9tr. S. UnterOaitnna^&eilage. 1933. Go wird Gew gernaGt... Don Upton etnclair. Das Nachstehende ist«iuem höchst lesenswerten Buche-es großen amerikanischen Schriftstellers Upton Sinclair(„B riefe an einen Arbeiter", mit 20 Zeichnungen von Lili R4chi, Preis geb. Mk. 3.50) entnommen, das im Berlage E. Prager, Wien XX. soeben erschienen Ift und das als «in wahre- sozialistisches Abc-Buch angesprochen werden kann. Das Buch— es stellt ein««indringliche Polemik gegen d«n Kapita- liSmus dar—i ist wohl schon vor der Krise geschrieben worden, aber es hat darum nicht da« geringste an Aktualität«ingebüßt. Wi« all« früheren Werke Sinclairs zeugt auch diese- von der«dlen Tapferkeit des Dichters und er ist geeignet, dem gedankenlosesten Pro. letarier die Augen über sein Schicksal und über da- Wesen der kapitalistischen Gesellschaft zu öffnen. Es stellt dir Fragen: Warum gibt es Armut im reichsten Lande der Welt- Warum werden in Amerika die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer? Die Antwort, di« darauf gegeben wird, hat natürlich nicht nur für Amerika, sondern für alle kapitalistischen Länder gleichermaßen Bedeutung. Im einzelnen mögen sich unsere Weg« von denen Sinclairs trennen, doch muß die Tatsache anerkannt werden, daß aus jeder Zeile des eindringlichen Buches ehrlichst« Ueberzeugung und tiefstes soziales Der. stehe« der Lage der Arbeiterschaft spricht. Die Briefe find an den Arbeiter Jadd gerichtet, der«in Bollamerikaner ist und von den Rot«« nichts wissen will: Mai« lieber Jadd' Stelle d r einen Mann vor, der Wasser aus einem Brunnen pumpt, um damit«in Reservoir für seinen Hausbedarf zu fülle». ES ist viel Wasser da, di« Pumpe ist groß und stark, und jedesmal, wenn der Mann den Hrbel niederdrückt, fließen viel« Liter Wasser in' das Reservoir. Der Man» arbeitet den ganzen Tag, aber abends, wenn er nach Hause geht,«nideckt er, daß im Reservoir nur«inige Tropfe» Wasser sind. Irgendwelche Leut« müssen fein Rohr angezapst und das Wasser z» ihren eigenen Behältern geleitet haben. So muß unser Mann Hunderte von Litern für ander« pumpe», bevor er für sich selbst einige Tropfen abkriegt. Meinst du nicht, daß es sich für unseren Mann lohnen wird, sich ein« Weile damit zu befassen, wo diese Zapfstellen sind, wieviel sie ihm abnehmen und mit welchem Recht? Der Fall des mnerikausche» Arbeiters. S ehst du, Jadd, das ist der Fall des ame- rikanischen Arbeiters und Bauern. Die Zapfstellen heißen Miet«, Zinse«, Dividenden, Profite, Tantiemen, Steuern, Zölle,.Inflation, Manipulation, Spekulation, Gratisaktien, Verwässerung der Aktien— ein Gewirr von Zapf- röhren. Machen wir aber einen Besuch im Dschungel der Wall Str««t und spüren wir einigen der größten Zapfröhren nach, di« dich zwingen, das Kreuz zu brechen, indem du den ganzen Tag Wasser für Faulenzer und Schmarotzer pumpen mußt, bevor du«inen Schluck zu trinken bekommst. Wenn sie in der Mittelschule oder in den Handelsschulen über das Geldwesen der großen Aktiengesellschaften sprechen, so stellen sie die Geschichte so dar: Einig« Leute stecken ihr durch ehrlich« Arbeit erworbenen Ersparnisse iu«in« Gesellschaft, kaufen Maschinen und erzeugen Waren, di« sie zu konkurrenMäßigeu Preisen verkaufen. Natürlich gehört der Gewinn ihnen, alles ist Hibsch glatt und moralisch, ein schönes System, das dafür sorgt, daß das Publikum mit billigen Waren reichlich versorgt werd«. So ein schönes Bild malen die kapitalistischen Schulbuchfabrikant«» — das Geld dazu kommt aus Wall Street— und man sorgt schon für Verbreitung mit Hilf« von Aufsichtskommissionen und Schulinspektoren. Aber