2*r> 4®. Untrr^aitnnae&eilagc. 1930. GesGüfÄknse der Liede. Von snaty^>a« SJinn, 3trto*^orf. Wenn man nach der in beit letzten Jahren stets sinkenden Gesamtzahl der Eheschließungen in den Bereinigten Staaten schließen darf, so scheint bi« amerikanisch« Frau l»enig«r al» bi« europäische an der Legalisierung eines Liebes- bundes durch bi« Ehe interessiert zu sein. Aber kein« Frau der Welt stößt öffentlich so herz- belvegrndc Klageruf« wie bi« amerikanische Frau au», wenn ihre Hoffnungen auf Eheglück getrogen haben, und kein« Frau brr Welt verlangt und«rhält so beträchtliche Ent- schäbigungssummin Ur verminderte Heiratsfähigkeit, unerfüllte Ertvartungen und gekränkte Gefühl«. Erst kürzlich lag der gesetzgebenden Körperschaft des Staates Rew Hark die Samberg-Bill vor, die die Lasten der„Sklaven der Alimentation" erleichtern sollt«. Der Gesetzent- wurf«rfnhr da» gleich« Schicksal.wie alle seiner Borgänger:«r starb bereits im Ausschuß eines sausten, unrühmlichen Todes. Rach wie vor bilden die im„Lande her Freien" von Richtern alS Entschädigungssummen Nr Bruch eines Verlöbnisses,„Entfremdung der Gefühl«" und als Alimente zugesprochen«« Beträge in Europa Anlaß zum Erstaunen und Gelächter. Der einzig« Staat, wo es AehnllcheS gab, war früher England; dort hat sich jedoch mit der Tätigkeit der weiblichen Geschworenen eine andere Rechtsprechung durchgesctzt. In der Tat kennt das Recht keines«nropäischen Staates derartige Folgen, wie sie dir Bereinigten Staaten auf den Bruch eines Verlöbnisses setzen. I» allen Staaten hat bei Lösung einer Verlobung der schuldlos« Teil lediglich das Recht, seine Geschenke znrückzuverlangen und Ersah der im Hinblick auf die bevorstehende Eheschließung gemachten Aufwendungen zu fordern. In den Bereinigten Saaten sind die Richter der Ansicht, daß der Kummer eines hübschen GirlS, verursacht durch getäuschte Heiratshoffnungen. mit einem Betrage einzuschätzen ist, der von den verschiedeuen Um- ständen, hauptsächlich aber, wie es scheint, von der Schönheit der Klägerin abhängt und sich zwischen 5000 und 500.000 Dollar bewegt. Es ist eine juristische Uebung geworden, daß«in« männlich« Jury dl« Höhr der Entschädigungssumme nach dem Aeußeren der„Verführten" bemißt, so daß die hübsch« Klägerin, die doch «her damit rechnen kann, daß sie«inen Mann findet als ihr« unscheinbar« Geschlechtlgenossi», dieser gegenüber im doppelten Vorteil ist; während«in« weibliche Jury di« Ansprüche der Klägerinnen mit weit gerechterem SpektizismuS beurteilt. Bor einiger Zeit trat der«in wenig verschwenderische Sohn«ine» bekannten Senators in«inen Juwelierladen der Fisch Avenue «in, um ein Geburtstagsgeschenk sü: ein« Bekannt« zu besorgen. Da sah er, über«in« Kassette mit Ringen gebeugt,«in junge» Mäd. chen, mit dem er einmal bei einem Klubabend getanzt hatte. ,Jch bewundere" sagt« di« junge, Dame, nur diesen Stein hier. ES ist mein Glücksstein; aber ich kann ihn mir nicht leisten"„Das ist aber traurig," sagt« der junge Mann.„Wenn Ihr Herz so an diesem Ring« hängt, werde ich ihn Ihnen kaufen." Und ohne nach dem Preis« zu fragen— das wär« doch nicht gentlemanlike— machte er ihn seiner Zufall-bekannten zum Geschenk Als di« Rechnung kam, erwies sich der klein« Glücksstein al» Smaragd im Werte von 5000 Dollar. Aber da» war noch nicht, alles. Der unscheinbar«„Glücksstein" erwies sich auch alt wichtige» Corpus delicti in d«m Prozeß, den di« jung« Dame gegen den Senatorssohn wegen B«Aöbni»bruch«s anstreng!«.