UnterOattMoMeilasr. 1931. ES war sehr ärgerlich, daß Pfarrer Jaritsch noch immer keine Einleitung zu seiner morZigen Predigt einfallen wollte. Sie fällt« sehr feierlich jein, zumal auch di«, Baronin, die Patronin der Psarrsprengels, ihr« Anwesenheit in der Kirche zugesagt hatte. ES sollte«twak Blendendes fein, etwa», was hell erstrahlen und auch die schöne Schloßherrin begeistern und auf die Pfade der Tugend zuruckführrn sollte. Die Kunde von den vielen Männern, zu de« sie Beziehungen unterhielt, war bis hiecher gedrungen. Neben einem Dragonerleutnant hatte sie auch einen jungen Stallmeister, den sie Kindcheu nannte. Ueber das alles dachte der Pfarrer Ja- ritsch nach und es ist daher nicht verwunderlich, daß ihm keine Einleitung zur morgigen Predigt einfiel. Auch der Text fiel ihm nicht ein. Einen Jahrgang des„Predigers" hatte«r bereit- vollständig durch- gevlättert und die Aufschriften der Predigten gelesen.„Der Lebenstvaitdel im Sinne des Geistes oder des Leibes. Die Sicherheit der Erlösung. Der wahre Trost." Bei der letzten Aufschrift hielt er inne und erinnerte sich obennal- der Fran Baronin. Ach. Frau Olga v. Haberecht, das war der wahre Trost. Er seufzte tief wnb erging sich wiederum in Gedanken an sie und an ihre Sünden. Ms der selige Baron, ein näselnderj Greis, sie kunerckrute, lvar sie achtzehn Jahre alt und half der Wäscherin beim Wäschewaschen. Dann schickte der alt« Baron sie in die Stadt, damit sie tanzen lerne, und später pflegte sie vor ihm zu tanzen. D»S hatte ihm der Ortsschullehrer erzählt, ein Merrsch, der von aller Romantik begeistert war, denn er war jung und von unmöglichen Träumen und Idealen erfüllt. Der Lehrer erzählte auch, die pikante Frau habe den Baron dermaßen bezaubert, daß er sie zur Frau genommen habe. Dann hatte sie«in Kind mit einem Lakaien und bald darauf starb der Herr Baron. DaS Kind starb ebenfalls und Fvau Baronin von Haberecht stand, umringt von Verehrern, als selbstättdige Besitzerin einer großen Herrschaft in der WeÜ. Im Schloßpark pflegte di« schöne, ver- sllhrerksche, Fran an der Seite ihrer Lieb- Die Vredigt. Do« JarMmb£>afc$et. Haber, die sie häufig wechselte, spazieren zu gehen. In mondklaren Nachten schienen di« Zeiten der alte« Lüstlinge zurückgekehrt, aber statt der Immergrün-, Zypressen- und Piuienhaine des alten Roms senkten sich di« Schatten deS modernen Parks auf sie her» ab und verschlangen in irgendeinem Winkel die Seufzer und Umarmungen der Frau Olga von Habe recht. „Da schau her," sagte sich Pfarrer Jä- ritsch,„ich frage noch an zu dichten. Zum Taufet, was fasst mir ein!" Ex öffnete da§ Brevier und las:„Der Eitelkeit ist daS Geschöpf sicher wider feine« Willen unterworfen, aber um dessentwillen, der«8 unterworfen hat. In der Hoffnung, daß auch dieses Geschöpf erlöst werde von dcni Dienste der Lästerung im Siegeszug der Söhne Gottes." „Daraus werde ich nicht klug," seufzte er,„ich werde mir lieber zur Beruhigung «ine Pfeife anzünden." Er trat atm Fenster, wo seine Pfeife stand, stopfte Knaster hinein und zündete sie an, preßte den Tabak zusammen und begann im Zimmer auf und ab zu gehen, wobei er vor sich hinbrummte:„Am vesten, ich fasse di« Predigt so kurz als möglich, ober stark. Sie muß wie«ine Bombe wirken. Am besten, ich tverde von der Unmoral sprechen i und betonen, daß uns nur die rasche Ab-' kehr von unseren Begierden von der ewigen Verdammnis retten kann." Er sthaute in den Spiegel«nd erblickte sich dort mrt der Pfeife im Mund, erhitzt durch die Gedanken an das unsittliche Leben der Baronin, di««r gern geläutert hätte. Er sah, daß er eiu ganz hübscher Manu war. Seinem Antlitz merkte ruan«och nichts von feiner Dicke an, regelmäßige Züge schauten ihm aus dem Spiegel entgegen. Er wußte nicht recht, wie es geschah, daß«r die Pfeif« beiseite legte und ein Stück Werg ergriff, mit dem er das Pfüj-rnrohr reinigte, worauf er das Stück Werg zusam- menrolltc. unter di« Ras« hielt und wie «inen Schnurrbart aufzwirbelte. Er sah so sehr gut aus.