was sind die Tatsache»?. Nun, der groß« Finanzmann fängt die Sach« damit an, irgendein Monopol ausfindig zu machen, irgendein Loch, durch welches«r, wie«r weiß, rasche und sichere Profite machen kann. Was auch d e„fette Sache" fein mag, man kriegt sie in die Hand, geht dann zu seinem Freund, dem großen Bankier, und„nimmt ihn mtt" Er gib: dir dafür eine Menge von diesem Lebenssaft der Wirtschaft, den er ja verwaltet: nicht wirkliches Geld, sondern Kredft, anigebau: auf dem richtigen Geld, das andere Leute. bei seiner Bank hinterlegt haben. Damit kann man nun' losgehcn und alle Arten richtiger Güter erwerben:«in Büro, eine Fabrik, Rohinaterial, — alles fließt einem zu. Alladdins Wunderlamp« war N'ch's dagegen. Der Profit ist sicher— das hat man vorbereitet:»nd auf Grnnd dieser Sicherheit setzt man das Kapital ftst Du armes, alte- Arbcitstierl... Verstehe gut, man gibt keinen Dollar vo» wirklichem Geld her— die großen Innenseite« tun es nie, sie würden über dl«se Zumutung lachen. Man setzt sein Kapital im Verhältnis zum erwarteten Gewinn fest. Das klingt verwickelt, ist aber in Wirklichkeit sehr einfach. Dl« Profit« aus Wall Street bewegen sich so um 7 Prozent herum; deshalb wird man das Grundkapital auf daS Vierzehnsache des erwarteten Gewinnes festsetzen. Gehr man nun au die Arbeit und arbeite» auch die Bestechungsgelder, so mag man finden, daß man doppelt so viel verdient wir erwartet; wenn das der Fall ist,«rklärt man sein Kapital für doppelt so hoch. Verdient man 70.000 Dollar im Jahr, so ist das Kapital 1 Million Dollar. Wenn ma« im nächsten Jahr 700.000 Dollar macht, ver- größert man das Kapital auf 10 Millionen. Erzielt man 7 Millionen, so wird da» Kapital 100 Millionen. Du armeS, altes Arbeitstier, wirst sicher denken, ich reiße Witze, wenn ich so etwas behaupt«; du kannst dir nicht vorstellen, daß sich solche Dinge außer im Traume er- Eignen können. Aber ich versichere dir bei meiner Ehre, dies ist der gewöhnliche Vorgang in Wall Street heut«, und mit der Aufzählung der Gesellschaft«», di« diese Dinge wi« Selbstverständlichkeit«» tun, könnt« ich Seit«, dieses Buches fülle». Nimm zum Beispiel d'e Standard Oil Company os New Uork. Ich erinnere mich, daß di« Aktien dieser Gesellschaft vor dem Kriege an der Börse 700 Dollar pro Stück notierten, also mi! dem siebenfachen Nennwert. Das bedeutet, daß die Rockefellers altmodisch waren und vor den neuartigen Tricks für Aktiengeselllchasten Angst hatt«n Sie behielten für ihre Gesellschaft dos alte Kapital bei, nämlich 15 Million«» Dollar, und der Gewinn betrug 70 Prozent. Aher m i der Zeit wurde der Lärm in der Oeffentlichkc t zu stark, so daß di« Rockefellers, wie all« anderen, den hohen Gewinnsatz verber- gen mußten— und was haben sie, da gemacht? Also, im Jahr« 1913 schüttele di« Standard Oil Co', of New Jork ein« ,Lusatzdividend« durch Gratisaktien" von 400 Prozent aus, daS heißt, sie gab ihren Aktionären für. jede Aktie, die diese besahen, vier weiter« gratis, und so stieg daS Kapital der Gesellschaft von 15 ans 75 Million«». Natürlich haben dann di« Pro- «- 2- f te für weniger ausgcschaut, denn fle wurden unter fünfmal soviel Aktien aufgeteilt. 