1932. Str. lv. «nteryaltunAüvrtlage Der erste Branntwein-Brenner. Don Sco Solftoi Ohne Frühstück ging der arm« Bauer hinaus aufs Feld, um zu ackern, nur ein Stück Brot nahm er mit. Als er dort ankam, legte er seinen Kaftan ab, gab ihn unter«inen Busch und tat das Stück Brot daneben. Später wurde dann das Pferd müde und der Bauer hungrig. Er spannte das Tier aus, ließ es tveiden,«r selbst aber ging zu seinem Rock, um das Stück Brot als Mittagmahl zu verzehren. Er hob den Rock auf und siehe da, das Brot war w«g. Er suchte es, suchte es überall, drehte den Rock hin und her, schüttelte ihn— das Brot war nicht da. Ter Bauer staunte darüber sehr.„Ist das aber sonderbar! Ich habe niemand gesehen und doch hat mir jemand das Brot gestohlen!" Es war der Teufel gewesen, der ihm das Brot entwendet hatte, während der Bauer arbeitet«; und er duckt« sich hinter den Busch, um zu hören, wie der Bauer fluchen und dabei den Teufe! erwähnen werde. Dem Bauer tat es wohl sehr leid, daß er bestohlen worden war, er tröstete sich aber auf seine Art. „Nun", sagte er,„ich werde nicht Hungers sterben; jener, der das Brot genommen hat, hatte es sicherlich sehr nötig— möge es ihm wohlbekommen!" Und der Bauer ging hin zum Brunnen, trank einen tüchtigen Schluck Wasser, ruhte, spannt« das Pferd«in und machte sich wieder an die Arbeit. Der Teufel wurde betroffen, daß er den Bauer nicht dazu verleiten konnte, zu sündigen. Er begab sich hinunter in di« Hölle, suchte dort den Obersatan auf und erzählte ihm, wie er dem Bauer das Stück Brot entwendet und wie dieser, statt zu fluchen, gesagt hatte,„es möge ihm wohlbekommen!" Der Obersatan geriet darüber sehr in Wut. „Wenn der Bauer", schrie er zornig,„dich überlistet hat, so ist das dein Fehler, du hast di« Sache eben falsch angepackt. Das würde noch fehlen, daß sich der Bauer und gar sein Weib an dergleichen gewöhnen— dann toerden wir niemals vorwärtskommen! Ein« schlimm« Sache, das muß ich dir sagen. Ich kann das nicht ruhig hingehen lassen. Kehre sofort zurück und verdien« dir das Stück Brot des Bauern. Wenn du nicht binnen Kvei Jahren über ihn triumphierst, bade ich-dich in geweih- iem Wasser.^--.‘ Bor dem geweihten Wasser hatte der Teufel eine Riesenangst; so rasch er nur konnte, eilt« er wieder zur Erde hinauf und grübelte darüber nach, wie er seinen Fehler wieder gutmachen könnt«. Er zerbrach sich lang« den Kopf — endlich kam er aber doch darauf. Er nahm das Aeußere eines guten Menschen an und verdang sich bei dem armen Bauer als Arbeiter. Und er lehrte den Bauer, während des trockenen Sommers im Sumpf säen. Bei den Nachbarn wurde alles von der Sonne versengt, di« Saat des armen Bauern aber gedieh üppig, lang, in "vollen Aehren. Der Bauer konnte davon ein ganzes Jahr leben und es blieb ihm noch Weizen in Hülle und Fülle übrig Im nächsten Sommer lehrt« der Arbeiter den Bauer, oben auf dem Berge zu säen. Im Sommer regnete es in einem fort. Bei den anderen schlug der Regen alles nieder, die Saat fault« und die Aehren füllten sich nicht, aber das Getreide des Bauern oben auf dem Berg entwickelte sich prächtig und es blieb ihm so viel Ueberfluß, daß er gar nicht wußte, was damit beginnen. Ter Arbeiter lehrte jetzt den Bauer, aus dem Getreide Branntwein brennen; und der Bauer braute den Schnaps und er trank davon und gab auch den