5». 30. UuterOottmtgtf Beilage. 1933. Ein Aviederfeyen. Müßig schlendere ich durch die Straßen, schau da dem Spiel der Kinder zu, beobachte dort den Kampf zweier Spatzen um ein Körnchen Hafer. Dann bleibe ich wieder hör irgendeiner Auslage stehen und bewundere die hinter dicken Glasscheiben aufgestapelten Schätze. Sonst verbittert mich diese schamlose Ausbreitung von allen möglichen Luxuswaren. Heute spüre ich nichts von Empörung, heute lacht ja die Sonne warn» und verheißungsvoll vom blauen Himmel. Bor der Auslage der Feinkosthandlung ist ein Mann damit beschäftigt, zu den bereits aufgrhäuften Leckerbissen noch weitere hinzuzufugen. Was es da doch alles für den Gaumen und den Magen gab! Da leuchtet aus der grünen Umrahmung frischer Petersilie zart und rosig das Fleisch eines Schinken. Daneben strecken sich die Fische der Nordsee, Heringe, Russen, Makrelen, etwa- weiter entfernt Sardinen aus Portugal und Südfrankreich, in durchsichtiger Sülze Aale und rostigbraune Sardellen. Kleine Berge von prallen Würstchen gab es hier, und neben dem vornehmen, großlöchc- rigen Schweizerkäse macht sich eine derbe, grellrote Edarmcrkngcl breit. Eine ganze Menge Gläser mit eingemachten Früchten, dann Dattel» und Feigen, große Beeren italienischer Trauben. Und im Hintergrund, ernst und würdig, eine Reihe von Flaschen mit Weinen. Interessant betrachtete ich den Mann, wie er auf diesem, dem Gaumen und Magen errichteten Altar neue Opfergaben niederlegt. Endlich ist er fertig, f(blickt die Auslage und wiU in den Lade» treten. Da bleibt er mit einem Ruck vor mir stehen, fragt erstaunt: o, Rost, bist dn's oder nicht?" Geht das mich an: Verwundert blicke ich um mich. Niemand zu sehen. Also soll eS doch mir gelten? Forschend betrachtete ich den Mann. In weißer Jacke und weißer Schürze, mit glänzendem, rosigem Gesicht, war er die lebendigste Reklame für seine Delikatessen; aber ein Bekannter von mir? Unmöglich! Da fragt er, schon etwas ungeduldig, zum zweitenmal:„Na, kennst du mich denn nicht mehr, den Berger- Franz?" Der Franzl? Ungläubig starre ich ihn an und dann muß ich hellauf lachen. Wer, zum Teufel, hätte aber auch in diesem würdigen Geschäftsmann den Franzl, Da» Stofa Haderet. den Helden meiner Kindheit, den Winnewn, Old Shatterland, Kara den Nemsi und wie sie alle heißen, die Helden von damals, vermutet? Mit diesem Bäuchlein sollte er es doch versuchen, sich an die wilden Kurden oder die listigen Rothäute anzuschleichen! Wen da wohl der Feind, recte Flurhüter, früher beim Schopfe hätte, ihn oder mich armen, geschundenen Hadschi Halef?„Geh, lach doch nicht so dumm," fährt er mich an, „komm lieber herein und laß uns plaudern". Waruni denn nicht, und immer noch lachend folge ich ihm in den Laden. Im Laden herrscht eine angenehme Kühle. Hier blitzt und glänzt es nur so vor lauter Reinheit, und wohin ich blicke, überall eine geradezu verschwenderische An- häusicng von Waren. Hinter dem Ladentisch steht seine Frau, ein molliges, niedliches Persönchen, das herzige Puppengesicht von schwarzem onduliertem Haar umrahmt. In ihrem weißen Mantel wirft sie förmlich appetitanregend. Unweit von ihr sind ein blasser Kommis und ein lleiner magerer Lehrjunge mit dem Einwiegen von Zucker beschäftigt. Nachdem mich Franz seiner Frau vorgestellt hat, beginnen wir uns auszufragen. Mein Gott, man hat sich doch viel zu sagen. Da treten einige Kunden in den Laden und Franz muß bedienen helfen. Ich bleibe einige Minuten allein. Merkwürdiger Zufall, der mich heute hierher geführt hat und einen lieben Kameraden wiederfhlden ließ. Im gleichen Hause und fast zur gleichen Zeit geboren, wuchsen wir zusammen auf und bald wurden wir unzertrennliche Freunde. Diese Freundschaft verstärfte sich noch, als wir älter tvurden. Gemeinsam konnten wir die herrlichsten Abenteuer erleben. Die umliegenden Aecker und Felder machten wir— sehr zum Aerger des Flurwächters— zum Schauplatz unserer