Nr. 124. Abonnement«-KedkMitge«: Abonnement»-Pret» pränumerando: «ierteljährl. 3£0 SMt., monall. 1,10 Sit, wöchextNch 28 Psg, frei In» Hau«. Einzelne Nummer S Psg. Sonntag»- Nummer mit tlluNrtrter Sonntag»- Beilage.Tie Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen tu der Post- Zeitung«» Preisliste sttr 1SS7 unter»r. 7437. Unter Nreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungar» 2 Marl, für da» übrig« Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint liglich nutzer»onlng«. 14. Jahrg. Dt» Knsertwns-Gebtlhr beträgt für die sechSgespaltene llolonel- zctlc oder deren Raum 40 Psg., sür PereinS- und PersammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Psg. Inserat« sür die nächste Nummer milssen b>« » Uhr nachmittag» in der«rpedition abgegeben werden. Die ExpeMlio» ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abeubS, an Sonn- und K-sttagen bt» S Uhr vormittag« geöfsnet. Devlinev VolksblÄkt. Fernsprecher:»ml l,»r. 1S00. Telegramm-Adresse: „S»li«ld»m»kr«l verlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. ZiedulUidtt: SW. 19. Wenty-Straß- 2. Konntag. den 30. Mai 180'7. ßFpedition: SW. 19, Akttty-Striche 3. üdoiinniiritt�inlaiiiiitjj. Am 1. Juni eröffnen wir ein neues Abo>lnenient auf den „Dorioörks" n>it der illustrirten Sonntags-Beilage „Die»cnc Wcl/". Die Aendernngen, die wir seit dem 1. Januar eingeführt haben, erfreuen sich des lebhaftesten Beifalls unseres Leserkreises. Unsere Literarische«. Volkswirthschaftliche Rttttdschau iverden allgemein als bedeutungsvolle Bereicherung des In- Halls unseres Blattes angesehen. Im Nnterhaltnugsblatt werde» wird vorerst zwei kleinere Arbeiten bringen: „Die Gräfin" von Hans Röder, eine Erzählung, die in Berlin spielt, und „Gottlieb Adler u. Sohn", daS Charakterbild eines in Rnssisch-Polen reich gewordenen deutschen Fabrikanten. Unser nächster großer Ronian heißt: ..GepsvW und entstammt der Meisterfeder des französischen Roman- schriftstellers Jean Richepin. Die Handlung setzt ein mit dem Rückzüge der französischen Ostarmee unter Bourbaki und endet in der blutigen Maiivoche 1871. Für Berlin nehmen sämmtliche ZeitnngSspediteure sowie unsere Expedition, Benthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von I Mark 10 Pfennige frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements zum Preise von 1,U> M. für den Monat Juni entgegen.(Eingetragen in der Post- Zeitungsliste sür 1897 unter Nummer 7437) Redaktion u. Expedition des„Vorwärts". Die rheinifih�u»estfiilifrijen Msnslbsuken und die Ngvaeiee. Wir wissen uns von jeder Modeschwärmerei für eine nfer- lose künstliche Beförderung der Kanalschifffahrt frei. Man mag noch so sehr überzeugt sein von der wachsenden Bedeutung der großen natürlichen und tünstlichen Wasserstraßen, je mehr die geringwerthigen Diassenprodukte in den Strom des modernen Verkehrs hineingerisscn werden— auf der anderen Seite steht die Thatsache fest, daß bei den wichtigsten preußischen Kanälen in absehbarer Zeit an eine Verzinsung und Amortisation de? in ihnen steckenden Kapitals gar nicht gedacht werden kann. Die niedrigen Tarife haben hier gar nichts.Demokratisches" an sich, wie man sonst unter Eisenbahn- Tarifreformern gern behauptet; sie sind ein- fach ein Geschenk des Staates, das heißt der Steuerzahler, an die großen Unternehmer, die ihre Erze und Kohlen billiger be- ziehen und absetzen können. Dieses Geschenk mag sich unter Uniständen auch sür die Konsumenten und die beschäftigten Arbeiter umsetzen in den Vortheil billigerer Waarenpreise und vermehrter Beschäftigung. Das trifft jedoch bei vielen anderen Liebesgaben ebenfalls zu und ist noch gar kein ausreichender Grund, sich für sie zu erwärmen, auch wenn man sie inner- halb unserer kapitalistischen Produktion für unvermeidlich hält. Von den Liebesgaben an die Industrie spricht man in Deutschland viel weniger wie von denen an die Landwirth- schaft. Mit den Entwickelungsinteressen der großen Industrie fallen eben in Deutschland die Jntereffen der maßgebendsten Schichten der Bevölkerung zusammen, besonders solcher Schichten, die in den alles beherrschenden politischen Zeitungen der Großstädte den Ausdruck ihrer Interessen finden. Die industriellen Liebesgaben sind darum aber durchaus nicht geringfügiger wie die agrarischen, und der sich stetig vcr- schärfende Gegensatz zwischen Industrie und Landwirthschaft macht die Landjnnker jetzt mehr und mehr mobil gegen die trcibhausmäßige Beförderung der industriellen Großbourgeoisie. In den letzten Debatte» des preußischen Abgeordneten- und Herrenhauses über den Dortmund- Ems- Kanal kam das ganze Mißvergnügen der agrarischen Herabkömmlinge zum unverhohlensten Ausbruch. Die Regierung hatte eS den Gegnern des Kanalbaues allerdings leicht gemacht. Nachdem schon früher beim Dort- mund-Ems-Kanal der Voranschlag wesentlich überschritten war, werden jetzt abermals 15 Millionen nachgefordert. Dazu hat die Regierung offenbar die Jntereffenten bei der Heranziehung zu Beiträgen mit der schonendsten Großmuth behandelt; selbst der Eisenbahnminister muß mit dem Grafen Könitz bedauern, daß„seitens der Interessenten nicht höhere Summen bc- willigt(!)" worden sind. Doch was hilft jetzt alles Klagen? 58 Millionen sind verbaut; das private Kapital und die Gemeinden sind in voller Thätigkeit, Schiffe zu erwerben und herzustellen, Ein- lade- und Ausladevorrichtungen anzulegen, lokale Häfen zu schaffen; man glaubt sie nicht einmal zur Zahlung höherer Tarife zwingen zu können, iveil alle ihre Rentabilitäts- berechnungen auf dem früher veröffentlichten Tarifentwurf beruhen, vor allem jedoch deshalb, weil sonst die gebührenfreie Rheinstraße den alten Verkehr festhalten und eine Ablenkung von Rotterdam nach den Emshäfen und dem Kanal ganz unmöglich macheu würde. Freiherr v. Mantcuffel war im Herrenhause allerdings bereit, reine» Tisch zu machen:„ich werfe lieber die 58 Millionen fort, ehe ich noch weitere 15 Millionen opfere;" er empfahl, den Kanal in Zukunft zur Jagd ans Wasservögel zu benutzen. Der Graf Kunitz ist in diesen Dingen diplomatischer; er erstrebt höhere Tarife landeinwärts wie auswärts, zur See hin; dadurch soll das neue Einsallsthor für ausländisches Ge- treibe noch fester vcrbarrikadirt werden, als es bei 35 M. Getrcidezoll sowieso schon ist. Aber einmal liegt der Industrie auch an billigem Brot: dann aber ergänzen sich bei der Schiff- fahrt Fracht und Rückfracht nothwendig; ist die Rückfracht erschwert und vermindert, so ist ei» Preisanfschlag für die Hinfracht unausbleiblich, und damit brechen abermals alle Vor- thcile des Kanals gegenüber dem Rheine zusammen. Ist es doch schon Nachihcil genug, daß der Rhein Schiffe bis zu 35 000 Zentner Fracht, der Kanal nur Schiffe bis zu 12 000 Zentnern tragen kann. Als sich Gras Kunitz mit seinem Wunsche ab- gewiesen sah, klagte er die Regierung offen der Vergeudung von Staatsgeldern an: Es ist wirtlich sehr zu bedauern, daß die beiden Rede», die wir soeben gehört haben, sowohl die Rede des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten wie die des Herrn Schinieding nicht bereits 1886 hier gehalten worden sind; dann wurde» wir ja über die Frage der Verzinsung des Baukapitals klar geworden sein. Der D o r t in u n d- E m s- K a» a l wird einfach den Ruhrzeche» geschenkt! So liegt die Sache heute; auf eine Verzinsung wird verzichtet. (Sehr richtig! rechts.) Die Leute, welche es am wenigste» n ö t h i g haben im ganzen Lande, erhalten ei» Geschenk von 80 Millionen glatt ans der Staatskasse, und von jeder Verzinsung lind Amortisation dieses Kapitals wird abgesehen.(Sehr richtig! rechts.) Nun ist Graf Kanitz sicherlich der letzte, der das Recht hätte, sich über Geschenke an den Besitz zu entrüsten. Er thnt es in diesem Falle auch nur, weil ihm von jeher das Auf- blühen der rhcuiisch-wesifälischcn JudusUiebezirke ein Dorn im Auge war. In bicscm Ausblühen sieht er die Ursache der Massenausivandcrnng ländlicher Arbeiter ans den östlichen Provinzen. 12 000 Ostpreußen seien in Westfalen au- sässig; wie solle die östliche Landivirthschaft diesen Aderlaß erlragen können! Weiter wandte sich Herr Graf Kanitz gegen die Subvention der westlichen Industrie seitens der Eisenbahnen durch niedrige Ausnahmetarife:„Wir Bewohner der östlichen Provinzen müssen für unsere Artikel, für unsere Produkte das doppelte und dreifache bezahlen. Die westfälische Industrie ist im Genuß der weitgehendsten Ausnahmetarife. Der Abgeordnete Möller weiß ebenso gilt wie ich, daß fast alle diese genannten Artikel (Kohle, Eisen und sonstige Produkte der Montanindustrie), von denen er spricht, zu sehr weit herabgesetzten Ansnahme- tarifen gefahren werden und daß also von einem großen Ueber- schuß, den die Eisenbahnen gerade hierbei erzielen sollten, nicht gut die Rede sein kann." Natürlich kam auch die Befürchtung, besonders aus mehr bäuerlichen Kreise» heraus, zur Geltung: längs des Kanals werde sich eine Großmühlen-Jndustrie entwickeln, hauptsächlich mit ausländischem Getreide arbeiten und dabei durch die Zoll- kredite sich einer Abschwächnng des Gctreideschutzzolls erfreuen; die kleinen Mühlen des Westens würden so noch rascher ver- schwinden und der Bauer damit seinen besten Lokalabsatz ver- lieren, ohne irgend welchen Ersatz in den neuen Verhältnissen zu finden. Man sieht, wie die Gegensätze zwischen Industrie und Landwirthschaft auch hier längst über die ersten Keime hinaus- gewachsen sind. �ie mögen die nächsten Wahlen noch nicht beherrschen, sie mögen selbst bei der nächsten Revision unserer Handelsverträge— vielleicht— noch nicht ganz auseinander fallen— die Zeit kommt, wo die Industrie die Bundesgenossenschaft aller»uichtagrarischen Kreise suchen wird, uni sich mit den alten Freunden aus Ostclbien gründlich und endgiltig auseinander zu setzen. Von drv lex Vvrko. Die Novelle zum Bereinsgesetz hat nach den gestrigen Beschlüssen bei Abgeordnetenhauses nunmehr die folgende Fassung erhallen: Artikel I. An Versannnlnngen, in denen politische Angelegen- heilen erörtert oder berathen werden sollen, dürfen Minderjährige nicht theil nehmen. Artikel II. Vereine, welche bezwecken, politische Gegenstände in Versanmilungen zu erörtern(§ 8 der Verordnung vom II. März I8S0), dürfen Minderjährige nicht als Mitglieder aufnehmen. An den von solchen Vereinen veranstalteten Versammlungen und Sitzungen, in denen politische Angelegenheiten erörtert oder berathen werden sollen, dürfen Minderjährige nickt theil nehmen. Anderen Versammlungen und Sitzungen dürfen Minderjährige sowie weib- liche Personen beiwohnen. Die Verbindung von Vereinen unter einander ist mit der Maßgabe zulässig, daß politische Bereine(Ab- sah I) nicht ohne Erlanbnih des Ministers des Innern mit außer- deutschen Vereinen in Verbindung treten dürfen. Die Bestimmungen in tz 3 der Verordnung vom II. März I8ö0, soweit sie Schüler und Lehrlinge betreffen, werden aufgehoben. Art. III. Bei Zuwiderhandlungen gegen Artikel II Absatz 1 und 3 findet der 8 8 Absatz 2 und der§ 16 der Verordnung vom It. März 18d0 Anwendung. Minderjährige, welche an einer politischen Bersaumilung(Artikel I) oder an Versanmilungen oder Sitzungen politischer Vereine(Artikel II) theilnehmen oder sich der Vorschrift des Artikels II Absatz I zuwider als Mitglieder auf- nehmen laffen, unterliege» der Strafe des§ 16 Absatz 3 a. a. O. Vor Beginn der Verhandlung in politischen Versammlungen(Art. I) und in Versammlungen politischer Vereine(?lrt. II) hat der Vor- fitzende die Aufforderung zu erlassen, daß Minderzährige sich enl» fernen. Unterläßt oder verweigert der Vorsitzende die Erlassung der Aufforderung und der zivcckdienlichen Maßregeln zur Durch- führung derselben, so treffen ihn die Elrasen des ß 14 der Ver- ordnung vom II. März I8d0(Gesctzsamml. S. 277). « ♦ Bei der gestrigen Abstimniniig haben gefehlt: 19 Konservalive und Freikonservaiive, 8 Nationalliberale, 3 Zenlrumsmitglicder, 1 Freisinniger. Nimmt man an, daß alle Konservativen und Frei» konservativen mit der Minderheit, alle Nationalliberalen, Zentrums- Mitglieder und Freisinnigen mit der Mehrheit stimmen würden bei vollbesetztem Hause, so würde die Minderheit von 193 Mitgliedern ans 212 anwachsen, die Mehrheit von 206 auf 218. Dazu würde noch ein inzwischen neu besetztes Zeiitrumsmandat kommen. Somit bleibt also bei vollbesetztem Hause nur eine Mehrheil übrig von siebe» Stimmen. Dabei ist freilich vorausgesetzt, daß die Abgg. v. Sauden und Graf HoenSbrocch mit ihren FraktionSgenoffen zusammen stimmen würden. Trifft aber letzteres nicht zu und stimmen sie mit den Gegnern, so bleibt nur eine Riehrheit von 217 gegen 214 Stimme» übrig. »» Zur Geschäftslage des Abgeordnetenhauses, die nun blos noch durch die lex R.cle benimmt wird, schreibt die„Freisinnige Zeitung": Stimmen die Konservativen auch dem Gesetzeutivnrs zu, so muß derselbe, da er eine Aenderung der Versassungsurkunde ent- hält und den Minderjährigen das„jedem Preußen" in Artikel 29 geivähi leistete Versammlungsrecht entzieht, nach Artikel 107 der Verfassuugsnrkunde in einem Zivischeuraum von wenigstens 21 Tage» nochmals im Abgeorduelenhause zur Abstimmung komme».(Ar- tilel 107 der Versassuiwsurkunde lautet:„Die Verfassung kann aus dem ordentlichen Wege der Gesetzgebung abgeändert werden, wobei in jeder Kammer die gcwöhiiliche absolute Slimmenmehrheit bei zwei?Ibstin>mungen, zwischen denen ein Zeitraum von wenigstens 2l Tage» liegen muß, gernigt.") Die erforderliche Abstimmung er- folgt nach tz 19 der Geschäitsordnung des Abgeordnetenhauses in den Formen der dritten Berat hung. Erst wenn also der Gesetzentwurf zweimal vom Abgeordneten- Hans« bestätigt ist in Einzelabstimmungen und in Gesammt- absiimmiingen, kann derselbe an das Herreuhaus gelangen. Daselbst muß ebenfalls zweimalige Abstimmung erfolgen i» einem Zwischenraum von 21 Tagen. Eriolgt hierbei im Herrenhause eine Abänderung der Beschlüsse des Abgcordnelcuhauses, so muß der Gesetzentwurf alsdann nochmals an das Abgeordnetenhaus zurücklehren. Betrifft die Abänderung denjenigen Theil des Gesetz, entwnrfes, der eine Abänderung der Versnssung enthält, so ist wiederum im Abgeoiduelenhaus eine zweimalige Abstiminnitß in einem Zwischenraum von 21 Tage» erforderlich. Aus vorstehendem ergicbt sich, daß, falls nicht der Gesetzentwurf bei der drillen Lesung ganz verworfen wird, die Entscheidung sich bis tief in den Juli hinein und noch länger hinausziehen kann. Um so größer ist die Verantwortlichkeit der Nationalliberalen, bei dieser Gelegenheit angesichts der Mehrheit von nur wenigen Stimmen Beschränkungen der Minderjährigen herbeisühren zu wollen. Kommt schließlich aus der ganzen Sache gar nichts heraus infolge von Ameudirungeu des Herrenhauses, welche für die Mehrheit des Abgeordnetenhauses unannehmbar sind, so ist die ganze Erregung der öffentlichen Meinung pro niliilo gewesen und hat sich die Regierung, insbesondere auch der Sozial, demokrati« gegenüber, wieder eine Niederlage zugezogen."— Protestkundgebungen werden unS gemeldet au> Wilmersdorf, W e i ß e u s e e. N u m m e l s b u r g, B a» m- s ch u l e n w e g. aus Magdeburg zwei weitere, N e u st a d t Ober-Schlesien, zwei in L a n g e n b i e l a u, Elmshorn, 'Altona, Lüneburg, aus H a in b u r g mehrere, Bremen, Lübeck, Oldenburg, Bern bürg, Hof i. B., Karls» ruhe i. B. ' Es verlohnt sich, über die zweite Lesung der Ist Reckt einig« Preßstimme» zu registriren. Das Organ der Zentrumspartei, die„Germania" schreibt: „Nur ein Torso der Vereinsgesetznovelle ist gestern i« der zweiten Beraihung derselben zu stände gekommen. Leider aber, wie wir hinzusügen müssen, in diesem Torso ei» Bruchstück der Regierungsvorlage, das wir aus sachlichen Gründe» bekämpfen müssen, wie wir es aus allgemein- politischen und parlamentarisch- taktischen Gründen bedauern, daß nun, Ivo ei» Theil der Vcrcinsgcsetz- Novelle angenommen ist, die Beunruhigung unseres politischen Lebens sortdauert, und daß niit dem Hinaus- schiebe» der Entscheidung auch die Gefahr bestehen bleibt, daß schließlich mehr als dieser Torso zu stände komme» wird. „Die Natioualliberalen habe» nach unserer Ueberzeugung gestern »inen schweren politischen und taktischen Fehler begangen, jedenfalls aber die Fortdauer einer Beunruhigung, aus der nur die aus Ge- sährdung des öffentlichen Friedens von rechts und links abzielenden Elemente Nutzen zu ziehen hoffe», verschuldet." Die„Frankfurter Zeitung" bemerkt: „Wenn Herr v. d. Necke der Belehrung überhaupt zugänglich wäre, müßte ihm auch schon die Entscheidung des Abgeordnete»- Hauses in seiner zweiten Beralhung eines besseren belehren. Selbst diese Landrathskammer hat die Erweiterung der Polizei- macht zurückgewiesen, sie trotz Ausgebols aller Landräthe niit 2(16 gegen 193 Slimiuen abgelehnt, das von den Konservativen ge« jorderte Präventivverbol mit einer noch größereu Mehrheit. Alle schönen Schlagwort« haben nicht verfangen, auch nicht die Bezugnahme des Herrn v. Kardorff auf das Verlangen der Krone und auf das monarchische Gesuhl. Freisinnige und Zentrum sind festgeblieben, und von den Natioualliberalen ist nur einer. Bueck, ins Regierungslager übergegangen. Leider aber ist in der zweiten Lesung wieder derselbe Fehler wie in der Kommission gemacht worden, daß man nicht gleich den ganze» reaktionären Entwurf durch pure Ablehnung begraben, sondern ihn durch Aufrechterhaltung des Ausschlusses der Minderjährigen in die dritte Lesung hinübergerettet hat. Die Nationalliberalen haben �ch hier mit den Konservativen znsammengefnnden, trotzdem die letzteren ausdnicklich erklärten, daß sie dem Theil- ngebniß nur znslimliiten, um eine Grundlage für neue reaktionäre Versuche in der dritten Lesung zu Hadem Wir geben zu, daß die neue Fassung manche Bedenken beseitigt, indem sie gegen die Feruhal! ug der Minderjährigen von de» Gewerkschaften ge- misse Kaulelen schafft— es wird für einen solchen Ausschluß er- fordert, daß die Erörterung politischer Angelegenheiten in ihren Versamiuluiigeu von vornherein beabsichtigt ist—; aber»ach der mehrfach erfolgten generellen Auslegung der Gewerkschaften als politische Vereine geioährt auch diese Beschränkung keinen ausreichenden Schutz, vieliuehr deuten die NegUrungsärißeunigen über Streik- und Gewerkschastsbewegnugen direkt daraus hin. daß mau diesen auf jede mögliche Weise Schranken ziehen will. Sodann aber ist es überhaupt ein unwürdiger Znstand, erwerbs- thätige Leute politisch muudtodt zu machen. Wenn ein Fürsten- sprößling mit 18 Jahren reif genug ist, um das Geschäft des Re- gierens zu übernehmen, dann kann man doch auch einem Arbeiter im gleichen Alter das Recht und die nöthige Reife nicht ab- spreche», an der gewerkschasllichen»md politischen Entwickelung mit- thätig zu sein." Dre„Fwsiii»ige Zeitung" schreibt: .. Mau muß annehmen, daß auch nach Aeußerungen, wie sie im Abgevrduelcnhaiise am Freitag gefallen sind, dieser Gesetz- entirmrf nur die Einleitung zu einer weiteren politische» Aktion im reaktionäre» Sinne darstellen soll.... Eine derartige Haltung ist nur erklärlich, wenn nian noch meilerhin im Widerspruch mit der öffentlichen Meinung vorzugehen beabsichtigt. Nun. uns kann diese Haltung der Regierung schon recht sein. Endlich wird einmal auch das Volk drastisch darauf hiiigeiviesen, wie für die verfassungsmäßige Freiheit gefährlich die gegenwärtige Zusammensetzung des preußischen Ab- geordnetenhauses ist. Nur wenige Stimmen verhindern die geplante Beschränkung des Vereins- und Versammlungsrechts. Das ist die Folge nicht blos des Dreiklassen-Wahlrechts als solchen, sondern mehr noch der Enthaltung weiter Kreise des Bürgerlhums von der Bitheiligung an der Wahl.. Die„National-Zeitung", das Organ der Partei, die diesmal das Zünglein an der Waage ist, bemerkt: „Der Werth, den namentlich die nationalliberalen Vertreter industrieller Wahlkreise aus den Ausschluß der Minderjährigen ans den politischen Versammlungen legen, erklärt de» Wunsch eines Theils der Mehrheit gegen die Vorlage, sie nicht kurzer Hand zu ver- werfen, sondern de» Versuch zu machen, den Minderjährigen- Paragraph zu retten, wodurch auch die Aufhebung des Verbinduugs- Verbotes erfolgen würde. Bei der dritten Lesung wird man hoffentlich erfahren, ob dies Aussicht auf Erfolg hat. Die gestrige Verhandlung muß die Regierung und die Rechte belehrt haben, daß sie auch von einem Hinziehen der Verhandlung durch beide Häuser in den langwierigen Formen der Berfassungsänderung nichts im Sinne der Vorlage oder des freikonservativen Antrages zu erivarten haben; es kann daher verlangt werden, daß sie bei der dritten Lesung zu den Ergebnissen der zweiten deutlich Ja oder Nein sagen, statt unnölhiger Weise noch zwei Monate lang einen thatsächlich entschiedenen Streit fortzuführen. Es ist dabei für sie weder Erfolg noch Ruhm zu ernten." Des Scharfmachers Stumm Berliner Leiborgan„Die Post" schließt ihr- Betrachtungen folgendermaßen: „Charakteristisch ist es auch, daß jetzt nicht die F r a k t i o n s- Juristen, sondern Vertreter industrieller und hannoverischer Wahlkreise das Wort führen. Das läßt auf die Stimmung der industriellen Kreise des Westens und der hannoverischen Landbevölkerung schließen und die Berühr tlng der Abgeordneten mit ihren Wählern in der P s i n g st p a u s e kann vielleicht nicht ohne Nutzen sei n. Ob in naher oder ferner Zukunft der frei- konservative Antrag positives Recht wird, mag zweifelhast feilt; daß er praktische B e d e u t u u g g e w i» n e n w i r d, ist schon jetzt nicht mehr zweifelhaft." Gegen den freikonservativen Antrag schreiben BisinarcTs „Hamb. Nachr.": „Wir theilen die Ansicht, daß es u n z u l ä s s i g ist, ein der- artiges Gesey für einen einzelnen Bundesstaat zu erlassen. Das ist nach Errichtung des Deutschen Reiches unmöglich; es wäre der Ansang der Auf- lösung der Reichseinheit. Das nächste müßte,>vi« ein Artikel des„Hannov. Courier" richtig ausführt, die Aushebung der Freizügigkeit sein, damit den übrigen Staaten die Mög- kichkcit gegeben würde, sich gegen etwaige bundesbrüderliche Besuche preußischer„Sozialdemokraleu, Sozialisten und Anarchisten", die Neigung haben könnten, jenseits der schwarz-weißen Grenzpfähle ihre Versanmilunge» abzuhalten, durch Rückschiebung über die preußische Grenze zu wehren. Solche Angelegenheiten können heute nur ans dem Wege der Reichsgesetzgebung erledigt werden." Und die„Kreuz-Zeitung" äußert sich folgendermaßen: „Mit Mannhaftigkeit und Schneidigkeit ist die Regierungs- Vorlage vom Minister des Innern verlheidigt worden. Wohlthuend war die Kritik, die er der Hallung der gegnerischen Presse nngedeihen ließ, indem er ihr vorwarf, daß sie bei der Besprechung dieser Vorlage nicht die öffentliche Meinung wiedergegeben, sondern gefälscht habe. Noch wohllhueuder war die' Bemerkung des Ministers, daß der„Entrüfiungssturm", der hier i» Szene gesetzt worden ist, auf die Staatsregierung keinen Eindruck mache. Wir erblicken in dieser Versicherung die Zusage, daß sich die Borgänge beim Bolksschulgesetze nicht wiederholen werden. Bei der namentlichen Abstimmung über den freikonservativen Antrag blieben die beide» konservativen Parteien mit 193 gegen 206 Stimmen in der Miuderheit. Die Gegner habe» also einen Sieg errungen. Bei einem Theile derselben möchte» wir jedoch bezweifeln, ob ihre Stirn ni n n g eine besonders s i e g e s f r e n d i g e ist. Im politischen Leben kommt es für parlamentarische Parteien nicht allein auf die Erziclung von Mehrheiten an, sondern auch darauf, ob sie ihre Haltung vor dem Laude verantworten können. Wer die Entwickelung»»serer politischen Verhältnisse einigermaße» ausmerksan, verfolgt hat. wird sich der Ansicht nicht verschließen können, daß die national« liberale Partei durch ihre letzte Abstiinuiung den K e i ni zu einer schweren K r i s i s gelegt hat." Ans Abgeordnetenkreisen wird serner der„Kreuz-Zeitung" ge- schrieben: „... Um so befremdlicher mußte es erscheinen, daß daS Staats- ministeriunr nur dilrch ein Müglied, den Minister des Innern, ver- trete» ivar.— Die Leere am Ministertische bildete in der That eine» auffälligen Kontrast zu dem vollbesetzte» Hause und den über- füllten Tribünen.