Die wahre Liebe. Zwei Jahre nach meiner Hochzeit hab« ich zu zweifeln begonnen, ob John auch der richtig« Mann für mich sei, der Rann, der meine Natur richtig verstehen konnte. Klein« Ding« brachten mich gegen meinen eigenen Willen zu diesen traurige« Gedanken. Zum Beispiel, schon wie er verliest in die Zeitung, ohne«in Wort zu reden, bei Tisch sah... Aber ich will diese Geschichte vom Beginn an erzählen. Ich werde niemals vergesse»—und kein« Frau sollte es—, wie John das erstemal mit mir von Liebe sprach. Er schien durchaas nicht den Mut dafür zu finden. Ich führte ihn zwei- oder dreimal i»s Wäldchen hinter unserem Hause, aber ehe er eS noch gewagt hatte,' schlüpfte er immer wieder zur andere« Seite heraus. So wollt» ich ihm helfen.„O, John", sagt« ich,„wie einsam ist es hier, niemand ist da, außer uns zweien." Und all er schwieg, fragte ich:„Glauben Sie, daß die Bögel auch Seelen haben?"—„Ich weiß nicht", antwortete er kleinlaut. Sein« Gemütsbewegung war sichtlich. Und da sagte ich weiter:„Ich fühle mich nie einsam, wo Sie find, John!" Und darauf sagt« er:„Kommen wir von hier wieder heraus, da ist der kürzeste Weg." Später, es war im Juni, führt« ich John in unseren klein« Garten, und wir setzt« uns auf«tue Bank.„Minnis, sagt« John verleg«,„ich muß Ä«« etwas sag«..."— „O, John", rief ich aus, und schlang gleich meine Arme um sein« Hali. Er wehrte verlegen ab.„... alles was ich sag« wollte", begann er wieder. Aber«£ unterbrach ihn:„O, Liebster, sage nichts mchr. So ist ja alle- gut!"' Und ich e^hob mich und nahm ihn bei der Hand.„Komm zur Mutter!" und zog ihn mit mir fort. Als die Mutter uns Hand in Hand kommen sah,'erriet sie alles. Auch sie umarmte John und drückte ihn an die Mauer. John versuchte zu sprech«, aber Mutter ließ ihn nicht zu Wort kommen.„Ach, ich hab« es ja schon lange komm« sehen. Sprech« Sie nicht, John. Ich weiß zwar nicht, wie wir es ohne Winnie aurhalteu sollen; aber jetzt gehört sie Ihnen. Nehm« Sie sie!" Und dann mußt« Mutter wein«, und ich weint« mit ihr.„Wir müss« zu Vater!", sagte sie hierauf, und nun faßt« wir beide John bei den Händen und führten ihn auf di« Veranda, wo Bater saß. Vor Stoco«. Wie John Bater erblickte, versucht« er wie- der zu sprech«. Aber Mutter unterbrach ihn. „Bater, er will unsere Leine Minnie haben; und ich denk«, es ist unsere Pflicht, sie ihm, wenn auch mit schwere« Herz«, zu geben." Sie begann wieder zu schluchzen,„Ich hoffe, er wird immer gut zu ihr sein." Bater ergriff John- Hand und schüttelte sie kräftig.„Mrhmen Sie sie, mein Junge, nehm« Sir sie." So war« John und ich d«n verlobt und bald auch verheiratet. Ich erinnere«ich«och, daß John vor der Hochzeit sehr nervös und «ledrrgeschlagen gewesen ist. Der arme Junge wird sich wohl' Sorgen gemacht hab«, oh er mich auch wirllich so glückkich werde machen können, wie ich es um ihn verdi«t habe. Bater holt« ihn am HochzeitSmorg« in einem schönen Wagen ab, und ich hatte«in wundervolles Kleid aus weißem Tüll mit weißen Rosen an. Und nach der Trauung seufzte John:„Gott sei Tank, daß es vorüber ist." Rach der Hochzeit macht« wir eine kleine Reise, und da ich überall verschiedener emkau- fen wollte, so ging ich in dir Warenhäuser, und John schickte ich in di« Museen»nd Aquari« und andere solche Ort«, und«r schien sich da- bei sehr wohl zu fühl«. Und dann kam« wir heim und da hatte ich sehr viel mit der Einrichtung der Wohnung zu tun. Das Speisezimmer sollt« dunkel und das Wohnzimmer rosa werden, und neben dem Kohlenkeller war eine kleine Kammer, die sollte ganz für John sein. Er war auch mit allem««verstauen, und in der Kammer hielt er sich am liebsten auf, und wenn ich ihn braucht«, mußte ich ihn immer «rst von dort Holm. Wenn ich an jene Tage zurückbercke, scheint mir alles so hell und glücklich!... Aber leider kam eS bald anders. Langsam begann ich zu bemerk«, daß John mich vernachlässigte. Hatte er früher vor dem Essen nur einen Blick in die Zeitung geworfen, so las er jetzt di« ganze Zeit, ohne«in Wort zu spreche». Dann kam«r eines TagcS mit Angelgeräten heim«nd saß seither seine ganz« frei« Zeit draußen, um zu fischen. Ich fragt« mich, ob es denn überhaupt möglich fei, daß solch heiße Leidenschaft, wie er mir bei der Verlobung gezeigt hatte, sich abkühlen könne? Ich wollte noch an ihn glaub« und ihn auf die Prob« stellen. Jeden Morgen, ehe er