„Wie ein Dragmrerleutnaut," sagt« er sich,„wie«in richtiger G«ck." Er ließ seine« Blick durch daS Zimmer schweifen, über di« Diplome verschiedener religiöser Veretuigungen, über daS Bild deS Papst«-«ich über ander« Heilig«, ließ da? Stick Werg auf den Boden fallen und ging in de« Garten. ES tvar einer jener traurigen Herbst- tage, an denen Erinnerungen an all das, was längst vorbei ist, zu uns zurückkehren, allerdings nur dann, wenn wir sie heraufbeschwören, so, wie jetzt Pfarrer Jaritsch all seiner Wunsche gedachte. Die erfüllten ihn stets, wenn er suhlte, daß seinem Leben etwas fehlt«, daß ihm an jede« Manz man- ?Me, mochte der auch nur von kurzer Dauer «in. Und während er dem kühlen Wirch, der durch den öden Garten strich, di« Stirn bot, sagte er:„Ach, die Karten können mir di« Fran nicht ersetzen." Aber dann winkte er mit der Hand und rief zu den kahlen Baumkronen empor:„Apage fatanas!" und kehrt« in das Pfarrhaus zurück, in die ivarme Sttrbe, wo er, nm sich zu erwärmen, Wacholderschnaps trinken konnte, was er mit großem Appetit tat. Mit einer energischen Geste warf er in «in geöffnetes Schreibtflchfach die Photographie der jungen, schönen Frau Olga vi« Haberecht, die ihm der Verwalter deS Schlosses vor einiger Zeit mit der Bemerkung— der Herr Pfarrer möge seine Patronin betrachten— geschenkt hatte. Mer seine Predigt ging auch nicht recht vonstatten, als auf Thomäs Kempis: Die Bücher von der Nachfolge Christi, das Bild der schönen Frau kg. Er schlug Thomas Kcmpis auf und las: „Denn wir sind nur durch die Hoffnung erlöst. Die Hoffnung, die man sieht, ist aber keine Hoffnung. Denn warum sollte man auf etwas warten, das matt sieht!" „Mein Fall ist eine hoffnungsvolle Liebe," sagte er sich, schlug das Buch zu und begann sich anzukleiden.„Am Besten, ich gehe ins Kasino und spiele eine Partie Tarock." Er verspielte an jenem Tag und begann zu trinken, was ihn melancholisch stimmte. In der Nacht kehrt« er heim, setzte sich an den Schreibtisch und schrieb seine Predigt. Die Abendunterhaltung hatte bezüglich der Frau Baronin sehr ungünstig auf ihn gewirkt. Er hatte lauter recht nette, ihm bisher unbekannt« Dinge über sie erfahren. Also nicht nur der Stallmeister, auch der Chauffeur!„Daß sie sich nicht 5 Kopf drehte. Und statt gegen die Unmoral sich zu ereifern, begann er von der Kanzel herab vor» Engeln und der Schönheit zu sprechen. Als er dann von der Kanzel in die Sakristei trat, stand dort bereits der Diener der Baronin und reichte ihm ihre Visitenkarte, auf der geschrieben stand: „Nach der Messe erwarte ich Sie ehrerbietig znrn Mittagessen! Sie sind ein Dichter. Olga von Haberecht." Sein Leben lang hatte Pfarrer Jaritsch nicht so schnell die Messe zelebriert wie damals. Er verschluckte das ganze:„Jta inisfa cst!" y y y v y'v y Das Wunder von Golconda. Wunsch, das Meer zu sehen. Ich sah das Meer noch nie— obwohl der Erde Oberfläche znm größten Teil, sagt man, vom Meer bedeckt soll sein. Ich würde mir's ja herzlich gern« Sonnlags ansehn, doch