51t. M. UNterHUimgilMlagr. 1930. Die verhüngniÄvokle RaGi. Herr Bertcidiger, Sie haben mich auj- gefordert, Ihnen«ine Schilderung der verhängnisvollen Rächt zu geben,, damit Sie rin authentisches Mittel in die Hand bekommen. Sie brauchen mir gar nicht vorzuhalten, ehrlich zu sein. Ein Mensch, der Lu meiner Haut steckt, hat nur den eiuen Wunsch, alle- Geschehene selbst einmal zu verstehen.(Manchmal setzt bei mir direkt der Perstand aus. Es ist vielleicht Angst.) Darum inuß ich mich irgendeinem Menschen offenbaren. Allein und mir der Phantasie gehl cs nicht. Man bringt sich dabei nur um. Sehen Sie, wenn der Riklas noch lebte, erzählte ich Ihnen wahrscheinlich nicht alles so wie jetzt. Aber wo mein Freund tot ist, kann ich nur nur zu Ihnen meine Zuflucht nehmen. Ach, ich denke jetzt oft an den NiklaS. Und dann meine ich, däsi es doch gut ist, daß er nicht mehr lebt. Denn diese Quälereien und Marter hätte er doch nicht überstanden. Er war schon weit über die Fünfzig. -Heute morgen ist der Uuiersuchungs- richter wieder bei mir gewesen. Seit ich in allem die Wahrheit gesagt habe, versucht er grob und grausam gegen mich zu sei». Ich möchte mich beschweren. Aber Eie hab« mir schau früher abgeraten. Ich laste es sei«. Es hat keinen Zweck. Den 21. November habe ich' so genau in Erinnerung. Das ist mein Uilglückstag gewesen. 21 ist doch gar keine Unglwkszahl. Bi« ich«in Raubmörder? Wenn ich daran denk, kann ich nicht verhindern, daß ich immer Rode dabei lache. Ter Wärter har es dieser Tage bemerkt und mich darauf aufmerkfam gemacht. O, di« Rächt ist mein Schicksal! Kein Stern leuchtete am Himmel: kalt war es, ein« rabenschwarze Nacht. Ter Regen fiel wie in langen Wollfäden. Raß bis auf die Haut, waren wir den ganzen Tag gelaufen. Immer drauflos, ganz gleich, wohin. Wir hatten ja kein -Haus, keine Heimat. Die Bäume auf der Straße troffen auf uns herab. Alles hat uns verochtet und verspottet. Landstreicher— schön und gut. Aber so? An den Fenstern haben sie mit feisten Bäuchen gestalten und hinter uns her gezeigt. Aber aus den Häusern hat man uns empört hinausge- schmiffen. Wir find dann zu Fuß grausen, bis wir nicht mehr konnten. In wenigen Monate« war ich rin heruntergekommener Mensch. Arm, verzweifelt, in Schlamm und Dreck. Manch einer erträgt so was. Aber ich bin für das Vagabundieren nicht geschaffen. Run— im nächsten Dorf haben wir au die erste Tür geklopst. Wir wollte» im Stall schlafen,»ebeu dem Vieh. Mitten darunter. Menschenvieh gehört in seine Gesellschaft. Der GroAnecht ist herauSgr- sprungeu gekommen. Ein«» Ochsenziemer hat er geschwungen, uns überfallen und verbleut, daß wir davon gerannt, sind in Angst, obwohl heulend vor Wut. Der NiklaS ist in dem Straßengraben liegen geblieben. Ich hab' gefürchtet, er hätt'S ausgemacht. Ten letzten Tropfen Schnaps aus der Flasche hab ich ihm eingegossen. Langsam ist er zu sich gekommen. Ich sah die finger- breiten Striemen an seinem HaÜ und fühlte in seinem Schmer; mein eigenes Elend. Niklas weint« wie ein Kind: der alte Landstreicher weinte. Ich kannte ihn erst fett«in paar Monaten. Ich tippelte zum erstenmal, er mm letzten. Ich war