anderen zu trinken. Der Teufel sucht« den Obersatan auf und rühmte sich, das Stück Brot nunmehr verdient zu haben. Der Obersatan wollte sich davon mil- eigenen Augen überzeugen. Er suchte also den Bauer auf und er sah, daß dieser di« reichen Leute des Dorfes zu sich eingeladen hatte und sie mit Branntwein bewirtete; die Frau des Bauern bot ihn den Gästen an. Während sie das Getränk vorsetzte, streifte sie an den Tisch und stieß ein volles Glas um- Ter Bauer wurde zornig und verflucht« seine Frau. „Tu Teufelsbrut", brüllt« er.„Ist das ein Spülicht, du Krummbeinig«,' daß du es ans den Fußboden ausschüttest?" Ter Teufel stieß den Obersatair mir dem Ellbogen. ,Lörst du", flüsterte er,„jetzt, sagt er nicht: es möge dir wohlbekommen!" Der Bauer fluchte, noch weiter, und er schenkte selbst ein. Da kam, von der Arbeit müde,«in armer Bauer, den man nicht geladen hatte;- er grüßte, setzt« sich, und er sah die* Bauern Branntwein trinken. Auch er bekam Lust, auch er wollt« davon einen Schluck; er saß nur und saß, schluckt« immer wieder den Schleim hinunter. Der Bauer hätte dem Armen nicht um die Welt auch nur ein einziges Gläschen gegeben, sondern er brummte für sich:„Ich kann nicht alle von euch mit Branntwein versehen." Auch das gefiel dem Obersatan. Der kleine Teufel meinte: „Warte nur noch ein wenig, es wird noch bunter werden." Die Gäste tranken, und der Hausherr trank. Sie schmeichelten einander, priesen einander ihre Reden waren geschmeidig und glatt wie Butter. Der Obersatan lauschte, und er flüstert« deni kleinen Teufel zu: „Sobald däs Getränk sie den Füchse» ähnlich gemacht haben wird und sie sich gegenseitig betrügen und überlisten werden, haben wir sie sämtlich in den Händen." „Warte nur", entgegnete der kleine Teufel, „bis sie auch das zweite Glas im Wanst haben. Wie di« Füchse gehen si« jetzt schweipvedelnd einer zum anderen, und einer will deu anderen betrügen. Du wirst aber sehen, bald werden sie so sein, wie böse Wölfe." Die Bauern leerten das zweite Glas, ihre Reden wurden lauter und roher. An Stell« der ölglatten Reden kamen Flüche, es fielen böse Wort«, eine Schlägerei entstand und sie schlugen sich gegenseitig die Nasen ein. Auch der Gastgeber mengte sich ein; man prügelt« ihn tüchtig durch. Ter Obersatan sah das alles mir an und cs gefiel ihm sehr. „Gut!- Sehr gut!" brummie er. „Warte nur", iagr« der kleine Teufel,„es kommt Noch bunter. Sic mögen nur erst das dritte Glas leeren Jetzt sind sie wütend wie die Wölf«, bald toerden sie aber wie die Schurein« sein." Und die Bauern tranken das dritte Glas. Sie wurden ganz weich gestimmt-- sie stammelten-- sie lallten— sie bemerkten gar nicht, daß keiner auf den- anderen hört. Und die Gäste entfernten sich— einzeln— zu zweit— zu dritt: alle fielen sie aus der Straße der Länge nach hin. Der Hausherr ging mit ihnen, um sie hinausznbegleiten— und er fiel hin, mit dem Gesicht in ein« Pfütze, er beschmiert« sich von- Kopf bis Fuß. und nun lag er dort wie ein Wildschwein und grunzte. 