ins Bür» ging, küßt« ich ihn. Rur ein« Urin« Kuß, damit er den ganzen Tag über tzovo« glücklich fei« könne. Nächste« Tag vergaß Ich scheinbar, sei« Weggeh« zu bemerk« u«w hoffte, daß«r gekränkt sein werde. Aber eg schien d« Kuß gar nicht zu vermisse». Und so wurde es immer unerträglicher, untz ich erzMte es meiner Mutter, und wir weinten viel zusammen. Und daun beschloss« wir, daß ich immer heiter auSseh« müßte, wenn auch mit blutendem Herzen, und langsam mußte ich John erziehen, und sie wollt« mir dabei helfen, und so saß von da ab Mutter fast den ganze» Tag bei uns. Aber»och etwas, waS ich nicht vorher- g eschen, störte unsere BH«. Ich hab« ja immer viel« Bewunderer gehabt, aber natürlich war ich sehr zurückhaltend gewesen, und i« meiner Unschuld dachte ich,»ach meiner Hochzeit würde niemand mehr wag«, mir seine Gefühle zu zeig«. Aber dann machte ich doch»«eine Beobachtungen. Da war zum Beispiel der junge Mau», der immer deu Gajometer nachscheu kam, und zwar gerade, wenn John nicht zu Hause war. Er sich mich immer sehr kühn an und verlangte, ich solle ih« in de» Keller führe». Ich führte ih» nur biS zur Stiege, und er ging dann auch ganz ruhig weg. Aber ich hütete mich trotzdem, John«ttvaS von ihm zu erzählen. Und dann kam mehrere Male ein anderer junger Mensch mit braunem Gesicht und fragte immer wieder, ob ich nicht das Klavier stimmen lassen wollte, und wenn ich antwortete, daß es noch nicht nötig sei, sah«r ganz verzweifelt drein und urich mit verliebt« Augen an. Und außerdem war noch ein Herr da. Der war früher ganz vernarrt in mich gewesen. Jetzt kam er manchmal, wenn Mutter da war, zu einer kleinen Kartenpartie. Aber obtvohl auch er jetzt verheiratet ist und drei Kinder hat, spürte ich ganz genau, er meinte etwas. Er benahm sich wohl sehr chr« bar und ich tat natürlich, als bemerkte ich nichts; aber einmal, als weder Mutter noch John zu Hause Ware», wollte er mit mir nicht eine Minute allein bleiben, weil,er fürchtete, sich zu verraten. Und schließlich kaut noch der grüßte Kstm- mer: John trank. Nicht daß er vielleicht betrunken gewesen wäre. Aber wenn ich eine halbe Masche Bier Wegzusperren vergessen hatte, war sie am Morgen leer. Einmal hört« ich ih« auch— Mutter und ich hatten an diese« Abend den Besuch von zwei Freundinnen— in der Speisekammer sich bewegen.„John", rief ich hinaus,„bist du es?"»Ja", antwortet« er ruhig.„Was tust du denn dort?"„Ich sehe nach, ob etwas zu essen da ist", rief er zurück. „John", sagt« ich würdevoll,„bu hast ja dein Nachtmahl schon bekommen. Komm wieder herein." Und so schwand seine Liebe von Tag zu Tag. Ich, fragte mich verzweifelt, was ich denn noch tun könnt«. Ich glaubte, ihn doch bereits zu jeder Art Ordnung angehalten zu haben. Er durste am Abend nie ohne mich auSgehrn, ich habe ihm das Rauchen abgewohnt, Karten durst« er auch nicht außer Haus spielen. Und da kam mir die Ueberzeugung, wenn er mich «ine Zeitlang ganz entbehren müßt«, das wäre noch das einzige Mittel, ihn zu mir zurückzuführen. Und eines Morgens sagt« ich ihm: »John, ich fühl«, daß ich mich erholen und «inige Zeit allein sein muß. Du mußt mich stir solange allein fortgehen lassen." Und Jphn antwortete:„Ja, ja. Wann willst du fahren?" Seine Kälte schnitt mir ins Herz, ich weinte lange, und dann entschloß ich mich, an «inen kleinen Ort zu gehen, in dem ein Militärkurhaus war. Dort würde man einer alleinstehenden Frau gewiß mit dem größten Respekt begegnen. Ich machte meine Vorbereitungen, und am letzten Tag vor der Abreise schrieb ich John «inen langen Brief, in dem ich ihm sagte, daß ich absolut« Einsamkeit brauche, ich könne jetzt noch nicht wissen, wann ich zurückkäme, es könnten Wochen, Monat«, vielleicht Jahre werden. Und er müßte" versuchen, allein so glücklich als möglich zu sein, und daß er mir Pünktlich an jedem Ersten Geld schicken solle. Nun, eben da ich diesen Brief geschloffen hatte, den ich John auf dem Tisch zurücklassen wollte, kam«in Telegramm an ihn. Ich hielt «S noch für meine Pflicht, es zu lesen, wenn es auch an ihn adressiert war. Und so öffnete ich eS. Und es war von einem Rechtsanwalt, der ihm mitteiltr, daß rin alter Onkel John rin großes Vermögen vermacht habe, und John solle sofort seine Verfügungen treffen. Wie von einer großen Welle war plötzlich all mein Kummer weggeschwemmt. Ich konnte nur noch daran denken, wie