26 UnterOoltunoöüeilage. 1920. Siebe zivifGen den AnfGwften. Der Geschäftsreisende Efrem Joneseu passierte seit Jahrzehnten wöchentlich zweimal die kleine Bahnstation, die für Taufende allerdings nur dadurch eine besondere Bedeutung hatte, daß sie am Kreuzungspunkt zweier Bahnlinien der im übrigen nicht sehr lebhaften Gegend lag. Tausende fluchten, die auf dem gottverlassene» Bahnhof stundenlang auf de» Anschluß warten mußten. Denn für daS schnelle Weiterkommen der Reisenden, meist Landleute und Händler, hatten die Herren in Bukarest schleckt gesorgt. Efrem Joneseu aber wbtc und wetterte nicht- Zwar der Verdienst in diesen Zeiten war zu gering, als daß er sich den Luxus großer Herren leisten könnte, zu verweilen, wo es ihm Paßte, doch wenn nur die ersten Lichter der Blockhäuser und Stellwerke jenes Bahnhofes auftanchten, griff er schon bastig nach seinen Gepäckstücken und stellte sich an die Tür, um keine Sekunde des kostbaren Vertvcilrns verstreichen zu lasicn. Efrem?onesruS mehr an Mißerfolgen, denn an reiche» Erlebnisirn reiches Kommisdasein kreiste eigentlich um diesen verlassenen Punkt. Der war ihm ein stiller, leuchtender Posten in allen feinen Kalkulationen— der Heine, ärmliche Bahnhof von Boljanowitsch... Im Wartesacck für die Distriktsdeamten und sonstigen Honoratioren saß er dann auf einem zerschlifsenen Sofa neben dem Ofen Stunde um Stunde und starrte verklärt und mit leuchtenden Augen zum Schanktisch hinüber. Dort, hinter Gläsern und Flaschen, gewöhnlich über eine Handarbeit gebeugt, saß die schwarze Mirjam und blickte von Zeit zu Zeit ebenso leuchtend und svre^ zu dem stillen Reisenden hinüber, in dessen blassem Antlitz rin« verhaltene Sehnsucht war. Ach. es wqr nichts zwischen dem Reisenden Efrem Joneseu und der schwarzen Mirjam. Wie sollte auch etwas sein! Etwa ei» Berdältnis, wie es den Kavallerieoffizieren und den hohen Herren vom Gouvernement nachgesagt wurde, wäre ihm absurd erschienen. Oder gar, wie er es in den Rahm« der Journale las... Freilich, er hätte schon einmal so einen Rom« mitspiele» mögen- Aber der Rei- 9m Da»» tXBrft. sende Efrem Joneseu wußte, daß die Bäume nicht in den Himmil wachsen dürfen. Er lebte unter dem ständigen Schatten einer trostlosen Jugend. Es gibt Menschen, die ihr Leben lang geschlagen und getreten werden, und sich darum schon ducken, sobald jemand— und sei es zum Streicheln— nur zu ihnen tritt. Fürchterliches hatte er bei den Giern miterlebt. Die Mutter hatte sich in den Brunnen gestürzt, der Bater hatte sich totgesoffen. Er hatte, aus dem Un- terbewußisei» seiner Kindheitseindrücke, eine lähmende Angst vor jedem Weibe. Doch Mirjam gegenüber wurde er ein träumender Poet. Wenn er im Warleraum ihr gegenüber saß, flocht er leise klingende, sehnsuchtdurchzitternde Lieder um ihr Haupt. Ihren vollen, braunen Nacken schmückte seine Phantasie mit gleißendem Schmuck. Einmal, im Anfang, hatte er den Jungen, der die Teegläser zutrug, leise gefragt, wer das Mädchen sei, und schnell, als wollte er eine Mißdeutung ersticken, dem Zungen ein leichtsinniges Trinkgeld zugeschoben. „DaS ist die Sckwester des Wirts!" batte der Junge geflüstert. Nach ihrem Namen zu fragen, hatte Efrem nicht gewagt- Das war auch ganz nebensächlich. Wußte etwa daS Mädchen etwas um ihn, den stillen Kommis Efrem Joneseu? Und doch liebte sie ihn mit ihren Blicken! Wenn er leise, sich gleichsam entschuldigend, durch die Tür trat, dann gab sein Erscheinen ihrem Körper einen jähen Ruck, und ihre Blicke hingen an seiner Gestalt, daß ihm das Blut zu Kopf schoß. Es war bei dem Mädchen gewiß nicht Absicht, so seine Aufmerksamkeit;u wecken; doch mit schweren Schritten ging er dann an seinen Platz, und während er den Mantel etwas zu umständlich ablegte, spürte er den beißen Blick ihrer