®r. 31. UuterßalhiNgfiMlage. 1930, Dsr SirorSvar an einem Tezemberadend. Die Uhr war ungefähr fünf. Herr Bonrdiöre erwachte mit einem Ruck und wurde Zeuge eines Anblickes, der ihn vor Grauen erstarren ließ. Die Tür stand offen. Draußen war es stintfinster. Ter eine der drei Herren I lag auf der Bank mit vollkoinmen erdfahlen« Gesicht. Sein Kopf schlenkerte hin und her. Die beiden andern waren eifrig bemüht, ihn hinanszuwerfen. Der tinglückliche Herr Bourdiörc, der außerstande war, sich zu rühren oder eine einzige Silbe hervorzubringe», erlebte somit den letzten Akt eines soeben begangenen Verbrechens. Als die Mörder sich nach Beendigung ihrer entsetzlichen Tat umdrchtcn, entdeckten sie den kleinen Beamten unbeweglich in seiner Ecke sitzend. Er war bleicher als der entseelte Leib ihres Opfers und in seinen Augen flackert: ekstosisches tiefes Graueir. Der Mann mit der Zigarre fluchte. Herr Bonrdiöre fing langsam an, den Zusammenhang zu begreifen. Die Havannazigarre war betäubend gewesen. Sic hatten gehofft, daß Herr Bourdiörc nicht erwachen würde, bevor irgendein Schaffner in Paris ihn wachrüttelte. Daun würde er geglaubt haben, daß die drei Reisenden bereits ausgestiegen seien— und niemals würde er Verdacht geschöpft haben. Tie beiden Verbrecher pflanzte«« sick drohend vor ibn« auf. Stammelnd flehte er sic an: „Fch werde niemals etwas sagen— tun Sic mir nichts— ick bin Familicn- vater—“ Tie Verbrecher wechselten Blicke mit- cinandrr. Sie waren rasend und auch etivas ängstlich. „Was sollen wir tun?" fragte der eine. Der ander: hatte Herrn Bourdiörc bereits wütend am Hals gepackt und schüttelte ihn sehr heftig. „Laß ibn in Ruhe.— wir haben ja noch Zeit— können uns die Sache über-, legen..." Bourdiörc fiel auf die Kni« nick wußte nicht mehr, was er sagte: „Gnade! Gnade! Ich habe nie gelogen. Aus Ehre— ich werd« nichts verraten—» zu Hanse erwartet inan mich— und gerade heute abends soll ich—" Und jetzt log er, log auf eine dumme und lächerliche Art. Seine langjährige, schäbige Bürocxistenz hatte ihm eine Idee eingegeben, die gewiß recht unwahrscheinlich war, aber die ihm während dieser entsetzlichen Augenblicke als einzige Rettung vorschwebte: „Verstehen Tie— gerade heute abends gebe ich ein kleines Essen für meinen Departementchef, Herrn Plot und Gemahlin — und auch für»«einen Bürochef, Herrn Clinehard— Sie verstehen wohl— meine Beförderung steht auf den« Spiel— dieses Mittagessen— und meine Kinder— ich schwöre Ihnen— Sie können ganz beruhigt sein— ich flehe Sie an..." Brutal und zögernd sahen fick die beiden Verbrecher au. Der eine griff in , Bonrdiörcs Tasche und holte sein Portefeuille heraus. ES wurde entleert und unter anderem kam eine Visitenkarte zum Vorschein: „Achilles Bourdiörc, Assistent im Ar- dcitsministerium, 153 rite de Mouffetard." „So beißt du also und das ist deine Adresse?" „Za." hauckte Herr Bonrdiöre. mehr tot als lebendig.. „Na schön, aber höre zu,«oas ich dir sage: Wir haben deinen Namen und deine Adresse. Wenn du ein einziges Wort sagst, bist dn erledigt, verstanden?" Herr Bourdiörc murmelte: „Fch schwör:..." Man erreichte Meaux. Ter Zug hielt. Herr Bourdiörc hatte die Äugen ein wenig schließen müssen. Als er sic wieder öffnete, «var er allein. Der Zug rollte weiter durch die Finsternis. Eine Stunde später ging der kleine Herr Bourdiörc die vielen Stufen zu seiner im sechsten Stockwerk gelegenen Wohnung hinaus. Tori einpfing ihn die prächtige Fran Bonrdiöre mit ihrem ewig milden — t— Lächeln. Als sic aber einen Augenblick später das Eßzimmer betraten, wo unter der Hängelampe, wie gewöhnlich, für vier Personen-er Tisch gedeckt war, bemerkte sie die sonderbare Miene ihres ManneS: „Was ist