Nr. 138. Aboimements-Dedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Bierleljährb SM Mk., monatl. I.lvMk., wocheutlich 28 Pfg> sret tn« Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» Nummer mit illustrirter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" lv Pfg> Post- Abonnement:»,Z0 Mark pro Quartal. Eingetragen tn der Post-Zeitung»- Preisliste für 1897 unter Ar. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint ttgltch nutzer Wonlag». Vevliner Volksbl�lt. 14. Jahrg. Die Ansertions-Vebiihr beträgt sllr die sechsgespaltene Kolonsl- »eile oder deren Raum so Psg., sür Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen, sowie Arbeitsmarlt 20 Psg. Inserat« für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Ervedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abendS, an Sonn- und Festlagen bis S Uhr vormittag» geöffnet. Zeriisprechrr: Nml I, Nr. 1308. Telegramm-Adresse: „Sotialdemokrnt»erlin". Dentvalorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Wcdilktion: 8V. 19. Ueuly-Straße 2. Freitag» den 4. Juni 1897. Spedition: LV. 19. Meuly-Slraße S. Die politische Uose in Deutschlond. Von der Presse hat nian gesagt, daß sie der Spiegel des Lffeiülichen Lebeus sei. Wer heute das politische Leben in Teutschland nach dem Spiegelbild der deutschen Presse be- urtheilen ivollte, der iviirde ein sehr unvollständiges, und obendrein, so weit es vorhanden, zum großen Thcil sehr wenig der Wahrheit entsprechendes Bild empfangen. Und zwar aus einem sehr guten Grund. Ein großer Theil des Spiegels ist blind und wirft überhaupt gar kein Bild zurück, und ein großer Theil des Restes ist holprig und verbogen, sodaß er nur ein verzerrtes Bild zurück- wirft. Es erklärt sich dies daraus, daß die deutsche Presse nicht frei ist: daß sie über wichtige Gebiete des öffentlichen Lebens nicht schreiben kann was sie denkt, über andere, und darunter gerade das Gebiet, welches gegenwärtig von höchster politischer Bedeutung ist, überhaupt nicht schreiben darf. In Ländern mit einer freien Preffe sind zwar die Bilder, welche uns ans den ein- zelnen Zeitungen entgegentreten, je nach dem verschiedenen Partcistandpunkt, verschieden und oft im Widerspruch mit- einander,— allein zusainmengefaßt in ihrem Ensemble ergeben die verschiedenen Einzelbilder doch dem kritischen Zuschauer, der sehen kann, ein einheitliches Gesammtbild. Bei der deutschen Presse, wie gesagt, ist das nicht der Fall. Wo das Preßldeal des berüchtigten Thadden- T r i g l a f f sich ivesentlich verwirklicht hat und neben der Preßfrcihcit zivar nicht der Galgen, aber Gcfängniß und Zuchthaus steht, da kann die Wahrheit sick nicht hervorivagen, und was sich hervorwagt, das ist nur halbe, verschleierte oder gefälschte Wahrheit. So kommt es denn, daß die entscheidungsvolle Krisis, in welcher das politische Leben Deutschlands sich jetzt befindet, und welche von jedem geahnt und in ihrer Bedeutung empfunden wird, in der deutschen Preffe nur sehr abgeschwächt und ent- stellt zum Ausdruck gelangt, ja für einen großen Theil der Presse gar nicht besteht. Wer sich heute über die deutschen Zustände unterrichten will, muß sich deshalb, falls ihm nicht Privatquellen zur Vcr fügnng sind, an die Presse des Auslandes ivenden. Dort sieht er Wahrheit, wenn auch vielleicht nicht d i e Wahrheit, denn an Tetailkenntniß fehlt es natürlich dem Ausländer, der nur die Hauptpunkte bemerken und nur die Hauptumrisse zeichnen kann. Schreibt da zum Beispiel die„Saturday Review", ein kon- servatives englisches Wochenblatt, das hervorragend deutsch- freundlich ist und in der T r a n s v a a l- A n g e l e g e n- h e i t, die sür englische Gesinnungsfeste ein Prüfstein ist, sich rückhaltlos auf den von der Maffc des deutschen Volkes ein- genommenen Standpunkt gestellt hat— schreibt da die „Saturday Review" in ihrer letzten politischen Rundschau: „Das englische Publikum kann seine Ausmerksamkeit immer nur ausschließlich einer Frage zuwenden, es ist aber zweifellos sehr bedauerlich, daß der h o ch e r n st e n inneren Krisis in Deutschland bei uns nicht mehr Beachtung geschenkt ivird. Wir sprachen schon vor einigen Wochen von der merkwürdigen Lage, die in Deutschland durch die Stellung- nähme des Reichstags gegen das Liebliugsprojekt des Kaisers, eine der französischen Floite gewachsene deutsche Flotte zu er- richten, geschaffen worden ist. Man nimmt allgemein an, daß die Schiffe trotz der Ablehnung des Reichstags dennoch gebaut werden; und wenn die Rechnung eingereicht wird, kommt es jedenfalls zu stürmischen Debatten. „Bor 14 Tagen hat der Reichstag abermals seine oppositionelle Gesinnung bekundet, indem er mit einer Majorität von 4 gegen 1 den Rcgierungs-Gesetzentwurf gegen das Vereinsrecht, den die Regierung dem preußischen Landtag vorgelegt hat, für null und nichtig erklärte. Der Reichstag hat s e l b st v e r st ä n d l i ch, innerhalb der Verfassungs- grenzen, die oberste Autorität über den ver- schiedenen Lokal-Parlamenten der Einzel- solcher Schlag ins Gesicht niemals versetzt worden. rasch nahende Kraftprobe zwischen dem Kaiser, der vielleicht von dem preußischen Land- tag unterstützt wird und zwischen dem Reichstag, den die kleineren Staaten unterstützen. „Ter dreijährige Konflikt zwischen Fürst Bismarck und dem preußischen Landtag nach Bismarck's Uebernahme des Ministeriums in den sechziger Jahren kommt uns unwillkür- lich in die Erinnerniitz; aber seitdem haben die Verhältnisse sich geändert, und die Reichsverfassung von 1871 gewährt der Opposition eine weit festere Grundlage, als die Fortschrittspartei von 1863 sie besaß." So das englische Blatt. Im Ganzen ist die Situation richtig markirt: auf der einen Seite der preußische Land- tag— auf der anderen der Reichstag. Hier die Stütze des persönlichen Regiments, dort die Volkssouveränität. Hier„das elendeste aller Wahlgesetze", dort das allgemeine Wahlrecht. Ganz wie wir selbst die Lage und die Grnppirung der Kräfte wiederholt lkizzirt haben. Beim Lesen der englischen Presse— die Preffe des übrigen Auslands, das uns weniger nahe steht und weniger nnbesangen ist, laffen wir hier bei Seite— erfaßt uns zorniger Schmerz, daß wir, um eine wahrheitsgetreue Schilderung unserer eigenen Angelegenheiten zur Preffe st a a t e n. Doch ein i st Preußen noch Alles deutet auf eine user, t des Auslands gehen müsse». Vor hundert und zwei und zwanzig Jahren, als Beaumarchais in seinem„Barbier von Sevilla" mit scherzendem In- grimm ausrief, daß die Presse über alles frei schreiben könne, außer über alles, was dem Hof und den Machthaberu mißfalle und das sei alles im Himmel und auf Erden, was für den Hof und die Machthaber keine Ver- hiiiimlung und keine Schmeichelei— da geißelte er ähnliche Zustände, wie sie heute in Teutschland sich eingenistet haben, — Zustände, die mit der zwingenden Logik der Thatsachcn einer Krisis zutreiben. Mehr und mehr spitzen die Gegensätze sich zu. Mehr und mehr wird der Reichstag, und die Mehrheit des deutschen Volkes hinter ihm, in die Opposition und aus der Vertheidignngs- in die Angriffsstcllnug, ans der Abwehr zur Eroberung seiner Rechte und Lebensbedingungen gedrängt. Schärfer und schärfer mit jedem Tag betont sich das persönliche Moment in der Politik. Herausfordernder von Tag zu Tag wird die jnnker- lich-großkapitalistischc Reaktion, die in Polizei und Soldaten das Staatsheil erblicki. Immer frecher geberdet sich„die kleine aber mächtige Partei", welche unter dem Vorwand der Monarchie zu dienen das Volt als ihr Ansbeutniigs- Objekt betrachtet. Für Ordnung, Religion und Sitte sind sie in Liebe ent- bräunt, diese Herren und ihre Diener. Für Religion, Ordnung und Sitte arbeiten besonders letztere Tag und Nacht; und da der Zweck das Mittel heiligt, wird jedes Mittel von ihnen ge- heiligt. Was hat angesichts des erhabenen Zwecks die niedrige Moral zu sagen? Weg mit Philisterbedcnken! Weg mit Sentimen- talitäten! Es gilt der Ordnung, Religion und Sitte, und je mehr das Mittel gegen die Vornrthcile der blöden Menge verstößt, je klatschender es der gemeinen Pöbelmoral ins Gc- ficht schlägt, desto höher das Verdienst dieser Kämpfer für Ord- nnng, Religion und Sitte! Tie größte Niedertracht ist die höchste Tugend— lügen, betrügen, vkrleuinden, fälschen ist wahre Sittlichkeit—„die Tüchtigsten im Kamps für Religion, Ordnung und Sitte— sind auch die u n- saubersten!" sagte uns soeben der Hohepriester dieses Tempels der höheren, höchsten und allerhöchsten Bioral. Denn die allerhöchste Moral das ist die„S t a a t s r a i s o n", wie diese Burschen bei ihrem lichtscheuen Treiben sie auffasseu. S i e ist der Leuchtthiirm, der den Weg zeigt:„Was Du thnst, thnst Du im Interesse der Behörden und des Staates." Das Gewissen ist beruhigt, die Staatsraison siegt und die Staatsmoral der T a u s ch, L ü tz o w und L e ck e r t strahlt im Glänze der Dreieinigkeit: Ordnung, Religion und Sitte! Der Lcckcrt-Lützow-Prozcß und jetzt der Tausch-Lützow- Prozeß, sie haben, wie der Kobold Asniodeus im„Hinkenden Teufel", das Dach abgehoben von diesem Sumpfpalast mit seiner Geheim-Werkstätte. Und das will noch vor deni Auslande prahlen! Das rünipst noch die Nase, wenn vom französischen P a n a ni a die Rede! Dieser Zwillingsprozeß Leckert-Lützow und Tausch-Lützow ist ein politisches Panama, das sciiicsgleichen nicht hat in dem, was er enthüllt und in dem, was er— nicht enthüllt. Namentlich in letzterem. Im Nicht enthüllen liegt eben die Krankheit. Ein Staatswesen, das keiner Hülle und Verhüllung bedarf, ist gesund; es scheidet Krankheitsstoffe, die sich enthüllen, aus dem Organismus aus. Bei uns wird nur an den Symptonien herumgepsuscht; man packt die kleinen und kleinsten Handlanger, die Leckert, Lützow, Tausch; und die Großhandlanger, Großhändler und Großsabrikantcn der Reaktion, die treibenden und getriebenen Räder der rückwärtsgehenden Reaktionsuhr, und die„ewige Unruhe" darin, die zickzackmäßig herumschwirrt— alles bleibt fein säuberlich verhüllt. Herr v. Tausch ist zu den Uebrigen gelegt oder richtiger gesetzt worden,— zu seinen Leckert, Lützow und Hammerstein— denn auch der gehört zu den Vor- kämpsern der Religion, Ordnung und Sitte, und ist vielleicht sogar der würdigste vom Gesichtspunkt der Tausch-Moral, die alle plebejische Moral vertauscht und die Ehr- und Scham begriffe der bürgerlichen Kanaille umstülpt. Und dann v i v a t sequens! In dem Morast ist noch Raum und Nähr- boden für Tausend« von Tauschs. Da steigen sie aus, wie Fäulnißgift-Blasen aus brodelndem Sumpf, den die Hoch- sonimersonne kocht— einer nach deni andere». Die S t i e b e r, die N o r in a n n- S ch u in a n n, die T a u s ch,— komnien, glänzen, platzen mit Gestank. Augen auf! Nase zu! So sieht es aus in der Hexenküche der auf Herrschaft An- spruch machenden Parteien. Das ist das Laboratorium, das Fundament und die Stütze der deutschen Junkerherrlichkeit. Alles zerfahren und verfahren. Alle Freiheiten und Rechte des Volks in Frage gestellt. Ueberall Konflikt und Konfliktsaat. Das preußische Abgeordnetenhaus gegen den Reichstag. Der Streit zwischen den Gewalten soweit gediehen, daß der Reichstag seine Ferien verlängern muß, um auf der Wacht zu sein gegen reaktionäre Handstreiche. Der Partikularismus sein Haupt erhebend, und Preußen, die Verpreußung durch ein Pronunziamento das des weil Deutschland sich gegen preußische Junkerthum sträubt, Partikularismus organisirend. Was für Zustände! Und der schniutzige Hinter- und Untergrund: das Spitzel konsortium der Leckert, Schumann, Lützow, Tausch! Der Halsbandprozeß, das Vorspiel und die Einleitung der französischen Revolulion, war ein reinliches Schäferidyll verglichen mit dem Treibe» in diesem politischen Augiasstall. Die Existenz ustd die Ehre des deutschen Volks sind auf dem Spiel. Der Augiasstall muß gereinigt, die Souveränität des deutschen Volks, das jetzt das Gespött freier Völker ist, so fest begründet werden, daß Uebergriffe anderer Gewalten niiniöglich sind. Den Orgien der Reaktion muß endlich ein Ziel gesetzt werden. Das Deutsche Reich soll kein Nationalzuchthaus sein, in dem die„vaterlandsloscn Gesellen" das ehrliche, arbeitende Volk mißhandeln, aussangen und knebeln. Das Deutsche Reich sei des deutschen Volkes! Und des Volkes Wille das höchste Gesetz. Das i st unser Kampfziel. Das wollen, das müssen wir erreichen. Vour Veeeittsgrfetz. — Protestkundgebungen gegen die Isx Reck« fanden statt in Schwelm, Iserlohn, Z o b t e n am Berge in Schlesien, Dresden, Köln. »» Flugblätter für das neue Vereinsgesctz werden gegen- wäriig den KreiSblättern beigelegt. Die Flugblätter sind, wie die„Freis. Ztg." feststellt, ebenso wie die Leitartikel, welche die Kreisdtätter in letzter Zeit für das Vereinsgesetz, sür die Flotten» erweiterung und für andere Projekte der Regierung gebracht tzaben, hergestellt in dem Verlag für christliche Zeitschriften zu Berlin. Verantwortlicher Redakteur ist Pastor E. Hülle. Eines dieser Flugblätter, welches dem„Anzeiger für Seidenberg" beiliegt, ist überschrieben„Das Vereinsgesetz— Schutz gegen Umsturz, keiiie Reaklion." In demselben befinden sich Schlag- ivorte wie:„Die Zügellostgkeit der Revolutionspartei kennt keine Grenze» mehr."„An den Anschlagsäulen in vielen großen Städte» prangen Tag für Tag die rothen Plakate derAiiarchistenversammlungen, in denen die„Propaganda der Thal", d. h. in schlichtes Deutsch über« setzt, Mord, Raub und Diebstahl gepredigt werden." Aber,„lieber Leser, es fehlen der Obrigkeit die Handhaben, dem gefährlichen Treibe» zu steuern." Ueber den Reichstag heißt es, daß derselbe,„obwohl er sich um preußische Dinge garnicht zu kümmern hat und bei nationalen Fragen seine Mit» Wirkung versagt", sich bemüht, die öffentliche Meinung Preußens zu beeinflussen. E? sei„als erlösende That zu begrüßen, daß der König sich entschlossen hat, dem zügellosen Wühlen der Nmstnrzpartei entgegenzutreten." Das Flugblatt schließt:„Wer der Obrigkeit die Mittel versagt, ihres Zlmtes zu wallen, ebnet der Revolution die Wege." Daß es auch gerade ein sich besonders„christlich" nennender Verlag sein muß, der solch duunnes und lügenhastes Zeng zusalninen- schmiert I »» » Z e n t r u m u n d Konservative. In Zentruinskreisen führt die Recke'sche llleaktion zu scharfen Absagen an die Kon« servativen. So schreibt beispielsweise die Nerikale„Ober» s ch l e s i s ch e V o l k s st i m m e": „Die Konservativen wollen dem Volke, also auch dem Zentrums- volle, einen Strick drehen. Es rächt sich jetzt bitter, daß von seilen des Zentrums ihnen Hilfe geliehen wurde. Nachdem das Zentrum im Wahlkreise Löivenberg bei der letzten Reichstags-Ersatzivahl wenigstens theilweise, wenn auch unter heftigem Krach im Zcnlrumslnger mit de» Freunden der jkonservativen unter den Zentrnmslenien, den Konservativen den Rücken gekehrt hat. werden hoffentlich andere Wahlkreise nachfolgen. Bei de» Wahlen muffen alle persönlichen Rücksichten zurücktreten vor dem Wohl des Volkes, vor der guten Zentrums- fache. Oberster Grundsatz ist: Das Zentrum ist eine Bolkspartei. de in n ach nicht feudal-kon servativen Interessen d i e n st b n r zu machen. In den heutigen Zeitläufen brauchen wir zwar besonnene, aber imnierhin Männer der scharfen Tonart. Das gilt für alle Zentrums-Wahlkreise."— Das Zentrum hat aber ivie die anderen Mittelparteien„zwei Seelen". Ans obigem spricht die eine, die Oppositionssecle. Bei anderer Gelegenheit wird wieder die andere, die agrarisch» kapitalistisch- gouvernenmital« sprechen! *«* Die Frage der Betheilig nng an den Landtagswahle n. Diese Frage wird in unserer Parteipresse im allgemeinen mit ruhiger Urberlegung behandelt. Die meisten Blätter haben eine Neigung zur Betheilignng gezeigt. Strikte dagegen hat sich nur die „Leipziger Volkszeitnng" und im Anschluß an sie die„Fränkische Tagespost" erklärt. Mit den Anssühriiiigen Mehring's in der „Neue Zeit" hat man sich bisher noch nicht befaßt. Auch in Ver- sainnilungeii unserer Parleigenossen wird die Frage bereits vielfach disknlirt. In einer Berliner Bersantnilung sprach sich A r o n s für Betheilignng aus; ebenso Meister in Hannover. Die gegnerische Presse verfolgt die Entwickelung dieser Frage mit großer Ausmerk« samkeit._ Berlin, 3. Juni. Der Prozest Tausch ist heute noch nicht zu Ende geführt worden. Die Verhandlung begann nüt der Anklagerede Drescher'?. Seine Rede war, wie sich das wohl aus der Sachlage erklärt, etwas eigenthümlich. In einzelnen Theilen wirkungsvoll, schlagend, scharf, mangelte ihr der dem Ober- staatsanwalt sonst eigenthüniliche Charakter der rücksichtslosen Schärfe, die wir so oft schon gegen unsere Genoffcn zu spüren bekamen. Man hatte den Eindruck, als ob aus der Rede mehr die moralische als die strafrechtliche Ver- urtheilung des v. Tausch herauskliuge. Herr Drescher übernahm den allgemeinen, Herr Dr. Eger de» sachlich- juristischeil Theil dcr Anklagebcgvündung. Erstem begann damit, die Geschworenen zn bitten, nur den That- fache n Bedeutung beizulegen, nicht aber den S e n t i m e n t s, gleichviel wobcr sie stammen, ob vom Vertheidigcr, Staatsanwalt oder Vorsitzenden; für sie sei nicht entscheidend, wer sie gesprochen. Man legte dieser Wendung vielfach be- sondere Bedeutung bei und brachte sie mit weiteren späteren Bemerkungen in Verbindung, z. B. mit der Verwahrung gegen den Vorwurf auf die Verbindung dcr beiden Anklagen. Dann wandte sich dcr Oberstaatsanwalt gegen angebliche Versuche, auf den Prozeß von außen einzuwirken, kritisirte die— geglückten— Versuche v. Tausch's, durch H a r d e n und Lima n für sich Stimmung machen zu lassen, und zog auch eine NeichstagSrcdc unseres Genossen Bebel heran, nm daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, wie anders eine ReichZtagsrede und eine unter Eid abgegebene Zeugenaussage klinge. Wir denken, das gilt auch für andere Rede», und wenn dcr Staats- auwalt von der privilcgirten Reichstags-Tribüne sprach, so wissen wir, daß auch die Staatsanwaltschaft eine sehr privile- girte Stellung einnimmt. Den persönlichen Theil der Anklage leitete der Staats» anivalt mit der Schlußfolgerung ein: Tausch hatte keine H i n t e r m ä n n e r, um daran eine scharfe Vernrtheilnug des Charakters des angeklagten Beamten zu knüpfen. Wie eine Entschnldignng v. Tansch's klang die offene Kritik: die T h ä t i g k e i t des Polizeiraths Eckardt(den Koller mitbrachte und der den Minister unabhängig vom Alexandcrplatz machte) war dem ganzen Polizei- Präsidium unangenehm! Was er über das „heikle und schwierige Thema der Agenten" sprach, war nach all' den skandalösen Ergebnissen dieses Pro- zesses sehr matt und seine Auffassung, daß man die Agenten nur in diskreter, taktvoller Weise benützen dürfe, läuft aus die Forderung hinaus, daß der Unrath nicht riechen dürfe. Mit solchen Auffassungen wird man des Schmutzes, der mit deni ehrlosen Gewerbe des Ageutenthllms nothwendig verbunden ist, nicht ledig. Auffallend schwach war dcr Schluß seiner Rede. Es handelt sich um schweres Amtsverbrcchen und Meineid nnd so schließt dcr Staatsanwalt: Mögen die Ge- schworenen vernrtheilcn oder freisprechen, glänzend freigesprochen gehe v. Tausch ans diesem Prozeß nicht hervor: unglaubliche Taktlosigkeit, unerhörte Leichtfertigkeit, staunenswerthes Un- geschick— das bleibe auf dem Angeklagten immer haften. Weiter nichts? Der Staatsanwalt Dr. Eger faßte in zweieinhalbstündiger Rede die Anklagepunkte zn einem Atosaikbild der Schuld zu- sammen und plädirte für Schuldsprechung in allen Theileu. Ausfallend war uns die Auffassung, daß für den Staatsanwalt der Begriff: Politik, politischer Artikel nicht feststand, sondern die Begriffsbestimmung halbe Bibliotheken gefüllt habe, aber zn keiner Lösung geführt habe. Für Gewerkschaften und Vereine ist der Begriff: politische Angelegenheit so eng und so fest ge- zogen, daß für sie bald nur noch die Frage offen ist: Was ist nicht politisch. Die Vert heidig nngsredeSello's war, was man so nennt, ein Meisterstück forensischer Beredsamkeit— wenn man die Beweisverhandlung ruhig bei seite setzt. Alle Register der Pathetik und der Sentimentalität wurden von ihm gezogen: vom undankbaren Vaterland, von deni treuen festen Charakter, dcr unentwegt zu Bismarck steht, auch wenn Minister und Hof ihre Anschauungen ivechseln, bis zum Appell an den Patriotismus und das Ruhebedürfniß des ängstlichen Philisters, dem(die Polizei die Sorge für Ordnung und Eigcnthum abnimmt: das Land sei glücklich zu preise», wo der Bürger ruhig schlafen kann, wenn so pflichtgetreue Männer wachen wie Ehren-Tausch! Die schöne Rede hat auch den weiteren Vor- zug, daß sie für alle Schwurgerichts-Verhandluugen paßt: man braucht nur den Namen Tausch mit Miiller nnd die Anschuldigung auf Meineid mit dem Wort: Mord zu ersetzen, der Schlußrefrain bleibt immer: Dies Kind, kein Engel ist so rein, Laßl's Eurer Huld empföhle» sei»! Ob er seinen Zweck erreicht? Wenn Frauen auf den Geschworenbänken säßen, ohne Zweifel, denn wir sahen so manches geröthete Auge uud so manches Taschentuch! Der Abschluß der Plaidoyers wird erst morgen erfolgen und dann haben die Geschworenen das Wort. Der Waffenstillstand zlvischcn der Türkei nnd Griechen- laud dürste heut zum Abschluß kommen. Bisher bestand nur Waffenruhe. Jetzt erst sollen die eigentlichen Friedensverhandlungen aufgenommen werden. Di« Türkei scheint»och stark auf der Absicht bestehen zu wollen, weitergehende Bedingungen zn stellen, als die Mächte gewähren wollen. Geheime türkische Abgesandte suchen die Bewohner Thessaliens zur Unterzeichnung vo» Petitionen zn bewegen, in denen um Beibehaltung der türkischen Herrschaft in Thessalien gebeten wird. Andererseits erfährt der„Standard" aus Konstantinopel, daß der Ministerrath die Aufmerksamkeit der Mächte auf die u n- befriedigende Lage auf Kreta gelenkt und die Ansicht ausgesprochen habe, daß die Türkei mit der Wiederherstellung vo» Ruhe und Ordnung ans der Insel betraut werden solle. Wenn sich diese Mittheilung bewahrheitet, so geht daraus hervor, daß die Türkei ihre Rusprüche auf Kreta nicht auszugeben gedenkt. Das wäre der Ausgangspunkt für neue Konflikte. Denn die Mächte werden die Insel keinessalls der Türkei wieder überliefer». Da?