Str. 43, 1931. IlnterlattnimeMlase. Wiel und iyr„Vüffel". Es ist schon wieder einige Jahre her, -aß oer„Buzzet" in oem kleinen scmb tcej im^nnerpen oer^Nj«t Java dem sungen Cyarces de G. eine«etiion erteilte; oder ore, die daoei waren, werden«S nicht jo schnell vergeben. ^>er Büffel war der zweite Verwal- tungsoeamte des Ortes,«in kleiner, vier- fchrollger, hählrcher Mensch, mit heraus- quellenoen Äugen und mit kurzem, starrem, tief tn die Stirn gewachsenem Haar. Er harte in der Tat viel von«inem Büffel. Ader sei« Herz war von Gold! Er war mit einer sonderbaren jungen Dame verheiratet, einer ehemaligen Kavarettänzerin australischer Herkunft. Sie hieß Muriel. Niemand wußte genau, wo der Büffel sie entdeckt und warum er sie geheiratet hatte. Sie war nicht häßlich, aber ziemlich dumm und langweilig, und man konnte ruhig annehmen, daß ste seiner Beförderung sehr im Wege stand. Aber der Büffel behandelt« sie stets mit einer Fürsorge, einer Zärtlichkeit und einer liebevollen Achtung, als ob sie eine wirkliche Prinzessin wäre. Es war etwas so Ritterliches in dem ganzen Auftreten des kleinen NtanneS, daß sAbst bei den dreistesten unverheirateten Klubmitgliedcrn niemals der Gedanke aufkam, sich irgendeine Freiheit gegen di« übrigens ziemlich herausfordernde, ein plattes Englisch sprechend« Frau zu erlauben. An fröhlichen Klubabende« trank Muriel Wohl einmal mehr Whisky mit Soda, als sie vertragen konnte, und dazu gehörte schon etwas! und sie benahm sich dann manchmal ein bißchen ungeniert, aber immer sand sie einen natürlichen Schutz in .ihrem sehr korrekten Büffel. Bis der junge Charles de G. seinen Einzug in die Siedlung hielt. Charles war ein junger Mann vom Typ des Eroberers, der durch«inen einflußreichen Onkel auf einer der in der Umgegend liegenden Plantagen angestellt war. Er fand Indien ,chiel zu heiß und zu unzivilisiert". Er hatte «inen Schnurrbart wie eine Zahnbürste, roch immer, als ob er aus einem Pariser Friseursalon käme, und ging tadellos gekleidet. Sonst war er zu dumm, um vernünftig Bridge spielen zu können, tanzte aber ausgezeichnet und als er Muriel entdeckt hatte, tanzte er nur mit ihr. 9on van Ltvty de Äeuve. „Sie ist eine Perle auf einem Misthaufen!" pflegte Charles, wenig schmeichelhaft für die anderen, zu sagen. Und es dauerte nicht lange, so kam er ein paarmal in der Woche zu dem Büffel und vor allem zu Muriel auf Besuch. Und der brave Büffel blieb immer korrekt und zuvorkommeich. Man fragt« sich, ob er nichts merk«, oder ob eS ihm gleichgültig war«. Denn die Art, wie der junge Mann seiner Frau den Hof macht«, war wirklich nicht unauffällig. An einem Samstag ist es dann geschehen. Es ging lebhaft zu in dem kleinen Klub. An einigen Tischen wurde Bridge und Ecart« gespielt, auch gab eS viel Tanzlustige, die von einer soeben angekommenen Sendung Grammophonplatten profitierten. Der jun« Charles d« G. tanzte wieder den ganzen Abend mit Muriel und lehrt« sie neue Tänze. Der gute Büffel hatte zuerst Bridge gespielt, nun saß er mit seinem freundlichen Lächeln da und sah den Tanzenden zu. Plötzlich, als ein neuer Tanz begann, fragte Murrel aus irgendeiner weiblichen Laune heraus, ob der Büffel nicht auch einmal mit ihr tanzen wolle. Und der brave Kerl war sofort dazu bereit. Nun, er tanzte korrekt und nicht ohne Schwung, denn er war ein altmodischer- guter Tänzer. Und ob daö den jungen Charles de G. nun irritierte, daß der Büffel so gut mit seiner Frau tanzt«, ist schwer zu sagen, aber er sing an, während er selbst mit einer anderen Dame tanzte, allerlei Bemerkungen zu Muriel zu machen. DaS war schon sehr ungezogen, aber als Muriel keine Notiz davon nahm, wurde«r noch schlimmer. Der junge Mann stieß sie