geschehen? Bist du krank?" „Aber— aber—" sagte Herr Bour» -jerc,„nun hast du ja doch vergessen, daß -er Herr Piot und seine Frau zusammen mit Herrn Elinchard heute bei uns speisen werden... beeile dich,— du mußt dich umkleiden— und die Kinder— wir haben keine Minute zu verlieren— wir müssen einkaufen— kaufe alles, was wir benötigen für unsere Gäste... so waS aber auch, wie konntest du vergessen— nichts ist vorbereitet." Fran Bourdiere wiederholte, ohne irgendetwas zu verstehen: „Herr Piot und seine Fran— Herr Elinchard— davon hast du mir wirklich kein Wort gesagt." „So beeile dich doch schon— was denkst du denn eigentlich— wofür hälft du mich? Beeile dich— unsere Gäste können reden Augenblick erscheinen." Noch erregter fügte er hinzu: „Decke den Tisch— Tempo— Tempo — Elinchard und Fran Piot— du starrst mich an, als sei ich ein Phänomen— glaubst du vielleicht, daß ich verrückt bin" Er war cs geworden. Originelle Grabinschriften. „Kommst du, o Wand'rcr, hier vorbei, Dann bleibe stch'n und bete— Es starb in ihres Lebens Mai Mein gutes Deib, die Grete! : Der Vater, der im Himmel wohnt, Hat sie zu sich genommen— . Allwo er ihre Lieb' belohnt Mit tausend süßen Wonnen! Nun, da die rcurr Gattin weg, Hai's Leben für mich auch kein' Zweck, Darum erfüll, o Herr, die Bitte mein Und laß mich bald ins Paradies hinein!" (Bladowitz, Kreis Sternberg, CDR.) „£i«r ruht das kleine Pommerlein, > Des alten Pommers Söhnelrin, Der liebe Gott hat nicht gewollt, Daß es ein Pommer werde» sollt!" «Mährisch-Reustad«, CSR.) „Hier ruht Mizzi Krill, Wenzel ÄrLls erste Frau." „Hier ruht Anna KrLl, Wenzel Krills zweite Frau." „Hier ruht Bozena Kräl, Wenzel Krüls dritte Frau." „Hier ruht Fanda Krill, Wenzel Krüls viert« Frau." „Hier ruht Wenzel Krül endlich in Frieden." «Prag, CSR.) * „Hier liegt der Tischlermeister Quars, Der trank früh den Kaffee stets schwarz. Hott'«r ihn auch mal weiß getrunken. Wär' er nicht in dies Grab gesunken!" (Mcedl, Kreis Sternberg, CSR.) Es schläft der Landwirt Josef Graf Hier unten seinen letzten Schlaf, vm Leben ist's ihm nicht gut gegangen. Sonst hätte er sich nicht aufgehangen! O lieber Gort nnd Herr der Welten, Lass' ihm die Sünde nicht entgelten. Verstoß' ihn nicht in- Schattenreich, Sei gegen diesen Toren weich. Lass' ihn am Tag des Auferstrhen In dein gütiges Antlitz sehen!" (Frankstadt b. Mähr. Schönberg, CSR.) „Hier ruht ei» Oberstaatsanwalt, Der stellte manchen Sünder kalt. Doch da er selbst ein großer Sünder, Tat es mit ihm der Weltcugründer!" (Pardubitz, CSR.) „2m Alter von dreißig Jahr' Legt' er sich auf die Totenbahr'. Zu früh ist unser Hans gestorben, Viel schöner wär's, er lebte noch— Er halt' den Magen sich verdorben Mit Fisch in der Karfrritagswoch'! Das Essen ist ihm nicht geglückt, An einer Grät' ist er erstickt. Darum, o Leute, eßt kein' Fisch, Stellt etwas and'rrs auf den Tisch. Seine schmrrzgcbcugte Mutter nnd Witwe Elisabeth Zatlonkal, Häußlerin in Komeisr bei Jägcrndorf." (Jägrrndorf, LSR.) Kirschkerne. Sächsisches Kindergespräch. Du hast awr fiel Kerschen. Das sieht doch aus, wie Wenns ä ganzes Fund wär. Das iß ooch«ens. Gibbsdc mir da baar drfon? Ree. Warum dn»ich? Du bist wohl nich mehr m«i Freind? Oia. Awr m soll de Freindschafi ooch nich iewrdrrim. Da wcrds dir doch schlecht, wenn dn die fiel« Kerschen alle allecne ißt. Da mißdes mir schon oft schlecht geworden sinn. Ich koof mir doch jeden Dahch ä Fund. Ach nee. Unn WaS machst» da midn K«r»e? Was sollchn da drmit machen? Soll ich die filleicht offheem unn womeeglich in Silwer- babier einwickeln? Ree. Awr da kammer drwegcn allerhand drmit machen. ' Was du da zum Beischbiel? Zum Beischbiel, wer an weidsten schbucken kann. Wie ißn