Ur. IZ5. Adomitments- Kedingunge«: Äbonnemenit-Preti pränumerando: «tertellährl.».30 MI., monatl. 1,1091t., rvöchinlltch 28 PIg. frei In» Hau». Einzelne Nummer b Pfg. Sonnlag»» Siummer mll Illuftririer Sonntag»« Beilage„Die Neue Welt- 10 PIg. Poll» Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen In der Post- Zeitung»» Preisliste für 1897 unter Nr. 7437. Unter streuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland 3 Marl pro Moual. Erschein! liigllch nutzer Wonlngs. Vevlinev Volksblelkt. 14. Jahrg. Dir Jitftrfitms- GcWijjr betrügt für die fechigefpaltene Kolonel- zette oder deren Raum 40 Pfg., für Berein»- und Berfantmlungs-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nüchste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Erpedition abgegeben werden. Die Elpedltlon IN an Wochentagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» 0 Uhr vormittag» geöffnet. »ernsprechrr: Null I, Nr. ISOS. Telegramm-Adresse: „Soiialdruiostral verlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Kartei Deutschtands. Wedaktio»: 8V. 13. ZZenty-Straße 2. Expedition: 8V. 19. Uenty-Struße 3: Absiiileiiieiits-Kiiillidliilg. Am I. Juni eröffnen Ivir ein neues Abonnement auf den „Vorltröeks" mit der illnstrirten Sonntags-Beilage „Tie«elle Wclt". Die Aendernngen, die mir seit dem 1. Januar eingeführt haben, erfreuen sich des lebhaftesten Beifalls unseres Leserkreises. Unsere Literarische n. Volkswirthschaftliche Rmidschau iverden allgemein als bedentiingsvolle Bereicherung des In- Halts unseres Blattes angesehen. Im llnterhaltuttgsblatt iverden wird vorerst zwei kleinere Arbeiten bringen: „Tie Gräfin" von Hans Röder, eine Erzählung, die in Berlin spielt, und „Gott lieb Adler n. Sohn", das Charakterbild eines in Russisch-Polen reich gewordenen deutschen Fabrikanten. Unser nächster großer Roman heißt: ».Eosavine� und entstammt der Bieisterfeder des französischen Roman schriftstellers Jean Richepin. Die Handlung setzt ein mit dem Rückzüge der französischen Oslarmee unter Bourbaki und endet in der blutigen Maiwoche 1371. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitnngsspediteure sowie Misere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von I Mark I« Pfenttige frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonne- ments zum Preise von I,U> M. für den Monat Juni entgegen.(Eingelragen in der Post- Zeitungsliste für 1897 unter Rümmer 7437.) Iledoktion u. Expedition des„Vorwärts". Die dritte Uesung. Es sollte eine That sein, eine„befreiende That', diese lex Recke; endlich sollte der„Umsturz* wieder„richtig an- gefaßt* werden; der Anfang einer„neuen Aera" in Preußen! Heute war der dritte Tag des Kampfes um das neueste Umstnrzgesetz. Welch ein Kampf! Kann man die kurze, schwunglose Verhandlung des Abgeordnetenhauses überhaupt so nennen? Sind das Kämpfer, diese Regierung und diese Landräthe? Wenn ihnen ein auf Herrschaft und Ver» gewaltigung beruhendes Wahlsystem von vornherein eine Mehr- heit gegeben hätte, so könnten sie„Sieger* sein. Aber Gegen- kräfte überwinden, ihre Sache geistesstark vertreten— das konnten sie nicht. Kläglicher konnte der klägliche Gesetz- entwurf nicht verthcidigt werden! Es wurde nicht mehr gekämpft. Zwar hatte der Tadel, welcher über die Abwesenheit der Minister bei der zweiten Lesung laut geworden war, zur dritten Lesung einige derselben herbeigezogen. Der„Vater von das Kind* war da, zerr v. d. Recke, und neben ihm sein trefflicher„Handlauger*, öehcimrath v. Philippsborn, dazu Herr Schönstedt und sogar Herr v. Bölticher. Aber die Minister sagten kein Wort, selbst der beredte„Minister für alles* hatte die Sprache verloren. Nicht einmal für ein ehrliches Begräbniß sorgte man; sang- und klanglos scharrte man die Gesctzesleiche ein. Mattigkeit am Ministertisch, Mattigkeit auf den Bänken der ganzen Rechten. G e i st i g wird diese Regierung nichts mehr pro- duziren. Die Machtansübung, politische Ge- w a l t t h a t, das ist der Konservativen einzige Zuversicht! Abgewiesen zum dritten Male wurden die Anträge, welche dem Versanimlungsrecht in Preußen völlig den Garaus machen sollten. Abgewiesen wurde das konservative Begehren, daß„staatsgesährliche" Versamnilungen von vornherein vor- boten werden sollen. Abgewiesen wurde das freikonservative Begehren, die Regierungsvorlage zu einem„kleinen Sozialisten- gesetz" umzumodel». Geblieben aber ist der„Torso", wie ihn die Na- tionallibcralen gestaltet haben. Noch ein Stück der Fassung zweiter Lesung wurde ausgebrochen. Die Leiter von Versammlungen sollen nur in Strafe fallen, wenn sie die Minderjährigen nicht auffordern, den Versammlungssaal zu verlassen, nicht aber sind sie verpflichtet, auch„die zweck- dienlichen Mittel* zur Entfernung der Minderjährigen an- zuwenden. Geblieben aber ist die H i n a u s w e i s u n g der jungen Leute aus politischen Vereinen und Ver» sammlungen. Dies ist die schwereSchuld, welche die n a t i o n a l- liberale Partei in diesem Kamps um das Vereinigungs- recht ans sich geladen hat. Wohl war das, was die konser- vative Reaktion anstrebte, noch weit schlimmer, aber eine schwere Verkümmerung des gegenwärtigen Rechts- znstandeS ist auch darin zu erblicken, wenn der gewerbthätigen Jugend bis zu 21 Jahren das Recht genommen wird, sich politisch aufzuklären. Und daß die behördliche Auslegungskunst für eine recht weite Auffassung des Begriffes„politisch* sorgen wird, daß sie der gewerkschaftlichen Milwirkiing der jüngeren Arbeiter Fesseln anlegen wird, daran ist nichtj zu zweifeln. Die Nationalliberalen haben aber mit dieser Preisgabe der Minderjährigen zugleich eine politische Situation geschaffen, die im höchsten Maße bedenklich ist. Selbst wenn sie glaubten, die Ausweisung der Minderjährigen befürworten zu sollen, so hätte sie um der allgemeinen Fchg'm willen diese Meinung zurückstellen müsse». So aber haben sie dazu ver- Holsen, daß die lax Recke, wenn auch jetzt todt und begraben, doch alsbald wieder auserstehen und durch konservative Galvanisiruugsküuste zu neuem Leben erwachen kann. Sie haben die politische Sünde auf sich genommen, dem Ränkespiel der Reaktionäre bequemste Gelegenheiten dar- zubieten. Durch ihre Schuld wird der Streit ums Vereins- recht auf Monate hinaus fortgeschleppt, wird der schäbigen Farce, welche die Konservativen aufführen wollen, Vorschub geleistet.. Denn nur e i u e F a r c e, nicht eine ernsthafte Politik ist es noch, was die Rechte des Abgeordnetenhauses be- treiben will. Graf L i m b n r g« S t i r u ni gab ja „feierlich" die Erklärung ab, daß die konservative Partei nicht aus sachlicher Zustimmung für den Gesetzentwurf in jetziger Gestalt eintrete, sondern lediglich weil sie die Angelegenheit fortschleppen wollte, weil sie hoffen, daß sich vielleicht doch irgendwie noch eine Möglichkeit zur Wiederherstellung der Regierungsvorlage ergeben werde. Die Nationalliberalcn reichen den Konservativen das Netz, mit dem diese im trüben Wasser fischen wollen. Und man wird im Trüben fischen, man wird in den Schlamm und Schmutz noch tiefer hineinsteigen, um etwas zu fangen. Zeit genug ist vorhanden. Drei Wochen bis zur erneuten Verhandlung im Abgeordueteuhaiis, dann der- selbe langwierige Gang der Abstimmungen im Herren- Hanse; zwei Monate lang kann es gut währen, bis die cudgiltige Entscheidung über das Schicksal des Recke'schen Wechselbalges gesprochen sein wird. In dieser ganzen Zeit hängt alles an wenigen Stimmen, an Zufällig- leiten. Das haben die Nationalliberalen eingebrockt. Den Konser- vativen gefällt es und die Regierung giebt ihr Schmunzeln zu diesem parlamentarischen Gaukelspiel. Man hätte annehmen sollen, daß die Regierung dem„grausamen Spiel* ein Ende machen würde. Sie hätte entweder erklären sollen, daß sie sich mit dem„Torso" zufrieden geben wolle, oder sie hätte, wie die parlamentarische Lage nun beschassen ist, ihre Vorlage ganz zurück- ziehen müssen. Aber sie entschied sich nicht für eine solche klare Haltung, sondern biß die Lippen aufeinander und läßt der Komödie ihren Lauf, ob nicht vielleicht doch noch etwas„herauszuholen" sei. Besonders würdevoll ist diese Art, das Staatsregiment zu führen, gerade nicht! Sv mögen denn die Schacherer und Mogler in ihrem edlen Werke fortfahren. W i r sind ihnen im gründe nicht böse. Uns bieten sie gute Gelegenheit, ihr Thun und Treiben d e ni V o l k vor Auge n zu führen. Es ist gewiß bedauerlich, daß die Landtags- und Herren« Häusler wegen des bischen Vereinsrechts sich nicht ihren Sommerfrischen zuwenden dürfen, aber die Arbeiter, deren Recht es gilt, gehen sowieso nicht ins Bad und werden so auch in den Hundstagen, wo sonst das politische Leben schlumniert, wach sein und die Agitation unter den Massen gegen ihre Feinde, gegen die Zerstörer ihrer politischen Rechte fortführen. Während die„staatserhaltenden" Parteien hinter den Thürcn heimlich tuscheln und krämern» wird das preußische und deutsche Volk auf dem Markt der Oeffentlichkeit seinen Kampf gegen die Reaktionäre weiterkämpfen. Und nicht nur gegen die Recke'sche und die konservative Reaktion, die jedes sreie Wort ersticken will, heißt es vorgehen, sondern auch gegen die nationalliberale Reaktion, welche die jungen Arbeiter entrechtet und knechtet, welche die fachgewerbliche Organisation schädigt, welche den schlimmsten Unterdrückerparteien demüthig die Steigbügel hält. Wohl hat die nationalliberale Partei bisher im Kampfe gegen die lex Recke der Reaktion nicht die ganze Hand ereicht. Aber dieser Partei gilt trotzdem auch ier und für alle Zukunft: Trau, schau, wem! Die natioualliberalen Redner haben deutlich genug durch- blicken lassen, daß sie nicht reinweg deshalb gegen den Regieruugsentwurf stimmen, weil eine solche Knebelpolitik ihren politischen Ueberzeugunaen widerspreche, sondern Haupt- sächlich wegen der Umstände, unter denen die Regie- rung ihr Unternehmen eingeleitet hat. Das Versprechen des Reichskanzlers; die Erledigung einer Sache, die dem Reiche zu- kommt, im Einzelstaat; das wenig rücksichtsvolle persönliche Benehmen des Ministers des Innern bei der Vorbesprechung der Vorlage; und vor allem der ungeeignete Zeit- p n n k t— hätte doch die Regierung die Reichstags-Wahlen von 1898 vorüber gehen lassen! � dies alles— und dazu allerlei„Imponderabilien"— hat die Haltung der Bennigsen- partei stark beeinflußt. Aber der nationalliberale Herr Schmieding sagte am letzten Freitag, er stehe eigentlich den v. Zedlitz'schen Vorschlägen—„kleines Sozialistengesetz" nicht unsympathisch gegenüber. Und heute betonte Herr H o b r e ch t zur Freude der Konservativen, daß allerdings„der Staat und die Behörden einer Verstärkung ihrer Autorität bedürfen", nur die hier vorgeschlagenen Mittel seien nicht recht. Man schlage andere Mittel vor oder man fange die Ge- schichte künftig etwas geschickter an und— die„Drehscheibe" wird sich in Bewegung setzen! Und dann ist eher freie Bahn für die Reaktionäre, welche mit dem Grafen Limburg in dem Recke-Entwurf nur den Anfang zu„größeren Aktionen" erblicken. Die Reaktion liegt auf der Lauer und erwartet, wo sie ihre tückische Kralle gegen die Freiheit und Selbständigkeit des Volkes erheben darf. Das Volk darf nimmer rasten, ihre Anschläge zu beobachten und unentwegt zu bekämpfen. Das lehrt dem deutschen Volke wieder die traurige Ge- schichte der Isx Recke: Tonjouraenvcdette- stets in Bereitschaft!_ Vom Veveinsgeseh. lieber das Nesullat der dritten Lesung haben wir bisher nur eine Aeußerung der„Bert. P o l i t. Nachrichten" nntzutheile». welche von der Zukniist noch eine„Verbesserung" des Gesetzentivurses erhoffen: „Heute ist nun die Abstimmtmg über die Novelle im Abgeord- neteuhaufe ersvlgt. Damit ist aber die endgiltige Entscheidnng noch keineswegs getroffen, denn das Herrenhaus wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Regierungsvorlage wieder herstellen oder doch eine entsprechende Ergänzung des Enlwurfs beschließen. Nach dem, was man über die dortige Stirn- uiung hört, dursten sogar manche allerdings von den Stininiungen der Wähler nicht abhängige gemäßigt Liberale für dieselbe stimmen. Es bleibt zu hoffen, daß in der Zwischenzeit im Abgeordneienhause eine ruhigere B e u r t h e i l u n g der Novelle eintritt und daß namentlich die Verstimmung in manchen Abgeordneienlreiseu über einige Vor- gänge der letzten Zeit, betreffend die Behandlung des Versammlungs- rechts, sich verflüchiigen wird. Auch könnte mancher Abgeordnete sich überzeugen, daß die Anschauung über die Nolhwendigkeit der Verstärkung der Abwehrmacht des Staates in den Wählerkreisen doch eine andere ist, als man sie sich hier in Berlin vorstellt; in der Provinz haben wir in den letzten Tagen wesentlich andere Urlheile gehört... Die vom Abgeordnetenhanse angenommene grundsätzliche AuS» schließmig der Minderjährigen von der Theilnahme an politischen Versammlungen und Vereinen ist ztvar an sich von erheblicher Äe- deutnng; leider sind aber Bestimmungen mit angenommen worden, welche nach der Meinung der Männer der Praxis diese grund- säyliche Ausschließung in vielen Fällen illusorisch mache n und die Umgehung nach allen Richtungen erleichtern." Die„Freisinnige Zeitung" stellt folgende recht nette Betrachtung an: „Inzwischen müssen die Diäten an die Mitglieder des Ab- georditetenhauses sortgezahlt werden. Jeder einzelne Tag kostet an Diäten für die Mitglieder des Abgeordnetenhauses 6495 M. Das sind für 30 Tage 135 850 M. Ohne die Vereinsnovelle würde das Abgeordnelenhans vor Pfingsten geschlossen werden können. Eine Verlängerung um zwei Monate kostet allein an Diäten 390 000 M. Dazu kommen noch die sonstigen ierheblichen Kosten, welche die Fortsetzung der Session mit sich bringt. Jndeß heiligt in solchen Fällen Herrn v. Miquel der Zweck selbst größere Mehr- ausgaben." Protestkundgebungen. Sozialdemokratische Versa»»»- lungeu fanden statt in Trebbin, Luckenwalde, Q n e d l i n- bürg, Leivzig, Delitzsch, Uetersen i. Holstein, Karls- ruhe, Hörde, Hamm i. Wests., Augsburg. Eine frei- sinnige Versammlung wird, abgesehen von Berlin, aus Halber st adt berichtet.— Die natioualliberale Partei in München hat auf Vorschlag des Vorsitzenden Abg. Dr. Aub einstimmig eine Resolution angenommen, in der den national- liberalen Fraktionen des preußischen Landtages und deutschen Reichstages für ihre korrekte Haltung in der Vereinsgesetz- Frage gedankt und zugleich die Erwartung ausgesprochen wird, daß die nationalliberale Fraktion des preußischen Landtages bei der Schlnßabstimmuiig an ihrem bisherigen Standpunkte festhalten werde.— Die Natioualliberalen in Leipzig erklärten sich mit ihren preußischen Parteigenossen einverstanden.— In Heldrungeu wurde eine Prolestversammluiig gegen das neue Vereinsgesetz auf« gelöst, in der Pastor Kötzschke sprach, und zwar, weil der Redner, wie der„Saale-Ztg." berichtet wird, die Anarchisten harmlose Phantasten nannte. In Zürich haben die deutschen Sozialdemokraten eine Ver- sammlung einberufen. welche nach einem Referat von Heinrich Schmidt-Berii eine Protestresolution einstimmig annahm, in der u. a. den Genossen in Deutschland die regste thäiige Unterstützung der deutschen Arbeiter im Auslände zugesichert wird. politische Vebeechchk. Berlin, 31. Mai. Das preußische Abgeotduetenhaus erledigte heute nach Annahme der Novelle zum Vereinsgesetz noch einige kleinere Vorlagen, darunter die vom Herrenhause znrückgekommen« Vorlage, betr. Einführung einer Landgemeinde-Ordnuiig für Hessen-Nassau. Die vom Herrenhaus getroffene Aenderung lohnte das Abgeordnetenhaus jedoch ab, so daß die Vorlage nochmals an das Herrenhaus kommen muß. Morgen: Kleinere Vorlagen und Petitionen.— Daö HemuhanS erledigte heute mehrere kleinere Vorlagen und den Nachlragselat. Dem'Antrage der Kommission entsprechend wurde die aus dem tllntrage Dr. Langerhaus im Abgeordnetenhaus« hervorgegangene Verpflichtung der bürgerlichen Gemeinden be« treffend die Bauten und Reparaturen von Kirchen-, Pfarr» und Küstergebäuden nach unerheblicher Debatte abgelehnt. Ein« längere Erürteruna rief der Antrag des Grafen v. T s ch i r S ky- R e n a r d, betreffend Erklärung des Forstrevier? Grunewald zum Staatspark, hervor. Der Autrag wiiro« in dieser Fassung abgelehnt, hingegen einem Antrage des Frhrn. v. Lucius gemäß, für den sich auch Finanzminister Dr. v. Miquel aussprach, beschlossen, die Regierung zu ersuchen, daß Sorge getrage» rnivb, bnü das Forstrevier Grnveivolb in pnrkmäßigem Juteresse bes Publituius»ub mit besonderer Rücksicht nnf dieErhultuug des nlte» Bnnmbestcliides zu bewirlhschafte» ist und durch Abverküufe nicht «eschinälect ivird.— In der nächste» Sitzung, die voraussichtlich am LS. Juni stallfindct, fleht das Ncreinsgosct; zicr Verathuug.— � Ter Prozeft Tausch hat heute viele Ueberraschungen gebracht. Die Reihe der Ueberraschmigei» begann damit, daß der Stellvertreter des Polizeipräsidenten, Geh. Regierungsrath v. Friedhcim, heute viel bestimmtere Erklärungen darüber ab- geben konnte, melche Sätze in dem Levysohn'sche» Artikel des„Berliner Tageblatts" Herr v. Tausch am Tage nach Erscheinen des Artikels als unrichtig angegeben hatte, als er es in der Voruntersuchung vermochte. Seine Erinnerung, statt in all' den Mouaten zu verblassen, hat sich je länger je mehr verschärst, weil er inzwischen wiederholt über diesen Vorfall nachgedacht und gcivissenhaft geprüft hat. Aehnlich bezeichnete ja auch sein Kollege, Geheimrath Muhl, der Chef der Exekutive der politischen Polizei, seine Aussage in der Voruntersuchung, daß ihn» nichts davon bekannt gewesen sei, daß Herr v. Tausch bell a n o il y in e n Warnungsbrief an Nor m a n u- S ch u m a n n hatte selber schreiben lassen, heute als einen Gedächt n ißsehler! Der Botschafter Graf Eulen- bürg äußerte sich in ähnlicher Weise wie im Lockert- Prozeß; über die Thatsache seiner Korrespondenz mit Tausch ging er mit kurzen Worten hinweg, viel ausführlicher und breiter äußerte er sich über die Geschichte der Ordens- vermittclung. Der bekannte Generalsekretär der rheinischen Industriellen B u e ck, der nationalliberale Schwärmer des Landtags für die lex Recke, gab als Kneipfienosse des v. Tausch bei Siechen über dessen gesellschaftliche Vorzüge das günstigste Urtheil ab und rühmte seine Zurückhaltung in polizeilichen und politischen Dingen; wisscuswerther waren seine Mittheilimgen, daß der als Oberosfiziosus berüchtigte Schweinburg von den rheinischen Industriellen für die technische und redaktionelle Herstellung von A r- tikeln gegen die Sozialdemokratie jährlich �15000 Mark erhalte. Dafür müsse Schweinburg an die Provinzblätter, deren Redakteure doch nur mit der Scheerc arbeiten könnten, ca. 500 Exemplare seiner Korrespondenz gratis versenden und in jeder Nummer mindestens einen Artikel gegen die Sozialdemokratie loslassen. Für Herrn Schweinburg sind die 15 000 M. jedenfalls viel nützlicher, als seine Artikel der Sozialdemokratie gefährlich sind. Herr Polizeipräsident v. W i n d h e i in mußte zwar zugeben, daß Tausch eine be- denkliche Neigung zu Eitelkeit und Selbstüberhebung habe, von der seine sämmtlichen bisher vernommenen Kollegen nichts wahrgenommen hatten, und daß er ihn deshalb bereits zur Rede habe stellen niüssen; im ganzen fielen seine Aussagen sehr zu g u n st e n des Angeklagten V.Tausch aus. Namentlich bestätigt er ihm, daß er, der Polizeipräsident, stets von Tausch über die Köller- Bronsart- Marschall- Untersuchung auf dem Laufenden ge- halten worden sei und daß(wie später Geheimrath Muhl) auch er m i t T a u s ch der gleichen Meinung über den Zweck des Leckert-Lützow-Prozesses gewesen sei, nämlich, daß er gegen die politische Polizei gerichtet gewesen sei, um eventuell den v. Tausch abzuschlachten. Herr v. Tausch war mit diesem Ausgange des Verhörs sichtlich zufrieden. Und er hatte allen Grund dazu! Da zuckte plötzlich wieder ein Blitzstrahl in den Hexen- sabbath der Polizeikorruption nieder, wie sie in diesem Prozeß schon öfters aufgeflammt sind und wie sie da und dort noch er- wartet wurden. Herr L u b s z i n s k i, der alle Geheimnisse seines Klienten zu renneu scheint, brachte plötzlich die Affäre Wedekind zur Sprache, um zu beweisen, daß v. Lützow, der so viel Fälschungen im polizeilichen Auftrage verbrochen, die Begriffe über die Rechtswidrigkeit der Fälschung überhaupt ab- gefärbt habe und daher bei der Kukntsch-Quittungsfälschung milder beurtheilt werden müsse. Sogar die Namen eines Reichstags- Abgeordneten, eines königlichen Kammer- Herrn, habe Lützow für P o l i z e i z w e ck e gefälscht! Und v. Lützow fügt hinzu, nicht blos das, sogar zum Dieb- stahl sei er verleitet worden! Und nun brach in mächtigem Zorn und flammender Eni- rüstung der Oberstaatsanwalt los! Das sei gegen die Vereinbarung! Dieser Fall sollte nach gemeinsamer Rück- spräche mit der Vertheidiguug überhaupt nicht vorgebracht werden! Uebrigens sei der Fall harmlos und nach keiner Seite hin politischer Natur! Solche Vorfälle sind bisher in deutschen Gerichtssälen selten gewesen! Wir begreifen, wie unangenehm sie von der Staatsanwaltschaft cmpfundeu werden, aber wir fürchten, sie seien nicht geeignet, den weit verbreiteten Glauben zu zerstören, Lützow könnte noch viel mehr er- zählen, wenn er nur wollte. Von Normann-Schumann garnicht zu reden! Weiter können wir unsere Verwunderung darüber nicht unterdrücken, daß der Staatsanwalt den Fall Wedekind-Lützow harmlos nennt. Was darüber in der gestrigen Sitzung durch Herrn Lubszinski allein schon vorgebracht wurde, läßt unser Urtheil in ein geradezu entgegengesetztes Wort znsanimenfassen. Wir erinnern uns auch aus dem bekannten Gnadenerlaß-Prozeß, daß der Herr Oberstaatsanwalt in jenem Falle eine ganz andere Auffassung der Dinge mit der größten Entrüstung zur Schau trug und schwere Strafen für den Angeklagten erwirkte! Weuu der Fall Wedekind wirklich so harmlos und un- politisch ist, warum verwendet der Herr Oberstaatsanwalt denn so viele und so schwere Worte darüber! Unseres Wissens hat bisher noch kein Blatt die Behauptung gewagt, daß der Herr Oberstaatsanwalt zu gunsteu v. Tausch'» Thatsachen ver- bergen oder zurückhalten wolle. Und nun hören wir plötzlich an Gerichtsstelle in feierlichster Weise Worte fallen wie:„heiligste Versicherung" und den Appell an die langjährige Amts- thätigkeit eines Mannes im Silberhaar? Wie ist das alles zu verstehen? Eine Stunde später nehmen der Oberstaatsanwalt und der Gerichtsvorsitzende ihre harten Urtheile über den Vertheidiger, dem Skandalsucht vor- geworfen wurde als Leitmotiv für sein Vorgehen, das be- dauerlich sei, wieder zurück, weil sie— nicht aber die Oeffentlichkeit— die Gründe erfahren. Oder ivaren es die in der Verhandlung vorgebrachten? Dann verstehen wir es noch weniger! Nicht durch„Ergüfle der Blätter einer gewissen Richtung" — bescheiden dürfen wir diese Vesürchtung, als an unsere Adresse gerichtet, ausfassen— wird da ein Skandal aufgerührt, sondern wir denken uns mit allen rechtlich Gesiniiten einig, daß solche Praktiken und Zustände, wie sie in diesem Prozeß dem Kriminalkommissar v. Tausch nachgewiesen und für den zur Frage stehenden Theil der politischen Polizei von ihm selber zugegeben wurden, skandalös sind und im Staats- »nteresse schleunigst zu beseitigen wären! i Wichtiger als die Suche nach dem„Hintermann" des „grünen Juiigen" L e ck e r t und dessen Bestrafung mit 30 M., erschien uns eine gründliche Säuberung dieser Zustände, aber wir hegen die Furcht, die Kräfte des Herrn Oberstaatsanwalts und des Staatssekretärs v. Marschall reichen dazu nicht ans! Schließlich haben wir, die Sozialdemokratie, das nicht einmal zu bedanern.— Tie Stellung der Sozialdemokratie zu den preußischeu Landtagswahlru. Höchst erfreut ist die„Sächsische Arbeiter- eitung", weil der„Vorwärts" es„ein sehr bemerkeusiverthes yuiptom" geliannt hat, daß in unserer Partei die Frage der Betheiligung an den preußischen Landtagsivahle» nach dem letzte» Junkeralteutat ivieber aufgeuonnnen worden ist. Warum soll es den» nicht„benierkenstverth" sein, daß innerhalb der Sozial- detnokrali« daran gedacht tvird, den Recke-Streich mit einem kühnen Angriff auf die Junktrdoinän« des„elendesten aller Wahlgesetze" zu beantworten? Dainit haben wir uns doch noch nicht für eine veränderte Taktik erklärt. Ebenso wenig, wie wir lins absolut ablehnend verhallen. Die„Sächsische Arbeiter-Zeituiig" irrt, wenn sie die Betheiligung an den preußischen Landtagswalile» mit der a» den sächsischen Landlags- wahlen vollständig in gleiche Linie stellt. I» Sachse» hat es sich nie um«in formelles W a h l b ü» d n i ß in i t anderen Parteien gehandelt, und kann es sich bei der ganzen Parteikonftellation nicht darilin Handel»— während in Preußen ein formelles Wahl- bündniß unerläßliche Voraussetzung wäre. Hier liegt die Schwierig- keit. Und hier lag sie schon vor 20 Jahren, als die Frage zum ersten Mal auftauchte. Es ist nämlich nicht richtig, daß erst jetzt uns die Möglichkeit des Eintritts in den preußische» Landtag eröffnet wird. Die Partei hatte in e h r in a l s Veranlassung, die Frage anfs eingehendste zu prüfen. Und stets war es die Nothwendigkeit des Wahl- bündnisscs, woran die Betheiligung scheiterte. Ter Kölner Parteitag behandelte die Frage nur ganz flüchtig, nnd mit recht, denn am Vorabend allgemeiner Landtagsivahle» konnte selbstverständlich von einer A e n d e r u u g der P a r t e i t a k t i k die Rede nicht sein. Jetzt hat die Partei ja Muße, zu überlegen und zu berathen.