— Warum fehlten die anderen Minister? Hier handelte es sich doch um eine Staatsaktion iin große» Stile; daS Gesamuitministerium halte von vorneherein die Verantwortung für die Vorlage übernehnien niüssen, und die politische Bedeutung dieser Vorlage geht weit über den Nahmen hinaus, welcher das Ressort des Herrn von der Recke umgreitzt. Bei der ersten Lesung war der Ntinisterpräsidcnt freilich zugegen geivese» und hatte eine kurze, nicht sehr bedeutsame Er- klärung abgegeben. Aber viel wichtiger war doch die ziveite Lesung. Warum war der Herr Ministerpräsident gestern nicht anwesend, warum nicht der Sprechminister Dr. v. Bölticher, warum nicht der Justizminister, warum nicht Herr v. Miquel? Gerade dieser letzter« würde am ersten im stände gewesen sein, aus die Haltung der nationalliberalen Fraktion einige» tzinfluß zu üben, und von der Stellungnahme dreser Fraktion hing gestern das Schicksal des Gesetzes ab. So konnte es nicht ausbleiben, daß die Verödung der Ministerbai k zu den verschiedenartigsten Deutungen Anlaß gab. Allerlei Bemerkungen waren z» hören. Das ist um so mehr zu bedauern, als ohnehin fchon Gerüchte von einer be- ginnenden Zersetzung im Slaalsministcrium kursiren, solche Gerüchte erhalten dadurch natürlich nur neue Nahrung. Drn g»d zu wünsche» ist es deshalb, daß bei der dritten Lesung am nächsten Montag von selten des StaatSministeriumS eine bessere Einmüthigkeit und ein größeres Interesse an der Sache kundgegeben werden möchte." Endlich fei noch das Organ der Regierung, die„Nordd. Allg. Zeitung" zitirt. Sie schreibt: „... Daß die verstümmelt« Vorlage, wie sie anS den Kom- mifsionsbeschlüssen hervorgegangen, ein wirksames Kampfesmittel darzustellen vermöge, läßt sich im Ernste nicht behaupten. Abgesehen von der Aufhebung des Verbindungsverbots, ent- hält die Vorlage der Kommission nur noch das Verbot der Theilnahme Minderjähriger an politische» Versammlungen und Bereine», und auch dieses nur unter wesentlicher Abschwächung des ursprünglichen Entwurfs. Diese Bestimmung ist nicht im stände, einen vollgiliigen Ersatz für die Aufbebung des Koalitionsverbots zu bieten, und noch weniger, das dringende Bedürfniß nach einer Verstärkung der staatlichen Machtmittel wider de» Umsturz im all- gemeinen zu befriedigen. Die Verantwortung für das Scheltern der ganzen gesetzgeberischen Aktion fällt den oppositionellen Parteien zur Last. Hoffen wir, daß das Volk, ans dessen wirkliche Stimmung man so wenig bedacht genommen und dessen tiefste Interessen durch die ablehnende Stellung- »ahme der parlamentarischen Mehrheit verletzt werden, zur gegebene» Zeit Abrechnung halten wird." K>olLkischo Mobevfichk. Berlin, 29. Mai. Tns prenfcische Abgeordnetenhaus erledigte heute mehrere kleinere Vorlagen und nahm sodann in dritter Lesung das Handelskammer-Gesetz an. Gegenüber den Be- schlitssen zweiter Lesung wurde im§ 27 eine Abänderung dahin getroffen, daß die Handclskanimern für ihre Verhandlungen die Oeffcntlichkeit beschließen können, aber nicht niüssen. Zur Annahme gelangte ferner eine Resolution Stengel(Z.), worin die Regierung ersucht wird, dahin zu wirken, daß in den bestehen- den kaufmännischen Korporationen die Industriellen und mittleren Gewerbetreibenden eine der Anzahl und dem Um- fange ihrer Betriebe entsprechende Vertretung erhalten. Eine weitergehende Resolution v. Brockhausen(k.), wonach eine derartige Vertretung bereits binnen zwei Jahren herbei- geführt und, falls diese Frist fruchtlos verläuft, der Minister die Errichtung von Handelskammern an den betreffenden Orten in die Wege leiten solle, wurde abgelehnt. Montag dritte Lesung des Bereinsgesetzes.— DaS HrrrenhanS befchästigte sich heute zunächst mit der Interpellation des Grafen v. K l e i st- S ch w e» z i n, betr. Mängel bei der Veranlagung zur Einkommen- st e u e r. Im Laufe der recht oberflächlichen Besprechung gab Finanz- minister Dr. v. Miquel zu, daß daS Einkommensteuer-Gesetz reformbedürftig fei; man solle aber mit den Reformen warten, bis inan weitere Erfahrungen gesammelt habe.— Von den kleineren Vorlagen, die hierauf berathen ivurden, rief nur die Charitee-Vorlage eine lSngere Debatte hervor, an welcher sich Finanzminister Dr. v. Miquel, Ministerial-Direkior Althoff, Prinz zu Schönaich-Carolath, Professor Reinke(Kiel) und Oberbürgermeister Bender(Brestan) be- theiligten. Eine Resolution des letzteren, welche die Regierung ans- fordert, der Stadt Berlin de» Botanischen Garten zu einem billigen Preise anzubieten, salls diese sich verpflichtet, den Garten als Park zu erhallen, wurde abgelehnt und die Regierungsvorlage in»n- veränderter Form genehmigt. Ebenso wurde die Sekundär- bahn- Vorlage nach unerheblicher Debatte in der Regierungs- vorläge angenommen. Am Montag stehen nur kleinere Vorlagen auf der Tages- ordnilng.— Der Prozeß gegen v. Tausch währt bereits eine Woche und heut fand eine neunstündige Sitzung statt, ohne daß ein Ende abzusehen wäre; noch sind sehr viele Zeugen zir vernehmen. Die politisch interessantesten Zeugen hat der heutige Tag wohl gebracht, aber für den eigentlichen Prozeßfall war die Ausbeute aus ihren Aussagen nicht entsprechend groß. Drei Mini st er oder Ex- m i n i st e r traten ans den Plan. Herr v. Marschall machte noch einmal seinem Herzen vor aller Oeffentlichkeit Luft. Nochmals fielen seine scharfen Hiebe auf den vom Leckert-Lützow-Prozeß her noch nicht ge- heilten Rücken der politischen Polizei. Aber auch Herr v. Kölker und Bronsart v. Schellen- d o r f f, die beiden gestürzten Umsturzminister, zeigten ihre souveräne Verachtung vor den Machenschaften zwischen der.Polizei und ihren Agenten. Sie genutzten die Gelegenheit, um auch einmal von der Köstlichkeit der„Oeffent- lichkeit" einen guten Zug zu schlürfen, um sich von den gegen sie erhobenen Verdächtigungen, als hätten sie gegeneinander intriguirt, zu reinigen. Sie hielten lange Reden, die cigent- lich weit über den Rahmen des für den Prozeß Röthigen hinausgingen. Für den armseligen Polizeikommissarius brachte der Tag wohl mehr günstige als ungünstige Momente. Es möchte fast so scheinen, als sollte sich dieser angeblich so vigilante, überschlaue Polizeihcrr als ein recht dummer Tölpel, der sich überaus leicht hineinlegen läßt, entpuppen. Womit nicht gesagt sein soll, daß ihm die gegen ihn erhobenen An- klagen nicht ganz oder doch zum theil wirklich zur Last fallen. Davon würde ihn auch nicht der„gute Eindruck", den Herr Harden von ihm erhalten hat, nicht erretten. Es war ein interessanter Verhandlungstag und man konnte zu Zeiten fast vergessen, wie schmutzig u n d m o r a st i g das Feld ist, auf dem dieser Prozeß erwachsen!— Wenn— das sei noch nebenbei bemerkt— einer der An- walte von neuem davon gesprochen hat, daß Normann- Schumann im„Vorwärts" ans- und eingegangen sei, so sei diesen Uebertreibnngen gegenüber nur aus die Ausführungen Bebel's am Freitag hingewiesen.— Nachrichte« über den griechisch-türkischen Konflikt sind heute nur ganz spärlich eingetroffen: Die von der Pforl« den Boischaftern als Antwort auf das Memorandum der Mächte überreichte Note ist in sehr entgegen- kommenden Ausdrücken gehalten. Die Note beschränkt sich auf eine Erörterung des Inhalts des Memorandums und richtet an die Mächte das Ersuchen, zu interveniren, damit die gegenwärtige Waffenruhe zu einem regelrechten Waffenstillstand« umgewandelt werde, derart, daß aus den Friede» zielende Unterhandlungen er- öffnet werden könnten. Amtlich« türkische Berichte stellen fest, daß die meisten der in dem besetzte» griechischen Gebiete vorgekommenen Uebelthaten, welche den türkischen irregulären Truppen zugeschrieben wurden, von Verbrechern begangen wurden, die durch die griechischen Truppen aus den Gefängnissen freigelassen wären. Aus Athen meldet die„Polit. Eorrespondenz", der griechische Kronprinz werde nach dem Abschluß des Friedens eine Reise ins Ausland unternehmen.(Wohl ohne Retourbillet. Red. d.„Borw.") „Morningpost" meldet au? Konstantinopel, die dortigen Bot- schafter seien vo» ihren Athener Kollegen informirt worden, daß die Lage des Königs und der königlichen Familie sehr kritisch sei. Der König bereite seine Abreise vor.—„Daily News" berichtet aus Athen, die königliche Familie verlasse den Palast nicht mehr; die Dacht des Königs stehe unter Dainpf; die Mitglieder deS Kab.nels Ralli seien eine schlechte Stütze für den König. Ter internationale Sozialismns erobert die Welt. In Europa giebt es keinen Staat, wo der Sozialismus nicht Boden gefaßt und mehr oder weniger Einfluß auf das Staats- leben erlangt hätte; in Afrika hat er in Algerien schon Wurzel geschlagen; in Amerika und A u st r a l i e n wehen die Fahnen des Sozialismus; und in A s i e n hat er auch seinen Einzug gehalten an zwei Stellen zu gleicher Zeit; in Japan und in Holländisch Indien. Durch ein merk- würdiges Zusammentreffen haben wir heute, also an einem und demselben Tage, ja mit derselben Postablieferuug über Frankreich durch die„Petite Repubtiqne" die Nachricht erhalten, daß in Japan eine sozialdemokratische Partei ge- gründet worden ist, und aus Batavia direkt die Nachricht, daß in„ N i e d e r l ä n d i s ch- O st i n d i e n" Sozia- l i st e n zusammengetreten sind, um das allgemeine sozialdemokratische Programm zu verwirklichen, und als nächstes politisches Ziel, um das allgemeine Wahl- recht für die Kolonisten und eine Vertretung der Kolonien in den Niederländischen G e n er a l st a a te n zu erwirken. Aus dem uns übersandten Flugblatt werden wir gelegentlich näheres mittheilen. Bravo! Nur immer vorwärts! «• • Deutsches Reich. — DieNationalliberalen und der Konfekt: on s- A r b e i te r s ch ntz. Bei der Beralhnng der Interpellation v. Heyl an: 12. Februar 1896 verlangte» die Nalionalliberalen ei» soforliges Eingreifen der Gesetzgebung zu gunsten der Konfektionsarbeitcr. Erhebungen hielten sie für übermässig. Jetzt scheint wieder ein anderer Wind bei dieser unbeständigen Partei z» wehen. Bei der ersten Lesung der Regierungsvorlage war der Umschlag schon voll- ständig bemerkbar. Seitdem werde» in der nationailijieralen Presse fast nur noch die Wen» und Aber der winzigen Schntzbestinnnungen erörtert. Von eine», schnellen Eingreifen ist garnichl mehr die Rede. Und doch haben die Nationalliberalen die Macht, die schnelle Ver- abschiednng durchzusetzen. Und dabei üben die Nalionalliberalen jetzt im preußische» Abgeordnetenhaus in der Beschränkung dcs Koalitionsrechls der Frauen und jugendliche» Personen eine„nütz- lichere" Thätigkeit aus. Darüber kann man die armen Konfektions- arbeiter schon vergessen.— — Professor Hüpede«, der einzige Abgeordnete, det wenn auch nicht offiziell, auf dem nalional-sozialen Boden steht, soll sich mit Ziücktrittsgedanken tragen. Königsberg i. Pr., 28. Mai.(Eig. Ber.) Hier sprach am Himmelsahrlstage Genosse Singer in einer Versamnilnng unter freiem Himmel, die von über zehntausend Personen besucht war, über die am 16. Juni stattfindende Reichstagswahl. Die Ver- fammlung, deren Zustandekommen noch im letzten Augenblick durch die Zurückziehung der Genehmigung zweifelhaft geworden war, fand, nachdem der Regierungspräsident den Landrath zur Aufhebung des Verbots angewiesen halte, in dem dicht bei der Stadt belegenen Walde unseres allenParteigenosse» Gutsbesitzers Herbig statt und verlief prächtig. Die Stimmung der Theilnehmer war so begeistert, vortrefflich, daß der während der Versammlung auf kurze Zeit niedergehende Regen der Begeisterung nicht den geringsten Abbruch zu Ihn» vermochte. Genosse Singer gedachte im Eingang seiner Rede in warmen Tankesworten des verstorbenen Abgeordneten des Kreises, und ent- rollte dann in großen Zügen vielfach von brausendem Zustimmungs- jubel unterbrochen die Aufgaben der Sozialdemokratie. Unter einein lange anhaltende» Beifallssturm schloß Redner seinen Bortrag mit der Aufforderung am 10. Juni auf dem Posten zu sein und sich den Wahlkreis nicht enlreißen zu lassen. Hierauf nahm der Kandidat Genosse Haas«, mit lebhaftem Beifall empfange». das Wort, um in packenden Ausführungen das Verhalten der gegnerischen Parteien— namentlich d«S Köniasberger Freisinns klar- zulegen. Nachdem der seinen Darlegungen folgende Beifallssturm verklimgen war, wurde von der mächtigen Versammlung e,«stimmig beschlossen, alles auszubieten, um den Wahlsieg an die Fahne der Sozialdemokratie zu heften. I» einer zweiten Resolution die in kurzen kräftigen Worten vo» Singer begründet wurde, protestirte die Versammliing ebenfalls einstimmig gegen die dem Landtag vor- liegende reaktionäre Vereinsgesetz-Novelle. Einige von dem Ardeiter- Gesangverein vorzüglich vorgetragene Kampflieder beschlossen die imposante und denkwürdige Versammlung, in welcher seit langer Zeit wieder einmal die klassenbewußten Arbeiter Königsberg's durch ihre massenhafte Anwesenheit den Gegnern das unaufhörliche Wachslhum der Sozialdemokratie»6 ooulos demonstrirt haben. Das donnernde, weit über die Felder schallende Hoch auf die Sozialdemokratie wird der Bourgeoisie nicht angenehm in die Ohren geklungen haben, für die anwesenden Arbeiter war es der Sckwur, allezeit ihre volle Schuldigkeit zu thun. Interessant ist die schriftliche Begründung der Aufhebung des Verbots ver Versammlung:„In Erwägung, daß die Volksinasse doch nicht mehr von dem Zuge nach dem Walde zurückzuhalten fein wird— Ja wohl, die Massen sind nicht mehr zurückzuhalten— das sagen wir auch!!— — Zum Kapitel der Militär- Mißhandln« gen Bebel halte in der Reichstagssitzimg vom 16. Februar d. I. bei der Berathung dcs Militäretats einen Fall von Selbstmord infolge von Mißhandlung durch einen Vorgesetzten mitgetheilt und Unter- fuchung verlangt. Es handelte sich um de» Bruder des hier in der Schönhauser Allee wohnenden Rauchwaarenhändlers Franz Marzillier, der sich anfangs August vorigen Jahres im Festungs- graben zu Königsberg ertränkte. Herr Marzillier bot alles auf, um die Gründe zu erfahren, die seinen Bruder in den Tod getrieben hatten. Das Endresultat war. daß»r vom Generalkommando des ersten Armeekorps, unterzeichnet Graf von Finckenstein, ein Schreiben erhielt, in de», es hieß: „Die Kompagnie hat auch als Grund für den wohl Zweifel« losen Selbstmord keine thatsächlich bestehende Geistesstörung an« genommen, sondern nur in Ermangelung aller andern Gründe die Vermuthnng eines Anfalls von Geistesgestörtheit(momentane Geistesstörung) ansge- sprachen. Und diese vermuthnng muß auch ausweislich der geführten gerichtlichen(inililärgerichtlichen. D. R.) Untersuchung bestehen bleiben, da gar keine Gründe, insbesondere nicht Mißhandlungen oder ander- weite schlechte Behandlung seitens der Vor- gesetzten oder Kameraden festgestellt werden konnten." Herr Marzillier beruhigte sich aber nicht bei diesem Bescheid, er fetzte seine Untersuchungen fort und erlangte von einigen mittlerweile ans dem Militärdienst entlassenen Kameraden deS Selbstentleibten Briefe, ans denen zweifellos hervor- ging, daß sein Bruder nur infolge von Mißhandlungen durch den Unteroffizier Hungs in den Tod getrieben worden mar. Bebel bracht« diese Briefe mit de» sonstigen Vorgängen im Reichs- tage zur Sprache, zwang dadurch die Vertreter der Militär> Ver- waltung zu einer nochmaligen Untersuchung, deren Endresultat folgendes Schreibe» widergiebl: Königsberg i. Pr.. den 19. Mai 1897. An Herrn Franz Marzillier, Berlin, Schönhauser Allee 70». Auf Ihre Anfrage vom 13. d. M. mird Ihnen hierdurch mitgetheilt, daß Unteroffizier Hung's der 4. Kompagnie des Grenadier-Regimeiils König Friedrich Wilhelm I wegen Miß- Handlung, Beleidigung und vorschriftswidriger Behandlung Ihres verstorbenen Bruders unter Degradation zum Gemeinen mit sechs Monaten G e f ä n g n i ß b e st r a f t i ft. Königliches Gericht der 2. Division. v. L a n g e n b e ck, General-Lientenant und Divisions-Kommandeur. Riese, Divisions-Auditeur. Ohne die ReichZtas? Erörterung wöre der Tod des Mnrzinier UNgisühnt geblieben. Der Vorgang �eigt ober o»ch mal wieder, wie augerordenllich schwer es siir die Militärbehörde» ist, selbst Fälle schwerer Mißhandlung festzustellen. Der Vorgang beleuchtet scharf die unhaltbaren Zustände im Militär-Strafprozeß-Verfahren. ,.P u t tka m e r u n." Daß obige Bezeichnung, die vor einigen Tagen im Reichstage bezüglich der Provinz Pommern ge- braucht wurde, ein boohafler aber begründeter Witz ist, zeigt, wie die„Stettiner Vbend-ZeUnng" schreibt, uns das„Pommersche Güter- Adreßbuch". In demselben sind laut Register unter de» zirka 4000 Namen der Großgrundbesitzer in Pommeru wie folgt vertreten: 41: von Pnttkaincr. 37: Holtz. 33: Schultz und Schulz zusammen. 29: von Zitzewitz. na. f von der Osten. '\ Gras v. d. Osten. oq./ Graf von Vehr. ' f vo» Behr Negeudank. 27: von Bonin. 27: von Flemming. 28: Schmidt. 23: Krüger. 22: von Borcke. 21: Müller. 29: von K Stier. Die Schulze und Müller vereinigt kommen also erst gegen die Putlkamer auf, wenn diesen sich aber noch die Zitzewitz und Köller zugesellen, schlagen sie die Schulze, Müller und Schmidt um zehn Nasenlängen, uotadorrs lauter grische! Oesterreich. — Die Obstruktion in, Abgeordnetenhause dauert ungeschwächt fort.— ttligarn. Budapest, 29. Mai. Im A b g e o r d n e t e n h a u s e war heute das Gerücht verbreitet, daß seitens der Studenten eine Demonstration gegen das Haus vorbereitet sei. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung erklärte der Abgeordnete Olay, daß die Polizei den Keller des Hauses besetzt halte und durch ihre Beamten auch das Haus selbst zerniren lasse. Redner verlangt deswegen eine Unter- b r e ch u n g der Sitzung, um die Sache zu untersuchen.(Großer Lärm links.) Vizepräsident Lang erwiderte, er iverde während der ersten Pause eine Untersuchung veranlassen. Olay besteht darauf, daß dies sofort geschehe. Der Abg. Madarasz erklärte, daß er den Verhandlungen nicht beiwohnen werde, falls die Sitzung nicht zu- nächst unterbrochen würde. Der Abgeordnete Gajary bemerkte, daß die Anwesenheit der Polizei als eine Vorsichtsmaßregel gegen die beabsichtigte Demonstration zu betrachten sei. Der Präsident unterbrach darauf die Sitzung und zog bei dem Kommandanten der Polizei Erkundigungen ein. Nach Wieder- eröffnung der Sitzung erklärte der Präsident, daß der Vertreter der Polizeibehörde die Versicherung abgegeben habe, daß im Hause nicht mehr Polizisten anwesend seien, als gewöhnlich.(Stürmischer Beisall rechts.) Hiermit war der Zwischenfall erledigt; es wurde in die Tagesordnung eiirgetreten und die Berathungen über den Gesetz- entwurf betreffend die Diurnisten begonnen.— Frankreich. Paris, 26. Mai.(Eig. Ber.) Die Debatte über die Er- Neuerung des Monopols der Bnnqne de France hat mit einer glänzenden Rebe des sozialistischen Abg. Viviani begonnen. Die Regierungsvorlage, ganz nach den Wünschen der Bankmilliardäre zugeschnitten, ist von dem Kammerausschuß, i» welchem ein Rouvier das große Wort führte, so gut wie unverändert angenommen worden. Sie ist im wesentlichen eine Wiederholung der 1892 vom seligen Panamisten Burdeau ausgearbeiteten Vorlage. Das Monopol wird für 23 Jahre erneuert mit dem Recht der Zurückziehung desselben nach 15 Jahren; anstatt der bisherigen fixen Abgabe von 2 Millionen Mark soll eine mit dem Betrag der produktiven Banknoten- Zirkulation variirende Abgabe erhoben werde», deren Höhe der Finanzminifter auf ca. 3>;s Millionen Mark jährlich schätzt. Ganz illusorisch ist das weitere Zugeständniß der Bank, für de» bisherigen Vorschuß an den Staat(112 Millionen Mark) keine Zinsen zu er- heben, da der Staatsschatz stets bei der Bank auf laufender Rech- nung ein Guthaben von einem bedeutend höheren Betrag hat, ohne dafür Zinsen zu berechnen. Die Bank verzichtet also, wie Viviani höhnisch sagte, ans etwaS, was man ihr nicht schuldig ist. Und »nler welchen Bedingungen hatte die Bank den Vorschuß bewilligt? Das erste Mal war eS fünf Tage vor dem Staatsstreich vom 2. Dezember 1851,»nd Napoleon III. belohnte die Bank wenige Tage nach dem Staatsstreich damit, daß er die unter der Julimonarchie gesetzgeberisch vorgesehene Klausel betr. Zurückziehung des Monopols im Jahre 1855 vermittelst eines Dekrets annnllirle. 1857 schoß die Bank dem zweiten Kaiserreich 69 Millionen vor, als Gegenleistung wurde aber das Monopol im gleichen Jahre— 19 volle Jahre vor dessen Ablauf— erneuert. 1878 wurde ein Vorschuß von 69 Millionen mit der Aushebung der Stempelsteuer auf die Banknotenzirkulation bezahlt, eine Steuer, die dem Staate jährlich 3 Millionen einbrachte. Die Vorschüffe au den Staat waren also jedesmal für die Bank ein äußerst profitabler Handel... Aufs empfindlichste trafen die Regierung die kritischen Pfeile des sozialistische» Redners gegen das Zugeständniß der Bank zn gunsten der Land- wirthschast. Herr Meline, der„Vater der Landwirthschaft". wollte von der Bank nichts weiter zu erlangen als einen zins- sreien Vorschuß von 49 Millionen Franks, welcher Betrag, um die jährliche Abgabe von 4 Millionen allmälig anwachsend, in einer unabsehbaren Zukunft die Einrichtung eines billige» Agrarkredites ermöglichen soll. Bis dahin kann die ganze„Landwirthschaft" bankrott werde». Viviani stellte nun die fortwährenden deina- gogische» Versprechungen Meline's an den Bruder Bauer seine» Thatea gegenüber und nannte ihn den„Syndikus des landmirthschastliche» Bankrotts". Im Namen der sozialistischen Partei begründet« schließlich unser Redner die Aushebung des Monopols, welches einem Häuflein Millionären 24 Millionen jährliche» Gewinn zuschanzt, und die Schaffung einer National- dank. An den Erfolg dieses Antrages ist natürlich nicht zu denken. abe» doch die verschiedenen Geldsackministerie» absichtlich mit der inbringung der Bankvorlage bis zur elften Stunde gewartet(das Monopol läuft mit Ende dieses Jahres ab), um beim Parlament eine»»besehene Annahme derselben zu erzwingen. Die sozialistische Fraktion wird indcß dafür sorgen, der Bankokratie und ihren Hand. laugern den Sieg recht sauer zu machen.— — Die Bimetallisten hielten ihren nationalen Kongreß ab. An dem darauf folgenden Bankette nahmen auch der Minister- Präsident und der Handelsurinister theil. Man war voll Zuversicht, daß die volksausbeutenden Pläne der Bimetallisten in nicht zu serner Zeit realisirt werden könnten.— — Der Feldzng des französischen Stumm gegen die Glashütte der Arbeiter ivird mit ungeschwächtem Eiser sortgesetzt. Es werden dabei zwei Methoden befolgt. Erstens sprengt man mit Hilfe der Polizei und bezahlten Lumpenpacks die sozia. Iistifdien Versammlnnge» und verhindert den Vertreter von Carmaux und Aldi, Genoffen I a u r ä s, am'Reden.1 Zweitens verbreitet man Lügen über die Glashütte der Arbeiter— es herrsche dort Tyrannei, die Arbeiter würden schlecht bezahlt, die„Führer" lebten in Saus und Braus, die Betriebsmittel fehlten, das Geschäft werde bald ei». gehen müssen u. s. w. Und für alle diese Lügen nnd Ver- leumdungen müssen als Kronzeugen ein paar„anarchistische" Schnapsbrüder herhalten. Jetzt ist wieder einmal ein« Hunger- revolte der schlecht bezahlten Lohnskaven der Sozial- demokratie ausgebrochen und der Bankrott steht vor der Thür. Diese Schanermär geht jetzt durch di, ganze Kapitalistenpresse Frankreichs, und wird verinuthlich auch demnächst in die deutsche kommen— ist aber alleS nicht wahr. Die Glashütte hat gute Kundschaft und ist ans dem besten Weg, ihre sehr schwierige Ans- gäbe zu lösen, weil die Gründer so vernünftig waren, von vorn- herein»topistische Ueberschwänglichkeiten zurückzuweisen und sich nur mögliche Ziele zu stecken. Die Bestellungen nehmen fort- während zu, und seit dem Beginn des Geschäftsbetriebes im Januar hat der Absatz sich stetig vermehrt. Nach einem Artikel vonJauros in der heutigen„Petit-Republique" wurden im Januar 27 999 Flaschen verkaust, im Februar 99 999, im März 139 999, im April 293 999; und der Mai wird eine noch größere Zunahme des Absatzes aufu'eisen. Die beiden in Betrieb stehenden Oese» genügen nicht mehr, es wird ein dritter errichtet. Die »öthigen Fonds— 190 999 Franks— werde» durch neue Bons zu 5 Franks, die in Arbeiterkreise» rasch Abnahme finden, aufgebracht. Am Tage, wo der dritte Ofen eingeweiht wird, muß der Leib- arzt des französischen Stmnm, Resssgnier, ans dem Posten sein, da- mit sein Klient nicht vor Wuth platzt.— England. London, 28. Mai. Die irische P a r l a in e n t S p a r t e i nahm heute in einem Meeting einen Beschlußaulrag an, in welchem sie die Beschwerden Irlands aufzählt und beschließt, an der Feier des Jubiläums der Königin nicht theil zu n eh m e n.— Italien. Rom, 29. Mai. Prozeß A c c i a r i t o. Der General- staatsanwalt stellte den Strafantrag, bei dessen Begründung er aus- führte, daß der Mordanschlag ei» vorbereiteter gen'esen sei und daß es sich um ein anarchistisches Komplott handele. Acciarito hörte die Ausführungen des Slaatsanwalls gleichgiltig und un- beweglich an. Nach dem Staatsanwalt sprach der Vertheidiger, der die Zubilligung mildernder Umstände befürwortete. Nachdem der Präsident das Resümee der Verhandlung gegeben, sprachen die Ge- schworenen Acciarito schuldig. Der Gerichtshof verurtheilte den- selben alsdann zu lebenslänglicher Zwangsarbeit und N e b e n st r a s e n. Der Verurtheilte, der bisher eine zynische altung bewahrt hatte, rief nunmehr aus:„Heute mir, morgen der onrgeoisie-Regiernng! Hoch die Revolution, hoch die Anarchie!" Auf den Geisteszustand hat man merkwürdigerweise den Attentäter nicht untersucht.— — Cri spi läßt, wie dem Crispi freundlichen„Berl. Tagebl." ans Rom gemeldet wird, bekannt machen, daß er das gesummte Mobiliar seiner hiesigen Villa versteigert. Es heißt infolgedessen, daß der frühere Premierminister sich in Geldnoth befinde. War es nicht vielleicht nur eine Finte und will etwa Ehren- crispi seine zusammengcgaunerten Millionen in Ruhe im Ausland verzehren?— — Ausweisung eines Anarchisten. Auf Befehl des Ministerpräsidenten Rudini wurde der belgische Bäcker Heinrich Bruwes„wegen anarchistischer Umtriebe" aus Genna ausgewiesen. Bruwes war erst vor einigen Tagen aus Barcelona gekommen, von wo«r gleichfalls als Anarchist ausgewiesen wurde, nachdem er zehn Monate in Untersuchung gewesen war, weil man ihu für einen Theilnehmer au dem bekannten Bombeuattentat in Barcelona hielt. Nachdem sich seine Unschuld herausgestellt hatte, jagte man ihn ans dem Lande. Der von Land zu Land gehetzte Mann ist nun mit seinen beiden Kindern nach der Schweiz gewandert.— Spanien. Madrid, 29. Mai. Die K a in m e r nahm in ihrer gestrigen Sitzung mit allen gegen zwei Stimmen den Antrag an, dem K n b i n e t Indemnität zu ertheileu für die Politik, welche daffelbe während der Zeit verfolgt hat, wo das Parlament nicht tagte. Der Senat hat die Vorlage betreffend Festsetzung der Mann- schaftsstärke des Heeres und der Marine angenommen. Wie von Seiten der Ministeriellen verlautet, soll der Minister- Präsident Canovas del Castillo beabsichtigen, in der n ä ch st e n Woche die Session der Cortes zu vertagen und die Umbildmig des Ministeriums bis zum Oktober zu verschieben.