1822 wurde da» Kapital in dieser Weis« wieder mit drei multipliziert und stieg auf 225 M llionen. Heute zahlt dir Gesellschaft 14 Prozent D'vi> dende, und da» scheint schlimm genug; waS würde man aber sagen, wenn man nach dem richtigen, ursprünglichen Kapital rechnete und Wüßte, daß d e Gesellschaft jede» Jahr LIV Prozent anSzahlt? Kleb es in deinen Hat, Jadd! Da» ift der Trick mit den„GratiSakt'en" — klebe r» in deinen Hui, Jadd! Und klebe auch diese» hinein: Gratisaktien gellen nach «'ner Entscheidung de» Obersten Gerichtshöfe» her Bereinigten Staaten nicht als Gewinn Und wenn man die Höhe seines Kapital» so verwässert hat. macht man nicht mehr übermäßige Profite und braucht nicht mehr die Sonder- steuer für übermäßige Gewinne zu zahlen! Alio dec len sich natürlich all« dies« Gesellschaften, ihre Pap"er« in die richtige Form zu bringen; im Jahre 1822 allein wurden mehr al» 2900 Millionen Dollar» an Gratisaktien an dir glückt chen Aktionäre verteilt. Di« Standard Oil Company of Jndjana zahlt« in einem Jahre 2800 Prozent durch Gratisaktien und die Brown and Tharpe Tampany die Werkzeuge macht für Zimmerleute, wie du bist-, Jadd, zahlte 1822 durch Gratisaktien 16000 Prozent! Siehst du also, wir sie d'ch vor den Wagen gespannt haben? Oder nimm den Rindsleischtrust. Armour & Company begannen mit 160 000 Dollar, alles übrige kam aus den Profiten. In einem einzigen Jahr haben sie an Gratisaktien 80 Mil lionen Dollar verteilt! Oder nimm diese Alu» min um Company of America, den Schützling der Familie Mellon, die so vielerlei Vergünstigungen vÄt unserer Regierung genießt: auf einen Schlag haben sie 500 Prozent Gratis- ak en verteilt, und dabei können sie ihren Arbeitern nicht mehr zahlen als 3 30 Dollar pro Tag! Oder nimm den Brotirust, das neueste Frirdensbaby von Wall Street. Die Allgemeine Bäck"rei-Gesellichaf1 hat d:n Mert ihrer Anlagen in Neun Jahren um 67.500 Prozent vergrößert. Und woraus denn? Menn man eben ein„In- nense'tcr" ist und den richt gen Weg zu den Banken kennt, einen ausreichenden Kredit bekommt, vermag man riesige elektrische Oeken zu bau«n, die so schnell und billig daS Brot backen, daß di« kle nen Bäckermeister einfach von der B ldfläche verschwinden; sie kommen zu einem als Lohnsklaven in d'e Arbeit und man ha! «in Monopol vor frischem Bro: in einer großen Stadt und aus den Gtw'nnen kann man Rechtsanwälte und Stadträte, Redakteure und Streikbrechcrbanden bezahlen, und ist gegen Angriffe in jeder Form geschützt. Wozu Beisp'rl« aufeinanlwrhäufen. Jadd? Genügt zu sagen, daß jedes große Geschäft in Amerika in dieser Form verwal et und betne- den wird: und-du zahlst dalür Während des Krieges hast du e nen Stund"nlohn von einem Dollar erhalten und dachtest, das wär« der nächste Weg zum Paradies; aber du siehst nun, für jeden Dollar, den du gemacht hast haben dies« Wall-Street-Kerl« 10 Millionen gemacht; und als es zum A>'soeben deson W doeriMen* „Ich lasse ben Herrn Kommissar&itt«n." Das Mädchen schloß d« Tür hinter sich, Franz Ewaldt, der berühmte Bakteriologe, über- legte noch, was der Besuch eines Kriminalkommissars an diesem schönen, sonn gen Nach- mi"aq zu bedeuten habe, al' der Ange- melde:e, Kriminalkommissar Hennig, groß, schlank und von unergründlichem GesichtSauS- druck schon vor ihm stand. „Me n Be'vch steht im Zusammenhang mit einem traurigen Ere gniS in Ihrem Freundeskreis Herr Ewaldt Frau Handel, mit der Eie. wie ich annebme. sehr besreund-t gewesen sind, ist vor wenigen S unden gestorben." „Sie sehen mich erschüttert", erw d rt« Ewaldt.„Tatsächlich weiß ch noch nichts davon. Weshalb überbringen gerade Sie mir diese traurige Kunde?" „Weil ich annahm, daß es gerade Sie ganz besonders interessieren wird" „Ich verstehe S'e n ch'." „S'e werden mich wohl sehr bald verstehen. Zuvor aber möchte ich gerne Sie verstehen..." „Weshalb wollen Sie mich verstehen? Was sollen denn all diese komischen Andeutungen?" „Ich möch'e als Kriminalist brennend gern verstehen, weshalb Sie Ihr« Freund'n töten wollten, Herr Ewaldt" Der Gelehrte versucht« ein Gelächter, aber «S gelang ihm daneben. „Ich hasse das Katze- und Maus«spiel, wenn «S nicht mehr nötig ist", fuhr Hennig nach einer Weil« fort.