Än«mein kleinen Rivierabotel amüsieren sich deutsche Spießbürger, wie sich «bet» Spießbürger„amüsieren". Schließlich kaffen sie sich von einem geriebenen Hochstapler hineinlegen. Darüber hat Usarski ein satirisch-drolliges Buch geschrieben,„Dos Hotel znm Paradies", Delphin^ Verlag, München, mit Ivü Zeichnungen des Verfassers, dem wir dl« folgende lustige Szene entnehmen: Ich betrat unser Zimmer und stand verdutzt. In der offenen Balkontüre lehnte Lisbeth an der Balustrade, rauchte ganz gegen ihre sonstige Gewohicheit eine Zigarette und unterhielt sich lächelnd und offen- bar in angeregtester Stimmung mit jemandem, der a>rf dem benachbarten Balkon stehen mußte. Ich war mir noch nicht ganz schlüssig, ob ich zurückAehen oder hinzutreten sollte, als eine Männerhand herüberlangte und mit Zärtlichkeit über Lisbeths Hand strich, was meine Fra« mit einem gluckseichen Lachen sich gefallen ließ. Mr schlug es wie mit einem Borhammer aust Herz, ich trat mit drei Schritte« rasch vor „Ich habe der gnädigen Frau aus der Hand gelesen," sagte der Baron de Rosolio seelenruhig, mit dem Bauch weit über der Brüstung seines Balkons liegend und ohne nach meinem Dazwischentreten diese Stellung zu verändern.„Ähr interessant!" „Ähr intereffant!" echote ich. Tenn ich verspürte einen Knödel in der Kehle, der mir fast die Luft wegschnürte.„Das— eh— das kann inan also auch auf den«— eh— auf deni Handrücken!'?" „Aber natürlich!" und steckte mir den seinen, der mit schwarzen Härchen dicht bedeckt war, unter die Rase.„Sehen Sie, hier, diese feinen Linien— sie geben manchmal noch beffere Auskunft als die in der Hand!" Jedenfalls gab mir seine Hand im ganzen gcnügeiid Auskunft, um mir Borsicht anzucmpfehlen. Sie Ivar breit und muskulös und ähnelte mehr der eines Schwer- gewichtSboxerS als der eines adligen Barons. Die schaufelförmigen Fingernägel waren von Riefeln und schwarzen Flecken, wie von kleinen Quetschungen, durchzogen uitd auS dem Aermel seines zwar seidenen, ab« ziemlich geschmacklos gemusterten Das Dae«. Schlafrocks trat auf dem Unterarm die Tätowierung zweier Damenbeine hervor. Wie ein Blitz durchfuhr mich der Gedanke, daß er vielleicht kein Baron, vielleicht sogar ein Hochstapler sei. Doch verwarf ich«h» sofort wieder, weil ich mir sagte, daß er w kein deutscher, sondern eben nur«in italienischer Mliger war, dem, wie diesem Bolte überhaupt, Dinge und Merkwürdigkeiten eignen, die unser Kopsschütteln immer wieder mit Recht erregen. „Rosolio hat mir von seinem Urgroßvater vyahlt!" sagte LiSbech. Sie sagt schon„Rosolio", durchfuhr eS mich.„So, so, Urgroßvater!" ,La, Casanova! Du weißt doch, von dem wir das Buch haben, daS du mir als Braut geschenkt haft!"! Und sah dabei den Baron kichernd an. „So, so, Casanova!" Ich fühlte, wie ich alle Farbe verlor. „DaS ist— eh— sehr interessant!! Wenn man schon einen solchen Urgroßvater hat" „Za, ich habe viel von ihm!:" grinste de Rosolio unb blinzelte, wie mir schien, mein: Frau dabei an. ,M— ja— ja gewiß— eh, hoffentlich nein, ich meine Seit wann rauchst du Zigaretten» wenn ich fragen darf," fuhr ich meine Frau an. „Warm» soll ich nicht!?" platzte sie zurück. „Und deine Kopfschmerzen!?" „Die sind weg!" „Aha, weg! Ich verniutr, von der Zigarette!" „Möglich!" zuckte Lisbeth die Achseln. „Eine sehr gute Zigarette!" nickte de Rosolio.