30«ASerhattunssvettaae. 1929. DSGiunae« von Mindern. Aus einem Gedicht „Der Wunschring". ... den ersten Wunsch würde ich lun, wenn ein Kind weinte, weil cs Angst Hai. Ta würde ich wünschen, daß alle Acnaste aus dem Äindcrherzcn verbannt sei» sollen... K. E. Meine Angst. Ich ging heut auf den Oberboden. Es war schon gan; dunkel. Oben auf der Ticle lagen drei lange, schwere Gestalten. Ich zitterte mit dem Herzen, mit den Beinen und mit dem ganzen Körper vor Angst. Ich schrie:„Hilfe, Hilfe!" Schnell, schnell kam nun die Mutter mit Licht cnrgegen. Und was tvar es? Es war ein Haufen Lumpen! Ta hatte mir die Mutter einen großen Augstein vom Herzen gewälzt. Ta hörte auch mein Zittern auf. Tic Anast ist ein häßliches, gräßliches Ungescköpi. Mi! ihren vielen, vielen Krallen krallt sic sich scst in dcn Menschen ein. Sie drückt ihn hinnnler und quält ihn. L. F. Heimweh. Kommst du mit, hinaus in di« Nacht? Wo die Bäume vor deinen Augen wandeln? Tu sprichst: „Tie Angst, ja, wenn dir Angst nickt wäre!" Kommst dn mit, hinaus in die weite Welt, wo alles fremd ist und kein bekanntes Gesicht dir entgegenspricht? Tu weinst: „Tas Heimweh, ja, wenn das Heimweh nicht wäre!" Th. W. Enttäuschung im Spiei. Meine G c b u r t s t a g s v u p p e. Bor zwei Jahren bekam ich eine schöne Puppe. Tic halte solche rote Backen, daß ich dachte, die wären von Fleisch. Tie schlief auch, wenn ich sie hinlcqte. Ich freute mich sehr. Tas Herz klopfte vor Freuden. Ter Grburtstagsmann hatte die Puppe sehr zerdrückt. Tie Haare waren znsammengerollt. Ta mußte ich die Puppe erst ordentlich kämmen. Innerlich hatte ich die Puppe ganz anders gesehen. In Wirklichkeit halte sie ein rotcS Kleid an, aber innerlich hatte sie ein rosa Kleid an. Tie große Puppe lebt noch. Sie sitzt im Schrank. I. St. Der Hühnerhof Ich habe einen Hühnerhof bekommen. Einen Hühnerhof und ein Auto. Ich halte noch gar nicht mit den beiden gespielt. Tas Auto hatte Reisen, und die Holzhühner richtige Fickern. Die Spiclfreunde sind gleich zu Besuch gekommen und haben das Auto genommen und gespielt:„Das Auto fährt Hühner tot." Ta ging beides kaputt, und die Spiclfreunde sind weggegangen. Und ich habe mich zu de» Hühnern auf die Erde gelegt und geweint und wollte auch sterben, wie die Hühner und das Auto. U. M. Rot des Lebens. Warum ich traurig bin. Ich weiß nicht: Ich bin so traurig, weil die Mutter und ich allein zu Hause sind. Meine Schwester dient bei fremden Leuten und mein Baier ist ganz weit in Krünberg. Tort walzt er mit der Dampfwalze dir Straßen. Aber er hat mir schon einmal geschrieben. Sonntags sind wir auch immer allein. Tas ist nicht schön. L R. Enge der Städte. Die Straße. Die Straße liegt so holprig da. Sie streckt ihr schwarzes Gesicht nach oben. Die Wagen und Autos rattern darüber weg. Wie mag der Straße zumute sein, wenn sie immerfort so rumpelt? Und in der Nackt, wenn alles Fuhrwerk ruht, da' schüttelt die Straße ihr Angesicht ab, wie ich manchmal die. Stadt von mir abschüttcl» möchte. H. B. Das finstere Armrner. Mein Zimmer ist so häßlich, ick find' cs furchlbar gräßlich. Doch alle sagen, cs ist schön. Tabei kann ich nichts weiter sch« als Haus und Hof und S:ein. Ter Hof ist auch so klein. Wann guckt der Sonnenschein je in mein Fenster rein? I- F- 2n der Rächt. Denn die Nacht ihr schwarzes Tuch übern Weltenranm spannt, und im tiefsten Schlummer liegen Blumen» Baum und Land— Horch! Was für ein Aechzen bringt der Wind getragen? Stöhnend krächzt es näher schon. Schaut hin: Eine Schlange Schleicht sich durch das Land. Hundert Augen blinken an dem dunklen Körper lang. Grausig ist es anzuschen, schrecklich ist es anzuhören, wenn cs sich vorübcrwälzt. Doch es zieht nur seine Bahn und weicht niemals davon ab, wie wir Kinder gebunden sind und nie in die Meile