„Reuter'sche Bureau" verbreitet über die Kretafrage folgendes aus Paris datirte Telegramm: Die srauzSsische Regierung unterbreitete de» Mächten gewisse Vorschläge bezüg- lich der Einführung der Autonomie auf Kreta. Darunter be- finden fich: Errichtung einer auS Ausländern besteheuden Gen- darmerie; Beschaffung einer Anleihe für diesen Zweck und für die mit Einführung der neuen Verwaltung verbundenen Ausgaben; drittens die Wahl eines Gouverneurs. Diese Vorschläge werden von Rußland unterstützt, und man glaubt, daß sie auch von der englischen Regierung günstig ausgenommen worden sind.— Der skandinavische Sozialisten- nnd Gewerkschaftskongreß, welcher vom 19. bis 21. Juli in Stockholm tagen wird, Hut eine sehr hohe Bedeutung. Die Bewohner der drei skandinavische» Staaten: Dänemark mit I s l a n d, S ch iv e d e n uud Nor- wegen gehören nicht nur einer Bölkerfamilie an, sondern find ganz nahe Stammesverwandte, und die schwedische, dänische und norwegische Sprache sind weniger von einander verschieden als Hochdeutsch und Plattdeutsch, so daß die gegenseitige Ber- ftändigung nicht schwer fällt. Die drei skandinavischen Länder waren unter der„Kalniarischen Union"(von 1397 bis 1bL3) schon einmal vereinigt, wurden durch dynastische Interessen jedoch wieder auseinandergeriffen. Zwischen Schweden und Nor- wegen ist wieder eine Union entstanden, die aber, weil auf mon- archischer Grundlage ruhend, dem freien, nie bezwungenen Volk der Noriveger stets widerwärtig war. Der skandinavische Kongreß der Sozialdemokratie Dänemarks, Schwedens und Norwegens ist ge- wiffermaßen die Halbtausend-Feier der Kalm arischen Union(1397), und sein Zweck ist. eine festere und dauerndere Union zu schaffen, als es unter den Auspizien des monarchischen Prinzips und dynastischer Jnteceffen möglich war.— Deutsches Reich. — Eine Marinevorlage soll dem Reichstage noch vor Pfingsten zugchen. Man scheint sich auf eine längere Sitzungsperiode einrichten zn wolle»; da aber dazu außer den Regierungen auch der Reichstag gehört, so ist abzuwarten, ob die Vorlage noch ver- abschiedet wird.— — Das Staatshaushalts-Gesetz für Preußen für das Jahr 1697/98 ist unterin 3l. Niai, also unmittelbar nach Ab- schlnß der Etatsberathung im Herrenhans, vom König vollzogen und amtlich pnölizirt worden. Von dem ersten Quartal des Rechnnugs- jahrcs. für welches dieses Gesetz in Kraft tritt, sind also bereits zwei Monate verstrichen. Tic Bestreitung aller Ausgobeu ist in diesen zivei Monaten im Widerspruch zu formale» Befiinunilngen der Verfassung erfolgt. Das Gesetz ertheilt hiersür in einem be- sondereu Z 4 in üblicher Weise Jndernnilät.— — Dem neuen U n i v e r s i t ä t s-P r a k t i k n s D r. I! e i n- hold haben»vir Unrecht getha». Wir sagte», es sei nichts davon zn finden, daß der Herr je etwas geleistet habe. Dem ist aber nicht so. Die„Voss. Ztg." ivetß mitzntheilcn, daß der Herr im Jahre 1634 ein Buch Über„Das deutsche Volksthum und seine nationale Zukunfi" mit dem Nebenlitel„Velrachtnugcn eines Laie» über eine nationale nnd praktische Poltlik der Gegenwart" verfaßt habe. Außerdem verSsfentlichte Dr. Reinhold Bisinarckrcde» z»in 70. und 75. Geburtstage des allen Kanzlers und einige andere Borträge. Und man muß sagen, in diesen Schriften nnd Reden steckt etwas dri». Wenn es sich bei Besetzung eines Berliner Universitätskalhcders darnni gehandelt hätte, denjenigen Mann herauszusuchen, der am »reiste» in nationalem Phrasenschwulst»nd Bisinarckvergötterung »lachen kann, so hätte sicherlich dem Dr. lltcinhold dieser Platz ge- bührt. Die Quintessenz seiner„Wissenschast" erscheint z. B. in folgender Darlegung: „Zusammenfassend, erhebend«nd krönend muß die nationale Idee das Bewußtsein der großen Bolksgemeiuschast alle Lebens- regungen der deutsche» Nation durchdringen uud sie dadurch be- sähige», als eine gewaltige Erscheinung hervorzubrechen, die die Welt mit ihren» Glanz« erfüllt nud in ein willig dienendes Ver- hällniß zu sich bringt. Diese Welt, die einst den dröhnende» Schritte» dcr römische» Legionen sich nach blutigen Kriegen stumm unterwarf, die dann den germanischen Horden unter- lag und vor 100 Jahren sich von dem korsischen Eroberer den Fuß ans den Nacken setzen ließ, ist nicht gewillt, unter eine ihnen von Schwaben oder Bayern, von Bückebnrgern oder Neub-Greizer» nngesonnenc Herrschast oder selbst»nter die Schwingen des sriedericianischen Adlers zn treten. Wenn unser Volk die Welt- bühne beschreitet, um das 20. Jahrhundert für sich in Anspruch zu nehme», dann hat es nicht als Hansen von einigen 20»nd 30 großen»nd kleinen Krone», oder als Schwärm vo» Statisten in der Gestalt der Gaue, der Stämme und Dörfer zu erscheinen; ihm würde der Chor der Volker mit Hohn nnd Entrüstnug antworten Nein, wenn es königliche, ivenn es kaiserliche Herrscherrechte in die Hand nehmei» will, dann hat es auch in Kaisergcstalt in purpur- dedeckter Macht, Pracht und Eiicheit anfzutreteu, dann muß es als Haupt nnd Herischer einer Welt eiiiherschreiten." So ist die Denkungsart des zukünftigen Extraordinarius be- schassen. So viel hat er für die Wissenschaft geleistet, um Professor der Nationalökonomie z» werden. 'Aber etwas fällt nns dabei noch ein. Man hat nichts davon gehört, daß bei der Berusnng des Dr. Neinhold die Fakultäc ihre Zustiminilng gegeben hält«. Liegt da etiva eine neue„Schwe- mgerei" vor? Unseres Wissens wird auch gar keiner der etatsmäßigen Plätze an der Berliner Universität frei. Man scheint es für furchtbar dringend zn halten, die studentischen Jnngtliige vor dem so milde» Schmoller-Gist zn bewahren!— — Lehre rfreiheit. Gegen t3 Volksschullehrer in E l b e r- selb ist ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden, weil sie den, Verein der(Süd-) deutschen Volkspartei beigetreten sind nud einer von ihnen in diesem Verein einen Vortrag gehalten hat. Der letztere, namens Emil L a» g s ch e i d, ist bereits vom Amte s u s p e n d i r t worden. Der Lehrer soll die Jugend zur Wahrhaftigkeit erziehen und selbst seine politische Gesiiumug heuchlerisch verstecken!— — Die„Fce»palast"-Börseaner geben klein bei. Die Produktenhändler haben dem Oberpräsidenten v. Achenbach V e r- m i t t l u n g s v 0 r s ch l ä g e gemacht als Grnndlage für weitere Verhandlungen. Vinn hofft auf eine Verständigung zwischen den Kanfherre» und Landherren und damit auf«ine baldige Wieder- Herstellung der Produktenbörse.-- — Chronik der Majestätsbeleidiginigen. Aus O b e r s ch l e s i e n wird gemeldet: Wegen Majeslätsbeleidigung ist der Schneiderineister Novak in Krassow angeklagt worden. Wege» Majestätsbeleidigung wurde der Tischlergefelle Karl Bnchta ans Dcntsch-Piekar von der Strafkammer ,u Benthe» zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Wegen Majeüälsbelcidiguüg wurde der Schlepper Menzel aus Piasniki verhaftet und in das Untersuchnngs- gefängniß eingeliefert. Drei Fälle innerhalb weniger Tage in der- selben Gegend! Oesterreich. — Die Verivahrnng der Sozialdemokraten im Abgeorduetenhanse über die parteiische, der Geschäslsordiumg ins Gesicht schlagende Geschäslssührung des Präsidiums wurde von Daszynskr vorgetragen. Sie lautet: Im Namen des Sozial- demokratischen Verbandes habe ich folgendes zn erklären: Der un- verhüllte Nechlsbruch, der von den beide» Vizepräsidenten in der letzte» Sitzung nicht nur an der Opposition, sondern an der Ge- schästsradnung, der Grundlage aller parlanientarischen Thätigkeit. begangen wurde, macht es jedem pflichtbewußte» Abgeordneten un- möglich, an den weitere» parlamentarischen Berhandlnngen ohne Verivahrnng theilzunehme». Die durch Jahre vom frühere» Präst- deuten Frhrn. v. Chlumecky verübte rechtswidrige Handhabung der Geschäftsordnung wurde von den koalirten Reaktionäre» ans beiden Seite» des Hauses mit Stnmpssinn gutgeheißen; ivir hofften demnach auch jetzt»»ter dem Präsidium, das ans Schülern des vorigen Präsidenten besteht, keineswegs eine vorwurfsfreie und auständig« Auslegung der Geschäftsordnung. Aber das gegenwärtige Präsidium hat seine Borgänger weit überlroffe»; es hat in de» letzten Sitzungen dreist und zivecklos die Geschäftsordnung mit Füße» getreten und ans diese Weise selbst die rein formale Weiterführung der parlamentarische» Geschäfte durch Aushibung jeder Rechts- stcherbeit unmöglich gemacht. Wir erkläre» dieses Präsidium dieser Majorität für würdig, die die korruptesten, mit dein Bauernblut« getränkten Wahlschwindcleie» der polnischen Schlacht« gutgeheißen hat, die dann dreimal nach- einander zu erklären wagte, daß diese Wahlschwindcleie» im schützendeii Dunkel des Legitimationsausschusses der öffenllichen Kritik eiitzogeii bleiben solle». Wir erklären, daß dieses Präsidium die würdijje Repräsentanz einer Majorität»st, die die Vernichtung des Koalitioiisrechtes durch die Regierung duldet und so ein Ver- breche» an taufenden der Eisenbahnarbeiter guthieß. Das Präsidium ist nicht minder würdig einer nnparlamentarischen Regierung, zn deren gunsten die Majorität die Würde dieses Parlaments preisgiebt, einer Regierung, die durch die Sprachenverordnung neuerdings bewiesen hat, daß sie die Rechte der Gesetzgebung mißachtet und ebeiiso gesetzwidrige und plumpe Eingriffe nicht scheut, selbst wen» dadurch das Ber- hältniß zwischen den zwei größten Volksstämmen des Reiches ver- giftet und der von der Arbeiterklasse aller Zungen herbeigesehnte nationale Ausgleich und Friede auf nicht absehbare Zeit erschivert wird. Wir Sozialdemokraten erklären demnach, daß wir diesem Präsidium, dessen Vorgehen»vir hiermit als ebenso unfähig wie bös- willig brandmarken, jede Achtung versagen und es auf das ent- schiedenste bekämpfen»verde». Uugnr». Budapest, 3. Juni. Der„Pester Lloyd", das offiziöse Organ dcr ungarischen Regierung, schreibt über die letzte» Kund- gebungen gegen die deutschen Schauspieler: Wir schämen uns dieses Vorganges in tiefster Seele vor Freund nnd Feind,»md es wäre sträfliche Pflichivergessenheit, mit einem verdammenden Urlheil zurückznhallen. Der„Lloyd" weist darauf hin, daß die Deinoiislranten nicht eiiiinal magyarische Namen tragen, nud betont, daß nichts ungerechter»väre, als wenn man i» Teutschland aus diesen frevelhaften Kundgebungen eine Gehässigkeil Ungarns gegen die deutsche Nation herauibiren wollte. Der Skandal beschränke sich in seinen Urhebern wie in seinen Vollstrecker» aus eine Handvoll Menschen, dene» ans die politische»»nd sozialen Angelegenheiten Ungarns nicht der leiseste Einfluß gewährt sei. Schließlich ermahnt das Blatt alle einhelini- scheu politische» und gesellschaftlichen Kreise zn minachsichtiger Strenge gegen Bestrebungen, welche in ihrem Endergebnisse dahin führen möchten, Ungarn von der Kultnrwelt abzusperren.— Frankreich. Paris, 2. Juni Die Bureans der D e p u t i r t e n k a m m e r wählien heute die Kommission zur Vorberalhmig de? BndgelS für das Jahr 1393. Bon den 33 Mitgliedern der Konimission sind 28 Anhänger des Ministeriums und dürften das Budget so an- nehmen,>vie es vorgelegt ist. Unter den Gewählten befinden sich Wraux, No»x, Delombre, Krantz, Berger und Millerand.— Der Binietallismus ist bekanntlich international; i» ihm hat die alte Welt und die neue Welt sich vereinigt,»md während in der Mitte Europa'S die preußische» Junker, im Westen Europa's die französische» Schiitzzöllner die Fahne der silberne» Jnter- nationale hochhalten, sind es in Amerika die Besitzer der Silber- iiünen, die für Bryan's Wahl soeben die Kleinigleit von 10 Mill. Dollars ansoabe». Ob ans bei», von uns schon erwähnten Bimelallisteii.Kongreß, der Ende der vorige» Woche i» Paris statt- fand, auch deutsche Gäste waren, wisse» ivir nicht— unsere Doppelwähriiiigs- Presse ist darüber sehr schiveigsam,— aber zwei amerikanische Delegirle waren ainvesend, und bei dem Schluß- Festessen, über das die srmizösische Presse, mit Aiisnahme der ver- »ageUsten Schutzzoll- Organe, unbaruiherzige Witze reißt, ging es gar hoch her. Sln Gelo fehlte es ja den Herren nicht, die veumltelst„freier Silberprägung" allcs Elend dcr Welt im Hand- umdrehe» beseitigen»vollen. Für sich selber lösen sie gewiß die soziale Frage. Tie ai»enkan>schen Silbernlinenbesitzer werden jetzt, bei den„ruinösen" SUbe>p>eise>i, auf ungesähr tausend Millionen Dollars geschätzt,»nd»ven» der Binietallismus siegle, so würde der Werth ihrer Mine», in denen auch andere Melalle gewonnen»Verden, sofort un» die Halste, also um 500 Millionen Dollars steigen. Nach einer so ge- »vaUige» Speckseite kann man schon eine seile Wurst iverfen.— Spanie». — M i n i st e r- K r i s i s. Der Chef des konservativen KabiuetZ, Canovas bei Castillo, hat seine Demission gegeben. Die Königin- Regeiitiu wird heute die Präsidenten des Senats und der Deputirten- kaminer, sowie andere politische Persönlichkeiten empfange». Einige Blätter versichern, der Führer der Liberalen, Sagasta, werde den Auftrag, ein neues Kabinet zu bilden, übernehme», falls ihm dieser Auftrag ertheilt würde; andere Blätter melden dagegen, Canovas del Castillo werde wieder mit der Bildung des Kabinels beauftragt werde». Die Lösung der Krisis wird für Sonnabend er- wartet.— Asien. — Zur Lage der Dinge in Ostindien. Di« letzte Depesche, welche der brilische Slanlsselretär für Indien vom Gon- u erneu r von Bombay über die Hnngersnoth erhalten hat, lautet: „Guter Regen ist in Birina, Ost-Bengale» und an der Ostlüste von Nladras gefallen. Regenschauer fielen auch in Bombay. Heiß- Wctter-Stürme herrschen gegcnwärlig in den Nordwest-Proviuzen und im Pendschab. Die eingelaufene» Berichte zeige» keine Ber- äuderung in der Lage. Die Ernte in de» Nordwest> Provinzen ist entschieden gut gewesen. An den Nothbauten sind gegenwärtig be- schäftigt: i» Madras 35S 000 Personen, in Bombay 363 000, in Bengalen 821 000, in den Noldwesl-Provinzen 1454000, im Pend- schab 92 000, in de» Zentral-Provinzen 667000, in Birma 17 000, in Beuar 32 000, i» Haiderabad 23 000, in Zentralindien 191000, >11 Rajputana 23 000. Im ganzen 4 064 000 Personen." Afrika. — Oberegypten und Abessynien machen der Diplomatie viel zu schaffen. De» Engländern ist es nicht gelungen, de» gewünschten Einfluß ans de» Negns zu erzielen. Die von ihnen ge« sandte Nüssion ist zurückgekehrt, ohne clivas Wirksames erreicht zn haben. Menclik, dessen Land zwischen de» südafrikanischen und egyptischcn Interessen der Engländer»vie ein Keil eingeschoben ist, will sich nicht unter englische Einflüsse beugen. Ans London wird hierzu initgetheilt: Die hiesigen diplomatischen und politikchen Kreise sehen mit Un- behagen dcr Enlwickelung dieser Frage entgegen.„Times", „Standard"»md„Westm inster Gazette" vermnthen eine geheime diplomatische Kombination zwischen Deutschland, Rußland, Frank- reich und der Türkei. Außerdem nehme Meiielik Stellung gegen England nnd scheine die Derwische gegen England und de» Kongo- staat zn unterstützen. Di« Misflo», welche der Sultan mit Ge- schenken an den Negns abgeschickt hat, läßt keine» Zweifel bestehen über die kriegerischen Ereignisse, welche sich im oberen Nilthale vorbereiten.— P&vla mentttvifchles« Ter BundcSrath ertheilt« in seiner heutigen Sitzung den Be- schlüssen des Reichstages zu den Gesetzentwürfen betreffend den Verkehr mit Butter jc. und betreffend das Ausivnnderungswesen soivie den» Ansschußberichle über de» Antrag PrenßenS betreffend Abänderung der Instruktion zur Ausführung deS Reichs-Viehseuch«»« Gesetzes sei»« Zustimmung._ Vie VeeoednuttA, betreffend die Ausdehnung der§§135 bis 13V und des 189b der Gewerbe-Ord ililng auf die Merkstätte« der Kleider-«nd Mäschekonfektion ist datirt voiu 31. Mai 1897 und lautet l Wir W i l h e l in, von GotUS Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preuße» je. verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Buudesraths, auf grnnd des tz 154 Absatz 4 der Gewerbe- Ordnung unter Hinweis aus§ 146 Abs. 1 Ziffer 2 und§ 149 Abs. 1 Ziffer 7 a. a. Orte», was folgt: § 1, Auf Werkstätten, in welchen die Anfertigung oder Be- arbeilung von Männer- und Knabeiikleidern(Stöcken, Hosen, Weste», Mänteln und dergleichen), Frauen- und Kinderkleidung(Mänteln, Kleidern, Umhängt» und dergleichen), soivie von weißer nnd bunter Wäsche im großen erfolgt(Kleider- und Wäschekonsektio»), sindcn die Bestimmungen der K§ 135 bis 139 und deS§ 139b dcr Geweide- Ordnung mit den aus dem folgenden sich ergebenden Abäuderuiigen Anwendung. £j 2.(§ 135 der Gewerbe-Ordnung.) Kinder unter 13 Jahren dürfen»ichr beschäftigt werde». Kinder über 13 Jahre dürfen nur beschäftigt werden,»venu sie nicht mehr zum Besuche der Volksschule vcrpflichlet sind. Die Beschäftigung von Kindern unter vierzehn Jahren darf die Dauer von sechs Stunden täglich nicht überschreiten. Junge Leute zwischen vierzehn und sechzehn Jahren dürfen nicht länger als zehn Stunden täglich beschäftigt werden. § 3.(§ 136 der Gewerbe-Ordnung.) Die Arbeitsstunde» der jugendlichen Arbeiter(ß 2) dürfen nicht vor 5>/» Uhr morgens beginnen und nicht über 8'/» Uhr abends dauern. Zwischen den Arbeitsstunde» müssen an jedem Arbeitstage regelmäßige Pause» gewährt»verde». Für jugendliche Arbeiter,»velche nur 6 Stunden täglich beschäftigt werde», muß die Pause mindeslenS eine halbe Stunde belragen. Ten übrigen jugendlichen Arbeitern muß min» bestens entiveder mittags eine einstündige sowie vormitiegs und nachmittags je ein« halbstündige, oder Mittags eine einundeinhalb« stündige Pause geivährt werden. Dii�t»ub der Piusen darf den jugendlichen Arbeitern«ine �eschnftigimg in de», Werlslatlbetrieb überhaupt nicht und der Anfeulhalt in den Arbeitsräuinen nur dann gestattet werde», wenn in denselben diejenigen Theile des Betriebes, i» welchen jngciidljche Arbeiter beschäftigt sind, für die Zeil der Pansen völlig eingsstelU werden, oder wenn der Aufenthalt im Freien nicht thnnlich und andere geeignete Anfenthallsräume ohne unverbältnißninhig« Schwierigleilen nicht beschafft werden können. ?t» Sonn- und Festtagen, sowie während der von dem ordent- lichen Seelsorger für den Katechnmenen- und Konsirinanden-, Beicht- und Komninnion- Unterricht bestinunten Stunde» dürfen jugendliche Arbeiter nicht beschäftigt werde». § 4.