstattrn gehen. Der Moicksüchtige vergißt vollständig, was er getan hat. Daraufhin hak ein unzufriedener Ehemann in Chicago sein Verteidigungssystem gebaut, als er wegen Ermordung seiner Fran vor Gericht starck; er behauptete, er habe sie im Nachtwandel ermordet. Das ist bestimmt nicht wahr, denn niemals wird ein Nachtwandler agressiv, er erschrickt im Gegenteil sofort sehr heftig, wenn er auf einen anderen Menschen trifft. Gegen Mondsucht gibt es kein Nüttel. Man muß die Fenster dicht verschließen, um den Strahlen des Mondes den Eingang zu wehren, das hilft dann sicher. Die Wirkung hängt also von den Strahle» ab, mit denen offenbar bestimmte Grhirnparticn aus deni Schlaf geweckt werden, ohne daß das ganze Hirn wach wird. Vielleicht spielen hier Urwelterinnerungen eine Rolle, oder aber es handelt sich nur um eine krankbaft« Ueberempfindlich- keit für jene unbekannten Strahl«», die mit dem Mondlicht ins Zimmer gelangen. - Heiteres.- Neue Anekdoten. Ellen Terry, die kürzlich verstorbene englische Tragödin, erzählt« in ihrem Freundeskreis gern ergötzliche Geschichten, die die Eitelkeit des Bühnenvolkes zum Gegenstand batten. So schilderte sic untcr anderem, wie sie als junge, schüchtern« Anfängerin von dem Direktor eines großen Londoner Theaters empfangen worden war, der zugleich selbst als Schauspieler wirkte, und der während der ganzen Unterredung ununterbrochen von sich, den Rollen, die er in den vereinigten Königreichen gcspiclt, von seinen Erfolgen und Plänen sprach. Als ersah, daß die Züge des jungen Mädchens allmählich Befremden wicderzuspiegeln begannen, begriff er, daß er schließlich nicht der einzige Schauspieler auf der Welt sei, und gab sich einen Ruck, worauf«r den folgenden Ausspruch tat: „Jetzt genug von mir! Sagen Sie mir, mein Kind— wie habe ich Ihnen in meiner letzten Rolle als Richard der Dritte gefallen?" Jemand teilte Bernard Shaw die Beobachtung mit, daß sich die jungen Engländerinnen seit dem Kriege sichtlich um vieles später zu verheiraten pflegen, als früher, was Bernard Shaw zu der Bemerkung veranlaßte: „Mag sein, daß sie später heiraten, aber dafür heiraten sie öfters!" * Jean Balde, die französische Schriftstellerin, die unlängst mit dem Romanpreis der Akademie ausgezeichnet wurde, hatte ein ländliches, naives Dienstmädchen, das beim Anblick der stundenlang am Schreibtisch arbeitenden Herrin zu dieser sagte:„Nein, wie die gnädige Frau sich mit dem Bücherschreiben Plagt! Wozu denn, wo man doch für rin paar Franken nbcrcall fertige zu kaufen bekommt!" * Ter französische Botschafter H. war in B. zu einer Gardenparty eingeladen, erschien aber sehr spät, als die meisten Gäste sich bereits verabschiedet hatten. Die Hausftau empfing ihn daher mit den Worten:„Schade, daß Sic io spät kommen, Exzellenz! Bor einer Viertelstunde härten Sie eine ganze Menge hübscher Damen hier angetrosfen!" worauf der Botschafter mit etwas verunglückter Galanterie erwidert«:„Ich bin nicht hierhcrgekommcu, um hübsche Damen zu sehen, ich bin hierhergekoin- mr», um Sie zu sehen, gnädige Frau!"