„Bitte, nehmen Sie!" und hielt »lir ein silbernes Etili hin, in dessen vertieftes Oval die emaillierte Photographie einer ihre rückseitige Partie zeigenden, total nackten Dame eingelassen war. Die hat er natürlich auch Lisbeth gezeigt, durchfuhr es mich und wollte ichon brüsk ablehnen. Bedachte dann aber rafch, daß cs uni unserer nationalen Ehre willen nötig sei, ihm nicht billige Gelegenheit zu geben, von uns fehlenden guten Manieren sprechen zu können. Weshalb ich eine Zigarette uiw sogar daS angebotene WachS- zündhölzchen mit Dank annahin. Doch stieg meine innere Wut j« mehr," je länger ich aus gewissermaßen außenpml-, tische» Gründen Höflichkeit zu wahren mich gezwungen sah, und, ganz am Rande mei-i ner Selbstbeherrschung, platzte ich plötzlich heraus: ,^ch wünsche Sie unter vier Auge« zu sprechen, Hebr Baron!" „Wofiir das?" erstaunte sich meine! Frau. ,Mtte sehr," d« Rosolio richtete sich! aus,„gerne! Wollen wir hier bei mir aus j meinem Zimmer?" „Unten, wenn cs 5rbnen recht ist!"! „Va bene! Ich stehe in zwei Minute« zu Ihrer Beifügung!" und verschwand.| „Was soll das?" fragte Lisbech und i sah mich spöttisch au. „Nichts, was dich interessieren könnte!", steckte ostentativ einen auf der Kommode stehenden messingenen Kerzenleuchter in die Hchentasche(was mir nur halb glückt«, well er zu lang war) und ging mit energischen Schritten hinaus. „Vergiß die Streichhölzchen nicht!!" t rief sie mir lachend nach. Was meine Wut: geringer zu machen, nicht geeignet war. Am Ende des Ganges kam der Baron schon hinter mir her. Ich erwartete ihn am Treppenabsatz, i worauf wir schweigend hinunter und vorJ die Türe gingen. Draußen setzte er sich auf die Bank nnd lud mich mit einer Hand-1 bewegung ein, neben ihm Platz zu nehmen.' Ich versuchte es zweimal, konnte cs aber nicht wegen des Leuchters in meiner Tasche, weshalb ich kurzerhand stehen blieb. Was de Rosolio veranlaßte, sich ebenfalls zu erheben. Es war mir das höchst unange-- nehm und ich verwünschte heimlich das messingene Ding, das ich doch nur meiner Fran zu imponieren, eingesteckt hatte und das dazu mich in der Leistengegend empfindlich kniff. Denn dieses uns Gegenüberstehen gab der an sich schon genug delikaten Situation einen Ernst, den ich wegen der Gefahr, mit der sich in dieser Stellung schcnßlichstc Affären plötzlich und sowohl unvermutet wie ungewollt entwickeln konnten, gerne vermieden hüt^. Weshalb ich denn auch in einem freundlicheren Tone, als ich sonst angeschlagen haben würde, begann: „Herr Baron, wie gefällt Ihnen meine Frau?" Ä — r— nickte er lebhaft mit amüsierte! Unterton.„ausgezeichnet!" „Das freut mich!!" sagte ich. Dum da ich einmal diese unüberlegte und dumme Frage gestellt hatte, konnte ich ja nicht gut etwas anderes sagen. ,La," fuhr de Rosalia fort,„ausgezeichnet, wirklich ausgezeichnet! Ihre Gattin ist sehr liebenswürdig!" „Zu liebenswürdig'" platzte ich heraus.„Das ist es ja eben, weshalb ich—" „Aber nein! Ich bitte Sie, eine Dame k"nn gar nicht liebmswürdig genug sein! Möchten Sie eine Lanthippe zur Frau haben.'?" Wenn du wüßtest! dachte ich. „Ich habe gerade die deutschen Frauen tmnier sehr liäenswürdig gefunden. Es paßt so schön zu ihrer Blondheit.— Wir Italiener haben eine Faible für blonde Frauen!" fügte er grinsend hinzu. Aber ich hätte doch auch in Italien, in Genua zum Beispiel, eine Menge blonder Italienerinnen gesehen, sagte ich. „Alles unecht! Gefärbt!" „Das gibt cs bei uns in Deutschland genau so. Das heißt, nreine Fran natürlich" „Ist echt!" nickte er und grinste wieder» „das habe ich auf den ersten Blick konstatiert!".Ichsüchte krampfhaft nachMögtikei- len, die Unterhaltung auf den Weg zum erwünschten Ziele und raschen Ende zu bringen, fand aber nur solche, die bei der Statut und höchstwahrscheinlich angeborenen Wildheit dieses schwarzen Teufels auzuwLN- den nicht geraten waren. Außerdem miss der Äerzeulrvchter, den ich doch nicht au3 der Hosentasche nehmen konnte, mit geradezu niederträchtiger Bosheit, und meine Ber- stlche, ihm eine weniger schmerzbereitende Lage zu geben, begannen dem Baron aufzulallen. Er sah mir mit schrägem Blick auf »en Hosenlatz und meine dort arbeitende Hand, steckte die seine plötzlich in die Tasche und zog einen Revolver hervor.