Preis 10 Pfennig. Abend-NnSgave. »tdakilo»! Verl»«?»??«,««y Ifs»«»»rdnm'n>»»1. �riusprccher«»» Rvrien au» k>«.Kreide»'»rscheint»wrimal lanlich. moiften« and nachmittag«, s» Tonn- und �.lllon.n nur morllrn». Dar Da�ug-iprele delrLg« dal n«>«r Zullrllung IN» Hau« für Eiotz-Beilin monatlich t SIorK, noch (utfibulb lZulcndunft unitc elrtlfbanb) 4 Stark. B«ll«llungen lind Mi oul weitere» au»lchii«klich an die Expedition zu richten AiU di» "ledigung auiwöriisier vestellunaen ist vorherig« tkinsendung der Lezugsgediihr eriorderlich. verliner Organ »»»edltion: Veell,««».«chlffdonerd»»» I»nr. ZeruiPrecherr v«,»terdcn Ilvu? und>«»4»«. Inserat» kalten di« siebengelpalten« Slillimeierzelle«der deren Rar«» ZV PI-»Klein« Anzeigen' da» lelißedruitil« War' SV Pl» lrde» weiter« Wort tb VI Zeuerung»j»lchlag SO Prozent Bei ZamilienaNzeigea nnd versonimiung.ankSndipungen von Geive'kschoften und poiilische« Or» gonisattonen söltt der Teuerungizulchlag fort. Inserat« slir di« Morgen- >ueG Rach«tttag»au»gad« di» oor«. 11 Uhr bei der Expediiion aulgegeben sein, der NilMSiiglgen SozialüemolralWeu Partei Zeuljchlands Montau, bcit 25. November 11)18 Nummer 19 Höfe und Heglemng. Sie SeUgniile der Bä'e. Prrlin, 24. November. N n die Arbeiter«»nd Toldatenrät« D e u t>' ch l a>« d S! , Der NolsziitisaliÄiritiiK des G r o b- D e r l i n e r V r- weiter« und Zoidatenrntes bat nack Vcrstandi- iiuiig mit den Volk?bertttstrc>nten des Neichs und VreunenS Zielen die exekutive R e a i e r u n a s a e wo l t über- �ogen Er Hot sich ober das weitestruchende K o n tr o l l« 'cdi t über die Neriieruno vorbclwltcii. Die Neaieruna kenn ihre Perivaltiiniisctufaaben nur dann erfüllen. Ntenn >bre Maßnahiuen nicht durch Einansie lokaler Arbeiter- �*> Sököalemäte durchkreuzt werden. Tieie Arbeiter- und dOldriU'nräte haben in ihrem Tätiakeitsaebiet aleichsalls volle Jtontrollreckit: sie haben dafür zu soraen. dafi die 'evolutionären E r r u n a e n) d, a f t e n« e« uchert und ausaebaut werden. Sie haben sidi aber im Zllae» leinen jeden direkten Einariffes in die �erwaltuna zu enthalten. In der letzten Zeit haben Arbeiter- und Soldatenräte aus rein lokalen Gesichtspunk- ten heraus ielbständiae Versiiaunaen in Anaeleacnheiten des Ernährt, naswesens und der Nohstofsversorauna u>w. vctrosien Dadurch werden aber die Mastnahmen der Re- Sierung wirkunaslo« gemacht. Die Nemerunfl hat unter °I!en Umständen daiür zu soraen. dah der Verkehr lEisenbahn uiw.) für das aanze Neich einheitlich aereaelt. iic E r n ä h r u n a und die Nohstofsversorauna kiir das aanze deutschte Volk aesichert wird, und das um so vichr. alz die Demobilisieruna an den aanzen Verwaltunas- avparat unaeheure Anforderunaen stellt. Wir bitten daher die örtlidten Arbeiter- und Soldaten- täte des Neidies. im Interesse der Gesamtheit solaende Richtlinien beachten zu wollen: 1. Wo sich die Behörden in den Dienst de» neuen Regune» ae,>lll haben, ist die Fübrung der Geschäfte«r ena-r«, Sinne ihnen möglichst zu üderlussen. Rur die für den Ge>)t des Ganzen entich-eidenden Stelle,' sind im En'v rUandniS mit der revolutionären Regierung, neu zu besetzen, wenn ein« icharfe KonlroUe nich: auSreicheird erscheint. Im übrigen ist eine lausende wachsam« Koni rolle, versiandig ausgeübt. einzurichten. Alle störenden Singrisfe in di« Verwaltung selbst muffen unterbleiben. 2. Verhaftungen dürfen nur in dringenden Fällen unter Verstälidigunz mit den dafür mastgebenden-teilen erfolgen. fowe't eS sich nicht um geitnahmen«m gewöhnlichen Ovd- nungs- und SicherheilSdiensl haiideU. 3. Beschlagnahmen irgendwelcher Art sLebenSmittel. Rohstoffe, Kohlen, Gelder) dürfen nur im Einverstandni» mit den»lastgebende» Stellen erfolgen Eine Belchlagnahm« von Lebensmitteln ode« lagernden Vorräten, die für Koirnnu. nalverbände und sonstig« öfseniliche Körperschasien anderer Drte oder für da» Heer bestimmt sind, darf unter lvinen Um- ständen erfu'gen. ».Eine Beschlagnahme öffentlicher Kassen, die im Ein- Verständnis mit der Regierung de« Reiche» oder der Einzel« st aalen de»'' Gemeindeverwaltungen oder sonstiger ofsenlüchen Korperlch ifien verwaltet werden, ist absolut unzulässig, ebenso jeder willtürlick>e Eingriff in Bankdepot». 6. Alle E ngriffe in de» Schisfahrts-, Eisenbahn, und Postver» lehr müssen absolut unterbleiben. J�ür die Zeit der Demobilisierung haben die örtlichen Arbeiter- und Solöatenräte in Znicmmenarbeit mit den zuständigen Behörden ihre Aufmerksamkeit auf folgende Makinahmeii zu lenken: l. Sorge für die Einquartierung. a) Lsireitstellung öfsenilicher Gebäude für geschlossene Formal ionen. b) Vereiisiellung von PrivaNvobnungen, die in erster Linie fiir Frauen in Beiracht lammen. e) Bernisiellung leerer Geschäftsräume u. a. für wohnungS- lose Familien. ä) Berel isteltung von Dedrn, Bettstellen u. dgl. 2. Ernähr ungsfrogen. a> Einrichtung vo» Ä'assenspeiseeinrichtnngen. b) Einrichtung vo» Feldküche» u. a. a» allen größeren Bahnhöfen S. G e s u n d h e!» l' ch e M a st n a h in e n. a) Eiiirichluiia von Bäder»'ÄlluusungsanstaEen. d) Einwirfiing. auf di« entlassenen Kriegsteilnehmer, ärzt liche tlnlersuchung in Anspruch zu nrhnien «ker S Soldaren an die Lazarette. Krantheiien und Ansteckungsgefahr e) Verweisung fron ck) yiuftläiuiig über iPIakule). e) Den Anordnungen des SanitätSamle» betr. Seuchengefahr ist unbedingt Folge zu leisten. 4. Arbeitsregelung. ») Veeiveisung der arbeitslosen KriegSIeilnehmer ttnd RüslungSarbeiter an d«e ArbeilSnachweise(Plakate). d) Einwirkung aus die Arbeitslosen, sich bei den im Augen- blick dringend erforderliehen Landarbeiten, insbesondere der Karloffet- und Rübenernte, zu beteiligen. e) Hinweis der Arbeitslosen aus die Beteiligung an der dnn- geich erforderlichen De. und EnlladungSarbcit der Güter- Züge. ck) Für die bestehenden Kriegsbetriebe gilt als oberster Grundsatz: Kein Mann und keine Frau darf arbeitslos tverben. Betriebe haben sich so schnell als möglich auf Friedensarbeit umzustellen. Eine Slillegiiiig der Betriebe soll vermieden werden. Den Anordnungen de» Reichsamts für Wirtschaft- liche Demobilisation ist Folge zu- leisten. ö. Allgemeines: Hinweis der heimkehrenden Soldaten darauf, dast der ord» nungSgemäste Rücktransport mit der geschlossenen For- malion und die vorschriftSmästige Entlassung für sie fol- gende Vorteile birgt: # 1. Unentgeltliche Verabfolgung eines Entlass ungSanzugeS. 2. 60 Vkark Entlassungsgeld. 8. Murschgebühriiisse. Berlin, den 23. November ISIS. Der VollzugSrat de» Arbeiter» und Soldatenrat» Grost-Berlin. Eine Inlernaiionale sozialistische Konferenz. Unser Amsterdamer Parteiblatt„Het Volk" berichtet, dast Genosse van Kol ein Telegramm von Henderson erhalten habe, dast die Schwierigkeiten, die der englische Seemannsverband der Ausreise Huysmans nach Belgien bereitete, nun überwunden seien. Tie belgische Regierung Hat van Kol mitgeteilt, dast sie in England gegen das Ver- bot der Ausreise von Huysmans protestiert hatte. Genosse Huysmans begibt sich nun nad) Belgien, um die Ab- Haltung einer Sitzung des Internationalen sozia« Ilstischen Bureaus in Brüssel vorzubereiten. Amerika und die tebensmitteloersorgung Lenkschlands. Trier, 24. November. Vom amerikanischen HilfS- komitee für die Lebensmittelversorgung sind gestern secyS amerikanische Offiziere hier eingetrof- f e n. Sie verhandelten mit dem Arbeiter- und Soldaten- rat und haben die Weiterreise nach Koblenz angetreten. Sie bayerischen A.- und S.-Aüle an die Eateule. Die Arbeire-», Soldaten- und Bauernräte Bayern» versenden folgenden Funkspruch an alle Entente- und neutralen Staaten: Die Arbeiter-, Soldaten- und Baucrnräte Bayerns protestieren energisch gegen die herabsetzende BeHand- lnng seilen» dor englischen Admirmität, die in dem Richtempfang de» Soldatenrot? lieg: Die Arbeiter-, Soldaten- und Bauern- räte sind es an erster Stelle, die oas alte Regime gestürzt haben und sich daher der ReglerungSgcwalt bemächtigen mußten, bis die konstituierende Nmionatvelsammlling die Regierung in die Hand des ganzen Volkes legt. Danim erbitten wir bis dahin die Anerkennung und ersuchen in Zukunft, daß Abordnungen de» .Irbeiter-, Soldaten->-,no Bauernrate» al? vollberechtigte, bevoll- -nächtigte Vertreter unseres freien Volksstaates Bayern empfau- gen werden- was-sofort geschehen kann— und mutz! Don Prof. Dr. R. Willirandt. Wir veräfiemlichen diese»nteressanien AnSfüyrun» gen als einen bemerke»«werten Beitrag zur Frag» der Sozialisierung. Der Angelpunkt, um den sich die Tiir zur verfastungs- oebenden Versammlung dreht— und sie dreht sich deshalb bald auf, bald zu—. ist die»frage: Wird es dort ein« Mehrheit für der. Sozialismus geben? Aller Kampf für Ordnung,»freibeit, Demokratie, gegen die Gewaltherrschaft nach russisdiem Muster, wird durchkreuzt von dieser banoen Sorge; durchkreuzt von der Einsicht, dast die»freunde der verfassunggebenden Versammlung nicht lauter»freund« de» Sozialismus sind. Demgegenüber kann man sich entweder