Heldentaten. Da unsere Eltern Sozialisten waren, war es naheliegend, daß wir bald davon zu träumen begannen, die Welt einst von allen ekelhasten Kapitalisten zu befreien. Und als wir einmal von der Schule mit einer saftigen Strafe nach Hause kamen, weil wir es nicht unterlasten konnten, Friedrich Adler als Wilhelm Teil zu feiern, kannte unser Stolz über dieses erste Opfer unserer Ueberzeugung keine Grenzen. Rach Abschluß der Schulzeit kamen wir in die Lehre. Er wurde Verkäufer, ich Tippmam- sell. Damals lernte ich den ersten Weltschmerz kennen. Denn Franz, mein Ideal, brach mir die Treue, die er mit beim Bart des Propheten geschworen hatte, und verliebte sich in seine Kassiererin. Als ich ihm dann aber— trotz meiner mißachteten Liebe — beim Stehlen von Flieder für seine Angebetete half, war der Gipfel meiner Selbstverleugnung erreicht. Dann trafen wir uns immer seltener, bis wir uns schließlich, infolge geänderter WohnungsverhÄtniste, ganz aus den Augen verloren. Uiü> heute, nach Jahren, traf ich ihn wieder, den alten Freund. Alten Freund? Ich beobachtete ihn, wie er die Kunden bedient und ein eigentümliches, wehes Gefühl steigt in mir aus. Denn ich finde keine, aber auch keine Aehn- lichkeit mit dem lieben, begeisterungsfähigen Jungen von einst. Als er nach der Bedienung der Kunden wieder zu mir zurückkehrte und ich ihn fragte, ob er noch immer daran denke, die Welt von den Kapitalisten zu befreien, da mußte ich mich überzeugen, daß er sich innerlich gewandelt hatte. Eifrig begann er die heutige Gesellschaftsordnung zu verteidigen und fand in seiner Frau eine Sekun- dantin. Sie schwitzten beide förmlich bürgerliche Moralbegriffe aus. Sozialismus? Der sei doch nur da für die Unfähigen. Aber dein Pater, wennde ich ein. Ja, gerade der, zu was hat ers denn auch schon gebracht, he? Arbeitslos ist er. Aber bei uns ist es anders» wir haben es zu etwas gebracht und da soll man ihnen nur ja nicht mit Gleich- bercchtigung kommen. Sie zahlen ihre Steuer und seien ehrbare Burger. Sie haben sich geplagt und vieles entbehrt, aber dafür find sie wer und haben was. Da mußte ich sie betrachten, die beiden, wie sie rosig und gepflegt von den vielen Entbehrungen und Plackereien vor mir stehen, bettachte mir auch den lleinen mageren Lehrjungcn und den blassen Kommis und habe genug von dem Helden meiner Kindertage und verlasse den Laden.._. Verflogen ist mein Uebermut, es würgt mit in der Kehle. Am liebsten möchte ich losheulen über die bittere Erkenntnis, daß ein Bankkonto und ein eingebildeter Besitz — s— 9Iu0te#r. Bon Meinrad Jnglin. genügen, aus einem lieben, idealen Jungen einen„ehrbaren Bürger" zu machen. Es war spät geworden. Die letzten Strahlen der«nlergchenden Sonne vergolden»och einmal kleine, leuchtende Wölkchen, allmählig färben sie sich rot und plötzlich entzünden sie sich zu einer einzigen Flamme: der Himmel leuchtet blutrot, allen ehrbaren Spießern zum Trotz. «MIMMMMMMMMMMMIMIIWWMSIMIIMM Der Traum bei den Naturvölkern. Unendlich viele Bücher sind über den Traum geschrieben, sehr viele Menschen zeichnen jeden Traum, dessen sie sich beim Erwachen erinnern aus und gewinnen aus diese Weise ein eigenartiges Bild von einem seelischen Topprl- lebrn. Richt alle Träume sind bizarr, ungereimt, unzusammenhängend; viele haben rin ganz festes Gefüge und wirken sehr real. Ganz selbstverständlich ist eS also, daß bei den primitiven Völkern der Traum, über dessen Wesensart man ja gar nichts wußte, einen ungeheuren Eindruck machen mußte. Ein primitiver Mensch glaubt, daß aller, was er im Traum denkt und tut, wirklich von ihm gedacht und begangen wurde; infolgedessen ist ein geträumtes Verbrechen rin wirkliches Verbrechen und der Träumend« wird seinetwegen zur Rechenschaft gezogen, als hätte er es in Wirklichkeit begangen. Für dir rngr Verquickung von Traum und Wirklichkeit im Leben der wildrn Bölkrrschasten gibt«s dir verschirdrnsten Beispiele. Ein