nu "ß der Se. ««- Preis 1v Pfenttig. Morgen-NnSgabe. Redattion: Berlin RWK. Schiffdanerda«« IS"». Fernsprecher! Amt Norden!i«SZ und'�»S. $'♦»Freiheit"«rsckelnt zweimal täglich, morgen» ur»> nachmittag», an ?°nn. und Festtagen nur morgen». Der Bezugspreis beträgt bei sreier Zustellung in» Hau» flu Grob Berlin monatlich 2 M Für die lkrledi» »ig auswärtiger Bestellungen ist vorherig« Einsendung der Bezug»- »buh? erforderlich.— Die..Freiheit- ist im ersten Nachirag der Post- ltitungsliste sür ISlS eingetragen und kostet bei direktem Postbezug °hae Bestellgebühr monatlich 2M. bei Zusendung unter Streifband 4 M. Mm Organ Expeditton: Fernsprecher: Amt Norden Verl!» NWS, Schiffdnnerdomm IS it. 11007 und 11008. Inserat» kosten die stebengespalten« Nonpareillezeil« oder deren Rarun 70 Pf.„Kleine Anzeigen" da» fettgedruckte Wort 30 Ps„ fede» metter« Wort 15 Pf. Di» dreigespalten» ReKlamezetl» 8 M., Teuerungszuschlag 30%. Bei Familienanzeigen, Bersammlungsanzeigen von EewerV tchaften und politischen Organisationen fällt der Teuerungszuschlag sorr. Znserat» für den darauf folgenden Tag müssen spätestens vis S Uhr 3 abend» bei der Expedition, Schiffbauerdamm lg, aufgegeben sein. der Mabhöngigen SoMemokraWen Partei SeuWands Dieustag, den 24. Dezember 1918 Ntttnmer 72 fln öie Partei! . Nur kurze Zeit trennt uns von den Wadlen. Es wer� die bedeutungsvollsten Wahlen sein in der Geschichte 'ks deutschen, des internationalen Sozialismus. Bewußt, �tch in der schwersten Zeit ihre sozialistische Pflicht erfüllt tu haben, geht die Partei in den Wahlkampf. Als der Krieg Verwirrung in die Reihen des Proleta- s?ae Rettung für die ungeheuren Kriegsschäden zu sinden � Aber die rechtssozialistische Führerschaft geht nur allzu Rudernd und zögernd ans Werk. Sie fürchtet den Bruch ""t den bürgerlichen Parteien, mit denen sie so lange in ??ger Gemeinschaft gewirkt hat. Sie schreckt zurück vor der �dnen Fortführung der Revolution, vor den notwendigen Maßnahmen ihrer Sicherung und der Riederbalwng der genrevolution. c Der Verlauf der Reichskonferenz der Arbeiter- und �vldatenräte bat erneut den Beweis erbracht, daß alle �krgjschen und durchgreifenden Maßnahmen auf den überstand der Rechtssozialisten stoßen. Die wichtigen unumgänglich notwendigen Forderungen der Soldaten segneten ihrem Widerstreben, und die Ausführung der Schlüsse ist bei dem Widerstand der Heeresleitung nicht Richer:. Die Anträge der Unabhängigen Sozialdemo- sNtie auf Wahrung der Rechte des Zentralrates wurden ihren Anhängern niedergestimmt. Die revolutionäre �ergje wurde nicht gestärkt, sondern geschwächt. . Die U. S. P. D. erhält so die Aufgabe, als Trägerin FvICt prinzipiellen sozialistischen Politik für die Verwirk- 'tviing des Sozialismus in der revolutionären Epoche bis '•!? endgültigen Siege zu kämpfen. Die Partei verkennt "'cht. daß die Hauptschlacht geschlagen werden muß zwischen dem vereinigten Bürgertum auf der einen Seite und dem Proletariat auf der andern Seite. Denn in diesem Wahl- kämpf handelt es sich nicht mehr um einzelne politische oder wirtschaftliche Forderungen der Arbeiterklaste, sondern es geht um die Aufbebung der Klasienberrfchaft überhaupt, um die Erseßung der kapitalistischen Ausbeutung durch die sozialistische Gesellschaft der in Freiheit und Gleichheit ver» bundenen Menschheit. Soll aber dieses höchste Ziel, um das je gerungen worden ist, erreicht werden, so bedarf es der Vorkämpser, die unbehindert um jede Rücksicht auf die Gegner, unbelastet von einer schuldbeladenen Vergangen- heit, die Wegdereiter des Reuen sein können. Um unge- bindert diese Aufgabe erfüllen zu können, muß die U. S. P. D. in voller Geschlossenheit und Selbständigkeit in den Wahlkampf eintreten. Die Partei erwartet von allen ihren Genossen, daß sie mit ganzer Jrgftchie Zeit gusnützen zur Werbung für die sozialistischen Ideen, zur Aufrüttelung der Masten, zur Gewinnung neuer Kämpfer. Wir wollen behaupten, was wir erobert baden: die volle Demokratie in der neuen deutschen einheitlichen Re- publik. Wir wollen die Eroberung der Staatsmacht als Hebel benutzen, um"die kapitalistische in die sozialistische Gesellschaft umzuwandeln. Wir fordern, daß alles geschieht und mit aller Be- schleunigung geschieht, was sofort an Sozialisierunq geleistet werden muß. Wir fordern insbesondere die Erklärung aller Bodenschätze und Kraftquellen zum Eigentum der Nation und die rascheste Durchführung aller Maßnahmen, die dieses Eigentum verwirklichen. Wir fordern, daß die Lasten des Krieges durch um fassende Besteuerung der Einkommen, Vermögen und Erb schaften und Konfiskation der großen Kriegsgewinne auf die Besitzenden abgewälzt werden, deren Politik den Krieg verursacht hat. Wir fordern eine Verfassung, in der die Grundsätze der Demokratie restlos und befreit von allen bürgerlichen Traditionen' verwirklicht sind. Dafür wollen wir jetzt die Massen zu gewinnen suchen. Gegen die Beherrschung der Menschen durch Menschen, für Freiheit und Gleich» heit! GegenkapitalistischeAusbeutung�für sozial! st ifcheBrüderlichkeit! Berlin, den 23. Dezember 1918. die Parteileitung üer U. S. P. D. Lelbsländigkeit der Partei. Von Luise Zietz. v, Di? Rechtssozialisten sind unablässig am Werk, um den Aitern zu suggerieren: Das'Interesse des Proletariats , Jordere die Verschmelzung der beiden soziallstiichen Par- b,',cn. Uu, ihr Ziel zu erreichen, sind ihnen alle, auch die u I"kl'chlten Mittel, recht. In jeder Weise wird. gegen die gehetzt, insbesondere der„Vorwärts" leistet dabei lluglaublichste. Hftn der Provinz schlägt man eine andere Taktik ein. da die Scheidemönncr liniere Ortsgruvpenlciter auf und vor: Zwischen den beiden Parteileitungen seien bereits x"gungsuerhandlungen im Gange, diese könne man för- wenn inzwischen die Ortsgruppen die Verschmelzung n»- Da t suche machen wunden. Eine Fülle, von Zuschriften H,■. den verschiedensten Gegenden des Reiches, in denen Ostens xiuiiz erregt angefragt wurde, ob es wahr sei. daß dun die Einigung betrieben werde, bei ihnen wolle kein Mitglied der U. J. P. etwas wissen, gaben uns """Inis von diesem Treiben. t»-.�clbstverständlich haben wir geantwortet: die Par» «vi t u n g.denke gar nicht daran. Einl» i."«sverhandlungen e l n z u l e i te n oder ��ndwie zu betreiben. In dem ersten Aufrilf der Parteileitung, der nach der Revolution erschien, ebenso in unserem Aufruf an die Jnter- nationale und in unserem Aufruf zur Wahlbeteiligung für die Nationalversammlung ist scharf und klar zum Ausdruck gebracht, daß wir die Selbständigkeit unlerer Par- tei als geschichtliche Notwendigkeit betrachten. Und der Aufruf zur Wahlbeteiligung erfolgte am Tage nach einer Re'chskonserenz. die aus allen Wahl- bezirken des Reiches stark beschickt war. in der m i t ci l l e n gegen eine Stimme beschlossen worden war: W i r bleiben eine selbständige Partei, wir gehen mit eigenen Listen in den Wahlkampf. Durch diese Beschlüsse ist ganz unzweideutig der Wille der Parteigenossen und der Leitung zum Ausdruck gebracht. Bei der Aussprache in der Reichskonferenz wurde wiederholt erklärt: Wenn einzelne Personen die Politik der Rechtssozialisten mitmachen wollen, stehe ibrem Abmarsch' ja niemand im Wege, die Partei der U. S. P. halte an ihrer grundsätzlichen Politik und gn ihrer organisatorischen Selb- ständigkeit fest. Wir meinen, das ist deutlich I Wie aber sind wir zu diesen Beschlüssen gekommen? Ist es Eigensinn, der auf das Interesse des Proletariats keine Rücksicht nimmt? Spricht aus ihnen die tiefe Bitterkeit über all das Schmähliche, was uns die Rechtsiozialisten im jähre- langen Bruderkampf durch Berleumdung. Denunziationen, Vergewaltigung antaten? Nein, sicherlich nicht! Wenngleich es menschlich nur allzu begreiflich wäre. wenn wir angesichts des ungeheuren Sündenregisters der Rechtssozialisten erklären würden: mit ihnen gibt' es keine Gemeinschaft. Oder lehnten wir die Verschmelzung ab, weil die RechtS- sozialisten durch ihre verderbliche Kriegspolitik so sehr kom- promittiert sind, daß wir deshalb uns nicht mit ihnen organi» satorisck) vereinigen können? Das wäre sicherlich Grund genug, politisch unser Verhalten zu erklären und zu rechtfertigen. Denn wieder und wieder müssen wir daran erinnern, daß die Rechts- sozialisten alle Regierungen während des Krieges unter- stützten, ihnen die Mittel zum Kriegführen bewilligten, auch dann noch, nachdem der preußische Militarismus dazu dienen mußte, in Finnland die sozialistische Republik nieder- zuschlagen und Zehntausende unserer finnischen Partei- und Gewerkschaftsgenossen, die sich ergeben hatten, durch deutsche Maschinengewehre in die Gräber zu schießen, die sich die be- dauernswertcn Todesopfer selbst hatten graben müssen. Die Rechtssozialisten haben die alte, verbrecherische Re» gicrung auch dann noch unterstützt, als der Gewaltfriede mit Rußland, der Ukraine und mit Rumänien geschlossen wurde» gegen den sie nicht einmal zu stimmen wagten. Sie haben sich bedingungslos hinter die einander ab- lösenden Regierungen gestellt und damit an der Verlange' rnng des Krieges mitgewirkt und die-Mitschuld für die nn- zähligen Opfer des Krieges auf sich geladen, trotzdem ihnen so gut. wie allen Politikern zahlreiche Dokumente bekannt waren, durch welche die Schuld Deutschlands am Ausbruch des Krieges erwiesen wurde, durch die bekannt wurde, daß Deutschland wiederholt jjiriedensmöglichkeiten vernichtet hatte. Uns haben sie beschimpft, wenn wir auf diese Tat- fachen verwiesen, die z. T. vom Genossen Laase in seinen Reichstagsreden unter dem Wutgeheul der Reichstags- Mehrheit angeprangert wurden. Tatsachen, die später von Schulze, Gävernitz u. a. in den Tagesblättern besprochen worden sind. Die Rechtssozialisten haben während der ganzen Dauer des Krieges den Klassenkampf abgeschworen und jede selb- ständige Regung des Proletariats unterdrückt. Die Aufrufe ihres Parteivorstandes und der Generalkommission, in denen der Fricdensschrei der streikenden Arbeiter verunglimpft und als Landesverrat denunziert wurden, sind bei GerichtSverhand. lungen des Reichsgerichts gegen unsere Genossen und Ge- nossmnen als Belastungsmaterial vom Staatsanwalt ver- wendet worden, um die Angeklagten des„Landesverrats" zu übcrführen und sie ins Zuchthaus zu senden. So ist von jener Seite alles geschehen, um den Kampf der Arbeiter für Beendigung des Krieges wirkungslos zu machen. Bis zum Tage der Revolution ist diese Bekämpfung der revolutionären Arbeiterbewegung fortgesetzt worden, da- für sind die Nummern des„Vorwärts" unwiderlegliche Be- weife. Dafür ist Beweis ein Flugblatt, das am Tage ver Revolution in den Großbetrieben Berlins verbreitet wurde. Es trägt die Unterschrift:..Parteivorstand der Sozialdemo- krcii�chen Partei Deutschlands", es fordert die Arbeiter ans. nicht ans die Straße jzji gehen, nicht den Aufrufen von Minderheiten zu folgen, denn— Scheidemann habe dem Kai'?» nahegelegt, abzudanken und der Parteivorstand werde alles anfbieten, um— baldmöglichst die vixlen Ein- Ziehungen rückgängig z,, machen.