3* r* 23< tlnter^afttmo^eilage. 1932. Ein weiviiGer^ovinson. Nicht weniger Abenteuer der Einsamkeit als-er Matrose,-er als Robinson Crusoe in allen Sprachen der Welt bckannt geworben ist, hat die Indianersran erlebt, die absichtlich allein aus einer rauhen Insel des südlichen Kalifornien, in San Nicolas- zuruckgelassen wurde. Um daS Jahr 1810 oder 1811 hierum kreuzten in den südkalifornischen Gewässern Pelzjäger, Um neues Jagdgebiet zu finden. In den schäumenden Wellen, die den Santa- Barbara-Kanal umspülten, sollt« sich eine frohe Anzahl der kostbaren Seeottern vor- inden. Die russischen Jäger drangen zu der enllegensten Insel vor, und Metzelten nicht nur die felltragenden Tiere, sondern auch die dort lebenden Menschen nieder. Das kleine, nebelumhangene San Nicolas wurde von den nordischen Räwbern am häüfiAten heimgesucht. Die MissionSbrüder, deren es in jener Gegend viele gab, hatte», viele der Eingebornen schon früher als Arbeiter»«ach den Hauptmissionen auf Santa Barbara Ventura, Fernando und San Gabriel gebracht. Die Zurückgeblieber«»» wurden von den Neuangekommenen in jeder Wejse mißhandelt, mußten große Abgaben leisten, und waren im Jahre 1835 bereits auf«ine Handvoll Menschen zusammengeschmolzen. Um das Leben dieser Bedauernswerten zu retten, sandten die Missionen«in Schiss nach Kaliformen, da- diesen abgesonderten Stamm in sein Heimatland bringen sollte. Gute Landungsplätze gibt es fast nirgends im Barbararanal. Und San Nicolas »st unter den schlechten der schlechteste. Dazu gesellen sich heftige Stürme, das Schiss mar in schwierig«! Lage. Immerhin gelang es, auch mit dem letzten, mit Menschen überfüllten Boot glücklich ohne Unfall zu landen. Kaum war alles an Bord, als eine Frau verzweifelt zu schreien begann, und zum Schrecken aller Zuseher in die hochgehenden Wellen sprang, um an die Küste zurückzuschwimmen. Bon ihren Landsleuten erfuhr man, daß sie in d«r Aufregung des DackenS ihr einige Monate altes Kind schlafend in ihrer Hütte liegengelassen hatte.' Dir Rächt senkte sich schon von den nahen Bergen herab, und der Kapitän wagt« Don WBor Wooltoart. nicht mehr,«in AeineS Boot ins unruhig« Wasser hinauszuschicken. Man beschloß, von der Küss« abzustotzen uns die Fra« samt ihrem Kinde in der nächsten Woche von der Kart Rudolf Neuwert: Traum eines Arbeitslosen. Ich träume manchmal:«S ist siebe«. Ich stehe aus und fahre mit der Zwei. Die alt« Firma hat an mich geschrieben: Die Stell« wäre wieder frei. Ich seh« sie: verhaßt«, liebe Zimmer. Der Schreibtisch steht noch auf dem alte« Platz. Die Blumen in-em Glas sind halbverdorrt wie immer. Und Fräulein Klein spricht außerdienstlich mit dem Schatz- Da sitz ich toieder und addiere Di« langen Reihen Blatt für Blatt. Di« Posten stimmen. Und ich stiere Zum Fenster. Draußen rauscht di« Stadt. Ich träume manchmal: es ist sieben. Wir haben im Büro jetzt Schluß, lind meine Freundin hat heut kurz geschrieben: Erwart« dich am Kino. Gruß und Kuß. Und gestern hat«S Gekd gegeben. Die Miete ist vorausbezahlt. Es reicht zum Trinken, Essen, Lieben, Leben. Und da ich blaß bin, werd— ich hohcnlicht- bestrahlt. Mit meinem Anzug kann ich mich jetzt sehen lassen. Die Hose fällt korrekt, gebügelt auf den Schuh. Der Binder muß natürlich zu dem Anzug paffen. Und vor dem Schneider hab ich wieder Ruh. So träum ich manchmal: es ist sieben. Ich stehe auf. DaS Frühstück liegt bereit,— Dabei hat mir schon wochenlang kein Mensch geschrieben. Man wird so mürb« mit der Zeit... Insel abzuholen. In her nächsten Woche aber erhöhen sich besonders starke Stürme, man hätte in solcher Z«it kaum in San NicolaS landen können.... und dann vergaß man di« arme Fra«. Ms man sich nach weiteren Wochen oder Monate« ihrer er* innert«, hielt man«S für ausgeschlossen, st« auf der unwirtlichen Insel noch lÄend auf« zufinden. Schließlich, wa» lag an einer Indianers!