2— Dem Obersatan gefiel da- noch mehr. »Also ja", sagte er,„du hast dir da ein fein«- Getränk ausgcdacht, du hast dir da- Stück Brot verdient. Erzähl« mir, wi« du diese- Getränk bereitet hast. Du hast wahrscheinlich zuerst-a- Blut de- Fuchses genommen: davon wurde der Bauer so schlau wi« ein Fuchs; dazu kam das Blut bei Wolfes: es erwacht« in ihm die Lust zum Bösen— wie in einem Wolf; schließlich hast du Schweineblut hinzugemengt: aus dem Bauer wurde«in Schwein." „Nein", entgegnete der klein« Teufel,„nicht so, habe ich es znsammengebraut. Ich habe nichts anderes getan, al- dem Bauer im ll«ber- Im Stuttgarter Kosmosverlag Franckh har E. G- Erich Lorenz unter dem Titel „P.fadjnche in der Wüste" Schilderungen von Saharadurchquerungen in alter nnd neuer Zeit erscheinen lassen. Die sehr fesselnde Zusammenstellung bietet eine Urbersicht über die bedeutendsten Wüstenexpeditionen eines Jahrhunderts von Major Denhams Zug nach Fulbe(1822) über Caillies, Barths, Rohlfs, Nachliga lls Karawanenreisen und Wüstenmärsche bis zur französischen Citroen« Autömobilexpedition nach Timbuktu. Diesem letzten Abschnitt ist die folgende Probe entnommen. Das mit vierundzwanzig Kunstdrucktafelbildcrn illustriert« Buch hebt die deutschen Reisen. liebevoll hervor und botont nnt Nachdruck die Borteile, die der schwarz«/ Erdteil durch das Eindringen europäischer Zivilisation gewonnen hat, hält sich aber dabei doch von unangenehmem Chauvinismus fern. Erst{ in der sechsten Morgenstunde bricht man aus dem gastlichen Lager aus. Knirschend fauchen die kleinen Ungeheuer über das Sandmeer,; das leblos sich hinstreckt, so weit das Auge zu reichen vermag. Allen voran die Kriechende Raupe, dann Goldkäser, hinter ihm, dicht aufgeschlossen, der Silberne Halbmond, di« Fliegende Schildkröte und Llpis. Man hat den toten Wesen Namen gegeben, wie einst den Flugzeugen, den Geschützen. Sind es denn überhaupt leblose Gesellen, diese knurrenden, hämmernden, zischenden, immer atmenden, hastenden Wesen? Sind es nicht riesige, vorweltlich« Tiere? Dem Eingebornen liegt solch ein Gedanke näher als uns kulturbelcckten Europäern. Erst gestern sagte einer:„Dein Kamel ist schneller als das meine, aber meins braucht weniger Pflege als deins!" ij. Di« lÜPS-Motoreu keuchen; der.Sand ist weich und tief, die Schaufeln haben schwere Arbeit. Än der Gara Krima geht der Weg vorüber, jener flachen Sanddünung, die ein Dichter der Sahara den„irdischen Regenbogen" genannt hat. Weithin kein Orientierungspunkt, Saud. Sand, nichts als Sand, den da und dort in schmalen Gürteln Wüstengras wi« graue, harte Borte überzieht. Man wüßte nicht, ob man recht führe, wären nicht die Radspuren der Verpslegskolonne, die den Boden in breiten, parallelen Streifen überlaufen, noch deutlich zu sehen. Bitter kalt ist es heut«. Schon um fünf Uhr nachmittags bricht die Nacht nieder, plötzlich, schmerzhaft fast, ohne Dämmerung. Am nächsten Morgen zeigt das Thermometer in der sechsten Sturrde fünf Grad Kälte. Die unermeßbar weit hingebreiteteu Dünen wechseln im steigenden Licht des Tages»«unterbrochen Gestalt und Farbe. Sand, Sand, nichts als Sand, kein Gras, kein Bogel, kein Mensch, Stille, fluß Getreide wachsen lasten. Das tierische Blut war immer in ihm enthalten— solange aber das Brot knapp war, reichte es nicht für di« Nahrung; da tat es ihm auch um das letzt« Stückchen Brot nicht leid. Der Ueberfluß ist eS, der ihn anspornt. Ich hab« ihn gelehrt, Branntwein zu trinken. Und sobald er aus Gottes Gabe Schnaps gebraut hat, rührt« sich in ihm da- Blut des Fuchses, des Wolfes und des Schweines. Wenn er nun immer Branntwein trinken wird, wird er immer«in