(Dabei erinnere inan sich, daß kurz vorher der„Vorwärts" Stimmung machte für die „nationale Verteidigung".) Dieses Sichstemmen gegen die Revolution erfolgte noch am 9. November, dem Tage der Revolution in Berlin, nachdem in Kiel. Hamburg. München und anderswo bereits die Macht in den Händen der Arbeiter und Soldaten lag. Glück- licherweise folgten die Arbeiter uns und nicht den Rechts- sozialisten und als die Hauptarbeit am Revolutionstage'ge- tan war. paßten sich jene schleunigst der Situation an. Der Mund SchcidemannS. der gegen die Revolution gerufen hatte, war kaum gefchlosicn, um sich alsbald wieder z» öffnen: die Revolutior. zu preisen und die sozialistische Republik auszurufen, als seine Augen sahen, daß die verpönte Re- Volution siegreich war. � Im Gegensatz ,u den Rechtssozialisten haben wir die Kriegspolitik auf das schärstte bekämpft, hoben die Arbeiter aufgerufen zum Kampf gegen sie. Durch unsere Kriegs- Politik unp unsere Agitation haben wir die geistige Vor- bereitung der Revolution getrosten, die jene bekämpften. Wir hoben also alle Ursache, zu erklären: Wir sind vom tiefsten Mißtrauen gegen die Rechtssozialisten erfüllt, wir ind der Ueberzeugung: der Feind von gestern kann kein zu- verlässiger Freund von heute sein, wir bleiben deshalb selb- ständig als U. S. P. Diese Argumentation würde unser Verhalten jedoch nu» basb begründen. Die Politik der Rechtssozialisten seit der Revolution hat bereits zur Evidenz erwiesen, wie berechtigt unser Miß- trauen ist. Zu den alten Sünden vor der Revolution sind neue, nicht minder schwere nach der Revolution gekommen. Halbheit und Doppelzüngigkeit kennzeichnet ihre Politik auch nach der Revolution in all ihren Maßnahmen. Nur wenige Beispiele mögen diese Tatsache erhärten. Bereits am Tage der Revolution, als die David. Scheidemann und Ebert uns ersuchen, in die Regierung einzutreten, machte David den Vorschlag: vom Kaiser und dem Kronprinzen Abdankung zu verlangen, dem Enkelkind Wilhelms jedoch die Krone zu erhalten. Er wollte also die Monarchie, nach siegreicher Re- volution, wieder errichten. In der Nacht vom zum 10. November versuchten Rcchtssozialisten unter Führung Antricks den provisorischen Soldatcnrat zum Staatsstreich zu verleiten, indem sie sie aufzuputschen versuchten, nicht zur Soldatenratswahl z» schreiten und nicht in die konstituierende Versammlung des Zirkus Busch zu gehen. Durch den Genossen Stein, der diese Aufreizungen mit angehört hatte, wurden die Soldaten von der Durchführung dieses verbrecherischen Vorschlages«b- gehalten. In derselben Nacht setzte dann noch ein Aufhetzen der Soldaten gegen.uns ein. durch Flugblattverteilung und Mihvlich Verleumdung, deren Erfolg sich in der Stimmung im Zirkus Busch am Abend des 10. November zeigte. Dieses Aufhetzen der Soldaten gegen uns ist fortgesetzt worden bis auf den heutigen Tag, während heuchlerisch die .Einigkeit" gepredigt wird. Unsere Genossen sind in die Regierung� eingetreten uitcr bestimmten Bedingungen, davon war die eine: Der Arbeiter, und Soldatenrat ist als Träger der politischen Macht anzuerkennen. Auf dem Kongreß der Arbeiter» und Soldatenräte stemmte sich Ebert mit aller Macht gegen die Anerkennung dieses Rechts, setzte dessen Einschränkung durch, worauf die Mitglieder der U.S. P. den Eintritt in den VollzugSrat ablehnten.. Im Kabinett wurde vereinbart, nach heftigem Kampfe seitens unserer Mitglieder: die Wahl zur Nationalversamm» lung soll, vorbehaltlich der Zustimmung des Rätekongresscs. am 10. Februar stattfinden, Ebert als Mitglied des Kabinetts hält Soldaten- und Volksversammlungen ab, in denen er für die Wahl am 19. Januar Stimmung macht. Derselbe Ebert beschuldigt jedoch den Genossen Barfl) der Unkollegialität, wenn er spricht, über noch schwebende Verhandlungen, bei denen er den Widerstand der RechtS- sozialisten bereits zu spüren bekam: als es sich darum han- delte. den berüchtigten Grenzschutz zu beseitigen, der von so ungemein mhängnisvollen Folgen für unsere innere und äußere Politik werden kann. Statt ihre ganze Kraft zur Bekämpfung der Konter- revolution und den offenen Hochverrat des Zentrums zu richten, wird Tag für Tag der Kampf gegen links geführt und damit jene Atckosphäre erzeugt, in der die Konterrevolu- tion vräcbtig gedeiht. Die Forderungen der Solbatendcputationen auf den, Kongreß. Selbstverständlichkeiten im Interesse der Revolu- tion. für die wir unausgesetzt eingetreten sind, werden ver» dächtigt und verunglimpft. Ihrem Widerstand ist eS geschuldet, daß das Auswärtige Amt noch immer nicht gesäubert ist von den Konterrevolutionären. Die Trennung von Staat und Kirche, eine Forderung des Erfurter Programms, das angeblich auch für die Rechts- sozialisten noch gilt, wird als Vorwand genommen, um gegen Adolf Hoffmann zu hetzen, der damit Schuld sein soll an dem Hochverrat des Zentrums, das auf die Loslösung einer Rheinisch-westfälischen Republik vom Deutschen Reiche hinzielt. Nur wenige Beispiele, die sich stark vermehren ließen. die aber deutlich zeigen, daß von einer zielklaren Politik bei den Scheidemännern nicht die Svur anzutreffen ist. Von den bürgerlichen Schichten der Bevölkerung werden sie dann auch, mit Recht, als die Schützer der Kapitals- intereften angesehen. Taraus ergibt sich, daß wir als selbständige Partei eine wichtige historische Aufgabe zu erfüllen haben: die Regierung zu überwachen und vorwärts zu treiben zur schnellen energischen Inangriffnahme der Sozialisierung. Insbesondere aber: die Massen der Arbeiter unter unserer Fahne zu scharen zu einer energischen, zielklaren sozialistischen Politik, zur Rettung der Revolution. Das Interesse des Proletariats erfordert also nicht Ver. schmelzung der Parteien, wobei es den grundsatztreuen So- zialisten just so gehen würde, wie den U. S. P.-Vertretern auf dim Retckongreß. sondern: Selbständigkeit der U. S. P. als treue Verfechterin der Ideale des Sozialismus, als Hüterin der Revolu» tion und ihrer Errungenschaften. die Schuldigen. Der letzte Ministerpräsident der ehemalig österreichisch- ungarischen Monarchie, Professor Dr. Lammasch, gc- währte einem Korrespondenten der„Daily News" eine Unterredung, in der er sich über die österreichische Politik während des Krieges ausließ. Seine Mitteilungen wirken wie eine einzige große Anklage gegen die Politik der damaligen deutschen Macht- haber. Neuerdings bringen sie den dokumentarischen Be« weis,, daß die deutschen G e w a l t p�o l i t i k e r eS waren, die immer wieder einem VerständigungS» frieden entgegenarbeiteten und die von Oesterreich kommenden Bemühungen, ein Ende des Krieges herbeizuführen, ver- e i t e l t e n. Von dem Exkaiser Karl sagte Professor Lammasch, daß ferne Friedensbemühungen aufrichtig gewesen seien und vom ersten Tage seiner Regierung an datiert hätten. „Das erste Friedensangebot der Mittelmächt« im Dezember ISIS entsprang seiner Anregung. Deutschland gab seine Einwilligung nur widerstrebend, und der talt- lose Ton, in dem dieses Friedensangebot gehalten war,«nt- sprang der deutschen Beeinfluisung." Professor Lammasch berichtete dann über weitere Be- mühungen Oesterreichs, zu einem Frieden zu kommen, die jedoch von Deutschland nicht unterstützt oder geradezu be- kämpft wurden: „Es könnte von historischem Wert sein, daß Kaiser Karl' mit hereilä am 17. Juli dieses Jahres den Mimsterprästdenten» Posten anbot. Ich war bereit, dte�e Berufung anzunehmen, je- doch nur unter der Bedingung, daß auf Deutschland ein D r u ck zur Annahme folyender Bedingungen ausgeübt werden müßte: 1. Räumung und Entschädigung Belgien«. 2. Voll« Autonomie und, Wenns nötig sei. Gewährung einer republikanischen EtaatSform für Elsaß-Lothringen und volle» SelbstbestimmungSrecht aller fremden Volksteile im Deutschen Reiche. S. Oesterreichiseh-ungarische Gebietsabtretungen an Italien im italienischen Teil Tirols und im Trentino. 4. Vereinigung der südslawischen Staaten mit Anschluß an Oesterreich-Ungarn unter der Bewilligung gleicher Rechte. Kaiser Karl war mit diesen Bedingungen einverstanden, jedoch,(ich kann es. zwar nicht mit unbedingter Bestimmtheit sagen) ich glaube, daß Graf Czernin gegen die Annahme dieser Bedingungen stimmte. ES ist aber sicher, daß die deutsche Militärpartei und Schwerindustrie ihre starke Abneigung gegen diese Bedingungen bekundete. Am 21. Juni 1917, ich glaube es war unmittelbar nach der großen Debatte über die bekannte Friedensresolution des Deutschen Reichstages, versicherte Deutschland ernsthaft Kaiser Karl, daß die russischen und italienischen Drohungen gegen die österreichisch-ungarische Monarchie endgültig ver- nichtet seien. Nun wurden keine Schritte mehr getan, um diese, meine Friedensvorschläge zu beachten. Im Januar 1918 nach den bekannten Unterhandlungen, die ich in der Schweiz hatte, drängte ich den Kaiser, Deutschland zu ver- anlassen, einen F r i e de n zu den oben skizzierten Bedingungen zu schließen. Kaiser Karl tat dies auch und exponierte sogar seine eigene Person. Aber wieder ohne Erfolg, denn die gleiche Abneigung und Gegner- schast offenbarte sich wie damals wieder jetzt im deutschen Großen Hauptquartier und nicht» wurde in der FriedcnSsrage getan." Auf die Frage des englischen Journalisten, welcher zuletzt das Verhältnis zwischen Deutschland und Oesterreich. Ungarn gewesen sei, antwortete Professor Lammasch: „Freundschaftlich, aber doch etwa» gespannt. Wir waren fortgesetzt bemüht, auf Deutschland in der Friedensfrage einen Druck auszuüben, aber unser Verbündeter setzte dem immer Widerstand entgegen. Der lctzie Entschluß des Kaisers den Alliierten einen Sonderfrieden anzubieten, ersoWe aber auch erst, nachdem der Deutsche Kaiser vorher von diesem Schritte verständigt worden war. 43 Stunden, bevor wir unser Angebot machten, hatte Kaiser Karl an Kaiser Wilhelm folgendes telegraphiert: „Ich fühle mich durch die gegenwärtigen außerordentlich schwierigen Umstände gezwungen, einen Separatfrieden zu schließen." Kaiser Wilhelm antwortete ihm mit einem Telegramm, in dem er ihn bot, diesen verachtungsvollen Schritt aufzuschieben. Die Entscheidung war aber unwiderruflich!" Wieder bestätigt sich also, daß die deutschen Machthaber die treibende Kran in diesem Kriege waren. Ungeheuer i st d i e S ch u l d, die sie auf sich geladen haben. Nicht Ütmrs genug kann mit ihnen abgerechnet werden. Alles muß daran ge'ctzt werden, daß mit dem 9. November ihre Macht e n d- gültig gebrochen und beseitigt istl ßaulsky über die Schuldsrage. Rotterdam, 23. Dezember. Nach dem„Nieuwe Rotter- damsche Courant" meldete der Berliner Korrespondent der Daily NcwS, er habe eine Unterredung mit K a u t s k y ge- habt, der in den Archiven des Auswärtigen Amtes Nach- forschungen über die S ch u l d f r a g e anstelle. � Nach Kautsky verteile sich die Schuld am Kriege stufenweise fol- gendermaßen: 1. auf den Kaiser und den Kronprinzen. 2. auf Luden- dorff und Tirpitz. 3. auf die kaufmännischen Magnaten und 4. auf die Alldeutschen.— Was England betreffe, sagt Kautsky. so würden die dortigen Archive wahrscheinlich er- geben, daß LichnowSky richtig vorgegangen ist. berliner Revolukionsbilber". «Berliner Revolutionsbikder" entwirst die„Kreuz- zeitung" ibren ländlichen Lesern, die indessen auch für die Berliner Arbeiter Interesse haben. Denn diese können daraus ausgezeichnet lernen, mit welchen Sympathien sie in den der„Kreuzzeitung" nahestehenden Kreisen des Junkertums und der Bourgeoisie zu rechnen haben. Der Kreu-Mitungsmann spricht von den fast hundert- tausend Arbeitslosen in Berlin: für ihn„treiben sie sich in Berlin herum":„die Straßen und alle Verkehrsmittel sind voll von Herumlungernde n". Nur die„schlechten Elemente" bleiben nach dem Artikel- Schreiber in Berlin. „Ihre bei der Entlassung gewährten neuen Unisormstücke haben sie längst verschleudert. Am Potsdamer Play und in der Friedrichstraße sieht man den feldgrauen Orgelspieler und den Zigarrenverkäufer neben schmutzigen Gesellen, die mit breitem Geschrei die„Freiheit" und die„Rote Fahne", den„Vorwärts" dem Vorübergehenden anpreisen." Besonders haben es dem Mann die Matrosen an- getan. Nachdem er sich über die schlechte Haltung der Sicherheitsmannschasten aufgehalten hat. fährt er fort: „Oft gesellt sich zu ihnen der Matrose, noch rüderen Tones, als d-c anderen Stützen des revolutionären Re- aime». Mit besonderer Verachtung gleitet der Blick über sie, die zuerst den Eid brachen» die lange Zeit vorher, als w.» noch mitten im Kampfe standen, die Umwälzung betrieben" Diejenigen, die unter dem Einfluß der fozialdemo- kratischen Propaganda die Front verließen, sind dem Ord- nungsmann der„Abschaum der einst stolzen Solda- teska": ihnen werden ohne weiteres Einbrüche und Ueb er falte in die Schuhe geschoben.„Denn die für oie Erwerbslosen gezahlten Beträge reichen für diese Herren nicht aus. Arbeit aber will keiner; diese Zeiten sind vorüber." Was an Schmähungen der Revolution erdacht werden kann, das gießt der Kreuzzeitungsschreiber über sie aus. Die Revolution zerstöre alles, was an den Begriff der Ordnung, der Pflicht, der Moral, der geschichtlichen Ueber- lieferung mahnen könnte.„Aus der Revolution der So- zialisten ist die des Mobs geworden." In diesem Stile geht eS weiter. Der Mann, der diese Schimpfereien losläßt, erwähnt auch die Tanzvergnügungen und den Vergnügungstaumel der„besseren" Kreise. Aber darüber gleitet seine Feder rasch hinweg. Da liest man nichts von„Mob" und„Gesellen" und„Abschaum" und wie die Schmeichelworte sonst noch heißen, die er so reichlich für dir Arbeitslosen, die Straßenverkänfer der Zeitungen, die Recht und sozial« Neugestaltung heischenden Pro- letarier hat. Wenn die Berliner Anbeitersöhast lwch aufgestachelt zu werden brauchte, ihren Kampf für die Neuordnung der Ge» sellschaft auf der Grundlage der sozialistischen Wirtschaft fort« zusetzen, so sollten nur rÄt häufig derartige„Revolutions- bilder" entworfen werden. Neue Vahlerfolge in Lraunschwelg. Nachdem kürzlich in Braunschweig Stadtverordneten- Wahlen stattgefunden hatten, bei denen die Unabhängige So- zialdcmokratie weitaus die meisten Stimmen auf sich ver- einigte, fanden am 22. im ganzen Herzogtum die W a h le* zum Landtag statt, selbstverständlich auf Grund des gemeinen gleichen Wahlrechts für Männer und Frauen nach dem Verhältniswahlsystem. Bei den Wahlen im ganzen Herzogtum er- hielten Mehrheitssozialisten und Unabhängige ungefähr gleichviel Stimmen, nämlich die erstgenannten 44 110, die Unabhängigen 42 750 Stimmen. Die Demokratische Volks' Partei brachte es auf 38 120, der„Landeswablvcrband". d, h- die Vereinigung der rechtsstehenden Parteien, auf 43 50» Stimmen. Insgesamt wurden also 81 700 bürgerliche uni 86850 sozialdemokratische Stimmen ab' gegeben. Ein neuer Beweis für die Möglichkeit, auch bei den Nationalversammlungswahlen eine sozialistische Majori» tät zu erzielen! In der Stadt Braunschweig erzielten die Un- abhängigen diesmal 23 500 Stimmen, etwa 100 Stimm'» weniger als bet den Stadtverordnetenwahlen: die Meli» heitssozialisten büßten etwa 3700 Stimmen ein. so daß iie es nur noch auf 13 430 Stimmen brachten: die Demokratische Volksvartei gewann etwa 300 Stimmen und erzielte jetzt 18 360 Stimmen, während der Landeswahlverband bei 15 000 Stimmen, die insgesamt für ihn abgegeben wurden, 100 Stimmen'einbüßte. Alles in allem können wir mit dem Ergebnis von Braunschweig zufrieden sein. Möge es eine gute Vo» bedeutung für die kommenden Wahlen sein und zugleich ein Ansporn, alle Kraft einzusetzen, um auch weiterhin Erfolg? zu erringen. Die Wahlen\n-den besetzken GebNen. Berlin, 23. Dezember. Um die Wahlfreiheit für die Rational- versMNmlung in den besetzten Gebieten zu sichern, sind von feite» der Deutschen Waffenstillstandskommission am 23. nachmittag i» Spaa folgende dringende Forderungen überreicht worden: l. Freiheit für alle amtlichen Bekanntmachungen über dü Nationalversammlung. 