ist das nur«in frommer Wunsch— und der genügt, das weiß ich, leider nicht allein... Ich zähle manchmal meine Ausgehgroschcn: So zwei Mark— drei Mark, und was Kupfer— na, das reicht nicht weit, und außerdem— weun's Geld schon stiulinen würde, dann stimmre es noch lang' nicht mit der Zeit! schämt." murmelte er,„so jung und so verdorben." Die Feder begann über das Papier zu fliegen und Pfarrer Haritsch verfaßte eine scharfe Predigt, die schärfste, die es vielleicht je gegeben hat, streng und hart, mit Stacheln, die raffiniert nach der Frau Baronin zrelten. Und am folgenden Tag kam■ er grausam, hart und erbarmungslos mit seiner Predigt in die Kirche. Als er die Kanzel bestieg, sah er in der ersten Bank die Frau Baronin sitzen. Ihre grünen Aügkn blickten ihn so merkwürdig friedlich an, daß sich rhm beim Anblick des entzückenden Geschöpfes-er »yyyyyyyy yyyyyyy^yyy Die Kajjerrnt« bringt den kolumbianischen Farmern immer viel Aufregung, denn sie stehen jedesmal von neuem vor der Notwendigkeit, Arbeiter in den stundenweit entfernten Dörfern zu werben. Bereits lange vor der Ernte setzt ein« Agitation«in. Und di« Verwalter und Agenten scheuen weder Kosten noch Mittel, um Arbeitskräfte zusammenzutrommeln. Die Kafsee- bohn« muß ja in ganz kurzer Zeit gepflückt sein, sonst fällt si« in den Boden und ist ver. loren. Jeder Verwalter wird daher ernstlich bemüht sein, den anderen mit Werbemitteln zu übertrumpfen. Der eine bietet besseres Essen. Etwa di« doppelte Portion Fleisch pro Tag. Der ander« ein hÄbcsl oder gar«in ganzes Pfund Syrup mehr!' Ja, der Syrup! Den müssen die eingeborenen Arbeiter.(Indianer, Mestizen und Negcrmischlinge) haben. Eher litten sie em«' Kürzung des Lohnes. Ihren Syrup können sie nicht entbehren. Ter ist jeder Verteidigung wert. Dieser Syrup, aus Zuckerrohr gewouuen, wird von den Eingeborenen mit Wasser verdünnt, in ausgehöhlten Früchten(ähnlich unserem Kübel) aufbewahrt, die mitunter bis zu A) Liter fassen. Innerhalb weniger Stunden fermentiert diese Flüssigkeit und ergibt rin stark alkoholisches Getränk. Solch«in Gefäß ist«in Schatz für seinen Besitz«! und nur noch mit der ringcrauchren Pfeif« des passionierten Rauchers vergleichbar. I« älter das Gefäß,'desto reichlicher hat sich der Kärpilz ang«s«ht, u>n so rascher fermentiert das kostbare Getränk. Es hat sich erwiesen, di« Farm, di« den meisten Syrup verspricht, gewinnt Arbeiter genug. Freilich nicht immer gut« Arbeiter. Denn der' vi«l« Syrup muß sich naturgenräh auswirken. Und mitunter saufen sie schon in den Morgenstunden und fallen hernach besoffen und unbekümmert Mischen die mannshohen Kaffersträucher. Der Verwalter aus Golconda wußte vom Syrup«in schmerzliches Lied W singen. Deshalb tüftelt« er ein gleichermaßen zugkräftiges Werbemittel aus. Er trug bei Nacht und Rebel«in Bild an den Fluß und klemintc es aufrecht zwischen die hohen Nfcrsteine. Ein Madonnenbild, aus der Rumpelkaminer des' Farmerhauses. Alt und staubderdunkelt. Eine süßliche Madonna spanischen Stiles. Der eingeborene Kolumbianer ist durchweg getaufter Katholik und betet ebenso gern und »ft, als er trinkt. Je primitiv«! seine Lebensformen, um so gläubig«! ist er und opfert freudig seinen letzten Cent für ein Wachsherzcheu. Jedes kolumbianische Dorf muß seinen Heilig««, oder sein« Heilige haben. Immer ist dieses Heiligenbild ans mystische Weise ins Dorf gelangt und wird, bei allen Gelegeitheiten an gerufen. Es bekommt sein Fist und wird in großen Prozessionen herumgetragen. Mit