9tr. 50. UnterOaltunotfOeUaoe« 1932. SNenfGenrauv in China. Herr Wang wohnte in der europäischen Konzession von Schanghai, zwei Schritt« vom Tennisplatz des Deutschen Klubs ent» fernt. Es ist«ine kleine, vornehme Straße, mit prächtigen Gärten hinter hohen Manern. Ich läute. Zehn Minuten verstreichen und nichts rührt sich. Ich klopfe: Mer das dicke Holz des Tores gibt keinen Ton von sich. Ich rufe... Es scheint mir, als horte ich von weitem das Schleichen eines Tritts aus dem Kies, jenseits der Mauer. Aber nein, nichts. Änd plötzlich sehe ich im Porwl zwei Augen auf mich gerichtet. Zwei Schlitzaugen, tue mich seit einem Augenblick aus einem Auslug hervor betrachten, den ich nicht hab« öffnen hören. In Schanghai herrscht Vorsicht. Das Guckloch schließt sich. Erneutes Schweigen; dann, nach einer kurzen Weile, erneut«. Schritte. Zlvci andope Augen mustern wich.»Ihre Karte, bitte." Meine Karte wandert durch den Spalt. Dann eine kurze Beratung hinter der Pforte, der Lärm einer Sicherheitsvorrichtung, die man entfernt, der Schlüssel dreht uch im Schloß, Riegel, Eisenbarren— und das Tor tut sich just so weit auf, daß«ine mißtrauische Nasenspitze nach rechts und links herausschnuppern kann. Aber ich bin allein, die Straße ist leer. Ich darf eintreten. Wang ist im Salon. Er legt seine! Pfeife weg und streckt mir einen wachsbleichen Arm entgegen, der aus einem blauen Sridenärmcl gleitet:„Entschuldigen Sie. Aber Sie iver-en die Unistände verstehen, wenn ich Ihnen sage, daß kurz nach meiner Rückkehr aus Europa einer meiner Pettern „gekidnopped" worden ist. Am hcllichtcn Tag, mitten in Hankau, als er durch einen Topdogen ging, stößt er sich den Kopf an — oder erhielt einen Schlag; er hat das nie sc Wellen können. Er sieht, daß er blutet; in diesem Augenblick stürzen sich drei Burschen auf ihn und schleppen ihn, Revolver auf die Brust gesetzt, in ein Auto. Tags darauf erhÄt seine Iran einen telephonischen Anruf, in dem sie aufgefordert wird, irgend jemandeir in ein Hotel in der Tibet Road zu schicken, woselbst man auf Zimiuer 15 in einer Schublade einen Brief ihres Mannes fnrden würde. Man geht dorthin Von Kano WageufeU. und findet«inen Brief von meinem Vetter und«inen von den Banditen. Mein Vetter zeigte an,«r werde grtt behandelt,-aß man aber um seinetwillen alles tun solle, was die Kidnappers verlangten. Der Brief des Banditen forderte zehntausend Dollar Vorschuß vor Eröffnung der Verhandlungen; man würde dann über das eigentliche Lösegeld reden. Tags darauf ein erneuter Telephonanrnf:„Geht ins Orient-Hotel, Zimmer 239." Im Zimmer 239 findet die Frau meines Vetters«inen Unbekannten, der sie fragt:„Haben Sie das Geld?" Sie bietLt zweiwusend Dollar an.„Her damit!" sagt der K«rl,„aber«s bleuen noch achttausend zu zahlen, ehe wir über die Hauptsache verbandeln können." Erneutes Stelldichein, erneutes Feilschen." Ich unterbreche Wang:„Und warum nicht die Anzeig« erstatten bei der Polizei?" „Das tut man nie", sagt Wang.„Mau würde nur die Zwischenhändler erwischen — die selbst nicht wissen, wo der Verschleppte sich befindet. Und nachher kommen di« Repressalien... Mein Vetter fing schon an, besorgt zu werden. Denn Sie wiffen doch, was geschieht, wenn sich die Verhandlungen allzusehr in die Länge ziehen; erst schneidet man einen Finger ab, dann«in Ohr, und schickt sie den Berivand- teu, um sie zur Eile anzusporneu. Manchmal auch, wenn sie zu spat zahlen, erhalten sie einen Leichnam zurück. Das kommt vor. Man hatte meinen Vetter in einem Haus untcrgebracht, in dem sich eine Spielhölle befand; er lwtte»ach Herzenslust zu esse» und zu rauchen. Nur saß im Zimmer, in dem er schlief, eine Wache mit einer Mauserpistole. Nachdem man die beiden, ihn und seinen Wächter, noch einmal beite um- qnartiercu müssen— denn die Sv'elhöllc war verratcn worden—. ließen ihn di« Erpresser endlich gegen die Hinterlegung einer großen Summe frei." „Ende gut, alles gut. Aber Di«'elbst?" „Warte»! Sie. Zwei Tage später bekam ich den Besuch eines anderen Vetters.