„DaS ist das LiebeSpfand, mein« Herren von der Jury," so deklamiert« chr Rechtsanwalt,„das der Beklagte meiner Klientin schenkte, als er ihr ge» lichte, sie zu seiner Gattin zu machen!" Di« Familie de» jungen Kavaliers sah sich gezwungen,«inen Detektiv zu engagieren, der den Vielumworbenrn auf Schritt und Tritt begleitete und— wie man sagt— sogar im gleichen Zimmer wie er schlief. Junggesellen, di« nicht nur vermögend, sondern auch berühmt sind, laufen doppelte Gefahr. So wurden erst vor kurzem Gene Tunney und August Heckschrr wegen Verlöbnisbruches angeklagt. Enrico Caruso war ztveimal Beklagter in Prozessen wegen verminderter Heiratsfähigleit. Im ersten obsiegte der berühmt« Sänger, aber den zweiten verlor er dank einem Bündel zärtlicher Briese, di« die Klägerin von ihm in Hände» hatte. Es icheint überhaupt, daß Jnnggesrllrn beim Schreiben von Briefen an Mannequins, Manikürsräuleins, junge Witwen und vor allem an Damen vom Ballett besondere Vorsicht wallen lassen müssen — besonders bei letzteren, di« diese Kunst, durch Brief« schnell reich zu werden, zur höchsten Vollendung gebracht haben. Es gibt Bände von Beispielen für di« Richtigkeit des amerikani- - chen Sprichwortes„Tur recht und fürcht« keinen Man»; schreib' keine Briefe und du brauchst kein« Frau zu Nichten." Was immer der Beklagt« zu seinen Gunsten Vorbringen mag, es fällt auf sein eigene» Haupt zurück. Er mag dartun, daß di« Klägerin zu der Zeit, al» er sie umwarb, mit einem anderen verlobt war; der Gerichtshof erkennt diesen Umstand keineswegs al» Min- drrungsgrund an. Er mag Vorbringen, daß di« Klägerin niemals— laut ihres eigenen Zugeständnisse»— liebte, sondern nur auf sein Geld bedacht war; di« Richter werden nur ein Lächeln für ihn haben und erklären, daß die Klägerin eben in ihren finanziellen Eövar- tungen nicht getäuscht werden darf. Er mag beweisen, daß die„Verführte" unmittelbar nach dem Bruch einen anderen Mann gefunden hat; der Anwalt der Klägerin wird unter Beweistellen, daß das Einkommen de» anderen nicht so hoch wie das des BeAagten ist und dieser deshalb Nr den Ausfall aufzukommeu hat. Und mag der Bersolgt« in seiner Verzweiflung auch seinem Leben ein Ende machen, di«„Verführte" wird mit Tränen in den Augen di« ihr aus der Versicherung des gewissenlosen Verführers" zufließenden Banknoten einsteck«». Ist gar der Beklagte so tollkühn, beweisen zu wollen, daß die Klägerin nicht würdig war, sein« Frau zu werden, so läuft er Gefahr, daß nicht nur die Entschädigungssumme wegen seines„ungentlemanliken" Benehmens erhöht, sondern daß er auch noch wegen Verleumdung verurteilt wird. Richt so häufig wie der Berlöbnisbruch wird die„Entfremdung der Gefühle" als Waffe im Liebesgeschäsr Verwender, ost auch von einer Frau gegenüber einer anderen Wau. Tie zugesprochenen Entschädigungssummen sind sehr beträchtlich. Eine ländliche Jury erkannte vor kurzem, daß Mrs. TorriS S. Woodhouse einen Schaden von 465.000 Dollar dadurch erlitten hat, daß ihre Schwiegereltern ihren Gatten gegen sie anshetzlen, so daß dieser sie verließ. Man schäßt di« Zahl der Frauen in den Bereinigten Staaten, die von Alimenten ihrer geschiedenen Gatten leben, auf mehr als eine Million. Mehr als eine Million Männer also zahlen-Alimente an ihr- geschiedenen Gattinnen, von denen«in großer Teil sich bereit» wiedrr verheiratet hat. Erst in allerjüngster Zeit sollen der Gattin Marshall FieldS anläßlich der eben vollzogenen Scheidung 2 tim Milliou Dollar im Jahr Atimeme zu- «rkannr worden sein. Das wurde den bisher