„Weim Sie gerne schießen, ich mach-: mit!" Ich bin«lcht feige, bestimmt bin ich »ich» feige, und wenn es darauf ankommt, fehlt es mir keinlswcgs an Mut. Wie ich »ft genug bewiesen habe. Aber so plötzlich einem geladenen Revolver gegenüb er- zustehcn, mit nichts anderem als einem messingenen Krrzenleuchter in der Tasche— — ich möchte den sehen, der da kalt und gelosten bleibt. Ich wich drei Schritt- zurück, zerrte rasch den verdammten Leuchter aus der Hosentasche——„Was wollen Sie!? Wer redet denn hier von Schießen!? Es ist doch nur ein Kerzenleuchter!" „£>," und begann heftig zu grinsen, „ein Kerzenleuchter!" Nahm ihn mir aus der Hand und wog ihn.„Hm, zu leicht! Keine W»sfe für Männer! Gibt bestenfalls Beule am Kopf! — Hier!" und hielt mir dcn Revolver un.cr die Rase Ich sah endlich den Weg, ihn» auf dcn Pelz zu kommen. „Sehr schön," sagte ich in, soweit eS die Situation zuließ, drohendem Ton,„sehr schön! Ich will nlich hier etwas mit Ihnen — ehe— unterhalten und Sie drohen mir mit einem Revolver!? Wenn Sie auch ein Baron find, glaube ich doch, daß die Polizei hier auch einem Adligen nicht gestattet, mit einem Revolver" „Ter eine Attrappe ist!" unterbrach er mich mit grinsend hochgezogener Oberlippe, was ihm etwas von einem stetscheiwrn I.auotier gab, und steckte ihn sich zwischen '.e Zähne.„Nur eine Pfeife, wenn Sic gestatten!" Ich stand»nit> rlcuchtcr wie ongedonnrrt und mit den» höchst ekelhaften Gefühl, keine besonders gute Figur in diesen» Augenblick zu machen. „Ja, mein Lieber," u»rd klopfte m»r gönnerhaft auf die Schulter,„auf die Nerven kommt es an!! Werm Sie die haben, können Sie einen mit der Wichsbürste erschlagen!! Bnona notte!" Da» Cteft toom täglichen 4lrot. Sm«raa»««»alaal. Das ist das Lied vom tägliche» Brot: Die es«schafft», leide» Rot. Dir Kleid« wirke»— gehe» dlotz, Dir Höuftr bauen— wohimogsloS. Daß ist dos Lird vom alten Geschlecht: Da» Herr» das Land,' dir Fr»» dem Knecht. Die Kohle» grade»— ohne Herd, Dir Werte schaffen- ohne Bert. D-S ist das Lird d« höllische» Pein: Drm Reichen Brot, de« Arme» Stein. Drm Ar««» Rächt nk bitt res At»h, D—i'cheu Glanz und Urberflah. DaS ist das Lied, wen« der Aufruhr gellt, Ar»» alte Schmach a» u»s zerschellt. Das ist das Lird, daS nicht verzeiht, Ihr Knechte, seid zur Tot bereit. Der kluge Marabu. Bon Mert Reinige. Am Ufer des Nils stand ein Marabu, stumm, unbeweglich, und drückte, wie rü seine Art war, ein Auge zu. Ein Stückchen Aas, das vor ihm lag, schien er nicht zu beachten. Ein Hornrabe hätte dcn Leckcrbistcn gar zu gern geftcffen. Doch fürchtete er sich vor drm mächtigen, spitzen Schnabel des Herrn Marabu. Bon welcher Seite er auch immer heranhüpfte, stets öffnete der Marabu das vorher geschlossene Auge und drückte das andere zu. Wütend siog der Hornrabe auf einen nahen Mangobauur Dort saß bereits ein Ohrengeier und stierte seit langer Zeit gierig nach der leckeren Speist. „Schau dir nur diesen. vollgesressrnen Marabu an, lieber Ohrengcier", krächzte der Rabe mit lauter Stimme, damit cs der Marabu hören sollte,„wie er blasiert dasteht, stolz wie ein Großmogul". „Ja", sagte der Ohrengcier,„er muß sich wohl sehr wichtig Vorkommen. Wie rin Philosoph blickt er verächtlich auf seine Mitwelt". „Es muß ein sonderbares Vergnügen sein, stundenlang so regungslos auf einem Bei» zu stehen und sich die heiße Sonne auf den kahlen, dicken Kopf scheinen zu lasten", höhnte der Hornrabe.