auf den Stand« Punkt stellen, dasj der Sozialismus dann eben noch etwa» warten müsse, weil die Mehrheit für ihn dann erst noch er» r u n g e n werden mnst: mann kann sagen: dann ist«0 eben noch nidit so weit. Oder man macht sich klar, wa» auf ieden ssfall schon jetzt feststeht, ganz gleich, wie die verfassunggebend« Versammlung ausfällt. Da» ist eS, was ich hier versuchen möchte. Ich glaube zeigen zu können: ohne jedes unberech- tiate Vorgreisen, ohne irgendeine Unehrlichkeit, ohne Mist- braud) der noch nicht von einer Mehrheit bestätigten Gewalt. ist eS so unendlich viel, was schon setzt aetan werden kann, ja getan werden must, dast der Ausfall der verfassunageben« den Versammlung am Aufbau deS Sozialismus nichts mehr ändern kann. Ist dieser Nachweis zu erbringen, dann steht fest: es ist für den Sozialismus gar keine Gefahr, wenn die Mehrheit dort nicht für ihn sein wird: er kann dieser Ver« sammlung mit Ruhe entgegemehen und sie sobald als tech« nisch möglich einberufen, ohne das eiane Leben aufs Spiel zu setzen. Mit einem Wort: Die Errungenschaften der Re- volution sind nicht in Frage gestellt, über den Sozialismus wird nicht in der Konstituante entschieden. Das ergibt sich daraus, dast Tatsachen feststehen, die mit innerer Notwendigkeit den beginnenden Sozialismus er« geben. Es handelt sich um sieben Punkte: 1. Siedlungsaktion. Den Soldaten ist etwas versprochen worden. Ohne Revolution wurde das Ver- sprechen nicht eingelöst. Der Widerstand hinter den Kulissen war zu stark. Es ist verstu odien worden: Jedem, der da« Vaterland verteidigt dat. soll es auch aehören. Wenn ihr heim kommt. dann sollt ihr nidlt wieder vor den Mietskasernen um Wob- nung betteln, mit einer überall abgewiesenen Kinderschar von Hausbesitzer zu Hausbesitzer irren, sondern unabhängig, ge- sichert, von dem Druck willkürlicher Mietssteigerungen befreit, auf Gartenland siedeln. Der Boden soll nicht mehr das Monopol einer ihn absperrenden, verteuernden, mit ihm spekulierenden Minderheit von Besitzenden sein, sondern euer aller, die ihr euer Blut für ibn hingabt. Der Reichstaa verlangte einstimmig ein solches Gesetz. Im Juni mahnte Ludendorff dringend: für die Stirn- mung der Truppen sei das versprochene Krieaerheimstätten- gesetz dringend erforderlich. Er blieb monatelana ohne Ant- wort. Lag das daran, weil Graf H e r t l i n g seines hoben Alters wegen schon um seckis Uhr- ins Bett geben mustte? Oder gab es Gegner? Offene wobl kaum. Dock)»m)o ge- schicktere. Ter Kaiser liest sich von seinem Lieblina H e l f fe- r i ch ein Gutachten erstatten. Dieser entledigte sich seines Auftraas mit Meisterschaft. Erst lange Lobsprückie ans die ante Absidit. Zuletzt die Beiuerkuna. die beimkebrenden .Krieger würden nach diesem Gesetz, das ihnen das un- bedingte Veräusteningsred's nicht gebe, minderen Rechte? sein. Das idüug durch. Die bedrohten Interessen der Ter- rainipeknlanten und der dahinter stehenden Banken waren gerettet. 2. K r i e g s g e w i n n st e u e r. Die Aera Hilffe- r i ch legte den Grund zu dem Kriegssdiiilbeuiystel». das im tSeftenTafc zU Englands Kriegsoesteueruna die deutsche Kriegssinanzieruna ansaezeichnet hat. Die„Stimmuna" zu erhalten, erschienen Krieasciewinu? und taxtlouiende An- laae derselben in einer wiederum die Kapitalrente beauein und si«t>er erhöhenden Perschulduna des Gemeinwesens sehr geeianct, Ter.Krieasgewinn blieb nröfiteuteils den Privaten erhalten. Und heute noch ist der Kneasgewinn die Grund. laae des neuen Parvenütums. Muk zu seiner«restlosen" Erfassung(richtiger: zum Erfassen des noch fachdaren Nestes) oi» zur Konstituante aeivartet werden? Ist irgendeine Partei so schamlos, daß sie in jener Versammlung da» gegen sein könnte? 2. Vermögensabgabe. Niemand zweifelt, daß ohne Vermöaensabaabe größten Stils die Gesundung der NeichSfinanzen unmöglich ist. Ettoa ein Drittel im Durch- schnitt, kleinere Verniögen freilassend, bei großen bis zur Halste steigend, so wird die Vermögensabgabe mich von rechts stehenden Nationalökonomen ins Auge gefaßt, als unver- weidlich. � Tie Republik ist an die vom Kaiserreich übernommene Pflicht gebunden. Doch sie muß, und braucht dafür keine Nationalversammlung abz-iwarten, die s�manzkraft deS Ge- meinweiens stärken, das Mißtrauen im Ausland widerlegen, uns wieder kreditwürdig machen. Das Reich muß reich sein, dann kann es auch Schulden haben. Nur Schulden ob- zahlen, etwa durch eine Vermögensabgabe in Kriegsanleihe, macht weniger verschuldet, beläßt aber die Armut. Diese führt immer wieder zur Perschulduna. denn der bekannte Streit um die Steuern endet ja immer wieder, schon im frieden, mit jener beliebten, das Doppelte— für die Ver- zintunq--- fordernden Aufnahme neuer Schulden. Die konstltuierepde Persammlung wird darin vielleicht nicht anders sein. Und wenn sie vernünftiger ist— muß dann bis zu ihrem Erscheinen gewartet werden? Soll um Monate— mindestens— die Gesundung der Neichssinanzen verschoben werden? Soll so lange noch die Kreditnnwürdig. keit, die auch die Valuta drückt, auf uns lasten? Es kann nicht nur, nein, es muß. wie bei Kriegerheimstätten und Kriegsgewinnsteuer, auch bei der Vermögensabgabe das poli- tisch wie wirtschaftlich wahre Wort beachtet werden: Wer gleich gibt, gibt doppelt. Tie Revolution löse ein. was die Ordnung schuldig bliebl So rasch als möglich. Sie ge- winnt dadurch an Kredit, in jedem Sinne. Sie mache das Reick zum Grundherrn und Kapitalisten, durch Vermögens- abgäbe in Land, und anderen Geschäftsanteilen, dann kann es die Schulden in rubig laufender Amortisationsrcnte ab- bezahlen und allmählich, nach Erledigung der Schulden, zum Verwalter eine? Gemeineigent, litis an Produktionsmitteln werden. Die Zinsen der Kriegs'chuldcn nach der gesetzlich festgelegten Frist auf etwa 4 v. H. herabsetzend, kann das Reich dann den durchschnittlich etwa 8 v. H. ergebenden Dividenden und Geschäftsgewinnen einen lleberschuß von 4 v. H. entnehmen: den Untcrnehmergewinn. Aus ihm kann Abzahlung der Schulden und weiterer Ankauf von Aktien und Land bestritten werden. So kann die Vcr- mögensabgabe. aus tiefster Not geboren, der Anfang sein für Reichseigentum in immer größcrem Umfang. Und ReichSrlgentum, bei einer so völlig domokrati'chcn Republik. ist Gemcincigentuni. Grundlegung des RcichJcigentums ist heute Grundlegung de? Sozialismus. 4. R ll st ii n g S i n d u st r i e. Schon vor dem Krieg hat Brentano das erlösende Wort gesprochen: Verstaat- lichnng der Rüstungsindustrie. Mit einem friedlichen Völkerbund gar ist die Niisliingsindiistrie in Privatband unverträglich. Sie betzt im Frieden und hetzt im Kriege. Von Steinmann-Bucher. dem dieser Welt nahestehenden Ge- lehrten, der im Sommer UUK erklärte, d«S deutsche Volk habe c>m Kriege Geschmack gesunden, bis zu General Keim. der mit Kruppschem Geld für Rüstungen warb— die Rüstungsindustrie im Krieg, die Sckxverindustrie im Frie- den: stets dieselben Privatinteressen, die um ihres Profits willen mit Millionenaufwand für Zeitungen in allen Län- dcrn eine öffentliche Meinung erzeugen, die dann Hunderte von Milliarden als Aufwand der Völker selber— außer andern Kriegskosten I— heraufbeschwört. Als Landrat Rötger 1917 mit dem Bund der Landwirte zusammen daS immobile Kapital zu bewahren suchte durch einen patrioti- tisch fortzuführenden Krieg, zwecks Kriegsentschädigung statt irgendwelchem Bluten der Nüstungsindustrie selber, da modernisierten wir im Felde das alte römische Sprichwort: Süß ist's und ehrenvoll, für daS immobile Kapital zu sterben. Muß bis zur verfassunggebenden Versammlung ge- wartet werden, um in dieser Sache zu eutscheiden? Und ist nicht gerade dieser Teil der Industrie Eisen und Kohle,!o vollkommen monopolistisch organisiert, so sehr auf Naturschätzen begründet, so ervropriationsreif durch die in Aktiengesellschaften oder Familiengründungrn vollzo�zene tatsächliche Trennung von Leitung und Besitz daß das Reich dex Besitzer sein kann, obne irgendwie den Betrieb zu ge« fährden ohne anderes zu bewirken, als daß �er Gewinn an die Gesamtheit fließt und unschädlich wird? (Et» zweiter«rtitet folg:.) EWwprlallo« und Sonfislaliou. von K So u» s k tz. Di«. nachstehenden, höchst aktuellen Ausführungen find einem tiinHeren Aufsatz entnommen. der. in der neuesten Nummer der von Dr. R. Breilscheid herausgegebenen unabhötXii�en sozialdemokratischen Wochenschrill„Der Tozialisl" jfrühcr„Sozialistisch«'AuslandspoiiliK") veröffentlicht ist. Eine der Fragen, die für das Reich prinzipiell gelöst werden muffen, wird die sein, ob die Besitzer nationalisierter Be- inebe ausreichend entschädigt werden sollen oder nicksi. Es ist klar, daß es zu unhaltbaren Zuständen führte, wenn etwa Sachsen die Bertiebe. die es norionalisiert, einfach konfiszierte, Bayern dagegen sie abtäste; wenn die sächsischen Eparkaffen aufhören müßten, Zinsen zu zahlen, weil ihre Wertpapiere wertlos ge- worden sind, und die bayerischen Sparkassen die Zinsen