Nr. 20. UnterOaltuusciOetlage. 1933. To Kabene, der tauberer des Kikenge-Gtammes Erzählung von Theo Pöppelmann. Bon Sydney ausgehend, hat!« der blond« Bild, auf der Suche nach seltenen Vögeln und Schmetterlingen, zuerst die Lovalth- Jnsel besucht. Nur mit vier Kanälen im verhältnismäßig kleinen Segelboot war er von dort ausgÄrochen, um di« Salomoninseln zu durchforschen. Einer jener Stürme, die in diesen Breiten plötzlich anftreten, in der Stärk« dem Taifun gleichen, aber sich ebenso schnell legen, wie sie entstehen, batte nachts da» Fahr^ug gegen Felrklippen ge» warfen, an denen eS zerschellte. Als Bird auS seiner Betäubuirg erwachte, lag er am Strande einer Lagune, die durch ringförmig« Korallenriffe gebildet wurde. Reben ihm kauerte ein braunes Mädchen, das ihn aus seltsam dunklen Augen unverwandt ansah. Äine mit Blumen durch- slotenen Haave hingen lose herab. Um den Hüften trug eS einen Scburz auS bunten Papageifedern. Di« Gesichtszüge waren, trotz der etwas vorstehenden Backenknochen, auch für europäische Begriffe, durchaus nicht häßlich zu nennen. Bei seinen StamnxSgenos- sen mußte eS als Schönheit gelten. Bird versucht« sich in englischer Sprach« verständlich zu machen. Lachend schüttelte di« klein« Wilde den Kopf, wobei sie Prachwolle weiße Zähne zeigt«. Dreimal wie« sie auf ihre Brust:„Ja Pore— Ja Pore— Ja Pore", rief sie. Der Engländer verstand. Ja Porr hieß die jung« Schöne mit Namen. Lächelnd deutete er nun auf sich:„Bird—Bird—Bird." Ta sprang das Mädchen freudig auf. Abwechselnd berührte sie bald ihn, bald sich mit der Hand und wiederholte mehrmals di« Wort«:„Ja Pore— To Börda— amergi." Soviel hörte Bird heraus, daß amergi „Freund" bedeutete. Vorsichtig richtete er sich nun auf und stellte mir Genugtuung fest, daß er bei dem Schiffbruch mit heilen Gliedern davongekommen lvar. Aus den Gesten Ja Pores entnahm er, daß sie eS gewesen war. die ihn auS der Brandung gezogen hatte. Bon seinen SchiffSgefährten ichien sie nichts zu iviffen. So mußte er annehmen, daß nur er allein gerettet war. Eifrig sprach das Mädchen auf ihn«in, ohne daß er den Sinn der Rede erfass«», konnte. Plötzlich lief eS davon und rvar gleich| darauf im Walde verschwunden. Neugierig wartet« Bird das Weitere ab. Eben wollt« er sich, da ihn stark hungerte, nach etwas Eßbarem umsehen, als Ja Pore in Begleitung eines Manne- zurückkehrte. Der junge Engländer hatte schon viel« Australneqer gesehen, aber noch nie einen, in dessen Gesicht sich so ausgeprägte tierische Roheit zeigt«. Bon herkulilchem Bau, war sein ganzer Kör. per mit breiten, vernarbten Schnittwunden tätowiert, di« mit verschiedenen Farben bestrichen loaren. Die breit«, plumpe Nase zeigte nach oben gerichtete Nasenlöcher, die durch kl«ine Stäbchen künstlich erweitert waren. Der Mund war an beiden Seiten bi« zu-en Ohren ausgeschlitzt und ließ ein furchtbare« Raubtiergebiß sehen. Kleine, weit auseinanderstehende Augen, deren Weiß von vielen Blutäderchrn durchzogen war, gaben dein Gesicht einen kalten, tückischen Ausdruck. In der Linken trug er einen Stab, an dem ein« Menge kleiner Knochen hingen, di« bei jeder Bewegung dumpf rasselten. Dir Recht« hielt ein« lchwere Keule, in die als Zacken ebenfalls spitz« Knochen«ingefügt Waren. To Kabrne war e«, der Zauberer deS Kilenge--Stammes. Finster betrachtet« er Bird und da» Mädchen, al» dieser auf den Wald zeigte und dem Fremden begreiflich zu machen sucht«, ihm zu folgen. Al» Bird an dem Wilden vvrbeischritt, sprühte ihm an» dessen Augen ein so glühender Haß entgegen, daß er unwillkürlich einige Schritt« zurücktrat. Doch bewirkten einige strenge Worte seiner Begleiterin, daß der Insulaner sich mürrisch umdrehte und eilig dem Wald zuschritt. Nur zögernd folgte Bird dem Mädchen, das chn lachend hinter sich Herzog. Nach kurzer Wanderung betraten sie eine Lichtung, auf