(z i-j? der Gewerbe-Ordnung.) Arbeiterinnen dürfen nicht tn der Nachtzeit von achteinhalb Uhr abends bis fünfeinhalb Uhr morgens und am Sonnabende sowie a» Vorabenden der Festtage nicht nach fünfeinhalb Uhr nachmittags beschäftigt werden. Tie Beschäsligung von Arbeiterinnen über sechzehn Jahre darf die Daner von elf Stunden täglich, an de» Vorabenden der Sonn- und Festtage von zehn Stunden nicht überschreite». Zwischen den Tlrbeilsstunden nnch den Arbeiterinnen eine min- destens einslündige Mittagspause gewährt werden. Arbeite, innen über sechzehn Jahre, welche ein Hankwesen zu besorgen haben, sind ans ihren Antrag eine halbe Stunde vor der Mittagspause zu entlassen, sofern diese nicht mindestens ein und eine halbe Stunde beträgt. Wöchnerinnen dürfen während vier Wochen nach ihrer Nieder- rnnsl überhaupt nicht und während der folgende» zwei Wochen nur beschäftigt werden, wenn das Zeugnis, eines approbirten Arztes dies für zulässig crllärt. § 5.(§ 138 der Gewerb«. Ordnung.) Sollen Arbeiterinnen oder jugendliche Arbeiter beschäftigt werden, so hat der Arbeit- gebe, vor dem Beginne der Beschäftigung der Orlspolizeibehörde uuter Angabe der Werlstätle«ine schriftliche Anzeige zu»lachen. Der Arbeilgeber hat dafür zu sorgen, das, in de» Werkstatt- räumen, in welchen jugendliche Arbeiter beschäftigt werden, an einer in die Auge» fallenden Stelle ein Berzeichniß der jugend- lichen Arbeiter unter Angabe des Beginns und Endes ihrer Arbeitszeit und unter Angabe der Pansen ausgehängt ist. Ebenso bat er dafür zn sorge», daß in den betreffenden Ltäninen eine Tafel ausgehängt ist, welche in der von der Landes-Zentralbehörde zn bestimmenden Fassung und i» deutlicher Schrift einen Auszug aus de» Bestimmungen dieser Verordnung enthält. Z 6.(§ 138a der Gewerbe-Ordnung.) Ueber die im Z 4 Absatz l und 2 festgesetzte Zeit dürfen Arbeiterinnen über sechzehn Jnh,e an sechzig Tage» im Jahre beschäftigt werden. Diese Be- schäftigung darf dreizehn Stunden täglich nicht überschreite» und nicht länger als bis zehn Uhr abends dauern. Hierbei kommt jeder Tag in Anrechnung, an welchem auch nur »ine Arbeiterin über die»ach s 4 zulässige Dauer der Arbeitszeit hinaus beschäftigt ist. Gewerbetreibende, welche Arbeiterinnen über sechzehn Jahre ans grnnd der vorstehenden Bestimmungen über die im§ 4 Absatz 1 und 2 festgesetzte Zeit hinaus beschäftigen, sind verpflichtet, ein Ver- zeichniß anzulegen, in welches jeder Tag, an dem Ueberarbeit statt- gefunden hat, noch am Tage der Ueberarbeit einzutragen ist. Das Berzeichniß ist auf Erfordern der OrlSpolizeibehörd« sowie dem Gcwerbe-Ansfichtsbeamten jederzeit vorzulege». §7.<§ 189 der Gewerbe- Ordnung.) Wenn Naturereignisse oder Unglücksfälle den regelmäßigen Betrieb einer Werkstälte nnter- krochen habe», so könne» Ausnahmen von den vorstehend vorge- sehenen Beschränkungen auf die Dauer von vier Wochen durch die unlere Verwaltungsbehörde, auf längere Zeit durch die höhere Ver- waltungsbehörde zugelassen werde». Wenn die Natur des Betriebs oder Rücksichten auf die Arbeiter in einzelnen Werkstätte» es erwünscht erscheine» lasse», daß die Arbeitszeit der Arbeilerinne» oder jugendlichen Arbeiter in einer anderen als der durch ZZ 8 und 4 Absatz 1 und 3 vorgesehene» Weis« geregell ivird, so kann aus besondere»'Antrag ein« anderiveite Regelung hinsichtlich der Pansen durch die untere Verwaltungs- behörde, im übrigen durch die höhere Verwaltungsbehörde gestattet werde». Jedoch dürfen i» solchen Fällen die jugendliche» Arbeiter nicht länger ots sechs Stunden beschäftigt werden, wenn zwischen den Arbeitsstunde» nicht Pausen von zusammen mindestens ein- ftündiger Dauer gewährt iverden. Die auf grnnd vorstehender Bestimmung«« zu treffenden Ver- fttgnnge» müsse» schriftlich erlasse» werden. s 3. Die vorstehenden Bestimmungen finden keine Anwendung: l. auf Werkstätten, in welche» der Arbeitgeber ausschließlich zu seiner Familie gehörige Personen oder nur gelegentlich nicht zu seiner Familie gehörige Personen beschäftigt, 2. anf Werkstätte» in welche» die Herstellung oder Bearbeitung von Waaren der Kleider- und Wäschekonfektion nur gelegentlich «folgt. § 9. Diese Verordnung tritt mit dem I. Juli 1897 in krast. Vommimales. Stadtverordneten-Bersammlnust. Oessentlich» Sitzung vom Donnerstag, 3. In u i, nach»,. 5 Uhr. Der Magistrat hat beschlossen, den Beitrag an den Haupt- verein für Knabe„Handarbeit schon in diesem Jahre einer Resolution der Versammlung entsprechend von 1800 aus 8900 M. zu erhöhe». Dem Begründer des Rothen KrenzeS und der Genfer Konvention, Henrv Dunant, der zur Zeit hochbetagt, schwach und bedürftig in einem ländlichen Spital>» der Schweiz lebt, will ein Komitee, an dessen Spitze der Ober- bürgermeister steht, eine Ehrengabe zuwende». Der Magistrat schlagt vor, 2009 M. dazu beizusteuern. Die Versammlung stimmt ohne Debatte zu. Das Zentral-DiakoniffelihanS Bethanien feiert am 10. Oktober er. fei» SOjährlges Bestehe». Das Kuratorium bat auS diesem Anlaß den Magistrat gebeten, der Anstalt eine Jnbiläumsgabe zn- zuwenden. Nach dem Borschlag des MagistralS sollen 19 009 M. als Beitrag zn de» Kosten des Baues einer Jsotirbaracke für Kranke der Inneren Abtheilung gespendet werden. Auch hier«rtheilt die Versammlung ohne weitere? ihre Zu- fiimmung. Hinsichtlich der Festsetzung und Vollstreckung der S ch u l v e r s ä u n» n i ß st r a f e» ist dem Magistrat durch Erlaß des Oberpräsidente» aus Anweisung des Kultusmiuifters seine bis- herige Zuständigkeit entzogen. Die Konlroll« des Schulbesuchs und die Enlscheidnng über die eveutnelle Slrasfälligkeit einer Schul- versäumniß soll der Schuldcpntation verbleiben, die Bestrafung des Schuldige» aber vom Polizeipräsidium bewirkt iverden. Der Magistrat sieht in dieser Beschränkung eine Beeinträchtigung des Interesses der städtische» Selbstuerivaltung imd sucht bei der Per- sannnlnng um die Zustimmung zn einem Beschlüsse nach, demgemäß au die Regierung der Antrag gestellt werden soll, der Stadt bezw. dem Oberbürgermeister die Schulpolizei nach Maßgabe de? Kompetenzgesetzes auch hinsichtlich der Strasfestsetzung und-Boll- strecknng für Schulversäuuiniffe zu übertragen. I» der Berathung nimmt Stadtv. Hugo Sachs das Wort, um die Znstiunnung der Versammlung zu dem vom Magistrat ein- genommenen Standpunkt zu bekunde». Das bestehende Regulativ sei nicht einseilig, sondern nach Vereinbarung mit de» staatlichen Instanzen zu stand« gekommen, werde aber hier vom Minister ein- seitig abgeändert. ES sei bekannt, daß diese Maßnahme der Absicht entspringt, hinfort die Echulversäumnifse der Dissidenten ktnder bestrafen zu lasse», während nach dem bestehenden Regulaliv solche Bersänuinisse nach der humanen Praxis der Schuldeputation nicht geahndet werden. Unwürdig geradezu sei die Art, wie hier mit der Slndt Berlin unigesprungen werde. Herr Bosse, der Kultus- uimisier, habe sich als ei» gelehriger Schüler des Herr» P. qnel in bezug auf die Enlfallung von Rücksichtslosigkeit gegen Berlin erwiesen;«r, der am liebsten sein» freie Zeit dem Studium der unglaublichen Zustände in manchen Dörfern widmen sollte, wo die elende Berfassmig der Schulgebänd« schon zu Unglücksfälle» geführt und«inen ordnungsmäßigen Unterricht zur Unmöglichleit gemacht hat. Der Magistratsantrag wird angenommen. Darauf erfolgt durch den Oberbärgermeister Zelle die Ein- sührung des Nachfolgers von Hobrecht, des»eugewählten Stadt- baurathS für den Tiefbau Krause. Zum Entivnrf der neuen B a u p o l i z e i- O r d» u n g liegt nunmehr der Ausschnßbericht vor. Bom Ausschuß sind zahlreiche Aendernngen an dem ursprünglichen Entwurf, den das Polizei- Präsidium dem Magistrat zur Erklärung schon im Februar zugehen ließ, vorgeschlagen. Dieselben laufen fast durchweg darauf hinaus, eine stärkere Bcbannng der Gnmdstücke zu ermöglichen, als sie das Polizei- präsidinin zulasse» will. Da in dem destnitive» Entivnrf der Polizeibehörde, wie er ans de» Berathuiige» der staatlichen Instanzen hervorgezangen und i» diesen Tage» dem Magistrat mit- getheilt ist, sich nichts findet, was diese» Vorschlägen entspräche, so hat der Ausschuß au alle» wesentlichen Abänderungsauträgen fest- gehalten; der Magistrat soll t» diesem Sinn« sich auf den Entwurf dem Polizeipräsidium gegenüber erklären. Der Referent, Stadtv. Wohlgemuth, hebt hervor, daß der Magistrat eine Verpflichtung, die Lache der Versammlung zur Aenßerung vorzulegen, nicht hatte, sich aber doch bei dem guten Verhältniß beider Körperschaften dazu verstanden hat. Er weist ferner darauf hin, daß die Zustimmung des Magistrats zur neuen Ordnung auch nicht unbedingt erforderlich ist. sondern im Falle der Weigerung vom Oberpräsidenten ergänzt werden kann. In der Miuisterial- Baukomuitssiou haben die Magistrats- kominissarie» die Forderungen und Wünsche des Ausschusses>nit allem Nachdruck verlrelen, aber, wie der Vergleich beider Entivürse zeige, fast durchweg ohne Erfolg. Die Bauordnung von 1837 erfahre in dieser Beziehung eineAbänderung.welche dieBebanbarkeit der Grnnd- stücke noch iveiter beschränke, wodurch etwa V99 Millionen a» Grnnd- werth ohnejeden Zweck verloren gehen. Nur für die innere Stadt habe die Miiiisterial-Bankominissio» von ihrem ersten Vorschlag etivas nachgelassen, sodaß nun eine Zwcitheilung i» Grundstücke innerhalb und außerhalb der ehemalige» Ringmauer statthaben soll. Etadlv. Kyll mann bedauert ebenfalls, daß die Versammlung nur gehört werde und daß sie eigentlich vor einem kait accornpli steht. Siadtv. F r i e d e m a» n: Der Ausschuß hat sich sehr be- scheiden auf das allernothivendigste beschränkt; nehmen Sie dies als Minimum einstinimig an. Stadtv. Werna«: Mir scheint, daß die oberen Behörden sich schon früher in weiser Boranssicht gesagt haben, daß sie schwerlich reformatorisch würden vorgehen könne», wenn sie den Grund- besttzern in der Versammlung ei» Miiwirkniigsrecht eil» räumen. Bisher wird Berlin mit 72,8 pCt. bebaut, was jetzt ans 69,5 pEt. eingeschränkt werden soll. Wird auch das für zn viel erachtet, dann verstehe ich gar nicht, weshalb überhaupt eine neue Bauordnung nöthig war. Sie sprechen von öOO Millionen Konfiskation, da wird aus der Mücke ein Elephant gemacht. Es wäre gut, wenn Sie unseren„Vorwärts" läsen(Heiterkeit); der hat dargethan, welche Mißstände in hygienischer Beziehung in der Stadt in Masse vorhanden waren, wie es mit den zu kleinen Höfen u. s. w. hier in Wirklichkeit stand. Da schafft die neue Bau- ordnung Abhilf«, und wir werde» dafür stimme«. Im Schlußwort meint der Referent Stadtv. W o h l g e»n u t h, daß die Ausstellungen des letzte» Redners wohl 1886 noch, aber nicht mehr seit Erlaß der 1L37er Bauordnung berechtigt ge- wesen seien. Der Ausschußanlrag gelangt darauf mit großer Mehrheit zur Annahme. Die N e u e i u t h e i l u n g der K o m m n n a l» W a h l» bezirke soll nicht nach dem vom Magistrat seinerzeit vor- geschlagenen Tableau und auf Grundlage der bisherigen Mitglieder- zahl der Versammlung erfolgen, dre liberale Mehrheit hat vielmehr, da ihr namentlich in der Ift. Abtheilung um den Verlust einer Reihe von Sitzen bange ist, zn dem Auskunftsmittel gegriffen, eine Vermehrung der Mit- gliederzahl um 6 in jeder Abtheilung, also von 126 auf 144, tn Antrag zu bringe» und auf dieser Basis im Ausschuß eine anderweitige Eintheilung vorgeschlagen, welche an den jetzigen Wahlbezirken in der innere» Stadl nur wenig ändert. Stadtv. L i e b en o w führt als Referent für die Vennehrung der Mitgliederzahl vor allem die Zunahme der Bevölkerung ins Gefecht und vertheidigt im übrigen das neue Tablean. Etadv. Dr. P r e u ß beantragt, das Tableau für die erste und zweite Abtheilung behufs Herbeiführung größerer Gleichmäßig- keit in der Verlheilung der Eeelenzahl dem Ausschuß zurückzu- geben. Stadtv. I a e o b i empfiehlt die einstimmig gefaßten Ausschuß- beschlttsse, da sonst die Sache auf zwei Jahre vertagt würde. Stadtv. B o r t in a u» hält mit dem Stadtv. Prenß dafür, daß schreiende Ungerechtigkeiten vorlägen, daß namentlich zu Ungunsten des Westens geradezu Wahlgeometrie getrieben sei. Die Vorlag« de? Magistrats sei viel gerechter gewesen. Stadtv. R o s e n o w protestirt gegen diese Vorwürfe. Stadtv. Meyer: Der Effekt deS Antrages Prenß ist: Wir wolle» keine Neuwahl. Stadtv. Prenß hat gar kein Interesse, di« Sache zum Scheitern zu dringen. Stadtv. B o r g in a n n: ES ist interessant, wenn Herr Prenß eine Lanze für die Gerechtigkeit bricht, er, der bekanntlich kein An- Hänger des Reichs-Wahlrechtß ist. Er meint, die Wähler der ersten und zweiten Abtheilung feien doch auch Wähler. Nein, das sind keine Wähler(Große Heiterkeit), das sind Privilegirte, die das Recht der Ernennung besitze». Das Tableau Liebenow entspricht der Gerechtigkeit entschieden mehr als die ursprüngliche Vorlag«. Nehmen Sie die Vorlage deS Ausschusses an und lassen Sie sich auch nicht von prosefsioiiemäßig«» Umfallern wie Herrn Kalisch und Vortmaun bestimmen l(Große Heiterkeit.) Stadtv. Kalisch protestirt gegen den Borwurf„professioneller Umfaller" und erklärt die darin enthaltene Insinuation, als habe er jemals seine Gesinnung gewechselt, als eine perfide Lüge. Für diesen Ausdruck ivird er vom Vorsteher zur Ordnung ge- rufe», erklärt aber, bei der Heftigkeit de? Angriffs zu dieser Abwehr genöthigt gewesen zu sein. Nachdem Stadt». Lad««ig für den Antrag Preuß eingetreten, bemerkt Stadtv. S i» g« r: Ich habe kein« Neigung, mich in den Streit der feindlichen Brüder erster und zweiter Klaff« zu mischen. Ob sie im Norde», Osten oder Westen wohnen, ist uns gleich, für uns sind sie überflüssig, sie mögen wohnen, wo sie woven(Heiterkeit). Aber eS ist charakteristisch, daß die Herren, welch« nach ihrer politischen Stellung«ms dem Standpunkt deS allgemeinen gleichen Wahlrechts stehen(Zuruf: Für den Reichstag!)— sich auf einen Streit um«in paar Mandate einlassen. Aus diesem Zuruf« gerade bewahrheitet sich, daß wir Ihnen mit recht vorhalten: wo Sie etwas zu sagen haben, tn der Genieinde- Verwaltung, da gehen Ihr« liberalen Anschauungen zum Teufel. Die Herrschaft der Plutokratie ist durch das geltende Wahlgesetz vollständig statuirt. Den Wählern erster und zweiter Abtheilung tan» es glelchgittig sei, ob die Sache noch zwei Jahre dauert; sie sitzen im Fett, st« können warten. Die Massen aber, um die eS sich handelt, di« ein gutes Recht darauf haben, auch v«tr«t»« zu werden, di« haben so viel Zeit nicht. Damit schließt die Debatte. Persönlich bemerkt Stadtv. Borgmann, daß er den Kollegen Kalisch keineswegs in heftiger Weise habe angreifen wollen. Er sei aber auch über die Antwort beruhigt, denn schon morgen werd« Herr Kalisch über di« Sache anders denken, als er heute gesprochen.(Der Borsteher hält auch solche Bemerkung für unstatthaft; aus«ine nochmalige Auslassung des Stadtv. Kalisch, di««inen Tadel gegen den Borsteher durch. blicken läßt, weil er Borgmann nicht sofort zur Ordnung gerufen, erklärt Dr. L a n g« r h a n S, daß er tn dem Ausdruck„professionell« Umfaller"«in» stNUidigung nicht erblick«!» könnt. Der Antrag Preuß wird darauf abgelehnt, der Ausschuß- antrag angenommen. Der Magistrat theilt der Versaliimlung mit, daß er jetzt geneigt sei, mit ihr in gemischter Deputation über den theilweisen Erwerb des Geländes deS Botanischen Garten zu berathen. Stadtv. H. S a ch s ist für die Erörterung der Sache in ge« mischt« Deputation. Das Regierungsanerbieten sei unailnehmbar. Es sei ein Akt der Ungerechligkeit und des Vqndalismus, eine solche Anlage zu beseitige», um mit dem Terrain Bodeinuucher zu treiben. Stadtv. Singer: Ich bin auch nicht einmal eventualiffrme dafür, ei» Opfer zu bringen. Die Vorlage ist einfach vom fiskali- scheu Interesse diktirt. Die Beseitigung des Botanischen Gartens, der BandaUSinns, der Stadt einen Lungenflügel zu rauben, mag von der Regierung allein verantwortet werden. Der geriebenste Bauspekulant hätte nicht schlauer vorgehen können. Leider hat sich der Magistrat schon viel zu sehr auf die Sache eingclassc»; die Subkonunission hat sich für den bedingten Erwerb bereits ausgesprochen. Damit wird der andern Seite nur der Rücken gestärkt. Der Staat will den Garten ausschlachten; die Stadt aber soll für den Rest»wei Millionen zahlen und diese» Theil als Park erhalten l Wunder» würde es mich aarilicht. wenn Herr Miguel noch die Bedingung daran knüpfte, daß ans dem Platze eine Kirche errichtet würde! (Heiterkeit.) Was hätte wohl der Oberbürgermeister von Frankfurt zu ähnlichen Zumnthungen der Regierung gesagt? Eine derartige Wandlungsfähigkeit muß auch tn heutiger Zeit überraschen. Der Regierung muß zum Bewußtsein gebracht werden, daß diese Art der Behandlung Berlins endlich an dem Widerspruch der Bürgerschaft eine Schranke finden muß und auch den städtische» Behörden endlich die Galle überlaufen macht. Es yiebt für die Deputation nur eine Aufgabe: Abweisung » Ii in ins! Berlin darf für die endliche Beseitigung der Schauer- zustände der Charit« nicht auf diese Weise herangezogen werde». (Beifall.) Der Magistratsantrag wird angenommen. Die übrigen Vorlagen sind von untergeordnetein Interesse. Schluß nach 9 Uhr.__ Vttvtei-Mslchvichtette Auf dem Parteitag der österreichische» Sozialdemokratie, der in der Woche nach Pfingsten in Wien statlfindet, wird die deutsche Sozialdemokratie durch die Genossen P s a n n k u ch und M o l k e n b u h r vertreten sein. Tie französische» und italienischen Parteigenossen in San Francisco haben ein gemeinschaftliches, halbmonatlich er- scheinendes Blatt herausgegeben. Polizeiliches, Gerichtliches ,e. — Kiel, 2. Juni. Gegen Genossen Korn, Redakteur der „Schleswig-Holstein'fchen Volksztg", ist Anklage wegen Gendarmen- beleidigung erhoben worden. Es handelt sich um einen Artikel, in dem das Ansehen Deutschlands im Auslande mit dem eines schneidigen Gendarmen verglichen, aber keinerlei Persönlichkeit be- zeichnet wurde. Die'Anklage gehört zu den sonderbarsten, die preußische Staatsanwälte ausgedacht haben. — In H a l l e a. S. hat der Parteigenosse Karl Brandt am 8. Juni eine zirka einjährige Gefängnißstrafe angetreten, die er sich als verantwortlicher Redakteur des„Bolksblatts" zugezogen hat. Möge der wackere Mitkämpfer den Aufenthalt im Kerker über- stehen, ohne ernste» Schaden an seiner Gesundheit zu erleiden! — Das Reichsgericht verwarf die Revision, die von dem Partei- genossen Michels in Köln, verantwortlichem Redakteur der „Rheinischen Zeitung", gegen das Erkenntniß des Düsseldorfer Landgerichts eingelegt worden war, das ihn wegen Beschimpfung der evangelischen Kirche zu 5 Monaten Ge- sängniß verurtheilt hatte. Vom Landgericht in Köln war Michels freigesprochen worden; das Reichsgericht hat jedoch das Urtheil ausgehoben und das Düsseldorfer Gericht mit der Sache betraut. Gemevkstzszttftliche-s. Berlin und Umgcbuug. Achtung, Tabakarbriter! In der am 9. Juni, abendS 3'/s Uhr, be» Gründet, Brunnenstraße 138, stattfindenden Protest- Bersanunlung betreffend das Attentat auf das Vereins- und Ver- sainniluiigsrecht wird Genosse M i l l a r g gleichzeitig über die Ausdehnung der Versicherungspslicht aus die Heimarbeiter(Hausindustrie) spreche». Deutsches Reich. Eine Konferenz sozialdemokratischer Handlungsgehilfe« ist von Hamburger und Leipziger Kaufleuten auf Pfingsten nach Leipzig einberufen. Zweck derselben ist, zur Gründung einer Zentralorganisation und eines neuen Handlungsgehilfen- Blattes Stellnng zu nehmen. Aus kausmännischen Kreisen Berlins wird uns hierüber geschrieben: Von Berlin, München, Crefeld, Elberfeld, Halle und anderen Orten wird die Konferenz nicht beschickt, es werden nur Leipzig, Hamburg. Dresden und Chemnitz vertreten sein. Die Berliner Kollegen haben sich von vornherein energisch gegen die diesjährige Konferenz verwahrt. Sie sind selbstverständlich nicht im Prinzip gegen eine Zentralorganisation, aber sie. sind ganz entschieden gegen einesAenderun g der Taktik, d.h. gegen das Ausgeben der politischen Organi- sationen. Zu hunderte» vonMalen habe» dieKaufleute erklärt, daß sie in Beziehung anf die Organisation ander? beurlheilt werden müssen, als die übrigen Arbeiter, denn die Selbsthilfe durch di« Gewerk- schast versagt bei den Kaufleuten vollständig. Wenn die Handlungs- gehilfen etwa? werthvolleS erreichen wollen, so könne» sie es nur durch Einwirkung aus die Gesetzgebung, und hierzu brauchen sie politische Fach-Organisationen. Daß diese unbedingt sozialdemokratisch find und sein müssen, braucht man hier nicht näher auszuführen. Und daß die politische Orga- nisation der Kauflenle in Beziehung auf die Gesetzgebung nicht ohne Erfolg ist, dafür giebt Zeugniß gerade die letzte Zeit. Sobald nun in Preußen der 8 8 des Vereinsgesetzes und in den übrigen Bnndesstaaten ebenfalls das Verbot des Jnverbindungtretens politischer Vereine gefallen ist, wird sich von selbst eine Zentral- organisation dieser politischen kausmännischen vereine empfehlen. Geradezu al» einen Verrath an der gesammtey Bewegung aber müssen die Berliner Kollegen die Gründung eines neuen Blattes be- trachten. Wer da weiß, wie schwer es ist, ein Fachorgan lebens- sähig zu halten, wird den Berlinern entschieden beistimmen.