— Aiajestäksbcleidignng und dolus eventualis. Ein Präzedenzfall zu dein unsere» Leser» genugsam bekannten Falle Liebknecht ist am Freitag vor dein öteichsgericht zum Anstrag ge- kommen. Gegen den Verfasser der Broschüre„Ein offener Brief an Se. Majestät Kaiser Wilhelm II."(Verlag W. Friedrich in Leipzig), den Cbefredaktellr Dr. B. Wagener in Hamburg, war aus grund des autbulanten Geiichtsstandes der Presse in Breslau Anllage wegeu Majestätsbelcidignng erhoben worden, welch letztere besonders in einigen in der Broschüre vorkommende», im Ziisamnicnhänge harmlosen Ausdrücket» gesucht wurde. Es erfolgte Freisprechung, weil weder objektiv, noch subjektiv Majestätsbeleidignng vorliege. Die „schneidige" Breslauer Staaisanwaltschast legte Revision ein und rügte, daß die Frage nach dem äolus svendualis nicht genügend de- rnclsichtigl sei. Der Verfasser Hütte wissen»tüffe», daß man seine Ansführnngen als Beleidigungen anffasfen hatte können und er sei mit diesem Nesultate einverstanden gewesen. Der Reichsanwalt selbst beantragte Verwerfung der Revision, da der Versuch, de» äolus sveiitualis heranzuziehen,>» diesem Falle ganz verfehlt sei. Das Urtheil enthalte keinerlei Rechlsirrthnm. Dr. Wagener hatte es für nicht angeineffe» erachtet, ans die unhaltbaren Slnssührnngen der Staalsanwaltschast, die sich selbst richtete», überhaupt zu ant- ivorleii. Es erfolgte Verwerfung der Revision. Die Broschüre er- scheint aufs»ene.— Ailö dcv Waffenruhe den Waffenstillstand herzuleiten, darum bemühen sich die Dipiomaten in Konstantinopel und Athen und ganz Europa. Aber selbst n»r dies vorbereitende Stndini» zu erledigen, tvird den Herren gar schwer. Griechenland scheint nun allerdings der Festsetzung eines reguläre» Waffenstillstandes, wie ihn die Türkei unter Znstimmnng der Mächte fordert, keinen Widerstand mehr entgegensetzen zu wolle». Andererseils erwachsen neue Schivierigkeiten. Wenigstens behauptet man in Athen, daß die Türke» fortgesetzte Grenzverletznngen be- gehe». Ministerpräsident Ralli halte dieserhalb mit verscbiedene» Gesandten längere Unterredungen, über welche die Gesandten ihren Regierunge» berichten wollten. Btan erwartet, daß die Großmächte in Konstantinopel energisch ilitervenire» werden. Ob etwas Wahres an diese» Behauptungen ist, läßt sich nicht absehen. Es kann sehr wohl auch sein, daß in Athen solche Ge- rächte ausgesprengt werden, n»> die Türkei bei den Mächten zu biskredilire». Uebrigens befestigen die Griechen eifrig den Thermvpylen-Paß. Die Haltung der Bevölkerung Athens wird jetzt als nicht dynastiefeindlich geschildert und die Erhalttmg ruhiger Zustände soll gesichert sei». Auf Kreta finden weitere Ziisainuienstöße zwischen Griechen und Türken statt.— « �• Teutsches Reich. — Der Präsident D r. Bödiker vom Reichs- V e r f i ch e r» n g s a ui t ist a int sin übe. Die am Sonnabend »Abend von einer hiesigen Zeitung gebrachte Meldung, daß Dr. Bödiker seinen Abschied nachgesucht habe, wird uns von gut unterrichteter Seite bestätigt. Augenscheinlich ist Dr. Bödiker durch die—— Behandlung, die ihm vom Reichsamt des Innern trotz aller Ablengiinng zu theil wurde, in ein« Stimmung hineingedrängt worden, die ihm die Anfgabe seiner Stellung wünschenswerth erschemeti läßt. Wen» wir recht berichtet sind, hat man Bödiker sogar wegen der R e ch t s p r e ch n n g des Reichs- Bersicherungs- amtcs„höheren Ortes" Vorhaltungen gemacht. Und zwar gelegentlich des Falles Frenkel- Blasius, der seinerzeit viel Aufsehen erregte. Das Gericht Halle den Hinlerbliebenen des Frenkel die Rente zugebilligt ,V weil»ach seinerj Annahme der Unsallverletzte Frenkel zum Selbstmorde in einem Zustande von Unztirechnuiigsfähigkett geschritten ist, den seine Behandlung durch Dr. Blasins wesentlich bedingt hat. Ob diese Be- Handlung eine angemessene oder unangemessene geivesen, hatte das Gericht dabei ausdrücklich zu entscheiden abgelehnt. Mag auch an der Ztechtsprechnng des Reichs-Bersichernngsamtes so manches auszusetzen sein, soviel steht fest, daß mit Dr. Bödiker sein „guter Geist" von dort scheidet. Der Mann hat sich unziveifelhast hervorragend verdient gemacht, nicht nur als Chef eines großen Verivalinngsapparates und als Richter, sonder» auch um die »»ternationale Verbreitung deS Gedankens der Arbeiter- Versicherung. Daß wir in der Werlhuug des Versicherungsivcsens seinen Optimismns nicht theilen, bedarf wohl keiner besonderen Be- toniing. Es hindert uns das aber nicht, ihm die verdiente An- erkenntlng zu zolle».-- Echo» jetzt, wo die Bewilligung des Ab- schiedes noch nicht vorliegt, wird in gewissen Kreisen eifrig die Frage erörtert, wer wohl der Nachfolger sein werde. Darauf hier einzugehen, lohnte sich nicht, wenn nicht bereits ein Name ge- nannt ivorden wäre, der geeignet ist, in jedem wahren Arbeiterfreunde reckt unangenehme Vorstellungen zu erwecken. Es ist der des Direktors Gaebel, des Vorstehers der Ab- theilung für Jilvakiditäts- und Altersverstchernngssacheii. Gaebel ist eine gar stattliche, stolze Erscheinung, schneidig vom Kopf bis zum Fuß. Bei seineil ihm untergebene» Beamte» ist er so„beliebt". wie es etwa Graf Herbert Bismarck bei den Beamten des Auswärtigen Amtes war. Herr Gaebel mag ganz gut zuili. Regierungspräsidenten i» Ostelbie» passe»—'er war Ober-Regierungsrath in Posen— nimmer mehr eignet er sich zum Chef des Sieichs-Verstcherungsamtes. Dieser stolze Bureaukrat würde es voraussichtlich sehr bald dahin bringe», daß das schon nicht ganz bedenkenlose Vertrauen der Arbeiterinassen zu», Reichs-Versicherungsamt mehr und mehr schwände.— — Zur Frage der Produktenbörse». In Magde- bnrg haben die Agrarier vor den Börseanern die Waffen gestreckt. Eine Depesche meldet hierüber: Ans Anregung des Vereins für Landwirlhschaft und landwirthschaftlicheS Maschinenwesen hat der Magdeburger Berein für Getreidehandel heute beschlossen, die am l. Januar eingestellten Notirmigen für Getreide nnd Produkten von Anfang Juni an wieder aufzunehmen. Der Verein für Landivirth- schaft und landivirthschaftliches Maschinellwesen hat erklärt, daß er volles Vertrauen zur Sachlichkeit der Notirungen habe und auf jede Mitwirkung dabei verzichte.— — Die„Berliner Politischen Nachrichten" und der Z e n t r a l v e r b a n d deutscher I n d u st r i e l l e r. Herr Schweinburg ließ in diesen Tagen durch die„Verl. Pol. Nachr." erklären: „Die von Herrn v. Tausch über mich nnd»leine Beziehungen zum Zentralverbande deutscher Jitdustricller sowie der Dlskonto- Gesellschafl gemachten Mittheilimgen sind unwahr." Wir wollen dem entgegenstellen die Worte") des Geschäfts- führers des Zentralverbandes deutscher Industrieller, des Herrn Bneck, in der Allsschußsitzung vom 23. November 1887: „Wir können uns nur freuen, daß wir in den„Berliner Politischen Nachrichten" ein Organ haben, welches uns jederzeit zur Verfügung sieht, um uns gegen solche Angriffe zu ver- lheidigen." Man vergleiche übrigens auch die heutige Zeugenaussage des Herrn Bueck im Prozesse Tausch. — Für de» neuen sozialpolitischen Kurs be- z e i ch n e il d ist folgende durch die Zeitungen gehende Notiz: „Der Verein für Sozialpolitik, der vom 23. bis 25. Seplember d. I. in Köln seine Generalversanimlniig abhalte» wird, hat an die rheinisch-westsalische Industrie die Aufforderung ergehen lasse», einen Berichlerstatter in die Generalversammlung zu entsenden, der die A» s ch a u u n g e n d e r I n d u st r i e ü b e r die Arbeiterfrage vertrete» möge." Die rheinisch- westsälifcheii Großindustriellen haben sich bisher nicht durch übertriebene Arbeitersmindlichkeit oder durch einen be- sonders fortgeschrittene» Standpunkt in Sachen der„Arbeitersrage" aus- gezeichnet. Trotzdem werden sie jetzt vom Verein für Sozialpolitik eingeladen, ihre Anschauungeii über diese Dinge zum besten zn geben. — Wird es de» Herren des genannten Vereins unheimlich bei dem Sturinlauf der von dein Herrn v. Stumm geführten Reaktion gegen de»„Kathedersoziallsinus" unserer staatswissenschafllichen Prosesjore» i Wird jetzt zum Rückzug geblasen? Lluö Oberschlesicu wird der Breslauer„Volkswacht" ge- schrieben: Für die oberschlesischen Schulverhältuisse und ihre Er- bärmlichkeil ist es bezeichnend, daß vor der letzten Vczirksansschnß- Sitzung in Oppeln nicht weniger als siebe» Fälle zur Verhandlung kamen, i» denen es sich um Feststellung der Schnlunlerhallungs- Verpflichtungen handelte. Sämmtliche Fälle belreffen Proletarier« Konniiuiien des- Jnduftriebezirks, deren Schnlkosten sehr hoch sind für die armen Orlscingesessenen. Die Hütten- und Kohlengriibenbesitzer aber, die nicht in den schniutzigen Proletarier- orten wohnen, sondern auf große» Schlössen« i» gesonderten Gulsbezirken, wollen von Schulbeilragspstichte» oft nichts wissen. So wollte u. a. der vielfache Millionär v. Tiele-Winckler, der auf Rosdjiuer Gebiet 4 Kohlengrube» besitzt, der Gemeinde Rosdzin nicht einmal armseliae 300 M. zu de» Gemeinde-Abgaben zahlen, er ließ sich erst zur Zahlung vernrtheile». Aehnlich erging es dein ebenso reichen Millionär Graf Guido Henckel v. DonnerSmarck gegenüber einigen Geineindeit bei Zabrze. Selbst der königl. Bergfiskns macht es wie die seudale» Magnaten; auch ihm mußte erst der Bezirksansschuß beibringe», daß die Verlheilung der Schulnnterhaltungskosten in Zaborze, bei der er zu schlecht iveg- gekonimen z» sein glaubte, doch im tvesenllichen richtig sei. Kleineren Unteriiehmern und Akliengesellschaflen nimmt man solche Dinge weniger übel. Die Kohlengewerken Babin und Geuoffeii und die große KaUomitzer Akliengesellschast sind aber ebenso wie ihre feudalen Vorbilder im wesentliche» hineingesalle». Natürlich be- findet sich auch ein großer Agrarier, der Doiinnalbesitzer von Radau bei Gleiwitz, Schöller, unter den Widerwillizeil. In diesem letzteren Falle ivagte sogar ein preußischer Landralh gegen die Entscheidung des Kretsausschuffes, der den Kollegen Schöller natürlich von der Beitragspflicht entbunden halte, an de» Bezirksausschuß Berufung einzulegen, der auch stattgegeben wurde. Die schöne» Zeilen der gänzlichen Siencrfreiheit sind vorbei, die Herren aber ivollen es noch inuner nicht glauben, sie sind allzu sehr an Privilegien gewöhnt.— ' Hamburg, 30. Mai.(Eig. Ber.) Als im Januar d. I. der Hamburger Hasenarbeiier-Streik seinen Höhepunkt erreicht hatte, traten bekanntlich die Rheder mit einer Kundgebung hervor, in der, um zu zeigen, tvie ivohl sie es mit„ihren" Arbeitern ineinte», sie de» Senat um Anstellung eines Hafeninspektors ersuchten, der mit ähnlichen Befugnissen betraut werde» sollte, wie etwa ei» Fabrik- iuspektor. Im Jahre 1300 schon hatte der Verband der Hasen- arbeiter dieselbe Bitte au den Senat und auch an de» Reichskanzler gcrichiet, ohne aber überhaupt eiinnal einer Antwort geu'iirdigl zu sein. Jetzt, nachdem sich jedoch die„königl. Kausleute" herbeigelassen haben, die Anstellung eines Haseninspektors gütigst zu gestalten, hat der Senat die Angelegenhelt aufgenommen und bei der Bürgerschaft die sofortige Austellmig eines Hafeninspekiors beantragt. Ueber die Funktionen nnd die Befugnisse desselben sagt der Antrag das folgende: Der Hafeninspektor, der der Polizei zu unterstelle», auf Vorschlag derselben und nach Anhörung der Depu- tation für Handel und Schifffahrt vom Senat z» ernennen ist, hat für den Schutz der Hafenarbeiter gegen Gefahre» für Lebe» und Gesundheit derselben, sowohl in de» Arbeilsbetrieben selbst, wie bei der Beförderung, von nnd nach den Arbeilsstätten im Hafen, »ach Analogie der den Fabrikinspektore» zustehenden Befugnisse in Gemäßheit einer vom Senat zn erlheilenden Jnstruktio» Fürsorg« zu tragen. Deinselben ist jederzeit der Zutritt zu allen im Hafen de- findlichen Fahrzeugen, sowie zu allen anderen Arbeitsstälte» daselbst zn verstatten. Er hat die Besugniß, da»», wenn seines Erachtens durch mangelhaste Betriebseinrichtunge» im Hafen eine n»i»ittelvare Gefahr für Leben oder Gesundheit der ini Betriebe Beschästigte» besteht, sofort die zur Abwendung der Gefahr e» forderlichen Anordnungen zn treffen und nöthigenfalls die Fortsetzung der Arbeit bis zur Abstellung der gerügten Mängel zn untersagen, vor- behaltlich einer elwa später von der Polizeibehörde anf grnnd einer von den Betheiligten bei ihr eingelegicn Beschiverde ver- sügten Aufhebung oder Abänderung der getroffene» Anordnungen. Schließlich enthält der Antrag folgende Slrasbestinnuung: Die- jenigen, die dem Hafenmspektor den Zutritt zn ihren Schiffe» oder Arbeitsstätten verweigern oder seinen Anordnungen nicht Folge leisten iverden, werden, sofern nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen eine härtere Strafe vmvirkt ist, mit Geldstrafe bis z» 150 M. oder mit Hast bis zu 8 Wochen bestraft.— Dieser Antrag ist ans die Tagesordnung der nächste» Bürgerschaftssitzung gesetzt. Karlsruhe, 20. Mai. Mit dem l. Juli erlöschen die Mandate von 3t Abgeordneten der Zweite» Kammer. Von einer Nichtwieber- anfnahme des Mandats ist bisher nur eine Erklärung bekaniit, nämlich jene des Reichslags-Präsidente» v. Bnol, der de» Bezirk Werlheim-Malldürn vertritt, nnd auch dort ist vielleicht die Ab- lehnung noch keine endgiltige. Von de» 32 Mitgliedern der liberalen Fraktion treten 18 ans. Von den 21 Zenlrnmslenten scheiden 12. Außerdem steht eine Neuwahl für den Temokralen Muser, de» Ex- sozialisten Stegmnller und den Konservative» Kirchenbauer bevor. Auch in alle» sonstige» Wahilreisen rüstet man sich zu eine», sehr lebhafte» Kampf.— — Chronik dcrMajestätsbeleidigungs-Prozesse. Die 43jührige Frau Anna Lehmann war i» Franlsiirt a. M. wegen Majestälsbeleidigiing gegen die denische Kaiserin angeklagt. Di« bei verschlossenen Thiire» gesührte Verhandlung endete mit der Vertagung, da es sich um eine falsche Anzeige zn handeln scheint.— Oesterreich. Wien, 30. Mai. Der deutsche Fortschrittsklub richtete einen Protest an das Prästdium des Abgeorduetenhanses, durch welchen die beide» Vizepräsidenten Abrahamovicj und Krainarz unter Ansühruiig von nenn Fällen, in denen sie die Geschäsls« ") Verhandlnnge», Mittheilungen ,md Berichie des Zentralvorstandes Deutscher Industrieller, Nr. 38, Oktober— Dezeinber 1887, Seite 30. ovbuung verletzt haben sollen, zur Niederlegung des Prä« s i d i>i in s alisgefordert werden.— Wien, 31. Mai. Dem„Vaterland" zufolge sprach die parla- weiuarische Simmiüffiou der Rechten den Vizepräsidenieii des Ab- geordiieleiihauscS Abrahainoivicz und Krainarez den wärmsten Dank der Majorität für die Vertheidigung der lliechte des Abgeordneten- dauses in der letzten Sitzung aus.— Temselbe» Vlaile zufolge sind bisher aus Obervsterreich 16 Petitionen gegen die Obstruktion im Abgeordnetenhause eingelaufen. Wien, 31. Mai. Die„Neue Freie Presse" erfährt, daß die Rcgieiiuig in einer der nächsten Sitzungen des Älbgeordneten- Hauses einen Gesetzentwurf über die Kartelle in de» wichtigsten Verbrauchsartikcl». namentlich in Zucker, Petroleum, Bier und Salz einbringen werde. Das Gesetz ist auf den Grund- sätzen der A n z e i g e p f l i ch t, der Staatsaufsicht, des st a a t l i ch e n V e r b o t s r e ch t s und Schutzes durch das S t r a f r e ch t aufgebaut. Eine ans Fachmännern zusamniengesetzte Kai tellkomniisston wiid die wirlhschaftlichcn Grundlagen der Kartelle prüfen und bei Ausschreitungen Vorschläge bezüglich der Unter- sagiing der Kartelle dem Finanzministerium machen, welches zur Uiitersagnng der Kartelle namentlich im Falle einer ungerecht- fertigten Preiserhöhung zum offenbaren Nachtheile der Konsumenten berechligt ist.— Nngarn. Vndapcst, 31. Mai. Chauvinistische Kreise planen für heute Abend anläßlich der Eröffnung des Gastspiels mehrerer Mitglieder des Wiener Hofburg-Theaters eine anli-deutsche Demonstration. Die Magyaren, deren Kultur ganz ans deutschen Grundlagen aufgebaut ist, haben am wenigsten Veranlassung zu derartigen Dummeiijungenstreiche». Aber wahrscheinlich ist es doch, daß die Knndgebungeu siallfmden und nicht ohne Erfolg bleiben, haben doch die Chauvinisten in Budapest durchgesetzt, daß ein ständiges deutsches Theater in der ungarischen Hauptstadt, deren Bevölkerung fast aus- uahinslos deutsch versteht, nicht möglich ist.— Schtvciz. Anö Basel wird der„Franks. Zeitung" berichtet: Bei der Nalionalraths-Ersatzivahl erhielt Kochliu(kons.) 3593 und Dr. Zatt (frs.)'dZGi Stimmen. Ersterer ist somit gewählt. Zwei Konservative, ein Sozialdemokrat und ein Radikaler vertreten nun Basel im schweizerischen Parlament, obgleich in den kanlonalen Körperschaften die Radikalen die Mehrheit haben. Nun werden sie sich gegen die Einführung des Proportional-Wahlsystems kaum mehr sträube».— Zürich, Ende Mai.(Eig. Ber.) Im Kanton Zürich hat das Volk am L7. Juni über zwei I n i l i a t i v b e g e h r e n, über einen G e g c n v o r s ch l a g u n d über ein Gesetz a b z u st i m m e n. Das erste Jnilialivbegehrcn geht vom kanlonalen Handwerks- und Gciverbeverein ans und wurde im März 1896 mit 7023 Unterschriften dem 5ianlonsrath übergeben. Es bezweckt die Vievision einzelner Partien des Rechtspflege-(Gerichtsverfassungs- Gesetz und Prozeßordnung) Gesetzes, speziell die Zivilrechtspflege betreffend und zwar im Sinne der Vereinfachung und Verbilligung der Rechlsprechniig. Nach dem Vorbild des gut bewährten Handels- gerichis sollen Sondergerichle für geweibliche und landwirthschait- liehe Streitsachen, zu deren Behandlung Fachkenntnisse nothwendig sind, organistrt und es soll sodann das Advokaturwesen durch verschiedene Vorschläge neu geregelt werden. Zur Aus- führung der wichtigsten vorgeschlagenen Neuerungen soll der iiantonsrath die Verordnungen erlassen.— Kantons- und Regierungsrath empfehlen in einem längeren, dem Jnrliativ- begehren angesügten Berichte dem Volke die Ablehnung desselben. Der Kantonsralh hat bereits 1835 die Revision des ganzen umfangreiche» Rechtspflegegesetzes beschlossen und hierfür eine große Kommission bestellt; gleichzeitig wurde durch Aufsordermig im Amlsblatte jedermann eingeladen, allfällige Wünsche oder An- regungen für die Revision der Justizdirekiion einzureichen, ivas in 2i Fällen geschehen ist. Die Komniission hat bereits im Sommer 1886 ihre Revisionsvorlage fertig gestellt und andererseits hat der Kantonsralh in der Zwischenzeit ein Gesetz betreffend die gewerb- lichen Schiedsgerichte und ein solches über die Ausübung der Advokatur beschlossen, wodurch das Jnitiativbegehren in der Haupt- fache schon gegenstandslos geworden sei. Der Ablehuungs- antrag, den Kantons- und Regicrungsrath an das Volk stellen, ist daher vollberechtigt und seine Annahme, d. h. die Verwerfung der zum theil aus rein persönlichen Gründe», aus Popularitäts- hascherei gestellten Initiative zu wünschen.— Ein zweites Jsnitiativbegehren betrifft die Ergänzung und Verschärfung des Strafgesetzes zur Verfolgung der S i t t l i ch k e i t s v e r b r e ch e n, namentlich zur Unterdrückung der Kuppelei und Prostitution(auch in Bordellen) und ist von 10 800 Frauen und 6445 Männern unter- zeichnet. Ein Paragraph richtet seine Spitze auch gegen die be- kannten Liebhabereien von Geschäftsinhabern, Aufsehern Zc. gegenüber den Arbeiterinnen und bedroht bezügliche Ver- gehen mit Gefängniß nicht unter einem Monat. Da „arglistiger Mißbrauch" zur Strafbarkeit vorausgesetzt wird, so ist in der angedeuteten Stichlnng wohl nichts zu machen und die U ebelstände können, soweit sie vorhanden sind, auch in Zukunft fort- bestehen. Regierungs- und Kantonsrath machen einen Gegenvorschlag, der im wesentlichen mit der Initiative identisch, jedoch präziser ist. Das Initiativkomitee hat sich mit dem behördlichen Gegenvoischlag einverstanden erklärt, da aber seine Initiative dennoch zur Volks- adstimmuug kommen muß, so bleibt abzuwarten, für welche Vorlage sich das Volk entscheiden wird.— Das vorgelegte Gesetz ist eine Folge des vorjährigen Italiener- Krawalls in Außersihl und ver- langt die Vermehrung des staatlichen(Landjäger-) Polizei- t o r p s von 130 auf 160 bis 180 Mann. Seine Annahme ist ziem- lich sicher.— Dänemark. — Da? neue Ministerium hat nun in der ersten Budgetdebatte in einer Art Programm seine Absichten dargelegt Die Tribünen des Parlaments waren überfüllt, zahlreiche Mitglieder des Landesthing waren im Folkething anwesend und man sah der ersten Rede des neuen Ministerpräsidenten mit großer Spannung entgegen. Herr Hörring bedauerte, daß die Regierung„ge- nölhigt" gewesen wäre, die Forderungen für das Militärwesen um zirka 200 000 Kr. herabzusetzen, sprach damit also aus, daß auch er dem Moloch Militarismus so weil Opfer bringen wolle, als es ihm die Volksvertretung irgend gestattet. Er bedauerte ferner, daß der erhöhte Branntweinzoll nicht»ngenommen sei. Aus eine Interpellation, wie er sich zu dem Reformprogramm der Linken stelle, erklärte er, daß er vorläufig nicht sagen könne, wie er sich in der Frage einer provisorischen Budget-Bewilligniig stellen werde, eine Erklärung, die mit Recht als eine Art Drohung gegen de» Landcslhing betrachtet wurde. Dann führte der Abg. Klausen(Soz.) in längerer Rede aus, daß ei» Ministerwechsel in Dänemark nicht viel zu bedeuten habe, der geistige Habitus bliebe derselbe. Herr Hörring hat sich schon in seiner frühereu Thätigkeit als Gegner aller arbeiler- freundliche» Reformen gezeigt, zu erhoffen sei also von ihm nicht viel. Der L a n d e s t h i n g hat dann das provisorische Finanzgesetz, das der Folkething annahm, ebenfalls angenommen..Die Rechte schwieg sich bei den Berathungen völlig aus. Sie wollte nicht Opposition machen, aber auch keine Zustimmung aussprechen.— England. London, 29. Mai.(Eig. Ber.) Die Regierung will nun auch in der i r i s ch e n F r a g e d i e L i b e r a l e n k a l t s e tz e n. An eine neue Auflage von Homerule ist freilich nicht zu denken, aber die vorigen Freitag von Herrn Balfour in Aussicht gestellte Lokal- verwaltungsbill für Irland ist von den Nationalisteii als eine Abschlagszahlung angenommen worden. Danach soll Irland ein demokratisches Gemeinde- und Grasschaflsvertretungs-Gesetz nach dem Muster des englischen Gesetzes erhalten. Um aber die irischen LandlordS vor Steuerattentaten der demokratischen Genieinde-Ver- tretung zu schützen, will die Regierung die ganzen, aus den Grund- besitz entfallenden Beitragspflichten für die Armensteuer aus ihr Konto übernehmen, und den Pächtern wiederum soll in Zukünst die Hälfte der bisher von ihnen getragenen Lokalsteuern gestrichen, resp die Rentenzalilungen in Anrechnung gebracht werden.„Mir ein Viertel, Dir ein Viertel", wie es im be- kannten Leinenweberlied heißt. Die Regierung schlägt zwei oder drei Fliegen mit einer lklappe. Sie bietet der Agitation über den zu hohen Beitrag Irlands zu den Reichsabgaben eine Paroli schützt ihre armen irischen Landlords und wirft den in dieser Hin- ficht so ausgehungerten Iren ein Stück Selbstverwaltung hin. das Homerule auf lauge hinaus todtmachen soll, soweit die Faltions- wuih der Iren es nicht selbst lodtgeschlagen hat. Welcher Neben- zweck übrigens die Iren nicht verhindert hat, die Ankündigung, wie schon erwähnt, mit Beifall aufzunehmen. Das„'lllles oder Nichts" war nie ihre Politik. Um aber zu zeigen, daß sie bei alledem ihre nationale Sache nicht fallen lassen, haben die Dilloniten gestern ein Manifest veröffenllicht, worin sie erklärten, an den Festlichkeiten zu Ehren des 60jährigen Regierungsjubiläuins der Königin nicht theilnehme» zu können. Der Jubel solle dem Wachs thum an Wohlstand und Freiheit gelten, dessen die llnterlhanen der Kölligin in den sechzig Jahren genossen haben, aber Irland wisse von solchem Wachslhnm nichts zu erzählen. Seine Bevölkerung sei in dieser Zeit auf die Hälfte gefallen, sie sei über Gebühr besteuert und entbehre jeder Selbstregierung. Für eine Jubelfeier liege für Irland kein Grund vor. Die Parnelliten ihrerseits haben gestern einen kleinen Versuch gemacht, den österreichischen Deulschnationnlen ihre Obstruktionslorbeeren streitig zu machen. Aber zum Skandalmachtn gehört mehr wie guter Wille, jirast der Vollmachte», welche die Geschäfts- ordnung des britischen Parlaments dem Vorsitzenden giebt, war dem kleinen Häuflein das Vergnügen schnell verdorben, und das ganze stiesultat der übrigens höchst ungeschickt eingeleiteten Siene ist, daß vier Parnellilen ans eine Woche von der Theilnahme au den Parlamentssitzungen fuspendirt sind.