' I"» 5}r- 22 tinter^aitMnoe^eUagr. 1930. Jazz in dee KirGe. Der Almanach der World verzeichnet L11 Kirchen in Amerika. Die Zahl der Selten ist Legion. Jeder glaubt, in ihr offenbare sich di« göttliche Wahrheit, sie, nur sie, führe ihre Archänger ins Paradies menschlicher und himmlischer Seligkeit. Frömmigkeit und Geschäststüchtigkeit, Hingabe und Reklanwsucht, Bauernfängerei und Naivität mischen sich ju den kuriosesten Gebilden. Man sehe sich den Inseratenteil der LoS Angeles Times an. Miß Laila Castberg predigt in der Kirche göttlicher Allmacht, in Klammern: und fortschrittlicher Gedanken, über die wl^entiichen Wahrheiten Christi, ,-in dynamischer»»ich kräftiger Form". Sie hat einen Klub in Hollywood gegründet, der sich„der einsame" nennt, und veranstaltet ab und zu besonder«„Heil-Gottesdienste". Auch der Totkranke kann gesund werden. In der Kirche der Universalisten werden Sie lernen, das Häßlich« aus Ihrem Leben zu bannen. Shelden Shopards bringt Auen bei, wi« Sie Ihr Leben melodisch stimmen können. Bemühen Sie sich Sonntag abend hin und Sie sehen gleichzeitig das Drama„Ter Prophet der Straße". Zwölf Charaktere studieren Sie darin. Auch Lieder werden Sie hören. Kommen Sie, der Üniversalismns geht Sie an!" „Hören Sie John Wesby Lee! In der Gospel Tabernacle Kirche predigt er Sonntags dreimal über fleischliche Enthaltsamkeit." „Wollen Sie erfahren, wer das Rote Meer teilte? Bob Schuler wird Ihnen die Antwort geben. Sind Sie krank oder verhindert, stellen Sie Ihr Radio ans KGF." „Ter berühmte Texas-Evangelist Rox» ford wird Sie und unsere Zeit aimlysicrcn. Christadelphian Ecclesia! Plätze sind noch zu hab«.", „Erzählungen toter Rtänner! Da wundern Sie sich! Hören Sie! Kommen Sie! Urberzeugen Sie sich!" „In der Delcholzfällrr-Kirche werden Sie erfahren, wi« das Palästina-Mandat geändert werden muß, damit alle Rationen zufrieden find und Jerusalem die Hauptstadt der«At wird!"~’ Don Ernst Soler. Bon Aiuiöe McPherson habe ich in cm ent andern Aufsatz berichtet. Ueberall unterstützen reiche Leute diese Sekten, jede Kirche Hot als Schutzheilige chre kleinen.„Rock^ellerS". Ein gutes Mittel gegen Unzufriedenheit, Verzweiflung und rebellische Auflehnung. Für die Armen im Geiste bedeuten die Erbauungsandachten mit Musik und Schauspielen eine Abwechslung in der graueiihaf- len Monotoine amerikanischen Alltags und Sonntags. Hier kann der Mensch, von den Fesseln typisierter Gewohnheiten befreit, sich auS- tobe», hier kann er Ersatz finden für Alkohol, Morphium, Kokain und Sexualorgien. Ich sah viele Sekten, sah die Kirche von Aimöe Semple McPherson in LoS Angeles» sah den TempÄ der jüdischen Neger in Haarlem, nie aber war ein Kult so gelöst im Gefühl, so hemmungslos in der Gebärde loie der in der„Einzigen Kirche des Lords". Neger waren die Gläubigen. Meist Frauen. Auf rohen HolKänken saßen sie. Rechts und links von der Kanzel standen Chormädchen in weißen Hemden. Im Orchester: Posaunen, Trompeten, Trommeln, Tarantellen. Der Chor singt zu fröhlicher Jaz? melodie in hüpferwem Rhythmus ernste, chnsüchtigc Worte:„Herr JesuS, schon lange ist cs her, daß du am Flusse gewan- delt bist, tvann wirft d»t dich wieder zet» gen?" Der Chor hört zu singen auf, nur die Trommeln dröhnen dumpf und ein- töttig. Plötzlich klatscht rin Chormädchen in die Hände und singt mit greller, dissonan- zengefärbter Stimme:„Soniebodh tauchet my soul"— irgendwer rührt meine Seele! Mit wildem Schrei antwortet die Gemeinde:„ES wird Jesus sein!" Dor Wech- selgesang wird unzählige Male wiederholt. Immer wilder, immer erregter werden die Stimmen, immer leiser der