Der Brandstifter. Von 9. SoaeKtm. ütS er noch«in Kind war, da weckte ihn au» einem Traum der Hoht« Stus,-er so ,urchtoar ist w!« kein Rus ivnst. Er schrak üuf, jlpwettzbeaeckt, und sah«tue Stacht, di« nicht still un» saust war, wie Rächte sonst ivaren, sondern flackernd, zerrisse« von Schreien, mit rotem Dunst erfüllt. Da spürte er zum ersten Mat bat sonderbare Gefühl,-a» ihm Rücken und Bei»« lähmte mit ernem Schmerz, der fast Wohltat. Er strahlt« aus vom Mark, flutet« über Len« -en, Schenkel, di« haltlos zu zitter« begas» neu, als habe sie der Blitz getroffen, wallte auch in schweren Stößen aufwärts, ergriff das Herz und drückte e< in den HalH, wo eS stockend schlug und dann stillstand, gauz stillstand. Run war er leicht und ganz taumelig, körperlos und von einer grenzenlosen Gier erfüllt, einer Gier, die ihn sich schreiend wehre» ließ, alS man kam, ihn in höchster Eile fortzuholen, da über der Decke schon daS Dach zusammenbrach. Diese Gier vergaß«r nicht. Sie war daS erst« große Gefühl feines ÄbenS,«»eiter zurück war nichts: und«r spielte mit der Erinnerung an diese rot« Rächt, wie Kinder mit ihren Leidenschaften spielen, unbewußt noch der Gefahr, aber ahnungsvoll und mit erfinderischer Lust, sie immer wieder zu erzeugen. So fanden ihn fremde Leut« eines Tages, alS er schon zur Schule ging, auf dem Dachboden des Hauses, vom Rauch saft betäubt, dessen scharfem Geruch sie nachgegangen waren. Sägespäne, zum Glück zu feucht, qualmten unter einem Scheiterhaufen, Leu er aus Zigarettenkisten und Brennholz geschichtet hatte. Mochte der beißende Rauch ihn, der von Kindheit ans schwach in der Brust war, fast erstickt haben, oder war eS Wieder die seltsame Lähmung der ersten Nacht, die ihn bewegungslos machte; sie fanden ihn neben dem glimmenden Brand- heid auSgestreckt und mußten ihn gewaltsam losreißen, wobei er, wie sie den Eltern berichteten, sie mit starren Augen, wie in einem Krampf befangen, angeblicki hatte, nicht boshaft etwa! sondern irre! Er ward schwer bestraft, körperlich gezüchtigt und lange Zeit in strenger Obhut gehalte«. Zumal sich hermrSstellt«, daß er, wo eS sich nur irgend machen ließ, mit ge- sich, mit zitternden Gliedern, tiefen Ringen unter den scheuen Augen, in Vie Häuser > iM sein« un lang dre Orte der Katastrophen umstehen und Hergang, Grund und mögliche Verhinderung imuier wieder bereden. Dann lauscht« er und genoß, waS er nicht hatte sehe« dürfe». Dabei zog er die süßliche« beizenden Gerüche tief und gierig ein, di« als feuchter Brodern von kohlendem nassen Holz um di« Stätten der Brände lagern. Und ging endbald die rasenden Geläute der Wehren oder sah über die Dächer schwarzen Qualm in “"'. Da» erregt« ihn zu» Schien es nicht, als sei er verschwi- I« ihm dir er auch tagsüber herbeizwaug, und der i strahlengelb mit blutroter Aura, di« sich au» *——*-''------' 14——*—•~'•’j den, Talg, und er betete sie an, verzückt, die er selbst! flamme war er selbst! Das fuhr eine» zu-, der sein« Glieder ekstatisch wirbelt«. Es war irr« zu nenne«. Rur mit Müh« hielt er sich zurück, wenn .