«« mehr oder weniger daran!- Die Jahre verflossen und di« Amerikaner zogen nach Kalifornien. Die Neuange- konnnenen jagten«benfalls nach Fischott«« und anderem Seegetier. Rach einiger Zeitz kam daS Gerücht auf, ein Gespenst spuke auf der Insel San NicolaS. Die Jager erzählten«inander, sie hätten deutlich ein« weibliche Gestalt hoch oben im Mondkicht dafelsig« Gestade entlang laufen sehen. Jetzt erinnerte man sich der dort zurückgelaffene« Frau; sicher war es ihr Geist, der dort umging. Nahezu achtzehn Jahre tvaren vergaw- gen, seitdem die Bewohner von San NicolaS ihr« Insel verlassen und sich in der W«lt zerstreut hatten. Die Miffronen, die sie dazu veranlaßt hatten, tvaren aus dieser Gegend Vertrieben worden, niemand wugt« mehr«twaS Gewisses oder Näheres über daS Schicksal der armen JManerfrau von damals. Aber am Leben konnte sie doch unmöglich sein. WaS man gespenstern sah, war eben ohne Frage ein Gespenst. Immerhin fanden sich in Santa Bar- bava auch Leute, die an Geister nicht glaub- ten, und diese bemannten«in kleines Schiss und fuhren nach San NicolaS, mit dem Borsatz, die Insel bis ins Innerste zu durchsuche». In einigen Tagen gewahrte« sie di« Spuren eines kleinen Fußes auf dem simdigen Gestade, und hatten also den reif-- barer» Beweis, daß ein lebendiges Wese« Korbflechterei lagen in der Hütte umher, ging. Am nächsten Tage fand man eine Frau, zusammengekauert in einer elenden, mit geflochtenen Binsen gedeckten Hütte auS Walfischrippen. Geräte und Werkzeug« für Korbflechtcre lagen in der Hütt« umher. Sie erschrak beim Anblick der Männer. Erst als sie sich beruhigt hatte, erfuhr man durch Zeichen mehr als durch Worte, da sie det Redens scheinbar schon ganz entwöhnt war,' daß sie tatsächlich die auf der Insel gebliebene Frau war, daß ihr Kind bald gestorben sei, und war sie in den acytzehn Jahren ihrer grauenhaften Einsamkeit erlebt — s- Katt«. Wie sie Fisch« geangelt, Vögel und Ottern gefangen, sich Kleider aus ihren Fellen und Geräte aus ihren Knochen gefertigt habe. Di« Felle waren sauber mit Sehnen «nsammengenäht, die Körbe aus Sehnen gepochten, Fischgräten dienten rha zu Nadeln. Sie hatte achtzehn Jahre keinen Menschen ^gesehen und daS Gedächtnis an ihr« frühere Welt zum-rohen Teil verloren. Der weibliche Robinson wurde von seinen Rettern wieder in menschliche Umgebung gebracht. Mer trotz aller Liebe, Mein Mitleid und aller Sorgfalt, mit der man die Unglückliche umgab, rannt« sie ihre Scheu vor den Menschen nicht überwinden. War es Heiniweh nach der gewohnten ungestörten Einsamkeit, oder könnte sie sich an die Nahrung der Zivilisation nicht gewöhnen, sie, di« das armselige Dasein durch achtzehn Jahre gesund ertragen hatte, siechte zusehends dahin und starb einige Monat« nach ihrer Befreiung. Ihre sonderbar inter« «flauten.Habseligkeiten wurden als Sehenswürdigkeit in San Franzisko ausibewahrt, gingen aber im großen Brande des Jahves 1906 zugrunde., (Äitg dem Ainerikanischen übersetzt.) dreißig Z«ntime!«rn Länge, mit grünen, metallisch glänzenden Flecken, auf der Unterseite des Bauches nnd vorn an der rnuuenfloffe mit Stacheln besetzt, und mit einem sägeförmigen furchtbaren Gebiß. Im Naturkundlichen Museum von Buenos Aires wurde ftstgcstellt, daß«S sich um«in«n Raubfisch handle, der bei den Eingeborenen im Norden Argentiniens wegen seines Blutdurstes gefürchtet ist und von ihnen Palometa Brava genannt wird. Tier oder Mensch, die von einem Schwarm Palometai angefallen werden, müssen sich eiligst aus dem Masse« entfernen, wenn sie nicht zerfleischt werden wollen. Mißlingt di« unverzüglich« Rettung, so ist von dem Opfer nach kurzer Zeit nichts mehr übrig als das nackte Gerippe. Ein Rätsel ist eS bis jetzt geblieben, wie und warum diese Fisch«, di« biSh«r noch ni« am Unterlauf des Parana