Hermann Siorbsu ift rin lncfcriici ©lebetic-Hcr ui.d typisch für seine ganze groß zügige Mcuschenl lasse. Einins! ist er ans den Salr-nioncn, ein andermal streift er im Malaiischen Archipel uncher, dann zieh! er quer durch das tzun'eiste Afrika, und zurzeir be- finde! er sich ans S.fari in Abessinien nach drm Tsadsee. Hier schilerri er Eindriiäe ans dem Reich Schahs Riia. Ter Aufsatz ist sei. nem Buch„Persien wie es ist und war. Mit Kamera, Anio und Flugzeug durch Rist:- Königreich"(Mir Abbiidiiiigei! und einer .starte. Geheftet M". 7.—, Ganzleinen fflii. 830. ff. 51. Brorihaus, Leipzig enruaninicu, das dem Leser fesselnde llntcihaliuna und schätzenswerte B-lchrnng über ein auisireben- dcs injercssantes Lantz verfchaffl. Bei Sonnenuntergang war Kasan« n erreicht, die betzeuteiedsie Skadr zwischen Bu- ichir und Schiras. Sie liegt ain Frist schnce- bedeckrer Berge inniinen eines 15» Kileanel.'r langen grünen Tals. Die Mehrzahl seiner 10.000 Einwohner sind kleine Bauern niit ihren Familien, Kasarnn ist eine typische oriemalische sLandstadi und jetzt wieder in seine gottzetvollie Schläirigb.ik znrückgesnn- len, nachdem die Welle aufreibender Geschäft ligkeit der Kriegstoge verebbt ist. Damals wurden hier Tausende von Leuten für die South Persia Risles ausgebildet. Enge, winklige Strasten strahlen vom Marrtpürtz. dem Äkittelpunki der Stadt, ans. Auf der einen Seite liegt eine steinerne Ka rawanscrci mit Kaffeehaus, das selber eine Arr Gasthaus darsrellt, da öfters die Reisen- den ibrc Schlafteppiche zwischen den Sieiu- sönlen ansbrcftcir. die das Dach tragen. Dicht daneben ist die Judo Europäische Tele- grapheiUlation, ein imposantes, zweistöckiges Gebäude. Auf dem Markt beginnt die Basti ist raste, rrnmm„ verwickelt schlängelt sic sich zwischen den offenen Läden und Wohuhüticn der.Kaufleute hin. Die Minaretts einer Moschee ragen hoch über die Häuser der Nachbarschaft. Kleine.Kuppeln, die sich in Abständen auf einem der stachen Dächer erheben, lassen ans das Badebaus schliesten. So baute sich die Stadt einladend vor mir aus, als mein Auto vor dem Kaffeehaus hielt. Eine neue Stadt zu ergründen! Aber ich verschob die Bekanntschaft auf morgen, zunächst brauchte ich Rübe und Schlaf. Be- Trrsr»$eiin&as VisrSs«. freundete Babistrn aus den: Irak haften mir Empfehlungsbriefe an zwei Kaufleute in Ka- saruii milZegctcn, doch beabsichtigte ich nicht, ihre Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen. Das Tclrgraphenamt versprach die beste Unterkunft, so daß ich. als wir vor dem Kaffeehaus von einer Menge Leute umring! wurden/ die den Wagencigeutümer zu kennen schienen und mir verschiedene Schlos- gslegcicheiren aujdräugcn wollten, erklärte, daß ich Lorrb'nginge. Sasar übersetzte das der karrenden Menge und erklärte mir daun, der Telegraphenbeaiiit« sei verreist, und in der Station gäbe es keinen Vlatz. Wir fuhren daher nach dem Hause eines der führenden Kaufleute der Stadt. Als ich dann am folgenden Tag den Telegraphcnbeamtcn traft stellte sich der Schwindel heraus. Sasar hatte die Sache nach seine in Geschmack geordnet, da der Autobcsitzer ihm erzählte, in dem Hause des Kaufmanns werde er bestimmt gcrsicsverwaudte Gesellschaft. Opiumraucher, anircfferr. Wir fuhren bis ans Ende der Sradt. an NegiernngsgebäuLen und Krrserncu vorbei, und hielten schließlich vor dein gesuchten Hause. Der reichste Mann der Stadr schien sowohl Bauer wie Kaufmann zu sein. Sein Besitztum lag an der Ecke eines Ciirusksins, es glich einer kleinen Karawanserei. Ich trat durch einen innnelarngcn Eingang und fand mich in einen« uugcpfiastericn Hofraum, in dem wohl hundert Kamele Platz finden konnten, wenn sie sich erst hintereinander durcki das enge Tor gezwängt haften. Ter Hof ivar mit Gürcrballcn besät. Tie Wohnräumc umsäumten den Hof, begannen aber erst etwa ein Meter über Lein Beden. Andern» und Bcrnui(die Atänuer- wohnungrn) befanden sich auf der einen Seite, Küche, Ticuerstnbcn und Geschäftsräume ans der andern, die dritte Seite zeigte kleine Zimmer für die Ar.gestelften, und die vierte wurde als Warenlager bemitzi. Also Wohnung, Geschäftshaus und Lagerräume iu eins, ein fesselndes Bild. Zwei junge Männer lraikn ans Lein Bcrnui, um mich zu begrüßen. Als der eine mein Empfehlungsschreiben gelesen hatte, ergoß. sich ein' Schwall- persischer Worte rtber mich; wie Sasar mir dolmetschte, bot man mir unbegrenzte