das? Das iß so: da nimmt jeder enn Kersch- ken in de Gusche... das heeßt, an besten isieß ja, er uinimt enne ganse Kersche, unn knaultelt das Fleesch drumrum ab— unn dn Kern, dn schbuckdr nachher, soweit wie'r kann. Unn dr andre macht dasselwe, unn wem seiner weider geslogen iß, der Hal gewann'. Machen mr das mal? Meiiidwegr». Awr bloß eemal. Hier haste ne Kersche! Also... los! Deiner iß weider, du hast gewann'. Jetzt mußt du mir Reewangschc gähm, da missen mier das wiederholt!. Das geheert sich so. Tas iß bei jedem Schbort so. Unn mier wolln doch schließlich anschdrndje Schbordslrid« sinn. Ra, wie de drnfft. Also... los! Liste, jetzt habb ich gewann'. Jetzt iß meiner weider. Nu schdehn mier un- cndschicdeu. Weeßde,»nendschieden, das iß eegcndlich kre richdjeS Reesuidahd. Wenn dn Ehrgesiel in Leiwe hast, da gibbst du mir jetzt noch enne Kersch« unn mier machen noch een driddcn Gang. Sonst. hadS ja gar keen Zweck gehabbt. Mier wollden doch festschdelln, wer an weidsten schbucken kann. Awr Wenns nn- endschieden iß, da wceß mr das doch nich... Also— halt, warde mal! Ru ja, daS iß ähm Pech, da kannner nicht drfor. Ten Kern jetzt, den habb ich nämlich frschluckt. Komm, gibb mr noch eene! Also! Aersch, jcjtzt habb ich gewann'. Ru Heern mier awr off. Wieso hast denn du gewonn'? Das iß doch mei Kern, der weider iß. Du, das wceß ich gans genau, da kannste mir nicht for- machen. Awr ich weeß schon, du schbirlst ähm nicht ehrlich. Du, da däht ich mich schäm' an deiner Schdelle. Wenn mier richdje Wcdd- kämpfcr wär», unn mier hädden enn Unbar- deiischeu, da däht der dich dißkwallifizitrcn nun mier dähdr den Meesderdiddel zuschbrechen. Also willst wirklich so feig sinn, unn willst dich dricken? Ree? Na da... los! (Und so weiter. Bis die Kirschen alle find.) W. Appelt. Menfabtt„mit Flinte und LlppenM". Eine Frau allein, dir nur in Begleitung eines neunzehnjährigen Monteurs von München«ine Asienfahrt quer durch Persien, Afghanistan und Britisch-Ändien, durch Wüst« und Urtvälder unternimmt, das ist ein selbst in unserer Zeit nicht gewöhnliches kühnes Unternehmen. Es ist Frau Friedel Spada, die im August des Jahres 1827 von München mit einem W-PS-Mercedes-Wagen auszog: der Zweck war Bcrichlerstättung in Wort und Bild und ausgerüstet war die Expedition vom Münchener Verlag Knorr u. Hirth und von der Lichtbildgesrllschaft„Emelka". Neber ihre Reise, die fast ein Jahr dauert«, hat Frau Frieden! Spada nun ein fröhliches, unterhaltsames und intereffanrcs Buch geschrieben. („M i t Flinte und L i p p e n st i f t." kW Seiten mit ebenso vielen Bildern nnd fünf Karlenstizzen. Verlag Knor u. Hirth, München. Mk. 4.80, geb. Mk. 6.20.) Vor ihrer Ausreise wurde die Berfafferin vielfach vor den Gefahre» gewarnt, die ihrer durch Krankheit und Strapazen, aber auch als Frau drohen. Krankheit und Strapazen blieben ihr nicht erspart, aber was ihre„Schutzlosigkeit" betrifft, so brachte man ihr, wie sie erzählt, überall nur Achtung, Sympathie und Verwöhnung entgegen. Sogar über ein« Fußwanderung und Urwaldmärschc in das Grenzgebiet von Tibet zu dem wilden Stamm der Abors, und von Asiam nach Birma durch das Kopffägcrgebiet der Ragas behauptet sie, daß es lebensgefährlicher sei, etwa in Berlin über den Potsdanier Platz zu gehen, als zu Fuß durch das Gebiet der Kopfjäger. Während ihrer ganzen Reise büßt« sie durch Diebstahl nichts als einen Filter rin und ihr Monteur sein Rasierapparat und anstarr von den Wilden aller Art, unter die si« kam, ermordet zu werden, erfuhr sie di« entzückendste Gastfreundschaft aus reiner, einfacher Menschlichkeit. Urberhaupt findet sie, daß die„Wilden", wenn auch nicht gerade„besiere", so doch entschieden menschlichere Menschen sind als wir und so begreift man ihren Wunsch, cs möge ihnen noch recht lange«rspart bleiben, zivilisiert zu werden. Fran Spada weiß anschaulich zu schildern, angenehm zu plaudern und ihren Bericht mit Humor zu würzen. Tie zahlreichen guten Bilder steigern das Jntcresi« sehr wesentlich. Es sind Aufnahmen des Trei- — 8— btn« in tinrnt Brduinenlagrr, Wüsten bilder, l Fakiren, heiligen Assen nnd von wilden Bilder von den Wundern Indiens, oon| kriegerischen Volksstämmrn. 