der größere und kleiner« Pfahlbauten, überall im Grünen verstreut, standen. Aus einen Zuruf Ja Pores kamen ans allen Hütten Männer, Weiber nnd Kinder zum Vorschein, die den Fremdeil neugierig betrachteten. Es stellte sich heraus, daß Ja Pore die Tochter des Häuptlings To Va» rauga war. Dieser, ein alter Papuakricger, zeigt« sich deut jungen Engländer freundlich gesinnt. Bald brieten auf seinem Befehl hin einige Hühner am Spieße. Gebackene Tarowurzcln vervollständigten di« Mahlzeit. Nachher wurden bis spät in di« Nacht hinein Tänze vorgeführt, die nach und nach j«doch «inen so wilden Charakter annahmen, daß Bird krcch war, als ihn To Baranga zum „rogo, dem Männerhaufe, führte, wo«r ihm ein Ruhclager anwies. Die Frauen und Kinder schliefen in der„ruma", einem Hause an der anderen Seite der Lichtung. Bon dem Tage ab begann für Ja Pore und Bird eine idyllische Zeit, di« den Engländer den eigentlichen Zweck seiner Reise vergessen ließ. Vergessen ließ, daß er sich auf einer keinen Insel in der Südsee zwischen Wilden befand, deren Väter noch Kannibalen waren. Baden, Fischen und Ausfiüge»n die herrlichen Wälder deS Tropenlandes füllten fast den ganzen Tag au». Wundervoll waren die Abeiche, an denen er mit Ja Pore am Strande saß. Bon der Lagune schossen Delphin« in schnellster Fahrt auS dem Wasser, fliegende Fische ließen sich auf ihr«» Libellenflügeln vom Wind« tragen, doch zeigten braune, dreieckige Rückenflosse an, daß vor d«n Riffen auch eine große Anzahl Hakfische auf Beut« lauerte. Vom Dorfe schallte der Lärm der Tanztrommeln herüber. Bunt« Papageien nnd reizende Kolobris belebten den Palmenwald. Klein« Aeffchen schtvan- gen sich schnatternd von Baum zu Baum. Mit allen Dorfbewohnern hatte Bird Freundschaft geschlossen, nur To Kabene hielt sich stets abseits. Dessen Haß wurde verständlich, als der Engländer erfuhr, daß -er Zauberer Ja Pore zum Weibe begehrte, doch daß diese ihn verabscheute. Bird hätte ja kein Mann sein müssen, nm nicht zu merken, daß di« Häuptlingstochtcr in leiden« schafllicher Liebe zu ihm, dem Fremden, entbrannt war. Das aber brachte ihn zur Besinnung. So liebreizend di« junge Jnsula- i:»rin auch war, sein Blut sträubte sich dagegen, eine Mischehe einzugehen. Häufig, immer häufiger sann«r darüber nach, fort- zukommen. Aber kein Schiff lief di« Insel an, selten nur kl,men Boote vom benachbarten Archipel herüber. Eines Tages jedoch gelang es ihm, zwei braune Perlenhändler von den Salomoninseln durch Versprechungen zu bewegen, ihn nachts heimlich in chr Boot zu schmuggeln. 8— ©fiten iPflv die«hnungslol» Va Pore|u ausgelassen getvesen, wie an diesen«, seinen« letzten Tage ans der Insel. Wohl dereiieie ihm der«Ledanke Uuvetmgeu die Berkrau ensseiigfeii de« hübschen Mädchen- so schmäh lich sghschen zu müssen. Ader die Hosftiung, bgsd wieder unter seinesgleichen zu sein, hob alle Bedenken ans. Tagsüber hatten sie einen weiten Ausslug in die Berge unternoinnten. Ain Itzüinnchniiitoge sahen sie an ihrer Lieb- lingssieile a«n Strande. Zärtlich schmiegte sjö die Insulanerin an ibn. Versonnen strich er ihr über dl« glänzeube» Haare, doch scheut««r sich, in di« strahlenden Augen zu schauen, die so viel Liebe autdrüikten. Plötzlich,>v>e au» dem Bobezi gewachsen, stand To Koben« vor ihnen. Sein sonst so sinstere» Gesicht zeigte ein Lächelt«, da« aber nur umso abstoßender wirkt» I« der Hand hielt er ein au» Taromehl gebackenes Beat. Eifrig redete er aus da» Mädchen ein, da» ihm ansaug» mißtrauisch zuhörte. Bald jedoch hellte sich Ja Pore» Gesicht aus. Sie »rächte Bild verständlich, daß To Kabene Frieden schließen und, zum Zeichen dessen, da« Brot mit ihm brechet« wolle. Lachend unterzog er sich dieser Zeremonie.