Tier sein." Der Obersatan belobte den kleinen Teufel, und er verlieh ihm Rang und Würde. unheimliche Stille, die kein Echo hat jür di« Stimme knatternder Motoren. Zivei Uhr nachmittag-: plötzlich am Ende des Wadi Mya, plötzlich an einer Oase, deren Grün wie der Garten Eden dünkt nach dieser farblosen, toten Wüste. Der Eindruck ist überwältigend. Langhin streckt sich, grünleuchtend, ein Tal, wie von einem geheimnisvollen Zan- berspruch ins Land der Oed« verbannt. Dir Augen können sich nicht sattsehen. Doch der Weg in diesen Märchenhainen ist schlecht, steinig, von seinem Mergel, in den- die Raupen tief einsinken. Sandfontänen, di« sich in der un* beweglichen Lust hoch aufsteilen, läßt jeder Wagen hinter sich. Stunde rinnt um Stunde hin wie die Sandkörner vom Band der Raupe. Es ist vier Uhr nachmittags. Das nächste Ziel ist Fürt Hassi Jnifel am Rande des Wadi Mya; wird man vor Einbruch der Nacht noch dort sein? Der bange Gedanke ist bald zerronnen, schon von der Höh« der nächste» großen Düne sicht man die grauen Mauern der Festung im Grün von Dattelpalmen auflruchten,«ine halb« Stunde später öffnen sich die Tor«, die Reisenden einzulasten. Wie sie sich nach dem letzten Wagen wieder schließen, scheint das Geräusch der Motoren wie verschluckt von dem steinernen Rachen. Grabesstill ist es.mit einem Schlag, so still, als wandle der Tod allein nur Wicker über all die tausend Dünenwellrn, di« im Osten, im Westen, dicht vor dem Gemäuer selbst branden. Breit vor das Fort legt sich südwärts rin wogender Sandgürtel, dem das Hochland von T a d e m a i t entwächst. Zwanzig Kilometer tief dehnen sich sandige Fluten, die jeder Wind verändert, die nie stillstchen, immer wandern, wandern. Das ist das Schicksal des Landes, das seiner Menschen. Es fährt sich leicht aus solchem Grunde. Mühelos werfen di« Schaufeln den Sand hinter sich. Am frühen Nachmittag ist der Sockel des Berglandes erreicht. Wenn cs nur nicht so kalt wäre! Schneiders kalt, kaum zum Aushalten. Man sriert durch die Mäntel, durch die Handschuhe. Das Steuern wird schwer. Und unwirklich schnell ist der Tag zu Ende, die Dunkelheit stellt höchst« Ansorde- rungen an den Orientierungssinn. Man muß mitte« im Sandfeld halten. Der Spitzenwagen läßt eine rote Rakete steigen. Das heißt: Bitt« um Auskunft! Ter letzt« Wagen antwortet mit zwei weißen Leuchtkugeln: Nichts Wichtiges, wartet auf uns! lind man wartet: um 11 Uhr nachtS ist die Kolonne wieder beieinander. Run in gesteigerter Fahrt nach dem nächsten, nicht mehr weit entserntrn Zielt, dem Ort Ain Gettara. Der Spitzenwageu verliert sich jedoch bald wieder in der Dunkelheit und krischt auf einem alten, früheren Hirteuw eg hin, der am Rand eines Abgrundes plötzlich endet. Unweigerlich wäre der Wagen in die Tiefe gestürzt, wenn ihn nicht die Raupen festgehalten hätten. Die Führer der Expedition rettet« die Eigenart dieser Erfindung vom Tode. Man kehrte um, findet die recht« Richtung nnd bald fallen die Lichtkegel der Scheinwerfer auf di« weißen Mauern der Fest« von Ain Gettara. Ein paar Soldaten, Eingcborne im Dienste Frankreichs, halten nur Wache. Für ein paar Stunden kchrt der Zug der Raupenfahrzeuge hier ein, um in früher, kalter Morgenstunde schon wieder dem nächsten Hafen zuzustreben. Täuschende Luftgebild« schwebe« über dem Land. Seen tauchen