Böller- schüffen, Raketen und Stierkämpfrn gefeiert. Ein Dors ohne Heiligen ist unrentabel für den Pater. Am anderen Morgen schon wurde das Wunder von Golconda ausg«ruf«n. Ein Farmarbeiter hatte«s zuerst entdeckt. Und bald wuß- en sie«8 auch in der Nachbarplantag«: Der Flnß hatte«in« Heilige angeschwemmt über Nacht!! Di« Eingeborenen waren toll vor Aufregung und Beg«ist«rnng und schleppten die Heilige nach Möglichkeit feierlich in das Farmerhaus. Sie beanspruchte» sofort den besten Raum für die Heilige und bekamen ihn. Er wurde rasch in ein Kapellchen umgcwandelt, zu dem- jeder Zutritt haben sollte. Wundertag«! Die Arbeit ließ der Verwalter heute ruhe». Es wurde gebetet, geböllert und gesoffen. Prügel und blutige Köpfe gab es auch, denn«in paar heidnische Kreaturen mochten die Heilige nicht anerkennen. Nein, der Verwalter halt« sich nicht verrechnet. Nach wenigen Tagen scharten sie sich aus den Dörfern von weit und breit herauf. Männer, Frauen und Kinder. Um di« funkelneue Heilige auf Golconda zu besuchen. Ihren S«gen zu erbitten. Ter primitive Altar war bald über und über mit dicken Kerzen besteckt. Und Kein Geld und kein« Zeit, das Meer zu sehen.. So liest man höchstens drüber, sieht's in Filmen, denkt sich was dabei— (vielleicht Grundfalsches!)— doch man träumt und träumt halt tvenn die Sehnsucht überschäumt. Ma» macht sich kühn«in eigenes Bild zurecht— ist's auch nicht echt— di« Sehnsucht, die ist einwandfrei!- Tutt, ein Wirker. in knapp drei Wochen tvar die Ernt« herein! Di« Oelmadonna halt« Wunder gewirkt. Welcher gläubige Indianer schlüge es wohl aus, aus Golcondas geweihtem Boden zu arbeiten. Ernt«. arbeit«r in Hüll« und Füll«. Der Verwalter durste sogar getrost die Löhn« senken uüd di« Beigaben schmälern. Endlich kam auch der nächst« Dorfpater angeritten. Ein dicker, erzürnter Herr. Er hatte nicht nur von der illegitimen Heiligen gehört, sondern am schmerzlichsten ihr« Wirksamkeit verspürt. Aber nur an dem beträchtlichen Ausfall der üblichen Spenden.— Di« Auseinandersetzung war heftig und unheilig. Hochwürden erklärt« die Heilige für Betrug und unlauteren Wettbetverb. Es gäbe nur ein« Heilige in der nächsten Umgebung. Die Dorfheilige unter sei- nein Schutze. Eine unverwüstlich« Holzsigur. Bunt und ansehnlich genug, um einem verschmutzten, ungeweihten Oelbilde di« Konkurrenz zu hallen. Annemarie Hering. Die goldene Am«rikas nach dem„echten Adel" ist noch dies alte. So hat«ine Tochter Äoülds«inen Marquis von Castellan« geheiratet und«ine Tochter Banderbilt» sich den Herzog von Malborough zum Gatte»„erworben". Dies« Bestr«bungen d«t „obersten Schicht" sind«in Zeichen, di«, trotz aller Dollars, mangelnd« Kultur der Person-, lichkeit zu ersetzen, indem ma» sie„kanst". Emerson, der amerikanisch« Philosoph, hat dieser kulturfremden und dollarwütigen Gesellschaft unbewußt einen Satz in das fehlend« Stammbuch geschrieben:„Das einzig«, um was es sich zu schaffen lohnt, sind Ideen!" "T'r r'VTT V V T V V VW V V ▼» TT* V"V V»» V ▼ V T» W V T V V T V V T Der‘Jtänber Ker»n «Seyetrnrrisfe im Die Alten haben vom Kaukasus gesagt, er sei„der Ring der Berg«, der di« Erd« umläust, wi« ein Ehering den Finger". Noch heute ist dieses weit« Gebiet in Europa fast unbeiannl und doch ist«s die Stätt« der abenteuerlichsten Sitten nnd der merkwürdigsten Völker. ES gibt dort im modernen Sinn« auch zivilisierte Gegenden, aber aus den Bergen und in den schwer zugänglichen Schluchten leben Bölk«r, di« ihre ursprünglichste Eigenart sich bewahrt haben, christlich«, mohammedanisch« und heidnisch« Sippen, darunter solche mit einer hochentwickelten, alten, den Europäer allerdings sonderlich an- mutenden Kultur, andere mit rohen, primitiven Daseinsformrn. lieber dies« reich«, romantische und vielgestaltige Welt hat Essad-Bey«in sehr lesenStvertcs Buch geschrieben(„Z w ü l f Geheimnisse i nt Kaukasu S"), das soeben im Verlag der Deutsch. Schweizerischen Berlags-A.