— Norwegen. Christiania, 29. Mai. Der Ausschuß des Storthings zur Vorberathung der Frage der Einsetzung von Schiedsgerichten b e i K o n f l i k t e n mit fremden Mächten hat eine Adresse an den König vorgeschlagen, in welcher es heißt, weil Norwegen ans grund seiner Lage Konflikten mit fremden Mächten wenig ausgesetzt sei, erscheine es nicht schwierig, Verträge abzuschließen betreffend Errichtung eines sestorganisirten Schiedsgerichtes. Der Storlhing ersuche den König, die nölhigen Schrille zur Förderung dieser Sache zu veranlassen.— Rttszlond. Petersburg, 25. Mai.(„Köln. Ztg.") Am Freitag wurde ein im Parck von Zarskoje Selo gegen den Zaren geplanter Revolver- An schlag vereitelt. Der Kaiser macht täglich bei gutem Wetter, und meist zur nämlichen Stunde, eine» Spazierritt im Park, zu dem er selten einen Begleiter mitnimmt. Am vorigen Freitag fiel einem der den Park abpalroullirenden Geheimpolizisten ein plötzlich in dem Hauptreitn'ege auftauchender gut gekleideter Herr auf, der, als der Polizist ihn sich näher ansehen wollte, im Gebüsche verschwand. Er hatte sich dort versleckt, wurde aber von dem Poli- zisten, der Hilf« herbeigerufen, aiisgestöbcrt und setzte sich anfangs zur Wehre. Ileberwältigt und in Gewahrsam gebracht, wurde er unter- sucht, und man fand bei ihm«inen sechsläufigen geladenen Revolver und einen geschliffenen Dolch, lieber seine Persönlichkeit, die auch noch nicht sestgcstellt werden konnte, verweigerte er bicher jede Aus- knnft, gab aber zu, daß er den Kaiser, der wirklich zehn Minnten später über Hanplweg daherritt, halte erschießen wollen. Man glaubt in dem Verhafteten einem geistig Gestörten gegenüber zu stehen.— Wie ein weiterer Drahtbericht vom 27. Mai meldet, wird der Verhaftete in seinem Gewahrsam unausgesetzt von Aerzten beobachtet und es scheint sich zu bestätigen, daß er irrsinnig ist. Amerika. Washiugtou- 23. Mai. Senat. Senator Tillmann brachte eine Resolution ein, in welcher beantragt wird, einen Ausschuß ein- zusetzen, welcher untersuchen soll, ob Senatoren in Zucker spekultrt habe», und ob Spekulanten in Ne>v- Aork vorzeitige Informationen bezüglich des ZuckertariseS erhalten haben. Senator Aldrich wies die Beschuldigungen zurück. Die Resolution wurde dem Zlusschuß überwiese». — Ein fchlesischeS Arbeitcr-Eldorado. Unter diesem Titel haben wir in unserer Nr. 122 Angaben des„Lanbaner Tageblaltes" über Zustände auf dem Gute deS schlesischen Zentrunis- Grasen Strachwitz reproduzirt. Graf v. Strachwitz läßt sich nun in der„Schlesischen BolkS- Zeitung" zn einem Dementi herbei, wonach alle Angaben des„Lanbaner Tage- blattes" unwahr wären. Wir halten es für eine journalistische Anstandspflicht, hiervon Akt zu nehmen und sind begierig, wie das „Lanbaner Tageblatt" sich zn rechlferligen gedenkt.— Z!>rozeH t». tEauftfe— Mthom. (Schluß aus der I. Beilage.) v. Tausch und seine Ressortminister. Präs.: Angekl. v. Tausch, eS wird von Interesse fein. an. gesichls dieses Zeugen nochmals von Ihnen zu hören, aus welchem Grunde Sie bei Ihrer Rücksprache mit dem Zeugen nichts davon y e s a g t h a b e n. daß Sie schon im Austrage des Kriegsministers Recherchen über diese Angelegenheit angestellt haben. Der Angeklagte u. Tausch fübrt aus, daß er sei»» Mitlheilungen unterlasse» habe, weil er den Polizeipräsidenten v. W i n d h e i m beim Minister antras. Ich konnte unter diesen Umständen über den Kopf meines Chefs hinweg nichts derartiges mitlheilen.— Zeuge: Ich verstehe die Empfindungen des Poiizeikommissars, daß rr mir als feinem höchsten Chef nicht Mit- »Heilung macht, wenn er seinen eigenen Refforlchef im Vorzimmer trifft. Ist dies aber nicht der Fall, so würde allerdings ein Polizei. kommissar, der so gegen seinen obersten Chef handelt, pfluhtvergesse» Handel». Bronsart v Schelleudorf....... Der ehemalige Kriegsminister giebl eine ausführliche Darlegung über die B-ziehuugen v. Tausch's zum Kriegsministerium und speziell über sei» Verhalten bei der Recherche nach dem Artikel der Müneheuer„Neuesten Nachrichten" über die Militär-Strafprozeß- Reform. � v. Als ich, so führte er aus. den Befehl gab, die politische Polizei zu Recherchen über das Telegramm der„Münch. Neueste Nachrichten" heranzuziehen, kam es mir nicht darauf an, etwa Unschuldige vor falschen Beschuldigungen zu be- wahren, oder einen meiner Kollegen polizeilich umschnüffeln zu lassen. Mir kam es darauf an, den Verfasser der Depesche zu ermitteln, denn der Artikel, der manche grobe Unrichtigkeiten enthielt, hatte unglaubliche Preßtreibereien gezeitigt und auch mich in den Verdacht gebracht, den Artikel inspirirt zu haben. Man zerbrach sich den Kopf, wie es möglich sei, daß über eine Staatsministerialsitzung Mitlheilungen in die Presse kommen konnten. Da mußte Indiskretion vorliegen. v. Tausch deunuzirt v. Köller bei v. Schellendorf. Nach allerlei falschen und Hinsälligen Meldungen v. Tausch's meldete mir Oberstlieutenant Gäbe mit dem Ausdruck der höchsten Ueberraschung, daß nach der Meldung v. Tausch's die Depesche ans dem Ministerium des Innern stamme. Der Minister v. Köller intrignire gegen mich und bediene sich dazu eines Subalternbeamten. Ich bcailstragle Herrn Gäde, dem Herrn v. Tausch hierüber meine Zweifel mitzutheile», wenn mir jemand ein Bei» stellen wolle, iverde er nicht den Umweg über München dazu nehmen. Es sei außerdem unmöglich, daß w e n n e|i n hoher Würdenträger gegen einen anderen intrignire. sich dazu eines S u b a l I e r n b e a m t e n bedienen würde. Gäde berichtete als das Endergebniß seiner Unterredung mit v. Tausch folgendes: v. Tausch bleibe dabei, daß die Sache richtig sei. Bei solchen Preßintriguen komme es häufig vor, daß man einen Callon ck'essaie losläßt, auch von crnßerhalb, daß man auch oft absichtlich mitunter falsches dazwischen mische, um auf diese Weise offiziöse Berichtignngen hervorzurufen, v. Tausch habe weiter gesagt, daß es auch kein Subalternbeamter sei, dessen sich v. Köller bediene, und daß nach der Auskunft seines Agenten v. Lützow der Polizeirath Eckhardt derjenige sei, der d i e F ä d e n der ganzen I n t r i g u e in Händen habe. Der Agent v. Lützow habe mich hinzugesetzt, daß er alle diese Mit- theilnngen von einem Herrn Kn kutsch habe, dem er dafür 59 M. gezahlt habe. Hiernach wurde ich— so führt der Zeuge fort, doch zweifelhaft, ob ich recht hatte, die Möglichkeit einer solche» Jntrigne ganz von der Hand zu weisen, wenn ich auch über Zweck und Ziel einer solchen nicht klar war. Jchbedauere, dies hier sagen z n m ü s s e n, da es aber im Staatsinteresse liegen soll, diese Tinge öffentlich zu verhandeln, so muß ich es sagen. Ich ging dann zu Frhrn.».Marschall, der mir sofort sagte, daß es unmöglich sei, daß Herr v. Köller solche Jntriauen anzettele. Ich bat Herrn v. Marschall, auf diplomatischem Wege de» Korrespondenten in München zn ermitteln. Dies geschah mich bald und es war absolut fest- gestellt, daß keine Spur eines Verdachts aufHerrnv.Köller ruhte. Wir waren also überzeugt, daß Herr v. Tausch durch seinen Agenten betrogen und wenigstens uni 59 M. geprellt worden war. Es war nicht von großer Be- dentilng von uns, daß v. Tausch dann noch die angebliche Quittung des Knkutsch brachte. Wir brauchte» sie nicht. Herr v. Tausch, dem nach mir gewordenen Mittheilungen die ganze Affäre außerordentlich unangenehm war, hat sie wohl gebracht, um zn zeigen, daß er der Betrogene sei. Er sprach ivohl auch den Verdacht aus, daß die Quittung nicht echt sein möchte. Ich sagt« ihm, das ginge mich weiter nichts an, was er mit dem Agenten zu thim habe, nnisse er selbst wissen. Irgend welche Andeutungen, aus denen v. Tausch entnehmen konnte, daß es sich um ganz sekrete Ermittelungen handle, die er im Staatsiuteresse ganz geheim zu halten habe und die es verboten, daß er gegen v. Lützow Strafanzeige erstattete, habe er nicht gemacht. Die anonyme Karte. Nach einer Reihe von Frage» des Dr. S ch w i n d t, die sich auf die Glaubwürdigleit des Angeklagten v. Tausch beziehen, bringt Rechtsanwalt Dr. Sello die Erörternug auf die anonyme Karte.— Zeuge: Die anonyme Karte war für uns keine anonyme Karte. Herr v. Tausch sprach mir gegen» über den Wunsch ans, daß in dieser ganzen Aktion die politische Polizei möglichst wenig genannt werde. Ich fand diese» Wunsch sehr begreiflich und es entsprach auch meinem persön- lichcn Jnleresse. Die Ltücksichl auf die unbescholtenen Herren im Lilerarischcn Bureau brachte» die Idee zu stände, die mündlich genannten drei Personen schriftlich zu fixire». Es ist kein« anonyme Karte im schiechten, niederträchtige» Sinne des Worts, es war mir eine Art Aktenvermerk, eine ganz harmlose Sache, von der nicht einmal Gebrauch gemacht wurde, da der Minister des Innern die drei Herren ohne weitere? zu der Ber- nehnnmg gestellt habe. Gesammteiudruck Bronsart'S. Dr. S ch>v i u d l: Hat der Herr Zeuge nun ans allem, waS er erfahren, den Eindruck, daß es sich in dieser ganzen Cache um eine Jntrigne d e S K r i m i n a l k o m m i s f a r i n s v. Tausch gegen den Minister v. Koller handelte?— Zeuge: Ich meine, daß dies gegen den gesunden Menschenverstand verstoßen würde. Ich habe es i»ir bis jetzt nicht erklären können. Wenn es mir be- wiesen wird, werde ich es glauben müssen, einstweilen glaube ich eS noch nicht.(Heiterkeit.) Obcrst Gäbe. Dieser Zeuge bearbeitete seiner Zeit im KriegSministeriuin die Preßaugelegenheitcn nach der Direktion des Kriegsministers. Der Geschäftsverkehr mit Herrn v. Tausch bestand damals l'/e bis 2 Jahre, Herr v. Tausch hatte sich»ach Gäde's Aussage stetS als ein durch- aus zuverlässiger und bcauchbarer Mann erwiesen. Weder der Kriegsminister' noch er selbst hätte» sich jemals darum bekümmert, welche Mittel Herr v. Tausch bei der Ausführung seiner Aufträge anwandle, sie hätten sich wohl gehütet, in die Interna der Polizei einzudringen. Auch der SlnSgang der hier in Frag« kommende» Angelegeuheit dabe das Kriegsministerium nicht veranlaßt, die Verbindung mit Herrn V.Tausch abzubrechen. Ma» war der Ansicht, daß Herr v. Tausch dem Kriegs- mlmsterinm gegenüber völlig bona fide gehandelt habe und von seinen Agenten betrogen worden sei. In der Darstellung des Auftrages an v. Tausch stimmt der Zeuge mit dem Borzeugen überein. Ein Verdacht gegen den Minister v. Köller sei bei der Erlheilnng des Auf- träges nicht ausgesprochen worden. Um so über- raschender war die Mittheiluug des Herrn v. Tausch, daß er es nun ganz bestimmt herausgebracht habe: es handele sich um»ine beivußte Jnlrigue des Ministers v. Köller gegen den Kriegsminister. Er habe aber die Behauptung aufrecht erhalten und hinzugefügt, daß ihm sein Agent v. L ü tz o w diese Meldung auf grund von angebliche» Mittheilungen Kuknlsch's auf das bestimmteste gemacht habe. Die Sache spielte sich am 9. oder 19. November ab, bis zur Vernehmung der Herren vom Literarischen Bureau vergingen etwa 19 Tage, in dieser Zwischenzeit hat Herr v. Tausch seine Behnnptnng, die Sache sel eine Jntrigne des Herrn von Köller, aufrecht erhallen und alle Zweifel »nd Einwendungen des Kriegsministers zu widerlegen versucht, unter dauernder Berufung auf Lützow, der ein sehr sicherer Mann sei. Ter von dem Agenten angeregte Verdacht gegen Kukulsch war mit der Vernehmung des letzteren selbst sofort verschwunden, mir demselben Augenblick war sowohl der Kriegsminister wie der Zeuge selbst der Ueberzeugmig, daß v. Tausch durch den Agenten Lützow beschwindelt worden sei. Ob die 59 M. dem v. Tausch sosorl, oder wie dieser behauplet, erst jpäler gegeben worden sind, nachdem dieser daS Geld ausgelegt. weil der Zeuge zuerst nicht, eS wird ihm aber nach und nach klar, daß in der That da? letzter« der Fall war. Die Quillung hat n. Tausch sich beschafft, nachdem er gesehen, daß er durch Lützow dupirt worden. Es geschah dies aus eigener Initiative Tausch's, der sich damit wohl dem Kriegs- Ministerium gegenüber reinigen wollte. Gerade das Verhalten des letzteren in der Quittungs» ongelegenheit ist für den Zeugen das überzeugendste Moment dafür �eivesen, daß Herr v. Tausch mit dem Lützow nicht u n t e r e i n e r Decke spielte. Er hat sich auf grund der That- .fachen die volle Uebcrzeugung gebildet, daß Herr v. Tausch in dieser Angelegenheit ganz rein und makellos dastehe. Als v. Tausch die Quittung brachie, hat er sofort von selbst die Möglichkeit angeregt, daß sie falsch sein könnte, obwohl die Unterschrift sehr geschickt nach- gemacht ,var. Auch dieser Zeuge erklärt, daß er dem v. Tausch gesagt habe, das Kriegsmiuisterium mache in der Sache nichts weiter, es habe kein Interesse daran, weitere Schritte wegen der Quittungsfälschung zu thun. Es sei wohl möglich, daß v. Tausch aus dieser Bemerkung die Schlußfolgerung gezogen habe, daß es das beste sei, wenn auch die Polizei die Sache ruhen lasse.— Auf Befragen des St.-A. Dr. Eger erklärt der Zeug«»och: v. Tausch habe Herrn Eckhardt als einen sehr schlechte» Mensche» geschildert, dem man alles zutrauen könne. Psychologisch habe er das angebliche intrigante Vorgehen des Ministers v. K ö l l e r dahin erläutert: v. Köster sei gegen den Kriegsminister deshalb animoS, weil dieser in der Vertretung der Umsturzvorlage mehr Erfolg gehabt habe, wie er selber.— Auf Vorhalt des Rechtsanwalts Dr. S e l l o giebt der Zeuge die Möglichkeit zu, daß v. Tausch aus seinem Ge- spräch mit ihm vielleicht die Ansicht habe schöpfen können, daß der Kriegsminister damals schon einen Verdacht gegen Herrn v. Koller hegte. Damals kam aber höchstens eine harmlose Jndiskretio» in Frage, während nach den späteren Eröffnungen v. Tausch's eS sich plötzlich um eine bewußte Jntrigue handeln sollte. Fräulein Weuz. Nachdem Rechtsanwalt Lubszinski und Rechtsanwalt Dr. Holz noch eine Reihe von Fragen gestellt, die sich auf die recht- liche Konstruktion des Betruges und der Urkundenfälschung, deren v. Lützow beschuldigt wird, beziehe», wird noch die ans Warschau hierher gekoniniene Zeugin Frl. Weuz vernommen. Sie kann nicht behaupten, daß die Quitiung an demselben Abend geschrieben worden sei, wie der Versbrief. Sie hat die anonymen Briefe an Schumann im Auftrage v. Lützow geschrieben, in welchen jenem angerathen rvurde, schleunigst Deutschland zu verlassen. Normann- Echirmann kannte, wie v. Lützow sagte, seine Handschrift und des» halb schrieb er nichl selbst. Ob v. Lützow ihr gesagt hat, daß ihn Tausch beauftragt habe, die Quittung mit dem Namen Kukutsch zu unterschreiben, weiß die Zeugin jetzt nicht mehr. Um 6'/e Uhr vertagt der Vorsitzende die Sitzung auf Montag v Uhr. Dr. Große wünscht'berichtigt, daß der angebliche Assessor v. Ackernrann nicht über einen Artikel der„Müuchener N Nachr." Auskunft haben wollte._ Alö ReichstagSkandidaten wurde» aufgestellt: für den KreiS Reichen dach- Neu rode der bisherige Kandidat Genosse A u g. Kühn in Langcnbielau; für den Kreis Hirschberg- Schönau Genoffe Franz F e l d m a n n in Langenbielau. Die Frage der Stellung unserer Partei zu den prenstischen Laudtagöwahle» gab der in L a n g e u b i e l a» am Donnerstag «dgehaltenen Parteiversammlung der Geuossen des Kreises Reichen- bach-Neurode Anlaß zu einer lebhasten Diskussion. Im all genieinen sprach man sich, ivie uns geschrieben wird, für die Be- theiligung ans; doch rvurde vor etwa übertriebenen Hoffnungen ge- warnt. Die Versammlung nahm einen Antrag an, wonach der s ch l es i s ch-p o se n f ch e Partei lag, der zu Pfingsten i» Langerrbielau abgehalten wird, Stellung zu dieser Frage nehmen soll. R«S Wrirzc» wird uns geschrieben: Das freisinnige Wahlkomitee des Ober bar» im er Kreises machte bekannt, daß am Sonntag, den 23. d. M., abends 8 Uhr, eine Protestversamm- hing gegen die Vereinsgesctznovelle in Wriezen stattfinden würde. Da uns ei» größerer Saal nichl zur Verfügung steht, so beschlossen wir, in dieser Frage mit den Freisinnigen gemeinsame Sache zu machen und die Parteigenossen anszufordcrn, die Versammlung zahl- reich z» besuche» und sich dem Protest anzuschließen. Gleich bei Beginn der Versammlung erklärte der Vorsitzende Herr Rechtsanwalt Eandberg aus Ebersivalde, daß, wer sich nicht ruhig hier verhalt«, einfach'rausfliege!— Eine schöne Einleitung zum Bersammlungsgesetz. Trotzdem von unserer Serie gegen die Bureauwahl protestirt wurde, gaben wir uris doch zufrieden, um die Sache nicht zu stören. Nun ergriff Herr K o p s ch. Reichstags- Abgeordneter, daS Wort, um, wie wir erwarteten, gegen die neue» Reaktionsgelüst« zu polemisiren und der Versammlung die Gefabren deS geplanten neue» Gesetzes klar zn machen. Wer aber anch nur irgend etwas von dem Thema herausköre» rvollte, täuschte sich gewallig. HerrKopsch hielt nämlich eine vollständige freisinnige Kandidaten- und P r og r a m m r e d e. In der sehr kurz bemessenen Dis- kussion wies Genosse Salomon ans diese Schrnäche des Referats hin und polemisirt« gegen die freisinnige Partei. Hierauf erklärte Herr Sandberg, daß es richtig fei, daß Herr Kopsch nicht zum Aereiusgesetz gesprochen, sondern e r habe ihm das f eivünschte Thema aufgegeben. Auch sei es richtig, daß Herr Kopsch ür die kommende ReichstagsMahl als Kandidat»otirt gewesen, jedoch habe man sich aus Herrn Stadtrath W i e m e r in Berlin geeinigt, der auch gleich vorgestellt wurde. Herr Wie», er, ein sehr beweglicher Herr, memte nun, daß heute kein Platz dazu wäre, sich zu befehden, aber im nächsten Jahre werde er„bis auss Messer kämpfen". Wir sind hier der Meinung, daß rvir auch ohne Messer mit de»» Herrn auskommen werden. Zum Schluß wurde eine vereinbarte Resolution an das Abgeordnetenhaus abgesandt. Auf daS Konto unserer Partei»vird von Seite der Kreise, die Ursache zu haben glaube», sich durch die Gründung des deutschen Eisenbahner- Verbandes in Hamburg beunruhigt zn fühlen, die Errichtung dieser Organisation gesetzt. In der„Kölnischen Zeitung"»vird sogar frischweg behauptet, daß für die Agitation jene? Verbandes zweifellos die Zentralknsse unserer Partei größere Summen hergegeben habe. So schmeichelhaft es nnn auch für die sozialdemokratische Partei ist, von den Herren am grünen Tisch und ihre» publizistischen Handlangern die Rolle der Vertheidigerin auch der im Staatsdienst« beschäftigten Arbeiter als etwas ganz Selbstverständliches zuerkannt zu bekommen, so muß im Interesse der geschichtlichen Wahrheit doch die Unterstellung zurück- gervies«» werden, die sozialdemokratische Partei habe mit dem deutschen Eisenbahner-Berband etwas zu thun. Weder ist die Partei- leitung bei der Gründung des Verbandes u», ihre Meinung befragt worden, noch hat sie mit der Agitation für diesen finanziell oder sonstwie etwaS zu schaffen. Und dasselbe gilt von der Partei- Organisation überhaupt. Die Eisenbahner- Bewegung ist rein spontan entstanden. Besäße die Bureaukratie die Fähigkeit, die Dinge so zu sehen wie sie sind, sie wäre, anstatt die Sozial- fdemokratie für die Eisenbahnerbewegung verantwortlich zu mache», längst dahinter gekommen, daß lediglich sie und das System, dem sie dient, die Schuld daran tragen, daß das Proletariat der Eisenbahn- betriebe sich zu vereinigen versucht, um durch die Organisation eine «irklich« Verbesserung seiner Lage zu erreichen. Unseren Parteigenossen in Pieschen bei Dresden war in den konservative»„Dresdener Nachrichten" nachgesagt worden, sie bezahlten die Gemeindesteuern nicht so regelmäßig als die Beiträge zur Partei. Dieser Flunkerei tritt in dein genannten Blatte der Gemeindevorsteher Pieschens in einer kräftigen Erklärung «»tgegen, worin es u. a. heißt, daß gerade der gute Eingang der Steuern für dieses Jahr eine Steuerherabsetzung möglich gemacht hat. Ein Kongreß sozialistischer Gemeindevertreter wird zu Pfingsten im„Maison du Peuple" in Brüssel abgehalten. Die belgischen Gemeindevertreter haben sich, wie wir seinerzeit mit- theilten, zu einem Bund(„Federation") zusammengeschlossen, imd einen besondere» Sekretär angestellt, um Erfahrungen aus dem Gebiete der konnnunale» Verwaltung auszutauschen und Einheitlich- keit im Vorgehen zu ermöglichen. Polizeiliches, Gerichtliches it. — Ein neuer Prozeß wegen„groben Uirsugs" ist gegen den Redakteur des„Süddeutschen Postillons", Genosse» Ed. Fuchs in München, anhängig gemacht. Durch ein Gedicht über Bismarck's Hund„Rebekka" soll„Aergeruiß" erregt sein. GemevkfchÄftlicheS. Berlin nnd lliiigcbniig. Achtung, Schuhmacher! Die Sperre über den Hof-Schnh- macher Bockwinkel, Friedrichstr. 4ö, dauert fort. Agitations- kom Mission der Schuhmacher Berlin?. Den Mitgliedern des Verbandes der in HolzbearbeitungS- fabriken und a»f Holzplätze» beschäftigten Arbeiter zur Kennt- niß, daß die für den 7. Juni in An-sickl genommene Versammlung auf den 81. Mai verlegt ist.(Näheres siehe Inserat.) Der Vor- stand. Den Mitgliedern deS Verbandes asser i», Handels- nnd TrauSportgcwerbe beschäftigten Hilfsarbeiter zur Nachricht, daß der Vorstand in seiner Sitzung vom 21. d. M. beschlossen hat, den Bureaubeanrten Arthur Pölitz seiner Aemter zu entheben. Ucber die Gründe dieser Maßregel wird der Vorstand in der am Dienstag, de» 1. Juni(siehe Inserat in heutiger Nummer), stattfindende» Generalversammlung Bericht erstatten. Wir bitten um zahlreiches Erscheinen. Der Gesninmt-Vorstand. I. A.: Emil Putzer, Vors. Deutsches Reich. Der Zentralverein deutscher Former hält am 1. Pfingst- seierlag nnd folgende Tage in Hannover im„Ballhoj" seine 2. ordentliche Generalversammlung ab. Tie GeschäftSleitnng der Steinarbeiter Teutschlands fordert die Fachgenosien auf, die Kongreßbeschlüsse zu beachte», die das V o r g e h e n bei Streiks regeln. Tie GeschäftSleitnng erklärt ausdrücklich, daß sie in Zukunnfl vor Ablauf der zweite» Woche keine Unterstützung gewähren»verde. Achtung, Töpfrr! In H a n n o v e r ist die im Ofengeschäst von P r a l e r beabsichtigt geivesene Lohnreduzirung infolge des ein- müthigen Zusammenstebens der Töpfer unterbliebe». Auch wurde die Entlassung der bereits eingestellten Streikbrecher durchgesetzt. Die Sperre dieses Geschäfts ist de-halb wieder aufgehoben. Ter Vorstand deS Zentralverbandes der Töpfer Deutschlands. Die Maurer Teutschlands, insbesondere die der Mark Brandenburg, werden von den Kameraden in Bielefeld, die seit 8 Wochen im Streik stehen, dringend»in Vermeidung des Zuzugs gebeten. Di« Unternehnrer jener westfälische» Stadl suche» auf alle mögliche Weise, durch Annoncen, Agenten:c., Ersatz von auswärts zn beschassen und karge» dabei nicht mit Ver- sprechungen. Um so nölhiger ist es, die Indifferenten auf die Pflicht der Solidarität ausmerksam zu machen. Die Maurer Bieleields kämpfe» um die g>/sstündige Arbeitszeit und um 45 Pf. Stundenlohn, wahrend die UilterneHnur verlangen, daß elf Stunden gearbeitet werde! In Liickciiwalde hat die Lohnbewegung der Holzarbeiter mit der Beu>iUig>i»g der Forderunge» geendet. Die Maurer be-' schlössen am Mittwoch, aus allen Barrien, wo länger als 10 Stunden gearbeitet und weniger als 80 Pf. Stundenlohn gezahlt wird, die Arbeit einzustellen. Wie uns geschrieben wird, dauerte der Streik nur 6 Stunden. Alle in Frage lommende» Bauunternehmer und Mmirernieister habe» bewilligt. Ueber den Tischlrrstrcik in Stettin wird uns berichtet, daß in einer am Freitag, den 28. ds. Ml?., in Grabow abgehaltene» Versammlung mit großer Majorität beschlossen wurde, den partielle» Streik sortzusühren. Das in neuester Zeit von seiten der Lohn- koinmissio» an den Arbeitgeber-Berband gerichtete Schreibe» ist ohne Antwort geblieben. Bis jetzt habe» IS Meister schriftlich die Forderung der Gesellen auerkaunt. In Aachen und Eupen haben seinerzeit die Textilwaaren- Fabrikanten wegen des Widerstands ihrer Personale von der Ein- führung des Z w e i st u h l s y st e in L absehen müssen. Die Personale setzte» durch den Streik die Beibehaltung des bisherigen Arbeits- systems durch. Jetzt wird aus Aachen gemeldet, daß in der Weberei und Appretur vou Karl Scheins eine Lohureduktio» angekündigt morde» ist. die de» Verdienst der Weber auf 8—10 M. wöchentlich berabdrücken würde. Gegen 100 Weber dieser Fabrik legte» deshalb die Arbeit nieder. Die Firma hat daraus die Arisiiniidrge» für eiitlasselr erklärt nnd die Fabrik bis zum IS. Jnni g schlössen. Dieses Versahren der Firma Karl Sche ivird als«in Versuch der Fabrikanle» angesehen, t Ein führung des Zweistuhlsystenrs aus dem Wege der Loh»Herabsetzung zu erreichen. Wenn es aber zutrifft, daß, wie bchariplet wird, die belgische» nnd englsschen Fabrikaule» das Zrveistuhlsystenr bereits eingeführt haben und dadurch der rheinischen Tcxtilrridnstrie eine nicht zu besiegende Konkurrenz bereiten, so ist der Kampf der Weber, mag er auch jetzt vielleicht»och einmal von Erfolg sein, doch aussichtslos, und es wäre wohl klüger, wenn sie rnrl Hilfe der Fabrilinspekloren und der Gervcrbegerichte als Einigungsämter i» Beziehung auf das Zweistnhlsyste», zu einem naoclus viverräi zu tonrine» suchte». Vou den Tischlern Hannovers arbeiten jetzt Ivvo zu den neuen Bedingungen, 114 stehe»»och im Streik. Die siegreiche Beendigung der Lohnbeivegung wird schon für die nächsten Tage erwartet. Die Slreik»»terstützu>'g hat erhöbt tverden können. In Staßfurt ist eine G e w e r k s ch a f t s k o n,»» i s s i o n«in- gesetzt rvorde». Die Tischler Magdeburgs haben ihre Forderunge» bis jetzt in 87 Werkstätten durchgesetzt. Die„Magdeburgische Zeitung" will wissen, die Meister hätten beschlossen, Geselle», die bis 10. Juni die Arbeit nicht wieder aufgenommen habe», vor Ablauf von vier Woche» in keiner Werkstatt einzustellen. Strenge Vermeidung des Zuzugs wird den Meistern, die absolut nicht»achgeben wollen, das Vergnügen am Kampf mit den Arbeitern schon verderben. Briefe sind zu richte» an die Lohnkommission der Holzarbeiler im Bürgerhause, Elephansbrücke; Gelder nimmt die Expedition der „Bolksftiiume". Schmiedehofstr. ö/6, entgegen. Die Klempner und Installateure Heidelbergs beschlossen, dort zu kündige», wo der Zehnstundentag und 30 Pf. Minimal- Stundenlohn nicht bewilligt würden. 