vereinsamt John mit dem vielen Geld« da;rehen würde, daS rr zu verwalten ja nicht verstand. Uiw ich zerriß meinen Brief, und als John heimkam, brachte ich ihm zart und schonend bei, W: er unerwartet eine große Erbschaft gemacht habe, «nd daß ich meinen Koffer schon gepackt hätte und er brauche nur noch seinen zu packen, damit wir gleich abreisen könnten, um alles selbst an Ort und Stelle zu ordnen. Jichn war erst etwas dasig, aber dann war er gerührt, und erzählte mir, daß dieser Onkel ihn schon als kleinen Jungen so liebt gehabt hätte, und er war sehr dankbar. Und ich hatte kaum noch Zeit, einigen Freundinnen zu telephonieren, daß wir sofort abreisen müßten wegen einer großen Erbschaft, die rin Onkel John hinterlassen hätte, daß wir aber gleich danach eine große Vergnügungsreise anzutretcn dächten. Und diese Reise war dann wirklich sehr schön, und trotz allen Schwierigkeiten, die ich früher mit John durchzumachrn hätte, fühlte ich doch, wie'unendlich ich ihn liebe. Trost der Millionäre. Die schwere WirtschastLuot zeitigt gelegentlich auch recht merkwürdige Folgeerscheinung««. So hat sich Conney Island, dem größten Vergnügungspark der Welt, zu einer Hochblüte »erholfen, auf di« man am allerwenigsten ge-1 faßt sein konnte. Dieses Mekka des Lichterglanzes und des Lärms, zu dem früher nur das Volk und das kleine Bürgertum pilgerten, hat sich über Nacht in ein« mondäne Unter- haltungSstätt« verwandelt und ist der Treffpunkt der besten Rew-Aorker Gesellschaft gewor- den, die sich unter der wirtschaftlichen Depression äußerster Sparsamkeit befleißigen muß. Wohl oder übel müssen dir Herrschaften aus ihre kostspieligen Wochenendfahrten uno dei» Besuch der Luxuslokale verzichten, um ihr Unterhaltungsbedürfnis auf wohlfeiler« Art zu befriedigen. Auch Rex Billings, der Besitzer einer großen Zahl von„Attraktionen" Eonnry Islands, hat einem Berichterstatter gegenüber die Umschichtung, die fich bei dem Publikum des Vergnügungsparkes vollzogen hat, bestätigt. Conney Island Hilst seit einem Jahre Mit, di« Millionäre und ihre Familien über ihre schweren Sorgen hinwcazutrösten. Natürlich hat dieser Zuzug des eleganten Publikums dazu beigctragen Gattung und Ton der„Attraktionen" von Conney Island auf rin höheres Niveau zu heben. Das gilt besonders für di« Ballokale, in denen man heut« Tanzpaarrn begegnet, die stüher niemals daran gedacht hätten, ihren Fuß in ein solches Lokal zu setzen. Ueberdies hat man dir lärmendsten und vulgärsten Untrrhaltungsnummern unterdrückt, um keinen Anstoß zu«rregrn. Nur für ein Uebel hat man kein Heilmittel finden können, für den Mangel an alkoholischen Getränken nämlich, deren Genuß an einem öffentlichen Ort wie Conney Island denn doch zu gefährlich wäre. So müssen fich denn all diejenigen, di« daran gewöhnt waren, Liköre und teure Weine in den Nachtlokalen des Broadway in Mengen zu konsumieren, an Selterwasser und Mineralwässern genug sein lassen, die zwar dem verwöhnten Geschmack nicht sonderlich.behagen, aber den Vorteil haben, den Geldbeutel zu schonen Der Dalbamus und seine GireUhe. Bon OSkar Wöhrl«. Im Verlag drs„BüchcrkreiS", Berlin, ist— man muß dem Verlag dafür Dank sagen— das köstlichste, fröhlichste Buch von Oskar Wöhrle„Der Bal- damuS und feine Streiche" in umgearbeiteter Fassung neu«rscheinen. Daß der Verlag auch für eine gute Ausstattung gesorgt hat, ist besonders zu begrüßen. Das Buch ist bald zwei Jahrzehnte alt, aber es hat seine Frische und Ursprünglichkeit behalten. Der BaldamuS ist ein Elsässer Junge, der durch Strenge zu einem gesit- teten Bürger geprügelt werden soll, doch er zieht er vor, davonzulaufen und als Tippelbruder erhält er Gelegenheit, Europa kreuz und quer zu durchwandern. Die Erfahrungen, die rr hiebei macht, lassen ihn erst recht zum Rebellen werden. Nachstehend geben wir aus dem Buche, das in jeder Arbriterbibliothek seinen Platz finden sollt«, eine Leseprobe: Wir schlugen uns Spezia zu, einer Stadt am Meer mit einem wunderbar angelegten Hafen. Ich glaube, Spezia ist der größte Kriegshafen Italiens. Wenigstens hingen, während wir dort waren, immer schwarz« und graue Strinkohlenfchwadrn darüber; immer standen dir stählernen, drohenden Riesenschiffe unter Dampf, jede Sekunde bereit zur Abfahrt. Biel Herumlaufen konnten wir nicht, sonst würden wir uni verdächtig gemacht haben. Wir begnügten uns