— Bild erwachte au» euier dümple« Betäubung. Rücklings lag er im Wasser, den Kops dem Laude zugewandt. Seine Arm« utch Beine waren au zwei Bambusstäbe ststgebuicheu, die ihn aber nur halb über Wasser hielten. Au einen Palmetistamtn gekesselt, sah er Ja Pore stehet«, über und Uber ry.it sesteu Lianenrauker« umschnürt. Ihre Äugen waren in heißer Liede aus ihn gerichtet. Unaushattsam raunen ihr die Tränen über da» schmerzverzogene, liebe Antlitz. Zwischen ihn« und dem Mädchen suhlte der Zauberer einet« lautlose«, wilden Kriegstanz aus. Ein großes Messer in der Rechten haltend, schwang er mit der Linken seine gefährliche Keule. Bild schloß die Augen. Träumte er? Nur langsam besaut« er sich aus da» Vorher» gtKiiigeue.. Er hatte von dem Brot gegessen und daun...? Es mußte ein betäubendes Gift enthalten Haden. Jetzt lag er hilflos gesrdelt im Wasser, außerstande, dem armen Mädchen zu Helsen. Nun geschah das Gräßliche. Kaum nahm To Kabene wahr, daß sein Opfer aus dem Gislrausche erwacht war, als er seit«« Tanzkreise iiuuier enger um das Mädchen zog. Noch einmal hielt er ein, um sein vor Wut und Mordlust verzerrtes Gesicht triumphierend Bild zuzuwenden, dann — lieg er di« Keule mit wildem schrei aus das Haupt der armen Ja Pore niedersausen und stach ihr zu gleicher Zeit das Messer dis aus Heft in die Brust. Bild schloß vor Grauen die Augen Sich bäumend, versuchte er mit aller Kraft seine Fesseln zu sprengen. Bergebens. Jetzt schritt To Kabene aus ihn zu und drehte die Bambusstäbe soweit herum, daß Bird nur das offene Meer vor sich sah. Langsam schob der Insulaner das menschliche z^loß dis ans Ende der Lagune, wobei er höhnisch aut di« Haie deutete, die. in Erwartung der Beute, unruhig vor dieser hin» und herschossen. Die Sonn« war schon zur Hälft« unter dem Horizont. Die kurze Dämmerung hatte eingesetzt. In einer Viertelstunde mußt« es völlig dunkel sein. Bild wußte, daß er den« sicheren Tode entgegenging. Auf Gnade war bei diesen« Scheusal picht zu rechnen. Ergedungrvoil einsisahl«r seine Seele. To Kabene starrte mit finsterem Gesicht aus den raten Son» nenbgll, von den« jetzt nur«««ehr der ober« Rand sichtbar»oar. Jin Manien« des Ber- schwinden« derselbe«« gab er de»>« Floße eine«« kräftigen Stith, dgS gleich darauf von der Till Entenfpiegel«oar«nieder einmal aus Wanderschaft, und sein« Taschen waren— wie schon ost— schloss und leer. So zog er und mit ihm sein Gesell«, der des gleiche» Weges ging, die Straße einher. Die Feite» waren schlecht. Kriegsnot nnd Braudschatznngen halte» die Bauet» mißtrauisch und uinvillig gemacht. Nur selten össneie sich eine freundliche Hand, um den Bittenden ein« kärgliche Mahlzeit zu reichen. Da ade« kein Mensch aus die Dauer zn- sehen mochte, wie der dlaue Ranch au« den Eisen Mahlzeiten nur für andere anzeigt, hiei «en die beiden Wanderer eisrig Ausschau nach einer Möglichkeit, ihre Mägen wieder einmal »«denilich mit guten Sachen auszufülle». In der Nahe eines Dorje», das sich behaglich am Waldrand ausdehnte, ardeiteien sie ihren Plan au» Sie putzten und wuschen sich, so gut sie konuie» und daun zog Till» Begleiter allein davon, suchte das Dörjwirtshan» aus und bestellte einen Humpen Bier Nicht lange noch ihm betrat auch Till die Gaststube, setzte sich an einen anderen Tisch und ließ sich ein bescheidene» Mahl bringen. Nach einiger Zeil sah er, wie zusällig, nach seinem Freund hinüber, und begann sichtlich zu stutze«« und zu überlege««. Schließlich winkle er den Wirt heran „Sagt doch einmal, Herr Wirt, wer ist dem« der Mann, der dorr drüben bei leinen« Viere sitz«'?'' Der Wil« bliche uuu gleichsall» ausmerk- san« hin, dachre nach, wer der Mann wohl«ein könnte, lvußte aber keine Anskuirst. „So eine Aehulichlejt"— murmel«« Ti!! halb für sich—»so eine Aehnlichkrii! Ich gäbe «va» drum,«venu ich wußte, wer er ist. Ich will Euch nämlich jagen, Wirt, daß ich vor vielen Jahren einen Freund hatte, der mir lieber war als ein Bruder. Al» Buden sind wir