-- Italien. Rom, 30. Mai. Wie die„Tribuna" meldet, überreichte C r i s p i dem Unlersuchnngsrichter des Gerichtshofes in Neapel seinen f o r m e l l e n E i n s p r u ch gegen das w i d e r i h n i n dem Prozesse Favilla eröffnete Verfahren. Die „Tribuna" fügt hinzu, wen» die Gerichtsbehörde das zu erwartende Vorgehen nicht aufgebe» zu solle» glaubt, werde jetzt die Genehm!- gung des P a r l a in e n t s zu einem Einschreiten wider Crispi nach- gesucht werden müffe».— Roiil, 81. Mai.(„Voss. Ztg.") In Monte Compatri, einem hochgelegenen Landstädtchcn des llllbaneigebirges, fand gestern eine Sozialisteuversammlung statt, bei der die Polizei einschritt und die wenigen Gendarmen durch Steinwürfe verwundet wurde». Als sie verstärkt zurückkehrte», um Verhaftungen vorzunehmen, erneute sich dcr Kampf zwischen zwölf Karabini.ri und über hundert Sozialiste». Die Karabinieri trugen sämmtlich Verletzungen davon; von den Sozialisten wurden zwölf festgenommen, darunter der Chefredakteur des hiesigen„Avanti", Podrecca.— AuS Ron» wird uns geschrieben: Gegen 15 000 Personen waren dieser Tage auf dem„C a m p o de Fiori" versammelt, um am Monument des Giordano Bruno Reden zu hören von den Radikalen I m b r i a n i und S o c c i und dem Sozialiste» Costa. Nachdein zog die Masse hinaus nach dem Kirchhos von„Campo Verano", um an dem Grabe von Frezzi z» demonstriren.— D i e i t a l i e n i s ch e u P r ä s e k t e n und U n t e r p r ä f e k t e n(beiläufig den preußischen giegiernngs- Präsidenten und Landräthen entsprechend) sind die niitzlichfteu Werkzeuge der Reaktion; was die Gesetze an„Freiheiten" noch übrig lassen, ersticken diese durch willkürliche Verordnungen und sonstige Maßnahmen. Auf diese Weise sind in Genua alle sozialistischen Korporalionen, aber auch selbst die Arbeirerkammer, eine rein wirthschaftliche Vereinigung, aufgelöst worden. In 6 Prozesse», die gegen eine große Anzahl Sozial- demokrateu angestrengt wurden, sind 13 davon zu zusammen 43 Monaten Gesängnißstrafen und 800, Franken Geldstrafe verurtheilt worden. Die einen sollten durch revolutionäre lliufe, wie„Hoch der Sozialismus" den„öffentlichen Frieden" gestört haben, andere hatten während der Wahlzeit Broschüren ver- lheilt u. f. fort.— Selbstverständlich wird es auch in Italien nicht gelingen, de» Sozialismus durch Polizeiwilllür zu unter- drücke».— Spanien. Madrid, 29. Mai. Der Oppositionelle Morel richtete gester» in einer Rede in der liberalen Bereinigung Angriffe gegen Canovas, welchen«r für das Fehlen der Liberalen in der Kammer ver- anlwortlich machte, und tadelte das Verhalten der Regierung, welche die Judemnitälsvorlage durch eine Kammer annehmen ließ, i» der es keine Opposition gebe.— Im Abgeordnetenhause haben die Agrarier unter Führung des Abg. v. W e d e l- S t e i n f e l s beantragt, die Regierung auf- zufordern, daß dieselbe a) die amtliche Kontrolle für alles zum öffent- lichen Verkaufe gelangende Fleisch in die Wege leite; b) für die Fleischbeschau allgemein giltige Vorschriften erlasse; e) im Bundes- rath dahin wirke, daß im Ausland geschlachtete Thiere, sowie alle Fleischwaaren fremdländischen Ursprungs hinsichtlich der Kontrolle bei uns ebenso wie die des Inlandes behandelt werden. � JHokJi V.— tf* Mthonk. (Schluß aus der 1. Beilage.) Tausch'S„Freude" über de« Prozeß Leekert— LNHow. Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t: Hat v. Tausch Ihnen gegen- über die Vermuthung ausgesprochen, daß der Leckert-Lützow-Prozeß eigentlich gegen ihn gehe und er abgeschlachtet werden solle?— Zeuge: Gewiß. Dieser Ansicht waren viele. Herr v. Tausch hat seine Freude darüber ausgedrückt, daß dieser Prozeß Klarheit verschaffen würde, nachdem er vergeblich auf eine Gelegenheit gewartet habe, den Frhrn. v. Marschall zu überzeugen, daß seine Abneigung gegen die politische Polizei nur auf Jrrlhümern beruhen könne.— Auf Frage des Rechtsanwalis Dr. S e l l o bekundet der Zeuge noch weiter: v. Tausch habe ihm eines Tages mitgetheilt, daß er in eine recht fatale Lage gekommen sei, indem er für das Kriegsministerium nach der Quelle einer Nachricht zu recherchiren habe und dabei aus das literarische Bureau gestoßen sei. Der Zeuge hat den An- geklagten dann gefragt, ob der Kriegsminister davon schon wisse und auf die bejahende Antwort hat er ihm gerathe», dann seinerseits die Hand weiter davon zu lassen. Zcngc Polizeidirektor Eckhardt hat im Dezember 1894, als er eben hierher gekommen war, von einem gewissen„Salitz" einen Brief erhalten, der die Dienste des Brief- sckreibers anbot und unmittelbare wichtige Mittheilungen in Ans- ficht stellte. Der Eulitz entpuppte sich als v. Lützow, er hatte aber keine wichtigen Mittheilungen und deshalb bat v. Lützow keinen Erfolg bei ihm gehabt, der Zeuge hat vielmehr keinerlei Ver- bindungen weiter mit dem Zeugen angeknüpft. Mit v. Tausch ist er bei der Gelegenheit der Eröffnung des Nordostsee-Kanals in Be- rührung gekommen. Aus welchem Grunde der Angeklagte v. Tauch ihni feindlich gesinnt sei, wisse er absolut nicht und er möchte gern Aus- kunft darüber haben, weShalb v. Tausch dem Oberst Gäbe gegen- über ihn als einen Menschen geschildert habe, der zu allem Schlechten sähig sei.— Angekl. v. Tausch: Ich habe dem Oberst Gäbe nur gesagt, daß, wenn der Minister des Innern etwas in die Preffe lanciren wollte, er sich dazu gewiß nicht des literarischen Bureaus bedienen würde, sondern des Zeugen Eckhardt, der seine rechte Hand sei.— Dr. L u b s z y n s k i: Kann uns der Zeuge Aus- kunst darüber geben, welche Beschäftigung er im Ministerium des Innern hat und ob er nicht gerade die Presse zu überwachen hat?— Zeuge: Darüber mich auszulassen, lehne ich ab, so lange ich nicht besonders dazu ermächtigt werde. Weitere Zeuge«. Ein Hausdiener und ein Dienstmädchen, welche rm Auftrage des Lützow Schriftproben für den anonymen Versbrief an- gestellt haben, sagen Wesentliches nicht aus.— Kriminal« s ch u tz m a n ii Krüger hat den Angeklagten v. Lützow in Gemeinschast mit dem Wachtmeister Beck am 10. Oktober früh verhaftet. Tausch war dabei sehr ruhig. Wachtmeister Beck. Als er von Herrn v. Tausch den Auftrag erhalten, v. Lützow zu verhaften, habe v. T. hinzugesetzt, er müsse auch noch Haussuchung abhalten, Lützow werde aber freiwillig herausgeben, was er habe. Der Zeuge hatte den Eindruck, daß v. L ü tz o w nur aus dem Grunde verhaftet werden sollte, damit der ver« hastete Leckerl nicht merken sollte, daß Lützow ihn denunzirt hatte. Dieser Eindruck ist auch bestätigt worden, weil Lützow bei der Vornahme der Verhaftung zuerst etwas erschrocken war, dann aber, als er hörte, daß auch Leckert verhaftet worden sei, sagte:„Na, dann wird man doch niorgen wieder entlassen werde»." Bei der Vornahme der Haussuchung habeler sich darauf beschränkt, nur die Sachen durch- zusehen, die aus dem Tische lagen. Später hat der Staatsanwalt noch einen ganzen Korb mit Manuskripten aufgefunden, der Zeuge be- tont jedoch, daß dieser Korb nicht in dem Zimmer des Herrn v. Lützow gestanden habe, sonder» in dem Zimmer der Wirthin, die eine Treppe tiefer wohnte. Auf deren Wohnung konnte sich die Haussuchung nicht erstrecken.— P r ä s.: Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, daß er Ihnen nur ganz uiigenügeiide Instruktionen erlheilt habe. Ans der Form der Beauftragung glaubt man schließen zu sollen, daß es Herrn von Tausch darum zu t h u n war, daß die Haussuchung nur oberflächlich stattfinde.-» Zeuge: Nein, es ist ober« f l ä ch l i ch geschehen, weil ich annahm,! daß! H�rr von Lützow bald wieder frei kommen würde und es sich nur um eine Sl r t Komödie gegenüber dem Becker! handelte.— Präs.: Sie haben also nicht das Gefühl, als ob Ihnen Herr v. Tausch selbst nahe lege» wollte, daß Sie bei der Haussuchung nichts finden dürften?— Zeuge: Keineswegs. Herr v. Lützow hat mir wiederholt gesagt, daß ich mir doch denken könnte, daß er Herrn v. Tausch sofort alles herausgeben würde, wenn er etwas hätte.— Auf weiteres Befragen des Rechts- anivalts Dr. S e l I o bestreitet Zeuge, daß ihm°irgend ei» Zeichen einer de» Herrn v. Tausch beherrschenden Angst ausgefallen sei. Er habe mit Herrn v. Tausch fünf Jahre gearbeitet und niemals bemerkt, daß dieser ein p o l i t i s ch e s I n t r i g u e n s p i e l treibe. Im Gegenthcil habe er ihn oftnials vor den Journalisten gewarnt, weil diese doch blos horchen wollten, was es oben Ste'nes giebt. von Tausch habe ihn auch vor N o r m a n n- S ch u m an» gewarnt und ihm gesagt, er solle sich vor dem Kerl in Acht nehmen. Leckert Vater und Toh«. Die Vernehmung des folgenden Zeugen, des Kaufmanns Leckert, beschränkt sich auf die eine Frage, ob er etwas darüber mittheilen könne, von wem sein Sohn die Jnsormattonen zu den Artikeln in der„Welt am Montag" erhalle» habe. Der Zeuge verneint die Frage.! Sodann wird der„Journalist" Heinrich Leckert aus dem Gesniigiiisse vorgeführt, um als Zeuge vernommen zu werden. Er erklärt, daß er de» Angeklagten v. Tausch zum ersten Male kennen gelernt habe, als er am 9. Oktober vor. Js., am Tage seiner Ver- Haftung, von ihm vernommen wurde. Der Angeklagte v. Lützow habe ihm die beiden Artikel gegeben mit dem Austrage, sie in der Presse unterzubriiigen. Er habe nicht den Namen v. Tausch genannt, aber versichert, daß die Nachricht au? einer sehr guten Quelle stamme. Nach einiger Zeit habe von Lützow erzählt, daß er an den Kriegsminister Bronsart v. Schellen« dorsf eine anonyme Karte habe schreiben müssen, und zwar im Auftrag« desselben Herrn, der ihm das Material zu dem fraglichen Artikel gegeben habe.— Präs.: Angeklagter v. Lützow, was sagen Sie hierzu?— Angekl. v. Lützow: Ja, es handelt sich um den sogen. „Bronsart- Artikel". Es wurde darin mitgetheilt, daß der Kriegs- minister infolge der Meinnngsverschiedenheiten, welche im Staats- Ministerin»! über die Militär-Strasprozeß-Ordnung herrschten, daran denke, zurückzutreten. Der Artikel enthielt vielleicht 20 Informationen, von denen ich über die Hülste von Herrn v. Tausch hatte. Richtig ist es, daß ich Leckert gegenüber niemals den Herrn v. Tausch als meinen Gewährsmann genannt hatte. Staatsanwalt Dr. E g e r: Ich bemerke, daß die Anklagebehörde nicht auf dem Standpunkt steht, daß Herr v. Tausch diesen Artikel inspirirt hat, so daß sich eine weitere Beweisaufnahme über diesen Punkt wohl erledigt.~ Präs.: Wer hätte wohl heutzutage unter feinem Bekanntenkreise nicht wenigstens einen, oder sogar mehrere Journalisten. Und wenn ich nun beispielsweise im Verkehr mit einem solchen Bekannte» etwas über die Richtergehälter sprechen und dieser solches Gespräch später journalistisch verwerthen würde, so würde man mir doch un- möglich einen Meineid vorwerfen können, wenn ich es verneinte, diesen Artikel inspirirt zu haben. Der Artikel über de« Fall Koscheuian«. Der Zeuge Leckert bekundet sodann, daß Lützow ihm den Artikel über Koschemann und die Anarchistenriecherei mit den Bemerkungen gegeben habe, er rühre von einem höheren Polizeibeamten her, er (Leckert) dürfe dies aber nicht sagen, da sonst der Minister sofort wisse, von wem er ausgehe.— Angekl. v. Lützow erklärt auf Befragen des Vorfitzenden wiederholt, daß er»inen solchen Artikel nicht für einen politischen halten würde; er habe auch keine Informationen dazu gegeben.— v. L ü tz o w bleibt dabei, daß die Angaben des Artikels auf Mittheilungen v. Tausch's beruhten. Die Thatsachen an sich seien vielleicht nicht politisch, die daran geknüpften Schlußsolgerungen seien aber doch hochpolitisch.— v. Tausch: Ich habe mit v. Lützow über alle möglichen Dinge gesprochen und habe vielleicht auch'mal über Anarchisten-Sachen mit ihm mich unterhalten. Aber bei dem Spezialfall Koschemann konnte ich dies schon am deswillen nicht acthan haben, weil ich die in dem Artikel enthaltenen Einzelheiten, die Entlastung Verhafteter und dergleichen gar nicht kannte. Nach der Aussage des Zeugen Leckert soll ihm v. Lützow gesagt habe», daß der Artikel über den Ersatz des Generals v. Los durch den General v. Hahuke von derselben Person habe, von welcher die Information zu dem Bronsarl-Artikel herrühre.— v. Lützow behauptet wiederum, daß v. Tausch ihm gesagt habe, man müsse einen solchen Artikel in die Presse lanciren, damit General v. Hahnke nicht Gouverneur von Berlin werde, v. Lützow behauptet, daß v. Tausch sich bei solchen militärischen Dingen immer aus Herrn Oberstlieutenant Gäbe berufen habe.— v. T a u s ch bestreitet entschieden das letztere. Oberst« lieutenant Gäbe habe ihm niemals solche Mittheilungen gemacht und er habe selbst jenen Artikel entschieden nicht inspirirt. Derselbe Zwiespalt zwischen den beiden Angeklagten zeigt sich wiederum bei der Behauptung des Lützow, daß eine ans einen Kronrath in Hubertusstock bezügliche Notiz von Tausch herrühre. Leckert Verivcigert die Aussage. Staatsanwalt Dr. E g e r: Ich bitte jetzt auf den ersten Artikel in der„Welt ani Montag" zurückzukommen.— Präs.: Zeuge Leckert, wer hat Ihnen die Informationen ertheilt in betreff des Artikels über die Toastsälschung?— Zeuge Leckert: Herr Präsident, ich habe dem Manne mein Wort gegeben, ihn nicht zu nennen, und das will ich halten.— Dr. Eger: Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, daß Idas Recht der Zeugnißverweigerung erlischt, nachdem das Uriheil in der betreffenden Sache rechtskräftig geworden ist. Der Zeuge hat jetzt die Pflicht, die an ihn gestellten Fragen zu beantworten, oder Strafe zu gewärtigen.— Oberstaals» anwalt Drescher: Man hat in der Presf» uns den Vorwurf gemocht, daß wir vor gewissen Nomen Halt »lochten und daß es uns nicht daran läge, über die Hintermänner des Slngeklogtcn von Tonsch volle Ausklärung zu schaffen. Vlm vicse ganz falsche Slnsicht zu ciitkräften. haben»vir das Interesse daran, den Hintermännern von Leckerl und Lntzow nachzn» gehe» nnd möglichste Ausklärnng zu schaffen. Wir werden ja vielleicht bei der Weigerung des Zeuge»»ichls erfahren, aber wir habe» dann wenigstens unsere Pflicht erfüllt.— Rechtsauwalt Dr. S e I l o: Auch wir haben das lebhafteste Interesse daran.— Rechtsanwalt Dr. L u b s z y n s k i: v. Lützow hat nur ein Interesse daran, zu erfahren, ob der Urheber des ersten Artikels mit v. Tausch in Verbindung steht?— Zeuge: Nein.— P r ä s.: Wollen Sie uns nicht miltheilen, wer Ihnen gesagt hat, daß der Zarentoast vom Grafen Eulenburg gefälscht sei?— Z e« g e(mit erhobener Stmune). Daß der Zarentoast ans diese Weise geiälscht sei, ist mir nie gesagt, auch ist der Name Enlenbnrg nie genannt worden. Zur Zeit der Kaiserbegegnung in Breslau wurde mir nur»utgelheilt. daß Leute, die eine Annäherung Rußlands an Deutschland nicht wünschte», ein Interesse daran hätten, durch diese falsche Darstellung Mißstimmung zivische» beiden Reichen zu verbreiten. O b e r st a a t s a n w a l t: Die Staatsanwaltschaft hat nur ein Interesse an der Feststellung der Thatsachen und nickt an der Be- strafung des Zeuge», denn sie nimmt an, daß er etwas Thatsächlichcs gar nicht weiß und nur formell etwas verschweigt. Er muß aber trotzdem bestraft werden und ich beantrage 30 M. Geldstrafe.— Präs.: Wenn Sie Ihre Freiheitsstrafe verbüßt haben, werden Sie doch wohl ein neues Leben beginnen wollen. Können Sie sich nicht entschließen, der Wahrheit die Ehre zu geben und offen zu sagen, daß Sie selbst Ihre Quelle sind?— Zeuge: Dann würde ich einen Meineid leisten und ich konstatire ausdrücklich, daß ich als ein ehrloser Wicht dastände, wenn ich den Mann verriethe.— Oberstaatsanwalt: Der Zeuge hat in dem früheren Prozesse mit seinen Angaben über den an- geblichen Hintermann sehr geivechselt. Wir haben natürlich kein Interesse daran, den Hintermann zu erfahren, wenn er sich ans demselben Niveau befindet wie dieser Zeuge.— Präs.: Ist es vielleicht ei» Bedienter eines hohen Herrn?(Heiterkeit).— Z e n g e: Nein.— Präs.: Mit Herrn v. Tausch stand Ihr Gewährs- mann aber in keiner Verbindung?— Zeuge: Nein.— v. Lützow: Herr Leckert! Wir haben beide an einer schreck- lichen Krankheit gelitte»: an Renominifterei nnd Eilelkeil. Viel- leicht hat Ihnen gegenüber in Görlitz mal eine hohe Person zwei Worte fallen lassen, ans denen Sie hundert gemacht haben. Das habe ich auch gethan. Antworten Sie, bitte, Auge in Auge.— Zeuge Leckert erklärt im Anschluß hieran, daß der Name Lucanus bei der ganzen Sache nicht in Frage komme. Er proteüirt noch dagegen, daß ihn der Oberstaatsanwalt lächerlich machen wolle.— Der Vorsitzende meint, er möge sich nnrjberuhigen, das Lächerliche liege vielleicht nur in den Thatsachen selber.— Der Zeuge Leckert wird hierauf in eine Geldstrafe von 30 M genommen. Nach den Dispositionen des Vorsitzenden soll der Prozeß Mitt- woch Abend oder Donnerstag zn Ende gehen. Schluß 5'/4 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 9 Uhr. In Brannschtveig veranstalteten die Parteigenossen dem ver- storb«»«» Vorlämpser Wilhelm Bracke am L9 Mai eine würdige Ehrung durch Schmücknng seiner Grabstätte mit zahlreichen Kränze». Der Arbeitergesangvcrein erhöhte die Wirkung der Feier durch dt» Vortrag einiger Lieder. Der Parteitag der schweizerischc» Sozialdcmorratie, der auf Pfingsten nach Zürich einbernsen war, ist verschoben worden, weil der Grülli- Verein zu Pfingsten in Lnzern eine Ver- tranensmänuer- Versammlung abhält und diese nicht vertagen zu können glaubt. Die Sozialdemokratie in Pest nnd Umgegend hielt am Sonntag und Montag zahlreiche Aersammlnnge» ab, um ein« Be- wegung zn gunsten der Einsührung des allgemeinen Wahl» rechts einzuleiten. Auseele ist von allen belgischen Genossen der von den Real- tivnärc» bestgehaßte. Zusammen mit Bolders der Schöpser der Partei-Organisation in Belgien, jetzt deren Hanptträger, konzenlrirt er sich ans die Feindschaft der Pfaffen nnd Bourgeois»nd ist ohne Unterlaß die Zielscheibe der wüthendsten Angriffe nnd giftigsten Verleumdungen. Die anarchistisch- kapitalistische Lügenkampagne gegen die Genossenschaft„Booruit" ist noch in frischem Gedächtniß. Sie hat nur zur Stärkung des.Booruit" und nur zur Befestigung der Stellung Anseele's geführt. Das hat die Gegner jedoch nicht entmuthigt. Es wird fortgelogen und fortverlenmdet— nnd natürlich sind die Nieuwenhuis'schen„Anarchisten" nach wie vor getreuem Handlauger der Kapitalistrnbande. Die neueste Lüge, die verbreitet wird, ist, Anseele habe zwei Redakteure der Zeitung„Vooruit" aus persönlichen Motiven gemaßrcgelt. Natürlich «in Unsinn. Thatsache ist, daß im Verwaltungsansschnb nnd unter den Mitgliedern der Gesellschaft„Vooruit" mißbilligende Stimmen über gewisse, das Prinzip nicht scharf vertretende Leitartikel der Zeitung verlauteten, und daß eine Generalversammlung berufen wurde, um zn untersuchen, ob die Haltung der zwei Redakteure Seffers und Millio, die jene'Artikel verfaßt habe», im Ein- klang mit dem Programm und der Taktik der Partei sich besinde.— Daß die belgischen Genossen über die Reinheit des Prinzips und die Einheitlichkeit der Partei wachen, gereicht ihnen zur Ehre. Thäten sie es nicht, so wären sie schlechte Sozialdemokraten. Todtcnliste der Partei. In M tt n ch e n- G l a d b a ch ist der bewährte Parteigenosse Hubert Hermanns, mährjähriger Kassirer des Volksvereins, aus dem Leben geschieden. Polizeiliches, Gerichtliches-c. — Durch eine Droschkensahrt nach dem Friedhof und durch sichtbare Mitführung von Kränzen mit rothen Schleifen für das Grab Lassalle's sollte» am 30. August v. I. eine Anzahl Partei- genossen in Breslau einen öffentlichen Aufzug veranstaltet haben. Das Schöffengericht hat, wie wir seinerzeit nütlheilten. die Angeklagten F a b i a,n, Frau Geiser und andere Parteigenossen, kostenlos freigesprochen. Gegen dieses Erkenntniß legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. In der Verhandlung vor dem Landgericht behauptete der Vertreter der illnklagebehörde, daß nicht nur ei» öffentlicher Auszug veranstaltet, sonder» durch den demonstrativen Transport der Kränze auch„grober Unfug" verübt worden sei. Der Straf- antrag lautete auf je 25 M. oder fünf Tage Hast. Das Land- gerichl erkannte nach kurzer Berathnng auf Verwerfung der staats- anivnltschaftlichen Berufung und Uebcrnahme der Kosten auf die Staatskasse. — Um die Verbreiter von B o y k o t t> F l u g b l ä t t e r n ab- zufassen, laßt sich die Polizei in dem bei Dresden gelegenen P l a u e n s ch e n Grunde keine Mühe verdrießen. Die„Sächs. Arb.-Ztg." schreibt darüber: Zu allen Nachtstunden patrouilliren Polizeibeamte durch den Grund und nicht blos in Uniform. sondern selbst in den seltsamsten Verkleidungen. So lieben sie es, als Hand- werksburschen verkleidet, mit großen„Berlinern" auf dem Rücken, nachts in den Steinbrüchen des Grundes herumzu- streifen. Werden sie dabei von bekannten Personen beobachtet, was wohl vorkommt, so kann man das interessante Schauspiel er- leben, daß die Polizei-Handiverksburschcn von ihren«niformirten Kollegen wie Arrestanten zur Wache cskortirt werden, um die lachenden Zuschauer womöglich irre zu führen. Alle Handwerksbnrschen mögen sich das zur Notiz nehmen. Die Verhinderung der Ver- breltung von Boykott-Flugblättern ist der Polizei aber trotz aller Verkleidungen noch nicht möglich gewesen. Es scheint demnach, als ob die Sozialdemokraten doch noch«ine bessere Polizei hätten, als der Staat. Gemerlifrsze»ftliches. Berlin und Uittgebnug. Achtung, Holzarbeiter! Der Streik in Rostock dauert unverändert fort. Die dortigen Tischlermeister machen die größten Anstrengungen, Tischler aus Berlin zu erhalten. Der Rostocker Tischlermeister Strubelberger sucht durch Annonce in verschiedenen Berliner Zeitungen Tischler, zu nielden Königstraßc, und verspricht ihnen 28—30 M. Wochenverdienst, während die Rostocker Kollegen nur 33 Pf. Stundenlohn bei wöchentlich Sllstiiiidiger Arbeitszeit beanspruchen, also um 19,47 M. Wochenverdieust streiken müssen. Tie Kollegen werden dringend ersucht, Zuzug von Rostock fern- zuhalten, wie auch vorsichtig bei Annahme von Arbeit nach auswärts zu sein. Die O r t s v e r w a l t u n g. Achtung, Glasschleifer! Die Differenzen der Glasschleiferei von A. M e l ch e r, Oranienstr. 21, sind beigelegt. Lokalverband Berlin des Verbandes der Glasarbeiter Denlschlands. Tentsches Reich. Der Dischlerstreik in Rostock dauert fort. Zuzug ist streng feriizuhalten. Die Tischler Breslaus stehen nun wegen der Festsetzung eines allgemein verbindlichen Akkordtariss in Unterhandlung mit den Meistern. Die Arbeitervertreter forderten im Turchschnilt eine Lobn- erhöhnng von 30pCt., während die Vertreter der Meister nur 10 pCt. zugestanden, weil es schon schwer sei. einen um diesen Satz erhöhten Preis von den Möbelbändlern bezahlt zu bekommen. Die Arbeiter- Vertreter bestanden jedoch auf einer Erhöhung vo» mindestens IS pCt., weil die Gehilfe» doch auch die Maschinenarbeit bezahlen müßien. Eine bestinnnte Antwort der Meister auf diesen Vorschlag wurde sür gestern(Montag) versprochen. I» Harburg wollte die Filiale des Fabrikarbeiter- Verbandes eine T h e a t e r- A u f f ü h r u n g veranstalten, ein Theil der Eintrittskarten war in den Fabriken bereits abgesetzt, da zog der Wirth des Schützenparks, wo die Aufführung vor sich gehen solile, seine Zusage zurück. Der Schntzenpark gehört einer ans reichen Harburger Bürgern bestehenden Aktiengesellschaft. Der Wirth fürchtete, und wahrscheinlich mit gutem Grund, auf die Straße ge- setzt zu werden, wenn er sein Lokal einer Arbeitervereiuigung zur Verfügung stelle, die andeie Grundsätze verfolgt als die GeldsackS- gesellschaft Nach dem„Vollsblatt für Harburg" hat sich der Wirth auch auf die Polizei berufen, die ihn ziiirt und ihm gesagt habe, ob er auch wisse, was das sür ein Verein sei, der die Aufsührung ver- anstaue. Zn dem Kapitel„Wie der Arbeiter in der heutigen Gesellschaft behandelt wird", ist das Harburger Vor- kominniß ein besonders interessanter Beitrag. In Bochum haben zirka 300 Maurer gekündigt, 150 nicht. Die Baugewerke- Innung beschloß auf die Forderniigen nicht ein- zugehen. Die Zimmerer stehen gleichfalls in einer Lohnbewegung. Die Maler nnd A n st r e i ch er werden voraussichtlich folgen. In Mühlhausci» i. Th. hat, wie die„Thüringer Tribüne" mit- theilt, der Streik in der Schuhfabrik von Müller u. Schreiber mit dem vollständigen Siege der Arbeiter geendet. Tie Tischler in Riesa i. S. haben die zehnstündige Arbeits- zeit und eine Aufbcssernng des Lohnes um durchschnitilich 15 pCt. von fast allen Meistern güllich bewilligt bekoinmeii. Das Gesuch der Arbeiter wurde durch den JiiiiungS-Obermeister Stadtralh Heinrich in dankenswerlher Weise unterstützt. I» der Hcrtleiu'scheu Stuhlfabrik in Leipzig(Naundörfchen) haben am 28. Mai die D r e ch s l e r wegen Rednklion des Tarifs die Arbeit niedergelegt. A«S Ren-Jscubiirg ist über die Lage des Wäscherinnen- S tr e i ks milziithtilen, daß die ans dem Büigeimeister P ons und je 6 Vertreiern der Wäschereibcsitzer und der Arbeiterinnen be- stehende Konimission, die aus Beschluß der Versammlung büigerlicher Frauen Frankfurts eingesetzt norden ist, im Saale der Bürger- ineisterei eine Sitzung abgehalien hat, wo die Vertreter der Wäschereibesitzer das Zugestäiidniß machten, daß das Gewerbe- g e r i ch t als E i n i g u n g s a in t angernfen werden soll, was die 'Arbeiterinnen gleich bei Beginn des Streiks ans Anregung unserer Parteigenossen vorgeschlagen hatten. Das Einignngeamt wird noch im Laufe dieser Woche znsaminentreteii. Aus Nürnberg meldet die„Fränk. Tagespost": In Nr. 5 der „D eZ» t s ch e ii M e i a l l a r b e i t e r- Z e i t» ii g" d. I. wurde unter der Rndrik„Feilenhauer" vor Zuzug nach der Werkstatt des Feilenhauermeisters Riedel, Snderstraße, Bremen, g e w a r n t. Darob fühlte sich der Feilenhanermeister Riechet, denn dieser war gemeint, beleidigt nnd strengte gegen den � Redakteur I. Scher in Privatklage an. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht stellle es sich heraus, daß Rieche! einem Gehilfe» nicht den versprochenen Lohn zahlte und daß dieser deshalb die Arbeit verließ, ans welchem Anlaß die Warnung vor Zuzug erfolgte. Der Slngeklagte bestritt, daß hier eine Beleidignngff vor- liege; die Leser der„Melallarbeiter-Zeitung" wüßten genau, um was es sich bei solchen Notizen handle; er habe nnr in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt. Wäre diese Notiz strasbar, so sei der§ 152 der Gewerbe-Ordnung illusorisch gemacht. Von klägerischer Seile ivnrde beionl, die Beleidigung liege darin, daß nicht gesagt wurde, wn Iii Iii der Zuzug serngehalte» werden sollte; nian habe dadurch der Phantasie der Leser den weiteste» Spielraum gewährt. Da bei anderen Firmen der Grund angegeben ivorden, so sei in diesem Falle auch die Absicht der Beleidigung er- kennbar. Wirklich lantele auch das Urlheil ans 50 M. Geldstrafe und Tragung der Koste» zc. Das Gerichl hat außer acht gelassen, daß de» wenigsten Unter- »ehinern damit gedient ist. wenn die Ursache von Differenzen in der Presse veröffentlicht wird. Solllen auch die höheren Gerichte ebenso eiilscheide» ivie das Nürnberger Schöffengericht, so wird der Jusiiz der Wille gethan werden müssen, aber durch die Veröffenilichuiig der Streiknrsache in allen Fällen wird manche Differenz, die Herne im Handumdrehe» beigelegt werden kann, sich zu einem langwierigen Kampfe auswachse». Ter Streik in den Gußstahlkugel-Werkcii SchtvabachS in Miltelsianken hat, wie das Sueikkoniilee bekannt giebt, leine Ursache in der Eullassnng von 28 meist verheiratheteu und gnr eingeschulten fleißigen Arbeitern der Nachischicht. Der Betriebsleiter Fries hatte dem Vertreter des MetaUarbeiter-Verbandes die Wieder- beschäftigung der Eiillafsene» zugesagt, die Geschäslsleitnng erkaniite aber dies« Vereinbarung nicht an, sondern diltirte, daß die Entlassenen nur nach nnd nach eingestellt iverden sollen. Darauf erklärten die gelernten Dreher und Schlosser, nicht eher die Arbeit aufzunehmen, bis ihre entlassenen Kollegen wieder aufgenomme» seien, und die Hilfsarbeiter traten in derselben Weise sür ihre Kollegen ein. Am 24. Mai wurde die Geschäflsleitung nochmals um Aufhebung der Entlassungen angegangen; das war »nisonst, nnd so stellte» 53 Arbeiter, darunter 27 Berheirathete, die Arbeit ein und nian beschloß, sie nicht eher wieder anszunehme», bis die Eiillasscnen wieder eingestellt sind, ferner die zehnstündige Arbeits- zeit, sowie ein Mindest- Stiindeiilohn von 30 Pf. für Schlosser und Dreher nnd ein solcher von 25 Pf. sür Hilssardeiter bewilligt ist. Ausland. Für die Advokatur- nnd Notariatöboamten Oesterreichs ist ein F a ch o r g a n geschaffen. Es betitelt sich„D e r S ch r e i b e r" und wird i» deutscher und czechischer Sprache i» B r ü n», Renner- gaffe 8, vorläufig monatlich einmal herausgegeben. In der ersten Nummer, die am 29. Mai erschien, wird das Prograuii» der inter- nationalen Sozialdemokratie als Richtschnur anerkannt nnd als sachliches Spezialprogramm folgendes aufgestellt: Gesetzliche'Regelung iiiiserer Arbeitsverhältnisse in nach- bezeichneten Richtungen: l. Achtstündiger Maximalarbeilstag, 2. voll ständige Sonntagsruhe, 3. Festsetzung einer mindestens einnionat- lichen Kündigungssrist, 4. Freigabe von täglich 2 Sliinden während der Dauer der Kündigungsfrist, 5. Festsetzung eines Mimmallohnes, 6. Einsetzung von Schiedsgerichten, 7. Errichtung von Arbeits- nachweisen, 8. Bersichernng gegen Arbeitslosigkeit, 9. Allers-, Jnvatiditäls-, Wiltwen» und Waisenversorgung, 10. Schaffung vo» Fachschulen, 11. Erlaß eines Verbotes der Aiinahme von Nebenbeschäftigungen aller Art für Pensionisten, Staats-, Landes- und sonstige öffentliche Beamte, 12. alle durch die sozialpolitische Gesetz- gebung für andere Berufe bereits geschaffenen oder noch z« schaffenden Vortheile und Einrichiungen. In Wien haben die Bediensteten der General- Omnibus« gesellschaft eine Reihe Forderungen gestellt, worauf der General- direkior erklärte, er sei selbst der Ansicht, daß etwas sür die Bs« dienstete» geschehen müsse, doch seien die Forderungen zu weitgehend/ so daß der in London sitzende Verwaltungsrath zn entscheiden habe. Die Forderungen der Bediensteten sind: Einsührung eines Maximal- Arbeitstages von zwölf Stunde»; Bezahlung der Heber- stunden mit 15 kr.; Einlheilung der Kutscher und Kondukteure in zwei Klassen; wöchenlliche Entlohnung, und zwar sollen erhalten Kutscher erster Klasse 12 fl., zweiter Klasse 10 fl., Kondukteure erster Klaffe 10 fl., ziveiter Klasse 9 fl., Pferdewärter erster Klasse 10 fl., zweiter Klasse 9 fl., die Vorreiter, Handkutscher und Uinspaiiner in der ersten Klasse 10 fl. und in der zweiten Klasse 9 fl; Abschaffung der„kleinen Strafen"; Errichtung eines Pensionsfonds, in den auch die Strafgelder zu fließen hätten; Einführung eines Schiedsgerichts. Die Lohnkommission der streikenden Arbeiter der chemi- sche» Fabriken Baselö bittet unter Hinweis auf die Solidarität, die diese Arbeilerkategorie trotz ihrer jungen Oiganisatio» schon bei verschiedene» Anlässe» belhätigt habe, die deutschen Gewerk- s ch a f t e n um Unterstützung. Gelder sind zu senden an Emil Pfister in Basel, Homburgerstr. II. Französische Streiks im April. Das Arbeilsamt verzeichnele im April 34 Streiks und eine Aussperrung. Im April des Vor- jahres zählte man 44 Streiks, die durchschnittliche Zahl für diesen Monat betrug in de» letzten vier Jahren 70. Die Zahl der Streikenden(bei 32 Konflikleu) belief sich ans 4123 gegenüber 3723 bei 44 Konfliklen des vorjährigen April. Die Diffeienz rührt her von dem groben Kohlengräber- Streik in Grand' Conibe, dessen Theilnehmerzahl das Arbeilsamt auf 2000 schätzt. Nur 12 Streiks betreffen mehr als eine Unternehmung. Von de» einzelnen Jndnstriezweigen weist die Textiliudnstrie, wie fast immer, die giößte Streikzahl auf(9). Darauf folgt die Bau-J»dnstrie mit den übliche» Frühjahrsstreiks(8), die' MelaNindnslrie mit 7 Streiks, die Verkehrsindnsirie niit zwei iinbedeutende» Streiks nnd nenn weitere Branchen mit je einem Slreik. darunter ein Landarbeiter- Ans st and ans Korsika mit 200 Theilnehmern(Forderung einer Lohnerhöhung), der nach eintägiger Dauer mißlang. Die Ursache» der Streiks waren, wie immer, ganz über- wiegend Lohnfragen. Das war der Fall in 20 Konfliklen, davon 19 Mal Forderung einer Lohnerhöhnng, 5 Mal Abivehr gegen eine Lohnherabsetzung und zwei andere Lohnstreiligkeile». Die Verkürzung der Arbeitszeit ivnrde in 2 Fälle» gefordert, die Aushebung des Stücklohns in 1 Falle. Personalfragen verursachten 4 Konflikte, Werkslätten-Ordnnng und Forderung der Abschaffung des Lohn- abzngs sür die Versichernngskasse je eine» Konflikt. Die Aus- s p e r r n n g betraf Färber in Calais, die sich geweigert halten, einen Revers zu unterzeichnen mit der Verpflichtung, keiner Gewerkschaft beizutreten. Nach 2 Tagen fügten sich die Ausgesperrte», mit Ausnahme von 10 Arbeitern, die denn auch ent- lassen wurde». Die Dauer der im April beendete» 33 Streiks, darunter 7 vorher begonnene, schivankte zwischen 1 und 66 Tagen. Der Ansgang dieser 33 Streiks war: 4 Erfolge, 17 Aus- gleiche und 12 Mißerfolge. Ans England wird uns geschrieben: Der Streik der H n f s ch»i i e d e L o n d o n s hat für die Geiverkschaft ungünstig geendet. Die Meister haben unter dem Zwang des guten Geschäfts-. ganges allerdings eine Lohuaufbessernng von 15—20 pCt. bewilligt, aber das hatten sie schon vor Erklärung des Streiks gethan. Alle Forderunge» darüber hinaus hat die Geiverkschaft falle» lassen müssen und mehrere hundert ihrer Mitglieder sind durch Nicht- gewerkschafter aus der Provinz ersetzt. Es ist keine gute Taktik, a» eiiiei» einzelnen Platz Lohnforderungen zu erheben, die außer allem Berhältniß zu den im Lande gezahlten Löhnen sind. Die Ver- führnng ist alsdann sür die außerhalb Arbeitenden zu groß, als daß ans ihr Fernbleibe» gerechnet werde» kann. Außerdem scheint das Slreikkoinitee auch in der Ueberschätzung seiner Machtposition allerhand Fehler gemacht zu haben. Die Achtstnndenbeweguiig der Masch inenbau-Arbe iter Londons hat schon einige Erfolge zu verzeichnen. Zehn größere Firmen mit zusammen 5000 bis 6000 Arbeitern haben den Acht- stimdeiitag bewilligt. Der Prinzipalverein dagegen hat erklärt, daß der vom Arbeilerkonulee gestellte Termin für die Beantivortnng des Antrages auf allgemeine Einführung des Achtstundentages viel zn kurz bemeffen sei und daher eine endgiltige Antwort nicht gegeben werden könne. Der Verein habe aber den Antrag in ernste Er- wägiing gezogen. In Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens, streiken die Möbel- schlosser der H o r n st e i n' sche» Fabrik(früher Gebrüder Grünfeld) wegen lv— 16 prozentiger Lohnherabsetzung. Der Ver» traiiensniann der Möbelschlosser Bnkarest's ersucht die deutsche» Fach- genossen, den Zuzug fernzuhalten. Soziales. Kommmiakisirmig des ApothekeuweseuS. Die Stadt- verivallnng von Worms hat sich entschlossen, in regelmäßigen Etappen des Bevölkerungszuivachses die dadurch nothwendig werdenden neuen Apotheken-Konzessionen durch die Stadt zu er- iverbe». Die gegenwärtigen drei Wormser Apotheken haben je 13 000 Einwohner zu versorgen. Die Stadtverordnelenversanniilung faßte am 21. Äipril den Beschluß, daß die erste städtische Apotheke errichtet werden soll, sobald Worms 36 000 Seelen zählt. Die Konzelsion sür die erste dieser städtischen Apotheken ist bereits am 28. April bei der Regierung beantragt worden. Depesrhen und letzke Mnchvichken. Frankfurt a. M., 31. Mai.(B. H.) Der„Franks. Gen.-Anz." meldet aus Darmftndt: Der Jagdpächier Daab von Groß-Bieberau, ein sechzigjähriger Man», halle gestern das Unglück, seinen Mitpächier, den Gutsbesitzer Simmemacher, ebenfalls ans Groß< Bieberau, auf der Jagd zu erschießen.'Als der»»glückliche Schütze sah. welches Unglück er angerichtet hatte, deckle er die Leiche des Erschossenen mit seineui Jagdrock zu nnd schoß sich selbst eine Kugel in den Kopf, so daß der Tod sofort eintrat. Der Schuß, den der Erschossene erhielt, ging direkt durch den Kopf. Wie», 31. Mai.(B. H.) In Wien- Neustadt explodirte im Magazin des Kanfmauils Lasmannsly durch Unvorsichtigkeit eines Komiius eine Quantität Pulver. Das Dach des Magazins wurde theilweise zerstört; der Kommis und das Söhnche» des KausmannZ trugen schwere Verletzungen davon. London, 31. Mai.(W. T. B.) Unterhaus. Der Parlaments- fekretär des Auswärtige», Cnrzon, erklärt, die Regierung unter- handle mit der belgischen Regierung über die besten Mittel, eine Erörterung zur Regelung des Handels mit Getränke» an der Westküste Afrika's zwischen de» dabei interessirte» Mächten herbei- zuführen. Das Unterhaus nahm die dritte Lesung der Bill an, durch welche den bedürftigen Volksschulen Staatshilfe geivährt wird. Die Pfingstferie» deS Oberhauses sind für die Zeit vom 3. bis 18. Juni festgesetzt. Koustantiuopel, 31. Mai.(B. H.) Die Nachrichten, welche einer hiesigen Bolschaft ans Athen zugehen, lassen erkennen, daß die griechische Regierung trotz der selbstbewußten Sprache einzelner Minister nichts sehnlicher als de» schnellen Friedensschluß herbeiwünsche. Finanzielle und wirthschastliche Motive spielen dabei die Hauptrolle. Ein finanzieller Zusammenbrnch stehe vor der Thür. Es drohe Hungers- noth, wenn Thessalien zur Erntezeit noch in den Händen der Türken sich befinde. Ans allen diesen Gründe» glaubt man, dnß die griechische Regierung die milden Friedensbedingungen, welche die Mächte empiohlen haben, gern annehmen würde. >6>!iani>vortlicher Nedalteur: Robert Schmidt in Berlin. Sür den Jnseratentherl verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu St Beilagen u. Unterhaltungsblatt. »r.125. ii ZchMg. i Stilllge des„Vllmillls" Ktllim WldsblM W-«?«g.l-I»it8S7. i». Unkzow. Sechster Verhandlungstag. Montng, 31. Mai. Borsitzeuder Landgerichts» Rath Röster eröffnet die Sitzung '»n 9 Uhr mit der Bemerkung, daß der Artikel der„Sölm Ztg." vom 28. April 1896, als dessen Versasser fälschlich Herr v. Huhn genannt worden war, nicht die Ueberschrift„Flügeladjutanten- Polilik" trage, sondern„Zum Schicksal der Militär- Strafprozeß« Novelle", Geh. Rcgicrungsrath b. Philippsbor». In Fortsetzung der Beweisaufnahme wird zunächst Geh. Re- giemngsrath v. P h i l i pps b o r ii aus dem Ministerium des Innern veriionimen. Er soll Aiiskinift über den wiederholt verlesenen nnonynien Brief geben, den v. Lützow im angeblichen Auftrage d e s T a u s ch an das Ministerium des Innern gerichtet hat. Der Zeuge erinnert sich, daß einmal ein anonymer Brief im Ministerium des Innern eingetroffen war, der Anschuldigungen gegen den Reichstags-Bureaudireklor Knaak enthielt, daß er nähere Beziehungen zu sozialdemokratischen und demokratischen Abgeordneten unterhalte. Des näheren kann sich der Zeuge nicht entsinnen. Er weiß nur, daß er damals den betreffenden Brief an den Polizeidirektor Eckhard Weiler gegeben hat; ob dert Inhalt dieses Briefes sich mit der bei den Akten befindlichen itlbschrift eines anonynien Briefes deckt, lann Zeuge bestimmt nicht sagen. Geh. Oberregierungörath Feiedheim Stellvertreter des Polizeipräsidenten: Als v. Tausch mit den Eriiiitleluugen über die Provenienz der Aiiikel der„Welt am Montag" betraut war, habe ich wiederholt mit ihm über die Angelegenheit gesprochen. Er lheilte mir eines Tages, ohne daß ich ihm durch eine Frage Anlaß gegeben hatte, mit: es sei erstaunlich, daß die Sache aus dem Auswärtigen Amte stammen solle. Er erklärte dabei, daß er die Nachricht von seinem Agenten habe, dessen Namen er nicht nannte.— Präs.: Ist das Dien st Vorschrift oder bloßes Herkommen, daß den Vorgesetzten die Namen der Agenten ver- schwiegen werden?— F r i e d h e i in: Ich führe das Präsidium ja nur in Vertretung, aber so viel ich weiß, existirt keine Dienst- Vorschrift.— Präs.: Also der Angeklagte hatte die Nachricht von der Herkunft aus dem Auswärtigen Anit für glaubhaft ge- halten? Zeuge: Nein; er drückte ja sein Erstaunen aus.— P r S s.: Er hat aber doch trotz der Unglaubhaftigkeit daran festgehaltcni?— Zeuge: Das weiß ich nicht so genau.— P rä s.: Hat er L e cke rt als den Urheber genannt?— Zeuge: Nse i u; er lernte ihn ja erst nach dem zweiten Artikel kennen.— P r ä s.: v. Tausch hielt also eiuerseits die Nachricht, daß Leckert im Auswärtigen Amt empfangen werde für unglaubhaft, und andererseits sie doch starr ausrecht, weil Leckert sich doch nicht so elwas.vollständig ans den Fingern saugen könnte. Aus Befragen erklärt der Zeuge weiter: Der Bericht, den der Angeklagte v. Tausch über diese ganze Affäre erstattet hat, ist vom Polizeipräsidenten im dienstlichen Interesse eingefordert worden. Ferner kann ich bestätige», daß v. Tausch das Bedauern darüber ausgedrückt hat, daß Herr v. Marschall ihm nicht»ine Audienz und damit die Möglichkeit ge« währe, die Annahme des Staatssekretärs, daß die politische Polizei Politik treibe, vollständig zu zerstreuen.— Präs.: War das vor oder nach Erscheinen des Artikels in der„W. a. M."?— Zeuge: Meiner Erinnerung nach erst nachher. Er hoffte auch, daß der Botschafter Graf Eulenburg ihm eine Audienz zu diesem Zweck« beim Staatssekretär Frhr. v. Marschall erwirken könnte.— Präs.: Hat er Ihnen auch von einem Brief« an Herrn Grafen Eulenburg erzählt?— Zeuge: Nein.— Präs.: Und daß er den Artikel der„W. a. M." an Eulenburg geschickt habe?— Zeuge: Nein. Als die Berhandlung im Leckert-Prozesse bevorstand, hat der Augeklagte v. Tausch seine Freude darüber ausgedrückt, daß es ihm nun möglich sein werde, vor aller Oeffentlichkeit klarzulegen, daß die politische Polizei keine politischen Jntriguen spinne oder überhanpt Politik treibe. Als der viel erwähnte Artikel im„Berliner Tage- b I a t t" erschienen war, hat sich v. Tausch mir gegenüber beklagt, daß Dr. Levysohn eine vertrauliche Mittheilung.die er diesem gemacht und bei der ihm ausdrücklich Diskretion zugesagt war, nun doch in seiner Zeitung veröffentlicht habe und noch dazu unrichtig, v. Tausch hatte damals besonders betont, daß er deni Dr. Levyfohn nicht gesagt habe.jL e ck e r t werde im Auswärtigen Amt empfangen. und v. Tausch fügte hinzu, daß, wer die ganze Persönlichkeit des Leckert gesehen, unmöglich annehmen könne, daß dieser junge Mann im Auswärtigen Amte empfangeii werde. Friedheim i» Widerspruch mit seiner früheren Aussage. Präs.: In der Voruntersuchung haben Sie aber ausdrücklich angegeben, daß Sie die Stellen nicht mehr bezeichnen könnten, die v. Tausch speziell als unrichtig bezeichnet habe. Damals, in verhältnißmäßig kürzerer Zeit nach dem Vorgang, erinnerten Sie sich der Stellen also nicht mehr, jetzt aber sehr genau?— Zeuge: Ja, heute ist es mirfe st erinner- lich; ich habe seitdem sehr viel darüber nach- gedacht und gewissenhaft geprüft!— Präs.: Haben Sie denn v. Tausch nicht nahegelegt, er möge die Notiz doch be- richtigen?— Zeuge: Dazu hatte ich keine Veranlassung; ich hatte dienstlich ja nickls damit zu thun. Nachdem der Zeuge noch sein LeumundSzeugniß zu g u n st e n von Tausch'? abgegeben, erscheint Botschafter Graf Philipp zu Enlenbnrg. Ich habe den Herrn v. Tausch in Abbazia kennen gelernt und hier und da mit ihm mich unterhalten. Ich halte es nicht gerade für unwahrscheinlich, daß ich einem Polizeikommissar,„der voch alle Geheimnisf« der Erde kennt", einmal gesagt habe:„Wenn Sie einmal etwas Interessantes wissen, theilen Sie es mir mit". Eine positive Erinnerung an jene Aeußerung habe ich nicht. Der Zeuge verbreitet sich dann über die Ordensvermitteluiig. Als mir Herr v. Tausch den Ausschnitt aus der„Welt am Montag" zuschickte, welcher meinen Vetter, den Hofmarschall, betraf, hatte ich nicht den Eindruck, daß eine besondere I n l r i g u e oder sonst etwas dahinter liege. Die daran geknüpfte Bitte, ihn zu enipfangen, erschien mir gar nicht anfsällig.— Präs.: Ist es nicht befremdlich, daß der Angeklagte Ihnen damit dankbar erscheinen wollte, daß er«inen Artikel Ihnen übersandte, der einen Ihrer Verwandte» einer unehreiihafleii Handlung bezichtigte? In- dem er selber angeblich de» ganzen Artikel für Unsinn hielt?— Zeuge: Danach habe ich nicht gesucht. Ich»ahm an, daß v.Tausch glaubte, mir mit der Uebersendung des Artikels einen Gefallen zu erweisen. Ich hatte kein Interesse daran, die Quelle des Artikels näher kennen zu lernen und habe meinerseits keine Anfrage nach dieser Richtung hin weiter an v. Tausch gerichtet. Der Botschafter wird hierauf entlassen. Herr Generalsekretär Bueck, Tausch'? Kueipgenosse. Ich habe in den achtziger Jahren bei Siechen verkehrt und lernte an dem Stammtisch auch Herrn v. Tausch kennen. Ich habe gerne mit ihm verkehrt und habe gesehen, daß er in der Gesell- fchast dort eine gute und angesehene Stellung einnahm. Er war keineswegs ein sogenannter Erzähler, sondern hat, wenn die Sprache auf öffentliche Dinge kam, stets große Zurückhaltung be- wahrt. I» den etwa z w ö l f I a h r e n, die ich Herrn v. Tausch kenne, habe ich nie etwas Unwahrhaftes oder Unehreuhafles an ihm entdeckt. Ich traf ihn dort sogar noch während des Prozesses Leckert— Lützow.— Präs.: Hat er auch dort erzählt, daß der Prozeß eigentlich gegen ihn gerichtet sei?— Bueck: Das weiß ich nicht. Die Industrielle» zahlen au Schweinburg»ur 3000 M. pro Jahr. Staatsanwalt Dr. E g e r: Hat Ihnen der Angeklagte v. Tausch einmal davon gesprochen, daß Herr Victor Schweinburg von dem Zentralverbande der Industriellen eine Ent- schädigung von jährlich 30 000 M. erhalte?— Zeuge: Ich weiß nur, daß Ende der achtiger Jahre einmal in der Presse das Gerücht verbreitet wurde, Herr Schweinburg erhalte vom Zentralverbande 30 000 M. jährlich. Ob Herr v. Tausch auch diese Behauptung aufgestellt, weiß ich nicht, ich weiß aber, daß die Behauptung durchaus falsch war.— Staatsanwalt Dr. E g e r: Darf ich bitten, uns kurz die Verhältnisse Schweinburg's zu Generalkonsul A n n e k e anzugeben?— Zeuge: Sehr gern. Herr Schweinburg liefert nach einem mit ihm geschlossenen Abkommen zwölf Exemplare seiner„Berliner Politischen Nachrichten" an den Zentralverband der deutschen Industriellen und empfängt dafür jährlich 3000 M. Zur Bekämpfung der Sozialdemokratie erhält Schweinburg von den Industriellen weitere IS 000 M. pro Jahr. Zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hat der Zentralverband ferner eine kleinere Korrespondenz ins Leben gerufen, welche Herr Schweinburg unter dem Namen„Neue Neichskorrespondenz" heraus- giebt. Diese ist gänzlich unabhängig von den„Berk. Pol. Nachr." Herr Schweinburg hat sich durch Vertrag verpflichtet, diese„Neue Reichskorrespondenz kostenfrei an etwa 400 kleine Zeitungen der Provinz, deren Redakteure ja doch nur mit der Scheere ar- b e i t e n können, zu versenden und in jeder Nninnier mindestens einen gegen die Sozialdemokratie und deren Tendenzen gerichteten Artikel zu bringen. Wir haben geglaubt, daß wir auf diese Weise am wirksamsten der Sozialdemokratie entgegentreten können. Für diese Korrespondenz, die Herr Schweinburg zweinial wöchentlich herzustellen hat, erhält er von m i r im Auftrage des Zenlralverbandes m o n a t l i ch 1000 M a r k. Die Diskonto- Gesellschaft ist nur unsere Geldvermittelungsstelle.— Staatsanwalt Dr. E g e r: Haben Sie damals mit Herrn Schwein- bnrg darüber gesprochen, wen er für den Urheber jenes Gerüchts hieli?— Z e ii g e: Das erinnere ich mich nicht.— Rechtsanwalt Dr. S e I l o: Kennen Sie den sonst üblichen Preis, der für den Bezug der„Br. Pol. N." zu zahlen ist?— Zeuge: Nein, ich weiß nur, daß der Preis verschieden ist. Mir ist gesagt worden, daß in einzelnen Fällen bis zu S00 M. bezahlt wird. Polizeipräsident V. Wiiidhci»». Präs.: Geben Sie zunächst in kurzen Umrissen ein Bild von den Aufgaben, die die politische Polizei zu erfüllen hat.— Zeuge: Sie war früher ein Theil des Zentralbnreaus und ist seit 1879 eine selbständige Abtheilung geworden, mit ciiieni selbständigen Leiter. Dazu tritt ein Chef der Exekutive, der früher Herr v. Mauderode war und jetzt Graf Siillfried ist. Diesen: sind 10 Kommissare, eine Anzahl Wachtmeister und Schutzleute zngetheilt. Eine eigentliche D i e n st i n st r u k t i o n giebt es für die Kommissare nicht. es liegt in der Natur der Sache, daß dem Takt, der Umsicht und der Er- sahrung der Kriminalkommissare ei» weiter Spielraum gelassen wird. Die von den Kommissaren nugenomiiieuen Agenten werden von den ersteren bezahlt und die Quillnng wird dem Chef der Exekution eingereicht. Es ist richtig, daß die Namen der Agenten dem Polizei- Präsidenten nicht genannt werben, um den Präsidenten vollständig rückensrei zu lassen. Ueber die Verfolgung unsauberer Agenten. Präs.: Wer entscheidet, ob ein Agent, wenn er sich in Aus- Übung seines Berufes strafbarer Handlungen schuldig gemacht hat, strafrechtlich verfolgt wird oder nicht, da doch die Polizei an sich zur itlnzeige und zum Einschreiten verpflichtet ist.— Wind hei in: Mir ist noch nie eine solche Mittheilung ge- macht worden.— Prä s.: Kann ein Kommissar zu der An- ficht gekommen sein, daß nach seiner Meinung es mehr im staatlichen Jiileresse liegt, geringfügigere Versehlnngen eines Agenten nicht zur Anzeige zu bringen, als sie an die große Glocke zu bringen?