Gastfreundschaft an. Der Herr des Hanfes wäre gerade abwesend, doch hießen mich die beiden jnngeir Leute, von denen einer sein Beiter war, herzlich willkommen. Ein Zimmer werde sofort: sirr mich hergerichtci; ich möchte das Haus als mein eigenes betrachten. Einige Diener gingen daran, den Raum zu säubern, wo bei meiner Ankunft die jungen Leute mit einigen Freunden Karten gc- fpielk hatten. Sasar stellte mein Beit und Waschgcsäst auf und brachte mir meine Laterne vom Wagen; ein kostbarer Teppich' wurde über den Tisch gebreitet; ich Ivar daheim. Aber meine Gastgeber rvarcn neugierig und wünschten Neuigkeiten von mir zu erfahren. Sie strichen nm mich herum und hielten Sasar mit der Ilcbcrsetzung ihrer Fragen und meiner Anftvorten ständig in A:cm, sogar während mciues Abendessens. Tast sie etwas von der Welt wissen wollten, ivar nicht verwunderlich, denn ihre Kenntnis Hörle in Buschir auf, wo beide erst einmal gewesen waren. Karatschi und Bombay kannten sie aus ihrer Geschäftskorrespondenz, und ihre Fragen drehten sich banptsächkich um Geschastsaussichi-eu. Als der Hausherr ein wenig später ankam, merkte ich. daß auch er nur geschäftliche Interessen hatte. Gegen Mitternacht rühr ich crichrecki aus dem Schlaf auf. Peikscheickuallcn, Glockenklang, das Scharren vieler Füße drang vom Hof iu mein v-en'ach. Ich Karte nämlich der ftüchrn Lust wegen meine Tür offen stehen lagen. Sasar hatte mich zwar gewarnt, man sei vor Diebstahl nicht sicher, aber er hatte versäumt, mir zu erzählen, daß man eine Karawane crivartctr. Nun war sie mir einer Ladung Weizen ans dem Kaschoaigeblet cin- getroffen. Ich stand in der Tür und sah den Trci- bern nutz Knechten beim Entladen der Tiere zu. E nzcln wurden dann die st-tziaen Tiere durch das Tor ins Freie geschickt. Nur durch euren Zuruf, aber sie gehorchten, als wenn sie Menschenverstand hätten. Außer mir nahm niemand von den Ncuankömm- lingcn Notiz. Keiner harte sich die Mühe gemacht, das Bett zu verlassen. Keiner» außer mir kam cs zum Bewußtsein, daß sich hier die Zcituhr unr tausend Jahre Zurückdrehte. Als ich mich vo» dem sellsauicn Bild «l-wondtc und wieder zu Bert legte, konnte ich wegen-cs Rcdcis und Schreiens im Hofe nicht einschlafen. Co oh ich vüch im Zimmer nach einem Zeitvertreib um. Die jungen Leute harten eins ihrer Kartenspiele zurückgelafsen: zwanzig Karten in fünf Serien: Löwen, Damen, ein Liebespaar, Soldaten und ein Wächter zu Pferch. Sir waren nnscrn gewohnten Spielkarten zu wenig ähnlich, als daß ich hätte versuchen Wmren, mich mit einem Wnzelfpicl znni Schlafen zu bringen,- später erfuhr ich jedoch, dah mir den persischen Karterr rin dem Poker ganz gleiches Spiel gespielt wird. Ferner »nd ich ein Brett für das PnWpici, das die Perser erwa zur selben Zeit erftrnderr haben wie ihre indischen Rachbarn das Schach, und das noch heute volkstümlich ist. Der Lärnr iur Hofe vcrstrurunte all- «ählich, nutz ich fiel in Schtaf. Bei Tagesanbruch erwachte ich ans einem Traum, daß ich in einem Pserdcstall schliefe, stand auf nnd kleidete mich an. Der Hof lag nun so still da wie bei meiner Ankunft, aber wie Mders sah er aus'. Stapel von Wcizen- Kckrn reichten bis zu meinem.Zimmer empor, riesige Hansen Kamcl'nrift lagen überall. Lasar harre recht gehabt mit seinem Rat, ich solle die Tür schließen, weirn es auch nicht Diebstahlsgefahr lvar. Ich tastete mich, über schlafende Männer stolpernd, quer über den Hof, schob den schtvcren Holzriegel am Tor zurück und stand aus der Landstraße. Ein bleicher Mond stand noet) am Him- »Kl. Gerade gegenüber, viel näher als in Wirklichkeit, stieg der sclsenähnliche Berg in dir rosa Morgcnwokken empor. Arif den Felder» jenscits der Straße rasteten Kamele. Ich Mite fünfzig nnd schätzte auf viel mehr. Einige weideten, andere lagen in der rhpi scheu ungelösten Ruhestellung, die mich immer wieder überrascht. Sb diese Lasttiere überhaupt wissen. lvas Ruhe ist? Einige Junge drängten sich an ihre Mütter, nm zu trinwrr. Zwischen den ruhenden Tieren erblickte ich.Hairsen von gelbbraunem Tuch, die lvie Sairelkisscn aussahen. Bei genarierer Betrachtung crtviesen sic sich als die Eharwar- dars und Thotoris, die unter ihren Woll- nräntcln Seite an Seite mit ihren guten Freunden, den Kaniclcir, schliefen. Ich trar vorsichtig auf, niu sic nicht z»l wecken, nnd »»achte beim Wcitcrgchen eine neue Entdeckung. Unter den Schlafenden befanden