sein letzter Tippelbruder. Bielleicht habe ich ihn darum so lieb gehabt. Herr Bertcidiger. ich bin ein harter Mensch, hab schon VÄ mitgemacht. Aber wemi der NiklaS beult und sk«n«t. Ich kann so schon keine Träne sehen. WaS kann ich denn dazu? Da hat mich die Ber^veiflung gepackt und die Wut ist dazu gekommen. In den Häusern liegen sie, hat es mir zugerauut, im Trockenen uich bei ihren Weibern. Und unsereiner? Da bin ich ausgcjagt, hab' de» Alten am Kragen gezogen und mirgeschleppr an die nächste Behausung. Aus den Weg dahin hab' ich an ein altes Stück Eisen gestoßen. Ich hab' es ausgenommen wie ein Gescheut vom Himmel. Bor dem Bauernhause ist der Niklas an der Tür zusammengefallen wie ei» nasser Sack. Ich hab' wieder gepocht. Keine Angst war diesmal dabei. Drei-, viermal hab' ich klopfen müffcn. Dann har eine Weiber- skimme aus dem Fenster gekreischt, und au der Tür ist em schnauzbärtiger, häßlicher Kerl erschienen. Der hat gegrunzt und gedroht, mir ein« Schrotladung in den Rücken zu jagen, wenn ich nicht auf der Stelle verschwinden wollte. Jetzt hat er den Riklas erst bemerkt auf der Schwelle zu seinen Füße». Erschrocken ist der Mensch da, o je. das glaubt Kiner. Lauge Zeit zmn Wundern hab' ich nicht gehabt. In seinem jähe»' Schrecken hat der Bauer de» Fuß erhöbe» und den Niklas in« Kreuz getreten, baß er in seiner Ohnmacht laut gestöhnt hat. Ich" war so schon nicht mehr bei Sinnen» aber das hat das Letzte möglich gemacht. De» Eisenklotz hab' ich m beide Hande geuonw men und halb' dem Rowdy«ins auf de» Schädel geschmettert, daß er kautkos zu- sammensinkr» mußt«, ohne das Schießgewehr, das er in den Fausten histt, löSdrücken zu können. Mit den Kolbe» hat er de» Gnadenstoß noch erhalten. Weill er lest« vor sich hiugewimmert hat. Dann hat der Riklas eine trockene Ecke gefunden. Ich bi» inS HauS gestürmt, di« Treppe emporgeflogen. Oben ist mir ein altes Weib an den HalS gesprungen. Die Treppe hat arg gepoltert u>td geächzt: aber de»- Holls hat fi« ihr doch gebrochen. In dem Augenblick war ick so glücklich! Denke» Eie nur an: ein Dach über dem Kopf, ein ganzes HauS allein. Draußen plätscherte der Regen uud muß Wohl »och lange an die Scheiben getrommelt hocken. Ich hab' nichts mehr gehört. Ich bin in ein Bett gefallen, die nassen Lumpe» am Leibe, und ein tiefer Schlaf hat mich umfangen. Heftige Angst weckre mich oits einem Tram». Es war höchste Zeit! Erste Dämmerung zog schon herauf. Jetzt könnt« ich mich in neue Kleider stecken und mir wieder ein menschliches Aussehen geben. O, ich sage Ihnen, die drei Stunden in diesem elenden Bauernkotten in der grausigen Rächt sind die glücklichste»>»ei- nes Lebens gewesen. Herr Verteidiger, Sic wissen, daß ich das Geld, alle» war ich erreichen konnte, niilgenomme» habe, und ehe der Morgen anbrach, spurlos verschwunden bin. Leider konnte ich uickt weil kommen. Es ist schade! Ich härte ein zufriedener Mensch werden können. Rach dieser Rächt war ich gegen jeden llebermut versichert. Aber schon an der Grenze haben sie mich erwischt. Sehen Sie! Ueber Rächt bin ich zum Raubmörder geworden. Ich verstehe jetzt noch nichts. Die Rächt— der