3**« 7* Onter^altung^&eiloQe. 1932. ÄapanißGe Musterung. Der Verfass«! ist«in japanischer Student; der Aussatz konnte in Japan wegen d«r scharfen Prcßzcnsur nicht veröff«ntlicht werden;«r erschien in der Wiener„Arbeiter Zeitung" zum erstenmal in deutscher U«b«rsetzung. Am srüheu Rtoimorgen, als inan in unserem Dorf zur Reisernte ging, zog ich mir nrein Nationalkostüm an und verließ das Haus. Der Weg führte mich zu einer kleinen Station. Dort waren schon viele junge Leute versammelt. Alle waren sie in festlichen Kleidern, in großen Strohyüten, und sorgfältig rasiert. Schweigend erwarteten wir den Zug. Sonderbar tvar dieses Schtvei- gen, an einem herrlichen, sonnigen Tage. Der Zug kam. Wir betraten die Wagen, und schon nach drei Stunden erreichten wir die Kreishauptstadt. Die Pflaumenbäumc blühten. Nach Sonnenuntergang trafen wir uns in einem großen Speisezimmer. Aber niemand aß. Ohne das Abendbrot berührt zu haben, verließen alle den Saal. Es war die letzte Hoffnung:' so lange als möglich zu hungern, um schwach und krank auszusehen und bei der Untersuchung durchzufollen. Ich aß mein Abendbrot auf und ging beschämt hinaus, meinen guten Appetit Verwünschend. Meine Kameradert aßen aber am nächsten Morgen auch nichts, und nm 8 Uhr früh führte man uns dann zur Musterung. Ein hagerer, einarmiger Offizier, der wie ein hungriger Fuchs aussah und mit Orden nnd Waffen behängt war, hielt eine lange Rede. Dann mußten wir schreiben und rechnen und schließlich uns nackt ausziehen. Wir wurden gewogen, gemessen, die Augeuschärfe wurde geprüft, das Gehör und die Zählte eingehend untersucht. „Wie heißt dein Monarch?", fragte ein dicker Offizier einen; jungen, schwächlichen Burschen, der vor mir stand. Dieser schwieg. „Idiot, du kennst nicht den Namen unseres allmächtigen Herrschers?", schrie ihtl der Offizier wütend an, nnd schlug ihn mit der Faust zweimal kräftig, in oas Gesicht. Ich drehte mich nm. „Wie heißt dein Monarch?", wandte er sich an Essida, der seitwärts von mir stand und wie«ine Maus vor der Katze zitterte. ^Jch schlug ihn mir versehentlich ab."— Von Xorao „Du lügst, du haft ihn dir absichtlich abgehackt." Der Offizier begann ihn lange ins Gesicht zu schlagen. Mit einem Aufschrei fiel Essida zu Bodeii.„Bringt den Ver- brecher hinaus in di« Zelle, wir werden ihn der Gendarmerie ausliefcrn", befahl der Offizier und schlug noch einmal Essida, der blutüberströmt aus dem Boden lag, mit dem Stiefelabsatz. An den Beinen wurde Esiida hinausgcfchleift. Aus den Gesprächen hörte ich nachher di« traurige Geschichte des unglücklichen Esiida. Ihrer waren drei. Er, di« Mutter und der Bruder. Sein Bruder wurde vor vier Jahren zum Dienst geholt. Infolge des grausamen Regimes in der Kasern« und der schlechten Berpflegung bekam er die Schwindsucht. Zwei Jahre hütete er daS Bett. Seine Krankheit verschlang die ganzen Ersparnisse der Familie. Nun ist er vor drei Monaten gestorben. Der unglückliche Essida hörte während der Krankheit seines Bruders viel über das Leben in den Kasernen. Nm dem Militärdienst auszuweichen, suchte er lang« nach einem Mittel, schließlich hackte er sich entschlossen den Zeigefinger der rechten Hand ab. Auf die unglaublichsten Mittel verfallen die jungen Leute aus Furcht vor dem Kasernendienst. Sie gehen in den Tempel» fünfzig Nächt« hintereinander, und opfern, den Gottern ihr ganzes Geld. Sie tragen um den Hals ein schweres Brett, das si«— einem alten Glauben zufolge—■ vor Unglück bewahrt. Ich weiß, daß viele Burschen schon vor ihrem fünfzehnten Jahre an Brillen tragen, um sich die Auge« zu verderbe«.... Nun war die Reihe an mir. Ter dicke Offizier begann das Verhör.