nach wie bor weiter zahlten usw. Nun erscheint als die einfachste und radikalste Lösung der Frage der Ziationalisierung die Konfiskation, und wer Be- denken dagegen äußert, wird bereits verdächtigt, im Jntereffe de» Geldschranks tätig zu sein. Wie man sich zu der Frage stellt, hängt vor allem davon ab, welchen Standpunkt man ihr gegenüber ein- nimmt, den Standpunkt des Recht», der Gewalt oder des Marxismus. Vom NechtSstandpuukt au? kann man lagen, daß alles Kapital akkumulierter Mehrwert, unbezahlte Arbeit ist. Es ist das gute Recht der Arbeiter, ihre oder ihrer Vorgänger unbezahlte Arbeit ohne Bezahlung wieder an sich zu nehmen. Di« Vertreter dek Gewaltstandpunkts wieder können sagen, sie brauchten nicht zimperlicher zu sein als ehedem Fürsten und Bonr- geoiS waren. Die Fürsten haben zur Zeit der Reformation das Kirchcngul konfisziert, die Bourgeois haben weitere KonfiSfationen in der Zeit der französi'chen Revolution vorgenommen. Warum ihnen nicht folgen jetzt, wo die Konfiskation nicht zum Besten einer bevorrechteten Minderheit, sondern der BolkSmaffe geschieht? Für den Marxisten sind dies? Gesichtspunkte nicht ohne Belang. Aber entscheidend für ihn werden die ökonomischen Erwägungen, und die sprechen in anderem Sinne. Di« schlimmste Geißel, die die kapifosistische Produktionsweise über die Proletariermassen, ja die ganz« Gesellschaft gebracht hat, sind die wirtschaftlichen Krisen mit ihrer ringe- Heuren Arbeitslosigkeit. Dies« Krisen bildeten die ickwerste An- klage, welche die Kritiker de» Kapitalismus gegen ihn vorbrachten, sie au» der Welt zu schaffen und unmöglich zu machen, ist eine der wichtigsten Autgaben dcS Sozialismus. ES wäre das schlimmste Armutszeugnis für ein sozialistisches Regime, wenn e» sich mit dem Herbeiführen einer wirischaftlichen Krise einleitete. Darauf sind auch die steten Hinweise auf Ruhe und Ordnung zurückzuführen. Sie haben einen üblen Beigeschmack bekommen, weil sie zum Jargon des früheren Polizeiregimes gehörten, da? unter der Ruhe die des KirchhoiS, und unter der Ordnung irie dcS bedingungslosen Gehorsams verstand. Solche Ruh« und Ordnung muß natürlich ein freie» Volk zurückiveisen. Stete politische Be- loegung. stete politische und ökonomische Kämpfe gehören zum Wcsc» der Demokratie.> Was wir aber brauchen, ist ruhiger, ununterbrockener Fort- gang de» Produktionsprozesses, ohne den die Arbcitcrsck'aft nicht leben sann. Einer der größten Borteile der Demokratie besteht gerade darin, daß sie eS erlaubt, die erbittertsten Klassenkämpfe in Formen auSzufechtcn, die den Produktionsprozeß m«bt stören. während jede Diktatur oder Autokratie, von welcher Seite siv kommen mag, notwendigerweise dazu führt, daß diese Kämpfe Formen annehmen, die den Produktionsprozeß zeitweilig lahm- legen. Wie wirkt nun die Konfiskation auf den Fortgang der Pro- duktion? Gelänge eS. mit einem Male die gesamte Produktion aus kapiialistischer in sozialistische zu verwandeln, dann wäre die Kon- siskätion ein« sehr zweckmäßige Maßregel, die sich auch, wie wir gesehen, durch Erwägungen de» Recht» und Beispiele der Gefchichki rechtfertigen ließe. Einen derartigen plötzlichen Uebergang zun Sozialismus hält jedoch niemand für möglich. Auch die radikalste» unier den bolschewistischen Genossen nicht. Trotzki um B u ch a r i n z. D. meinen, daß ein Menschenaltkr vergehen kan» bis alle kapitalistischen Betriebe notionalisieit seien. Mir erscheint diese-Schätzung übertrieben groß Der Kapitalismus steht in zu sckrosscm Widerspruch zu der politischen Herrschaft der Arbeiter- klaffe, al» daß er sich unter ihr lange behaupten könnte. Aber wie lange man immer jenen Zeitraum des Uebergang» annehmen mag, daran ist nicht zu zweifeln, daß die verschiedenen Produktionszweig« in verschiedenem Maße reif sind zur Nationali- sieumg. Bei manchen kann sie ohne weiteres sofort vorgenommen werden, bei andern ist noch gor nicht abzusehen, wann und wie sie nationalisiert werden. Di« Aktiengeiellschaften sind leichter zu nationalisieren als Betrieb« von Einzeltapitalistcn; große leichter als kleine; kartel» lierte leichter als solche in freier Konkurrenz stehende; eher die- jenigen, die überwiegend für den inneren Markt arbeiten, als solche, die hauptsächlich den Neltmarkt aufsuchen. Ferner sind l leichter solche zu nationalisieren, deren Absatz sicher, als jene, die ihren Absatz suchen müssen, solche, die nur wenige, gleichförmig« Typen produzieren, als jene, die eine Fülle verschiedenartiger, mit der Mode wechselnder Artikel erzeugen usw. Zunächst wird sicher nur ein Teil der Produktionszweige natio- nalisiert werden können, die andern müssen kapitalistisch weite« betrieben werden. Der Kapitalist produziert aber nicbt weiter, wenn er nicht sein Eigentum und seinen Gewinn gesichert weih. Soll er seinen Betrieb in Gang halten, muß er neues Kapital in seinen Betrieb hineinstecken, Löhne zahlen, Rohmaterialien kaufen usw. Wird er das tun, wenn das Prinzip der Konfiskation an« genommen wird und er mit der Möglichkeit rechnen muh, daß man ihm morgen oder übermorgen seinen Betrieb ohne jede Eni» schädigung abnimmt. Man meint, durch den Schrecken kairn man die widerspenstigen Kapitalisten zwingen, ihre Betrieb« weiter zu führen. Uber unte« dem Drucke de? Schrecken» kann man nur die robesten Arbeiten erzwing»!, ES ist ein Nachteil der Sklavenarbeit, daß sie jede höhere Produktionsweise ausschließt. Man kann neben den Unter- nehmer einen Gendarmen stellen, der ihn zwingt, den Betrieb in Gang zu baiten. Aber wie soll er ihn zwingen, daS mit Umsicht und Emsigkeit zu tun? I« schlimmer der Zwang, desto größer die Unlust des Leiters, desto rascher wird der Betrieb verkommen. Ganz ander? liegt die Sack«, wenn der Kapitalist ein Jnter- esse an dem rationellen Fortgang des Betriebs hat, wenn ihm in Aussicht gestellt ist, im Falle der Nationalisierung ein« Ent« schädigung zu bekommen. d<»m so höher Ist. je prodnk'.iver das Unternehmen, DaS brai� nicht zur Heiligkeit deS Eigentum» zu führen. Die Konfiskation des Vermögens würde sogar eine sehr ravonelle Strafe für verschiedene Verbrechen gegen die Gesellschaft darstellen. So wäre namentlich da« Vermögen aller derjenigen zu konfiszieren, die Schuld am Weltkrieg« tragen. Da» Privateigentum der Hshenzollern wie der Habsburger müßte dazu herhalten, die HriegSlasten wenigstens etwa» zu mindern. Ebenss das Vermögen derjenigen, die aus der Noilage dcS Kriege» reichest Kapital geschlagen haben.. Endlich wäre die Konfiskation zu derhängea als Straf« füt diejenigen, die ihre Unternehmungen absichtlich stillsetzen, um di» Revolution zu ichädigrn. Dies» SUasr wäre freilich nur wirksam. wenn bei eintretender Rattonarssterung dtespstMn Zsnpn.,,iiu»� entschädigt würden, die ihre Betriebe weiter geführt hatien. Aus ökonomischen Gründen, im Interesse de» ungestörten Fortgang» der Produktion, ist e» dringend wünschenswert, daß der Grundsatz der Ablösung für alle Betriebe, deren Besitzer sich in keiner Weise strafbar gemacht haben, festgelegt würde. - Ich bin dafür schon 1302 eingetreten, in meiner Schrift»AM Tage nach der sozialen Rcvotulion", in der ich bereit» di« Aufgaben der jetzigen Situation erörterte. Auch die radikalsten meiner da- maiigen Freunde haben damals nicht an der Forderung der Ab« lösung Anstoß genommen und niemand wäre e» eingefallen, mir den Vorwurf zu machen, daß ich mich schützend bor den Geldschrank der Kapitalisten stelle., So ist die Sack« natürlich auch gar nicht gemeint. R i ch k um Schonung diese» Schranke« handelt eS sich, sonde rn daru m. ob man für die Nationalisierun» die primitiven Formell der Vorzeit in A nw e n- tzu n g bringen soll, die brutal und oft hart wirken, oder ob man die feineren Methoden au« wenden soll, die unsere Zeit entwickelt hat. Der Geldschrank der Kapitalisten soll in Anspruch genommen werden bei der Zahlung der Kosten der Ablösungen. Aber die Der eutlvasinete Solöm judeit: AIS ich in den Fluten der Besiegten zurück Zur holländisches! Grenze kam, Erschien ein Kommando, das mir di« Waffen abnahm. Was für ein Glück! Ich konnte wieder die freien Hände heben, Ich konnte wieder in reiner Sonne leben. Ich brauchte keine Waffe zu tragen, Ich brauchte keine Wunde zu schlagen. Rudolf Leonhard. Lie ErzWung Lasars. Von Oskar Maurus Fontona. (Au» dem Rovemberheft der»Weißen Blätter".) Lasar sah in den Stuhl vergraben, blinzelt«, hielt den Kopf schief, schien aufmerksam zuzuhören. Dennoch— in seinem Gesicht war seilsam« Fremdheit und rätsethaste« AndcrSwosein. Al» hätte daS Begouja, der Herr de» Haule», gespürt, unterbrach er sich plötzlich, wandte sich an Lasar:»Erzähle du. Von Chicago. Wie dein Arm verloren ging. ES wird sie interessieren. Warum soll ich immer reden? BuiideSbruder, rede auch du!" Lasar schlug die Augen auf. in deren taube Trübheit stcrn- hafte» Licht versprengt war.'sah nicht noch recht» oder lin.ks, blickte nur Begouja an, auch während er erzählte, aber sein Blick