zusammen ausgewachsen. Dann gingen mir beide in die Fremd«, jeder seinen Weg. und iw habe nie wieder««was von ihm gehört. Das wäre eine Freude, wenn uns der Zutall hier wieder zujainmenjührte!" Der Wirr fragte auch die anderen Gäste, ob ihnen der fremde Man» bekannt sei. Niemand kannte:dn Indessen erregte die Geschichte von den beide«« Jugendfreunden allgemein« Aufmerksamkeit. Eulenspiege! lugte immer wieder nach dem stillen Gast in der anderen Ecke. Durch Kopfschütteln, Seufzen und andere Zeichen seine innere Spannung kundzebeud. Schließlich konnte:t nicht tätiger an sich halten. Er stand auf, ging durch die Stube und klopfte dem Fremden-auf die Schulter. „Heda, sagt mir, seid Ihr nicht der und der von da und da'?" .Ja, der bin ich." „Ei nun, da kennt Ihr doch den Till, mit dem zusammen Ihr als Butz»,« tollsten schäumenden Brandung soUgerifsen wurde. Die Nacht brach herein. Sanft beweglen sich die Wipfel der Palmen am Strand«, lieber dein Walde stand der Lichllchrin der ^»erstellen auf den« Tanzplatze. unzählige «lerne f«u«Mle«i am Troz«enh«mmel. Alle überstrahlend da« Slernendild des Erlösers — das Südliche Kreuz. „Gewiß kenne ich ihn. AVer wer weiß, wo er jetzt steckt. Hab schon lange nichts mehr von ihm gehört. Möchte ihn«oohl gleich mal wieder- sehen." „Freund, da» konuie ihr, Ich bin Till!" Ja, null erkannte auch der Jugendfreund seinen alten Kameraden, lind es gab eine Wiederlehen»jzene, daß der Wirt nnd die an» wesenden Bauer«« Freude und Rührung nicht unterdrücken konnten. Al« Till sein seelische» Gleichgeivitbl wieder- gesunden hatte, ries er: „Unser Wiedersehen müssen wir seiern. Komm an meine«» Tisch, und Ihr, Herr Wirt, dringt einen anständigen Brate«« und den besten Wein, den Ihr im Keller habt." Und dan>« begann eil« fröhliches Tafeln, da» gelvüij« wurde durch den Austausch lieber, aller Iugenderinnerungen. Rührende und lustig« Geschichten wurden da auagegraden, und all« Gäste, die sich bald au den Tisch der Beiden legten, gerieten in die freudigste Stimmung. Schließlich wurde es Abend, und Till er- klärie,«veiter gehen zu müssen. Auch fein Freund wollte sich wieder aus die Strümpfe machen. Ti» ries also den Wirt: .Was mach« die Zeche. Ich zahle alles." Ader der Freund suhr dazwischen: „Was fällt Dir ei»! Die Zeche bezahle ich. Ich we«d« niemals znlajsen, daß Du auch nur einen Heller hier au» Deiner Tasche giblst." So gerieten die Beiden in einen sreund- jchasllichen Streit, deut die Anwesenden voller Rührung über so viel Edelmut und Spannung aus den Ausgang folgten Da machte Till einen Vorschlag: „Also höre, alter Freund. Wir wollen die Sache in einer Wette erledigen, mit der Du rinberstanden sein wirst. Als Baden sind wir oft zufamtnrn um die Weil« gelaufen. Sehen wir, wer heute der Schneller« ist. Wer verliert, muß zahlen. Der Wirt soll Schiedsrichter sein. Der Freund war einverstanden, und der Wirt und die Bauern, die sich noch einen Hauptspaß zum Abschluß des vergnügten Nachmittags versprachen, waren es auch. Man ging also vor das Haus. Der Wirt bezeichnete einen Baum am Ende der'Straße als Ziel und gab das Zeichen. Auf sein„Los" trabten dir Läufer davon. Erst bedächtig, dann schneller, angefeuerr von den Zurufe« der Zurückbleiben en, die sich vor Vergnügen den Bauch hielten. An dem als Ziel bezeichneten Baum kamen sie fast gleichzeitig an. Und bann geschah das Ueberrakchend«. Keiner von beiden kehrte um. zu hören, wen der Wirt als Lieger«us» liU BJtrrftc mx cijrowl ficurefe* l'-ch zu» Ld chred. Taten verschwanden sie um die nächste pansecke im abendbunklen Bald auf Nimmerwiedersehen. E K FroyUGes Mßederfeyen. ttird« eulenlpieod-ttef^i^ie. Streiche gemacht habt." 8— „DSS isiyt q Uiarr!" 