„Ich will Ihnen deshalb gleich eingangs sagen, daß ich ganz genau we'ß. daß S'e Ihre. Fr«und n getötet haben. Sie haben sich im allgemeinen ziemlich tölpelhaft benommen, denn di« Aufklärung dauert« wenig mehr als drei Stunden, Ihr« Freundin ist an r'ner schweren TetonuSinkektion gestorben" „Ich wüß'e nicht", was th damit zu tun haben loll'e. Ich halte mein« Tatanuskulturen unter sicherem Verschluß" „Davon bin ich überzeugt. Aber«ine kleine Nebensraoe: Pflegen Sie Ihre Baz'llenkulturen zu maniküren?" Dr. Ewaldt wurde mit einem Male leichenblaß. Er ließ sich, heftig nach Atem r'ngend. auf einen Sessel fallen und starrte den Kommissar aus blutunterlaufenen Augen an, als wollt« er ihm an die Kehl« springen. Hennig fuhr aber ganz unberührt fort:„S'e schickten Ihrer Freundin vor einiger Zeit als anonymes Geschenk e nen großen, schwer ver- silberten Manikürkasten. Sir müssen selber Tage voll'ch u rl cher Erwartung verl b haben denn das vermeintlich« Unglück: die Infekt on, trat nicht sobald«in, wie Sie wohl glaubten. DaS rührt aber daher, daß sich Ihre Freund'n in der Regel man küren ließ. Erst gestern abend benutzte st« den Kasten, weil ste Eile ha'te, auf «ine Gesellschaft zu kommen und untertags ke'ne Zeit gehabt hat"«, sich maniküren zu lassen." „Wie wollen Sie mir beweisen", fragte Ewald mit erkünstelter Ruhe, daß ausgerechnet ich einen solchen Man'kürkasten geschickt, d. h. geschenkt haben soll?" „Sie stellen diese Frage mit Recht und ich will sie auch klar beantworten. Die Tetanusinfektion war so außerordentlich schwer, daß so- for'«in gewisser Verdacht vorhanden war. Eine halbe Stunde vor dem letalen Ausgang l eß m'ch Dr. Reu. der Arzt, der Frau Handel behandelt«, rufen und bat mich um ein« Untersuchung der Begleitumstände. Wichtig war natür- lich die Frage, woran sich di« arm« Fra« so 'chwer und hoffnungslos infiziert haben sollte. Bei den Verhören mit hren Dienstboten und der Zo?e stieß ich dann schließlich aus den Mani. kürkasten, der am Abend vorher zuletzt und »um ersten Mal benutz: worden war Run. Herr Ewaldt. ich erzähl« Ihnen wohl nichts Neuer: Di« Instrumente und Scheren waren mit Te- ranuSbazillen behaftet, die genügt hätten,' ein« ganze D Vision au» der Welt zu schossen. S'« fragen aber weiter, wie ich gerade Sie als Täter ausfindig machte. Da« ist eigentlich ganz einfach. Durch einen glückl chen Zufall war noch die Verschnürung vorhandek, in d r di« Kassette gebunden war Ene der weiblichen Ang stellen hat nämlich die löblich« Eigenschaft, all« Strippen, d'e ste zu Gesicht bekommt, nicht fortzuwerfen. sondern aufznheben. Was mich nun an der Verpackung besonders interessiert, war ein gewißer seltsamer. kompl:zirr«r Knoten, Da er ste das erst« Mal sah, war«s noch Sommer, hoher Sommer. Er hatte stch verspätet, sprang im letzten Augenblick in den schon anfahrenden Zug und fiel—«twaS erschöpft, etwas keuchend— auf den einen noch freien Fensterplatz. Ja— und dann sah er sie. Sie saß ihm gegenüber und er hatte Muß« genug, ste ein- gehend zu betrachten. Ein duftiges, hellblaues Sommerfähnchen mit ganz zarten, modrsarbenen Diagonalsteisen umschmeichelte ihren Körper, di« lonnettgebräuuten und wohlgeformten Arme 'rügen keinerlei Schmuck.