haftet« nicht, ging durch, ot» säße keiner vor ihm. Cr wehrte sich nicht, mit einer sehr teisen, de» Sprechen? ungewohnten Suinine, begann er folgsam wir ein Schutkind, manchmal unter- brache ii durch ein schüchternes Hüsteln: »Ich ging»och Aiuerika. weil Hunger und Not die heilig« serbische Erde drückic. Ich lom nach Chicago, trat in d>e Echtäch- terei deS Milliardärs Benjamin Stone ein. Es waren große Schlächtereien und viele und in jeder wurden Tag für Tag hundert Schweine gejtochen. Sioues Büchsenfleisch, ich sah es später einmal wieder in Belgrad bei einem Kaufmann. DaS tam von den Schweineschlächtereicn Chicago». Mir. ging eS gut. Ich hatte nicht zu klagen. Ich brachte ei bald zum ersten Schlächter, ich hatte eine Harpune, mußte so zustoßen, daß da» Schwein beim ersten Stich tot war. Tonn wurde eS fortgerissen, geteilt, ge- schnitten. Ich weih nicht» davon. Ich hatte meine Harpune Neben der Schlächterei waren die Geleise der Eisenbahnen. Die Züge, die kamen, waren voll mit lebendigen Schweinen. Die Züge, die gingen, waren voll mit gepöckeUen Schweinen, schon verpackt und verkaufsbereit in den verzinnten Weißblechbiichscn der Stoneschen Kompagnie. Das sah ich drei Jahrx und vier Monate jc»n Tag in der Frühe, wenn ich zur Arbeit ging, jeden Tag am Abend, wenn ich von der Arbeit ging. Ich sagte schon, es ging mir gut, ich hatte nicht zu klagen. Ich muß es noch; ein- mal sagen, weil eL wahr ist." Er unterbrach sich, schöpft« tief Atem, sah ini Leere mit dem Blick eines gc''chlagei>en und getretenen Eses». demütig, sanft und Hdcnd. Begouja schenkte ihm Wein ein. aber er trank ntcht. erzählte weiter. »Wie da» anders wurde, weiß ich nicht mehr ganz genau. angefangen aber hat eS so. Wir hatten unter den Arbeitern der Schlächtereien eine» Russen. Er wurde, erinnere ich mich, im Perpackungsraum verwendet. Er war einmal ein Mönch ge- ire-en oder so was, glaube ich. Er kümmert« sich um nichts in Chicago und verrichtete still und langsam seine kleinen Arbeiten. Aber am Abend, wenn wir alle müde waren— und wir waren entsetzlich müde von der immer gteichen Handbewegung, die ein jeder von uns machen mußt«, von dem Geruch deS Blutes und dem Geschrei der zum Sterben geschleppten Tiere— erzählte ff uns von dem Reiche Gottes, ha! einmal kommen werde. Kein� Diener, keine Herren, olle Brüder. Wir waren müde, wir hörten zu. und wenn wir ihm oielleicht auch nicht jede' se>ner Propbc- zeiungen glaubte», so war e» doch schön und löst« die Müdigkeit. zu hören, zu hoffen, daß einmal aus Erden Hinimcl sein werde. Wir lieble» ihn. ES waren alle Nationen in Slones Scfiliich- tcreicn und alle Rationen hörten den russischen Mönch am Abend reden. Zuerst waren es nur ein paar gewesen, die Ihm zuhörKn. aber dann kamen mehr und schließlich waren es alle, die zu- hören wollten. ES war sehr schön und wäre es so geblieben, mei« Leben wäre vielleicht ander» geworden." Er schloß die Augen. in ihnen. AIS er sie aufschlug, glänzte Haß >„Ich sagte es schon, der Russe tot nick-t«, als vom Reiche GotteL zu reden. Er tat niemand wo» zuleide und war wie ein kleines Kind, so ungefährlich. Ich weiß nicht, wa» Benjamin Stone einfiel, ich glaube, er wußte nichts davon, und es war so ein Angestellter au» den zahlreichen Kanzleien, der e» in seinem Namen tun konnte— dem Russen wurde das Reden ver- boten. Er wollte gcborchcn, A'er da» litt keiner von uu». Am selben Abend noch redete er zu UNS allen. So schön, wie nachher nieinaiS wieder. Daraufhin wuche er entlassen. Und e» kam Scblag auf Tck-iag. To erfuhr ich zum erstenmal, wie reich Reichtum und wie arm Armut ist, wer das Reich Gölte» auf Erden verhindert und den Himmel nicht auS den Wolken läßt. Wir legten die Arbeit nieder, erklärten, wir würden nicht eher in Stone» Schlachthäuser gehen, ehe nicht der Russe wieder auf-. genommen iei. ES war eine silcinigkeit kür Tione. e» war eine Lächcriichieit. WaS ivax in diesem Betrieb ein Packer, der durch die Borbringl'chkeit irgendeines Juspsttors entlassen worden war? Benjamin Stone brauchte nur di« Feder einzutauchen, nur seinen Namen zu schreiben und alle» war gut, die Gerechtig» teit gerettet� Aber Benjamin Stone gab ntcht nach, er wollte vor seinen Schlächtern und Packern nicht weichen. Wir blieben im Ausstand, wir wurden unterstützt von den Arbeitern ganz ?lmeukaS. Ein Monat ging, ein zweiter, ein dritter— auf«in» mal war es ein halbe? Jahr. In Stone» Schlächtereien ruht» die Arbeit. Unsere Mittel waren aufgezehrt, erster Hunger nagte an unS. Do kam es, daß der Russe nicht länger mehr die Not seiner Kameraden mitaufehen wollte und zu Stone bitten ging. Er selber wolle fort, aber alle Arbeiter seien wieder ein« zustellen. Stone sagte: Ja. aber mit niederen Löhnen. ES war lieber i» ut,«r fühlte uns schwach werden, er wollte unS leiden lassen, w,c groß er sei. wie tiein wir. Ein Wutlchrei: Der Russe und die alten Löhne müsse» bleiben, pa» war unsere Ant» mort, als der arme Mönch uns zitternd von seinem Bestich beim Miliardär erzählte. Und der Kampf ging weirer, einen Monat, noch einen und wieder einen und eS war ein Jährt Ein Jahr. daß in StoneS Schlächt�eicn nicht mehr geschlagen wurde, ei» Jahr, daß wir müßig waMn und von dem Unseren leben muhten. Und wären wir auch au�ewandert nach Fri»« oder Baltimore 'I off« soll dazu herangezogen werden, nicht der einzelne Die Kosten müssen durch progressive Besteuerung der großen Ein» -smmen, Vermögen, Erbschaften aufgebracht werden. Die Kon- Mation triift einzelne Kapitalisten und läßt andere ungeschoren,! die Besteuerung legt die Lasten des UebcrgangS nicht einzelnen! Individuen, sondern der ganzen Klasse auf, abgestuft nach der Tragfähigkeit des einzelnen. Sie wirkt dadurch gerechter und �ch milder, weil der Prozeß der Expropriierung der einzelnen einen längeren Zeitraum»erteil» ist. bis die gesamte. Ratio- Wsierung zum Abschlbß gelangt. Es wird dem einzelnen nicht Kssrt sein ganzes Vermögen genommen. Es kann nur von Vorteil fein, wenn wir die zivilisiertere "cthode der Expropriierung der Expropiateurc durch die Bestcue- tvng wählen und der Kvpitalistenllasse das traurige Borrecht i'Isen, daß sie es war, die bei den Expropriierungen, die sie in '�ren Anfängen, den Zeiten der ursprünglichen Allumulaiio», �tnahm, zu den gewaittätigsten und infamsten Mitteln griff. Mit dem Siege de» Proietariats soll ein neues, höhere» «italter beginne»». Jas Los der llusiSudischen Arbeiler in Jeulichland. � Wer da aus Gründen der Unwissenheit noch irgendwie ge- i't'g! war, die Machenschaften deö alten Regimes zu beschönigen, ?er hätte in der gestrigen Versammlung russischer, polnischer und Mischer Arbeiter in BoekerS Festsälen anwesend sein müssen. Um sich ein Vorstellungsverm»zen zu schassen. Zweitausend �utschsprechende ausländische Arbeiter standen Fuß an Fuß und sUligc hundert konnten keinen Einlaß mehr finden. D e wirt- �aftliche Notlage zu bespreche», war der Zweck dieser zum ersten �ale gestatteten Zusammenkunft fremdländischer Arbeiter. Genosse Dr. Cohn, wohl unterrichtet von dem Elend der Be- �uernswcrtea, erinnerte in langer Ausführung an das von der Mleji Regierung den in Deutschland arbeitenden Ausländern zu- Mägte Unrecht und versuchte ihnen klarzulegen, daß �"8 ihr ««'es Recht sei. auf die Bcschasfung weiterer Arbcitsmöglichkeit dringen. Es sei wohl klar, daß der heimische Arbeiter die Sachlage zunächst nicht richtig erkannt und der zurückkehrende «oldat un'er dem Einfluß des noch kürzlich erhaltende» vater- miidischen Unterrich's über die hiesigen Geschchnisi« noch wenig Rentiert ist. und es sei deshalb eine Aufklärung dieser Kollegen "'n feiten der ausländischen Kollegen nolwend.g, � in welcher ästeten die Tatsache vor Augen gestellt werden müsse, daß der H�ßie Teil der ausländischen Arbeiter nicht aus eigenem Willen ?Mhcr gekommen sei. sondern dulch Verfügungen der in den be- sthlen Gebieten fungierenden militärischen Obrgkei'en ge- Munaenermaßen»ach hier transportiert worden ist. Daß man �.schamlosester Weise zu Werte gegangen ist, um sich die Arbeits- .'flf'e der beseiten Gebiete zunutze zu machen, indem man bei- MelSwetse in Litauen auf den Marktplätzen Konzerte veranstaltete Jib die hier zusammengekommenen Zuhörer von Militär um- Zellen und in die Eisenbahnwagen schaffen ließ. Selbst nicht ?esck>eut hat man sich die au« der Kirche kommenden Leute auf x'esclbe Art nach Deutschland zu bringen. Zehntausend Mütter finden sich noch in Deutschland, die seit Yahren ihre Kinder. j*" denen sie hinweggeführt worden sind, nicht mehr zu Gesicht klommen haben...„_„ Nndedingt notwendig sei e«, die biesigen Kollegen über das ?