erreichten Rekord darstellen. Die Frau«ineS Chicagoer Hotelbesitzers erhielt den Betrag von zwei Millionen Dollar als Abfindung, und«ine junge ausländische„Goldgräberin", die in Rom einen amerikanischen Multimillionär » kenne» lernte, erlang» bereits nach halbjähriger Ehe den gleichen Betrag, solche Urteile sind schuld daran, daß es in den Bereinigten Staaten noch Schuldgefängnisse gibt. Eie heißen nicht so, sind. es aber. Das be- kan niest« dieser Art befindet sich in New Aork City in der 37. Straße.' Zur Zeit,- wo- diese Zeilen geschrieben werden, beherbergt es zwanzig Gefangene, die wegen Nichtzahlung von Alimenten in Hast genommen wurden. Daß das Liebcsgeschäft so erfolgreich ist, scheint vor allem-auf unser vollkommen veraltetes Eherechl, gegründet auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Berhältniffe, die längst nicht uichr bestehen, und auf die Tatsache zurück;»- führen zu sein, daß nicht in zwei Staaten der U. S. A. die gesetzlichen Bestimmungen über Ehe und Scheidung die gleichen sind. Immerhin müssen in allen Etaaien die beklagten Gatten, unabhängig vom Ausgang des Pro- zeffes, die gesamten Gerichts- und Anwalts- kosten bezahlen und die einstweilige Alimentation leisten. Wenn die Gattin geschieden wird und sich wieder verehelicht, wäre es dem geschiedenen Garren nicht anzuraren, seine Ali- mentrnzahlungen automatisch einzusiellen. Ast der zweite Gaue seiner geschiedenen Fran arm, so wird das Gericht ihn nur zu oft zur Weiterzahlung der Alimente anhalirn. An jungücr Zeit Hai der Fall eines Viehzüchters in einem westlichen Staat in ganz Amerika Aufsehen erregt- Er heiratete eine geschieden«. Frau und die ließ sich nach kurzer Zeit wieder vou ihm scheiden und heiratete erneut ihren rrs»n Garten. Selbstverständlich dachte der Biehzüchler nicht an Alimentenzahlung. Erst nach Jahren bracht« seine geschiedene Gattin eine Klage auf Zahlung der zu einem hohen Betrag« aufgelaufenen Alimente ein, und er sah nicht nur seinen Grundbesitz versteigert, sondern mußt« auch noch wegen Nichtbefolgung von Gerichtsbefehlen ins Gefängnis. Langsam beginnen nun die Richter zu erkennen, daß die Bestimmungen über die Leistung des ehelichen Unterhaltes, wie sie gegenwärtig gehandhabt werden, mirtelairrrlich sind. Vernünftige Richter, namentlich in den westlichen Staaten, legen sich di« Frage vor, warum «in« gesund«, kinderlose junge Frau ihr Lebtag der Jorge um den Lebensunterhalt enchoben jein soll, nur, weil sie einmal«in Liebesabenteuer hatte, oder weil ihr« Eh« ohne Bcr- schulden ihres Galten sich als unhaltbar er- wiesen hat. Es scheint also, daß die amerikanische Rechtsprechung sich allmählich besinnt, und di« deutlich absteigende Kurve der in Prozessen wegen BerlöbnisbrncheS zugeiprochcnen Erujchädiaunassummen ist vielleicht nicht nur au^Börscnkrach und Wirtschaftskrise, sondern auch auf die Einsicht zurülkznftihren, daß Busineß und Ehe vcrichieden« Tinge sein ivllten. Mache neun Kopien! von diesem schreiben und sende sie an neun Dir bekannic Personen, denen Du GureS wünscht. Diese Kette unzähliger Schreiben wurde im Krieg von einem ameri- kanischen Hauptmann des Art.