„Heda, Herr Marabu, wie geht eS Euer Gnaden?" Der Marabu blieb stumm und rührte sich nicht. „Er schweigt aus Klugheit, weil er viel weih", meinte nachdenklich der Ohrengcier. „Oder aus Dummheit, weil er nichts weiß", sagte boshaft der Rabe. Der Marabu drehte sich gemächlich um und zeigte seine Kehrseite. „Frechheit! Unverschämtheit!" zeterten beide wie bcseffen. Plötzlich kam ein Windswß und wehte den Leckerbisten aus dem Bereich des Marabu. Hornrabe und Ohrengcier stürzten sich gleichzeitig aus den Fraß. Da ihn aber keiner dem airdcrn gönnte, o gingen sic wüiend aufeinander los, daß bald die Federn flogen. Laut krächzte jeder:„Zu Hilfe, zu Hilfe, lieber Marabu! Schau, der will dir drin schönes Futter tvegftessen!" Der Marabu stelzte würdevoll herbei und verzehrte mit Ruhe den Bisst». Kaum sahen es die beiden, als sic den Streit einstellten und wie aus einem Halse riefen:„Wenn doch dieses Scheusal an Nebrr- üttrrung krepieren möchte!" Der Marabu aber beharrte wieder regungslos in stiner gewohnten Stellung und drückte, wie immer,«in Auge zu. Holländische Sprüche. Wenn der Pater trinkt, brennt dir Kerze des Familieneinkommens an beiden Enden zugleich: er gibt mehr aus und kann weniger verdienen. p Master ist der stärkste Trank; Löwen und Pferde trinken eS, und Jimson trank nie etwas anderes. ♦ Der Alkohol tötet, was lebt, nnd konserviert daS Tote. Das Wirtshaus hält seine Freuirdc an der Kehle. Frage die ersten zehn Mütter, die dir begegnen, und sieh, wie vielr Fürsprecher deS Wirtshauses darunter sind! Steme, die wir niemals sehen. Unstr Auge, vielleicht das wunderbarste Organ unseres Körpers, ist nicht so vollkommen gebaut, wie wir meist deickcn. Das Auge der Katze ist beispielsweise viel empfindlicher. Der Falke erspäht eine kleine Maus auf eine Entfernung, wo für unsere Augen alle Einzelheiten verschwinden. 3cm Auge muß also schärfer sein. Dir können aber trotzdem mit unseren Augen zufrieden sein.„Jedes Organ paßt sich dem Gebrauch an", sagt die Wisten- schast. Wir haben es nicht nötig, eine MauS aus großer Höhe zu erkennen. Es gibt aber auch Dinge in der Welt, di« wir mit unseren Augen nie sehen können, und wenn wir Feldstecher und Fernrohre benützen. Nm dies zu erklären, müsten wir uns erst damit vertraut machen, was„Sehen" eigentlich ist. Stellen wir uns eine brennende Kerze vor. Wir„sehen" sie leuchte»». Das bedeutet das? Bon der Lcucht- qnrlle gehen Wellen eines»»»sichtbaren Stosses fllether) aus, die«nstre Augennerven erregen nnd die Empfindung Licht Hervorrufe». Lichr- wcllen schwingen sehr rasch auf nnd ab, vietc billionenmal in einer Sekunde. Treffen 360 Billionen Schwingungen unser Auge, fo sagen wir:„Ich sehe rot." Bei 490 Billionen in einer Sekunde empfinde» wir„orange". Gehen die Schwingungen noch rascher, werden die cin- zelne» Wellen also noch kürzer, so nennt der Mensch diese Eindrücke gelb, grün, blau und violett. Wenn alle die verschiedenen Aether wellen gleichzeitig in das Auge fallen, so sagt der Mensch:„Ich sehe weiß." Violen entspricht einer Schwingung von 960 Billionen, ro» einer von 360 Billionen in der Sekunde. Farben, deren Schtvingnngcn über oder unter diesen Zahlen liegen, können»vir nicht — 8— j Gebilde, die sie vorher auch mit den besten Fernrohren nie gesehen hätten. MS man die Dache näher untersuchte, zeigte fich, daß diese Himmelskörper