2. Freiheit für alle staatlichen Organe, welche mit der Arn' stellung der Wäblerlisten, Leitung der Wahlhandlunp. Entscheidua- gen über Beschwerden über die Aufstellung der Wählerlisten, Fest- stellung de? Wahlergebnisses usw. beauitragt sind. 3. Baldigste Regelung des gesamten Personenverkehrs zwischen den besetzten und nicht besetzten Gebieten im Sinne weit» herzigen Entgegenkommen», wie eS Marchall Fock in Trier zusagte» Insbesondere müssen die Vorbereitungen für die Anfitellun? der Wahlvorschläge ungehindert alsbald getroffen werden könne»- Die Wahlvorschläge sind bis zum 4. Januar bindend festzultelle»- Tie Parteiführer müssen also die Möglichkeit haben, ungehindert sich im rechts- und linksrheinischen Gebiet zu treffen, da die Wahl» kreise besetztes und nicht besetztes Gebiet uinfäffcn.(Die Erfüllung dieser Forderung ist besonders wichtig, da sonst die ganze Wahlhandlung ungültig sein könnte.) 4. Freiheit des Personenverkehrs innerhalb der gesamten be». setzten Gebiete, sodaß Redner und Agitatoren, welche in dem bo- setzten Gebiete wohnen,� sich dort frei bewegen können. S. Versammlungsfreiheit für alle Wahlversammlungen zuk Nationalversammlung. Freiheit in der Verteilung der Flugblätter, Stimmzettel, evtl. unter Aufsicht der Besatzungsbehörden. 3. Freie Zulassung der rechtsrheinischen Zeitungen mindestens bis zum Tage der Nationalversammlung(19. Januar). Die mehrheUssozialistischen Kandihglen für Verlin und Tellow. Dem„Vorwärts" zufolge fanden am Sonntag Konferenzen der Sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Teltmvs startz die sich mit der Aufstellung der Kandidaten zur Nationalversamm» lung beschäftigten. Dies« vorläufigen Vorschlagslisten sollen am Freitag den Wahlkreisvereincn und dann am Sonntag zur cnd» gültigen Beschlußfassung der Gesamtorganisation von Berlin vor- gelegt werden. Vorgeschlagen wurden für Berlin: Ebert, R. Fischer, H. Heimann, R. Schmidt, E. Ernst, Frau Bvhm-Schuch, Fr.»» Martha Hoppe. Pfannkuch, Poetzsch, Ritter, Wuschik, Paul Hirsch und Heilmann. Für Teltow: Ebert, Krüger, Frau Ryneck, Thurow, Pagets, Haß, Ad. Cohen. Küter, Gertrud Scholz. Abschaffung der Orden und Tikel. Berlin, 23. Dezember. Die preußische Regierung erläßt folgende Bekanntmachung: Die Verleihung von Orden findet hinfort nicht m e h r st a t t, doch ist eS jedermann gestattet, ihw früher verliehene Orden, insbesondere auch Kriegserinneru'igS» zeichen, weiter zu tragen.— Die Verleihung von Titel» findet ebenfalls nicht mehr statt. Verliehene Titel könne» weitergeführt werden.— Für die Beamten wird eine NeuregelunS der Amtsbezeichnungen im Anschluß an die in Aussicht stehende Reform des Beamtenrechts und de: Beloidungsverhättnisse vo»» genommer. werden. Bis dahin bleiben für sie die disherigen Be» stimmunge.: über Amtsbezeichnungen bestehen. Milderungen des Slrafvoffzuges. Berlin, 22. Dezember. Eine neue Verfügung de? Justiz» Ministers Dr. R o s e n f e l d bringt wesentliche Milderungen des Strafvollzuges. Das Schweigegebot für die Gemeinschaft wird aufgehoben, der Briefverkchr der Gefangenen freier gestaltet, das .Halten von Tageszeitungen ohne Unterschied der ParteirichtnnS in weitem Umfange zugelassen und der Tabakgcnuß erleichtert. Aus den Milderungen der Disziplinarstrafen ist hervorznhebe», daß die Strafen der körperlichen Züchtigung und de- Fesselung. soweit sie überhaupt noch bestanden, ganz beseitigt werden und tc» Dunkelarrest fortan höchstens bis zur Dauer von sieben Tage» (statt bisher vier Wochen) verhängt werden darf. Am Schluß d-» Verfügung bringt der Justizminister seine Erwartung zum Aus' druck, daß die im Strafvollzuge tätigen Beamten eS sich angelegen 'ein lassen werden, unter Wahrung des Ernstes der Strafe durch gerechte und wohlwollende Behandlung die geistige und sittlich» Hebung der Gefangenen tunlichst sn lordern. VedaueMche Vorfalle. Matrosen und Kommandantur.— Mutige ZusammenWe. Zu bedauerlichen Vorfällen ist ek am Montag nach- mittag gekommen. Wieder ist B l u t in Berlin ge- flössen. Wegen eines verhältnismäbig geringfügigen Nn- lasses ist eS zu Schießereien gekommen, bgi denen mehrere Volksgenossen ihr junges Leben lassen mußten. Noch ist nicht alles klargestellt, manche Einzelheiten find im Augenblick noch nicht zweifelsfrei festzulegen. Gewiß erscheint, daß die Zwischenfälle herausgewachsen find cruS durchaus friedlich gemeinten Demonstrationen der im Schloß einquartierten Matrosen, die auf Grund längerer VerHand- lungen das Schloß verlassen und nach Abgabe der Schlüssel ihre Dekadenlöhnung ausgezahlt erhalten sollten, dabei aber, obgleich sie die Schlüssel auf der Reichsranzlei deponiert hatten, bei der Kommandantur auf Schwierigkeiten stießen. Ob die Matrosen in allem richtig gehandelt haben, ob bei- spielsweise die Besetzung der Reichskanzlei, die auch dabei vorgenommen wurde, angebracht war, bleibt vorderhand da- hingestellt. Jedenfalls aber wird genau zu untersuchen sein, wen die Verantwortung dafür trifft, daß es zu dem blutigen Zusammenstoß gekommen ist. Ueber die ganze Affäre geht uns der folgende ausfllhr- licherc Bericht zu: Tie Matrosen sind seinerzeit nach Berlin berufen worden, um die Revolution und die sozialistische Republik zu sichern. Sie haben sich in Kiel und anderen Städten hervorragend an der revolutio» nären Erhebung des Volke? beteiligt, und da? Volk ist ihnen dank- bor für ihre Leistungen. Run wurde auf einmal die Forderung aufgestellt, die Matrosen sollten Berlin verlassen und vor ollem Schloß und Marstall räumen. AI? sie dieser Auf» forderung nicht nachkamen, erhielten sie am 21. d. M. kein« Löh- nung. Sie warteten bis gestern mittag und einigten sich schließ- lich dahin, im geschlossenen Truppenkörper vor die Kommandantur' zu ziehen, um dort durch«ine Abordnung fragen zu lassen, warum' man ihnen die Löhnung verweiger«. Wels antwortete ihnen, daß sie nicht eher Löhnung bekämen, als bi? sie da? Schloß geräumt hätten Die Abordnung gab dar- auf zu erkennen, daß die untenstehende Trupp« den Platz nicht «her verlassen würde, bi? sie ihr« Löhnung erhalten habe. AI? die Abordnung wieder auf der Straß« war, kam au? der Richtung de» Brandenburger Tore? ein bewaffnete? Panzerauto angefahren. Da» Panzerauto war nach Ansicht der Matrösen von der Kom- mandantur telephomsch zur Hilf« gerufen worden und sollte an- scheinend den Marstall aushöben. Um die? zu verhindern, ver- suchten die Matrosen, da? Panzerauto anzuhalten. In diesem Augenblick fielen von der entgegengesetzten Seite der Straße Schüsse, durch die zwei Matrosen getötet und mehrere verwundet wurdeu. Darauf brachten die Matrosen durch Schüsse da? Panzer- auto zum Stehen. Der Matrosen bemächtigte sich eine unge- heure Erregung. Sie waren vorher eingehend belehrl worden, von der Waffe keinen Gebrauch zu machen, e? sei denn. daß man sie gewaltsam angriffe. Die Matrosen behaupten ein- stimmig, daß auf sie zuerst au? dem Hinterhalt geschossen worden sei. Da sie in W e l? den Urheber der gegen sie veranstalteten Hetze und der Schießerei sahen, begaben sie sich noch einmal in die Kommandantur, besetzten diese mit ihren Leuten und ver- hasteten Wel» sowie seinen Adjutanten Leutnant Fischer. Außerdem besetzte ein Trupp der Matrosen die Reich?- kanzlei und sperrte dort für einige Zeit den Verkehr. Da? führte dazu, daß auch ander« Truppen nach der Reichskanzlei be- ordert wurden, die nun den Matrosen gegenüber Aufstellung nahmen. Da? Bild der Wikhelmstraße sah einige Zeit recht be- drohlich au?. Sogar Kanonen waren aufgefahren. Erfreu- licherweise ging e? aber hier ohne Zusammenstöße ab. Schließlich gelang e? dem Volksbeaustragten Barth, zu vermitteln. Gr erreichte es, daß sowohl die Matrosen wie die anderen Truppenkörper— e? handelte sich um Soldaten, die erst am gleichen Tag« au? Finnland zurückkehrend in Berlin«in- getroffen waren— sich verpflichteten, gleichzeitig nach verschiedenen Seiten abzuziehen. Zuvor hielt der volk»beauftragte Ebert noch«ine Ansprach« an die Soldaten, in der er auf die Schwierigkeiten hinwies, mit denen die Regie- rung zu kämpfen habe. Die endgültige Erledigung der Matrosen- forderungen und der Frage der Verhaftung von Wels scheint einstweilen vertagt worden zu sein. Die deutsche Regierung gegen die polnischen Uebergrlffe. Berlin, 95. Dezember. In Sachen der Wahle n zu der polnischen Konstituante im preußischen Teil. gebiet bat die deutsche Regierung hiergegen mit folg«! der Rote an die polni'che Regierung Einspruch erhoben: .Auf das Dekret der polnischen Regierung, da? die Vor» nähme von Wahlen zur polnischen Konstituante auf deutschem Gebiet in Schlesien, Posen, West» und Ostpreußen anordnet, hat die deutsche Regieerung am 17. d. M. folgende Protestnote ab. gehen lassen: Ter.Monitor Polski" veröffentlicht ein die Wahlen zur polnischen Konstituante anordnende? Dekret der polnischen Regierung, in dem bestimmt wird, daß da?.preußische Teilgebiet" an der Wahl teilnehmen soll und in zehn Wahlkreise eingeteilt wird.— Namens der deutschen Volksregierung habe ich dem pol» Nischen Ministerium de? Aeußern zu erklären, daß die Reich?» regierung nicht nur sich gegen die Aufnahme unzweifechaft rein deutscher Gebiete in die Lifts der polnischen Mahlbezirke ver» wahrt, sondern überhaupt die ganze Ausschreibung von Wahlen zur polnischen Konstituante innerhalb de? gegenwärtigen Reich?» gebiet? als einen rechtswidrigen Eingriff in die b'.stehende deutsche Gebietseinheit ansieht. Die Rcichsregierung wird die Vornahme dieser Wühlen nicht zulassen, bevor nicht der künftige Rechtszustand der deutsch-pol- ui'chen Grenzgebiete durch die Friedenskonferenz festgelegt ist. Soff." mm die LoslSsuug Sberschlesieus. Verlin, 23. Dezember. In der letzten Sitzung de? Kreistage? �atibor ergriff vor Eintritt in die Tagesordnung FWzj von �ichnowsky da? Wort, um gegen die Lostrennung deutscher �ebielZteil� insbesondere des Kreise? Ratibor, vom Deutschen Lieich Stellung zu nehmen. Nach längeren interessanten Aus- sührungen brachte er folgende Entschließung in Vorschlag: »Angesichts der Bestrebungen, die sowohl von polnischer loi« don tschechischer Seite darauf ausgehen, Oberschlesien vom preutzi» scheu Staate und vom Deutschen Reiche loszulösen und so nament- lich den Kreis Ralibor zwischen Polen und Tschechen zu teilen, der Kreistag einmütig den Entschluß au», sich einer etwa,. veu Teilung und LoSlösung widersetzen und nach wie vor bei Greußen und Teutschland verbleiben zu woelln, da er in diesem Reußen und Deutschland verbleiben zu wollen, da er in diesem Gedeihe» de? obcrschlesischen Volk«? ohne Unterschied der Kon- s�ssion und der Sprache." Die Entschließung mit einem Zusatz betr. den militärische» �utz Oberschlesien? wurde einstimmig angenommen. Verabschiedete Generale. .«rauksurt a. Main, 23. Dezember. Nach einer Meldung °er„ftrff. Ztg." wurden folgende Generale verabschiedet: Befehlshaber der 5. Armee. General von der Mar» � l tz, der bayerische Heerführer Generaloberst von B o t h- � r. der bayerische Heerführer Krasfi von Delmen» IflBen, die Admirale von Hipper. der zuK'tzt als i�chiolger Scheers Chef der Hochseellotte war, und Bach» l"ann. Die amerikanische Vesahung. loh Pershing hat an die 2. Armee, die als Be- •«ungsiruppe in Aussicht genommen ist,«inen Defehl e? lassen, es u. a. heißt: sonh"'� seid Nicht alö Plünderer oder Bedrücker gekommen, gie!