einigemal an, oder hatte sogar die Dreistigkeit, mit sein«r Hand ihre Schultern zu berühren. Der Büffel tat, als ob nichts geschehen wäre, und blieb ruhig, bis der Tanz beendet war. Aber als alle wieder Platz genommen hat- ten, sagte der Büffel zu Charles de G., und fein« Stimme klang merkwürdig forciert in diesem Augenblick der Stille: „Ja, Herr de G., wir tanzen hier auf unsere«uropäiische Weis« in diesem östlichen Lande und wir denken zum Beispiel niemals daran, was der Tanz für den Asiaten bedeutet. Sie zumindest werden darüber bis her wobl kaum nachgedacht haben, daß die Tänze, die wir hier zuweilen von den Rong- gengS sehen, den Tanzmädchen auf Java, oder von den Padjoges, den Tänzerinnen der Me- kafsaren und Buginesen, daß di« Bewegungen, di« sie dabei machten, nichts anderes find als di« Wiederholung eines Verrenkens von Lenden, Armen und Händen. Wie di« Priesterinnen eS früher getan, wenn di« Geister der Ahnen oder der Götter in sie gefahren und sie in Ekstase geraten waren." Charles de G. sah den Büffel dumm lächelnd an und niemand begriff, wo dieser hinaus wollte. Er fuhr indessen ruhig fort: „Dies ist wahrscheinlich auch di« Erklärung für die Erscheinung, daß di« Tanzmädchen, so schlecht sie auch sonst sein mögen, immer noch«in Gegenstand der Berehrung sind, bei den Mekasfaren und Buginesen sogar in dem Maße, daß bei einer Beleidigung, die einer solchen Tänzerin in der Oeffentlich- keit angetan wird, daS Racherecht in Anwendung kommt. Wenn dort ein Padjoge, ein« Tänzerin, mit irgendeinem Mann tanzt, wird«S als eine große Beleidigung angesehen, wenn ein anderer versuchen würde, zwischen den Tanzenden hindurchzulaufen, oder di« Tänzerin zu berühren, und dem Tänzer steht das Recht zu den Beleidiger mit seinem Krim Kindisches Dolchmesscr) zu durchbohren. Die Umstehenden sagen dann einfach:„Mateni waledja tedong", das heißt: „Er ist wi« von«inem Büffel zertreten und dadurch gestorben"; mit anderen Worten: „Es ist seine eigene Schuld." Und während unser Büffel in lautloser Stille diese Wort« ausfprach, war er plötzlich aufgestanden, ergriff«inen Krim, d«r zur Verzierung an einem Pfeiler hing, und zog ihn drohend aus d«r Scheide, indem er auf Charles de G. zutrat und die Wort« wiederholte:„Er ist wi« von einem Büffel zertreten." Nun, der Büffel selbst war vielleicht schon beim Sprechen etwa- blasser geworden. Aber der junge Eroberer sah so weiß au- ... wie di« Marmorplatte eines Klubtisches, während er zitternd seinen Stuhl zu- rückzüschieben versuchte. Und als plötzlich Muriels Mann herzlich zu lachen begann und sagte:„Aber bester Herr de G., was fehlt Ihnen denn? Ich bin doch kein rache- Wrrßet und tverOet! Alle, die dampf und stumpf begetieren, Die sich in kleinlichen Dingen verlieren, Die immer leiden, ohne zu klagen, Die immer wägen, ohne zu wagen, Die Halben, die Hohlen, di« Leeren, die Dummen, Die vor Demut ersterben, vor Furcht ver stummen. Die abseits stehen, Die jenseits leben, Die rückwärts gehen, Die seitwärts strebe», Die den Forderungen des Tages entweichen— DaS sind Leichen!. Ihr Wachen, ihr Starken, ihr Lebensvollen, Ihr mit dem Kampfziel unbewußten Wollen, Ahr Jungen, ihr Alten, ihr Männer, ihr Frauen, Die ihr am Werke der Zukunft wollt bauen: Ihr! Werdet den Schwachen und Feigen Mut! Ihr! Werdet den Hohlen und Leeren Blut! Ihr! Werdet den Stillen und Stumme» Mund! Ihr! Werdet den Haltlosen, Strauchelnden Grund! Ihr! Werdet zu Ruten, die Faulen zu schrecken! Ihr! Werdet ein Dröhnen, die Schläfer zu wecken! Ihr! Wirket und werbet! Ihr! Wehrt dem Vergehen! Ihr! Werdet gleich Göttern, Laßt die''Leblosen der Masse, Laßt die Toten der Klasse auferstehen! Tutt. Unterbrechung aneinanderrrihte, waren gerade