30 Mann sind bis jetzt dem Beschluß nachgekommen. Zwei Meister haben bewilligt. Ausland. Ueber den Streik der Arsenalarbeiter de» österreichisch- ungarischen Lloyds in Trtest«heilt die Wiener„Arbeiter-Zeitung" folgendes nähere mit: Die Ursache deS Ausstände? der 1600 Arsenalarbeiter war die Entlassung von zwei Mechanikern, die bei der Arbeit sitzend an» gettoffe» wurden. Die Lloyd-Gendarmen verliehen von der Arbeit der Mechaniker nichts, nnd doch wird diesen Leuten seilen? der Direktion unbedingter Glauben geschenkt. Nach der uns der Stelle erfolgten Entlassung der beiien Mechaniker wurden ihre Fachgenosse», 200 ander Zahl, beim Arsenaldireltor Koloditsch vorstellig und ersuchten um die Wiederaufnahme der Entlassenen. Der Direktor, aufgehetzt von seinem Sekretär P o l l y, ließ sofort die Dampfmaschine der Meckanikerwerkslelle abstellen und erklärte den Mechanikern in barschem Tone, sie sollte» machen, daß sie hinauskämen. Auf das hin zogen sämmtlicheArbeiter des Arsenals ihr« Röcke an und ver- ließe» ihre Arbeitsplätze. Sie begaben sich in die Lokalitäten der I-egu socialdemocratica, wo der zufällig auwesend« Sekretär der Wiener Gerverkschafiskommission, Genosse H ueber, de» gleichfalls an- wefenden Triester Polizeidirektor ersuchte, er möge ein Streikkomitee öffentlich wählen lassen und ei»« freie Versammlung gestatten. Der Volizeidirektor war vernünttlg genug, diesem Wunsche zu entsprechen. Das Streikkomitee wurde sich über folgende Forderimgeu schlüssig: Wiedereiristellung der entlafseneu Arbeiter, anständige Behandlung des Arsenalpersonals durch Direktor Kodolitsch, Entfernung des Sekretärs P o l l y»nd des Lloyd-Geudarmen T o m a rr, Regelung der Kontrakt-Arbeiisverhältnisse, genaue Rechnungslegung über die Verwendung der Strafgelder, Abschassnng sanitärer Uebelftände. Bei der Aufstellung dieser Forderungen wollte daS Streikkomitee auS dem Abwehrstreik«inen Angriffestreik machen und verlangte eine halbstündige Arbeitszeitverkürzllng und eine zehnprozentige Lohn- erhöhung. Es war aber zu befürchten, daß der Streik darr» verloren gehe, da von den 1800 Streikenden kaum 800 organisirt waren. Nach einer eindringlichen Mahnung des Genossen H rieb er, diesen Umstand zu berücksichligen, beschloß das Streikkomitee nach einer lange» beißen Debatte, nur möglichst erreichbare Forderungen anfzuslellen. Dieser Beschluß mußte nnn in der freien Versammlung der Streikenden vertrete» werden. In dieser Verfamnililiig ging es sehr stürmisch zu. Die Majorität der Versammlung wünschte eine Erweiterung der Forderungen. Genoffe Hueber allein bestand auf der ursprünglichen Fassung der Fordernngen. und eö gelang ihm schließlich, die Streikende» zu seiner Ansicht zu bekehre». Tie Fordernng nach Lohnerhöhung und AibeiiSzeitvirlüizung wnrd« bis zu einem günstigeren Zeitpunkt verschoben. Das Slreilkonritee begab sich hieranf zum Präsidenten deS Verrvallunflsralhes. Herrn K a l ch b erg. Es hatte als Rechlsbeistand den Advokaten Genossen C a in b e r beigezogen. Nach dreiviertel- stündigem Warle» wurde das Slrerklomriee vorgelassen, aber der Präsident erklärte, mit ihm nickt verhandeln zu lönnen, weil ein „Frernder" ein Nicht-Jtrsenalarbeiler(Advokat Carnber) mitgekommen tei. Daß Komitee erklärte hinwieder, aus der Aniveserheil de» RechtssrenndeS beharre» zu»nüssen, nnd verließ,»achtem der Präsident in die Verhandlungen nicht eingehen wollte, das Präsidial- gebände. Ter Verwaliungsrath deS Lloyd hat sich die Sache später über« legt nnd folgende Zngestäi.dnisse geinacht: Der eint entlassei-e svtechaniker ivird wieder aufgeiioimnen, die Angelegenheit des zweiten Entlassenen wird den Gegenstand einer wohl- wollenden Untersuchung bilde». Die Arsenalduellion hat genau« Instruktionen erhallen, damit die Arbeiter anständiger behandelt werde»; der Sekretär Polly und der Lloyd-Gendarnr Tcrnan werden versetzt werden. Klagen gegen die Form der Arbeitsverträge werden künilig stets Berürlsichligung sinderr, ebenso Beschwerden, betreffend sanitäre Uebelständ«. Alle Streikenden ohne Ausnahme werde» wieder ausgeuoiumen. Diese Autwort des verwaltimgZratheS wurde den Arbeitern durch de» Geiverbe-Jnspeklor bekaimlgegeben»nd am Thor des Arsenals angeschlagen. Wie bereit«»ritgetheilt worden ist, hat das Arscnalpersonal dre Arbeit infolg« der Zugesländirrsse wieder ansgenonnnen. In Autwerpe» hat, wie uns eine Privaldcpesche nreldet, die Aussperrrrng, beziehentlich der Streik der Metallarbeiter mit dem Siege der Arbeiter geendet. DepesAxen und letzke Hainburg» den 29. Mai.(Privatmittheilung deS„Vor- 'wärt«".) In dem große» �Schmugglerprozeß verurlheitte daS Landgericht Hamburg die Angeklagten wie folgt: Der Ewerführer Schacht erhält wegen Urkundenfälschung»nd theils einfacher, theils bandennräßiger Zolldesraude 16 Wochen Gefängniß»nd 186 800,60 M. Geldstrafe oder 2 Jahre Gefängniß; Grenzaufseher Mandellvw wegen Verbrechens im Amte und Zolldesrande zrver Jahre ZuchlhauS und 162 714,20 Mark Geldstrase oder zivei Jahre Gefängniß; der Zollbeamte tträusel 9 Monate Gefängniß und 24 879,20 Mark oder zwei Jahre Gefängniß; der Kaufrnann Bockman» wegen Bestechung»nd Zoltdefrand« drei Monate Gesänguiß nnd II 397,40 Mark Geldstrafe oder weitere sechs Monate Gesängniß. Kaufmann Keil rvegen Zolldesraude II 397,40 Mark oder 6 Monate Gefängniß, Wein Händler Thomse» SS54.40 M. Geldstrafe oder 1 Jrhr Gefängniß, Weiukändler Beer 20 949,80 M. Geldstrase oder 1 Jahr Gefäuguiß, Ewcrführer- Tagelöhner Jöhncke rvegen bandenmäßiger und einsncher Zolldesraude 2 Monate Gefängniß und 92 482,40 M. Geldstrafe oder ei» weiteres Jahr Gefängniß. Der Kannun»» Sodtman» und der Erversührcr von Hacht werden kostenlos jreigesprochen. llntwerpen, 23. Mai.(Privat-Depeschc deS Vorwärts.) Die nnckau und zerstör!« de» oberen Theil des Schornsteins. Tie herabstürzenden Trümmer schlugen durch das Dach und lödteten zwei Arbeiter. Bayreuth, 29. Mai.(W. T. B.) Die Strafkammer deS biesigen Landgerichts verurlheitte den srüheren Kassirer des B.iyreirlher Borschußvercins Gottfried Blanck wegen Urkunde»- sälschuug und Unterschlagung zu 3 Jahren 6 Monaten Znchlhans und S Jahren Ehrverlust. Gent, 29. Mai.(W. T. B.) DaS Waarenhans der großen sozialistischen Korporativ-Geuosseuschasl„Vooruit" ist durch eine Feuersbrust völlig zerstört worden. Die Waaren sind sämintlich verbrannt, aber niemand umgekommen ober verletzt. Brüssel, 29. Mai. 12 Uhr nachtS.(Privattelegramm bis„Vorwärts"). Das Magazin der Konfektion des Senter „Veoruit" ist gänzlich niedergebrannt, der Schade» beläuft sich auf mehrere hunderltnuseud Frauke». Es ist alles versichert. Paris, 29. Mai.(W. T. B.) Depulirteukammer. Berry inlerpeltirle darüber, wen die Verairtworlriiig fl r der, Brand in dem Wohlldätigskeiisbazar treffe. Der Jnlerpellant wies auf die Aufopferring und den Much hin. de» Männer aus dem Volke bei dem Reltungswerke bewiesen. Der Minister des Innern Barthou errviderte, die Ursache des Brandes sei heute genau ermittelt: durch ein Zündholz sei der Aether, wehber zur Beleuchtung der Lampe des Kinematograpben diente, entzündet worden. Der Polizeipräfekt yabe den Bazar nicht überrvachen lasse» könne», da er in einer» Privalraume stattfand.(Beifall.) Tie von der Regierung verlangte ernsach« Tagesordnung wurde angeuoiumen. Pariö» 29. Mai.(W. T. B.) Die Heeieskommiision der De- pnlirtenkaminer beendete heute die Prüfung der Frage, betreffend die Einsetzung«ineS Höchstkonniiandirenderi»nd beschloß, der Kammer einen Gcsctzenlwurs vorzulegen, betreffend die Bildung eineS odersten KriegSralbcs ans grund eines Gesetzes ruid die Errichtung von General-Wasseninspekloren, ferner einen Gesetzentmiirf, nach ivelchem ein neuer militärischer Grad geschaffen werde» soll, der höher ist, als der eines Divisronsgenerals. Es würden 2b Ernennungen sür diesen neue» Grad erforderlich sei». Mailand, 29. Mai.(„Franks. Ztg.") In Erbusco, Provinz Brescia, revolntionirlen die Bauern und versuchten, daS Gemeinde- hauS anzuzünden. ES entstand ei» heftiger Kamps mit den Carabinieris, welche einen Gefangenen freigeben mußten. Es wurden Verstärkungen gesandt und IS Verhaflunge» vor genommen. London, 29. Mar.(W. T. B.) Sechs Osfizicre vo» dem zur Zeit bei Baniry(Süd- Irland) stationirlen Kriegsschiffe„Collingwovd" machten am Donnerstag«ine Boolfahrt in See. Man hat seitdem nichl« von ihnen gehört und besürchtet, daß sie sämintlich er- trunken sind. Petersburg, 29. Mai.(W. T. B.) Da? Miuisterkomitee ge« »ehmigle de» Bau folgender Linien der Rybinsker Eiseubahn-Ge» sellschaft in MoSkau: Slockmannshof-Tukkirm nnd Windau-Rjäsan und der Linien der Uralskgesellscdaft: Tankow- Emolensk»nd Moskau-Pawelcze. Der Barr aller Strecken soll sofort beginnen. Verantwortlicher Redakteur: Hugo Pötzsch in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilage» u. Unterhalt», rgsblatt it. t2i i4. mmn. i. Keilage des„MmSrts" Kerlmer MlksdlM. An die Aenrevkflhnftlickz ovAnnifivten Ar- bvitev Utld Arbeikerinnen Verlins nnd Amgejöenv. J>n preußischen Slbgeordiietenhnuse ist mit Hilfe der national- liberale» Partei am Freitag in zweiter Lesilng eine Bestimmung in das Vereinsgesetz hineingekommen, des Inhalts, daß Minder- jährige an politischen Vereinen und Ver- sammlungen nicht theil nehmen dürfen. In Zukunft solle» also die Minderjährigen alle Organisationen und Versamm- lungen meiden. Wird diese reaktionäre Maßregel Gesetz, so ist daS ein nener Schlag gegen die Gewerkschaftsbewegung, gegen das Koalitionsrecht der ZIrbei'ter und gegen die Arbeite- rinnen. In die Hände der P o liz ei-O rg a n e soll hinsort einzig und allein die Entscheidung und Beurtheilung über die Theilnahme der Minderjährigen, auch an Gewerkschaftsversamm- lungen gelegt werden. Hiergegen gilt es entschieden Front zu machen. Allen Gesellen, Gehilfen nnd Arbeiterinnen unter 21 Jahren wäre der Zutritt zu Vereinen und Versammlungen dann verwehrt! sie könnten nicht mehr über ihre wirthlchaftlichen Fragen gemeinsam berathen und gemeinsam an der Besserung ihrer Lage arbeiten. Ein einstimmiger Protest muß erfolgen gegen diesen neuesten Versuch, uns das ohnedies schon so beschränkte Vereins- und Versammlungsrecht noch mehr zu verstümmeln. Herr v. d. Recke sprach den Gedanken ans, welcher die Re- gierung zu dieser Maßregel veranlaßt hat:„man legt in industriellen Kreisen großen Werth auf den Ausschluß der Minder jährigen!" sagte er in der Kommission.„Die industriellen Kreise" daS sind die König Stumm und Genosse», die nicht wolle», daß Arbeiter zum Klassenbewußtsein und zu selbständigein Denken ge- langen. Nnd die uationalliberake Partei, die eine Geldsackspartei ist, hat zu dem Altentat ihren Segen gegeben. Arbeiter, ZIrbeiterinn en! Tie Nuterzeichneten forder» die Genossen nnd Genossinnen der einzelnen Geiverkschasten und Jndustriegruppen auf, für Mittwoch, den 9. Juni, öffentliche Gewerkschasts- V e r f a m nr l un gen einzuberufen mit der Tagesordnung: „Das Attentat auf das KoalitionSrccht der Arbeiter und Arbeiterinnen nnd die Stellungnahme der Getverkschaften." Durch massenhaften Besuch der Versammlungen und durch imposanten Massenprotest müssen die Arbeiter und Arbeiterinnen bekunden, daß sie diese neue Polizeimaßregel als eine» Schimpf empfinden, und entschlossen sind, sich nicht vergewaltigen zu lassen Gleichzeitig wäre zu empfehlen, daß in ganz Deutschland die Gewerkschaften innerhalb der nächsten zwei Wochen nach drücklich gegen diese Neuerung des Vereinsgesetzes Stellung nehmen, damit dem Produkt des„elendesten aller Wahlsysteme gezeigt wird, wie die Gewerkschaften über das Attentat und die Attentäter urtheilen. Milk arg. Tischler. Dupont. Bildhauer. Näther, Metall- arbeiter. M a s s i» i, Buchdrucker. Hagen, Töpfer. Z e i s k e, Gaflwirlhsgchilfe. Glocke, Tischler. Niederauer, Schuh- macher. H i n tz e, Kaufmann. Busse, Lederzurichter. S i l l i e r, Steindrucker. Börner, Tabakarbeiter. T i m m, Schneider. S i l b ers ch m i d t, Maurer. Th. F i s ch er, Zimmerer. Körsten, Metallarbeiter. R ein. Hausdiener. Vogel. Putzer. Winkler, Bildhauer. Treue, Textilarbeiter. Fried meyer, Tapezirer. H ä n i f ch, Glasarbeiter. KB. Die Genossen werden ersucht, für den 9. Juni keine andere Versammlungen einzuberufen. V. Tnufctz— V. LutzolV. Fünfter Verhandlungstag. Liitzrw's angebliche MajcstätSbeleidignng. Landgerick lsdirektor Röseler eröffnet die Sitzung um 9 Uhr. Bevor in der Beweisaufnahme fortgefahren wird, erbittet sich der Angeklagte v. Lützow das Wort z» einer Erklärung. Er sei seine» Verlhcidiger» noch eine drfinilioe Zlnlworl aus eine Frage schuldig geblieben, nämlich in betreff seiner Unterredung mit dem Dr. Lima». Ich habe keineswegs mir erlaubt, irgend etwas Abfälliges zu äußer», im Gcgentheil, ich habe gesagt, daß der Kaiser scharfe Reprimanden und Mißbilligungen über die Fassung der Depesche, welche durch das Wolss'sche Bureau verbreitet war, ausgesprochen habe. In diesem Sinne habe ich mich auch in den beiden Artikeln ausgesprochen und ebenso gegenüber Herrn v. Tausch. Es ist also wohl unmöglich, daß ich mich dem Dr. Lima» gegenüber im entgegengesetzten Sinne ausgesprochen haben sollte. Ich entsinne mich jetzt des Inhalts des Gesprächs ganz genau und ist es nur auf meine begreifliche Erregung zurück- zuführe», daß ich meinen Verlheidigern gegenüber nicht sofort Rede und Antwort stehen konnte. Damit ist dieser Punkt erledigt. Tausch und Maximilian Harden. Oberstaatsanwalt: Ich möchte Auskunft darüber haben. ob der Angeklagte v. Tausch schon früher einmal bei dem Zeugen Herrn Harbin war.— v. Tausch: Ich bin früher einmal bei ihm gewesen, um auf Requisition der Staalsanivallschaft die Heransgabe eines Briefes von ihm zu verlangen.— Präs.: Hat der Angeklagte bei dieser Gelegenheit mit Herrn Harden ein Gespräch über Herrn v. Bötlicher und dessen Verhältniß zu seinem Schiviegervater gehabt? — Angekl.: Das weiß ich nicht mehr.— Oberstaatsanwalt: Ist dem Augeklagten bekannt, daß bald darans in der Harden'schen „Zukunft" ein Artikel über den Minister v. Bötticher erschien?— Angekl.: Nein. Harden als Zeuge. Als Zeuge wird sodann Schriftsteller Maximilian Harden ausgerufen. Er sagt aus: Ich habe den Angekl. v. Tausch einmal im Jahre l89ö gesprochen. Er kam zu mir, um einen ihm gewordene» Auftrag zu erfüllen, der darin bestand, von mir die Herausgabe eines Schreibens zu verlaiigen, das auf eine in Gotha spielende Privat- klagesache bezug halte. Bei dieser Gelegenheit führte Herr v. Tausch das Gespräch auch ans Herrn v. Bötticher. das Gespräch kam aber nicht über die allgemeinste Allgemeinheit heraus. Das Staats- Ministerium halte damals eine Erllärnng gegen die„Zukunft" er- lassen, die sich ans Herrn v. Bötticher bezog, und v. Tausch fragte mich ganz im allgemeinen, ob ich daraus zu antworten gedächte. Ich habe nicht den Eindruck gehabt, als ob es die Absicht des An- geklagten v. Tausch war, den Inhalt meiner zu erwartenden Antwort zu erfahren, oder gar mich zu informiren.— P r ä s.: Bitte erzählen Sie nun einmal, wie Sie am 5. Dezember vorigen Jahres mit Herr» v. Tausch zusammen getroffen sind.— Zeuge: An jenem Tage meldete sich bei mir ei» älterer Herr an, der sich als„Wegner" einführte, mir aber bald eröffnete, daß er Caspari Roth-Rosfi heiße. Er theilte mir mit, daß er im Austrage des Herrn v. Tausch komm«, der die große Bitte habe, von mir empfangen zu werden. Ich sagte ihm, ich kenn« Herrn v. Tausch so gut wie gar nicht, aber ich will seine Bitte angesichts seiner augenblicklichen Lage erfüllen. Harden als Sachverständiger für die Schuld Tausch's. Der Angeklagte v. Tausch suchte mich denn auch an demselben Abend auf und fragte mich, ob ich ihn nun auch für schuldig halle. Ich verneinte dies und es folgte nun ein langes Gespräch. Er schickte voraus, daß er zu mir komme, weil er annehme, baß ich über die Sache schreiben ivürde. Er setzte voraus, daß ich niich durch de» gegen ihn entfesselten Sturm in der Presse nicht beeinflussen lassen würde und es sei ihm sehr daran gelegen, nur seine Situation objektiv zu schildern und mich wegen eines Vertheidigers um Rath zu fragen. Ich sagte zunächst: So weit sind Sie doch noch gar nicht. Sonst würde ich Ihnen den Rechtsanwalt Dr. Sello empfehlen. Herr v. Tausch erwiderte: Glauben Sie nur, es wird so weit kommen, Sie glauben nickt, wie ich verhaßt bin, ich werde geradezu abgeschlachtet. Man hat mir schon einmal auf der Straße das Wort„Schuft!" zugerufen.— Präs.: Hatten Sie denn de» Eindruck, daß v. Tausch sich schuldig fühle, seine Eidespsiicht verletzt zu haben?— Zeuge: Das will ich gerade nicht sagen. Er befand sich in einem Zustande tiefster Depression, ich hielt seine Stimmung für eine Art Nerve». zusammcnbruch.— Präs.: Für einen Mann, der im öffentliche» Lebe» steht und eine Stellung einnimmt wie der Angekl. v. Tausch, war eine derartige Stimmung doch auffallend. Hat er denn aus- gesprochen, daß einer der Zeugen seine Eidespsiicht verletzt hat?— Zeuge: Nein, das nicht. Er schien zu wissen, daß ihm ein Prozeß drohte. Er klagte auch, daß er sich in einer schlimmen Lage befinde, er wisse nicht wieviel und ob er alles sagen müsse. Ich erwiderte ihm, daß er sich unter keinen Umständen mit seiner Eides- pflicht in Konflikt setzen dürfe, v. Tausch brachte das Gespräch dann auch auf das Ansivärlige Amt nnd erklärte, daß er nicht begreife, wie er in den Verdacht gekommen sei, gegen das Aus- wärlige Amt zu intrignire», er habe eS doch garnicht gethan. Ich erwiderte ihm, daß dieser Verdacht, der nun doch einmal bestehe. neue Nahrung erhallen habe durch seine etwas unvorsichtigen Aeußernngen verschiedenen Journalisten gegenüber. Darin gab er mir Recht. Die Affäre Lcvysoh». Präs.: Was erzählte er Ihnen nun in betreff seines Gespräch? mit Dr. Levysohn?— Zeuge: Er sagte, daß er den Dr. Levysohn besucht habe, um sich wegen einer Korrespondenz zu erkundigen. Das bei dieser Gelegenheit geführte Gespräch sei bereits am folgenden Tage veröffentlicht worden, aber»ms das Schlimmste sei, auch das was er nicht gesagt habe. Er habe vor alle» Dingen nicht gesagt, daß Leckert im Auswärtigen Amt empfangen werde.— Präs.: Es muß auffallen, daß der Angeklagte, der Ihnen nun ani ö. Dezember mittheilte, daß er in der Levysohn'fchen Sache eine geivisse Gefahr für sich erblickte, in der ganze» Zwischenzeit vom 22. Oktober bis dabin gar keine Veranlassnng nahm, die angeblich falsche Mitlheilung aus dem„Tageblatt" wieder herauszubringen. Da ist die Folgerung nicht weit abliegend, daß ihm diese Mit- theilung recht war und dann die weitere Schlußfolgerung: wenn sie ihm recht war, hat er sie auch veranlaßt.— Zeuge: Nach nieiner Erinnerung hat er diese Levysohn-Sache gar nicht für so schwer- wiegend erachtet und ich babe ihm meine Meiuyng auch dahin aus- gesprochen, daß diese Sache doch nicht von Bedeutung sein könne. Ich hatte folgenden Eindruck: Herr v. Tausch hat Levysohn Mittheilungen gemacht, Herr Levysohn hat diese Minheilungen etwas eilig verarbeitet und als nun Herr v. Tausch die falsche Wiedergabe seiner Mitlheilung im„Berliner Tageblatt" las, hat er flch wahrscheinlich gesagt: es wird mir doch zweifellos niemand zutrauen, daß ich es unternommen hätte, beim „Berl. Tageblatt", welches ja vor Bewunderung vor dem Auswärtigen Amt und seinen Beamten so oft überfließt, Zettelungen gegen das Auswärtige Amt anzufangen. Nach meiner Meinung würde er, wenn er zum„Berl. Tageblatt" lief und eine Berichtigung verlangte, der Sache eine zu große Bedeutung beigelegt haben.— Präs.: Bei einem Privatmaune wäre dies wohl erklärlich, anders liegt aber doch die Sache bei einem Polizeibeamten. Haben Sie von dem Angekl. v. Tausch gehört, daß er den Hauptmann Hönig als den Verfasser des Artikels der„Kölnischen Zeitung" kannte?— Zeuge: Nein. Meines Wissens hat er mir gesagt, er habe den Namen des Herrn Hönig als Verfasser des Artikels erst im Leckert- Prozesse erfahren. Zweck deS Besuches bei Harden. Präs.: Hat er Ihnen vielleicht gesagt, daß er zu einem ganz bestimmten Zrvccke gerade zu Ihnen loinnre?— Zeuge: Er hat nur im allgemeine» angedeutet, daß er Werth darauf lege, in den Kreisen, i» denen meine Wochenschrift besonders gelesen wird, nicht falsch beurthcilt zu werde».— Präs.: Hat er de» Wunsch aus- gesprochen, daß Sie sich seiner annehmen sollten?— Zenge; Nein, ich erinnere mich sogar, daß er sagte: Sie können ja garnicht für mich eintreten. Ob und in wie weit di«S ernst gemeint war, iveiß ich nicht.— Präs.: Sie haben später zwei Artikel über de» Prozeß in Ihrer Wochenschrift veröffentlicht. Stehen diese Artikel im Zusammenhange mit diesem Besuch de? Angeklagten v. Tausch?— Zeuge: Durchans nicht. Harden und Leckert. Präs.: Sind Sie einmal zu Leckert in Beziehungen getreten? — Zeuge: Nur oberflächlich. Leckert näherte sich mir eines Tages in dem Cafe, in welchem ich zu verkehre» pflege, er bot mir seine Mitarbeiterichaft für die„Zukunft" an. Ich erwiderte ihm, daß ich keinen Werth darauf lege, Leckert ließ aber nicht nach, sondern erbat sich die Erlaubuiß. mit mir in meinem Bureau Rück- spräche nehme» zu dürfen. Leckert kam dann auch bald daraus zu mir und erzählte, daß er ständiger Mitarbeiter der„Täglichen Rundschau" sei. Er erbot sich, mir Mittheilungen über den Rücktritt des Herrn Bonsart v. Schellen- dorf zu machen und wollte mir«in Manuskript geben. Ich lehnte ab. es zu lesen mit dem Bemerken, daß ich doch keine Verwendung dafür habe. Leckert erwiderte, daß er mir eS dann wenigstens er- zählen wolle. Er machte dann ein« Reihe von Angaben, deren Richtigkeil ich nicht zu kontrolliren vermochte. Ich sagte ihm, er solle die Veröffentlichung lieber unterlassen, er spielte sich aber auf, als sei er gut unterrichtet und wies daraus hin, daß er ja auch in der„Welt am Montag" mehrere sensationelle Artikel veröffentlicht habe. Er machte allerlei Andeutungen ungreisbarer Art, aus denen ich mir erst ein Bild kombiniren mußte. Aber es schien mir doch, als könne er seine Wissenschast nicht aus sich selbst haben, sonder» daß er aus andere» Quellen schöpfe.— Präs.: Haben Sie nicht gefragt, aus welchen?— Zeuge: Nein. Harden und Brentano. Präs.: Haben Sie nicht eine Auseinandersetzung mit Dr. Aren- tano gehabt?— Zeuge: Ja. Ich hatte in einem Artikel in der „Zukunft" über den Prozeß Leckerl-Lützow geschrieben und in einem Artikel die Zeugenaussagen des Herrn v. Marschall und Dr. Brentano beleuchtet. Dabei hatte ich durchblicken lassen, daß es scheine, als habe Dr. Brentano für die Angabe der Quelle und den Namen des Verfassers der fragliche» Artikel eine Entschädigungssumme verlaugt. Dr. Brentano schrieb mir daraus eine lange Berichtigung, worin er mir versicherte, daß ihm jeder Anspruch auf eine Entschädigung völlig fern gelegen habe. Er habe sich auch nur bereit finden lassen. die Quelle zu nennen, nicht aber den Name» des Verfassers. Ich nahm diese Berichtigung nicht auf, mit der Begründung, daß der Inhalt mit der eidlichen Aussage des Frhru. v. Marschall in Widerspruch stände. Harden nnd Normann-Schumann. Präs.: Kennen Sie Normann-Schumann?— Zeuge: Nur vom Hörensagen. Herr von Tausch sagte mir mal, daß Normann- Schumann sogar die Dreistigkeit besessen habe, niich als den Verfasser der Schniähartikel zu nennen.— Oberstaatsanwalt: Kau» in dieser Miltheilung des Herrn v. Tausch an Sie— wie v. T. behauptet— ein Mißverständniß untergelaufen sei» und er dabei an die Leitartikel gedacht haben, die Sie früher für die„Saale-Zeitung" geschrieben haben?— Zeuge: Ich habe diese» Eindruck nicht gehabt.— Oberstaatsanwalt: Der Eindruck, den der Zeuge von dem Gespräche des Herrn v. Tausch mit Dr. Levysohn gehabt hat, deckt sich mit den Angaben des An» geklagten. Ist es den» Zeuge», der da sagt, daß ja doch das„Tage- blatl" zu de». Auswärtige» Amte in freundlichen Beziehungen stand, nicht aufgefalle», daß gerade diese Zeitung eine solche Nachricht brachte, die doch einen Vorwurf gegen das Auswärtige Amt enthielt?— Zeuge: Diesen Eindruck habe ich keinesivegs gehabt, denn das„B. T." identifizirle sich doch nicht mit der Nachricht.— Auf eine Anfrage des Rechtsanwalts Dr. S ch w i n d t bestätigt diesem der Zeuge seinen Eindruck dahin: Herr Dr. Levysohn, dessen Blatt in freundliche» Beziehungen zu dem Auswärtigen A m t stehe, habe wahrscheinlich schon Kenntniß davon gehabt, daß v. Tausch in den Verdacht stehe, gegen das Auswärtige Amt zu intriguiren und habe möglicherweise die Nachricht in der Ueber- zeugung aufgeuommen, daß diese Nachricht jenen Verdacht bestätige. — Auf weiteres Befragen des Rechtsanwalts Dr. Schwindt erklärt der Zeuge, daß v. Tausch ihm immer wieder die Versicherung gegeben hat, daß er keineswegs gegen das Auswärtige Amt ein» Fehde durchführe.— Rechtsanwalt Dr. Sello: Fühlt sich der Zeuge in der Lage, aus seinen» Gespräch mit v. Tausch ei» psychologisches Facit zu ziehe»? Ist ihm der Angeklagte als ein Mann erschienen, den das Schuldbcivußtsein zu ihm getrieben hat, oder als ein Man», der es schiver einpfludet, daß man ihn für schuldig hält?— Zeuge: Ich hatte de» Eindruck, daß ich einen Mann vor mir habe, der in seiner amtlichen Thäligkeit mit allerlei delikate» und unklaren, zum theil m i t den Gesetzen strenger Sittlichkeit schiver zu verein» bareudcn Dingen zu th»» gehabt nnd von dem nun plötzlich verlangt »vird, daß er in allen diesen Dingen nur die Mittel in Anivcndung gebracht haben dürfe, die einem G e n t l e in a n znslehen.— Rechtsanivalt Hotz: Der Zeuge hat gesagt, daß er nicht animos gegen das Ausivärtige Zlml»var. Hat der Zeuge, zu den, nun Herr v. Tausch gerade ging, nicht selbst sehr heftige Artikel gegen das Aus- wältige Amt geschrieben?