daher, di« Außenquartirre abzugrasen. Dabei kam ich durch Zufall in dar Büro d«S Gaswerks. Ich klopft«, und da ich glaubte, es habe jemand„Entrate" gerufen, trat ich ein, prallte aber sofort zurück, weil in dem menschenleeren Zimmer ein großer Kassenschrank offenstand und«in Tisch daneben mit Silber, Gold und Banknoten vollgepackt war. Schätzungsweise werden an di« zehn- bis fünfzehntausend Lire an der fteien Luft gelegen haben. Und keine Menschenseele als Hüter dabei! Da soll einem nicht schwindlig und dreh- emstrig werden! Aber im Nebenzimmer- des- en Tür nur angelehnt war, hielt sich jemand auf. Wenigstens hörte ich von dorther Stimmen.' Da zittert« ich nun mit meiner Weis- beit, unfähig etwas zu tun. Bor dem Zugrei- fen hatte ich Angst. Auf die Straß« hinaus- zugehen, wagte ich auch nicht mehr. Ich glaubte, dadurch würde ich mich erst recht in dir Nesseln setzen! Sin« volle Stunde dauert« meine Marterqual im Angesicht dieses unverschämten Haufens Mammon. Da kam endlich der Kassier aus dem Zimmer nebenan. Der stieß einen Schrei aus, als rr mich in meinen zerlottrrten Lumpen sah, hatte sich ober sofort gefaßt, rannte mit einem»Satz zur Tür und riegelte ab. Auf sein Geschrei hin kamen gleich drei, vier Angestellte ins Zimmer gerannt, alle höchst aufgeregt. Auch diese Herren schrien, als sie mich sahen. Dann trat dir Schreiausstoßrr- Kolonne näher und fuchtelte mir mit ihren Händen vor der Nase herum. Uebrrhaupt vollführte sie ein derartig blödsinniges Geräuschdurcheinander, daß ich mein eigenes Wort nicht verstand, geschweige denn das ihre. Aber soviel wurde mir doch beigebracht, ich merkte, daß mich die Quassetffritzen für einen Dieb und Spitzbuben hielten. Hier unten ist ja das richtige Klima für di« GenirL drs raschen Zugriffe«. DaS erste war, daß sie mir alle Taschen bau- sten, und alS sie dabei nichts fanden, die Prozedur ein zweites und drittes Mal wiederholten. Als auch daS erfolglos blieb, ließen sie mich mit umgewrndetrn Taschen in der Zimmermittr stehen und machten sich mit vielem Geschnatter daran, da« Geld auf dem Tisch und im offen eck Kaffrnschrank zu zählen. Die halbe Stunde, die dar dauerte, schwitzte ich Blut. Nachdem fi« fertig waren und di« Summe stimmt«, durfte ich gehen. Da« heißt, ich mußt« gehen, und zwar etwa- sehr schnell und plötzlich; denn da« Quartett der immer noch durchrinanderschnat- ternden Gasmänner begnügt« sich nicht damit, mich«igenfäustig zum HauS hinauszukomplimentieren, sondern warf mir noch all daS nach, was ihm in der Wut gerade in die haarige« Hände kam: Lineale, Schreibhefte, Tintenfaß, Aschenbecher, Stempelkissen. Dieser Rachschuß gab mir Flügel der Bchendigkeit. Als ich den beiden Oesterreichern den Fall vortrug, sagten sie einstimmig, ihrer ststen Ueberzeugung nach sei ich das stattlichst« Rindvieh Gott«s, das je von der Sonne Germaniens ausgrbreitet worden sei. Ich gehörte dreimal um einen Kirchturm gewickelt und dann vermittels Nase und Hämmorhoiden zu einem Dauerknoten verknüpft. Wenn mir mein« Dummheit weh tun würde, so müßte ich wahrscheinlich Tag nick» Nacht brüllen vor Schmerzen. Oder, wenn ich ebenso lang wär«, wir dumm, so könnte ich, fall« ich Durst hätte, das Rrgenwasser bequem au« dem Dachkärnel saufen und dabei brauchte ich mich nicht einmal auf die Zehen zu stellen. Ich st«ckte diese Lobsprüche ohne Widerrede ein. sie schienen mir redlich verdient. Am Abend hielt mich das Schicksal wenigstens einigermaßen schadlos, indem es mir in einem Schusterladen ein paar Halbschuhe in die Hand drückte, die mir auf den Millimeter paßten. Wie angemessen, trotz aller Schrunden und Wunden. Nun konnte ich wenigstens wieder gehen und die LarSstraße beschlagen, ohne Angst vor jedem spitzen Stein haben zu müssen. Doch beinahe wär« ich wegen dieser Sclbschilfe im Asyl verschütt gegangen. Nur rin gnädiger Zufäll bewahrte mich da vor einem halben Jahr Loch oder noch Schlimm merem. Das wäre verflucht teures Leder ge- Wesen!• Bon der Gesundheit. Allerhand Kuriosa. Der bekannte Schädellehrrr Gall besuchte eine- Tages ein Irrenhaus. Einer der Narren führte ihn umher'und sprach fortwährend sehr verständig. Gall befühlte ihm daher den Kopf und sagte:„Hier finde ich keine Spur von Wahnsinn. Wie kamen Sie ins Tollhaus, da Sie nicht das Organ der Tollheit besitzen, ja nicht einmal närrisch sprechen?"