„Ich habe in der Armee gedient, wo«s viel« Kidnappers gibt, und ich habe erfahren, daß es jetzt dir gilt. Wenn du willst, werde ich versuchen, die Sach« in Ordnung zu bringen. Die Bande, die dir nachstellt, ist die gleiche, die den Streich gegen unseren Vetter geführt hat. Hier der Beweis.. Und er zog das Taschentuch aus der Tasche, mit dein mein Vetter am Tage seiner Entführung sein« Wunde getrocknet hatte. Das Taschentuch zeigte noch die Blutspuren. Wir sprachen von anderem, beim Fortgehen aber sagte er mir, er brauch« Geld, um nach Hankau zu fahren. Beim Abschied gab ich ihm tausend Dollar für die Reise." „Was, Sie gaben ihn...?!" „Selbstverständlich, mein lieber Wagenseil... Der andere war in Hankau gekidnappe- worden, dort ist nicht die hiesig« Polizei zuständig. Und daun, ich hatte nichts Sicheres in Händen. Keinerlei Beweis. Wohlverstanden, er reift nicht ab, kommt aber zwei- oder dreimal, um mir unter anderen Vorwänden Geld abzuknöpfen. Aber nun erzähle ich di« Geschichte dem gekidnappten Vetter und er verspricht mir, darüber mit seinem Ex-Bewachungs- mann zu reden. Man zeigt dem ein Lichtbild des Kleinen. Und der Kerl erkennt ihn auf der Stelle. Jetzt konnte man zugreifen. Ich zeigte ihn an. Die Polizei verständigte sich. Man mußte ihn auf den elektrischen Stuhl setzert, um ihn zu einem Geständnis zu bringen. Aber man konnte nichts über die anderen erfahren. Er wurde verurteilt. Bevor er hingerichlct ivnrde, äußerle er als lebte» Wunsch, sich tüchtig vollzucssen. Man brachte ihm eine Schüssel Schweirrsfüßc. Daraufhin schlug er läuge- lang hin. Er selbst hatte sich mir Opium gerichtet." „Was babcu Srr dcnirrach heute noch zu furchten?" Wang machte einen tiefen Zug aus der Pfeife.„Alles", sagt er mit seiner ruhigen Stimme.„Die anderen sind geblieben. Ich röte besser daran, das Feld zu rännreu." Ich halte Wang im Verdacht, zu über- trciben. In dc'r Bar des Schanoha'-Klubs befragte ich Jackson, einen der Polizei- gewaltigen der internationalen Niederlassung. „Wang?" antwortete er mir.„Der klassische Fall' Die gewöhnliche Entfüh- 2- Wir wollen nicht nur Sure Stimmzettel zählen... Daß mancher nur währen- der Wahl zett zu uns steht, und hinterher mit dem schönen Gefühl nach Haufe geht—: Ich hab' meine Pflicht getan... Darauf allein kommt es heute nicht mehr an! Dah mancher nur fein Kreuz auf den Lummzettel schreibt, und hinterher nichts weiter tut, ms bet Mutter» bleibt, und jeder sozialistischen Tat aus dem Wege weicht...' Damit ist gar nichts erreicht! Dah mancher nur mit der Familie politisiert, und Sozialismus lediglich im stillen Kämmerlein im Munde führt, den Gegner aver niemals offen stellt. Dadurch verändert man nicht di« Welt! And schließlich und zuletzt—: dah Ihr Gesinnungsfreunde seid, ist wohl sehr schön, aber es bringt uns nicht weit. Ihr gehört zwar zu Lenen, di« richtig wählen, aber wir wollen nicht nur Eure Stimmzettel zählen... wir wollen auch wissen, dah Ihr mehr fein könnt als«in Kreuz auf Papier! Denn darauf, immer wieder darauf kommt«S an. dah man nicht nur Gesinnung tragen. sondern— wenn e% sein muh— sich auch dafür schlagen und aufopfern kann! rnng; denn wir unterscheiden drei Klassen von Entführungen." „Wie bei der Beerdigung?" „Genau so! Der Fall Wang ist Klasse drei, wenn Sie so wollen, der häufigste, der uns die meisten Schwierigkeiten macht. Wir haben«s da mit bewundernswert