Trommelwirbel. Jäh springt«ine Frau ans und beginnt zu tanzen. Der Chor verstummt. Das Gesicht der Frau, eben noch flach und gewöhnlich, wölbt sich in schmerzlicher Ber- zückung. Während ihre Füße» die im Alltag pluntp und schwer sei« mögen, oinen herrschen, wilde« Oniftep aus der Stelle tanzen, fliegen ihre Arme rhythmisch aaf und nieder. Eine verharscht« Schicht nach der andern löst sich von diesem Gesicht. Es schält sich gleichsam auf. Eben schien es vergraben, mattiert, jetzt wird es nackt und wesentlich. Die Gemeinde klatscht fitzend den Takt synkopisch gegen den Takt des Musik. So steigert sie den Tanz der Fra» in Ekstase, btS diese auf ihren Sitz zurückfinkt» erschöpft und wieder gewöhnlich. De« Wechsewcsaug hebt von neuem an. Rach einer Weile springt eine andere Frau tanzend auf. Run tanzen dort und dort Frauen, alte und junge, schön gewachsene und krüpplige. Allgemein« Tanzraserei will di« Gemeinde packen. Da gibt der Prediger ein Zeichen, die Mnsö bricht ab, der Gesang hort auf. Hier und da hört man Stöhnen, dann herrscht Stille. Der schwane Prediger, von gedrungener Mehgergestalt, sprüht zu seiner Gemeinde:„Gott," sagt er, ,chat einst die Inden auserwählt. Sie wurden zur Halste getötet, die andere Hälfte vertrieb man. Die Vertriebenen kamen noch Rußland. Die Russen behandelten sie schlecht. In grausamen Pogromen mußten viele Juden sterben. Da bestrafte Gott die Russen, indem er ihnen Kerenski schickte. Jetzt sind di« Reger das auserwählte Volk. Zu ihnen am allerersten wird Christus kommen. Zu oinigen kam er schon heute. Die Gemeiübe hat eS gesehen. Ja, er kam,«r kam, er kam!" Die letzten Worte spricht der Prediger nicht mehr, er singt sie mit schmelzen, dem Tenor. Die Gemeiiwe fällt ein, Po- sauuen schmettern jubelnd die Begleitung. Ich stand auf. Mir war seltsam zumute. Ich hatte mich dabei beobachtet, wie beim Tanz der Frauen meine eigenen Füße pr klopfen begannen» wie ich in Versuchung geriet, mitpiklatscken gegen den Taft der Mitfik. Alles strömte in den Keller. Ich folgt« dem Zug. In einein Raume knieten die Bekehrten tmb beteten. Auf ihnen faße« oder hockten die Engel des Chors. Im andern Raume war ein Kramladen ausgclan, der dem Negerpastor gehörte. Dari» konnte man Gebetbücher und Gesangstexte, Kreuze und Noten. Himbeerlimonode und Bonbon-, alkoholfreies Bier und Schokolade, Eiskreme und Soda kaufen. — s Seebad. Manche Männer sind hi« 'zig Millionen und zwei Zentner schwer, Gehn sie ins Meer, Sind sie genau so nackt wie wir, di« wir nichts besitzen. Sie schwitzen. Wir schwitzen. DaS ist mal so. Nacktheit ist roh. MadamS—o—o Sieht im Trikot, Da ihn kein Kleid verbirgt. Da er nur massig wirkt, Richt günstig auS. Dai Fräulein£ Hat nix. Rix hier— Schein«... Doch Bein«, Bein«... Man möchte gern... Sie wirkt ans Herrn... Das ist mal so. Nacktheit ist roh. Da sieht man nicht Moneten. Gckldsäcke und Proleten, Sie schau'n hier in den Fluten Für einige Minuten, O Bott, o Graus! Einer wie der andre. Eine wie di« andre Unmenschlich menschlich au-. Earl Vriniher. Die Varabel vom Urlaub. Bon Sased, dem Weisen. Nun geschah es, daß ich einst in«in« Stadt wohnte und daß ich, wenn die Arbeit all der Wochen schwer gewesen war, zur Sommerszeit auf Urlaub ging. Und daß ich in den Hügeln von Vermont öfter«ine Kutsche bestieg, deren Lenker ein Mann von Erfechrung war. Und bah er öfter zu mir sprach und jedes Jahr di« Weiche Lost seiner Klage vor mir her- wätzt«: „Sieh, du kommst auf Urlaub hierher und bist doch«in Mann, der nicht schwer arbeitet, denn du bist weder ein Weber, noch sammelst du Hou für die Scheuer. Und