Mann träumt von der Liebe rinn bestimmten Frau. Beim Erwachen ist er überzeugt, daß sie ihn wirklich liebt. Bei manchen Stämmen Neu-Guineas muß ein Mann, der im Traum mit der Frau eines andern zusammenkam, diesem rin Bußgeld zahlen. Noch weiter gehen zahlreiche andere Stämme, indem sie das Traumleben nicht nur für sich selber als Wirklichkeit ansehrn, sondern auch sür diejenigen, von denen sie geträumt haben. Hat man also das Unglück, daß jemand irgend etwas Ungünstiges von einem träumt, so hat man dir Folgen dafür zu trogen. So wird eine Geschichte erzählt, daß«in Indianer von einem Missionär Bezahlung für drei Kürbisse verlangte, weil er im Traum gesehen hatte, daß der Missionär sie stahl. Auf Borneo kann der Mann, der von der Untreue seiner Frau träumt«, ihr« Bestrafung vrrlan- gen. Träumt der Wilde von Jagd oder Fischfang, so nimmt rr nach dem Erwachen diese Dinge vor. Träumt er von seinem Freunde, dieser werd« ihm zu schaden suchen, so bricht er die Freundschaft ab, jo, dir Indianer gehen sogar so weit, einen Menschen zu töten, wenn sie geträumt haben, sie müßten ihn töten. Träumt einer, ihm gehöre irgend etwas, was eigentlich Eigentum eines andern ist, so gibt der andere ihm den Gegenstand ohne Widerrede, da er sonst in Lrbensgesahr zu kommen fürchtet. Bei dem Kamtschadalen wagt ein Mädchen dir Werbung einer Mannes nicht zurückzuweisrn, wenn sie erfährt, daß dieser von ihrem Besitz geträumt hat. Ein Häuptling in Afrika träumt«, in «uropäischen Ländern zu fein; beim Erwachen legt« rr europäische Kleidung an und ließ sich von seinen Besuchern beglückwünschen, daß rr gesund und wohlbehalten von der großen Reis« zurückgekehrt sei. F. R. Wir entnehmen diesen Abschnitt mit freundlicher Erlaubnis des Monrana-Ber» lags A.-G-, Horw-Luzrrn, dem soeben rr- sch.rnrnen Werk von Meinrad Jnglin „Jugend eines Boltes"(geheftet Fr. 4.—, in Ganzleinen gebunden Fr. b.5v), das in fünf packenden Erzählungen dir geschichtlichen Anfänge der Eidgenossenschaft und dir großartige, von Sagen durchwobene Dämmerung vor dieser Zeit darstrllt. Hier wird der eidgenössische Mythos zum erstenmal in einer umfassenden epischen Gestaltung lebendig. Die Plastik der Gestalten wie des ganzen Geschehens dürste schwerlich zu übertrrsscn sein. Jnglin har damit«in Werk geschaffen, das«inen Ehrenplatz in jedem schweizer HauS verdient. Der Bogt und Ritter von Landenberg saß mit Samt und Seide angetan in seiner Herrlichkeit vor dem Leutpriester zu Sarnen und tröstet« den Geistlichen auf di« Klage, daß nicht «inmal mehr dir heilige WeihnachtSmesse einen Bauern in dir Kirche gelockt habe; das lange, glatte Gesicht noch immer voll ruhiger Verachtung bäuerischen Widerstandes, wiederholte rr eben, daß rr dies Volk auch den Kirchgang noch lehren werde, als rin Hirt«intrat, das ririrrliche Schwert wortlos vom Tische nahm und den Bogt damit zur Tür hinaustrieb. Landenberg wich, schwitzend vor Wut und Abscheu, unter dir Haustür und wollte seinen Roßknecht rufen, da sah rr sein Roß vor sich und daneben den Knecht gebunden am Boden. Auf dem Roste saß ein bewaffneter junger Bauer, Arnold von Mclchtal saß darauf, regungslos, mit braunrot sprühendem Gesicht, entblößten Zähnen und gierig zupackenden Blicken, eine Geißel in der Faust. Der bestürzte Ritter wich zurück, aber der Hirt schupfte ihn wieder vor den Melchtaler hin. Arnold peitschte ihm mit aller Kraft den Strang quer über das Gesicht und trieb ihn schweigend vor sich her zum Torf hinaus. Der entsetzte Vogt wandelte, den Tod erwartend, in seiner festlichen Tracht barhaupt und waffenlos durch den Schnee, doch der junge Bauer ritt mir der Geißel hinter ihm her und gab ihm dir Ehre des Todes nicht; er hatte zu leidenschaftlich aus ihn gewartet, um ihn so I rasch zu entlasten, er wollte ihm alles antun, was der Hochmütige andern angetan, Erniedrigung und Körperpein, und trieb ihn so mit wütender Lust zum Land hinaus. Er