— Zeuge: Wenn ein Agent solche Versehlnngen begangen hat, die ihn als unzuverlässig gezeigt haben, dann wird er eben entlassen. — Präs.: Ja, v. Tausch hat uns gesagt; die b e st e n Agenten seien die n n s a u b e r sten; wenn nun so ein Agent ent- lassen wird, so kann doch vielleicht bei dem Koinmissar die Frage entstehen, ob der Mann, der nun alles � mög- liche in Erfahrung gebracht hat, nicht große und dem Staats- interesse znividerlaufende Indiskretionen begehen könnte. Ist es nun möglich, daß ein solcher Kommissar in solchem Falle selbständig die Entscheidung trifft, daß im Staatsinteresse von einer Straf- anzeige Abstand zu nehmen sei?— Z e u g e: D a s kann wohl sein. Ich denke aber, in solchem Falle wird der Kriiniiialkomniissar mit dem Chef der Exekution Berathung pflegen und mit diesem gemeinsam die Entscheidung treffen.— Angeklagter v. Tausch: Ich habe aus der Bemerkiing des Obersten Gäbe, daß das Kriegs- Ministerium kein Interesse mehr an der weiteren Verfolgung der Sache habe, entnommen, daß es nicht im Staatsinteresse liege, weitere Schritte zu thun.— Präs.: Halten Sie, Herr Präsident, den Kriminalkommissar für verpflichtet, in solchen Fällen mit dem Chef der Exekutive zu berathen?— Zeuge: Von einer Ver- p f l i ch t u u g glaube ich, kann nicht d i e R e d e sein. Ich habe nur andeuten wollen, daß ich glaube, es sei eine Sache des Taktes und der eigenen Sicherheit des Kriininalkommissars, wenn dieser in Ziveifelsällen sich mit dem Chef der Exekutiv« in Ver- biiidung setzt. Ueber den Artikel im„Berliner Tageblatt". Präs.: Was wissen Sie, Herr Präsident, von den Aeuße- rungen des Angeklagten v. Tausch über den Artikel im „Berliner Tageblatt" und von der Stellungnahme des Angeklagten zu dem in dem Artikel enthaltenen Satze:„Leckert wird im Auswärtigen Amte empfangen."— Zeuge: Geheimrath Muhl, der damals beauslragl worden vor, Herrn v. Tausch zu Aeußerungen über diese Sache zu ver- anlassen, hatte nur mitgetheilt. daß Herr v. Tausch aufs entschiedenste bestreite, Herrn Levyfohn etwas gesagt zu haben.— Präs.: Haben Sie mit Herrn v. Tausch auch persönlich darüber gesprochen oder haben Sie sich nicht gewundert, daß Herr v. Tausch nicht für eine Berichtigung dieser falschen Nachricht Sorge trug?— Zeuge: Ich glaube nicht, daß ich mit Herrn v. Tausch persönlich darüber ge- sprachen habe. Von einer Berichtigung des Artikels im„Tageblatt" war keine Rede. Ich habe auch dem ganzen Artikel damals keine so große B.e d e u t» n g beigelegt. Später habe ich ja gesehen, daß auch dieser Artikel ein Steinchen mehr in dem Bau der Anschuldigungen gegen das Auswärtige Amt bilden konnte.— Präsident: Der Angeklagte v. Tausch hat doch aber selbst dieser Levysohn-Affäre eine sehr große Bedeutung beigelegt, wie seine Bemerkungen zu den Zeugen Liman und Harden beweisen, daß er das Opfer dieses Prozesses werden soll.— Zeuge: Ich weiß nur, daß Herr v. Tausch damals den Standpunkt vertrat: er würde doch nicht so dumm sein, Herrn Levysohn, dessen freundliche Beziehungen zum Auswärtigen Amte er ja kannte, eine solche Mittheilung zu machen, denn er mußte ja doch annehmen, daß Herr Levysohn sofort dem Auswärtigen Amte Meldung machen würde. Ich muß sagen, daß ich damals diesen Standpunkt für einen ganz richtigen hielt. Ueber die Nicht in eldung bei Mini st er Kölker. Präs.: Wie stellen Sie sich zu der Behaiiptung des An- geklagten, daß er dem Minister des Innern von seinen Recherchen in der Kukutsch-Sache nichts mitgetheilt habe, weil er Sie im Vor- zimmer des Ministers traf und nicht glaubte, daß er über Ihren Kops hinweg derartige Mittheilungen machen dürste.— Zeuge: Ich kann beim besten Willen keine Rechenschaft mehr darüber ablegen, welche Erwägungen m i ch damals dazu bestimmt haben mögen, über diese Angelegenheit z u s ch w e i g e n. Es mag vielleicht der Gesichtspunkt maßgebend für mich gewesen sein, daß nach meiner Ansicht die Sache erledigt sei und ich kein Interesse daran haben konnte, die einmal vorhanden gewesenen und glücklich beigelegten Differenzen— so nenne ich sie— zwischen zwei Ministern aufs neue aufleben zu lassen. Aber, wie gesagt, ich kann mir heute selbst keine Rechenschaft mehr über die mich leitenden Gesichtspunkte ablegen.— Präs.: Dann würde das für Tausch belastende Moment, das darin gesunden wird, daß v. Tausch dem Minister des Innern keine Mittheilung geniacht habe, wegfallen?— Zeuge: Wenn in dieser Beziehung überhaupt eine Schuld vorliegen sollte, dann müßte sie auf mich fallen. Ueber den eigentlichen Zweck des Prozesse? Leckert-Lützom. Präs.: Wie stellen Sie sich zu der Annahm- v. Tausch's, daß im Prozeß Leckert- Lützow die politische Polizei bezüglich v. Tausch selber der e i g e n t l i ch e A n g e k l a g t e war?— v. Windheim: Dazu hatte Herr v. Tausch allen G r n n d. Man brauchte nur die damals erschienenen Artikel in den Zeitungen, z. B.„Köln. Ztg.".„Frankfurter Ztg.".«ßaiinoi». Courier" ic. zu lesen. Seine Situation war sehr gefährlich. Ich bin selber dergleichen Ansicht wie v. Tausch ge- w e s e n. Ueber den Bericht v. T a u s ch'S. Präs.: Haben Sie Herrn v. Tausch nicht den Auftrag ge- geben, Ihnen genauen Bericht über die ganze Angelegenheit, die die Artikel der„Welt am Montag" betraf, zu er- statten?— Z e u g e: Ja wohl; ich hatte den ganzen Fall gewisser- maßen entstehen sehen und glaubte, daß wir durch loyale Be- dienung des Auswärtigen Amtes die politische Polizei von dem auf ihr ruhenden Verdacht reinigen könnten. Herr v. Tausch erstattete dann seinen acht Seiten langen Bericht. Ich überbrachte den Bericht an Herrn v. Marschall, der mich bat, ihm denselben zu überlasse». Dazu war ich nicht in der Lage, da ich erst mit Herr» v. d. Recke Rücksprache nehmen mußte.— Präs.: Hat Herr v. Tausch bei dieser Gelegenheit mit Ihnen über seine Beziehungen zu dem Botschafter Grafen zu Eulenburg gesprochen? Der Angekl. v. Lützow behauptet ja, v. Tausch habe durch Eulenburg die Artikel an den Kais er bringen lassen wollen.— Zeuge: Der Au geklagte erzählte mir, daß Graf Eulenburg nach Berlin komme und dann vielleicht eine Vermittlerrolle für ihn beim Auswärtigen Amt übernehmen würde. Wann das war, weiß ich nicht.— Präs.: War der Augeklagte dem Kricgsministeriuni überwiesen und konnte er sich snr berechtigt halten, eine Urkundensälschung nicht zu verfolgen, wenn er meinte, der Kriegsminister wolle die Sache begraben sein lassen. — Zeuge: Ich kann darüber keine Auskunft geben, das ist eine Sache der persönlichen Auffassung. Instruktionen hierfür existiren nicht. Herr v. Tausch war dem Großen General« stabe, dem Kriegsministeriiim und dem Marine- Amt zngetheilt, er hatte damit natürlich nicht ausgehört, königl. preußischer Kriminal- konimissaritts zu sein. Präs.: Können Sie uns etwas über den Charakter des v. Tausch mittheilen?— Zeuge: Ich kann nur sagen, daß ich ihn als einen geschickten, zuverlässigen und ehren- haften Beamten kennen gelernt habe. In einem Falle freilich war eine gewisse Neigung zur Eitelkeit und Selbstüberhebung nicht zu verkennen, ein gewisses Verkennen seiner Stellung gegen- über seinem Dienstvorgesetzten. Er war eben etwas verwöhnt durch seine eigenartige Stellung, die es mit sich brachte, daß er über die Köpfe seiner direkten Vorgesetzten hinweg oft i» persönliche Beziehung mit mir und anderen Behörden trat. Selbst für mich war es bei der eigenartigen Stellung des Herrn v. Tausch sehr schwierig, zu verlangen, daß er die Dinge stets auf dem ordnungsgemäßen Dienstwege erledigte. Es giebt eine ganze Menge von Dingen aus seiner amtlichen Thätigkeit, bei denen es ihrer Natur nach mir selbst wünschenswerlh erscheint, daß möglichst wenige darüber unter- richtet werden und ich möglichst direkt darüber Vortrag bekonime.— Ueber das Disziplinarverfahren wider«.Tausch- Ans Befragen des O b e r st a a t s a n w a l t s bekundet der Polizeipräsident, daß s. Z. allerdings in diszipliiiarem Wege das Verhalten des v. Tausch dem Redakteur Schweinburg gegenüber, mit dem er dienstlich zu thun und trotzdem Geld- g e s ch ä f t e mit ihm gemacht habe, Gegenstand der Erörterungen gewesen ist und daß der Minister des Innern es für angezeigt ge- halten hat, dem Angeklagten v.Tausch eine Verwarnung zu t h e i l w e r d e n z n l a s s e n. So viel er wisse, sei eine förmliche Disziplinarstrafe nicht erfolgt. Ueber die Einzelheiten der Akten sei er nicht informirt, sie spielen im Jahre 1892— also lange vor meinem Amtsantritt— es handle sich um die Behauptung eines Erprossniigöversuches.— Der Oberstaatsanwalt erklärt, daß ihm die Diszipliuarakten vorliegen und zu vertraulicher E i n s i ch t n a h in e überlassen worden seien. Er habe bisher davon keinen Gebrauch geniacht und sei aus die ganze An- gelegeuheit nur eingegangen, weil sie der Angeklagte s e l b st angeregt hatle. Ei» Konflikt zwischen Staatsanwalt und Nevtheidiger. Weiter erklärt der Zeuge, daß er von der Kn kutsch- Quittung erst in der H a u p t v e r h a n d l u n g des Leckert- Prozesses Kenntniß erhalten habe.— Rechtsanwalt Dr. L n b f z y n s k i erklärt, daß dies mit einer im stenographischen Berichte enthaltenen Aeußerung des Oberstaatsauwalls nicht recht in Einklang zu bringen sei, wonach der Oberstaatsanwalt erklärte, schon zwei Tage vorher mit dem Herrn Polizeipräsidenten darüber gesprochen zu haben, und wünscht AnSkunft darüber, wie der Oberstaatsanwalt zu jener Aeußerung gekommen sei.— Oberstaatsanwalt: Ich werde hier in einer eigeiithümlichen Weise provozirt. Ich weiß nicht, soll ich mich hier verantworten, oder soll ich hier als Zeuge vernominen werden? Dann möge der Vertheidiger deutlicher reden, was er eigentlich will. Auf diese Provokation gehe ich aber nicht ein.— Rechtsanwalt Dr. L n b s z y n s k i entschuldigt sich, daß er mir A u f k l ä r u n g er- beten haben wolle.— Der Oberstaatsanwalt giebt dann die Auf- klärnng dahin ab, daß diese Aeußerung eben am letzten Verhandlungs« tage gefallen sei. Rechisanwalt Dr. L u b s z y n s k i: Herr Polizei-Präsident, Sie haben erwähnt, daß Herr v. Tausch Ihnen den Leckert vorgeführt hat, um Ihnen durch dessen ganze Persönlichkeit vor Augen zu führen, daß er unmöglich einen Hintennann in der Person des Herrn v. Mar- schall haben konnte. Ist dies aus eigenem Antriebe deS Herrn v. Tausch geschehen?— Zeuge v. W i n d h e i in: Jawohl, ich erinnere mich, daß Herr v. Tausch eines Tages zu mir ins Bureau kam und zu mir sagte, daß er soeben Leckert veriionimen habe, ob ich mir den„grünen Jungen" eiiimal ansehen wolle. Das habe ich dann gethan.— Rechtsanwalt L u b s z y n s k i: Hatten denn der Herr Polizeipräsident die Ansicht, daß dieser kleine grüne Mann eine» großen Hintermann hinter sich hatte?— Zeuge v. Windheini: Ich war allerdings der Ansicht, daß er sich den Inhalt der Artikel nicht völlig aus den Fingern gesogen haben könnte. Politische Polizei»nd Brieffälschnng. Rechtsanwalt Lubszynski: Ich muß jetzt einen Umstand erwähnen, welcher, wenn auch nicht direkt mit dem Prozesse und der Schuldfrage zusammenhängt, so doch für das Straf- in a ß in betreff des Angeklagten v. Lützow in bctracht kommen kann. Ich beabsichtige in meinem Pläidoyer die Behauptung auf- zustellen, daß d i e P o l i z e i s» ch n i ch t s ch e u t, zur Erreichung pciuiffet Zwecke auch gefälschte Briefe zu benutzen. Der Journalist Wedekiud giebt eine Korrespondenz heraus— die nur au eine k l e i n e Ll rr z a h l b e sl i in>» l e r h o h e r Personen geht—, bei der er durch Miltheilungen hoch- stehender Persönlichkeiten unterstützt wird. Ter Polizei war nun darum zu thnn. eine Nununer der 5torrespondenz zu erlange», und um diese» Zweck zu erreichen, sandte sie einen Brief a» Wedekind, der die gefälschteUnlerschrift des ilt e i ch s t a g s-A b g e o r d- neten Grafen E armer trug. Diesem Boten händigte Wedekind auch eine Nnminer ans. Wedekind beschuldigte»»» Lntzviv dieser Fälschung und Lützoiv wurde Nim von derselben Polizei ver- nomine», welche die Fälschung veranlasste. Ist dem Herr» Polizeipräsidenten von diesem Vorgänge etwas bekannt?— Oberst a a t L a n w a l t: Ich bedauere lebhaft, daß der Herr Ver- theidiger einen Vorgang i» die Verhandlung hineinzieht, von dem er selbst sagt, daß derselbe für die Schuldsrage des Herrn v. Lntzow von keiner Bedeutung ist. Ich weist ja, daß v. Lützoiv bestrebt gc- wesen ist, auch de» Angeklagten v.Tausch i» diese Affäre hineinzuziehen, in der Voruntersuchung stellte sich aber evident heraus, daß v. Tausch nicht damit in Verbindung steht, sondern durch Lützow erst damit in Verbindung gebracht wurde. �ch erwartete von der Loyalität des Aertheidigers, daher nach unserer Besprechung dieses Vorganges keine Erwähnung thun werde. Wie ich annehme, hat er jetzt diese» Punkt nur herangezogen, um Sensation zu errege», denn ich vermag nicht einzusehen, wie er dadurch etwas für seine» Klienten erreichen inill, wenn er etwas heranzieht, was zui» Nachtheil des Herrn v. Lützow spricht. Außerdem muß ich bemerke!,, daß ich in wiederholter persönlicher Rück- spräche mit dem Herrn Verlheidiger dahin übereingekomnie» bin, dieses völlig harinloscu und jeder politischeu Bedeutnug cut- veyreudeil Porgaugcö im Laufe der Verhandlung keine Er- wähuung zu thun.— Ltechtsanwalt L u b sz y n s k i(in erregtem Tone): xich muß mich entschiede» dagegen verwahre», daß der Herr Ober- staatsanwalt mir unterstellt, daß ichSensation hervorrufen wolle. Dieser Vorwurf entbehrt— Präs.: Ich verbitte mir entschieden diesen n n g e b l'i hr end en Ton und spreche ebenfalls mein Bedauern aus, daß dieser Punkt in die Verhandlung hineingezogen wurde. Bisher habe ich die Verhandlung mit einer Objektivität geleitet, die in der Presse sogar als„ängstlich" gekennzeichnet wurde. Wenn der Herr Vertheidiger in diesem Tone fortfährt, muß ich ihn m eine Ordnungsstrafe nehmen.— Rechtsanwalt L n b s z y n S k i: Herr Präsident, ich habe von vornherein getagt, daß ich die Frage nur anrege, da sie nach meiner Meinung auf das Strafniaß von Einflliß sein kann. Ich wollte zeigen, daß hier die Polizei genau von d e r F ä l s ch u» g d e s Briefes Kenntniß hatte und dennoch v. Lützow verantwort- l i ch vernäh m. Wenn die Polizeibehörde, welcher Lützow unter- stand, selbst zu solchen Mittel» greift, so kann doch siegen ihn die Kukutsch-Asfäre nicht unter gleichem Gesichtspunkt wie rn anderen Fällen beurlheilt werden. Mindestens hat es also Ein- flnß auf die Höhe des Strafmaßes ilnd es war meine Pflicht, dies zu g n n st e» des A n g e k l a g t e>» geltend zu »lache n. Rechtsanwalt Dr. Sello erklärt, daß die Bertheidigung Tausch's nun ein sehr aktuelles Interesse daran habe, näheres Über diese Affäre zu erhallen.— Angell. v. L ü tzo w appellirt au den Präsideuten, ihm das Wort zu gestatten, da ihm die Erörterung dieser Angelegenheit höchst wichtig sei. Ich mustle im Auftrage des v. T a u s ch zwei- oder dreimal Nachrichten laucire». Die W e d e- k i n d' sche Korrespondenz kam ans dre. Gründe» in Frage; erstens ging sie nur in die ersten Hos kreise, zweitens an den F n r st e n v o n F N r st e n b e r g, den bekannten Freund des Kaisers und drittens, da Wedekind auch Korrespondent amerikanischer Blätter ist, in Ausland. Eines Tages beauftragte mich Herr v. Tausch, durch Wede- Ii nb die Nachricht in die Presse zu bringen, daß der Reichskanzler F ü r st Hohenlohe aus der Privat- schatulle des Kaisers seinen Slallhalter- Gehalt von 10ä 000 Mark weiter beziehe. Wedekind lehnte die Aufnahme aber ab. Einmal sollte ich auch eine N u m m e r der Kor- respoudenz stehlen. Herr v. Tausch beziehentlich die Polizeibehörde schlugen dann eine» anderen Weg ein.... — Präsident(dazwischenfallend): Behörden schlagen überhaupt keine Wege ein. Die Sache ist erledigt.— v. L ü tz o iv(forlfahrend), da rief mich v. Tausch eines Tages zu sich und sagte mir: Wedekind hat Sie wegen der Brief- fälschung angezeigt. Geben Sie ruhig der Wahrheit gemäß zu Protokoll, daß Sie nichts davon wissen. Später, nach der Ver- uehuiuug, frug er mich: Na, wie haben Sie ausgesagt? Ich sagte es, dann erwiderte er: Gut, die Sache ist von uns hier gemacht worden. Aber der Verdacht, daß ich die Fälschung des Briefes be- gangen, hat bestanden.— Präs.: Aber heute besteht er nicht. — Lützow: Als angeklagter Fälscher muß ich doch zeigen, wie ich zu solchen„Listen" durch die Polizei ost mißbraucht worden bin.— Präs.: Es wird ja Sache der Gesch>vorenen sein, zu beurtheilen, ob Sie oder Herr v. Tausch glaubwürdig s i n d. Selbst wenn Sie diese Behauptung beiveisen, beweist dies wider die gegenwärtige Anklage garnichts. Oberstaatsanwalt Drescher: Ich möchte doch noch zu dem ganzen Zwischenfall eine Bemerkung machen. Ich habe für meine Behauptung Beweise, wenn Herr Lubszinski sie in Abrede stellen sollte. Man wird mir in der Oefsentlichkeit voriverfen, daß ich geflissentlich hier etwas von der öffentlichen Ver- Handlung fern hallen möchte. Fruktifizirt wird ja die Angelegenheit sicher werde». Der Herr Vertheidiger wird sehr bald die Ergüsse der Blätter einer gewissen Richtung zu Gesichle bekommen. Ich habe mich eifrig bemüht und glaubte es auch erreicht zu haben, daß die Angelegenheit Wedekind, die gar keinen politischen Charakter und wirklich ziemlich harmlos ist, nicht zur Sprache gebracht werde, weil sie mit dieser Auklagefache gar nicht in Berührung steht und eine Behandlung derselben nur der Sensationslust dienen würde. Man wird mir nicht vorwerfen können, daß ich Angeklagte schone: dazu habe ich in meinem langen amtlichen Leben noch niemals Veranlassung gegeben und ich kann die h e i l i g st e V e r s i ch e r u n g abgeben, daß ich, auch wenn die Sache noch so skandalös iväre und gleichgiltig, ob sie s ü r oder gegen unsere Ausfastung Folgerungen ergeben würde, sicher davon Gebranch gemacht hätte, selbst auf die Gefahr hin, wenn es irgendwie mit der Sache zusamnieuhinge. Der Herr Vertheidiger müßte aber doch mit mir aus den Akten gesehen haben, daß dies keiuesivegs der Fall ist. Ich war also der festen Ansicht, daß um des Skandals «villen die Sache nicht zur Verhandlung k o in ni e n müsse. Ich habe diese Ansicht dem Herrn Vertheidiger ausgedrückt und glaubte, auch dessen Zustimmung zu haben. Er muß aber «vohl seine Ansicht geändert habe», den» Herr Wedekiud theilte mir brieflich mit, daß»ach ihm gewordener Mittheilung der Vertheidiger ihn doch vorzuladen beabsichtigte. Ich habe mich darauf hin nochmals mit de in Vertheidiger in Verbindung gesetzt und habe es wiederholt, als Herr Wedekind plötzlich wirklich vorgeladen wurde. Ich hielt die Sache damit für erledigt. Ich bleibe also bei meiner Dar- stellung.— Rechtsamvalt Dr. L u b s z y n s k y: Ich b e- streite zunächst entschieden, daß. nachdem ich Herrn Wedekind vorgeladen, ich auch nur noch ein Wort über diese Sache mit dem Herrn Oberstaatsanwalt gesprochen habe. Nachdem der letztere hier aussprechen durste, daß das, was ich hier vorzubringen für meine Pflicht hielt,»ur der Seiisalionslust entspringe und nach- dem der Herr Borsitzeude gesagt hat, daß er mein Vorgehen bedauert, muß ich, trotzdem ich sechs Monate emsige» Fleißes ans dies« Sache verwendet habe, doch die Ve r t h e i d l g u u g nlederlegen, da mir unter diesen Umständen eine fernere Führung derselben der Sache nicht förderlich erscheint. Der Vertheidiger verläßt den Saal.... Der Polizeipräsident wird entlassea, auf die Vernehmung de! Geh. Raths Christ wird verzichtet.— v. T a u s ch erklärt, daß er von diesem Briese nichts gewußt habe. Mittagspause. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärt der Vorsitzende: Durch die plötzliche MaiidatSuiederlegung des Rechtsamvalts Dr. Lnbszynsky und durch die daran sich knüpfende Er- klarung des Rechtsanivalts Dr. Holz, daß er Bedenken trage, die Verlheidignng unter diese» Umfläilden nlleiu weiter zu führen, da sein Mitverthjjdiger dem Zlngekl. v. Lützoiv schon in, Vorprozesse zur Seite gestanden, sind Schivierigkeiten ent- standen, die vielleicht dazu führen konnten, daß die Anklage- fache gegen v. L» tz o>v abgetrennt werden m ü ß t e. Es hat dies Veranlassung gegeben, init Herrn Dr. Lnbszynski eine Aussprache zu halten. Nachdem inir die Gründe bekannt gegeben worden sind, die Herrn Dr. Lnbszynski zu seinen Anssührungen veranlaßt haben, nehme ich keinen Anstand zu erklären, daß,>venn mir diese Gründe vorher bekannt gegeben wären, ich keinen An- laß gehabt hätte, sei» Vorgehe» als ein bedauerliches zu crllären.— Oberstaatsanwalt Drescher: Mit Nücksicht darauf, daß ich der Meinung bin, daß eine Trennung der Sachen oder eine Vertagung absolut zu vermeiden ist und i» Erwägung der Er- klärungen des Dr. Lnbszynski habe ich meinerseits zu erklären, daß ich den Vorwurf, als habe Dr. Lnbszynski die Wedekind'sche Angelegenheit nur ans Sensationslust vorgebracht, nicht mehr ausrecht erhalte.— Präs.: Ich denke, unter diesen Umständen wird Rechtsanwalt Dr. Lnbszynski den Zwischen- fall als erledigt betrachten können.— Rechtsanwalt Dr. Lub- s z y n s k i: Ich nehme unter diesen Umständen die Vertheidigung wieder auf. Fink, Redakteur der„Post". Der folgende Zeuge ist der Redakteur Fink. Am zweiten Ver- Handlungstage hatte der Angeklagte v. Tausch behauptet, daß der Angeklagte v. Lützow mit dem Zeugen Fink eine Korrespondenz habe ins Leben rufen«volle». Der Zeuge erklärte nnn ausdrücklich, daß zivischc» ihm und dem Angeklagten— ivie auch bereits von dem letzleren bestätigt ivorden sei— niemals hiervon die Rede gc- wesen sei. Der Chef des Herr», V. Tausch. Es folgt die Vernehmung des Geh. Polizreiraths Muhl, der zunächst im wesentlichen die Angaben bestätigt und die Ansichte» theill, welche der Polizeipräsident v. Windheim in betreff der von Leckert in die Presse laneirten Artikel geäußert hat. Auch dieser Zeuge ist von dem Angeklagte» v. Tausch ersucht worden, sich Leckerl einmal anzusehen, v. Tausch habe dabei gesagt:„Und dieser grüne Junge will von Herrn v. Marschall empfangen sein?"— Der Präsident macht darauf aufmerksam, daß dies am 10. Oktober gewesen und es daher auffällig sei, wenn v. Tausch am 21. Oktober dem Dr. Levy- söhn gegenüber die positive Behauptung ausgestellt herben sollte, Leckert sei von Herrn v. Marschall empfangen worden. Der Zeuge hat dann vom Präsidenten den Auftrag erhalten, den v. Tausch über seine Mittheilung an Levysohn zu befragen. Bei dieser Gelegenheit habe Tausch ausS entschiedenste bestritten, gesagt z» haben, daß Leekerl im Auswärtigen Amt empfangen«verde und hinzugesetzt, ob man denn glaube, daß er so dumm sein«verde. Die weiteren Aussage» dieses Zeugen scheinen dem Zlngekl. v. Tausch nicht ungünstig zn sein, er ist jedoch am Berichterstatter- Tische absolut nicht zu verstehe«. Richtig sei es, daß die Name» der Agenten von den Koinmifsaren geheim gehalten werden; er selbst habe gar kein Gelüste danach, sie kennen zu lerne». denn die ganze Sache sei auf Vertrane» aufgebaut und er brauche die Name» nicht zn wissen. Was die Pflicht zur Straf. anzeige betrifft, so scheint der Zenge der Ansicht zn sein, daß es sich hier in diesem Falle um eine kriegsniinistericlle Angelegenheit Handelle, die v. Tausch zu erledigen hatte, weil er dem Kriegs- Ministerium zugelheiit war. In diesem Fall« dürste die Pflicht zur Anzeige des Agenten nicht vorgelegen haben, v. Tausch sei ein eifriger und fleißiger Beamter geivesen, bei dessen Berichten man aber manchmal z w e i f e l- hast«var,»vas Schlußsolgerungen und>vas That- fachen waren. Er pflegte manchmal fehlende Binde- glieder ans seiner eigene» Ken»» iß der Dinge heraus a u sz u f ü l l e».— Präs.: Unter diesen Umsteiiidcn ist es dann aiich wohl leichter geivesen, die Berichte anderer zu glauben, als ein nüchterner Beurtheiler der Dinge?— Z e u g e: Das ist wohl möglich.— Aus Befragen des Rechtsanwalts Dr. Holz erklärt der Zenge, daß Personalakten über die Polizei- Agenle» nicht geführt und die Ouillmigen derselben nur einige Zeit lang von dem Vorsitzenden der Exekution in seinem Geldschrank« aufbewahrt iverdeu. (Schluß im Hauptblatt.) Valmles. Unser Kollege Rolaud-Tierl, der die Segnungen der deutschen Majestätsgesetze und des September- und Sedaukurses mit 15 Monate» Gefängniß zn bezahlen hatte, kehrt heule in die prenßisch-deutsche Freiheit zurück— das heißt aus dem kleinen Ge- sängniß i» das große. Wir wollen hoffe», daß die lange Freiheils- beraubnng de» tief in den Sechzigen stehenden Mitkämpfer, der ohne Murre», und stolz im Bewießtsei» erfüllter Pflicht, die Leiden und Entbehrungen des Kerkers getragen hat, nicht dauernden Schade» an seiner Gesundheit zugefügt habe. Wir freuen uns, den treuen Genossen»vieder in unserer Milte begrüße» zn können, und rufen ihm ein herzliches W i l l k o m m e»! z».