in diesem Augenblick erfüllt von einer sieghaften Freude, dem Mädchen schien eS, als stünde der Kamerad(wenn er auch an ihrer Seite ging) aus einem hohen, grünen Berge, als habe er den Körper gespannt wie einen Flaggenmast, und seine Arme flatterten wir Fahnen, sichtbar allen Mühseligen und Unterdrückten, allen Müden und Verzweifelten, ins Tal. Das Mädchen lief weiter mit der Melodie. Ich werd« ihm sagen, dachte es, daß wir morgen ausspannen wollen, morgen zu Hause bleiben, morgen einmal tun, was uns Freude macht. Und wenn es noch so wichtig« Dinge sind, di« zur Entscheidung stehen: muß man nicht einmal auch Zeit haben für sich selbst? Ta läuft man nun Abend für Abend in die Bersammlungcn aller Orte, di« man nur irgendwie zu Fuß erreichen kann, sitzt vor vorgefaßten Meinungen, vor bösen und vor guten Worten, vor eingefleischten Auffassungen und vor Unsicherheit, vor Selbstbewußten und vor Schwankenden— und man kann nichts tun als reden, überzeugen, leidenschaftlichglühend die Wahrheit verfechten. Und wenn man dann nach Hause geht, in ein ärmliches, düsteres, enges nach Hause, und man fragt sich, was«S denn nun eigentlich genützt hat, ob man weitergekommen ist anf dem Weg, dann sieht man, daß der Schritt nach vorn nur«in ganz kleiner war, daß die Entwicklung des nächsten Tages, di« Phrase-es nächsten Menschen, uns schon wieder zurückschleudrrt. Und was hat das alle» dann für einen Sinn? Das Mädchen ist jetzt sehr müde. Es brauchte jemanden, der ihm wieder Mut machte zum Kampf. Aber auch di« Melodie-es Jungen wird weich, fällt traurig auseinander, gibt keine Hoffnung und leinen Trost. Und jetzt erstirbt sie ganz. Aber der Junge schweigt nicht. Er behält den gleichen Schritt wie das Mädchen, di« ersten Häuser ihres Dorfes tauchen auf, schon nähern sich die beiden-er Stelle, wo fi« sich trennen müssen, da bleibt der Junge stehen und sragt: „Hast du den Alten heute gesehen mit dem weißen Haar?" „Der in der ersten Reihe saß?" „Ja.— Der ist schon über fünfzig Jahre dabei. Glaubst du, daß der mü-e ist, Hilde?" Das Mädchen sieht auf. Alle Zweifel find verschwunden. Ausgelöscht ist die Stimmung der Rächt. Das Mädchen gibt dem Jungen di« Hand. Ja, sagt eS,-u hast recht— und dreht den Schlüssel um im Haustürschloß. „Also auf morgen!", antwortet der Junge und Pfeift, als er ihr den Rücken dreht, die Warschawianka. Ganz laut. Und er wartet so lange, bis im Fenster des Mädchens oben das Licht aufflammt. Dann erst geht er seines Wegs. Tiger des Meeres. Ki,r«ysva»e«rtzevnM» mit 6«taertivolen. süchtiger Eingeborener? Kommen Sie, nehmen wir unseren Whisky-Soda." Zitternd trank Charles de G. mit, während die änderen seine Zähne gegen das Glas klappern hörten. Zu Muriel war er fortan noch korrekter als oer Büffel selbst. Weg durch die Rächt. Bon Maria Gleit. Sie hatten den weitesten Weg, die Zwei. Die Nacht war kalt, aber die Kälte tat dem vom Dunst und Rauch des Bersammlungslokals heißen Gesichtern gut. Der Junge steckte di« Hände in die Taschen und Pfiff die Melodie eines Kampfliedes, mit dem der Abend geschlossen wurde. Das Mädchen ging neben chm und sah die' Straße entlang, als stünde an ihrem Ende ein Ziel, dem man zustreben müsse. Dir Straße aber bog an ihrem Ende ab nach rechts und links, Häuser standen da, schmierig und grau, Gasten verzweigten sich wieder, und noch ein Stück weiter war man zu Haus. Als das Mädchen dies dachte, mehr fühlte mit einem dumpfen Haß, nahm es de» Blick vom Ende der Straße weg und sah auf den Boden. Der Junge Pfiff weiter. Ganz leise, als fei es nur für ihn und das Mädchen bestimmt, rin« Melodie nach der andern... Das Mädchen schloß di« Augen. Nicht lange, zwei, drei Schritte vielleicht, aber es half nichts: in ihreni Geist klangen die Worte der letzten Stunden, die lauten, die erregten, die beschwörenden, die einander widersprechenden Worte— hinter ihrer Stirn liefen die Bilder ab wie«in Film: gestikulierende Arme, aufge- ristene Münder, leidenschaftliche Bewegungen. Augen, Gesichter, Körper schoben sich übereinander...