ultraviolettes und ultrarotes Licht auüsttahlen, das unsere Augen nicht wahrnehmen, das aber aus die photographische Platte wirkt. DaS bekannteste derartige. Gebilde ist der Rordamerikanebel. Man hat ihn so genannt, weil seine Gestalt an die Umrisse von Nordamerika erinnert. Der Nebek ist ziemlich groß, aber trotzdem können wir ihn nie sehe», außer auf einer Photographie. — urplötzlich die echten i und alle meine Mühe umsonst machten. Schon lange hatte ist sie gehört, wie sie eine Strecke weit am Strande schrien und pfiffen, Ich glaubte nach ihren Stimmen, daß sie fich da drüben stritten, was die Herrschaften übrigens gerne tun. ES kam aber schlimmer. Wer konnte fich das denken? Sie hatten näm- lich von tveitem meinen guten Austernfischer gewahrt, und ihr« aufgeregte Unterhaltung war lediglich ein MeinnngSaustausch darüber, scheu. Tresse» diese Schwingungen auf unser Auge, wird es erregt, wir eutpfindcn dunkel. Ultrarote und ultraviolette Strahlen, so nennt man diese, können wir nicht wahrnehmen. Durch scharfsinnige Untersuchungsmethoden kann man aber nachweisen, daß hier tatsächlich noch„Licht" vorhanden ist. Nur reagieren unsere Augen nicht auf diese Schwingungen. ES gibt aber Tiere, deren Auge anscheinend dieses Licht noch wahrnimmt, so z. B Ameisen. MS die Astronomen daran gingen, den Himmel zu photographieren, entdecken sie auf einmal dort versammelt, und ein liebeskranker Erpel nach deut anderen drängte sich vor und redete fich vor Wonne außer Atem—„a—o^oh, a—o—oh", bis sie schließlich allesamt vor der neuen Schönheit des Badestrandes auf dem Bauch lagen. Daß meine Kamera dabei war, davon hatten sie ja keine Ahnung. Liebe macht anscheinend auch so kluge Tiere wie bitten blind! „Dte feftfame Änfet 9M St«(l 9trR. woher dieser fremde Austernfischer gekommen wäre.— War das nicht ihr Strand hier? Was hatte dieser Eindringling hier verloren? Da stand der Kerl und benahm sich, äks hätte er überhaupt ein Recht, hier zu sein Es war doch ganz einfach unerhört. Und so was sollte man dulden?„Knif!" Und mit diesem unzweida»« tigen Ausruf ins Hundertfache nach Austra» fischerart gepfiffen, kamen die beiden aufgeregten Strandbesitzer, einer dem anderen'auf den Fersen, angerannt, und ehe ich recht. begriff, was geschehen würde, versetzte der eine'. dem verdrießlichen Eindringling einen- roten Schnabelhieb, so daß. mein armer, mottenzerfressener Freund von dem Anprall umfiel, das.', unbemalte Holzklötzchen hilflos in die Dtft streckend. Dann wurde eS aber den Eiderenten zN bunt. Ein Atlsterttfischer, der mittest' unter ihnen auf dem Rücken lag und' mit einem Holzklotz jonglierte, war doch für ihre Seelenruhe zu viel, und mit allem Anschein des Schreckens entflohen sie zum Meere hinaus. Die Eiderenten blieben draußen. Dir'Kamera und ich, wir konnten unS wieder nach Hause begeben. Zwei Tage lieh ich sie ihre Gemüter beruhigen. Dann ging ich aber hin und machte mir ein neues Bersteck ganz nahe deut Rest der beiden Austernfischer. Ich wartete noch vier Tage, damit die beiden Inhaber ich von der Harmlosigkeit der unbedeutende« Erhöhung dort im Ufergestein überzeuge« könnten. Nnd dann, eines frühen Morgens, versteckte ich mich darin, diesmal mit einer romm auSsehenden, ausgestopften Eiderente, die auf dein Straiwe ruhte. Ter. komtte döch nicht einmal ein Austernfischer was anhaben. Das hat geholfen. Detin die Austernfischer haben in der Anwesenheit der Eiderente ein«» Beweis vollkoumtener Sicherheit gesthen, und die Eiderenten draußen in der Anwesenheit der Austernfischer ebenso. Erst kam der eine Austernfischer, ich