gutorganisierten Banden zu tun, die keine größere Gefahr laufen als jede andere bewaffnete Diebsbande, nur daß der Menschenraub mehr einbringt. Früher benutzt« man das eigene Auto des Opfers zur Entführung: es genügte, den Chauffeur zu bestechen oder «inen anderen unterzuschieben. Aber alle angesehenen und reichen Chinesen haben ihr« Automobile mit automatischen Sperrvorrichtungen"ausgerüstet, die sie ins Wageninnere einschließt. Unmöglich, sie während der Fahrt zu verschleppen... Di« Kidnappers mußten ein anderes Verfahren einschlagen. Alle haben heut« ihre eigenen Wagen, mit falschen Nummern, versteht sich!, und angeln ihre Kunden vor den Hotelausgänqen, bei ihren Konkubinen oder bei einem Stelldichein." „Und Klasse zwei?"„Wir nennen sie: Entführungen zwecks Regelung familiärer Angelegenheiten. Meist handelt es sich nm Racheakte, um Eifersucht, um Erb- oder Erstgeburtsinterefsen. Noch ist es keine zwei Monate her, daß ein gewisser Sung Aeh von zwei Individuen a»gefallen wurde, die ihm einen chloroformgetränkten Wattebausch unter die Nase hielten. Er schreit um Hilfe. Unser« Detektiv« laufen herzu und führen das Trio auf di« Wache. Ergebnis: sie Kidnappers tvaren: der eine ein Kollege von uns von der Polizei in Tfenkiang, der andere der Sekretär des derzeitigen Landwirtschaftsministers." Als ich meinen Gewährsmann verlassen hatte, kam ich auf dem Heimweg an einem gewissen Vielversprechenden„Scharf- Es war im Juni des Jahres 1212 In einem französischen Dorfe war plötzlich ein Knabe aufgestanden und hatte erklärt, Gesandter Gottes und berufen zu sein, das heilige Land, das sich trotz vier großer Rilterzüge noch immer in den Händen der„Ungläubigen" befand, für die Christenheit zu erobern. Er habe überirdische Erscheuungen gehabt, und Gott selbst habe ihm gesagt, er möchte sich an die Spitze eines Kinderheeres stellen und den Zug ins Morgenland unternehmen. Und so geschah es. Bald tauchten an vielen Orten Frankreichs und später auch in Deutschland Knaben auf, die Scharen größerer Kinder um sich sammelte» und unter Beten und Singen zu dem französischen Wunderknaben stießen.„Zu Gott übers Meer!" oder „Ins heilige Land!" war die Losung dieser Kinderhaufen. Nun hatte es freilich besonnene Geistliche und auch besorgte Eltern genug ge- geben, die diesem sonderbaren Beginnen mit der größten Sorge zusahen, doch tauchten ebenso bald gewichtige kirchlich« und weltliche Stimmen auf, die allen Ernstes erklärten, Gott habe mit diesen Kindern ein Wunder vor; ihrer Unschuld werde das gelingen, was dem wiederholten Versuche„sündhafter" Erwachsener nicht geglückt sei. Und scharf und mit der Drohung einiger Seelenpein wurden schließlich diejenigen getadelt, die sich dem Beginnen der Kinder in den Weg stellen wollten. So nahm das Schicksal seinen Lauf 30.000 französisch« Kinder stnmnelten sich nach und nach um ihren Führer, den Hirtenknaben Stephan, der, pomphaft angetan, auf einem Wagen dem Zuge voranfuhr. Aus Deutschland stirßen gegen 20.000 Kinder dazu. Die Fahrt übers Meer machten die Züge allerdings getrennt voneinander. Begünstigt wurden dies« jugendlichen Kämpfer- und Pilgerzüge besonders durch die in jener Zeit vielfach im christlichen Europa grassierenden religiösen Epidemien: Prediger- und Bettelmönche zogen im'Lande umher, Geißlertum und tollster Aberglaube machten sich breit, an religiösen Verzückungen und eingebildeten„Erscheinungen" war kein Mangel. So war es nicht verwunderlich, daß sich dem Bettlerzuge frivol mißbrauchter Kinder auch eine große Schar von Gesindel anschloß; Tagediebe. Verbrecher und Dirnen und auch niedere Geistliche, Heimat- und wurzellose Gestalten und Abenteurernaturen. Nach langen Märschen