21m Kreuzweg Ser Welte«. Bon Armin T. Wegner. In einem soeben erschienenen Buche t„Am Kreuzweg der Wrlren. Eine Reise vom Kaspischen Meer zum Nil."' Verlag des Bolks- verbandcs der Büchersreuud«, Wegweiser- Verlag, G. m. b. H., Berlin Edarloilcn' burg, 380 Seiten, Preis Mi. 9.90) erzählt der Verfasser, Armin T. Wegner, von den KaukasuSländrrn, von Persien und Mesopotamien und schildert mir feinem EinsühlmigSvermögeu Land, Leute sowie dir kulturellen und sozialen Verhältnisse, unter denen die Menschen dorr leben. Es ist«in reich illustriertes, kulturgeschichtlich wertvolles Buch, das der Verlag hier vorlegt. Unter anderem berichtet der Verfasser in einem Kapitel von Pilgerkara- waneu, die tausend« von Leichen zur Bestattung au geweihtem Ori wochenlang mit sich führen. Wir bringen aus diesem Kapitel nachstehend mit Erlaubnis des Berlages einen Teil zum Abdruck: Ich kenne einen alreu Mann in Berlin, einen früheren Arzt, der jahrelang hier in Chanekin als türkischer Quararnäuebeamtcr . gelebt hat. Einer jener Männer von schon unbestimmbarem Alter, die alle Umwälzungen der Zeit zu überleben scheinen. Unbewegt, grau wie ein Stein ragen sie in eine veränderte Zeit. Ich lernte Lamee Saad gegen Ende des Krieges kennen, als ich von den furchtbaren Fiebern des Bagdader Sommers geschwächt mich Deutschland zurückkehrtr, um dorr für das Auswärtige Amt an der Herausgabe einer orientalischen Zeitschrift mitzuarbeitcii Damals hatte Deutschland noch seine Hoffnungen auf eine Besiegung Englands im Orient nicht aufgcgcbcn. T«r alte, kahlköpfige Herr kam auf seinen Stock gestützt, zuweilen zu mir auf die Redaktion, um mir kleine Aussätze über den Aberglauben der Mohammedaner anzu- dieten, die von einer ganz ungewöhnlichen Kenntnis zeugten. Lamac Saad hat sechzehn Jahre lang als Quarankänearzk in den verschiedensten Orten der Türkei gelebt, davon allein vier Jahre an der persische» Grenze, und hat ein ausgezeichnetes Werk über diese Zeit geschrieben. Eines Abends traf ich mit Lamee Saad im Kaffeehaus zusammen. Ich harte ihn gebeten, mir von seinen Erlebnissen in Chanekin zu erzählen. Mit den persischen Pilgern hatte «r stets viel« Mühen gehabt. „Namentlich im August," sagt« er,„wenn das große Bußfest der Perser in Kerbels nahte, glich ganz Chanekin einer geräumigen Karawanserei. Einmal zogen im Laufe eines Jahres fünfundsiebzigtausend Pilger mit zehntausend Leichen vorüber. Ehe die Pilger di« Grenze überschritten, mußte ich alle ärztlich untersuchen, und jeder einzelne erhielt«inen Schein, für den er zehn Piaster bezahlen mußte. Natürlich versuchten die Pilger, dies zu umgehen... sie sind unglaublich geizig!" Ter Arzt kreuzte dir Arme über dem Tisch. Nicht selten weigerten sich ganze Karawanen, die Quarantäne überhaupt zu betreten. „Wir sind Söhne des Propheten!" riefen sie, „und lagen uns lieber deit Kopf abschlagen!" „Sehr begreiflich, wer die Quarantänen im Orient kennt!" warf ich rin,„noch heute wird man darin wie in einem Gefängnis gehalien." „Bedenken Sie aber di« Schwierigkeiten der Regierung ohne Mittel und mit unge- trrnrn Beamten!" Lamee Saad sah mich aus seinen riefen, blaffen Augen vorwurfsvoll an. „Richt selten geriet ich dabei in Lebensgefahr. Einmal