�" nur als der ausübende Arm einer starken, freien Re- d�. ung. deren Absichten dem deutschen Volt gegenüber von Wohl- "�-n erfüllt sind. j, Während unserer Besetzung steht die Zwilbevöllerung unter b-so�deren Schutz der Pflichttreue und Ehre der amerikani- Armee. ®. Teshntb ist der Zweck dieses Befehls, sich direkt an Eueren su wenden in Euerer Eigenschaft als Vertreter ein-r dntv®1' und rechi schaff enen Nation, in der festen Ueberzeugung 'ir j„ t?.xxo Begehungen zur deurschcu Vevö.ierung 0. J�halten werdet, daß sie Euch und das Land, welches Ihr zu '"reten die Ehre habt, achtet..,,..------------ E? ist nicht anzunehmen, daß irgendwie Plünderungen oder Gewaltakte von Teilnehmern der amerikanischen Streitkräfte begangen werden könnten; sollte sich jedoch jemand diese? Ver- trauen? unwürdig erweisen, so werden dessen Taien nicht nur als Verbrechen gegen die Opfer angesehen, sondern als ent.'h'end für die amerikanische Armee und eine direkte Beschimpfung des Banner? der Vereinigten Staaten.— Sollten solche Ueb-rlwrei» tungen vorkommen, werden sie mit den härtesten Strafen unserer Militärgesetzt bestraft werden." NWW»MI»WMMIMWI»II!INWlIWlIMIWIöW!Ii!lIIIlll!IlllII!!I!iMllWIMI!IIIZ An unsere 'postabonnentenl oder solche, die es werden wollen! llm keine Verzögerung in der Zustellung >,Der Ireihdt�| eintreten zu lassen, ersuchen wir unsere Postadonnenten, W sofort da? Abonnement für da? 1. Quartal ISIS zu bestellen. W Der Bezugspreis beträgt pro Quartal exklusive D Zustellung»gebühr 6 Mk; per Streifband bezogen 12 Ml- M — Die.Freiheit" ist im 1. Nachtrag ISIS der Postzcitungs. D liste eingetragen. ver Verlag. B Die tage in den Sslseeprovinzen. Berlin, 22. Dezember. Die bolschewistischen Truppen dringen in zwei Richtungen auf Riga vor, von Norden über Walk, von Lüden von Jakobstadt her. Auf Veranlassung des Generalbevoll» mächtigten haben an beiden Fronten Besprechungen mit den bol- schewistischen Führern stattgefunden. Diese haben dabei deutlich ihre Absicht bekundet, ihre lettischen Truppen in die Heimat zu- cückzuführen und mit ihrer Hilfe in Lettland die llebertragung der politischen Macht an die Arbeiterrüt« zu begründen. Di« deutschen Truppen haben inzwischen an der Lmic Walk— Riga die Räumung planmäßig bis vor Wolmar durchgeführt, ohne von bolschewistischen Truppen dabei gestört zu werden. Damit sind die in Dorpat be- finblichen deutschen Truppen von der direkten Eisenbahnverbindung mit der Heimat abgeschnitten. Sie haben den Fußmarsch von Dorpat nach Riga angetreten, von wo sie auf der deutschspurigen Bahn über Mitau— Schaulen zurückgeführt werden. Die belgischen Arbeiter gegen jede Annextion. Brüssel, 23. Dezember.(Neuser.) Das belgische So- zialistische Blatt„Le Peuple" beantwortet ben Appell der holländischen sozialdemokratischen Zeitung„Het Volk" an die belgische Arbeiterpartei, daß s'afich der Annexion eines Teiles von Holland widersetzen mo�l. mit der Versicherung, daß die belgische Arbeiterpartei gegen jede An-' n e x i o n sei und daß ihr das S e I b st b e st i m m u n g s» recht der Völker heilig wäre. Reaktionäre Treibereien. Pari», 23. Dezember. Hava? meldet: Da?«Echo de Pari?" macht Anspielung aus die vcn een A.» und S.-Rätcn bec deutschen Waffenstillstandskommission übertragene Mission, von der inter- alliierte-, Kommissicn die Berechtigung zu erlangen, in den be- teylen sogen,«oeulschen" vüi'ieten oie Wahlen vorzunehmen. Sie unterlassen nicht,'ckrecht da» tt ,att weiter, den Präzedenzfall von 1871 anzurufe:,, aber die Klausel de» von ihnen auferlegten Waffenftillstandsvertrage» forderte tamal» die unmittelbare Ei i» berufung der Natlonaiveriammlo-'g mit der Aufgabe, den Fria>kn»vmrag zu ratiklzicren. Nun haben wir bi» jetzt nicht einmal die Reg:«rung Ebert-Haase anerkannt und wir bape.i dedbalo, schließt da» Blatt, die Aufgabe der Wiederber ite.lu» g und Einigung Deutschland? nicht zu erleichtern. Der Vorschlag, die deutschen Ge- fangen«» abstimmen 9u lassen, hat nicht einmal den Schein eine» Präzedenzfalle» für sich. Das«Echo f>« Paris" ist ein ausgesprochen reaktionäre» nationalistisches Blatt. Es ist deshalb nicht verwunde vlich. daß es eine Politik befürwortet, die letzten Ende» aus eine bewußte Verbindung der„Wiederherstellung und Einigung Deutschlands" hinausläuft. Der katholische Klerus gegen den Sozialismus. Amsterdam, 23. Dezember. Da» katholisch« Blatt „T i j d" meldet: Gestern wurde in allen katholischen Kirchen Hollands ein Hirtenbrief de» Erzbischof» von Rotterdam und der vier holländischen Bischöfe verlesen, worin es heißt: Die sozialistischen Lehren über Eigentum. Besitz, Ehe, Familie, Obrigkeit und menschliches Zusammenleben lassen die ewigen und unabänderlichen E> setze Gottes und die Lehre deS Evangelium» völlig außer Ach t.� Der Sozialismus steht im Streit mit dem katholischen Glauben. Es ist desbnlb den Katholiken verboten. Mitglieder anarchistischer oder sozialistischer Vereinigungen zu sein oder solche zu unterstützen. Das Sakrament muß jedem Katholiken verweigert werden, solange er Anhänger des So» zialismus oder Anarchismus ist. Ztalienische Ministerkrise. Bern, 23. Dezember. Der„Tribuna" zufolge ift Orlando gestern bereits in Rom«ingetroffen. Das Blatt bemerkt, daß die verfrühte Rückkehr mit einer Ministerkrise zusammenhält, die aus der De» Mission D a r i s entsprungen set. In ihrer Folge hätterc sämtliche Minister Orlando ihr Portefeuille zur Verfügung gestellt. Laut„Epoca" dürfte es sich bei der gegenwärtigen Krise um den end- gültigen Rücktritt Daris, ZuPeliS, GiufelliS und Tera» handeln. » Nach einer Meldung der«Voss. Ztg." werden die Vertreter Italien? auf der Friedenskonferenz folgende Forderungen stellen: Nationaler Ausbau Italiens auf der Grundlage de? Nationa- lltätenprinzips. der geographischen Zugehörigkeit und der mili- tärischen Sicherheit; Anerkennung der albanischen Unabhängigkeit; Beteiligung an jenen Gebieten Asiens, die der türkischen und deutschen Herrschaft entzogen wurden; Verteilung der Kolonien in Afrika mit Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse Italiens; Sein Varteltag der U. S. V» V. Die Eiuberufung eine» Parteitage» noch vor den Wahlen zur Nationalversammlung, die von mehre. ren Genossen gewünscht wurde, ist, wie un» von de» Partei. leitung mitgeteilt wird, nicht möglich. Die Verkehrsschwierigkrite« sind ungeheuer gross, die Fernzüge verkehren so unregelmässig in so grossen, oft mehr- tägigen Zwischenräumen, dass die Zeit der Wahlagitation fast vollständig von der Hin- und Ruckreise für den Parteitag verschlungen würde. Sihvng der Groß-verllner ArbelkmLke. Die gestrige Sitzung der Arbeiterrüt« nahm einen stürmischen von Tumulten unterbrochenen Verlauf, llm XII Uhr eröffnet Richard Müller die Sitzung. Der Bericht über die Sitzung de» Zcntralrate? wird sowohl von einem Mitglied der Abhängigen wie der Unabhängigen Partei erstattet werden; ebenso der Bericht über den Vollzugsrat. Die Mitglieder de» Vollzugbrate» stellen ihr Mandat der Versammlung zur Verfügung. Auf einen besonderen Antrqg hin erhält auch die demokratische Fraktion einen Berichterstatter zugebilligt. Maltzahn iUnabh.j: Der Zentralkongreß bot ein sehr bunt zu. sammengewürfelte? Bild. Viele Mandate mußten für ungültig erklärt werden, und zwar in der Mehrzahl Mandat« von Sol- datenräten, Feldwebeln, Offizieren, die oft in sehr zweifelhafter Weise zustande gekommen waren. Unter den Delegierten der Ab. hängiaen konnte man zahlreich« Gewerkschaftsführer bemerken. Der Redner kritisiert es, daß der Kongreß lue Genossen Liebkneckst und Luxemburg zu den Verhandlungen nicht zuließ, während junge Offiziere daran teilnehmen durften. Al» er die Delegation der Gardctruppen erwähnt und für die Berechtigung ihrer Anträge eintritt, wird er von Lärm und Gelächter von feiten der Abhängj. gen unterbrochen. Der Lärm wuchs, als er darauf hinwies, daß die Delegierten der Mehrheit, von ihren Funktionären einexerziert, Pier ottrennen! » a o. a tA Ä ;t. s ** TJ o Q 3 ?et Ben CBffitnmunfpen wie auf ein Kommando funktionierten. Der Redner tadelt es, daß die Mehrheit des Zentralkongresses der Arbeitcrdeputation einen höhnenden und unwürdigen Empfang bereitet haben. Die Politik der Unabhängigen ist sich treu ge- blieben. Die Politik der Mehrbeit aber hat sich offensichtlich dar- auf eingestellt, mit dem bürgerlichen Anhang zusammenzuarbeiten. Wir konnten nicht die Hand dazu bieten, daß die Macht der A» und S.-Räte durch die Beschlüsse des Kongresses aufgehoben werde. ffrank fAbh.) wird von lebhaftem Widerspruck unterbrochen. als er sich zu der kühnen Behauptung versteigt: Die Verhandlungen des ZentraikongresseS habe> der Revolution zum Siege verholfen. Es fei bedauerlich, daß diejenigen Parteigenossen, die in frühe- ren Zeiten so energisch gegen die Reaktion kämpften, jetzt ihren Angriff gegen ihre früheren Freunde richteten. Was die Abteh- nung Liebknechts und der Genossin Luxemburg betrifft, so haben gerade wir von der Mehrheit vor dem Kongreß die Zulassung von solchen Genossen vorgeschlagen, die du�ch die Wahlordnung nicht in die Arbeiterräte gewählt werden tonnten: aber die Unabhängigen haben hier eine ablehnende Haltung eingenommen. Ter Genossin Luxemburg war angetragen worden, das Korreferat über Sozia- lisierung zu übernehmen. Hätte sie in zustimmendem Sinne ge- antwortet, so hätte sie dem Kongreß beiwohnen können. Nach un- sercr Auffassung entsprach der Aufmarsch der Soldatendelegation nicht der Würde des Zcntralkongresses. Wir sind nicht für die Diktatur deS Proletariats, sondern für die Demokratie, und wir sind gewillt, die Streitaxt zu begraben, um gemeinsam mit den Unabbänaigen gegen das Kavital zu kämvfen. Flügel fDemokr. Fraktion): Dadurch daß Sie uns hier sprechen lassen, hal>en Sie bewiesen, daß Sie keine Papier- demokraten sind. Wir billigen es, daß die Regierung im Besitze der Legislative und der Exekutive ist, und daß dem Zentralrat nur das Kontrollrecht zusteht. Wir wahren Demokraten wollen den politischen Fortschritt, aber nicht in nervöser Hast. Da die Entente mit einer Räteregierung nicht verhandeln will,(große, stets wachsende Unruhe), so brauchen wir die Nationalversamm- lung. Es ist ein schwerer Fohler der gegenwärtigen Regierung, daß sie verabsäumt hat, die Entente zu fragen, ob sie bereit sei, mit ihr zu verhandeln. Auch w-r sind Gegner jeder Konter- revolution und stet? bereit, mit Geist und Leib dagegen zu kämpfen. Wohl schafft die Revolution ein neues Recht, aber nur für eine kurze Uobergangszeit. Erst die Nationalversammlung toll das Recht des ganzen deutschen Volkes bestimmen. Auf wirtschaftlichem Gebiet« darf e? keine Revolution, sondern nur eine Evolution aoden; die Revolution zerstört, die Evolut'on aber baut auf.(Lebhafte Unruhe und Widerspruch.) R. Müller. Das die Entente mit einer sozialistischen Regie- rung Deutschlands nicht unterhandeln wolle, das gehört zu den üblichen Schwindeleien des.Vorwärts", der gefälschte Auslands- stimmen fabriziert und so die Massen täuscht. Daß einer solchen Argumentation die ganze Presse von der rechtssozialistischen an bis zur„Deutschen Tageszeitung" Beifall klatscht, sollte doch zu denken geben. ES wehte keine revolutionäre Luft in dem Zentralkongreh. Ich hätte nie geglaubt, daß die A.- und S.-Räte I zu einem solchen Selbstmord bereit gewesen wären. In seinen ' weiteren Ausführungen geht Gen. R. Müller auf die Angriffe , gegen den Vollzugsrat ein. Diese Angriffe sind nicht ohne Ein- Wirkungen auf die Verhandlungen des Zentralrats geblieben, der für die jetzige politische Hochspannung verantwortlich zu machen ist. Warum haben wir es abgelehnt, iuv neuen Zentralrat mit- zuarbeiten? Wir mußten dagegen protestieren, daß die politische Mack>t auf einen sechskäpfigen Reichskanzler übertragen wurde, während wir verlangten, daß die A.- und S.-Räte diese Macht be- sitzen sollten. Die Ä.» und S.-Räte und ihr Organ, der Vollzugs- rat, waren im Beg nn der Revolution mit der ganzen Fülle dieser Macht ausgerüstet worden. Der Regierung war nur die Exekutive übertragen, und wir forderten, daß der Kongreß die Macht der A.« und S.-Räte festigen und vermebren soll. Schon der Antrag | Lüde man bezweikte und erreichte das Gegenteil unserer Forde- l rungen. Wir haKen eine gründliche Re:nigung des Auswärtigen Amtes und des Kricgsminsteriums verlangt, da wir sahen, daß man diese Aemter in den Dienst konterrevolutionärer Bestrsbun- gen stellte. Aber die Regierung ging nicht auf unsere Anträge ein. Ich erwähne ferner die schamlose Bekämpfung der und S.-Räte durch die Korresvoudenz Hosrickter. die in engster persönlicher Be< ziehung zu dem Chef der Reichskanzlei. Baake, steht. Dieser privaten Korrespondenz gibt die Reichskanzlei, also die Regierung, Notizen, denen dadurch ein offiziöser Anstrich verliehen wird, ijchr Leib- und Mogenblatt, der„Vorwärts", arbeitet gleichfalls mit allen Massen der Verhetzung.