trieb ihn dem Sarnrrsce entlang talauf, dem Brünig zu, und schlug ihm oft den Strang in den Nacken. Ein Rinderhirt kam aus dem Klein-Mrlch- tal heraus und blieb verwundert stehen. Arnold ries ihn beim Namen und gebot dem Bogt:„Zieh ab, was vu anhast, und gib ei dem!" Landenberg zog sein Gewand bis auf die Hofen aus und gab eL mit abgrwandtrm Gesichte Stück um Stück dem Rinderhirlcn. Ter Erniedrigte warf einen letzten flehende» Blick in die vertrauten Augen des Tieres, das die Schmach nicht fühlen wollte und dem Sporn deS Bauern gehorchte wie ehmalS dem des Ritters, dann keuchte er, vom Geißelstrang über di« Augen getroffen, zwischen Wald und Gsfels bergauf. Verzweifelnd watet« er durch dir verschneite Einöde, den Bauern auf dem dampfenden Roß immer dicht hinter sich, und wenn er vor Erschöpfung anhielt, fuhr ihm erbarmungslos hetzend die Geißel ins Genick. Er watete mit den nackten Füßen durch immer tieferen Schnee, den blau gestriemten Rücken gebeugt, dir Augen rot mitrrlausrn, und sank, von einem grimmigen Wind gepackt, vor der Paßhöhe zusammen. Arnold fuhr ihn wütend an und schlug ihm das Blut aus der Haut, biS dir Marter unerträglich an ihm riß, er pritschte ihn aus und trieb ihn über die Grcnzhöhe zum Land hinaus und jenseits hinab in fremdes Gebier. Ein ausgehungerter Bettler, der zu den Milch- und Fleischtöpfen der gastfreundlichen Waldlrurr hinüberwanderrr, blieb mit lauten Rufen deS Erbarmens stehen und bor dem halbnackten Büßer seinen«lenden Mantel an. Laudenberg wagte ihn nicht zu nehmen und wurde vom Bettler selber mir dem zerschlistenen Tuch« behängt, worauf er dumpf dankend weiterschlich. Arnold folgte der Jammergestalt nicht mehr, doch blickte rr ihr nach und schwang lläpfeicki di« Geißel über dem Kops, so ost sie anhielt; als rr sie aus den Augen verlor, wandte rr sein Roß und ritt heimzu. Bon weitem schon sah er hinter dem ge- fronenen Sarnerser im weißen Wintertag dir brennend« Burg. Zur selben Stunde trugen Boren der drei Länder die Siegeskunde von Ort zu Ort, überall riesen dir Leute sich an, der Jubel schwoll über alle Zungen, unbändiges Jauchzen dröhnte durch dir Täler, das ganze Volk schrie vor Freude. Die einsichtigen Alten und Ammänner aber riefen zur Tagung auf nach Brunnen, um für alle irdische Tauer zu schmieden, was flüchtig glühte. Dem Ruse folgten mit den Bevollmächtigten unbotmäßig Hunderte auS allen Tälern, sie fuhren, liefen, ritten noch heiß vom Ausstand und grundlos brwafsnet zur Ländermitte anS obere Seeknie, bildeten unter einem blauen Himmel im tiefen Schnee einen stürmisch bewegten Ring und riefen zu neuen Taten, eh noch ein Ammann den Mund geöffnet. Eine Kraft war in ihnen befreit, die bedrängte sie an Leib und Seel«. Um rin Bachwehr zu brechen, hatten sie einen Strom versammelt und es nicht gewußt, den Kerker der Fremdherrschaft hatten sie beniesten wie Kinder rin Turmgemäuer. Nun standen sie nach dem ersten Ruck und Sprung schon ftei auf den geborstenen Trümmern, halb verwundert, mit dem Drang zu Sprung und Schlag noch in allen Gliedern, den gierigen Blick schon auf der Suche nach neuen Feinden. Ihre Führer ober hielten sie fest im Griff und lenkten das übrrwallendr Blut in dir beherrschte Bahn zurück. Ter Herr von Atting- huscn trat in die Mitte, mit langsamen großen Schritten, die Hände auf dem Rücken, dat sttaffe Gesicht wohlwollend gemildert, als träte er unter rauflustige Knaben.„Sticht nns der Hafer?" rief er lachend.