„DaS will ich meinen", versetzte der Narr, ,chaß Sie an dem Kopse, der auf meinen Schultern sitzt, kein Organ der Tollheit finden können, Sie müssen aber wissen, eS ist nicht der meinige, er wurde mir nur aufgesetzt, als ich während der Revolution geköpft wurde." Während sich der zu Anfang vorigen Jahr- hunderts berühmte Humorist Saphir einmal in München aufhielt, wurde er lebensgefährlich krank. König Ludwig sandte ihm seinen Leib- arzt. Saphir jedoch ließ den Doktor gar nicht vor, und wies all« seine Verordnungen zurück. Als Saphir wieder gesund geworden war, traf König Ludwig den Genesenen auf der Straße, eilte auf ihn zu und fragte in seiner hastigen, aber dabei gemütlichen Redeweise-„Sophir, Saphir, warum haben Sie meinen Leibarzt während Ihrer Krankheit nicht angenommen?" Saphir erwidert«:„Der Arzt, Eurer Majestät, ist nur für Unsterbliche!" In früheren Jahren gehörte« die Militärärzte nicht dem Offizierskorps an, mußten im Gegensatz zu den Herrn Leutnants, Litzen statt der Stern« am HalSkragen tragen, und durften kein Portepee am Säbel befestigen. Die Militärärzte beschwerten sich darüber beim Feld- marschall Radetzky, und dieser machte sie den Offizieren vollkommen gleich. Darüber zur Rede gestellt, entgegnet« der General-„Ich kann aus dem schlechtesten Arzt den besten Offizier, aber aus dem besten Offizier nicht einmal den schlechtesten Arzt machen!" Der berühmt« Forscher Pasteur war einmal zum Esten geladen. Als Nachtisch gab eS Kirschen. Pasteur ergriff jede einzelne Kirsch« am Stil, spülte sie in einem GlaS Master ab, und erst dann ah er sie. Sein Gastgeber lächelte darüber.„Dar ist durchaus nicht zum Lachen", sagte Pasteur,„an jeder Kirsche fitzen Tau- sende von kleinen Lebewesen, dir den Tod bringen können. Deshalb ist eS ratsam, jede Kirsch« vor dem Genuß abzuspAen." Bei diesen Worten ergriff er zerstreut daS Glas voll schmutzigen WasterS und trank es auf einen Zug auS... Ludwig XIV. hörte ungern von Krankheit und Tod reden, wenn ek sich auf seine Person bezog. Dagegen machte es ihm rin teuflisches Vergnügen, ander« auf ihr nahes Ende hinzuweisen. So traf er eines Tages«inen Herrn seiner Umgebung, der, nicht ckehr ganz jung, eine schwere Krankheit knapp überstanden hatte, und begrüßte ihn mit den teilnehmenden War- trn:„Nun, mein Lieber, Sie sehen ja recht alt und schwach aus. Haben Sie schon Ihr« Grabstätte bestimmt?"„Gewiß", gab der Höfling schlagfertig zur Antwort,„zu Füßen<.ur«r Majestät!" aus den» Lande Nrernaks. Von Rax Barthel. Wunschdorf liegt viele Meilen hinter dem Lande Niemals. Im Lande Niemals wohnen die kleinen Bauern, die jungen Dichter, die alten Schauspieler, die armen Kinder, die alten Jungfern, di« Straßenkehrer, die Arbeiter und Angestellten. Rur ganz selten scheint! dort die Sonn«. Die Blumen und Felder verhageln oft und in den Früchten sitzen die Würmer. Die Kontoristin Hella wußte dar aller sehr gut, sie wohnte ja selbst in dem mit Unheil geschlagenen Lande. Aber heute hatte sie sich ausgemacht, wenn auch nur im Traum, und war auf dem Wege nach Wunschdorf. Der Regen goß. Trübe und unfreundlich war die Welt. Aber dann erhellte sich der Himmel. Di« Luft war von einer ungeheuren Milde und Süße wie niemals zuvor. Das Mädchen atmete tief und wußte nicht aus und ein. Sie stand plötzlich vor einer hohen Mauer, die durch ein goldenes Tor durchbrochen war. Hella streckte die Hand aus, und als sie daS Tor nur leicht berührte, da sprang es schon blitzschnell auf. Sie wagt« einen neuen Schritt und ging weiter. Und nun schrie sie auf. Jeder Mensch, auch der stummst«, hätte geschrien, denn hinter dem Tor zeigte sich ein Wunder, Oasen taten sich auf, blühende Gärten vergingen im Blütenschnee silberner Rar« ziffen und über hellen Gewässern, in deren Tiefe diele Fische spielten, pläffchertrn heitere Wasterkünstr. Dann sah das Mädchen weit verzweigte Hallen, schön wie das Astwerk goldgrüner Buchenwälder Biele Vögel flogen durch die Landschaft und schienen in ihren Schnäbeln die Fäden einer großen Harmonie zu tragen, in der: sich der ganze Park bewegte. Bei dem Anblick der Gärten, Halle« und Gewässer stieg im Herzen der kleinen Kontoristin ein Märchenwunsch auf. „Ach", dachte sie,„wir schön ist doch dir Welt. Und hier zwischen den Blumen und Vögeln müßte auch der- Mensch sein schönstes Kleid tragen. Ein Kleid möchte ich haben, himmelbau mit silbernem