so einer wie du, sind in der guten, schönen Sommerszeit di« »eisten von denen, di« meine Kutsche besteigen. Ich aber fitz« jahrein, jahraus, rS sei nah oder trocken, heiß oder kalt auf diesem verdammten alten Kasten und hab' seit vierzig Jahren keinen Urlaub gehabt!" Nun, als ich diese Red« einige Male gehört hatte, schrieb ich an den Beowaller dieser Strecke und sogt« ihm:„Siehe, dieser Wogenlenker deiner Gesellschaft hat lange Zeit Dienst 'getan und niemals«inen Urlaub genossen. Gib . ihm zwei Wochen Urlaub, auf daß er einen Urlaub genieße, wie die übrig« Menschheit«S tut!" UNd sie gaben ihm den Urlaub, wie ich«S erbeten hatte. Und sie sandten«inen andern Lenker für die Streck«, damit er die Kutsch« lenk«, und der erste seinen Urlaub genieße. Und als ich im nächsten Sommer wieder des Weges kam, befragt« ich ihn Wer seinen Urlaub, und wie und wo er ihn verbracht habe. Und er befreit« sich vorerst von einer Last, di« er mit getragen hätte, nämlich ein Mund voll Tabatsaftes, und dann gab er mir zur Antwort:„Am ersten Tag—«S war ein Montag— fuhr ich mit dem nouen Kutscher, um ihm di« Streck« zu zeigen. Uitd weil«r sehr langsam begriff, fuhr ich auch am Dienstag mit ihn». Und am Mittwoch fürchtete ich, die alt«, brau« Stute könnt««in Hufeisen verlieren—• also hielt ich noch einmal mit und hielt beim Hufschmied an, der weiß, wie ein Eisen am Fuß fitzen muß! Und am Donnerstag fuhr die Witwe Skiles in die Stadt, und ich wußte, daß ihre Truhe mitgenommen weiden müsse, uiü> ich fürchte« sehr, der nau« Kutscher Limite sie vergessen! Also fuhr ich noch einmal mit! Und am Freitag sah'S ganz regnerisch auS, und daS schien mir nicht der rechte Lag für «men Mann, um«i«n Urlaub onzutreten. Also fuhr ich auch am Freitag mit! Uckd am SamStag regnet« es wirklich, und das schien mir nicht der richttge Tag für einen Mann, um zu House herumzusitzen und nichts zu tun— also fuhr ich auch am SamStag noch mit. Und am Montag war rin Haufen Stadtmenschen da, die übern Sonntag herauSgekom- men waren, ruckt sie wollten natürlich wieder in die Stadt zurück, und da waren auch«in paar Umständliche und Merkwürdig« darunter, und da hab' ich mir halt gedacht: die schaust dir an, wir di« einstrigen!. Und am Dienstag ist mir eingefallen, daß mein halber Urlaub schon vorüber ist, und daß «in Einsichtiger in einer Woche«göttlich nicht mehr viel anfangen kann, und so bin ich halt wieder mit dem Ersahkntscher gefahren und hab' ihm gegeigt, wie man'S machen muß. Und am Ende der zweiten Woche war er «in tadelloser Kutscher, und wenn ich damals noch Urlaub gehabt hätte, hott' ich ihn ganz allein fahren lassen können!" So strrach der Wagenlenker, der sich immer beklagt hatte, daß er nie«inen Urlaub gehabt habe. Und ich dachte viü darüber nach, was er zu mir gesagt hatte, und ich sagte:„D du gütiges Geschick, laß mich nicht einer von denen feilt, die immer um dasjenige plärren, was sie nicht haben, nnd di« nicht wissen, was damit tun, wenn fi« es haben!" Stonen im Kriege. 9RM.«iefi Von Helen Zruna-Lmith. Frauen an der Front— wenn es auch dies, als der Masse nwcchnsiun di« Menschheit bqiel, nicht gab, so standen und wirkten doch als Sanitäterinnen tncke unmittelbar hinter den ersten Linien. Wie«S hier zuging, was diese Frauen erlebten und erlitten, schildert H«l«n Zenna- Emith auS eigenem Erlebnis, die gleich vielen anderen jungen englischen Mädchen als Fahrerin«inen Sanitätskolon»« auf der französischen Front sich heroisch betätigte. Wie sie in dieser vertierten Menschheit den Krieg Haffen kernt, darüber berichtet fie in einem soeben erschienenen Buche l„Mrs. Biest