war das französt- sche Kinderheer b°s in die Hafenstadt Marseille gelangt. Hier boten sich einige Kaufleute an, fiir die Ueberfahrt auf Schiffen zu sorgen. Gegen Gotteslohn, wie sie sagten. In Wirklichkeit sollen di« Betreffenden von Anfang an die Absicht gehabt haben, an dem phantastischen Kinderunternehmen auf schändlichste Art'Geld zu verdienen. Soviel di« Chronik weiß, ist einem Teil der Kinder vor der Ueberfahrt bange geworden und sie sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Einige Schiffe schützen- rind Revylverklnb" vorbei. In der Hauptstraße, an der Front eines Hauses, las ich diese monumentale Inschrift: „Anti-Kidnapping-Bersichernngsgesellschaft." Offenbar eine amerikanische Bersichernng gegen das Gckidnappedwerden. Ich merkt« mir die beiden Adressen für meinen Freund Wang. sind unterwegs verunglückt und tausende Kinder dabei ertrunken. Die übriggebliebene große Zahl aber wurde in Aegypten auf Sklavenmärkten verkauft. Mehrere tausend an den Höf des Kalifen verkaufe Kinder sind später auf Verwendung des damaligen deu scheu Kaisers wieder freigcgcben worden. Di« verbrecherischen Kaufleute sollen gehängt worden s«in. Ter aus Deutschland, vornehmlich der Rhelngegend stammende Trupp kam, gleich- falls mit allerlei Gesindel bepackt, nach vielerlei Beschwerden über die Alpen^um über Jta» 9xn ins gelobte Land zu gelangen. Doch wurde ihnen in Genua von vornherein die Stadt verwehrt, und in Brindisi verhindert« der dortige Bischof ihre Einschiffung. Die italienische Behörde, die den grandiosen Unfug dieses„Kinderkreuzzuges" erkannte, trieb di« Scharen zurück, ko daß den Kindern und ihrem Troß nichts übrig blieb, als unter tausend Qualen und Entbehrungen die Heimreise über die Mpen anzutreten Dieser Rückmarsch in die Heimat hatte etwas Verzweifeltes an sich. Hungernd, durstend, frierend, von Seuchen geplagt, ging der Weg vor sich. Wer nicht mehr mitkommen konnte, der blieb am Wege liegen. Manche sucht«« untertvegs im Lande zu bleiben. Mädchen fielen in trostloseste Schande, wieder andere verdingten sich in ihrer Not zu harter Arbeit. Biele Tausende kamen, von Not und Elend geschwächt, in den Alpen um. Auch der Papst hatte keine Hilf« für diese jugendlichen Schwärmer, die doch für«ine„göttliche" Idee mißbraucht worden waren. Kalt überließ man sie ihrem traurigen Schicksal. Nach langer, trüber Irrfahrt kam, das nackte Leben durch Betteln, Arbeiten und Stehlen fristend, der. Rest wieder in der deutschen Heimat an. Di« meisten durch Krankheit und Hunger ruiniert, aber geheilt von dem Wahn, d«n unvernünftige Geistliche, Laien und Behörden nicht recht, zeitig als solchen erkannt und unterbunden hatten. So endet« dieses Kapitel weltgeschichtlichen Wahnsinns, der zu einem Verbrechen an Zehntausenden von Kindern geworden ist Der nächste Kreuz- und Erobererzug wurde wieder von einem deutschen Ritterhoer unternommen. Ein« damals zwischen dem Sultan von Aegypten und dem von Damaskus herrschende Fehde ausnutzend, gelang es diesem Zug«, Jerusalem zu erobern nnd zu unterwerfen. Später wurden die„Kreuzverteidiger" wieder von Moflemsscharen überfallen und aus dem Lande getrieben.