sich auch Mütter mit Kindern, sogar Säuglingen. Bald ivurde die Szene lebendig. Einer nach dem andern erwachte, richtete sich an-f und begann sein Tagewerk. Sic gossen sich Wasser über die Hände und wnschen das Gcsicbi. Lagerfeuer wurden arrgesacht. Man bereitere Tee, holte große Scheibe»» Brot ans dem Ge- päck nnd begann zu essen. Die Kamele stellten sich wie zur Parade nebeneinander auf: sic schienen zu iviffen. daß ciu nener Tage- marsch begann. Sie blinzelten mit ihre» schlvcnnntigen Äugen, streckten die langen Hälse, als ob sie eiueir Schmerz abschürteln wolltcir, und begannen mit Wiederkäuen. Weil ich nicht als neugieriger Fremder unter diesen jöenten erscheine»»»vollte, ging ich weiier, beabsichtigie aber noch nicht, nach Harlse zu gehe»». Eine halbe Stunde lang folgte ich einem Hirten, der seine Herde auf die Weide führte. Sein Hund lvar einer von den sehr wenigen, die ich bis dahin in Persien gesehen hatte. Die Sonne war aufgcgangeu, als ich zurückkam, und das bunte Dllrche'ttrandcr des Hofes, das ich im Morgengrauen nndentlich gesehen, lag nun im helle»» Svunenschcin. Die Wcizcnsäcke»rare»» nicht mehr einfache Säcke. Sic strahlten in Schönheit: Streifen und Blumenmuster in Grün und Gelb, in Bla»» und Rot, solide Webcarbeit, prächtig genug, nn» als Teppiche für die Beranda der Sommerhäuser vermögender Leute zu diene». Angsttraum. Pacht war es, nnd die Herren Delegiericn der vorbereitenden Abrüstungskonferenz schliefen ruhig in ihren Belten. Da sandte GOTT durch SEINEN Engel ihnen eine» ad hoc verfertigte»» Traum.'. Hie standen auf cinein hohen Berge und iahen die Bölter friedlich nebeneinander wohnen. Günszchn- bis sechzehn Millionen.) Von Kanone», Giftgasen nnd Bajonetten wußten nur noch die historisch Gebildeten. Mne» einzigen Panzerkreuzer gab cs noch ans dcr Wett: in einen» Anbau des Tentschen Museums lag er vor Anker nnd konnte Mittwochs nnd Sonntags von U bis 3 Uhr besichtigt loerdcn. An seinem Gcfechtsmnsi hing ein Transvarent: „Friede ans Erden!" Das Militär war überall abgrjchasst, desgleichen— da nicht mehr vonnöten— sämtliche Uniformen und Kriegsdrotnmelen. Die ganze Welt wimmelte von Zivilisten. Es gab keine Rüstungsindustrie mehr, keine gefährdeten nationalen Belange, keine patriotisch begeisterte Presse, keinen Geheimfonds, keine Dpionage-Ablrilnng, keinen Feldwebel, keine Rekrulcn Depots... ,Da schrien die Herren Tclegicncn ^dcr Vorbereitenden Abrüstungskonferenz vnd spränge»« wütend aus ihf-z» Belten »lud richteten gemeinsam eine äußerst scharfe Erklärung an GSTT: Daß sic nicht nötig hätten, d»»rch Filme von derartig a»»sreize»»d pazijisii- scher Tendenz ihre wohlverdieirte Nachtruhe sich rauben zu lassen, rmd daß sie iur Wiederholungsfälle zu strengsten Repreffalie» greifen müßten... ,Unb in der nächste»» Sitzung snhrcu sie fort, in ihrer bewährren Weise abpirnsteu." Das Höschen. In einen» guten, vollbesetzte» Lokal Münchens ist's geschehen. Biele hundert Augen haben sic gesehen, klar»ind deutlich und in» hellste» Lampenticht. Tie Dame und die Hös- chen. An sich wäre weiter nichts dabei. Alle cheir. An sich wäre weiter nichts dabei, klcidltngssinck. Das ist ihre ureigene Sache nnd geht niemand etwas an. Aber hier ist's etwas anderer. Hier fehl» der schützende Obcrrock. Und die Höschen präsentierten sich in vollster Oef- fcnllichkeit. Wie gesagt, in» hellste«» Lampen licht. Und da muß man doch sage»— aber man muß die Sache der Reihe nach erzählen. Z-.vci Damei! betreten das Lokal. Beide taffen sich an» Tisch nieder, destrllen ihre»» Mokka. Tann»vird's dcr eine»» zu»vorn», sie zieht ahnungslos und arglos ihren Mantel aus und hängt ihn hinter ihren Stuhl. Und plötzlich richte» sich Hunderte von erstaunten, entsetzten, fragenden und— schmunzelnden Augen auf sie: Die Schöne hat eine tadellose Binse an, nnd anschließend daran— Höschen. Nichts weiter. Die darübergehörende Rockhülle fehlt. Die junge Dame hat zu Hause vergeffrn, den Rock anznzichen. Sie uierlt es nicht. Sie sicht nicht die großen, starren Blicke, sie hört nicht das Rannen nnd Flüstern. Sie sitzt ruhig nnd irr behaglicher Sicherheit da nnd schlürft ihren! Kasfcr. Ein Herr gehr aus sie zu. Ein Berechtigter, Autorisierter. Der Herr Geschäftsführer. Mit ernstem, diskreten» Grsichlsausdruck nnd verhalten würdevollen» Gang. Wie cs die Situation verlang». Und niit leisem, mildem Nachdruck macht er die