immer ein wenig schwer- müttgen Augen an ihm haften. Sie haben nie ein Wort gewechselt in diesen Jahren. Doch ost sah sie zu ihm hinüber. Habt ihr schon rote Frauenlipvcn gesehen, die— ganz losgelöst von aller Schar— auch entgegenleuchien? So waren MirjamS Lippen in diesen Augenblicken. Halb geöffnet und leise erzitternd.... Dann übergoß es den stillen, demütige» Monn wie loderndes Feuer, und seine Vlicke hinge» versunken« ihre» Lippe» Wenn sie ihm den Tee bereitete, mschah es mit erregten Bewegungen ihrer kleine» Hände Wenn er nach Stunden sich erhob und umständlich-seinen Mantel überzog, und wenn ersann schleppenden Schrittes sich zur Tür wsindie, dann blühten ihre Lippen ihm entgehn, und ihre Augen sahen ihm mit leisem nach. Schüchtern wagte er dann nickend eine» Gruß. Und tagelang kreisten wieder seine stürmischen Gedanken um den armselige» Bahnhof von Boljanowitsch. Fluchend verließen wirrer ein paar Bauern und Viehhändler den einfahrenden Zug und gingen mit dröhnenden Schritte» mm Dartesaal hinüber. Still und bescheiden, wie es sich für einen armen Schlucker geziemt, folgte Efrem Joneseu. Doch sei» Herz schlug stürmisch, als er den Türgriff in die Hand nahm. Umso größer war seine Verwunderung, als Miriam nicht auf dem gewohnten Platz hinter dem Schanktisch saß... Aber gewiß war sie durch den Bruder abgcrufen worden. Sie würde schon gleich kommen. Geduld, Brüderchen, bald wird sie durch die Tür treten, dachte Efrem Joneseu und setzte sich in seiner Ofenecke zurecht. Und lauschte auf nahende, leichte Schritte- Doch er wartete vergebens. Eine viertel, eine halbe Stunde. Tann trat der kleine Bub in den Raum. Gleichgültig und die Manieren eines Weltmannes heuchelnd, fragte er so obenhin, den Kleinen: „Wo habt f°hr denn das Mädchen gelassen, dir kleine, schwarze Prinzeß dort drüben?" Der Junge sah in ein wenig mißtrauisch an und trat von einem Fuß auf den andern Doch er mochte wieder ein Trinkgeld wittern- So neigte er sich flüsternd zu dem Gast:' „Aber nicht verraten, Herr! Tas Fräulein mit den stillen Madonncnauge» ist gestern nacht ausgerückt. Mit einem Gast, der sie wohl beschwatzt hat. Freilich, der Tottor Bruffoff— Sie wissen, ein kluger Mann— sagte, sie sei vor sich selbst davou- gelaujen. Weil eS hier so verrückt eintönig q und schmutzig sei und sie eben, trotz ihrer sanften Augen, den Teufel im Blut habe. Den Teufel, Herr, ist das nicht toll! Aber vorhin viel mir ein, da hat der Doktor gewiß einen Scherz gemacht. Denn auch Sie werden zugeben, daß es Unsinn ist. Wie kann man-vor sich selbst davonlaufen..•!* Efrems Augen wurden weit und starr. Mit fliegenden Händen tastet« er über den Tisch. Mit bleichen Lippen stammelte er: „Nein, nein— vor sich selbst— nein, nein! Das kann man wohl nicht gut. Nur manchmal, glaube ich, Brüderchen, manchmal. Aber das ist gewiß Wahnsinn...!" Jäh fiel sein Kosis auf den Tisch, und der arme Schlucker Efvem Jonesku weinte I«se in sich hinein... Verschwender. Autos sind nützliche und notwendige Dinge. Man bekommt schon von 2500 M. an gute Dagen. Aber 28.000 bis 40.000 M. für ein Auto auszugeben, läßt sich in einer Zeit, In der Millionen Menschen ohne Brot und ohne Wohnung sind, nicht mehr rechtfertigen. Das gehört ebenso zur Verschwendung wie jenes Diener zu zwölf Gangen, das zur letzten Silvesterfeier ein Hotel für 50 M. abgab. Dieser sinnlosen Verschwendung begegnen wir auf Schritt und Tritt. Sie ist, jedoch nicht immer eine Folge irgendwelcher Nachkriegserscheinungen, wie gewisie Moralpachter uns gern glauben machen wollen. Berschweiler hat eS zu allen Zeiten gegeben. Das mögön dir folgenden Beispiele lehren:\ Bor 50 Jahren wurde ein« schön« Orchidee mit 500 M. bezahlt— man bedenk«: eine Blume, die in vier, fünf Tagen verwelkt. Exkaiser Wilhelm