„Sie treibt fieber viel Sport— ste sieht so erfreulich getund und kräf- 'iq aus" dacht« der Herr nicht ganz ohne Reid. Denn er war keiner der Jüngsten, er stand schon in der Mitt« d«r Vierzig und daS Leben hatte 'hn-»weilen arg geichüttelt und mitgenommen Dann ließ er seine Augen weiter wandern aufwärts. Schlank wuchs d«r Hals aus dem runden AuS'chnitt hervor, kastanienfarbener Haar, dem di« einfallend« Morg«nsonne einen wunderbaren Glanz verlieh, umrahm:««in 'chmaleS aber noch jugendliches Gesicht. besten ruhiger Ernst durch die Weichheit der Züge ge- mildert wurde. Als sie in der Stadt ankamen, kam das Mädchen ihm bald aus den Augen. Sicher ging 's« einen andern Weg. Taz tat ihm leid, macht« ihn fast ein wenig traurig. Gern hätte er stch noch einige wenig« Minuten an ihren festen, dchenden. trotzdem graziösen Schritten erfreut Aber immerhin— diese klein« Begegnung genügte, ihm den ganzen Tag zu erhellen und mit einem besonderen Licht zu übergießen. Seit dieser ersten Begegnung fuhr d«r Herr nun immer mit diesem Zug. Obgleich es eigentlich nicht der richtiae Zug war— obgleich er nun immer zu spät kam. Aber er befand stch in einer Stellung, wo er eS mit der p«inlick>en Innehaltung der Dienststunden nick» mehr io oeua» ni nehmen braucht«. Und daß leine Kollegen denen er bislang rin Vorbild an Pünktlichkeit Zweien war. begannen, über dies« selb'am Wandlung zu tnkcheln und munkeln, daraus macht« er sich nicht allzu viel. Immer wußte er es einzurichten, daß er auf der kleinen Zwischenstation in ihr Abteil kam Dieser Zug war nicht mehr übermäßig voll 'o fand er schon ein Plätzchen Und'm übrigen erleichtert« das Mädchen ihm seine Absicht, weil eS beim Einlaufen d»S Zuges In den Vorort bahnhof schon aus dem offenen Fenster sah, um der in die Strippe gebunden war Er war ganz ander- als die Knoten, wi« ste gewöhnlich:« Ladengeschäften gebunden werden. In dem Geschäft, in dem Sie den Mankürkastrn gekauft hatten, konnte ich durch Stichproben auch bald feststellen,-aß dort anders verpackt wird, als es bei dem Pak«t der Fall war, in dem Frau Handel da- Paket von unbekannter Hand rrhiel'. Frau Handel war es wohl gewöhnt, Geschenk« von Unbekannten zu erhalten Sie, Herr Dr. Ewaldt, haben aber früher Ihrer Freundin öfters kl«'ne Pakete geschenkt, meist Pralinen und ähnliches S'tftn Packungen legten Sie zu Hause wahrscheinlich kleine Briefchen bei, wie man das zu tun pflegt. Zu diesem Behuf« mußten Sie di« Strippe neu knüpfen und dieser kl« n«, ganz nebensächliche Umstand. Herr Bakteriologe, wird Ihnen den Hals kosten. All diese Strippen weisen nämlich ein und denselben seltsamen Knoten auf. Und nun, Herr Dr. Ewaldt, warum mußten Sie tö'en? Eifersucht?" DaS„Ja" Dr. Ewaldts klang kaum hörbar. eine Freundin, die gleichfalls hier zuftieg, herbeizuwinken. Länger« Zeit zerbrach sich der H«rr dr« Kopf darüber, was dieses Mädchen im Leben wohl vorstellen möge. Sie hatte in Gebärd« und Mienenspiel ein« Herbheit, di« sic aus der großen Menge heraushob, wenigstens in den Augen di«i«s Betrachters. Aber dann entnahm er doch den keineswegs im Flüsterton abgehak- :enen Gesprächen der beiden Freundinnen, daß st« voraussichtlich eine kleine Stenotypistin, Korrespondentin oder Privatsekretärin sei. Und daß ihr lackledernes Stadtköfferchen wohl ebenso wie seine Aktenmappe nur«ine Thermosflasche, Frühstücksbror und ein wenig Obst enthielt. Darüber hinaus höchstens noch die übliche« Requisiten weiblicher Eitelkeit: Spiegel,.Kamm, Puderdose usw. Er war viel zu schüchtern, viel zu unbeholfen wohl auch in Dingen-es Herzens, des Gefühls. um ein Gespräch mit dem Mädchen an» znsangen. Um sie einfach anzureden und eine Unterhaltung vom Zaun zu brechen. Ja— er hätte er nicht einmal fertig gebracht, sein schöne- Gegenüber geradenwegs anzublicken. Rur