-G., Berlin-Zürich, erschienen ist. Essad-Bey erweist sich als glänzender Kenner der kaukasischen Menschen und Berhältnisie, der dort herrschenden- Titten, tÄebränche, aber er ist auch ei» einzigartiger Schilderer und Erzähler der vielen Geschichten und Sagen, dir nnter den kaukasischen Bergbewohnern seit alten Zeiten lebendig nnd oft für daS merkwürdige Seelenleben dieser Menschen charakteristisch sind. Mit freundlicher Erlaubnis des Berlages geben wir aus dem empschlenswerien Buche eine dieser Geschichten nachstehend wieder: Es lebt« wenige Jahr« vor dem Kriege im Kaukasus«in Räuber namen» K«r i m, er plündert« di« Reisenden, überfiel Stationen und bereitet« sich wie üblich auf di« spätere Laufbahn eines kaiserlich persischen Generaladjutanten entsprechend vor. Wie«r zu feinem Gewerbe kam, ist unbekannt. Es wird erzählt, sein Vater sei von einem russischen Offizier erschossen wor- den. Das gab zuerst Anlaß zur Blutrache und später zu andauernder Räuberei. Kerinr>var das, was maü einen edlen Charakter nennt, er plündert« nur die Reichen und nur Männer, Frauen gegenüber war er ein galanter Kavalier. Wenn«r«ine Eisenbahn überfiel, so raubt« er di« Männer bis aufs Hemd auS, den Frauen dagegen" küßt« er die Hand. Er rührt« si« nicht an und wenn sie Säcke voll Gold bei sich gehabt hätten. Das führte natürlich dazu, daß di« Männer bei jedem Uebersall so schnell als möglich ihr« Wertsachen den Frauen Übergaben und nur eine klein« Anstandssumme bei sich behielten. Auch im Kampf« mit der Polizei trat Kerim stets als Gentleman auf. Er tötet««inen Offizier erst, wenn er ihn vorher dreimal gewarnt halt«. Die Warnung bestand darin, daß er zuerst dem schlafende» Offizier di« Kleider stahl, dann sein Haus in Brand setzt« nnd zuletzt, sein Pferd erschoß. Erst wenn er sah, daß diese Warnungen nichts halfen und der Offizier ihn nach wie vor weiter verfolgte, tötet« er ihn erbarmungslos. Ganze Regimenter wurden ausgeschickt, um ihn zu erwischen, doch v«rstand er es, stets rechtzeitig der Gefahr zu entgehen. Es dauert« gar nicht lange, bis di« schwärmerischen Kaukasier ihn zu eurer Art Raiionalhelden erhoben. Endlich beschloß die russisch« Regierung, zu dem altbewährten Mittel der Auslobung zu greise«, daS ichon manchen Verbrecher in di« Hände der Gerechigkeit geliefert hat. Fünfzigtausend Rubel, eine Summe, di« für di« kaukasischen Verhältnisse phantastisch ist, sollt« derjenige erhalten, der den Räuber den Russen verriet«. Di« Nachricht von den fünszigtausend Rubeln verbreitete sich im Land«, sehr rasch. D«r Kaukasier leistet in solchem Nachrichtendienst.Erstaunliches. Blitzschnell wandert jede Nachricht über Felsen und Tiefen, Berg« und Täler. Man braucht keine Zeitungen... So war eS auch'"mit de» fünszigtausend Rubeln. In wenigen Tagen wußte d«r ganze Kaukasus davon und lachte. Selbstverständlich gab es in den Bergen niemanden, der Kerim verraten hätte. Wer ihn verraten wollt«, d«r konnte es nicht, und>ver es konnte, der tat es nicht. Der Anschlag d«r Russen m-ßlanq dieses Mal.