„Schauen wir unS um, bevor wir ausschlagen! Wir sind nicht daS einzig« Volk auf Erden, wir sind«in Volk unter Völkern, wi« jeder von unS«in Mensch unter Menschen ist. Redlich« Vcrwaltkr wollen wir dulden, und wenn uns ein geeintes Reich einen würdigen Schirmer stellt... wohlan! Mr haben die fremden Zügel nicht zerristen, um durchzubrennrn, sondern um freien Grund und Boden, eigenes Recht und eigene Ordnung zu haben. Wehr wir uns, doch nicht nur mit den Waffen!" Nach ihm sprachen dir Ammänner Fügislo, Schöpfer, ab Jbrrg und Stausfacher zur willigen Runde, mit der untrüglichen Einsicht in daS Notwendige und mit dem graben, nüchternen Sinn, der gegen kein stärker Lockendes rin- — s— tauscht, was cr schon sicher gepackt hat. Eie wurden einig,. Urner, Switser, Obwaldner und Ridwaldner, sie begannen mitzureden und wollten alle dasselbe. Sie stellten gemeinsame Satzungen aus und schwuren sich Genossenschaft für immer auf Leben und Tod. Als Maß und Mitt« aller Dinge setzten sie wieder den Menschen rin. Amerikanische Halbminutengeschichtea. Gesammelt von Ida Tarter. Serie« find eine Wiffensehafi. Bon Dr. Karl Wagner. Wie mancher hat sich auf die Ferien gr- ,rrut und lag dann noch zwei Tagen trank in der teuren Pension, stand erst wieder auf, als die Ferien bald vorüber waren! Da kamen einmal zwei Hamburgerinnen auf den Thüringer Wald und hatten sofort einen Sonnenbrand, mit Fieber und schweren Entzündungen. Andere, die in die Berge fuhren, mußten auf dem ersten Ausflug mit Nasenbluten umkehren. Umgekehrt müssen die Bewohner der Binnenstädte drS höheren Landes an der See sehr vorsichtig sein. Dir Blond«, und di« Braunen. Das Sonnenbad muß gelernt sein. Alle Menschen, die nicht leicht braun werden, vertragen SonnenbÄer nicht. Es gibt blonde Menschen, die einen dunklen Teint haben, die brennen rin und können den ganzen Tag am Strand liegen. Die anderen bekommen heftige Kopfschmerzen und häufig«inen richtigen Bronchialkatarrh. Der Arzt spricht von„Sonnen- bronchitiS". Die vorteilhaften Wirkungen des Sonnenbades sind auf die ultravioletten Strahlen zu- rückzusühren. Diese Strahlen erzeugen im menschlichen Körper ein nützliches und notwendiges Bitamin, daS Bitamin„3>". Dieses Vitamin verhind^t die Rachitis, di« früher sehr verbreitet war und heute durch daS Freiiust- leben und die Höhensonne in der Hand des Arztes fast verschwunden ist. Braun ist nicht nur schön! Dir ultravioletten Strahlen dürfen aber nur vorsichtig benutzt werden, die künstliche Höhensonne muß vom Arzt verordnet und dosiert sein. Das Sonnenbad im Freien wird nur der vertragen, dem gleichzeitig rin Schutz mitgegeben ist, weil die Strahlen gleichzeitig die Haut chemisch verändern. Dir Haut wird braun. Die Bräune ist aber nur rin äußeres Zeichen für bestimmte Vorgänge in der Haut. Ter braune Farbkörper wirkt bak- trrirntötend, er dosiert, wie der Arzt, die ultravioletten Strahlen, er schützt vor zu starken Wirkungen. Gleichzeitig schützt er vor Bakterien und gegen Infektionen. Deshalb erweckt eine braune Hautfarbe, rin braungebrannter Mensch stets dir Vorstellung von Gesundheit! Manche Blonden, die mit der weißbleiben- den Haut nämlich, sind nun im Sonnenbad den ultravioletten Strahlen auSgeliefrrt, ohne das schützende Pigment zu haben. Daher kommen dann die Schwächeerscheinungen. Ebenso leiden Menschen mit schwachen Nerven und krankem Herz unter allzu viel Sonne. Bei Tuberkulose gar darf der Arzt nur Sonnenbäder verordnen. Wärmen und Spüle». Für alle anderen ist jedoch das Sonnenbad oaS große Heilbad. Durch die Haut wird dem Körper Wärme zugesührt, die er sonst nur durch intensive Arbeit aller Organe erzeugen kann. Nun dürfen diese Organe ausspannen. Das Blut dringt tro^bem in die entferntesten Aeder- chrn, der Körper wird durchspült, entschlackt, und durch die gut atmende, weil von Kleidern befreite Haut, dringt alles Schädliche hinaus. I Nun versteht man vielleicht auch besser dir Funktion der Sonnenrrrms und Oelr. Sir sind nicht nur für dir Eitelkeit da. Durch dir schnellere Bräunung, di« sir Hervorrufen, wird dem Körper schnrllrr sein notwendiger Schutz st off zugesührt. HUsr für Sonnenbrand. Wenn das Unglück trotzdem geschehen ist, wenn das erste Sonnenbad zu lange gedauert hat und der Sonnenbrand da ist, darf man bei leichtem Fieber eine firbervertrribende Tablette nehmen. Auf den Kopf legt man sich eine naß- kalte Kompresse. Bei