— Soweit die Zuschrift. Die Gründung eine? zweiten Blckttes für di« auf dem Standpunkte des Klasseninteresses stehenden Kaufmanns- gehilfen ist jedenfalls des Guten zu viel, da unter den gegebenen Umständen weder das eine noch das andere prosperiren könnte. Und der Erkenntniß, daß jetzt, wo über die preußische Vereinsgesetz- Novell« noch gar nichts ent- schieden i st. die Errichtung neuer Organisationen verfrüht ist, wird sich die Mehrzahl der Theilnehmer a» der Leipziger Konferenz wohl auch nicht verschließen. Ucber den Tischlerstreik i» Stettin wird u»Z geschrieben: BiS jetzt haben 2t Meister mit ca. 79 Gesellen die Forderung der Gesellen bewilligt. Hierunter sind selbst solche Meister, die dem Arbeitgeberbund angehören. Die Gesannnlheit der Meister verharrt dagegen aus ihrem früheren Standpunkt. Anf ein von der Streik- kommisüon an den Arbeitgeberbund gerichtetes Schreiben ist di« Antwort eingelaufen, dessen Kommission habe beschlossen, daß nur dann in niündliche Unterhandlung»nit einer Kom- Mission der Arbeiter eingetreten werden würde, wenn diese Kommission aus sieben Mitgliedern der Bau- und Möbel- tischler- und Drechslerbranche zusammengesetzt sei, wenn die Namen dieser Kommissionsmitglieder vorher mitgetheilt würden und wenn in sämmtlichen Fabriken und Werkstätten, die vorher»nd bis jetzt von dem Generalstreik ausgeschlossen sind, die Arbeit niedergelegt sei.— Zu nnlerslützen sind für diese Woche 14t«erheirathete mit 225 Ntildern und«4 Ledig». Ein Tischlerfircik ist. wie u»Z telegraphirt wird, in der Kraft' sche» Fabrik i» Wolga st ausgebrochen� Die Ausständigen eriuche» um Feruhaltuug des Zuzugs. Zum Streik der Tischler, TrechSler und Maschinen- arvelter LnbeckA. Es ist die Nachricht verbreitet, der Streik der Holzarbeiter Lübecks wäre zum Abschluß gekoniweii, dies beruht ans Unwahrheit, im Gegeulheil dauert der Streik unverändert fort und ist vorläufig an seine Beendigung nicht zu denken, denn wir haben hier mit hartnäckigen Gegnern zu kämpfen. Darum Genossen und Kollege» allerorts, unterstützt uns mit Eurer ganzen Kraft, dadurch, daß ihr den Z u z u g von Tischlern, Drechslern und Maschinennrbeiter» von Lübeck st r e n g fern haltet. Hoch die Solidarilät! Das Streik- koimtee. I. A.: D. R o h d e in Lübeck, Lederstr. 3. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden dringend um Abdruck gebeten. Ju Hamburg ist die Sperre, die über die H a n s a- B r o t- Hübsch u. K o. verhängt war. ausgehoben, da eine gütliche Uebereinknnft erzielt ist. Die Sektion der Kutscher der Hamburger Filiale des Zentralverbaudes der Handels-, Transport- und Berkehrsarbeiler Deutschlands beauftragte eine Kommission, in Gemeinschasl mit dem frrllalvorstand bei der Hamburger Polizeibehörde persönlich mit dem Gesuch vorstellig zu werde», ob es sich nicht empfehlen lasse, ans grnnd der Geiverbe-Orduuug oder Nüttels einer Bereinbaruug mit den Fnhrherren einen wöchentlichen Ruhetag für die Kutscher des öffentlichen Fuhrwesens einzuführen. Von der Tircktioir der Jutcspiuncrei«ud Weberei -ttreuleu werde» Vorarbeiter nach allen Gegenden gesandt, um Arbeiter anzuwerben. Wir hoffen, daö die Textilarbeiter Deutsch. tands den um besseren Loh» kämpfenden Bremer Textilarbeitern nicht rn den Rücke» falle» und cbensoivenig die Textilarveiler Oesterreichs, tue die Direktion besonders ins Auge gefaßt hat. Der Durchschnitts- lohn tu Bremen beträgt zur Zeit S— g M. pro Woche. Gesordert wird unter anderem ein Mindcstlohn von 1, SV M. pro Tag. Hieraus rst schon zu ersehen, wie die Lohnverhältnisse der Breiner Tcxtil- arbeitcr bcschaffeii sind. Der Vorstand des Zentralverbandes deulscher Textilarbeiter. Ju Magdeburg dai.ert der T i s ch l e r st r c i k fort. Die llnternehmer suchen auswärts, besonders in Schlesien, Arbeitskräfte.�— Die Weißgerber der Jan ecke's che» »- ft � 1 1?(Neustadt, Alexanderstraße) legte» wegen einer Lohudlfferenz die Arbeit nieder. Sie sind alle organistrt. Ju Erftirt hat die«Freie Vereinigung der Arbeit- g e b e r i in Z i»i in e r e r g e w e r b e" ein« Erklärung an die Bürgerschaft dieser Stadt veröffentlicht, worin unter anderem be- hauplct wird:«aste Arbeiterausslände entspringen sozialdeniokralischer Aguatlou". Die G e iv e r k s ch a f t s k o»> ni i s s i o n i» Erfurt, dw de» Streik der Zimnierer gebilligt hat. antwortet darauf in der «Thüringer Tribüne" mit der Anfrage an die siebengescheidten Ziinniermeister:„Welchen Ursachen entspringe» die Bestrebungen uäer Gesellschaftsklassen, insbesondere die des Unternehmerihuuis. ihre wirthschastliche Lage zu verbessern? Vielleicht der sozial deniokrntischcu Agitation?" Tie Maurer iu Obcrliud bei Sonueberg in Sachsen- Meiuingen habe» nach fast fünfwöchigem Streik eine» Miniluallohn von 30-32 Pf. erkämpft. Auch die Maurer in Neustadt haben »hre Forderungen, die übrigens etwas geringer waren, durchgesetzt. Tie Zimmerer in Mannheim, die seit mehr als vier Woche» im Streik stehen, haben einen Sieg über de» Meisterring erfochten, indem vier der zu dem Ringe gehörigen Unternehmer den Tarif anerkannten. Es wirb angenommen, daß der Streik nun nicht»»ehr lange dauert. Mil kr vttrhm evD v ob ei«de. Tie vereinigten selbständige» Barbier« und Friseure Mannheims besäilosse» in einer Versammlung einstimmig, f ä in m l l i ch e» Gehilfen eine Lohn erhöh ling zu ge» währe», nachdem in allen Geschäften bis ans fünf die Erhöhung der Preise für Barbieren und Frisircn durchgeführt ist. Trust- Klausel im kanadischen Zolltarif. Tie„Soziale Praxis" schreibt: In Europa wurde bereits wiederholt der Gedanke ventckirt, dnrch Zolltarif- Maßnahmen dem Mißbrauch von i n d n st r i e l l e n Kartellen entgegenzuwirken, ohne daß jedoch der Versuch gemacht worden wäre, in dieser Weise praktisch vor- z-ugehen. Die wirthschastliche Erprobung der Idee wird nunmehr in K a n a d a versucht. Ei» beachtenswerther Paragraph des kanadischen Zolltarifs bezieht sich nämlich aus Trusts und ähnliche geschäftliche Vereinigungen; er bestimmt, daß, sofern die Regierung sich davon über- zeugt, daß bezüglich eines Konsiimartikels ein Einversländniß zwischen de» Händlern, Produzenten oder Fabrikanlcu zn dem Zwecke besteht, de» Preis derWaare zu steigern oder sonst ihren Vortheil in ungehöriger Weise auf Koste» der Konsumenten zu erhöhe», und sofern das Zollgesetz eine derartige Bennchlbeiliguiig der Käufer durch den Zollsatz auf die belreffende» Artikel erleichtert, so soll der Zoll aus solche Waarcu aufgehoben oder derart erniedrigt werde», daß den Konsumenten daraus der Vorlheil billigen Imports solcher Artikel erwächst. An dieser Bestimmung ist nur auszusetzen, scheidnng nicht in die Hände einer unabhängigen gelegt ist._ Sozittlrsi. Utbev die Einwirkung der Verstchernngs- Gesetzgebung ans die Armenpflege ist die Bearbeitung des in, Jahre 1894 ge- sain Mellen Materials für das Deutsche Reich im zweiten V i e r t e l j a h r s h e f t für Statistik des Deutschen Reiches erschienen. Das Material selbst ist nur mit Vorsicht zu gebrauche», da die Zahl der Unterstützlen nicht zu gewinnen war, sondern nur die Summe der UnterstüNungsfälle. Auch ist das Material nicht vollständig, da einige Bundesstaaten nur die Er- gebnisse einiger Armenverbände bekanntgebe» konnte». Der„Reichs-Anzeiger" saßt das Ergebniß der Umfrage wie folgt zusammen: „Auf die Frage:„Ist die Armenpflege durch die Arbeiter- versichernngs- Gesetze entlastet worden?" hat der weitaus g r ö ß t e T h e i l der b e f r a g t e n A r m e n v e r w a l t u n g e» konstatirt, daß die Versichernngs- Gesetzgebung ans die Armenpflege entlastend gewirkt hat. „Allerdings sei die Zahl der nuierstntzlen Personen"— so be- richtet das Statistische Amt wörtlich über den Inhalt der Antworten—„sowie der Auswand für dieselben keinesivegs geringer geworden, jedoch würde diese Erhöhung eine noch viel beträchtlichere gewesen sein, wenn die sozialen Versichennigsgesetze nicht eingeführt worden wären, da der größte Theil der durch dieselben unterstützten Personen andernfalls der Armenpflege bedurft hätten. Ziffer- mäßig könne diese e» t l a st e» d« Wirkung freilich nicht nachgewiesen werden". Im einzelnen wird zunächst der Krankenversicherung entschieden ei» entlastender Einflns! auf die Armenpflege zugeschrieben, freilich mehr in den städtische» Armenverbände», da i» den ländlichen die land- und sorstwirthschasUichen Arbeiter zumeist nicht in die Versicherung einbezogen sind. Es gilt ersichtlich ziemlich allgemein, wa? der Bericht ans Elberfeld über den Einfluß der Kranken- Versicherung auf die Armenpflege sagt, daß nämlich„von der Masse der Versichertc» viele Familienväler mit eriverbsunsähige» Angehörigen, viele alleinige oder Miteruährer von Eltern und Geschwister», viele alleinstehende Personen ohne Familien- nnhalt sind, von denen allen anzunehmen ist, daß sie in Erkrankungsfällen mehr oder weniger der Armen- pflege anheimsall«» würden, wenn nicht die Leistungen der Krankenversicherung beständen." Die U n f a l l v e r s i ch e r n n g hat »ach den vorliegenden Berichte»— wie das Statistische Ami mit- theilt—„von den drei Versichcruiigsartc» die gering st e Er- leichternng der Armenpflege gebracht." Man führt dies darauf daß die Ent Sprnchbehörde zurück, daß für die in betracht kommenden Personen schon früher — ans grnnd des Haflpflichtgesetzes— bei Unfällen Fürsorge ge- troffen gewesen sei, ferner darauf, daß eine große Anzahl der von Unfällen betroffenen Personen m.r theiliveis erwerbsunfähig und daher nicht so hilfsbedürftig geworden sei, um eine Armenhilfe in Anspruch nehme» zn müssen. Hervorgehoben wird übrigens auch, daß die Armen- Berwaltnngen nur selten davon Kcnntni» erhielten,, daß von Unfällen betroffene Personen eine Rente beziehen.„Der merkbarste Einfluß auf die Armenpflege"— so berichtet das Statistische Amt weiter— „wird dem Jnvaliditäts» und Altersversicherungs- Gesetz beigelegt, indem ein großer Prozentsatz aller derer, die eine Rente bezichen, zu jenen zählen, für welche andernfalls die Armenpflege hätte eintreten müssen". Von zahlreichen Annen- verwaltnngen ist auch ein„zifsermäßiger" Nachweis der entlastende» Einwirkung der Versicherimgsgesetze auf die Armenpflege erbracht morden, im allgemeinen aber ist, wie bereits erwähnt, nach dem Stande der Armenstatistik und der einschlägigen Einrichlungc» über Haupt ein solcher nicht möglich. Das Gesaniinlergebiuß der Erhebungen hat, wie das Stalistische Amt betont, das Ergebniß der Umfragen, welche der Verein für Armenpflege und Wohlthätigkeit über den gleichen Gegenstand seiner Zeit angestellt hat, im wesentlichen bestätigt. Beide Erhebungen haben dargethan,„daß ein wohllhätiger Einfluß der sozialen Versicherung in mehrfacher Weise bereits zu Tage tritt und daß dieser Einfluß, wenn auch nicht ziffermäßig senstellbar, so doch i» bemerkenswerthem Maße der Ariiienpflege im Sinne einer Entlastung derselben zu gute kommt." Viel mehr habe» wir von der ganzen Verstcherungs-Gesetzgebnng nie erwartet und die gewährte Unterstützung übersteigt selten die Höhe eines d ü r s t i g e n Almosens. jener Polizeiverordmnig nicht verkannt worden sei. Zur V er« a ii st a l t ii n g von deklamatorische» Vorträgen und der anderen im Z 33a anfgesührten Lustbarkeiten gehörten vor allem Vorberei- l ii n g e n, so z. B. V o r b e s p r e ch n n g e n mit dem W i r t h n ii d e i n e A n k ü u d i g ii n g an d a s P u b l i k u m. Das fehle hier aber gänzlich. Es könne hier nur von einer„D a r b i e t u n g" gesprochen werde», und zwar um so mehr, als die Gewerbe-Ordnung selber in ihren tzZ 33a und 33b ausdrücklich zwischen einer„Ver- anstaltung" und einer„Darbietung" unlerscheide. Mkevstvifches. Zum Bundes- Turutag des Arbeiter- TurnerbundeS Teutschlands, der ans Pfingsten nach Leipzig-Lindenau ein- berufen ist, erschien im Verlag von Moritz Fromm, dem Heraus- geber der„Slrbeiter-Turnzeitung", eine F e st- Z e i t u n g, die neben anderen beachtensnierlhen Beiträgen eine interessante Studie Man- fred Wittich's über den altgermanischen Schwertertanz enthält. Gee UsztS"3* ikung. der oll rkeit, M oejr Fl S„ po Ein Sittenbild. Das 13 jährige Schnlmndchen Bertha L uckaczewski aus Spandau stand gestern vor der ersten Straf- kanimer am Landgericht II. Das Mädchen hatte einen Diebstahl be- gangen und trieb sich, um der Bestrafung zu entgehen, wochenlang obdachlos umher, wobei es sich der gewerbsmäßigen Unzucht hingab. Die Angeklagte muß entschieden gule Vorbilder gehabt haben, denn sie hat— wie die Beweisansnahmeergab,— beiihrem verwerflichen Lebenswandel eine für ihr Aller überraschende Routine an den Tag gelegt. Die Polizei hat sie schließlich aufgegriffen. Wegen des Diebstahls wurde sie zu vier Wochen Gefängniß vcrnrlheilt, von der Anklage wegen Ver- letziing der Konlrvl- Vorschriften aber freigesprcche», weil der Gerichtshof annahm, daß ihr die zur Erkenntniß der Strafbarkes der inkriminirten Handlung erforderliche Einsicht gemangelt Hab Ei» Gerichtsurtheil gegen daö polizeiliche Verfronimnugs- streben. Aus S ch n e i d e m ü h l wird der„Boss. Ztg." berichtet: Das Schöffengericht erklärte die vielbesprochene Verordnung des Oberpräside» teil, daß alle Vereine und geschlossene Gesellschnflen in der Provinz Posen ihre Vergnügungen an allen Sonnabend-Abenden nm 12 Uhr beendet haben müssen, für r e ch t s u n g i l t i g. Das Gericht schloß sich im allgemeinen den Ausführungen des Verthci- digers an, daß die königliche Kabinelsordre vom 17. Februar 1837 keineswegs geschlossene Gesellschaften, die sich in abgeschlossenen Räumen zu ihren Vergnügimge» zusammenfänden, habe treffen wollen. Weiterhin sei es aber auch zweifelhaft, ob die äußere Heilig- Haltung der Sonn- und Feiertage schon von der mitternächtigen Stunde an zu beginnen habe. Ein Fahrrad-Tieb und seinc Hehler standen gestern vor der ersten Slrafkaiinner am Landgericht II. Der Schlosser Paul Richter auS Steglitz stahl am 20. März d. I. das vor einem Hanse der Jorkstraße stehende Fahrrad des Kanfinanns Heinrich und am 8. April ei» vor einem Lokal an der Ecke des Kiirfürstendammes und der Älngsburgerstraße stehendes Rad des Kaufmanns Schürr- mann. Beide Räder verkaufte Richter an seinen Freund, den Fahrrad- Schlosser Franz Kluge für 45 bezw. 60 M. Kluge arbeitete in der Falirrad-Fabrik von Max Schmidt u. Ko. in Steglitz und verkansle die Räder für 60 bezw. 80 M. an deu Leiter dieser Fabrik, Herrn Otto Baron. Beide Diebstähle wurden alsbald entdeckt und die Räder wurden noch im Besitze des Baron gefmide». Das eine derselben war mehrfach verändert worden, weshalb an- genommen wurde, daß dasselbe unkenntlich gemacht werden sollte. Baron mußte daher ebenfalls mit auf die Anklagebank, obwohl ihm Kluge stets eine Legitimation des Verkäufers vorgelegt hatte, von denen die eine allerdings gefälscht war. Richter und Kluge ivarcn im vollen Umfange geständig, Baron behauptete dagegen, einen durchaus angeniessciieu Preis für die Räder bezahlt zu haben. Dein widersprachen jedoch die Sachverständigen, Fahrradfabrikanten und Händler. Dieselben bekundeten, daß das erste Rad, eine„Windsbraut", das etwa ein Jahr benutzt worden ist, und neu 225 M. gekostet hat, wegen seiner heute nur noch selten vorkoninienden soliden Bauart für den Allhändler mit Rädern eine» Einkanfswerth von 80 31t. und mehr gehabt habe. Das zweite Rad war eine„Germania", das per Kasse mit 300 M. verkauft und nur 4 Wochen gefahren worden ist. Dieses Rad halte für den Händler(beide Llädcr standen zur Prüfung vor dem Zeugentische) einen Einkaiisswerlh von 150— 160 M. Da die Sachverständigen aber selbst nicht mit gebrauchte» Rüdern handeln, so beantragte der Verlheidiger, einen Händler mit allen Rädern znzu- ziehen. Die Sache gegen Baron wurde daher ausgesetzt. Richter und Kluge wurden mit Rücksicht auf ihr Gestnndniß unter Zn- billigung mildernder Umstände mit je sechs Monaten G e- ' ä» g n i ß bestraft. Für Gaftwüthe und hausirende„Artisten" ist eine neuerdings gefällte Entscheidung des 5t a m m e r g e r i ch t s sehr wichtig. Wer gewerbsmäßig Singspiele, Gesangs- und deklamatorische Vor- träge. Schaiistellniigen von Personen oder theatralische Borstellungen in seinen Wirthschasls- oder sonstigen Räumen öffentlich ver- an stalten oder zn deren öffentlicher Veranstaltung seine Siänme benutzen lassen will, ohne daß ein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschast dabei obwaltet, der bedarf hierzu nach tz 3ga der Gewerbe- Ordnung einer jkoiizelsion. Eine dieser Bestimmung entsprechende Polizeiverordnung sollten zwei Artisten" und ei» Gnstwirlh übertreten haben; jedem wurden M. Strafe zndiklirt. Die Leute beantragten aber richterliche Eni- scheidnng und machten geltend, es könne in ihrem Falle von einer Veranstaltung" von Vorträgen ic. gar nicht geredet werden. Die beiden„Künstler" hätten mit kleinen Vorträgen und wenig künstlerischen Darbietungen am fraglichen Abend die Gäste ver- 'chiedener Lokale ergötzt, ohne vorher mit den Wirthen ei» Ab- kommen zu treffen. Sie seien gewissermaßen dauflren gegangen, da ausgetreten, Ivo es der Wirth geduldet habe. Wenn 'ie Geld erhielten, so hätten sie das lediglich der Frei' gebigkcit der Gäste zn danken gehabt. Eine Verpflichtung habe nach keiner Richlnng bestanden. Der Wander-Gcwerbe- chcin des einen hätte somit vollständig genügt. Das Schöffengericht prach bierauf die Angeklagten frei und das Landgericht bestätigte später diese Entscheidung. Die Gerichte erklärten die angesührten Einwände für durchschlagend. Die Staatsanwaltschaft legte nun- mehr die Revision«in, zn deren Begründung sie ausführte, es läge doch«ine gewerbsmäßig« Veranstaltung n. f. w. u. f. w. vor. Ans der Thalsache, daß keine Verpflichtniig bestand, die Leute zu bezahlen, sei eine für die Angeschuldigten günstige Folgerung nicht zn ziehen. Die Revision wurde jedoch vom Kammergericht mit der Begründung zurückgewiesen, daß der Begriff der„Ver- anstaltung" im Sinne des Z 33 a der Gewerbe-Ordnung und Vevfmmnnmsen» Zirka 2500 Maurer waren am Miitiroch bei Keller, Koppensiiaße, versammelt, um zu der Antwort des Jimungsbnndcs auf die ihm zugestellte» Forderungen der Berliner Maurer Sleliiing zu nehmen. Bekanntlich Halle sich die Lohnlommission, in dein Be- streben, einen Lohnkampf in diesem Jahre zu vermeiden, an die Innung gewandt, nm durch Verhandlungen eine Verständigung über den von den Arbeitern geforderten Stundenlohn von 60 Pf.» der übrigens im Jahre 1889 allgemein bezahlt wurde, herbei» zuführe». Die der Kommission nunmehr von dem V u n d d e r B a u-, M a u r e r- u n d Z i m m e r m e i st e r z n- g e g a n g e n e Zl n t w o r t hat folgenden Wortlaut:„Die heutige außerordentliche Jiinungsversaunnlung des Bundes der Bau-, Manier- und