beobachtet worden waren, auS dem tropischen Innern des Landes bis nahe an di« Küste des Atlantischen Ozeans gekommen sind. Ein ähnlich gefährlicher Heiller Fisch ist der in den Gewässern des nördlichen Südamerika beheimatete Karibe(oder di« Piraya), ein Tier mit rötlicher Unterseite und blaugrvuen Rückschuppen, der Palometa nahe verwandt, j r Tini'rvT v r t v t w t Ein Tropfen Blut, der inS Wasicr gelangt, zieht diese karpseuähnlichen Tiere in Schwärmen herbei. Es ist schwierig, sich gegen sie zur Wehr zu setzen; so rasch und dicht überfallen sie ihr Opfer. Ueber ihr Erscheinen berichtet z. B. I. E. R i v e r a, der berühmte Schilderer des südamerikanischen Urwaldleben-. Der Held seines Buches„Der-Strudel"(1929) gerät am User eines Flusses mit seinem Feinde in«inen Kamps auf Leben und Tod. Es gelingt ihm, seinen Gegner inS Wasser zu stoßen.„Da sah ich"— so fährt die Schilderung fort—, Während ich keuchend und erschöpft am Ufer lag, das furchtbarst« Geschehen. Floffen zittern, Aufblitzen von Fischleibern: Tausende von Ka- riben stürzten sich auf den Verwundeten. Wiewohl er um sich schlug und sich wehrte, zerfleischten si« ihn im Augenblick. Wie ein« Schar hungriger Küken, die Körner aus einem Maiskolben pickt, riffen sie bei jedem Biß rin Stück Fleisch heraus. Trüb nnd blutsarben wogte das Wasser. Tann hob sich an seine Oberfläche, wi« auf der Röntgeuplatte, daS Knochengerüst des durchleuchteten Körpers erscheint, das sauberweiße Skelett des Mannes und trieb ans Uferschilf." G. H. Reuen dorff. r ▼ ▼ v ▼ r rvvv ▼ ▼ ▼ Kartven. Der lehmbraune„Silber"-Strom, der R i o he la Plata, riesiger Mündungstrichter des Rio Parana und deS Rio Uruguay, bespült, von 40 bis zu 300 Kilometern in die Breit« «»wachsend, auf fast 50 geographische Mellen hin die Küsten Argentiniens und Uruguays nebst, ihren Haupt- nnd Hafenstädten Bu«noS Arres nnd Montevideo. Zahllos« Badeorte und Badestellen reihen sich «n seinen Ufern. Ein warmer Spätsommertag im März hatte Hunderte von Erholungsfnchenden an den Strand von Punta Tschtka, eine halb« Stunde Bahnfahrt oberhalb von Buenos Aires, gelockt. Im und am Waffer herrschte lebhaftes Treiben. Plötzlich stieß einer der Badenden «inen, lauten Schreckensschrei aus, griff mit beiden Armen unter Wasser, kämpfte verKvcifckt mit einem unsichtbaren Feinde und strebte in aller Eile ans Ufer. Di« bestürzten Zuschauer glaubten, er sei in«ine Scherbe oder in einen der stachelbcsetzten Drähte getreten, di« überall in Argentinien den Weidekamp säumen. Sie erschraken, als der Gefährte den Strand erreicht« und am linke» Oberschenkel ein« larig«, heftig blutende Wunde aufwies. Roch bemüht, sich den Vorfall zu erklären, wurden sie durch »eur Aufschreie anderer Schwiminer aufgrstört. Tas gleiche Geschehen wiederholte sich. Nun hasteten alles aus dem Wasser. Zahlreich« Badende hatten ähnlich« Wunden an Brust, Armen, Zehen. In aller Eile begaben sich di« Verletzten in das nahe Krankenhaus von San Fernando und ließen die bis zu zwei Zentimeter tiefen Wmtden, aus denen stellenweise Fleisch herausgerissen war, nähen und verbinden. Alle berichteten mehr oder lveniger dasselbe. Sie hätten gefühlt, wie etwas Glattes, Weiches an ihnen voriibrrglitt, und alsbald «inen furchtbaren Schmerz empfunden. Als st« zugrifsen. hätten si« einen Fisch gepackt, der ihren Händen sofort wieder entglitten sei. Die Kranke« haurvertraliung setzt« sich mit der Hafenpräfektur in Verbindung; Warnungen ergingen an alle Badcplätze am Rio; bald lagen sie öde und verlassen da. Am nächsten Morgen gelang es, ein Exein- Plar des gefräßigen Fisches zu fangen. Es war«in hübsches, goldbrannes Tier von kaum Et« GMekütag. Im Verlag„Der Bücherkrrjs G. m. b. H", Berlin SW 61, erscheint dieser Tage ein neuer Roman, der mit Recht größtes Auflehen erregen dürfte. Handelt es sich