Ahnungslose aufmerksam ans das, was da ist, und aus das, lvas nicht da ist. Die junge Tarne will in Shnmacku fallen. Eine Glniwclle schieß» ihr ins Gesicht, hilflos blickt sic nach nuten, greift hastig nach ihrem Mantel und hüll» sich die Knie damit ein. Fest und eng. So sitzt sie da nnd wagt nicht, sich zu rühren. Ausstchen rind den Mantel an ziehen? Unmöglich! Mit den eingewickeltin Knien durchs Lokal gehen und den Ausgang gewin- »en? Spießruten lausen? Niemals! Endlich reicht man ihr einen zweiten Mantel. Sie zieht ihn unter Assistenz freundlicher Hände an, und verläßt nun fluchtartig, aber unter einwandfreier, deckender Hülle, den Schauplatz. Das ganze ist in dcr Faschingszeit gcsthc- hcn; also genießt die Schöne, der cs pafficric, mildernde Umstände in höchstem Grade. Außerdem— ganz im Vertrauen— war es ein hübscher Anblick. Die Göre ist gerettet. Der Berlagrdircklor eines bekannten amerikanische»„Magazins" ließ seinen Chrsrrdal- tenr kommen und fuhr ihn in größter Aufregung an:„Mister Snyder, in unsrer letzte»» Nummer steht eine Novelle, die angeblich von «inen» gewiffrn„S" stammt. In Wirklichkeit ist es jedoch leider eine Arbeit von Rudyard Kipling, die vor etwa zwanzig Jahre» in einem Kalender gestanden hat. Unsere Leser schciueii nicht so dumm wie Sie zu sein. Sir haben den Schwindel sofort durchschau» und entrüstete Briese an den Verlag gaschrirbcir. Mich geht ja die Sache nichts an. Seher» Sie zu, wie Sie sich am besten hcrausreden können!" „Das ist sehr einfach", erklärte der Redakteur nach einigem Nachdenken. In der nächsten Nummer des„Magapns" stand ans dcr ersten Seite der folgende Brrinerk: Ta unsere Zeitschrift bekanntlich nur von gebildeten Leute» bevorzugt»oird, haben wir eirien Versuch genrach», um unserer Konkurrenz diese Tatsache schwarz ans weiß zu drlvcisen. Im vorigen Heft haben wir unter, einen» Pseudonym eine»venig bekannte Novelle von Rudyard Kipling veröffentlich». Unserer Envarlnng gemäß hat der größte Teil unserer Leser de» -Scher; sofort durchschau», nnd Hnnderte von Zuschriften sind nuferer Rcdakiioi» in diesen» Sinne zugcgangen. Damit ist der Beweis erbracht, daß unser„Magazin" nur von» gebildeten Publikum gelesen wird. Der erste der Einsender, der »ins aus diese»» Irrtum ausmerksan» uiachlc, Herr Miller ans Chicago, ha» btit von uns aus geietztcn Preis von 10 Dollar bereits überwiesen crhaltc». All«« übrigen Einsendern danken wir l wertige» Zeitschriften vor.;»ziehen und an sei- vielmals für ihre Beniühiliige» nnd bitte» sie, I ner weitesten Bcrbreitnng ulitzuwirken." ailch in Znknnst unser„Magazin" allen minder-1 Bodo M. Bogel. Entwicklung des Weltalls, des Lebens und des Menschen. Sie morquife. Skizze von Emile Zola. 1. Die Marquise schläft in ihre»» große» Bett hinter den schweren gelben Atlasvorhängcn. Als die Uhr mit Hellem Ton.zwölf schlägt, entschließt sie sich, die Augen aufzutun. Das Zimmer ist lantvarni. Teppiche, Borhänge an Türen nnd Fenslerii machen es zu einem behaglichen Nest, in das die Kälte nicht eindringt. Angcnchntc Wanne nnd weicher Duft durchströmc» es: ein ewiger Frühling. Und kaum ist sie ganz erwacht, scheint sic von plötzlicher Sorge erfaßt. Sic wirft die Decken zurück nnd klingelt nach Julie. „Gnädige Fran haben geläutet'?" „Sagen Sic, taut es'?" ÖH, dir gute Marquise!- In welchem Ton hat sic diese Frage gestellt. Ihr erster Gedanke galt der entsetzlichen Kälte, dem Nordwind, den sie nicht spürt: der aber eisig über die ann- seligen Hütten der Armen wehen muß. Und sie fragt, ob sich der Himmel erbarmt habe, ob sie es mit gutem Gewissen bei sich wann haben dürfe, ohne an all die zu denken, die vor Frost zittern. „Taut es, Fülle?" Die Zofe reicht ihr das trichte Morgenkleid, das sic am Kamin etwas angcwänut hat. „O nein, gnädige Frau, es taut nicht. Hm Gegenteil, es ist noch kälter geworden. Eben hat man auf einem Omnibus einen Erfrorenen gefunden." Die Marquise freut sich wir ein Kind: sie klatscht in die Hände nnd ruft: „Ö sein! Dann kann ich Heine nachmittag Schlittschuh lausen gehen." Julie zieht behutsam die Borhänge zurück, damit das Helle Licht nicht allzu plötzlich die empfindlichen Augen der cnizückcndcu Mar quise treffe. Ter bläuliche Schinnner des Schnees erfüllt das Zimmer mit heilereul Licht. Ter Äini mel ijt grau; aber von so hübschem Grau, daß der Marquise ihre perlgraue Toilette einsällt, die sie gestern abend