zog eine Karawane mit sechshundert Pilgern vorüber, ohne unserer Aufforderung Folge zu leisten. Als ich einen Polizisten aus ihren Händen befreien wollte, legte ein Pilger sein Gewehr auf mich an... glücklicherweise gab einer meiner Leute dem Gewehr einen Schlag nach oben, so daß der Schuß in die Luft ging." Ich betrachtete, während er sprach, eine Photographie mit türkischen Soldaten, die Lamee Saad mir mitgebracht harre. „Run ja, die Gendarmen, Sie wiffeir ja," sagte er,„sie saßen in ihren Kasernen, und der Gendarmerieoberst hatte stets eine Ausrede. Einmal aber ließ er-och den Trompeter blasen, und die Gendarmen ritten mir ihren nnigekehlteil Martiirigewehren in dir, Pilger hinein; eine wahre Schlacht begann... übrigens wurde niemand dabei getötet." Ter alte Arzt schwieg, während er seine kurzen, etwas fleischigen Finger betrachtete.- Ich lächelte. „Wie gut, daß nicht auch die Leichen sich wehren konnten!" „Dafür machten sie uns aus ihre Weise zu schaffen. Tenn die Abgaben für die Toten waren höher, und die Pilger miißte» das Fünffache für sic bezahlen. Es gab feuchte und trockene Leichen. Die frischen Leichen sollten luftdicht in Blcchsärgen vcrschloffen sei»; nur Skelett« durften in Kisten befördert werden. Aber die Pilger suchten die Gerippe in Fut- tersäckrn oder unter den Kleidern- der Frauen zu verstecken— um sie ohne Bezahlung über di« Grenze zu schmuggeln." „Ganze Skelette?" „Ja, sie waren unglaublich findig darin.. ma>r teilte die menschlichen Knochen einfach. Ein« Frau versteckte die Arm- und Beinknochen in ihren Pumphosen, eine andere nahm den Brustkorb und den Schädel unter die Kleider. Dir äußerste List aber, welche die Pilger anwandten, bestand darin, daß sie die Knochen ihrer Verwandten einfach zu Pulver zerrieben.. Wie die Leichen nach Kerbel» kommen, ist diesen Leuten ja völlig gleichgültig, wenn sie nur in der Räbe des heiligen Grabes ruhen... Einmal ereignete sich dabei folgendes: Ein Pilger hatte seine Reisegefährten beauftragt, mit für ihn Brot zu backen, während er in den Basar ging. AIS er sich verspätete, begannen die andern die Mahlzeit; endlich kam er und verzehrte mit starkem Hunger den Rest des Brows. Aber als er nachher sein Gepäck durchsiehr, vermißt er den Sack mit den zermahlene» Knochen keiner Mutter... da stell» sich heraus, daß seine Gefährten den Inhalt zum Brotbackcn verwandt hatten. Run begann er entsetzlich zu jammern. Schließlich kamen sic mit dem persischen Konsularagenten zu mir: „Doktor Effendim, was sollen wir tun?" Ich riet ihnen, ein Abführmittel zn nehmen und zwei Tage auf jede Nahning zn verzichten. Ich weiß nicht mehr, was dann geschehen ist und ob sie nun diese... hm! nach Redschef gebracht haben, um sie dort statt der Knochen zu bestatten. Der greise Arzt blickte mich«inen Augenblick mit einem Gesicht an, btnt dem ich nicht wußte, ob es von Heiterkeit, verstecktem Lohn oder lächelndem Mitleid erfiillt war. Es hatte ganz die Züge eines Orientalen angenommen, die von unnahbarer Rnhe und grübelndem Mißtrauen in gleicher Weise gezeichnet find« Was leistet die Milz? In der Milz har die moderne Forschung das Organ erkannt, das neben dem Knochenmark hauptsächlich die. Blutkörperchen bildet und vor allen Dingen aufspeichcrt, sowie das Blut mir der notwendigen Menge dieser Körperchen versorgt. Wie diese Arbeit vor sich geht, darüber unterrichten neue Versuche von Schrunert und Krzwauck, über dir Dr. Feige in der„Umschau" berichtet. Bei jungen Hunden, denen die Milz entfernt worden war, zeigteli sich nur ganz geringe Schwankungen in ihrem Blurkör- pcrchenvorrat, und zwar blieb die Menge gleich, ob sie sich in Bewegung oder in: Ruhezustand befand. Dagegen wiesen