-r z-'.. Er umkreist« sie, als sei er derjenige, der daS eoocy«pn me«-legt^hert« sich verstohlen. selbst, in deren Höfen und Treppenhäuser« der Schutt des Brandes lag: schrvarze Dach» spane», verkohlte Paprer«, abgerissen« Tapeten und der gerettete Hausrat, angesengt, von den Elementen verwüstet, verbogene Eisen, klaffende Wände, Rauchsaulchen wirbelten bläulich; noch strahlte Hitze, treibhausfeucht, aus den abgelöschten Reste«. Später trieb es ihn, der dem magischen wo Feuer am stohlene« Streichhölzern klein« Feuer ent», Mimik-es Gesichts i« Form sinnloser Gri< zündet« von ollem Möglichen, das sich als massierung anschloß. Halt« ihn jemand leicht brennbar erwies. So brachte er es Zustand solch völliger Hingab« an sein« iertig, im Borüberg«h«n eia Streichholz in selige Leidenschaft gesehen; er hätt« nicht geben gefüllten Papierkorb zu werfen, willen», zaudert, ihn schlecht«nd recht 1— dann davornu laufen, um sich der schweren c--—- f J' L’’... r.„ UUl WiUlX yiu< vl ihu«muu. iVCKA Einmal jedoch ergriff die Flamme, vom Luftzug einer r"*—— ten Gardinen des Herrenzimmers; und alS auf daS KÜrren der zerspringenden Scheibe Hilf« geeilt kam, fand man den Knaben in verzerrter Haltung nächst dem Fenster auf den Fußboden geworfen. Da lag er regungs los, mit weitaufgeriffenen, starren Augen, di« Fäuste krampfhaft geballt,«nd so starr der ganze Körper, gelähmt wie in-er ersten, entscheidenden Nacht. Wer von denen, die ihn entsetzt aufhoben, konnte wisse«, welche Wohltat eines sonderbaren Schmerzes ihn ganz und gar durchdrang! Drohungen vermochten nicht»; kein« Ge walt stieß i« die unergründlichen Tiefen die ser Gier. Aber e» schien, al» lege sich langsam, mit zunehmendem Alter, dies« schrecklich« Krankheit. Zwar ließ der Knabe auch weiterhin«in« seltsame Benommenheit merken, wenn er mit Lampen, offenem Fe««r und,„...., v..... dergleichen in nahe Berührung kam, aber! JA Hong folgte, dorthin, wo Fnier man nahm es allzugern als harmlose Nach» I Schwelen und Ausbrechen war. Er fwh» Wirkung, gewöhnte sich bald daran und! lockte; denn es schien, als sei er e>n« Art machte e» gar zur Zielscheibe gulmütiaen\ Totenvogel. Wo immer er auch sein mochte: Witze». Auch-er Name Brandstifter blieb Von-er finsteren Gewalt gelockt hort« er ihm, zum Scherz! Aber ihn trieb eine Gewalt, di« un-... widerstehlich war und verlockend, wie eine ty&ten Lust, dorthm, wo eS eben gebrannt hatte.! s'ksst.>“““, Sein erster Blick galt den Zritung»n>brikc«,- rai*^ ern,^ l t> en dement? wo er Angaben darüber füglich erwarten glühte es, er fand e» überall, Flamme war konnte Er verschlang die Detail»-er sie!» er selbst! neu und großen Feuersbrünste und empfand W, auch dabei söbon die leisten Mahnungen des Nachts in sein Gehirn«nd brannte darin Schmerzes,-en er erstrebte. Es war eine heiß, angcsacht von einem wilden Sturm, unzweifelhaft epileptische Veranlagung,, ,' s mal e- im Verlauf-er schleichenden Erkran- der Ausbruch de» Wahnsinn», der ihn hin» knng dazu kam, daß er bei den Vorstellungen,< riß. Er sah nur Licht, eine Helle Flamm«, Lektüre, di« er suchte, seltsam« haltlose und ftinem Gehirn nährte. Si« fraß e» auf, wie unkontrollierbare Bewegungen mit''." Gliedmaßen machte, weniger Znckunaeu, al»! Augen aufwärts verdreht, daß da»Weiß« grein« Art wilden Tanze», dem sich bald di«'fpenstisch leuchtete — 2— Kein Widerstand mehr, keinerlei Bedenken nn- nichts von Furcht. Sondern nur ein Gepeitschtwerden, ein Hingeschlrudertsein, «in rasender Irrwahn, der ihm das Rückgrat brach, daß er anfjanchzte, sich ihm hinzuwerfen zur Vernichtung. Er glaubt« zu tanzen, in hcstige», schwerelosen Sprüngen, seinen Weg zu nehmen, Flamme schon, slackernd! Aber er ging auf Zehenspitzen, vorsichtiger, als er es k