glaube, es war die Fra«, und legte sich hin, um ihre drei gefleckten Eier zu bebrüten. Die lagen auf den bloßen Steinen. Sie durste aber nicht lange sitzen bkeiben. Den« der Ehemann, der offenbar einer dieser gewissenhaften Despoten war, von denen wir so viele kennen, kam gleich hinter ihr an und pflanzte ohne weiteres seinen spitzen rote« Schnabel in ihren weichen Rücken, um sie in dieser liebevollen Weise darauf aufmerksam zu mache», daß jetzt seine Zeit znm Brüten wäre. Gleich darauf kam schon der erste Eidererpel und machte meiner ausgestopften Freundin seine Liebeserklärung. Bon ihrer Motten- zerfrefsenheit hat er wohl nichts gemerkt oder wollte sich als Kavalier nichts davon anmer- ke» laste». Auch als er sich minutenlang der» gebens aufgeblasen und ihr in seiner An den Hof gemacht hatte, und sie dennoch hartnäckig nichts antwortete, merkte er immer noch nichts, sottderu legte sich nilr ein wenig atemlos auf seinen breiten Bauch und schaute sic mir Ent- zuckelt an. Die andren Erpel draußen hatten von weitem seine Erklärungen gehört und kamen mit i' den anwesenden Damen angeschwontmen. Wo i zwei fich gern Halen, muß doch die übrige . Fnfnrf hthni L»tt‘An hnlhtM» Jtunhr» : nm so mehr den Erpeln nach deut Leben i trachten. Rur in«ineni einzigen Monate int > Jahre— von Ende April bis Ende Mai, also . in seinem„Honeymoon"— wird der Eider» l erpek nach schwedischem Gesetz geschoitt, und > obwohl kein Mensch bei dieser Insel einen Eidervogel schießen darf, schien es doch, als hätte» die Eidererpel das Gesetz im Kopf ge- : habt. Denn nur auf einem offenen Strand int Norden gingen sie mit aller Borsicht an Land, um in der Wäruie auf den weißen Stei- »e» ihre Ruhe in der Sonne zu genießen. Anfangs dachte ich, es wäre ja einfach, sich dort unter dem Gestein hinter einer Kamera ciitzugraben, um auf die schwarzweißen. Kava liere zu warte», aber— der Strand war et» paar hundert Meter lang und die Erpel schie nen genau zu wissen, wo ich versteckt.lag, denn nachdem ich einige Stunden geduldig gewartet hatte, kamcit sie imuter ausgerechnet an dem Ende des Strandes hinaufgeschwontine», wo meine Wenigkeit nicht versteckt war. Nun habe ich mir aber gesagt? hier lebett andere Bögel, die Möweir und die Austern- fifcher, die find zugegen, wenn ich mich ver stecke, und da sie immer am Strande sind und beinahe jeden Stein kennen, trauen sie der Strattdlinie bei meinem Bersteck nicht eher, als bis sie die kleine Bcränderung längere Zeit als harmlos erkannt haben. Sie weichen mei nem Fleck vorläufig lieber aus. Die Eider erpel wieder richten sich nach ihnen, sehen von weitem, wo diese ihre natürlichen Schild wachen sich herumtreibe» und schwimmeit nur dorthin ans Land. So war es. Am nächsten Morgen, als ich wiederkam, brachte ich einen alten Freund mit— einen ailsgestopften Austernfischer, den ich einst mit einigen ähn lichen Kameraden aus einer mottenzerstessenen Bogelsaunnlung gerettet hatte und zum gele gentlichen Gebrauch mitfnhrte. Den setzte ich in behaglicher Ruhestellung neben mein Bersteck am Strande hin, und jetzt sollten also die ge- brateneit Tauben kommen. Sie kamen auch. Kaum eine Stunde ver ging, dann kam eine Eiderente angeschwom- men und gackerte meinem Austernfischer irgend ein Geheimnis zu. Und als dieser ttichts ein- zuwenden hatte, kam die Ente herauf nnd begamt ihr Gefieder zu säubern. Nach ihr kam ei» Erpel und rief„a—o—oh", und nach ihm ein paar Säger, und das Gattze sah schon viel- versprechend au» al» host du nicht gesehen sofort dabei fern. In einer halben Stunde — urplötzlich dte echten