normale Hund« in der Bewegung einen bedeutend höheren Bestand an Blutkörperchen auf. Durch die Entscrnuilg der Milz wird also ein« Veränderung des Blutkörperchenvorrars verhindert. Das beweist, daß die Milz in ihrer besonderen Leistung als Speicher- und Regulieruugsorgan von keinem anderen Organ des Körpers ersetzt werden kann. Die Mil; sorgt bei der Bewegung dafür, daß Blutkörperchen in erhöhtem Maße auS Blut abgegeben werden. Ucbrigens lcblen die jungen Hunde, bei denen die Milz künstlich enrferni war, weiter und vermehrten sich auch. Das Fehlen der Milz bedeutet also für diese Tiere keine lebensgefährliche Schädigung. Diese Feststellungen über die Arbeit der Milz konnten sodann durch einen Zufall au einem Pferd bestätigt werden. Die künstliche Entfernung des Organs ist bei Pferden bisher noch nicht durchführbar,, aber bei einem tuberkulösem Tier war das Milzgewebe zer-. stört, und cs ergab sich bei diesem ebenso wi« bei den Hunden, daß der Blukkörperchrnvorrat. kein« erheblichen Unterschiede zeig», mochte sich das Pferd nun in Rnhe oder im Trabe befinden. Milch-Mischgetränke.* In der heißen Jahreszeit, wenn das Br- düvsnis nach erfrischenden Getränken besonders groß ist, sollte man mehr als bisher die noch wenig bekannten Milch-Mischgetränke genießen. Sie haben den Vorzug, daß sie eine angenehme Abwechslung in den Milchgcnuß bringen, und fiir diejenigen, die Milch nicht gerne trinken, geben sie die Möglichkeit, Len Geschmack durch besondere Zutaten zu ver- ändern. Die e r st e Bedingung für diese Getränke ist. Laß sie recht kalt sind. Man! erricht dies dadurch, daß mau sowohl Misch-' bccher, als auch Gläser kühl hält. Speiseeis kann zerkleinert der Mischung beigesctzt werden, etwa acht kleine Löffel auf 1 Liter Milch.- Sonst hilft man sich, indem man die Gefäße, längere Zeit»nter fließendes Wasser stellt. Um die Zutaten— Fruchtsäftc, Honig, Ei/ Kaffee. Schokolade. Sahne, Gewürz, Zucker — mit der Milch gut zu verbinden, müssen sie nacheinander tüchtig geschlagen lverden. Dies geschieht entweder mit dem Quirl oder dem Schneeschläger. Der Besuch, diese Milch» Mifchgetränke herzustellen, lohnt gewiß. Si« sind für Groß und Kirin von hervorragendem Nährwert und verursachen keinen Schaden, wie die stark alkoholische» Mischgetränke, Cocktails genannt. Einige Rezept« lassen wir hier folgen: Zitronenmilch: 6 Eßlöffel Staubzucker, den Saft von 4 Zitronen und 1 Liter Milch tüchtig durchschütteln und durch ein Sieb in gekühlte Becher füllen. Honigmilch: 4 Eßlöffel durch Erwärmen flüssig gemachten Honig mit I Liter Milch mischen, wenn der Honig vollkommen verschmolzen ist, einen Löffel Zimmt dazu tun und nochmals durchschüttrsti. Mandelmilch: 50 süße und 10 bittere Mandeln reiben und in eine Taste Milch geben, in der sie 4 Stunden ziehen müssen. 4 Löffel dieser Essenz mit 1 Liter Milch und nach Geschmack Zucker dnrchschüttrln und durch ritt Sieb in gekühlte Becher füllen. Mandelfruchtmilch: 8 Löffel Man- drlrssen;. den Saft von 4 Apfelsinen und 2 Zitronen, Zucker und 1 Liter Milch gut nacheinander durchschütteln, in Becher füllen. Mokka-Schokolade:% Liter Mokka, K Liter starke kalt« Schokolade, Zucker, gut schütteln^ dazu% Liter Milch und Liter Sabue mischen und in kalte B:ch:r füllen. M i l ch s e l t e r 8: Eine Flasche Sodawasser mit Liter Milch kur; durchschütteln. Rosa Zitronenselter: 1 Eßlöffel Himbeersaft, Saft von 4 Zitronen und eine Flasche Sodatvasser mit 1 Liter Milch gut schüttel» Was mancher nicht weiß. Da» Fingerabdrücke kein durchaus zuverlässiges Mittel zur Feststellung von Verbrechern sind, wird durch einige Beispiele bewiesen.! Gewiegte. Verbrecher nämlich beginnen die Fingerabdrücke zu fälschen. Zum Teil