vermocht hätte dei klarem Bewußtsein, öffnete Türen lautlos, niemand zu wecken, hielt inne bei jedem Knarrlaut der alten Dielen. In der Küche tastete er nach den Streichhölzern, di« zu berühren er ängstlich vermißen hatte, in panischer Furcht vor dem Verbot. Da er sie nun hielt, achtsam in den Fingerspitzen, schien es chm, er schwenke sie jubelnd im Kreise; Funken sprühen aus ihnen; alles zünde sich an, knistere, flamme aus! Im Finstern sucht«r nach der Spiri- tusflasche, di« unter dem Abwasch stand, das wuhte er; da er den stumpfen Blechkanister berührte, in dem daß Petroleum bewahrt wurde, nahm er srohlockerid auch ihn. Ueber den Flur. Er stieß sich nicht in der Finsternis— wie könnte«r auch?— War«8 ooch so flammend hell um ihn! Der Scklüssel knackte ganz leise, geräuschlos siel die Tür hinter ihm zu. Nun treppauf. Das HauS roch dumpf nach Keller. Er tappte über die Stufen, seine Pantoffel schlappten,«in mörderisches Gespenst. Dtr Dachstuhl. Hinter ihm siel die eiserne Tür mit dumpfem Schlag ins Schloß. Das wurde notiert in den Protokollen; eine Frau hatte es gehört, ans kränklichem Schlaf geweckt. Dl« Uhr zeigte halb zwölf. Der Brandstifter schloß die Gattrrtür der Bodenkammer auf. Aus Koffern, Kisten, Bettstellen, Kartons, Matratzen nnd all und jedem, was«r auS der Finsternis mit unge wohnten Kräften riß, stapelte er einen Schei» Irrhausen. Den übergoß er mit Petroleum und Spiritus. Vorsichtig und genußsüchtig, als bereite er eine köstliche Speise. Aber ihm schien in seinem herrlichen Wahn, als vollzöge in sakralem Tanz«in wunderbares Opfer. Dann strich er«in Streichholz an. Und wie di« kleine rötliche Flamm« aufsprang, zuckte mit unerhörtem Ansturm der Schmerz durch feinen Leib. Packte ihn im Kreuz, zerriß ihn und schlug sein Herz mit einem Schlag in den Hals, wo es stockend, zitternd pochte, ein kleiner todängstlicher Bogel.... Das Petroleum flackert« niit trübem Rot, stieß schweren, erstickenden Rauch auS; dann blaffte mit einem dumpfen Knall der bläuliche Spiritus und lief mit Windeseile in di« dunklen Ecken der Kammer. Aufflammte gelblich ein« Rolle Tapeten, wie ein« Fackel, und entrollte sich funkensprühend. Roter Qualm ätzend, stinkend, flackernd. Der Haufen glüht« von innen; blubbernd tanzten Flämmchen, spiritnsblau. Schon war nur rotes Gewölk, dicht, atembeüemmend um ihn, der regungs?vs stand und starrt«, mit aufgerisienem Auge, gelähmt, wie in der ersten Nacht, da daS Kind für immer den Stempel erhielt. Und mit einem Male schoß aus der dunkelglühenden Masse brüllend eine riesige Flamme, strahlendhell, von unerhörter Kraft geschleudert, packt« ihn mit hitzigem Griff, wirbelte ihn um sich, hüllt« ihn in Glut und Funken und sprengt« dann mit klirrendem Knall di« Luke, Ziegel prasselten, ein Luftstrom trieb di« Feuersäule heulend aus dem Dach. Er tanzte, von rasendem Schmerz zerstört, und daS letzte, was er von diesem Leben vernahm, war der furchtbarste aller Schreie, fern und hohl: Feuer! ReGt auf Lieve. Bon Ernst Ludwig Anger. Ein knickendes, knacksendes Geräusch, und das Zimmer, eben noch vom Schimmer der Lampe warm und freundlich erhellt, lag im Dunkeln. „Ludwig?", kam di« leise Stimme der Frau aus den Kissen,„Ludwig— hörst du?" „Ja", brummle der Mann, und ein unterdrückter Seufzer schwang in diesem Wort mit. „ES tut mir leid, aber ich mutz mit dir sprechen", fuhr di« Fran fort.