Ziinniermeister zu Berlin kann sich mit Micksicht a»f die im vorigen Jahre unter Vorsitz des Magi�.iutd-M'nflnvs v. Schulz ans hiesigem Ralhhaus gepflogenen Verhinndlungen z-vischen den Ver- tretern diesseitiger Innung und der Loänikommissini der Zimmerer sowie der darauf solgenden AblehniniA des Echedsspruches dnrch die Gesellenschast von erneuten Verhaiadlinign'. mit der Lohn- kommisston der Maurer bei der heutigen Geschäftslage keinen Erfolg versprechen." Diese jede Verhandlung ablchnende Antwort, die die Unternehmer in der„Bangewerks-Zeituiig", wahrscheinlich weil eine vernniislige Begründung der Ablehnung nicht an- geführt werben kann, mit Schmähungen der Lohiikommission zu moliviren versuchen, wurde von de» Versammelten recht mißfällig aufgenommen. S i l b e r s ch m i d t begründete sodann in längeren Anssührungen die Nothivendigkeit der gesorderten Lohnerhöhung, die nicht, wie die„Baugewerks-Zeitnug" schreibt, von Arbeits sch-ne» und durch das Hetzen der Agitatoren und der Lohnkoinmission, die auf Kosten der Arbeiter ein angciichmcs Leben führe», angezettelt wurde, sondern den Verhältnissen vollkommen entspricht. Die Thatsache, daß die Lebensbedürfnisse seit Jahren im Preise gestiegen, die Löhne aber nicht nur mit dieser Steigerung nicht gleichen Schritt' geHallen und sogar zniückgegaiigen sind, so doß der Jahresverdienst eines Maurers in anbetracht der langen Arbeitslosigkeit und der vielen Pansen 1000 Mark noch nicht erreicht, mache es jedem Maurer zur Pflicht, für eine Lohnerhöhung einzutreten. Der Redner kritistrl hierauf unter dem Beisall der Versammelten das Verhalten der Innung, die den Versuch der Ar- beiter, auf gütlichem Wege einen Ausgleich herbeiznsührcii, mit nichtigen Gründen abwies und durch die Schmäharlikel in der „Baugewerks- Zeilmig" allem Anscheine nach die Maurer zu einem allgemeinen Streik noch vor den Pfingstfeierlageu provozireu wollte. ltöcr Redner fordert schließlich auf, dieser offenbaren Provokation nicht Folge zu leisten und die Arbeit einzustellen, wen» es den Unternehmern paßt, sondern den Vorschlägen der Lohiikommission zuzustimmen, die ge- eignet sind, Erfolge für die Arbeiter zu sichern. Nach kurzer Diskussion, in der sich die Redner in der gleichen Weise aussprachen, gelangte eine von der Lohnlommission vorgeschlagen« Resolution zur An- »ahme, in der die Versammlung der Lohnkommission den Auftrag ertheilt, zur nächstcu Woche eine öffentliche Bersannnlnng ein- zuberuse», die dann zn bestiiiimen hat, wann und wie die Forderungen der Maurer durchgesührt werden sollen. Bis zu d i e s e r V e r sa m m l n n g ha ben A r b e i t s n i e d e r l e g n n g e n zur Erringiing der Forderungen völlig zu unter- bleiben. Wie berichtet werden konnte, hat sich in den letzten Tagen die Situaiion sehr günstig für die Arbeiter gestaltet. Die am Dienstag und Mittwoch vorgenouimeue Bau- lontrolle ergab folgendes Resultat: Konlrollirl wurden 653 Van- stelle», ans denen insgesammt 7316 Maurer beschäftigt sind. Auf 145 Baute n mit 1631 Maurern wird 9 Stunden gearbeitet und 60 Pf. Stundenlohn gezahlt.?lnf 464 Bauten mit 5197 Maurern wird bei 9ftnndig«r Arbeitszeit 55 Pf. Stundenlohn bezahlt. Auf 27 Bauten mit 336 Maurern beträgt der Stundenlohn bei 9stündiger Arbeitszeit 55 biS 60 Pseiinige. Ans 13 Bauten arbeilen 82 Maurer 10 Stunden bei einein Stundenlohn von 50—55 Ps. Ans 4 Bauten wird von 70 Maurern in Akkord gearbeitet. Arbeitelos« waren 300 ein- geschrieben und außerdem ca. 100 Maurer, die an den Bausperren und Maßregelungen bclheiligt sind. Hierzu koininen noch ca. 500 Maurer aus den Vororlen, die bei der Kontrolle nicht mit einbegriffen sind. Eine längere Diskussion zeiligte ein Antrag von W o r m, nach welchem mit einer eingehenden Begründung die Wahl einer Kommission von je fünf Personen der lokalen nnd zentralen Richtung vorgenommen werden soll, die die Zlns- gäbe hat, durch Berathnngen einen Weg zu finden, um eine einheitliche Organisation der Maurer für Berlin zu ermöglichen. Von den Anhängern der Zentralisation, sowie von Beiersdorf wurde die Wahl einer Kommission zu diesem Zweck besnuvorlet und darauf hingewiesen, daß die Berathungen der Kommission ans die bevorstehende Lohnbewegung keinen Einfluß haben werden, da dieselbe erst dann ihre Vorschläge einer Versamm- lnng zu unterbreiten hat, wenn sie selbst sich über die Mittel und Wege einig ist. In den Versammlung«» soll oiese Frage bis dahin nicht erörtert werden. Von den Anhängern der lokalen Richtnng wurde der Antrag mit der MoUvirnng bekämpft, daß die gegenwärtige Zeit nicht dozn angethan sei, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, zumal mit Besliimntheit angenommen werden könne, daß damit ein Streit um die Orgamsationssorm entfacht werde, der sich allgemein bemerkbar machen würde und auf die Lohnbewegung schädlich wirken wird. Schließlich wurde der Antrag gegen eine bedeutende Mino» rilät angenommen und von deu Anhänger» der Zentralisation W o r m, S i l b e r s ch m i d t. M e w s, F r ä n z e l»nd P a n s e r gewählt. Tie Anhänger der Lokalorganisation lehnten ihrerseits die Wahl von den noch fehlenden sims Personen ab. Zum Schluß wurde noch bekannt gegeben, daß am Mittwoch Abend eine Protest» Versammlung gegen das neue Vcreinsgesetz bei Keller, Koppenstrase. slallfliidet. Des weiteren wurde ersucht, für die Verbreitung der Flugblätter, die am Freitag in allen Zahlstellen zu haben sin'o. Sorge zu tragen. Als Beitragssamniler für Friedrichsberg wurde H o f f m a u» gewählt._ Depefchett und letzte Nucheichleu« Hamburg, 3. Juni.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In der Hinschenselder Ledersabrik in Wandsbeck vernnglückten heule stlueu- mittag vier Arbeitet dnrch Einathmung giftiger Gase in einer Gero« grub«. Ein Arbeiter ist todt, drei noch bewußtlos. Budapest, 3. Juni.(B. H.) Bei den antideutschen Kund- geblingen im Lnstspiel-Thealer hallen die Temoiislronteii auch Dyiiamitpatroiien gelegt,! welche heute von zwei Arbeitern gefunden wurden. Die Dpiiamitpatronen explodirten und verletzten die beiden Arbeiter lebensgefährlich. Budapest, 3. Juni.(B. H.) Auf einem Neubau in der Lndowicastraße stürzte ein Gerüst ein, wobei mehrere Arbeiter tödt« lich verletzt wurden. La Grandc-Combe, 3. Jnni.(W. T. B.) Gestern Abend kam es hier zu einigen Ruhestörungen anläßlich der Verhasiung eines ausständigen Arbeiters. Der Unterpräfekl wurde dabei durch einen Stcimvurs leicht am Ohre verletzt; einige Ausständige wurden verhaftet. Rom, 3. Juni.(B. H.) Der Vesuv ist wieder in voller Thäligkeit. Lissabon, 3. Juni.(W. T. B.) Der bei dem Unglück ans dem österreichischen Kriegsschiffe„Wien" Getödtete ist der Ingenieur Hermann Kraus. Sonst wurde niemand verletzt. Verantwortlicher Nedaltenr: Robert Schmidt in Berlin. Lur den Inseraten theil verantwortlich: Th. Gl orte in Berlin. Druck und Verlag von Map Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen u. llulerhallnugsblnlt. St. 128. a zchMg. i. Dtiltze des„VmNlts" KeMtt VslkslllÄ. MG.4.I..M18S7. Vvozetz v. Tsufitz— v. Untzoto. Neunter Verhandlungstag, Donnerstag, 3. Juni. Vorsitzender Landgerichts-Direklor Ii ö s l e r eröffnet die Sitzung »m 9 Uhr. De» Geschworenen werden sechs Schnldfragen vom Vorsitzenden vorgelegt. Die den Angeklagten v. L ü tz o w betreffen- den beiden Fragen beziehen sich auf Betrug und Urkunden» f ä I s ch u» g der Kukutsch'schen Quittung. Die Frage», die sich auf de» Angeklagten v. T a u s ch beziehen, lauten auf Verbrechen i m A m t e. weil er trotz Kenntniß der Quittungssälschung Lützow nicht zur Anzeige gebracht, und Meineid. Eine Uuterfrage be- zieht sich auf mildernde Umstände bezüglich des Amtsvergehens, in- sofern er durch die Anzeige Lützow's sich selbst etwa der Verfolgung hätte aussetzen können.— Eine Uuterfrage wegen fahrlässigen Meineides wird nicht gestellt. Tie Anklagerede des Oberstaatsanwalts. Ich habe mich für meine Person in meinem jetzigen Vortrage darauf zu beschränken, nur allgemeine Gesichtspunkte zu berühren, während die Ergebnisse dieser Verhandlung und der Beweisaufnahme im einzelnen von meinem Herrn Vertreter gewürdigt werden sollen. Ich behalte mir vor, in der Replik nochmals das Wort zu ergreifen. Ich erinnere an ein Wort des Herrn Vorsitzenden im Anfange unserer Veihandluugeii: Halten Sie sich lediglich an das, was der Gegenstand der Verhandlung gewesen ist und berücksichtige» Sie nameiitlich nur die Thatsacheu, die Ihnen hier im Saale vor Augen getreten sind. Bewahren Sie sich auch vor den- jenigen Eindrücken, die Sie gewonnen haben könnten aus Seutiments irgend eines der Prozeßbethciligten, sei es die Verlheidiguiig, Staatsanwaltschaft oder der V o r s i tz e n d e. Für die Geschworenen darf nicht entscheidend sein, wer sie gesprochen. Wir haben gehört, daß vielfach der Versuch gemacht worden ist, von außen her ans den Gang unserer Verhandlung einzuwirken. Nicht blos in diesem Prozeß, sondern auch schon im Vorprozeß hat man versucht, Sliinmuiig zu machen, sei es für, sei es gegen die Angeklagten. Ein derartiges Verfahren ist sehr gefährlich, sowohl im Sinne der Staatsinteressen, die wir zu berücksichtigen haben, als auch im Sinne der Interessen der Angeklagten, gegen die ein Bor- ivurf der Schuld gemacht worden, noch bevor Sie Ihren Spruch ge< fällt haben. Ich kann auch dem A n g e k l. v. Tausch nicht den Borwurf ersparen, daß er versucht hat, für sich und seine Anschauungsweise Stimmung zu machen. Ich erinnere an die Beiiiühuiigen, die er gemacht hat bei Herrn Dr. Lima n und Herrn H a r d e n, die ja beide auch— gewiß nur als Ausdruck ihrer Neberzeugung— Artikel z u g u n st e n des Angeklagten gebracht haben. Auch den Zeugen Sebald hat er veranlaßt, einen Artikel zu lanciren, der ein ge- wiffes Schlaglicht aus den Vorprozeß werfe» sollte. Die Presse und auch außerhalb der Presse stehende Kreise haben sich aber nicht damit begnügt, schon voreilig über die Schuld des Herrn v. Tausch sich auszusprechen, sondern man ist sogar noch weiter gegangen, man hat nach den Hintermännern des Hernr v. Tausch gesucht. Warn vi der Staatsanwalt Bebel als Zeugen vorgeladen. Da ist es insbesondere auch Herr Bebel gewesen, der von privilegirter Stelle aus den Vorwurf gegen Herrn v. Tausch in dem Sinne erhoben hat, als ob er schon thatsächlich verurtheilt wäre und Schlüsse ans die Hintermänner daran geknüpft hat. Gerade deshalb habe ich Herrn Bebel hierher laden lassen, damit Sie sich ein Bild machen können, wie anders die Situation eines Mannes ist, der auf der P a r l a in e n t s t r i b ii ii e öffentliche Angelegenheiten zum Vortrag bringt, und die Situation eines Mannes, der vor dler Barre des Gerichts steht. Dort schien«S, als ob Herr Bebel ein nuge- henres Beweismaterial zur Verfügung hätte, und was haben wir hier gehört? Vermulhungen, nichts als Ver- iimthungen! Und so ist es mit allen Kundgebungen, die sich mit der Frage beschäftigen, ob v. Tausch Hintermänner habe. Die Verhandlungen hier und der Borprozeß haben auf das bestimmteste ergeben, der Angeklagte v. Tausch hat keine Hinter- in ä n n e r, er hat alles, was er gethan, aus persönlichem Antrieb geihan 1 Charakterisirung des v. Tausch. Wir haben in der Person des Angeklagten v. Tausch einen Mann vor uns, dessen Stellung eine hohe Bedeutung hatte, einen Mann, der die n st l i ch wohl meist eine vorwurfsfreie Ver- gaugenheit hinter sich hat. Ich will nicht verkennen, daß v. Tausch sich wegen der Treue seiner Aintssührung und wegen der gewissenhaften Ueberwachung in betreff der Sicherheit des Kaisers sich Verdienste erworben hat, aber wir haben auch gehört, in welch' gewiffenloser Weise er dies Vertrauen getäuscht und mißbraucht hat. Und wie kenn- zeichnet sich sein Charakter? Aus dem Zeugnisse der Herren v. Windheim und Krämer haben wir gesehen, daß er ein eitler, r e n o in m i st i s ch er, zur Ueberhebun g neigender Mann ist, er führt Gespräche mit Leuten, wobei er die unglanblichsteii In- diskrelionen begeht. Ich will mich über ihn in der Weise ausdrücken, daß ich meine, seine Stellung ist ihm gewissermaßen z u Kopf gestiegen, er legte sich eine weit höhere Bedeutung bei, als er besaß, er überschätzte sich in der ungeheuerlichsten Weise und bald sing er an, auf eigene Hand Politik zu treiben, er wollte auf den Gang der Staatsei nrichtunge» einwirken. Die Veranlassung dazu war in erster Linie seine persöu- liche Animosität gegen verschiedene Personen, Freiherrn v. Marschall. Herrn v. Köller und den Polizeirath Eckart. Die Maßnahmen, die der Minister v. Köller in betreff des Polizeiraths Eckardt in amtlicher Beziehung getroffen, waren dem Angeklagten dienstlich unbequem, wre ja dieThätigkeit Eckardt's dem ganzen Polizeipräsidium unangenehm w a r. In maßloser Selbst- überhebnng und unglaublicher Ueberschätzung seines Einflusses und seiner Macht begann er Ränke zu schmieden und enlivickelte jeneThätigkeit, wie sie uns hier in mehr als achttägiger Verhandlung vor Augen geführt wurde. Ob er sich dadurch in dem Sinne strafbar gemacht hat, wie es die Ihnen vorgelegten Fragen ausdrücken, das, meine Herren Geschworenen, sollen Sie entscheiden. Die Quittungssälschung. Bei dem Angeklagten v. L ü tz o w sind die Thalfragen nicht schwer zu beantworte». Es ist ganz zweifellos, daß er mit der Kukulsch-Quittung eine Urkundenfälschung begangen und daß er sich zu unrecht eine Summe von 50 M. durch Vorspiegelung falscher Thatsacheu verschafft hat. Schwieriger liegen die Dinge bei dem Angeklagten v. Tausch. Er ist zunächst eines Verbrechens im Amte im Sinne des Z 846 St.-G.-B. beschuldigt. Da ist er sofort aus eine Frage des Vorsitzenden eingegangen und mit der Be- Häuptling aufgetreten, daß er bei seiner Beschäftigung für das Kriegsministeriuin nicht ein Beamter war. welcher zur Vollziehung von Strafvollstreckungen mit berufen war. Dies ist eine grundfalsche Ansicht, wie denn auch schon sein höchster Vorgesetzter, der Polizeipräsident v. Windheim, durchaus zutreffend hervorgehoben hat, daß er aus der Haut des Kriininalbeamten natür- lich nicht herausfährt, wenn er zur Dienstleistung für das Kriegs- Ministerium oder den großen Generalstab übergeht. Der Z 346 verlaugt aber auch, daß der Beamte rechtswidrig einen Dritten der Strafe entziehen wollte. Der Augeklagte behauptet, daß ihm das Bewußtsein der Rcchlswidrigkeit gefehlt habe. Ich muß a n- erkennen, wenn Sie ihm in dem Gedankengange folgen können, daß er das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit nicht gehabt hat, dann müssen Sie die Schuldfrage verneinen. ES wird sich aber fragen: Können wir dem Augeklaglen darin folgen, daß wir sagen: Die Rücksicht auf die P e r s o n seines Agenten gab dem Angeklagten das Recht, den Agenten, der Verfehlungen begangen hat, nicht zur Bestrafung zu bringen? Das kann nimmermehr der Fall sein. Das heikle Thema des Agenten. Ich komme damit aus das schwierige und heikle Thema der Agenten. Daß die Polizei in der Lage ist. sich gewisser Personen zur Erforschung bestimmter Vorfälle zu bedienen, daß sie auf solche Leute gerade in den schwierigsten Untersuchungen angewiesen ist, unterliegt keinem Zweifel. Es ist eine traurige T h a t s a ch e, daß die Agenten unentbehrlich sind, aber es i st eine Thatsache! Eine andere Frage ist es, was für Personen sich zu Agentendiensten hingeben und in welcher Art die Polizei von ihren Diensten Gebrauch machen darf. Wenn sie in der traurigen Nothwendigkeit ist, sich der Agenten be- dienen zu müssen, so muß es in taktvoller Weise geschehen und keinesfalls darf ihnen Schutz gewährt werden, wenn sie sich gegen die Strafgesetze vergehen, blos weil sie geschickt sind. Wohin sollte das führen! Gerade die unsaubersten Leute sind, nach der eigenen Bekundung des Angeklagten v. Tausch, ost die tüchtigsten Agenten! Nun ziehe mau nur die Konsequenzen, die daraus entstehen müßten: diese Theorie führte dazu, daß gerade die schlechtesten Elemente den weitesten Freibrief zur Be- gehnng aller möglichen Verbrechen erhallen sollten. Jede gkechts- sicherheit würde aushören, jeder Mensch wäre in seinem Eigenlhum und seiner Ehre nicht mehr sicher, er wäre darin rettungslos preis- gegeben, wenn diese unsaubersten Elemente straslos bleiben sollten, weil sie unentbehrlich sind. Das v. Tausch'sche Staatsinteresse und die Praxis der Verwaltungsbehörden. Also dieser Gesichtspunkt muß ausscheiden. Es kann sich nur darum fragen, ob der Angeklagte v. Tausch recht hat, wen» er be- hauptet, ein vorliegendes Staaisiutereffe habe ihm die Berechtigung gegeben, gegen v. Lützow nicht vorzugehen. Ich stelle mich bei der Beantwortung dieser Frage einfach aus den Boden des Ge- setz es. Das Gesetz spricht von Staatsinteressen, die einen Beamten berechtigen könnten, von der Slrasveifolgung abzusehen, nicht. Für das Verhalten des Angeklagten v. Tausch kann nur die Praxis der Verwaltungsbehörden in Frage kommen, nur sie könnte für ihn von maßgebender Be- denlung sein. Ich iveiß nicht, wie weit sie geht; wenn aber eine solche Praxis besteht bei den Verwaltungsbehörden, so muß man vom Standpunkt des Rechts verlangen, daß dann wenigstens die h ö ch st e n Staatsiuleressen vorliegen müssen, wenn die Ver- folgnug unterbleiben soll. Derartige Ausnahmen dürfen nur in den seltensten und allerdringeudsten Fällen als berechtigt angesehen werden! Herr v. Lützow hatte eine strafbare Haudluug begangen, Herr v. Tausch hat nun angeführt,„es handele sich ja nur um eine Bagatelle". Ja, gewiß, die S0 M. sind als eine Bagatelle au- zusehen, aber es handelte sich um die E h r e a n d e r e r P e r- s o n e n, um die Ehre seines höchsten Vorgesetzten, des Herrn v. Köller, um die des Freiherr» v. Marschall, um die des Journalisten Knlulsch. Sind das Bagatellen? Ich meine doch, daß diese Jntercffen über denen des Agenten standen. Er hat sich einer ganz unverantwortlichen Handlnugsweise schuldig gemacht. Es ist doch geradezu ungeheuerlich, daß der Angeklagt« v. Tansch auf die Angabe seines Agenten hin, dessen Unzuverlässigkeit er durch den jahrelangen Verkehr doch gewiß kannte, dem Obersten Gäde sagt: Herr v. Köller ist die Persönlichkeit, welche die Depesche in die „Münchener Neuesten Nachrichten" gebracht hat. Oberst Gäde erwidert ihni:„Das ist ja aber doch nicht denkbar!" Da spricht v. Tausch nicht, das ist die Meldung eines verlogenen Agenten, nein, er spricht aus seiner eigenen Person seine angeb- liche volle Ueberzeugung aus. daß er an der Richtigkeit des ausgesprochenen Verdachts gegen Herrn v. Köller nicht zweiseln könne. Es wird ihm euigegen gehalten, daß sich doch thatsächlich« Unrichtigkeiten in der Depesche befänden. Ja, erwidert v. Tausch, das thut man manchmal geflissentlich, einestheils um zu täuschen, anderntheils um offiziöse Berichtigungen hervorzurufen. Und dies will der AngeNagte gethan haben, um Staats- interessen zu wahren? Nein, die Folgen seiner eigenen un- verantwortlicheu Handlungsweise waren es. Sie werden einsehen, meine Herren Geschworenen, daß Sie bei Prüfung dieser Schuldfrage nur zu erwägen haben werden, ob dem Angeklagten v. Tausch mildernde Umstände znzubillige» sind, oder nicht. Da haben wir nun vom Herrn Polizeipräsideuten wie vom Geheimrath Muhl gehört, daß es im wesentlichen Sache des Taktes ist, wie ein Agent zu verwenden und zu behandeln ist, Dies werden Sie bei der Frage zu berücksichtigen Ich komme nun zu dem Verbrechen des Meineide?. Es ist sogar hier gegen die Staatsanwaltschaft der Vorwurf erHobe» worden, daß die beiden Anklagen zusammengeworfen worden und r>. Tausch dadurch in eine schwierige Lage ge« kommen s e i. Aber dann wären die Prozesse vor zwei ver- schievene Gerichtshöfe gekommen und möglich gewesen, daß der eine dem Tansch, der andere dem Lützow geglaubt hätte. Die Vereinigung lag auch in v. T a n s ch's I n t e r e s se. Denn andernfalls wären wir in die Gefahr gerathen, den Angeklagten v. Lützow als Zeugen unter Eid gegen v. Tausch auftreten laffen zu müssen, und meine Herren Ge- schworenen— die Behörden sind bestrebt, die Meineide möglichst zu verhüten. Bei