Regen— Hunger— Verzweiflung, alles wäre an mir vorübergegangen. Mein Gott, wenn nur der NiklaS — r— im Straßengraben nicht wie ein Kind oe weinr hätte! Herr Verteidiger, inn Sie,:vas Sie könne«! Ich bin doch auch ein Mensch. Man hat mir erzählt, daß die Nacht mich den Hots kosten wird. Sind Sie auch der Meinung? Ich kann es immer noch nicht glauben. Heinrich Claus. Sonne. Bon Maygrit Schüller. Morgens, wenn sie in schüchtern« Zärtlichkeit ich« die Spitzen unserer Berge hinleuchtet, dann kommt sie weit h«. von fremden gelben Menschen mit rätselhaften klugen und Hemden Gebärden, von gelben« Wüstensand, der ihr«wigkeitsmüd« nachblickt. Roch ist sie fremd und unbegreiflich; der Schein einer fremden Sßdt liegt auf ihr. Mit kleinen Schritten, von einem Etwas in wundervollem Rhythmus geführt, erklimmt sie golden und heiß die blauen Stufen ihres Himmels, der auch der unsere ist. Di«, eine Erdenfrau ist sie, wenn sie schräg über dem De« steht und sich in den Dellen besieht. Das Wafler zeigt ihr ein zitterndes Bild, umgeben von tausend schwimmenden Spiegelungen. Fische steigen in dieses Ornament und reiben den glänzend nassen Rücken an den beweglichen Goidwändrn. ' Anders scheint sie auf die gesunden, derben Bauernwiesen, mit den einfachen, stillen Grä- scrn, an denen Käfer auf- und abkrabbela. Sie spinnt ein großes, wärmendes Retz um alles. Dann öffnen sich erregt di« Blumenblätter. Behutsam und scheu ist di« Sonne im Walde. Dort, im großen, stillen Schlafgemach der Natur, wo sich selbst der laute Tag erschöpft verbirgt, dort ist auch sie still: In ihr« All- Liebe berührt sie mit rosigen Fingerspitzen den dämmrigen Waldesboden. Ähre lichten Strahle« flechten goldene Bänder in Kieker und Tann, und auf willigen Sonncnsttäßchen marschieren schwerbeladene Ameisen dahin. Im Winter gleitet di« Sonne,«inen goldenen Rad«- vergleichbar, über die verschneiten Fluren und zeichnet glitzernde Furchen in das Beiß der Erd«. Dann liegen hinter Gemäuer utld Zaun lange, schieferblau« Schatten. Tann strahlt di« Sonne ein mildes Licht verhaltenrr Freude. Am Abend verschwindet die Sonne in plötzlichem Erschrecken hinter erbleichenden Wolken und verträumt und nachdenklich steigt der Mond ins Firmament: Der silbern« Schatten ihrer goldenen Tagstel«. Seltsam und eigenwillig ist sie in Liebe und Abneigung. Ich kenn« Stuben und Kü- chrnwiukel— brave, arme Menschen Hausen dort, scheuh« Blumen wachsen im Hoslicht— doch sie, di« Große, Leuchtend«, ist zu stolz um dorthin zu Wannen. Auch in di« Schluchten des Hochgebirges, wo Wind und Frost ihr« rauhen Walzer tanzen und der Tchuc« Jahr« um Jahre in verschwiegener Sehnsucht nach ihr stumm daliegt und auf ihren ersten Blick harrt, auch dorthin reicht ihre Gunst nicht. Aus Furcht vor dem Dunkeln? Oder ist es ihr Schicksal, sich Ewi'gkeitSkräfte zu sammeln, indem sie das Helle und Strahlende bestrahlt? Sie liebt die blanken Dächer kleiner Dörfer und Kirchen, siebt die wetterbrannen Dachfirst« mit den Tauben, di« dort sonnenhungrig ähr« Flügel spreizen. Sie liebt die großen Paläste und Städte der Ebene. Ihre Seele feiert leuchtende" Fest« auf marmornen'Säulen und Treppen.vi« sich