�>eiregiment der Okkupation aufzuklären und ihnen auch pknntnis davon zu geben, daß der ausländische Arbeiter, der �ute hie» versagt werden soll, nachdem er seine Schuldigkeit ge- hat, ia keine Heimat mehr vorfindet, selbst wenn er dieses . Die Industrie ist dort zunichte, da man sich nicht gescheut 2'' Tausend? von Masch nen zu vernichten, nur um miir.l.iäle -�ktigen Kupfer und Messing, zu gewinnen. Der Handel ist in- Indessen ebenfalls zunichte. Schauerlich sind die Zustände»uf Lande. Der Redner führt hierzu au», daß für Litauen urd Stil«« Wjssenz auch für Polen seinerzeit die Anordnung ge- °"tn wurde, daß keine Wirtschaft bis zur Größe von lOO Mor- M wehr al» ein Pferd, eine Kuh, ein Schwein und eine Ziege j�ven darf. Die Polen berechnen jedenfalls, daß ihnen im Uegk Maschinen, Fertigwaren usw. im Werte von etwa drei T�lliorden Marl gestohlen worden sind. Wen» der Pole heute Mückkehren wollte,«in zerstörte» Haus würde er vorfinden und JMe den hellen Aufruhr, der allein aus die verbrecherischen �acbxnsckiaften der alten Regierung zurückzuführen ist.> . Um eine ungefähre Schätzung über die Zahl der in Deutsch- svd weilenden fremden Arbeiter zu bringen, kommt Dr, Cohn °sf die im Oktober 1vl7 stättgehabie Bnprechung im.Kriegs- JS'nisteriurn zu sprechen, welche aus Anlaß immer ernster wer- fknder Beschwerden damals notwendig wurde. Ein Offizier de? j�egsministeriums gab hier die Erklärung ab, daß Deutschland pWOOO bis 360 000 au» dem Osten stammende Arbeiter und Ar- ?ksterinnen beherberge und weiter 300 000 bis 360 000 fremd- Indisch« Arbeiter au» Polen, Litauen und Kurland. AIS be- Widers bezeichnend weist Redner auf die Erklärung dieses Offi- «M» hin, daß Deutschland ohne die Mithilfe dieser 060 000 Arbeiter wirtschaftlich zusammenbrechen würde. Weiter sag: Ge- nasse Dr. Cohn, daß die Regierung aus dieser Tatsache nicht enoa, wie es hätte selbstverständlich fem müssen, die Folgerung gezogen habe, nunmehr besondere Sorgfalt und Humanität gegenüber den fremden Arbeitern walten zu lassen, sondern daß die Regierung durch den Mund dieses Offiziers sogar erklärte, daß sie mit allen Machtmitteln diese Leute festzuhalten ver- suchen muß, daß si« niemals beurlaubt werden dürfen, weil sie dann nicht zurückkehren, und daß man ihnen keine �reie Bewe- gungsmvglichkeit bieten dürfe, weit sie sich sonst verborgen hallen. Es sei aus diesen Worten ohne Schwierigkeit zu entnehmen, daß das Los der ausländischen Arbeiter ein recht bilieres gewesen sein muß, denn bei vernunftgemäßer und menschlicher Bchand- lung halte man ein Fernbleiben bei Beurlaubung und ein Ler- borgenhalten bei freier Bewegung nicht zu fürchten gehabt. Die Behandlung sei eine geradezu haarsträubende gewesen. Keiner der Arbeiter durste zum Arzt gehen, ohne von se nein Polizeirevier eine Bescheinigung erhalten zu haben, auch religiöse Bedürs- nisse der Leute wurden aus keinen Fall berücksichtigt. Redner erwähnt, daß er vielfach die derart malträtierten Leute vor Gericht zu verteidigen hatte, wobei«in Fall bemerkenswert sei, wo ein ousländisckier Arbeiter von der Firma Stock in Mariendorf unter Anklage stand, weil er sich, nachdem er l8 Monate lang gear- beitel hatte, erlaubte, sich von seiner Arbeitsstelle zu entfernen. Der Redner kommt schließlich aus die Aewertschasten zu sprechen, die jetzt ebenfalls den Standpunkt vertreten, die aus- ländischen Arbeiter abwälzen zu müssen und daß man kein Herz hat für dies« Bedauernswerten, die doch wie jeder deutsche Arbeiter und Soldat>W Opter dieses Kriege« sind. Redner weist daraus hin, daß die wnabhängige Sozialdemokratische Partei es als ihre heiligste Pilicht anerkennt, die Wahrheit in dieser Angelegenheit in die Oeffentlichkeit zu bringen, und er ermahnt die Vernimmel- ten gleichzeitig, auch daiür Sorge zu tragen, daß das gesamte Ausland die Wahrheit eriährt und diesem klar gemacht wird, daß doch unmöglich dicic 060 000 in Deutschland arbeitenden Ausländer die Zeche bezahlen können iin? sie vollkommen Unschuld g sind am Kriege überhaupt. Eine Ermahnung an die Versammlung hält Reimer für not- wendig, sich in dieser Zeit bitterer Rot, die vielleicht noch größer werde, einig zu sein mit den Kollegen und vor allem jede Spaltung ttc verhindern unter den Arbeitern der verschiedenen fremden Nationalitäten, denn nur die internationale Solidari» tat aller Arbeiter könne zum Siege führen. In ihrer Resolution erhebt die Versammlung Pro t e st gegen die Maßregelung der ausländischen Arbeiter in den hiesigen Betrieben. Es wird darauf hin- gewiesen, daß der größte Teil der anwesenden Arbeiter gewalt- sam aus den Okkupationsgebieten nach hier verbracht worden ist. Nicht verkannt wird die schwierig« Lage der deutschen Arbeiter, in die sie durch die Demobisisierung geraten sind, man rechnet aber andererseits auf die Solidarität der deutschen Arbeiter ein» gedenk der Tatsach«, daß die gesamte Industrie der«hemal» be- setzten Gebiete vernichtet ist und alle Rohstoff« geraubt sind, so daß sich dort keine Arbeitsgelegenheit findet. Auch von der Regierung erhofft die Versammlung in diesem Sinne sofortige Abhilfe der Notlage und Berücksichtigung bei der Ausübung der Arbeitslosen- fürsvrge, da sie nicht gewillt ist, di« Zeche zu zahlen für das ver- brecherisch« Treiben der alten Negierung. Dr. Cohn weist hierbei noch darauf hin, daß die ausländischen Arbeiter bei der ArbeitSiosenfürsorge unbedingt berücksichtigt werden sollen und die Regierung sich bereits mit der Frnge besckiäftigt. Mit allen gegen eine Stimme wird die Resolr�ion angenom- mcn. Diese eine Stimme birgt jedoch keine Ablehnung, sie fordert nur die erhebliche Erweiterung der gefaßten Resolution und for- dcrt vor allem die sofortige Einstellung von mehreren tausend schon aus den Betriebenen entlassenen Ausländern. Verlexenes Schweige». Die Enthülllmgen über die Schuld der Regie- rung Bei h mann Hollwegs werden in der Presse wenig kommentiert. Sehr begreiflich. Hat doch die ge- samte Berliner Presse damals mit Ausnahme der früheren „Borwärts-Ncdaktino das geschrieben, was die Leute Beth- manns ihr diktierten. Nur einzelne haben sich später von ihren Irrtümern überzeugen lassen. Herr Gra-f Nevent- low freilich ist säzamlos genug, den Mund aufzureißen. Ihn treibt sein alter Haß gegen Bethmann. Er ist mit dein Arrangement des Weltkrieges nicht zufrieden, er hätte es schlauer gemacht. Aber ded Bursche, der einer der schlimmsten Kriegsfchreier gewesen ist, der Hauptagitator für den U-Boot-Krieg, der Mensch, der uablässig die Provokation des, Krieges mit den Bereinigten Staaten gefördert hat, um noch mehr Beute berauSziiholcn, dere ist wohl der allerletzte, der sich das Neckst herouSnehnien darf, über dies« Dinge mit- zureden. Er ist durch leine Agitation für den Krieg mit Amerika des Landesverrats nicht minder schuldig, als wie Betlmiaun, Iogow und Zinimermnnn. Interessant ist auch der„ B o rw ä r t s". Er be-uerrr zu der Entlriillmtg nickst mehr als dies: Man hat uns gesagt, in Berlin habe man das Wiener Ultimatum an Serbien nicht gekannt. Eine Lüge! Berlin habe Wien zur Zurückhaltung crmahnt! Eine Lüge! Berlin hat Wien umgekehrt aufgeputscht. JüHl- h e l in sagte in seiner Proklamation:„Mitten im Frieden hat uns der Feind übersollenl" Eine bodenlos freche, niederträchtige, schanilose Lüge! Und diese Bande elender Massenmörder, die in der Revoluion durch den Großmut des Volkes wirk- lich glimpflich davongekommen ist, denkt noch immer daran. ihre blutbefleckte, lügenbeschmutzte Herrschaft noch einmal aufrichten zu können? Das Volk l)at sie niit Schimpf und Schande davongejagt und sie können ihrem Gott auf den Knien danken, daß sie noch so davongekommen sind! Jawohl, eine Lüge, jawohl, eine Bande elender Massen- mörder! Aber hat sich nicht der„Vorwärts" in den Dienst der Lüge gestellt und verharrte er nicht in dieser Dienstbar- keit, selbst als durch die Enthüllungen, die im Ausland er- schienen waren, auch dem Einfältigen die Wahrheit klar werden mußte? Und hat nicht, im Verein mit Westarp. Strcjeinann»nd den andern Scheidemann den Fürsten L i ch n o w s k j beschimpft, als er einen Teil der Wahrheit enthüllte? Und haben die Mchrheitssozialisten nickst die Politik des Krieges gestützt, die die„Bande elender Massenmörder" augezettelt batte? Sckiwcre Schuld lastet nicht nur auf den Urhebern son- dern auch auf denjenigen, die es ihnen ermöglicht haben. das frevle Spiel so lange fortzusetzen, und die Arbeiter, die allzu lange das Spiel geduldet haben, täten gut, jetzt wenigstens darauf zu achten, daß ihre Gewählten nicht wieder ist Gemeinschaft mit ihren Klassengegnern die Früchte der Nevolntion verdorren lassen� Die Solarden tmd Ue Jenlsche logesjcltaw. Lebhaft zustimmend druckt die„Deutsche Tageszeitung" Aus- führungen des„MilitärwochenblatteS" über die Entfernung der Offiziersabzeichen. Kokarden usw. von den miliiärijchen Uni- formen ab, und bemerkt aus eigenem noch dazu: „Wenn die Revolution sich Gründl ch diskreditieren will, so muß sie nur weiter an den russischen Allüren der Kokarden» und Abzeichenjagd und an der Rotsucht festhalten. Jeder Vev- ständige hat sich gerade durch die widerlichen Päbe- l e i« n in den ersten Revolutionstagen im Innersten abgestoßen gefühlt; und die daran» sich ergebende