können. W. G. Kampf der Kreatnr. Tie erste Schwalbe. Gestern, als ich in den Hof kam, hörte ich einen Bogel singen. Rach der Stimme war er mir bekannt. Auf einmal sah ich ihn beim Nachbar auf dem alten Birnbaum. Er saß auf einem dürren Aestel. Ich freute mich sehr. Tenn cs war die erste Schwalbe in diesem Jahr. Sie saug gerade das Morgenlied. Beim Singen, da zuckte sie inlmcr mit den Flügeln, und sie guckte sich immer ängstlich um, als müßte noch jemand kommen. Auf einmal schrie sie laut und flog fort. Sic hatte eine andere Schwalbe gesehen. Ter flog sie nach. P- H. D Ä Zank zwischen Katze und Maikäfer. Heute sand ich einen Maikäfer liegen. Gleich sprang unsere Katze aut den Maikäfer zu, und schon hatte sie ihn im Mund. Tie schüttelte ihn mit ihrem Kopfe and schon war er tot Sie ging ei» Stück weiter, aber cs ließ ihr keine Ruhe und sie mußte sich noch einmal umgnckcn. Ta wackelte der Maikäfer noch ein wenig mit dem Bein. Ta hatte sie ihn aber gleich in dcn Krallen und verschlang ihn F. M. Leid in der Raine. Die klagende Birke. Gestern ging ich bei einer Birke vorbei. Sie war schön ungezogen, aber sie war sehr traurig. Ihre Arme hingen müde herunter. Sie sah aus, als ob sic mir etwas sagen wollte.„O", rief sie ohnmächtig,„die Leute haben mir das B!ut ausgesaugt. Sie brben mir ein Loch in den Leib gebohrt." Sie fing an, bitterlich zu weinen und sagte:„Jetzt werde ich wohl sterben." Dann kam der Wind und pfiff ihr ein Lied auf seiner Windpscife. Da bin ich lieber weitergegangcn. K. S. — 9— Der Wind. Der Wind zieht durch alle Ländr.. Er macht alle- häßlich. Er macht immer:„WZ>I>". Manchmal ist er böse.' Da niu<2t er die Bäume und haut fie zusammen. Sie machen immer: „Kr,kr,kr". So geht eS immer von einem Baum Zum anderen. Dir Bäume haben eS nicht gut. S. M. Der alte Brunnen im Walde erzählt. Neulich dacht« ich, ich w«re der Brunnen. Dann sagte ich: Ich bin ganz allein. Einsamkeit betrauert mich. Biele Fallen und Ritze habe ich im Gesicht. Ganz alt bin ich. Ich glaube 100 Jahre alt. Einmal kam zu mir«ine kleine Schar fröhlicher Kinder. Sie schauten mich verwundert an. Sie sagten:„Ach, der Brunnen ist aber schon entzwei. Er mag schon all seu-!" Ich guckte sie mit meinem einem so großen klaren Wasser» äuge an und lächelte freundlich. Ein Kind hatte mich sHr lieb. Ich bildete da das liebe Kind in meinem Augd ab. Ich dachte:„Dieses Kind könnte bei mir bleiben. Es würde mit mir trauern und fröhlich sein. Oder ich möchte selber so ein Kind sein." Ein paar Jungen, die dabei waren, nahmen Steine und warfen sie in mein Ange. Ta weinte ich bitterlich. Die machten es sich zum Spatz. Ich sprach:„Seid ihr Jungen aber häßlich." Ta gingen sic weiter. Ich war wieder einsam. G. T. Lied des Fabnksarbeiters. Ich möchte die Erde genictzen Einen seligen Sommer lang Auf nordischen Wassern fließen. Auf südlichem Meerestang... Tie Südsee, die Fjorde, die Schären Gehören den Millionären. Ich möchte sechs Wochen versinken Im Wunder der Alpenwelt,' Die Freiheit der Berge trinken Unterm ewigen Himmelszelt... Wo die Stürme ums Gletschereis streichen, Tort sind die Bezirke der Reichen. Ich möchte auch nur vierzehn Tage Einmal an den Mceresstrand, Mich wiegen im Wellenschläge, Mich sonnen im Tünenland... Die See und die Badefreudcn Gehören den Bürgersleuten. Ich werde drei Tage versäumen Born Trubel meiner Fabrik Und werde in ihnen träumen Bon Gletschern und Mecresglück. W Den Armen der Erde gehören Tic Sehnsüchte und das Begehren. Hans Bauer. Tante Lottchens Bohnengericht. Bon Siegfried von Vegesack. Tante Lottchen war anders als alle anderen Tanten: sie kochte nicht, sie strickte nicht, sie häkelte keine Jäckchen. Ter.