aus mit ungewisten Ufern, rosenfarbene Städte, deren Kuppeln und Minarette aber jedesmal entschwinden, wenn man ihnen näherkommt. Fiebrig zitterndes Geflimmer eines Riesenschleicrs von Erdausdünstungen weht auf und nieder und gaukelt den Sinnen sonderbaren Trug vor. Es ist die Welt des Essrits, der Geister und Dämonen, der Genien, Feen, di« den Wandernden irresühren, bis«r ihnen willenlos folgt in ihr grausiges Reich. An den Lagerfeuern wisten di« Hirten, die Reiter davon zu erzählen. Foggaret wird um zwei Uhr nachmittags erreicht. Der Ortsälteste möchte die Reisenden bewirten. Man muß es ihm abschlagen, denn die Stund«, in der In Salah erreicht werden sollte, ist nahe. Rur eine Taste Tee nimmt Man gern an. Dünen, Sandebenen, klein« Palmenpflan- zuilgen wechseln hinter Foggaret. Di« Wagen hohen keine Schwierigkeiten^ zu übertvinden. Nordwärts, hinter ihnen, ragen steil'die gewaltigen Felsenburgen des Berglandes von Tade- mait; je mehr man sich von ihnen entfernt, desto mehr verlieren sie an Grauenvollem und Großartigem.■ Bald wendet sich kein Blick mehr rückwärts, nur nach dorn richtet sich das Fernglas, denn In Salah, der erst« Etappenort, an dem man sich zwei Tage Ruhe gönnen wird, muß jeden Augenblick aus dem Dünenmeer tauchen. Vier Uhr vorbei:«ine mächtig« Sandwelle türmt sich in der Ferne. An ihrem Fuße leuchtet ein grüner Fleck: In Salah. Auf der nächsten kleinen Bodenschwelle hält unbeweglich wie eine Bildsäule, rirstngroß scheinend gegen dek grauen Himmel, ein Dromedarreiter. Wie er den Zug erspäht, scheint Leben i« ihn zu kommen. Er winkt nach hinten nnd im Rn ergießt sich über den Sandhügel«ine Flut reitender, laufender, schreiender nnd wild mit den Armen fuchtelnder Mensche«. Palmenzweig« werden geschwungen, schon sind di« Wagen umringt, alle reden, lachen und plärren durcheinander und begleiten di« Fahrzeuge in den Ort. Der Abend wird ihnen wieder zum Fest. Frauen tanzen und kreischen, Männer spielen in Scheingefechten miteinander; und dann verteilen die Franzosen Geschenke— sie erwartet man a«ch im Jahr« 1922 noch. Aber es sind noch kein« fünfundzwanzig Jahre, als man sie als unbesiegter, swlzer Herr der Wüste nahm, ohne zu fragen, ohne zu bitte«. Das Kaninchen und die Krokodile. Ein« japanische Fabel. Die Berichte über,di« sich täglich mehrenden Auseinandersetzungen zwischen den„Freunden" innerhalb der Harzburger Front erinnern mich an eine kleine japanische Fabel, die mir vor einiger Zeit z« Gesicht kam. E- war einmal ein kleines Kaninchen, das lebte aus der Ins«! Oki mitte» im Meer«. Nicht allzu weit davon entfernt lag die Insel Jki. 9lnf IMntiirtonieltn durey die Wüste — 8— Das Kaninchen hatte auf der Insel Oki schon lange genug gelebt und wollte gern einmal auf di« Insel gelangen. Da sprach es eines Tages zu einem Krokodil. das im Sande des Strandes herumlungert«:„Ich finde es langweilig auf dieser Insel, denn ich bin ganz allein. Du aber hast es schön, du hast deine Freunde!" „Ich habe so viele Freunde," prahlte das Krokodil,„daß du sie gar nicht zählen könntest." „Hast du so viele," fragt« das Kaninchen weiter,„daß ihr bis zur Insel Jki reichen würdet, wenn ehr euch all« auf das Wasser legtet, eines neben das andere?" „Ei freilich!" erwiderte stolz das Krokodil. „So rufe doch einmal alle dein« Freund« zusammen und legt euch