-- Jahre vergingen, das Geld wartet« aus den Verräter, unbekümmert übt« Kerim sein« Tätig- leit aus. Da erkrankte er eines Tages und die weisen Aerzt« der Berg« saqten:„Deine Zeit ist gekommen, nur vier Wochen noch wirkt du am Leben bleiben." Lang« iann Kerim nach. Ein welker Entichluß reist« in ihm. Er suchte ein Dorf auf. das ihm feit Jobren stets sichere Zuflucht gegen die Russen aebot-» batte und ließ sich'in Hause des ärmiten Bauern nieder. Dicken Aermsten der Armen der ibn lo oft geschüüt und gerettet hatte, beschloß er. jetzt zn beglücken. „Freund" lagt« er, gebe in die Stadt zu dem russischen General, läge ihm.-in deinem Hani« sitzt der Räuber Kerim. Dann w'rd der General kommen, mich abrubolen, und du bekommst fünszigtausend Rubel." Ter. Bauer sprang entsetzt aus:„Ich bin kein Verräter", rief er.„ick verkaufe mein« Freunde nicht!" Der Räuber licß aber nicht nach, sondern befahl, den Kadi zu rufen, di« Aeltest«n des Dorfes und erklärt« ihnen, wie er den Bauer glücklich machen wollte.„Mein Leben ist nichts , mehr wert", sagt««r,„ich möchte, daß mein Freund die fünszigtausend Rubel erhält! Warum soll das Geld bei den Russen bleibrn?" So geschah eS dann auch. Ein ganzes Detachement russischer Polizisten«rschstn im Dorfe, umring:« das Hans, wo der Räuber versteckt war und verhaftet« ihn nach längerem Kanipse. Kerim starb an seiner Krankheit,«he er erschossen werden konnte. Der Bauer aber erhielt noch vor seinem Tod« daS Geld. Ter Wunsch de§ Räubers war erfüllt, di« Staatskasse um fünfzigtausend Rubel ärlnrr. Das ist die rührend« Geschichte des Räuber- I— Unter Freundinnen.„Ist er wahr, daß du dich von deinem Mann« scheide« läßt, Lney, und lediglich aus dem Grunde, weil du dahinter kamst, daß das Hausmädchen dein« Seidenhemden trägt?"—„Nein, nur deshalb, weil mein Mann sich ohne mein Wissen davon überzeugt hat." Die größeren Brötchen. Einem Välkrrnieister wird am Stammtisch heftig zugesetzt:„Sag mal, Meister, wie kommt cs denn, daß di« Brötchen in N. viel größer sind al- bei uns im Ort?"—„Woher das kommt? Nun, werden wohl utehr Mehl dazu nehme«?" «in- ! en an Weitere*. in Deutscheir Berlag für Jugend Wien 1, Burgring 9, bestens zu Di« Berfafserin Alice Furt- Hat hier Lehrbücher geschaffen, die ein«s alkägyptijchen Priesters«in Schachbrett! gefunden, wodurch bewiesen ist, daß di« Acgyp- ler schon vor mindestens 5000 Jahren das Schachspiel kannten. Das erst« Thermometer wurde von Galilei zu Ende d«S 16. Jahrhunderts konstruiert, war aber natürlich noch sehr primitiv; erst Ende des 17. Jahrhunderts wurden di« erste»: brauchbaren Thermometer hergesteklt. Der erste bedeutende Thermometermacher war Fahrenheit, der als erster Quecksilber in den Thermometern an- wandte. Das Wort Hurra ist ein alter magyarischer Kriegsruf und bedeutet: Schlagt ihn tot. Regen pflegt sich durch die verschiedenster» Anzeichen anzukündigen, di« man nur zu beobachten braucht, nm sein eigener und recht zuverlässiger Wetterprophet zu sein. Zunächst erscheinen ferne Gegenstände(Häuser, Baumgruppen, Berg« und dergleichen) viel näher. Der Rauch aus de« Schornsteinen steigt»richt in die Luft empor, sondern wird zu Boden gedrückt. Spinne« kommen zum Borschein und krieche« an den Manern und Wänden, Fliegen kommen in größerer Anzahl ins Haus. An der See fliesen bei schlechtem Wetter die Möwen an Land. Schwalben schießen niedrig, so'daß sie fast di« Oberfläche des Bodens berühren. Ameisen sind besonders tätig und arbeit«» in ihren Bauten mit größter Geschäftigkeit. Biel« Blumen schließen ihr« Blüteukronen. Der