benutzen j sie Gummihandschuhe, zum Teil aber gehr»! sie»och weiter, wie es ein französischer Arzt, ta:, Louis Ginbolliere, der sich in seinem Beruf unmöglich machte, eine Gefängnisstrafe von einem Jahr bekam und dann di: Laufbahn des Einbrechers«inschlug. Er bennyte sein«.Kenntnisse, um eine Anstellung in der Aerzt-:atod«mi« in Lvo»:.u erlangen, und hier löste er nii! großer Geschialichkeit die Haut von Tau men und Finger der Leichen und wuß!c sein Beginnen geschickt zu verdecken, in- dcui er Chemikalien anwandie, die die Zersetzung beschleunigten. Die Baut befestigte er auf besonders präpariertem Pargänient und nntcrnahm nun eine Reihe venoegcner Einbrüche. Neberall ließ er Fingerabdrücke zurück, aber es waren nicht seine eigenen, sondern die eines Toten, und wurde insolgedessen nie pe faßt. Er gestand dieses Verbreche« auf dein Totenbett ein. Jnzwffchrn hoben andere Verbrecher andere Methoden gefunden, die Finger abdrüo.e zu fälschen Tas Petermäuncheu ist eine Makrclenart, die an den Küsten Europas und Westafrikas lebt. Seine Rückenflossen wie die Äiemrn- deckel haben so scharfe Stacheln, daß die Fischer die gefangene« Tiere, obwohl das Fleisch überaus wohlschmeckend ist, immer gleich wieder über Bord werfen, da sie die Wunden fürchte». Dabei weihen sie die Tiere dem Petrus, woher der Fisch seinen merkwürdigen Rainen hat. Di« Schrittlänge eine? erwachsenen Menschen«beträgt im Durchschnitt 80 Zentimeter. Der Mond ist als Vollmond achtmal Heller als im letzten Viertel. Leuchtpsferblätter werden außer bei Uhren auch bei Kompassen, Meßinstrumenten und Gkfchnbrichlgerälen verwendet. Statt der teuren Radinmpräparalr nimmt man neuerdings Ersatzstoffe, z. B. das jüngst entdeckte Mesothorium. James Batt kcuneu wir hauptsächlich als den Erfinder der Dampfmaschine und des Kondensators. E hat aber auch die für die Handels- und Geschäftswelt unentbehrlich gewordene Briefpresse«rstinden und ist blninder des einheitlichen Maß- und Grwichtssystems. Zeitgemäß. Müller bat Meier längere Zeit nicht gesehen und fragt ihn, womit er jetzt handelt.„Mit Möbeln", entgegnete ihm dieser. —„Na, und hast du schon viel verkauft?" will Müller wissen.—„Bis jetzt nur meine eigenen." xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx» Gchach-6tke. Der aus dem Hebräischen stammend« Ausdruck„Schmus" wurde früher im Frankcnlande sogar in der amtlichen Schriftsprache angewandt. So klagt nach dem Mergentheim«! Stadtgerichtsarchiv im Jahre 1791«in Handelsmann gegen den Hirschwirt auf Zahlung von„Schmnsgeld", d. h. von Provision. Einen Vermittler nennt man heute noch im Fränkischen, den Schmuser. Der Adler frißt von seiner Beute stets zuerst die Zunge, die Katz« den Kopf. Ei« ausgewachsener Besaut kann«ine Last von drei Tonnen auf seinem Rücken tragen. Aus 800 Liter atmosphärischer Luft stellt mgn 1 Liter flüssiger Luft her. Ja Epping, einem kleinen englischen Städtchen, sind 114 Krickeiplähe, 242 Fußballplätze und 189 Tennisplätze. Rußlands Borrat allein an Eisenerzen wird auf zwei Millionen Tonnen geschätzt. Bon den 322.000 Quadratkilometern Roe- lvrgens sind nur 2100 Quadratkilometer Ackerland. Das Durchschnittsalter eines Hundes ist 10—12 Jahr«, einer Katze 9—10, eines HasenS etwa sieben und«ines Fuchses 12—16. Die Borastürme erreichen im Maximum ein« Geschwindigkeit von 112 Kilometern tn der Stunde, einzelne Stöße sogar 200 Kilometer. Heiteres.