über den Rand der breit entfalteten Zeitung hinweg betrachtete er sie immer wieder, scheu und verstohlen. Und. senkt« sofort erschreck: und beschäm:, al» hätte man ihn bei einer Ungehörigkeit ertappt, d'« Augen, sobald sich ihre Blick« zufällig kreuzten. Seine Haushälterin daheim hat:« auch "irrigen Grund stch zu wundern Seit keine Fran, vor vielen Jahren nun lchon sehr jung aestorben war, hatte ter alleingebliebe»«, linder» ',»« Witwer kein verschlossenes zurückgezogene- Junggesellen leben wieder ausgenommen. Jetzt wurde das anders— sehr anders wurde es. Es fing damit an, daß er jeden Morgen eine halb« Stunde früher, aufltand, rotzdem er doch«inen späteren Zug benutzte als vo^dem. Daß er sich sorgfältig und gründlich rasierte— bislang hatte er diese unerquickliche Arbeit kckwn immer am Abend vorpenommen und deshalb eigentlich dauernd etwas»ngepslegt iuSg"k«hcn Daß er sein«. Kleidung sorgfältig usammenstellte, nack>drücklichst dosür sorgte, daß >ie Beinkleider immer wobl gebügelt waren. Und mit Bedacht und Geschmack die postend« Krawatte zu dem Oberhemd avSwählte. Dir Haushälterin bemerkte die Waicklung mit einem Bek-»mden das ihn lächeln macht«. Ob auch das Mädchen st« bemerkte? Er hofft- RSye des Winters. Bon Ernst Ludwig Anger. 4 fhrtteree des Messers und der Gabel be< Tflrtniu mit junges Mäd- seinen Haushoffen dürft«, murmelt« der Im Arbeiter« früh. M., aber ließ Als Schmied Ferdinand, alle aus Kwitlcau; Ulbert Prosseditz; Triltsch Gustav, Wisterschan: Sett- Artur, Zwettnitz: Hilgart Hermann, Neu-Wist ritz. IN«er", Verlag Herder it. Co., Freiburg im Breisgau), das sich würd g der Reihe der Bücher Svenssons anfügt. Es. berichtet von der Althing. Feier, von Märschen und Ritten ins Land, von Fahrten in manche Fjords und der Verfasser weih lebhaft und lustig ru erzählen. Auf albt Tafeln sind dem Text 25 Bilder vom isländischen Volksleben und der isländischen Landschaft be'gegeben. Schachaufgabe Nr. 125. Von Adolf Mildori, Tlschau. Schwarz: Kh5; De3; Tc5; Lod; Sh2; Bd4.<4. tS(8>. Tie M's haben ein« vorbildliche Das heißt: ganz Paris wußte um die zahllosen Aventüren der Madame Monsieur wußte selbswerständlich Bescheid; er sagte kein Wort, er duldet« still und seine Gattin ihren Neigungen nachgehen, er gestorben war, erzählt« Madame schluchzend: „Ich war bis zuletzt bei ihm. Ich habe ihm die Augen zugedrückt.!." Worauf einer.der Kondolenten seinem Nachbarn zuflüstert«:„War gar nicht nötig. Der arme M. hat sie sein ganzes Leben lang zugedrückt." Eine gut« Natur. Frau(zum Arzt):„Ach, Herr Doktor, ich fühle mich sehr schlecht. Bon, Schachgenossen, Achtung! Schachsektion Tetschen hat für den 5. März Naturschönheiten des Landes, alle dir Wunder, di« Mitternachtssonne, das Nordlicht, das brausend« Meer, di« Eis« und Schnrelandschasten, di« unbeschreiblich« Sommerherrlichkeit, finden r I in ihm einen begeisterten Schildrrer. Sein« nicht au» dem Zug« sah, wurde er unrrchig, ja I Erzählungen haben wesentlich dazu beigetragen, besorgt. Er fragte sich, ob ihr vielleicht etwa»> Island in der Welt draußen bekannt zu machen zugestoßen sein könnte, oder ob sie vielleicht ihre) und es ist daher begreiflich, daß di« isländisch« Stellung verloren habe. So viel« verlieren ja I Bolksregi«rung aus Anlaß de» tausendjährigen ihre St«llr in diesen schlimme« Zeiten. End-1 Jubiläum? des Parlaments, das„Althing" ge- lich kam er auf das Nächstliegende: daß sie Ur-f nannt wird, Jon Svensson eingelad«« hat, an ,"' Er ist dieser Ein ladung gefolgt und dieser R«is« und den Er« GchaM-Grfe. All« llnlchrstten und Antrauen an«en. Wenzel Scharvch. flwettnitz Ar.