demi der Pariser Aufenthalt so einer reichen Aankeefamilft gestalten mag. Biel« kommen ja über Paris überhaupt nicht hinaus, namentlich di« Reu« reichen, und w^rrnd Vater und Sohn zu Hause eifrig beschäftigt sind. Dollars amfzn- häufen, entwickeln Mutter und Tochter keinen geringeren Eifer, diese Dollars in„gay Paris" wieder loszuwerden. „Sie logieren im teuersten Hotel", sagte nrein Getvährsmann, Kaufen sich die teuccstcn Theaterkarten und die kostspieligsten Toiletten (aus der Rue de la Paix oder gar aus den Holckschaukästcn):— die Rechnung für letztere schicken sie dem alten Herrn nach Hause. Ti« Mistreß begibt sich bei erster Gelegenheit in die Ritz-Bar, nm sich dort einen(aus den Hintergründen des Montmartre oder Boule Mich« stammenden) Gigolo herauszufischen, den ihr tvahrschrinlich eine Freundin aus der 5. Avenue empfohlen hatte. Die Miß begleitet zimieist ihr« Mittftr bei allen hannlosen Gängen den Tag über, wobei sie auf das Peiirlichste vcr- meiden, sich irgend etwas vo» wirklichem Interesse anzusehen. Etwas vor Abend»st die Tochter in Begleitung irgendeines jungen Gerken in einer Bar anzutr«ff«n, dann begibt sic sich etwa in ein Monparnasic-Rcstaurant, tvo eine Atmosphäre herrscht wi« sonst nirgends auf dcr Welt. Sie bestellt Huhn a l'mnorirains, das ihr in ziemlich minderwertiger Zubereitung für 180 Franken vorgr- Menschen haben es in der Welt mit dem Leben eilig. Der tot« Mister Davis mixt Cocktails. Der Python, der sich an Ratten Lbrrftrssrn hat, ist eingeschlafen, er ist eingrschlaftn für viele Tage, eingrschlaftn für immer. Die Kulis kommen aus Indien und aus China. Man bringt sie auch von den Sunda- Fnsrln her. Hunderttausrnde von Kulis bücken sich unter den reichverzweigten Bäumen. Auf dem Malaiischen Archipxl schlägt sie Mister Davis auf Fava der Holländer Ban Croog, in Jndochinä der aus Carraffonne gebürtige Herr Gaston Balthasar, Sohn eines Parfümeurs und Brrchrer Rostands. Dir Weihen fluchen in verschiedenen Sprachen, aber alle haben sie einen Stock in der Hand. Was läßt sich da machen,— die Kulis sind träge und unvernünftig, mehr als Dollars lieben sie Opium und Schlaf. Die Weißen verteidigen die Kultur, die von Hellas und Rom. Sie verteidigen auch den Kautschuk. Die Rücken der Kulis find voller Narben wie die Rinde der Hevea. Wenn sic sterben, schafft man statt ihrer neue herbei. Es werben die Agenten, es werben die Polizisten, es wirbt der Hunger. Wenn einer der reichverzweigten Bäum« sieben Fahr« alt wird, beginnt man ihn anzuschneiden. Wenn rin kleiner Inder sieben Jahre alt wird, nimmt man ihn mit auf die Pflanzungen. Er verdient am Tage zehn Cents. Davon kann man rin paar Hände voll Reis kauft»,— was braucht denn so ein winziger Inder?... Er hat»och schwache Beine, und er bleibt hinter den anderen zurück. Er möchte eine Eidechse fangen oder einen Käfer umdrehen. Da aber zieht der Aufseher, der strenge „Kangani",. einen schmalen roten Strich über den dunkclhäutigen Rücken fttzt wird, uisb trinkt inferioren französischen Wein in Flaschen urit bekannt klingenden Etiketten. Schließlich wird der Miß schauerlich übel, sie fällt dann dein ersten