pfeift." Berlag E. Fischer, Berlin), das geradezu als Manifest, als flammender Aufruf gegen den Krieg bezeichnet werden kann. Nie wieder wär« ein Krieg möglich, wenn alle Frauen und Männer dieses mit grimmiger, erbarmungsloser Wahrheitsliebe und schneidender Satire geschriebene Buch lesen würden. Mit Erlaubnis des Berlages geben wir nachstehend eine Stelle daraus wieder: Ich habe Angst, daß ich verrückt werd«... daß man mich eines schönen Morgens im Geröll am Fuß irgendeines steinigen Abhang» findet, wie man Huckauf fand am Tage nach dem Luftangriff, der den Lazarettzug in Trümmer verwandelte. Sie habe sich verfahren und in der Dunkelheit den Bahrchof und die Kontroll« über den Wagen verloren, sagten di« Heeren Instanzen. Und das in der hellsten einer ganzen Serie von Bollmondnächten! Ein Unfall... So ruht mm Huckauf an der Seite von Tosh in dem freudlosen Fricdhof im Schatten der Hrxeiihand. Ein Unfall... Die Fahrerinnen gehen herum mit' bösen Blicken, und Ding« weiden geflüstert, die nicht angemchm zu hören sind ... und ich in den Stunden nach dön Mittel, nachtstransport sitz« da, denke Dinge, die brffer nicht gedacht werden... mein« Finger um den dicken roten Hals der Kommarck>eufe gekrallt, mich weidend an der langsam schwindenden Kraft dieses stärmnigen gesund«» Körpers, bis mir schlecht wird und mir fast die Sinne vergehen vor mörderischer Lust. Das vergeht... aber statt dessen ist etwas Schlimmeres da. Ich werde jetzt von Gesichtern verfolgt wie Huckauf. Wenn immer ich m«im schmerzende» roten Augen schließe, zieht «in Zug von Männern an mir vorbei— verstümmelte Männer; Männer ohne Amr« und Bern«, Gasvergiftete, di« husten, husten, husten; Männer mit unheimlich brennenden Augen; Männer mit halb weggeschoffenen Köpfen und Gesichtern; Männern mtt blutenden Gesichtern auS rohem.Fleisch, zu mir«mporgewandt; gr- foltrrt« Männer, oll« herschauenb zu mir, wi« ich in einem Schlaffack liege und zu schlafen vöstuhe...«in endloser Zug des Grausens, der mir nicht Ruhe läßt. Ich fürcht« mich. Ich fürcht« mich vor dem Berrücktw erden. Gibt's noch mehr solche Angstbeseffene hier bei unS wie mich uick> wie Huckauf... noch niehr, di««S nicht zugrben, wi« ich«S nicht zugcbe, wie Huckauf eS nicht zugab... noch m«hr, die täglich in einer Hölle von Angst loben? Denn ich habe Angst vor diesen verstümmelten Männern meiner Phantasie, viel mehr Angst als vor denen, die ich wirklich von den Transportzügen in die Lazarette fahr«. Di« Männer in meinem Wagen schreien doch wenigstens, aber dieser Geisterzug ist geffttrstunun. Ich hmr ihr« Gesichter mit einem rötlichschwauzen Puder, der au» Blut »Nd Pflanzen hrrgejtellt wird und nicht besser riecht al» er ouSsieht, sondern sie bringen sich außerdem noch auf chren Backen große schwarze Flecken an, besonders stark an den Schläfen. Diese eigentümliche Entartung der Mode, die da» Gesicht der Tibetanerin zu einer gräßlichen MaSke verunstaltet, soll vor vielen Jahrhunderten von den Dalai-Lamas«ingeführt worden sein, um die Keuschheit der Ehefrauen zn befestigen. DaS Schwärzen d«S Gesichtes ist nänrlich nur den verheirateten Frauen Vorbehalten, und sofort, wenn ein Mädchen heiratet, mnß«S auch sein Gesicht mit dem rußigen Echnrutz beschmieren. Di« Priestvr erklärten, daß die Schöichrit«in«r Frau zrun wahren Glück in der Ehe ungeeignet sei, daß es fiind- haft sei, wemi Frauen, di« bereits einen Mann haben, ihr« Reize zur Schau stelle» und dadurch in andern Männern böse Gelüste erregen können. Ehefrauen Tibets verzichten daher auch auf jeden Schmuck, auf jede Kleidung, durch die ihre Fornren