4liW0elatt)ie erfmbet. yiufeggtr wurde als Heiner Junge von einem Bauern zur Wallfahrt nach Mariäschutz mitgenommen. Als der Alte von oben den ersten dampfenden Nseirbaynzug sah, rief er aus: „Schau, ein schwarzer Wurm, der Tabak raucht!" —„Wir hauen und vorgrstellt", erzählte Rosegger,„daß an die Maschine nur so etliche Sleirer- wägclchcn gespannt sein würden, und nun hingen ganze Stadrhäuser dran, zu deren Fenstern lebendige Leutköpf herausschauten." Wer freilich— bei einem„Teufelswerk", wofür das Ganze galt, war alle« möglich. Gar mancher kratzte sich hinter den Ohren und meinte:„Beim Dampfwagen ist doch der Teufel dabei!" Das glaubten auch jene Theoretiker, die haarscharf„bewiesen" hatten, daß eine dauernde Bewegung von Stahlrädern auf Stahlschienen unmöglich sei, Daß überhaupt eine Fortbewegung mittels Dampfkraft undenkbar sei, wies der französische Physiker Bernoulli mathematisch nach. Seine Arbeit wurde zwar von der Pariser Akademie preisgekrönt— aber die Eisenbahn fuhr dennoch. Der Bernoulli des Dampfschiffes hieß Lardner. Dieser englische Professor wies wissenschaftlich nach, daß man eher znm Monde fahren könne, als mit dem Dampfer auf dem Ozean. Ein Jahr daraus, 1819, fuhr der erste Dampfer, die„Savanna", über den Ozean. Als Benjamin Franklin lnngc- kähr 1740) den Blitzableiter erfand, dichtete man noch keinen lateinischen Hexameter ans ihn, der besagt, er habe„dem Himmel den Blitz entrissen", sondern lachte ihn weidlich ans Murdach, der Ersinder des Leuchtgases in England, hatte nicht das gleiche Schicksal, wohl aber der französische Ingenieur Lebo», der die Gasbeleuchtung in Paris einzusühren beabsichtigte, weil dieser dumme Kerl eine Lampe ohne Docht brennen wollte. Dar »als glaubte ma n den Gelehrte» mehr als den eigenen Augen, sonst hätte sich ganz Pari« r on der Brennkn rkeit des Gases über »engen können. Lebon zeigte nämlich vom 1. Brun laire 1801 an|e‘ 'em zehnten Tag gegen ein Ei ntritlsgelb von drei Franken seine Thermol ampe, in der Gas sogar ohne Docht bräunte. Sein Anerbiei en, an« Waldbä nmen Leuchkga « zu machen, wurde abgelehnt Er selbst w uide am Morg en der Krönnnr Rn- päleon«, bfftt? Trvmbr r 180t, in den El Eiysees erstochen, und so kam es, daß in Paris erst im Jahre 1818 GaSlarerneu bräunten, während sich Birmingham schon fest dreizehn Jahrei» dieser Errungenschaft erfreu». Berlin kam allerdings noch später dran. Heute weiß jeder, Meteorsteine fallen vom Himmel. Bor anderchalb Jahrhunderten wußten das selbst die gelehrtesten Männer nicht, und als einer der Pariser Akademie die Entdeckung vom himmlischen Ursprung dieser Mineralien unterbreitete, erkläne man ihn für einen Esel. Jeder wisse, daß es im Himmel keine Steine gebe, darum können auch keine von dort hernnierfallen. Das war doch sonnenklar. Das Bomm wurde so entschieden verlautbart, daß Museumsdirektoren solche aus der Höhe gefallene Mässen einfach wegwarfen, um sich nicht zu blamieren So geschah es in Paris'mir den Steinen, die 1768 zu Luee und 1780 zu Bar» botan sielen. Erst als es zu Laigle in der Normandie im Jahre 1803 Meteorsteine hagelte, war es dem französischen Physiker Bio: möglich, datz Borurteil der Akademie endgültig zu zerstreuen. Etwa um dieselbe Zeit, als man in Paris über die„Wahnidee" der vom Himmel gefalle»»,» Massen lachte, machte»nan sich über den Arzt und Forscher Jean Andre Peysonne! luftig. Dieser hatte nämkich die hirnverbrannte Idee vertreten, die Korallen feien Tiere, ivährend ihre Pslanzennatur doch der gesamten Akademie, samt ihrem Horsitzenben Reaumnr, klar war. Peysonne! erlebte den Triumph seiner Entdeckung ebenso wenig wie später der genannte Lebon. Im Anslachen war die-Körperschaft überhaupt groß. Demselben Schicksal verfiel bei ib» Edisons Sprechnraschirte Als Dr. de Monzel der Pariser Akademie znm erstenmal diele Erfindung vorsührte, stürzte sich der hervorragende Humanist Banisieaud wütend ans den Referenten niid schrie ihn an, die illnstre BerfainntluNg