besten Ausbeuter zum Opfer, dcr sich an sie hcranmacht. Wenn si« eS fertig bringt, mit ihre,« Schmuck ins Hotel zu- rückzukomnien, hat sie verdammt Schwein gehabt. Das ist das Harmloft, das brave Girl; die Schlimme, mit erotischen Appetiten, begibt sich vor allem in die Folies Bergöres: Beim Eintreten bekommt sie«ine» furchtbaren Schock, toeil«s dorr(und n»r dort: ganz unerwarteterweift) strenge verboten ist Trinkgelder zu nehmen. Ihr Schock ist so groß, daß si« di« halbe Borslellnng lang nicht weiß, ob sie ihr gefällt oder ob sie zur Mama Pirückkehren soll. Gegen 11 Uhr erlangt sie dft Gewißheit, daß si« nie in ihrem Leben etwas so absolut Verderbt«? grfthen hat und denkt darüber nach, was«S eigentlich alles zu bedeuten hat. Um 12 Uhr fährt sie ins Hotel zurück, cs fti denn, daß si« unftreinem in di« Hände fällt, der willigt dann nach und nach»in, ihr Montmartre bei Nacht zu zeigen tzn einem Preise von 100 Franken aufwärts). Sie trinkt in dieftm Fall französischen^ampagirer und sieht nicht viel, das sie nicht schon in den Folies Bergöres gcfthcn— aber si« kehrt ins Hotel zurück mit dem zufrft- dencn Gefühl, daß Paris der einzige wirklich unmoralisch« Ort dcr Erde fti.(Zu Hause, in der Michigan Avcnue oder auf dem Broadway, hat sic ähnlich« Dinge einfach»ftmals mit an- fthen dürfen.) Rach zwei, drei Wochen in die- ftnr Stil kehren di« Tamrn nach„Ul' öl' Roo Park"«ihr süßes altes Rew Borkchcn) zurück und erzählen allen ihren Freundinnen, wi« herrlich sic sich in Paris amüsiert haben. Sie bringen«ine teure Ausstattung nach Hause, und dcr arm« Baker hat Rechmrnge» zu bezahlen, die«in«» armen Mann aus ihm machen— bis zur nächsten Börseirkrift in Wallstreet." Tiefstes Misten. Ein Tropfen Meerwasftr war an meine« Finger gcbiieden. als ich»ich am Uftr hinlegt«. Ich unterhielt mich mit dieftm Trop- ftn und fragte tzn aus: „Weißt du, wi« all du bist?" „Rein!" antwortete er. „Weißt du, wie tief das Meer ist?" „Rein!" antwortete er. „Weißt du, wi« Viole Tropft« das Meer ewchält?"’■■.7 „Rein!" antwortete er. „Weißt du, wie ost du schon von der Sonne aus dem Meere gehoben warbest?" „Rein!" antwortete er. „Aas weiht du eigentlich?" „Ich weiß, daß ich«in Tropft« bin, ewig- verwandelt,«wig dcr gleiche, im Himmel und auf der Erbe däheim!" sagte«. Max Hayek. MrvlelAdnen hat ein Mensch?- Bei einer rein theoretischen Beantwor-! tung dieser Frage kommt man auf dem Woge dcr Berechnung zu geradezu phantastisch««: Zahlenreihen. Jeder Mensch hat L Eltern,, 4 Großeltern. 8 Urgroßeltern, 16 Ururgroß-: eltern und so fort. In dcr 10. Geschlechter-. folg«»ach ückwärts har der Mensch schon über' 1000 Borfahren, in der 16. Geschlechterfolge- schon über 68.000, und bereits mit der 20. Gc- schlechterfolge ist die Million überschritten, in der 31. Geschlechterfolge aber hat die Ahnm-! zahl schon eine Milliarde erreicht, nick die; Zahl der Ahnen, die einer unserer Zeitgenos- j sen zur Zeit Karls des Großen gehabt habe»; mich, würde di« Zahl von 8 Milliarden über» schreiten. Soweit die Theorie— in der Praxis: werden diese Zahlenreihen natürlich ganz er- hoblich eingeschränkt. Bei obiger Berechnung ist nur