Aversion gegen die Be- wegung an sich wird um so tiefer gehen, je länger der Unfug der kindischen Nachahmung russischer Vorbilder andauert. Wenn die Regierung und die Arbeiter- und Soldatenräie, die ja selbst Geschmack genug besaßen, auf das revolustouäre Rot zugunsten des deutschen Sebwarz-Rot-Gold zu verzichten, aus Furcht vor randalierenden Lümmeln nicht den Mu� finden, offen für di« Wiedereinsetzung der Landesfarben, Kokarden und der Ranigabzeichen— deren Beseitigung unlogische rweise beim Feldwebel Halt gemacht hat— in ihre Bedeutung und ihr Recht einzutreten, so müssen sie sich darüber klar sein, daß sie damit in den denkenden Kreisen der Bevölkerung nicht jene Radauelemente diskreditieren, sondern sich selbst. Der Ton, in dem hier von der Volksbewegung und ihren Aeußerungen in den großen Tagen der Revolution gesprochen wird, spiegelt den ganzen Hochmut und die oanze Verbohrtheit der Kreise, als deren Sprachrohr die.Deuftch« Tageszeitung" anzusehen ist. Wenn die Massen spontan überall die Entfernung der Symbole des alten Systems, der Offiziers- obzeichen und der Kokarde forderten/ so ist das gewiß nicht eine Nachahmung russischer Vorbilder. Es ist die selbswerständliche Folg« der Verehrung, die das alte Regiment für seine Symbole fordert«, und der Methoden, mit denen es sich«nd sie verhaßt machte. Der Ausbruch der Volksstimmung, der die Entfernung jener Wahrzeichen von klnterdrückuno und Gewalt» samkeit forderte, war durchaus berechtigt. Die Empörung der Reaktionäre wird die Arbeiter und Soldaten nicht beirren, sie kann ihnen gleichgültig sein. Auf die„Wiedereinsetzung" der alten Landesfarben werden die Herrschaften wohl noch lange warten müssen. Die Farbe der Revolution, da» kraftvolle Rot, wird und soll auch weiter da» Zeichen der neuen Zeit bleiben. In seinem Leuchten wird die sozialistische Republik sich Vollend» durchsetzen und mit den letzten Siesten der Herrschaft der Reaktio« aufräumen. 7- das»var die boshafteste Macht de» Reihen— kein Betrieb, •sine Fabrik in ganz Amerika hätte einen von unS aufgenommen. �'r waren ausgesperrt. Das' hatten die Herren unter sich auS» �wacht. Wir waren am End« unsrer Kraft. Skelette in Gumpen. Der Krieg mit Benjamin Stone ging weiter. ES kein Friedeschließen mehr denkbar, nur noch Kampf zwischen jw» und dem Milliardär. Wir hungerten. Er fuhr im Auto isch die Stadt, täglich. Wir sahen sein gelbes Automobil durch Unsere Straßen jagen, w>««S ihn von seiner Villa in di« �ureau« der Stoneschen Kompagnie brachte. Immer um zehn gellte seine Hupe mit einem Jägersignal durch unser Viertel, war stolz, er bog nicht an unseren Häusern vorbei, fuhr "istten durch unsere Gassen. An einem Morgen im Februar— war Nebel und kalt, standen wir alle auf der Straße. Nie- ">t einem Stich tot gemacht hatte. Die Harpune kam hoch, Stone !"h sie und seilte blauen Augen wurden groß und hart, al» wäre •"'» Leben in ihnen und sie Stein. Dann fuhr die Harpune in er sank um, war augenblicklich tot wie eine» seiner Schweine. Und so behandelten sie ihn auch. Sie zerrissen seinen Körper. h taten mit ihm die Verrichtungen, di««in jeder in der Schläch- terei gelernt hatte, sie waren dabei, auch auS ihm Stones Büchsenfleisch zu machen. Dann kam die Miliz. Schutzleute ritten in un» hinein, einer hieb mich in den rechten Arm. Ich verlor die Besinnung. Ich erwachte im Spital- be» Gefängnisse». Der Säbelhieb hatte den Nerv durchhaut, der Arm verdorrte. Wa» jiann kam?" Lasar lächckte leise und schwieg. Dann fuhr er fort, wieder in seinem ruhigen teilnahmslosen Ton. „In den Schlächtereien der Stoneschen Kompagnie wurden wieder Schweine gestochen. Es war alle», als ob nichts gewesen wäre. Nur der Russe hatte sich umgebracht, er hatte e» nicht ertragen können, daß seinetwegen Blut geflossen war. Ich ichisste mich ein nach Europa, kam wieder nach Serbien und esse bei meinem BundeSbruder Begouja da» Gnadenbrot. Und", er machte eine Paus«, sagte dann leise und innig, wie zu sich: „warte." TOe'm Tel In der vottsdShne. Zum er st enMaleamSS. November. Wilhelm Tell ist da» Hohelied der Freiheit und des Nationalismus, ist die dramatische Bibel der Unterdrückien und der Untertanen. Man kann diese».Und" nicht genug betonen, denn, nur so wird man de« innersten Zwiespalle» gewahr, der Schiller» Werk zerreißt, und den kaum je eine Aussuhruirg wird überbrücken können. Man lese nach, was Ludwig Börne in seinen dramaturgischen Blättern über den„Charakter de» Wilhelm Tell" gesagt hat. Börne, der die Dichtung und den Dichter liebte wie nur einer..Es ist nicht der edle Trotz der Freiheit dem schnöden Trotz der Gewalt entgegengesetzt: es ist nur Philister» stolz, der nicht Stich hält. Tell hat Ehre im Leibe, er hat aber auch Furcht im Leibe." Das gilt für das ganze Stück. Es ist nur zu verständlich, daß man in Zeiten, da Geßler» Mächte und gwingherrn regieren, dem Tell zujauchzt und sich an den Worten der Freiheit begeistert. Es muß aber auch ver- standen werden, daß man sich in Zeiten der Freiheit von all den untertänigen Worten und dem engen Patriotismus, dem Klein- bürgerlichen und den starreu Verbeugungen vor Thron und Adel- tum gedemütigt und verlästert fühlt. Und solche Zeit ist heute. Darum wäre der Wilhelm Tell vor vier Wochen noch ein Rev» lutionsstück für di« Volksbühne gewesen. Jetzt ist? ein Stück der, Reaktion. Hätte Stahl-Nachbaur al« Werner Stauffacher nicht in der Rütli-Sze-'e mit alle? Kleinliche überbrausender Ge» walt die Freiheitsverse über die Köpfe der sechsundzwanzig ver- schworenen Schweizer unmiitelbar den dreitausend Menschen der Berliner Volksbühne rntgegengefchleudert, hätte Wilhelm Dieterle, tckr Mclchihaler, nicht da» Revoluponärc in seiner Rolle so monumental— Hodler ward lebendig in seiner Gestalt und seiner Stimme,— hingestellt, das dramaiische Gedicht Schillers wäre unzeitgemäß verrauscht, we.l es die Herzen �de» befreiten Deutschland nicht mehr hat� Friedrich KayßlrrS Tell war ein starler Tell, aber er ließ kalt, weil das Gegenrevo» lutionäre feines Temperament», das Allzu-Persönlichc und nicht da» Allzu-Menschliche auf der Bühne agierU. Wir aber wollen «in Vorwärts der Kunst und kein Zurück. Die Volksbühne soll führen, und Wilhelm Tell ist uns kein Führer. Helene Fehdmer a!» Tell» Frau begegnet uns mit sentimentaler Hysterie. Sie lamentiert statt zu rufen, Mary Dietrich» Stausfacherin ist darin ihr Gegenpol, und sie füllt ihre harte Auf- gäbe au». Die junge Bertha von Vruncck aber f ndet'ini Johanna Hofer eine menschlich freie und weiblich sicher« Gestalterin über Schiller hinaus. Die Bühnenbilder, d> sonst Ewald Dülberg gab, trugen noch seinen Charakter, aber man hatte Ihre strenge und gerechte Monumentalität durchbrochen durch Belenchtungsp'elereien und Theaterdonner. Die Stulphandschuhe, die Berta von Brunneck trug, damit man ja das Edelfräulein nicht verkenne, die trugen auch die Kulissen.? Ipenglühen auf dem phantastischen Ouadcrbexg, der dem glich, den die Phantasie Schillers gesehen haben mag, der weder Alpen noch Firne auS der Anschauung kannte, als er sie besang! Man wird bei der Volksbühne noch lernen müssen, daß die Phantasie des Volkes nicht durch Theaterrequisiten bereichert oder vertieft wird. Ter abgeschmackte Freiheitstaumel von Bühnenkindern und Theaterstatisten war eine üble Beigabe, war schlechte» Theater, wie eS übrigen» auch der Geßler-Jntrigant de» L e t t i n g e r zu Schau trug. hklricst Lteiuäartk. « Gegen die KaMMvch!. Die Neichsrcgierui� hat eine Verordnung irber Mabnahmcn ßeflcn die Kapitalabwanderung in das Auslud erlassen. Sic besagt im rvescnlzlicken, dag Wertpapiere nur durch Vcr- Mittelung von Banken nach dem Ausland versandt oder über- chracht werden dürften- Die Banken Minen Aufträge, wonach Weri» tlV-picre nach dem Ausland versandt oder nir einen Ausländer in VrVwahrnng genommeu werden, nur ausführen, wenn der Auf- trapfgebcudc eine l>esottdere Erklärung abgibt. Diese Erklärung ist fttnerhalb einer Wpche an das zuständige Desshiteuer-Amt weiterzugehen. Dassellje gilt für Geldbeträge, die einem Aus» länthcr gutgeschrieben wurden. Ausländer werden von dieser Be stimniung nicht betroffen. Es wird weiter verboten, bei einer Bank auf einen falschen Namen ein Konto zu errichten oder Werlsachen zu hiil.tcrlegen. Di»' Ucbcrtretung wilrd mit Geldstrafen von 100 bis Nkark bestraft, daneben kann auf Gefängnis bis zu drei Jahren und aus Verlust der bürgerliilen Ehrenrechte er- kannt we.rden. Der Versitch ist strafbar. Die Vermögenswerte, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, können im Urteil für das Zstcich konfisziert werden. Mit Mmselben Strafen wird bedroht, wer Geschäfte unter- nimmt oder Verabredungen trifft, die dazu bestimmt sind,, die durch die vorhergehenden Vorschriften bezweckte Kenntnis der Steucrbchörd. n über das Verbringen von Vermögenswerten ins Ausland zu vereiteln. Alle Be'hörden sind verpflichtet. Zuwider- Handlungen gegen diese Vorschriften der Steuerbehörde mitzu- teilen. Wir betrachken diese Verordnung als einen ersten Schritt zur Verhinderung der Kapitalflucht, halten aber die Bestimmungen für ungenügend. Das Wichtigste wäre unserer Meinung nach eine Registrierung aller in Deutschland vorhandenen Wert- Papiere. Sie wäre ein geeignetes Mittel, die Kaviivlabwande- rung in bedeutendem Mafze zu erschweren. Deleglerlenver'ammlunz aller A.