Herzklopfen nimmt man rin Beruhigungsmittel, bei Herzschwäche darf man sich mit Kaffe« anregen. In schweren Fällen muß jedoch unbedingt der Arzt geholt werden. Dir kranken Stellen werden mit einer? Mischung von Puder und Creme beschmiert. Der ideale Ferienaufenthalt ist rin Bad, in dem man abwechselnd Wasser, Sonne und im Schatten nur Luft genießen kann. Man wechselt ab, man geht nach längerem Sonnenbad für ein Weilchen in den Schatten. Am ersten Tag stteckt man überhaupt nur die Füße in di« Sonne, dann darf man langsam weitergrhrn. Beim Kopf ist man nach zwei, drei Tagen angelangt. Wissenschaft für di« Kleidung. Für den Sommer in der Stadt muß man weniger mit der Sonne, um so mehr aber mit der Kleidung Bescheid wissen. ES gibt Stoffe, die viel ultraviolette Strahlen durchlassrn, andere wieder versperren ihnen den Weg zum Körper. Man hat diese Feststellungen im Observatorium zu Davor getroffen. Man hat 82 Kleiderstoffe untersucht und folgende Liste aufgestellt: Die Wollstoffe der Herrrnanzüge lassen überhaupt keine ultravioletten Strahlen durch. Ebenso undurchlässig sind Flanellstoffe. Auch Seidenstoffe sind nicht sehr strahlendurch- läsjig. Crepe de Chine.gibt nur etwa zwei Prozent der Strahlen den Weg frei, Kunstseide etwa vier Prozent, Batist und leichter Trikot sind nützlicher, ihr Prozentsatz beträgt ö bis 18 Prozent. Sehr durchlässig ist Baumwollvoile, wie Baumwolle überhaupt. Hier wurden bis zu SV Prozent festgestellt. Da die Strahlen vor allem durch dir Poren des Gewebes ihren Weg nehmen, kommt«S sehr auf dir Webart an. Es kommt auch darauf an, ob Stoffe nach dem Waschen rinlaufen oder poröser werden. Kunstseide und Baumwolle werden durch diesen Prozeß strahlendurchlässiger, Voile und Batist verlieren ihr« Durchlässigkeit, ebenso bestimmte Kreppfäden. Auch die Farben spielen eine Rolle, jede Farbe läßt eine bestimmte Strahlenart durch. So hindert die Kleidung, je mehr man trägt, um so stärker. Man kann«ine Wissenschaft bilden und sich nach Tabellen kleiden, aber man hat auch nicht nach Vitaminen essen gelernt. Man merkt sich die wichtigsten Tinge, zu mehr ist keine Zeit. Man hat nur r i n richtiges Mittel, sich die Strahlen der Sonne, dir der Körper braucht, zugänglich zu machen: möglich st wenig an ziehen! Je mehr Kleidungsstücke über- rinandcrliegcn, um so weniger Poren finden die Strahlen, um durchzndringen. „Schauen Sie her, Kellnerin", jaucht der wütende Gast,„hier im Wein schwimmt«ine Fliege. Was soll das bedeuten?" „Tas weiß ich nrchr", erwidert« vir Kellnerin,„ich bin eine Kellnerin und keine Wahrsagerin." * Kaufmann:„Die Post pellt mir täglich Drohbriese zu. Gibt es denn kein Gesetz gegen Drohbriefe?" Postbeamter:„Natürlich. Es stehen sogar aus Drohbriefe strenge Strafen. Haben Sie irgendeinen Verdacht, mein Herr?" Kaufmann:„Ich habe sogar Gewißheit. Dir Drohbriefe kommen von meinen Gläubigern." * Ein junger Mann erzählt einer Damr, drr er sehr den Hof machte, wie er sein letztes Wochenend« verbracht habe. „Haben Sie mit Erfolg gefischt?" fragt dir Dame.„Was haben Sie dann gefangen?" „Was essen Sie lieber, Aale oder Forel len?" erwiderte der junge Mann. * A.:„Es gibt viele Wege, um zu Geld zu kommen." B.: jawohl, aber nur einen einzig«» ehrenhaften." . A.:„Welcher ist das?" B.:„Ich habe mir gleich gedacht, daß d» den nicht kennst." * Hausfrau:„Mary, wissen Sie nicht, ob der Fleischer Schwein-süße hatte?" „Er hatte Schuhe an," sagte die Köchin. * „Borgen sich deine Nachbarn viel von dir aus?" „AuSborgrn? Ich kann dir sagen, wen» ich bei ihnen zu Gast bin, fühle ich mich mehr zu Hause als bei mir selber." * Die berühmte Schauspielerin hielt es für einen superklugen Einfall, wie sie ihre wertvolle Perlenkette vor Dieben schützte. Sie ließ sie stets auf ihrem Toilettentisch liegen und daneben einen Zettel folgenden Inhalt»: „Diese Perlen- sind nur«ine Imitation. Di« echten liegen in meinem Banksafe." Aber