Vereidigung Lützow's hätte aber die Gefahr des Meineides bestanden, und vor dieser Gefahr wollten wir ihn— vielleicht gegen seinen Willen— bewahren. Wie stehen die beiden Angeklagten Ihnen nun mit bezug auf ihre Glaubwürdigkeit gegenüber? Auf die beiderseitigen Betheuerungen ist nicht viel zu geben. Was v. Lützow anbelangt, so sage ich: Glauben Sie dem Manne nicht weiter, als Sie ihn sehen! Glauben Sie nicht das, was er allein behauptet, glauben Sie nur das, was durch andere Zeuge» oder durch die begleitenden Thatiiinstände Bestätigung und Unterstützung fand. Ich lege dem Geständniß des Angeklagten v. Lützow, welches ich übrigens nie ernst genommen habe, nicht viel Bedeutung bei. Damals, als v. Lützow mit seinen nngeheuerlichen Beschuldigungen gegen v. Tausch hervortrat, da war man sehr geneigt, gegen den letzteren Partei zu nehmen. Jetzt ist ein allgemeiner Um- s ch w u n g eingetreten. Wenn damals& tempo ein Geschworcnen- gcricht zusammengetreten wäre, wäre er sofort verurtheilt worden. Es ist also den Angaben des v. Lützow mit besonders großer Vor- ficht zu begegnen, aber ich muß auch davor warnen, in dem ent- gegengesetzten Fehler zu verfallen und dem Lützow nun gar nichts glauben zu wollen. Prüfen Sie beider Angaben, behandeln Sie beide mit Vorsicht und schenken Sie denselben nur Glauben, wenn sie durch andere Zeugen unterstützt werden. Nur auf dieser Grundlage können Sie zu einem richtigen Wahrspruch kommen. Wenn v. Tausch in der früheren Verhandlung nicht einen so ungünstigen und unglaubwürdigen Eindruck gemacht hätte, ich würde wahrlich nicht den Antrag gestellt haben, ihn wegen Verdacht des Meineides in Haft zu nehmen. Die Angaben Lützow's bestimmten mich nicht dazu, nicht einmal die Aussagen Lemisohn's, weil hier Aussage gegen Aussage stand. Aber das damalige Bild der Ver- Handlung ivar ein für v. Tausch äußerst ungünstiges. Ich muß zu- geben, daß das Bild sich in manchen Punkte» durch die jetzige Verhandlung zu seinen Gunsten verschoben hat, aber auch nur in manchen Punkten. Einige Zeugen haben Aussagen gemacht, die zu seinem Gunsten auszulegen sind, andere habe» sich jetzt an Dinge besser erinnert, die sie damals nicht mehr kannten, und so ist für ihn durch e n t l a st e n d e Momente eine Aenderiing der Situation herbeigeführt worden. Was nun den Meineid betrifft, so ist die Frage anfzuwerfen und zu prüfen, ob v. Tausch etwas beschworen hat, das sich thatsächlich anders verhalten hat und ob in diesem Falle v. Tausch von der Unrichtigkeit seiner Aussage überzeugt war. Es wird ihm der Vorwurf gemacht, in vielen thatsächlichen Punkten die Unwahrheit gesagt zu haben. Der Eid bezieht sich auf seine s ä m m t l i ch e n Angaben und kommen Sie zu der Ansicht, daß er in einem einzigen Punkte seine Eidespsticht verletzt hat, so haben Sie den Spruch auf„schuldig" zu sälle». Der Redner führt diesen Gedanken noch weiter aus und kommt dabei zu dem Schlüsse, daß die Geschworenen die auf das Strafmaß einen wesentlichen Einfluß ausübende Unter- frage der mildernden Umstände zu bejahen haben würden: Der Angeklagte v. Tausch mußte besürchten, daß die wahrheits- gemäße Beantwortimg der an ihn gerichteten Zeugenfragen e»ie Slrnsverfolgnng gegen ihn selbst zeitigen konnte. Die ni o r a l i s ch e B e r u r t h e i l u» g. Ich möchte noch ein Wort berühren, welches Herr Dr. Sello in diese Verhandlung geworfen hat. Er bat gesagt, auch Herr v. Tausch habe sich in die O e f f e n t l i ch k e i t ge- flüchtet. Es könnte daraus eine gewisse Gleichstellung der Situationen zwischen dem Angeklagten v. Tausch und dem Frhrn. v. Marschall gefolgert werden. Es würde nichts verkehrter sein, als ein solcher Vergleich. Ich glaube, der Vergleich»st nicht ganz glücklich gewählt; er hinkt in der Voraussetzung, er hinkt in der Anwendung und in dem Erfolge. Die Situationen lassen sich doch überhaupt nicht in Vergleich bringe». Dort lag eine freiwillige Entscheidung des Herrn Staatssekretärs v. Marschall vor, an der Barre des Gerichts Schutz zu suchen gegen nngehenerlichej Verdächtigungen seiner eigenen Person und seiner Beamten, nachdem andere Mittel versagt hatten. Er hat freuvlmg die Verhandlung vor Gericht provozirt; bei dem Angeklagten v. Tausch könnte dagegen höchstens eine gezwungene Flucht in die Oefsent- lichleit vorliegen. Herr v. Marschall deckte mit kühnem Gnfs den Schleier ans, der über gewisse imschöne Dinge gebreitet war. Wir haben hier nicht zu entscheiden, ob dies n o t h- wendig war oder nicht. So viel steht aber fest: Herr v. Tausch würde n u ii u n d n i m in ermehr seinerseits den Schleier, der über sein ganzes Treiben gedeckt war, gelüftet haben, wenn er nicht dazu gezwungen worden wäre. Herrn v. Marschall's• Vorgehen war ein gerades und reines, er hat sich und das Auswärtige Amt von jedem unsinnigen Verdacht gereinigt. Das war die Folge seines Vorgehens. Und hier? Es liegt in Ihrer Hand, welche Folgen für die Person des An- geklagten diese Verhandlung haben wird. Wie aber auch �hs: Spruch ausfallen wird— dazu wird sich doch gewiß niemand v e r st e i g e n k ö n n e n zu sagen: H e r r v. T a u s ch ist durch diese Verhaiidliuig glänzend gerechtfertigt, er ist s ch u l d- los! O nein! Wenn die Verhandlung nichts weiter ergeben haben sollte, so hat sie doch anf sciten des Angeklagten v.Tausch festgestellt: eine unglaubliche Taktlosigkeit, eine unerhörte Leichtfertigkeit und ein st a u n e n s w e r t h e s Ungeschick in der Erinittliing von Thatsacheu. Das alles bleibt an ihm hängen — unschuldig ist er nicht! Fällen Sie, meine Herren Ge- schworenen, Ihren Spruch so, wie er sein soll: als einen Wahr- s p r ii ch! Staatsanwalt Egcr über die Lcnmmidszeugc». Ich will ansangeii mit den Beschiildigungen, die gegen den Angeklaglen v. Tausch erhoben werden. Er hat den Beschiildigniigen ja einen generellen Enllastungsbeiveis entgegeugestellt, er hat Vor- gesetzte, Kollegen, Untergebene und Personen geladen, welche mit ihm außerdienstlich Umgang pflogen und welche sich im ganzen günstig über ihn ausgesprochen haben. Ich will ihm gern eiiiräiiiiirii, daß er die Zahl dieser Zeugen leicht hätte verdoppeln, ja verzehnfachen können. Aber was beweist das zur Schuldfrage? Stellen Sie sich nur vor, meine Herren Geschworene», welche Ansichten müßten alle diese Zeugen über den Angeklagten v. Tausch haben, iveini sie alle die Thatsacheu gekannt hätten, welche hier gegen ihn zur Sprache gekommen sind? Ans de» Eiillastnngsbeweis nach dieser ölichtung hin war also nicht viel zu geben. Ich gesiehe also ohne weiteres zu, daß das Vorlebe n deS Herrn v. Tausch nicht für die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen spricht. Er ist kein p r ä d e st i- nirter Verbrecher, er will psychologisch verstanden sein! Ihm war seine Stellimg zn Kopfe gestiegen und er hatte schwere Dicustvergehimgen auf dem Kerbholz. Uebcr die Lützow'scheu Berichte. Der Staalsamvalt führt den Geschworenen hierauf in einem um« fangreichen Bilde die Vorgänge aus dem Vorprozesse vor, die schließlich zu der Erhebung der Anklage geführt haben. Ersetzt den Geschworenen auseinander, daß das, was Lützow über die Eiitstehnng der Artikel in der„W. a. M." und über das Interesse v. Tausch's an diesen Artikeln gesagt, viel Wahrscheinlichkeit für sich habe, nicht weil es Lützow gesagt, sondern obgleich es ein Mann wie Lützow ist, der es gesagt hat. Alles, was in dieser Beziehimg unstreitig vorliegt, spricht gegen die Darft«llung des Angeklagten v.Tausch und für die Darstellung v. Lützow's. Die BeweiSaufnahiiie hat ergebe», daß der An- geklagte v. Tausch sich so gerirte, als wäre er berufen, die Ehre und Würde seiner vorgesetzten Behörde gegenüber dem Auswärtigen Amt zu wahren. Auch Zeugen, die ihm durchaus nicht seiud« selig gesinnt sind, wie Herr Gingold-Stärk und Dr. L x in an, haben doch keinen Zweifel darüber gelassen, daß er in nicht miß« zuverstehendeu Aeußerungen aufs ungehörigste und ungezogenste über die Person des Staatssekretärs v. Marschall sich ausgesprochen hat. Ich erinnere zur Charakteristik des Angeklagten und seinci Treibens auch an die an das„Berliner Tageblatt" gerichtete anonyme Karte, die Dr. Levysohn in einigem Ueber- eifer sich verpflichtet hielt, dem Herrn Staatssekretär zu übersenden. Das sieht gerade so aus, als o b i m p r e u ß i s ch e n Staate ein K r i m i n a l k o m m i s s a r i u s dazu da wäre, e i n e n M i n x st e r z u überwachen, denn v. Tausch hat nach- gewieseiiexniaßeii von der Karte Photogramme genommen, um Be- xveise dafür in der Hand zu haben, daß der Staatssekretär xnil dem „Berliner Tageblatt" in Verbindung stehe. Ich xnache ferne« daraus aufmerksam, daß die Berichte, die v. Lützow an v. Tausch über die ganze Affäre erstattete, Unrichtiges zur Darstellung brachten, daß Angekl. v. Tausch genau wußte, wie unrichtig diese Berichte sind, und sie dennoch seinen V or- gesetzten unterbreitet hat. Zum Vergnügen oder Zeitvertreib läßt imxii sich doch nicht f a l s ch e Berichte erstatten, es ist also durchaus glaublich, daß der Angeklagte die Berichte s o haben wollte, daß sie b e st e l l t e Arbeit xvaren. Lützoxv, der Agent, mußte sich doch sagen, daß, xvenn diese Berichte trotz der Gegen- austcht seines Herrn ein falsches Bild xvidergebeu, ihn Tausch mit Strafverfolgung bedrohen mußte wegen der Beleidigung hoher Staatswürdenträger. Man denke daran, mit welchem Nachdruck Lützow die Ausnahme des zivciten Artikels in der„Welt am Montag" forderte. Da muß eine Triebfeder hinter ihm ge» stia n d e n haben und diese Triebfeder ist v. T a u s chj Ueber den Brief an Eulenburg. Ferner der Brief, den v. Tausch an den Grafen zu Eulenburg gerichtet hat. Dieser Brief, so kurz er ist, so spricht er doch ganze Bände! Wie stimmt dieser Brief zu der Be- hauptung Tausch's, daß er den Artikel für unsinnig und albern hielt? Was v. Tausch zur Erläuterung dieses Brieses vorbringt, ist un sinnig und hat nicht einmal Methode. Der Zweck deS Briefes konnte doch n n r dahin gehen, das Auswärtige A m t als Urheber der Verdächtigung hinzustellen. Tausch mag dies ja vielleicht geglaubt habe», denn er war seinerseits besonders ouimos gegen das Auswärtige Amt gesinnt. Ueber L ii h o w' s Verhaftung. Erinnern Sie sich ferner der Art und Weise, wie v. Tausch den v. Luhmv geschont hat, als er denselben verhaften sollte. �tch stehe auf dein Standpunkte, daß der Wachtmeister Beck in der v b e r f l« ch l i ch st e n Weise einen ihm gewordenen Austrag aus- gcsnhrt hat. Und ich bin ganz und gar nicht der Meinung, daß der W a ch t in e i st e r B e ck s e i n e P f l i ch t g e t h a n h a t! (5s ist geradezu unerhört! Wie kommt ein Kriminalbeamter dazu, der jemand verhaften soll, anzunehmen, daß dieser Auf« trag nur eine Komödie gegenüber dem Lntzvw gewesen ist. Er konnte ja nicht wissen, daß die Verhaftung auf Befehl des Ministers des Inner» erfolgt war, aber».Tausch wußte es uud hat es unlerlassen, seinen Unterbeamten zn instruireu. Ueber den Fall Levysohn. Nun kommt die Angelegenheit des Dr. Levysohn. Man hat sich darüber gewundert, daß Tausch hier nicht klein beigegeben hat. Er konnte es aber nicht zugeben, weil er alle sonstigen Angabe» des Lützow in der Affäre Leckert abgeleugnet hatte und nun den einen Punkt unmöglich zugeben konnte. An der Glaubwürdigkeit des Dr. Levysohn ist nicht zu zweifeln. ». Tausch hat selbst nicht die Behauptung aufgestellt, daß Dr. Lcvy- söhn unglaubwürdig sei. Der Angriff, der hier gegen die Glaub- Würdigkeit des Dr. Levysohn gemacht wurde, ist v o l l st ä n d i g abgeschlagen. Der Nachweis, daß Dr. Levysohn vor IS Jahren sein Ehrcnivort unrichtig gegeben, ist keineswegs geführt. Herr v. Hake und Herr v. Schöne haben sich in den angeblich von Dr. Levysohn gebrauchten Worten widersprochen. Aber gesetzt den Fall, daß die Aussagen der Beamten jetzt nach IS Jahren noch das absolut Richtige enthielten, so würde daraus vielleicht die leichtfertige Abgabe eines Ehrenwortes folger», n i m m ermehr aber die Möglichkeit, daß der betreffende uuter seinem Eide etwas Falsches aussage» werde. Die Beamten haben auch selbst nicht behaupten wolle», daß Dr. Levysohn sein Ehrenwort be w u ß t falsch gegeben habe. Der Angeklagte v. Tausch behauptet daß Dr. Levysohn ihm feindlich gesinnt sei, er hat aber nichts erbracht, was diese Behauptung bekräftigen könnte. Im Gegen (heil ist erwiesen, daß Dr. Levysohn dem Angeklagten gegen über auf dessen Bitte» sich zu einer menschlich schönen Handlung verstanden hat. Man kann auch nicht annehmen, daß Dr. Levysohn mit dem Bewußtsein von der Tragiveite seiner Aussage auss Gericht zum Termin gekommen ist; er ist, wie feststeht, erst eine halbe Stunde vor seinem Erscheine» geholt worden. Es ist auch ausgeschlossen, daß Dr. Levysohn mit einer Art Reporterphantasie aus de» Mit theilungen v. Tansch's Falsches herausgeschält haben könnte. Er hat sofort nach der Unterredung mit v. Tausch seinem Kollege» Dr. Grüttefien den fraglichen Passus mitgetheilt und er hat alsdann den Artikel für seine Zeitung geschrieben. Stellen wir nun dem das Benehmen des Angekl. v. Tausch gegenüber. Er trug die Angelegenheit von Beginn an mit sich herum, er wußte, daß der Punkt im Prozesse zur Sprache kommen würde, er versuchte vorzubeugen durch den Hinweis gegenüber dem Geheimrath v. Muhl uud dem Dr. Lima«, daß der Bericht eine unrichtige Thatsache entHall». Was hätte näher gelegen, als eine Richligsiellung bei Dr. Levysohn zu bewirke»? Es ist doch höchst ausfallend, daß der Angeklagte dies nicht that. Ich bin der Ueberzeugung, daß v. Tausch unter seinem Eide etwas Falsches aussagte, als er bestritt, die Aenßernug,„Leckert werde im Aiiswärtigen Amt empfangen" getha» z» haben. Ueber weitere A n k l a g c p n» k t e. Auch verletzte v. Tausch seine Eidcspflicht, als er bestritt, den v. Lützow zu der Jntrigue gegen Freiherr» v. Mar- schall augestislct zu haben. Als das Schicksal über ihn herein brach, da spielte er va bangno, er leistete einen Meineid, um sich zu retten.— Der Staatsanwalt führt an der Hand des stenographischen Berichts über die frühere Aerhand- lniig alle Punkte an, welche er als belastend für den Angeklagten v. Tanfch hält. Wie könne v. Tausch angesichts des Briefes, den er von Köln aus an v. Lützow richtete, bestreite», daß er sich seines Amtes bediente, um persönliche Interessen zn verfolgen? — Der Angeklagte v. Tausch schreibt seinem Agenten genau vor. in welcher Neihensolge er die ihm zugehenden Artikel über die Slngclegcnhcit Schoren in die Presse zu bringen hatte, er «nacht ihn darauf aufmerksam, daß er dabei sehr vorsichtig zu Werke gehen»n'iffe und vor allem die Autorschaft der Artikel nicht ver- rathen dürfe. Ich sollte meinen, daß dies genügend für die Schuld in diesem Punkt sprechen dürfe. Ich komme dann zu dem letzte» Punkt dieses Thcils der Anklage. Der Augeschuldigte hat im vorigen Prozeß bestritten, ze politische Artikel i n s p i r i r t oder auf eigene Hand Politik getrieben zu haben. Der Begriff Politik ist schwer sesizustcllen. Die Streitfrage darüber füllt halbe Bibliotheken. Aber ich muß mich gegen den Vorwurf verwahren, als ob wir dem An- geklagten v. Tausch vorwerfe» wollten, irgendwo oder irgendwann politische Gespräche geführt zu haben— es kommt auf den Zu- fammenhattg an. In bezug auf die Lützow'sche Beschuldigungen diesbezüglich stehe ich ans dem Standpunkt des Oberstaatsanwalts, indem ich sage: Glauben Sie dem Angeklagten v. Lützow nicht, «veilii er keine Beweise zu bringen vermag. Es wäre ein Unding, »venu man sagen wolle, die politische Polizei solle sich nicht mit Politik befassen. Es ist ja eben ihre Aufgabe, in politischen Sachen Recherchen anzustellen. Aber was nennt man nun inspiriren? Wenn ich mich mit einem Journalisten unterhalte, wenn auch in so indiskreter Weise, wie der Angklagte es mit dem Zeugen Krämer gethan, so kann ich dies nicht für eine Inspiration halten, sondern darunter verstehe ich das Ansdrücken eines bestimmten Willens in der Erwartung und Boraussetzung, daß die Veröffentlichung in diesem Sinne geschieht. Daß v. Tausch dies aelhan hat, Halle ich nicht für erwiesen. Die allerdings ungeheuerlichen Indiskretionen, die er gegenüber dem Zeugen Krämer beging, haben nicht zur Veröffentlichung ge- führt. Nun muß ich dem so viel genannten Norman n-Schu» m an» einige Worte widmen. Allerdings hat der Zeuge Dr. Hainau» gemeint, daß v. Tausch den Schumann hätte fassen können, inenn er es hätte wollen, aber dies scheint mir nicht überzeugend genug. Ich halte eS nicht für erwiesen, daß v. Tausch die Preßtreibereien des Normann- Schumann durchschaute, so lang« derselbe in seinen Diensten stand. Wenn dieser Prozeß auch nicht nach allen Rich- tniigen hin voll« Ansklärung geschaffen hat, so kann ich doch meine Befriedigung darüber aussprechen, daß das deutsche Vaterland vor- aussichtlich für alle Zeiten von diesem Schurken befreit sein wird. Und damit kann ich diesen Punkt verlassen. In betreff des K o s ch e m a n u- A r t i k e l s muß ich ebenfalls a n h e i in stellen, ob die Geschivorenen denselben für einen politischen halten oder nicht. Zweifellos ist aber ein Artikel des Inhalts, daß ein Minister feine Demission genommen hat, politischer Natur, Ebenso zweifellos halte ich das Unternehmen, die Herren v. Köller und v. Marschall zum Gegenstaude von Stänken und Jntrißuen in der Form zu machen, wie es geschehen ist, um ihre amtliche Thätig- keit zn beeinflussen, für Betreiben von Politik. Dasselbe ist der Fall, wo auf die Anstellung von Militärpersonell in deutschen uiilitärischen Institutionen hingewiesen wird. In diesen Fällen bin ich also der Ansicht, daß von dem Angeklagten gegen die Eidespflicht verstoßen wurde. Hier wird das Plaidoyer des Staatsanwalts durch eine ein« ständige Pause unterbrochen. Nach m ittags-Sitzung. Nach Wiederaufnahme der Verhandlniige» erklärt Dr. S e l l o auf eine Anregung wegen Entlassung von Zeugen, daß die Ver- theidigung sich noch vorbehalten habe, auf einige Zeugen zurück- zukommen. Der Vorsitzend« bemerkt darauf, daß alSdann die Zeugen Dr. Li in an und Maximilian Harden morgen früh nochmals an Gerichlsstelle erscheinen sollen. Staatsanwalt Dr. E g e r erörtert eingehend noch die An- gelegenheit der Depesche der„Münchener Neuesten Nachrichten" und die damit im Zusammenhaiige stehende Quittuiigsfälschuiig. Betreffs der Verdächtigung Köller's und der M i t w i r k n n g a n der Fälschung hält er den Angeklagten v. Tausch nicht f ü r schuldig, wohl aber betreffs der Anschuldigung, daß er Lützow der Strafe habe hinterziehen wollen, v. Tausch betrieb alle jene Ermittelungen in seiner Eigenschaft als Beamter der Kriminalpolizei und hatte die Verpflichtung, die Strafanzeige zu erstatten, denn der§ 8tS findet auch dann Anwendung, wenn es sich um einen bis zur Gewißheit gesteigerten Verdacht einer be gangenen Strafthat handelt. Er h a t deshalb zweifellos gegen den § 84 ß verstoßen. Ter Einwand des Angeklagten v. Tausch, daß die Rücksicht auf die Staatsinteresfen ihn bei seinem Verhalten geleitet haben, ist rechtlich und thatsächlick hinfällig. In einem Staate, deffen Vcrfassnngsurkunde selbst dem Könige nicht das Recht giebt, eine Strafverfolgung zu untersagen, kann diese heikle Frage doch unmöglich in das Ermessen eines Kriminalkommissarius gesetzt werden. Ünsere Gesetzgebung hat Vorsorge getroffen, daß auf dem weiten Wege des Rechts das Staatswohl gehütet werden kann, uud zwar ans die Weise, daß Beamte über ihr Amt betreffende Ding« nur mit Genehmigung ihrer vorgesetzten Behörde vernommen werden dürfen. Wäre also das Staatsinteress« gefährdet gewesen, so hätten einfach die Vorgesetzten sowohl Herrn v. Tausch als Herrn Oberst Gäbe die Abgabe des Zeugniffes versagen können, dann hätte die Staatsanwaltschaft das Verfahre» einstellen müssen und die Sache wäre auf dem Wege Rechtens erledigt worden, v. Tausch kann unmöglich das„Staatsintereffe" zu seiner Entschuldigung geltend machen. Dazu kommt, daß nach dem Zeugniß des Oberst Gäbe diesem auch garnichts darauf ankam, hinter