„Ja— ich kann nun nicht länger schweigen, ich kann nicht mehr still sein. Diese Stunde ist gut für eine Aussprache zwischen uns beiden, rin« gründlich« Aussprach«. Am Tag« kommt man ja doch nicht dazu— es drängt sich so viel, so furchtbar viel dazwischen. Wir haben kein« Zeit— immer bat einer von uns beiden kein« Zeit. Aber jetzt: jetzt wirst du mich anhören— muht du mich anhären. Jetzt kannst du mir nicht entrinnen. Ludwig— weißt du, was für rin Tag gestern war? Unser Hochzeitstag— unser siebenter Hochzeitstag. Du hast ihn vergessen— nein nicht, entschuldig« dich nicht, sei still und hör zu. Ja, du hast ihn vergessen— w:e du zwei Monat« vorher meinen Geburtstag vergessen hast. Es geht mir ja nicht nm Geschenk«— glaube mir, Ludwig, dah es mir darum nicht geht. Wenn du mir«in paar Blumen auf den Tifch gestellt, wenn du am Morgen mein«- Geburtstags, unseres Hochzeitstags «in paar zärtliche Worte für mich gefunden hät test, so wäre ich mir reich vorgekommen. ES hätte genügt, um mir zu beweisen, daß du mich noch liebst. Daß du noch nicht ausgehört hast, mich zu lieben. Du hast mir keine Blumen geschenkt, gestern, und du warst gleichgültig und freundlich wie immer. Bon jener furchtbaren Freundlichkeit, di« mich wahnsinnig, die mich rasend machen könnte. Weil sich kein Gefühl, keine Herzenswärm«, weil sich nichts Schönes dahinter verbirgt. Und an meinem Geburtstag? Daß ich Geburtstag hatte, das fiel dir überhaupt erst nachmittags«in, als du bei deiner Heimkehr mein« Freundin vorsandest. Du hast ein so erstauntes Gesicht gemacht, daß ich vor Scham hätte in den Erdboden versinken mögen. Es geht ja nm mehr als um di« Feststellung einer Nachlässigkeit, einer bloßen Vergeßlichkeit. Es geht ja um ein Glück, Ludwig— um mein Lebensglück. Das doch in gewissem Sinn auch dein Glück sein sollte, nicht wahr? Diese beiden Vorfälle, so geringfügig li« dir erscheinen mögen, mir sind sie mehr. Für mich haben st««ine symbolische Bedeutung, ja. Verstehst du denn das nicht, Ludwig?— Oh— aber was frag« ich denn! Natürlich verstehst du mich. Du bsst ja nicht dumm, du bist ja sogar e>n sehr kluger Mensch. Andere sagen es mir und mein« täglichen Beobachtungen bestätigen es. Wenn man sieben Jahr« mit einem Mann verheiratet war, dann mutz man es als Frau wohl rinigermahen weg haben, was an diesem Mann dran ist. Selbstverständlich wirst du mir jetzt sagen, all daS sei nur Eifersucht. Di« Männer reden sich so gern darauf hinaus. Und du wirst mir Vorhalten, daß du mir tr«u bist, dah du dich nie mit andern Frauen abgegeben hast. Daß ich jeden deiner Schritte kontrollieren kann, wenn ich mag. Aber nein— ich mag nicht. Ich will nicht. Ich bezweifle dein« Treu« nicht. Aber ich will ja auch deine Treu« nicht. Sie ist mir weniger wichtig als du denkst. Dein« Liebe will ich -und weiter nichts. Und an deiner Liebe beginne ich zu zweiseln, allmählich. Begr«ise es doch, Ludwig. Muh ich nicht fürchten— ja, hab« ich nicht tausend Gründ« für di« Annahme, daß ich dir bereits gleichgültig geworden sei? Daß du mich wirklich nicht mehr liebst? Man vergißt nicht den Geburtstag seiner Frau, di« man liebt. Man vergiht noch weniger den Tag, an dem man diese Frau in sein HauS führen durfte! Das ist doch so klar, sonnenklar, Liebster! Du mutzt es doch einsehen, wie sehr eine solch« Feststellung mich kränken muß. Haben denn diese sieben Jahre, dies« kurzen sieben Jahre wirklich schon genügt, aus unserer