-Reg. 411 begonnen und soll neunmal um die ganze Erde gehen,«ende die Kopien vierundzwanzig Stunden nach der Aufforderung wciter, unlerbrich die Kette aber nicht, sonst wird Dir ein schweres Unglück znstoßen. Folgst .Du dem Ruf, so wird Dir im Verlauf der nächsten liesin Tage ein unerwartetes Glück begegnen. Behandle dieses schreiben also nicht als Witz. M. L. L. Etzel verdankt sein Vermögen der Erfüllung dieser auferlrgten Pflicht. M. T. Papare gewann, nachdeui er die neu» Kopien abgesandl harte, das groß« Los der staaislorterie. Auch Womstay zog in Michigan den Haupttreffer. Franz de Lare dagegen, der diese Kerre nicht ernst. nahm, erlitt im Verlaufe von- neun Tagen den .totalen Verlust seines Vermögens und W. Denis aus Lissabon'erkrankte aus demselben Grund.schwer und starb bald danach." - Vor rnehr als zehn Zähren habe ich diesen -Brief zum erstenmal bekommen. In der Zwischenzeit zweimal: in Aralien und in Schweden. Jetzt ist er wieder da. Ach hab« mein möglichstes getan, die Kerre zu unterbrechen, indem ich sie an niemanden weiterleitete. Aber sie schein! auch oha« mich neunmal mir den Erdball zu gehen. Wahrscheinlich hat rarsächlich schon im Krieg irgendeiner daS psychologische Experiment versucht und der Masse der Mensch- heir einen kleinen Stoß gegeben, der sich bis heute weiterpflanzte und dessen Ende prakrisch »ich: abzusrhcn ist. Viel har er ja dabei nicht riskiert, bloß neun Briefe har er- schreiben müssen. Aber, weiß Gorr, unerhört geschickt ist er dabei gewesen. Er hat die Menschen an der heikelsten Stelle gepackt, an ihren abergläubischen Kouiplexen, und dann mit Zuckerbrot und Pritsche, mir Drohung und Belohnung operiert. Unterbrichst du die Kette, so verlierst dn drin Vermögen und bekommst es mit Krankheit und Tod zu tun,— führst du sie aber brav weirer, so kaufe dir rcchtzeirig«in Los, es wird innerhalb der bemessenen Zrir gewinnen. Nach vorsichriger Schätzung dürfte er auf diese Methode immer hin schon ein paar Millionen Menschen seinen Willen aufgezwungen haben. Leider weiß er nur vier zu nennen, bei denen sich die Drohung rTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTT John Dos P asso s, der Verfasser von„Manhattan Transfer", hat den Rahmen seiner ethischen Synthese, die in dem vorerwähnten Werk New Aork umfaßte, auf daS Banker-Amerika ausgedehnt. In seinem neuen Werk, das gleichfalls in deutscher Uebersetzung jetzt beim I.-Fi scher-Verlag, Berlin, vorliegt..„Der 42. Breitengrad", bedient sich der Tichier einer verfeinerten surrealistischen(übcrrealislischen) Technik, um die Summe der täglichen amerikanischen Schicksale zu einer Darstellung der ameri- kanischen Gegenwart zusammenzufassen. Aus dein soeben erschienenen Werk veröffentlichen wir mit Genehmigung des Verlages zunächst ans dem Schicksalsbericht eines amerikanischen Studenten den nachfolgenden Abschnitt: Die Kriegsbegeisterung in New Aork. An allen Häuser» hingen Fahnen, sie marschierten an«inen« Krschäftsblock nach dem anderen vorbei nnd suchten den„Times Square." Ucberall lasen die Menschen Zeitung. An der 14. hörten sic Trommelschlag nnd eine Musikkapelle, und sie warieteii an der Ecke, n>n zu sehen, was sür ein Regiment das sein würde, aber es war nur die Heilsarmee. Als sie auf de» Madison Square kamen, war es inzwischen Essenszeit geworden, und di« Straßen lagen verödet da. Es bcganir«in lveitig zn nieseln, die Fahnen an« Broadway und in der 5. Avenue -oder di« Versprechung belvahrheiter haben; kein besonders hoher Prozentsatz. Profitiert habe» hiervon(außer dein Welk- poswerein) noch verschiedene geschickt« Kaufleute, die sich die Weltumspannung dieser Methode znnutze machten. Bor kurzem versandte ein holländisches Bankhaus an Tausende von Adres. seit die Aufforderung, fünf Gulden zu zahlen und fünf Leute ebenfalls dazu zu bewegen, deren jeder seinerseits wiedrr je fünf