— Damit verläßt der letzte unserer iuhaftirl gewesenen lliedalteure die Bastille am Plötzensee und außerdem können wir die leider ebenso seltene That- fache konstalire», daß zur Zeit gegen den„Vorwärts" nicht ein einziges strafrechtliches Verfahre» anhängig ist. Sozialdemokratischer Wahlverei» für de» 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Bekanntlich ist der Wahlverein für unseren Kreis«vieder freigegeben und derselbe hat somit seine Thätigkeit wieder aufgenommen. Der unterzeichnete Borstand giebt nunmehr bekannt, daß bis ans«veiteres folgende Zahlstellen eingerichtet worden sind: Schönhauser Vorstavt: Lietzke, Schioedterstr. 33; E. Schmidt, Treskowstr. 24; A u g U st i», Kastanien- Allee II. Rosen thaler Vorstadt: O. Bach- gänger, Swinemünderstr. 120, und Rosin, Rnppinerstr. 42. Oranienburger Borstadt: Pfeifer, Echlvartzkopsstr. 1 1; E. Dieke, Ackerstr. 123,»»d Hilgen seid, Bergstr. 60. Gesundbrunnen: H a s e r l a n d, Bellermannstr. 87; Her- man», Pnttbuserstr. 45, und T Hill mann, Sandstr. Ib. Wedding: F. G l e i u e r t, Müllersir. 7a; T a» s ch e l, Wiesen- straße 28, nnd Heising, Schulstr. 114 M o a b i t: M. F a b e r. Stephaustr. 11; G. Renfer. Benffelslr. ,29; Pfarr, Pnlllitz- straße 9, und Köhler, Calvinstr. II.— In obigen Zahlstelle» werden Mitglieder ausgenomme» und Beiträge erhoben. t Der Vorstand. Arbeiter Ti>»gerb»ud Berlins und der Umgegend. I» der am Sonntag de» 30. Mai nach der Uebungsstunde siallgefnudene» Ausfchußsitzung des Bundes wurde Herr Richard B l o b e l mit großer Majorität zum Bundesdirigeuten gewählt. Die Gemeiudcschul-Lchrcriunru beschweren sich bitter über die Zurücksetzung, die ihnen nach den Magistralsbeschlüssen bei der erneuten lliegelung der Gehaltsfrage zn theil geworden ist. Während die Lehrer,«vie die ineisten anderen Beamten, 9 Altersstufen haben, in denen Gehaltserhöhungen erfolgen, soll es bei den Lehrerinnen nur in 7 Stufen erfolgen, so daß das Höchstgehalt außerordentlich gering bleibt. Ebenso soll den Lehrerinnen auch i» der Folge weder ihre Dienstzeit als Hospitantin. noch ihre an Privalschulen geleistete Arbeil bei der Berechnung ihrer Pension in Anrechnung gebracht werden, während dies bei de» Lehrern geschieht. Die Lehrerinnen gelangen daher.durchweg«rst in einem Alter(26—27 Jahren) zur Anstellung mit dem niedrigsten Gehalt, i»»velckem die Lehrer bereits durchweg in höhere Stufen aufgerückt sind. Die Forderung der Lehrerinnen nach Anrechnung ihrer gesammten thatfächliche» Dienstzeil scheint nur eine durchaus billige; denn wir sehen nicht die mindeste Veranlassung außer der brutalen Macht, daß die Stadt auf Kosten dieser geplagte» Geschöpfe Ersparnisse macht. Geradezu als Höh» empfinde» die Lehrerinnen die Art nnd Weise, wie sich die Magistralsvorschläge mit der Gesetzesbesliuunung, daß eine Wohnuugseutschädigung festgesetzt werde» müsse, absinden. Bisher betrug das erste feste Gehalt, in dessen Genuß sie nach mehr« jähriger Thätigkeit gelangten. 1200 M. Da jetzt eine Wohnungs- enlschädigung bewilligt werden muß, will der Dtagistrat das Gehalt einfach auf 900 M. herabsetze» und 300 M. als Wohnungs- cnlschädianng betrachten— in der That, eine herrliche Reform! Dabei ist»och zu bedenken, daß die WohuungSentschädigung nicht zum pcnsionsberechiigle» Einkommen gehören soll, so daß die Stadt bei dieser Reform»och ei» vortheilhastes Geschäft macht. Wir wolle» hoffen, daß in der lStadtverordneten-Bersammlung, die die Magistratsvorschläge am Donnerstag zu beralhe» hat, einige der unbilligsten Maßregeln eine Korrektur erfahren. Im übrige» aber geben wir den Lehrerinnen den Rath, ihre Jnlereffen, die mit denen des Proletariats zusammenfallen, durch eine starke Organisation zu förder». Leider leiden viele dieser Damen noch an einem sehr unberechtigten Standesdünkel, und nur langsam bricht sich i» ihren Reihen die Ueberzeugung Bahn, daß sie nicht weniger bezahlte Lohnsklave» sind, als ihre noch viel ärmlicher entlohnten Schivestern, die sich i» der direktesten Form in der Fabrik müssen ausbeuten lasse». Als eine fromme HilfStruppe der Stumm- Konsorten und der anderen Volksfeinde, welche mit dem»eneil V e r i u s g e s e tz das letzte Slümpfchen Versammlungsrecht abwürge» möchten, hat sich in diesen Tagen der hier existirende christliche Zeitschrift« n- v erein entpuppt. Schon seit längerer Zeit sieht diese Organisation den, Ansckei» nach weit weniger ihre Ausgabe darin, das Christenthum, als die Profitwuth vor dem„Umsturz" zu schützen. So tolpaischig, ivie es nur eine elende Sache werlh ist,«vurden nanientlich für die Landbevölkerung Flugblätter abgefaßt, i» denen die blöden Schimpsereien auf die immer stärker anwachsende Sozial- demokralie schier lein Ende nehmen«volllen. Auch in dem neuen Flugblatt, das die Ueberschrift trägt:„Das Vereinsgesctz, Schutz gegen Umsturz, keine Reaktion" kommt u»sere Partei derart übel iveg, daß man annehmen könnte, entweder König Stumm oder Pastor Schall sei der Urheber der Albernheiten. Aber auch die „Demokratie" und vor allem der deutsche Reichstag wird böse an- gebelfert. Uns Sozialdemokraten kann das thörichte Gepolter der fromme» Unternehmerdiener ja nun wenig kümmern; ihr unbändiger Zorn beiveist nur. daß«vir vorwärts schreite». Aber an sich hätten «vir die Leute nicht für so dumm gehalten, daß sie es durch A»- preisung des neuesten reaktionären Würginstrnnieuts auch mit den weiteste» bürgerlichen Kreisen verderbe». Tic Bcrlincr Gesangvercine.Maiengrün",„Apoll" und „Königstädlische Liedertafel" veranstalten am 2. Pstngstfeiertage im Lokal„Schwarzer Adler" in Friedrichsberg ein Früh- lonzert und versuchen hierzu unter der Berliner Arbeiterschaft Billels abzusetzen. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß der In- Haber des genannten Lokals zu den Saalverweigerern gehört. Die Lokalkommissiou. I. A.: Mahle. Feste über Feste werde» in diesem gebenedeiten Zeilalter preußischer Glückseligkeit begangen. Am Sonntag war wiederum eine kirchlich-inilitärische Feierlichkeit nnd zwar a»S dem Grunde, weil die Garnisonkirche in der Neuen Friedrichslraße 175 Jahre alt geworden war. Wie herrlich nnd tvonnevoll ließe es sich doch für einen Gutgesinnten leben,«venu die Harmonie der schwarz-weißen Sphären nicht durch die vertrackte Sozialdemokratie gestört wurde! „Koustailtinopcl" i»« Belleakliauce- Theater. ES war er- klärlich, daß die große Kuustbarbarei, die während des vorjährige» AussteUnugstrubels so erfolgreich im Olympia- Theater begangen wurde, zur Nachahmung anreizte. So bat sich denn im Belleallianee- Theater ein Unternehmen anfgethan zu dem Zweck, durch Mafien« ballcls möglichst grob aus den an sich schon nicht besonders ivohl- gepflegten Schaust»» des DurchschniltspnbUknms einzuwirken. Die tanplsache bei derarligen Kunstieistnugen ist außer der roh bemalten einwand der Trikot; die Handlung bleibt etwas so nebensächliches, daß sie nebst Personenverzeichniß und Titel überhaupt fortbleiben könnte. In„Konstantiilvpel"— so beißt das am Sonntag zuerst ansgesührte Schaustück— spielt ei» Rixdorfer Linoleumfabrikaut neben dem Balletkorps eine derart uuansgeliärte Rolle, daß das Publikum auf dem Platze blieb und«rst durch Herablaffen des eiserne» Vorhanges belehrt«verde» mußte, daß es keine Fortsetzung mehr gebe. Was nun das Ballet an sich betrifft, so machte die kleine Bühne es dem Unter» nehmen schon schwer, mit dem Riesenstall, in dem sich voriges Jahr das Olympia-Thealer etablirt hatte, zu kouknrriren. AnKamecle.Elepbanten und Pferde, diesem unentbehrlichen Beiwerk einer modernen Zirkusbühne, war nun schon garnichl zn denken. Trotzdem, oder auch vielleicht desivegen, wurden neben viele» Dingen, die noch nicht recht klappen wollten, einige recht hübsche Grnppirungen erzielt; ganz besondere» Beifall erwarb sich ein Fest, das bei dem türkischen Sultan spielte und leider gar traurig mit der Ermordung dieses erlauchten Polenlale» schloß. Wie es heißt, soll dies Stück Kunst dem Publikum zweimal täglich offerirl werden. Ob dies Vorhaben durchgeführt werden kann, mag billig zu bezweifeln sein. Alle Jahr ist kein Ausstellnngs- trnbel, nnd der Fremde, der der Wissenschast ivegen»ach der Gegend des schönen Krenzgebirges hinauspilgert,«vird ziemlich acht- los an den Kunstgenüssen vorbei gehen, die neben der große» Dragonerkaserne seiner harren. Für den Pfingstvrrkehr sei darauf hingewiesen, daß die Sonntags-Rückfahrkarten auoer am| Sonulage auch am ziveiten Pfingstfeiertage ausgegeben werden. In bezng a»if die Größe der Theater hat sich Berlin im Laufe der Zell völlig in das Hintertreffen drängen lassen. Gegen- ivärtig zählen zu de» größten Theater» Deutschlands das Nene Leipziger Stadt- Theater(etiva 2000 Plätze), das Opernhaus in Frankfurt a. M.(1000 Plätze), das Sladt- Theater in Köln(1700), das Nene königl. Opern- Theater i» Berlin(l660 Plätze, leider in einem beträchtlichen Thcile recht schlecht), das königl. Theater in Hannover(1056 Plätze). Bon den beiden alten königl. Theatern in Berlin enthält das Opernhaus 1544, das Schauspielhaus gar nur 1044 Plätze. Bon Berliner Privat- Theatern seien das Berliner Theater mit 1580, das Thealer Unter den Linde» ulit 1432, das Schiller-Thealer mit 1286, das Lesstng- Theater mit 1136 Plätzen genannt. Ter Opernsänger Franz Krolop ist hier am Sonntag Mittag an de» Folge» einer Darinoperalion gestorben. Krolop. der 1839 zu Trvja in Böhmen geboren«vnrde, ließ sich 1861 i» Wien zum Sänger ausbilden und wurde 1872 für das Berliner Opernhans gewonnen. Berheirathet»var er seit 1368 mit der hier engagirt gelvesenen Sängerin Vilm« v. Boggeuhuber. Krolop trat»anientltch in Spielopern und j» Werken der ältere» Schule aus; zuletzt gab er am 24. Mai den Oberlhal in Meyerbeer'S„Prophet". Bon der Bühne mußte er an diesem Abend ins Krankenhans gebracht werde», wo er wider alles Erwarten seinem Leide» erlegen ist. Durch einen Preßkohlenstapcl verschüttet. Gester» Nach- mittag wurde die Feumvehr nach dem Hanse Stephanftraße 24 gerufen, ivo die ans dem Hose in einer Laube sitzenden Carl Engels- dorf, Carl Hochheim, Carl Größer, Paul Haute und die uiiverebe- lichie Einum Honte durch einen auf dem Nachbargrundstück aufgestellten, ins Rutsche» gekommenen Preßkohleustapel überschüllel «vurden. Emma Haute, welche unter den von den Kohlen nieder- gerissenen AbgrenzungSzau» zu liege» kam, wurde sofort von der Feuerwehr ans ihrer gefährlichen Lage besreit und hat gluck- licherweise keinerlei Verletzungen erhallen. Auch die übrigen waren mit leichten Verletzungen an den Köpfen und Beine» davon» gekonime». «ine»naufgeklärte Blntthat wird aus der Andreasstraße gemeldet. S!ii« Eonnabend Abend wurden dem dort wohnend«,, Arbeiter R. von dem bei ihm in Schlafstelle ivohnenden Tischler W. fünf schwere Messerwunden beigebracht, von denen nainenllich eine am Kopf« und eine am Arm zu ernsten Besürchluiigcn Anlaß gebe««. Da bev Verletzte bisher nicht veruehnnuigssähig war und der Thäter sich gefliichlet hat, konnte über Veranlassung und Hergang des Vor- falls keine Ansklärung herbeigeführt werden. Eine fast zu schincichelhafte Anerkenunug wird der sozial- deniokralischei» Agitation von fronuner Seile gezollt.„In dem Ephoralberichte an die Kreissynode II, den Snpcrinte»det l-io. Kreidig gestern erstattete, sagte er u. a. nach der„Post": Die sozialdemokratische Agitation arbeitet mit zielbewußter Sicherheit und mit alle» gesetzlich erlaubte» Mitteln auf die Entchriftlichung der Arbeiter- Massen hin. Wer in den Werkstätten und Fabriken, in den Destil- lalionen nnd den massenhasten gewerkschnstlichen Vereins-Versamm- lnuge», bei Begräbnissen nnd Arbeiterfestlichleiten die geringschätzigen Urtheile über Bibel und Religion, Kirche und Geistlichkeit Tag für Tag mit anhört, der muß endlich dahin kommen, daß ihm Tause, Trauung und Konfirmation nur werthlose Förmlichkeiten werden, auf die er um der damit verknüpften Umstände willen lieber verzichtet. Neben dieser Unlerströmung aber wirkt fast»och stärker das Anschivellen des W e l t l e b e n s. Während ein Kirchbau ein Ereigniß(!) bei uns ist, wachsen die Stätten der Genußsucht und der Sünde wie Pilze aus der Erde. Und im Sommer scheint der Sonntag Nach- mittag nnd Abend mir dazu da zu sein, daß sich die Ströme der Hunderttausende hinaus ins Freie ergießen. In einer solchen Zeit wird es niemand wundernehmen, wenn die Kirche nicht gerade große Siege in ihre Tagebücher zu ver- zeichnen hat." Sollten die Frommen, für die Polizei und Landgendarmen allerdings schon so viel getha» haben, daß ihnen zu thnn fast nichts mehr übrig bleibt, nicht nächstens mit dem Antrage komme», daß zu gunsten der entschwundenen Religiofität der Grunewald des Sonntags durch Behelmte abgesperrt werden möge? Im übrigen ist nur zu konstatiren, daß die Frommen von der antireligiösen Agitation unserer Parteigenosse»»nehr Aufhebens mache», als sie eigentlich verdient. So große Würdigung, wie mau nach dem mitgelheilte» Berichte annehmen sollte, legt die Sozial- demokratie der evangelischen Orthodoxie, die nur mit Hilse der Staatsautorität auf den Beinen steht, wahrlich nicht bei! Betreffs Ncucinthcilniig der Gcmeiudcwahlbezirke find die Protokolle des Ausschusses zur Vorberathung der bezüglichen Vorlage der Stadtverordneten- Berfammlnng gestern zugegangen. Der Ausschuß hat bekanntlich beschlossen, die Versammlung möge den Magistrat ersuchen, die Anzahl der Stadtverordneten vom 1. Januar löSS ab um 18, und zwar in jeder Abtheilung um je 6, zu vermehren. Eine Vorführung des Nettungs- und Krankentransport- Apparats der Berliner Unfallstationen erfolgte am Sonntag Mittag auf dem Bötzow'schen Brauereigrundstücl vor einem ge- ladenen Publikum. Es sollte das Zusammenwirken der Unfall- statiouen mit der Sanitätskolonne vom Rothen Kreuz nnd mit Pflegerinnen des Vaterländischen Frauenvereins veranschaulicht werde», und zu diesem Zwecke war in dem Brauerei- betriebe«ine Dampflessel-Explosion markirt worden. Während die Feuerwehr im Innern des Gebäudes die ersten Rettungsversuche unternahm, traf der Arzt der nächsten Unfallstation ein; ihm folgte der Krankenwagen aus dem Depot der Station und dann kamen das Hilsspersonal, die Saniläts- kolonne, sowie die Pflegerinnen in stattlicher Anzahl. Inzwischen waren auch die Wagen der übrige» Stationen angelaugt, so daß schließlich elf Aerzte und vierzig Begleiter des Hilfspersonals außer den zwanzig Begleitmannschasteu der zehn Wagen zur Stelle waren. Die nüt Eifer begonnene Arbeit der Hilfeleistung gab dann ein Bild von dem Wirken der Unsallstalionen. Wir wollen hoffen, daß die bestehende Organisation im Ernstfall« ebenso prompt einspringen wird, wie bei der Sountagsvorstellung, die selbstverständlich nur geeignet war, die Einrichtungen nicht aber die Leistungsfähigkeit des geuaunten Instituts zu ver- anschaulichen. Nach Beendigung des„Unglücksfalles" wurden die zehn neuen Krankenlransportwagen der Unsallstalion vorgeführt, die in der That so praktisch wie nur wünschenswerth eingerichtet zu sei» scheinen. Strahensperruug. Die Schwedterftraße von Schönhauser Allee bis Chrisiiuenstraße wird behufs provisorischer Umpflasternng vom L. Juni ds. IS. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Zwei Eisenbahn-Unfälle mit traurigen Folgen haben sich gester», Montag, auf dem Tempelhoser Güter« Rangirbahuhof ereignet. Um 10 Uhr vormittags wurde der öö Jahre alte Rangir- weister Appel aus Schöneberg von einem Güterzuge gesaßt und unter einen anderen Güterzug geschleudert, der aus der eutgegengesetzten Richtung kam. Mit Blitzesschnelle sprang ei» Heizer hinzu, faßte de» Verunglückte», zog ihn noch aus dem Zuge heraus, bevor die Räder ihn berührten, und rettet« ihn vor dem sicheren Tode. Immerhin wurde Appel am Rücken schwer verletzt und mußte von zwei Arbeitern in seine Woh- nung gebracht werden.— Noch schlimmer lies der zweite Unfall aus. Um 3 Uhr nachmittags befanden sich der LSjährige geprüfte Heizer Kietzer aus der Kolonnenstraße nnd der etwa 2b Jahre alt« Heizer Döring aus der Gueisenaustraße auf der Maschine. Rr. 1719, Kietzer als Führer. Die Maschine zog eine» 47 Achsen starke» Güterzug auf das sogenannte» Ausziehgele, se zivische» Tempel. bof nnd Lankwitz. An der Schwarzen Brücke gab der Lokomotiv- fiihrer das Zeiche» zum Bremsen, das jedoch nicht rechtzeitig befolgt wurde. Die Maschine rannte gegen den Prcllbock,»nd die 47 Achsen drückten mächtig nach. Kietzer stand an der Thür seiner drei- achsigen Lokomotive ohne Tender. Die nachkommenden Wagen drückten den Kaste» der Maschine ein und zerquetschte» dem Manne beide Beine und die rechte Hand. Das rechte Bein war unterhalb des Knies vollständig zermalmt, das Fleisch vom ganze» Schenkel abgeschält. Das linke Bein ist ebenfalls so schwer verletzt, daß es fraglich ist, ob inan es wird erhalten können; auch die rechte Hand wird voraus- sichtlich abgenommen werde» müssen, wenn der Verunglückte über- Haupt so lange an, Leben bleibt. Der Heizer Döring erlitt Quetschungen und Abschürfungen an der linke» Körperseite. Die Verletzten wurden mit einem Rettungswagen nach Berlin und von der Möckernstraße aus mit einem Tragkorbe nach dem Elisabeth- Krankenhause gebracht. Die Maschine ist ganz zertrümmert, selbst die Räder fehlten ihr. Der obere Theil sitzt auf dem Prellbock fest. Die Wagen sind zum lhell ineinandergeschoben. lieber cineu Angriff auf einen Schutzmann wird polizeilich berichtet: I» der Nacht zu gestern kam es in der Stroinstraße zu einer argen Ausschreitung. Als dort ein Schutzmann einen Mann wegen Belästigung einer Frauensperson sistiren wollte, griff der LI Jahre alte Arbeiter Krägler aus Weißensee den Beamten thütlich an und reizte seine Genossen zum Angriff gegen diesen auf. Der Beamte wurde von hinten mit Stöcke» geschlagen und mußte, als schließlich eine Person aus der auf etwa ISO Mensche» angewachsenen Menge mit einem Messer auf ihn eindrang, zu seiner Bertheidigung den Säbel ziehen und mehrmals um sich schlagen. Dabei erhielt die 47 Jahre alte Arbeiterfrau Metzke, in derBredowstraße wohnhaft, die ihm augeblich zu Hilfe kommen wollte, eine» Schlag über die Hand, der eine leichte Fleischwunde verursachte. Erst mit Hilfe zweier anderen Schutzleute gelang es, den Krägler zu verhaften, der eigentliche Ur- Heber des Skandals hatte sich indessen gefluchtet. Eilt Bootöungliick hat sich gester» in der 11. Vormittagsstunde auf der Spree bei der Lutherbrücke zugetragen. Ein Mann und eine Frau, die in einem Boote umherfubre», versuchten, dieses an den Handkahn einer von einem Dampfer geschleppten Zille anzu- binde»; dabei kenterte ihr Boot. Während es herbeieilenden Schiffern gelang, die Frau aus dem Wasser zu ziehen, blieb der Mann verschwunden. Religiöser Wahnsinn. Die„Voss. Ztg." schreibt: Eine arge Störung erlitt am Sonntag der Hauptgottesdienst in der Luther- kirche. Während der Liturgie begann plötzlich eine Frau von, Chor herab mit überlauter Stimme zu sprechen; sie klagte sich als große Sünderin an und forderte die Gemeinde zur Buße aus. Erst nach einiger Zeit gelang es den Kirchenbeamte», die offenbar hochgradig überreizte Person aus der Kirche zu schaffen. Brände. Die Feuerwehr mußte am Sonntag mehrfach in Thätigkeil treten. Mittags mußte ein kleines Feuer im Grand-Hotel Alexanderplatz gelöscht rverden. Nachmittags um 5 Uhr wurde die Wehr nach der Etephanftr. L4 gerufen. Dort war ein kleines Btädchen durch Umstürzen eines großen Stapels Preßkohle» ver- schüttet nnd mußte, nachdem die Feuerwehr es herausgeholt halte, einem Arzt übergeben werden. Nachts um 11 Uhr brannte die Blumen- und Putzfedernsabrik von L. Döhuert.sOrauienstr. 31; dieses Feuer konnte erst nach längerer Löscharbeit bewältigt werden. Der Schaden ist erheblich, indeß durch Versicherung gedeckt. Arbeitcrrisiko. Einen Absturz erlitt der Maurer August Dammasch aus der Oranienstr. 63 auf dem Neubau für das Land- rathsamt des Kreises Niederbarnim am Friedrich-Karlufer, neben dem ehemalige» Zirkus Schumann. Er siel aus der Höhe des ersten Stockwerks in de» Keller des Hauses nnd erlitt so erhebliche Ver- letzungen, daß er in der Charit«« Ausnahme suche» mußte. Tie Auöstcllnug Transvaal am Knrfürsteudamm wird am Donnerstag Nachmittag eröffnet werden. Eine Karawane aus Transvaal ist dieser Tage eingetroffen. Die Ausstellungsleitung verspricht, daß mehrere Burenfamilie», 150 Eingeborene(Hottentotten, Buschmänner, Matabele und Bassuto), sonne einige Hindu von der Insel Mauritius anwesend sei» werde». In der Aus- stellnng sind außerdem Zebras, Strauße, Antilope», Treckstiere ec. vorhanden. Theater. Die Mitglieder der„Freien Volksbühne" werden nochinats daraus ausmerlsain gemacht, daß die Vorstellung der ersten Ab- theiluim am Donncrslag Abend im Thalia-Theater abgehalten wird. Die Vorstellung des„G'ivtssenswunn" von Anzengruber beginnt punkt 8 Uhr.— Herr Leopold Deutsch ist für ein erneutes Gastspiel im Thalia-Theater ge- Wonnen ivorden. Er wird an beiden Psingslfeiertagcn in dem mit großem Beifall aufgenommenen Schwank„Rothe Zettel" den Theaterdirektor StaniSlau Wenzel spiele».— Im Ostend-Tbeater besteht das Repertoir sür diese Woche aus:„Die Räuber", Maria Stuart" und„Dorf und Stadt". Am Sonnabend bleibt das Theater wegen Vorberettung zur Novität„Unsere Rcichspost" geschlossen.— Das Schiller-Theater bringt heute eine Wiederholung von Mvllisre's Lustspiel„Der eiiigevildeie Kranke" und Vergas„Baueruehre".— Im Bolkstheater gastirt am Mittwoch, den 2. Juni die Soubrette des Königsberger Stadttheatcrs, Frl. Gertrud Matnschla in„Auf eigenen Füßen" als„Lieschen Spröde".— Im A P o l lo- T h e at c r werden einige neue Spezialitäten eingesührt. Der Gesangskomiker Gustav Reuter gastirt wieder; außerdem wird natürlich „Venus auf Erden" gegeben. Ans de» Nnchdavorte». Friedenau. Die Versammlung, welche sür morgen angezeigt war, ist von der Behörde verboten ivorden; baupolizeiliche Gründe sind als maßgebend angeführt worden. Sonntag Rachmittag stürzte auf der Wannseebahn auf freier Sirecke zwischen Friedenau und Steglitz kurz vor der Einfahrt in Steglitz ein Heizer von der Maschine und trug anscheinend bedeutende Verletzungen am Kopf« davon. Bewußtlos ivurde er nach Steglitz gebracht, wo ein mitfahrender Arzt ihm den ersten Verband anlegte." Ztohe Burschen haben Sonntag Abend zivische» Friedenau und Steglitz ans einen durchgehenden Zug der Potsdamer Stammbahn mittels eines Teschings geschossen. Die Kugel durchschlug die Fensterscheibe eines Koupces 11. Klaffe. Zum Glück wurde niemand verletzt. Auf dem Zweirad fvom Schlage getroffen ist am Sonntag Nachmittag der 14jShrige Sohn Georg des Hausbesitzers Jung aus der Berlinerstraße 6 zu Tcmpelhof. Der Knabe war»ach Marien- dorf gefahren nnd mußte»ach schneller Fahrt in einer Schank- wirthschafl nur ein Glas Wasser bitten, da ihm umvohl geivorden >var. Da sein Zustand sich in der Wirthschafl noch verschlechterte, so nahmen Banerslnite ihn mit in ihren Ponnywagen und brachten ihn in die elterliche Wohnung. Als der Vater vom Begräbuiß eines Freundes um 4 Uhr nach Hause kam, war sein Sohn bereits gestorben. Ein Neberfall erregte in der Nacht zum Montag auf dem Grundstück Hauplstr. 