hervorgehoben wrrden könnten. Sie tragen gewöhnlich eine Art Nm- hang aus dunklem dicken, Stoff und hüllen sich in Liefe Gewänder so, daß häßliche Falten ent-i chrn; Keuschheit erscheint al» pure Zeitver- schw«ndung hi«r, wo da» Lebenslicht der Jugend so schrrell verlischt. Früher dursten wir nach Dunkelwerden nicht ohne Begleitung auSgehen; jetzt können wir die ganze Rächt mit einem Mann allein durch die Verlosseiche Gegend fahren— vorausgesetzt, daß er in Uniform ist und wir Befehl haben, ihn zu fahren. Ich blicke in Iah«, di« kouunen werden, und sehe im Geist würdige Greise vor mir in ihren Lehnstühlen nick, hör« si« bittere Klage führen gegen uns, daß wir so gar nicht» mehr an uns haben von der Liebenswürdigkeit und Sanftmut unserer Mütter und Großmütter; daß wir eine Sprache reden, die nicht di« Sprache von Damen ist; daß wir«in« Tartz- bodeumoral haben, weil wir di« Liebe lutfit- deutlich als Betäubungsmittel benützen» um zn vergessen, da wir unS nun«irunal gewöhnt haben, so viel wie nröglich vom Leiben zu n«h- nien, solang wir am LÄen sind... Und di« nächst« Generation... unsere jüngeren Brüder und Schwestern... junge Geschöpf«, aufgcwachsen in einer Blut- nick» Haßatmosphäre—, ich sehe sie hart und un- empfiicklich und kalt... gefühllos, ungütig,| grausam kritisch, rücksichtslos, voll Groll gegen' unS, di« wir ihr« Kiickcheit um ihr«n.Glan; betrogen haben... Und ich sehe uns als«ne Rasse für sich, uns Kriegsprodukt«— gefürchtet von den Alten und gemieden von den Jungen—, eine Rasse von körperlich verstümmelten Männern und seelisch verstümmelten Frauen. WaS soll aus uns werden, wenn das Töten zu End« ist? stehen. Di« Ehesitteu in Tibet sind, wie alle Forsch» ugsreiscnde berichten, srhr verschicden- artig. Es gibt Gegenden, in denen di« Frauen den, Manne, den sie sich gewählt haben, unbe- dingt treu bleiben müssen nnd in denen daher besondere Häßlichkeit als Schutz gegen jede Bcrführnng gilt. In andern Gegenden aber wechsel» die Fraue» unbedenklich die Männer und haben mehrere Gatten. Besonders besitzen mehrere Brüder häufig mir eine Fran. Trotzdem wird auch von diesen Dame» verladt, daß sie in ihrer Erscheinung recht unscheinbar auftreten, denn der Tibetaner hegt stets die Furcht, daß die Frau, die ihm gehört und dient, die begehrliche Aufinerksantkeit Fremder erregen könne. Zahlen. Die Lehrmeister in der Kunst des Zählens und Rechnens sind die alten Inder gewesen, die auch besonders an großen Zahlen Gefallen fanden und gelegentlich bei ihre» vielen Zahleuspielereicu immer neue Zahlwörter schufen. Wir zählen z. B. bis 10 und fangen dann wieder von vorn an, indem wir Einer nnd Zehner kombinieren, bis wir zu 99 gelangen. Start Zehnzig sagen wir dann Hundert. Bei zehn Hundert erst haben wir ein neues Zahl- wort; wir sagen Tausend. Erst in' weiter Ferne komurt wieder rin neues Wort: die Million, und je höher wir steigen, desto unbegreiflicher wird uns die Bedeutung der Zahl. Aber eine Million ist uns schließlich noch geläufig. Dennoch staunen wir, wenn wir hören, daß«in Jahr mehr als 30 Millionen Sekunden zählt. Manche finden das zu viel, manche zu wenig. DaS Wort Million bedeutet taufend mal tausend und entstammt dem Italienischen. Zuerst wurde es 1494 erwähnt und war Lomals so viel wie ,^ehn Tonnen Goldes". DK Bezeichnungen und Namen Billion, Trillion ufw. waren vor wenigen Jahrhunderten noch gänzlich unbekannt. Erst im 18. Jahrhundert wurden sie von Asttonomen und Mathematikern erfunden und angewandt, da mm» mit den bisherigen bekannten Größen nicht mehr auskam. Eine Billion ist Million nmk Million. Diese Zahl