Leu:«— und so weiter. Jeder, der fünf Zahlende aufgebracht hatte, bekam sofort zwanzig Gulden ausbezahlt. Er profitierte somit fünfzehn, das Kaufhaus zehn Gulden. Hätte alles geklapp:, so wäre auch diese Sache nm de» Erdball gegangen, mit einer in die Millionen wachsenden Schuld, die nienials ausgeglichen werden mußte, weil jeder Gläubiger, der befriedigt wurde, dafür doch neue Kreditionen brachte. Tatsächlich schritt die Sach« nicht so schön fort, wie man es erwartet hatte; unter einer Last von Belrugsanzrigcn brach das Unternehmen zusammen. Dagegen- lebt das- Neapolitaner Warenhaus„I fiori" fröhlich weiter— und gibt seine Slrumpfkollektionen nnd Sweater an Hundrrttausende in aller Welt zu einen! Viertel des Wertes ab. Man hat nur dir Vcr- pflichtilng, fünf neue Kunden zu nominieren, die diese Waren ebenso billig haben wollen, dasür aber je fünf neue Kunden aufzutreiben wissen. Ter Mann aber, der die erste, die unge- schästliche, die Glücks- und Unglückskette gegründet hat? Wer ist er, wo lebt er, wozu hat er das getan? Hat er wirklich nur gespielt— und konnte dann den Geisten«, di« er rief, die Kette, die er nm den Erdball schlang, nicht mehr Einhalt gebieten? Oder bezieht er doch von der Poft rin Aberglanbengchalt— genau so wie der Mann, der den Aberglauben aufbrachte, man dürfe die Flamme eines Zündholzes nicht dreimal verwende»— vermittlich von der Zündholzindnstrir? Hans Kafka. V V V V T"T T T< V-T» hingen schlaff von ihren Stange». Sie gingen in daS Hofbräu essen. Charley fand, daß rS dorr teuer auSsah, aber Doc sagte, er lade ihn ein. Urber dem Eingang stand ein Mann ans einer Strhleiier und schraubte die Birnen-in eine Lichtreklame, die das Sternenbanner darstellte. Innen war das Restaurant mit amcrika- nischeu Farben geschmückt, daS Orchester spirlkr nach jeder Numiner das Sternenbanner, so daß sie imrnerfort aufstehcn mußten.„Was soll daS heißen, wird hier exerziert?" brummt« Doc. An eincm runde» Tisch in der Eck« faße«« einige Leute, die nicht anfslanden, wenn die Kapelle das Stcrncnbanncr spielte, sonder» ruhig plaudernd und essend sitzen blieben, als ob nichts geschehen wäre. Die Leute im ganzen Rrslaurant begannen sie anzustarrcit und laute Bemerkungen z» machen.„Wetten, das sind— Hunnen— deutsche Spione— Pazifisten." An einem Tisch neben einem Mädel faß ein Offizier, der wurde rot im Gesicht, sooft er sie ansah. Schließlich ging ein Kellner, ein älterer Mann, ein Dentfcher, zu ihnen hin und flüsterte etwas.„Nein, der Teufel soll mich holen," kam «ine Stimme von dem runden Tisch in die Eck«. Dann ging der Offizier zu ihnen hinüber und sagte eiwaS über die Pflicht zur Höflichkeit gegenüber unserer Nationalhymne. Als er znrück- kehrle, war er noch röter ini Gesicht denn je. Er war ein kleiner Kerl mit krummen Beinen, die in engen, blankgepntzren Gamaschen- steck- Das» Spot» des neuen QImerifa. Bon John DoS PaffoS. keil.„Dreckige Tkitlschcnfteundc," kprudclr« er hervor, während er sich hinsetzt«. Tann mnßic er gleich wieder äufstehen, weil dir Kapelle S-rS Sternenbanner ipiclre.„Warum russt du nicht die Polizei, Cyril?" iagre das Mädchen, das neben ihm saß. Jetzt rückten bereits von allen Seiten die Leute gegen den runden Tisch vor. Toc schleppte Charley hinüber/„3irh ifir das mal an, das wird amüsant." Ein dicker Kerl mit dem schleppenden Akzent des Tr ranrrs zerrte«inen der Männer vom stnhl. „Äusstehen, oder raus mit euch." „Sie haben kein Recht, uns hier zu belästigen," begann einer der Männer, an dem runden Tisch.