4 zu Schöneberg Anisehen. Hier wohnt seit etwa einem Jahre die 43 Jahre alte Answärterin Emma Jonas mit einem 3>/, jährige» Töchlercheu, zwei Schlafburschen und ihrem 34 Jahre alten Bräntigam, der als Arbeiter Franz Lukaczewitz ans dem Kreise Jnowrazlaiv angeineldet ist. Am Sonnabend vor acht Tagen bezog an demselben Flur im Erdgeschoß des Seiteuflugels der 54 Jahre alte William Simpkins mit seinem achtzehn- jährigen Sohne Richard eine Stube. Simpkins war mit seiner Nachbarin wegen der Flurbenntznng in Streit gerathe» und Lukaczeivitz hatte erklärt, daß er mit ihm„abrechnen" iverde. Um Mitlernacht erregte ein entsetzlicher Lärm die Beivohner und bald fand man Simpkins furchtbar zugerichtet vor. Der Sänvcrverletzte wurde auf die Polizeiwache und dann in das Elisabeth-Krankenhaus geschafft. Lukaczeivitz ist verhaftet worden. Ter Lungenheilstätte»- Verein vom Rothe» Kreuz hat die Errichtung einer weiteren Heilstätte in Grabowfee bei Oranienburg beschlossen und den Bau derselben der Firma Selberg u. Schlüter, Berlin, übertragen. / Gerusjfcs�Settung. Wegen schwerer bezw. gemeinschaftlicher Körpcrdcrletznug hatten sich gestern die Maurer Ernst Kopsch aus Schöneberg und Otto T h i e r ck s aus Friedenau vor der zweiten Straskainmer am Landgericht II z» verantworten. Beide Augeklagten arbeiteten im Oktober auf einem Neubau i» Steglitz, woselbst auch der Maurer Bremer in Arbeit trat. Bremer hatte schon früher auf einem anderen Baue mit Kopsch und Schwerdecke zusammen gearbeitet nnd will von diesen, weil er sich au der Bewegung wegen Herbeiführung der lOstüudigeu Arbeitszeit nicht betheiligen wollte, beschimpft und bedroht worden sein. Dies erzählte er dem Polier der neuen Arbeitsstätte, was zur Folge halte, daß Kopsch und Schwerdecke sofort entlassen wurden. Das war am Abend des LS. Oktober. Im Interesse der gemäß- regelten beide» Kollege» legten nun sämmtliche Arbeiter des Baues die Arbeit nieder. Als man sich nach Feierabend in der Baubude zusammenfand, um das Werkzeug einzupacken nnd auch Bremer an- wesend war, bemerkte Kopsch:„Wegen eines solchen Lumpe» werde» Familien auf die Straße geivorfen!" Ein anderer rief dazu:„Löscht doch das Licht aus!" Dieser Wink wurde im Handumdrehen befolgt, und nun erhielt Bremer mittels eines harten scharjkantigen Gegenstandes— wie sich später herausstellte, einer Wasserwaage— einen Schlag über de» Kopf,� daß er zu Boden stürzte. An der Erde will er noch mehr Schlüge nnd Fußtritte erhalten haben. Ans der Richtung der Schläge will Bremer den Schluß gezogen haben, daß ihm Kopsch den Schlag auf de» Kopf und daß ihm Thierks die Fußtritte ver- setzt habe. Ee behauptete ferner in der ersten Verhandlung vor dem Schöffengericht, daß er seit jener Verletzung an häustae» Kramv f- anfälle» leide, die ihn fast völlig arbeitsunfähig machten. Diese Angabe bewog das Schöffengericht, sich für unzuständig zw erklären und die Sache an die Strafkammer zu veriveisen. In der heutigen Hanplverhandlung führte der Vertheidiger, Rechtsanwalt H e r z f e l d, mehrere Zeuge» vor, welche bekundete», daß Bremer an den von ihm behaupteten krankhaften Zufälle» schon seil Jahren leide und diese die Folgen einer Schlägerei seien, in welche Bremer im Jahr« 1SSL verwickelt worden sei. Der Gerichtshof gelangte durch die umfangreiche Beweisansnahme zu der Ueberzeugnng, daß eine gemeinschaftliche Körperverletzung nicht vorliege, eine einfache Körperverletzung aber nicht erwiesen sei. Thiercks sei daher frei- zusprechen. Zu gunsten des Kopsch sei angenommen ivorden, daß Bremer nicht infolge der erlittenen Verletzung in Siechlhum ver- fallen sei, es sei überhaupt ein Siechthum nicht als vorliegend er- achtet ivorden. Zwar sei der Angeklagte noch unbescholten, habe auch auf den Gerichtshof einen ganz guten Eindruck gemacht, aber die That sei doch eine so schwere, daß auf neun Monate Ge- f ä n g n i ß habe erkannt werden müssen!— Man vergleiche mit dieser überaus schweren Bestrafung die Urtheile, die neuerdings gegen rohe Studenten gefällt worden sind! Ter bestrafte Tcnnuziant. Einen recht heilsame» Denkzettel hat das Gericht gestern einem frivolen Dennnziantcw ertheilt. Der Maurer Franz Lucka in Nixdorf sah am Sonntag vor Weihnachten nach Beginn der Kirchenstunden einen Knaben mir einer gefüllten Schnapsflasche aus dem Lokale des Schankwirths Nelson kommen. Der Beobachter fühlte sein kirchliches Gefühl in der Brust durch diese Sonntagscntheiligung schwer verletzt und er beschloß, den Nelson anzuzeigen. U>i> aber sicher zu gehen, schickte er einen andern Knaben i» das Nelson'sche Lokal und ließ sich für einen Groschen Schnaps hole». Der Knabe führte diesen Auftrag ans und berichtete, die Tochter des Lokalinhabers habe ihm den Schnaps verkauft. Der Schnapsgenuß während des Gottesdienstes wirkte auf das christliche Gemüth weniger aufregend, als der Schnapsverkanf, Lucka trank den Schnaps aus und ließ sich noch zweimal eine neue Auslage holen. In dem eine» Falle verkaufte der Wirth, in dem anderen dessen Frau. Genau dasselbe Manöver machte Lucka am Vormittage des erste» Wcihnachtsfeiertages. Erst betrank er sich an dem erstandenen Schnapse und als er seinen Rausch ansgeschlafen hatte, ging er hin und denunzirte den Nelson sowie dessen Frau wegen Ueberlretung der Bestimmungen über die äußere Heilig- hallung des Sonn- und Festtags. Zu seinem nicht geringen Erstaunen wurde er wegen Anstiftung zur Uebertretung mitangeklagt. Sein Erstaunen wuchs, als das Rixdorfer Schöffengericht das Nelson'sche Ehepaar zu sechs bezw. drei Mark, ihn selbst aber zusechszig Mark Geldstrafe oder 12 Tagen Haft vernrtheilte. Er legte dagegen Berufung ein und suchte gestern vor der dritten Strafkammer am Landgericht II geltend zu machen, daß er nur im Interesse der öffentlichen Ordnung u»d ans Achtung vor dem Gesetze gehandelt habe. Ter Gerichtshof belehrte ihn aber, daß es gar nicht des Angeklagten Amtes sei, in solcher Weise auf öffentliche Ordnung zu sehen. Es liege klipp und klar eine An- stiftung vor und bei der von dem Angeklagte» an den Tag gelegten Gesinnung sei gar kein Anlaß vorhanden, das vom ersten Richter gewählte Strafmaß abzuändern. Die Berusmig wurde daher kosten- pflichlig verworfen. Verfehlter Polizeikampf gegen BrcSlancr Sozialdemokraten. Unsere Parteigenossin Ida Kaiser sowie die Parteigenossen Schriftsteller Bruno Geiser und Zigarreninachcr Kühnel in Breslau sollte» die ZZ 1 und 12 des Vereinsgesetzes verletzt haben; sie wurden deswegen vor den Strasrichter zitirt. Der Sachverhalt war folgender: Fran Kaiser, als Vertrauens- person der Breslaucr Sozialdemokratin»«», berief zum 11. Oktober 1896 nach dem Panl'schen Etablissement eine öffentliche Versammlung nnd meldete diese auch bei der Polizei an. Als sich die Theilnehmer einfanden, war der Saal des Herrn Paul aus sicherheilspolizeiliche» Gründen gesperrt worden. Die Leute begaben sich nun in die übrigen Gafträume des Lokals und unterhielten sich dort in zwangloser Weise. Die Anmeldung der Versammlung lautete' auf vier Uhr. Anderthalb Stunden später wurde dein Genossen Geiser von Kühnel daS Wort erlheilt; er begann mit einen, Hinweis ans die Aussperrung. Kaum hatte er einige Worte gesprochen, so löste ein Polizeibeamter die Versammlung auf. Den drei Angeklagten wurde nun vorgeworsen, als Einberufer, Leiter und Redner einer nicht angemeldeten Versammlung fungirt zu haben, die aus öffentliche Angelegenheilen einzuwirken bezweckte. Polizei nnd Slaalsanwall stützten sich aus die Bestimmung des Z 1 des Vereinsgesetzes, worin gesagt ist:„Beginnt die Versammlung nicht spätestens eine Stunde nach der in der Anzeige(Anmeldung) angegebenen Zeit, so ist die später beginnende Versammlung als vorschriftsmäßig angezeigt nicht an- zusehen." Beim Austreten des Genossen Geiser waren hier, wie schon gesagt, anderthalb Stunden verflossen. Die Angeschuldigten machlc» geltend, es hätten sich schon um 4� Uhr etwa 40 Personen versammelt gehabt und sich in eine ernste Unterhaltung eingelassen. Auch habe Geiser»ur einige Worte der Beruhigung wegen der Saalabsperrung reden wollen. Schöffengericht nnd Landgericht stellten fest, daß die derzeit Versammelte» schon von 4l/2 Uhr ab öffentliche Angelegenheiten zwanglos erörtert hätte», und sprachen die Angeklagten frei. Das K a m m e r g e r i ch t verwarf gestern die Revision der Staatsanwaltschaft, nachdem selbst der Oberstaatsanwalt sich da- gegen ausgesprochen hatte. Die Feststellung sei maßgebend, daß bereits eine halbe Stunde nach der angegebenen Zeit 30 bis 40 Personen in Anwesenheit der angeklagten Agitatoren versammelt waren, um öffent- liche Angelegenheiten zu erörtern nnd politische Gedanken auszutauschen. Denn die Zeit(4l/2Uhr), wodieUnterhaltung in Gang kam, sei als die Zeitdes Beginnes derVersamm- l u n g anzusehen. Eine förmliche Eröffnung und K o n st i t u i r n» g erfordere der Begriff der Versammlung nicht. Es sei deshalb unerheblich, daß erst um 5V, Uhr eiue Art förmlicher Eröffnung stattfand._ Vevpc» mmlunigen. Rixdorf. Am 13. Mai tagte hier in den Viktoria-Sälen eine Versammlung des Deutscheu Holzarbeiter-Verbandes, i» welcher der Delegute der Agitatiouskousereuz seinen Bericht erstattete. Zu Punkt Verschiedenem lag ei» Autrag des Filialvorstandes vor, wonach der Wirth des Vereinslokals Herr Hoffman», Prinz Handjery- und Lessingsiraßen- Ecke ermächtigt wird, Reiselegitimation bei Tage ausznslellen, damit die reisenden Kollegen nicht erst bis abends warten brauchen; dieser wird angenommen. Sodann ging man über zu einer Besprechung der Richler'scheii Werkstatt, Kottbuser Damm 99, in der recht er- hebliche Mißstände herrsche» sollen. xi-rband»er«rauiur«, ZifeUur» etc. Heute«orlraa de» vr. med. Zadel über:„Sie v«rlür,ung der«rbei»,«tt—«ine Korbermig der Gssundhetts- pflege"._ Briefkasten der Redaktion. B. R. 100. 1. Geschieden und getrennt ist dasselbe. 2. Sie dürfen nur mit Dispens die Vetressende Heirathen. 3. Sie haben Ihrer früheren Ehefrau Alimente zu zahlen. 4. Sie können beim Ober-Landesgericht Berusung einlegen lassen; dieselbe wäre aber»ach Lage der Sache nutzlos. Wctter-Prognose für Dienstag, de» 1. Juni 1807. War», und vorwiegend heiter, bei schwachen östlichen Winden; Gewitter nicht ausgeschloffen, sonst trocken. _ B e r l in e r W e t t e r b n r e a». von jeglichen Zusätzen ist, welche unter dem Namen Branntweiuschärfe zur Zeit in dem sogenannten Nordhäuser häufig angewendet werden, um über den geringe» Gehalt an Alkohol zu täuschen. Der mir vor- liegende Nordhäusee der Firma 911. ri. BZ. Müller entspricht in allen wesentlichen Eigenschafte» dem echten Nordhänser Kornbranutwein, wie derselbe in Nordhausen bereitet wird. gez. Dr.«. Bischofs, (»eretd. Ehemtker). lieber Nordhäuser-Berfälschunge» brachte die gesammte Presse in Häuser Kornbranntwein. Das p. Gutachten wird dem geehrten Publikum achtzehn ihrer hervorragendsteil Fach- und Tageszeitungen mehrere Artikel, nachstehend zur gest. Kenutnistnahme gegeben: in welchen unter andern besonders die gesundheitsschädliche Wirkung betont l. wurde, die nach dem Genüsse von gesälschrem Nordhäuser eine unausbleib- UUCV K0VH1P1 ltzUllfWFtU ÜZS'... M.& iÖ. Mliller. Beck« SQ.,»MMßcch 29. »aiar als Quellennachweis für einen reine« unverfälschte« guten Nord- Hierdurch bestätige ich, daß M.«. v». Müller s Nordhänser frei Achtung, Metallarbeiter! »et Verband aller in der Metall-Jndustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend gilt mit dem heutigen Tage Als getchloUett» Lur Regelung aller weiteren Geschäfte ist eine auS drei Personen bestehende Liguidations- Kvinniission eingesetzt. Die Adresse derselben ist Wilh. Freithaler, Berlin N., Gartenplatz L Alle Ansprüche sind bis spätestens den 1. September dieses Jahres an die Der Vorstund des Verbundes uller in der Metall-Jndustrie beschäftigten Arbeiter. Liquid»tltzNK-K»>Nniilsi»n zu erheben. Achtung, Metallarbeiter! Mit dem heutigen Tage vollzieht sich der llevertritt der Mitglieder des..Verbandes aller in der Metall-Jndustrie beschäftigten Arbeiter Berlin»' in den„Deutschen Metallarbeiter-Verband". Die Leitung der Geschäste für Berlin llbernimwt mit dem heutigen Tage die neugewählte Ortsverwaltung, bestehend aus den Kollegen: Panl Litfln, Anncnftt. 39, als 1. Bevollmächtigter; Herrn. Faber, 2. Bevollmächtigter; Relnhold Pctzold, Annenstr. 39, Rendant; Emil Skalsky, Schriftführer, und Wilh. Freithaler, Paul Hetz, August Assinns, Revisoren. Das Vcrbands-Burcau besindet sich Berlin Annenstr. 3S, Femsprech- Anschluß Amt 7 Nr. 528. Alle aus den Verband bezüglichen Auslagen und Mittheilungen sind nur an das Verbands-Bureau zu richten. Das Bureau ist geöffnet vormittags von 9 bis 1 Uhr, nachmittags von 4-7 Uhr. Sonntags geschlossen. Der Arbeitsnachweis befindet sich Anneenstr. 39(Telephon Amt 7 Nr. 528) nnd ist geöffnet vormittags von 9 bis 1 Uhr. Die Arbeitsausgabe geschlieht für Klempner, Rohrleger und Helfer früh 9'/, Uhr. für Schloffer, Dreher, Schuiiede, Mechaniler, Uhrmacher um 10'/, Uhr, für Gürtler, Drücker, Former, Nadler, Feilenhauer, sowie für sämmtliche Hilfsarbeiter um UV- Uhr, für weibliche Personen um Ill'/z Uhr.s Um die Mitgliedsbücher der Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter-Berbandes mit einer neuen Ortsnummer versehen zu können ist es nothwendig, daß die Kollegen ihre Bücher unverzüglich in den Zahlstellen oder aus dem Verbands-Bureau abgeben. 122/2 Der�Tag der Aushändigung wird im„Vorwärts" bekannt gegeben. Die Umschreibung der Mitglieder des Berliner Verbandes vollzieht sich in der Weise, daß gegen Abgabe der Mitgliedskarte, in welcher bis Feld 11 bezahlt sein muff, in allen Zahlstellen die Aushändigung der Bücher erfolgt. Ferner machen wir den Mitgliedern bekannt, daff an» 5. Juni sämmtliche Bibliotheken bis auf weiteres geschlossen werden. Die Rückgabe der Bücher muff bis spätestens den 15. Juni erfolgt sein. ___ Die Ortsverwaltnng des Deutschen Metallarbeiter-Nerbandes. Achtnim! Maurer. Achtuim! 280/18 Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Ortsverwaltnng Berlin). Mittwoch, bell 2. Juni 1897, abenvs S'/z Uhr. im„Kolberger Salou", Kolbergerstrafte Nr. 23: VezirksvttMillW für WeMng M Berstadt. Tagcs-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Ad. Hoffiuaun über:„Modernes Raub- ritterthum". 2. Diskussion. 3. Vcrbandsangclegenheiten.— Gäste Willkommen!"VS Zahlreiches Erscheinen erwartet 122/1»ie Ortsverwaltung. Frauell- mil) MdM-MWsmeill von Worf. Mittwoch, den 2. Juni, abends 8 Vi Uhr, im Lokale des Herrn Kummer, Berlinerstraffe 53: SP Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:»ie Frau als Sklavin des Kapitals. Referentin: Frau Heseh. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten nnd Verschiedenes� iMT* Damen und Herren als Gäste haben Zutritt."MW 268/2 Der Vorstand. Charlottenlmrg. Mittwoch, den 2. Juni, abends 8Vz Uhr, im Lokale Bismarcks- höhe, Wilmersdorferstraffe 39: Gr. öffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossenie Eohnkommiwslon. Deutscher Holzarbeiter-Verband (Zahlstelle Berlin). VtrtrmltnsMmtrUkrsllmmllingk«: Mittwoch, 2. Juni, abends 8 Uhn Osten und Nordosten: Stransberger- Strasse><». 3 bei Wittwe Hühl. Südosten: bei Hautenherg, Oranienstr. 189. Westen und Südwesten: Im Lokale des Herrn Xuheil, Lindenstraste Ar. 106. NlONllit: im Lokale Dhurmstraffe 84. Uedding und Gesundbrunnen: im Lokale des Herrn Baabe(kolberger Salon), Kolbergerstr. 23. Die Mitglieder der Werlstatt-Kontrollkommission versammeln sich um 7 Uhr vorn im Lokal. 106/8 Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt: Schwedterftr. 23 bei Werna». Vertrauensmanner-Versammlung der Drechsler am Mittwoch, de» 2. Juni, abends 8 llhr, Im Eokale des Herrn Stabernack, Inselstr. 10, v. II. TageS-Ordnung: 1. Die Lohnbewegung der Baudrechsler in diesem Jahre und wie stellen wir unS hierzu? 2. Diskussion. 3. Werkstattangcicgeiiheiten. UM- Jede Drechsler- sowie Tischlerwerkstatt ist unbedingt verpflichtet, einen Vertrauensmann zu entsende». So�isläemolii'lltisellei' Willil- verein für den 6. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Todes- Anzeige. Den Genossen zur Mittheilung, daß am 39. Mai das Mitglied Karl Bnlekwltz, Gerber, verstorben ist.ADie Beerdigung findet heute, Dienstag, Nachmittag 5 Uhr von dem Hause Prinzen- Allee 33 nach Plötzensee statt. 246/4 Zahlreiche Betheiligung erwartet __ Der Vorstand. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daff unser Liebling Fritz Kater am 31. Mai früh um 3Vz Uhr nach langen schweren Leiden gestorben ist. Die trauernden Eltern. Fritz und M a t h i l d e Kater. Allen Verwandte», Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daff mein lieber Mann, unser guter Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Schankwirth Carl Httrseljuu nach schweren Leiden am 36. Mai, morgens 7 Uhr, sanft entschlafen ist. 2442b Die Beerdigung findet am Mittwoch, 2. Juni, nachm. il/2 Uhr, vom Trauerhause, Freienwalderstr. 11, auS statt. Im Nameil der Hinterbliebenen Harle HUrselJau, geb. Trohart, als Wittwe. Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daff unsere liebe Else, 6:/, Jahr alt, am Sonntag morgen sanft entschlafen ist. Die Be- erdigung findet Mittwoch Nachm. 4 Uhr vom Traucrhause Koppenstr. 41 nach Wilhclmsberg statt. Die trauernde Faniilie Ernst Mühle. Am 36. Mai mittags-/,1 Uhr entschlief sanft nach langem schweren Leiden mein lieber Man», der Dischler J. lleyhttfer. Die Beerdigung findet am 2. Juni, nachmittags 4 Uhr von der Leichen- Halle des St. Jakobi- Kirchhofes aus statt. Dies zeigt tief betrübt an Die trauernde Wittwe. A. M c v h ö f e r. 2423d Danksagung. Für die zahlreiche Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Metall- schleifcrs 2433b Heinrich Lemke sage hiermit allen Freunden und Kollegen meinen tief- gefühltesten Dank. Wittwe Lemke. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten nieines verstorbenen Mannes sage ich für die rege Betheiligung an der Be- erdigung meinen herzlichsten Dank. Ww. Schneider, Freienwalderstr. 7. Kranzbinderei n. Blnmcn- handlung von 16431!* Robert Meyer, X«. 2. Harlannenstr. Xo. 2. Widmungs-Kränze, Guirlanden, Ball- sträuffche», Bouquets zc. werden sehr geschmackvoll und Preiswerth geliefert. Empfehle m. Restauration, Vereinszimmer. Jakob Lenz, Alte Jakobstr. 69, Aktien-Brauerei Friedrichshain. Mvatag, den 7. Juni(2. Pflngstfeiertag); Grosses Früh- Konzert, arrangirt von den Parttigeiiosseil des L Dcrliiitt Rnchstags-Wahlkktiseg sGstt«) bestehend in Vohtal- u. Instrumental Konzert ausgeführt von einer ca. 36 Mann starken Kapelle der Zivil-Berufsmusiker unter Leitung des Kapellmeisters Hcrm Irrgang. Große Gesangs-Aufführungen von ca. ISO Sängern unter Leitung des Dirigenten Herrn»letz. 216/3 Frilh-Tanz."Mg SST* Anfang früh 5 Uhr. Das Komitee. Arbeiter! Akademiker! Heute, Dieuflag, heu 1. Zuui, abeuhs 81-- W: Groje öffeutlilhe Versaiiiiiiliiiig im Saale der Brauerei Frledrlehshaln(Lips), Am Königsthor. Tages-Ordnung: 266/3 Die Sozialdemokratie und die Schichten der Studirten. Fortsetzung der Versammlung vom 25. Mai im Feenpalast. Es werden sprechen: Adoir Damaschke, H. v. Gerlach, Dr. Conrad Schmidt, Idtfln, Rechtsanw. Wolfg. Heine u. a. Um zahlreichen Besuch bittet_ Der Einberufer. Soeben erschien: Die Sozialdemokratie und die Schichten der Studirten. Vortrag, gehalten ain 25. Mai 1897 im Feenpalast zu Berlin von Wolfgang Heine. 16 Seiten gr. Oktav. Preis 26 Pfg. Das hochwichtige Thema, welches dieser Broschüre zu gründe liegt, hat hier eine aufferst fesselnde und gründliche Behandlung erfahren, so daff die Anschaffung derselben jedem Parteigenossen zu empfehlen ist. Zu beziehen durch sämmtliche Buchhandlungen und Kolporteure sowie gegen Einsendung des Betrages nebst Porto(3 Pfg.) vom Verlag der lflozlallstlscheu Monatshefte, Berlin C. 22, Neue Schönhauscrstr. 17._ Freie Volksbühne. Zur Aufführung gelangt im TliaUa-Theater(früher Adolph Ernst-Theater) Dresdcnerstr. 72—73(IlOO Sitzplätze): Der G'wissenswurm. Bauernkomödie mit Gesang in 3 Akten und 4 Bildern von L. Anzengruber— unter Mitwirkung folgender Gäste; Wastl': Hans Slegninnd vom Deutschen Volkstheater in Wien. Die Horlaoherlies': Elise von I.orC a. G. Poltnor; Rudolph Hock vom Theater des Westens. 1. Abthellnng: Abendvorstellung: 8 Uhr, Donnerstag. 8. Juni. II. Abthellnng: Siachmlttngsvorstellung: 8 Uhr, Bfingst- sonntag(den 6. Juni). II I Abthellnng: Abendvorstellung: 8 Uhr, dritter Feiertag (Dienstag, 8. Juni). Die Verloosung der Plätze beginnt eine Stunde vor Beginn der Vorstellung. Heft III der., Freien Volksbühne" von Dr. C. Schmidt wird nur im Theater verkauft. Die Zahlstelle von Böhl ist auf Otto Zabel, Frankfurter Allee 96, übergegangen. Mitglieder zur III Abthellnng M-erden noch in allen Zahlstellen aufgenommen. 231/7 Der Vorstund. I. A.: G. Winkler. IsS I Tuch- und Bukskin-Reste Spottbillig! zu ganzen„Herreu-Anzügen" von„Mk. 5,—" an,»Herreil-Hosen- -i M reste- von„Mk. 2,—« an.—»Reste zu Kuabenanziigen" für fe M jedes Alter passend von»Mk. 1.—� an.»msonst zugeschnitte»! P i»Haltbare Waare unter Garantie!-»Gelegenheitskäufe!" Wasch-Lüstre. Arbcits-Jackets. Lederhosen von Mk. 2.— a». Uidvig Engel, Herrenbekleidung, Münzstr.26, pt. i « -Äl Potsdamcrstr. 66. Souterrain, Gartenhaus, 6 Zimmer, auch als Wein iagerei, sofort 726 M., oder getheilt 366 M. Potsdamerstr. 66. pari, Gartenhaus, 3 Zinrnier, Balkon, Bad, zum 1. Juli, sp., 866 M. Potsdamerstr. 66. III., Gartenhaus, 4 Zimmer, Bad, Balkon, zum 1. Oktober, 975 M. Potsdamerstr. 66. pari., Seitenflügel, 2 Zimmer, Küche, Zubehör, zum 1. Juli. 466 M. Potsdamerstr. 66, Stube, Küche rc., 96 Thaler, sofort._(' Dächt, b ew. Dirigent sucht Vereine für Freitag u. Sonnabend Restaurant Knoche.Weißenburgerstr. 48. f2328b Geuossinnen empf. mein Milch- u. Backwaarengesch. Oswald, Förster- straffe 37. 2435b Unserm Freunde Worncr zu seinem heutigen Wiegenfeste ein drei- mal donnerndes Hoch. 2422b Warne hiermit jeden, meiner Frau Anna Ebelt geb. Scheel und meinen Sohn Richard Ebelt auf meinen Namen etwas zu borgen, da ich für nichts aufkomme. Wilhelm Ebelt, 2437b Moabit, Beusselstr. 44s. Möbl. Schläfst, f. Herren, Preis 7M., sep. E., Fürstenstr. 15, H. III b.Grönke. Möbl. Schlafstelle für Herrn 7 M., sep. E. Naunvnstr. 79, v. III. Hergesell. Frdl. möbl. Schläfst, z. vermiethen Mittenwalderstr. 9, Ouergeb. 1 Tr. bei Wittwe Sagawe. 2436V Anst. Schlofft. Ww. Paul, Schön- hauser Allee 177e, Ouergeb. 2 Tr. 2446b Möbl. Schläfst, an anst. H. Naunyn- straffe 5, v. 2 Tr., b. Feind. 2439b Einen Mitbewohner für möbl. Zim. sucht F. Vorlauff, Albrcchfftr. ll, Quergeb. r. 3 Tr., 3 Min. v. Bahn- Hof Friedrichstr. 2434b Ein möbl. Zimmer, monatl. 16 M., Krautstr. 3, v. 3 Tr., bei Richter. 2441b Pfund Brot für 511 W. liefert 1645L« Alhrechfs Blickerei, Wraugelstr. 8. Langestr. 26. Falckenfteinftr. 28. Lausitzerstr. 2. ö Künstliche Zähne. F. Steffens. Rosenthalerstr. 61, 2 Tr. »f Theilzahlung pr. Woche 1 M. Möbel auf Theilzahlung.* J.Kellermann. Neue Jakobstr.2g. Getragene Stiefel sind billig zn haben. Eharlottenburg, Spreestr. 24. Wer Stoff hat, fertige Anzug, feinste Futtersachen, für 26 M. an. 24366 Hey mann, Ehausseestr. 26. Arbeitsimkt. Achtung, Dcharbttttr! In der Luxusmöbel- Fabrik von d. Klchter, Kottbuser Damm 99, sind Differenzen ausgebrochen. Zuzug von Tischler» «ud Drechsler» ist streng fernzuhalten. 166/3 Die Ortsverwaltung. Bambusarbeiter sucht 2374b Eugen Schlesinger, Berlin, Prinzenstr. Nr. 71. »orbmacher 2432b geübte Gestellardeiter auf China- und Peddigrohr-Mübel suchen sofort F. Ancion u. Ko. Stanzer, tüchtigen, auf Holzrahmen verlangt 2431b Mathicustr. 14, park. Zigarrenmacher- Lehrling verlangt P. Drucker, Moabit, Beusselstr. 88. Lehrling verl. Klempnerei Reichen- bergerstr. IE_ 2426b 5ittttstgieszer. Ein tüchtiger selbständiger Werk» mcister. der speziell in der Beleuch- tungsbranche beivandert ist, wird für eine Stockholmer Fabrik baldigst zu cngagiren gesucht. Schriftliche Mel- düngen mit Abschrift der Zeugnisse an Karl Schirmer. Berlin, Rungestr. 9. Ptranlwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Für de» Jnseratintheil veraulworllich: Zh. ISlocke ru Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. üt.125. 14. 2. ßfilnjf des Juruirts" Kerliser IpIMIsU. Diwßlig, 1. Iimi 1897. N�geovÄnekenhÄUS. 95. Sitzung vom 31. Mai 1397. 11 N h r. Am Ministerlische: v. d. Recke, Schönstedt, später v. B ö t t i ch e r. Auf der Tagesordnung steht die dritte Berathnng des Gesetz »ntwurfs zur Ergänzung und Abänderung von Bestimmungen über B e r s a m»> l u n g e n und Vereine. Die Konservative» haben ihre Anträge auf Wieder- Herstellung der Artikel I und III der Regierungsvorlage(Auflösung von Versammlungen bei Gefährdung der öffentlichen Sicherheit/ insbesondere der Sicherheit des Staates oder der öffentlichen Orfr uuiig) und die F r e i k o u s e r v a t i v e n ihre Anträge bezüglich der anarchistischen, sozialdemokratischen, sozialistischen oder kommunisti- scheu Versammlungen wieder eingebracht; ebenso der Ab- geordnete R i ck e r l seinen Antrag bezüglich der Aushebung des Ausschlusses der Frauen von Vereinen und Ber faimnlungen. In der Generaldebatte erhält zunächst das Wort 'Aby. Stötzcl(Z.): Er wendet sich gegen den Ausschluß der Minder>ährigen aus politischen Versammiuugen und Vereinen; ei» solcher Ausschluß sei schwer durchzuführen und bringe keinen Nutzen. Namentlich würden die Sozialdemokrale» in ihrer Agitation dadurch garnicht beschränk!. Aber die katholischen und sonstigen christlichen Vereine, welche auf dem Boden der Heuligen Gescllschaflsordnung stehen, werden da- durch in ihrer Thätigkeil beeinträchtigt; diese Vereine thuen der Sozial- deiuokralie am meisten Abbruch.