beim Ball im Ministcriuni irrig. Das Kleid war mit ganz weißen Spitzen beseht, genau wie die Schneestreifen, die sie jetzt auf den Dachiirstrn unter dem fahlen üim mel beuirrkt. Sic war gestern abend uiit ihren neuen Diamanten ganz entzückend gewesen. Um fünf Uhr ist sie erst zu Bett gekommen. Jetzt jitzi sic vor einem Spiegel, und Julie hebt dir blon- den Haarwcllen hoch. Ter Frisiermantel gleitet herab und ihre Schullern enlblößcn sich bis auf den Rücken hinunter. Eine ganze Generation schon ist beim Anblick dieser Schulter» alt geworden. Seitdem, dank einer rnächiigcn Staatsgewalt, heitere Franc» sich dekolletiereu und in Tnillerien tanzen dürfen, hat sie ihre Schultern durch die Wirbel der offiziellen Salons spazicrengeführt, mit einer Ausdauer, die sie zum lebendigen Aus- häugeschild der Reize des zweiten Kaiserreichs »nacht. Sic mußlc der Mode folge», ihre Kleider bis zu den Hüften oder bis zu den Brun spitzen ausschneidcn, mußte die Arme, Grub cheu, sämtliche Schätze ihres Mieders ausliefern, das wollüstige Wappen des Reiches. Die Schultern der Marquise zu beschrei ben. iit natürlich überflüssig. Sic sind Gemein-1 gut wie der Pont-Renf(belebte Pariser Brücke). Achtzehn Jahre laug gehörtet! sie zu de» öffentliche» Schaitspielcu. Sicht man im Salon, im Theater oder sonstwo nur ein kleines Stückchen dieser Schulter, so kann man hören:„Ach, das ist ja die Marquise! Ich sehe das schwarze Mak an ihrer linken Schulter." Uebrigens sind cs sehr schöne, weiße, volle und aufreizende Schultern. Die Blicke einer ganze» Regierung sind darüber geglitten nnd habe» ihr größeren Glanz verliehen, gleich jenen Stcinslicßen, die die Füße der Menge mit der Zeit glänzend schleifen. Wäre ich ihr Gatte oder Liebhaber, lieber küßte ich den von den Händen der Bittsteller abgenützten Kristallknopf an der Tür zum Arbeitszimmer eines Ministers, als daß ich mit meinen Lippen diese Schnltern berührte, darüber der . heiße Aleni des galante» Paris gegangen ist. Denkt man an die vielen tausend begehrlichen Blicke, die nm sie hcrnm anfgcznckt sind, so fragt man sich, woraus die Natur sie geschaffen haben mochte, daß sic nicht verwittert nnd abgebröckelt sind, gleich de» nackten Statuen in den Gärten, deren Gestalt Wind und Wetter zerfresse». Die Marquise hat ihr Schamgefühl beiseite gelegt. Sir Hal aus ihren Schnltern eine öffentliche Einrichtung gemacht. Und wie tapfer hat sic für die Regierung ihres Herzens gekämpft! Immer in der vordersten Reihe, überall zugleich, in den Tuillericn, bei den Ministerien und Botschaftern und bei den einfachen Milllo näreu, mit einem Lächeln hak sic Unschlüssige zurückerobert. Ihr Alabasterbusen stützt den ähron, in Tagen der Gefahr enthüllt sic kleine verborgene Winkel, die überzeugender wirken als alle Rcdnerkünstc und entscheidender als Soldarcndegcn zu drohen vermochte»; nm eine Stimme an sich zu reißen, ist sic bereit, sich das Hemd zu zerreißen, bis selbst die widerspenstigsten Glieder der Opposition die Waffen gestreckt hätten. •I. Am Nachmittag— Füllens Hande haben ihre Schuldigkeit getan— ist die Marquise in cineni entzückenden polnischc»t Kostüm Schiitlfchuh laufen gegangen. Sie läuft wundervoll Schlittschuh. Im Bois tPariscr Wäldchen) herrscht eine Hundekälte, der Nordwind weht prickelnd um die Nasen nnd Lippen der Dame», als würde seiner Sand ihnen ins Antlitz geschleudert. Die Marquise lachte; es machte ihr Spaß, zu frieren. Ab und zu ging sie zu den.Kohlenpfannen, die am Rande des Sees standen, nnd wärmte sich die Füße. Dann-kehrt« sie in die eisige Luft zurück nnd glitt wie eine Schwalbe, die am Bo den streicht, über die»veite Fläche. Wie schön nnd ivir gut, daß cs noch nicht laut! Die Marquise wird noch die ganze Woche Schlittschuh lauset» können. Ans dcni Heiinwrg har die Marquise in einer Seitcnallee ein kleines aruics Weib gesehen, das balbrot vor Kälte an riue>n Baun» lehnte. „Die Arme", har sic verstiminl geinurmett. Und da der Wagen zu rasch stchr und die Marquise ihr« Börse nicht gleich finden konnte, har sie der Unglücklichen ihren Blumenstrauß zugeworfen, einen Strauß weißen Flieder, der I sicher seine fünf Goldstücke wert war. Die giere Mutter Erde sah nicht immer so ans, wie sic heute ist. Wasser, Wetter und Alter haben ihr Angesicht seit den unzählbaren Jahrmillionen ihres Bestandes entscheidend verwandelt und sie ist noch inimer