„Sie äußern durch Ihr Äusstehen Ihr« Zustimmung zu dem Krieg, wir äußern unsere'Mißbilligung dadurch, daß wir..." An dem Tisch« saß eine dick«' Fran mit einem roten Federhut, di« sagt« immerfort: „Sri still, sprich nicht mit ihnen." Unterdessen hatte die Kapelle zu spielen aufgehört. Alles Katscht« so kräftig wie nur möglich und schrie: „Roch einmal, so" ist es recht." Di« Kellner liefen nervös uinhrr, der Besitzer stand mir!-'» im Saal und wischt« seine Glatze. Der Offizier ging zu dem Kapellmeister und sagt«:„Bitt«, spielen Sie noch einmal nnscre Rationalhhmne." So wie der erste Takt ertönte, stand er stramm Habtacht. Die anderen stürmt«» den runden Tisch. Doc und der Mann mit dem englische» Akzent stießen einander an. Doe stellte sich in Positur,. um loSznschlagen. „Äoulmen Sie hinaus, wenn Sie boxen! wollen," sagte der Mann mit dem englischen I Akzent. „Laßt sie. in Ruhe, Junge," schrie Doe. „Ich nehni« sie mir draußen vor, gleich zwei auf einmal." Ter.rund« Tisch wurde umge- schmiisrn, und dir Gesellschaft begairn sich nach der Tür« zurückzuziehen. Die. Frau mit dem roten Hut hatte eine Schüffel Hummermayon» naise gepackt und wehrte ihr« Gegner dadurch ab, daß sie ihnen Maynonnaise ins Gesicht warf. In diesem Augenblick.erschienen drei Blaue und verhafteten di« verdammten Pazifisten. Alles stand uniher, wischt« sich die Mayonnaise von den Kleidern.- Tie Kapelle spielte abermals das Sternenbanner,, and alle versuchten mitzusingen, aber es war nicht sehr wirkungsvoll, weil niemand di« Worte kannte. Rachher gingen Toc und Charley in«ine Bar,»m«inen Whisky Sour zu trinken. Doc wollte sich«ine Revue anschaüen und fragte den Barkeeper. Ein kleiner, fetter Mann mir einem amerikanischen Fähnchen im Knopfloch hört« ihn fragen und sagte, di« beste Revue New Jorks sei bei Minski in der East Housten slrecr. Als Toc sagte, sie seien im Begriff, sich diesen Krieg mal anzusehen, spendiert« er einig« Lagen und sagte, er würde sie selber zu Minski führen. Er hieß Legal; bis zur Bersenkung der Lusitania, sagte, er, sei er Sozialist gewesen, jetzt aber sei er der Ansicht, man müsse die T«ulschen schlagen und Berlin zerstören. Er war ans der Konfektion und war sehr glücklich, weil er«inen großen Lieserungsaustrag für Hcerrsnniformen so gut wie in der Tasche hat«. „Wir brauche» den Krieg, um wieder Männ«r zu werden," sag:« er und schlug sich an die Brust. Der Hal. Bon Georg Mühlen-Zchulte. Dorothy schrieb in ihr Tagebuch: „Rie habe ich«inen Menschen mehr verachtet ats ihn. Seine wesentlichste Eigenschaft scheint di« Feigheit zn sein. Stundenlang schwimmt«r in seinem Boot draußen vor der Tür meines Badehausee Herrn». Er har eine Angckrur« in der Hand und tut so, als gehöre sein« ganze Aufmerksamkeit der kleinen, dummen Frderpose, di« auf deut Wasser tanzt.' Ader ich durchschau« ihn. Er Ist nicht bei der Sache, «ine Gedanken schleichen um di« Bretterwand des Badehauses herum, sie suche» nach einem Spalt, durch d«n sie nach mir spähen können. Einmal sank die Federpose unter. Er dachte Nicht daran, die Angel herauszuziehen. Als er es schließlich doch tat, war er sehr verwundert, daß ein Fisch am Haken hing. Er griss danach, während die Schnur in der Luft jchankelre. Ader da seine Augen an den Brettern liebten, Vinter denen er mich wußte, so vcrsehl'e seine Hand immerfort ihr Ziel. Eine ganze Weile ging das so. Tann befreite sich der Fisch und fiel ins Wasser zurück. Wenn das Tier B:- obachtnngsgabe und Humor hatte, dann