- und S.-Böte Genossen k Kameraden! Vor zwei Wochen habt Ihr der Frecheit eine Gass« geöffnet. Euer Mut, Eure revoiulonär« Tatkraft h.n das alte System, die Miliiärditiatur und den mittelail'erlichen Monarchismus, zertrümmert. Jetzt gilt eS, die Errungenschaften der Revolution zu sichern und auszubauen. Je�t gilt es. die Biächte der Gegenrevolution, die nach dem ersten Schrecken aus ihren Wiuleln hervorlriechen, niederzuhalten. Der VollzugSrat der Groh-Berliner Arbei- ter» und Soldaten räte erblickte in dem Sturm und Drang der ersten Revoiutionslage sein« Aufgabe darin, eine Re aieruiig vgn Bollsbeaustragten zu schaffen, die die Lortung und Verwalluna deö neuen oepubl konischen Swatsn tswesenS in Deutsch- land und Preußen zu übernehmen hatte. Der VollzugSrat der Groh-Berliner Arbeiter- und Soldatenräte maht sich aber keine Diktaturgemalt über die Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands an. Er ist vielmehr der Meinung, dah nur durch «ine feste Zusaminensasjung aller deutschen Arbeiter- und Sol- daienräte de Errungenschaften der Revolution gesichert werden können. Mißtrauen und Mißverständnisse drohen in das Gefüge der deutschen Arbeiter, und Soldatenräte einen Keil zu treiben. Bestrebungen sino im Gange, das Reichsgebiet zu zerschlagen und die unheilvolle mittelalterliche Kleinstaaterei in neuer Form wie- der einzuführen. Die Verwirklichung der großen demokratischen und sozialistischen Ziele verlangt aber die Erhaltung eines gro- ßen deutschen W'rtschafis- und Sprachgebietes. Der VollzugSrat der Groh-Berliner Arbeiter» und Soldatenräte will leine feindliche Treuiuing zwischen Nard und Süd. Er will, daß das befreite Deutschland der Schwierigkeilen, die mit dem Friedensschlüsse verbunden sind. Herr werde: er will, daß die Ge- fahren, die der Volksernährung drohen, glatt und ohne Reibung beseitigt werden. Diese Aufgaben können mir erfüllt werden durch«in harmo- mscheS Zusammenarbeiten aller Arbeiter- und Soldatenräte Teutschlands. Tie bisherige Tätigkeit des VollzugSrateS von Groh-Aerlin stellt ein Prov sorium dar, da? so schnell olS möglich auf eine breiter« Grundlag« gestellt werden soll. Solange eine gesetzgebende Versammlung nicht das letzte Wort über die Ver- fassung und Neuordnung des republikanischen Deutschland ge- sprachen hat. müssen die 5 rbeiter. und Soldatenräte den Willen des deutschen Volkes zum Ausdruck bringen. Wir fordern Euch deshalb auf, so schnell als möglich zu einer D el eg! e r t e n» V e r s a m m l u n g in Berlin zusammenzutreten. Schnelles Handeln tut not. Es ist daher nicht möglich, ein einheitliches, allgemein gültiges Wahlsystem vor- zustälagrn. Wir empfehlen vielmehr, aus den zurzeit bestehenden Arbeiter- und Soldaienräien Delegierte zu wählen und nach Berlin zu senden. Die Telegierien-Versaiumlung darf, wenn sie arbeitsfähig fein soll, im Höchstfall nur bOO Mitglieder umfassen. linier Zugrundelegung der Volk-zöblungSergebuisse vom Iah»« IlUll würde aus rund SkXliM Seelen ein Delegürter kommen. Für die noch beüehenden großen HeereZverbände ist auf je 100 000 Mann ein'£ legierter zu wählen. Die Wahlen müßten, um zu einem schnellen Ergebnis zu kommen, auf territorialer Grundlage erfolgen. Wir empfehlen bei den Wahlen Ve Verhältniszableu der in dem Lezirk vcrirclcnen Arbeiter und Soldaten zu berück- sichtigen. Wir schlagen Encki vor, die Delcgierienversammlung spätesten? am Montag, den 10. Tezeinber d. I.. im Sitzuilgssaal des Preußi- -chen Abgeordnetenhauses zu Berlin zusammrutreten zu lassen. Ihre Aufgabe würde sein die Wahl eines provisorischen Zentral- rotes der Arbeitcr- und Soldatenräte Teulsckilands vorzunehmen: die Ausarbeitung eines für alle deutsche Arbeiter- und Soldaten- rate maßgebenden WahlsustemS zu übernehmen, Entschließung über die lünsnge gesetzgebende Versammlung zu fassen und zu sonstigen politischen Fragen Stellung zu nehmen. Genosse»! Kameraden! Laßt unS schnell, laßt un« einmütig handeln. Nehmt unsern Vorschlag an, und führt so schnell als möglich die Wahlen durch Ihr Hab! die Revolution gcmackn, laßt uns auch gemeinsam ihre Früchte ernten. Tie genaue Ausstel- lung des Wahlschlüssels wird schnellstens veröffentlicht werden. Berlin, den 23. November 1018. Der VollzugSrat des Arbeiter- und Soldatenrates Groß- B er Ii n. Rich Müller. Molkenbuhr. Für die Ostfront Bergmann. Georg ivlaier. Saar. Siindzebunse« von A.- und S.-lläle«. ES laufen täglich zahlreiche Kundgebungen von Arbeiter- und Soldatenräte» ein. die w gen Raummangel nickt im Wort- laut wiedergegeben werden können. Wir verzeichnen hier kurz den Inhal, der w chtigsten Kundgebungen: Der VollzussauSschuß des Soldatenräte» bei der Obersten Heeresleitung erläßt auf sie dru». i gen de Aufforderung von Frontsoldaten«inen Ausruf zur S»n- | beruning eine? Allgemeinen Vertreter-Tages der Treppen- Soldatenräte. Ein wleber Vertreter-Tag wird zum 1. Dezember ! vormiiiags 9 Uhr, nach Bad EmS ernberusen. Eine Versammlung der A.-und S.-Räte aus dem �Bereich des X. Armeekorps in Hannover stimmt mit großer Mehrheit einer von Davidsohn eingebrachten Resolution zu, d e gegen eine Diktatur von rechts oder link? protestiert, lie Einberuiung der Nationalversammlung auf Grunz de? Prooor- tioual-Wahlspstems fordert und zur Klärung vorher eme Reichs. konferenz aller A.- und S.-Räte als notivenoig erachtet. Ter Vollzugsausschuß des Mainzer A.- und S.- R a t e S verlangt in einem Telegramm an vi« Reichsreg erung die baldige Einberufung der Nation tlveriammlung. Der A.- und S.- Rat von K r e f' ld und der IV. A r m e e»erlangt in einem Telegramm an Ebert die sofort ge Einberufung der Nationalversammlung. Der Soldatenra! der IV. Armee verwahrt sich dagegen, daß der A� und S.-Rat von Berlin unter Umgehu-ig der Nationalversammlung eine diktaiorische Gewalt ükr das ganze deutsche Volk erstrebe(?). Ter Soldatenrat der IV. Armee prolcsticrt gegen d e beabsichtigte Eerichtung eines Fronisoldatenraie? in Berlin. Der A.- und S.- Rat von Krefeld» n d oer S.- R a t der IV. Armee bitten de» Reichskanzler zu dem Erlaß des obersten Befehlshabers der I. Armee, General Eberhard, Stellung zu nehmen und derartige Erlasse für die. Zukunft un- möglich zu machen. V »»»»»»«»»»»»»>»«»»»»«» An Zenttalrak der Marine. Berlin, 21. Nollember. Die neugebildete Gefamtorganisation der Marine, die aus SO Vertretern aller Mariuesormationen .besteht und auf demokratischer Gr�indlaue gewählt worden ist. traf am Sonnabend, den 28. November 1918 als.SZer Ausschuß der Marine" im Reichsmarineamt Berlin zu einer erstmaligen Vcllsitzung zusammen, in eer über die einzuleitenden"lr orilen vorberern dne Beschlüsse gefaßt wurd.'i,. Z-ü: v- auf den verschiedensten Gebieten durehzuführende.'- Neurcglungn wurden aus der Zahl der Vertreter Spezialkommissionen gewählt. Ui' ein ersprießliches Zusammenarbeiten mit dem UnterstaatSsekretär Voxtherr zu gewährleisten, wurde ern Ausschuß von S Mitgliedern gebildet, der die Bezeichnung.Zentralrat der Marine" rührt. In den zur Beratung gelangten verschiedenen wichtigen Angelegenheiten, so z. B. über die Frage der Besoldung der Sol» datenräte, wurden in der ersten Sitzung feststehende Beschlüsse ge- faßt, deren Ausführung durch besondere Richtlinien in den nächsten Tagen angeordnet werden wird. In den Verhandlungen ivurde wiederholt betont, daß sich der„SZer Ausschuß der Marine" im Prinzip für die volle Unter st ützung der jetzigen Regierung ausspricht, um die Möglichkeit zur Er- reichung eines baldigen Friedens herbeizuführen. A.» und S.-Bal-Wahlen in Dresden. Mi! Frohlocken berichten der.Vorwärts" und bürgerliche Blätter von einem großen Wahlsieg der Sozialisien Scheide- man» scher Richtung über die Unabhängigen in Dresden. Auf Grund der bisherigen Feststellungen wird folgendes Resultat der Wahlen für den Arbeiter- und Soldaten-Rat gemeldet: 83 473 Stimmen für die Mehrheilssozialisten. 