H. und der König von England ließen für sich besondere Zigarren Herstellen, von denen schon vor dem Kriege das Stück 15 bis 30 M. kostete. Der Schah von Persien besaß eine Küchen- Eimächtung, die auf dem ganzen Erdball ihresgleichen suchte Fast alle Töpfe, Teller, Schüsseln, Pfannen usw. waren vergoldet oder mindestens versilbert. Für die„besseren Gäste" gab es goldenes Geschirr, das außerdem noch nnt kostbaren Steinen geziert war. Fachleute haben vor dem Kriege den Wert dieser Einrichtung auf 20 Millionen Mark geschätzt. Natürlich wollen Dollarkönige diesem exotischen Herrscher nicht nachstrhrn. Ter kalifornische.Millionär John Ashbmch hat in seinem luxuriösen Wohnsitz in der Nähe Philadelphias eine Küche, deren Einrichtung die Kleinigkeit von 6 Millionen Dollar gekostet hat. Die Verschwendungssucht der Kaiserinnen, Königinnen, Fürstinnen und anderer„hoher" Weiblichkeiten ist allgemein bekannt. Für Kleidung, Spitzen und Schmuck würben unsinnige Summen geopfert. So hatte Elisabeth von Rußland ungeheure Garderobemengen. Bei ihrem Tode fand man mehr als 15.000 Kleider, von denen die meisten nur einmal, manche sogar überhaupt niemals getragen worden waren. Zwei Riesenkisten mit seidenen Strümpfen, über 4000 Paar Schuhe und Pau- toffeln, ganz abgesehen von den Schränke» und Truhen voller Stoffe, Spitzen Bänder, Unterwäsche usw., vervollständigten diesen Besitz, Als Taj Rubal, die Gemahlin des hindosta- nischen Herrschers Jehan, starb, wurde ihr ein Grabmal errichtet. Es liegt in dem hindostani- schen Orte Agra, besteht aus Marmor und ist mit Millionen edelster Steine auSgelegt, unter denen sich seltene Stücke von Jaspis, Türkisen, Opalen, Amethysten und Saphiren befinden. Biele hundert Fürsten und Große aus aller Welt stifteten diese Steine, und 2200 Menschen l arbeiteten zwanzig lange Jahr« an der Bollendung dieses Bauwerkes. Obendrein wurden diese 2200 Arbeiter nicht einmal entlohnt. ES waren Gefangene und Sklaven anderer Fürsten, die von ihren Herren nur„gestellt" worden waren und von ihnen auch verköstigt wurden. Trotzdem kostete daS Grabmal über sechzig Millionen Mark. Ludwig XIV. von Frankreich, der Schöp- er der luxuriösesten Moden, trug Mongeperrücken, von denen jedes einzelne Stück 1000 bis 5000 Taler kostete. Dabei muß man noch den damaligen Wert eines Talers in Betracht ziehen. Es gibt auch ganz„einfache Menschen", gewöhnliche Sterbliche, die aufs verschwenderischste gelebt und gewirtschaftet haben. In einer ftanzösischen Zeitung aus dem Jahre 1928 werde» die Ergebnisse der Versteigerung des persönlichen Nachlasses der berühmten Sängerin Henriette Sontag mitgeteilt. Damals wurden versteigert: 1700 Porzellanschalen mit maffiver Vergoldung, 13 Kaffeeservices aus Silber und 28 aus feinstem Porzellan, 7 Damenuhren mit Brillanten und 31 ohne Brillanten, ein Halsschmuck aus Edelsteinen»nd 18 Halsketten aus masiivem Golde, 2200 Pariser Damcnhandschuhe, 24.000 Ellen Batistleinwand. 1800 Körbe Champagner, 540 kleinere Schmucksachen aus Gold nckd 77 wertvolle Porträts der Künstlerin selbst. Vorsehung. Auf einem hohen Turm stand eine Mutter! mit ihrem Kinde. Das Kind fiel ihr aus den Armen. Zur selben Zeit siel ein anderer Gegenstand. Er war von Umfang wie das Kind. Von gleichem Gewicht wie das Kind. Die Anziehung der Erde, der Widerstand der Lust... alles, was Einfluß hatte bei dem Fall... war bei diesem Gegenstand wie bei dem fallenden Kinde. Doch das Kind lebte und hatte eine Mut ter, die sich die Haare ausrauste vor Berzwcif- lung. An dem andern Gegenstand war nichts- gelegen. O Gott, o Gott, mein Kind, mein liebes Kind, jammerte die Mutter. O Gort, behüte mein Kind'. Niemand betete für das andere Ting. Und nebeneinander sausten die beiden fallenden Körper heruirdrr mit gleicher Schnelligkeit. Und die Natur— es war vor Reloion... dennoch wußte sie genau, wir sie fallen lasten mutzte!