Mond hat«inen Ring od«r Hof, Frösche quaken/ Rinder heben di« Köpfe, blicken unruhig uurher und scharen fich unter Bäumen zusammen, so, daß die Schwänze der Windrichtung zug«kehrt sind. Enten und Gänse quaken lauter als ge- »oähnlich. Pfauen kreischen schrill. Die Katz« putzt sich daS Gesicht. Hunde fressen Gras. rar rranzösisdiiernendc. Für Anfänger und auch für Fortgeschrittene find di« drei Bände des Lehrbuches für Mittelund Hauptschulen„Notre Uvre de francais“, erschienen' unb Volk, empfehlen. nrüller....... der Wtener Schulreform angepaßt sind und die nnltanschaulich ganz anderen Grundsätzen Rechnung tragen, al» di« meisten der alten Lehrbücher. Zalfireiche Illustrationen unterstützen in der wirkungsvollste« Weis« den Unterricht, wie überhaupt der Lehrstoff so gesaßt ist, daß er auf den Schnier anregend wirkt und ein fröhliches Zusammenarbeiten von Lehrern und Schüler ermöglicht. Jeder einzeln« der Bänd« enthält«in« Fülle kleiner Geschichtchen. daneben auch«in« kleine Sammlung von französtschen Liedern mit Noten sowie einen Abriß der französischen Grammatik. WMenewettkS Merres. Shairsprares Geburtsstadt, Stratford Avon, verdien: jährlich eine Bierrelmillimr ihren» berühmten Sohne. Allein als Eintrittsgeld an deu verichiedenen Shakcjpearc-Gcdenk-, statten gehen«iwa 60.000 Mark«in. Hinzu kommen die viel größeren Beträge für U«ber- nochten. Beköstigen und Kauf von Andenken. Das Schachspiel, da» mm, den alte« Persern und Chinesr« zuschrieb, scheint«in noch Weit höheres Alter zu haben, denn neuerdings wurde in der Nähe von Kairo in dem Grab Kerim, der seinen Freund, den Aermstcn unter den Armen, glücklich macht« und für«in wertlos«- Ding, f«m erlöschender Leben, fünfzig- tauscnd Rubel zum Wohle der Armen tanscht«. Unzufrieden. Die sechsjährig« Lott« hat leuch»endrote Haar« und wird deshalb von ihren kleinen Mitschülerinnen arg geneckt. Weinend klagt sie es der Mutter, die sie mit den Worten trösten will:„Laß nur, die sind ja alle dumm. Die Haar« hat dir der lieb« Gott gemacht!"— Worauf Lott« empört:„Na, weißt du, Mutter, beim lieben Gott lassen wir aber nichts mehr machen!" Akustik. Meier sitzt mit Lchmann im Konzert im Leipziger KanshauSsaal. Lehmann versteht was von Musik. Er fragt Meiern leis«: „Findn Se«ich ooch, daß die hier«en« schlechde AgguSdigg Hamm?" Meier sieht nach recht- und links und schnüffelt:„Eh rieche nischd." Vöglein Sahak. Sw armruischeS Märchen. Das fängt mit dem erste« Frühlingstag an und geh» de« ganze» Sommer hindurch: sobald di« Sonn« schlafen gegangen ist, hebt in de« schattige« Weiugartentäler» ArmeuienS eine klagende Stimme an z», singen— Sahak... Sahnt..> Niemand kamt mir sagen, woher dies« Stimme kommt, Wohin ich gehe im ganz«« Dal, überall ist die Stimme mi» ihrem Gesang. Jmmcr wenn ich glaub«, mich chr zu nähern, flieht sie aus meiner Nähe und wiederholt ununterbrochen da» ein« schwermütig« Klagelied— Sahak... Sahak.. Sahak... Die Leute sage«, dies« Stimm« sei das ««igc Kiagelied eines wundersame», BigleinS, das vor Zeiten ein Mensch war. T«mals war in Armenien«ine Mutter, «ine zärtlich liebend« Mutter, di««inen einzigen i Sohn hatte,der Sahak hieß.Da» war«in glanz-! blonder Junge, dem ihre ganze Seele gehörte, mit dem sie übergroße Gebe verband. Und Muller und Sohn waren glücklich miteinander, sehr glücklich... Damals herrschte aber ein schlimmer Brauch: Wenn ein« Brücke gebaut warben war, muhen di« Wassergeister begütigt werde«. Deshalb opferte man ihnen lfln Mensche»,, der