doch um d«n ersten echten Arbeit-- lvsenroman. Sein Vrrsaffrr, Albert Klaus, ist«in deutscher Arbeiter, der das Grauen der Arbeitslosigkeit seil' mehrere» Jahren selbst durchlitten, hat. Wir vrröffent- liehen au- seinem Buch„Die Hungernden"(Preis RM. 4.30) mit Genehmigung d«S Berlages ein« in sich abgeschlossene Episode. Holl, der. seine Frau aufsuchen gegangen ist, findet auf dem Nachhausewege auf der Pro- menadr«in Zweimarkstück. Es liegt mitt«» auf dem Weg und muß wohl gerade jemand verloren haben. Aber«S ist kein Mensch weit und breit zu sehen. Holl hebt es auf, sieht sich wie«in Dieb mn. Es ist noch immer niemand zu sehen. Darauf geht er eiligst davon. Er ist schon fast zu Haus«, als er plötzlich unschlüssig stehen bleibt. Während er das Geldstück in der Manteltasche zwischen den Fingern herumdrrht, überlegt er, was er damit anfange» soll. Holl kehrt wieder um, ohne sich weiter schlüssig geworden zu sein. Geht eine Straß« herauf. An einem Bäckerladen vorbei. Bleibt stehen, geht weiter. Kuchen, das ist nichts, nur Leckerei. Er hastet weiter, denkt nach. Wie wär's,»venn er sich von Haag ein Stück Roßfleisch Lendenbraten holt? Bei diesem Gedanken steht er mit einem Male vor einem Butterlad«». Damit ist rS entschieden. Er würde«in Stück gut« Butter kaufe». Gott, wie lange ist es schon her, daß er kein« richtige Butter mehr gegeffen hat? Er weiß nicht mal recht mehr, wi« si« schmeckt. Und etwas Käse, Schweizerkäse dazu. Holl hat noch nicht z« Ende gedacht, da ist er auch schön im Laden. o Als Mari« abends nach Hause kommt, pfeift Holl vergnügt vor sich hin. Sie steht' ihn verwundert an.„Was ist, demi uiit dir los, Paul? Hast wohl das große I LoS gewonnen?" Sie will scherzen, aber«s ist mehr«in entstelltes Lachen. Sie fühlt sich so schtvach und elend heute. ES ist zuviel für st«, übersteigt ihr« Kräfte. Sie wird wohl eines Tages zusammenbrech«». Aber um Gotteswillen, nur daS nicht! Nein, nein, sie darf nicht krank werden! Alle Kräfte zusammen, immer wieder zusammeugerafft, bis wenigstens di« Kinder erwachsen sind. Vnd dann?— Hier reißen ihr« Gedanken jäh ab, kommen nicht weiter. Marie muß sich erst mal fetzen. Wie das so ist. Nur hetzen und hetzen, damit viel fertig wird. ES hat auch heut« Marie besonders an- gegriffen, da si« ihre Zeit hat. Doch wer nimmt Rücksicht darauf? Sie kann doch nicht fortbleiben, man würde sich sonst eine ander« Waschfrau nehmen, und fie brauchten daS Geld doch so notwendig. Sie kann sich nicht anS- ruhen, nicht einen einzigen Tag, auch dann nicht. Holl Übersicht vor Fr«ud« ganz das Un- wohlfrin feiner Fra«. Er hat schon Kaffe» gekocht, deckt d«n Tisch. Bringt Tassen Herdri und da« Brot. „WaS ist d«nn nun«igenMch mit euch lo«?" wiederholt Mari« ihre Frage durch«inen Schleier vor den Augen. Ihr ist ganz schwindelig. Die Mädchen sagen nichts. Holl hat allen «ingeschärft, der Mutter nichts zu verraten. Otto grinst. Seine Mutter nimmt ihn bei der Hand.„Du tust ja auch so wichtig, Ottochen? Weißt«r wohl? Na, da sag's mir mal." Holl wirst Otto belustigt«inen warnenden Blick zu. Aber Otto muß doch irgendwas sagen. Er will erst nicht. Aber Marie nimmt ihn auf den Schoß, kitzelt ihn, redet ihm gut zu. Ta platzt Otto heraus.„Es gibt heute was feines", und lacht und grinst. „Ja", sagt Holl und kommt mit Butter und Käse zum Vorschein,„wir wollen heute mal Kapitalisten spielen." „Ja, aber—", seine Frau, so schlecht ihr fft, steht auf,„wo hast du denn das her, Paul?" „Beruhige dich, Marie. Die Heinzelmännchen-haben er nrir nicht gebracht nnd geschcnkt hat's mir auch keiner. Mit Idealisten sind wir gerade nicht überreich gesegnet, ich bin noch — 3— keinem begegnet und von den andern gönni einem keiner auch nicht mal das Schwarze »nlerm Nagel. Also, um dich nicht länger auf« zuregen, ich habe zwei Mark gefunden." „Ach, Paul, du