Berändernnge» mitcrtvorfeit, die der einzelne Mensch mir seiner eng begrenzten Lebensdauer allerdings nicht wahrzunehme» vermag. Land und Meer habe»» in ihrer Bcrrcilung unablässig gewechselt, Un- trüglichc Merkzeichen betveise», daß sogar noch in einer späteren Zeit die Erde auf großetl Gebieten von schlvercn Wassernöten hcimgcsncht wurde. Darüber erzählt nicht nur das biblische Mythos, auch andere Religionen wissen von der „Sintflut" z» berichten. Die Forschung hat die Wahrheit dieser Sagen nnd Märchen bestätigt. Welche Einblicke in die Geschichte der ttr- vergangcnhcit der Erde die Wissenschaft bereits gewonnen Hai, hat deQ ausgezeichnete Keituer der nr- und cntwicklnnAgeschichtlichc» Verhält-.^ nisse Dr. Hans Wolfgang Behm in einem im Berlage der Franckschen Verlags-, Handlung erschienenen Buche(„Bor der Sink-, flnt, ein BildcratkaS aus der Borzcit der Welt/ dem neuesten Stand vorzeitlicher Forschung entsprechend", Preis geb. Mk. 6.äü) zusammen« gefaßt. Tas Buch enthält i:-fO Abbildungen auf.- Tafeln und 6 farbige Tafeln, durt^vogs prächtige und interessante Bilder, auf das sorafäl-.' tigstc ausgewähkt. Außer der den Bildern vor-^ angcstellten Einleitung enthält das wertvolle Buch i»l Anhang Erläuterungen zu jedem ein-, zelnen der Bilder. Die Sprache Behms ist tri»’ stallklar, mitunter sogar von poetischem Schwan« so daß das Lese» der meisterhaften, knapp ge-^ Hallenr» Darstellung der'Erdgeschichte schon sprachlich eitt Genuß ist. Ter moderne Menschs der sich die Erfahrungen von tausenden Genera-' kionen des Menschengeschlechtes nutzbar ge-j macht hat, so daß er sich in hohem Maße gegen! die Unbilden des Wetters zu schütze» vermag,' weiß nichts von der Hanen Not, der Bedräng?.' nis, die den Menschen in früheren Erdzeiträu^ ine» heimsuchl.» und ivir unendlich schwer er nm sein Dasein ringen mußte. Aus alten Eis-' zcitklüftcn und Höhlen har die Natnrforschung in der Form der dürftigen Geräte und Waffen' Kenntnis von deut harren Leben unserer Urvorfahren gewoitncn nnd darauf die Urgeschichte der nreirschlicheu Erdbewohner au(gebaut, ebenso wie sie aus den Grjlcinsarlen,' ihrer Schichtung und anderen Merkmalen dir »Gewißheit von dem wechselnden Formenwandek' der Erdoberfläche erlangt hat. Aus den ver-,' flrinerten Tier- und Pflanzcnrestrn weiß inan,' ivic verschieden von heute die Tier- nud Pflan-' zenartcu in weit znrücklicgendeit Urzeiten waren. Uebcr die großen Umwälzungen, die' seither sich vollzogen haben, erzählt das Buch' in spannender Weise nnd cs ist eine Fülle von Belehrung, die es dem Leser bereitet. Ein nicht minder beachtsameS und weribol- les Werk har im gleichen Berlage Dr. Wolf-' gang Behm nntcr dein Titel„Eutwickluugs- ««schichte des Weltatlas, des Lebens und des Menschen"(Preis geb. Mk. 7.öl>) erscheinen las-' scn, das nicht weniger als->A> Abbildungen auf.. Bollbildern und im Text,-t farbige Tafelt» und. l erd- und eulwicklungsgcschichtliche Tabelle enthält. Die Ueberschrificn der Gruppen, in die das Bach eingeteilt ist, geben nur eine dürftige Vorstellung von seinem- reichen Inhalte, der ein wahre-.' Born der ErquiiÜmg für den b:I», diingshiingrigen nnd nach geistigen Schätze», dürstenden Menschen ist. Diese Gruppen sind, benannt: Die Entwicklung des erkennbaren, Wettgebändcs— EuNvicklungswege der Erd« — 4— und ihres Lebens— Ursprung und Aufstieg des I Menschen— Natur und Mensch— Das Zeit- s alter der Erde und ihre Perioden. Frisch, lebendig und aus gründlichster Kenntnis herausgeschrieben, vornehm und geschmackvoll ausgestattet, eignet sich das Buch außerordentlich als Geschenkwerk. Um der reichen Anregung und Belehrung, die von ihm ausgeht, willen, ist ihm zu wünschen, daß es noch viele Ausgaben erleben möge. r. Die chinesische TRouer vor dem Addmch. Immer wieder verzeichnen chinesische Blätter das Gerücht, daß die chinesische Mauer, daS uralte Wahrzeichen Altchinas, das bereits im Verfall begriffen ist, vollständig abgerisicn werden soll. Diese weltberühmte, etwa 2500 Kilometer lange Maner ist das größte Bauwerk der Erde. Sic ist unter Kaiser Tsin-schi-Hwang ti, einem Zeitgcuosien Hannibals, erbaut worden. Eie galt bereits im Altertum als ein größeres Wunder als die Pyramiden im Niltal und die hängende» Gärten von Babylon. In Chinos Geschichte wird der Kaiser Tsin-fchi-Hwang-ti, der„grausamste Mann" genannt. Er ließ Bücher verbrennen und Gelehrte lebend begraben, da sie nach seiner Meinung das Volk auf böse Gedanken brachten. Dagegen förderte er mit allen Mitteln die Baukunst und ließ, wie alte Chroniken erzählen, in zahlreichen Städten seines Reiches hundert prunkvolle Paläste erbaue».