zuerst über die neugebaute Brücke ging. Bliebe«in solche» Opfer ans, so meinte man, würden di« Wasser bald in Zorn geraten und mit ihre« «nbänoigen Wogen di« Brück« zerschlagen. Ein schwarzer Tag. Der glauzblond« Sakah, der diesen hcrzlosru Brauch nicht kannte, ging, sich die neugebaute, eben fertiggistellt« Brücke zu betrachten. Arglos lachend ging er über di« Brücke. Wehe, der Bolksbrauch kennt kein Erbarmen: Sahak wurde das unglücklich« Opfer der««»gebauten Brücke. Die Mutter, die ja von dem schrecklichen Unglück nicht» wußte, wartete voller Sorge, daß chr Sohn hrimkäme; sie wußte ja gar nicht, wo «r hingegangen war. Wo der glanzblonde Sahak hiilgegougrn war, da kehrte er nicht mehr heim. Kie Mutter lies wir irr nach Nord und Süd, n«, ihen lieben Jungen zu iuchen— sie hat ihn nirgends gesunden. Wer könnte sagen, wi« lange di« unglückliche Mutter in Berge» und Wäldern gesucht und den■ Verlust ihres lieber, Sobnes beklagt hat. Eines Tages— wie«s gekommen ist, weiß mau nicht — hatte si« Flügel.und schwang sich in die Luft. Bon der Zeit an birgt sie sich im Dunkel der S.’jxriit und klagt über ihr schwarzes LoS und lucht ihre« lieben Jungen immer noch nnd hör: n'cht an» mit ihrem traurigen Sang— Kabak.. Ssbok.. Sabak... «chach-Scke. Alle Zuschriften nnd Anfrage« an Sen. Wenzel Scharoch, Zwettnitz Rr. Lb bei Teplitz-Schönau. Air» Anfragen ist IclHtmtb beizulegcn. Schachaufgabe Nr. 27. Von Gen. Josef Hiebe. UeiatendoK. (Original.) Schwarz: K7, gS; Bb5, et(7). Wei»: KcJJ Tgi. g7; Ich«; Sei, f«; Ba», M. «S, c», 43(11). Matt in 2 Zügen! Lösungen sind bi» längstens LS Tage»ach Erscheinen der Aufgabe an röen genannte Adresse zu senden. LBsuigszug m Nr. N: SM—«St Richtige Lösungen sandten nachsolgeiwe Genossen«in: Walter Ludwig und Rodet ffranz. Kwittau; Bachmann Reinhold. Pa« Mols, Eichler Milli, Müller Mag und Tsnert Max, Znekmantet; Ulbert Rudolf, Prosetitz; ZeiSnumn Rudoll und Betel Kerl»., Politz a. d. 8.; Titte Josq, LvoSdors; Patzner Joses. Schuhabteilung, Reusiadtl; Ehrouft Karl, BUin; Nickel Karl, Eichwald; Kiditz, Geor- gental; Thiel Joses» Odergeorgental; Demel Rudolf, Schirmdors bei Böhm.-Trübau; Beutel Wilhelm, Arnsdorf bei Tetfchen; Gottfried Han?. Ueidil Han? und Fichum Peter, Holeifchen bet Staab; Raum Franz, Oderleutenddors: Hietc Joies, Meistersdorf: Hälbig Johann und Bräutigam Anton, Bergesgrüu; Schlosser Heinrich und Ämter Rudolf, Graupen; Gual Adolf und Scharoch Franz, Wifterschan; Ulbrich Gustav, Kottewitz bei Halda. lK.uk 8b»—g5+ folgt TgSKgS, Thl—h»f Ld7>'h3.) Liehe Lösung. Nachtrag zu Rr. 33: Ketzter Adolf, Türmitz. vriestaste». B. Reinhold, Zuckmantel: Besten Dank, gut verwendbar. Sch. Heinrich, Graupen: Dreier sehr hübsch, 2-Züger nach ck7—nebenldsig. H Johann, Beegeagrdn: Ich empfehl« dir bi« .Deutsche Arbeiter- Schach- Zeitung"; erscheint monatlich, Prei? LV Pfg.— 4 Kf, für Bundesmitglieder 2 Ke- Bitte wende dich an Gen. Patz Alois, Tepiitz-Schönan, Tischlergasse 5—6. Schachnachrichten. Serienipiele in V. Kreis, II.*«|i«L 4. Runde. Sonntag, den 33. Feder, holten die Misterschauer die Graupner Dchachsektton zu Gaste, weiche der Haudmannschast den Steg durch«,? nicht leicht machte. Mit dem limebuii L:1 schieden die Gegner voneinander. Wlsterfchan mutzte sich am 1. Brett geschlagen geben, nachdem«ine auf Gewinn stehende Partie durch«in grobe? Berte heu au? der Hand gegeben wurde.—teichwald und Zuck« mantel haben sich geeinigt, den Wettkampf am 28. Feber auszutragen. Turnierstrmd in der nächsten Folge.