laste sich nicht von einem Bänch- redner ZUM Narren halten Davon ließ er sich nicht abbringen, und noch ein halbes Jahr später erklärte er, eS sei völlig anS daß ein elendes Metallstück den ed der meisichlicken Stimme nachahmen lind hat man sich nicht Noch nm hnndertwenbe über die LNstschiffer lnstitz W Das Geheimnis der WWcheirnte. Bon Di. Ernst Michael. ml. In diesen Tage» ist der Kamps um die Erdstrahleu, dir angeblich eine Wünschelrute zum Ausschlag bringen können, niit besonderer Helligkeit entbrannt. Für die eine Partei gibt es schlechterdings nichts, wofür die geheimnisvollen Erdstrahlen nicht verantwortlich zu machen wären. Eine ganze Anzahl von Itrant- heile», von der Schlaflosigkeit über da» Asthma bis zur Zuckerkrankheit und Epilepsie, werden angeblich durch sie hervorgerufen. Schließlich sollen sie in der letzten Zeit an dem berüchtigten Kilometerstein Kitt aus der Landstraße von Bremen nach Bremerhaven Ursache einer Reihe kurzauseinandersolgender, sehr schwerer Auto- unsätle gewesen jein Diese mit sehr großer Bestimmtheit immer wieder austauchende» Nachrichten haben in der Oesseniiichkeit, besonder» in Bremen, lebhafte Unruhe hervorgerusen. Man muß daher die energische Abwehr durch maßgebende Fachkreise begrüßen. Bekannte Geologen, wie Dr. Ebert und Dr, Michet», Berlin sowie Professor Dr. Koch, Hamburg, Haden nach verschiedenen Experimente» an» Kilometerstein 23.9 die Haltlosigkeit der Erdstrahlentheorie evident erwiesen. Auch der an de» Versuchen beteiligte Rutengänger WehrS, der verschiedene„Entstrahlungsapparate" an der Unglücksstelle zur Vermeidung weiterer Unfälle angebracht hatte, mußte die Harmlosigkeit seiner Instrumente und das Ergebnis, zu dem die drei Gelehrte» gelangt waren, bestätigen. Damit scheint nun auch gleich das Kind mit dem Bade auSgeschütlet worden zu sein; denn nun wird die Tatsache de» Wünschelrutenschlage» selbst bestritten und ziemlich unverhüllt als Humbug bezeichnet. Demgegenüber ist feft- zustelleu, daß sich schon seit langen Jahren viele durchaus ernstzunehinende Leute mit dem Problem der von ihnen ausgeübten Wünschelrutentätigkeit befassen. Man kann hier allerdings nicht physikalisch exakt messen: alles bleibt rein subjektiv und gefühlsmäßig dem Rutengänger überlassen. Und nur so findet der langjährige Streit um die Würrschelrute seine befriedigende Klärung: die einen wollen messen, was die anbeni fühlen. Viele Tatsachen, die aber über da» Gefühlsmäßige weit hinausgehen, erklären den großen Anhang der Wünschelrutenfreunde. Da sind zunäihsr einmal die ost mit wirklich verblüffender Sicherheit festgestellten Wasteradern und Erzgänge; dann aber auch Naturerscheinungen, die dem Skeptiker unerklärlich sind. So steht es z. B. fest, daß sich die»Härung in einem Bräubottich an einer Stelle weit schneller vollzieht als an einer anderen. Ebenso ist es mehr als eigenartig, daß man oft Ameisen ganz bestimmte Wege einschlagen steht, unter denen bei näherer Untersuchung eine Erzader im Boden gesunden wird. Vielleicht haben die nur von Mitläufern sensationell ausgemachten Nachrichten die Wissenschaft veranlaßt, sich so einseitig gegen das Wnnschelrutenproblein zu stellen. Neuere Forschungen, vor allem die des deutschen Pkysikerä Tr. Macht-, haben dagegen erwiesen daß bestimmte StrahlungSarten von der Erde ausgehen können, und erst der Einfluß dieser Strahlen aus unsere Lnfihsille vielleicht den Wünschelriitetiansskhlag zu erklären vermag Wie kommt nun ein Ausschlag ätts diese Weise t» stände? Besonder« empslnvliche Menschen koüften, da, gibt auch der Mediziner zu. Von einer Aendernng de» elektrischen Feldes beeiu- slußt werden, selbst wenn der Reiz„unterschwellig" ist; was debeutet: der Reiz reicht für normale Fälle nicht au», um eine MuSkel- zuckung hervorzurusen. Tie gesteigerte Reiz- euipsindlichkeit des