nebeneinander hin," fuhr das Kaninchen fort;„ich tverde euch dann zählen." Tas Krokodil freute sich sehr, daß es Gelegenheit hatte, mit seinen Freunden zu Prahlen, und tat, wie ihm das Kaninchen geraten hatte. Di« Freunde bildeten ein« Brücke auf dem Wasser, die genau von Oki nach Jki reichte. Nun sprang das Kaninchen von einem zum anderen und zählte— bis es am anderen Ufer war. „Nun, meine Herren Krokodile," ,ri«s es jetzt mit spöttischem Lächeln zurück,„ihr seid mir die richtigen Narren und gerade so dumm wie die Menschen. Eure Prahlsucht verführt« euch, anderen eine Brück« zu bauen, übeif die sie. selber zu ihrem Ziele kommen!".. So weit die japanische Fabel. Bl«ibt nur noch die Frag« offen: Wer von den beiden, Hitler oder Hugenberg, ist nun das Kaninchen und wer ist das Krokodil? Ober r'VTTl VVVVVV'V'VVVVVV V V v sollte kein«! daS Kaninchen jein, sondern beide Krokodil«? „Und es will mich schier bedünken, Daß im Schluß die Wahrheit liegt!" Wie ich reich wurde. Riederorbisch-wendisches Märchen. Ich hatte einen Freund. Der erzählt« mir folgendes aus seinem Lebensgange: Einst war ich arm, wie so mancher andere auch. Ich besaß nichts als ein kleines Häuschen und einige Scheffel Feld. Dazu hielt ich mir zwei Ziegen, die spannte ich vor den Pflug. DaS wollt« nicht recht gehen, und ich hatte meinen Aerger damit. Deshalb kaust« ich mir zwei Hunde. Die spannt« ich nun an, w«it«r vor ihnen aber di« beiden Ziegen und legt« diesen«in Stück Wurst vorn auf die Koppeln. Die Hunde sahen und rochen die Wurst vorn und rannten darnach. Die Ziegen aber fürchteten sich vor den'Hunden und rannten ebenfalls. So ging das Pflügen ganz schön.— Und siehe, ich erpflügte mir zwei Eier. Das wären aber nicht solche wie die gewöhnlichen. Ich nahm sie mit heim und setzte meine Frau darauf. Und was glaubst du wohl, was sie erbrütete? Zwei Kühe! Die gaben reichlich Milch und im Haus« gab's Butter genug. Das elende Leben hatte ein Ende. Zuletzt wußte ich nicht mehr, was ich mit der vielen Butter anfangen sollt«. Drum baute ich im Garten«inen Butterhügel. Aber als im Frühjahr« die Sonne darauf schien, da lief es von dem, so daß ein Graben und ein Fluß entstand. Ich baute eine Mühle, die klappert vorzüglich Und io fühl« ich mich wie«in König. v v v w wvvvvvw, Stn Glas 9IMU$. Erzählung von Javier d» Viaua(Uruguay). Die Landstraße zog sich um einen Hügel herum und beschrieb«inen Dreiviertelkreis, ehe sie an di« Estancia(Landgut) gelangte, wo die Poststation war. Bon ihrem Austauchrn am Hügelhang bis zur Ankunft an den Häusern brauchte di« Post mehr als«ine halbe Stunde, und in den letzten vier Jahren lebte Atanastlda dreimal wöchentlich ein« halbe Stunde in angstvoller Erwartung. Sie erhob sich Sommers und Winters bei Morgengrauen, um die Kühe zu melken. Während der Arbeit flog ihr Blick unablässig um die graue Kurve, auf der an Posttagen das lärmend« Gefährt erscheinen mußte,— das ihr unerbittlich Enttäuschung bracht«. Tatu, ihr Lieblingshund, leistet« sich an diesen Tagen jedesmal einen besonderen Genuß, denn das Mädchen ließ in ihrer Zerstreutheit und Spannung unfehlbar den ganzen' Inhalt einer Zitze danebertlaufen, und Tatu leckte ihn lustig vom Boden auf. Bier Jahr« sehnsüchtigen Wartens. Rach so langem Harren und Dulden erinnerte sich das Mädchen nur noch dunkel des