■ Es war doch zuviel— dachte das Mädchen —, kein Mensch hält das aus— und wollte stehen bleiben, sich anlehnen, ausr>chen in der Rächt. Die Melodien aber, die der Junge ohne Wenn die Wale in Spiel oder Fresten vertieft sind, kann man sich leicht heranpirschen. Sie scheinen vielleicht darum die Gefahr so wenig zu achten, weil sie so wenig« Feinde haben. Nicht einmal, wenn sie an der Wasseroberfläche schlafen, stellen sie Wachen aus wie so viele Landsäugetiere. Die Haifische machen ihnen wenig zn schaffen und tun zweifellos eine ganze Reihe kranker oder verwundeter Tiere ab; aber der Schwertal oder„Mörder" ist ihr einziger wirklicher Feind außer dem Menschen. Der„Mörder" ist«in Tiger des Meeres, furchtbar an Kraft und Mordgier. Er fürchtet weder Mensch noch Tier und greift alles an, was schwimmt. Dabei gehört er zu den Tümmlern, einer Delphinen-Art, und ist nur 7.5 bis 8 Meter lang. Die mächtigen Zähne in beiden Kiefern können sogar einen Rirsenwal in Fetze» reißen. Mit Seehunden, Tümmlern, Haifischen und sogar mit Menschen machen sie nicht viel Federlesens. Kapitän Robert F. Scott, der bekannte Südpolarforscher, berichtet von einem merkwürdige» Abenteuer auf feiner letzten Fahrt. Das Schiff lag an einer Eisscholle verankert und zwei von den Eskimohunden waren in der Nähe des Randes angebunden. Scott rief den Photographen Ponting zu, er solle Lichtbilder von sechs oder sieben Schwertwalen ausnehmen, die längs des Achollenrandes herumschwammen. Sie schienet! sehr erregt und hoben ihre scynau- zen hoch aus-ein Wasser.„Plötzlich," erzählt Scott,„waren sie verschwunden, aber im nächste» Angenblick wölbte sich das Eisfeld unter Ponting und den Hunden und zerbarst in Stück«! Man hört« deutlich das dröhnende Geräusch, als die Schwertwale sich unter dem Eise aufrichteten und mit dem Rücken dagegenprallten. Dann tauchte» sie einer nach dem anderen in den Spalten, dir sie gebrochen hatten, hervor und streckten ihr« häßlichen Riesenköpfe zwei, drei Meter über das Wasser, wobei . ihre braungrlbe Kopszeichnung, ihre kleine f funkelnden Augen und ihr schreckliches Gebiß- bei weitem das größte und furchtbarst« auf der Welt— deutlich zu sehen waren. Die Bestien sahen sich offenbar mit größter Neugier danach um, was aus Ponting und den Hunden geworden war. Ponting war glücklich«rw«ise auf den Füßen geblieben und hatte sich mit ein paar Sprüngen auf festes Eis r«tten können, und auch von den Hunden war keiner ins Wasser gefallen, da bas Eis zufällig um sie herum und zwischen ihnen geborsten war, aber sie winselten und heulten nicht schlecht, als der Kopf eines Schwertwals keine zwei Meter von ihnen auftauchte. Ob dann den Räubern das Spiel zu unbedeutend vorkam, weil ihnen Ponting dabei fehlte, oder was sonst der Grund sein mochte: sie verschwanden nach anderen Jagdgründen." Die Kraft der Tiere geht aus der Tatsache hervor, daß sie«in« fast ein Meter dicke Eisscholle durch Stöße mit Rücken und Kopf gespalten halten. Der Mörder frißt anscheinenalles, was schwimmt. Fische, Vögel, Seehund«, Walroffe, Wale und Tümmler sagen ihm alle in gleicher Weise zu. Sein Aufnahmevermögen ist beinahe unglaublich. Die Höchstleistung wies bisher ein Mörder von 6.38 Meter auf, in desten Magen sich dreizehn Tümmler nnd vierzehn Robben fanden. Ich hatte oft erzählen gehört, daß die Mörder lebenden Walen die Zunge heransrcißen, um sie zu