Pelzbesatz." Sie hatte kaum diesen Wunsch zu Ende gedacht, da fiel das himmelblaue Kleid wie «ine Wolke auf sie herab. Da erschrak das Mädchen, dann lachte sie und lief nach den Wastrrspirgeln, um sich darin zu bewundern. Sir war noch eitler als der Pfau, der auf dem Brunnenrande saß und schreiend nach den Rarzistenfeldern floh. „Wer so fliegen könnte", dachte Hella. Nun begann«in fernes Sausen. Zuerst klang es wir klirrendes Glas und Herzschlag der Windes, und als dar Mädchen aufblickte, sah sie eine Flugmaschin«, die-sich langsam herniedersenkte. Ihr zweiter Wunsch war erfüllt! WaS war daS für ein Land! Und da bestieg sie herzklopfend daS Flugzeug, der Propeller kreiselte, der Motor summte und dann begann der Start und der Aufftieg nach der Höhe. Und dort oben nun war kein Vogellied mehr, kein Staub und Geschrei, nur Licht und Raum und Atmen des Weltalls. Wunschdorf ertrank und versank in seiner Fülle«ich war wie dar Feuer eines großen Diamanten im fahlen Grau seiner Fassung. Di« fahle Fastung war das Land: Niemals. DaS sah' und erkannte das Mädchen von seiner Höhe ganz genau. Da mußt« der Mensch im großen Raum noch einmal schreien. Er schrie nicht ans. Angst, nein, er schrie auS Weltbegeisterungk Und dieser Schrei war Wunsch und neuer Befehl: das Flugzeug senkt« sich und fiel auf di« Erde niwer. Hella ging weiter. Und nun dachte sie und wußte nicht warum, an schöne Musik. Plötzlich wehte ein Wind. Aus sternenvollen Bezirken kam er her, vom Rande der Ewigkeit, und in diesem verzauberten Hauche rührten sich alle Blumen und Gräser- Bon den Feldern und auS den Gärten stieg nun Musik empor, Geigenmusik, Harfenmusik, Orgelmustk, in vollen Einzelstimmen und brau, senden Chören. Lange lauschte die kleine Hella, und neue Wünsche überfielen ihr Herz. Jeder Wunsch aber, der aus ihrem Herzen kam, wurde erfüllt! Da trieb sie daS liebliche Spiel so, lange, bis ihr vor der drängenden Füll« grauste! WaS war daS für ein Traum! WaS war daS für eine Mit! Mitten im staunen- den Glück aber entsetzte sie sich. „Ihr Blumen und Gräser", begann sie z« rufen,„ihr Bäume und Springbrunnen, und vor allem du unsichtbarer Geist, der hier geht und weht, o sagt, warum werden heute alle meine Wünsche erfüllt? Als ich früher hungerte, wer hat mich gespeist, als ich früher weinte, wer hat meine Tränen getrocknet?, Warum müsien im Lande Ri«mals alle Wünsch« sterben? Antwort, Antwort will ich haben, gebt mir endlich Antwort!" Es kam keine Antwort. Dir Wasser der vielen Brunnen standen unbeweglich in der Lust, an den Bäumen rührte sich kein Blatt/ dir Wirsen wogten nicht mehr auf und ab, der Dust der Blumen erfüllte nicht mehr den ganzen Park, er blieb wie ein« Honigwolke nur über den Blumen stehen. Jene große Stille war da, m der man das eigene Herz schlagen hört. Und als di« Fragende das eigen« Herz schlagen hörte, da kam auch dir Antwort. „Mädchen auS dem Lande Niemals," schrie rin« Stimme,„erzähle deinen Brüdern und Schwestern von diesem Paradies. Alles, WaS du hier siehst, kam auS der Bitternis der Armut, auS dem Jammer eures Daseins! Weil euer Leben jo häßlich ist, find hier alle Ding« so schön! Weil ihr viel weinen müßt, darum springt hier das Gelächter! Aus der Sehn- sucht eures Blutes stieg die Musik, die du hörtest. Und hier in Wunschdorf sammeln sich alle Wünsche aus eurem 8«nb. Hier wurden die Wünsche lebendig, wie sie auch bei euch im Lande Niemals lebendig werden können, wenn ihr nur darum kämpft! Dann flogst du selbst empor und sahst rin Bild der Welt. Und doch flogst du nur zu jener Höhe, die einmal die Höh« sein wird für alle Mensche» aus dem Lande Niemals. Ja, einmal wird euer Land„Immer" heißen und ,Licht" und„Wohlgefallen" Und„Ewigkeit!", Sage eS deinen Brüdern und Schwestern!" Die Stimm« verrollte und entschwand wie ein gosi>ener Ball über den fernen Wiesen. Hella erwachte aus ihrer Verzückung. Sie mußte nun zu ihren Brüdern und Schwestern znriick. Als sie die Füße hob. in waren sie schwer wie Blei. Sie konnte sie nicht mehr bewege». Da befahl ihr Herz aber: ,Lhr müßt!", nud da gehorchten dir Füße. Wie ein Bogel die Flügel entfaltete, so entfaltet« daS 4— Mädchen ihre Arme und flog plötzlich an« Wunschdors nach dem Land« Rirnml». » Alle« war nur früher. 