ür hielt sie daS Missionsblatt„Hosiannah", lar die Palmblätter von Gerat, und legte jeden Abend ihr« Patience. Außerdem sammelte Tante Lottchen alle abgebrannten Tlreichhölzer, denn sie hatte gelesen, daß man für tausend Schachteln eine Nrgerseelr retten könnte. Und kein Tag verging, an dem nicht Tante Lottchen Stück für Stück, etwas von der armen Regersrele rettete. Die Küche und den Haushalt besorgte ihre alt« Wirtschafterin Karlin, die so alt war, daß fie sogar Großpapa, wenn sie von ihm erzählte, immer den„Jnngherrn" nannte. Eines Sonntags hatte sich Karlin von der Kirche verspätet: es wurde elf, es wurde zwölf — sie kam nicht. Tante Lottchen, die gerade im Hosiannah von der Bekehrung eines wilden Hottentotten-HäuPtlingS gelesen hatte, verspürte schon etwas Hunger. Sie trat in di« Küche, sah auf dem Tisch«inen Hausen schön zugeschnittener grüner Bohnen liegen, und beschloß, halb auS Spatz, halb aus kindlicher Neugier, nun einmal selbst zu kochen. Sie setzte sich die Brille auf, begann daS Kochbuch zu studieren, und befolgte eifrig und genau jede Vorschrift: zuerst kochte sie etwas „Mehlschwitze" dazu, damit fie recht„sehmig" würden, und goß heiße Butter darüber. Im Eifer hatte fie so viel Mehlschwitze dazu getan, daß fie zwei große Schüsseln mit den Bohnen füllen konnte. Grade wir Tante Lottchen fertig war und darüber nachdachte, wie sie wohl diese Menge vertilgen könnte, klingelte tS an der Haustür. Acngstlich öffnete Tante Lottchen einen Türjpalt. Ein zerluniptrr Bettler streckte seine magere Hand aus. „Geld hab ich nicht," sagte Tante Lottchen stteng,„aber ich kann dir etwas Gutes zu essen geben!" Und damit reichte sie einen bis an den Rand mit Bohnen gefüllten Suppenteller dem Bettler hinaus. Um sich an ihrem guten Werk zu ergötzen, lugte sie neugierig durchs Guckloch: wie cs ihm wohl schmecken würde? 9RSnuer u Don e. 9 (Tr. Lateiner und Tr. Mittelstand sind mit ihren Frauen in einem Kaffeehaus gewesen. Die Frauen haben Eis gegessen. Tann folgt ein kleiner Spaziergang auf dem Korso. Tie Frauen gehen voran, die Männer folgen.) Wovon die Frauen sprechen. „Weist du schon, wo du heuer den Sommer verbringen wirst?" „Ich habe mich noch nicht endgültig entschieden." „Tu wirst doch nicht zu Hause bleiben wollen?" „Wo denkst du hin? Ich bin nur noch nicht im klaren, ob wir nach Neapel oder nach London fahren werden. Ich glaube in Neapel ist es ein wenig zu heiß. In London wieder werden die Theater geschlossen sein. Und du?" „Ich habe meinem Mann schon gesagt, daß ich auf Paris bestehe. Es war auch von der Schweiz die Rede, aber ich verabscheue die hohen, kahlen Berge. Meine Toiletten sind beinahe alle fertig. Weißt du, ich habe ein Abendkleid aus weißem Mousseline, was soll ich dir sagen?... rin Gedicht.. Tann ein zweites aus Crepe Georgette..." „Hast du sie'zu Hause machen lassen?" „Was fällt dir«in... In einem Salon, in einem erstklassigen Talon. Tn läßt zu Hanse arbeiten?" „Na hörst du! In zwei Salons werden meine Kleider angcfertigt. Das eine ist aus Crepe Marocain und das vierte aus weißem Tuch, ganz gestickt." „Wenn du wüßtest, wir glücklich ich bin, wenn ich an die Abreise denke. Zwei Monate lang sicht mich Wien nicht." „Ich plane erst gegen Ende September nach Hause zu kommen." „Und dein Personal?" „Mein Personal lasse ich hier zurück. Es kommt wohl rin bißchen teuer, wenigstens geben sie aber auf die Wohnung acht." „Ich nehme mein Stubenmädchen mit. Dir Der Bettlrr tauchte hastig den Löffel in die Bohnen, führte ihn gierig in den Mund, ließ ihn aber im selben Augenblick entsetzt unter fürchterlichen Grimassen fallen. Dann versuchte er es noch einmal— aber jetzt spuckte er den Inhalt sogar verächtlich auS. Tas war Tante Lottchen zu viel. Empört riß sie die Tür auf und donnert« den unglücklichen Mann an:„Wenn dir dieS Essen zu schlecht ist, dann kannst du ja gehen!" Wortlos reichte der