die Zahl dcr Ahnen eines einzigem i Menschen ermittelt; jeder seiner Zeitgenosse«; hat aber den gleichen Anspruch auf dieselbe Zahl von Ahnen, di« Ahnenreih«.darf daher nicht vereinzelt betrachtet lvcrden. Ferner ist' zu berücksichtigen, daß dicfttb« Person in der Regel wioderholt erscheint ob« daß sich Geschwister darunter befinden. So scheidet auS der obersten Ahnenreihe aus d«r Zeit Karl» des Großen schon etwa«in« Milliarde von Personen aus. Bei Heiraten zwischen Geschwisterkindern fällt schon ein Viertel der oberste« StammrcHe weg, und durch jede Blutsver- waudtschaft wird aus den obersten Reihen der Vorfahren von vornherein«ine bedeutende Anzahl ausgeschaltet. So schmelzen dft theoretisch errechneten Milliarden wieder auf ein faß-' lichcs Matz zusammen. Was mancher nicht weiß. Rächst dem Traubensaft gilt der Reisbranntwein der Japancr, der Sakö, als das älteste aller Raufchgcträiikc. Birke Pftrde legen sich zum Schlafen nicht nieder, sondern schlafen im Stehen, wobei sie immer abwechselnd rin Bein heben, um es auszuruhcn. Es ist ftdoch ein« weitverbreitete Ansicht, datz dieft Pferde ftlftn«ine so lange Lebensdauer haben wir Pftrde, dft sich zum Schlafen richtig hinlegen. Eine riskant, Angelegenheit ist bei den Chines«» dft Rettung vom Tode des Ertrinkens, beim nach chinesischem Gesetz ist dcr Retter verpflichtet, dem Geretteten ftin ganzes Leben lang zu erhalten. DaS Wasser, das in jcdem Jahr aus dem Weltmeer verdunstet, entspricht einer etwa, »ftrrinhalb Meter tiefe» Dafferfchicht 4 Was taflet ein Pfund Marienkäfer? Line der seltsamsten Industrien der Wett ist die Züchtung von Marienkäfern, jene« reizenden kleinen Insekten, die wir so wenig beachten, die aber zu den nützlichsteu Tiere« gehören. Es gibt mehr als 1000 verschiedene Arten von dieser Gattung, die sich hauptsächlich durch die verschißenen Punkte auf ihren Flügeldecken unterscheiden. Obgleich sie in fast 'allen Ländern heimisch sind, gibt es doch von ihnen noch zu wenig, denn sie sind unermüd- lichc Fresser der Wattläuse, von denen sie erstaunliche Mengen vertilgen. Da die Blattläuse di« Blätter der Apfelbäume abfressen und auch an Rosen, Weinreben, Hopfen und zahlreichen anderen Pflanzen viel Schaden an- richlrn, so ist der Marienkäfer ein sehr gesuchtes Tier, und um der großen Nachfrage zu genügen, hat man i» verschißenen Ländern Marienkäfer-Farmen eingerichtet, in denen die Tiere in großen Mengen gezüchtet werden. In manchen Jahren ereignet ß sich in einigen «Gegenden, daß die Marirnkäfcrchen zu zahl- reich werden, dann werden sie gesammelt und nach Orten verschickt, wo sie ein: Seltenheit find. Dir große Bedeutung dieses Insektes im Haushalt der Natur hat man zurrst in Kalifornien erkannt, als dort die gewaltigen Apfel- sinenpflauznngen angelrgt wurden. Manche .Ernte» blieben weit hinter den Erwartungen zurück, und Gelehrte, die die Ursachen erforschten, stellten fest, daß die Apfelfinenbäume zu sehr von Blattläi^en heimgesucht waren; sie empfahlen daher die Einfuhr von ganzen Heeren von Marienkäfern, und die kämpften so tapfer für die Obstbauer, daß sie ihnen sehr vir! bessere Ernten einbrechlen. Seitdem