'r- Der Stegen floh. Di« Felder verhagellen. Die Menschen waren ar« und traurig. Sie träumten zu viel. Sie handelten zu weniß. Manche dachten an den süßen Wein, der an« bitteren Tränen gemacht wird. Andere dach, ten an die leuchtenden Blumen, die an« der Nähe der Arbeit kommen. Einige Menschen schätzte» an« ihrer Tiefe di« Höh« ad, in die sie einmal aufsteige». Im-and« Niemals aber lebten auch schon Menschen, die wußten, daß ihr-and einmal LÄneiner" und»Lichts und»Wohlgefallen" und „Ewigfeit" heiße« würde. Ameisen. Bon Jan Brda. Ich habe ei schon in der zweiten Boitt- schulklasse gehört, hab« darüber in einem sehr weisen Lesebuch gelesen— hab« e« aber nie geglaubt. Ich hielt e» für ein Märchen, für «in« Phantasie, di« für Kinder erfunden worden war, die sich jemand nur au-gedacht hat— und indessen— ist es wahr! Ameisen führen Krieg... ' Ich fitz« im Wald auf einer Schanze, vor mir tobt die Schlacht. Da« Schlachtfeld ist ein« Weid«. Di« Kämpfenden sind Ameise«— große schwarze und etwa« kleinere schwarze Tierchen. E« sind zwei Bolttstämm« diese« außerordentlich fleißigen und gemeinsam weltvernichtenden Stamme«. Di« größeren haben ihr Reich in einem riesigen Hausen abgefallener Nadeln am Fuße einer alten Buch«. Die kleineren hausen in einem ebenso großen Hügel, der aus ähnlichem Material am Rande des Jungwald«« errichtet woÄen war... ! Schon einig« Tage ahnt« man, daß e« zu einem so entsetzlichen Drama kommen mußt«. Di« Ameisen verließen nicht einzeln wie früher di« Ameisenhaufen, soudrrn sie erschiene» in Scharen, di«-von Tag zu Tag größer wurden. Sie. liefen auch nicht ruhig wie vordem anein» ander vorbei, sondern di« Scharen bekämpften einander, versagten einander... Heute aber hatten di« Feindseligkeiten ihren Gipfelpunkt erreicht. Die beiden Schwärme waren»nein- ander gestoßen... Sir rauften trotzig und bissen einander; bald wichen die«inen zurück, bald die andern... E« war wie«in« wirklich« ,Schlacht. Eine Menge sich windender Körper bedeckt« schon den Boden, die Besiegten schlichen zurück, waren verkrüppelt, aber di« Kriegslust ließ nicht nach. Weiß der Teufel, wa« st« einander getan hatten, daß sie gar so wütend waren. » Drei Stunden verbrachte ich neugierig auf der Schanze— bis ich des Schauspiel- müde jwurdc und ging... Am nächsten Tag aber 'hatte ich kein« Ruhe. Ich ging wieder zu der ,Stell«. Der Wald stand unverändert da, so wie gestern, dieselbe Wiese— nur die Ameisen waren kühler geworden, trugen und schleppten ihre Gefallenen weg... Auch die Ameisen- hausen hatten w^er ihren. Platz noch ihre Größe oder ihr Ansehen verändert— nur Ameisen waren auf beiden Seiten weniger geworden... t, Sonderbare Insekten— diese Ameisen. wt Ihr schon?... Australien hat mehr als die zehnfache Zahl Schafe al« Einwohner, und zwar sind etwa hundert Millionen Schafe vorhanden. In den Polargegendeu find Donner und Blitz völlig unbekannte Erscheinungen. Der schwedisch« Physiker Arrheniu» schätzt die Durchschnitt-temperatur auf dem Mar« auf minu« 40 Grad also auf weit unter dem Gefrierpunkt de» Waster« liegend. Nach leiner Ansicht sind die rotgelben Teile der Oberfläche de« Mar« öd«, unfruchtbare Wüstenstrecken, und die früher al«„Seen" und„Meere" bezeichneten Stellen Salzsümtz^e, deren Salzmassen tu früheren Perioden durch da« Master au«-en Erdschichten de« Planeten«»«gewaschen wurden. Durch di« Einwirkung der Kälte im Win- ter kristalistert sich das Salz in großen Mengen, im Sommer aber saugt ei Feuchtigkeit auf, wodurch sich allmählich wieder dunkle Lachen von Salzbrei bilden. Arrheniu« ver- tritt den Standpunkt, daß der Mar« viel zu kalt sei, al« daß cs«in höhere« organische« Leben dort geben könnt«;«S ist aber möglich, da« e« niedrigere Formen de« Pflanze», und Tierlebens gibt, dir unter den rauhen Bedingungen gedeihen können. Rach Arrheniu«' Annahme hat da» Leben auf dem Mar« von Jahrmtllionen sein« Blütezeit gehabt. Di« sogenannten Betelntiste, die von den Eingeborenen Indien« nnd Süd-Ehina« gekaut werden und durch deren Saft sich die Lippen ziegelrot färben, stammen von der in Ostindien heimischen Katechupalme und bilden «inen wichtigen Harwelsartikel. Im ganzen Mittelalter nahm man an, daß die ikttfernung der Sonn« von der Erd« neunzehnmal größer sei al« die de« Monde«. Diese Lehre ging auf Aristarchu« von Samo« zurück, der al» Astronom im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung lebte. Er war übrigen« der erste, der di« Bewegung der Sonne