— die Natur ging ihren Gang. Sie berechnete ganz ruhig die Quadrate... sorgte für mehr Widerstand unten, wo die Luft weniger dünn ist... zog diese« Mehr ab von der Schnelligkeit... Noch einmal rief die Mutter: O Gott, mein Kind, mein liebes Kind! Das Kind siel unten auf, zerschmetterte. Die Mutter, die vergebens gebetet hatte, starb. Der Vater von dem Wichtchcn wurde wahnsinnig...»sw. Doch der Sack mit dem Kork, oder der Schinken, oder was es sein mochte, das gleichzeitig mit dem Kinde vom Turme fiel, blieb ein Sack mit Kork, oder ein Schinken, und sah aus, als wenn nichts geschehen wäre. 'Dennoch war nicht gebetet worden für diesen Kork. Ob es so„gul" ist? Gewiß, gewiß! Die mindeste Abweichung würde Verwirrung zuwege bringen, und dadurch Unglück stiften, unendlich größer, als das Sterben eines Kindes. I Jch erzähle diese Historie nicht, um eine Betrachtung von der Natur zu geben, sondern I um eL ins Auge fallen zu lasten, daß Beten und Bitten nicht hilft, und daß man sein Kind gut festhalten muß, wenn man damit auf einem Tunne steht. Denn— auch hierfür sorgt die Natur — wenn man das tut, wird es nicht fallen. Hierin ist sie ebenso zuverlässig wie in der Anwendung der Gesetze Newtons, das ist: ihrer Gesetze, die Newton zu einem kleinen Test erforschte, nachdem sie schon seit unendlicher Zeit korrekt fungiert hatten.- Mnltatnli. Vorbildliche Kinder- und Äugendbücher. Wie soll ein gutes Kinderbuch beschaffen sein? Zahlreiche Berlagsanstalten bemühen sich, diese Frage zu lösen und es sei anerkannt: mit vielem guten Willen und Austvand von Kosten. Richt allzu ost ist diesen Bemühungen Erfolg beschicden, manche der Bilder- und Märchenbilder sind mitunter sogar- treffliche Beispiele dafür, wie ein Kinderbuch schädlich wirken kann und wir es nicht sein soll. Ei» Kinderbuch soll vor allem den Grundsatz befolgen:„Dem Kinde das Beste und Allerbeste!" Es soll dem Gedankenkreise und der Borstellungswelt des Kindes angepaßt sein. Es soll dos Kind erfreuen, anregcn, seine Phantasie beflügeln, soll es belehren, seine guten Instinkte wecken. Beispielgebend und vorbildlich dafür sind eine Reihe von Kinder- und Jugendbüchern, die im Deutschen Verlag für Jugend und Volk(Wien I., Burgring 9) herausge geben wurden. Es sind durchwegs Bücher, die mit großem Geschick dem Geschmack des Kindes entsprechen, sein Entzücken Hervorrufen, dabei aber auch alle» moderne» pädagogischen Ansprüchen Rechnung tragen. Man gehl wohl in der Annahme nicht fehl, daß zwischen der Herausgabe dieser Bücher und den in Wien musterhaft dnrchgeführten Schulreformen ein gewisser Zusammenhang besteht. Da ist vor allem eine Bilderbuchreihe„ftinb und Zeit" für die Kleinsten, von der bisher drei Bändchen erschienen sind: Frühling",„Sommer", gerbst".(Preis jedes Bändchens kart. 1.80 Ml.) Zu allen, lieben deutschen Kinderreimen sind— nicht immer ganz mit diesen im Zusammenhang stehend— schwarze und farbige Bilder gezeichnet und man wird unter den Kinderbüchern nicht allzu viele finden, die so drollig, anmutig und natürlich sind wie diese. Ida Bohatta-Morpurgo hat sie mit feinstem Verständnis für die Kindesseele gezeichnet. Einzigartig ist auch das in Form eines Bilderbuches erschienene„Qefterreichische Liederbuch"(1. Teil. Preis kart. 2.70 Mk^. Es heißt: Klinga, Ringa, Reia" und enthält rund 100 kleine Kinderlieber und Kinderspiele mit Noten und eingestreuten Bildern. Diese zahlreichen Bildchen, gleichfalls von Ida Bohatta gezeichnet, werden allein schon jedes Kindcrhcrz entzücken. Bei der Auswahl der Lieder und Sprüche wurden verschiedene Sannnlungen und literaturgeschichtlichc Zeitschristen benützt, daneben wurde auch ein Reihe