ist das Züchlen-und-Sammeln von Marienkäfern in den Bereinigten Staaten zu einem gewinnbringenden ErwerbSztoeig geworden, und di« Tiere weiden dort nach dem Pfund verkauft. Worte fürs Leben. Nichts schmerzt so sehr wie fehlgrschlagene Erwartungen. Aber gewiß wird auch durch nichts ein zum Nachdenken fähiger Geist so lebhaft wie durch sie erweckt, die Natur der Dinge »nd seine eigene HandlungSwrisr zu erforschen, um die Quelle seiner Boraussetzungrn zu entdecken und womöglich künftig richtiger zu ahnen. Benjamin Franklin. Denken, was wahr ist; fühlen, waS schön ist; wollen, was gut ist: daran erkennt der Geist das Ziel des vernünftigen Lebens. Plato. Die Hunde sind ritterlicher als die Menschen: drr große Hund schon den kleinen, der starte den schwachen, indes der starke Mensch der« schivachen unterdrückt und zu Boden wirft. Aichelm Rieht. Werdet nicht der Menschen Knechte.— Laßt euer Recht nicht ungeahndet von anderen mit Füßen treten. Immanuel Kaur. Rein, ich liebe nicht alle Menschen, und sie hab encs auch lvahrhaftig nicht alle nötig. Gerhart Hauptmann. I heitere». Er hatte kein« Zett»ehr.„Mit deinen neuen Hosen bist du in den Tiraßendreck gefallen, du Schmutzfink?"—„Ja, Mama, ich -hatte keine Zeit mehr, sie auszuziehen." '... Gemütsmensch. Pitsch steckt sich fidel im Nichtraucherabteil»die dicke Zigarre an.— „Aber mein Herr", beschwert sich eine Dame, „wenn Sie rauchen wollen, so gehen Sir doch in em Raucherabteil!"—„Ree", sagt Pitsch, „ich kam« es nicht vertragen, wenn ander« Leute rauchen." Die Bank. Das Kinderftäulein sitzt mit einem dreijährigen Kind auf einer Bank im Zentralpark von Rruyork. Ein Herr sagt: „Wie alt ist das hübsche kleine Kind?"—Das Kind:„Geben Sir sich keine Mühe— sie hat schon einen!" Umschrieben.„Du hast dich Weihnachten verlobt? Gratulier«. Ist sie schön? Ist sie reich? Ist sie jung?"— Schön reich ist sie und jung war sie schon«her als ich!" Der verlege«« Bräutigam.„Warum hast du deine Verlobung gelöst, Mimi?"—„Weil mein Bräutigam mich belogen hat! Denk« nur, neulich sagte er, er urüßt« aus drei Tage verreisen. Was geschieht? Am selben Abend kehrt er zurück und findet mich natürlich mit einem anderen!" Jede Phrase ist«richt eine... Herr Kiesel lieft seiner Frau die Romanfortjetznng vor. „AuS der Kirch« traten der Bräutigam und dir errötende Braut..." Da unterbricht Herr Kiesel fein« Vorlesung und meint:„So ein Quatsch!"„Wieso Quai sch!" empört sich Frau Kiesel.„Errötende Braut! Wenn ich so«twas schon lese! Albern« Phraft! Wieso erröten denn dir Bräute ausgerechnet in. Romanen immer!" „Tie erröten auch in Wirkllchkeit", sagt Frau Kirsel kategorisch.„Und darüber brambt man sich gar nicht zu wundern, wenn man sich di« meisten Bräntigamr mal näher anguckt..." Gegensätze.„Ich habe meine Fran ein halbes Jahr vor meiner Hochzeit kenneitge- lrrnt", erzählt Saupe strahlend.—„Ich erst «in halbes Jahr nach der Hochzeit", sagt Wendßich bedrückt. featutreaente Mefpugschllffrla und-Griffe behalten tage!