Bettler ihr den gefüllten Bohnenteller zurück, verzog sein Gesicht zu einer unbeschreiblichen Fratze, und sprang mit wilden Sätzen die Treppe hinunter. Entrüstet trug Tanre Lottchen den Teller in die Küche:„Betteln, das können sie. Wenn man ihnen aber was Gutes zu essen gibt— dann ist cs ihnen nicht fein genug!" Und Tante Lottchen legte sich nun selbst einen Teller vor, setzte sich, hob den Löffel— wi« herrlich sehmig, sogar schaumig, war die „Mehlschwitze" geraten— und führte ihn zum Munde. Aber mit fassungslosem Grauen ließ fie den Löffel sinken und stürzte zum Eimer... In diesem Augenblick trat staunend die alte Karlin ein. Und nun stellte sich heraus, daß Tante Lottchen sich vergriffen hatte; statt Mehl hatte sie Seifenpulver genommen... Tante Lottchen hat nie wieder das Kochbuch angerührr. Auch Bohnen mag sic nicht mehr. Und der Bettler ist nicht wicdcrgckommen. »v»rve»$nuKn. I o I n» r. Köchin schicke ich aufs Land, weißt, sie ist kränk lich, und ich will, daß sie bis zum Herbst kerngesund ist." „Ich brauche kein Stubenmädchen. Mein Mann ist damit einverstanden, daß mich eine entfernte arme Verwandte von mir, ein hübsches Mädchen, begleitet. Ich werde sic gut brauchen können." „Sag. Liebste, kommst du morgen auf den Kobcnzl?" „Es geht nicht. Ich bitte dich, ich habe schrecklich viel zu tun. Ich werde den ganzen Tag mit der Modistin und meinem Schuhmacher verbringen müssen." „Schade, sonst hätte ich dich eingeladen, mit mir zu fahren." „Ich danke dir. Teure. Ich habe für morgen schon ein Auto bestellt; ich werde wegen meiner Erledigungen den ganzen Tag unterwegs sein müssen." Wovon zur gleichen Zeit die Männer sprechen. „Also, ich bitte dich, das ist einfach nicht' mehr auszuhalten. Meine Frau war gestern in Enzersdorf, und stelle dir vor, man hatte die Frechheit, für ein elendes Loch hundertfiinfzig Schilling zu verlangen. Für rin Zimmer— was heißt, Zimmer!— ein Loch, mit Kücken- bcnittzung für eineinhalb Monate." „Nun, und was wirst du tun?" „Roch warten." „Ich habe einen Verwandten aus dem Lande. Ein lieber Mensch, er sieht uns ganz gerne, nur hat es. den einen Haken, daß er kein Fremdenzimmer hat. Er sagte aber, man könnte die Waschküche umändern... wir mögen Betten, Kästen, Stühle, alles mitbringen und dann brauchen wir bloß für die Kost zu bezahlen." „DaS nenne ich rin Glück. Und deine Frau? was sagt die dazu?" i„Jetzt beginnt sie sich schon in alles drein- zufinden. Anfangs ging eS wohl schwer..." „Ganz wie bei meiner Fra».* „Sie sagt, wenn fie schon in rin Dorf fährt, will sie sich von dem ersparten Gelbe snicht schlecht, wie?) rin Sommerkostüm machen lassen. Sie hat eine Hausschneiderin, ein billiger Vergnügen, so habe ich«r ihr denn bewilligt." „Meine Frau läßt ihr vorjährig« Kleid umarbeiten. Auch sie hat sich schon daran gewöhnt." „Bloh davor habe ich Angst, daß unsere Wohnung leer bleibt. Die Köchin und das Stubenmädchen schicken wir fort— wer zum Teufel könnte dar durchhalten? Ich werde mir Wir entnehmen diese tresslich« Schilderung kapitalistischen Drohnendaseins dem„Reisedienst'' des Mitteleuropäischen Reisebureaus". Ihrer Verfasserin, Paula von Reznicek, hat gewiß fern gelegen, die konterfeiten Kreise der„honetten Gesellschaft" bloßzustellen. Um so wirksamer erscheint uns ihre ungewollte Kritik. Einziges kontinentales Land der unbegrenzten Möglichkeiten,— phantastische Welt zwischen Ventimiglia und Cannes! Auf 6ü Kilometer Küste fast ein Dutzend„Klein-Paris" in heftigster Konkurrenz. Wer in Monte wohnt, lauert schon ans den Augenblick, wo er mit der Rotte der zahllosen' staubpeitfchenden Sechszylinder nach Cannes rasen kann,— wer zur Trestunde im überteuerten, überparfümierten Negresco in Nizza gerade noch seinen letzten Flirt beendigt hat, sieht schon auf die Uhr, denn