fresten. Ich hielt das für ein Märchen, bis ich 1912 nach Korea kam. Dort jagten wir kalifornische Grauwale, dir 13 bis 15 Meter lang werden. Auch Mörder stellten ihnen nach und hatten sich in'großen Rudeln zusammengerottet. Die Grauwale hatten derartige Angst vor den Mördern, daß sic beim Herankommen eines Trupps vor Schrecken völlig gelähmt wurden. T«r Grauwal legte sich dann mit ausge- spreizjeu Flosten auf den Rücken und trieb hilflos an der Oberfläche. In voller Fahrt her- i ankommend, legt« der Mörder die Rase gegen -die Lippen des Wals, zwängte''»in Msnl auf «nd seinen Kops hinein. Dann riß er große Fetzen der Zunge heraus und schluckt« sie gierig herunter. Bon 85 Grauwalen, die ich unter- {achte, hatten sieben mehr oder weniger abge- rrffene Zungen; bei einem war die ganze Zunge herauSgrrissen. Biese Wal« halten Biß» «al« auf den Lippen, und die Flossen und Gchwanzfinnrnende« waren zersetzt. Mein Freund, Kapitän Melson, brachte eine- Tages«inen Grauwal ein, dessen Zunge, Vie ich seststellte, säst ganz herausgerisseu war. Er gab an, er sei am Morgen an einer großen Schul« Mörder vorbeigekommen und habe später 25 Kilometer weiter«inen Grauwal geschossen. Bald habe«r die hohen Rückenslossen der Mörder in voller Fahrt aus das Schiss losiommen sehen. Sie seien heruingrkreist; dann habe fich einer auf den toten Wal gestürzt, der auf Steuerbord im Schlepp lag, den Kopf in sein Maul gezwängt und di« Zunge gefressen; nur durch einen Gewehrschuß habe Melson das Tier verscheuchen können: der Mörder habe mit den Schwanzflossen ausgeschlagen, die SchissSreeling zerschmettert und sei dann verschwunden. Dir Grauwale scheinen von den Mördern hartnäckiger verfolgt zu werden als irgend welch« der anderen großen Arten. Sie leben in«inrm derartigen Angstzuftand, daß sogar Tümmler, dir um ihren Kopf herumspringen, ihnen«inen Todrsschrecken«inslößrn. Manchmal schießen die großen Burschen wie toll an di« Küste und verschwinden da hinter den Felsen. Oft folgen ihnen die Mörder nicht; denn st« scheuen das flache Wasser. Sie streifen di« Küste aus«nd ab. Einige Mörder sind nicht im mindesten bang« vor einem Schiff. Die Walfänger freuen fich, wenn die Seetiger herannahm. Sie schrecken rasch«ine Schul« Wale derart auf, daß die Leute es leicht haben, sie „festzumachen". Ich könnte noch manche Geschichte von den Mördern bringen; doch mögen diese genügen, um zu zeigen, daß«S höchst gefährliche Gesellen find. Offenbar sind sic der Schrecken aller Tiere des Meeres. » Wir druckm dieses kurz« Kapitel aus einer soeben im Verlag Brockhaus, Leipzig, erschie« nenen außergewöhnlich intereffanten Forscherbiographie ab, auf die man besonders empfehlend Hinweisen muß. Der Bersaffer ist der. amerikanisch« Forsch ungsreismde Roy Chapman Andrews, der sich vor einigen Jahren durch seine aufsehcnerregmden Funde von Dinosaurier-Eiern einen weltbekannten Namen gemacht hat. Das Buch, das sich„Mit Harpune, Büchse und Spaten. Ein For- schrrlrben unserer Tage" betitelt, bringt di« abenteuerlich« Laufbahn des kühnen Gelehrten, die mit dem Scheuern der Fußböden im Amerikanischen Museum für Raturgeschichte in New Bork begonnen hat. Man kann dieses Buch das Werk eines„rasenden" ForschungSreijenden nenne«. Bon einem ruhelosen Forschungsdrang getrieben, zwischen Abenteuern und ernster wissenschaftlicher Arbeit, von der lleberlast seiner Pläne fast erdrückt, schreibt Andrews sei» Buch im Zug, auf dem Schiff und einen Teil sogar im Flugzeug nieder. So haftet dem Werk noch die frische Unmittelbarkeit des Erlebnisses an. Als erstes Ziel stellt Andrews di« Ausgabe, das Leben des Wals zu erforschen, das vor ihm _ nicht recht geklärt war. Es scheint ihm deshalb das Zweckmäßigste, sich