Austern,»cher kamen die gaiye gute GeMchaft des Strandes Bengt Bergs illustriert« Tierbücher: „Mit beit Zugvögeln nach Afrika",„Mein Freund, der Regenpfeifer",„Abu Mar- kub",„Die letzten Adler" und Soolern. „Der See der wilden Schwäne" bilden ebenso die Freude jedes Natur- und Tierfreundes, wie die Zierde einer jeden Bibliothek. Ginge dieser einzigartigen Bücher haben bereits die 80. Auflage erreicht und werden auf der Auflagenkeiter wohl noch eine Reihe von Sprossen einpor» klimmen, denn kaum ein anderer versteht es, mit der Natur und ihre» Geschöpfen so intime Zwiesprache z» halten wie Bengt Berg und seine Kamera fängt Bilder«in, wie sie vordeni wohl keinem zweiten gelungen sind. Der Reihe seiner Tierbücher ist nun ein neues gefolgt(„Die seltsame Insel", Verlag von Dietrich Reimer, Berlin. In Leinen geb. Mk. 9.—.), das geeignet ist, die Schar der Freunde dieser Bücher zu vermehren. Die„seltsame Insel" liegt hoch oben im Norden, weit draußen vor der Küste Gotlands, umspült von den Wellen der Ostsee, ein einsames, wildzerklüftetes Felseneiland, das in jedem Frühjahr nnd Sontnter Ristplap und Tumuielstätte für zahllose Tausende der verschiedensten Seevögel ist. Bengt Berg muß viele Monate auf dieser Insel verbracht habe», um das Leben dieses auf den schmale» Gesimsen der ragenden Felsen zu belauschett, ihre Spiele, Kämpfe und Tragödien auf die photographische Platte zu bringen. Unendliche Mühe, Geduld und Ausdauer, aber auch tiefes Berständnis waren erforderlich, um die Szenen auf diesem" seltsamen Naturtheater zu crlau- schcn, aber die Mühe wurde belohnt, denn die„Seltsame Insel" reiht sich würdig den anderen Tierbüchern Bengt Berg- an. Bon den 6» Bilder», die das Buch enthält, ist jedes einzelne ein- photographisches j .Zlunstwcrk. Nachstehend bringen wir mit Erlaubnis des Berlages rin Kapitel aus dem Buche zum Abdruck: Den stolzen Eidererpeln mit meiner Ka- mera auf deit Leib zu rücken, war seit langem meine heiße Sehnsucht. Aber ich fiirchte, es wäre bei der Sehnsucht geblieben, wäre der schlaue Austernfischer mir nicht zu Hilfe gekommen. Mau darf wohl sage», diese Hilfe kam unverhofft. Indessen sei festgestellt, daß es Austern bei der Insel nicht gibt, und daß der Austernfischer nicht ein Mensch in Gummi- stieselu ist, sonder» ein Bogel mit roten Beinen und rote» Augen und mit einem roten langen Schnabel, der überallhin.leuchtet. Tie Eidererpel in der Ostsee kennen aus langer Erfahrung die Gesinnung der Mensche» viel besser als ihre Berwandten oben an den Eismeerküsten. ES scheint sogar, als ob sie wüßten, daß dir Leute an den schwedischen Küsten wohl die Eiderenten schonen, dafür aber 4 «aUings&anfil'iWertüt&er Ein richtiges Bilderbuch noch gar viel» Eigenschaften haben, um de» jungen Betrach. tun und Leser dauernd z» gefallen. StaMngd Kknsllerbilderbücher vereinigen pe alle in fich. ; Wer auch nur das erste Blatt aufschlägt, wird aukrufen: Entzückend! Selbst jeder Erwachsene ! wird an diesen von Künstlern, farbenfteudig und dabei wundervoll zart gezeichneten Bll- 'dein, mit denen diese Bücher geschmückt sind, ! seine Freude'haben und. wird beglückt sein, wenn er Kinder damit beschenken kann. Auch die Berse oder der beigrdruckte Text find in Rhythmus, Reim und Inhalt dem Verständnis und Auffassungsvermögen der Kindes ausgezeichnet angepaßt. Jedem einzelne« dieser Bücher sieht man es an, daß der Brrlag(Ger- hard Stalling, Oldenburg i. Q.) seinen Ehr- geiz darein setzt, nur erstklassiges zu bringen. Für die heurigen Weihnachten hat der Bettag vier Neuheiten auf den Büchermattt gebracht: „Die Wunde»«,«n Meer." Bon Max Ding le r, Bilder von Helmut Skarbina. sMk. 4.