man will nach dem Blumenmarkt von Mentone in das dortige Kasino zum Bae. Ueberwiegend englische Laute, Deutsch und Französisch noch in der Minorität, manche Hotels hundertprozentig angloamerikanisch... Und trotzdem,— trotzdem regiert Frankreich hier, Paris, das dem schon sommerlich heißen Süden seinen. Stempel aufdrückt, von den Roben Philippe et Gastons, Premets, Poirets bis zu den klastischen Namen Maxim, Ermitage, Cigogne, Perroquet, deren Reklamen rin vereinsamter Vogel Strauß am Korso spazieren führt,— sehnsüchtig in freien Momenten übers Meer der fernen Heimat zuglotzend. Nun, wo endlich nach langen Wochen des Regens und der kalten„Bora" stechende Sonnenstrahlen schwärzeste Schlagschatten werfen, ist die Glut der Sinne auf der ganzen Front erwacht. Galadiner, Revue uägre, Majestic bal, Temple of Dancing, so bleckt es auf Schritt und Tritt in bunter Glühschrist, ob im Restaurant de l'AmirautK in Mentone oder in der entzückenden„Reserve" von Beaulieu, wo Jazz und Bar an feinem Felspodest aufgebaut sind und Assen und Papageien die erstaunten Gäste begrüßen. Ewig kreisender Zirkel'. Kaum sind dir Erregungen der Tennisgefechte im Beau-Site vorüber, setzen die Golschampionsships rin. Bekannte Gesichter, die sich alljährlich hier ihr Stelldichein geben und die Prominenten der Gesellschaft sowie die Cracks der verschiedenen Sports zu einem großen, vielleicht unübertrefflichen Sammelsurium vereint. Es gibt ja keine Entfernungen, man ist überall, wo man los ist, und die azurblauen Prachtpromenaden, die sich den Riesenstrand ent- langziehrn, scheinen den einen Ort mit dem andern zu verbinden. Nachts im Hotel und— tags darauf beschließt man, einen Aperitif auf der„Promenade des Anglais" in Nizza zu selbst aufräumen, werde mir zu Haus« einen Tee kochen, irgendwo in einer Aulkocherei zu Mittag essen und abends fahre ich hinaus nach Enzersdorf. Im Herbst beginnt dann die Jagd nach einem neuen Personal." „Genau so wie bei uns. Du, sage einmal, könnte man die Sach« nicht so lösen, daß du di« Köchin behälft— unsere kocht unbarncherzig schlicht,—, ich aber, das Stubenmädchen So könnten wir wenigstens gemeinsam zu Mittag essen und hätten jemand, der uns die Wohnung in Ordnung hält." „Eine glänzende Idee! Ich werde die Sache noch heute mit meiner Frau besprechen." nehmen: NnrseS, Kinderwagen, Krämer, afghanische Hunde, amerikanische Traber, winzige Selbstfahrer-Automobile aus Leopardensellen und Schweinsleder karossiert, Blumen über Blumen überschwemmen die Stände. Mimosen, gefüllte, glutfarbene Nelken, Beilchenmaffen! Lunch(zwanzig bis dreißig Franks), dann Sport, Taubenschießen und wieder— Tennis. Boll Verzweiflung knabbern schon die Zuschauer Spazicrstöcke und Hüte an, wenn es der charmanten Spanierin d'Alvarez nicht gelingt, Niederlagen abzuwehren. Claude Anet, soeben von seiner Deutschland-Reise aus Berlin zurückgekehrt, taucht auf, an der Seite der faszinierenden Gräfin Teleky, nicht nur Meister der Belletristik, sondern auch vor etwa 26 Jahren französischer Chanipion des„weißen Sports". Aber erst der Abend! Wie Perlenschnüre reihen sich die Lichter der glanzvollen Orte aneinander. Ter gleiche Himmel umspannt die gröhlenden Matrosen vor den Bars in Bille- franche, die dunklen Gäßchen Nizzas, die die tollsten Geheimnisse unter der Mimikry eines „Cinäma" bergen, und die Freitreppen des „Ambassadeur" im Casino von Cannes, auf, „Die Höhlenkindes". Welcher lebensfrijche Junge hat nicht mit heißem Kopf Crusoes„Robinson" verschlungen, wer hat nicht das Leben des durch Tchisfbruch auf eine einsame, weltabgeschiedene Jtzfel Verschlagenen mit seligem Bangen und frohem Aufjauchzen miterlebt. Für viel« war es nicht bloß ein Buch, sondern ein starkes Erlebnis, dessen Eindruck in der Seele hasten blieb. Es