wird es den Seinen eine lustige Geschichte von dem Mann i»l Booi erzählt haben. Di« See wurde lcbhasi nach dem Ereignis. Ich denke unr, das rührte daher, daß ihre Bewohner sich vor Lachen schüttelten. Morgens sieht er mich kommen, und mittags sieht er mich gehen. Niemals spricht er mich an. Sein« Blicke find die eines Berschm rch» tcikden. Dennoch wagt er nicht, mich nn>. irge-lü- eine Erfrischung zu bitte». Vielleicht denken Sic, mein Herr, ich werde das erste Wort an Sie richte». Taurit befänden Sie sich In«ineul tragischen Irrtum. Sic haben ein klassisllzcs Profil, urrd Ihr« Krawatte verrät Geschmack, aber das sind keine Köder, auf die Dorothy onbeißt. Diese entzückende Frau erlaubt sich, als ein Fisch von besonderen Ansprüchen zu gelten. Man muß mir Mur ausgerüstet sei», wenn man darauf rechn«, sie als Ben:« heiuizutragcn..." Immerhin konnte sich Tororhy nicht cm- halren, am Tage nach dieser Einlragnng dem einsamen Angler ein paar Bosheiten znzu- rnfrn. „Guten Morgen, mein Herr!" „Guten Morgen, gnädige Frau!" „Sir sind heute sehr zeitig aufgestanden." „Allerdings, llm diese Stunde beißen di« Fische am bestcn." „Ist«s möglich! Vermutlich hatten sie den Angelhaken in der Frühe für bekömmlicher als am Mittag. Meinen Sie nicht auch?" „Rein. Ich glaube nicht, daß dir Fische irgendeiner Uebcrlegung fähig find." „Ohne Zweifel ist es jo. Rehmen wir den Flunder. Sie weiß genau, welche schreckliche Enge in einer Räucherwarenkiste herrsch:. Infolgedessen läßt sie sich fangen, bevor sie einen Bauch wie ein Kommerzienrat har. Oder betrachten wir den Hering. Er kennt den Wert des Kaviars nnd ahmr ihn in ziemlich geschickter Weise nach. Oder den Rollmops..." „Gnädige Frau, sie machen sich lustig über mich." „Durchaus nicht! Ich wünsche nur. Ihnen eine bessere Meinung über die Fische beizubringen. Fische sind intelligente Wesen, mein Herr. Gorriob können sie nicht jprcchcn!" „Warum gottlob?" „Weil Ihnen zum Beispiel der Barsch, de» sie gestern ins Wasser falle» ließen, etwas gesagt hätte, wegen dessen sie sich mit ihm hätten dnellirrcn müssen." „Sie haben«in« sehr spitze Zunge." „Aber sonst bin ich. doch wohlproporrio nicri, nicht wahr?" . Srdanken-Splittei'. .Ihr Männer seid doch merkwürdige Ge». schöpfe! Wenn euch irgend«rwas vrrquer geht, so müßt ihr. euch gleich betrinken oder«uch auf irgendeine Werse ins Unglück stürzrn. Ihr seid nicht besser als Wickelkinder. Andersen Rczö(„Pelle der Eroberers. Ermahnen ist besser als schelten. Jenes ist saust und freundlich, dieses hart und rückpchtS» los; jenes sucht die Fehlenden zu bessern, dirsrst aber nur zu übersührrn. Epikret. Der Schneeball und das böse Warr,, . Sie' wachsen, wie.sie rollen, fort. Eine Handvoll wirf zum Tor. hinaus, Ein Berg wird's vor des Nachbars Haust. Wilhelm Müller. bei Teplitz-TchSnau. UM»»frage» Ist Mntanft belznlege». Schachaufgabe Nr. 13. Vm Gen. Schöpka Josef, Eldllta. Schwan: KH(1). a b c d r ir b ö ■■■■ EHSäSJT 8 7 » SS SL.IS §03 8 0 4 1 IHM 8 K M a>. c d- r j b WetB: Kil7; Dfl; SdS; BcS(4>. Matt in 2 Zügen. Lösungen sind bil längstens 14 nach Erscheinet! der Aufgabe aa Scharoch Wenzel. Zwettnlts. elnxusenden. Lösungsxug za Nr. 13: Kd-fl. Biohiigt Lösungen sandten nachfolgende Genossen eia: Walter I.udwlr. Kwltkau; Hteka Josef, Meistersdorf: Schlosser Heinrich. Amler Ludolf. Graupen; Sockel Eduard. Trnpochlti; Non mann Alfred, Bodenbach; HLIbtzr Johann und Bräutigam An«««», Bergesgrün: Löffler Fraaa. Karblta; Demel Rudolf, Schirm dorf b. BShm.-Trtban