politische Jntriguen zn kommen, sondern lediglich den Namen des b-Korrespondenten der„Miiiichiiier Neueste» Nachrichten" zu erforschen. Das Staatsintereffe kann also kein Grund für den Angeklagte» gewesen sein. Was war denn nun für ein Grund vor- handen? Der anonyme Brief und die Aeyßerungen. die der Au geklagte über den Polizeidirektor Eckhardt gemacht, deuten uu- zweifelhaft darauf hin, daß er gegen den Minister v. Köller ein- genommen und daß die Existenz des Herrn Eckhardt im Ministerium des Innern ihm unbequem war. Es liegt also der Verdacht vor. daß er i» der That die Absicht verfolgt hat. zu intriguire»; der Ver- dacht i st aber nicht voll erwiesen und deshalb muß der Satz in Anwendung kommen: Im Zweifel f ü r den Angeklagte»! War es aber keine Jntrigue, so war es eine grobe Taktlosigkeit uud deshalb hat v. Tausch seinen Mitwisser v. Lützow auf alle mögliche Weise geschont und ist sogar nicht davor zurückgeschreckt, seinen Präsidenten bezüglich der Vertrauenswürdigkeit des Lützow a n z» l ü g e n. Er hat ihn auch auf alle Weise im Leckerb Prozesse geschont, ganz besonders bei der hochdramaiischen Szene, die sich zivischen Kukntsch und v. Lützow abspielte. Trotzdem er alles wußte, ist er doch keineswegs sofort zur Richtigstellung hervorgetreten, er hat sich auch, obgleich er noch dreimal Gelegenheit zum Sprechen hatte, nicht gemüßigt gesehen, das zu sagen, was er wußte, und Kukntsch vor dein Verdachte des Meineides zu retten. Ein Mann, der sich so verhält, hat sich nicht von« Staatsintereffe leiten lassen, sondern er hat in dem offenen Bewußtsein, etwas Unrechtes zu thun, von der Strafverfolgung des Lützow Abstand genommen. Ans dem ganzen Gange der Verhandlung muß man ans das Schuldbewußtsein des Angeklagten schließen, da für sprechen auch seine Unterredungen mit Dr. Lima» und Maximilian Haiden. Sie werden deshalb, meine Herreu Ge- schworeneu, s ä m m t l i ch e Ihnen vorgelegte Fragen zu bejahen haben. Was die mildernden Umstände bei dem Dienstverbrechen be- trifft, so ist nicht zu leugnen, daß er sich dienstlich sehr schwer ver- gange» hat; wenn ich bei dem Disziplinarverfahren mitzuwirken mich schwer ins Gewicht fallen, gebe ich zu, daß man berück- Angeklagte um seine eigene | h a t l e und dabei in der Wahl seiner Mittel nach jedem Strohhalm griff. Die Staatsanwallschast ersucht also die Herren Gischworeiien. s ä in in t l i ch e ihnen vor« gelegte Fragen zu bejahen. Scllo'S Vcrtheidignugöredc. Wenn ich die Summe der Eindrücke jetzt zu ziehen suche, die sich in de» langen, mühevollen Verhandlungen geltend gemacht haben, so beherrscht mich vor allen Dingen eine Empfindung: Das undankbare Vaterland. Ich habe den Angeklagten, bevor er mir seine Aerlheidigung in dieser Sache übertrug, ein einziges Mal getroffen; es war vor den Schranken des Reichsgerichts in der auch hier mehrfach er- wähnten Verhandlung gegen den luxemburgischen Ingenieur Schoren wegen Landesverraths. Da ist es dem Pflichteifer, der Klug- heit und dem P a tr i o t i sni u s eines Mannes gelungen, eine große Gefahr, die der Wehrkraft unseres Baterlandes drohte, abzu- wenden: Dieser Manu war der Angeklagte v. T a u s ch! Es ist gewiß nicht zu unterschätzen, wenn der Bürger ruhig schlafen kann in dem Bewußtsein, daß solche Männer, thatkräftig und klug zugleich, über dem Frieden wachen. Derselbe Herr v. Tausch, der jetzt von derselben Staatsanwaltschaft in einen« Kampfe auf Leben und Tod so schwer angegriffen wird, ist Jahrzehnte hin- durch von der Staatsanivaltschafl in hervorragendem Maße mit zu dem lkampfe gegen das Berbrecherthiiin benutzt worden. Da nberschleicht mich denn doch ein bitteres Gefühl, wenn ich sehe, wie leicht das. was der Mensch in langer, ehrlicher Arbeil gethan, vergessen wird: Magst du noch so große Verdienste in deiner amtlichen Thätigkeit haben, wenn sich der Wind wendet, wenn du von ganz unglaubwürdigen Leuten beschuldigt wirst, wie hier der Angeklagte v. Tausch durch v. Lützow, dann erklärt dich ofort alle Welt, die Presse, die Behörden und deine Mitmenschen ür schuldig, dann kannst du es nicht verhindern, daß dir jede? Wort, das du in Jahrzehnten mal in gemüthlichcr Unterhatluug gesprochen. auf die Waagschale gelegt und geprüft wird, ob eS nicht auf Jntriguen und böse Machenschaften hindeutet. Der naive, gläubige Tausch. Der Angeklagte hat den heißen Wunsch gehegt, daß endlich der Tag kommeii wird, wo er die Sache seines guten Namens vor Ihnen, meine Herren Geschworenen, sühren kam«. Er ist in seiner amtlichen Thätigkeit viel mit Lüge und Schlechtigkeit in Verbindung gekommen, aber er hat dennoch nicht seinen naiven Glauben an die' M a ch t der Wahrheit verloren, denselben naiven Glauben, der ihn beseelte, als er immer wieder de» Stand pnnkt vertrat, daß«S nur einer Aussprache bedürfe, um den Staats� sekretär v. Marschall zu überzeugen, daß die politische Polizei nicht Politik treibe. Das Vertrauen auf die Macht der Wahrheit hat ihn in seinen Gcfängniß-LeidenStagen aufrecht erhalten, das Vertrauen: daß der letzte Tag dieser Verhandlungen auch der letzte Tag seiner Leiden und der erste Tag seiner Freiheit fein werde. Wenn ich hier von der Flucht des Angeklagten in die Oeffentlichkeit gesprochen habe, so habe ich dabei sein» Flucht aus den Akten der Reichskanzlei in die Oeffentlichkeit vor deutschen Geschworenen gemeint. Bevor ich in die einzelnen von der Anklage hervorgehobenen Fälle näher eintrete, will ich niich mit den Herren sGeschivorenen über die Persönlichkeit des Herrn v. Tausch verständigen. Der Verlheidiger sucht nun der Persönlich- keit seines Klienten möglichst viele vortheilhafte Seiten abzugewinnen. Auch das Zeugniß des Zeugen Krämer kann dem Angeklagten unmöglich gefährlich werden. Was soll uns denn diese ganze AuS- sage? Wir sitzen doch hier nicht als Disziplinarrichter zu Gericht, um zu erwägen, ob v. Tausch diejenige Diskretion und Zurückhaltung überall gezeigt hat, die man von einem Beamten seiner Art verlangen kann, sonder» wir sollen entscheiden, ob er einen Meineid geleistet hat. Er ist ein Mann von süddeutscher Naivität und trägt das Herz ans der Zunge. Solche Menschen sind noch immer nicht die schlechtesten. Er hat sich, als er sich mit feinem Landsmann Krämer nach hätte, würde dies für hier im Strafverfahren sichtigen kann,- daß der Existenz zu k ä in p s e n Beendigung seiner amtlichen Mission in ein gemüthliches Gespräch einließ und dabei auch den Gegenstand berührte, der damals in alten Kreisen berührt wurde, die angebliche Krankheit Se. Majestät— da hat er gewiß sich nicht träumen lassen, daß Herr Krämer auf der journalistischen Lauer liegen könnte, um aus jenem Ge- sprach eine journalistische Sensationsnachricht zu machen. Es ist ihm gar nicbt eiugesallen, Herrn Kränier inspiriren zu wollen. Wer von uns allen würde es vertragen können, daß man Jahre zurück- liegende vertrauliche Gespräche nachspürt und alles, was wir unter vier Augen und am Stammtische gesagt haben, abwägt und bis ins kleinste prüst. Möge uns alle der Himmel davor beivahren, daß, wenn wir in eine Untersnchnng verivickelt werden, dann ein Kräiner erscheint und von einem Gespräch berichten muß, was ei» Landsmann mit einem Landsmann gehabt hat. Nichts ist schlimmer, als ein Freund, der Briefe aufbewahrt. Aber das schlimmste ist es, wenn Leute eben gehabte vertrauliche Gespräche aiich noch zu Papier bringen! Die Vorführung solcher Dinge gehört zu der Stimmnngsmacherei, vor welcher der Vorsitzende mit recht gewarnt hat. Aber selbst wenn es statthast sein sollte, derartige Privatgespräche aus dem Dunkel der Vergangenheit in das Licht der Schwurgerichte hereinzuziehen, so beweist doch der Vorgang mit Herrn Krämer gar nichts für die Anllage, es sei denn, daß Herr v. Tausch vielleicht etwas zu schivatzhaft und zu ver- trauensselig»var. Und nun frage ich Sie, ob dies der Mai«» ist, der den Zahn, den Bösel, den Marschall, den Bronsart und viel- leicht auch noch gar Herrn v. Böttichcr und Gott weiß wen, stürzen wollte, der mit den Minislerii hernmspielle. wie auf der Kegelbahn mit den Kegeln, er hatte es sogar in der Gewalt, zukünftige Eni« schlüsse Sr. Majestät zn beeinflussen! Es gehört doch eineMrt hypnotische Suggestion dazu, wenn v. Lützow für solchen Aberwitz ein Publikum findet. Das sind doch Tinge, die in einem Kolportage- Roman schlechtester Sorte gehören, mit denen man ans die Leicht- gläubigkcit eines Hintertreppen-Publikums spekulirt, womit man doch abernicht inlvierzehntägiger Verhandlung ernsteRichter nasführe» kann. Das ist die groteske Phantasie der Märchen aus 1001 Nacht. Und nun dieser Herr v. Lützow! Ich muß die Herren Geschivorenen doch davor warnen, daß sie dessen Angaben, der sich in die Togades reuigen Sünders hüllt, nun jedes Wort glauben, weil er sein groteskes Geständniß gemacht hat. Herr Lützoiv spekulirt auf deS guten Bürgers Abneigung gegen die Polizei uud die Polizciagentcn. Wir leben aber loch nicht in der vollkommensten der Wellen. Erst wenn es in der Welt keine Verbrecher mehr giebt, werden wir keine Polizeiagenten und Vigilanten mehr brauchen; es ist dies eine soziale Krankheit und wie ein Arzt den Dank seines Patienten findet, der sein Leiden mit einer an sich giftigen Arznei kurirl, so inuß auch die soziale Krankheit des Verbrecherlhums ost mit giftigen Mitteln bekämpft werden. Vom grünen Tisch ans lassen sich die Mörder, die Spione und Laudesverräthcr nicht weg dekretircn, da heißt«s ost: List gegen List, Berrath gegen Venrath, a la guerre comrae ä la guerre! Die Einrichtung der Agenten ist älter als Herr v. Tausch selbst und wird wohl auch sein Leben noch überdauern. Es ist doch auch nicht billig, ihn für eine Jnslituliou verantwortlich zn machen, die er doch nicht geschaffen hat, ihn für die Mängel der Jnstitlltiou zu bestrasen. Der Schwerpunkt der Meiueidssrage liegt dar!«, daß v. Tausch bestritten hat, seinerseits Politik nach bestiminten Richtungen hin gelrieben zu haben. Die Verhandlung hat, beule ich, zur Evidenz ergeben, daß er in der That keine Politik getrieben hat. Wenn Herr Lützow das Gegeulheil behauptet, so glaube ich ihm das nicht! Er ist mir nicht glaub- würdig und die Jnszenirnng seines sogenannten Geständnisses ist mir höchst widerwärtig geivesen. Er betreibt die Unwahrheit nicht als Dilettant, fondern geradezu als Künstler! Der„neue Mensch" ist bei ihm nicht zum Durchbruch gekommen, er lügt nach ivie vor, die ganze Köller-Geschichte, die er uns zum besten giebt, ist eitel Lug und Trug! Ich bin in der Gerichtspraxis grau geivordeu, muß aber sagen, daß mir Stärkeres als das'Verhalten des Angeklagten v. Lützow in der Kukutsch-Affäre denn doch noch nicht vorgekommen ist. Er ist mit seinen Beschuldigungen erst hervorgetreten, als ihm eine Anklage wegen Betruges und Urkundeufälschung droht«, als ihm das Zuchthaus in nahem Bilde vorschwebte, und als er Herrn v. Tausch als Sünden- bock gebrauchen konnte, gegen den so wie so schon der Wind wehte. Es ist dankenSwerth, daß die Anklagebehörde selbst jetzt nicht mehr die schändlichen Artikel Normann-Schumanii'S v. Tausch zur Last legen will; sie thiit es aber doch nur verllausulirt und die Vertheidigung hätte das lebhaftest« Interesse daran, daß dieses Ge« schivür bis auf den Grund ausgebrannt werde! Schließlich ist eS doch keine Schande, von einem geriebenen Manne wie Normann-Schumaun betrogen zn werden. Viele Umstände weisen mit Rothwendigkeit dar- auf hin, daß der Angeklagte jenem Artikel absolut fern stehe» muß! Er ist ein erprobter königs treuer Beamter, wie kommt«an dazu, daß ein solcher Mann ein Interesse daran habe» könnt«, schändlich« "Artikel gegen den Kaiser, dem er aus tiefstem Herzen Dank schnkdet, in die Zeitungen zu lanciren. Er hat es nicht gethan und die Anklagebehörde ist ihm jeden Beweis schuldig geblieben! Wie kommt man dazu, dem verstorbenen v. Mauderode den noch lebenden v. Lützow zu substitniren? Mit Normann-Schumann hat v. Tausch nichts gemein gehabt. Dies« Stütze der Anklage ist morsch und unhaltbar! Sbenso wenig ist erwiesen, daß der Angeklagte v. Tausch gegen den Staatssekretär v. Marschall inlriguirt hat. Er ist etwas animos gegen ihn ge- wesen und diese kleine Animosität ist nicht ungerechtfertigt, denn "err v. Marschall hatte zu offen erklärt, daß er zu der politischen ivlizei kein Vertrauen hat. An der Affäre v. Huhn ist der Angeklagte nach den Bekundungen des Gingold- Stärk völlig unschuldig. Der Angeklagte würde sich den Borwurf eines Dienstvergehens zugezogen haben, wenn er darin anders gehandelt hätte. Der Angeklagte hat oftmals sei» höchstes Bedauern ausgedrückt, daß eö ihm nicht gelinge, Mißverständnisse des Herrn v. Marschall zu beseitigen. Es ist ihm nichts erwiesen, daß er gegen das Auswärtige Amt intriguirt hat, uud ivenn er wirklich'mal in einem Privatgespräch ein etwas starke? Wort gegen den Staatesekretär gebraucht haben sollte, so wird man ihm daraus keinen Strick drehe» wollen. Der Verlheidiger geht alsdann auf die Artikel der „Welt am Montag" ein und setzt den Geschivorenen auseinander, daß auch hierbei den Angeklagten kein Vorwurf treffen kann. Er mußte und konnte sich sagen, daß der Botschafter sich doch dafür interesstreii könnte, daß gegen«in Mitglied des Hauses Eulenburg eine Jntrigue gesponnen wird, aber er bat dem Grasen Eulenburg weder schriftlich noch mündlich ein« Aeußerung dahin gethan, daß der Freiherr v. Marschall hinter dem Artikel steck«. Damit muß das Mißtrauen des Herrn von Marschall gegen den Herrn v. Tausch, welches der Schwer- und Angelpunkt der ganzen Anklage ist, fallen. Es ist beinahe komisch, daß der Angeklagte den Minister v. Köller habe stürzen wollen, weil dieser Abänderungen im Geschäftsgänge getroffen habe, die dem An- geklagten nicht paßten. Letzterer war durchaus gutgläubig, als er auf grund der ihm erstatteten Berichte aniiahin, Herr v. Köller stehe dem Artikel der„Münch. Neuest. Nachr." nicht fern. Er mußte dem Kriegsminister sagen, daß es ihn in eine sehr böse Lage bringe, seinen eigenen Chesminister bezichtigen zu müssen, aber er konnte doch nicht anders. Sollte er vor dem Namen des Herrn von Köller feige zurückweichen? Nein! Das ist doch gerade der Mannesmulh vor Fürstenthronen, daß er strenge seine Pflicht that, ohne nach oben zu schielen. Nach Zerpflücknng der Anklage in bezug auf die sogenannten „kleinen Meineide", die dem Angeklagleu vorgeworfen werden, gcht Dr. Cello aufs ausführlichste auf die„piöcs de resistance", auf den Meineid ein, der in dem Widerfprnch des Angeklagten mit der Bekundung des Dr. Levysohn liegen soll. Der Angeklagte sei im Leckert-Prozesse 88 mal an einem Tage aufgerusen worden; in der Tortur einer solchen Prozeßverhandlung muß auch der klügste Mann konluse werden. Auch in bezug auf die Levysohn- Affäre ist die Konstruktion deS Meineides eine anz künstliche und unhaltbare. Der Herr Oberstaalsanwalt at selbst gesagt, daß, wenn nur der Levysohn> stall vorgelegen, hätte er nicht zu der Verhaftung deS Angeklagten gegriffen. Sie? muß noch jetzt als Maßstab gelten. Hier fleht Aussage gegen Aus- sage. Wir erleben es alle Tage, selbst hier in diesen Räumen, wie leichl man einen anderen nicht verstehe» kann und man kann un- möglich sofort mit dein schweren Geschütz der Meineidsanklage vor« gehen. Verdächtig ist es nicht, daß er sich an Harden und Lima» n'andte und ihnen von dieser Levysohn-Affäre Mittheiluug machte. Er wußle, als er damals in die Verhandlnng ging, schon ganz gut, daß etivas gegen ihn geplant werde, denn die Spatzen pfiffen es ja schon von den Dächern, daß der Leckert- Prozeß eigentlich gegen ihn gerichtet sei. Ich bin, so schließt der Vcrlheidiger, zu Ende. Ihnen, meine Herren Ge- schworene», ist das schwere Amt zugefallen, hier zu Gericht zu sitze» über die Ehre und Freiheit eines Menschen. Halten Sie sich frei von der Tausch- Hetze, beurtheilen Sie den Augeklagten als Menschen menschlich. Ich fordere Sie nicht zu Milde odee Barmherzigkeit, sondern zu Gerechtigkeit auf. Halten Sie sich gegenwärtig, daß von allem, was die menschliche Phantasie ausdenken kau», das fürchterlichste ist, unschuldig im Znchthause zu sitzen. Beurtheilen Sie den Angeklagte», der nach meiner gewissenhaften Ucberzcugung unschuldig ist, nicht nach Stimmungen, sondern nur nach Thalsachcn. Qbcrstaatöauwalt Drescher. Der Vertbeidiger bat gesagt, die Spatzen hätten es von den Dächer» gepfiffen, daß die Anklage gegen Leckert-Lützow sich eigentlich gegen de» Angeklaglen v Tausch richtete. Dies ist, soweit darin ein Vorwurf gegen die Auklagebehörde liegen könnte, zurückzuiveise». Diesseits ist nur beabsichtigt worden, jene Anklage gegen diejenigen zu richten, die aus der Zluklagebank saßen. Was den Charakter des Herrn von Tausch anlangt, so hat der Vertheidiger i» einer außerordentlich bewegten Darstellung möglichst viele Licht- seile» von seinem Klienten vorzuführen versucht. Der Herr Vertheidiger bat darin aber doch i» allzu grelle» Farben aufgetragen, er widmete ibm die denkbar schönsten Epitheta„bieder, zuverlässig, einfach, ritterlich, diskret, brav, tren�. Das ist doch eine ganze Menge, aber die Begründung ist doch etwas weit abliegend volr den in der Verhandlnng hervorgetretene» Thatsache». Der Schutz, den er Herrn v. Lützow zu theil hat werden lasse», ist ein gefährlicher Ausdruck seiner Treue, denn sie beruht auf Ver- letzung der Wahrheit. Ob der Angeklagte„zuverlässig" war, ist doch mit de» Ergebnissen der Beweisanfnahine absolut unvereinbar. Der Angeklagte halte eine Verlrauensslellung bei Sr. Maj. dem Kaiser. Wie kann er es verantworten, bei dieser Vertrauensstellung so objektiv»iederträchtiae und unwahre Angaben über Se. Map zu machen? Di« Unwahrheit des Gerüchts mußte ihm selbst doch sehr klar sein, da er ja die Person Sr. Majestät angeblich mit eine», Netz von Spionen umgeben habe. Es war unvorsichtig vom Vertheidiger, daß er sich moralisch darüber erhitzte, daß solch ein Privalgespräch zum Gegenstand der Verhandlung ge- macht ist. Wer im Glashanse sitzt, soll nicht mit Steinen werfen! War es denn nicht gerade der Ver- theidiger, der das Privatgespräch zwischen d e m D r. L i m a n u n d dem Herrn v. Lützow, welches «ine Majestätsbeleidigung zu enthalten schien, selbst hier hereingezogen hat? Auch dieses Privat- gespräch muß doch durch eine Indiskretion zur Kenntniß des Verlheidigers gekommen sein. Herr Krämer steht einer solchen Indiskretion durchaus fern, ob dies bei Herr» Dr. Lima» auch der Fall ist, weiß ich nicht.