— Zeuge: Ich iveiß nicht, ob ich hier über nieiue publizistische Thätigkeit Rechenschaft abzulegen habe,»vill aber ohne weiteres zugeben, daß ich daS Auswärtige Amt sehr heftig bekämpfte,>vo ich es für nolhivcndig hielt.— Rechtsanivalt Dr. H o l tz: Lebt der Zeuge nicht mit Dr. Levysohn seil lange in intimer Preßfeiudschaft?— Zeuge: O»ei», die Gefühle, die ich gegen Herrn Dr. Lcvysoh» hege, find doch andere. Dr. Levysohn ist für mich doch ei» Man», dem ich bei allen seinen Eigeulhüusiichkciten Dank dafür schulde, daß er der erste war, der mich gedrückt hat.(Heiterkeit.)— Nechtsauwalt Dr. H 0 l tz: Ist der Zeuge mit Noriunun-Schlluianil irgendwie i» Berührung gekommen? — Zeuge: Nein; ich könnte das fast bedauern, den» nach allem. was man über ihn erfährt, muß er immerhin ein tiiteressaiiter Mann gewesen sein.(Heiterkeit.) Freiherr v. Marschall. Präs.: Wollen Sie mir wohl ein Bild geben nnd Thatsachen darüber anführen, in welche» Beziehungen Herr von Tausch zum Auswärligen Amt stand und i» ivelcher Weise er thätig war in der in Frage kommenden Angelegenheit?— Zeuge: Ich beginne mit dem Erscheine» einer Anzahl Artikel in der„Saale-Ztg.", ivelche bald heftige Angriffe gegen das Auswärtige Amt enthielten, bald sich in Vermuthnngen über de» Gesundheits» zustand des Kaisers ergingen. Herr v. Mauderode wurde beauftragt, den Verfasser zu ermitteln»nd ich hörte damals zum erste» Male von Herrn v. Tausch als Kriminalkommissar bei der politischen Polizei, welcher mit dieser Angelegenheit betraut wurde. Wir erfuhren bald, daß ein Dr. Schumann der Verfasser sei. Bald darauf er» schienen in P a r i f e r B l ä t I e r u Artikel skandalösen Inhalts über hochgestellte Personen. Die Sache ivurde so arg, daß die fran- zösische Regierung»us darauf hinwies, daß die Artikel von Berlin aus in die Pariser Blätter gebracht wurden. Es schien nach den Artikel», als sei alles bei uns zerrüttet und ver- rottet. Wir wandten uns wieder an die politische Polizei, um de» Verfasser zu ermittel». Die Ermitleluligen schienen resnltatlos zu verlaufen. Ncber Noriiianil-Schuman«. Da kani der Zivischenfall mit dem Redakteur B r e n t a n o. Er theilte mit, daß die ganze Sache auf einen Beamte» der politischen Polizei zurückzusühren sei. Ich hielt dies für einen unglaubliche» Skandal. Als wir den Brief des Herrn Brentano erhielten, gaben wir ihn der politischen Polizei zur Er- Mittelung des Verfasser? derSkandalartikel. Wenige Tage später theilte uns Brentano mit. daß ihm von Normaun-Schuman» der Brief gezeigt worden sei. Dieser sei selb st der Verfasser und werde nun damit deaustragt, denThäter zu er- mittel». Das ivar doch eine höchst aussällige Thatsache. Wir beschlossen, jeden Verkehr mit der politischen Polizei abzubrechen, da ja doch nichts dabei herauskam. Wenn es sich um Nornianu-Schunianii handelte, versagte der Apparat. Nach den» letzten Strasprozeß habe ich die Sache selbst in die Hand genommen und eine» Hastbefehl gegen den flüchtigen Nor- m a n>i- S ch» M a n n erlassen. Daß v. T a>i s ch s e l b st intriguirt hat, dafür habe ich keine Anhalte» p>» n k t e. Dieser Normann-Schumann wird überall als Schwindler»nd Hochstapler gekennzeichnet, der in Deutschland, Griechenland, Italien überall Spuren von Verbrechen hinterlassen hat. Er ist außerdcm einer der verlogenste» Menschen, die es geben kann. Einen solche» Mann als V e r t r a u c>l S m a n n zu haben, i st an sich eine Ungeheuerlichkeit. Der Maunj halte die Eigeuthümlichkeit, daß er selbst M a j e st ä t s b e l e i d i g n» g e n verüble und dann ganz unschuldige Personen anklagte, diese Majestätsbeleidigungen begangen zu haben. Die angebliche Jntrigne Kvllcr'ö. Was Herrn v. Tausch betrifft, so ist es eine ganz grundlos» Verdächtigung, wenn er behauptet, daß das Auswärtige Amt gegen ihn von Anfang an animos war. Der Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff theilte mir einmal mit, daß in den„Münch. Neuesten Nachrichten" die später vielbesprochene Depesche über die Staats» ininisterialsitznng, in welcher die Mililärstrafprozeß-Novelle zur Bc- rathung stand, erschienen sei und dies nur aufein erJndiskretio» beruhen könne. Herr v. Bronsart«heilte mir gleichzeitig mit, daß nach den ihm gewordenen Andeutungen hier eine Jntrigne des M i n i st e r s v. K ö l l e r gegen ihn vorliege und die Sache in» Literarische» Bureau gemacht worden sei. Ich sagte sofort, dieser Verdacht erscheine mir v o l l st ä n d i g grundlos. Kurze Zeit darauf erfolgte die Entlassung des Herrn v. Köller und es gelang festzustellen, daß meine ursprüngliche Ansicht durchaus berechtigt war. Herr Dr. Hirlh in München hatte die Nachricht aus ganz»»« verfängliche Art erhalten. Der Hexentauz gegen l>. Marschall. Nach der Entlassung des Herrn v. Köller entstand m der Press« «Iti f ovmltdjer Hexentanz, e5 wurden alle möglichen Ver- dacht, gungcn gegen mich veröffentlich,, i» dem Organ des Herrn Dr. Liman und der„Staatsbürger Zeitimg" wurde angedeutet, daß cigenllick, die ganze Sache aus der Wilhelmstraße stamme, wo man das Bestrebe» habe, die maßgebende» Personen gegen ein- ander zu verhetzen und mißtrauisch zu machen. Dann kamen die Artikel der„Kölnischen Zeitung", die nach v. Tausch's Angaben von Herrn v. Huhn stammten. Als ferner i» der„Welt am Montag" die Artikel erschienen, die das Auswärtige Amt nnd meine Person ans das allerschwersie ver- dächtigten und als festgestellt worden war, daß diese Artikel vo» Herrn v. Lützow herrührten, hielt ich es sür ganz unerhört, daß «rn Agent der politischen Polizei solche Infamien in dre Zeitungen bringe» und der Polizeikonunissar seinem Vor- gesetzten ruhig mittheilen konnte, daß dies von dem Agenten her- rühre. Ich faßte die Absicht, nunmehr rücksichtslos vor- zugehe». Herr Normann-Schumann kritistrte und beschimpfte das Auswärtige Amt in unerhörter Weise, aber was hier Herr v. Lützow und der Polizeikommissar Ihat, war das Hanebüchenste. w a s e s g e b e n kann, denn ich wäre vollständig wehr- los gewesen, wenn nicht Herr Dr. Plötz mir reinen Wein ringeschänkt hätte. Wenn so etwas geschehen kann, so ist kein Mensch mehr seiner Ehre sicher, am allerwenigsten ei» Minister. Als ich dies dem Herr» Polizeipräsidenten mittheilte, rief dieser Herrn v. Tausch zu sich herein und beauftragte ihn, bei Leckert und Lützow Hanssnchnng zu hallen. Bei dieser Gelegenheit fragte ich Herrn v. Tausch, was er denn von der Sache halte und da fiel es mir auf, daß er Herrn v. Lützow in Schutz nahm und immer dabei blieb, daß dieser einen Hinterm an haben müsse. Wer ist der Hintermann? v. Marschall fährt fort: Die Behauptung, daß Leckert und Lützow einen Hintermann haben.�hat mich sehr aufgeregt, und ich war entschloffe», einmal vor Gericht klarzulegen, daß das Auswärtige Anit keinerle� illegitime Preßtreibereien beginge. Ich machte alle An strengungen, um die Behauplung des Herrn v. Tausch über das angebliche Bestehen eines Hintermannes zn ent kräften. Ich ließ alle mein« Beamten zu einer Er klärung darüber auffordern, ob irgend einer mit Leckert bekannt sei. Ich erfuhr vo» Herrn v.Huhn, daß er nicht der Ver fasser des Artikels der„Köln. Ztg." sei. Ich schrieb dann an die „Köln. Ztg." imd bat um die Erfüllung der Ehrenpflicht, mir den Verfasser des Artikels zn nenne», da ich der Verfafferschnft bc schuldigt sei. Tarauf erhielt ich die Mittheilung durch Herrn Hauptmann Hönig, daß er der Verfasser sei. Ich hatte nun also die Gewißheit, daß Herr v. Tausch in einer Frage, die bis zur Majestät gehen mußte, eine falsche Meldung gemacht habe. Weiter erinnerte ich mich der Angelegenheit des Ministers v. Bronsart und durch Rücksprache mit dem Oberstlientenant Gäbe stellte ich fest, daß die Nachricht, jener Artikel stamme aus dem Ministerium des Innern, von Herrn v. Tausch herrühre, der sich auf v. Lützow berufen habe. Ich sagte mir, es ist doch unerhört, wenn d e r K o nun i s s a r seinen eigenen M i n i st e r einem a n d e r e n M i n i st e r gegenüber der Jntrigue beschuldigt auf grund ganz erlogener Thatsache», und daß, wenn solche schwere Beschuldigung erhoben wird, nian sich doch wohl auf einen anderen Gewährsmann stützen müßte, als ans Herr» v. Lützow, Als dann der Leckert ver- haftet worden war, erschienen alle möglichen Nachrichten über das Verfahren in der Presse. Anch das„Berliner Tageblatt" brachte eine solche Notiz, die an sich richtig war, dann aber den vollständig falschen Znsatz enthielt, daß Leckert im Auswärtigen Amte empfange» worden sei Ich bat Herrn Dr. Levysohn, mir Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihm zn geben, er erschien bei mir und ich fragte ihn. woher er diese Nachricht habe. Dr. Levysohn wollte»lir den Betreffenden nicht nennen, da sagte ich ihm Na, dann will ich Ihnen Ihre Quelle nennen. ES ist v. Tausch Herr Dr. Levysohn bejaht« auch diese Frage nicht direkt, ich entnahm aber aus seinem Verhalten, daß thalsächlich jene Notiz a» >errn v. Tausch zurückzuführen sei. Fch fragte Herrn Dr. Levysohn, ob der Herr v. Tausch ihm auch wirklich erzählt habe, daß Leckert im Auswärtigen Amte empfangen werde und Herr Levysohn versicherte wiederholt auf das b e st i m m t e st e, daß er sich gar nicht irren könne. Eo ist der Sachverhalt. Ich erinnere mich noch ganz deutlich, wie Herr v. Tausch in der Hanptverhandlung bei der Frage nach den Hinter- Männern in die Enge getrieben wurde und wie er schließlich ganz fälschlich den Namen Rens nannte. Ich muß zum Schluß nochmals betonen, daß die Behauptung des Herrn v. Tausch, ich wäre vorher schon animos gegen ihn gewesen, absolut falsch und irrig ist.— Präs.: Excellenz sagten, daß die Ermittelungskunst des Angeklagten v. Tausch bei den Nachforschungen nach den, Verfasser der skandalösen Artikel in der„Agence libre" vollständig versagte, während Excellenz diese Ermittelnng glückte. Daraus mag vielleicht hervorgehen, daß Herr v. Tausch seiner Aufgabe nicht gewachsen war; man braucht doch aber nicht nothwendig anzin nehmen, daß der Angeklagte v. Tausch absichtlich nichts er- mittelt hat. v. Tausch im Kreuzfeuer. Oberstaatsanwalt: Der Angeklagte v. Tansch behauptet, daß es schon ans psychologischen Gründen unmöglich sei, daß er zu Dr. Levysohn gesagt habe, Leckert werde im Aus- Wärligen Amt empfange», weil er doch gewußt habe. daß Dr. Levysohn sofort dem Auswärtigen Amt Mittheilmig machen würde.— Angeklagter v. Tausch: Jawohl, ich weiß, daß Dr. Levysohn sich um meine Verhältnisse und Beziehungen zu anderen Personen bekümmerte, halte er doch auch die Karte betreffend Herrn v. Lützow ans Auswärtige Amt geschickt.— Zeuge v. Mar- schall: Ich erkläre, daß ich weder vom Dr. Levysohn, noch von irgend einer anderen Seite irgend welche Mittheilungen über die Polizei erhalten habe, die Behauptung des Herrn v. Tausch schwebt völlig in der Luft. Eines Tages kam der Herr Gingold-Slärk und brachte die anonyme Karte, die in den Papierkorb gewandert war. Am folgenden Tage mag der Bureaudiener die Karte dem Herrn Stärk wieder ausgehändigt haben.— Oberstaats- anmalt: Kann der Angeklagte v. Tausch uns denn nicht an- geben, aufwelcheWeisede mann in den Besitz des Br an den Reichskanzler Caprivi gerichtet v. T a u s ch: Ich gebe nochmals'''_ mir der Brief niemals vor Augen gekommen ist und daß ich keine Keiintuiß von demselben hatte.— Präs.: Haben Sie denn auch keine Vermuthung?— Angekl. v. Tausch: Nein.— Ober- ftaatsanwalt: Es kann sei», daß der verstorbene Herr v. Mauderode de» Brief zur Anstellung weiterer Ermittelungen er- Hielt. Ich glaube kaum, daß dieser Punkt sich wird aufklären lassen. Rechtsanwalt Dr. S e l l o: Ist eS Ew. Exzellenz bekannt, daß v. Tausch von einer besonderen ülniinosität gegen den Geh. Ober« Legationsrath v. Holl stein beseelt war?— Zeuge v. Mar- schall: Davon ist mir nichts bekannt.— Oberstaatsanwalt: Ich mache darauf aufmerksam, daß der Angeklagte v. Lützow an- gedeutet hat, Herr v. Hollstein sei der Hintermann Leckert's.— Angekl. v. Lützow: Nach meiner Verhaftung hatte ich eine Vernehiinmg durch Herrn von Tausch. Hierbei fiel mir ein, daß Leckert mir früher gesagt hatte, daß Herr v. Hollstein ihm manche schöne Nachricht gegeben. Ich theilte dies dem Herrn v. Tausch mit, welcher meinte, ich möge dies auch beim UnterstingSrichter angeben. Als er dann klingelte und zwei Schutzleute hineintraten, um mich abzuführen, da fragte er mich in deren Gegenwart— ich nehme an, um — noch einmal:„Also wen wolle» Sie beim Unters» Zeugen zu haben hungsrichter an- gebeN?— Ich erwiderte„Herrn v. Hollstein".— Angkl.».Tausch. Ich " daß Schumann'? T h ä t i g k e i t st versichere Ew. Exzellenz, uns ein Räthsel war. Wir haben Auswärtige Amt niemals unterstützt. ür seine Thäligkeit gegen das Für Ew. Exzellenz war es sehr leicht, auf die Spur Echnmann'S zu kommen, für unS war es unmöglich, da unsere Machtbefugnisse Über die Grenzen des Deutschen Reiches nicht hinausgehen.— Zeuge v. Marschall: Od es damals möglich war, Normann- Schumann zu entlarven, weiß ich nicht, wir hatten damals aber den Eindruck, daß der Apparat der politischen Polizei versage. b. Tausch Politiker oder Werkzeug? Rechtsanwalt Dr. L n b f z y n S k i fragt den Zeugen v. Marschall, ob ihm bekannt sei, daß anch schon ein Jahr vorder in der„Saale- Zeitung" Artikel über den Gesundheitszustand des Kaisers, über Herrn v. Hotstein u. dgl. erschienen seien.— Frhr. v. Marschall er- klärt, daß es allerdings auffallend gewesen sei, daß zwischen diesen Artikeln und den Artikeln in der„Agence libre" eine große Aehnlichkeit bestand.— Angekl. v. Tausch bestreitet, daß ihm diese Aehnlichkeit aufgefallen sei.— Oberstaatsanwalt: Ein schlüssiger Beweis dafür, daß v. Tausch hinler den Preßtreibereien des Normann-Schumann stand und mit dessen Artikeln eng ver- Kunden war, halte ich auch heute nach den Bekundungen des Staatssekretärs für nicht erbracht. Es kann zwar ein schwerer Verdacht nach dieser Richtung hin nicht weggclengnet werden. ein schlüssiger Beweis liegt aber nicht vor.— Nach Erledtgnng einiger wei'cren Anfragen wird v. Marschall bisragt, ob er den Eindruck erhallen hat, daß ein Polizei-Agent auf eigene Hand Politik treibe? Er erwidert: Das ist schwer zu sagen; im all- gemeinen darf man wohl annehmen, daß der Agent den Willen seines Meisters thut.— Rechtsanwalt Dr. Schnvindt: Wir baben aber über Normann-Schumann gehört, daß er über Bis- marck schimpsle, dann wieder über Herrn». Marschall und das Ans- wältige Zimt, daß er aber auch gleichzeitig Ober- Antisemit war, der sich unter der Maske eines Beamten des Jnstizmiiiisteriums damit brüstete, eine Superrevision des Tanlener Prozcffes vorzu- nehmen nnd schließlich anch im„Vorwärts" ans- und einging. Trifft das Urtheil des Herrn Zeugen auch auf diesen Agenten z», glaubt er, daß anch dieser nur dem Winke seines Meisters folgl«. Tan» müßte der letztere ja beinahe ein vielköpfiges politi- schcs Nu geheuer gewesen sein.— Frhr. v. Marschall: Normann-Schnman» macht eine Ausnahme. Ans den Akten ergiebt sich, daß dieser vielseitig« Mann in Rom Verlrauensmann eines Kardinals, zugleich aber auch eines radikalen Abgeordneten und daß er in. Xantener Prozeß Vertrauensmann der philojemiti scheu und anlisemitischeii Seile war nnd merkwürdigerweise beide zur volle» Zufriedenheit bedienen konnte. Frhr. v. Marschall wird hierauf entlassen und eS tritt eine halbstündige Pause ein. » Herr v. KSller. Nach der Pause wird Minister v. Kölker vernommen.— Präs.: Sind Excellenz mit dem Angeklagten v. Taiisch früher in Berührung gekommen?— Zeuge: Soviel ich mich entsinue, zwei- mal,— das eiste Mal ließ ich ihn zu mir kommen, um ihn mit bei, Ermitlelungen in der Affäre v. K o tz e zu betrauen. Sodan» war er am 19. oder 29. November 1895 bei mir, da ich ihn beauftragen wollte, den Verfasser der Depesche an die Münchener„Neuesten Nach- richten" zn ermitteln. Herr v. Tausch erklärte mir, daß es sehr schwer hallen würde, den Verfasser zn ermiltel». Ich bat ihn, sich Mühe zu geben, es komme auf 1090 Mark gar nicht a». Nachdem ich dann über die Jndiskretivussache am 3. November mit dem Kriegsminister die erste Uiiteireduug gehabt hatte, erhielt ich ein Schreiben des Kriegsininisters vom 19. November, daß die terren Kuknisch, Eckhardt und Honiann zu einer Vernehmung dem riegsminifierium geladen seien.— Präs.: Ist darüber, daß Herr v. Marschall den Verdacht der Provenienz des Artikels aus dem Ministerinin des Innern zerstreut hat, etwas bekannt geworden?— Zeuge: Nein. Es folgt eine längere Erörterung über den anonymen Brief v. Lützow's. v. Köster hat nicht»lancirt". Rechtsanwalt L» b s z y n S k i: Ich nehme an, daß es nicht wahr ist, daß der Herr Zeuge dem Kriegsminister zugestanden hat, iigend ivelche Nachrichten über die Slaatsininisterialsitzung in die Zeitungen laiicirt zu haben?— Zeuge: Ich habe keinerlei Nach richten in die Presse lancirt, nur am Tage, als ich von Se. Majestät den Abschied erhielt, habe ich einen Jonrnalisten enipsangen und ihn ermächtigt.— R.-A. L u b s z y n s k i: Dann frage ich Herr» Tausch, ob er es ausrecht erhält, daß Oberst Gäbe ihm so etwas mitgetheilt hat.— Angekl. v. Tausch: Ich»rnß bei meiner früheren Darstellung beharren.— Zeuge v. K ö l l e r: Ich habe weder im Sinne ves Zustantekoininens der Militär-Sträsprozcß-Ordnung oder im Sinne des Gegenlheils bei irgend welchen Herren von der Presse inspirirt oder rnfluirt, glaube auch nicht, daß Herr Oberst Gäbe eine solche Behauptung aufgestellt haben wird.— Rechts anivalt L u b s z y» s k i: Ist es wahr, daß v. Tausch dem Zeuge» gegenüber auch den Namen Lucanns unter den Verdächtigen genannt hat und daraus die Antwort erhielt:„Ich sehe, Sie sind unterrichtet."— Zeuge: Da? ist entschieden nicht richtig. Es ist möglich, daß der Name Lucanus genannt worden ist, aber jeden- alls würde ich nicht so duinm gewesen sein, einem Kriminal- k o m in i f s a r i u s gegenüber«inen solchen Zusatz zu mache», wie mir in den Mund gelegt wird. (Forlsetzung im Hauptblatt.) UoKales. Achtung, Ä, Wahlkreis. Di« nächste Versammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins" findet an» Mittwoch, den >. Juni, abends 81/, Uhr, bei H. Martens, Friedrichstr. 236. tatt. Genosse D r. L e o A r o» s wird sprechen über:„Sozial- demokratie und Dreiklassen-Wahlsystem". Recht zahl» reichen Besuch erwartet Der Vorstand. Die Parteigenossen tzrS vierte» Reichstag»- Wahlkreises iverdn« aus das am Moiitag, den zweiten Pfingsi, eierlag, morgens stattfindende wird durch Brauerei Friedrichshaln(Lips) rühlonzert aufmerksam bekannt gegeben. gemacht. Alles Nähere Die Eozialdeinokratle und die Schichten der Gtndirten". Versammlung, in welcher Herr Rechtsanwalt W o l f g a n g Heine am 25. d. M. in» Feenpalast über obiges Thema referirte und die sich auf einen Antrag aus der Mitte der Versammlung ver- tagte, wird am Dienstag, den 1. Juni, abendS S'/j Uhr, im großen Saale der Brauerei Friedrichshain sortgesetzt. Als Redner stehen auf der List» die Herren Ad. Damaschke, H. v. Gerlach, Dr. Eonrad Schmidt, L i t f i n, Rechts- n>v a l l Wolfgang Heine und andere. Bei dem großen Interesse, welches der ersten Versammlung entgegengebracht wurde, der Saal war abgesperrt und Hunderte mußten umkehren, iverden viele die erneute Gelegenheit willtommen heißen, um einer Dis- kussion über das interessante Thema beizuwohnen. An die Namen der eingezeichneten Redner läßt sich wohl die Hoffnung knüpfen, daß die Diskussion, welche von gegnerischer Seil« geführt wird, diesmal auf einen höheren Niveau stehen wird als in der erstey�Ber- ammlung. Studentenversanimlnng gegen feie Dnellrohheit. Die Gründung eines akademischen Ehrengerichts-Vereins ist am Freitag in einer Studenteuversamuilnng im Türkischen Zelt, Charlottenbnrg, perfekt geivorden. Da Rektor«nd Senat der technischen Hochschule der Ehrengerichtsbewegung ablehnend gegenüberstehe», war die Ein- berufung und Leitung der Versammlung Personen übertragen, die der akademischen Gerichtsbarkeit nicht mehr unterliege». Die Diskussion drehte sich im ,v»sei»lichen um die polizeiliche An- Meldung, der schließlich auch fast allgemein zugestimmt wurde. Ein Versuch, den neuen Verein mit Politik zu verquicken und sozial- demokratischen Kommilitonen den Eintritt in den Berein unmöglich zu machen, wurde vom Rechtsanwalt Biber-Berlin lebhaft bekämpft, da es sich hier um eine rein stiidentische Sache handle. Das Er- gebniß der Versammluug war die Gründung eines akademischen Ehrengerichtsvereins, dem sofort gegen 79 Slndirende beitraten. Der neue Verein stellt sich außerhalb der akadeiuische» Gerichtsbnr- keit. Angenommen wurde folgende Resolution: Die heute im Türkischen Zelt zu Charloltenburg tagende Versammlung von Studirenden der königl. technischen Hochschule spricht ihren festen Wille» aus, die Bewegung für Errichtung studentischer Ehrengerichte weiterzuführen. Was unsere Kommilitonen in Jena 1791/92,_ in Berlin nnter dem glorreichen Rektorat von Fichte 1811/12, in Würz- bürg 1846 und anderwärts erstrebt haben, das ivieder auszunehmen, ist»iiser gutes Recht, das wir uns von niemand nehmen lassen wollen. Wir habe» deshalb die Gründung eines akademischen EhrengerichtSvereins beschlossen, der alle» Aiigelwrigen unserer Hoch- schule, die die Waffen als ein Rechts-»nd Siihneinittel nicht an- erkennen, die Möglichkeit gewähren soll, Ehrcnstreitigkeiten auf dem Wege des Schiedsrichtcrspruchcs durch Unbetheiligte beizulegen. Ter Ansschuß des Berliner GcwerbcgcrichteS hat i» seiner gestrige» Sitzung einen Antrag mit allen gegen«ine Stimme an- genommen, ivelcher verlangt, daß„die Novelle zur Gewerbe-Ordnung dahin abzuändern sei, daß Jnnungs-Schiedsgerichte an denjenigen Orte» nicht neu errichtet iverden dürfe», an denen Gewerbegerichle bereits bestehen, und daß nach dem Inkrafttreten der Novelle er- ricktete JmiungS-Schiedsgerichte aufzulösen sind, sofern für den be- treffenden Bezirk Geiverbegerichte errichtet werden." Die Borsitzcnden des Gewerbegerichles werden vorstehenden Antrag den zuständigen Behörde» übermitteln. „Amtlichcs Publikationsorgan des Berliner Magistrats" nannte sich der„B e r l i n e r L o k a l- A n z e i g e r". In der Stadt- verordneten-Versammluiig wurde voin Genossen Stadtbagen auf das Unberechtigte dieses Titels hingewiesen und unter Beifall der Versammlung Abstellung begehrt. Vom Magistratstisch ans wurde dieselbe zugesagt. Seit Mittwoch ist nunmehr der oben an- geführte irreführende Titel entfernt. Nur einen Bären führt der „Lvkal-Anzeigcr" noch an seinem Kopf- soll der ein Hinweis anf die Bären sein, die die Leser des„Lokal-Anzeigers" sich von diesen, ans- binden lasse» ivollen? Um seine Uebnngen deS Abends mit besserem Erfolge betreiben zn können, hat sich der Verein der„Berliner T u r n e r s ch a f t" mit der Bitte an den Magistrat gewendet, den Turnplatz hinter der großen Turnhalle in der Prinzenstraße elektrisch beleuchten zu lassen. Die Deputation sür das städtisch« Tun,- und Badewese», welche sich unter Vorfitz des Stadtschnlraths Dr. Fürstenau mit dieser Angelegenheit beschäftigte, hat sich im Prinz, pe mit diesem Antrage einverstanden erklärt und beschlossen, den Antrag des be- zeichneten Vereins einer Snbkomniission nnter Vorsitz des Kurators der Turnhalle, des Stadlverordneten Kalisch, zur näheren Prüfung zu überweisen. Der frühere Dtadtverorfenete Bulle, welcher der Stadt- verordneten-Versainiiiliing ca. 13 Jahre angehört hat, und vor etwa 3 Jahre» kraukheitsbalber sein Amt niederlegen»inßte. wnrde am Mittwoch vor dem Himnielsahrlsfeste auf dem allen DreifaltigkeitS- Kirchhof unter Betheiligung vieler Stadtverordnelen und Vereins- genossen zu Grabe getragen. Gefangcncubehandlnng'nnfe Ocffentlichkeit. Die„Vossische Zeitung schreibt: „Unangeiiehin fiel gestern in der Markgrafen-»nd Lindenstraße auf, daß ein Zuchlhänsler in seiner Sträflingskleid»»g, an den Arme» geschlossen, von einem Schntzinau« zu Fuß nach dein Kammer- gerichls-Gebände und zurück geleilet wurde. Der Sträfling, der erst kürilich verurtheilte Direktor einer verkrachten sogenannten Hypo- thekenbank, war zu einem Verhör in zivilrechtlichen Angelegenheiten nach dem Kammergericht bestellt worden. Der Transport wurde um so niehr bemerkt, als es Heller Vormittag war, und der Sträfling, eine ausfallend lange hagere Gestalt, eine große, anscheinend goldene Biille trug. So oft schon ist gegen derlei öffentliche Schaustellung von Strafgefangenen geschrieben worden, und immer wieder wird solch Aergerniß gegeben!" Ei« merkwürdiges Ergcbnlß hatten die polizeilichen Er« Mittelungen, die aus Anlaß eines kürzlich stattgehabten Brandes in einem Hause im nördlichen Theile der Brunnenstraße angestellt wurden. Der Brand war durch eine vorschriftswidrige FeuerungS- anlag« im Dachgeschoß verursacht, nnd es stellte sich heraus, daß die sämmtlichen Wohnungen im Dachgeschoß angelegt waren ohne polizeiliche Erlaubniß und schon seit 15 Jahren bestehen. Der Vor« bksitzer hatte diese Einrichtung getroffen und bald darauf das Grundstück verkaust Der jetzige Besitzer hat nun die nachträgliche baupolizeiliche Genehmigung für diese Wohnungen nachgesucht; ob diese Genehmigung erlheilt wird, ist noch nicht sicher, da die Wohn- räume 5 Treppen hoch liegen. Arge Nadanszcncn spielten sich am Freitag im Landes- auSftellnngSpärk ab. Dort ivollte der bochseudale„Deutsche Sport- verein", der so vornehm ist, daß er sür seine Veranstaltnug nicht einmal einen gnten deutschen Name» zu finden vermochte, einen „Concours hippique" veranstalte», das heißt eine Preisbewerbung vo» Equipage», Reitpferde» und Arbeitswagen. ES kam aber nichts »ach dein„Concours", wohl des strömenden Regens wegen, aber die Besucher erhielte» auch ihr Eintrittsgeld nicht wieder zurück, das zum theil in Höhe von 12'/, M. erhoben worden war. Darob ge- rechter Lärm; die molestireichen Interessenten wurden von der Polizei auf den Weg der Zivilklage verwiesen. Di« Etaatsb. Ztg." meint zu dein Vorfall: Der Deutsche Sporlverein, dessen Präfidenlen Prinz Aribert vo» Anhalt, der Oberstallmeister Graf Wedel und Genernl-Lieutenant Gras Alex v. Warlensleben sind, hat jedenfalls mit seinem Verhalten nickt viel Geschick bekundet nnd große Sympathien sich nicht erivorben. Eine verstärkte polizeiliche Aufsicht hat jetzt der Polsdamer Platz erhalten, auf dem infolge der Einengung durch die Erdarbeiten in der Polsdainerstraße die Regelung des starken Fährverkehrs große Echwierigkcilen macht. Außer dem gewöbnlichen Doppelposten des 37. Reviers hält jetzt je ein berittener Schutzmann in, Zuge der Polsdamer- und der Königgrätzerstraße. Dazu kommt noch ein Ver- kehrs-Wachtmeister, der auch mit eingreift. Selbstmordversuche. Am HimmelfahrlStage wurde in das Krankenhans zu Köpenick der neunzehnjährige Arbeiter Max Paul eingeliefert, welcher durch einen Messerstich i» der Brust, der auch die Lunge beschädigt hatte, schwer verletzt war. P. behauptete zwar, daß er sich diese Verletzung zugezogen, indem ein von ihm offen gc- tragenes Taschenmesser bei einem Fall ihn» in die Brust gedrungen wäre; doch scheint Selbstmordversuch vorzuliegen. Schließlich wurde noch am vorgestrige» Tage in der Juugfernheid« ei» Arbeiter Rauh aufgefunden, welcher stch Schnittwunden im Handgelenk beigebracht hatte. Er wurde noch lebend nach einem Kranlenhause in Berlln überführt. Der Verkehr»ach Tempelhof war gestern zum theil gesperrt. Grund: Es wurde eine Kaiserparade abgehallen. An der Charlottenburger HnfbeschlagS-Lehrschmlcfe», welche bekanntlich vom landwirthfchaftlichen Provinzialvere»» sür die Mark Brandenburg und die Niederlausitz»ulerhallen wird, beginnt am 5. Juli ein neuer Lehrknrsns. Meldungen zur Theilnahme sind an de» Vorsteher, Ober-Roßarzt Brandt in Charlottenbnrg, Spree- straße 42, zu richten. Unbemittelte erhalten freie Ausbildung und haben keinerlei Prüfungsgebühren zu entrichten. Ans unbekannter Ursache hat sich dieser Tage der 46 Jahre alte Gastwirth Schneider ans der Freienivalderstraße in der Lorberg'schen Baumschule, Schwedterstraße, erschossen. Straßensperrnngen. Die Wichniannstraße von der Land» grasen- bis zur Bnrggrasenstraße exkl. Kreiizdamm der Keithstraße wird behufs Aspdaltirnng vom 31. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Durch einen Sprung aus dem Fenster deS zweiten Stocks versuchte gestern. Freilag, Abend um 11'/- Uhr der 3l Jahre alle Klempner Wilhelm Leonhardt ovs der Muekauerstr. 66 sich das Cebcu z» nehmen. Er verletzte sich nur wenig, wurde nber auf' ärztliche Anordnung trotzdem in ein Krankenhaus gebracht. Mit Vitriol vergiftet hat sich gestern Mittag das Dienst» Mädchen eines Rentiers. Emma Krüger, am Schönebergcr Ufer. Das Mädchen hat ein förmliches Testament gemacht und in einem Briefe an ihre außerhalb wohnenden Eltern über ihr Geld und sonstigen Werthsache» genaue Bestimmungen getroffen. Die Un- gluckliche wurde noch lebend aufgefunden, starb aber unter den Händen des Arztes. Liebesgram gilt als Motiv der That. Der Kunstschiitzc Krüger hat den Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft geflelll, da sich Krüger aber noch in de» Händen des Untersuchungsrichters am Amtsgericht II bestndel, wtih- reiid das Delikt der fahrlässigen Tödtung vor die Straskamnier ge- hört, so wird über den Hastentlassungsanlrag wahrscheinlich erst entschieden werde», wenn die Sache an das Landgericht verwiesen sein wird, was in kürzester Zeit bevorsteht. Bei der Obduktion des »»'.glücklichen Opfers sencs Fehlschusses hat sich ergeben, daß die Kugel in schräger Richtung von oben nach unten das Kinn durch- bohrt hat. unterhalb desselben»vieder hervorgetreten und nun erst in den Hals gedrungen ist, Ivo dieselbe in» Halsivirbel stecke» blieb, wobei das Mark zerrissen»vurde,»vas de» schnellen Tod zur Folge hatte. Gcstct'n früh kurz nach 3 Uhr fand eine Explosiv» von Wasser dämpfe» in einem Vertheilungsschachl eines elektrischen Lichtkabels an der Ecke der Brunnen- und Elsafferstrabe statt. Die Fenerivehr sperrte bis zur Ankunft von Arbeitern der Allgemeine» Elektrizitäts-Gesestschast die Unfallstelle ab. Durch die Explosion»varcn die auf dem Bürgersteig liegenden Granitplatte» in die Höhe geschleudert, ohne daß jemand verletzt»vorden ist. Es »nnß als ein Glück bezeichnet werden, daß die Explosion nicht am Tage erfolgte, Ivo die Brunnenstraße stets sehr belebt ist. dann wäre sie sicherlich nicht ohne ernstere Folgen gewesen. Es ist dies schon die dritte größere Explosion in solchen Vertheilungsschachten. Im Berliner Aqnarimn nehmen augenblicklich vielleicht mehr als die angekommenen neuen Thierarten gewisse andere Erscheinungen das Juteresie des Naturfreundes in Anspruch. Gleich im zweiten Glashause des Schlongenganges. daS jetzt wieder eine Anzahl der giftigen Kreuzottern und einer auffallenden, durch einfach braungraue Körpersärbnnq ausgezeichneten Varietät der Ringelnatter anlgenoinmcu hat, beinerkt der Be- fucher mehrere Haufen von taubencigroßen jedoch schlankeren, weichschaligen, weißlichen Eiern, die von Wassernattern dort abgelegt sind. In einem der freistehenden Aquarien an der Treppe tnmmelil sich etwa zolllangc gc- schwänzte, an den Kopfseiten mit Kieinenbtticheln ausgerüstete vierbeinige Geschöpfe, die sich als die Jugendsorm(Laiwen) eines nordamerikanischcn Kiemenmolchcs z>l erkennen geben, und iin nachbarlichen Behälter sind einige ftngcrlange Junge des größten Raubfisches unserer Binnengewässer, des Welses, ausgestellt. Passage-Panoptikum. Die vom Direktor Neumann in der Sahara zusainmengestelltc Truppe»st, dreißig Köpfe stark, gestern hier eingeirossen. Ruf der Zlnsstellung des BercinS„Ornis" erhielten die goldene Medaille: für einheimische Vögel R. Withelin-Berlin, für fremdländische Vögel Fräulein Hagcnbcck-Hamburg, für Gcräthschaften Ad. Manecke-Berltti: die silbern« Medaille: für einheimische Vögel M. Rcichard-Berlin, Emil Güttin«m-Berlin, O. Säuberlich-Berlin, Ernst Hinze-Berlin, ffi. Maidl-Berlin, E. Grüllemeier-Wien, F. HallaS-Wie», für fremdländische Vögel Frau Horgot-Berlin, Fräulein W. Stehle-Hamburg, Heinrich Behl-BerUn, Emst Hinze-Berlin, Schiffer-Köln; für Geräthschasien Nadlmneister P. Schindler- Berlin, K. Kaldenbach-Berlin, C. Lehl-Bcrlin, Dr. C. Flöncke-Klein- Linde bei Perleberg; die bronzene Medaille ttir einheimische Vögel: I. Rothbauer-Wien, Schulze- Berlin, P. Schindler- Berlin, für frenidländische Vögel: Pr.-Lieut. o. Stephanitz-Halensee bei Berlin, Richard Stiehler- Kötzichenbroda, Dr. v. Shdow-Hamburg, S. Rifius-Bremerhaven, G. Brühl- Dresden; eine lobende Anerkennung erhielten: für einheimische Vögel Dr. L. Hirschberg-Berktn, A. Groesch-Dalherda, E. Reiche-Ahlscld, O. Goethe- Homburg und W. Hossmann-Dortmund. Den Ehrenpreis stir einheinusche wohlgepflegie Sänger, gestiftet von einem Mitglied des Vereins, erhielt der „Berein Vogelsteunde edler Sänger", weicher die Ausstellung mit aus- erlesenen Sängern beschickt hatte. Ans de» Nachbarorten. Rixdorf. Ain 2. Juni, abends 8V, Uhr, findet bei Kummer, Berlinerstr. SS, eine Mitgliederversaminlung des Frauen- und Mädchen-Bildungsvereins statt. Die Parteigenossen»Verden gebeten, auf ihre weibliche» Angehörige» dahin«inznwirken, daß diese in der Versainmlung recht zahlreich erscheinen. Ferner mache«»vir auf die Annonce im„Vorivärts" am Dienstag aus»»ierksam. Es ge- langen die Mitgliedsbücher dort zur Ausgabe. Der Borstand. A« die Mitglieder des Arbeitervereins von Pankow uud Umgegend k Der Vorstand giebt hierdurch bekannt, daß die Zahl- stelle des Arbeitervereins in» Westen von Pankoiv sich nicht»nehr bei», Restaurateur Walter, Wollanksiraße 102, befindet, sondern»ach dem Lokal des Genoffen Heinrich H o f s n» a n n. Brehmestr. IS, verlegt ist. Ferner best,»bei, sich Zahlsteven dein» Reftauratenr Griffel, Kaiser Friedrichstraße IS, und in, Zigarrengeschäft von Karl Hoffmann, Mühleiistraß« 25. Der nächste Leseabeud findet am Dienstag, den 2. Jiini, abends 9 Uhr, in Störr's Lokal. Mühlenstraße 24, statt. Fortsetzn»»g der Diskussion über„Das sozialdemokratische Programm". Die Mitglieder werden ersucht zahlreich zu erscheinen. Fricdenan-Ttealitz. Am Dienstag, l. Juni, abends S Uhr, findet im„Hohenzollern", Hanbjerystr. 64 zu Friedenau, eine Volksversanwi- lung statt, in der Genoffe Z u b e l l«fem«, wird. Zahlreicher Besuch wird envartet.— Gleichzeitig wird auf die Parteispedition für Steglitz und Friedenau, Adr. H. Bernsee, Kirchftr. lv, hin» gewiesen. Der Vertrauens in an»» von Friedenau. Die Erlangung dcS Stadtrechts»vird jetzt auch, wie es heißt, vo» R i x d o r f mit großen, Stachdrnck erstrebt. J»i einer am Miltivoch abgehaltene» außerordentlichen Sitzung der dortigen Ge- »»eindevertretiing»vurde eine Ko»n»»ission von fünf Mitgliedern er- nannt, Ivelche die dazu nölhigen Vorarbeiten zu erledige» hat. Das Rixdorfer Pfahlbürgerthun» scheint sich der herrschenden Regiernngs- ströninng völlig anpassen und der einzig verständigen Anschauung, daß nur die Einverleibung in Berlin den Vororten von Nutze» sein kann, vorab Valet sagen zu nwklen. Trübe Erfahrungen muß der Ausschuß für Errichtung eines Kaiser Wilhelin-Denkuials in Landsberg zu seinem größten Leidivescn machen. Dortselbst werden»äinlich Beiträge für den Dentinalfonds von freiivilligen Sammlern von Haus zu Hal»S eingeholt. Die Beiträge fließen aber bei weitem lange nicht so reichlich, alS es die anfänglich für das patriotische Unternehmen zu tage getretene Be- geisterung hatte erhoffen lassen. Es sollen deshalb auf grund der gemachte» Erfahrnngen Mittel u»d Wege ersonnen nwrden. ans denen bessere pekuniäre Erfolge als bisher zu erhoffen fein dürflen. Aehnlich liegen die Dinge in Rixdorf, wo auch der Klingel- bentel für ein Kaiser Wilhelm-Denkmal„init patriotischer Bereiste- rung" geschwungen»vird. Hier ist das Denkmal?> Komitee glücklich bei der' Veranstaltung einer Silber-Lolterie zur Befchaffuug der Denk- nialskosten angelaugt; auch sollen verschiedene Sonniierfeste ver- anftaltet werden, bei denen in Verkaufsbirden»». f. w. die Damen der Honoration als Verkäuferinnen u. f.»v. mitivirken sollen. Wenn das nicht zieht, dann steht es schlimm UM das Denkmal! Noch schlimmer aber ist eS»in» die„patriotische Begeisterung" bestellt, die erst solcher Reizmittel bedarf, um sich in landesübliche Münze zu ver- wandeln. Wege» deS gestern gemeldeten Einsturzes der Dampfer- landinigsbrücke am Weinnieisterhor»(Königgrätzer Garte» auf Pichelsivcrder) ist, wie aus Spandau berichtet»vird, vo» der Be- Hörde eine Untersuchung eingeleitet worden. Der AmtSvorsteher von Spandan-Land, Herr Göhring hat de» Thatbestand Freitag Bor- mittag an Ort und Stelle aufgenommen. Es ist festgestellt, daß die Brücke der Vorschrift geniäß vor Beginn des Echifffabrtsverkehrs tu diesen, Frühjahr von der Strompolize» geprüft und zur Benutzung frei- gegeben worden»var. Die von dem Unfall betroffenen Personen aus Spandau haben sich gemeldet und verlangen Ersatz für den Schaden a» ihrer Kleidung k. Der mit genauer Roth dem Tode des Ertrinkens entronnene ältere Mann ist der Maschincnbaner Schultz« aus der Lynarstr. 4 in Berlin, der bereits u»ter dein Wasser verschwunden war und nur einem Zufall zu danken hatte, daß er noch im Waffer entdeckt und ans Land gezogen wurde. Zittn Gc,n«indc-Ba»mcister bou Groß-Lichterfelde ist der bisherige Stadtbaurath von Küstrtn, Regierungs-Banmeister T i e tz e. geivählt, vorbei». Bci einem Dachstnhlbranbe, der gestern Mittag in der Feurig- straße 18 zu Schöneberg herauskam,»vurde eine 3Kjährige Frau so- wie drei kleine Kinder, die hilflos in der obersten Etage sich befanden, durch die Schöneberger Berufsfeuerivehr über die verqualmten Treppen himveg in Sicherheit gebracht. Das Fener,»velches den Dachstuhl des Vorderhauses und Seitenflügels ergriffen hatte, i»>urde mit mehreren Rohren erfolgreich bekämpft. Ter Schaden ist er- heblich. Tie Leiche« do» drei Selbstuiördern sind vorgestern und gestern in der Umgebung Berlins gefunden worden. Im Grunewald, in der Gegend von Spandau,»vurde ein Arbeiter Römer aus Berlin erhängt aufgefunden. In der Köpeuicker Heide, im Jagen 6, wurde vorgestern die Leiche eines anscheinend aus Fürstemvalde stammenden Mannes entdeckt. Schließlich wurde gestern in der Nähe von Tabbert's Waldschlößchen an der Oberspree die Leiche einer»in- �kannten, etiva 40 jährigen Frau gelandet. Verfrommung in Tegel. Ein hiesiges Blatt berichtet: Als am Himuielfahrlsiage Berliner Herren in dem von der Straße durch einen dichte» Zaun getrennten Vorgarten des Spatenbrän- Restaurants in Tegel Platz nehme» wollten,»vurde» sie daran ver- hindert»nd ersucht, sich in das Innere des Lokals zu begeben, da »vährend der Kirchzeit sich niemand in» Vorgarten aufhalten dürfe. Vor drei Wochen halte ein Gendarn, mündlich dieses interessante Verbot verkündigt, und n,an hatte sich dabei ohne»veiteres beruhigt. In der Tchicßaffäre iu der Charlottenburger Flora, bei der der Großschiächler Edwin Schulz»uns Leben kau», ist nmimehr auch der Küchenchef Waller Seyring, der bekanntlich unvorsichtiger« weise seinem Freunde Eichler den nach seiner Ansicht»»»geladenen Revolver auf den Tisch legte, in den A»klagez>ista>id versetzt»vorden. Beide Angeklagten hatten ein inehrstündiges Verhör vor dem Unter- suchnngsrichter in Charlottenburg z» bestehen. TheAkev. . Mschenchronik. Opcrnhau». Sonntag:„Nndlne". Man- tag:„Ter Evangelimann".„Phantasien im Bremer RalhZteller". Anfang 7 Uhr. Dienslag: Paradevorfiellung:„Ter Maurer". Ansang» Uhr. Millwoch: „Undinc". Donnerstag:„Der fliegende Holländer".(Der Holländer: Herr Theodor Reichmann aus Wien als«astn— Schauspielhaus. Sonntag: „Coriolan". Montag:„Der Tod des Tsberius".„Die schöne Toledanerin". Dienstag:„Die«omsdie der Irrungen".„Der eingebildete Kranls". Mittwoch: „Eorlolan". Donnerstag:„isiu". Sreitag:„Der Tod des TtderiuS".„Die schöne Toledanerin". Sonnabend:„Die Journalisten". Sonntag:„Eoriolan". Montag:„Ein Soininernaiblstraum". Dienstag:„Der Btbltothelar".— N eu es O p ern- Th ea ter(Kr o ll). Sonntag:„Dollor Klaus". Freitag; ..Der Barbier vo» Sevilla".(Rosine: Eignortna Prevosti als Bast)„Die Puppensee". Sonnabend:„Haschisch".„Bajazzt". Sonntag:„Maraarethe". iFoust: Herr Emil Bü»e als Bnst.l Anfang 7 Uhr. Montag:„Der Prophet". Ansang 7 Uhr. Dienstag:„Die Meistersinger von Nürnberg".(Sachs: Herr Tbeodor Reichmann. Stoizing: Herr Emil«ötze, alS Bäste.) Anfang 6% Uhr.— Das Deutsche Theater bringt tn dieser Woche Wiederholungen der„Räuber" mil Joses Kai», als Franz Moor nußer am heutigen Sonntag Abend noch am Donnerstag und nächstsolgenden Sonntag Abend: Ausführungen der„Versunkene» Blocke" finden morgen, Montag, sowie am Mittwoch und Sonnabend statt; am D enstag wird„Freiwild" gegeben, am Freitag„Einsame Menschen", am nächstsolgenden Sonntag„Freiwild".— Im Berliner Theater wird der Spielplan der nächsten Woche ausschließlich, mit Ausnahm« von Dienstag, von Weirauch's Posse„Die Maschwenbaner" beherrscht. Tie Frettags-Aus- führung findet bei ausgehobenem Abonnement statt. Dienstag geht, vielfachen Wünschen entsprechend,„Renaissance" in Szene.— Im Theater des Westens findet heule die letzte Borstellung»n der diesjährigen Saison statt. Zur Ausführung gelangt mit Herrn August Junkermann als Bas»„Hanne Nüto un de liiile Pudel".— Im Schiller- Theater kommt heute Abend„Romeo und Julia" mit Fräulein Misabclh Hos- mann vom Deutschen Thtater In Berlin als Bast zur Aufführung, in der heutige» Rachniittags-Vorstellung wird Moser's Lustspiel„Das Etistungifest" gegeben. Montag kommen die deutschen Schwänle„Die ehrlich Bäckin",„Hansivurst", „Schneider FipS" und„Fräulein Willwe". Dienstag„Banernehre" in Verbindung mit Moller«'«„Der eingebildete Kranke", Mittwoch„Madame Bonioard", Donners- tag„Der B'wtffenswurm" zur Wiederholung. Für Freitag ist die erste Auf- sührung des neuen Stückes von Walther und Stein in Aussicht genontmen.— Thalia-Theater. Sonntag Abend findet das zweite Bastspiel der amerika- nischen Schaitspieierin Miß Marlclla Elm statt. Den Svengalt spielt wiederum Julius Türk.— Im Friedrich Wilhelmfiädtischen Theater gehl heute Abend 8 Uhr„Wilhelm Tell" im Schiller- ZyllnS bei den kleinen Preisen(Logen l.ss Mark, Ballerte 30 Pfennig) in Szene. In dem am Monlag»um erste» Plale zur Ausführung gelangende» Lustspiel„Im Lichte der Wahrheit" von Contmor sind iu den Hauptrollen beschästigt: Käthe Bricp«, Marie Eaßmann, Lina Doppel. Evellne Weinholz. Albert Bauer, Fravz Tichy, Karl Kahn, Hans Edmund, Alfred Lux und Hans Hermes.— Theater Nnter den Linden. Montag„Die Fledermaus". Dienstag„Der Ztgeunerdaron". Mittwoch„Der Zigeunervaron". Donnerstag„Der Bctlelstudent". Freitag„Der Bettelstudcnt". Sonnabend Zum ersten Male: Elrofiö-Birofla.— Im Apollo- Theater wird auch in der solgenden Woche„Venus auf Erden" gegeben.— Im Oftend-Theater gelangt heute Nachmittag zu halben Prellen„Berltn wie e» weint und lacht" und abends„Prezlosa" zur Aufführung.— Dle Proben zu»er Kneisel'schen Novität„Unsere ReichSpost" find im vollen Bange. Sonn- abend ist Premiere.— Im Belle-Alliance-Thealer»oird heut« Abend zum ersten Male �onftanlinopel" gegeben. GeriiizkS Frau Cohn und ihr Bildniß. Ein Rechtsstrelt über die Aehiilichloit eines Porträts ist gestern vor der 6. Zivilkaniiner des Landgerichts I verhandelt. Frau Cohn ans Berlin halte sich ge- weigert, ihr von der Malerin Fräulein Veit ans Benthe» gen«altes Bild zn übernehmen, beziehungsiveise zu zahlen. In einen» frühere» Termin war die Verhandlung vertagt»vorden, um in der gestrigen Sitzung das Bild mit den» Original zu ver- gleiche». Professor Koner hatte alS Sachverständiger über die Porträtähnlichkeit fein Urtheil abzugeben. Er erklärte, daß das Bild nach seiner technisch-künstlerischen Seit« für 600 M.. die die Malerin dafür verlangte, kaum zu machen sei; es gäbe Bilder von 10- und IS 000 M., die nach dieser Richtung nicht besser seien. Die Porträt- ähnlichkeil lasse»vohl etivas zu»vünschen übrig; im Gesicht sei ein fremder Zug, zu wenig Seele. Mit einige» lleinen Aendenmgen könnte das aber annähernd ausgeglichen»verde»,. Während der Berhandluug bat Rechtsanwalt Hngo Sachs, Original und Bild noch einmal zu vergkeichen. Nachdem nämlich das Lächeln bei der Erregung vom Geficht deS Originals verschwunden, sei die Aetrnlich feit ganz frappant. Frau Cohn erklärte ihren veränderten Gesichts auSdruck damit, daß fie zn»»» erste» Male vor Gericht stehe und daß der Gerichtssaal keinen günstigen Eindruck ans sie»nache. Das Ende »var, daß Frau Cohn kostenpflichtig verurlheilt»vurde. der Kimstlerin 500 M. für das Bild zu zahlen. Frau Cohn»vill noch a»S Kammergericht gehe». Tie Anklage wegen Beleidigung und Nöthigung, die auf Ber> anlaffung des Grafen Douglas gegen drei der Brandt'fchen Erb prätendanten erhoben worden ist.»vird schon morgen, Montag,»in» 9 Uhr morgenS, vor der VIl. Strafkammer des Landgerichts I ver- handelt»verde». Einein hiesigen Justizrath und Notar ist kürzlich im Disziplinarverfahren das Amt als Notar aberkannt worden, nach- den, er bereits früher die Rechtsanivaltfchaft freiwillig niedergelegt hatte. Die zur Erörterung gelangte» und in dieser Weise ge ahndeten Znividerhandlungen des betroffenden gegen seine ÄniiS- pflichten sollen, wie berichtet wird, schon viele Jahre zurückliegen und»och ans feiner notariellen AintSfiihrung in der Provinz her datiren. Gegen sechs Gendarmen aus der Unigegend Berlins schwebt bei der Brigade ein Ermittelnngsverfahren»vegen eines Vorfalles, »velcher sich zur Zeit der Ausstellung im Treptower Parke ereignet hat. In der Nacht vom 27. zum 28. August v. I. kam eS zu einem Nenkontre zwischen zwei Gendarmen und einer Privatgesellschaft, die sich iln.Spandauer Thurm" der Sonderausstellung �Alt-Berlin" befand und die Polizeistunde nicht refpekttren wollte. Zw« Herren von der Ge- sellschaft wurden zur Gendarmeriewache gebracht, wohin andere Herren und Damen folgten.(Die Sache hat bereits die Gerichte und die Presse beschäftigt). Eine von den Damen der Gesellschaft, die in der Näh« der Wache auf die Rückkehr ihres Gatten,«artete,»vill dabei von einem Gendarmen ausgefordert worden sein, sofort den Park zn ver- lassen, mit der erklärenden Bemerkung:„Was fich»ach 12 Uhr »och im Parke umhertreibt, das ist Liunpengesindel, Strolche und H... n Der Gatte der belerdigten Dame hat Aiizeige erstattet »tud da diese Angabe jin Laufe des Gerichtsverfahrens eidlich er- härtet worden ist, so hat das Brigade- Kommando Ermittelungen eingeleitet, um denjenigen Gendarm festzustellen, welcher die be« leidigende Aeußerung gelhan hat.— Was»nag dabei»vohl heraus- komme»?_ Weltei-Prognos« für Sonntag, den TO. Mal 1897. Ziemlich war»», vielfach heiter, zeittveise wolkig be» maßigen südwestlichen Winde»; keine erheblichen Niederschläge. ' Berliner Well erburea». Beim bevorstehenden WlonÄksmechsel empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: Sevlln vierter Wahlkvel« O.: Robert WengclS, Frucht- straße 30, Hof I.- SO.; Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35 v. Part.- Sechster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedeler- straße 8, pari, im Laden.- WeeUUnx und Oranienburger Vorstadt; Emil Stolzenburg, Wiesenstraßc 14.-«esnnd- br, innen: Wilhelm Gaßmann, Grünthakcrstr. S4.- Itosen- thaler Vorstadt und SchUnhanser Vorstadt; Karl Mars. Kastanien- Allee 95/96.- Charlottenbnrg: Gustav Scharnberg, Pcstalozzistr. 34, Quergeb. part.- Deutsch- Wllrners. dorf: Frau Küb ler, Signiaringenstr. 34 und Frau Heinemann, Sigmariiigeiistr. 35.(Hier ist auch die„Brandcnbiirgische Volks-Zeittmg" zu erhalten.)- Ilixdorf: Ostermann, Jägerstr. 70, II.- Sch«nc- berg: Wilhelm Säumt er, Belzigerstr. 69, Seitenflügel part.- Johannisthal-Xleder- und Obcr-Sch«neweide: Otto John, Ober-Schöneweide, Siemensstraße 7, Zigarrengeschäft. Annahme- stellen: Nieder-Schänemeide: Karl Weber, Zigarrengeschäft. Johannis- thal: Senftleben, Restaurateur. Außerdem ist sämmtliche Parteiliteratnr, sowie alle wlssenschastlichm Werke dort zu haben. Ruch»verde» Inserate für den„Vorwärts" entgegen genommen. Um g e n u v Augabe der Adresse wird dringend gebeteu. MZiMNISW? 2 Stub., Küche, in. Balk., f. bill., Ver- zugs halber, Liegnitzerstr. 17, v. Hl gdz tchl. Schläfst. Rüdersdorferstr. 17, r. b. Ww. Meyer. 2215b Schläfst. Wicke, Markusstt. 24, v. I. Möbl. Schläfst. Fürstenbergerstr.8,II r. Schläfst., 5 M., Naunynstt. 90, H. IV. Grabowsky._ Saud. Schläfst, f. Hrn., 0 M., Gart.- Auss. Manteusselstr. 70(65o), Querg. 1 Tr. Daumichen._ Eine sreundlichc Schläfst, zu verm. Alexandrinenstr. 31, H. III. Jäger. Frdl. Schläfst, fep. Eing., Fürsten- straße 16, H. IV bci Tschernig. Schläfst, f. H. zu venu. Willibald- Alexlsstr. 15, v. III, Buchiimmi. Möbl. Schlasst. f. H. Wwe. Äill- mann. Nauuynstr. 10, v. 3 Tr. 2 junge Mädchen od. 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Montag: Deutsche Schwanke. ReneS. Trilby. Nachm. 3 Uhr: Marcelle. Montag: Trilby. ISSeften. Hanne Nstte. Montag: Geschlossen. Linde». Die Fledermaus. Montag: Dieselbe Borstellung. Thalia. Trilby. Montag: Geschlossen. Friedrich- Wilhelmstäbtifches. Wilhelm Tell. Montag: Im Lichte der Wahrheit. Belle-Alltance. Konstantinopel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Madame Mongodin. Montag: Dieselbe Borstellung. Oftend. Precwfa. Nachm. 3 Uhr: Berlin, wie eS wewt und lacht. Montag: Preciosa. Alexanderplah. Susanne im Bade. — Eine tolle Prinzeß. Montag: Dieselbe Vorstellung. Volks. Auf eigenen Füßen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Venus auf Erden. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage-Panoptikum. 300 Sehens- Würdigkeiten. Zwei Riesen- Jl- lustonen. Sckillev-Mlzettkev (WallneF-Theater). Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das Stiftungsfest.— Abends 8 Uhr: Romeo und Julia. Montag, abends 8 Uhr: Deutsche Schwanke. Thalia-Theater. svonnalS Adolph Ernst-Theater). 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Ehre seinem Andenken! 282/14 Die Beerdigung findet am Sonntag den 30. Mai, nachmittags S1/, Uhr, vom Trauerhause in Rummelsburg, Mozartstt. 10, aus nach dem dortigen, Kirchhof statt. Um rege Betheiligung ersucht Der Borstand. Arbeitsnachweis für Bügler, Stepper und Zuschneider befindet sich Fehrbellinerstr. 34, part., b. Boigt. Jeden Dienstag Abend 9 Uhr ist daselbst Sitzung. Ebenda- selbst jeden Sonntag Morgcnsprache. Anfrnf. Handwerker, die im vorigen Jahr die Ausbesserung Karlstr. 2(Augen- klinik) hatten, bittet sich zu melden. Es handelt sich um eine Kellertreppe, die verbaut ist. Kosten werden ver- gütiat. Wittwe Hejer, Charlottenburg, Marchstr.3, Hof rechts. Charlottenbnrg. Gefangver. „L yra"(Mitgl. d. A.- S.) wünscht stimmbegabte Mitglieder. Meld, jeden Donnerstag, abends V-O Uhr, Straße 6» Nr. 1 bei Bartsch._ 2346b Kinderwageurädrr und jede Re» parawr Pallisadenstr. 101._ Kinderwagen Pallisadenstraße 101. 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Beschloffen wurde, die nächste Versannnlung bei Sta bc r n a ck, Jnselstr. 10, stattfinden zu lassen. Der Vorstand wird beauftragt, Mittel und Wege zu finden, um die Versammlungen zu besuchtere» zn machen. Die Freie Vereinigung der Zivil-Bcrnfsmnsikcr hielt am 18. Mai d. I. ihre ordentliche Mitgliederversammlung ab. Punkt l der Tagesordnung: Aufnahme neuer Mitglieder, wurde durch Auf- nähme einiger neuer Kollegen erledigt. Mit dem Posten eines Bei- sihers wurde der Kollege H a in a n n betraut. Zu Punkt 3, diverse An trcige, wurden nachfolgende Anträge angenommen: 1. für die Bibliothek werden 3t) M. bewilligt. Die Auswahl der einzelnen Werke bleibt dein Borstand überlassen. 