«5 del Teplitz-Schönau. Mn A»trauen Ist Netaurmark» selWteOen. BedttnelslerKlnUei. Im 1. Bezirk spielte Kleische gegen 4:4 Punkten unentschieden. Die übrigen Spiele mußte» wegen Organisationsfehler neu eingeteilt werden. Im 2. Bezirk wurden In der I. und 2. Runde folgende- Ergebnisse erzielt: Zuckmantel: Wisterschan I. 3:4 P. für Wisterschan l. (1 Hängepartie). Elchwald: Wisterschan IL 6: 2 P. Mr Elchwald. Elchwald: Znckmantel 3%: 3J4 P. kl HänceparUe). Wisterschan II: Wisterschan L 0.6 P.<2 Häncepart.). 7. Bezirk: Am 19. Feber spielte Sobrnsan in Hatto, mitz mit dem Ergebnis 5:3 Punkte für Sobrnsan. Am 5. März spielt noch Hostomitz in Jane««, am U. Mira Janen in Sobrnsan. tl—«r erwartete es. Und«r redete sich rin.I Eindrücke von den gewaltigen und herrlichen l daß schon diese Aeußerlichkeiten ihr zetgen, ihr!"—*--* v— beweisen würden, was er für si« empfand. Einmal war das Mädchen nicht da. Den ganzen Tag über war er daraufhin in schreck licher Laune. Als si« auch am nächsten Tag Die Aeueflnkel Im ITordmeer. Der Schriftsteller Jon Svensson ist seiner Heimat nach Isländer, lebt in Deutsch« land, har ein« Reihe von Büchern in deutscher Sprache geschrieben, hängt aber mit allen Fasern fein«s Herzens an Island, der Feucrinsel im Rordmeer. Er hat sein« Jugendjahr« auf Js- land»erbracht und di« damals empfangenen . Die..... ,.W den Gen. Schöpka, Komotau II.. zu einem Simultanspiel eingeladen. Schachspieler, welche daran teil nehmen wollen. melden sich vor Beginn des Spieles beim beim Gen. Ditmebier. Anfang 9 Uhr Ein Man« mit blaurotem, versoffenem Gesicht,«ine Brille vor verquollenen, schwimmenden Aeuglein, kommt zum Augenarzt, klagt über Schwinden seiner Sehkraft und fragt, ob er nicht stärker« Gläser brauche.— Der Arzt blickt ihn einen Augenblick an und antwort«!:„Stärker« Gläser nicht, aber weniger." Ein Siebzigjähriger, der ein chen heiraten möcht«, konsultiert arzt und fragt ihn, ob er noch Bat«r zu werden—„Hoffen?", Arzt, eher fürchten." Ersatz für«in«« Man«. Als ma« ein« bekannte Schriftstellerin— der Nam« muß au- guten Gründen verschwiegen werden— fragt«, warum sie nicht heirat«, antwortet« sie:„Ich kann auf einen Mann ganz gut verzichten, denn ich habe drei Ding« daheim, di« dessen Haupt- charaktereigenschaften völlig ersetzen."—„Und die wären?"— ,Hch hab««inen Hund, der den ganzen Morgen knurrt,«Inen Papagei, der den ganzen Nachmittag flucht und endlich einen Kater, der di« ganze Nacht auSbleibt." Britischer Humor. Ein englischer Missionar, der kürzlich aus dem dunkelsten Afrika nach London zurückgekehrt ist, antwortet« auf di« an ihn gerichtet« Frag«, ob sein« auf die Ausrottung des Kannibalismus abzielende» Bemühungen erfolgreich gewesen seien:„Nein, bis jetzt noch nicht. Aber ich habe es wenigstens durchgesetzt, daß sich di« Wilden beim Verspeisen ihrer Opfer heut« dienen" Pietät. Ehe geführt. meiner Migräne, vom Ohrensausen und Nervenz tt«ru will ich noch gar nicht reden, aber der Rheumatismus in den Armen, das Magendrücken, das S echen In den Augen, di« Schwer« in allen Gliedern'—." Arzt(sie unterbrechend): Fimmel, was müssen Sie gesund sein, lieb« Frau, um all dies« Leiden aushalten zu können." Immer praktisch. Der bekannte Künstler malt« vor dem Abschied von dem malerische» Dorf, in dem er den Sommer verbracht, noch rasch ein besonders idyllisch gelegenes Bauern« : haus. Der Bauer sah mit Interesse zu.„Sage» Sie, Herr," fragte er schließlich,„was mache« Si« mit dem Bild von meinem Haus, wenn e» fertig ist?"