Ehe nichts mehr zu machen, als«in« Gewohnheit? Ali ein« Selbstverständlichkeit? Aber"— und di« leis«, klagend« Stimme der Frau wurde plötzlich drohend, herausfordernd, fast böse, trotz des Schluchzens, das ihr in der Kehl« saß, das st« so mühselig bekämpft« —„aber du solltest deiner Sache nicht so gewiß ssin, Ludwig. Wirklich nicht! Ich.:. ja, ich warne dich! Ein« Frau ist kein« Sach«, die man besitzt, wie einen Gegenstand. Eine Frau will immer wieder erobert, will immer aufs Nene erworben sein. Ich bin mir zu schade, Ludwig, zu einem so selbstverständlichen Besitz entwürdigt zu werden. Selbst von dir ließe ich mir das nicht g«° fallen. Ich bin auch noch zu jung zu einer derartigen Rolle.— Viel zu jung— daran denke! Ich bin ja noch nicht dreitzig, und das ist kein Alter. Und ich hab««in Anrecht auf Liebe, das ich nicht einfach pr«iSgeb«n werde. Ich brauch« Webe—. jede Frau: braucht Liebe» wie«in« Blume Sonnenschein braucht und Regen, um zu gedeihen. Und dies Anrecht auf L eb«, auf Glück, daS lass« ich mir nicht so einfach nehmen. Das gebe ich nicht so«infach auf, Ludwig..." Die Frau schwieg. Mit klopfendem Herzen, zitternd, wartet« sie aus Antwort. Was sie hört«, war«in l«is«S, sägendes Geräusch. Ihr Mann schnarchte... Der fttyrer. Der Großindustrielle führt« seinen Freund durch seine GaSherd-Fabrik, di« ein Wunder war an blitzender Rationalisierung und an raffiniertem, auf ungeheure Massenproduktion gerichtetem technischen Denken. Leider lag sie seit Monaten füll. In dem weiten, menschenleeren Raum klang die Stimme des Wirtschaftsführers seltsam hohl, als er erläuterte: „In diesem Saal werden die in den Hallen I bis IV erzeugten und mittels Fließband hierher brsördrrlrn Gasherde nun maschinell verpackt und versandsertig gemacht. Bei voller Ausnutzung der Kapazität sind daS pro Arbeitstag fünfhunderttaufend Stück, pro Woche drei Millionen Gasherde. — s— Mit ten Schmalseiten'aneinandergereiht, würden st« dreiundeinhalbmal den Aequator umspannen.'.." Er hielt inne, um sich einen Augenblick am Staunen feines Besuchers zu weiden und fuhr triumphierend fort „Mein Unternehmen ist in der Lage— natürl'ch volle Ausnutzung der Kapazität vorausgesetzt— jede deutsche Familie im Jahr mit zehn Gasherden zu beliefern, oder, wenn unserm Export keine Hindernisse in den Weg gelegt werden, jeden Haushalt der zivilisierten Welt alljährlich mit einem neuen Gasherd auszurüsten! In Friedrich Hebbels Tagebüchern lesen wir unterm 25. Dezember 1851:„Der Teufel ist für di« Erwachsenen, was der Schornsteinfeger für di« Kinder." Warum schrieb der Dichter diese scheinbare Banalität nieder? Am ersten Weihnachtstage drängte sich ihm wohl inmitten der zum großen Teil noch abergläubischen Wiener Bevölkerung der Gedanke auf, wie viel« Menschen durch die Vorstellung der Sündhaftigkeit und durch den aus dieser Vorstellung erwachsenen Teuselsglauben immer noch geängstigt werden. Dieser verhängnisvoll« Wahn ist auch heute noch nicht ausgestorben, selbst in- den großen Städten nicht, diesen„Bollwerken-er Vernunft und der Aufklärung". Wie ist denn nun der Teufel in die Welt gekommen? Griechen und Römer kannten ihn nicht. Sie kannten wohl«in« Unterwelt,«in Reich der Schatten, aber-er griechische Hades und der römisch« Pluto waren kein« Dämonen, sondern Götter und Könige. „Der Teufel", sagt Johannes Scherr einmal,„ist von Geburt Perstr, durch Adoption Jude, von