Aussehens von Raul Linares. Der junge Mann aus der Stadt hatte«in paar Ferienwochen auf einer Nachbarestancia verbracht, bei einigen Vergnügungen mit ihr getanzt, ihr Liebe gelogen und war dann davongegangen. Er hatte ihr versprochen, bald zurückzukehren. Nun hoffte sie schon Nicht mehr. Dennoch stand sie an Posttagen früher auf als gewöhnlich und ging nach dem Korral Pferch. Da molk sie'das Vieh in unruhiger Erwartung und spähte die Landstraße entlang, während ihr kleiner Raul, barfuß und in dürftigen Kleidern, im Staube mit dem Hunde spielte. Der war sein einziges Spielzeug und tummelte sich mit dem Jungen unter den Beinen von Kuh und Kalb. Als Atanastlda an einem kühlen, windigen Augustmorgen das gelbe Gebäude der Post wieder einmal um den Hügel schwenken sah, gab es ihr einen Stich durchs Herz. Das kündigte „etwas" an. Sie vergaß ihre Braune«nd hielt in. der Arbeit inne. Das Tier wurde ungeduldig; als das Mädchen im Melken fortfahren wollte, is'ina es und warf einen Melkkübel um. Da band Atanastlda das Kalb los, da- bald am Euter der Mutter einschlief. Das Mädchen zitterte vor Erregung, als die Fahrgäste ausstiegen, um sich während des Pferdewechsels die Beine zu vertreten. Alles drehte sich um sie, als sie'«in junges Paar erblickte, das, gemeinsam in«ine Decke gehüllt, auf den Korral zuschritt. Run hörte sie seine Stimme, di« in ihr Erinnerungen an Liebkosungen und Küss« wachrief, in gleichgültigem Tone sagen:„Würden Ii« uns wohl etwas zu trinken gehen?" Mechanisch füllte Atanastlda ein GlaS und reichte es dem jungen Mann hin. Erst trank er einen Schluck, dann seine Begleiterin; dabei sahen sie sich verliebt in die Augen und sprachen leise miteinander— wie Neuvermählte zu tun pflegen.* Atanastlda sah zu; sie war wie versteinert. DaS war Raul, ihr Raul; er erkannt« sie nicht wieher oder wollte sie nicht wiedererkennen und war so gemein, mit einer anderen Frau vor sie zu treten; einer schwächlichen, mageren Blondine, die ihn dauernd umarmte und küßte. Atanastlda wagte kein Wort, konnte nicht reden. Mit der Bosheit kleiner Äele«, di« ver- t Bd'J, e2(8). Matt in zwei Zügen 1 Lösungen sind bis längstens 14 Tage nach Erscheinen der Aufgabe an oben genannte Adresse zu senden., Lösungszug zu Nr. 72: Kgl—h5! Richtige Lösungen sandten nachfolgend« Genossen ein: Hieke Joses, Markersdorf: Gottfried Hans uNd Niidil Hans, Holeischen bei Staab; Ziuunerntann Heinrich, Eichwald: Beutel Wilhelm, ArnSdors bet Tetschcn: Dinncbier Emil, Letschen: Münnich Heinrich, Zwickau: Philipp Heinrich, Obergevrgental; Walter Lndivig, Robek Franz, Michel Rudolf, Schmied Ferdinand, all« Kwitlau; I Kraus Gerhard, Turn: Jeukert Eduard. Schaiba. Adolf Wenzel, ArnSdors bei Haida; Milldovi Adolf und Pachmann Reinhold, Tischau: Ulbert Rudolf, Prosseditz; Quak Adolf und Triltfch Gustav, Wisterschan. * Endspiel Nr. 2. Von Gen. Otto Hoyer. Saaz. Schwarz: Kf5; De5: Bd5. efi. 16(5). ab ode t gh abedet gb Weiß: Kh4: Se7. 14: Bc3. d3.«3. h2(7). Weiß zieht und gewinnt! Lösungen sind ebenfalls 14 Tage nach Erscheinen einzusenden. Briefkasten. H. Josef, Markersdorf. Zu Nr. 70 leider keine Lösung eingelangt, mußt nicht einzeln einsenden. B. Wilhelm, Arnsdorf b. Tetsehen. Nr. 5: nach Lg3— c5 leider ein Drei-Züger. Nr. 6 ist sehr hübsch.- wird■ gebracht; R, Otte, San«. Warum keine Einsendungen!