*• Vergebliche Liebesmüh. Ter alte Großbauer liegt im Sterben. In seinen gefalteien Händen brennt eine geweihte Kerze, und nm ihn herum stehen seine Söhne und Töchter, seine Knechte und Mägde und murmeln Stcrbezebetr. Tas währr nun schon eine Stund: und mehr. Ter Großbauer liegt, die ! Hände auf dem hohen Bert, regungslos da. Aller Ange» blicken auf ihn und fragen mit Trauer und Gleichgültigkeit: Wann kommt der Tod? Manchmal schwillt das Gebet unwillkürlich an, wie wenn es den Tod herbeirufen wollte. Gerade beginnt es wieder ahzuschwel- lcn. Da hebt sich der Großbauer aus den Kissen, bläst.mit einem mächtigen Puster die geweihte Kerze aus und beschließt die fruchtlose Zeremonie mit den Worten:„Es gabt irie!"(Es geh! noch nicht!) Wirksamst« Drohung. Rechtsanwalt:„Ich habe mit Ihre geschiedenen Fran gesprochen, i Wenn Sie ihr nicht regelmäßig jeden Monat I das Geld schicken, kehrt sie zu Ihnen zurück!" Höflich. Ein Sachse ist in München und sagt;u einem Passanten:„Entschuldigen Sie bitte recht sehr, ich möchte gerne znm Bahn- ! Hof."—„Ta hab i nix dagegen." meint der Münchtier, und gebt weiter. Bu erfahrener Fachmann. Ei>» Sanitäter bewirbt sich um eine Stelle im Krankenhaus. Der leitende Arzt frdgt ihn:„Wissen Sie auch, was Sir nach der Operation zu hüt haben?" —„Natürlich weiß ich es, Herr Doktor: der Patient wird in die Leichenhalle gebracht." So, so...!„Mir wurde gestern meine Brieftasche gestohlen, Herr Kommissär!"— „Wie har sie denn ausgesehen?"—„Schlank und blond, bitte." Alle Inschriften und Ansraacn an Gen. Scharoch Wenzel. Mstrrschan bet Teplitz-Lchönan. Hin Anfragen ist Retourmarke beizutegeu. 40. Fortsetzung. Wichtigstes aus der Endspiellchre. Der Turin gegen Figuren. Gegen eine Dame oder gegen zwei Türme verliert ein Turm, bis aut sehr seltene Ansnaliinsfällc. Gegen einen Turm und eine leichte Figur vermag der einzelne Turm im allgemeinen das Spiel remis zu halten. Es gibt aber einzelne Stellungen, die immerhin Vorkommen können, welche zum Gewinn der Uebcrmacht führen, zum Beispiel die in Bild 78 angegebene. von Philidor analysierte. Bild 78. Turm gegen Turin und Läufer. Weiß am Zuge gewinnt. 8 a b o de 1 g li ^!Z! Hk.; j r■' 4-O ta R pfi. ti 5 52 yiSs Pi 5 < K*i rxi h ir;’s!si 3 r-vj s?:. i«r - _bsL 1 eu.Ä 1 a b c<1 e f g b Die äußerst geistreiche Analyse Philidors lautet: 1. Tf8+ Te8 2. Tf7 Te2! Zieht der schwarze Turm auf der Grundreihe gewinnt Ta7! sofort. Ebenso wäre Te3 oder Tel schwächer, wie die Folge zeigt. 3. Tg7! Tel lauf Te3 folgt Ta7 Tc3 Td7+ Kc8! Ti7 Kb8 Tb7+ Kc8 Tbl! Kd8 Lc4! und gewinnt) 4. Tb7! Tel(oder KcS Ta7 Tbl Tf7 KbS Tf8+ Ka7 Ta8+ KbO Tb8+ und gewinnt) 5. I.b3!(Schwarz ist wieder im Zugzwang) Kc8(oder Tc3 Lc6 Td3+ LdS Tc3! Td7+ Kc8! Tf7 Kb8 Tb7+ Kc8 Tb4 KdB TM Tc3 Le4 und gewinnt) 6. Tb4!(droht Le6+) Kd8 7. Tf4 Tel(oder Kc8 Ld5 Kb8 Tal usw.) 8. La4! KcS 9. Lc6 Tdl-t-(oder Kb8 Ta4!) 10. Ld5 KbS II. Tal und gewinnt Ebenso gibt es ungünstige Randpositionen in denen ein Turm gegen Turm und Springer verliert. Es ist aber auch hier nicht möglich, aus beliebigen Stellungen in der Mitte des Brettes diese ungünstigen Randstcllungcn herbeizuführen. Der Turm gegen leichte Figuren. In der Praxis wird eine Schlußstellung, in der ein Turm gegen eine leichte Figur übrigbleibt, als unentschieden abgebrochen. Gegen einen Läufer kann der Turm beispielsweise in folgender Stellung gewinnen: Weiß: Kffi: Tg7. Schwarz: KiS; Lf3. 1. Tg3 Le4 2. Tc3 Lg2 3. Tc2 Li3 4. Ti’ l.c6! 5. Tc2 Ld7 6. Tb2! und gewinnt, zum Beispiel 0... Lc6(all 7. Tb8+ LeS 8. Taß! usw. Gegen einen Springer gewinnt der I urtu. wenn der Springer vom eigenen König entfernt ist. indem er ihm den Rückzug abschneidet und ihn schließlich erobert. Gegen zwei leichte Figuren macht ein Turm das Spiel unentschieden. Gegen drei leichte. Figuren verliert der Turm, wenn sielt darunter zwei Läufer befinden. Doch gibt es. wie überall, einige Ausnahmen, wo durch Aufopferung des Turmes das Patt erzwungen werden kann. Fortsetzung folgt.