bist ja rin richtiger Glücks, vilz. Ist das wirklich wahr?" Und Holl muß ihr alles genau erzählen' Marie macht derweil das Abendbrot zurecht, sie hat ganz der- gessen, daß sie müde ist. Otto sitzt am Tisch, dir Hände vorgestreckt und steht lüstern auf den Käs«. Mari« muß ihm«m paarmal auf di« Finger klopfen, da er im Begriff steht, sich zu vergessen. So vergehen wieder ein paar Stunden in Freude und Zufriedenheit. Wenige Stunden in der endlosen Kette quälender Sorgentage. Klingende Gäulen- flüsternde Räume Für eins der Weltwunder des Altertums galten die Memnons-Säulen in Aegypten, zwei Kolossalstatuen, wie sie sich vor den Tempeln am Nil finden. Sie gäben, wenn sie von der Sonne getrosfrn wurden, seltsame Tön« von sich, und jeder Besucher des Rlllondes wollte diese» Wunder gehört haben. Man hat diese Klangerscheinung verschiedenartig gedeutet; manch« Forscher vermuten, daß sich im Jnn«rn der Säule Apparat« befanden, di« unter drsk Einfluß der Morgenstrahlen summende Laut« erzeugt««, ander« vermuten, daß die Töne durch «ine BerschmÄzung von Sonnenwirkung und einer bestimmten Windrichtung hervorgebracht wurden. Jedenfalls stehen dies« singenden Sau« len nicht vereinzrlt da, wie Anton Mailly in der Leipziger Illustrierten Zeitung" hervor, hebt. So gibt es in der Biel-höhkr bei Rübe- land im Harz«in« solch«„klingende Säule", die «in eigenartiges Gesumm« hören läßt, wenn sie von b«n Strahlen der Morgensonne berührt wird. Aehnliches wird von der Südwand der Stiftskirche zu Heiligenkreuz im Wiener Wald erzählt. Auch aus der» Altertum wird von verschiedenen ehernen Tempelfäulen berichtet, di« ganz eigenartige Töne von sich gäben. Das Rätsel solcher tönender DenkmAer erklärt sich daraus, daß die Morgensonn«»inen Lustdurchgang durch ihr« Poren bewirkt; dadurch weiden tönende Schwingungen veranlaßt. Wenn man in der Morgensonn« an einer langen Mauer vorbeigeht, hören Leute mit seinen Ohren ein Schwirren, das in abgeschwächter Form di« gleiche Erscheinung darstellt. Bei hohen Erzsäulen wird das Singen durch die schwingende Luft im Innern sowie durch das Auftreffen des Windes auf die Ränder noch tvesentlich unterstützt. Häufiger als solch« tönende Säulen findet man eigenartig« Schallwirkungen in den Sprachgewölben oder Flüstergalerien. Tabei handelt es sich»reist um Gewölbe in Form von Ellipsen oder Parabeln, und es läßt sich nach den akustischen Gesehen leicht erklären, warum di« an einer Stell« leis« gesprochenen Worte an einer ander«« deutlich vernehmbar sind. Die Schalflvellen werden nämlich von der Wand in einem Reflexionswinkel znrückgewor- V e V V V V e e e e V e V V V V V V e> w-e e-, Änsekten-Delttatesserr. Unbekannt« Speisekarte. » Die Insekten liefern einen viel bedeutenderen Beitrag zur Ernährung des Menschen als im allgemeine»» bekannt ist, und sicherlich liegen in dieser Hinsicht auch bei uns Europäern noch manche ungehobenrn Schätze, deren Hebung bloß durch das Vorurteil, daß Insekten für den Ge- mrß unbrauchbar seien, verhindert wird. Tatsächlich sind dies« Geschöpf«, zum größten Teil von' vegetabilischer Nahrung lebend, durchaus nicht weniger appetitlich als etwa unsere Enten, Schweine, Schnepfen, Krebse nsw., und cs liegt durchaus kein Grund vor, diese Tierklasse als für di«»nenschliche Ernährung ungeeignet zu betrachten. In den Tropen werbe»» die Larve»» verschie- teuer Insekten, namentlich von Käsern, gern genossen; insbesondere bi« Larve des Palmrohrkäfers von der Stärke eines Daumens. So betrachten dir Eingeborenen auf Suuratra dies« geröstet als großen Leckerbissen. Auch auf Jamaica, wo dieselbe Larve unter dem Namen „Grongrou" bekannt ist, findet man sie, nebst «in«r anderen Larve,„Macauco" genannt, auf allen Tafeln. Schon Brookes,«in naturwissenschaftlicher Reisender aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, berichtet, daß