5200 Stimmen für die Unabhängige Sozialdemokratie. Der.Vorwärts" berechnet. daß danach 47 Sitze den Scheide mann-Sozlaliften, 3 den Un- abhängigen zufallen würden. In Dresden hatte die Unabhängige Bewegung stet» einen 'ckiwcren Stand: oh le Parieiblatt, einer starken Gewerkschaft»- büropratie gegenüber, die für die.Abhängigen" wirkte, war e» den Anhängern der U. S. P. nicht möglich, die Aufliärungsarbei!» so zu organisieren, wie e» nötig gewesen wäre, zumal so lange die Hemmungen de» Belagerungszustandes noch anhielten. Die Scheidemänner brauchen auf ihren Sieg in Dresden nicht stolz zu sein. von der ssreien piksse in Elberfeld. Den Radika.'sozialisten in Elberfeld war e», wie bereits 'rüher gemeldei. gelungen, von der Sortigen»Freien Presse" Besitz zu ergreifen. Jetzt wird berichtet: Elberfeld, 21. November. Durch die Ueberlifwng der Posten setzte sich heute früh die sozialistische MehrheitSpartei wieder in den Besitz der»Freien Presse", du nachmittags, wie früher, erschien. Der Achlslnndenlag auch in Desterreich. Wien. 23. November. Die Rationalversammlung erledigte ein« Reihe von Vorlagen, darunter die Gesetze, durch die da» Hoheitsgebiet deS deutsch-österreichischen Staates fejlgelegl wird. Die Nationalversammlung beschloß, die Städte Brünn und Clmütz unter jene Siedlungsgebiete aufzunehmen, die zu der deutsch- österre chischen Gebietshoheit gehören. Der Staatssekretär für soziale Fürsorge brachte sodann ein Gesetz über die Ein- fübrung des achtstündigen Arbeitstage» in fabrikmäßig betriebenen Gcwerbeunternehmen ein. da» im wesentlichen folgendes bestimmt: Vom Beginne der Wirksamkeit des Gesekes b S zum Friedensschluß darf in fabrikmäßigen Betrieben die Avbeitszeit des gewerblichen Hilfsarbeiters ohne Ein- rcchnung der Pausen nicht mehr als 8 Stunden innerhalb 24 Siunden betragen. Eine Verlängerung ist gestattet zur Be- Hebung einer Betriebsstörung. Die Vorschrift de» Achfttuiidcn- tages gilt n cht, wenn durch Kollektivvertrag mit der Acbeiter- arganisation die 48stündige Arbeitswoche eingeführt wurde. Zur Befriedigung des erhöhten ArbcitSbedürfnisseS kann von der Ge- Werbehörde höchsten» für drei Wachen eine Erhöhung bis zu zehn Stunden bewilligt werden. Ueberftunden find um mindestens 50 Prozent höher zu entlohnen. Die verlusle AmerNas. Washington, 23. November.(Reuter.) Da» HandelSamt gibt den Verlust von 145 amerikanischen Passagier- und HandelSdampfern mit 354 449 Tonnen Schiffsraum durch feindliche Tätigkeil vom Deginn de« Kriege« bi» zur Einstellung der Feindseligkeiten bekanni: 775 Menschen sind dabei um- gekommen.' 13 Schisse und 67 Menschenleben gingen durch Tor- pedoS. Minen und Geschützseuer vor dem Eintritt Amerika» in den Krieg verloren. D!« Gcsamwerlnste de» amerTanischen HilfSheerrS be! Unter- zeichnung des Waftcniisllstaiidej betrugen nach einer Mitteilung des General» March 53 100 Tote, 179025 Berwundete und 3323 Geiaiigene und Vermißte. Die Anicr'kancr nahmen 44 000 Deutsche gesangen und erbeuteten 1490 Geschütze. March teilte noch mit, daß Koblenz als Ziel de» amerikanischen Vormarsches bestimmt sei. Ujchtlmien jfit die Be'tiel'6 Sie. Für Wahrnehmung der politischen und wirtschaftlichen Jnier- essen dv A. heiler und Angestellien wird innerhalb des BeiricbcS ein Betriebsrat gewählt. Die Wahlen zum Betriebsrat werden auf folgender Grund- läge vorgenommen: In Großbe-rieben erfolgt die Wahl ableilungSwclse. und zwar wählen bis zu 190 Beschäftigte ein Milglied. Betriebe bis zu S<30 Beschäftigten wählen je nach der Zcthl der Beschästigicn bis zu S Mtlgliedern. Die so gewählten Betriebsräte haben außer den in Absatz 2 vorgesehenen Ausgaben die Ausgaben der bisherigen Arbeiier- auSschüsse zu erfüllen. Für alle Betriebsräte si»d Ersntzp.rsouen zu wällen. Die Wahlen erfolge» unter Kontrolle der freien Ge- werksckiaften. Aufgaben der Betriebsräte. Die Betrebsräle haben die Aufgabe, gemeinsam mit den BeiriebSleiinngen bzw. der Direktion alle die Arbeiter»ud Angestellten belrcsfcndtn Fragen zu regeln Si« entsenden zu diesem Zweck einige ihrer Mitglieder, ohne deren Zustimmung die Bciriebsleitung�bzw. die Direktion in den vorerwähnten Fragen keine Beschlüsse fassen kann. Alle anderen Fragen unterstehen nicht dem Mit- bestinimungsrechl der Betriebsräte. Gemeinsame Ausgaben der Betriebsräte und Gewerkschaften. Zur Wahrnehmung der Wirtschaft- lichen Interessen der Arbeiter und Angestellten haben sich die Betriebsräte mit den freien Gewerkschasteu zu verständigen. Die Belricbsräle können Verhandlungen mit der Betriebsleitung bzw. Direktion aufnehmen. Den Gewerkschaften ist über diese Ver- Handlung rechtzeitig und laufend Bericht zu erstallen. Führen die Verhandlungen der Betriebsräte mit der Vetriebsleiiuiig bzw- Direktion zu Differenzen, so müssen, bevor die Arveiterschaft weitere Schritte unternimmt, die Eewerkschaflen zugezogen werden. Die Gewerkschaften müssen auch ihrerseits die Initiative zur Regelung allgemeiner BerusSsragen ergreifen. Sie»»ter- stehen der Kontrolle des VollzugSrateS der A� und S. Rät« Groß Berlins. AllyemeineRichtlinien. Di« Sozialisierung der De- triebe darf nur von der sozialistischen Regierung susteinalis.y und organi'ch in Berücksichtigung der gesamten inneren und aaßern politischen Verhältnisse vorgenommen werden. Die Frage der Akkordarbeit kann im gegenwärtigen Augenblick grundsätzlich nickt geregelt werde», sie muß vielmehr bis zum Wiederaufbau eines geregelten Wirtschaftsleben» zurückgestellt werden. Zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit dürfen Entlassungen nicht eriolgrn, bevor nicht die Arbeitszeit vi» zu 4 Stunden herab- gesetzt ist. Der LohnauSsall wird durch die ArbcitSlosenförsorge geregelt. Die bisher getvächlten Betriebsräte und ArsieiterauSschüsse üben ihre Tätigkeit bis zur Neuwahl der Betriebsräte a»S- Bestimmungen über Vornahme der Wahlen werden demnächst be lanntgegebcn. DeSglrichc» auch die Bestimmungen zur Bornahwe der Wahl der Arbeiterräte. Der VollzugSrat des Arbeiter- und T'oTS a i c» 4 rate« Groß-Berlin. Richard Müller. Mollenbuhr. vberr die Gewährung einmaliger TrurrungSznlagen für d't Angestellten der KricgSgcsellschaftr» sind de» Vertretern de» Zentraluerba Ildes der Handlungsgehilfen uns des Verbandes der Bureauangcftelltcn nähere Informationen erteilt worden und ist «ine vorläufige Grundlage ausgestellt. Die Organisationcli be« trachten diele Regelung als eine vorläufige und behalten sich vor, nach Rücksprache mit den zuständigen Ausschüssen über die ein' zelnen Grundsätze, die für die Geivährung dckfer Zulagen fest- gesetzt wurden, a-lsbald woitere Verhandlungen zu führen, üb bestphen nur noch Differenzen bezüglich der Berücksichiignnfl derjenigen, die weniger als sechs Monate tätig sind und der ZU' schlüge für uneheliche Kinder. In beiden Punkten ist bereits vow NcicksernährungSamt zustimmend geantwortet worden. Des weiteren sind auch Verhandlungen eingeleitet, b!« eine Verhütung von Entlassungen für die Heber' gangswirtschaft sowie auch die AuSarbeiiung von Grund' sätzen für die Verringerung des Personal» zum Ziele haben. Die Angestellten der Kriegsgesellschasten werden gebeten, fick bis zur endgültigen Regelung, vv» der sie rechtzeitig Keniitnit erhallen werden, zu gedulden.— Tie Auszahlung der einmalig«? Teuerungszulage wird in nächster Zeit erfolgen können. Grotz-Berlin. Die Jugend fordert ihr Recht. Vor übersüllter Versammlung in den AndreaSfcstsälen sprack Genosse Carl Liebknecht zu der Freien sozialistischen Jugend Berlins. Seine temperamentvollen, von Bei-allS- stürmen oft unterbrochenen Ausführungen leg'e» dar. wie von der ollen Parteileitung die Arbeiierjugend zunächst unierdrückt, dann mißmutig geduldet, aber gebügelt worden ist. De Jugend ist aber schließlich zur Sclbstbeunuuirg gekommen,.hat die von dcn Instanzen ihr auferlegten Fessel» gesprengt und von ihrem Vor- recht, zu stürmen. Gcbraueb geii-uchl. So ist ein großer Teil bet Jugend geradezu vorbildlich für das erwachsen« Prolelar ai ge- worden, indem er zuerst den Weg zur Jnlernaiionale wieder- gesunden und bei der Revolution den Stoßtrupv gebildet bat. Ter proletarischen Jugend sind in den bevewstebenden Kämpfen neck be'andere Ausgaben gestellt: politiscke: ihr Politisierung und akiive Teilnahme am öfientlichen Leben; wirtschaftliche! Beseitigung der sie noch besonder? treffenden Note, wie Spar- zwang usw.; soziale: Hebung ihrer durch schlechte Schule? »erlümmcrlcn Bildung. Die Jngend wird sich ,hr Vorrecht vor- wärt» z» drängen, von niemand rauben lassen und ein irrent- lieher Faktor zur Herbeisührnng der Weltrevoiution werden. Die sich anschließende Debatte, die zeiiwcil g einen dramati- scheu Charokter annahm, weil einzelne Anhänger der A'beiter- jngend durch provokatorische Zwischenrufe die Bersammlnnz i?- Erregung brachten, lies schließlich aus eine AuS-unandersttzung zwischen beiden Jugendrichtungen binau», die aber e'gebniSloS verlief, trotz eines eingebrachten Einig» ngSvcrtrage». An de? Ztersommlung schloß sich eine Straßendemonstratio» gegen de? Sparzwang. M-ssrnprotestversammlunsen gegen hie polnischen Juden- pogronie. Die Berl ncr Ziouistiiche«creinigung veranstaltet gemeinsam mil der Jiidisch-fozialdemokratischen Arbeiterpartei Poale-Zion heute, M o» l a g. abends um 8 Uhr. in der Philharmonie. Beriiburger Straß.- 22/23. und in den Sophian'äle» Sophieustr. 18. öffentliche P r o t e st v e r sa m m l u n g e» gegen die Pogrome in Galizien und Polen V-rantwvrilicher R-dadleur: Dr. 6. Aeltrleplu, Berlin Wilinorsdo 1 3) rudi der Lindendruckierei und B«elag»g«l«Ulchall m. d. H> Hchisldauerdam« u.