-Der Palast, den er selbst bewohnte, hatte 16.000 Räume. Tic große Mauer dient im AI- ierinin zwei wichtigen Zwecken:„einerseits sollte sie die Horden der Barbaren von China fernhalten, andererseits bei ihrem Bau und bei den Reparaturen Kriegsgefangene, Verbrecher und uneheliche Beamte, insgesamt mehr als eine Million Menschen beschäftigen. Die Leichen der Arbeiter, die den Anstrengungen erlagen, wurden am Fuße der Mauer begraben, so daß die Mauer der längste Friedhof der Erd: ist. Es wurde prophezeit, daß das Derk erst dann fertig sein würde, wenn 10.000 Mann geopfert wären. Ter Kaiser Tsin-schi pflegt.-, wenn er guter Stimmung war, zu scherzen, daß er die Götter selbst genarrt habe. E: fand einen Knecht, dessen Name aus denselben Schriftzeichen bestand, die zugleich die Zahl Zehntausend ausdrücken. Ter Knecht wurde geopfert, und so ging die Prophezcinng in Erfüllung. Tie Mauer windet sich wie ein Band über Berge und Täler. Merkwürdigerweise erwähnt der venezianische Reisende Marco Polo, der im 13. Jahrhunderi China besucht hat, das gigantische Bauwerk mit keinem Dort. Offenbar wurde cs ihm nicht gezeigt, wozu politische Gründe beigetragen haben mögen. Dagegen berichtet der Gesandte Georgs III. von England, Lord Mar- cartney, im Jahre 1790, daß„die Mauer eine außerordentlich wichtige Bedeutung auch in Fricdenszeiren habe, da sie die Verbrecher verhindere, das Reich der Mitte zu verlassen". Ter Gesandte rechnete ans, daß bei dem Bau der chinesischen Mauer mehr Steine gebraucht worden seien, als beim Bau sämtlicher Häuser in .ganz Großbritannien und Irland im Laufe von mehrer«, Jahrhunderten. Moderne Ingenieure behaupten, daß auch heute die Maner nicht bester gebaur tverden könnte. Tas Baumaterial ist vorwiegend Backstein. Tie Breite beträgt am Fundament etwa 8 Meter, an den Zinnen etwa 16 Meter. Fünf Reiter können auf der Plattform bequem nebeneinander reiten. Die Maner ist mit zahlreichen Wachttürmen versehen, die früher den Telegraph ersetzten. Geschah irgendwo an der wciiausged.-hntcn Grenze ein Ueber- fall, so wurde auf den Wachttürmen Feuer angezündet, so daß die Nachricht in kürzester Zeit Peking erreichen konnte. Was mancher nicht weiß. Die Einwohnerzahl Roms vor Cäsar wird auf 700000 bis zwei Millionen Seelen geschätzt. Großstädte, also Städte mit über 100.000 Einwohner gab cs im mittelalterlichen Tentsch- land nirgends. Tic größten Städte, wie Lübeck, Nürnberg, Ulm, Straßburg hatten etwa zwanzigtausend Einwohner. In Japan ist cs der Witwe gestattet, ohne weiteres ihren Mädchennamen wieder anzunehmen und die Schwiegermutter, bei der jede verheiratete Frau wohnt, wieder zu vcrlasieu. In China ist ein Amazoncnstaat mit Ra- men To-Rums entdeckt worden. Tic Frauen dieses Stammes haben das Recht, mehr als einen Mann zu ehelichen: sie schließen Heiraten ab, die sechs Monate, sechs Wochen oder sechs Tage währen Tic Rachkonnnenschaft aus diesen Ehen sicht in dem derzeitigen Manne der Blutter ihren Batcr, dir ehemaligen Männer gelten als Onkel. Familiennamen sind unbekannt. Tie Frauen führen den Haushalt. Käufe und Ver- känfe sind nur mit ihrer Genehmigung gestattet. Die Wüste Sahara ist fünfmal so groß wie Deutschland. Die Methode der Morphiuminjekiion zur Bekämpfung des Schmerzes und der Schlaflosigkeit ist in England 1857 von Tr. Alexander Wooth erfunden worden. Deutschlands noch im Tagebau gewinnbaren Borräir an Braunkohle betragen rund 12 Milliarden Tounen. Bei einer durchschnittlichen Förderung von 145 Millionen Tonnen jährlich würden diese Vorräte an Braunkohl: noch an 200 Jahre ausreichen. Spielkarten wurden schon 1120 v. Ehr. in China benutzt. 