als„Kanonire Roy" feicrlichst in die Brüderschaft der Harpuniere aufnehmen zu lassen»md den akademischen Hörsaal auf die hohe See zu verlegen. Zehn harte und gefahrenreich« Jahre bleibt Andrews dem Meer Und seiner Tierwelt trcu. Später führt das Forschungsschiff„Albatros" de» Rastlosen nach Borneo, Eelrbes und den Philippinen; dann schlägt ihn der rätselhafte fern« Osten in Bann. Auf ein«r tollkühnen Reise durch die selbst von de« Eingeborene» gemiedenen Urwälder Koreas ist er lange spurlos verschollen. Di« Krönung seiner Lebenswerkes bilden die von den bekannten Erfolgen begleiteten Riesen- Expeditionen in di« Gobi, über di« er schon in LeuchtgaSvergiftnng. Niemals darf ein Raum, der mit Leuchtgas erfüllt ist, von den Helfern mit riner brennenden Zigarre, einem brennenden Streichholz oder dergleichen betreten werden. Mit vor- gehaltcncm Taschentuch dringt man in das Zimmer«in, öffnet die Fenster oder schlägt mit einem Stock, beziehungsweise mit der tuchumwickelten Hand die Scheiben ein. Der Verunglückte wird schleunigst ins Freie gebracht und künstliche Atmung«ingeleitet. Zu diesem Zweck wird der Bewußtlose aus die Erde gelegt, unter dem Rücken wird ein Polster geschoben, um den Kopf tiefer zu lagern. Einer der Helfer soll die Zunge, die nach hinten gesunken ist und den Luftweg verlegt, mit einem Taschentuch«rsafien und nach vorne ziehen. Hinter dem Liegenden stehend oder knieend, ergreift man die Vorderarme und zieht sie hinter den Kopf, bis fich die Finger berühren (Einatmung). Nach einigen Sekunden werde» die Arme zurück an die Seitenwände des Brustkorbs fest angepretzt(Ausatmung). Diese Hebungen werden in der Minute etwa IKmal wiederholt, bis die bläuliche Gesichtsfarbe anfängt, der normalen Rötung zu Weichen. Jede Gewaltanstrengung ist von Uebel; denn sonst können leicht Schädigungen der Gelenke oder gar Rippenbrüche di« Folge sein. Innerlich« Bergistungrn. Liegt eine Vergiftung vor, so soll möglichst rasch Erbrechen hervorgeruftn werden. Hierzu kann man den Finger in den Hals stecken, mit einer Feder den Rachen kitzeln, Senf- oder Butterwasser trinken lassen. Bei Säurevergiftungen gebe man doppelkohlensaures Natron oder kalkhaltiges Wasser, bei Laugenvergiftun- grn empfiehlt sich Efiigwasser. Durch Milch und schleimige Getränk« werden die Beschwerden oft gelindert. Fremdkörper in den Luftwegen. Wenn«in Fremdkörper im Rachen, im ! Kehlkopf oder in der Luftröhre stecken bleibt, so tritt nicht selten Erstickungsgefahr«in. Bei größeren Gegenständen soll der Helfer versuchen, den Eindringling mit dem Finger zu erfassen. Oft fetzt dabei Erbrechen ein, und schon das Würgen befördert den Gegenstand heraus. Kinder kann man unidrehen, auf den Kops stellen und dabei schütteln, damit der Fremdkörper herausfällt. Fischgräten, die meistens in den Gaumenmandeln hasten bleiben, müffen vom Arzt entfernt werden. Starkftromverletznngen. Wenn es sich Um Verletzungen durch elektrischen Starkstrom handelt, so gilt es, drn Verunglückte» schleunigst aus dem Bereich des Hochspannungsnetzes fortzuschaffeu. Die Hände des Helfers mästen hierbei mit isolierenden Stoffen mit Gummihandschuhen, mit Kleidungsstücken, mit trockenen Tüchern, mit Papier oder dergleichen umwickelt sein. Der Verletzte ist ins Frei« zu bringen, künstliche Atmung ist rin- zuleiten. seinem 1927 erschienenen Werk„Aus der Fährt« des Urmenschen" berichtet hat. Andrews ist in seinem bewegten Dasein mehr als einmal totgesagt worden:„Das Sterben gehört zu weine« Lieblingsbeschäftigungen." Das rcichbebildert« und vortrefslich ausgestartet« Buch„Mit Harpune, Büchse uird Spaten"(8 oder 9.50 Mk.) beseitigt jedoch jeden Zweifel an der blühende« Gesundheit des