„Wieviel Steuern zahlt deine Famili«? Bist du Student? Welcher Fakultät?" Auf seinen Achselklappen waren viele Streifen und" Sternchen, und dadurch erschienen sein« Schultern ungewöhnlich breit. Er fragte mich aus wie ein«n Verbrecher und prüft« meine Papiere. „Was ist Demokratie?" Ich erklärte ihm den Sinn dieses Wortes. Er wurde sehr böse. „Und wie denkst du, diese Demokratie, ist sie gut oder schlecht?"—„Ich denke, daß sie gut ist", antwortete ich.—„Warum?"— „Weil die Staatsgewalt in den Händen des Volkes liegt." Er schlug mich einige Male in das Gesicht. Warm ergoß sich das Blut aus meiner Nase und tropfte auf den Boden. Ich trat einige Schritte zurück und verlor fast die Besinnuitg.„Sie haben kein Recht, mich zu schlagen, das ist gesetzwidrig", r»ef ich aus.„Revolutionär!" Er schlug mich noch einmal. Alle anwesenden Offiziere versaiunlelteu sich um ihren Vorgesetzten. Sie verhandelten leise miteinander und sahen mich an voller Haß und Wut. In dem großen Saal trat lähmende Stille ein. Der Kommandeur sagte schließlich zu mir:„Man wird dich nach dem Essen noch einmal rufen." Dann führten mich die Soldaten hinaus. Einige Stunden stand ich in meiner Zell« an dl« Wand gelehnt. Ich dachte daran, was man mit mir wohl»rächen würde. Werden si« mich der Gendarmerie ausliefern und sagen, daß ich«in„Revolutionär" bin? Oder werde ich in die Kaserne geschickt, wo mein Tod besiegelt sein wird, vielleicht wird mau sich bei der Universität beschweren, und dann hätte ich keine Möglichkeit mehr, mein« Studien sortzusetzen. Am Mcnd rief der hagere, einarmige Offizier alle Neuangeworbenen in den große» Saal. Dann hielt er eine Rede nnd. sagte etwa folgendes:„Die Resultate der heutigen Untersuchung waren sehr schlecht. Unter, euch befinden sich sehr viele Simulanten, Söhn«, die ihr Vaterland nicht lieben, und sogar Demokraten. Tas ist eine Schande! Ihr habt eure Pflicht dem Vaterland gegenüber vergessen." Dann begann er über den«. Patriotismus zu reden und führte einige Beispiele aus dem Russisch-japanischen Krieg an.„Ich sah, wie vor Mukdcn di« Geschosse der japanischen Soldaten über die Köpfe der Feinde psifsen. Unsere Soldaten benahm«» sich wie Feiglinge. Sic hatten Furcht, aus den Schützengräben hinauszusehen, und schossen in den Himmel, statt auf die Feind«." Er redete»och sehr lange, von Zeit zu Zeil sich den Schweiß von der Stirn wischend. .„Verzeihung, Herr Kommandeur, es. ist eben eine sehr unangenehme Sache geschehen",, sägte der Unteroffizier, hastig in das Zimmer tretend.„Nun, was ist den», gescheh«»?", unterbrach der einarmige Offizier seine Rede.„Essida ist aus seiner Zelle ausgebrochen, hat das Fenster cingefchlagen ..", berichtete der Unteroffizier in mili tärischer Haltung.