2. Strafen müssen mit einmal oder in zwei Raten binnen vier Wochen abgetragen sein, sonst erfolgt Aus- schluß. Ferner wurden einei» Kollegen 20 M. bewilligt. Unter Verschiedenem wurde der Wunsch ausgesprochen, der Delegirte in der Berliner Geiverkschaftskommission möge versuchen, folgenden Passus demnächst aus die Tagesordnung einer Delegirtenversammlung setzen zu lassen:«Warum bestellen verschiedene Gewerkschaften bei ihren Verguügnuge» nicht organisirte Musiker?" Ferner machte der 2. Vorsitzende. Kollege Nummer, noch bekannt, daß die Kollegen Fischer und Methfessel aus der Vereinigung ausgeschieden sind. Tcr Zcntralverein der Bnrcau-Angestelltcn wählte in seiner Mltgllederversainmluug am 22. Mai eine sünfgliedrige Kommission, bestehend aus den Mitgliedern Kasper. Bauer. Brille. Danziger, Behren d, behufs Statutenberathung. Hierauf referirte das Mitglied Silberberg in einem beifällig auf- genommenen Vortrage über das Gerichlsverfassungs-Gesetz. Tie Filiale I dcS Textilarbeiter- Verbandes hielt am 22. d. M. eine Versammlung ab. in der Dr. W e y I einen bei- fällig aufgenommenen Vortrag über Lungenkrankheiten hielt. Hierauf erstattete der Kassirer den Kassenbericht vom 1 Quartal 1897. Da- nach betrug der Bestand inll. 4. Quartal 189« 492,47 M, Ausgabe 350,16 M., bleibt Bestand 142,31 M. Die Revisoren bestätigen die Richtigkeit desselben und wird hierauf dem Kassirer Decharge erhellt. Unter Verschiedenes verliest der Vorsitzende eine» Brief von einem vermiglückten Kollegen, worin dieser seiueii Dank ausspricht über die gesammelte Unterstützung von 263,15 M. Kollege Quast lheilt der Versammlung mit, daß das Stiftungsfest nicht am 27. Juni, sondern am 7. August in der Brauerei Friedrichshai»(Lips) ab gehalten wird. � Maurer. Am Sonntag, den 23. d. M., tagten zwei Wander- Versammlungen des Vereins zur Wahrung der Interessen der Maurer. In der gutbesuchte» Versammlung für Südost hielt Kollege Stndtv. Wille einen mit großer Begeisterung anfgenounnenen Vortrag über den materielle» und sittlichen Werth der Verkürzung der Arbeitszeit. In der Diskussion sprachen die Kollegen Schulz, Knöpchen und Gröbler.— In der Versammlung für Wedding sprach Kollege B l a u r o ck über„die Politik in der Gewerkschaft". I» der Dis- knssion sprachen sich mehrere Redner im Sinne des Vortragenden aus und ermahnten die Anwesenden, treu zur Fahne zu stehen und gut für den Verein zu agiliren. In beiden Versammlungen ließe» sich 25 Kollegen in de» Verein aufnehmen. Eine öffentliche Schneider- und Schueiderinnen-Vcrsa»»»- lung»ahm eine Resolution an, in welcher die in der Werkstnbe von W a n s e l o w herrschenden Zustände gegeißelt werden. Bedauert wird ferner, daß die schlechten Löhne dazu geführt hätten, daß einer bis dahin unbescholtenen Person durch GerichtSurtheil die Ehre zu nehmen. Die Versammlung erklärt sich für den Weiterverfolg der Sache, Die Stockarbcitcr hielten am 24. d. M. in Joöl's Festsälen ihre regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Nach eine», Vortrag des Herrn Dr. Pinn über„Theorien des Arbeiterglücks" be- schäftigte sich die Versammlung inil der Berichterstattung über die Maiseier. Unter Werkslattangelegenheiten mußte sich die Versa»»»- lung wieder mit den Zustände» in der Retzlaff'schen Werkstatt be- fassen. Herr Retzlaff, dem die Arbeiter erst vor kurzem energisch entgegentraten, hat entgegen seinem Versprechen mehrere Arbeiter, die dort längere Zeit beschäftigt waren, entlassen. Der letzte Fall ist folgender: Einem Arbeiter, der 10 Jahre dort bescbästigt ist, wurden von seiner Bank 2 Ringe gestohlen. Da er den Thäter nicht ermitteln konnte, wurde er sammt einem andern Arbeiter am nächsten Lohnzahlungstage entlassen. Die Versammlung gab über dieses Ver- hallen ihre Entrüstung in einer Resolution knnd und überwies die Angelegenheit einer öffentlichen Versammlung. Hierauf erstaltete der Kasstrer den Quartalsbericht und ergab derselbe eine Einnahme von 126,12 M., die mit einem Bestand von 270.15 M. zusammen 396,27 M. beträgt. Die Ausgabe belief sich aus 99,50 M. Mithin ist ein Bestand von 295,77 M. vorhanden. Bei den Gold- und Silberarbciteru referirte am 25. Mai Herr Dr. B e r» st e i n. Hierauf gab der Vorsitzende die zum Verbandslage gestellten Anträge bekannt. Eine lange Diskussion entspinnt sich über die Frage, wie es zu erreiche» sei, die Versa»»»- lungen zu besser besuchten zu machen, rvobei anerkannt wurde, daß der Vorstand seine Pflicht»ach jeder Richtung hin thue.— Be« schlössen wurde, darauf hinzuwirken, daß die Inserate des Privat- agenten Leo»Hardt aus dem Verbandsorgan zu entfernen seien. Der Vorsitzende appellirte zum Schluß nochmals an das Pflicht- gesühl aller, ihr möglichstes zu Ihn», damit die kommenden Ver- sammlnngen, deren nächste am 22. Juni stattfindet, besser besucht sind. Im Holzarbeitervcrband, Branche Parquetbodenleger, hielt am 25. Mai Theodor Glocke einen beifällig aufgenommenen Vor- trag. Sodann wurde die Kommission beauftragt, bei der Firma Kampmeier mit Herrn Preuß bezüglich der entstandenen Differenzen in Unterhandlung zu treten. In der Branchenversammlnng der Kiichemnöbel-Tischler, die am Dienstag stattfand, sprach Kollege K r e t s ch m a n n über die gegenwärtige Lage der Branche. Einige Werkstattverhältnisse riefen eine rege Debatte hervor.- Es wurde beschlossen, i» 6—3 Wochen wieder eine Versammlung einznbernfen. I» der Versammlung der Mnsikinstrnnientc»- Arbeiter, die am 26. Mai bei Henke abgehalten wurde, berichtete der Delegirte D r a p n i k über die Verhandlungen vom Kongreß der lokalorgani- sirten Gewerkschaften. Auf die Wiedergabe des Berichts können wir verzichten, da über die Verhandlungen in Halle der„Vorwärts" seinerzeit ausführlich berichtet hat; ebensowenig brachte die Diskussion etwas Neues. Hierauf berichtete der Delegirte zur Berliner Ge- werkschaflskommisston; die Versammlung erklärte sich gegen die be- kannte Resolution. Die Tapezirer tagte» am Mittwoch in Cohn's Festsälen. Ein einleitendes Referat des Kollegen Schmidt, welcher der Versanim- lung die Nothwendigkeit der Einigung und Verschmelzung der beiden Gehilfenorganisalionen vor Augen führte, da durch die bisher ständig vorhandener Organisationsstreiligkeiten die Lage der Tapezirer eine immer schlcchlere werde, die günstige Konjunktur aber unbenützt vorüber gegangen fei, bildete den ersten Punkt der Tagesordnung. Die von einer Kommission aus beiden Vereinen gemachten Vorschläge zur Einigung lauten: I. Die zukünftige Organisation steht auf der Grundlage des Verbandes. 2. Von den Beiträgen wird die Hälfte(gegenüber dem bisherigen Gebranch zwei Dritteln) an den Hanptvorstand abgeführt, wovon derselbe die Presse zu bezahlen hat. 3. Deutschland wird in Distrikte eingetheilt mit je einem Vorort. Jeder Vorort hat die Pflicht, seinen Distrikt agitatorisch zu bearbeiten. Sollten die Mittel hierzu nicht ausreichen, so hat der Hauptvorstand die nöthigen Zuschüsse zu leisten. 4. Agilationsreisen hat der Hauptvorstand nur zu unter- nehmen, wenn er von einem Distrikt dazu aufgefordert wird. Die Kosten jedoch hat, wenn möglich, der betreffende Distrikt selbst zn tragen. 5. Vorstand und Presse sind örtlich getrennt. 6. Jede Stadt hat eine Agitationskommission rcsp. einen Vertranensmann zu wählen, welche einen Fonds zu sammeln haben, der, selbständig verwaltet, zur Lohnbewegung und Agitationszwecken zu verwenden ist. 7. Diejenigen Organisationen, welchen es das Vereinsgesetz verbietet, dem Verbände beizutreten, haben die Zeitung für ihre Mitglieder obligatorisch einzuführen und den Betrag an die Redaktion zu entrichten.— Diese Vorschläge rufen eine ausgedehnte Diskussion hervor, in welcher Biester, Holzammer, Friedmeyer und Schmidt warm für dieselben eintreten, während sich Gnrschke ans Leipzig trotz der lebhastesten Prolestationen der Versammlung bemühte, im Jntersse der lokalen Organisationen zu wirken, bis ihn die Versammlung zwang, durch fortwährende Schlußrufe abzutreten. Schließlich erklärte sich die Versammlung in einer Resolution damit einverstanden, daß die jetzt bestehende Nommission weitere Schritte zur Einigung der Tapezirer thue, sie bedauert den Beschluß der Städte Leipzig, Brannschweig, Breslau den Einigungskvngreß in Leipzig nicht beschicken zu wollen und erwartet, daß die Tapezirer zu dieser Frage noch einmal Stillung nehu.ien. ülls Delegirte für Berlin werden die Zeiiiralorgnnisirten Pönnicke und Schmidt und die Lokalorganisirieu Biester und Tiemann gewählt. Zur Deckung der Unkosten wird die Kommission beauftragt Sammelliste» ausznge>>en. Im letzten Punkt der Tagesordnung wird die Frage des Arbeits- Nachweises erörtert. Zur weiteren Regelung dieser Angelegenheit sollen weitere Versammlungen abgewartet werden. Ter Parteigenosse Karl Peter, Mitglied deS sozialdemokratischen Wahlvereins des vierten Bertiner Reichslags-Wahlkreiies ersucht uns mitzntheilen, daß er mit dem Herrn gleichen Namens, der in der letzten Versammlung des Sozialdemokratischen Wahlverc»is für den drille» Berliner Reichstags- Wahlkreis in konfuser Weise über die Sozialdemokratie gesprochen hat(siehe Bericht in vir. 122 unseres Blattes) nicht identisch sei. Charlottenburg. Am 26. Mai 1897 fand hier in Bismai cks- höhe eine öffentliche Mitgliederversaii»»li»ig des sozialdemokratische» Wahlvereins für Telioiv-Beeskow-Slorkow Charlolienburg statt, in welcher der Genosse Mehner einen beisällig a>isgenommc»en Vortrag hielt. Eine Diskiission wurde nicht beliebt. Nach Erledigung verschiedener VereinSaugelegenbeiten machte ter Vorsitzende bekannt, daß am 19 Sept. d. I. ein Besuch der Urania in der Taubenstraße statt- findet, wo der Kainps um den Nordpol zur Anfsührnng gelangt Nächst- dem erstattete der Bibliothekar Ge». Beyer seinen Bericht. Aus dem- selben ergiebt fich, daß die Bibliothek seitens der Parteigenosse» immer mehr in Anspruch genoinme» wird, so daß es gerathen er« scheint, dieselbe nach und nach zu vergrößern, und werden die An- wesenden ersucht, auch ihrerseits durch Geschenke etwas hierfür zu Ihun.— Die Bibliothek besteht nunmehr aus 36 Büchern und es ist ein Baarbesland von 2 M. vorhanden. Zum Bibliothekar wurde neugewählt der Genosse Scharr nberg, Pestalozzistr. 34, Hos Quer- gebäude part. Rixdorf. Am 23. Mai fand hier eine öffentliche Versammlung der Möbelpolirer statt. Im ersten Punkt der Tagesordnung gab Kollege Schni o ldt den Bericht über seine Thätigkeit als Delegirter zum Geivcrkschnftskartell. Sehr scharf tadelte er die Lauheit der R i x d o r f e r Arbeiter, denn von 35 000 Arbeitern sind etwa 1000 organisirt, wie die Statistik des Kartells beweist. Als Delegirte zum Kartell wurden S ch m o l d t und als dessen Stellvertreter Kollege Albert K a r p e gewählt. Hierauf berichtete Schulz über den Streik der Möbelpolirer in London. Dann wurde noch bekannt gemacht, daß in allen gewerkschaftlichen Streitigkeiten Geuoffe B i e w e g, der Obmann des Kartells, Dienstag und Donnerstag von 8—9 Uhr Auskunft ertheilt. Tie Arbeiterschaft»um Stralau- RummelSburg er. nahm am 25. d. M- Stellnng gegen de» Entwurf des Vercinsaesetzes. Nach einem Referat des Genossen Mehner wurde die Berliner Protestresolution einstimmig angenommen. Gegen das Knebclaesetz. Am 26. d. M. fand im Schulze« scheu Lokale zn B a u m f ch u l e n w e g eine von zirka 200 Personen, darunter viele Frauen, besuchte Volksversammlung statt, in welcher Reichstags-Abgeordneter Zubeil über:„Die letzten reaktionären Anschläge durch das neue Vereinsgesetz" sprach. Der Redner er- örlerte in ausführlicher Weise in seinem 1 Ve stündigen Vortrage, wie das Versprechen des Reichskanzlers vom Juli 1896 betr. Auf» Hebung des§ 8 des preußischen Vercinsgesetzrs von feiten des Ministers des Innern durch die Einbringung der neuesten Gesehesvorlage im preußischen Abgeordnetenhause entgegengesetzten Sinne eingelöst worden ist. Am Schluß seiner Rede wurde dem Referenten großer Beifall gezollt. Die aus den Berliner Versammlungen bekannte Resolution wurde ein- stimmig angenommen und das Bureau beauftragt, den Protest dem Präsidium des Abgeordnetenhauses zu übersenden. Von einer Dis« kussion wurde Abstand genommen. Eine Protcstvcrsaiiiiiilnng gegen den Vereinsgesetz« Entwurf wurde am 26. in W e i ß e n s e e abgehalten. Nach einem mit großem Beifall ausgenommen«» Referate des Reichstags- Abgeordneten H o f f in a n n(Chemnitz) fand die Berliner Protestresolution ein» stiminige Annahme. z»l»-«»d A«»In,tIrI,Iub«. Polnischer Dl Slutlrllub Ja ro«law Dombrowsty in Nixdorf tagt jeden Sonntag nach dem 16. des Monat» nachiuiNagS s Uhr bei Pretzier, Zielhentzr.«!>. 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Ost. ilom»strabe 25 bei W. ffifbe.— L i ed e sfr e ibet» ll, Etrautzberg. ilhelmstratze bei Mag, US.- Freya II igem. Chorj, Urbanstr. dl bei Wulie— Apoll», tlbarloltenburg, Nrummistr. 33 bei Müller,— P hi l 0 m e l e igem Chor),(Shaosseestr, 72 bei Meitzner,— Solida rtlät, Schutzenftr. 2», Mielhle« Reftamaol.- Walbeslust, Bbilitzerstr.°° bei Zugmaolel.— Felsen bürg, ftmolstrotze 6 bei Böttcher.— Me l a l l w e b e r. Weinstr. 2» bei Spät,— R i x d 0 r f e r L i e d e r l r a n,. Nird ors, Pet», Handjertzstr.«3/37 bei Maresch,— Einigkeit III. Reinickendorf, E.chbornstr.«9 bei Met» Hardt,— Süd. West, Si»ico> strotze.— Berliner Tamenchor Harmonie, iSosenihaserslr. 67 bei Babiel. Aedeiier-DIäucherliuud KerlI»»»»d der Zlnioegeud. Nenderungen im VeretnSlalender sind zn richten an Hermann Braunschweig, DreSdenerslr. 80, 2. Hos.— llloiitn 0. abends»011 9—11 Uhr:»Inb Abend und Ausnahme»euer Mitglieder. — Mexikaner, Slbingerstr. 16 bei TameS.— Brüderlichleit, Pücklerstr, 49 bei Schuhmacher. 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Am Mittwoch, den S. Jnni, abends 8� Uhr. Im liOkalc de» Herrn H. Harten», Friedrichstr.»36: Versammlung. Tages-Ordnung: ��Kortrag deS Herrn Hr.».e« �r«n» über:„Sozialdemokratie «Nd Dreiklaftenwahl-Systcm«. 2. Diskussion. Gaste haben Zutritt.— Mitglieder werden aufgenommen. Zahlreichen Besuch erwartet 238/13» Her Tor«tand Zeckcherbaild der Bildhaiier. Verwaltungsstelle Berlin.» Dienstag, den 1. Jnni»897. abends 8-/,«Hr. Annenstraste 1«: UW� Versammlungm"WU .. Tagesordnung! Borttag deS Herrn Dr. H e y m a n n:..Wie ist für die Kinder des Volkes gesorgt?" 21/20 Um zahlreichen Besuch, auch seitens der Frauen, ersucht _ Her Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Montag, de» 31. Mai 1897, abends 8 Uhr. bei Herrn«old, Kroste Frankfnrterstraste Nr. 133: U. , mi„ Täges-Ordnung: _}■ Wie können wir unsere Lage verbessern? Referent: Kollege Kuschke. ■ Diskussion. 3, Branchenangelcgenheiten und Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen, da die Ber- sammlung nicht über 11 Uhr ausgedehnt werden soll. Neue Mitglieder werden aufgenommen und Beitrüge können entrichtet werden. 106/7 l*arhettlM>Äei»ieKer. Montag, de« 31. Mai. abends 8 Uhr. bei Zubeil, Lindenstr. 106. Sitzung der Werkstatt-Kontrollkonrmission mit de« Bertrauenslcuten. Die Kollegen der Finna Müller, Köthencrstr. 6, sowie die Leipziger Kollegen im Neubau Augsburgerstrabe sind hiermit eingeladen. Bildungsverew„Mehr Licht" Sonntag, de« 39. Mai. abends 7 Uhr. Alexanderftrafte Nr. S7o Mff- VevsÄnrinlung."WG 1. Vortrag über:..Religion und Sittlichkeit." Referent: Herr Dr. Joel. 2. DiSkusston. Darauf: Geselliges Beisammensein und Tanz. Mittwoch, den S. Juni, abends 9 Uhr, ebendaselbst: MemdtMche Gkneral- llttsanimlmg. Tages-Ordnung: b6/1S Me stellen stch die Mitglieder zum Antrag auf Auflösung resp. Ver- ütcr-Bildungsschule?" Um pünktliches Der Borstartd. schnlelzung des Vereins mit der Arbeitcr-Bildungsschule/?" Erscheinen sännntlicher Mitglieder ersucht krelt VereiiiiWs der Iinil-Benissmlidn Berlins und Umgegend. AM" Dienstag, den 1. Juni 1897, vormittags 10V- Uhr, im Englischen Garten. Alexanderstr. 37 e: iULserorlleulliede IjlitglielterierZSmmIllvg. Tages-Ordnung: 1. Der vom Kollegen Georg Schonert verfabte Artikel in Nr.21 d«S .Gastwirchsgehilfen" und wie stellen sich die Mitglieder dazu? 2. Antrag des Kollege» Wagner.(Der Kollege Georg Schonert ist zu dieser Ber- sammlung schriftlich geladen.)— In anbctracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung am Platz zu sein. 30/13 Der Vorstand. Verband der Graveure, Ciseleure zc. (Filiale Berlin.) Dienstag, de« 1. Jnni 1897, abends S'/a Uhr, Orani mr Vetsnitrinlung. TageS-Ordnung 1. Geschäftliches. 2, Vortrag des Herrn Hr. med. J. Zadek über:„Die Verkürzung der ArbeitSzett— eine Förderung der Gesundheits- pflege." 3. Diskusston. 4. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 74/19_ Der Vorstand. Nnbliiid der in Dolsdeardtttings-Zabrilie» n.««f DolzplStztn dA. Meitn SeutschllNlds Montag, deu»I. Mai, abeuds 8'/» Uhr: Mitglieder-Bersammlung bei Wilke, AudreaSstraste 29. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Voigt über die Thätigkeit der Gewerbe- gerichte. 2. DiSkusston. 3. Gewerkschaftliches. 82/12 Her Vorstand. KB. In dieser Versammlung werden die Billets zur Dampferpartie ausgegeben. Außerdem werden die Kollegen ersucht, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Verbanh aller im Hanhels-«ah Transport- bewerbe beslhastigten Hilfsarbeiter Berlins unh Nmgegenh. Hn» Hlensta«:, den 1. Jiml 1807, in den Annlnhallen, Konimandantcnstr. 30, Gartenhalle geradezu: AilhemdeMche Kenerai- Uetfaminluiij. TageS-Ordnung: 1. Mittheilungen. S. Vierteljahresbericht. 3. Anträge deS Vorstandes: ») betreffs Aendermig in der Bureauverivaltnug; b) Ausschluß des Kall. «.rtstur Pölitz. 4. Wahl eincS KasstrerS. b. Antrag Moritz und Beckmann. 0. Antrag Zehl. 7. Verschiedenes. 287/3 Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Borstand. Am Friedrichshain. Brauerei Frledrlehshaln. Am Königs thor. Sonntag, den S. Jnni(1. Pfingstfeicrtag): Cirrosses Fr üh-Koiizer t mit Oesangsvorträgen. Die Konzertinnstk wird von einer stark besetzten Kapelle der Zivil-Berufsmusikcr ausgeführt.— Die Aesangsyorträge werden vom Gesangverein„Ganges- Echo"(Mitgl. d. Arb.-S.-B.) ausgeführt. «asfenersffnung 1 Uhr. Anfang& Uhr. Programm 30 Pf. Programme sind zu haben in unserem Bureau, Kommandanten- Kraße2b, in snmmtlichen Zahlstellen, sowie bei den Vorstandsmitgliedern und in allen mit Plakaten kenntlich gemachten Handlungen. 287/1 Sonntag, den 30. Juni: <*r<>88e Dampfer-Partie nach dem reizend am Wasser und Wald gelegenen Lokal..Gesellschaftshaus" o.ii Httinerlts8-8ee in Hessenwinkel, wozu Billets für Hin- und Rück- fahrt, Tanz und am Nachmittag stattfindender Rundfahrt zum Preise pro Perlon I,S0 M. in unserem Bureau, in den Veriammlungen, sowie bei den Konuteemitgliedern Alb. Freude, Lichtenbergerstr. 20. Hof IV.. Gustav Lad ewig, Ritterstr. 124, Hof II.. Gustav Marer, Alte Jakobstr. b7/bS bei Sonuenberger, Hof linkö im Keller, zu haben sind. _ Um rege Bethciligung bittet_ Der Borsta»�. USmEIm«!..» Hm* Admlralstr. 18c. Jeden Sonntag im MMIZeliei Ulli, v ZlVW Gr. Orchestermusik. Die beiden Säle sind Sonnabends u.Soi»itags an Vereme zu Bällen, Hochzeiten u. Versammlungen zu vergeben. Gr. VereinSz mmer. Die Restaurationsräuine stehen den geehrten Familien sonntags zur Verfügung. Kresse öffentliche Protest-Versammlung der Schneider u. Näherinnen aller Branchen SW am Montag, den 81. Mal, abends 8V2 Uhr,-WF im VonzerttzAus Ssnsfonci» Kottbuserstr. 4». Tages-Ordnung: 164/7 1. Ter KonfektionSarbeiter- Schutzacsetzentwurf, das Attentat gegen daS BereinSrecht und unsere Stellung hierzu. Referent: Kollege J. Timm. 2. Tisknssion. .. Kollegen, Kolleginnen! Vor reichlich Jahresfrist erfolgten Versprechungen der Regierung, durch Schutzgesetze die Mißstande in unserer Industrie zu beseitigen. Eine Vorlage zur Abänderung der Gewerbe- Ordnung ist dem Reichstag nunmehr zugegangen. Unsere Pflicht ist eö, hierzu Stellung zu nehmen. Was nun au? der einen Seite gegeben wird, soll andererseits durch eine Reform des preußischen Vercinsgesctzes genommen werden. Die Einschränkung unserer winzigen Rechte fordert zum entschiedenen Protest heraus. Erscheint deshalb zahlreich in dieser Versammlung. HleFünfor-Kommlsslon. —NeneWell— Hasenhaidc 108—114. Jeden Sonntag» Im Bai champetre: Grosser Ball. Zugleich empfehlen wir unsere Lokalitäten den geehrten Veremen zu Festlichkeiten. Hie Hlrehtlon. it Achtang! Töpfer. Achtung! Mittwoch, den 3. Juni, abends K Uhr: Gesskntl. Versammlung der Töpfer Berlins und Umgegend bei HoiTmann(Englischer(»arten), Alexanderstrabe 27o. Tagesordnung: 1. Bericht vom Hallenser Kongreß. 2. Wünsche der Pankower Kollegen. 3. Wahl des Vertrauensmannes. 2341b Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen bittet Der Vertrauensmann. I. V.: Franz Pehl. nfallsachen, Klagen, Eingaben Bntsgcr, Steglitzerstr. 65. Nthknng! Achtung! 4. Wahlkreis(Süd-Ost). 5(i 2. Psingst-zeiertaq in her„Stralmr Branerei": Grones FrLH-Ko«zert. � Volksbelustigungen. Gesangs-Aufführnugen von Mitgliedern des Arbeiter-Sängerbundes! Austreten des Klowns Mr. Hreto. Die bedeutend vergrößerte Kaffceküche ist v. 4 Uhr an geöffnet. Liter 60 Ps. Im grossen 8aale: T A. Äf Z» BilletS& 20 Pf. sind in den bekannten Zahlstellen zu haben. 216/2 _• Hie Vertranenspersonen. Schloß Weißensee. Sonntag, den 20. Juni 1897: Krasses Volks-Fest arrangirt von den Parteigenossen des Reichstags. Wahlkreises Viederbarnim, unter gütiger Mitwirkung des Schwimmvereins Nord und mehrerer Arbeiter- Gesangvereine(Mitglieder des A.-S.-B.), 200 Sänger. Krasses Vokal- und Instrumental-Coneert, ausgeführt von Mitgliedern der Freien Bereinigung der Zivil-Berafsmustker unter Leitung des Dirigenten Herrn I r r g a n g. 223/9 Grvjts Brillant-zenerrnerk. Turnerische Anssührnngen. Volks-„ad Rinderspiele aller.Art. In beiden tiasÄsiciaka» II.» 1 1 Herren, welche am Tanz theil- Sälen: VMM. MWil MM. nehmen, zahlen 50 Pfg. nach. Die KaffeeNiche ist den ganzen Dag geöffnet. Anfang 8 Uhr früh. Programm gratis. Ende? Billets im Vorverkauf 20 Pf., an der Kasse 25 Pf. Billets sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Hns Komitee. Gesnndbrannen.]fl«irieiibüfl. Badstr. 35—30. Sonntag, den 6. Jiini(1. Pflngstfeiertag): Grosses Früh-Coneert nnter Mlttvlrknng mehrerer Gesangvereine voranstaltet von den sozialdemokratischen Parteigenossen der Rosenthaler Vorstadt und vom Besandbrunnen, bestehend aus humoristischen Vorträgen. 219/18_ Blllet 30 Pfg. Coneert, Gesangs- n. Anfang 5 Ehr._ 1 Müggrlschlöhchrn gegenüber Frledrichshagen. Hierdurch erlaube ich mir ergebenst mttzutheilen, daß ich daS> durch seine romantische Lage wohlbekannte A�' Mttggel* schlüsschen'•ß(genannt»Die Perle der Mark«) über- 1 nommen habe. Empfehle dasselbe bei Ausflügen geneigter Beackitung. Besonders ersuche ich die geehrten Vorstände der Gewersschaften und Vereine, welche gewillt sind, in meinem Etablissement Sommerfeste l oder dergl. Vergnügungen abzuhalten, sich baldigst mit mir in Ver- bindung zu setzen. Der angrenzende Wald, von dem ich einen großen Theil durch> Pacht erworben habe, bietet Spielplätze, die den weitgehendsten An- forderungen genligen. Bei ungünstigem Wetter sind Säle, Zimmer| und Hallen zu beguemem Schutz ausreichend vorhanden. Vorzügliches helles Lagerbier Ltr 15 Ps. Grosse Kaffeeküche(auch Sonntags pr. Ltr. 80 Ps). volksbelustig««gen j rller Art stehen zur Verfügung. Achtungsvoll _ Beorg Ritse, Draiteur. Grosses Früh-Konzert mit Oesangs-Vorträgen am Montag, den 7. Juni er.(3. Psiugst-Feiertag). im Lokale von blabrlel& Jttgcr, Chortnerstraftc 79/80 arrangirt von: Gesangverein„Gemütlichkeit"(Putzer) (Mitglied des Arbeiter-SängcrbundeS). Die Musik wird von der„Freien Bereinigung der Zivil-BerufSmusiker" ausgeführt. Dirigent: Herr«artmann. 66/5 ' Die Kofseeküche ist von ö Uhr an geöffnet."MS Anfang b Uhr. Im Saale: Gr. Frühtanz. g�Lmige. !t freundlichst ein_ Has K Hierzu ladet lomitee. Restaurant Feldschlössehen 5 Minuten von Treptow am Kiefholzwege in der allbekannten Elsenstraße. Sonntag, den 30. Mal 1807: Grosses Frei-Konzert. Im großen, schönen Garten: Kinderbelo-.tlgung Jeder Art, 8ohaakel, Karonssel etc. 8peaialltatea-VorsteIlung.— Auftreten berühmter Künstler. Entree frei! Im neuerbauten Saale:«rosser Dan«. Den geehrten Damen steht die Kaffeelüche jederzeit zur Verfügung. I539L' Fr. Jaroszewski. Verein für flauet« nn!> Natnrhetlknick. Naturheilanstalt u. elektro-urech. Jnsntut. Alexanderstraße 8 Leiter: Otto«rnndmann und Frau. prakt. Naturheilkundige, unter Mitivirkung approb. Aerzte. Naturärztl. Sprechst. tägl. von 11—2, 6—8, Sonntags von 11— l, für Unbemittelte Montags».Donnerstags. Prospekte frei."WS Her Vorstand. Restanranl„Marieuliad" Badstrasse 85/36. Gesundbrunnen. Badstrasse 35/86. Sonntag, deu 30. Mai 1897: Theater- und Spezialitäten-Borstellung von Künstlern I. Ranges.— Erstes Auftreten der LfiafrikanWen Lrigtnal-Negn-RinBnM. 3SS Dieselben treten mit heimathlichen Geräthschasten in ihren Gesängen frei! HM- Im Saale: T A V Z"98 Entree frei! bei Verstärkter Hauskapelle unter Leitung des Tanzmaitres Herrn Küaler. Ponny-Reiten.— Bolksbelustigunge« aller Art.— 4 Kegelbahnen. SV Die Familien-Kaffeclüche ist von 2—6 Uhr geöffnet. Anfang 4 Uhr.«ntree 30 Pf. 1. Platz 30 Pf. Kinder 10 Pf. —— Passe-partouts haben Giltigkeit.