Rutengängers dagegen kann durch die Musketspannuiig, die die stark federnde Rute erfordert, anderseits durch angeborene Disposition ausgelöst werden. Diese Anschauungen lassen sich sehr gut mit den beobachteten Tatsachen Vereinen, schwierig dagegen bleibt noch immer die Erklärung der Erdstrahlen. Daß sie vorhanden sind, ist bewiesen; man hat sie daun aber als äußerst harmlose und schwache Gammastrahlen ideuti- siziert, die eine Reststrahlung radioaktiver Gesteine sind. Die Forschung ist aber außerordentlich behindert, da die Strahlen mit den bisher bekannten Meßinstrumenten nicht nachge wiesen werde»» konnten. Es ist aber zu hoffe», daß eS mit dem Apparat Dr. Machts gelinge»» wird, weitere Aufschlüsse zu erhalten. Roch ganz ungeklärt sind dagegen die Vorgänge, die sich in der Erdrinde abspielen. Die mit geologische»» Tatsache»» häusig kaum zu sei« einbareiideu Mitteilungen der Rutengänger beruhen sicherlich auch zu»»» große» Teil aus unklare»» Borstellungeu über den iuncreu Aufbau der Erde und die Verstärkung der Strahlen durch unterirdische Wasserläufe irsw. Das Wesentlichste scheint auch dem Wissenschaftler, auS alledem den wahren Ker» herauSzuschälen. Ganz ablehnen kann man jedenfalls das Phänomen der Wünschelrute nicht mehr. Vieles bedarf noch der Klärung. Man kann aber weder die Erdstrahlen für die furchtbare Krebskrankheil ver- airllvortlich»nachen, noch sie völlig leugnen. Schließlich wird jo alles Entstehen und Vergehen im Kosmos von der alleinherrschenden Strahlung verursacht, lind von der uuendiich vielsältigen Anzahl der Energie nagenden Strahlet» kennt der Merrsch auch heute erst einig« wenige. machr? Eine reizende Zeppelin-Anekdote erzählt der Wiener Schauspieler Dr. Rudolf Tyrokt: „Ali ich im Jahre 1899 auf Gastspiel in Stutr- gart weilte, fiel mir eines Abends in einer Ecke des Speisesaals meines Hotels ein äußerst lebhafter alter Herr auf, der mehreren Offiziere« etwas zu demonstrieren schien. Ich fragte meinen Tischnachbarn, ob er den Herrn kenne. Darauf antwortete der biedere Schwabe, indem er mir im Tone gutmütigen Bedauerns zuflüstert«:„DöS ischt a Narr! Ein Graf Zeppelin! Der guat Ma moint, er kenn durch d'Lnft fahre!" Die Macht des Selbes. Bon Irma Reumann. Wir glauben nicht An Götter, die im Himmel throne». Noch Teufel, welche die Hölle bewohnen: Doch beide Mächte vereint Regieren die Welt Als Geld! Allmächtig wirkt das Geld Aufbauend und zerstörend— Himmel und Hölle vereint. Da gibt es keinen Der nicht daran glaubt. Der das Geld des Glanzes beraub«. Sie glauben alle, alle An die Macht des Geldes und beugen sich. Und beten um seine Gnade. Doch ungerecht wie alle Götter .Ist Las Geld. Dem eine» rollt es zu Unaufhörlich— Während der andere vergebens Berlangend die Hände streckt Und vom Geldgott verlasse« -Bor Hunger verreckt! Wdffenswertes Allerlei. Bor mehreren Banke» in Chicago find Automaten ausgestellt, aus denen man gegen ei» Zehn-Cent-Stück eine kleine Taschensparbüchse entnehmen kann, di« so groß ist wie eine Taschenuhr und also bequem in der Tasche getragen werden kann. Wenn man die gefüllte Sparbüchse in der Bank ablirfrrt, werden einem auch die zehn Cent gutgeschrieben, die man für die Büchse angelegt hatte. Durch Liese Einrichtung soll die Sparlnst sehr angeregt worbe«« sein. Zwei srairzösisch« Ingenieure haben eine Geige gebaut, die von selher spielen kann. Kleine Zapfen drücken auf die Sailen, jo wie sonst die Finger der linken Hand, und rii« Bogen streicht gleichzeitig über die Geige. Das ganze wird von zwei Motoren in Bewegung g-ietzk, von Lene« der eine die Zapfen bewegt, während der andere den Bogen führ!. DaS leichteste Hol; der Wett beifil„Balsa" und wird von cinein zivanzig Me:er hoben Baum, dem Baisabanm, gewonnen, der in Südamerika wächst. Das Baisa-Hol; ist f..st ebenso keichl wie Äor! und wird sicher