— Müller geht alsdann auf de nnan- zielleu Angelegcnbei'en des Vollzugsrats ein.— Die Redakteure Meies Blattes sind, das muß hier vor aller Oeffeirtlichkeit festgestellt werden, gewerbsmäßige Ebrab'chnetder. Alle diele Geldsckwin- deleien sind zur Diskreditierung des VollzuasratS ausgestr'ut worden. Das geschah in unmittelbarer Nachbarschaft der Re- gierunq, und dieser Regierung w:rd nun durcb den Zentralkon- greß die ganze Fülle der Macht übertragen. Der nengewählte Zentralrat aber ist zur BedeutungSIosiakeit verurteilt. Ter Zen- tralkongreß hat alle Macht, die ursprünglich den Arbeiter- und Soldatenräten zusteht, auf die Nationalversammlung Überträgen, d. h. auf eine Körperschaft, die man noch nicht kennt. Wozu baben wir dann eine Revolution gemacht? Ter Zeniralkongrcß bat das Todesurteil über die A.- und S.-Räte gesvrochen, und diese haben sich selbst ausgeschaltet. Man hat ge'agt, der Zentral. rat kann sa die Regierung entlassen. Damit kann man fseine volitische Kinder einseifen; denn die Regierung kann täglich gegen den Zentralrat regieren, ohne abgesetzt zu werden. Auf diesen Bluff sind wir Unabhängigen nicht hineingefallen. Selbstver- ständlich konnten wir keine Verantwortung für eine Politik über- nehmen, auf die wir keine Einwirkung haben, für die Politik Ebert-Haase. Gerade aus dem Zusammenarbeiten mit dieser Regierung haben wir die schwersten Bedenken gegen sie geschöpft. Der neue Zentralrat, aller Macht beraubt, wird völlig in der Luft schweben. Natürlich wäre es für uns leichter gewesen, im großen Strom mit-uschwimmen. Aber wenn ich sehe, daß ich die Verantwortung für eine bestimmte Politik nicht tragen kann, dann trete ich wieder in die Reihen der Arbeiter zurück, aus denen ich gekommen bin., Als der Redner noch einmal wiederholt, daß nicht, die ge- ringst« revolutionäre Lust im Zentralkonoreß zu verspüren gewe- sen sei, erlönt von der Seite, wo die Delegierten der demokratische« Fraktion sitzen, der Zwischenruf:„Gott sei Dank!" Taraushin entsteht ei» minutenlanger Tumult. Die Mehrzahl der Delegier» ten erhebt sich von ihren Plätzen und ruft:„Raus! Raus!" Tee Zwifchenrufer, ein Mitglied der dcmokrati)chen Fraktion, wird um» ringt und zum Saal hinausbefördert. Lauge Zeit versuch� der Vorsitzende vergebens, sich Ruhe zu schassen. Endlich fährt er fort: Die Nationalversammlung wird vielleicht keine sozio, fische Mehrheit haben und sicherlich nicht die Erwartungen der breiten Massen erfüllen. Aber sie wird den ehernen Gang der Nevolu- tion nicht aufhalten können. Tie wichtigste Aufgabe ist die So- zialisierung der Wirtschast, und nur die Arbeit errate können sie erfüllen. Die vielen Streiks, die gegenwärtig immer iveiter um sich greifen, wachsen mit Notwendigkeit aus den Verbältnissen her- aus und sind die ersten Wellen der kommenden zweiten Revolution. (Lebhafter Beifall.) Es folgt nun eine sehr erregte Auseinandersetzung über den Hinauswuri de» demokratischen- Delegierten, sür den sich, auße» seinem Frakiionskollegen besonders auch Lüde m a n n(Abh.) einsetzt, der bei seinem Erscheinen mit großem Lärm und Pfuirufen empfangen wird. Als ssch im Laufe dieser Debatte Lüdemann infolge eines Mißverständnisses aus das Podium stützt und den Vorsitzenden heftig anfährt, wird er von dem Vollzuasratsmitglied Wegmann ergriffen und die Stufen zum Podium hinabgestoßen. Abcrmo.'Z entsteht ein wilder Lärm, der erst aufhört, nachdem Wegmann. von zahlreichen Zwischenrufen unterbrochen, sein Bedauern über sein Verhalten ausgesprochen hat. Gierth lAbh.) hält alsdann das Korreferat über die Tätig» keit des Vollzugsrates. Rusch(Mitgl. deS Vollzugsrate?) spricht über die konter- revolutionären Vorgänge beim Grenzschutz Ost und gibt die Er» klärung ab, daß er infolge der vielen schlechten Erfahrungen» die er als Mitglied des Vollzugsrates in den letzten Wochen g?- macht habe, aus der Sozialdemokratischen Partei ausgeschieden und zu den Unabhängigen übergetreten ssei. R. Müller: Da ein großer Teil der Mandate angefochten worden ist, so kann die Versammlung heute unmöglich weit- tragende politische Beschlüsse fassen. Aus demselben Grunde können wir heute die Wahl des Vollzugsrates nicht vornehmen. Daher müssen wir nnS vertagen. Prollat: Da zwei Mitglieder des Vollzn.qSrate?, die der Mehrheitspartei angehörten, ausgeschieden sind und Rusch zu den Unabhängigen übergetreten ist. so muß eine neue paritätische Zusammensetzung des VollzugSrates erfolgen. Nachdem der Zusammentritt der Monratsprüfungskommission für morgen festgesetzt worden ist, wird Vertagung für heute be- schlössen. Hieoier rniil Uer$ni!$an!>en. l/olKsbütine. Theater »m BBIowplitz. Direktion Pried. Kayssler. Keine Vor»tellune.__ Opernhaus Qe«chlossen Schauspiele Oeschlossen. Direktion Max Reinhardt Deutsclies Theater Qcscfjlossen. _ MJt'woch: 2V Uhr; Di« deutichtn KldastitfUr. 7iUhr: Itarf fai Ueht teliinit ii dir fiutinii > Kammenplele Oeschlossen. Mittwoch i 2S Uhr:■Inn» ron BarnhelB. n Uhr: Der bohn. j Kleines SciiausMinis Pasanenstr. 1, Port 5 Oeschlossen Mittwoch: 2V Uhr- Die haubenlerche. * Uhr: D, HOchse d. Randora. i Lessing-Theater. , Direktion: Victor Barnowsky Heute geschlossen. * Uhn'b'er bcStipferl Deutsches KQnstler-Ttisater. Heute ceschloasen. 1. und. 2. Pelertae: 7t Uhr; Nachtheleuchtunr. Trlanon-T lieater. Bhl Friedrichatr. Zl r.«27. 23» J. Oeschlossen. Uesldenz-'l lieater. Geschlossen Central-Theater. Geschlossen. Miitw. 7VJJhr: lH l»»t«3 liuntal. Frladrlah-Wllhalnntidt Tkeatar, Qesc'ilossen. Mlttw. 3 Uhr: Bt« Brtlmidarlhlus 7r Uhr- Hanner). Reatiehoi Cparnhans Charlottenb. Oeschlossen. Mlttw 6t Uhr: Lahaagrl«._ Kleines Theater. Geschlossen. Mlttw. 3S Uhr; 2et Uhr:»ohwifswaUmldel_ l.natapielliuuai. Geschlossen. Mlttw. 31. Uhr: DI» iaasoa». 7z Uhr: Dt» anaaiieh» Fllag». Hetropol-Theater. Geschlossen.__ Mlttw. nk Uhr: Wiener Blut. 7" Uhr: Dia FuehilifSfee._ Neues Operettenbaus. MlUwl�SsSir: Dar taldat d.■tri». TS Uhr: Dl» keuaeh» InaaBna_ Palast-Theater. Geschlossen1 Mlttw. 3. Uhr: Dar Itnvalpelar. 7k Uhr: I» killte all Oain_ schinar-Thastsr Chananannari. Geschlossen. Mlttw. 3 Uhr: Xthala m Uhr: Sappho. I halla- 1 heater. Geschlossen. Mlttw. 3 Uhr; Hitler ter Mliiitek Kita 7k Uhr: PoUlsche Wlrtsehait. :«ann«4i40 Mich Thratar am HoUandortplatx. Geschlossen. Mitiw. 3k Uhr: Eva. 7 Uhr: Neuelnstnd.; Dar Jhiharan. I heater des Westens. Geschlossen. Mitw. 3k Uhr: D e Dollarpriazesrtn 7S Uhr: Dia luitlrn Wliw«._ Wallner-Theatep. Geschlossen, Mlttw. a1 Uhr: Dar rirakenwald. 7k Uhr: flral Hahaalohts._ Kose- 1 lieater. Geschlossen. Walhalla-Theater. Gasehlossen. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täxl.'',8 Uhr: An allen PeiertaEen2 Vorste langen '.8 Uhr das 3aktige Volksstück Dicgoldeoe Brücke Nachmittag Uhr zu kl. Preisen Friede auf F.rden. APOLLO ■*SI Theater Dir. JAMES KLEIN Allabendlich 7k Uhr, Sonntags 3: und 7k Uhr taBUSiD»Iaad{ Inda Blattnar Frau Kinab|lTiUB»ekma»n rriazt Blank» NADCHURA S Elefanten ROSTON'S Affenmenech Traneye Blumenkorso usw. Sanatags 3V, jed. Erwachsene I Kind troll J* Jtd a a E E vo rsi g§ g .SS E s c CO - g 2 � 1 1 £ I «2 a 8 3 1« t| « c T3 s s & Ui JS Z E •c S 8 s- ? v B v f «0 6 I u*& Das grosse iiiien-ffE! Anfang V,8 Uhr. � Eintritt frei l � Ä Lieban-Kabarett= §= KUnstler-Diele=§ Taubenstr. 34 O Ab<4 Uhr; Orchester von 6— 71'» Uhr — das aroB» Pioaramm Ab 7'/» Uhr: Tanz. Echt russ. Tee, Kaffee. Mokka, Schokolade, Peie-Qebäck Bilit— ff. 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Drei zuverlässige Botenfrauen Zimt Austragen dar „Freiheit" für den I. Januar 1919 getneht Verlag der„Freiheit" Schiffbaucrdamm 19 IV. PAUL C ASS1RER VERLAG Soziabslische Schriften zur Revolution EDUARD BERNSTEIN Staatenbund oder Völkerbund. Preis l.SO Mark. Die Diagnose der WeltkrankJie't und das Rezept zu dauernder Gesundung. UrMerröte! enSMtellteimitel aus allen Betrieben Chariottenbures, soweit dieselben in Char Ottenburg wohnen werden um sofortige Angabe ihrer Wohnung und Oes Betriebes in welchem sie gewühlt sind, bis Sonnabend, den 28. Dezember 1918 ersucht Eine Einladung zur gemeinsamen Sltzu.ig und Berichterstattung des A.- u. S.-Rates erfolgt umgehend. V ol Izu gsausschuß des Arbeiter- n. Soldaten-Rats Charlottenburg __ Rathaus. Zimmer 230. Zeftuntt- AMerinnen verlangt PreuB-Uctitenberg Tasdorf erstraße X Botenfrauen stellt ein Expedition WlnsstraBe 62 63, Laden, ab 5 Uhr. 30 Botenfrauen sucht Frlli Mews, Qenter Str. 28, Eipadlllon der.Freiheit*. Botenfrauen � zum Austragen der.Freiheit werden verlangt. Frau Marie Döring, Steinmetz- Straße 23. Botenfrauen zum Austragen der Freiheit ver- .... langen Hackbarth. Miciiaelkirchplatz/ Genossen! werbt Leser für DieArelhelt Oer Sozialist (früher Sozialistische Auslandspolitik) OnahhSntlie sozialdemokratiidie Wochenschrift Herausgegeben von Dr. Rud. Breitscheid Unter ständiger Mitwirkung von: Ed. Bernstein, H. Block, H. Haase, K. Kautsky, A. Stein, H. Ströbel iu Ahonnemcnt vierteiMch 5.— H. Elnzelnuminer 50 Pf. Bestelluaaea»lad suliuacbcn bat der aichsten Pattanstalt«der bei den Spcdltearn and In der Eipadlllon dar.Freiheit*. Berlin NW 6, Schlffhanerdamm HIV. T Kr. 72 forf oni* -tcn- Sc» aew len all- na Erste Vellaae zur.Ireihett�. vieuskag. 24. Dezember 1918. er- fahr und : die Si Wer trägt die Schuld? Von A. Hofer. Wir geben die folgenden Ausführungen wieder, ohne uns mit ihnen zu identifizieren. Insbesondere möchten wir betonen, daß der Inihult der November. revolution unserer Auffassung nach ein sozialistischer und nicht ein bloß demokratischer ist. �_ Im ewigen Gleichmaß rauscht die Zeit über das Welt- IMchehen dahin. Woher, wohin, warum, wir werden es wohl niemals ergründen, so wenig wir die Zeit aufhalten. Kach vorwärts schieben können. Wir registrieren aber die Zeit, indem wir Erscheinun- gen, die sich auf'unsenn Erdball in aleichmäßiaen Perioden demerkbar machen, als Unterlage nehmen. Tage, Monate, Jahre! p. In diese Registratur hat die Menschheit dann die Fä- den ihres Schicksals gesponnen, zuerst nur lückenhaft, ab- flerifsen und zögernd, aber dann schließlich die Spinnfäden zu einem langen, bunten Dauerläufer verlvebt, der uns das Menschheitsgeschehen seit Jahrtausenden erkennen läßt. Wir studieren dieses Gewebe und das Resultat unseres »orschens wird in dicke Bände gebracht, auf denen ge- schrieben steht: Weltgeschichte. Auch wir arbeiten an diesem Tauergewebe, und zur Zeit klappert der Webstuhl in wilder Hast, das Webschiff- lein will sich schier überstürzen, die Jaden scheinen sich uns heillos zu verwirren und pessimistische Seelen könnten des Glaubens werden, daß der Dauerläufer von nun an ein bedenkliches Gevrunzel aufweisen könnte. Solche Perioden, die wir Revolutionen nennen, hat es bekanntlich schon mehrfach in der Geschichte aegeben. aber immer konnte der Geschichtsforscher später konstatieren, daß danach der Weg der Menschheit in stärkerer Steigung auf- .wärts führte. Wir stehen noch mitten drin in dm Ereignissen, können noch nicht rückschauend die Dinge würdigen. Wir haben aber als Mitarbeitende das Recht und die Pflicht, den Verlauf des Geschehens so zu aestalten zu der- suchen, daß mit verhältnismäßig wenig Verwickelungen. Irrungen und Wirrungen der Menschheitspfad nach oben führe. Tie Novembertage haben der Revolution den Sieg ge- bracht. Welche Begebenheiten und Triebkräfte es bewirkt haben, wollen wir hier nicht näher untersuchen. Gleichgültig, inwieweit die ganzen Kriegsverhältnisse, inwieweit die Krieasmüdiakeit der Soldaten, inwieweit das zielbewußte sozialistische Proletariat an den Dingen be» teiligt war, der Enderfolg war der. daß die politische Macht in die Hände des Proletariats aelangte. Das Proletariat war hemmungslos in der Lage, ganz nach Belieben die Regierung einzusehen, die es haben wollte. Tatsächlich bat denn auch die Arbeiterschaft die Spitzen sämtlicher politischer Aemter mit seinen sozialistischen Ver- trauensmännern besetzt: nur aus Zweckmäßigkeitsgründen beließ man in einigen rein fachtechnischen Ministerien bürgerliche Elemente, denen aber zur Kontrolle Sozialisten beigeordnet wurden. Diese Tatsache beweist, daß die Revolution eine rein droletarüche war. Dic�e Tatsache wurde eben anerkannt dadurch, daß beide sozialdemokratische Parteiricktungen ihre Vertreter in die Regierung schickten, ia es war sogar der Spartakusbund bereit, sich an der Regierung zu beteiligen. und wenn letzteres schließlich nickt geschah, so wurde es eigentlich nur zufallsmäßig verhindert. Jedenfalls die ausschlaggebenden sozialdemokratischen Parteien haben die gesamten Reaierungsgeschäfte übernom- wen und führen sie auch heute, oder vielmehr sie sollten und könnten sie führen. Ein Schiffer, der kostbares Gut geladen bat und durch klippenreiche, sturmbewegte See seine wertvolle Ladung in den sicheren Hafen bringen will, muß zielbewußt und fest das Steuer in den Händen haben. Eine Revolutionsregierung, die des Volkes höchste Zu- kunft verantwortet, befindet sich in der Lage eines solchen Schiffers. Ihre Aufgabe, die Laduna glücklich in den Hafen zu bringen, wäre schon schwer genug, wenn sie. wie eS natürlich wäre, nur auf die Wellcnberae und Klippen zu achten hätte, die von der reckten, der reaktionären Seite drobm. Die glückliche Jährt wird aber beinahe zu Unmöglich- keit gemacht, wenn von allen Seiten, wenn mich von der linken Seite die Gefahren sick beranwälzen. Sollte das Rcvolutions'chiff mit seiner kostbaren Ladung an den Klippen ze-r'chcllen. dann wird dereinst die Geschichie konstatieren, daß das deutsche Proletariat selber es war, das seine Revolution zugrunde aericktet hatte. Diese Gefahr'st in beänastiaender Nälw, noch aber kann sie abgewandt werden, und sie muß gebannt wceden. Wie oben schon gesagt, am ttl. November, als da? Proletariat d'e vositiia'' Macht restlos in die Hand be- minen hatte, halte es sich die Regierung gegeben, die es l aben wollte. Aber wenige Tage sv''ter ertönten au? demselben Prole- lariat heraus Stimmen, die besagten, daß ia aar keine rich- >lge proletarische Revolution gewesen wäre, sondern nur rine bürgerlich demokratische.»,.