urheberrechtlicher Werke herangezogen. Spielend leicht wird jedes Kind an der Hand der beigcdruckten Roten viele dieser reizenden Liedchen und Spiele zu erlernen imstande sein. Mit lustigen, hübschen Tchwarzweißzeich- uungen aüSgestattet ist eine Serie von vier Büchlein, die für Kinder im Alter von etwa sieben bis nenn Jahren bestimmt sind. Schon ihre Namen„Kribbel, Krabbel, Kugelrund",„Schnick, Schnack, Schnuck, die Hutzelmännchen",„Guckanf und Purzelheinz" GLn 6acco-««H Dangetti-^oman. -&<*« wem«** am IMM o*toa Stadoir. und„Murli-Brumm" find drollig, wie erst Text und Bilder! Jedes Büchlein kostet 1 Mark und ist fast 80 Seiten stark. Ein liebes, anregungsvolles Kinderbuch ist weiters das laut Erlaß des österreichischen BundeSministeriumS für Unterricht zum Un- terrichtSgebrauch für die allgemeinen Bolks- fchulen zulässig erklärte„Mein erste» Seschich- tenbuch", Erzähluigen, Märchen und GÄichte von AnnelieS Umlauf-Lamatsch, Bilder von Ida Bohatta-Morpurgo.(Preis Mk. 1.90). Man kann kaum etwas Rühmenswerteres über diese» Kinderbuch sagen, als daß eS bereits im 55. Tausend erschienen ist. Ueber ein für die reifere Jugend bestimm- tes Buch„Frohes Schaffen" soll demnächst noch gesprochen werden.. r. Die„KutturmWon" der Abendländischen Völker. „In dem letzten Jahre 1926 Haden wir Europäer und Amerikaner 40.000 See-Elefanten erschlagen. Droben in der Antarktis. Wir haben in den letzten Jahren in Australien, in Amerika 100 Millionen Singvögel gerötet. Dazu 200 Millionen Seevögel, damit unsere Frauen sich Federn auf die Hüte stecken. An den Küsten Patagoniens erschlugen wir im letzten Jahre 10 Millionen Robben. Erschlagen? Rein, das ist nicht praktisch, man zieht den Lebenden das Fell vom Leibe. Sie sterben daun von selbst. Unter lagelangen Qualen. Die Gesellschaft für rationellen Fischfang in Kopenhagen, eine einzige Fischercigesellschast, erbeutete im letzten Jahre 200.000 Walfische. Die werden gleich an Ort und Stelle getötet und zerlegt. 400 Prozent Reingewinn. Auf der Insel Layson bei Hawaii, da haben wir im letzten Iah» 11 Millionen Albatroffc in Gruben gefangen, dann den Balg abgezogen, dann verhungern ksscn... Spielen Sie Billard? Habe» Sie einen Taschenkamm? Damit wir solche Gegenstände habe», gebrauchen wir in Europa und Amerika in jedem Jahre 800.000 Kilogramm Elfenbein. Das bedeutet den Tod von 50.000 indischen Elefanten, die mächtigsten Geschöpfe der Erde.. Eine amerikanische Aktiengesellschaft grinwete 1914 auf den Kerguelen eine Betriebsstelle zur Jagd von See-Elefanlen. Sie gewann so viel Tran, daß man alle Märkte der Erde mit Fett versorgen konnte. Da kam der Krieg. Mit dem Krieg Hungersnot. Was machten gute Gc- sckäflsleute? Um rin gutes Geschäft zu machen, schüttete man neu» Zehntel aller Borräte ins Meer, den Rest brachte man auf den Markt. Dank des Krieges mit einem Nutzen von 1000 Prozent. Das ist die christliche Kultur." Prof. Theodor Lessing auf dem Brüsseler Kongreß gegen koloniale Unterdrückung und Imperialismus(1927). Kleine Vredigten für Autolenker Zur Bekämpfung der Unsicherheit aus der Straße veröffentlicht das National Safety Eouncil.Kleine Predigten für Autolenker", von denen folgendes crwähnenStvcrt ist: Es ist besser, in einem Auto langsam als in einer Anrbulanz schnell zu fahren. Wer nur mit einer Hand das Steuerrad faßt, liebäugelt nicht nur mit seinem Schaß, sondern auch mit dem Tode. — Wer absolut di« Bremsen seines Autos nicht inspizieren lasten will, sorge wenigstens dafür, daß er seine Lebensversicherung pünktlich bezahlt.— Die gefährlichste lose Schraube an einem Automobil ist oft die lose Schraube im Kopfe des Lenkers.