—.) Das Dreimasterschift„Binrtta" wird im Sturm vom Blitz in Brand gesetzt und versinkt auf den Meeresgrund, wo des Meerkönigs Reich ist, der seinen Untertanen, dem Getier des Meeres den Befehl gibt, es in„rin Gebild des Meeres" zu verwandeln. Das besorgen Quallen, Makrelen, Strahlentierchen, Edelkorallen, Trompetentierchen, Seesterne u. a. gründlichst. Erst wird aus dem Schiffskörper eine Wunderburg, dann zerfällt es, zerfällt im Leuchten von Millionen Äuchttierchen. Das alles ergibt ein prächtiges Bilderbuch, phanta- fieerregend und lehrreich zugleich. „Die«tkeklichr» Mantteat." Berse von A. Holst, Bilder von Else Wenz-Bietor.(Mk. 4^0.) Glückliche, fröhliche MauSleut werden hier vorgefiihrt. Die Familie hat ihre„Som- mervilla" in einem alten Topfe: Bater, Mutter und ei« Schar von Kinderchen, alle quietschvergnügt und munter. Dann ist da noch„Mausi vom Ballett", eine Mäuseschuke u. a. Ein fröhliches Buch! „Sm Btmnrnhimmtt." Bon Sophie Reinheimer. Bilder von Else Wenz- Bietor.en lang ■ zu erhalten. Das Wasser, das in jedem Jahr aus dem ^Weltmeer verdunstet, entspricht einer etwa 4.8 s Meter tiefen Wasserschicht. «ni» Gletscher«rönlauds sollen eine Dicke von AM Meter haben. Ei» erblindetes EhamAwu wrchsttt dir Facke nicht mehr; eS behält eine dunkle Färbung- I» Dieuste der Filmiudusttte werben jährlich 18 bis A Millionen Meter Rohfilm im Werte von ö bis 6 Millionen Matt verbraucht. Die höchstrn Löh« zahlen in Amerika die Druckereien und die Papiettndusttt«; für männliche Büroangepttlte wöchentlich SS Dollar(für weibliche 26 Dollar). Ma« hat statistisch srstgrstrllt, daß von 1000 Menschen höchstens einer 100 Jahre alt wird; von 100 Menschen werden nur sechs 78 Jahre alt. Der Ausdruck„Mt Levitt» lesen" bezieht sich auf das S. Buch Mosis, das die religiösen Gesetz«, namentlich für Pttester und Lwiteu, enthält(LevitieuS). Bischof Ehodegang von Metz ließ 7M feiner verwilderten Pttesterschast allmorgendlich ein solches Kapittt vorlesen. Die Redensatt„jemand die Kapitel lesen" hat also denselben Ursprung. Ä» Mnazonenstra» gibt cs Aale, die durch elektrische Schläge einen Menschen töten können. Mbgehalte». Verspätet kommt heute Professor Wurzel, etwa zehn Minute» nach Beginn deS Unterricht«, in die Klasse und glaubt fich den angehenden jungen Damen gegenüber entschuldigen zu muffen:„Ich bin leider noch ab» gchalten worden..." meinte er ruhig, kann aber nicht wtttersprechen, weil da» resptttlose Lacheir seiner Schülettnnen ihn dattn- bindert. Boll Zorn setzt er aber»wch hinzu:... wie die kleinen Kinder..." Worauf ein geradezu ohrenbetäubendes Freudengehrul der ganzen Klaffe einsetzte. Uebertrmapst. Der Amerikaner:„Wir sind in der Medizin am weitesten. Neulich haben wir jemandem ein Bein abnehmen müssen. Dem haben wir ein seines Hotzbein gemacht. Der ist jetzt der beste Fußballspieler."— Der Frairzosc:„Aber wir erst. Bei unS hat umn jemandem«ine Holzhand gemacht. Der ist jetzt der beste Klavierspieler."— Der Berliner: „Det is noch jarnischt. Bei uns hat eener seine» Kopp valorn. Da ha'm wa ihm eenen Holzkopp jemacht. Und der iS Fremdenführer jeworden." Raturtrru«. Filmaufnahme im Hochgebirge. Der Held muß eine Felswand herabstürzrn. Der Regiffeur steht auf seinem Beobachterposteu. Achtung! Aufnahme: der Held stürzt.„Quasich! Blöd! schreit der Regiffeur durchs Megaphon. „Stümperhaft! Keine Spur natürlich! Noch mal!"— Kommt der Hilfsregiffeur:„Geht jetzt nicht, Herr Meyer— Herr Schulz hat's Bewußtsein noch nicht Witter erlangt!" — d4 e5>