(Zustimmung im Zentrum.) Damit schließt die Generaldiskussion. Es kommen zunächst zur Diskussion die konservativen und frei« konservativen Anträge wegen völliger, beziv. beschränkter Wieder- Herstellung der Art. I und III der Vorlage. Abg. v. Zedlitz(k.) empfiehlt kurz die Annahme seiner An- träge. Abg. Hobrecht(»all.): Ich habe im Namen meiner politischen Freunde zu erklären, daß wir über die Beschlüsse zweiter Lesung nicht hinausgehen können. Es giebt in unseren Kreisen viele, die aus eigener Erfahrung zu der Ueberzeugung ge- kommen sind, daß auch auf dem Gebiete des Vereins- und Ver- sammlungsrechts eine Stärkung der Autorität des Staatesund der Behörden dringend geboten sei. (Hört! rechts) Aber ohne Ausnahme find wir einig in der Ueber- zeugung, daß die vorgeschlagenen Aenderungen des Gesetzes absolut ungeeignet sind, daß sie vielmehr dazu dienen würden aufzureizen und zu schädigen. Sie greifen auch in eine Materie ein, die verfassungsmäßig geregell ist, und es liegt kein Arund vor, in den Einzelstaateu gegen das Reich Stellung zu nehmen. Der besondere Anlas, der uns nöthigt, auf grund der Borgänge im Reiche mit dieser Materie uns zu be- schäftigen, wird von uns vollaus gewürdigt. Wir versagen der Regierung auch nicht das Entgegenkommen und den Dienst, welchen sie nach den Vorgänge» im Reiche zu erwarten hatte.(Lachen rechts.) Abg. v. Kardorff(ff.) polemisirt gegen die Bemerkung des Abg. Lieber vom vorigen Freitag, daß ein kleiner Theil seiner Freunds für die Verlängerung des Sozialistengesetzes gestimmt habe. Abg. Lieber(Z.) weist des Borredners Ausführungen zurück und bemerkt ferner: Bezüglich der�Anträge habe ich die Erklärung abzugeben, daß wir bei unserer Stellungnahme in zweiter Lesung bleiben werden, und zwar aus den bei der zweiten Lesung vor- getragenen Gründen. Durch Ausnahmegesetze ist nichts zu erreichen. Möchte» doch alle diejenigen, die es angeht, unserer warnenden Stimme Gehör schenken und das Uebel au der Wurzel ergreife» und die Krankheit des Sozialismus zurückdränge», ehe sie die edelsten Organ« ergriffen hat.(Sehr richtig! im Zentrum.) Eine Be- schränkung des Vereins- und Versammlungsrechts wäre durchaus zweckwidrig. Die Anträge der Konservativen werden gegen die Stimmen der konservative» Partei, mit Ausnahm« des Abg. Stöcker, die Anträge der Freikonservative» werden m i t 207 gegen 183 S t i m m e n abgelehnt; für die letzteren stimmen die Konservative» und die Freikouservativen, dagegen die Nationalliberalen, das Zentrum, die Polen und die Freisinnigen, sowie der Abg. Stöcker; der Abg. Bueck ist nicht anwesend; der Abstimmung enthält sich der Abg. Schwcckeudieck. Der Artikel I der Beschlüsse zweiter Lesung(Ausschluß der Minderjährigen von Versammlungen, in welchen politische An- gelegenheiten berathe» werden sollen) wird angenommen gegen die Stimmen des Zentrums, der Freisinnigen und der Pole». Artikel II der Beschlüsse zweiter Lesung betrifft die Aushebung des L S des Vereinsgesetzes(Berbindungsverbot) und den Ausschluß der Miuderjährigen von politischen Vereine». Abg. Rickert beantragt, den Ausschluß von Frauen von politischen Bereinen aufzuheben. Abg. Rickert(frs. Vg): Wenn Sie meinen Antrag annehmen, dann werde» die Frauen die Berechtigung haben, auch an de» Ber- sammlungen der politischen Vereine theilzunehme»; sonst würde unsere preußische Gesetzgebung eine Inkongruenz haben, die absolut unver- siändlich ist. Die Befürchtung, daß die Frauen, wenn man ihnen die Theilnahme an solchen Versammlungen gestaltet, sehr bald auch das politische Wahlrecht erwerben wollten, ist ziemlich unbegründet, wenigstens für die jetzige Generation. Die heutige Gesetzgebung hat den Frauen die Berechtigung ertheilt, a» den politischen WahwNNNe» theilzunehme», den» nach Artikel 21 der Ver- fassung unterliegen Wahlärreine den Beschränkungen des§ 8 des Verein gesetzes nicht, aU!7 politische Vereine anderer Natur, die nicht Wahlvereine sind, sind den Frauen verschlossen. Auf dem evangelisch-sozialen Kongltsi hat vor ändert- halb Jahren— das ist auch ein poliliscver Kongreß— Frau Gnauck-Kühne eine, wie die konservativen Zeitungen sag!?», epochemachende Rede gehalten, über die allgemeine Befriedigung in konservativen Kreisen herrschte. Von Reichs wegen ist durch die Gewerbe-Ordnung die Freiheit der Vereinigung und Verabredung gesichert, das trifft auch für die Frauen zu. Eine Koalitionsfreiheit niit einer solchen Beschränkung ist ein Unding. Fürst Bismarck hat die Zukunft Deutschlands ausdrücklich von der Stellung der Frauen zur Politik abhängig gemacht. Wen» man verlangt, daß sich die Frauen für das Vaterland interessire» sollen, ist es sehr wenig an- gebracht, die veralteten und unzeitgemäßen Bestimniungen des Ge- jetzes bezüglich der Frane» bestehen zu lassen. Geheimrath V. Philippsbor»: Der Antrag Rickert hat eine weittragende Bedeutung, Die Regierung hat das Recht der Frauen bezüglich der politischen Vereine unberührt gelassen. Das Ideal der trauen ist doch wohl nicht, daß sie sich mit Politik beschäftigen. lach Reichsrecht dürfen Frauen an Wahlveremen nicht theilnehmen, weil sie nicht wahlberechtigt sind. Für die preußischen Wahl- vereine liegt die Sache nicht ganz so klar, aber die Regierung hat immer angenommen, daß auch in Preußen Wahlvereine nur ans Wahlberechtigten bestehen dürfen. Soweit es sich um die Angelegenheiten des§ 153 der Gewerbe- Ordnung handelt, dürfen die Frauen auch Mitglieder von Gewerkschaften sein; es darf aber niemals die Grenze des§ 153 überschritten und Politik getrieben werken. Abg. Osivaldt(natl.) bittet um Ablehnung des Antrages. Es wäre ein Fehler, die Aufhebung des Koalttionsverbots politischer Vereine von nnserer Seite aus mit Dingen zu verknüpfen, die nicht damit in Verbindung stehen. Abg. Späh»(Z j: Ich glaube, die Mehrheit meiner Freunde wird auch gegen den Antrag stimmen. Wir sind im Reichslage von dem Gedanken ausgegangen, daß das Verbiudungsverbol für Vereine ohne weiteres ansgehobe» wird, wir werden gegen jede Bestimmung stimmen, die darüber hinausgeht. Abg. v. Zedlitz(k.): Ich bin Herrn Rickert außerordentlich dankbar, daß er durch feinen Antrag anerkannt hat, daß man das Koalitionsverbot nicht ausheben kann, ohne auch andere Bestimmungen des Vereinsrechts zu regeln. Wie das mit der Auffassung des Herrn Rickert sich verträgt, weiß ich nicht. Ich bitte, den Antrag abzulehnen. Abg. Stöcker(b. k. F.): Der evangelisch-soziale Kongreß ist kein Verein, sondern eine alle Jahre einmal stattfindende Ver- sammlung; der Kongreß ist auch kein politischer Verein. Wen» sich Frauen daran betheiligen können', so genügt das; die Frauen zu berufsmäßigen Politikerinnen zu machen, liegt uns fern. Abg. Rickert(frs. Vg.): Die Nationalliberalen haben uns ge- zivunge», die Frage der Minderjährigen zu diskutiren. Wir wollten davon nichts wissen. Aber wenn die Frage der Minderjährigen berührt wird, dann muß auch die Frauensrage geregelt werden. Mein Antrag ist nur ein eventueller. Ich werde schließlich gegen den ganze» Artikel stimmen. Nach einigen Bemerkungen des Geheimraths v. Philipsborn schließt die Debatte. Gegen die Stimmen der Freisinnigen wird der Antrag Rickert abgelehnt und der Artikel II der Beschlüsse zweiler Lesung angenommen. Zu Artikel III der Beschlüsse zweiter Lesung(Strafbestimmnngen für die Verstöße gegen den Ausschluß der Minderjährigen) liegt ein Antrag des Abg. v. Z e d l i tz vor, wie er in zweiler Lesung bea» tragt war, wonach die Minderjährigen zum Verlassen der Versainm lung aufgefordert werden müssen; wenn dies nicht gesckieht, kann die Auslösung der Versammlung erfolgen. Diese letztere Bestinimung ist in zweiter Lesung nicht angenommen worden. Der letzte Absatz der Beschlüsse zweiter Lesung bestimmt:„unter läßt oder verweigert der Vorsitzende die Erlafsung der Ausforderung und der zweckdienlichen Maßregeln zur Durch- führung derselben, so trifft ihn die Strafe des Z 14 der Verordnung vom 11. März 1850." Die Abgg. Lohinnnn(natl.) und Genossen beantragen die Worte:„und der zweckd-c'lichen Maßregeln zur Durchführung der selben" zu streichen, w---' dadurch das Amt eines Vorsitzenden zu sehr erschwert würde, was man nicht billigen könne, iveil sich sonst niemand als Vorsitzender finden würde. Abg. v. Zedlitz erklärt sich gegen diesen Antrag, empfiehlt aber seineu Antrag, wonach im Falle der Nichlentfernung der Minder jährigen die Auslösung der Versammlung erfolgen darf. Dieses fei das ivirksamste Mittel, um die Unternehmer der Versammlung zur Entsernung der Minderjährigen zu veranlaffen. Abg. Bachem(Z): Da die Anträge der Konservativen nichts Neues enthalten, so müssen wir wie in zweiter Lesung dagegen stimmen. Der Antrag Lohma,,» enthält eine Erleichterung, deshalb werden wir für den Antrag stimmen. Abg. Hanse»(fk.) beantragt, im letzten Satze des Artikel III zu sagen:„Unterläßt oder verweigert der Vorsitzende die Erlassung der Aufforderung oder der zweckdienlichen Maßregeln" zc. Geheimrath p. PhilipSboru erklärt sich für den Antrag v. Zedlitz und gegen de» Antrag Lohma»,,. Es werde» gegen die Stimmen der beiden konservativen Gruppen die konservativen Anträge abgelehnt, aber der Antrag Loh mann angenommen und mit diesem Antrage der Art. III derBeschlüffe zweiter Lesnng, der letztere gegen die Stimmen der Freisinnige» und des Zentrums. Bei der Berathnng der Einleitung und Ueberschrist erklärt Abg. Graf Limbnrg-Stirul»(k.): Die konservative Fraktion bleibt inhaltlich auf dem Boden der Regierungsvorlage stehen und ist mit der stattgehabte» Streichung von Bestimmungen derselben nicht einverstanden. Nur um die Möglichkeit zu verschaffen (Heiterkeil), daß noch eine wiederholte Berathnng der Borlage hier und im Herrenhause zu einer Wiederherstellung der- selben führe, werden wir in der heutigen Schlußabstimmung für das Gesetz stinime».(Zustimmung rechts.) Die Vorlage wird daraus im ganzen»ach den nur im letzten Artikel abgeänderten Beschlüffe der zweiten Lesung gegen die Slimmen des Zentrums, der Polen und der Freisinnigen a n- g e» o in», e». Der Präsident v. Kölker stellt unter Zustimmung aller an- wesenden Mitglieder des Hauses fest, daß in der Vorlage«ine Aendernng der Verfassung enthalte» sei, daß deshalb über dieselbe nach 21 Tagen wiederholt abgestimmt werden m ü s s e. Damit ist die dritte B-rathung des Vereinsgesetzes erledigt. Es folgt die Berathung kleinerer Vorlagen. Schluß»ach b3/i Uhr. Nächste Sitzung Dienstag II Uhr. (Kleinere Vorlage», Petitionen.) Vevpnminlttnsen. Der Verein der graphischen Arbeiter und Arbc'keriuiic» Berlin 4 hielt am 21. Mai im Euglischen Garte» seine Miigtieder- ckersamnilung ab. Zum 1. Punkt der Tagesordnung„Geschäftliches" machte der Vorsitzeude bekannt, daß am 1. Mai 13 Kollegen mit 73 Mark uulerftützt worden sind. Di« geplante Herrenpartie mit de» Brandenburger Kollegen findet erst»ach dem Somuierfeste statt. Zum 2. Punkt: Bericht der Arbeitslofen-Uuterstlltzungs-Komuiission und Neuwahl derselben, berichtet Kollege Rehfcld: Ein- »ahme: Bestand vom 3. Quartal 443 M., Beiträge(1496 Mitgl.) 224,70 M.; Ausgabe: Uulerstützung 189 M, Porto l,10 M. Bilanz: Einnahme 667,70 M., Ausgabe 190,10 M, bleibt Bestand 477,60 M.(Jahres-Einnahme 1208,65 M., Ausgabe für Unterstützung 649 M., für Drucksachen und sonstige Ausgabe» 82,05 M. Bei der hieraus sich anschließenden Neuwahl wurde die alte Kommission einstimmig wiedergeivählt. Hieran schloß sich der mit Beifall aufgenommen« Vortrag des Herrn M. Ullrich, Professor der Phrenologie, über: Schädellehre. Unter Verschiedenen, wird aus unser diesjähriges Sommerfest hingewiesen, welches am 12. Jnni in Puhlmann's Vaudeville-Theater stattfiudet. Die Versamnilinig be- schäfl'.zse sich nunmehr noch mit dem neu ins Leben gerufenen gegiierischeü-�rögöwies'schen Arbeitsnachweis. Die einzelnen Redner verurtheilen auss Ssttschi-dendste das Geschäftsgebahren dieses Mannes, sie sprechen die HoffnusiS aus, daß die vereinte organisirte Kollegen- schafl geeignete Mittel ui,ö Wege finden wird, um de» Machinationen dieses Herr» soviel wie niöglich entgegenzuarbeiten. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten"�at Schluß der Versammlung ein. Deutscher Holzarbeiter- Beriand Berliu. Die Werkstatt- Kontrollkommissio» Süd-Oft hatte am 25. Mai eine Branchen-Ver- sammlung der Sitzmöbel- Tischler nach xStabernack's Salon, Insel- straße, einberufen. Der Referent, Kolleg K l i» g e r. gab eine» kurze» Rückblick über die Arbeiterbewegung tznter Lassalle, sowie zur Zeil des Allgemeine» Deutsche» Tischler- und Schreinervereins. Er betont, daß in den 70er Jahren die 9000 Holzarbeiter Berlins mit Leichtigkeit die 9V-stündige Arbeitszeit erränge,"- und vergleicht damit die heutigen Verhältnisse, wo 33.� Holzarbeiter existiren. Zum zweiten Punkt sprach der KS�fle Rupert über den Streik der Stuhlbauer i» GeringsuiLP� Kollege L a n g h o p bedauert die Gleichgiltigieit der der Brauche dem Verbände gegenüber, und belont, wen» die� f" geht, dieselben über kurz oder lang beim Arbeite» noch Ber**'11 0eÖe" können. Von den 95 i„ der Branche geladenen Werkstälten-L�"�®" die Kollegen von 65 Werkstätten durch Abwesenheit. Folgende Resolution fand am Schluß einstimmig Annahme: Die Anw'®'®""®" der heutigen Versammlung des Deutschen Holzarbeiter-VerbV"�.®�- Branche Sitzmöbel, verpflichten sich, die 52stü»dige Arbeitszeit ft®'"® hocbzuhallen, desgleichen dafür zu sorgen, daß ihre mitarbeite?"®" Kollegen sich den» Verband anschließen, und dafür einzutreten, die Geringswalder Kollegen den Sieg erringen. Tic Händler und Häudlerinue» hielten am Freilag, den 23. Mai bei Buske eine öffentliche Versammlung ab. Kollege Schröder berichtete über die Beschlüsse und den Verlaus des Kon« greffes der lokalorganisirlen Gewerkschasten. In der Diskussion sprachen sich verschiedene Redner dahin aus, daß die Presse, wie sie geplant ist, nicht den Erwartungen entsprechen werde, die daran geknüpft worden sind. Betreffs der Agitation wurde bezweifelt, daß diese für die kleinen Berufe, wie de» der Händler, nicht genügend von der Kommission werde ausgeführt werden können. Besonders wandle man sich gegen die obligatorische Einführung der Presse. Schröder be« merktest», Schlußwort, daß überhaupt eine obligatorische Einführung der Presse nicht beabsichtigt sei und daß die Kosten zur Presse und Agitation so wenig sind, daß es mit einigermaßen gnten Willen durchführbar sei. Zu„Verschiedenem" gelangle ein Antrag zur Annahnie, daß die Agitationskommission in nächster Zeit eine öffeut» liche Versamniluug einzuberufen bat für die Obstbranche, wo die Zustände in der Zeulral-Markthalle erörtert werden sollen. Im Bericht über die Versammlung des 6. Wahlkreises in Nr. 123 vom 29. Mai»mß es anstatt P ö r s ch heißen: B ä r s ch wurde zum Abtheiluugsführer für Gesundbrunnen gewählt. Gegen den Vorwurf, der dem Herrn Rauschenberger, Britzerstr. 10, in einer Versanmilung der Ziseleure(siehe Bericht i» Nr. III vom 14. Mai) geniacht wurde, durch billiges Angebot Lohndrückerei zu treiben, wendet sich derselbe in einer an uns ge- richteten Zuschrift, in der es heißt:„Die bei mir gezahlten Löhne für täglich 9 Stunden Arbeitszeit betragen 36 bezw. bis 27 M., je nach Leistung der Arbeiter, pro Woche, auch zahle ich bei nöthigen Ueberstunden 25 pCt. Zuschlag. Ich bin bereit, einer Ver« trauenskommissio» meine Lohnzahlungen nachzuweisen." A»b«tt»r-K0»,>»l>«tch»l». Tie Bibliothek in der Nordschul» B r u n n e n ii r. 2S, ist für die Milglieder an folgenden Tagen geöffnet i Sonn» tags, vorminags von 10-12, D i e n st a g s und F r e i t a g s, abends ssg bis ,0 Nhr. Mitgliedsbeiträge werde» an diesen Tagen in der Nordschule entgegen- genomnien, ebenso t» solgenden Zahlstellen: Eottsr. Schulz. Admtralstr. so»: Schöning, Köpntckerstr. es: Reul, Barnimstr. 43; Babiel, Rosenlhaleritr. 67; Nleinert, Müllerltr. 7»; Burghause, Pulbuserstr. 32: Blankenseld, SIephanstr. 29; Werner. Bülowstrabe 69; Srube, Mariendorferstratze 6: Katzler, Junlerstratze l, H. Königs, Ticftenbachstr. so. Alle Zuschriften sind an de» Borsttzenden Paul Mücke jr., SO. Man- leuffelstr. 123, Geldsendungen an den«asstrer H. Königs, S. Tteffenbachstr. so, zu senden. Arbeiter Kii»o«rb»»d Berlins und Uingegend. Vorsitzender: Ad. Neumann, Schwedenslr. ,3, v., Tr. Alle Aenderungen im Bereinslalender stnd zu richten an Friedr. Kortni», Manteuffelslr. 49, v. 2 Tr. Dienffag. abends 9— Ii Uhr Z Uebunpsslunde und Anfnahnie neuer Mitglieder. Steineiche, Neue Friedrich- stratze 20 bei F. Prentz.— Senefelder, Nosenthalerftr. 67 bei Babiel.— Gerechtigteit(Weste n), Bülowstr. 69 bei Werner.— Olympia, Warianuen-User 2, Restaurant Luxhos.— Hand in Hand I, Mariannen- stratze«I bei Richter.— Kreuzberg, Hasenhaide 63 bei Buschbeck.— E d e l w e t tz I, Melchiorflratze l6 bei Slehmann.— Echot, Linien- stratze ,9 bei Neunian».— Wtederhall, Admiralstr. 21 bei Schnieder. ff r e i h e t t II, Köpenick, Schönerltnderftr. 9 bei Schulz.— Myrthenblätter, Jostystr. 8 bei Kulina.— Deutsche Liedertafel, Blumenstr 33 bei Wicdemann.— Jhn'scher Humor, Strautzbergerstr. 3 bei Wittwe Roll.— Unverzagt II, Bensfelstr. 9.- Friedrtch'scherMännerchor, Schwedtsr» stratze 23 bei Wernau.— Freies Lied, Friedrichsberg, Friedrich» Karlstr. II bei He» ecke.— Männerchor N o r d- O st, LandsbergerAllee ,6» bei Wobei. � Rothe Nelle I, Echöncberg, c v i d> a. Hollmannstr. 33 bei Hensel.— Freie Sänger III, Heegermühle bei Eberswalde.— Frohsinn I, Rummclsburg, Eölhe- u. Kantstratzen- Eck« bei Merlens.— Acacie(gemischter Ehor), Orantenstr. ,34 bei Theodor Metzner. — WilmcrSdorfer Lieder lasel, Wilmersdors, Berlinerftratze 41, Kltugenberg'S VollSgarten.— Freie Feldblume, Wrangelstr. 4-l, Restauran, Junge Eiche, Reinickendorf, Koloniestrahe ,47 bei Anlon.— Freie eldblumc, Wienerstr. Sl bei Klein.— Harmonie III, Rirdorf.Kirchhosstr. 2» Banselow.— A ri on II(Handtchuhmacher), Brandenburg a. H., Hauplslratze, Winltl's Salon.- Orante, Wcitzeniee Aldrechistratze und Hetnersdorfer Weg 14.— Gesangverein der Enterbten, Twtnsmünderftr. 120 bei O. Bach» gänger.— Freie Sänge rschaar, Danztgerftr. So bei Walter Anton.— SangeSlust Ii, Passwalkerstrabs 3 bei Adols Neumann— FretheitS- k l ä n g» I, Markgrafenstr. 3 bei Frees«.— Meitze Rose, Reinickendorf, Restdenzstr. loi a bei Malchin.— Ar b etter> M atbund, Rowaw-s, Walt- ftratze bei Hiemte.— Vorwärts VII, Rummelsburg. Kant- und Ebthestratzen- Eck- bei Breves.— Zündholz, Badstr. 32 bei Hilpert.— Alltance, Oranienstr. Sl bei Helfer.— Glasarbeiter, Köpenick. Müggelheimstr. 29 bei W. Zeidler. jund der vrsrltis»» Arbeit», pereine Kerli»» n»b zimgegend. Vorsitzender P. G e n t, Dresdenerftr. ,07/3. Alle Aenderungen im Bereinskalender stnd zu richten an: H. Bend ix, Alexandrinenstr. Ivo. Arbeiter- Piuichrr b>,>id Kerlin»»nd zlnigcgend. Aenderungen im vcreinssaicnder sind zu richlen an Hermann Braunschweig, DresdenerNr. 30, 2. Hof Kienltirg: E u I g e 1 1»» 1 e Freunde. Seorgenlirchstr.«6 bei Spät.— Rauch- Hub Eldorado, Grüner Weg 26 bei Ebeltng.— Rauchtiub Grüne Eich«. Urbanftr. 37 bei Schneider.— Rauchtiub Deutsche Flagge, Wrangelstr. 32 bei LulaS.— Rauchklub Ambalema, Forsterstr. ls bei Uckel. Neuer Berliner Rauchtiub, Reichenbergerltr. 146 bei Drogge.— Phönix, Echöneberg, Alaztenstr. 14 bei Bischof.— Domingo, Waldemarstr. lg bei Tauchelt. RolheRose, Bocckhstr. 21 bei Krebs.— Beilchendusl, Hennigsdorfsr- stiatze 4 bei Sünlher.— Kollegta, Reichenbcrgerstr. 167 bei Berguer.— Einigkeit I, Rtxdors, Hermanns»!. 232 bei Wolf— Veronika, Ralibor» st atze bei Rau.— Rauchan, Avalberlstr. ,6 bei Teicherl.— Kamerun, Zorndorserstr. 17 bei PttteUau.— P almerio, Bernauerftr. ,3 bei Roloff.— Korea, Wetdenwcg 97 bei Reckzeh.— Waldmeister, Hetnersdorserslr. 10 bei W chmann.— Neuer Hain, Langendeckstr. t bei Fschtmeier.— Bruder- b u n d, Srünauerstr. s bei GüllowSky.- tz-rfaiip-. e u ru- nnd gelrilige Uereine. Dienstag. Männer. Gesang- oerein Fester Wille, Alexandrinenstr. 32 bei Dietrich.— Arbeiter-Zilherveretn E t n i g k e t l, Reichenbergerstr. ls bei Lehmann.— Mustkveretn Q f i r i s, Wrangelstr. ,1 bei Blum.— F I ug la u b e n v eret n Vorwärt«- Nord, Ackerst!. ,7 bei Reuter.— Vergnügungsverein Fortuna, Blumenstr. SS bei Wcitz.— Musilverein Norddeutsche Klänge, Swlnemllnderstr. Sl det Reuter— Zllberve. ein T y r o l, Martannen-User 2 im Restaurant Luxhos.— Ouartettverein W- d d i n g, Ehausfeestr. 72 bei Meitzner.— Prtvat-Theater» Sescllschast Concordta, Eliiabclhstr. so bei Scholz.— Wünsch'Ich er gem. ihor, Rosenihaletstr. 67 bei Babiel.— Geselliger Klub Do» Juan, Linden- stiatze loa bei Fritz Zubetl.— Thcatervercin Freier Will«, Admtralstr. ISS (Märkischer Hof). Arbeiter- Knrnerbund. Dienstag: Turnverein Fi ch te, Berlin. Abend» von 8—Io Uhr: 2. Männcrabtheilung Skalttzerstr. 66/63.— 4. Männerabtheiluiig Stcphanstr. 3.— 6. Männerabcheilung Ackeistr. 37.— 3. Männerablhcilnng Siallschreibe' str. 64.— ,. Lehrlingsablheliung Friedenstraße 37.— 3. Lehrlings- ablhciluna Bocckhstratze 2l.— I. Tamenadiheilung Mariannenuser ,».— Männer- Turnverein Eiche, Köpenick. U-bungSstunden: Abends s—io Uhr, in Klein'» Hotel(Wilhclmsplatz,.— Arbeiler-Turnvereln(AdlerShof) von 3j(—io>. Uhr abend« in Köpenick, Rudowerstratze bei Scheer.— Freie Turne rschaslRixdors-Britz, 1. Sämler-Abtheilung von 7—3� Uhr, i. Männer Abibeiluug von s\—lo% Uhr bei Wirstng, Knesebecksratze. J-se- nnd DUliutithlub«. Süden, Schöllleinstr. 3 bei Ewald. ziooiuo», Derein für poiksthiimlich« Wilscnschast. Heule Abend 9 Uhr bei Hensel, Brunnenstr. 173: Seneralversammlung. Briefkasten der Redaklion. Die juristische Sprechstunbe findet Montags, Dienstags Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. R. K. 100. Bitte die Lokalliste zu vergleichen. P. M. Mit Ihrem Anliegen müsien Sie sich an die Lokalkommission wenden. Plichta. Schnstliche Antwort ertheilen wir nicht. Zur Sache selbst: ja.— K. G. 100. Stets.— Vorwärts-Rlai. 1. Vor Anstellung der Beleidigungsllage muß bei dem Schiedsmann des Bezirks, in dem der Be- leidiger wohnt, Sühneversuch angestellt werden. Nach sruchtlosem Ablauf deffelben ist die Klage beim Amtsgericht anzustrengen. Ob eine Ver- urtheilung erfolgen wird, läßt sich in Ihrem Fall nicht vorhersagen. 2. Reichstag, Polizeipräsidium, Rathhaus.— Zwei Wettende. 1. Nein. 2. Erledigt sich duich l 3. Ja— Dreher- Kassel. Sie könnten binnen zwei Wochen nach Enipsang des Bescheides durch einen Rechtsanwalt Be- schwerde beim Ober-Landesgericht erheben. Dieselbe macht aber Kosten und wäre voraussichtlich leider erfolglos.— R. 2. D. Klagen Sie aus Heraus- gäbe und eventuellen Schadensersatz: vielleicht sprechen Sie gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor.— di. 2 eh., Eharlottenburg. Nein. — G. H. 103. 1. Scheint leider verjährt. Sprechen Sie gelegentlich mit Paß in der Sprechstunde vor. 2. Ja.— Frhrdellin. Leider scheint der weißen Sklavin nicht zu Helsen zu sein. Genauere Auslunst ist ohne Einsicht in die Bescheide unmöglich.— Marie G. Diese Mittheilungen würden nicht genügen.- Paul IL. Der Mann haftet nicht.— W. K. T. Der Schwester steht nach Ihrer Darlegung lein Anspruch zu.— R. B. 1. In der Regel. 2. Ja.— A. D. 14. Chart. Sie haben keinerlei Ersatz für die in einem fremden Hause seitens Ihres älter als siebenjährigen KindeS eingeschlagene Scheibe zu leisten.— C. C. 1. Im allgemeinen in 10 Jahren. 2. Vom Tage der Fälligkeit ab. 3. Sie haben Ihrem Anwalt, der unterliegende Gegner Ihnen die Kosten zu zahlen/— Sur den Inhalt der Inserate bernimnit die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei __ Berautmortuug. Tlzenkev. Dienstag, den 1. Inn i. Opernhaus. Der Maurer Tchauspielhaus. Die Komödie der Irrungen.— Der eingebildete Kranke. Deutsches. Freiwild. Berliner. Renaissance. Lessing. Die Geisha. Schiller. Bauernehre. Der ein- gebildete Kranke. Renes. Trilby. Linden. Der Zigeunerbaron. Thalia. Trilby. Friedrich- Wilhelmstndtisches. Im Lichte der Wahrheit. Bclle-Alltanee. Konstantinopel. Residenz. Der Besuch nach der Hochzeit. Hierauf: Im Pavillon. (Le Parfüm.) Ostend. Die Räuber. Alexanderplat,. Alle fünf Barrisons. — Eine tolle Prinzeß. BolkS. Auf eigenen Füßen. Apollo. Venus aus Erden. Passage-Panoptiknm. S00 Sehens- Würdigkeiten. Zwei Riesen- Jl- lustonen._ Sckillov�T lzvakev (Wallner-Theater). Dienstag, abends 8 Übt: Bauernehre. Der eingebildete Kranke. Mittivoch, abends 8 Uhr: Madame Bonivard. Osteud-Theater. «r. Frankfurterstr.1Z2. Dir. E. Weist. Die Räuber. Trauerspiel in fünf Akten von Fr. Schiller. Anfang 8 Uhr. In Borbereitung: Unsere Reichs- poft. Bolksstück mit Gesang in 4 Atten von R. Kneisel. Mustk von C. Schüler. Im Garten täglich: Großes Frei- Konzert.— Anfang 6 Uhr. Au: 1. Pfingstfeiertag: Bollständige Eröffnung des Sonnner- Gartens. Großartiges sensationelles Programm. Volks-Theater St. Reichenberger- Strafte Zt. Sommer-Saison. Abends 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. H eigenen Me». osse v. P oh l u. W l lk en, Mustk von A. C o n r a d i. Bor der Vorstellung von tp/z Uhr, Sonntags Sst/j Uhr: Garten-Konzert. fentw Wochentags 30 Pf. bis 3 M. (mm. Sonntags 50 Ps. bis 3 M. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). Trllhz-. 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