— Di« goldene Regel ist di« beste BerkehrSvorschrist, die man je erlassen hat. „Langsam, mit unendlicher Gednld, in Qualen, Mißerfolgen, Vergeudung, aber dennoch mit sicherer Unerschütterlichkeit wird das Lebeu des Menschen umgeformt, bereichert vermittels der Macht des denkenden Geistes, getrieben durch die Freude und Verzückung der schöpferischen Tat, gelenkt von dem Verantwortungsgefühl, dem Instinkt des Dienens, die wir unter dem Begriff„Gewissen" zu ammenfassen. Es ist unsere Aufgabe, diese höheren Fähigkeiten zu entwickeln, ist das erhabene Ziel, dem wir uns ganz weihen müssen." Upton Sinclair. Der Name Upton Sinclair erschien wie ein roter Planet im Sternenbanner. Sinclairs Ro- Sinclair Zeichnung vor» Erich Ohser. man« gingen über die ganze Welt und erzählten von einem andern Amerika, von deui Amerika des Klassenkampses, von der Ausbeutung der „hergelaufenen" Proletarier, von den welterschütternden Aktionen der Börsen-, Eisen- und Oelkönige, aber auch vom ersten Erwachen des Älasscnbewußtseins. Die ereignisreiche Zeit sorgte dafür, daß ihm der Stoff nie ausging. Eitles Tages überraschte er die Welt mit seinem nach Umfang und Bedeutung größten Buch „Boston"! „Der Entschluß, diesen Roma» zu chrei- be>r", so sagt Upton Sinclair im Vorwort dieses im Malik-Verlag erschienenen und von der Vüchergilde Gutenberg, Berlin, als Rrbenaus- aabe für ihre Mitglieder zum Preise von 4.50 Mark herausgebrachten umfangreichen Werke, „wurde am 22. August 1927, um 9 Uhr 15 Minuten abends gefaßt. Der Anlaß war ein Telephonanruf einer Zeitung, des Inhalts, Saeco und Banzetti seien tot. Es schien dem Verfasser, daß di« Welt die Wahrheit über diesen Fall werde erfahren wollen; seine Annahme erwies ich als richtig: aus fünf Weltteilen ergoß fi'! wirklich getan, ihre Aeußerungen sind Briesen über ihn mit der Aufforderung, eben das zn tun, wofür er sich schon entschieden hatte. Ein .zeitgenössischer historischer Roman" ist eine ungewöhnliche Kunstform und umg eine» Erklärung bedürfen. Was die beiden Hauptpersonen, Nicola Sacco und Bartolomeo Banzetti betrifftz ist dieses Buch kein« Dichtung, vielmehr ein Versuch, Geschichte zu schreiben; alles, was sie in meiner Darstellung tun, habe» die beide» wirkli chgetan, ihre Aeußerungen find Briefe» von ihrer Hand oder den Mitteilungen ihrer Freunde und Widersacher entnommen. Auch diese Freundc und Widersacher treten in eigener Person unter ihren richtigen Namen auf." Vielleicht wäre jeder andere Schriftsteller an der ungeheuren Aufgabe gescheitert. Nur die Erfahrung und die Routine konnten diesen Stofs bewältigen helfen. Sinclair erfand eine Verbindung zwischen der Welt der Reichen und der Welt der Armen, eine Millionärswitwe, die angeekelt von deut Sumpf ihrer Familie und ihrer Klaffe, in das anSgebeutei« Proletariat binabsteigt und einc alte Frau wird, die sich ein Jahr lang selbst ihr Brot verdient— es soll „drüben" solche„Fälle" geben!— und dabei die aus Italien zugelvanderren Proletarier Sacco und Banzetti kennenlcrnt, deren.Kaulpf und Ende sie miterlebt, mitkämpft und deren Testa- nient an die Welt sie schließlich un't hinaustragen hilft. Es ist die Zeit der Hochkonjunktur für die amerikanischen Kapitalisten. Auf dem blutige» Acker des Weltkrieges blüht der Profit. Plötzlich wird der„Feudalismus im Gehrock" durch das Gespenst des Bolschcwisurus gestört. Tie Arbeiter regen sich, zeigen Ansänge von Macht. Ta finden sich die Kapiratistcu, die sich sonst gegenseitig zerfleischen, zu gemeinsamer Front zu- sammen, und der weiße Terror reitet seine Attacken. Spitzel und Provokateure konstruieren Bonibenattentate uich Ueberfälle. und Sacco und Vanzem geraten in die Klanen der Justiz. Ter Bestcchnngsring schließt sich nm sie, ein Ereuipel soll statuiert werden. Entlastungszeugen werden arbeitslos, Dolmetscher lügen. Meineide werden ungestraft geschworen, die Klaffen- , justiz reißt sich selbst die