eines Tages waren die Perlen doch verschwunden und folgender Zettel lag auf dem Toilettentisch:„Mir genügen diese Perlen. Ich bin nur der Gehilfe des Einbrecherkönig». Er wird sich die echten Perlen holen, wenn er auS dem Gefängnis draußen fein wird." * Boshafter Kollege: ,Mr- Boomer hat ei»« überwältigende Stimme. Das letztemal, al» er öffentlich sang, fühlte seine Stimme so den Saal, daß das Publikum ihn verlassen mußt«, um ihr Platz zu machen.". j * Ein neugieriger GesrllschaftSmensch verschafft sich Eintritt in daS Laboratorium eines berühmten Gelehrten und schnüffelt« dann in allen Ecken herum. Bor einem Gefäß, dem brodelnder Daurpf entstieg, blieb er stehen und sagte mit ehrftirch- tiger Stimme:„Was kosten Sie in diesem Topf, Meister? Sind es Mikroben oder Ba» zillru?" „Würste," war dir lakonische Antwort, „zum Frühstück." 4— Pech muß man haben. Luch mit dem Bettet« hatte Gustav wen». Glück. Stundenlang konnte er treppauf und treppab gehen oder herumstehe«, ohne etwas einzunehmrn. Es war zum Heulen! Nachmittags machte ihn dann auch noch der Hunger so flau, daß er sich nur mit Müh« auf den Beinen halten konnte. Da stand er dann meisten- in der Ecke eine- belebten Platzes und musterte die Borübergrhenden beinahe wütend. Während er ste musterte, redete er sie im füllen an, nannte sie Geizhälse, Hartherzige usw., so daß jedermann am liebsten gleich einen großen Logen um ihn herum gemacht hätte. Nnes Tages nahte sich ihm aber doch so etwas wie Glück, nämlich ein wirklich beängstigend dickes Frauenzimmer, da- aus einer Kraftdroschke mühsam genug herauSstieg und Gustav energisch winkte. Hallo, dachte Gustav, die muß aber mal ordentlich in den Beutel greifen, den zlveiten Tag nichts im Magen, jetzt wirdS die höchste Zeit! Die gute Frau hatte in der Markthalle eingekaust. In der Kraftdroschke standen zwei mächtige, bis unter die Henkel gefüllte Körbe. Gustav zog demüüg den Hut und grüßte mit Kopfnicken. Die Frau gefiel ihm gar nicht, so dick und rosig wie ein Schweinchen, doch Geschäft ist Geschäft; wer kann sich die Wohltäter heraus- suchen? Die Wohltäterin zeigte auf die beiden Körbe und sagte, die sollten in die Wohnung hinaufgetragcn werden. Also zog Gustav mit Hilfe des Chauffeurs die Körbe heraus, hängte sich je einen rechts und'links an den Arm und süefelte hinter der Dicken her. Ganz gewaltig schwer lvarrn die Körbe, und Gustav konnte sie gerade noch tragen. Eine Gans war darin, auch Tauben konnte er sehen, Würste, Butterstücke, Orangen — lauter Sachen, die ihm da- Wasser im Munde zusammrnlaufen ließen. Ein Korb hätte genügt, ihn tagelang wie einen Schlemmer leben zu lasten! Zm Treppenhause ging die Frau hinter ihm her, schnaufend und ihres enormen Gewichtes nicht recht froh. Auch Gustav schnaufte; die Last war ungeheuer schwer, und mehrmals glaubte er zusammrubrechen zu müssen. Doch «r durfte nicht rasten; die Frau drängle ihn immer, weiter. Im dritten Stockwerk konnte er nicht mehr. Er setzte die Körbe vorübergehend ab und holte mit geschlossener» Augen tief Atem. Inzwischen stieg die Frau weiter. Als sie ein paar Stufen höher staird, redete ste Gustav mit Unmut an, er solle sich zusammennehmen, die paar Pfund seien doch nicht der Red« wert usw. Da Gustav glaubte, di« Wohnung müsse im nächsten Stock liegen, raffte er sich mit versagender Kraft nochmals auf, hob die Körbe und lief so schnell als möglich die halbe Treppe hinauf. Mit Hilfe eines solchen Anlaufs kam er auch knapp bis vor dir Türe der Wohnung. Dort aber packte ihn ein Schwindelgefühl. Krachend flog«r hin, und die Körbe entfielen seinen Händen. Zetermordio schrie die Dicke und rief da- Dienstmädchen. Das Mädchen erschien entsetzt auf der Treppe und nmßtr den ganzen Kram wieder in die Körbe packen. Gustav erhielt kein Trinkgeld, dafür aber ein gehörige- Geschimpft über seine Schlappheit und Ungeschicklichkeit. Solche Worte waren zuviel für seinen Stlckz, und