„Und", so sagt ein Geschichtsforscher,„nachdem das streitbare Christentum gegen den Halbmond nichts hatte ausrichten können, wandt« sich seine Kampfgi«r gegen die „Ungläubigen" im Lande selbst, und es traten jene Ketzerverfolgungen und Glaubenskriege «in, die den folgenden Jahrhunderten ihren blutigen Stempel aufdrückten." I. KI ich«. »VVVVVVV'VV»■»■» tvvvvvtwv' r v v v v v wr w v v v 1 fvvvovvtvi Der fier Kinder «in fiopitfi Waynstnn» 3- Änorheye„Äauverer" Bon John George Hagenbeck. Es gibt wohl niemanden, Sem der Name Hagenbeck unbekannt wär«. Einer der Rach- komn.en der weltberichmten Tierhändler- und Fang.r-Familie, John George Hagen- b e ck, reist seit Jahren mit einer Jndienschau in Europa herum und was er aus diese» Reisen erleb', hat, erzähl: er nun in einem soeben erschienenen, frisch und unterhaltend geschriebenen Buch(„M i t Indiens fahrendem V o l k", August Scherl-Verlag, Berlin, Preis flc'b. 4 Mk.), das dem Leser amüsante Blicke in das Leben des fahrenden Artistenvolkes gewährt. Kaum jemand, der nicht„vom Bau" ist, wird sich eine Vorstellung davon machen, wie schwierig es ist, ein solches Reich zu gründen, die Tiere und die exotischen Menschen bei guter Laune zu erhalten, sie zur Ausübung ihrer schweren Arbeit dauernd geneigt zu tnachen und in der Truppe für harmonisches Zusammenwirken zu sorgen, was insbesondere wegen der verschiedenen Religionsbekenntnisse nicht leicht ist. Nachstehend eine Leseprobe aus dem köstlichen Buche: * Die Zauberer Indiens sind strenggläubige Mohammedaner, wenn es sich um Fleisch handelt, doch beim Alkohol vergessen sie ihre Religion, und schon die Babys bekommen täglich einige Tropfen Schnaps eingeflöst. Die Kunst des Zauberns haben sie von ihren Vätern geerbt. Jahrhunderlelang überkiefern sich die einzelnen Tricks innerhalb der Familie. Die Söhne der Zauberer weiden wieder Zauberer und führen mit sich als einzigen Schatz di« Kenntnisse ihrer Väter. Einige kleine.Schalen, klein«, selbstgefertigte Sloffkugeln, ein Knochen als Zauberst«-, «in kleiner Sack und ein ausgepust«tes Ei, die verschiedenen Steine, zwei kleine, gleich grobe Bambusstöbchen, ein Knäuel Garn, ein Ring, eine Banst(kürbisähnliche Pfeif«) und ei«« kleine Trommel sind ihre primitiven Zauberwerkzeug«. Laut lockt die Banst, begleitet von dem ungeduldigen Rattern der kleinen Trommel: „Charliecome on, Charlie come on," tönt es über d«n Platz.„Charli« Chaplin, Charlie Chaplin———" Chaplin scheint für ste der größt« Zauberer der Welt zu sein.„See this small kleine Glas, put in mH mouth, coming fire, ek, do, tin, char„(eins, zwei, drei, vier), und schon kräuselt sich feiner Rauch aus dem Munde des Zauberers, um einige Sekunden später in handlange Flammen übcrgugehen. Das Feuer ist verschwunden, aus dem Munde quillt ein großer Siein hervor. Das Publikum staunt. Wieder greift der Zauberer zur Trommel, ein neuer Trick beginnt. Und so rollt ein Trick nach dem andern vor den Augen des erstaunten Publikums ab. Die Zauberer sind meistens verheiratet und ihr« Frauen gehören ebenfalls zu ihren Requisiten, indem sie den berühmten indischen Korbirick mit ihnen ausführen. Dieser so vielbestaunte Trick ist an und für sich sehr einfach, doch ich will durch nähere Erkläruitgen keinem die Illusionen nehmen. Die meisten Menschen sind ja in dem Glauben, daß. wenn der Zauberer den Säbel in den Korb sticht, im nächsten Augenblick aus dem dünnen Geflecht des Korbes das Mut in Strömen hervorbrechen müßt«. Manchmal kommt es vor, daß sich der Zauberer über sein« Frau geärgert hat, und dann kann er es sich nicht versagen, ihr mit dem Säbel tüchtig zuzusetzen. I» den meist«» Fällen schadet das der Frau nicht viel, doch um so mehr der" Kleidung, die völlig durchstochen wird. Es ist sogar einmal vorgekommen, daß ein Zauberer beim Korbtrick seiner Frau durch das Ohr gestochen hatt«, und als er lächelnd den Korb öffnete, um seine Frau herauszulasien, und sich d«m Publikum zuwandte, um seinen Beifall entgegenzunehmen, erhielt er von seiner erbosten Frau«ine tüchtige Ohrfeige, so daß nicht viel gefehlt hätte, und er wäre vom Podium gestürzt. Diese kleine energische Frau war nun einige Jahre später bei meiner Truppe und schien sich absolut nicht mehr mit ihrem Manne vertragen