Verfassers. Verbrennung««. Zu den häufigsten Unglück-sällen im täglichen Lebe» gehören Verbrennungen. Hier heißt cs vor allem Ruhe bewahren. Wen» dir Kleider eines Mensen in Flammen stehe», so soll man ihn sofort zu Boden werfen und ihn mit einer Decke oder einem-Teppich umhüllen, um die Flamme» zu ersticke». Die letzten glimmenden Rest« der Kleider werden mit Wasser über» gossen und dann mit der Schere, oder dem Mester abgeschnitten. Für ärztliche Hilfe ist umgehend Sorge zu tragen. Krampfanfall««nd Ohnmacht««. Wenn«in Mensch von Krämpfen befallen wird, so ist lediglich dafür zu sorgen, daß er sich nicht verletzt. Man bette ihn auf eine weiche Unterlage und laste den Krampfanfall sich auS» toben, bis der Arzt eintrifit. Bei Ohnmächten ist der Kranke schleunigst in frische Luft zu bringen, rinschnnrende Kleidungsstück« sind zu üsfnen, Brust und Stirn, werde» mit kaltem Wasser besprengt ober mit Salmiakgeist ringerieben, mit dem auch die Schläfen betupft werden sollens Bewußtlosen darf keine Flüssigkeit ringeflößt werden. Erst wen» die Ohnmacht weicht und wieder Schlucke» möglich ist, kann man HoffmannStropfen verabreichen. Blutung««. Bei Verletzungen, die mit starken Blutungen einhergehen, wird, sofern daS Blut im Strahl— also aus einer Schlagader stammen- — hervorschießt, oberhalb der Wuirdc mit einer Binde, einem Schlauche oder mit einem festgedrehten Tuch kräftig abgeschnürt. Fließt das Blut langsam heraus, so ist«ine Bene(Blutader) verletzt, und die Abjchnürung hat unterhalb der Blutung zu erfolgen. Die Binde darf nicht länger als zwei bis drei Stunden liegen bleibe», da sonst«in Absterben des Gliedes zu befürchten ist. Im Notfälle kann man auch durch festen Fingerdruck auf die— mit Gaze bedeckte— Wundstelle die Blutung zu stillen versuchen. Wenn der Verletzte infolge des Blutverlustes blaß und ohnmächtig wird, so öffne man sofort alle beengenden Kleidungsstück« und lagere den Kopf tief. Ter Arzt ist schleunigst z« benachrichtigen. Knochenverletzungen. Bei Knochenverletzungen ist das Wichtigste die Ruhigstellung des gebrochenen Armes oder Beines. Man binde am zweckmäßigsten«in« Schiene, einem Stock, ein Brett,«in Lineal, einen Schirm oder dergleichen an, di« vorher mit Watte, Moos oder Heu gepolstert worden sind. Wenn die Haut von einem Knochenstück durchspirßt ist, so wird die Kleidung vorsichtig weggcschnitten und die Wunde mit einem Stückchen sauberer Gaze bedeckt und mit riner Binde umwickelt. >» Bei all diesen Ratschlägen muß sich jedoch der Laienhelfer bewußt sein, daß er nur erste Hilfeleistungen vollbringen kann, und daß in den meisten Fällen schleunigst für ärztlich« Hilfe gesorgt werden muß—-d* V. Erste Htlfe vet aMügttehen Unfällen. r Originelle Marterln und Orabinfcyriften. Dir Alten waren ohne Zweifel origineller al4 wir. Das zeigte sich in ihrer Tracht, in ihrer Art die Wohnungen einzurichten, in der Herstellung Her Hausgeräte, di« nach den damaligen technischen Möglichkeiten ebenso praktisch wie gefällig waren und auch in ihrer Art zu denken und alles Weltgeschehen zu beurteilen. Sie besaßen nicht die reichen BildungS- möglichkcitcn unserer Zeit, hatten aber, wenn auch nicht einen weiteren, so doch«inen tieferen Blick. Dies findet man in Marterln, an denen besonders unser Gebiet reich war und in Grab- iitschriftrn, die manchmal in wenige» Zeilen tief« Gedanken,«ine ganze Biographie, oftmals auch schöne Lehrer», humorvolle Anspielungen und ganz löstliche Bergleiche enthalten. . Wie weil Hie Dankbarkeit eines von einem schlimmen Eheivetb erlösten Gatten reicht, erhellt ans folgender Inschrift in Dorf Tirol: „Hier liegt mein Weib, Gott sei's gedankt, Bis in das Grab hat sie gezankt; Lauf, lieber Leser, schnell