schweigend zog er sich zurück. Zwei, drei Treppen lief er hinunter, seine Schwächlichkeit derwünfchend und an allem verzweifelnd. Da ftffelte plötzlich seinen Blick etwa« Weißes ganz unten auf der Stuf«—: ein in Papier gewickeltes, knusprig braun gebratenes, herrlich duftendes Hühnchen! Niemals in seinem Leben hatte Gustav ein Hau« mit solcher Schnelligkeit verlassen! In Rullkommanull war er um die Ecke... und gerettet! Ja, Pech muß man haben. Allerlei Wisiensweries. I« jeder«inzelueu kleine« Zungenpapille sind bis zu öllv Endfajern von Geschmacksnerven«ingeschlossen. Da- kleiuste Geldstück der Wett besitzt nur einen Wert von drei Zehntel Psennig. Es ist das portugiesische Drei-Rris-vtück. 30 Prozent der englischen Eprachwurzel« sind ftanzösischen Ursprungs. ES gibt künstliche« Kampfer, der aus Terpentinöl gewonnen wird, während der echte«in Produkt des Kampsrrbaumes ist. Aus der Erd« gibt es schätzungsweise-10.000 Kilogramm Diamanten. Bisher wurden von Professor E. Ria« 837 Darstellungen der Sintflulsage bei den verschiedensten Völkern der Erde gesammelt. AllegorismilS ist eine Kunstform, die bemüht ist, abstrakte Begriffe durch Vergleiche mit konkreten Dingen zu verdeutlichen. Er darf nicht mit der Symbolik verwechselt werden, die nicht dir Abstrakta durch figürliche Vorstellungen erklärt, sondern die Bilder an Stelle der Begriffe setzt, um im Genießer eine glricharüge Stimmung auszulösen. In der Literatur ist der AllegoriSmuS fast überlebt. Die Sefamtoberflächr der Erde beträgt 909,850.714 Quadratkilometer, davon 39.8 Prozent Land und 70.8 Prozent Meer. Auf der nördlichen Halbkugel ist das Verhältnis 39.2 Prozent Land und 60.8 Prozent Master, auf der südlichen 19.2 Prozent Land und 80.8 Prozent Wasser. DaS Verhältnis könnt« durch Neuentdeckungen am Südpol etwas geändert werden. „Jemande« ein X für rin II vermachen." Warum sagt man nicht„ein X für ein Z", das doch einen viel größeren Unterschied darstcllt? Um dahinterzukommen, dürftn wir X und U nicht alS Buchstaben, sondern als römische Zahlen ansrhen. Dann heißt eS, jemandem«ine X(zehn) für eine V(fünf) vormachen, d. h. ihn übervorteilen. Der PulSschlag des Menschen nimmt mit den Jahren ab. Beim Säugling und dem kleinen Kinde Mögt das Herz 105mal bis IlOmal in der Minute, beim erwachsenen Menschen nur noch 72mal. HauSrezepte Um Glasscheibe« undurchsichtig zu machen, bestreicht man die Scheiben mit einer Lösung von 100 Gramm Bier und 50 Gramm Kochsalz. Nach dem Trocknen hat sich ein Ueberzug gebildet, der das Durchblicken veichindert. Mit heißem Wasser kann der Ueberzug sofort wieder entfernt werden. Flascheakorkr müssen oft etwas verkleinert werden, um in den für sie bestimmten Flaschenhals hineinzupassen. Mit einem Mester läßt sich diese Operation meist nur ziemlich schwer ausführen. Bester ist rS, grobes Schmirgelpapier zu verwenden, auf dem man den Korken abrribt, bis er die gewünschte Größe erreicht hat. Um ein Loch durch einen Korken ju bohren, benutzt man am besten ein Metallröhrchen der entsprechenden Weite, dessen eines Ende man mit Hilfe einer Feile etwas schärft. AI« Möbel in bewohnten und unbewohnten Zimmern verlangen sorgfältige Behandlung. Täglich ist mit weichem Lappen und Pinseln der Staub zu entfernen. Gut bewähren sich vor allem die imprägnierten Tücher, die den Staub nicht so aufwirbeln. Ist man gewöhnt, mit feuchtem Tuch den Staub zu wischen, dann muß sofort trocken nachgerieben werden. Sehr gut ist ein öfteres Abreiben der Möbrloberfläche mit einer Kleinigkeit Bohnerwachs, das die Politur erhält. Schwere Schränk« lasten sich bester rücken, roenn man die Füße unten mit einem kleinen Stückchen Waschseife belegt. Oder man kann auch einen nassen Lappe« unterlege«. Die Seifenspur läßt sich leicht abwischru. Wollene Strümps» laufen nicht«in, wenn man sie einig« Stunden vor dem Waschen in kalte- Wasser legt, dem man etwa- Salmiakgeist zugefetzt hat. Gchach-E