zu können. Stets hörte man si« schimpfen und sich bitter über ihn beklagen. Er war ein ziemlich hübscher Mensch mit langem Kopfhaar und Bart und glich einem Christuskopfe. Er war ein sehr duldsamer Gatte, zaubert« tagsüber fleißig, ließ sich sein Essen gut schmecken und freute sich, wenn er sich abends außer dem von nrir gelieferten Schnaps noch eine Flasche Kognak extra leisten konnte. Es lag ihm Persönlich viel daran, sich abends gemütlich schlafen zu legen, doch seine Frau ließ ihm keine Ruhe. Immer und immer wieder hört« man ihr lautes Zedern. Eines Tages kam mir die Stille in ihrem Unter- kunftsraum etwas seltsam vor und ich ging hinein, um nach dem Rechten zu sehen. Ich Dies und das. Wen« bei den Arabern ein Mann des Mordes verdächtig ist, wird rr einer sogenannten Feuerprobe unterzogen. Der Henker läßt ein Mess«r in dem Feuer, um das sich alle Beteiligten versammeln, rotglühend werden, dann muß der Angeklagte den Mund öffnen und di« Zunge herausstecken. Der Henker faßt nun mit einem Tuch die Zunge und schneidet dann mit dem rotglühenden Messer zweimal hinein. Rach zwei Stunden wird di« Zunge besichtigt. Wenn sie dann aufgeschwollen oder verbrannt ist, wird der Angeklagte schuldig gesprochen und hingerichtet; sind diese Zeichen aber irchi vorhanden, so erklärt man ihn für unschuldig. Ob es demnach in Arabien unschuldige Mörder gibt? Der in technischer Beziehung modernst« Bahnhof Europas befndet sich in Mailand. Der Bau hat 25 Jahr« in Anspruch genommen. Das Bahnhofsgebäude dehnt sich über ein Areal von 420.000 Quadratmetern aus Er hat im ganzen fünf überdeckt« Hallen mit zu- sammcn 24 Geleisen. Aeußerlich wirkt das Haus mehr wie ein Palast als wie«in Bahnhofsgebäude. Mehrere Räume sind mit rosenfarbenem Marnior bekleidet, und zwei der Treppen sind aus grünem Gram! hergestellt. Tie Spatzen habe» eine groß« Vorliebe für die gelbe Farbe. Es ist beobachtet worden, daß in einem Beet, auf dem Krokus standen, nur die gelben Blüten von ihnen zerbissen und zerpflückt wurden, während sie di« weißen und lila Krokus völlig unberührt ließen. Der hölzern« Federhalter ist hundert Jahre alt. Er fand sofort so großen Beifall, daß die Hersteller der bis dahin üblichen Gänsekielfedern ruiniert gewesen wären, wenn sie nicht auf den glücklichen Gedanken gekommen wären, di« unverkäuflichen Gänsefedern n>ln als Zahnstocher abzltsetzen. bekam einen furchtbaren Schrecken, als ich den Zauberer, mit«inent großen Schlachtmesser bewaffnet, am Hals« feiner Frau herumhantie- ren sah. Ich sprang hinzu, um ihn von dem vernreinilichen Morde abzuhalten, doch er schaute mich lächelnd an, und nun sah ich, daß sich di« Frau einen dicken Strick um den Hals gebun» den und den Versuch gemacht hatte, sich zu er» hängen. Der Zauberer, im Begriffe, mit dem großen Messer den Strick dnrchzuischnciden, meinte nur, seine Frau wäre geistesgestört und die Sache sei nicht tragisch zu nehmen. Die Frau fiel, nachdem der Strick entfernt war, prompt in Ohnmacht, und ich mußt« über die» ses Theater sehr lachen, wodurch sofort die im» mer sehr neugierigen Eiivgeborenen herbei» gelockt wurden. Ein allgemeines Gelächter brach aus und dieses ri«s die angeblich ohne mächtige Frau wieder ins Bewußtsein zurück« Wütend wi««ine Wildkatze fauch!