■ m Diese zuerst vereinzelten Stimmen haben dann rm Der» laufe der Wochen, namentlich hier in Berlin immerhin eine Gewisse Verstärkung erfahren.......... Wie ist das zu erklären? Die Agitationen dieser Rick- tung konnte nur Raum gewinnen, wenn»e einen vor» bereisenden Boaen fand.. i Dieser vorbereitete Boden war eine geirnste Enttäuschung in manchen Arbeiterkreisen. Nun, enttäuscht werden allein die diese aber immer die zu große, also falsche Erwarwngen an die«ache seknüpft hatten. Selbstverständlich muß nun irgendetwas oder irgend» wer Schuld an der Sache haben, und die Sckuld liegt selbst» verständlich immer bei den ondein. Kein Iagdwild wird leichter gufgespürt als der Sündenbock. Auch in diciem �mlle hatte man ihn schnell entdeckt, und es wurde allobald klar, daß die sozialdemokratische Partei, die Abhänaigen. mdem sie an der Regierung zu gleichen Rechten beteiligt l�ar. die Revolution verraten hätte, dieweil diese Partei »vtal verchürgerttÄ wäre. Letzten Endes würde dieser Vorwurf natürlich auf senen Arbeitermassen lasten, die verlangt hatten, daß die Re- gierung so und nicht anders zusammenaeietzt werde. Es fällt naturgemäß nicht in den Rahmen dieses Ar- tikels, die abhängigen Sozialdemokraten zu loben oder zu tadeln! zu ersterem haben wir wahrlich keine Veranlassung und letzteres wollen wir uns hier versagen. Worauf es aber hier ankommt, an den prinzipiellen, tiefei liegenden Gründen der Enttäuschung mancher Partei- kreise tragen die Abhängigen setzt nickt die Schuld, wenn wir auch sehr gerne zugeben, daß diese Herren iy sehr vielen Dingen, die aber hier sekundärer Natur sind, gesündigt hoben. Hie schon gesagt, die Schuld cm der Enttäuschung traaen diejenigen in sich selber, die zu große Erwartungen den Auswirkungen der Revolution entgegengebracht hatten. Tatsachen sind auch heute noch„harte Dinge", und auch die gelungenste Revolution besitzt keinen Zauberstab, mit dem sie Wasser aus dem Jessen schlägt, mit dem sie Steine in Brot verwandelt, mit dem sie alles Erwünschte aus der Erde stampfen kann. Auch ihr kann kein Kornfeld aus der flachen Hand wachsen. TaS würde sogar zu gelten haben bei vorkriegerttchen, normalen Zeiten, geschweige denn gegenwärtig. DaS gilt für alle Güter und Gebrauchsartikel des Lebens. Wir haben, auch wenn wir die gesamte Weltwirtschaft ins Auge fassen, auf dem Gebiete des Ernährungswesens zum Beispiel immer nur sozusagen aus der Hand in den Mund aelebt. Ins Gewicht fallende Vorräte konnten nie- mals irgendwo aufgespeichert werden. Die Bevölkerungszahl unseres Erdballes steht eben in Wechselwirkuna mit den Ernährungsmöglichkeiten. Größere Ernährungsmöglickkeiten bedingen eine Zu- nähme der Bevölkerungszahl, Allerdinqs gibt auch eine acsteigerte Bevölkerungszahl den Anreiz und Anlaß, mehr Ernährungsmöglickkeiten zu schaffen. Das kann aber dann nur in langsamer, organischer Weise erfolaen. Aber erst, wenn wir. in der Lage sind, die Ernäbrnngs- Möglichkeiten schneller zu steigern als der zuwachsenden Bevölkerung entspricht, oder wenn wir die Bevölkerungs- zunähme zu regeln»ermögen, werden wir die Lebens- bedingungen des einzelnen schöner gestalten können. Um ein drastisches Beispiel herauszugreifen Wollten wir zum Beispiel Kaviar und, Hummern, Ideal und LebenS- zweck mancher Drohnen der besitzenden Klasse, heute aleich- mäßig der Bevölkerung zukommen lasten, dann würde wohl kaum eine Hummerschere oder ein Teelöffel Kaviar den jährlichen Weihnachtstisch jeder Iamilie bereichern. An diesen Tatsachen wird nichts geändert, selbst wenn die Arbeiter ihren täglichen Verdienst auf tvO Mark pro Tag hinaufschraubten. Die Preise sllr alle Bedarfsartikel hielten mit der Lohnsteigerung eben gleichen Schritt. Das Niveau der Lebenshaltung würde sinken, wenn die Arbeiter etwa die Arbeitszeit so verkürzten, daß dadurch die Produktion gehemmt und verkleinert würde. Es wird auch nichts geändert an jenen Tatsachen, wenn- selbst die Arbeiter die Kassenschränke der Besitzenden bis auf den letzten Heller leeren würden. Es würde für absehbare Zeit auch nichts geändert werden an jenen Tatsachen, wenn wir sämtliche Betriebe i» Stadt und Land restlos über Nacht sozialisieren wollten. Aber wahrscheinlich würde durch letztere Maßnahme in gegenwärtiger Zeit eine gewaltige Verschlechterung der all- gemeinen Lebenslage unseres Volkes bewirkt werden. Die Arbeiter der Maschinenfabrik Venski.� Graudenz, handelten klug, als sie das Anerbieten des Betricbsbcsitzers. ihnen den Betrieb zur Sozialisicruna zu überlassen, nach Kenntnisnahme der Verhältnisse, zurückwiesen. Mag Herr Kommerzienrat Vcnski die Suppe mir selber auslöffeln. Die Ueberführung der Betriebe in die sozialistische Wirtschaftsform kann eben nur in geordneten Verhältnissen. in organischer Weise vollzogen werden. Tnß die Sache auch anders gemacht werden kann, dafür hat die Geschichte bisher noch nicht tzen Beweis erbracht. Aber der Gegenbeweis dafür ist in Rußland geliefert, Dort gab die schwache demokratische Kerenski-Regierung. in der sehr viel geredet, aber ebensowenig gehandelt wurde. und die. anstatt Frieden zu schließen, sich schließlich zu der hoffnungslosen Iuli-Offensive drängen ließ, den russischen Bolschewisten die Möglichkeit, die politische Macht an sich zu reißen. Wie die Bolschcwikis ihre Macht ausnutzten wisten wir. In Rußland war es eben möglich, nach der Beschaffenheit der Struktur des Bodens, nach den Eigensckwsten des russi- schen Volkes, daß eine Minderheit dem ganzen Volke durch Terror übelster Art die Diktatur auferlegen konnte. Dort wurde dann planmäßig und stürmisch alles Be- stehende vernichtet, die ganze Herrenklasse mitsamt ihren Dienern zum Teufel gejagt und gewaltmäßig alles so- zialisiert.. � � Welche Folgen hat das gezeitigt? Die ruisische Jndu- strie ist vernichtet, die sozialistisch bewirtschafteten Betriebe können nur sehr teilweise und mit weitgehender Staats- Unterstützung halbwegs lebensfähig erhalten werden. Tie Produktion ist auf ein Minimum herabgedrückt, Da? Finanzwesen ist völlig zerrüttet. Das Volk und gerade die Jndustriearbeiterschaft, soweit diese nicht in die Bauerndörfer geflüchtet ist oder in der „Roten Garde" Kriegsdienste tut, hungert, friert und stirbt an Seuchen. Bürgerkrieg tobt in Permanenz. Und der Kapitalismus in Rußland, der ausgerottet werden sollte mit Stumpf und Stil? Durch die Hintertür ist er wieder hineingeschlüpft. breitet sich aus und wächst und wird sebr bald die kurze so- zialistische ZwangSberrichaft ablösen. Das Experiment hat eben kein anderes Resultat gezeitigt, als die Hinterlassung eines großen Trümmerhaufens, es hat den Kapitalismus ge. zwungen, wieder von vorn ansangen zu müssen, und es hat für Generationen in Rußland den Sozialismus diskreditiert. So konnte und durfte es eben nicht gemacht werden. und die Spuren sollten uns schrecken. In Tentichland haben wir durch die November-Revo- sution restlos die demokratische Republik erstritten. Wir hoben damit in der Vorwärtsentwicklung einen Sprung ge- tan, den wir alle insgesamt vor wenigen Jahren noch für unmö-glich gehalten hätten. Wir wissen, daß auf dieser Grundlage bei der borge- ichrittenen industriellen Entwickelung Deutschli.nds, bei der stark überwiegenden proletarischen Bevölkerung die sozia» listische Wirtschaftsweise notgedrungen sich organisch ent- wickeln muß, und da sollten wir uns auf vage Experimente einlassen, die nicht nur alles gefährden könnten, sondern mit Notwendigkeit alles zerstören müßten, und die den Sozialis- mus für viele Jahrzehnte diskreditieren würden? Die November-Revolution hat die Fundamente gelegt, aus denen der sozialistische Bau errichtet werden wird. Um Raum für die Fundamente zu schaffen, mußten die Gräben in den Felsen des halb absoluten kapitalistischen Systems hineingesprengt werden. Mit dem Blut von vielen Hunderttausenden. die wäh- rend der letzten Jahre hingeschlachtet wurden, sind die Quadersteine der Grundmauern gekittet. Zum Weiterbau an dem sozialistischen Volkshause fehlt momentan nichts weniger, wie fast alles Material. Jetzt gilt es aber vor allem, die Fundamente zu schützen. Feinde ringsum! Von rechts her rücken sie am um die Quadersteine aus dem Gefüge zu bringen: von links her rücken sie an, um in stürmischer Hast auf unsern Fundamen- ten einen elenden Notbau zu errichten, der notgedrungen zu» sammenstiirzen und im Fallen die Grundmauern völlig er» schüttern würde. Es gilt, zur Verteidigung alle verfügbaren Kräfte auf die Schanzen zu rufen. Man mag über die alte sozialdemokratische Partei denken, wie man wolle. Auch wir betrachten diese mit sehr gemischten Gefühlen. Aber trotz alledem, es wird nicht einem einzigen von uns Unabhängigen einfallen, zu behaupten, daß nicht auch die Abhängigen sich wenigstens voll und ganz auf den Boden der demokratischen Republik stellen. Diese demokratische Republik ist der Inhalt der No- vember-Revolution. Ueber diesen Inhalt hinaus können wir bei den derzeitigen Verhältnissen leider nur sehr wenig weite? treiben. Es gilt jetzt vor allem, diesen Inhalt siegeSstcher zu ver« teidiaen. Bei dieser Verteidigung werden die Abbängigen unter allen Umständen untere verläßlichen Helfer sein. Selbstredend sollen sich die Armeen bei diesem gemein» samen Verteidrglingswerk nicht vermengen. Auf dem einen Flügel kommandiert Eoert-Scheidemann seine Armee auf dem andern.sind Haase-Ledebour unsere Generalfeld- Marschalls. Dann wird der spätere Weiterbau unseres sogenannten Volkshause? gesichert sein. Natürlich müßten wir zu diesem Zwecke eine taktisch« Froniichwenkung vornehmen. Tie Frontschwenknng kann unserm Heereskörper aber doch nur gut bekommen. Allein schon aus dem Grunde, weil eS eine noch un- günstigere Position, als die. in der wir momentan stehen, ja ga? nicht geben kann. Deswegen desertieren unsere Truppen nach allen Seiten. DaS hat Dresden, das hat jetzt wieder Chemnitz bewiesen. Wir sind in die Regierung hineingegangen, weil unS das Errungene wertvoll genug erschien, um es zu schützen. Svnst hätten wir draußenbleiben müssen, um mit den Spartakisten erst die„richtige Revolution" zu machen, und das Ding über sich hinauszutreiben. Da das aber gegenwärtig leider eine Unmöglichkeit ist, dürfen wir unsere Aufgabe nickt darin erblicken, die Regie» rung zu lähmen, sondern wir müssen sie aktionsfähig machen. damit das Errnngene erhalten bleibt und gegen rechts und links so fest verankert werden kann, daß keine wie auch ge- artete Nationalversammlung an diesen Grundmauern zu rütteln imstande ist. Haben wir diese Aufgabe vollbracht, dann werden wir uns. aller Voraussicht nach nicht weiter in den kommenden Regierungen zu betätigen brauchen. Dann erwächst uns eine«mdere Aufgabe, eine Aufgabe, die heute noch nicht gestellt ist und nicht gestellt sein kann. Die Aufgabe nämlich. Stürmer und Dränger zu sein. Dann können wir vor dem Volke allen falschen Pro- pheten und allen Verrätern an der Sache des Sozialismiis, wo immer sie sich befinden, die Maske vom Antlitz reißen. Tann können und werden wir die Massen um unser fleckenloses, leuchtendes Banner sammeln und den stolzen Prunkbau des sozialistischen Volksstaates e»f den in den Novembertagen errichteten granitenen Fundamenten voll» enden. Auch ein Dokument der Revolution. Von einem aus dem Felde heimkehrender. Genossen, welcher bei der Q'berpostdireklion Berlin um