Erziehung und Bildung Christ oder, wenn man will, Widerchrist." Schon nach altarischem Glauben stehen die Naturmächt«(die Daivas) und di« stttlichen Mächte(die Asuras) in Gegensatz zueinander. Die stttlichen Mächte werden geführt von Ba- runa, dem Gott des Eides, und Mitra, dem Gott des Vertrags. Be de haben di« Rechtsordnung(Arta) geschaffen. Die Daivas sind di« Mächte der Lüg« und d«8 Verderbens- Diese Vorstellungen formt« der altpersische Religionsstifter Zoroaster(um 1000- v. Ehr.) zu einem neuen System nm, desstn Wirkung auf Judentum und aus Christentm gar nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Für den wahren Gott behält Zoroaster(Zarathustra) den Namen Asüra(persisch Ahura, d. h. Herr) bei Aber den Namen Varuna ersetzt et durch Mazda, d. h. der Weise. Sein oberster Gott heißt also Ahura-Mazda(der Herr und der Weist). Er ist der heilige Geist, der sich dem Propheten Zo- roafter. offenbart. Der böse Geist Angramanju (d. h. böser Geist) oder Ahriman ist nach"Ablauf einer dreitaustndjährigen Periode, in der di« von Ahura-Mazda geschaffenen Wesen in «iner unsittlichen oder übersinnlichen Welt ohne Denken und Bewegung lebten, aus dem finstern Abgrund hervorgebrochen und hat vergeblich versucht, das Licht zu zerstören. Er flieht in den Abgrund zurück und schafft dort di« Dämonen. Bon nun an ringen di« beiden Mächte— Ahura-Mazda und sein Heer und Angramanju und das stinige— um die Herrschaft über die Welt. Der Kampf endet natürlich mit dem Siege Ahura-Mazdas. Aber dieser ist kein unerbittlicher Herr. Auch die Böstn kommen nach ihrer Reinigung in stin ewiges Reich. Ewige Höllenstrastn kennt der Parsismus nicht. Er befindet sich damit in starkem Gegensatz« zum Um mein Unternehmen derart leistungsfähig zu machen und vollkommen durchzurationalisieren, hab« ich vor drei Jahren«in« Auslands- anleihe von zehn Millionen Dollars ausgenommen. Und nun kam die Wirtschaftskrise. Du kannst dir nicht denken, was dies« Krist für mich bedeutet!" „Doch!" versetzte der andere entschieden. „Das größte Glück. Denn sttzt kannst du doch die Krise für alles verantwortlich machen. Sonst wär« man vielleicht schon dahinterg«komm«n, daß du, nimm mir's nicht Übel, übrrgeschnappt bist!" Christentum. Rur vereinzelte christlich« Thro- logen haben gegen di« Vorstellung der ewigen Höllenstrafen Front gemacht, so der Kirchenvater Origenes(185 bis 254). Aber di« Kirche wollt« und will noch heut« von«in«r Milderung oder gar Abschaffung der Höllenstrafen nichts hören. Die Juden wußten ursprünglich n'chts von einem Teustl. Jahwe, ihr alleiniger Gott, herrscht« mit unumschränkter Macht. Aber er hatte Boten, durch di« er mit den Menschen ver- t handelte. Unter diesen Boten tritt besonders hervor der Ankläger, der Satan. Das hebräische Wort Satan bedeutet ursprünglich Gegner(vor Gericht), Widersacher. Dieser Satan ist jedoch ebenso ein Untertan Jahwes wie der sogenannt« Engel des Herrn(hebräisch Makak Jahwe). Dies geht deutlich aus dem biblischen Buche Sacharja(namentlich aus dem 3. Kapitel) hervor(entstanden etwa 520 v. Chr.). An einen Teufel im christlichen S'nne ist gar nicht zu denken. Erst um 200 v. Chr., geraume Zeit nach der Perstrherrschaft, trat ein Umschwung vin. Der Parsismus hatte einen entscheidenden Einfluß auf das jüdische Volk gewonnen. Jetzt wird der Widersacher oder Ankläger»nm Oberhaupt« der Gott gegenüberstehenden feindlichen