« sie uns an, was jedoch die Heiterkeit nur erhöhte. Nun begann sie mit einem Schwall unflätigster Worte auf die kleiire Spitzenklöpplerin zu schimpfen und bezichtigt« dies« des Ehebruchmil ihrem Manne. Die Spitzenklöpplerin, hierüber empört und vor allen Dingen in den Gefühlen ihrer buddhistischen Religion gekränkt durch den Vorwurf, sich mit einem Mohammedaner eingelassen zu haben, fing nun auch an, auf die Frau des Zauberers zu sch'mpfen, doch die gegenfeifige Schimpferei ging in dem Lärm des allgemeinen Gelächterunter, sonst hätte diese Auseinandersetzuitg noch' zu einem Zweikampf zwischen den beiden feindlichen Frauen geführt Die Zelt« der Laprn-Romaden sollen in Zukunft mit Telephona»lagen versehen werben« Die Lappen können sich dann gegenseitig telephonisch über die Weideverhältnisse und den Zustand der Herden benachrichtigen I« Ungarn werben Pferdehuf« aus Gummi benutzt. D« neueste Erfindung, die zur Patentie- ruttg angemeldet ist, ist ein Apparat der da- Schnarchen verhindern soll Di« englischen Soldaten werden neuerdings mit einer„eisernen Ration" ausgerüstet, di« aus einem harten Kuchen besteht der nur 180 Gramm wiegt, aber für vierundzwanzig Stunden eine ausreichende Ernährung gewährleistet, da er aus Kakao. Zucker, Erbspulver, Flefichpulvcr, Zitronenöl und Kakaobutter besteht Ei» Eichbaum braucht hurrdert Jahre, um zur vollen Entfaltung zu kommen, wenige Bäume aber wachsen so schnell wie d'e Weiden. Di« Tausendfüßler gehören zu den In» seken, die eine übelriechende Flüssigkeit ab» sondern um Angreifer abzuschrecken Die soaenannten Bmeiieneier. mit denen man zum Beispiel die Goldfische füttert, sind in Wirklichkeit keine Ameiseneier sondern jung« Ameisen, die einen weißen Kokair um sich gesponnen haben, der sie während- der Entwicklung zur ausgewachsenen Ame'fe schützt. Daß eine Gans wirklich goldene Eier hätte legen können, wurde kürzlich in Australien festgestellt. Als di« Gans getötet war und ans» geschnitten wurde, sand man in ihrem Mag» und in den Eingeweide» Gold, und man kam dahinter, daß der BiKen. auf dein si» gegrast hatt«, ein kl«ines Golfeld lvar. Daß Tiere träumen, wird jeder Tierfreund' schon oft beobachtet haben. So zum Beispiel schnüffeln Hunde im Schlaf, als wenn sie ein« Fährte verfolgen. Bücher machen Freude. Di« Franckhsche BrrlagÄhandlung in Stuttz- Wirt, seit dielen Jahren bekannt durch die von ihr verlegte gediegene Jugend-Literatur, hat Heuer n. a. folgende Bücher für Weihnachten herausgebracht: .T«o>»s«tz»«» tat gtterltanatf•* Cm« Erzähl«», Ha ft««*! bei täte« JfamH am(eia Recht. Bon Ar!. B r t u i«*. Mit 37 tttffcifttnt«nt»nx-i vachrso-m-e» Toirln. Pr«ie DU 4.80 Da« tst«mm«!«in Jrftnmrr» hoch, da«»an ohne Eintchrönftn«, braaisterr Üben N>R«t Dcr AiUor,«ia g»t«r ftonoei btt Indian ar not ihrer Gerchrchir. bln schon früher znxi Iichianrrdächrr»rriaßt Rich sie hab«» in der Presse»je bei den sivachtichea Scher» bes-esterie Anerkennruig gesunde», do« acäech« oder «ft doch»och besser, überchanp« da« beste, da« so» Viesen Aohren aus diesem Gebnere erschienen ist. Die Hondsrvi* Nnedr in der Zeit der«rvirieixu JndianerkäuPf«»M de« «och dem Westen vorbrilegenden Weiten und Fritz SieMde» «rzadll von diese« mit diureitzendem Ternd'eoornenr und bochsler Nnschaxsichte«. Da« Buch Hot nicht« zu tun Mit jener Jndianer-Nolporeage-Nteraiur. Hs« nur bi« Seelen der intzeNdüchen Leser vcogrstei, tzber wird kdn-n neben der drachr.ooidr» CharatrerichSder««,«Hier Reitz« vo« Männern aus beiden Seite», eine Darstellung de« Leben«, der Kitte», tftcbränche nach^tenohncheiren der Rvchä»!