ist uns ja gerade durch die Inflation sehr geläufig geworden, die durch ihre Zahlengrößrn schon fast ein« Art aftto- nomischer Unterricht gewesen ist. Aber mit dir Billion ist noch lange kein Zahlenende«r reicht. Million mal Billion nennen WA Trillion. Achtzehn Trillionen Weizenkörner schuldet noch heut« der König Shrhram in der bekannten Sage dem Erfinder des Schach« spiels Sesia. Aber weiter und weiter geht es. Million mal Trillion ist ein« Quadrillion. Ein Pfennig; zur Zeit Christi mit 4 Prozent Zinsen angelegt, wär« heute ein Bettag von mchr M 900.000 Quadrillionen, also annähernd rin« Quintillion, Mark. Als Kuriosum sei auch noch erwähnt, daß das Wort Milliarde für 1008 Millionen erst im Jahre 1880 in der fianzöch- scheu Finairzsprachc aufkam. Nita uM Insekten. In Reclams Universal-BibllOr. thek erschien: Dr. Kurt Kraute, Prof, und Kustos am Botanischen Museum der Universität Berlin:„Blüten und Insekten". Mit 30 Abbildungen im Text und einer. Karte.(Nr. 7067—69.) Geh. Mk. 120.» Ganz). Mk. 2.—. Der Gegenstand des Btt-' dies gehört'zu den reizvollsten der gesamten biologischen Wissenschaften. Die Beziehungen zwischen Blüten und Insekten sind so eigenartig und in ihrer Eigenart wieder so wechselvoll, daß sich der Leser auf Wunderland zu bewegen glaubt Das Beste an den geschilderten Naturwundern ist aber, daß jeder Naturfreund sie nachprüfen kamt wozu ihm der Verfasser in einem besonderen Kapitel die Anleitung gibt Gerade die volle Blütenpracht des Frühsommen lockt zu solcher Betrachtung des wunder-' baren Zusammenspiels zwischen Blume und Insekt- r ftoMreaepte Um Drucksircktu aus Plüsch zu ratfernett, legt man«in recht feuchtes Tuch auf«in heiße» Plätteisrn, darüber den Plüsch mit der linken Seit« dem Eisen zug«krhrt. Ter heiße Dampf zieht von unten durch den Stoff, während man' diesen rechtsseitig vorsichtig mit einer weiche» Bürste aufranht. Zittonen werden besonders ergiebig im Saft, wen» man sie vor dem Ausdrücken ans di« heiß« Herdplatte, in di« Ofenröhre oder sonst irgend einen warmen Ort legen kamt Durch kräftiges Drücken oder Rollen der Früchte vor dem Auffchneiden erziel: man eben». falls rin« größere Ergiebigkeit.> Am Bürsten jeder Art laug« zu erhalt«, behandle man sie folgendermaßen: Man lege dis Bürste stets auf die Borsten, weil sich sonst der Staub sehr leicht dazwischensetzt und die Bürst« infolgedessen öfter gereinigt werden muß. Da Rässe die Borsten weich macht, reinige man sie möglichst durch Reiben mit trockener Mandel- klei«. Läßt sich«in Waschen mit Wasser und Seif« nicht umgehen, so nehm« man nur kalte», nie heißes Wasser. Zum Trockne» lege«an die Bürste nie auf den Rücken, weil dadurch Feuchtigkeit in di« Bürstenwand olnzieht. 4 Fatal. 9» ungarischem Jargon von Karl ftauioL Hob' ich unterm Baum geiezen, .Draußen, wo man sogt: Am Load. Hob' ich von mein Platz gesogen Ollcrlei und ollerhond. Menschen sein vorbeigezogen. Plötzlich ober, wie der Wnd, Kommt«in junger Paar gelogen. Weibel vorn und Manix! hink'. Sitzen sie aus Tandemradü. Denk' ich:„Schau, wie schön dal ist!" Hot sich umgedraht der Madel, Hot der Mandel ihm gekißt! Hätt' mir g'foll'n, wie di« am Radel Sich hab'« busselt lieb urch traut, Wenn nicht wär' verflixter Madel Grod gewesen meine— Braut! Was mancher nicht weiß. Daß man aus«las Fäden herstellen kann, ist weniger bekannt. Das Verfahren besteht darin, daß bei mäßiger Hitze das Glas zu Fäden ansgezogcn wird. Dadurch wird or- reicht, daß man aus einem Kilogramm Glas «inen Faden bis zur Läng« von 5000 Kilometer erhält. Di« Erfindung des Abhafpelns der Seid« wird«wer