Beschäftigung nachsuchte, muree uns eine Karte vorgelegt, in welcher genannte St.Ue die Ablehnung des Gesuches mitteilte. Der Gesuchftcllcr st Fami- lienbater und 38 Jahre«ich so wurde deun am Schluß �der Mittelung die Ablehrung einer Einstellung mit folgendem Satz begründet: „Im übrigen haben Sie die zulässige Höchst- grenze im Lebensalter' bereits überschritten. I. A. Moersberger. Absendende Behörde: Ober-Postdirektion II. D. 2. Berlin. Also„D i e Höchstgrenze im Lebensalter be- reits überschritten." Warum daas eine Behörde mit solch hohnsprechenden Worten einen Arbeitsuchenden abspeisen, Heute, 0 Wochen nach Beginn der Revolution, nachdem seit 6 Wochen die Regierung auS Führern det Proletariats besteht? Nachdem Mensrhen zu Hunderttausenden die Höchstgrenze deS Lebensalters bereit« überschritten hatten, in Treck und Schlavm, und in steter LebenHgesahr, in den langen Kriegsjahren ihr Leben und Gesundheit für das.Baterland- zum Opser brachten. Ist da» die Quittung dafür? Ist es notig. daß sich ehe. malige FeidzugStrilnehmer von einer solch hochseligcn Bureou- kratie einen Fauftschl»i in» Gesicht versetzen lassen müssen? Dei VollSbeausiragtc Barth betonte mit Recht auf dem Kongreß der A.» und S-Räte,„die Arbeiter wollen Taten der jetzigen Regierung sehen". Da gilt?» vor ollen Dingen, den Staats. behörden einmal etwas vom Geiste de« Sozialismus einzuimpfen, Jenen Staatsbehörden,� die bisher ihr strengstes Augenmerl darauf richteten, daß bei Anstellungen von Personen usw., ab- solute Stubenreinheit in politischer Beziehung gewährleistet war H er gilt es, den Finger in die Wunde zu lmen, mit Verfügungen und Erlassen ist nicht gedient, daß dürfte der jetzigen Regierung Wahl auch bekannt sein, hier müssen Kontrollorgane in den veran:- fmftlirdjsrt Stellen naen, die Glicht nur Kontrolle ausüben, daß von nun an auch alles den Geist des So�ialiZmuö atmet, sondern alles das prüit, toas� bis jetzt Gesetz und der Menschheit eine Kessel war, aber in die neue Zeit nicht mehr hineinpastt. Jen« Crgane müssen gleichzeitig die sich herausstellenden Mäinel und ringöhende Beschwerden zu sertigen Vorschlagen verarbeiten. Zu Lorschlägen, wie sie die neue Regierung der neuen Zeit ent- sprechend zum Wohle der arbeitenden Klaffe annehmen kann. Die sozialistische Ardeiterbeweguner hat genügend sähige Köpfe erzeugt, die heute derartige Funktionen ausüben können. Man ziehe die Intelligenz der sozialistischen Arbeiterklasse zur Mit- Wirkung heran, Arbeitskräfte in diesem Sinne dürsten der neuen ?tegierung jetzt im genügenden Maße zur Dersügurnz stehen. Freies Wahlrecht zur Handelskammer. Der Zentralausschuß Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine verhandelte am 20. Dezember über einen Antrag auf sofortige Abänderung des HandelÄammerwahl- rechts. In der Aussprache erklärten Vertreter der Handels- kämmet, daß das allgemeine, gleiche und geheime Proportional- Wahlrecht so schnell als möglich durch Aenderung des Statuts fest- gelegt und bei den nächsten Wahlen zur Industrie- und Handels- tanmer Berlin zur Anwendung gelangen soll. Eine Resolution, die von dieser Erklärung mit Befriedigung Kenntnis nimmt und der bestimmten Erwarlung auf schnellste Durchführung der Rc- form Ausdruck gibt, wurde einstimmig angenommen. Getragene Zivilkleidung darf nicht verkauft werden. Der Wirtschaftsbezirk Groß-Bcrlin teilt im Benehmen mit dem Rat der Volksbcauftragien mit, daß die entgeltliche Ver- äußerung geirsgener Zivilklcidcr an Privatpersonen oder andere Stellen a!ö den zuständigen Kommunalverband nach wie vor ver- boten ist. Daher sind Inserate, durch welche getragene Sachen zum Verkauf angeboten werden oder zum Verkauf an Inserenten aufgefordert wird, unzulässig, weil sie der Unterstützung strafbarer Handlungen dienen. Wo bleiben die Millionen-Neberschüffe der ViehhandelS- verbände? Der Brandenburg-Berliner Handeloveoband hat be- kanntlich schon Millionenüberschüsse erzielt. Bei den hohen Vieh- und Fleischpreisen ist das natürlich kein Kunststück. Sie sollen für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden. Die Ueber- schüsse sind indes so enorm, daß es wohl an der Zeit wäre, einmal bekanntzugeben, ob diese Millionen auch für die marlische Landwirtschaft verwandt worden sind. Man munkelt nämlich, daß sie auch für andere Zwecke außerhalb des Vcrbandsgebiets Verwendung gefunden haben. Das wäre eine schöne Verwendung. Wir bringen das viele Gld auf und andere stecken es ein. Der Oberpräsident sollte hier einmal aufklärend wirken. Verwendung wird das viele Geld schon finden. Die WeihnachtSschulfrrien. Der Oberpräsideist der Provinz Brandenburg hat die diesjährigen Weihnachtsfericn für alle Schul- Gattungen(höhere, mittlere und Volksschulcnj in Berlin und allen Orten der Provinz Brandenburg bis einschließlich Sonnabend, den 1k. Januar ISIS, verlängert. Der Tag des Schulaiksangs ist somit Montag, der 13. Januar, n. I. Der Anlaß zu dieser Maß- nähme bildet der bevorstehende Brennstofsmangel. Schluß städtischer Bureaus. Am heutigen Dienstag, den 2t. Dezember, werden sämtliche städtischen Bureaus und Kassen, auch die Bureaus der Fettstelle Groß-Berlin(Milch), um 1 Uhr geschloffen. Das BerzeichniS der Wahlkommisscre für die Wahlen zur ver- fassunggebenden deutschen Nationalversammlung führt für den Wahlkreis Berlin Herrn Stadtrat Löh n i i. g als Kommissar und Herrn Stadtrat Wie lenz als dessen Stellvertreter auf. Für die Kreise Polödam 1—9 ist Herr Oberregierungsrat Dr. Erb S- lqh. als dessen Stellvertreter Regierungsrat Karbe. für Pots- dam 10 Oberregierungsrat Dr. Bergrnthal, als dessen Stell- vftftreter Ragierungsrat Steinheck genannt. Zulage für Altersrentenempfänger. Der Magistrat macht bekannt, daß Altersrentenempfänger für das Kalenderjahr Isttst eine monatliche Zulage von 3 Mark erhalten. Die im Gemeinde- bezirk der Stadt Berlin wohnenden Empfänger erhalten Ouit- tungsvordrucke in den Polizeiranervureaus ihres Bezirkes oder im Bersicherungsamt der Stadt, Klosterstr. 65/67, Hos, Ausgabt C, 2 Troppen, Zimmer 29 oder bei der Landesverfichcrungsanitalt Berlin, Am Köllnischen Park 3, in den Diensrstunden von 9— 3. MZ Ausweis dient ein Ouittungsvordruck über die laufende Rente oder der Rcntenseststcllungsbesrheid. Veranstaltungen der Bildungöabteilung der ErwerbSlasen- fürsarge Graß-Bcrlin m der Zeit vom 29. bis 28. Dezeirfber 1918. 26. Dezember 1913. Ientralthcater: Erziehung zur Ehe, abends 7 Uhr: Weihnachtsfeier in Eharlotteniburg, Aula der 22. Ge- meindeschüle. Witzlebenstr. 34(Eintritt frei). 27. Tezen�ber, abends 71< Uhr: Weihnachtsfeier. Brandenburgstr 37, 2. Pflicht- forkbildungsfchule für Mädchen(Eintritt frei). 28. Dezember f 1.1018. Concordia. Andreasstr.: Märchen-Licht- und Lebedilder für Kinder(Eintritt frei). Für sämtliche Vorstellungen werden Karten verausgabt. Die Ausgabestellen der Karten sind aus den in den Zlvbeitonachweisen, in den Geschäftsstellen und Gewerk- fchaftsbureauS ausgehängten Plakaten zu ersehen. Ein Wutiger Zusammcnstosi mit Einbrechern, bei dem eine Person getötet und drei verwundet wurden, ereignete sich gestern abend in der Nostizstratze 16. Hier nahm die Schankwirtin Frau Böhme wahr, daß Einbrecher in ihrer hinter den Schankräumen belegenen Wohnung im Erdgeschoß bei der.Arbeit" waren. Sic schlug Lärm, und der erste, der sich anschickte, den Verbrechern zu Leibe zu gehen, war der 21 Jahre alte Maschinenbauer Karl Stresc. der in diesem Augenblick gerade nach Hause kam. Im Be- . griff, ihnen den Ausgang abzuschneiden, befand er sich noch aus dem Hofe, als die Einbrecher begannen, sich mit Schnßwafsen den Weg freizuhalten. Die erste Kugel traf sofort den jungen Strese so schwer, daß er tot zusammenbrach. Sie war. wie später fest- gestellt wurde, durch die rechte Schulter in dir Brust eingedrungen. Gleich darauf fielen noch vier Schüsse. Einer traf Frau Böhme in die Brust. Auch sie wurde schwer verletzt, konnte aber zu'Hause in ärztlicher Behandlung bleiben. Mit leichteren Verletzungen kamen ihr Schwager und ein Soldat ab. Die Schüsse und die Hilferufe riefen große Aufregung hervor. Bevor jedoch Haus- bewobner oder ander: Leute den Verletzten beispringen konnten, mtslohen die unbekannten Verbrecher und entkamen. Sic können «orläusig noch nicht beschrieben lverden. weil Frau Böhme, die sie >ei der Entdeckung des Einbruchs vielleicht genauer gesehen hat, loch vernehmungsunfähig daniederliegt. 4. Kreis. Die Genossen werden nochmals auf die am zweiten feiertag in der Concordia, vormittags 11 Uhr, stattfindende Ver- > n st a l t u n g aufmerksam gemacht. Billetts sind noch im Wahl» »erinSbureau, Königsberger Str. 27, zu haben. Terptow-Baumschulenwe». Auch ein Volksver— treter? wird mancber von denen gedacht haben, die Gelegenheit hatten, den NehrhcitSsozialdemokratcn Herrn A l b> n G e r i s ch, seines Zeichens früher Partei iassierer, in der Gemeindevertretersitzung seine hochit sonderboren Ausführungen zu hören. Er sprach da vcrn Spartakisten, von asiatischer Politik und von Uebergriffen, weil der Arbeiter- und Soldatenvat perlangt, daß von den zurück- gekehrten, jetzt arbeitslosen Kriegern, die ortsansässig und ver- heiratet sind, 18 davon für den Sicherheitsdienst eingestellt werden sollen. Herr Gerisch meinte, daß das der Gemeinde 6S 000 M. tm Jahre kosten würde. Er hätte den Betrag doch besser gleich für zehn Jahre angeben sollen, das hätte doch wahrscheinlich twch ab» schreckender gewirkt. Weiter gefiel auch Herrn Gerisch nicht, daß der Arbeiter- und Soldatenrat Abwehrmaßnahmen gegen steigernde Hauswirte ergrikfen hatte: dazu hätte der Arbeiter- und Sodaten- rat kein Recbt und hätte sein« Funktionen überschritten. Ferner meinte"Herr Gerisch, der Atbcsterrat bestehe überhaupt nicht zu Recht, weil die Wahlen dazu nicht öffentlich bekanntgemacht seien und seine Partei keine Vertreter in demselben habe, deshalb nicht die Parität gewahrt sei. Das alles behauptet Herr Gerisch, trotz- dein gerade er weiß, daß daS zum Teil sich anders verhält und zum anderen Teil überhaupt nicht wahr ist. Herr Gerisch hatte dafür auch den Erfolg, auf den Gesichtern der noch durch das Drciklasscn- Wahlrecht Erwählten ein wohlgefälliges Lächeln bervorzuzaubcrn. Rur die OrtSeinwohner. die auf der Tribüne Platz genommen Ijatten, waren über die Ausführungen anderer Meinung. Es kam zu Zwischenrufen und zu Unruhen, welche Gelegenheit der Bürger- meister Herr Schablow scheinbar freudig ergriff, uin die Sitzung vor Erledigung der Tagesordnung zu schließen.— Noch eine andere Spezialität von Sozialdemokraten haben wir in unserem Ort. Herr L e m m. derselbe Herr Lemm, der bei der Spallung unseres Wahlvereins mit eine Hauptrolle spielte und jetzt folgende an- ständige Handlung fertig brachte. Bor mcbrcren Wochen ver- starben durch Unglücksfall der zweite Vorsitzende unseres Wahl- Vereins, der Genosse Horst und Frau. Als Vorsitzender für Treptow hatte er viel Eigentum des Wah.'verins, etwa, 100 Bücher von eingezogenen Mitgliedern, Beitragsmarken, Stempel usw. Die Wohnung wurde aber bor. der Staatsanwaltschaft wegen des Uti- glücksfalles geschlossen. Wir konnten deshalb unser Eigentum nicht herausbekommen. Durch Verabredung mit den Verwundten sollte d.as Material bei Ocffnung der Wohnung an den ersten Vor- sitzenden ausgehändigt werden. Viele wiederboltc Anfragen waren immer vergebens, die Wohnung blieb geschlossen. Tie eingezogenen Mitglieder kamen jetzt täglich zurück und verlangten ihre Bücher, also es eilte. Endlich wurde uns die Mitteilung, daß die Wohnung geöffnet sei. aber auch gleichzeitig, daß schon jemand dagewesen sei, der das Eigentum unseres Wahlvcrcins abgeholt hätte. Und wer war es? Ter Herr L e m m. Mehrbeitssozialdemokrat in Trepww- Baumschulenweg. Eine Glanzleistung eigener Art? Und dabei faseln diese Herrschaften von Einigung, dieselben, die den Stank und die Zerrissenheit unseres Wahlvereins gewollt und hervorrufen haben. Eigenartige Einigungsvermitller, die Herren erisch und Lemm. Laukwitz. Für vergangenen Sonntag hatte der Bürgervercin «ine Versammlung einberufen, um gegen die Amtsenthebung des Gemeindevorstehers durch den örtlichen„Arbeiterrat" zu proteitie- ren. Die mit der Grundbesitzerclique verbundenen Mehrheitö- sozialsten sprengten, jedoch— nachdem ihr Wortführer ausdrück- lich erklärt hatte, es würde keine Ruhe geben, tvenn man ihn nicht zuerst zu Wort kommen lasse— die Versammlung, woraus die Bürgcrvercinler und der Bürgermeister den Saal verließen. Und nun entspann sich ein Kamps um die Person des Bürger- meisters. Die Sprengkownncn versuchten, ihn mit Gewalt im Saale zu halten; er wurde jedoch von einem Polizeiwaöbtmeiitcr befreit. Dann gab Dr. Ostrowski namens des unter Ausschaltung der Arbeiter gebildeten„Arbeiterrais" einen Bericht über die Um- stände, unter denen die Amtsenthebung des Bürgermeisters vor sich gegangen ist. Einen breiten Raum nahm dabei die Äankwitzer Bau- und Terraingesellschaft(an der die Gemeinde beteiligt ist) ein, die der Grundbesitzerclique nicht nur Ivegcn der Art der Gr- schäftsführung, sondern überhaupt ein Greuel ist. Die Verfamm- lnng erklärte sich cinstimmig für die Amtsenthebung des Bürgermeisters. An Stelle der Bürgern, eistcrclique hat sich jetzt die Grund- besitzerclique mit ihren vorgeschobenen Männcrchen gesetzt. Di: U. S. P. veranstaltet nächsten Sonnabend in der Gemeindetest- Halle eine Versammlung, um sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Velten. Die zahlreichen EinbruchSdiebstähle in den letzten Wochen kmben den Gemeindevorstand im Berein mit dem Arbeiter- und Soldatenrat veranlaßt, qfnen umfangreichen Wachdienst ein- zurichten. Dieser soll in erster Linie durch die vorhandenen Wach- Mannschaften, dann aber auch durch Freiwillige aus der Ein- Ivohnerichaft ausgeübt werden. Anmeldungen werden im?lmtö- vureau entgegengenommen. Schwimmverein„Vorwärts" Berlin 1897 hat seine Uebungs- stunden jede? Mittwoch von 146 Uhr ab im Stadtbad Neukölln, Ganghofer-Straße. Aufnahm« von Mitgliedern. Männern, Damen und Jugend, baselbsi. Sonstig: Auskunft erteilt die GefchVt?