in Zukunft große Bedenlunq für die Herstellung von Rettungsgürteln, Flascheuverschlüfleu, Packmarcrial«st», bekommen. Stzbariten nenn, man Menschen, die bcson- ders an den Genüsse» des Lebens hänge», und zwar hauptsächlich in der Form von gutem Essen. Der Name stammt von dec antiken Stadt ShbariS in Süditalien. Es war ein reicher. Mächtiger Ort, dessen Einwohner ii« Pracht und Wohlleben lebten, vor allem in bezug auf guter Esten. Ein Koch, der in SybariS gekernt hatte, war dazumal berühmt. I« gewistcn Gegenden Kanadas wohnt di« Bevölkeruilg so verstreut, daß es unmöglich ist, die Kinder zur Schule zu schicken. Deshalb hat man seht„rollende Schulen" eingerichtet, das heißt, modern eingerichtete Schulstnben sind auf Räder gesetzt und fahren mit eigener Motorkraft von Station zu Station, wobei sie immer vierzehn Tage Rast machen, um die Kinder der Gegend zu unterrichten. Eine„Flotte" ist zu verkaufen. Panama möchte sein einziges„Kriegsschiff" veräußern, eine mit zwei Matrosen bemannte Dgmpfyacht. Uebrigens hat auch Ecuador nur rin einziges Fkotteirschiff. während Mexiko fünf besitzt und Peru vierzehn, einschließlich der sechs Unterseeboote. dir Eigentum dieses Staates sind. Weiteres. Ei« Mann kommt zum Arzt und klagt über , Magenbcschwerden. Ter Arzt verschreibt ihm | ein Rezept; der Patient geht in die Apotheke, bekomint sein Medizinfläschchen und wirst dieses, taum ist er vor der Tür der Apotheke, auf das Pflaster, daß cs zerknallt, und will vergnügt seiner Wege gehen. Ta trifft er den Arzt, den er konsultiert und der daS mit angesehen hat: „Warum haben Sir denn daS gemacht?" ftagt der Arzt.„Sie wollen leben, Herr Doktor, der Apotheker will leben— und ich will auch leben!" «indermuud.„Mutti, kann unser Fräulein iin Finstern sehen?"—„Wie kommst du darauf?"—„Sie hat gestern abend zum Papa im finstern Zimmer gesagt: Sie sind heute unrasiert.'" Eva.„Fch habe jetzt viel zu tun", sagt Etga,„ich sitz einem Profrffor Modell."— „Wie soll das Bild heißen?" fragt Erna.— „Eva und die Schlange."—„Und wer sitzt zu der Eva?" fragt Erna weiter. I« Wartezimmer des Arztes sitzen zwei kleine Buben.„Nun," ftagt eine freundliche Dame,„was habt ihr denn hier zu suchen?" Darguf der eine:„Ick ha' vorher eine Murmel verschluckt, der Doktor soll se rauSholn."— „And du," ftagt sie den anderen,„hast deinen kleinen Freund begleitet, daS ist nett von dir." —„Nee, det nu»ich," verteidigt sich der Bengel,„aber die Murmel jehört mir, ick warte druff." Fehl am Ort. Die bekannte englische Forschungsreisende Rosita ForbeS erzählt von einem Bestich im Harem eines orientalischen Herrschers. Tie zahlreichen Gattinnen des Fürsten erfreute» sich in ihrem Karten an einem Karn stell. besten Leierkasten immer ein uiw dieselbe Melodie spielte. Tie Engländerin iirubl« innerlich lachen, als sie diese Töne hörte, denn es war die Melodie eines britischen Volksliedes, beste» Text lautet:„Es gibt nur e i n Mädel für mich in der Welt!" Ti« Dresdener Gemäldegalerie ist weltberühmt. Zeder auswärtige Besuch, den di« Murrer beim Kochen los sei» will, wird hin» geführt. Nun hat die Verwaltung der Ge- inäldegalerie eine Neuerung eingesührr. Beim Eingang liegt ei» Gästebuch, in dem die Br- iucher ihren Namen cinirage» können. Hinter dem Namen ist Platz für Bemerkungen über Wünsche, Aiiregungcn, Gründe des Besuches. Dir dritte Notiz des Buches lautet:„Gutsbesitzer Gliuger aus Glauchau, weil es regnet." BefähiguugSauSweiS.„Sie wollen bei rnir alt Ausläufer eintreten? Ich brauche eigentlich einen kräftigen Jungen."—„Nu, das bin ich. Ich habe doch alle andern, die sich auch melden wollten, weggeprügrlt." Moder«. DaS moderne Mädchen: Ich weiß nicht, soll ich mich nun anziehen und mit HanS die Autotour machen oder mich auSziehen und mit Max ins Theater gehen? Gchach-Seke. Alle klulchrikren und Anträgen an