sowohl Weiße als auch Farbige aus den westindischen Inseln dergleichen Geschöpfe ausgeschnitten und ausgewaschen, auf Holzstäbchen gespi«ßt, am Feuer braten und als Delikatesse genießen. Wenn diese Larven aufangen zu braten, bestreut man sie mit geriebenem Brot, Pfeffer, Salz und Muskatnuß, in welch« Mass« das Fett eindringt und«in« Kruste bildet, die auch den verwöhntesten Epikuräer befriedigen soll. Di« Larve der Kokospalme in Britisch- Grinea, Tucuma, wird teils roh, teil» mit Zitronensaft begoss«», auch in der Pfanne geröstet. Auch in Aitstralien werd«» gewiss« Lawrn, di« sich in den Stämmen der Gummibäume finden, genossen. D«r Botaniker Bidwill berichtet, daß«r ni« seinen Widerwillen bezwingen konnte, von dieser Speise zu kosten, bis endlich«ininal der Hunger das Ekelgefühl unterdrückt hab« und«r zu der Ueberzeugung gekommen fei, daß dieser nichts weniger als anziehend« Wurm«in« sehr schmackhaft« Speis« abgcbe. Schomburgk vergleicht den Geschmack dieser Larve mit dem des Rindermarkes und erzählt, daß di« Indianer GuianaS di« Stämme der MauritiuSpalm« umhauen, damit jen« Käfer ihr« Eier darein niederlegen. Rach einiger Zett sammeln st« di« entwickelten Larven, die teilweise genossen, teilweise zur Gewinnung ihres Fetter aufbewahrt werden. — Sonderbar« Gericht«. In Europa scheint man von solcherlei Nahrungsmitteln nur in der Türkei Gebrauch zu machen, wo di« Frauen heut« noch ein« Art von Traucrkäfer genießen, Nm fett zu werden. Der Brasilianer kennt zwei Arten von Auieisen, di« kleine gelbe„Ercpia", und eine größere,„Tama-journa". Der Geschmack soll pikant, dabei natürlich sehr scharf fein, was aber durch Rösten mit Butter gemildert wird. Die großen roten und weißrn Ameise»» an» Rio Negro bilden ein Luxusgericht der dortigen Indianer, welche während der nassen Jahres- Manchem Jnsektensammler wird das Herweh tun, wenn er erfährt, daß in Südamerika und Westafrika der prächtige Goliathkäfer schüs- selwris« von den Eingeborenen geröstet und gegessen wird. Auch di« Eingebor«»»«n Australiens sind große Liebhaber«iner großen weißen Larve, Eobberä genannt, die wie Makkaroni aussehen n»»d besonders in unter Wasser liegende« Stämmen angetroffei» werden. zeit auch große Erdwürmer verzehren, dir sich während der Regenzeit auf Bänm« flüchten und I» den gerollten Blättern«iner Tillandsia-Art in großen Mengen gefunden werden. Schon Humboldt erwähnte, daß er auf den Märkten von Mexiko Jnsrktrneier verkaufen sah, welche unter dem Namen„Axayacat" auf der Oberfläche brr dortigrn Seen gesammelt und als eine Art Kaviar genossen würden. Man hat schon vor langer Zett in Mexiko aus den Eiern gewisser Insekten Brot mih Kuchen berettet, und schon Thomas Gage, de« 1625 Mexiko besuchte, gedenkt dieser Nahrung. I» Siam bilden die Eier einer Ameisenart «im große Deltkatiss«. Bekannt dürfte sein, daß bei den alten Griechen Zikaden als Leckerbissen galten, besonders die weiblichen wegen ihrer wohlschmeckenden Eirr. Auch im neueren Europa hat«S Schätzer solcher Leckerbissen gegeben; dir berühmte Frau von Schurinann aß mit Borlieb« Spinnen, was sie dadurch rechtfertigen zu müssen glaubte, daß st« unter dem Zeichen des Skorpions gehör«»» tvar. Auch der Astronom Lalande aß gern Spinnen, denen er einen eigentümlichen, besonders delikaten Nnß- geschmack nachrühmte. sen, der gleich dem Einfallswinkel ist. Auf di«j« Weis« entsteht auch das einfache und mehrfache Echo. In einem elliptisch gewölbten Raum sammeln sich di« Schallwellen, die von dem einen Brennpunkt ansgehen in dem andern, ganz so wie bei zwei gegeneinander gekehrten Hohlspiegeln. Darauf beruht das Geheimnis der„flüsternden Ränn»r", wie z. B. der Pariser Sternwarte oder der Londoner Paulsklrchc. Im Altertum haben schlau« Priester diese Erscheinung oft z»,„Wuirderwirkun- gen",benutzt, so