—— Max Mekelburg, ehem. Küchenchef renommirter Häuser. Lrsnerei-lnssvhsnh äer Lrauerei Stralau Osoonomie: Birkhol- A Mittag. Jeden Sonntag und Donnerstag: Theater- und 8Bezi»liüten-Verstelinng. '«arten- Konzert der 20 Mann starken HauskapeUe. Im Saale;«rosser Ball bei gänzlich freiem Entree. Sport- und Ruderboote in gr. Auswahl stehen zur Verfügung. Kaifeeküche v. 3—7 Ehr. Volksbelustigungen jeder Art 2 verdeckte Kegelbahnen. Gute Biere, ausgezeichnete Küche zu soliden Preisen. Birkholz& Mittag. Märkischer Hof. Mmiraisir. ibc. äv. saAwwllv* 1«r.Fcstball. Ans. 4, Ende 2 Uhr. Eniree frei, Tanz frei. Empfehle die beiden Säle zu Versammlungen, Hochzeiten u. sonst. Festlichkeiten, sowie große u. kleme Vereinszimmer. Einige Sonnabende sind die Säle für Vereine zu Sommcrnachtsbällen ohne Bedingung noch frei. VoUtSjjsrten(ftUet Weimann) Badstrassc 60.«esnndbrnnnen. Pankstrasse 35. Heute: Grosses Oarten-Konzert sowie Theater- n. Spezialitätenvorstellung. Im Saal: Gvotzev Ball- Kaffeeküche, KarouflelS, Rutschbahn, Schaukeln, Würfelbude, Schießbude x.»c. PIT Das ganze Etablissement ist vollständig renovirt.-WG Bereinen, Gesellschaften und Versammlungen enipsehle die Besichtigung meines Etablissements. Dasselbe ist unter den annehmbarsten Bedingungen zu vergeben. IbbIL* Um gütigen Zuspruch bittet Zernllc, Direktor. Max Kliem's Jeden Sonntag:«rosses Frci-Konsert. In den Sälen: LirOSSer Lall. Ende 2 Uhr._ Im Theater-Tunnel: SV SpeslalltAten-Vorstellnng.-«| NB Meine aufs prachtvollste renovirten Sale(Parquet-Fußboden) halte Vereinen und Gesellschaften angelegentlichst empfohlen. Ma» KUcm. Robert Scheere,""«"SiufÄ.",!!-- XtU UOA 5 KJ VMvr v* w,. nmt V1I Nr. 3760. Arbeitsnachweis der Möbelpolirer, Brauer, Brauerei-Hilssarbeiter u. s. w. Gr. Bcrcinsziuimer noch an mehreren Tagen zu vergeben. Franz. Billard ______________„ zu ver.MWWWWWWWW Gr. Frühstücks-, Mittags- und Rbcndtisch. Jeden Sonata Mufikalischr Soiree si6i: SL» m\he]m Lorenz, empfiehlt sein Weiss- u. Bairischbier-Lokal nebst gr. Vercinszin'-�r. SiräiiTResEr�� mit neu erbauten groben Hallen, großem Da, izsaal. 2060 Pers. Unterkommen gewährend, Dampfer-Anlage, den geehrten Gewerkschaften, Vereinen und Fabriken bei Soiuincrpartien bestens empfohlen._ A. Begebrodt. Friedrichsfelde F- Bulie' Wc"•®llt,tn- * � Größtes und schönstes Lokal. 3000L»rsonei�assend. Kaffecküche. Jeden Sonntag: SV Tanz.��U� Billige Wohnungen z« vermiethen. �R'iedlK'ielRstZei'g. kuä. IküIIer's �.rovprin�ell- Kartell Frankfhrtcr Chansscc Vo. 80. Montag, den 7. Jnni(S. Pfingft-Feiertog): Dresse« unter gütiger Mitwirlung der Gesangverein-„Freies Lied"„Hand in Hand' und„Hoffnung", sowie des Volkshumoristen„Michel". Konzert von der doppeltverstärlien Hauslapelle. 187bL» Im Saale: Isrülz-Tnnz. Anfang 5 Ehr. Urogramm 35 Bf. _ SV Die Kaffeeküche ist um 4t/z Uhr geöffnet, im. ä— Wiliiittsditts. H. Klingenherg's Volksgarten. Am 1. Pfingft-Feiertag: Grestes Instrumental- u. Vokal-Konzert arrangirt vom Gesangv. Liedertafel-Wilmersdorf(M. d. A-S-B). Bon 12 Uhr ab:«rosser Ball. Ain 3. und 3. Feiertag, sowie jeden Sonntag:«artcn-Kon-crt »nd«rosser Ball. Anfang 4 Uhr.[1838S* Kaffeeküche und drei neue Kegelbahnen stehen täglich�nrBerfngnng. kestsursiit„lum Karpkenteieh". sknutag: Frei- Koiiaseet. Im Saale: Ball. 3 Kegelbahnen. Kaffeeküche. IW Treptow L. •s 3 3 e B o » « B s :a n « *• s B O in o Schuh waaren-flaus S. Selbioer. Undstargerstr. 40, Ausnahme-Preise Ecke Lietzmannstr* Sonntag, den 30., Montag, den 31. Mai, Dienstag, den 1., Mittwoch, den 2, Juni. 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Ort. bafrfU die nur aus Ramschwaare bestehenden Gel reelle Bedienung Anspruch macht, meide fo,J Immer wieder ist es nöthig, das geehrte Publikum daraus aufmcr fam zu machen, sich nicht durch marktschreierische Reklame bekannter Herren- und Knaben- �arderoben-Geschäfte irre führen zu lassen. Trotz des„Gesetzes wider den unlauteren Wettbewerb" liest man doch in allen Stadtgcgenden. besonders aber tm„Südosten" nach wie vor Ankündigungen von„Ausverkaufen", die den Anschein erwecken sollen� als� würde die Waare fast �verschenkt. Jedoch ist es eine feststehende Thatsache, daß diese Anzeigen der ■SSÜ' MÜMSH Zweck ver- sogenannten„Massen-Ausverkäufe weg .unter allen Umständen" Käufer anzulocken. Und leider finden sich auch immer wieder— Li ',• ys,»Ä tvv awa Y. r„.. r___ c.___ /7 J. � z,>„• 4 i- 4.—___ r_** S r I v.irvl.-.i/ � 4.„ iänirotm erweaen loueu, ui»-uuioc oie-u-aare sau vcrilpcnrr. �eooai Nt es eine feststehende Thalsache, daß diese Anzc en Aufgabe d�es«ss ch�t e s ,c." nur auf Täuschung des Publikums berechnet sind»nii lediglich den Zi �'....... 1--......." fak cken. Und leider finden sich auch immer wieder- Leute, die auf derattige schwtndelhafte Anpreisungen hineinfallen, um allerdings nach kurzer Zeit die trübc Erfahrung zu machen Seaenstände mit dem so„fabelhaft billig" erscheinenden Schleuderpreis noch viel zu t h e u e r bezahlt haben. Wer sich aber vor Schaden hüten will nud auf wirklich lche Reklame- und Ausverkaus-Gefchifte und besorge seine Einkaufe bei soliden Firmen; die Preise sind auch hier im eigenen Interesse so billig wie nur irgend ■>,• 4nvr Witt tttnrttna � � CKrtfoo Sot* rtnViit fi nttlievPl«»» Ctl..«rtotnnv TllPlf ttPvfirotfa+rttt Giirtnfrfinff_ SrvvC �.„r, ut.. �... c...,._____________;..i.." und richte daher an das geehrte Publikum das Ersuchen, bevor es seinen Bedarf anderweitig deckt, sich von der Wahrheit meiner Offerte zu überzeugen. "mi Carl Zobel, Dem«- Hl Waben-WSe«. so-> KfrÄ«»"8se'2'' mn- Berauuvorllicher Nedakteur: Hugo Pötzsch in Berlin. Für den Jnleraleulheil veraulivortiich: Th.«vlocke in Berlin. Druck und Aeriag von Max ivadiug in Birli», Zur weiteren iiflUnniiifl! Goodyear- Welt auf Rand genähte Schuh- j- waaren sind die besten Stiefel der Welt! und von mir bereit« seit cirra einem Jahr in Berlin in den Kandel gebracht, solche auch heute bei jedem intelligenten Schuhwaarenhändler, wie Schuh- waaren handelndem Schuhmacher zu haben.— ES(tltjf ItttV* UtLP die Goodyear Melt auf Rand genähte Schuhmaaren ' am dilligsten nerdanft.— Jeder C-nrurrent, er mag heißen wie er wolle, der-inen besseren auf Dand genähten Schuh oder .Stiefel empfiehlt,—«nd den Namen de« genialen Erfinder« „Goodyear" verdunkelt,— spiegelt dem Pnbliknm falsche That- fachen vor«nd liigt. ' Jeder anständige keser und Räufer wird sich mit Verachtung von einem Menschen wenden, der den Namen des hochverdienten Mannes—„Goodyear"— verschweigt, um sich im Publikum den Anschein des Erfinders zu geben, vor etwa , Z Jahren erfand ein Amerikaner Namens Goodyear eine Maschine zur kserstellung von Schuhwaaren, wie sie so epochemachend auf dem Gebiete der Schuhfabrikation noch nie dagewesen ist. Die Goodyear-Melt-Methode warf mit einem Schlage die .beste Landarbeit über den ksaufen.— � der gtiefci der Dudunst--»d wer«,« h« He»»« ,»licht geführt,— wird ihn führen müssen!— Es eristiren in Deutschland circa»5 dieser Goodyear-Melt-Mafchine»; diese Maschinen, welche die beste»» auf Mand genähten Schuh, vaaren liefern,(weit besser, wie es Menschen- Hände vermögen) sind nicht käuflich zu haben, dieselben sind dem Fabrikanten nur auf ' jährliche Miethe überlassen und hat dieser eine Abgabe für jeden Stich zu zahlen.— Die Stichzahl wird von der Maschine mit absoluter Genauigkeit wiederum festgestellt.— Die Goodyear auf Kand genahten Schuh- waaren haben vermöge ihrer exacten Fabrikation glatte Brandsohlen, haben inwendig weder Pech noch Garn, weder Stifte noch Nägel, kurzum nichts, ' was den Füßen auch im entferntesten unangenehm werden könnte; die Sohlen sind schmiegsam und elastisch, weil durch die exacte Verarbeitung nur das beste Material �verwandt werden kann. Die Paßform der GoodyrNV NNf DNNd genahten Schuhwaaren w �--st-« an« 6�« dag-. i wesenen und existirenden, weil die Rahmeneinstechmaschinc dem Zwicken ergänzend zur ' Seite lieht. In Folge der Solidität und Gleichmäßigkeit der Rahmeneinstech- und Doppelnaht ist das bei handgenähtem Schuhwerk häufige Aufgehen der Nähte völlig ausgeschlossen.— Mährend der ksandarbeitcr auf dem Schooße den Schaft mit der - Zange nach und nach über den Leisten zieht, um ihm mühsam die Form desselben zu geben, zieht die Goodyrar-Melt-Maschinr den Schaft gleichzeitig und gleichmäßig fest über den Leisten, lvie mühevoll der Sandarbeiter die Sohle an den Rand näht, wie er sich anstrengen muß, den pechfaden straff zu ziehen; wie 'er sich den pechfadcn dadurch herstellt, daß er viele Fäden Garn durch kalten Pech zieht, wodurch nur die äußerste Vberfläche, nicht aber das Innere dieses so entstandenen Pechdrahtes berührt wird; er gestaltet sich ungleichmäßig, wie auch die Arbeit ungleich- 'mäßig und von dem jeweiligen physischen Zustande des Arbeiters abhängig ist. Des Morgens in gut ausgeruhtem Zustande wird er den Pechdraht weit fester ziehen als er es Nachmittag bis zum Abend im Stande ist.— Ganz anders die Goodyeor- , Meltmethode.— Sie ist die Ha»»dmethode, jedoch mit größter Kraft, Sicherhett und Zuverlässtgsteit ausgestattet, und dabei bei weitem billiger.— Die Spannung der Nähte bei der Goodyear-Melt»naschi»ie ist viel stärker und selbst- verständlich immer gleichmäßig. s° Hoven die Goodyeor onf Dond .genohten Schtthwooren"och aacn bi5her erschienenen Ma- schinen-Fabrikaten das voraus, daß sie ebenso leicht wie Sandarbeit sind und genau wie es bei Sandarbeit der Fall, von jedem Schuhmacher Wieder auf Rand genäht, ne» besohtt und jede Reparatur wie bei anderen handgenähten Stiefeln 'vorgenommen Werden könne»». Auch das beste Leder kann eine Stelle bergen, die selbst bei peinlichster Kontrole nicht bemerkt wird;— ich garantire— Wie seit Iahren — durch gedrnikte Gara»»tieschei»»e selbstverständlich wie für alle meine waaren .so auch für Goodizear auf Rand genähte SchnhWaaren.— Gas Beste auf Rand ist nur Goodyear- Welt! Wer diese und andere Schuhwaaren am villigsten verkauft,— darüber lasse ich die Stimmen .meiner Feinde und Concurrenz solgen: Dieselbe vertritt die Interessen der Schuhhändler und schreibt in der Ausgabe Nr. s 'vom 25. Februar, Seite 8, nachdem die Zeitung eine Anregung, Schuhhändler-Ver> einigungen zur Bekämpfung der Schleuderconcurrenz zu begründen, speciell für Berlin, gegeben, fährt sie folgendermaßen fort: Es müssen Vereinigungen stattfinden, � da einzelne Geschäfte gegen die Schlettderconrurrenz eine« absolut nicht ankämpfen können.-- Dieselbe Zeitung, der„Schuhhändler", neirnt Aufmeicksam lesen? in Nr.? und Seite 7 gerlitt mein Reich. Die Berliner Schuhmacher-Korse ÄNiZTl-' große« Schleuderer„TÄ Antritt in dieselbe untersagt.— Die Leipziger Jllust. Schuhm.-Ztg. tischt ihren Lesern in ihrer Ausgabe vom November»sgs auf Seite 25» die erste Instanz ineines durch-» Instanzen so glänzend verfochtenen processes,— dem ich meine 'heutige Größe und den Umfang meines Schuhwaarengcschästes zu danken habe, mit folgender Einleitung auf: vor Kurzemi—(der proceß begann im Deceinber»8?»!) wurde ein Berliner Schleudergeschäft wegen unlauteren Wettbewerbes(»8?»—- un- .lauterer Wettbewerb!—) zu soo Mk. Geldstrafe verurtheilt. Melch' niedere Gestnnnng hat die« dietirt!— Dieses Blatt bringt die erstinstanzliche verurtheilung ausführlich— über meine glänzende Freisprechung, beantragt durch den Kgl. Staataantvalt »bei der V. Strafkammer des Kgl. Landgerichts I Hierselbst am 20. März»895, worin derselbe erklärte, daß meine Kundschaft weit über ihre Erwartungen hinaus, theils für, theils meit unter der Kälfte des MertHe« Schuhwaaren von mir gekauft— bekundet durch zahlreiche Zeugen, sowie durch gerichtliche und außer 'gerichtliche Sachverständige— schweigt jedoch das Blatt vollständig! Ich zwinge ineine Eoncurrenz— auch das Material der Stiefel zu nennen— was ich feit Jahren thue— wenn dieselben es bisher auch nicht gethan, — mit der Zeit wird sie es thun»nüssen l— ' Alle Anfeindungen werden mich nicht hindern, Krebsschäden anfzndecken,— unlautere Handlungen zu entlarve««nd garantirt reellste Maaren z« billigsten Preise»»«ach wie vor z« liefer«, Glirntie fiir beste Haltlilirkeit iliirch ßliraillitslheiiie fiir all' meine ZchiihlllMreii. fiir anowärttge NSuser genflgt Cnrttt S,»«** OTtt- dtc empfangene Rechnung. Ol»« Vvlll-♦♦»1 spruch auf Entschädigung bitte den ausgiebigsten Gebrauch zu machen. Verkaufs- und Versandbedingungen: Gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung des Be- träges. Porto trägt der Besteller. Von IS Mk. an versende franco auf meine Kosten, wenn Käufer stch anf diese Zeitnng bezieht.— Nichtconvenirendes bitte mir im Originalzustand zurückzusenden, und empfängt der Besteller alsdann sofort sein Geld zurück.— Das PflT Bei etwaiger Unzufriedenheit ist weiter| kein Wort zu verlieren nöthig, sondern nur Vorlegung oder Einsendung des Reclamations-! scheines.— Jede Reclamation ist mir willkommen und wird über Erwarten des Käufers zur l größten Zufriedenheit erledigt.— Die mit einem* bezeichneten Artikel sind theils mit! actiszuthaten in der Einlage hergestellt, da! sonst ihren Zweck— sehr leicht zu fein— nicht erfüllen. Die Anschauung, daß eine Span- � einlage zwischen Sohle und Brandsohle minder- werthig sei, ist eine irrige.— Die Spaneinlage! ist um mehr als das Dreifache theurer als das] Leder, welches man hierfür zu verwenden pflegt. — Spaneinlage ist nicht nur leichter, sondern auch in sanitairer Hmsicht mehr zu empfehlen als Leder. Maß bitte durch Versenken eine? genau| passenden Stabes in den getragenen Stiefel fest- zustellen und in Centimetern anzugeben, und ob I Spann hoch oder niedrig. Für Schttywttckren mit Gnmmisoylen, obgleich zu den besten Fabrikaten gehörend, übernehme keine Garantie. Damen-Fußvevleivung. Melton-Pantoffel* M»,'"Ä ftreisiem Futttr und rolhem Hackeiistück. aller- OK»jf liebste AuSlührung....... J �1- Sasfia»-LeScrpa«toffel' lehr leicht und praktisch....."'* Lederhausschuhe* M'.??.WMk. 1,80. Lederhausschuhe' 220 elegante Wiener SluSfnhrung..-wtI- Lederhausschuhe« 20 und reinen Le derzuthate». mit Schleife.-w'1. 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Spiegelrostleder-Zugstiefel,®-itm derber Strapazirftiefel, Handarbeit Spiegelrostleder-Zugstiefel, �7�»°.»- aus Rand gelb genäht, beste Ausführung Mk. 7,00» Braune Segeltuchschnürschuhe,* für«. genäht« Ledersohle.Lederabsatz u. Lederbesatz Mk. 3,10. Tieselben» m. durchgenähter Summisohle Mk. 3,50. Lasting-Promeuadenschnhe*«mtL°ckspch. und Lackseitenleder...... Mk. 3,75, «to »--» O « «5 3 <=»• «v I 6) o » « Mk. Goodyear-Welt ist der beste Stiefel der Welt! Raphaelas Goodyear- Welt-Halb- ej" f Herren. Kalbleder mit Gummizug in denk- schNhe bar vornehmster AuSsührung Mk. 10,50» Raphaelas Goodyear- Welt-isalb- schuhe Mk- 10,50. Raphaelas Goodyear-Weltstiefel: »albleb. Zugstiesel, Oberleder gewalkt, an* iO fijk ohne Seitennahi.....-»»» L»,e»V» Snplnelfö HMn-MsW:«•'«» Zugstiesel m. Besatz u, ausgeletzter, an* IS«O durchlochter, echter Kappe.., XO,-JV. Raphaelas Goodyear-Weltstiefel: Kalbl Agraffenstiesel in obiger Au«- an« 1"X führung....... LOfOV. Raphaeli's Goodyear- Weltstiefel:, Kalbleder, Knopsftiesel m. Kalbglaeö- l!! Einsatz und echter durchlochter Kappe k-f,-»v. Raphaeli's Goodyear-Weltstiefel: Kalbbesatzstiesel m. Glaeö-Einl u. echt. Knop s< 2 2 cdiß laiche oder mit Kalblackbesatz ahn» Lasche nnh Knaben! Ressleder- Knopf- u. Schnürstiefel,■*a-nbfl-rteit ßtn-9fl� -i U fZf l« I CJ bi« Mk derber Strapazirftiefel, ur inneren Länge von 18 cm früher Mk. 3,50, jetzt i bis 22 cm jetzt Mk. 4,—. Knshsn Oknürtiltlpl-°n Roßleder, mit Besatz, einbällig listallljff-tillffllllldlihlol gearbeitet, bis zur mneren Lauge vo» 22 cm bis 25 cm letzt Mk 5,25, Echt Ziegenleder-Slrandlinopfslielel Äte�ukgmHlnKnopst löchern, bis 16 cm innere Länge Mk, 3,50, bis 18 cm Mk. 4,75, bi« 22 cm Mk. 5,75. Rossl. Knahen-Schnürstiefel»mbsm«. jetzt m. o.,o. Russische Kzlhteüer-Schnür- u. Kneptstietel,»nAöcher.! Spitzkappe, genähte Sohlen, bi« 18 cm inuere Länge Mk. 5,25, bis 22 cm Mk.«,-. 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Gegen die Buck)dr»cksir»ia Fevdiimud Wcgeuer klagte der Vater eines ehemaligen Lehrlings Linke auf Zahlung von 42,60 die ihm die Firma an Kostgeld rückständig geblieben war. Bor der Kammer VIII des Ge Werbegerichts vertrat die Firma ein Herr Hermann Wegener, der sich als ihr Inhaber geriete. Er schloß mit dem Kläger einen Vergleich. Slls dieser dann sein Geld l aben wollte, bekam er nichts, so daß er den Gerichtsvollzieher in Einspruch nehmen mußte. Die Zivangsvollstrecknng blieb fruchtlos. Es stellte sich nämlich heraus, daß Hermann Wegener, der nichts besitzt, garnicht der Inhaber der Dnickerei ist. Nunmehr klagte Linke ausdrücklich gegen Herrn Ferdinand Wegener, den wirklichen Inhaber der Druckerei, der im neuen Termin denn auch persönlich erschien. Sein Sohn Hermann war als Zeuge geladen, fand sich aber nicht ein, wofür ihm eine Strafe von 30 M. auferlegt wurde. Assessor Meier charakterisirte das Verhalten des Herrn Wegener in scharfen Worten. Mit dem Bemerken, daß sich das ein preußi- sches Gericht nicht gefallen lasse, drohte er den Leute» an, die Akten au die Staatsainvaltschaft auszuliefern. Ferdinand Wegener wurde darauf verurtheilt, die 42,60 M. zu zahlen. Ter Berliner Transportverci» halte dem Kutscher G. seine Kaution in Höhe von 68 M. einbehalte» und sein Vertreter weigerte sich auch vor dein Gewerbegericht, das Geld herauszugeben. Er »nachte geltend, durch Verschulden des Kutschers sei dem Transport- verein ein Schaden von annähernd 300 M. entstanden. Er habe am Anhalter Güterbahnhofe die von ihm geführten Pferde nicht ab- gesträngt, als er sie verlassen mußte. In seiner Älbwesenheit sei dann das eine Pferd ungebärdig geivordcn und habe durch An- rempelung eines in der Nähe stehenden Wagens das Malheur an- gerichtet. Die zunächst geschädigte Firma Gerhard u. Hay hat sich ihren Verlust vom Transportvcrei» ersetzen lasse». Der Kläger hob hervor, daß er keine» Begleiter bei sich gehabt habe. Nach der Vcr- lesung eines zivilgerichtlichen Urlheils in Sachen„Gerhard n. Hay ivider Transporlvereiu" verurlheilte die Kammer VII des Gewerbegerichls den Transportverein, die strittige Sninme zu zahlen. Ter Gerichtshof war der Meinung, daß die Hauptschuld an dem Unfälle der Beklagte selbst trage, weil dem Kläger kein Begleiter mitgegeben worden sei. Wenn auch Kläger polizeilich verpflichtet war, sofort abzusträngen, so sei dies hier doch nicht ausschlaggebend. Auch nach der Abslrängung hätte das unbeaufsichtigte Pserd Schaden anrichten können. Gevickzfcs ikunA. Eilt»etter Journalist. Die Strafkammer IV. des Hamburger Landgerichts verurlheilte am Freitag den Journalisten Ernst Gott- s ch a l ck, Korrespondenten mehrerer auswärtiger Zeitungen, der wegen Diebstahls momentan 2 Jahre Zuchthaus verbüßt,»vegen wiederholter Kuppelei zu 4 Monate» Znchlhans Zusatzstrafe. Gott- schalck, ein Cafö-Literat aus der ehemaligen Vorstadt St. Georg, ist der Zuhälter einer ganzen Anzahl Kontroldirne» gewesen. Ei» groster Schiniiggelprozcfj spielt sich gcgenivärtig vor der Strafkammer II in Hamburg ab. Es handelt sich um eine tvohl- organisirte Schmugglerbande, deren Haupt ei» Kaufmann Petersen war, der es bis jetzt verstanden hat, sich den Armen der Polizei zu entziehen. Seine Komplicen müssen jedoch heute zum größten Theil auf der Anklagebank Platz nehmen. Es sind der Schifferkuecht Reimer Schacht, der Grenzallsseher Ernst Wolter M a n d e l k o w. der Zoll-Bootsmann Aug. Julins Eugen K r ä u s e l, der Lotterie- kollekteur Max George S o d t IN a n n, der frühere Grenzallsseher, jetzige Expedient Heinrich B o ck m a» n, beiui Militär»vegen Mißhandlung von Untergebenen mit l2 Tagen Gefnngniß bestraft, der Kommissionär Ernst Keil, der Quarliersinann Adolf M e n t h e n, der Weinhändler Johannes Friedrich T h o in s e n, der Weinhändlcr Jakob Beer, der E>versührer-Tagelöd»er Helnr. Friedr. Julius von H a ch t und schließlich der Enjersiitzrer-Tagelohner Hcinr. Jakob Marlin I ö h n i ck. Der nicht ermittelte Petersen ist vor Jahren schon einmal»vegen Zolldefraude in Untersuchung, ge- zogen. Es gelang ihm jedoch zu flüchten,»vas sür ihn u»> so »öthiger war, als er auch»vegen Meineids verfolgt'»vnrde. Von verschiedenen Städten Deutschlands aus setzte sich. Petersen nun unter den verschiedensten Namen, als Weuseler, Mendt, Berg, Krogmann. van Geldern u. s. w., in Verbindung mit hiesigen Firmen, die Lagerplätze im Freihafengebiet hatten. Er bezahlte fiels baar»nid erhielt von den Verkäufern daher stets die Lieftrscheine unbedenklich zugesandt. Auf diese Lieferscheine hm ließ er dann die gekauften Maaren, hauptsächlich Pfeffer, Zinnnet Nelken und Nelkenpfeffer, Sprit und Branntwein, also Waaren, auf denen ei» sehr hoher Zoll ruht, durch seine hiesigen Leute abnehmen und über die Zollgrenze schmuggeln. Bei der Größe der Maaren- transporte, die geschmuggelt»verde» sollten, bedurfte es natürlich ganz besonderer Borkehrungen. Und die hatte Petersen denn auch getroffen. Er hatte den Grenzaufseher Mandelkow und durch diesen den Zoll-Bootsmann Kräusel, die beide ans einer Zollbarkafse am Niederhafen kreuzten, resp. am Zollponton am Niede-ehasen postirt waren, durch reiche Versprechnugen für sich geivonnen. Dieselben ließen seit Oktober 1695 zu viele» Malen die von ihnen angenom- nienen Eiversührer Schacht, von Hacht und Jöhncke, die die von Petersen angekaufteuWaareninSchutenübcrnommenhatten.ungehindert die Zollgrenze passiren. Dann»vurde die Schmuggelivaare durch den Zollkanal nach dem Berliner Bahnhof gebracht und von dort ans nach verschiedenen Städten, hauptsächlich a/ber»ach Berlin expedirt. Dort»vurde» dann die Waaren durch Agenten des Petersen, die meistens nicht ermittelt sind, zu denen aber auch der Angeklagte Eodlniann gehörte, weiter verhandelt. So hat Sodt- mann im August 1896 in Berlin 30 Sack Pfeffer an Detaillisten verk mst. Der Handel»var soivohl für Petersen, als auch für seine hiesigen Hilfsleute sehr einträglich. So erhielten Schacht und Jöhncke dafür, daß sie am 2S. November 1895 24 Faß Sprit schmuggelten. 600 M., während Mandelkow, der den Transport hatte passiren lassen, 260 M. erhielt. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstag?, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Frau Keller. Von einer Versammlung, in welcher absolut nichts Wificnswcrthes sich ereignet, läßt sich eben nichts berichten. München K. 130. P. wurde in jenem Falle wegen Beleidigung der Dortmunder Bergbehörden venirtheilt. P. F. 4V. Eine Fahrrad-Gesellschast, welche Räder gegen wöchentliche Abzahlung von einer Marl abgiebt, ist uns nicht bekannt. vsraUsto Leiden Kur-Bade-AnstaH und Massage für Rheuma-, Lieht- und Mernnkranke von Ha Mania, Lrnnnenstrasse Ko. 16.[1623S* Loh-, Dampf« und K e iss I uf t- Ka ste n>B ad er, Kohlensanre und ander« medizinische, sowie Wannenbäder. Lieferant u. Masseur sämmtlicher Ortskranken- u. Freier Hilfskassen. Die Filiale nur für Massage ist Thurmstr. 46(4— 5'/« TJhr.) Langjähriger, Homöopath. age ist TJ nicht in einigen Tagen ausgebildeter, Anstalts-Massenr. NB. Bitte meineAnstalt nicht mit der Brunncnstr. 18 zu verwechseln Arzt Dr. Hoesch, Linienstr. 149, 8— 10, 5—7, Sonntags 8—10, f. Brnst-, Unterleibs-, Frauen-, Kinder-, Haut-, Nervenkrankheiten. Poliklinik Liesenstr. 17, 2—3 Uhr. 1624L* l�thtftl Urthtti» vorzllglu.Garant., schmerz!., Zahnschmerz beseit.schmerj giUHsU. A Ust Uk, loses Zahnziehen. Theilzahl.Goldstein.Oranicnstr.lS I® itprf fetter äPfd.SöPf., b.SPfd.43Pf., mager äPfd.6bPf., b.5Psd.60Pf. Schloeinekamn», gepökelt o. Knochen ä Pfd. 60 Pf. ISchiukenstieck ä Pfd. 68 Pf., bei 5 Psd. a Pfd. 65 Pf. Schinken la Pfd. von 55 Pf. an.— Bei ganzen Würsten: Thüringer Rothwurst ia Pfd. 55 Pf. Halle'sche Zwiebelwurst ä Psd. 55 Pf. ff. Leber- Iwurst k Pfd. 75 Pf. Westfälische Mettwurst ä Psd. 65 Pf. West- Ifälischc Schinkenwurst ä Psd. 1 M. Braunschweiger Mettwurst Psd. 80 Pf. 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Du die Nähte sehr fest genäht werden, so ist es unmög- lich, einen schlechten Stoff hierzu zu verwenden, da bei der Con- struction der Maschinen die Maschinennadel sofort den schlechten Stoff durchschneidet.— Selbst bei der billigsten Waare ist das Material nicht im Entferntesten zu vergleichen mit dem Schund, wie er zum überwiegenden Theil geboten.— Auch hierbei wird, dem Preise angemessen, das denkbar beste Material verwandt.— Kurz, das Material sowohl als auch die Ausführung der Marke reprasentirt den Inbegriff aller Vollkommenheit in fertiger Garderobe.— Jeder Anzug geht nur frisch gebügelt ans dem Hause und enthält ei» ca. 30 em fiir Kerlin großes Muster für etwaige Defecie. die fich im Laufe der Zeit bilden, besonders für Hosen, welche bekanntlich mehr leiden, zur Reparatur. Untergeordnete Materialien werden bei dieser Marke nicht verarbeitet; diese Garderobe besitzt den elegantesten, modernsten Schnitt und beste Paßform für jede Durchschnittsfigur. Sämmt- liche von mir verkauften Kleidungsstücke werden meinen Kunden gegen Vorzeigung des Reclamations-Scheines uneutgeltlich aufgebügelt. Trotz der exactesten Ausführung und der ganz vorzüglichen dazu verwendeten Stoffe, verkaufe ich bie Marke zu nachstehenden unglaublich billigen Preisen: Sfc SO o « & A y» st » O tH I i» » O «5 St Z I »ft o St £ r. u sSJ« Oft >S «n CS « n 'S TcrffliU llCV"»err'n-JaiIe»-»l»tag», nnreihig, mittel« und hellfarbig gemuftert. Zivlrn« �•) 50 .><«»•" 0»rrcn.Iaemei«5artet«0ii»H9e, ein« und zweireihig, in mode,»rauner und blau« Ol?» „VelsslMg cl grauer Farbe, von dauerhaftem Slcwebe........ JW(I. ia,5» »jTcrffÜttSfr" Herren-Jaaee-Anzage. zweireihig, in mittelsarbigen Muflern.,. Ulk. k'n�Äu�"""'' ,i,ml614''eiBet' Diagonal, eleganter Pro« �7_ uTcrfflittJCt'" Omrn aatfrt'Heeilla*, einreihig, in hellfarbig tarrirten Muftern. Mk. 38,- „Ttl'slllUAtV�� HewxZacket-mezSg», einreihig, Kammgarn, Ichwar» und»lau.. 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