von hier. Sonst steht sie auf und rauft mit dir." Ein Mühlenbesitzer von Partschius, der dann Totengräber wurde, erhielt folgende Grabinschrift: Weg von der Mühle an der Platt Trat ich in den Menst der Leichen; Ich futtere He» Tod nun satt In Hoffnung durchzuschlrichen; Er aber sprach: Rein! was nur lebt, Muß meine Beut« sein; Wer andern«in« Grube gräbt. Fällt selbst hinein." Wie man sich zur folgenden Inschrift stellen soll, ist nicht ganz klar: „Hier ruht die ehr- und lügendsaine Jungfrau Genovefa Roggenhuberin, betrauert von ihrem einzigen Sohn e." Auf dem Grabsteine eines Lehrers war dies« mathematisch-rationalistisch« Inschrift zu lesen: '„Des Rechnens müd lieg ich i« Grabe Und muß nun in die Brüche gehen; Wenn ich mich nicht verrechnet habe, So werde ich wieder auserstehen." Eine unzweideutige Inschrift war dies«: „Hier liegt Maria Padafter begraben, Dir manchen Mann liebte, aber keinen tat plagen; von der Fra«, dir daneben liegt, kann man -das nicht sagen." Originell ist auch di« Inschrift auf dem Grabsteine eines Schriftsetzers: „Er hat in seinem Leben Den Lettern manchen Druck gegeben; Den letzten Druck gab ihm der Tod— Run sei ihm ewige Ruh in Gott." Eine anders Grabinschrift besagte: Hier ruht Martin Loam, Gestern gieug er hoam; Eigentlich hieß er Leim» Doch giengs nicht wegen dem Reim. Eine ander« Südtiroler Grabschrift lautet: Bon da zur Ewigkeit JstS gar nöt weit;■ Um fünf gicng er fort. Um sieben war er dort. Was mancher nicht weiß. I« der chinesische« Prodi«, Jiiunan, nahe der tibetanischen Grenze, wächst ein Baum, der das härteste Holz liefert, das man überhaupt kennt. Man bezeichnet diesen Baum als„Sargbaum", weil die Chin«sen das Holz hauptsächlich zur Herstellung von Särgen verwenden. In der Gegend, wo er vorkommt, gibt er vielen Menschen ihren Lebensunterhalt, da bei dem Fällen, Verarbeiten und Verkaufen zahlreiche Menschen Beschäftigung finden. Der kleinst« Elektromotor der Welt befindet sich auf einem in Amerika hergestelllcn Siegelring. Er ist nur 6 Millimeter hoch und wiegt im ganzen etwa 8 Gramm. Für die Ankerbcwicklung sind 5% Zentimeter Draht verwrndet und für die Spulen 15 Zentimeter. Mit Hilfe einer kleiner» Zwei-Bolt-Batteric kann der Motor zum Kreisen gebracht werden. Wenn' di« Schnecke um die Erde wandern sollt«, indem sie den» Aequator folgte» der 40.070.4 Kilometer mißt, würde sie hiezu 848 Jahre brauchen. Der Mensch oder die Flieg« würden ein Jahr und 22 Tage für den gleichen Weg brauchen, der Schnellzug aber 18 Tage und 12 Stunden. Natürlich ist dabei Voraussetzung, daß di« ganze Zeit die gleiche Ge- schwindigkeit innegrhälten wird. Ein elektrischer Strom, der in einem Kupferdraht um den Aequator ging, würde nur 0.09 Sekunden brauchen, um diese Strecke zu durchlaufen. Die Hauptnahrung der Kirgisen ist der Kumys,«in Gemisch aus Kuh-, Schaf- und Pferdemilch, das vierzehn Tage lang gäre» muß. Während dieser Zeit wird er häufig tüchtig geschüttelt. Er schmeckt fertig ungefähr wie Buttermilch und sättigt so sehr, daß jemand, der ihn zum erstenmal trinkt, nicht»rehr als ein Wasserglas voll davon' trinken kann. Später aber werden acht bis zehn Gläser Kumys gern getrunken. Rach so reichlichem Genuß stellt sich dann eine Art Rausch ein, der fast wie«ine Lähmung des Denkvermögens ist. Jeder Besucher wird mit Kumys bewirtet. Erwachsene und Kinder haben immer«inen Napf voll bereit stehen, um Durst und Hunger zu stillen. gelteres. Die u»fttt gern« bereit. Im Jubiläums-Mannschaftsturnier des Arb.- Schach-stlick Wisterschan(1. Runde) geioann Teplitz gegen Sobrusan 5X: 2% und Wisterschan gegen Eichwald b%: 1J4(1 Hängepartie). Am 27. Oktober kommt in Teplitz„Germania" di« 2. P^iSe zur Austraanm».