- stelle des Vereins, Lichtenberg, Hauptstr. 6. LedsvsmMelkaleuder. Käseverteiluus. Bis Freitag, den 27. Dezember 1918, wird an diejenigen Kunden, die in den Speisesetttundenliiten der in den Bezirken der 22., 23., 2ö., 28., 4S., 47� und 51. Brotkommijsion gelegenen GescMte(Filialen, Verkaufsstellen) eingetragen sind, pro Kops 122 Gramm Käse verteilt in denjenigen Geschäften, die durck ein Aushängeschild'.„Verkauf von Käse der Feststelle Groß- Berlin" gekennzeichnet sind. Pankow. Aus den Bezugs- und Ouittungsabschnitt 6 der Pankower Lebensmittelkarte 122 Gramm ausländischen Weichkäse. Preis 1P0 M. Auf den Abschnitt 9 kann entnommen werden: eine Dose Oelsardinen zum Preise von 1,20 M. oder eine Dose Sardinen in Brühe zum Preise von 0,90 M. oder eine Dose tsardinen in Tomaten zum Preise von 1,10 M. oder Vj Pfund Kräuter- Heringe zum Preise von 0,68 M. Aus deu Organisationen. Johannisthal. Bor einer über 1000 Personen zählenden Zu- hörersckiaft sprach hier der Genosse Fritz Zudeil über das Thema:„Sind die Errungenschaften der Revolution in Gefahr?" Die Revolution, so führte er aus, stehe noch am Fuße des Berges und es bedürfe noch schwerer.Kämpfe, um den Gipfel zu erreichen. Da», was oishcr geschehen, befriedige un» alle noch nicht. Noch seien viele Reaktionäre in Slmi und Würden. Auch könnten wir zu einer Regierung, welcher Art sie auch sei, kein Vertrauen haben. in der KriegSIreditbewilliger fitzen. Man weist auk die Wahlen in Anhalt und Siecklenknirg hin, wo so viele Stimmen für die Sozial- demokratie abgegeben seien. Aber wer nenne sich heute nicht So- zialdemokrat! Die Rcgierungssozialistcn nennen sich ja auch so. Und doch trennen sich ihre und unsere Wege. Denn sie haben wäh. rend der letzten 4% Jahr« für die Bourgeoisie mehr getan als für die Arbeiter. Wenn unser Einfluß auf die Arbeiter, und besonder» auf die aus dem Felde zurückgekehrten, noch so gering sei. so liege das daran, daß uns Presse- und VersainmIungSfreiheit nicht in demselben Maß: zur Verfügung standen wie den Scheidcmännern. Was die. Regierungsfähigkeit der Slrbeiterklasse betreffe, so seien genug befähigte Leute in ihr vorhanden. Zum Bolschewismus werde«» nicht kommen, aber die Hetze gegen Personen wie Lieb- knecht und Rosa Luxemburg, die mit ihrem Leben für ihre Ueber- zeugung einstehen, sei scharf zu verurteilen. Man blicke lieber nach rechts. Sogar die neu gegründete deutsche demokratisch« Volkspartei werde Kapitalsinteressen vertreten. Umsonst habe dt« LuftverkehrSgescllschast nicht 2000 M. in den AgitationSfonds dieser Partei gesteckt. Dann wies Redner noch darauf hin, daß die Frauen, die jetzt da» erstemal an die Wahlurne treten, noch viel- fach unaufgeklärt seien. Unsere Aufgab: sei tS nun. das Versäumte nachzuholen. Wenn aber der Ruf ertöne: Auf zum Kampf, dann müsse jeder bereit sein, selbst mit seinem Leben für die er- rungene Freiheit einzutreten. Stürmischer Beifall folgt: diesen Ausführunaen. der sich auck noch bei einzelnen Rednern in der folgenden Diskussion bemerkbar machte, wenn diese eine ent- schiedenc Politik forderten. Mit einer Aufforderung des Borsitzenden, der Unabhängigen sozialdemotratischen Partei beizu- treten, schloß die Versammlung. Bezirk Waidmaatislust und Umgegend. Freitag, den 27. d. M. (3. Feiertag), abends 7 Uhr, findet eine außerordentliche M i I gli e o c r v e r so m m l u n g statt,.aind zwar in Waid- mannSlust im SchwetGerhauS, Ttanaftr. Mitglieder aus allen Orten, die unjerm Bezirk angeschlossen find, werden gebeten, zu erscheinen. Dte BezimSleirung. 'HMHM«»«>nni«ni«inmini>MWiiiMimiiui— Gewerkschaftliches. Protestversammlung der Angestellten der Reichsstelle fül Gemüse und Obst. In der am Montag nachmittag nach dem„Schwarzen Adler" in Schöneberg cinSsrufenen äußerst zahlreich besuchten Versamm- lung wurde Bericht erstattel über die Verhandlungen des Aktion»- auchchusseS der Kriegsgesellschaften mit den in Frage kommenden Behörden. Unter lebhaften mißbilligenden Acußcrungcn nahmen die Angestellten Kenntnis von der Ablehnung ihrer Forderungen einer ausreichenden Teuerungszulage und einer zeitgemäßen Weihnachtsgratifikation. In der sich anschließenden Dobatte kourdc von den einzelnen Rednern das Verhalten der Behörden geaührcnd gekennzeichnet und als wichtigste Waffe für die Durch- Ktzung der berechtigten Forderungen immer wieder auf die not- wendige gewerkschaftliche Organization der Angestellten ver. wiesen. Am Schluß gab folgende Resolution, die einstimmig an- genommen wurde, dem Willen der Versammlung Ausdruck: Tie Angestelltenschast der Reichsstelle für Gemüse und Obst nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis, daß Von den zuständigen In- stanzen die bescheidenen pekuniären Forderungen abgelehnt worden sind. Sie evblickt in dieicr Abl:hnutig eine Nichtachtung ihrer durch schwerst« wirtschaftliche No: bedrohten LebenSmter- fsfen. Die Angestclltcnschaft der Reichsstelle ftir Gemüse und Obst ist fest entschlossen, in Gemeinschaft mit den in gleicher Lage befindlichen Angestellten sämtlicher Kriegsgesellschaften. die durch- areifendsten Mittel zu erwägen, um ihre Forderungen durchzu» sirmpfen. Die Angestelltenschast erwartet daß der Betrieb». angeslclltenrat wie bisher sofcrt Hand in Hand mit den Ange- ttcllten der anderen KriegSgesellscbaflcn und den Gewerkichaften eiitnhlosscn die zur Durchfiihrung notwendigen Entscheidungen Blumen-, Biälter- und Federarbeiter und-arbeiterlnnen! Achtung! In einem Aurrus an alle Angestellten der �aincnputzbranche und ihrer Jndustri«. besonders der Seiden-, Blumen-, Federn-, Damen- und Kinderbutdranche au? EngroS-, Detail- und Fabritdelrieben wird Propaganda gemacht zum Ein- tritt in den Angcstellteu-Vcrband der Putz- und Modeindustric??? Am 19. Dezember fand eine Versammlung aller in obigen Be- lrieben Angestellten statt, in der die Einberufer ihr Programm ent- wickelten. Das Programm ist durchaus als erstrebenswert zu be- zeichnen, nur wird entschieden bestritten, daß es dem neu gegrün» beten Verband möglich ist, in absehbarer Zeit auch nur einen dielee Punkte zur Durchführung zu bringen. Für alle in obigen Bc- trieben Beschäftigten besteben bereits große leistungsfähige Ovvt- ntsationen, das gilt besonder» auch für die Blumen-, Blätter- und Lederarbeiter und»arbeiterinnen. Diese Nengründung bedeutet also eine Zersplitterung� der Kväfte, zum Schaden der Arbeiter- schaft. Gerade in der jetzigen Zeit ist«s mehr als notwendig, alle Kruste zu bereinrgen, um da» Ziel zu errcickten, das sich die freien Gewerkschaften gesteckt baben: Erzielung möglichst günstiger Löhn- und Arbeitsbedingungen. Wir warnen daher alle Blumen-, Blätter, und Feder- arbciter und-arbeiterinnen, diesem Lockruf zu folgen und fordern sie auf, die Augen offen zu halten und allen etwaigen Gründun- gen von Ortsgruppen des neuen Verbandes entschieden entgegen- zutreten. Sie würden nur unnützerweisc ihre sauer verdienten Groschen dem neuen Verband« zuführen, ohne dieselben jemals verzinst zu erhalten. Der Organisaftonsgedänke bat in dieser Zeit fluch unter den Blumen-, Blätter» und Fedcrarbeitern und arbeiterinnen erfreuliche Fortschritte gemacht; geben sie biesem Geöanken dadurch Ausdruck, indem sie alle dem Verband der Fabrikarbeiter und arbeiterinnen l>«itrcten. VerHand der Fabrik- arbeitet Deutschlands. Zahlstelle Groß-Berlin. Beendigunz be« BtreikS beim Scknibwarrnbuus Carl Scitkee. Durch Abschluß eines Vertrages zwischen dem Zentralverband der Hartdlungsgehüsett und dem SchuhwarcnhaüS Carl Stiller ist der Streik der kaufmännischen Angestellten bei dieser Firma beendet worden. Die Firma hat sich bereit erklärt, den Angestellten Ent- schuldungsbciträge in Höh« von 100 bis 400 M. je nach der Dauer ihrer Beschäftigung zu gewähren. Ferner hat die Firma die Ge- hälter um 10 bis 20 Proz. erhöht. An llrlaub wurde bewilligt bei Beschäftigung biß zu einem Jahre 7 Tag«, bis zu 3 Jahren 14 Tage und darüber 21 Tage. Kriegsteilnehmer werden wieder eingestellt, und zwar zu ihrem früheren Gehalt nebst Zulage„ach obiger Regelung. Maßregelungen aus Anlaß des Streik» dürfen nicht vorgenommen wcrden. Die kaufmännischen Angestellten hatten deshalb beschlossen, die Arbeit am Montag wieder aufzu« nehmen. An alle Hotel-, Restaurant- und Cafeangcstellteu! Eine in der Philharmonie tagende öffentliche Versammlung unserer Berufs- angcthörigen hat einstimmig beschloffen, Weihnacht heiligen Abend 6 Uhr die Arbeit einzustellen. Unsere bis zu 16 Stunden pro Tag währende Arbeitszeit gibt nnS ein moralisches Anrecht gleich allen anderen Berufen, auch Weihnachten zu feiern. Unseren heimgelehrten Kriegern soll und muß es vergönnt sein, nach der furchtbaren Zeit des Völkermorden» diesen Abend im Kreise ihrer lieben Nächsten zu verleben. Am ersten Feiertag ist jeder verpflichtet, seine Tätigkeit pünktlich aufzunehmen. Kokegen! übt Solidarität, geigt Euch würdig dioses Aufrufs, fühlt Euch als gleichberechiigle Menschen! Burger, Bürgerinnen! Unter« stützt unS in unierem schweren Kampf zur Erringung menschen- würdiger Verhältnisse, meidet die Gastwirtschaften, zeigt unfern Arbeitgebern, daß Ihr für diesen Abend freiwillig auf das Gast- hausloben verzichtet. Tie Mechaniker, Uhrmacher nnd Optiker nahmen gestern in einer Versammlung den Bericht über die Verhandlungen mit der Untcrnehmcrorganisafton über den absuschließenden Kollektivvertrag entgegen. Kollege Konski berichtete über die am 18. De- zember gepflogene» Verhandlungen, deren Ergebnis, in folgenden Grundsätzen niedergelegt, er der Versammlung zur Amiahme oder Ablehnung unterbreitet«: 1. Es wird für die Berechnung des Akkordes für jeden Beruf eine Akkordbasis von 2ch0 M. feitgcsetz!. 'Werden Akkordarvetier zunächst im Lehn beschäftigt, so beträgt dieser Lohn 2.80 SJi. minus 15 Prozent, also 2,38 M. Die Akkordbasis gilt für den Arbeiter durchschnittlicher Lcistllngssähigkeil. Der einzelne Akkordarbciter kann einen höheren oder geringeren Verdienst erzielen, eine Begrenzung findet weder nach oben noch nach unten statt. Akketde, die am 9. Dezember auf cnicr höheren Atkordbasis standen, dürfen nicht verschlechtert werden. 2. Der Lohn kränker oder invalider Arbeiter unterliegt der freien Verein- barung. 3. Für angelernte und ungelernte Arbeiter unter 16 Jahren können besondere Bestimmungen getroffen werden. 4. Daß Abkommen über die Löhne kann jederzeit gekündigt wer- den. erstmalig jedoch erst am 31. Januar 1910. Die Kündigung?- frist beträft 14 Tage. In der Diskussion trat eine große Miß- stimmung über die geringen Zugeständnisse der Unternehmer zu- tage, war doch als Grundbasis öch0 M. gefordert worden! Aber der schwache Besuch der Versammlung ließ klar erkennen, daß die Masse der Kollegen nicht gewillt ist, es auf«ine Kraftprobe an- kommen zu lassen. Der Vorsitzende Kollege Bader legte dar, daß unter den gegebenen Verhältnissen ein günsligercs Resultat nicht erzielt Verden konnte, bedeuten doch die getroffenen Abmachungen immerhin für 80 Prozent aller Kollegen eine Aufbesserung. Bei einer Ablehnung der nur bis zum 30. Januar gültigen Verein- barung würden wir unk außerhalb des Kollektivvertrages stellen. wa» einer Verschlechterung gleich käme. Gegen eine starke Minorität wurden dann die oben angeführten Grundsätze angc- nornmen.— Arn Freitag, den 3. Januar, abends 6 Uhr, soll im selben Lokal eine Versammlung stattfinden, in der die in der Branche beschäftigten Arbeiterinnen zu dem Kollektivvertrag Siel- lnng nehmen sollen.