42 Stunden unter dem Zug. Tie Beamten des Pariser Gare du Lyon erlebten kürzlich eine große Ilebcrraschung, als der Orient- Exprcßzug cinlicf. Unter einem Wagen kroch ein großer Bursche hervor, dessen Gesicht mit einer dicken Schicht von Schweiß und Ruß bedeckt war. Ter seltsame Reisende war sofort von einer großen Menge umgeben, konnte aber auf alle Fragen nichts erwidern, da er kein Wort Französisch sprach. Schließlich bekam man heraus, daß cs sich um einen 18jährigen Serben Stefan Patzen handelte, der die ganze Strecke von Bukarest unter dem Eisenbahnwagen verbracht hatte und in dieser unbequemen Stellung 42 Stunden ausharrte. Er halte sich für diese abenteuerliche Fahrt mit zwei Litern Wein und einem Leib Brot verproviantiert und war recht hungrig. Tas Ende seiner Reise hatte er sich allerdings anders vorgestcllt. Er hatte geglaubt, daß der Zug in einer Vorstadt anbaltcn und er dann unbemerkt entkommen' könnte. Ta seine Zähigkeit und Ausdauer dem Stationsvorsteher Eindruck machte, so ließ er ihn nicht verhaften, sondern überantwortete ihn dem serbischen Konsul. Der Geburtstag der Zigarette. Tie Zigarette wird bald ihren 100. Geburtstag begehen. Sie erblickte im Geschützdonner, während der Belagerung Akkas im Jahre 1831, das Licht der Belt. Tamals hakte Ibrahim- Pascha, der Vizckönig von Aegypten, der im Syrischen Feldzug das ägyptische Heer gegen di: Tür.cn kommandierte, seinen Kanonieren als Belohnung für die vortrefflichen Schießübnnac» einen Ballen besten ägyptischen Tabaks nebst einer kostbaren Wasserpfeife zur Verfügung gestellt. Die herrliche Wasserpfeife wurde aber eines Tages durch«in feindliches Geschoß zersplittert. Die Kanoniere standen traurig um die Bruchstücke der Pfeife herum und zerbrachen sich den Kopf, was sie nun mit dem kostbare» Tabak anfangcil sollten. Ein Ariillcrist kam schließlich auf eine glückliche Idee. Reben dem Geschütz lagen einige Papicrhülscn, wie sie damals zum Anzündcn der Lunten gebraucht wurden. Dee Soldaten nahmen einige dieser Hülfen, füllten sie mir Tabak und setzten sie in Braud. Die Zigarette war da. Dollars als Bodrubeiag. In einer Bar, die kürzlich in Havanna eröffnet wurde, ist der Boden mir amerikanischen Silbcrdollars belegt. Dieser glitzernde Fußboden fand große Verwunderung, und die Beachtung, die ihm die BestV.:r schenkten, war so intensiv, daß der Besitzer sich gezwungen sah, die Tollarschicht mit dicke» Glasplatten zu belegen, um das allmähliche Verschwinden des Fußbodens zu verhindern. Wer küßt, ist unzurechnungsfähig. Vor einem englischen Gericht hat kürzlich ein Rechtsanwalt die angebliche Unzurechuungssähigicir seiner Klientin durch den Hinweis begründ:!, die Frau habe versucht, ihn;n küssen. Leider melden die englischen Blätter nickt, ob das Gericht dieses Argument hat gelten lassen. — 3- Besseres.—— Um Mitternacht kommt Herr Popper nach Hause. Seine Gattin empfängt ihn:„Wo warst du so lange?"—„Mit meinen Freunden noch etwas kaufen."—„Hm, hm, konderbar, kon- derbar," murmelte Frau Popper.—„Warum sagst du konderbar, Liebling?"—„Weil du kaufen sagst, du Lump." Die lieb« Nachbarin.„Denken Sie sich, Fran Picprich, meine Tochter hat was Kleines gekriegt. Wiegt aber bloß fiiirs Pfund."—„via, wissen Sie, für die zwei Monate, wo sic verheiratet ist, finde ich das dock reichlich!" Der Wunsch. Max hat eine» zum Fenster hinausgeworfen.—„Er hat cs selbst gewollt," verantwortet sich Max,„er hat mich ausdrücklichst darum gebeten."—„Erzählen Sie den Schwindel einem andern."„Tas ist rein Schwindel. Wir nntcrbalten uns ganz ruhig, auf einmal haut er mir eine runter. Da fasse ich ihn, hebe ihn hoch, und dabei bin ich wohl auch an das Fenster gekommen, oder auch sogar, habe ich ihn außerhalb des Fensters geyaneir. Da schreit er:„Loslasscn! Sofort loslassen!" Ra und da ich ein gutmütiger Mensch bin, habe ich ihn eben losgelassen." Der beste Keil. Zwei Manner bemühten sich vergeblich, einen Eichenstubbcn zu zerspalten. Plötzlich lies der eine davon. Als er zurückgekommen tvar, versuchten sic von iicuenr iyr Heil. Jetzt ließ sich der Stubben ohne grc^e Mühe spalten.„Wie kommt das denn?" fragte erstaunt sein Kollege.„Gan; einfach: habe von meinem Schwager das Aiitgliedsbuch der KPT. geholt," lautrie die Antwort. Menschenfreundlich. Ei» aller menschlich gesinnter Fürst wollte neben anderen Wohlia- ren für seine Untertanen auch den--.^.oervrr- brcchern seines Ländchens einen Beweis.and.■> väterlicher Huld geben. Er ordnete daher an, daß allen zu lebeuslängtuoem Kerker Verurteilten unverzüglich ein Jahr ihre: Strafe geschenkt tvorde. Der Erste. Ter Jauitor Hansen rrzäylie überall in der Stadl, er sei bei Schwnndemanu u. Sohn der Erste im Geschäft. Tas kam dem alten Schwnndcmaiin zu Ohren und er fragte Hansen:„Sind Sie denn der Erste im<^e- schäft?"—„Ja, Herr Ichwundcmann," jagte Hansen,„ich bin es,^>ch bin jeden Morgen der Erste, um das Geschäft aukznsckließen."