z. B. beim„Ohr der Dionysius, einem Gewölbe in den Steinbrüchen von Syrakus. Dir Orakelkammern der alten Mysterien zeige»» oval« Rischen, durch di« ein minutenlanges Echo oder ein dumpfe» Dröhnen hervorgebracht wurde. T«r Jndianertempel mit dem„sprechenden Kreuz" auf Aukatan, eine der ältesten Kultstätten Amerikas, ist ebenfalls solch«in Flüstergewökbe, dos au» zwei gewölbten Räumen bestehl, die die Form und Wohl auch di« Wirkung von gegenübrrgcstellten Hohlspiegel»» haben. Wenn man an einem Ende dieser kreuzförmigen Raumer«inig« Wort« flüstert«, so wurden sie am anderen Ende mit großer Lautstärke wiedergegebrn, nnd so könnt« dem Bolk auf geheimnisvoll« Weise ein Orakel mitgeteilt werden. WiMWiMWMIWftWWMWWttMMMMMUWW» &ati0reaevte Rei» wird im Geschmack wesentlich Verdes- seit, wenn man den Reis in heißem anstatt in kaltem Wasser wäscht. Fleck« au» Silber entfernt man leicht mit dem Wasser, da» man von gekocht«» Kartoffeln abgießt. Trüb« Leiueuftückr bleicht man, i»»d«m inan sie eine Viertelstunde lang mit einigen Zitro- nenscheiben kocht. Schmutzige Möbel reinigt man durch kalte»» Tee, mit warmem Wasser vennischt und mit weichem, wollenem Lappen ausgewogen. Schlucke» vergeht, wen» man rin in Essig getauchtes Stück Zucker ißt. — 4 Bronchitis wird durch eilten Senfumschlag ausgezeichnet beeinflußt. Der Senf mit Eiweiß vermischt, greift die Haut nicht an. Schwarzwevden von alten Kartaffeln verhindert man durch«men Teelöffel Essig tn dar Wasser, bevor man die Kartoffeln kocht. Kahle», di« man mit einer starken Sodalösung besprengt, brennen länger. Man läßt sie vorher trocknen. i Rutzslecke beseitigt man nie feucht. Man bedeckt den Fleck mit Salz und bürstet mit harter Bürst«; das wiederholt man, bl- der Fleck verschwunden ist. ; Wollene Decke» klopft man nach der Wäsche, wenn sie gut trocken stnd, mit dem Klopfer; die Wolle wird dadurch wieder weich und zart. Starkes Nasenbluten kann man leicht stillen, wenn man in«in« Flasche reiner Wasser gießt und unter kräftigem Schütteln ein Sechzehntel rlner Unze Chloroform vollständig darin auflöst, etwas Watt« in dirse Lösung taucht und in die blutende Nasenöffnung steckt. Scheuer« von Küchentisch und-stählen. Fügt man den: heißen Wasser einig« Tropfen Salmiakgeist bei, so werden di« Holzgegenstände blendend weiß. Käse erhält man frisch, wenn man ihn in ! einen Leinenlappen wickelt, den man in Essig ! getaucht und gut auSgerungen hat. Billige Möbelpolitur stellt man her, indem !män 1 Teil Terpentin mit 2 Teilen Olivenöl mischt. Sie hält sich in gut verkorkter Flasche. Vor dem Gebrauch schüttelt man gut, trägt mit Än«m Flanelltuch auf und poliert mit weichem Lederlappen nach. Aus unsrer Ärtt. Unter anderem: meldeten sich auf den Posten des Buda- ipester Scharfrichters 158 Bewerber; hinderte man in Budapest 200 deutsch« 18 tu deuten am Schwimmen, weil sie nur mit 'einer Badehose, und wicht vorschriftsmäßig mit riuem Badeanzug bekleidet waren; ließ der Bischof di« Vögel zählen, di« in der Kathedrale von Rouen, hausen und«rhielt das Ergebnis von 1000 Tauben, 260 Flede,v- mäusen, 60 Habichten, 40 Eulen und 3ö Raben; i> erfand ein Friseur als neuesten Modeschrei, jdi« Haar« der Krauen zu— lackieren: f lehnte di«„Dachauer Zeitung" Goethe mit der Begründung ab,„er wär« Freigeist, nationales Bewußtsein ihm fremd und seine zahllosen Liebesabenteuer bildeten keine erhebende Geschichte"; ' mutzte das alte Spandauer Festungsgefäng« !«is und eine Reihe kleiner seit langem geschloßener Gefängnisse als' Strafgesängnis wieder in Betrieb genommen werden, weil di« vorhandel«n Strafanstalt«» nicht mehr ausreichen; i wurde der Nationalist Rudolph, der in Borna auf offener Straß« Hindenburg einen Verbrecher genannt hatte, zu— 30 Mark Geldstrafe verurteilt; ■ antwortete der Richter der Frau des von SN.