Maske ab. und die! oraanüationSfeindlichen Anarchisten könnend etwas lernen von der organisierten Macht des; Staates. Und während ein Skandalprozeß zwilchen Millionären den Beweis dafür liefert, daß! die großen Banditen keine Handschellen brauchen, keine besonderen Polizisten, keine bissigen Richter, foltert der Staat die beiden Märtyrer ihrer Ide« in siebenjähriger Haft im Angesicht! des elektrischen Stuhles. SaccoS und VanzettiS Rechtsanwälte hatten die Partie gewonnen,! aber ihre Gegner warfen das Schachbrett nm? und ihnen die Figuren ins Gesicht. Endlich geht die siebenjährige Marter z» Ende.„Es gab kein Gesetz, es gab nur den Klaffenkamps" also mußten Sacco und Ban- zetti sterben. Tausende von Polizisten, von Kosaken des allmächigen Dollar, reiten die gegen den Justizmord ausstehenden Massen nieder, di«' Entrüstung der ganzen Welt wird hohnlachend beiseite geschoben, für 250 Dollar pro Opfer tut• der Henker sein Werk. Und von Sacco und Ban» i zetti bleibt nur ihr Testament an die revolutionären Arbeiter der Welt. Rur? Ihr Lebe»! gehörte der revolutionären Propaganda, ihr! Tod war ihr Triumph: die ganze Welt horcht« auf.. Upton Sinclairs Roman„Boston" läßt die-^ ses Testament wieder lebendig werden. Di«! Rirscnanfiagen der Bücher Sinclairs sind das einzig richtige Fundament, von dem aus die gemordeten Brüder der 10 Millionen Arbeiter der Welt zu ihren Kameraden sprechen. i Es ist ein dickes Buch geworden, ein Wok»^ keilkratzer unter den Ronranen der Gegenwart. Dieser Umfang ist einc Notwendigkeit. Nur so konnte Sinclair das Bild der Stadt Boswn t» — 4— einem Kolossalgemäld« von ganz Amerika er», weitern. Rar so konnte Sinclarr an» den Namen Socco und Banzetti«ine Formel des Klassenkampfes werden lassen, ein Signal: Saeco und Banzetti— Gerechtigkeit und Frei- heit! Die schönsten Stellen des Romans find die im Wortlaut übernommene» Reden und Brief« der beiden gemordete» Kameraden. Nachwelt, höre sie an! Höre fie an, um fie nie wieder zu vergessen. Was mancher nicht Weitz. Die erste Zigarettenfabrik in Deutschland wurde von der Firma La Ferme im Fahre 1862 begründet; 1926 stellte non in Deutschland im ganzen bereits mehr als 85 Milliarde» Zigaretten her. Die Leistnnst der Zigaretten- maschine„Triunstch" beträgt 1OOO Stück in der Minute. Dir von Owe» erfundene Nascheuuraschiur stellt täglich ganz selbsttätig 1500 Masche» her und hat zu ihrer Bedienung nur drei ungelernte Arbeiter nötig. Die erste Laute fertigte der Perfische Philosoph Manes, der Stifter der Manichäersekte, aus einer Schildkrötenschale. Laute ist dir persische Bezeichnung für Schale. Die Apfelsine wurde um 1560 von den Portugiesen unter dem Name»„chinesischer Apfel" im Süden von Europa an gepflanzt. I« 18. Jahrhundert kam der Nam« Apfelsine, d h. Apfel-ans Sin oder Sine, auf. Die öltest« Nachricht wer die Zigarre findet sich in der 1555 erschienenen„Geschichte Nicaraguas", wo der Berfasser von„gerollten Krautblättern" der Indianer redet. Dir Georgine oder Dahlie, eine bekannte Gartenblume, trägt ihren Namen nach dem Petersburger Naturforscher Georgin und dem Deutschen Dahl. Der Berliner Ernst Litfaß erhielt 1855 die Erlaubnis zur Aufstellung der später nach ihm benannten Anschlagsäulen. Millionenstädte. Nach neueren Zählungen rangieren folgende Städte an der Spitze der Welt: Ncw?