« gegeben, dir«ns Wahrheit rallen Anshrust erheben darf. Am Murclpunk! steht.Aleberstruenhs". derselbe, von dem Lorchel erzähl r, der ivsrMch gelebt Hot«ich der eile De ursche r gewesen ist. Der Bklbschin-nck ist onschausjch und>nf»ö- ma,"il>. Er ist alten Weiden ewruonunen, u>ch zeigt"ie" i^chn gebiete der Indianer, ihre Booch, ihr« 8tamanc«r11ei denuny, Sandkärdhon und ÄesechtSFtzzen, die all« die ties- erAreifende knjähuu«g ans da« wuiuinarvollst« understcktze». Die Wirlunz der Geschachte ist«in« sttlche, dost da« Buch i» d>« Ho ich ei«e» ieben Jui*en^tzörk. Alle werden sie begrlster! lesen. ..tlaschmir, der Zi^aaerstm««.'' Bon T. tz. I o tz a.» s e n. Mn 4 kafellimdern. Preis ged. Ms. 3.80. Da« ist eine fori«stiedendi, geschriebene Echahtong, die«n ftecktzere, Witz, slbcux-uern, Ueherraschun-gen und gelnngLne« Ktnei* chen fo-viel enthält, dost jede« Aun^uherz sich daran erfreue« wird. Ter«uier versteht e«, sich»er JÜqend von deut« alänzend anzupassen, er triqn ihrem Sin» für vloumnM Rechnung und weist auch humorvoll zu erzählen. Lebensjreud« acht von dem Boche«i« und do« ist mm«, too? nicht hoch genug eingeschätzi werde» kann. »Mit dem Wind." Bon Donald mch Lüdke Pearei«. Mir 8 Daselbilbern. Preis ged. Mk. 8.80. Dreizehn Tiererjählmigeu find hier»ufaarmengesostt und wer auch nur er»« von ihnen Üest. wirb da» BMch fickb- geannne». Die«rzästlee» Tierschiekkste, die aus fernster und rneÄnster Beobachtung der Tierwett drrotze», mache« einem warm nm« Herz, enwd.n Mirempsin«» mi, den Fremdon und Leide« der Tiere und sind durchweg«®c- schichten künstle rischer Präg neig. »Wir fahre» in die Welt." Bo« Bi da Lütten. Wr 3 Takefbilder«. Preir geb. Mk. 3.8«. Ern nntderne« Buch für jung« Mädchen, köstlich, frisch»äd keck, da««brr doch echt niädchenhast ist. Tie SU’iri» lästi Beu:«, rin Lis ädrige« Mädchen von itzrer Wandervng nrir ihre»» Zwillingibruder in di« Tiroler Berg« berichten, vo» all dem Ro«e«. Ueberwältige«d«M, Komischen. Eihermrrigen und«efährLche», da« hiebei«ich di« beiden einstiiomt und st« I« e« in einem Geist«, der Her, und«erstand betorist.- .Alle Mann a» Bord." Da« Buch der 8««sahvt. Breie Bstder. Preis Mk.».—. An der Reib« der„Weite West- Bücherei"«r»«neu. ploudrri da« Buch non der Seefahrt in einer Weis«, der de» WifscuSdurft»ab stitobniödr-ng der Zöge»» zu besriedtge« lteeWxr ist. „An 8 Tage» nm den Lequator." Bon Fraser« C-r e r I. Biel« Bilder. Preis Mk. 2.—. In hi«s«r Er- iählung voa einem Wetirrkordslna ruech nm de» ilegnuior stich Technik tmd kllbeutruer, von oene» die Jugend träaona, eng verkebtet. E« geht um eene MUszonenweii« und so werdcn alle Erfindungen»ich Mäglichkeiieu der Technik esugrsttzl im Ka-mtzs um den Sieg. Die reifere Jugend Wich daran reichen Gefache» finde». Ortoineilc» Spiele. &.t auf«Ern 4vcine«n, betarryr sich der MelkfchrAHclst auch auf demkUU; nvtzert Rodckkf, Nrvfsrditz; Oi»i Adolf. Toaxena«: T««m«cher Artur, ZtvcttiUtz: krMsch Gisttuv, Wifkrschmi. All« Zulchrilten und Ansragen an Gen. Wenzel Schar och. gwettnih Nr. Sb bei Teplitz-Schönan. Allen Ansragkn ist Rktourmart« belzulegen. Partie Nr. 26. Caro-Kinn. (Oe.spielt in der Wiener Einiclgaumeisterschaft, November 1932.) Weiß: Lonnek. Schwarz: Wicht!. SfhachnuF«abe Nr. H4. Von O. G. Laiiritzen, Kepenhag««, (Vejie Sozialdemokrat 1932.) Schwarz: Ke3; Lei; Bf4, h2(4). Weiß:"Khl; Dj2; Tdl: Bc3, d3(5). Matt in 2 Zflcen! ab« de f k h 3 jL» a B 8 7 VU W V 7 6 B V 5 Hl W IZ W 5 4 P W' W'B 4 3 V UKW M 2 MW r 1 i a b e', g4t); Wcn§e4 NooLf,-lrnSdorf bei H<äba; DärMDter Ovnl, reicher; Cwamld Josef, Vvboertssch; Hy na Jo-cf, Hostomitz; Bräuer Benns, Äcknqewim(nach Tg4—d4 folgt einfach BgS—g4)- Beuckel DUHcl«, Arnsdorf bei Tet» ichen(siehe Ama. 1s: Schöbel ssroaz, Tir«ch«iH; Htkgsrch Henncmn, Mw«Wistritz; Hobler Artton, TÄvmitz(von bei» 10. DdÄ-dJ Nach cb. II. OXb7, 567, DXcb hat Schwarz zwei Bauern weniger. 11. Db3Xb7 Dd5Xc5f 12. Lfl—e2 t.... Schwärs übersah nun das drohende Matt and wurde nach 12 Lfö—g7?2 13. Db7—c8j hingerichtet. Jedoch ist er in jedem Fall verloren, da die weifte Dame aal aS nicht eingesperrt werden kann. L. B: Kd8, 13. VXa8, L)c7, 14. a4!. 867. 15. a5! Im Mehr- besitz der Qualität muß Weift gewinnen. Anmerkungen voa Ana toi Qerschenkroa.