„Rufen Sie sofort tele- 2 Japanisches NachngattenUed. Bon Max Randstein. Das Reich der Milte ist an Hekatomben Durch UeberschwemmunA, Hungersnot, gewohnt; Dumpf dröhnen unsre schweren Flieger bomben Auf jede- Ziel, das solchen Aufwand lohnt. Wir sagen kann: wir warfen»ar Prospekt«! Die Presse druckt's und bald gkanbt's jedes Schaf; Was fragt die Welt, tvrr hier di« Beine streckt«. Und ob und wo und wie die Bombe traf? Die sich zerfetzt am harten Boden wanden Und deren Blut in Gräben floß und stieg: Es waren alles wilde■ Räuberbanden, Tenn, bitte sehr: wär führen keinen Krieg! Wir haben nur den Drang, der Welt zu nützen, Ganz unbeseelt von jedem Länderdurst; Wir wollen schließlich auch die Bahn beschützen, Und alles andre ist uns Hundewurst. Ter Völkerbund, der macht uns hier nicht bang«, Sein Zweck und Wohnort sind zu weit entfernt. Hell und verschlage«' waren wir schon lang«; Das andre haben wir von euch gelernt! phonisch die Gendarnrerie an."—„Es ist nicht notig, glaube ich, denn er warf sich in den Fluh..."—„Wie? In den Fluh?" Der Einarmige ging schnell aus dem Zimmer. Auch wir verließen das Gebäude und gingen zmn Fluß. „Seht, hier sind die Hctas(Holzschuh«), die Eflida gehörten!", rief jemand. Am Rande der Brücke sahen wir die neuen Holzschuhe, auf denen der Name„Efsida" geschrieben stand. Ich vergaß mein eigenes Unglück und starrte geislesabwesend ins Wasser, das den armen Efsida verschlungen hatte. Ich dachte daran, daß er diesen Somnwr so traurig war und mit niemandem sprechen wollte. Vbono-Montage. Japanische Jngenieurosfiziere montierten Mikrophone aus Panzerwagen, die an der chinesischen, Front eingesetzt wurden. Funker mit tragbaren Mikros wurden den Sturmtrupps zugeteilt. So gelang den Japanern das Niedagewesen«: Schlachtenlärm und TodeS- schrei im Rundfunk, lebendfrisch und sozusagen noch blutig in jedes Haus geliefert, ohne daß der Hörer die mancherlei Unbequemlichkeiten eigenen Fronterlebnisies auf sich zu nehmen hatte. Ei» ungeheurer kultureller Fortschritt! Japans Rundfunkhörcr waren bis auf weiteres erlöst von Schallplattenkonzert und Borträgen über Goethe als Kleingärtner. Sämtlich« europäischen und amerikanischen Sendegefcllschaften blitzsnnkten nach Japan, man möchte sie um jede« Preis teilhaben lassen an dieser Sensation. Japan war geschmeichelt und gestattete höflich entgegenkommend. Der Kurzwellensender Nagasaki übernahm die transozeanische Uebertragung nach aller Welt. Die ersten Versuch« mißglückten allzu groß waren die Schwierigkeiten. In den Abhörräumen der Sendegescllfchaft wartete man in fieberhafter Spannung auf die Uebertragung, bereit,* nach fünf gelungenen Minuten das eigen« Programm umzustoßen und den Sender von Ostasien her steuern zu lasse«. 16.45 MEZ. wär cs so weit, Nagasaki mit Kanonendonner und Fliegersurrcn deutlich zu hören.. „Was hätten wir jetzt eigentlich aus dem Programm?" fragte der Rundfunkdirektor seine» Rfsijtente». „Uebertragung aus Genf: große Rede des Präsidenten der Abrüstungskonferenz." „Verdammt! Wenn wir die, abhängen, beschwert sich morgen die ganze Pazifistrnbaude. Und Nagasaki ist geradezu fabelhaft zu hören!" Der Herr Direktor war wütend. „Wir könnten beides gleichzeitig geben!" schlug der Assistent vor. Es sollte«in Witz ftin. Der Direktor ging darauf«in. Es wurde ein grandioser Witz. Und aus Lautsprechern und Kopfhörern des Sendebezirks klang es: „... nie war die Menschheit dem heiligen Ziele der Abrüstung und des.Friedens so Ein« Studienreise- vo» über vier Monaten führte den Verfasser über New Jork nach den Inseln des Karibischen Meeres, nach Venezuela, Kolumbien, Havanna, New Orleans, Kalifornien, San Franzisco, Los Angeles, Chicago und New Aork wieder nach Europa zurück. WaS cr auf dieser Reise geschcn, erfahren und erlebt hat, das schildert er in einem soeben km Berlage Strecker und Schröder, Stuttgart, erschienenen, leicht und flüssig geschriebenen Buch„U n t c r Palmen, Bohrtürmen, Wolkenkratzern... Eindrücke aus Nord- und Latein-Amerika." Mit 61 Bildern auf Kunssdrucktafeln.