«» ihren helle« Glanz, wenn man nach dem Reinigen«'m« rohr Kartoffel darüber reibt und noch einmal nachpoliert. Eiweiß läßt sich gut verweudrn zum Kleb««lner zerrissene» Buch- ober Notenseite oder um kleine Stückchen, die von den Möbeln abgesprungen sind, wieder anzuleimen. Farbe und Teer«Msernt«au von den Händen indem man sie mit Butter oder Schmalz abreibt. Frischgekochte Starke decke man mit einem Tuch zu; dadurch wird verinieden, daß die Stärke ein« Haut zieht, die dann im Wasser ÄInnipe» bildet. Spritzen- des Fettes beim Brate« wird vermieden, wenn mau dir Pfanne nrit«in weuig Salz bestreut. Zwiebelgeruch enkserni nian von dem Messer, mit dem man sie geschält hat, wie auch von den Händen durch Waschung in kaltem Wäger. Tnrch heißes Wasser wird der Zwiebelgeruch nur noch penetranter. Zimm« räuchert«an rasch an», indem man langsam Eti»g ans eine heiße Kohlen- schanftl träufelt. Esienidunst aus drr Küch« und daneben liegenden Räumen ist leicht zu entfernen, wenn man in eine Schüffel heißes Wasser 2-3 Tropfen Lavrndelöl träufelt. Fleisch, das zwei Tage vor dem Kochen ansbewahrt werden muß, hält sich ftffch, wen» es mit Holzkohle bestreut wird. Gchach-SSe. Alle Zuschriften und Anfragen an Gen. Scharoch Wenzel, Wisterschan bei Teplitz-Schönau. Alle» Anfragen ist Aetaurmarke beizulegr». 40. Fortsetzung. Mehrere Bauern gegeneinander. Bild 07. Studie von Behting. a b c de• t» h 8 »5? r: lj re 8 6 i i-tr fcs.-h G 5 nj pr ff? & 4 4 L M hx,.-‘ t..... 2 ® fe? K OES 1 a l» r de fgh Weiß gewinnt immer. Hier stehen je zwei verbundene Freibauern im Kampfe. Weiß gewinnt, mit oder ohne Zug, weil seine Bauern mehr vorgeschritten sind und dadurch einen Mattnu- griff ermöglichen. Weiß am Zuge wartet zunächst ab: 1. KIS!(ein feiner Zug, den man im praktischen Spiel schwerlich finden würde. Unrichtig wär» I. Kett wegen eil, Weiß hat kein Tempo). V... eS!(eil 2. Ke4!, jetzt hätte Weiß das Tempo, deshalb wartet auch Schwan ab). L KM!(nach«4 geht der König, bis c5 geschehen ist; jetzt ist die Anfangsstellung da, bis auf die Stellung des o-Baucrn)—... c5!(oder Ke8 3. Kc5. droht Keß! und gewinnt) 3. Kc4! Keß! 4. KdS(droht Keß!) Kd7(oder f7) 5. Kett (wieder ein feiner Zug) Keß 6. K>-c5. Weiß kann jetzt den Bauern schlagen, weil er Kd6 droht, znm Beispiel 6.... dS 7. KdG Kfi ß. Kd? und gewinnt Schwarz am Zuge vertiert ebenfalls: 1.... Keß(oder efi 2. Kf3! oder c5 2. Ke4. wie früher) 2. Keil und erobert den Bauern <14. weil Keß droht Effektvolle Endspiele bilden die Bauerndurchbrüche. Weiß gewinnt immer Bild Cß. Durchbruch « 3Ol Der schwarze König steht äußerst ungünstig. Weiß am Zuge: 1. Kf7 hS(hi 2. KXgch 2. h5t und gewinnt, wie leicht ersichtlich. Zieht Sohwars an: 1.... h«(h5 1 Kf7 KhT. KfS erobert beide Bauen).— •hS! Kh7 3. KfJ und gewinnt, wie vorher. Bild«. B 7 6 4 Weiß am Zuge gewinnt. Das Bild 69 zeigt ein sehr bekanntes Beispiel des Bauerndurchbruclis. Die Küniga- slellung ist sonst nebensächlich, nur darf der König der unterliegenden Partei(hier Schwan) den geschaffenen Freibauern nicht einholen können. Weiß opfert zwei Bauern: 1. l»6!» x b6 2. c6t b x c6 X a6 und gewinnt oder 1. b6! eXbS L aß! b aß X eß und gewinnt, da die neue Dame alle Bauern erobert Zar üebuag einige hübsche Bauernend- spiele als nächste Fortsetzung. Fortsetzung folgt