Frau. zugeschrieben, nämlich der chinesischen Kaiserin Si-lang-skü, die 2700 v. Ehr. lebte. Sie wurde aus diesem Grund« nach ihrem Tod« unter die Gottheiten ausgenommen. Ma« hat berechnet, daß di« Zerstörung der Werte im Weltkrieg so groß war. daß etwa der 80. Teil oller in der Welt vorhandenen KohLn notwendig wäre, um seine neatenellen Verluste wieder gut zu machen. Der Bodeusee dürfte durch die Ablagerungen des Rheins in etwa 12.000 Jahren auSge- füll: sein. Im Amazenrnftrom lebt rin Fitch, Voto genannt, der außerordentlich stark atmet und im Sch.'as« sogar schnarcht. In den Jahren 1SV5 bis 1921 stellt« das Lowell-Observatorium in Flagstoff(Arizona), das sich hauptsächlich mit der Erforschung des Mars beschäftigt, mit deut Llzölligen Instrument allein vom Dtars 100.000 schatographische Aufnahmen her. Die Gesamtzahl dar Planetenaufnahmen während der Zcit betrug rund 880.000. Ein merkwürdiges Familienfest konnte kürsi^ich ein Amerikamr begehen. Er feierte uSmlick an: gleichen Tage Sie Konfirmation «in«r Tochter aus erster Ebe, die Taufe eines Sohnes aus einer zweiten Ehr und seine eigen« Vrrmähinnq mit seiner dritten Frau. Die Ameise« sind viel langlebiger, als «an gewöhnlich aiimmmt. Der berühmte englische Ratnrkorschcr John Lnbbock behauptet, ztvci weiblich« Ameisen schon fünfzehn Jahr« am Leben rrhalxii zu baden und ist der Meinnuq. daß die Ameisen di« laugirbigüen «Her Insekten sind. Die Stadt Damaskus heiß: bei den Geo- graph.-n Arabiens das„Stattet uml auf der Wange der Weir",„dos Gefieder der Paradieszyanen".„Halsband der Echönbeir". Rach der Sage wurde hier ans rötlicher Eide Adam gebildet. Da» Gehirn de« Manne» wieg: im Durch- Schnitt 110 Gramm mehr als das der Fran. Di« längst« Zeit, di««in Mensch ohne Aas- leben kann, ist eine Woche. Heiteres. Bei Herrschaft«»-. Besucher:„Und wi« such Sie mit der neuen Köchin zufrieden?" Hausfrau:„Sie ist ja noch gar nicht gekommen." Besucher:„Wer sie sollte doch am Mittwoch kommen." Hausfrau:„Ach, Sie meinen die alte. Ich dacht«, dir neu«, di« kommt erst morgen!" Ferien. Mutier:„Aber Max, du hast ja deine Zahnbürste«nzupacken vergessen!" Max: „Aber Mutter, ich gehe doch in die F«ri«n!" Der Klempner war bestellt worden für«in* kleine Reparatur in der Küche. Eine Staub« ist vergangen, und der Hauken will sich nach dem Stand der Dinge umsthen. Er öffnet die Küchentür und überrascht fein« Stütze im zärtlichen tete-a-tet« mit tarn Klempner.^„Anna", fährt ar ärgerlich dazwischen,„w«nn es der Milchmann oder der Briefträger ist— schön! Aber der Klempner— ausgeschlossen! Dan hab' ich die Stunde zwei Mark zu zahlen!" Gastlichkeit. Dor Besucher fragt Willy: „Willst du mich bei dem schönen Wetter nicht «in Stückchen begleiten?" Willy brummt:„Ist ausjeschlossen! Wenn Sie weg sind, essen wir MittagSbrot!" Schwierig« Anrede.„Ich weiß nicht, wie ich diesen Herrn U. anreden soll? Mit hoch- verehrter Herr?"—„Keinesfalls. Ein dummer Kerl, wie der, verdient so was nicht!"— „Na, wie denn?"—„Rennen Sie ihn geehrter Kollege." Am Schluffe der Novelle. Leidenschaftlich preßte er die Geliebte an sein Hör;!—— Nachdruck verboten... Schlagfertig. Eine Anzahl Bauern sitzt noch spät abends in der Kneipe. Da tritt der Flurwächtor ein, um sich ain wärmendes Schnäpschen zu gönnen.—„DöreS", ruft einer der Bauern,„mach' daß du hinauskommst, sie können mittlerweile alle Kartoffeln stehlen!" —„Sa, wer soll denn stehlen?" versetzte schlagfertig der Nurwächter.„Ihr seid ja alle hier!" Bernard Show. In einer Gesellschaft, in der sich auch Bernard Shaw befand, trieb ein Gedankenleser sein Unwesen.