-Leuten in Oppeln ermorde iev Bafsy, als li« erzählte, daß sie während der Schießerei voller Angst aus dein Haus gelaufen sei, ironisch: '„No, Sie l«b«n ja noch!" bot die chilenische Regierung di« im Stillen Ozean gelegen« Oster-Insel zum Berkans aus; f kau«» in Rew Uork zum Protest gegen das Alitzhowerbot Schlipsnadeln in Mode, di« einen schäumenden Maßkrng mit der Aufschrift zei- Q|eu:„Wir wollen Bier." wurden in Südafrika rohe Tierhäute als FruerungSmaterial benutzt, weil der Erlös aus diesen für dir Schuhfabrikation bestimmten nicht einmal die Transportkosten nach den Hafenplätzen deckt; macht« ein Berliner Theaterdirckwr in Wilmersdorf eine klein« Fisch- und Räucherwarenhandlung auf. sah sich das polnische Zollamt m Gdingen vor die schwierige Frage gestellt, den Tarif für '«in« aus Aegypten importierte Muanie zu. errechnen und entschloß sich, den Tanf für«in« gesalzene Fische anzuwenden. Sehr; sehr schüchtern war der Verehrer. Aber«inmal faßt« er sich Mut und brachte ihr «in«n schön«» Strauß Blumen. Als sie Ihn dafür beglückt umarmt«, erhob«r sich, rot wie ein« Päonie, und mit strahlendem Gesicht macht« er Anstalt, aus der Tür zu gehen.—„Oh", meinte sie,„hab' ich Sie irgendwie verletzt?"—„Nein — im Gegenteil", stottert« er,„ich will nur schnell noch mehr Blumen holen." (,,CapPers Weekly.") •». „Würden Sie nicht dar fleine Unterhaltungsbüchlein kaufen?" fragte der junge Mann an der Wohnungstür.—„Wie heißt es?"— „Frag' mich noch was?"— Aber da knallte auch schon die Tür ins Schloß. Der Mann war Pater von fünf Kindern.(„Faun") * Die junge Frau Jlselore rief um halb ein Uhr ihren Gatten an.--- ,Mst du da, Bubi?" •—„Ja. Was gibt'S Kind?"—„Ich wollte dich nur bitten: iß heut« mittag mal im Lokal!"— >„Ach! Gerade heute habe ich mich so auf daS Zu-Hause-Essen gefreut!"—„Aber es geht nicht anders, Liebling. Ich hätte zwei Tauben, für jeden eine. Na, und d«inr ist mir verbrannt!" („Flieg. Blätter.") * Krauses hatten neue Nachbarn bekommen, uiw Frau Krause zeigt« regeS Interesse für alle-, was sie taten.—„Sie müssen sehr verliebt jein!" sagte sie eines Tages zu ihrem Mann.„Er küßt sie jeden Morgen, wenn er geht, und von der Straß« aus wirft«r ihr noch Handküsse zu! Warum machst du dar nicht auch, Hermann?"—„Aber meine Lieb«, ich kenn« sie doch noch gar nicht!"(„Karikaturen.") Er wird doch... I» dem Religionsunterricht ist der Lehrer bei dem„Tanz um daS golden« Kalb" angekommen und erzählt, wir Moses, als er vom Berge Sinai stieg und dies sah, aufs höchste erzürnt und erbittert die Gesetzestafeln mit den zehn Geboten zerschmetterte. Er fragt nun den kleinen Levysohn, wir es kam, daß die Gebote dennoch auf uns überkommen wären, worauf derselbe aufsteht und erwidert:„Ru, der liebe Gott wird doch e Kopierbuch gehabt haben!" Ungeheuerlich« Zumutung. Zarwadusch schnauzt den Kellner an:„Horchen Sie mal zu, Herr Ober! Ich habe ein« Wurst bestellt. Gut. Sie haben mir die Wurst gebracht. Gut. Ich esse sie, und aus wat beiße ich? Auf Holz beiß« ich. Bitt«, hier ist das Stück Holz, auf das ich gebissen hab«. Run will ich Ihnen mal was sagen: Ich bin gerne bereit, den Hund zu essen, den Sie in di« Wurst gehackt haben. Aber daß ich auch noch di« Hundehütte essen soll, bas wissen Sie, ist ein« ganz ungeheuerliche Zumutung." Das Schild. In di« Legderungsanstalt Lederer kam Kamille und brachte einen eckten Anzug.—„Was zahlen Sie mir dafür?"— Lederer wehrte empört:„Wir kaufen hier kein« alten Sachen! Wie kommen Sie überhaupt auf diese Idee?"— Antwortet Kamille enttäuscht: „Weil draußen unter Ihrem Firmenschild stecht:„Hier werden alte Sachen versichert." Die Pforte zur Seligkeit. Es war ein Hügel im bayrischen Lande. Den Hügel bedeckt« ein. Wäldchen. Und ganz oben darauf war eine Kapelle gebaut. In goldenen Buchstaben stand über dem Eingai^:„Gehet ein durch die