Macht. Und nun macht die Durchteustlung der Welt rasche Fortschritte. Zur Zeit Jesu ist' der Glaube an böse Engel Gemeingut. Besonders glaubte man, Krankheit und Unglück seien das Werk von Dämonen(bösen Geistern) Auch Jesus teilt« diesen Glauben. Kranke und Siech«, vor allem Epileptiker, waren von Teu- seln„besessen". Diese Teufel bannen und vertreiben konnte nur derjenige, der zur„Erkenntnis" gelangt war;«r tat es mit Hilfe der heilbringenden Mächte, der Engel und der in ihn selbst eingegangenen göttlichen Kräfte. Die christlich« Kirche hatte es dann Vorzugs, weist mit dem Obersten der Dämonen, dem Teufel schlechthin, zu tun. Mit ihm konnte man —«ine neue Form dieses schrecklichen Wahns— Bündniff««ingehen. Ucber eins der frühesten berichtet der Kirchenvater Basilius der Groß« (4. Jahrhundert n. Chr.). Desstn Diener Pro- t«rius hatte«inen Vertrag mit dem Teufel ab- geschlosstn, doch BasiliuS wußte diestn Vertrag rückgängig zu machen und den reuigen Teustls- bündler den Klauen des böstn Feindes zu entreißen. Für de förmliche Verschreibung der Seel« gibt es schon aus der ersten Hälft« des 8. Jahrhunderts rin Beispiel: Theoph'lns von Adana hatte,, wie berichtet wird, seine Seele dem Satan verschrieben, wurde aber durch die Vermittlung der Jungfrau Maria gerettet und bekam das gefährliche Schriftstück zurück. Wer denkt dabei n'cht an Fausts Erlösung bei Goethe! Auf d«m einmal beschrittenen Wege ging es weiter. Ketzer wurden als Teufelsbündler angesehen und ihr« Vernichtung war«in gutes Werk. Aus dem„Dialogus miraculorum" des Mönches Cäsarins von Heisterbach(gestorben um 1250) geht hervor,-aß di« Menschen jener Zeit sich auf Schritt und Tritt vom Teufel begleitet wähnten. Zn Ende des 15. Jahrhunderts war der Teufelswahn auf eine solche Höh« gestiegen, daß Papst Innozenz VIII sich veranlaßt fühlt«, durch«ine Bulle(1484) alle Kleriker und Juristen gegen den Sa:an aufzurustn. Die beiden Inquisitoren Jakob Sprenger und Heinrich Krämer verfaßten darauf den sogenannten „Hexenhammer", den man als einen Feldzugsplan gegen den Teufel bezeichnen könnte. Damit heben di« Hexengreuel an, stne scheußlichen Verbrechen, die für alle Zeiten ein Schandfleck des Menschengeschlechts bleiben werden Die Reformation hat mi? dem Teustisaber- glauben nicht aufgeräumt. Luther glaubte steif, und sest an den Böstn und hat mit stinrm cwi-. gen Gerede vom Satan und st'ren Kunst n- die Menschen nicht wenig geängstigt. Erst der Jesuit Friedrich von Ipre trat (1631) energisch gegen die Hexenprozessc auf. Ihm folgt« 1691 der Holländer Balthasar Bek- ker, ein protestantischer Geistlicher, der in einem ' Buche„Die bezauberte Welt" Front machte gegen das wüste Treiben der.Hexenrichter. Einer der größten Wohltäter der Menschheit aber w« der Leipziger Profeffor der Rechtswissenschaft Christian ThomasiuS Von 1701 bis 1712 l°eß er immer wieder Abhandlung.'n gegen den Zauber, glauben und gegen den Hexenwahn hinausgehen. Macker« Streiter gegen den Teufelsaberglaü. ben erstanden bald daraus in den sogenannten Popularphilosophen und in den englischen Frei- denkern. Kant und Feuerbach, wie überhaupt ast alle neueren Philosophen, endlich d« Vertreter der modernen Naturwissenschaft— sie alle erhoben ihre Stimme wider diesen scheußlichen Wahn. Und doch— Teustlsgläubige gibt«8 immer noch; denn mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens Karl Q u e n z e l.