„Auch Ihre Gedanken, Rteister, kann ich lesen", wandte sich der Wichtigtuer an Shaw.— Shaw gab zurück:„Wenn so— weshalb sind Sie noch hier?" Di« uusentimrutal« Gattin. Ein« junge Dame hatte«inen viel älteren Manu geheiratet. Die Ehr hatte kaum drei L'--- bestanden, als der Mann schwer erkrankte.—„Doktor", sagt« die junge Frau zu dem behandelnden Arzt, ,^ommt mein Mann mit dem Leben davon? Falls nicht, fange ich nämlich gar nicht erst an, mich an ihn zu gewöhnen." Fragwürdige Aussicht. Arbeitgeber: Sie beginnen natürlich mit einen: niedrigen Lohn, aber Sie setzen dafür hier den Fuß auf die unierste Sprosst einer hohen Leiter.— Junger Kaufmann: Nehmen Sir eS mir nicht übel, Herr Direktor, aber Sie glauben doch nicht etwa, ich sei Fensterputzer oder Feuerwehrmann?" Der Borteil. Sie:„Glauben Sie, daß lange Verlobungen schön sind?"— Er:„Aber sicher; je länger die Berlobnng, um so kürzer die Ehe." Schach-Ecke. Alle Zuschriften und Anfragen an Gen. Scharoch Wenzel, Wifterschan bei TepIitz-TchSnou. Alen Anfragen ist Relourmarke beizulegen. 47. Fortsetzung. Wichtigstes aus der EndBpiellehre. Leichte Figuren gegeneinander. Diese ScbluBspiele kommen noch seltener vor in der wirklichen Partie, als die eben besprochenen. Sie sind, wie überhaupt die Kämpfe der Figuren gegeneinander, mehr von theoretischem Interesse. Merkwürdig bleibt, daß zwei leichte Figuren gegen eine leicht« Figur mitunter doch gewinnen können, zum Beispiel in der Stellung Weiß: Kc6; Ld6; SeS. Schwarz: Keß; Ld8. 1. 1*3! LgS oder anders, 2. Sd0+ K— 3. Sf7+ usw. gewinnt. Oder 1.. La5 2. Sd6+ K— 3. Sb7"r gewinnt, oder 1. Lg3 Lc7! 2. Lc7 Liß! 3. Sk6 L— 4. Sd5! und gewinnt Ein Springer verliert iedoch regelmäßig gegen zwei Läufer, ja bei sehr ungünstiger Stellung verlieren sogar zwei Springer gegen zwei Läufer, zum Beispiel Weiß: Kd2; Ld7. g5. Schwarz: Kbl: St?. gS. 1. Lt‘5+ Kb2 2. Ke? Slil 3. Kf3 Kc3 4- Lh7 und gewinnt da beide Springer erobert werden. Hingegen hält ein Springer remis gegen zwei Läuter beispielsweise in der Position: Weiß: Ka5; La4, iß. Schwarz: Kb6, Sb7. Unentschieden: cs wurde noch kein Gewlnn- veriahren entdeckt. Figuren gegen Bauern. Fast in allen Endspielen bleiben Bauern übrig. Darum ist die Kenntnis des Schluß- kampies der Figuren gegen Bauern sowie der Bauern gegeneinander von größter Wichtigkeit Wir müssen uns auf das aller- notwendigste beschränken. Dame gegen Bauern. Aus dem Endspiel Bauern gegen Bauern ergibt sich meist dieser Schlußkampf, wenn es einem Spieler gelungen ist einen Bauern zur Dame zu führen. Gegen einen und auch mehrere von ihrem König entiernte Bauern gewinnt die Dame leicht Ebenso gewinnt die Dame ohne Schwierigkeit gegen einen oder mehrere Bauern, wenn dieselben vom eigenen König unterstützt aber noch wenig vorgeschritten sind- Dame gegen einen Bauern aut dem vorletzten Feld. Es kommen nur Fälle ftt Betracht in denen der Bauer vom eigenen König unterstützt Ist. Man merke sich: Die Dame gewinnt immer gegen die Mittelbauern und gegen die Springbauern. Die Turm- und Läuferbauern vermögen das Spiel unentschieden zu halten, wenn der feindliche König zu weit entfernt ist BUd 79. Dame gegen Mittelbauern. Weiß am Zuge gewinnt. Weiß gewinnt hier wie folgt: 1. Di5r Kg2 2. Dg4+ Kf2 3. Df4+ Kgl(g2). 4. De34- Kfl 5. Df3+ Kel(jetzt verstellt der König seinen Bauern; Weiß hat Zeit zu einem Königszug). 6. Kc6 Kd? 7. Dd5+ Ke? 8. De4+ Kd? 9. Dd4+ Kc2 10. De3 Kdl 11. Dd3-r Kel 12. Kdö(die zweite Annäherung) Kf2 13. Dd2 Kfl 14. DM+ Kg? 15. De3 Kfl 16. Df3+ Kel 17. Ke4(dritter Königszug) Kd? 15. Dd3+ Kel 19. Ktt! Kfl 20. DX«2+ Kgl 31. Dg2 matt Fortsetzung folgt