„Das schick« ich auf dl« Ausstellung." sagte der Meister. Der Bauer stand«ine« Augenblick schweigend, dann fragte«r weiter: „Da werden es wohl viel« Menschen sehen?" „Viele Tausende."„Ach, daun hätte ich ein« kleine B'tt« an Sie," meinte der Landman«. „Könnten S e nicht groß an di« Wand schreiben: „Während der Sommermonat« zu vermietens" Weiß: Ktf; 015; Le6; CT; 865. eS W. Matt la zwei Zügen! Lösungen sind bis fingstens 14 läge nach Erscheinen der Aufgabe an Gen. Wenzel Scharoch. Zwettnitz* einzusenden. Lösungszag zu Nr. 122: Kdl—c2! Richtige Lösungen sandten nachfolgende Genossen ein: Reinert Julius. Nestomitz; John Josef. Krochwitsi Kropf Rudolf, Rudolf Gustav. Schwan Raimund, Skiba Erwin, alle aus Klostergrab; Hyna Franz, Adam Johann* Goldbach Franz, alle aus Hostomitz; Dlnnebier Emu. Tetschen(bitte mir einen Bericht von dem S. sp. zu senden); Schmidt Karl, Brüx; Schubert Josef, Baku; Peperl Teo. Auperschtn; Petrak Albin« Kulm; Fritsch Anton und Hiebe Josef, Markersdorf; Schöbel Frans. Straußnitz; Wenzel Adolf, Amsdorf b. Haida; Beutel Wilhelm, Arnsdorf b. Tetschen; Fachmann Reinhold, Mildorf Adolf, Döhnert Max. alle aus Ti schau; Böhm Emil, Sobrnsan; Walter Ludwig, Robek Franz, Micbef Rudolf,“‘“■' Rudolf, macber laub habe. Den Mut, jene fade Freundin zu! der Frirr teilzunehmen, befragen, brachte er natürlich nicht auf. ll v' Wirklich erschien das Mädchen nach etwal^bnisi«« Svensson» auf der Fahrt durch Eng- zwei Wochen wieder auf der Bildfläche. Sah i^- Holland ist da» Erscheinen eines Buche» jetzt noch gebräunter, noch gesünder auS. UndIdanken(„Die Feu«rins«l im Nord- erzählt« ihrer Kollegin von ihren kleinen Harm-*"*"«•- losen FerienerbKmifsen. In Glanz und Wärme und Sonn« neigte! der Sommer sich feinem End« entgegen, ging unmerklich fast in einen klaren, heiteren Herbst Nber. Am Morgen war es jetzt schon empfind lich frisch. Mer der Herr empfand das nicht. Er sah den Wechsel der Jahreszeit«» nur daran, daß das Mädchen jetzt über ihren zarten Som merkleidern einen hellgrauen Sportmantel ge zogen hatte. Aber dann wurde es mählich dunkler am Morgen. Nun hatt« der Herr schon Mühe, das schöne Mädchen ausfindig zu mache». Denn si« öffnete nicht das Fenster, wenn der Zug«rnlief, und es war wohl auch nicht mehr nötig— denn ihr« Kollegin stand nicht mehr auf dem Bahn steig. Vielleicht hatte di« jetzt Urlaub. Und an einem Morgen geschah«s, daß er! im letzten Augenblick angehast«t kam, weil«r sich beim Rasieren geschnitten hatt«. Er sprang aufs Geratewohl in«in Abteil— es war leer! Doch nach ein paar Sekunden Fahrt hört» er von nebenan«ine Stimme— kein Zweifel,«s war di« Stimme des Mädchens. „Schade', sagt« si«,—„er ist heute nicht «ii^estiegen. Zum ersten Mal seit drei Mona ten läßt er mich im Stich. Und ich hätt« ihn dir doch so gern gezeigt, Fred, diesen neuen B«r- «hrer. Ein komischer Kauz, sage ich dir. Guckt mich immer an mit den treuen, dummen Augen eines jungen Hundes und denkt, ich merke es nicht. Uiw dazu dies Gesicht— zum Schreien — sage ich dir." Der Herr«ichod sich lautlos, etwas zitternd. Spähte vorsichtig über di« trennende Scheide wand, um sich zu vergewissern. Wirklich— sie war es. Und»eben ihr saß ein junger Mensch, ein junger Mann mit dem energische» Gesicht eines Rennfahrers und der durchtrainierten Figur eines Artisten. Und tpiell« lächelnd und zärtlich mit der Hand des Mädchens. Da der Zug in.der Stadt einlief, zog der Herr znm ersten Mal den Mantel über. Ihn fror plötzlich, und das Bewußtsein von der Nähe des Winters fiel ihm wie«in St«in aufs Herz. Seit d!el«m Morgen wurde er wieder jenes Muster an Pünktlichkeit,, als das man ihn vor dem gekannt hatte...