|ork mit 9.850000, London nm 7,666000, Paris mit 4,550000. Berlin mit 4,500.000. Chicago mit 3,600000 und Philadelphia mit 8,700000 Einwchncr. Mehr als zwei Millionen har noch Tokio, mehr als eine Million: Glasgow. Birmingham, Moskau Leningrad, Budapest, Wien Konstantinopel, Warschau. Peking, Honkau, Schanghai, Kalkuua, Bombay. Buenos Aires, R'o de Janeiro, Sidney. Detroit und Hamburg(1,100.000) Das Wachstum der Städ'.c ist ganz verschieden. In den l.ctztcn 50 Jahren ist Los Angeles lOOmol größer geworden(von 8000 auf 800000!), Essen- Ruhr zwölfmal, Rem Kork achtmal, Duisburg siebenmal. Chicago, Leipzig Köln, Dortmund, Düsseldorf, Clevclond(Ohio) fünfmal. Hamburg. Berl'n. Buenos Aires und Prag viermal. Di« kleinste Republik. Tie kleinste Republik ist Tavalora, eine Insel im Msitcllän- diichen Meer, 7J4 Meilen von Sardinien gelegen. Tic Länge von Tavalora beträgt nur 1600 Meter, und es wohnen nur 55 Einwrhner daN. Tie Souveränität über dir Insel wurde im Jahre 1836 dem„Hame Bariel«on>" übertragen und die frirdiame Regierung unter Paul I. dauerte bis 1882. Als er starb, hat das Volk die Republik ausgcrufe». Rach der Staats- Verfassung wird der Präsident immer für zehn Jahre gewählt. Männer wie auch Kraue» find i» Tavalora wahlberechtigt. 17 Heirate» in der Stunde. E>n Statistiker Hai ausgerechnet, dass in Reuvork in jeder Stunde 17 Heiraten geschlossen werden, wobei allerdings der„Arbeitstag" nur mit 8 Stunden angenommen wird. Derselbe Gelehrt« hat auch die Zahl der täglichen Trlrphongriprächr in der Riesenstadt statistisch zu erfassen gesucht Danach werden innerhalb 24 Stunden 16,410.000 Anschlüsse vermittelt, so daß 118 Anrufe aus die Sekunde entfallen. Der Mann muß viel Zeit baden. Verpachtet, Flohjagd. Di« Daphnie(zur Gattung der Krufter gehörig)— volkstümliche Bezeichnung„Wassersloh"— ist ein sehr begehrtes Lrbendfutter für unsere Aquarienlieb- habrrei, das besonder« für Großstadnxreine nur noch sehr schwer za beschaffen ist. Et ist deshalb schon fest Jahren üdl'ch. daß sichende Gewässer, Tümpel»fw., di« diese Krufter enchalirn, von den Eigentümern(Gemeinden, Gütern uftv.) de» interessierten Bereine» gegen Zahlung einer jährlichen kleinere» Pachrsnmme überlassen werden. Auch zoologische Handlungen find Pächter solcher Tümpel und der„Dassersloh" ist während der Sommermonate in allen Z-erfischhand- lungen käuflich zu erhalten. Diese sogenannte --Jagdgerrchtsame" ist also nichts Neues. Dir Standhafte. Am Polterabend sagt der Bräutigam:„Liebling, ich kann nicht länger warten. Laß mich schon heute in dein Schlafzimmer ein. Dir kann eS doch nichts ausmachen, da wir ja morgen getraut werden."—„Nein, diesmal bleibe ich standhaft, denn ich bin schon einmal darauf hineingesaflen." Sächsisches, Allzusächsisches. Ein leicht Angetrunkener muß auf dem Wege nach seiner Behausung am Rapoleonstein vorüber. Dabei hält er folgenden Monolog:„Liste, mei liewer Na- bolichou, jetzt geht mrsch grade wie dir Anno dazumal. Mr Hamm uns alle becd« zu viel zuge- mut, un das haut een dann ganz elend zusomm." Nichts zu machen. Gestern abend wollte die Mutter mit unserem Vierjährigen beten:„Lieber Gott, ma' mich fromm, daß ich in den Himmel komm!" Der junge Mann verzichtete großmütig:„Ich will gar nicht in den Himmel, ich will bei euch bleiben und Chauffeur werden." Meine Frau hat die Betstunde«ingehen lassen. Radio. Ter Radior«porter wird von dem Direktor des zoologischen Gartens durch die Abteilungen gesührt. Bor den Affenkäfigen enl- spinnt sich folgender Dialog, den das Mikrophon auf den Sender überträgt:— Jer Direktor: ^TaS hier ist unser Schimpanse! Ein ungewöhnliches Prachtexemplar."— Ter Reporter:„Und der Aife daneben?"— Der Direktor:„Das ist das Weibchen."— Ter Reporter:„Sie sieht nicht so gutmütig aus wie er."— Ter Direktor: „Tas haben Sie ausgezeichnet beobachtet, Herr Doktor. Sie macht unserem Wärter manchmal Schwierigkeiten. Richt wahr, Wärter?"— Ter Wärter brummt:„3o— ja, und ob!"— Ter Reporter:„Frauen haben ihre Mucken. Vertragen Sie sich denn in der Ehe?"— Der Dirck- tor:„Wie belieb!?"— Ter Reporter:„Ich meine, ob ihre Ehe gut ist?"— Der Direktor: „Ach so. Sie meinen die Schimpansen, Herr Doktor?"—„3n,— ja, die führen eine aus- Schach 6