ist der Kampf- und Forschungstrieb, die Freude am Schassen, die Sehnsucht nach der großen, weiten Welt und nach dem Erlebnis, die sich an diesem klassischen Jugendbuch entzündeten, das gewiß der Jugend noch zahlloser Geschlechter beseligende Freude bereiten, sie in Spannung versetzen wird. Es gibt manche andere Bücher, die das Motiv des Robinson-Buches, den in Einsamkeit und Wildnis verschlagenen Mensche«, der sich mühsam die primitivsten Mittel für sein Leben schassen muß, abwandeln, doch kein«s, das ohne daß es als eine Nachahmung Robinsons angesehen werden könnte, so phantasievoll, anregend, spannend und lehrreich wäre, wie cs eine tut Berlage der Franckhschen Verlagshandlung,' Stuttgart erschienenen dreibändigen Robinsonade ist, nicht eine, dir auf der Insel der Südsce, sondern im Herzen Europas ihren Schauplatz hat.„Die Höhlenkinder." 1. Band:„Die Höh- lenkindcr im heimlichen Grund", 2. Band:„D i c Höhlenkinder im Pfahlbau", 3. Band:„D i e H.ö hlen« kind,er im Steinhaus". Jeder Band, auch einzeln käuflich,- enthält 8 Vollbilder, 2 Pläne und zahlreiche Randzeichnungen sowie bc*n di« Gentlemrn ihre bedenklich leeren Taschen durchsuche». Ueberhaupt— daS Ambassadeur! Clo» und Gipfel der Extravaganz, Sammelbecken der Gierigen. Kiaige klopfen sich auf di« Schulter, Gustaf von Schweden, der liebenswürdig-unrnt- wegtr Tennissouverän, und ein anderer Herrscher, der nie nahe genug an der Girl-Bühne sitzen kann, Manuel, Portugals Exkönig, hat — al» glücklicher Riesenerbe— längst Ersatz für die unvergeßliche Gaby Deslys gefunden^ deren Nachlaß gerade in Marseille Gegenstand eines späten Skandalprozeffes ist. Während mit feierlicher Gebärde: Suprämr de Turbotin, Coeur de Filet Mignon Mafföna, Poularde Breffane rgti« au feu de bois, gereicht werden, wandern die Blicke von Tisch zu Tisch, wo neben den Kavalieren in Smoking— Frack wie auch in S! Moritz ganz selten— in den zwei Stunden des genießerischen Mahles der kostbarst« Schmuck des Kontinents von Frauenschultern, Armen und Rückenausschniiten aufblitzt. Es ist Zeit, an die Nacht zu denken, die man der„Maisonette" oder„Kasbek" weiht, wo rutische Reminiszenzen träumerisch stimmen: Borraum mit Vitrinen voll des Silberichatzes eines russischen Prinzenhauses, Tanzraum mit kostbaren Champagnerkübeln auf den Tischchen, die noch das alte Wappen tragen. Doch vorher dinier! der. Kenner abseits von der Hotel-Karawanserei, nahe dem L„ai, unter rotgelb gestreiftem Restaurantdach, nir- wenig Geld die französischsten aller Gerichte: Bouillabaise, Muscheln, Kuftelfleck, Gorgonzola mit Sellerie. Dazu Musik: ein Bettler mit einer Harfe läßt sieben verstimmte Saiten erklingen, einen weißen Pudel zu seinen Füßen. Im Nu ist der Meffingteller voll, zwanzig, dreißig Frank. Der Harfenspieler lüstet sein Hütchen, zieht seines Weges— die Zigarette im Mund. Auch ein einträgliches„Spiel" an der„Cole d'Azur"! •T T'T T V TV T yVV mr TT T V V V V V■» in den Text eingefügte Abbildungen. Preis jedes Bandes, auch gegen Monatsraten von 3 Mk. beziehbar, schön in Leinen gebunden Mk. 5.60.) Ihr Verfasser ist A. Th. Sonn», leitner, der in Prrchtoldsdorf bei Wen lebt nnd dort seine entzückenden, phantasievollcu Jugendbücher schreibt.(Außer den„Höhlenkin- dern" stammen noch eine Anzahl anderer mei- sierhaster Jugendwerke von diesem die Seele der Jugend wie nur selten jemand verstehenden Dichter.) Einzelne der Bände der„Höhlenkinder" haben bereits die 6V. Auflage erreicht, mehr als alles ein Beweis, welcher Beliebtheit sie sich— und nicht bloß bei der Jugend— erfreuen. Im„heimlichen Grund" beginnt und spielt diese neue Robinsonade, das ist ein weites Tal, rings von senkrechten, unübersteigbaren Felswänden umschlossen, gleich einem ungeheueren Krater. In dieses Tal sind zwei Kinder geraten