um dir Erde lehrt«. Dte noch heute in England gebräuchliche Bezeichnung Pfund Sterling hat einen Ursprung, den man nicht so leicht erraten kann. Die Münze hieß anfänglich Easterling= Oesterling, weil sie von Münzmeistern aus dem Osten in London geprägt wurde. Das Wort hat sich dann später verwischt. In je 200 Jahren verdoppelt sich di« Bevölkerung der Eteie. Um den Bedarf an Eisenbahnschwelle« für die Schienen zu decke«, mästen jährlich gegen 250.000 Hektar Wald gefällt werden. Ein erwachsener Mensch atmet in jeder Minute neun Liter Luft ein. Die Tode-karawanr. Ein« Pilgerkarawane hat gewöhnlich etwa» Erhabene» an sich, aber e» gibt ein«, deren man nur mit Schauern gedenken kann. Sie zieht alljährlich in größeren Zwischenräumen aus unwegsamen Pfaden durch die wilden Päste de« iranischen Stusengebirge« — in denen die räuberischen Bachtiaren stet« ackf die frommen Ankömmlinge lauern— nach Kerbel«, dem Wallfahrtsort der lebeiwen und toten mohammedanischen Schiiten. Unter eintönigem, ungeheuer melancholisch wirkendem Gesang nimmt die Karawane ihre« Weg durch die Gräberebene Sufistan», dem ödesten Teil Mesopotamien«. Schakale und Hyänen folgen den urcheimlichen Wanderern überall hi»; denn die Karawane führt aus den Rücken der Kamele zahlreiche in Filzdecken verschnürte Leichen mit sich, die einen fürchterlichen Geruch ausströmen. Die Kamel- und Maultiertreiber haben ihr« Rasen verbunden, behaupten aber trotzdem, e» liege Rosenduft in der Luft, denn di« Leichen sind ja die Ueberreste besonder« frommer Schiiten, die in der geweihten Erde Kerbels», die auch die Gebeine de» schiitischen Märtyrers und Prophrteuenkel» Hossein birgt, bestattet werden wollten. E» kommt aber nur sehr selten vor; denn meisten» wird die schaurig« Karawane unterweg« von sunnitische» Mohammedanern niedergtinetzelt, oder die Pest vernichtet sie vorher. Erreicht sie aber doch einmal ihr Ziel, dann ist die Begeisterung in Kerbela ungeheuer. Die Menge fanatisiert sich, tanzt, rast, tobt, oerwundet, zerfleischt und tötet sich, um auf diese Weise„heilig" zu werden. Ausländischer Humor. „Mein Mann ist neuerdings entsetzlich zerstreut", klagt die Gattin.„Mit jedem Tag wird'» schlimmer. Gestern kommt er von der Jagd heim und schleppt mir sechs Karpfen in» Hau», und die Woche vorher brachte er mir vom Angeln drei Hasen an!"(„Pasting Show.") „Aber um Gotte» willen", ruft di« Mama entsetzt, wa» hast du den» mit deinem neuen Anzug gemacht? Der hat ja ein Loch neben dem andern!"—„Wir haben bloß Kauf- manntladen gespielt."—„Was hat denn da» damit zu tun?"„Ra, jeder von unt mußte wa« andere« sein, und ich war der Schweizerkäse!" („Answers.")■» * „Ach", seufzt der gequälte Baler,„ich wüufchte, meine Tochter spielte Geige, statt Klavier!"„Warum?".„Die Geig« könnte ich doch wenigstens aus dem Fenster Wersen!" („Pearson'» Weekly.") * Fra« A.:„Sie strahlen ja ordentlich vor Freude,«eine Lieb«. Habe« Sie gute Nachrichten von zu Haus« erhalten?"— Frau B.: „Ausgezeichnete! Mein Mann hat soeben«inen Nervenzusammenbruch erlitten, und wir wüsten deshalb«in Jahr in Florida leben.“ * „Meine Frau sagt, wen« ich uuyt aushöre, ewig Skat zu spielen, verläßt sie mich." ^Hnr— sehr schlimm." „Ja, ich werde sie doch sehr vermissen." („London Opinion.") o „Also, mein Mann ist ohne mich vollkommen hilflo«." „Genau wie meiner! Ob er nun eine« Knops annäht oder Strümpfe stopft, jede«mal muß ich ihm erst«infädeln helfen. („Pearson'« Weekly.") » „Mutti, di« Leute annoneieren hier, sie möchten Pensionäre ohne Kinder habe«. Warum denn eigentlich?"„Ich weiß nicht, und ich habe auch jetzt keiu« Zeit, e« dir au«einaickerzu» setzen. Geh lieber mal und sieh nach, warum Baby schreit, und sag Kurt, er soll endlich aufhören, nach den Leuten auf der Straße mit Erbsen zu schießen, und Richard und Heinz sollen sich nicht immerfort zanken, und sag Fritz, wenn er da« Blase» nicht läßt, nehme ich ihm die Trompete weg!"(„TitS-BitS.") ch „Mama, ist ei schwer, ein Geheimnis für sich zu behalten?"„Ich weiß r« nicht, mein Kind— ich hab H noch nie versucht." („Paget Gates.") * „Run hab' ich seit drei Wochen den Knoten im Laschentuch", seufzte Johannsen.„Wenn ich nur ahnen könnte, woran ich mich erinnern sollte!" Petersen warf einen Blick auf da» Taschentuch und sagte dann:„Bielleicht daran, daß da» Taschentuch in di« Wäsche muß?" („Politiken.")