(Preis 6 Mark, geb. 8 Mark.) In plastischer Anschaulichkeit erzählt er von dem verwirrenden Getriebe m den Großstädten Nordamerikas, von Land, Leben und Leuten im südlichen Amerika, vom Reichtum dieses Erdteil«- an Erdöl und gewährt uns Einblicke in die Art seiuer Gewinnung. Das Buch ist .in Tagebuchform geschrieben, aber«ben dadurch erhält es den Eindruck des Unmittelbaren. AuS dem anregungsvollen Buche bringen wir mit Erlaubnis des Berlages nachstehend« Leseprobe: Schon beim Morgengrauen war ich draußen auf dem Felde und sammelte Material für meine Arbeiten. Mene Grande liegt sehr malerisch auf einem hügeligen Gelände, auf dessen höchstem Punkt« das Klubhaus erbaut ist. Bon da schweift der Blick weit ins Land hinein, bis an di« dichten Wälder heran, die allmählich der fortschreitenden Technik zum Opfer fallen. Langsam tastet sich der Mensch durch das Dickicht vor, erforscht durch Bohrungen die Lage und Mächtigkeit der erdölführenden Schichten, und wenn er sie gefunden hat, dauert es nicht mehr.lange, bis die breiten Straßen durch den Urwald geführt, di« Rohrleitungen verlegt, die Bohrtürme gezimmert und die Maschinen aufgestillt sind, die ihr« Zyklopenarbeit gegen die Gewalten der Natur aufnehmeu. Stillschweigend dulde« di« Baumriesen, daß sie vom Beil nnd der Säge gefällt, mit Stumpf und Stiel ausgerottrt werden. Die Bügel und Tiere des Waldes ziehen sich zurück und weichen der Uebermacht des Menschen. Doch nicht in allen Gegenden des Landes wird di« industrielle Erschließung widerspruchsnahe wie' jetzr...* Wwwhummmm! Kchchch. whiü-whiii-whiii ... tack-tack-tack-tack..., Rrrräätfch..., bumm... päng. päng.. päng.,, mwh'.linimnm! „... di« Zeiten sind vorüber, da Mütter um ihre Söhne, Gattinnen um ihre Männer, Kinder um den Vater weinen mußten'..." Wwhummmm! Ah-ahh ohhh ahhlch! Pfiii ... Pfiii... Mi... Schmerzensschrei Getroffener. Stöhnen Verwundeter. Röcheln Sterbender. Gebrüll der Angst, der Wut, des Schreens. „Großartig, diese Kriegsreporkage, was?" sag» der Direktor, und seine Augen leuchten. „Der Abrüstungssritze aus Genf spricht auch nicht übel!" bemerkt der Assistent.„Bloß ein bißchen zu leise," Hans Seiffert. los ertragen. Jenseits des Maracaibosees im Bezirk von Colon lebt in den Tälern des Rio Santa Ana«in wildes Geschlecht, di« gesürch- teteu Motilone-Judianer, die ihr« Jagdgründe gegen die fremden Eindringlinge mit einer den unzivilisierten Völkern eigenen Zähigkeit verteidigen. Ihre Massen sind der Bogen und der Pftil, di« sie mit außerordentlicher Trefs- sicherhcit handhaben. Der Bogen ist mannshoch und ist aus dem Holz der schwarzen Palme geschnitten. Es««fordert eine ungeheure Kraft, ihn zu spannen. Der Moliion« nimmt dabei seinen Fuß zu Hilfe und stemmt di« r«chtwiukling ckbgebogen« große Zehe gegen das Holz. Der aus dem Holz der Sumpfpalme und des Bambusbaumes zusammengesetzt« 2—2.5 Meter lange Pfeil schlägt in einer Entfernung von Ivv Metern noch einen Baumstamm durch. Di« Pfeilspitze ist gewöhnlich 15 bis LV Zentimeter lang und an zwei oder drei Stellen mit Widerhaken versehen; meistens ist sie auch vergiftet, besonders in Fälle», wenn Jagd auf Menschen gemacht wird. Die Indianer schießen