und ein Bergsturz hat ihnen dir Rückkehr unmöglich gemacht. Sie sehen sich gezwungen, hier ihr Leben zu verbringe«, hier wachsen sie zu Mann:md Fran heran. Eine Geschichte des Menschengeschlechtes von Urbegin« im Kleinen. Seht, so hat sich das Menschengeschlecht aus de« allereinfachsten Lebensformen, mit de« Widrigkeiten der Umwelt und der Natur hart ringend, von schutzloser Blöße zur Kultur emporgearbeitet— das ist es, was diese Bücher dem jugendlichen ebenso wie dem er- w^chscncn Lenr veranschaulichen. Grausam hart ist mitunter ihr Daseinskampf, aber die Not macht sie erfinderisch, sie erfinden die notwendigen Werkzeuge, verstehen es, sich Kleidung zu beschaffen Wie der Weg der Menschheit ist auch c»n de» gtibiera. 4— der ihre: von der Wohnung in Höhlen zckin Pfahlbau uud schließlich zum Steinhaus, die ganze Menschheitsgeschichte und Kulturgeschichte in den Zeitraum eines Menschenlebens zusammengedrängt. Die Erlebnisse der Einsamen sind mit einer Anschaulichkeit erzählt wie SrlbsterlebteS. Unterhaltend, spannend, lehrreich und anregend wie diese drei Bücher find, können fie als prächtiges Geschenk für Jungen und MädrlS, als Lektüre aber auch für jeden Erwachsenen bestens empfohlen werden r. Das Kriegserlebnisbuch der Frau. Aus tiefster Einfühlung in die Frauenseele, mit der unerbittlichen Wahrhaftigkeit deS Dichters, hat A. A. Kuhnert ein Werk geschaffen(KriegSfrout der Frauen". Roman. Geheftet 3.— Mk., in Ganzleinen gebunden ■4.80 Mk. Sammlung-Lunge Deutsche". Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig), das zur Offenbarung wird. Offenbarung der furchtbaren inneren Wandlungen unter dem Druck der Kriegsatmosphäre, Offenbarung aller geheimsten Regungen, bis zum Ausbruch der offenen Triebrevolution, deren Wirkungen bis auf heute gehen.„Bon der Front erfaßt", von der Front der Berlaffenheit, des Hungerns, des «Mosen Harrens, des entnervenden Duldens, von der Front, in der alles Weiche und Zarte zu grausanier Härte erstarrt und sich die primitiv-urtümlichen Triebe lösen, wird auch Margot, die jugendliche Heldin deS Buches. Mit tiefem Blick zeigt der Dichrer die Verknüpfung der Pubcrtätswandlung mit den Geschehnifien der äußeren Katastrophe, die Entwicklung einer knospenden Mädchenseele unter dem Gifthauch des Krieges. Rundherum erschütternde Bilder: die verwaisten Häuser, der grauenvolle Hungerkampf, die grotesk-schauerlichen Hamsterfahrten, Korruption, Verwirrung und wahre duldende Tapferkeit. All das ftei von jeder Tendenz, mit dem Mut zur unbedingten Wahrheit, in spannenden Szenen frei und groß gestaltet, in einer seltsam blühenden anschauungsstarken Sprache. Ein Denkmal der furchtbaren Jahre, im Tiefsten erschütternd in seiner schlichten Tatsächlichkeit. Zu den Erlcbnisbüchern des Mannes gibt Kuhnert die große Ergänzung, die erst das Bild der schicksalhaften Jahre vervollständigt. „Kricgsfront der Frauen" behandelt das Schlachtfeld, auf dem die Frauen kämpften und litten: das Schlachtfeld des Heimkriegcs mit seinen ungezählten Opfern. Was mancher nicht weiß. Die„hustende Pflanze". In der vorletzten Nummer wurde hier von einer angeblich in den Tropen- vorkemmcndcn„hustenden Pflanze" erzählt. Tie Notiz war natürlich ein Scherz, denn eine solche Pflanze existiert nicht. Es har uns gefreut, unter unseren Lesern so belesene in der Naturwisienschaft zu finden, welch: dies sofort erkannten und glaubten, uns auf den„Irrtum" aufmerksam machen zu Müsse«. Der Gedanke des Fallschirms ist von Leonardo da Vinci, dem großen Meister und Bildhauer, 1495 beschrieben worden. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war es nicht üblich, Inserat« in di« politischen Tageszeitungen aufzunehmen. Besonder« Antigen-Zeitungen, die sogenannten Intelligenz» blätter, gaben die Anzeigen heraus. Tas erste Jntelligenzbüro wurde 1633 von dem Pariser Arzt Theophrate Renaudot gegründet. Mau hat statistisch seftgestellt, daß von 1000 Menschen höchstens einer 100 Jahre alt wird; von 100 Menschen werden nur sechs 75 Jahr« alt. Ostindien ist so groß wie Europa ohne Rußland und erstreckt sich über 28 Breiten- und 40 Längengrade. Stine 320 Millionen Bewohner bekennen sich zu neun großen Religionen und sprechen IM Mundarten aus sechs Sprachenfamilien. Rur 70 Millionen von den 320 Millionen Bewohnern sind Mohamme- dauer. 7-—«Merlei.«- Tiere mit menschlichen Krankheiten. Daß Affen nicht di« einzigen Tiere sind, die für menschliche Krankheiten empfänglich sind, zeigte ein Vortrag, den Dr. Herbert Fox,- Professor der vergleichenden Pathologie an der Univcrsitä: Philadelphia, vor der„Amerikanischen Philosophischen Gesellschaft" dieser Stadt hielt. „Hunde, schwarze Bären, Waschbären und Hyänen", führt er dabei aus.„teilen mit dem Löwen die Disposition für Magen- nnd Tarm- krankheircn. Die mit Hufen nnd Hörnern versehenen Tiere bilden«ine andere Klafic, di« fiir Hcrzstörungen besonders empfänglich ist. Affen und Halbaffen leiden ost an Tuberkulose und Verdauungsstörungen.'Im allgemeinen kommen di« Tiere über die ihnen zugemefieue Lebensspanne so wenig hinan? wie der Mensch" Die Untersuchungen, die Dr. Fox während der letzten 25 Jahre im Zoologischen Garien von Philadelphia ausführte, wurden an 2571 verschiedenen Tieren vorgenommen. Stahlstraßen in England. In Eolubrook, einem Vorort von London, ist eine neue Autostraße dem Verkehr übergeben worden, die nach ganz neuen Gesichtspunkten gebaut worden ist- Die Ränder der Straße sind von Stahlbändern eingefaßt, die durch weitere kreuzweise übereinander geführte Stahlstreifcn niitcinander verbunden sind. Tie Zwischenräume des so entstandenen Netzwerkes sind mit einer Aspha!:- mafie ausgcgoffen. Ter neu« Straßentyp ist den Anforderungen des stärksten Lastkraftwagenverkehrs gewachsen und zeigt eine außerordentlich große Widerstandskraft. — Heiteres. Auch«in« Auskunft.„Wie gehl es Ihren Brüdern?"„Ter ein« ist verheiratet, ober dem andern geht es ganz gut." Umschrieben.„Tu hast dich verlobt? Gratuliere. Ist sie schön? Ist sie reiib? Ist sie jung?"—„Schön reich ist sie, nnd jung war sic schon eher als ich!" Diagnose. Arzt:„Ich erkenne jede Krankheit aus den Augen; so sagt mir Ihr rechtes Auge, daß Sie herzkrank sind."— Patient:„Entschuldigen Sic, Herr Toktor, das rechte Auge ist ein Glasauge." Drr Wunsch.„Ans Ihr Drängen muß ich Ihnen mittcilen, daß Ihr Zustand leider hoffnungslos ist. Vielleicht hoben Sie den Wunsch, vor Ihrem Hinjchcidcn noch jemand zu sehen?"—„Jawohl, Herr Toktor."—„Und zwar?"—„Einen besseren Arzt." Das Schlimmere. Fritzchen:„Tn, Heini, hast d» die Grippe auch so schlimm gehabt wie ich? Vier Wochen durst ich nicht in die Schule gehen."— Heini:„Hoch! Viel schlimmer bei mir— ich hab sie in den Ferien gehabt!" Indirekter Helfer.„Tiestm Herrn, der dort drüben geht, verdanke ich mein Vermögen."— „Tas ist doch der Besitzer der vielen Eiskondi- torcien."—„Stimmt, und ich liefere die Tabletten gegen Magenschmcrzcn!" Hausrezepte Welkes Gemüfe frischt man auf, indem man es einige Stunden in kaltes Wafier unter Hinzusetzung von Zitronensaft legt. <8rmt spansleck« werden am besten mit Salmiakgeist betupft und die entstehenden blaue» Flecke mit Wafier nachgcwaschcn. Nötigenfalls muß man die Behandlung wiederholen. Beim Koche« von Kohl füge man diesem etwas Sellerie bei.- Dadurch wird der Geschmack bedeutend vcrbefiert, auch der unangenehme Geruch wird wesentlich gcniildcrt. Schach-Ecke. Alle Zuschriften■ und Anfragen an Gen. Alois Patz, Druck- und Beilagsnn- stalt, Tcplih Schönau. Tischlergafie. <7. Fortsetzung.) Schlechte Bauernstellung. Bild 8. a b c