(Dr. Lima» ruft: Gewiß!) Der Man», der dem Vertheidiger die Mittheilung gemacht bat, zu deren Mundstück er sich machte, steht jedenfalls tief unter dem Herrn Krämer, den der Vertheidiger selbst nicht in seiner Glaub- Würdigkeit anzugreifen wagte, während sich seine Miltheiluuge» als nicht zutreffend erwiesen. Nach längerer Replik des Staatsanwalts Dr. Eger und scharfe» Dnplik des Rechtsanwalts Dr. S e l l o nimmt Rechtsanwalt Dr. Schwind das Wort, um sich zunächst den Bemerkungen seines Milvertheidigers über den Charakter und die Leistilnge» seines Klienten durchaus anzuschließen. Der Angeklagle v. Tausch sei keineswegs ein so schlechter Mensch, wie man ihn darzustellen liehe, er sei verkannt und arg verleumdet worden. Er bestreite speziell dem Oberftaatsanivalt das Recht, davon zu spreche», daß der Angeklagte zahlreiche Dienstvergehe» auf dem Kerbholz« habe. Wir danke» speziell Herrn Echweinbnrg dafür, daß er sei» Bedauern da- rüber ausgesprochen hat, daß er seinerzeit ans falsche Voraussetzungen hin das Disziplinarverfahren veranlaßt hat. Wenn ferner Herr v. Tausch mit einigen Ermiltelnugen keinen Erfolg hatte, so berechtigt dies doch nicht zu der Vehauptung, daß er ein stannenswerthes Un- geschick gezeigt habe. Es wäre höchstens zu bedauern, daß das kriminalistische Geschick des Staatssekretärs nicht in den Leib eines Krinünalkommissarius gefahren ist. Die Geschworene» möge» sich immer gegenwärtig hallen, daß sie hier nicht etwa einen Disziplinarhof bilden, sondern daß sie es hier nur mit dein Strafmaß zu ihn» haben. Der Vertheidiger geht hierauf des nähere« auf de» zweiten Theil der Anklage, den Vorwurf des Amtsverbrechens ein. Nach längeren juristischen Aussührnngen über die Bedeutung und den Inhalt des ß 346 kommt Redner zu dem Schluß, daß der Augeklagte auch ivegen dieses Theiles nicht verurlheilt werden könne. Ter Vertheidiger, so endet der Redner, habe eine Unterfrage ivegen fahrlässigen Meineides nicht gestellt. Herr v. Tausch kenne keinen fahrlässigen, noch viel weniger eine» ivissenllichen Meineid, er sträube sich mit Händen und Füßen gegen die Unter- stellnng, als habe er etivas Falsches beschivore». Der Angeklagte will klipp und klar freigesprochen und nicht länger der Freiheit cnt- zogen bleibe»,(die ihm schon viel zu lange vorenthalten ist. Die Geschworenen mögen aber auch nicht über die Frage 6 stolpern und diese etwa bejahe», weil sie»leinen, daß die Bekundung der Wahrheit eine Strasverfolgnng für ihn nach sich ziehen konnte. Die Vertheidiger können den Spruch der Geschworenen nur als Wahr sprach anerkenne», wenn sie säinmtliche Schuldfrage» verneine». Auch hier folgen längere Repliken und Dupliken. Um 8'/j Uhr wird die Sitzung auf Freilag 9 Uhr vertagt. Uo-Imles. Tic Partclgcnosscil des 3. Berliner Reichötags-Wahl- krcises und deren Damen resp. Familien uiileriiehmeii am zwcilen Psingstseiertag(Montag) einen Ausflug nach Schmargendorf, Restaurant„Sanssouci". Treffpiiukl früh 8 Uhr Ringbahnhof (Potsdamer Bahn) und später im Lokal. Reger Belheilignug sieh4 entgegen Der Wahlvereius-Vorftaud Die bou der Stadtberordnetenversammlnug gefaßte» Be< schlüsse icher die A n st e l l u» g der technischen Lehrerinnen an den Geineindeschnlen fl»d vom Magistrat nicht in allen Punkten augeiiouime» morden. Er schlägt jetzt vor, folgende Grundsätze für die Anstellung der technischen Lehrerin»«» annehmen zu wollen:„I. Bis zur eudgilligen Anstellung der jetzt im Dienst besiudliche» technische» Lehrerinne» werden neue Annahmen thunlichst nicht vorgenommen. 2. Vorerst ist eine Anzahl von 36 lechuische» Lehrerinnen mit der Pstichlstnndenzahl 24 an Gemeiudeschulen pensloiisfähig und mit dem Gehalt von 1266 Mk. jährlich anzustellen. Die Anstellnng erfolgt nach der Präsentation der Gewählten bei der Versammlung. 3. Ueber die Zulässigkeit der Anstellung trotz der Höhe des Lebens- alters eutjcheidet— wen» dieses 45 Jahre übersteigt— in jedem Falle die Verfammlung. 4. Diejenige» technischen Lehrerinnen, die wegen zu hohe» Lebensalters nicht endgiltig augestellt werden könne», erhalten beim Eiiilrilt der Dienstunfähigkeit ein Jahrgeld, welches i» jedem Falle von de» Gemeindebehörden festzusetzen ist, soweit das Bedürfniß nicht durch besondere Umstände ausgeschlossen ist. B. Bei der gesetzlichen Pension kommt die ganze Zeil zur Anrechnung, wo die Fachlehrerinnen im öffentlichen Schuldienst Deutsch- lauds voll beschäftigt gewesen sind; hinzutritt der lediglich von der Stadlkasse zu tragende Pensioustheil. der die i» vertragsmäßiger. aber nicht voller Beschäftigung an städtische» Gemeiudeschulen verbrachle Zeil betrifft. 6. Das Diensteinkommen der fest angestellten Fachlehrerinnen wird ans 1266 M., n> je drei Jahre» um 166 M. steigend, bis zur Höh« von 1360 M. festgesetzt." Für die Lehrpersonen an den Gemeindeschulen beantragt der Magistrat bei der Stadtverordneten-Versammlung in Verfolg des Gesetzes vom 3. März d. I. nachstehende Besoldungsordnung: I. Für endgiltig angestellte Lehrer, auch wenn sie noch nicht vier Jahre im öffent- lichen Schuldienste gestanden haben, a) Grundgehalt 1666 M.; d) Alterszulage», zu erlange» stufenweise in 31 Jahre» 2266 M.; o) Miethsentschädigung 666 M. Zur Anrechnung kommt die ge- sammte Dienstzeit im öffentlichen Schuldienste in Deutschland. Den bis 31. März 1894 angestellten Lehrern wird die Zeit voller Beschäftigung an hiesigen Privatschulen angerechnet. Für die bis zum 31. März 1697 angestellten akademisch gebildeten Lehrer ver- bleibt es bei den bisherigen Bestimmungen, soweit dieselben für die Anrechnung der Dienstzeil günstiger sind. Den vom 1. April 1897 ab angestellten akademisch gebildeten Lehrern mit vollem Oberlehrer- Zeuaniß werden vier Dienstjahre z» den wirklichen zugerechnet. II. Einstweilig angestellte Lehrer erhalten: Grundgehall 866 M., Mielseutschädigung 466 M. III. Rekloren, Grundgehalt 2666 M., Alterszulagm wie bei den Lehrern unter I und nach dem Dienstalter als Lehrer, Miethsentschädigung 866 Mark oder Dienstwohnung. Außer Diensteinkommen wird den Rektoren freies Brennmaterial zum Jahrcsbetrage von 96 M. oder der letztere Betrag gewährt. Die Rektoren, welche nach der neuen Ordnung ein geringeres Gehalt beziehen würden, als jetzt, bleiben, auch wenn sie sich für die neue Ordnung erklären, so lange bei dem gegenwärtigen Gehalt, bis sie nach der neuen Ordnung in ein höheres Gehalt einrücken. IV. Lehrerinnen. Die Dienstjahre voller Beschäftigung in öffentlichen Schulen in Deutschland kommen zur Berechnung. Grundgehalt 966 M., Miethsentschädigung 360 M. Alterszulagen, zu erlangen stufenweise in 21 Jahren 1266 Mark. V. Fach- Lehrerinnen, das heißt solche Damen, welche mindestens zwei von den drei technischen Prüfungen(Hand- arbeite», Turnen, Zeichnen) abgelegt haben und endgiltig angestellt sind. Die Fachlehrerinnen sind zu 24 Stunden verpflichtet und können zeitweise zur Vertretung in 4 Stunden herangezogen werden. Grundgehalt 960 M., Miethsentschädigung 366 M., Alters- znlagen zu erlangen stufenweise in 12 Jahren 466 M. Zur An- rechuung kommen die Jahre, in welchen die Fachlehrerinnen an öffentlichen Schulen in Deutschland mit mindestens 24 wöchentlichen Stunden beschäftigt sind. Fachlehrerinnen, die bereits im städtischen Dienst stehen und voraussichtlich dauernd 24 Stunden erlheilen, sollen zur eudgiltigen Anstellung vorgeschlagen werden, ohne Rücksicht auf das Lebensalter und auch mit nur einem Examen. Bewohner der Sahara halten sich seit einigen Tagen im P a s s a g e- P a n o p t i k n m auf. Seit längerer Zeit richtet die Direktion dieses Instituts bekmmllich ihr Hauptstreben auf die Vor- führung exotischer Völkerschaften, und die Verbindungen, welche sie sich allmälig geschaffen, ermöglichen es ihr, aus immer seruere» Erdenwinkeln Bewohner herbei zu kapern. Die neue Truppe ist ivesentlich im Anschluß an die hier vor einigen Jahren ausgestellt gewesene Tuiieseiikarawane angeworben worden. Es sind Bewohner der Oasen Biskra, Tougonrt und Onargla, Beduinen und Tnaregs, die sich mit Weib und Kind auf den Weg nach Norden gemacht haben. Frauen verrichten nunmehr vor den Augen des Berliner Publikums nach uralter Weise ihre Webearbeit, die Männer kehren von einer Reis« zurück und beschäftige» sich mit religiösen eremome». Wir sehen dann fanatisch« Derwische, die im ekstatischen anz derart abgehärtet werden, daß selbst ein Feuerbrand/ dem sie sich aussetzen, anscheinend ohne Wirkung auf ihren Körper bleibt. Sehr zum Unterschied von unsern Mammonspriestern, die der Tanz ums goldene Kalb belamillich schrecklich nervös und empfindlich gemacht hat. Weiter führen junge Mädchen eine Art Bauchtanz auf und marokkanffche Schlangenbeschwörer treiben mit unheimlichen Vipern ihre räthselhaften Künste. Ein fesselndes Bild, das uns fast traumhaft anheimelnd erscheint, als ob wir die alte Geschichte der Erzväter lebendig an uns vorüber- schreiten sähen. Und was wesentlich ist, die Wüstenbewohner lassen auch nicht entfernt den Eindruck auskommen, als ob man es mit einer miudcrwerlhigen Rasse zu thuu hätte,, auf die wir. die wir »ns Kulturmenschen nennen, mit neugierigem Hochmuth herabsehen könnten. In dem durchfurchten, von der Sonne braun gebrannten Gesicht der Männer, in den meist feingeschnittenen Zügen der Frauen und Mädchen liegt etwas Ehrfurchtgebietendes, und die ungezwungene Bewegung des von malerischem Gewände bedeckten Körpers gicbt sich so sicher und selbstbewußt, wie selten beim DnrchschniltZ-Enropäer und noch seltener beim Deutschen im be- sonderen. Das Publikum wird sich leicht mit deu neue» Gästen befreunden. Tie Eröffunug der Ausstellung TrauSvaal. Die Ausstellung Transvaal zwischen Kurfürsten-Danim und Bahnhof Savigny-Platz wurde gestern Abend 5 Uhr eröffnet. Bei wahrhaft afrikanischer Soniiengluth, gegen die die kleinen Bännichen jener im Anfang ihrer Entwickelnng stehenden Gegend keine» Schutz zu geben vermögen, hatten sich einig« hundert Personen, Behörden, Ver- treter der Presse und jenes bei solchen Gelegenheiten nie sehlende Premivrcnpublikum in- und außerhalb der Gesellschaft eingefunden. Fertig waren eigentlich nur einige Bierquellen, selbst die halbblütigen Damen der Kapweinstube mußten sich damit begnügen, für ihren Ausschank in bunter Reihe Reklame zu sitzen. Die verschiedenen wilden Kaffern und andern schwarzen Kerle von prachtvollem Typus führten ihre moiiotonen, uns stets denselben Eindruck machenden Kriegstänze auf. Neu für Berlin sind die Ochsenwage» und Ochsenschlitten sowie die von Männern gezogenen elegante» Eeffelwageu. Das Ganze macht »inen selbst für Ausstellungen ungewöhnlich unfertigen Eindruck. Der Konkursverwalter der Berliner Berkehröanstalt ist von der Polizei aufgefordert worden, die schwarz-weiß-rolhen Briefkästen von den Häusern zu entfernen. Diesem Ansirage konnte nicht nachgekommen werden, weil— in der Konkursmasse nicht so viel Geld vorhanden ist, um den Arbeiter für diese Arbeit zu e»t- lohnen.— Die bisherigen Angestellten der Privatpost haben am Mittwoch ihre letzte Löhnung und zum theil auch die Kautionsgelder ausgezahlt erhalten. I» Sache» der Frau Rothenburg, die seinerzeit in der städtischen Anstatt Herzberge festgehalten war und jetzt sich in Frei- heit befindet, hat jetzt der Sohn der Dame, Referendar Rothenburg, eine Vorladung vor den Herrn Dezernenten des Jrrenrechts bei dem königlichen Polizeipräsidium erhalten. Arn 15. d. M. steht bekannt- lich Termin vor dem hiesigen Landgericht I an, nachdem der Ver- treler der Frau Rotheuburg, Herr Rechtsanwall G. Bereudt, die Aufhebung der verhängten Entinündigung hinsichtlich der Frau Rothenburg beantragt hatte. Bedenkliche sanitäre Zustände herrschen auf den» Fabrik- grundftück Wasserthorstr. 46. Seil Sonnabend ist die Kanalisations- leitnng zum»heil verstopft und nun ist ein Theil des Hauses von einen» geradezu pestilenzialischen Gestank durchdrungen. Der Hausivirth Köhler weigert sich angeblich, die nothivendige Reparatur vor- nehmen zu lassen und Beschwerden ans dem Polizeibnreau haben bis jetzt ebenfalls noch tei»«,» Erfolg gehabt. Die auf dein Arund- stück beschäftigten Arbeiter, die selbstverständlich au» meisten unter den» Mißstand zu leide» haben, hoffen nunmehr, daß«ine Ver- öfk«>tlichu»g der Angelegenheit ihnen Hilf« bringen»vird. M Ei« gefährliches Feuer»vüthete in der Nacht zlim Donnerstag M] den» Terrain der chemischen Fabrik vorm. G. Schering i» der Hcnnstr. 11/12, bei dem leider der Oberfenermann Krüger vom 15. Zuge tödtlich verunglückt ist, während zwei seiner Kameraden, der Oberfe»»«rman» Rothe i» schwerkrankem Zustand« nach dem jüdische» Krankenhaus« und der Feuerina»» Schivabe»ach dem Krankenhaus« i» Moabit geschafft»Verden mußten, wo beide wohl hoffnungslos darnieder liegen. Außerdem mußten sich«ine ganze Anzahl von Löschmannschaften infolge Rauchvergiftungen durch Ein- athme» giftiger Gase i» ärztlich« Behandlung begeben. Um l1»/e Uhr iiachtS»vurde die Feuerwehr infolge Explosion von Schießbauunvolle, die in einem Schuppen mnveit der Ringbahn, untergebracht war, nach der Feunstraße gerufe». Der Branddirektor Giersberg, der mit sechs Handdruck« und drei Dampsspritzenzügen zur Stelle war. ließ ungeheuer» Wassermengeu während vier Stunden in den Brandherd schleudert?. Mehrere Male mußten die immer wieder vordringenden, vollständig erschöpfte» Sappeure zurückgezogen werden, so verheerend wirkten die alles durchdringenden giftigen Gase, die das Athmen fast unmöglich machten. Uin 3 Uhr mußten die Genannten in schwerkranken» Zu- stände nach den Krankcnhänsern gebracht werden. Um 4 Uhr konnte die Gefahr für beseitigt gelten, so daß ein Theil der Löschina», n- schaften abgelöst»verde» konnte, die Ablösung löschte dann volle,»ds ab. Der Schaden ist ganz bedeutend und dürste 100 606 M. übersteige». Grauenhafter Fund. Eine halbverbrannte Kindesleiche ist am Mittwoch Abend im Flur des Hauses Mendelssohnstr. 13 gesunden »vorden. Der Hansverivalter Rabe ging mit dein Echlächtennetzter Kiehle, der bei ihm zu Besuch»var, uin 16 Uhr ans den Flur, um das Gaslicht auszulöschen. Dabei sahen sie in einer Ecke cm ver- schnürtes Packet aus gelblich braunem Packpapier liege» und fanden darin, als Kiehle es öffnete, eine Kindesleiche liegen, die ganz an- gekohlt war. Angebrannte Koaksstücke, die im Packet lagen, lassen daraus schließen, daß man versucht hat, die Leiche in einer Kochmaschine zu verbrennen. Um seine Baarschaft„gefleddert" wurde in der Nacht zum Donnerstag der Droschkenkutscher Jahn aus der Großen Frankfurter. straße 97. Jahn hatte gegen 12»/« Uhr seinen Dienst beendet und ging von seinem Fuhrherrn in der Zorndorferstr. 46 seiner Wohnung zu. Nur einen Augenblick wollte er auf der ersten Bank in der Frankfurterstraße in der Nähe der Fruchtstraße ausruhen. Er»var aber so müde, daß er gleich einschlief; obgleich er bald»vieder»vach »vurde, so»var ihm doch der kurze Schlaf thcuer zu stehen gekonime»?. Ein„Leichenfledderer" hatte ihm die schwarze Ledertasche aufgeknöpft und ihn» daraus seine Börse»nit 14,96 Pf. entivendet. Von dem Diebe»var keine Spur mehr zu sehen. Ei» schlvcrer Unglücksfall ereignete sich gestern Vormittag bei den Bauarbeiten an, Bahnhof F r i e d r i ch st r a ß e. An der Seite,»velche der Georgenstraße zugeneigt ist,»varen mehrere Kleinpnergesellen mit Arbeiten auf den» Perroudache beschäftigt, als einer vo» ihnen herabfiel, und zivar so unglücklich, daß er beim allen den gläserne» Vorbau durchschlug, der den abfahrenden Wagen chutz gegen Regen gemährt. Der Mann erlitt entsetzliche Schnitt- »vunden an» Kopfe und am übrigen Körper und»vurde iufolge des enormen Blutverlustes»ach»venigcn Minute» yhnmächlig. Ein Arzt war rasch zur Stelle, der die Ueberführnng des aller Wahr- scheinlichkeit»ach tödtlich Verletzten i» die Universitätsklinik an« ordnete. Ein Kindcrfrcund. Gestern Vormittag beobachteten Passanten in der Veteranenstraße eine» Mann,»velcher ein achtjähriges Mädchen ansprach und dieses veranlnßte,»nit ihm zu gehen. Da den Augen- zeugen dieser Vorgang verdächtig vorkam, so hielten sie den Un- bekannte» fest und übergaben ihn der Polizei. Auf der Wache stellte sich heraus, daß der Festgenommene, der füufunddreißigjährige Schuh- machergeselle Hoffmani», ein gefährlicher Kinderfreund sei und nichts- »vürdiger Attentate»vegen bereils vorbestraft ist. H. steht im Ver- dacht, noch eine ganze Reihe derartiger Verschleppungen vor- genommen zu haben, da die vo» Kindern gegebene Personalbeschreibung aus den Schuhmachergesellen paßt. Derselbe»vurde dein Polizei- Präsidium zugeführt. Beim Spielen vor den» Hause Linienstr. 124 hat am Mitt- »voch Abend der 15 jährige Sohn des Arbeiters B. den» 14 jährigen Sohn des Musikers P. mit einein Messer eine nicht unerhebliche Stirmvunde beigebracht. Der Vorfall erregte lebhaftes Aufsehen unter den Straßenpaffanteu. Mit je eine»« Schuß in beide» Schläfe» und aufgeschnittenen Pulsadern a» beide» Händen»vurde in der vorvergangenen Nacht gegen 12 Uhr der 32 Jahre alte Schloffer Gustav Schallhorn ans der Ackerstr. 161 an der Ecke der Prenzlauer Allee und der Danziger- straße vo» einem Schutzmann des 98. Reviers in seinen» Blute schivimmend aufgefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Trübe Familienverhältnisse sollen die Ursache des Selbstmordversuchs sein. Theater. In? Schiller-Theater»vurde, un» noch in dieser Woche eine Aufführung der mit besonderem Jnlereffe auf- genommenen vier deutschen Schwänke zu ermöglichen, die erste Ans- führung der neuen Posse„Papa Niische" von Walther u. Stein auf morgen verlegt. Der Spielplan gestaltet sich demnach folgend«-- maßen: Heute:„Deutsche Schiväuke aus vier Zeitaltern"(üie ehrlich Bäckin; HanSivurst; Schneider Fips; Fräulein Wittoe); morgen Sonnabend, zun» erste», Male:„Papa Nitsche",' Pstngst- Sonntag, nachmiltags:„Der G'iviffenswnru»", abends.„Madame Bonivard"; Pfingst-Montag, nach, niltags: Deutsche Ech»vänke a»»s vier Zeitaltern", abends:„Papa Nitsche".— J.n Ostend- Theater wird au» Sonittag Abend 7»/e Uhr zu.ii ersten Male die Posse„Unsere Reichspost" aufgeführt. Sonnaoend bleibt das Theater geschlossen.— Für die Tage voin 15. biS 17. Juni ver» anstaltet Herr Piori in» hiesigen Zentral-Theater eine drei- malige Gastspiel-Anfführung der fllnfaktigen Koinödie„Sozial- a r i st o k r a t ejn" vo» A r»so Holz. Die kölnische Hauptrolle des Stückes, de» Gelegenheitsdichier Fiebig, hat Henuaun Müller vom Deutschen Theater übernommen. Im Apollo-Theater sind mit Beginn des Monats einige Knuftlräfte engagirt»vorden, die insmveit lebhaste Bewunderung erwecken, als sie zeigen, daß man auf den» Gt-biele des Spezialitäten- wesens innner neue Schlager ersinnt. Die Originalität der Leistungen wirkt oft verblüffender als die Sch>vierigkeit vor Darstellung an sich. So führt eine junge Dame, die in» unvermeitilichen Französisch auf de», Programm als„La belle Lydia" verzeichnet steht, seltsame Uebungen auf einem sch»vebenden Trapez aus,»vährend eine Seil- tänzer-Gesellschaft, das Braatz-Trio, ans ihren» Eiebiete bisher un» erreichte Balancirkünste mit überraschender Sicherheit zum besten giebt. Lebhafte Beachtung findet die Serpentintänzewin Diainantine Vernice, die ihre graziösen Beivegunzen in einer' märchenhaften Beleuchtung vollführt. Durch seine» trockenen Humor hat sich auch gestern der Koupletsänger und Dichter Otto Revster, der im vorigen Jahre als Li-Hnng-Tschang drastisch � wirkte, »vieder die Eyinpathien des Publikums zu erobern gewußt. Rieben den Spezialitäten steht selbstverständlich auch die AusstattunKs- operette„Venus ans Erden" auf den, Programm jedes Abends. Sltts de» Nachbarorten. Tie Parteigenosse» von Siidcude, Marieudorf nnd Tenipelhof»verde,» hiermit zu einen» am Sonntag, als am ersten Feiertuge, stattsiudenden gemüthliche» Beisanimensein in dein Lokal von A. Holz, Südende, Ecke der Steglitzer und Langenstraße, ein- geladen. Beginn morgens 7 Uhr. Zahlreicher Besuch wird er- »vartet. Der Vertrauensmaiin. Beim Baden ist Mittivoch Abend gegen 7 Uhr in der Dahme der siebenundzivanzigjährige Arbeiter Wilhelm Wobrich, Garten- straße 19»vohnhaft, erlrunke». W., welcher in der Gegend von Köpenick an» gestrigen Tage beschäftigt war. äußerte z» z,vei Kollege», mit denen er am User der Dahme entlang ging, daß er, um sich abzukühlen, ein Bad nehmen müßte. Der Arbeiter ent- kleidete sich da»» bis aus He»»d und Hose und sprang ins Waffer. Anscheinend wurde er vo» einem Schlnganfall getroffen, denn ob- »vohl W. ei» guter Schiviininer, ging er doch alsbald unter. Die Bemühungen der beide» zurückgebliebene» Arbeiter, den Kollegen zu retten, eriviesen sich als erfolglos. Es gelang ihnen nur noch, die Leiche des Ertrunkenen zu bergen. Der Pferdcbahnschaffner Bnrghardt hatte gestern in der Bergstraße zu R i x d o r f das Unglück, vom Wagen zu stürze». Er erlitt so bedeutende Verletzungen, daß man ik.in ein Krankenhaus bringen mußte. In ähnlicher Weise ist dez/ Schaffner bereits vor drei Jahren verunglückt., Rüdersdorf. Der Wirth de? Lokal»,»velches in Dorf Röders« dorf deu Arbeitern zur Verfiigmia steht, heißt nicht Zodemohn. sondern: Z a d- m a ck(in Dorf Rüdersdorf, 16 Minuten vom K-ssel Kalkberge-RüderSbors)._ «Vetter- Prognose für Freitag,»eu 4. Jnui Warm und vielfach heiter, zeitweise»völlig, bei schivachen nörd« lichen Winden; Gewitter nicht auegeschloffe», sonst trocken. Briefkasten der Redaktion. Die juristische TPvcchsiiittde findet Mnntngs, Dienstags, Sr V Cji t a g S niib Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. G. K. Wert. London zählt b KZZ vc« Einwohner, Peking«00 000. Schöileberg. Ans der Elbe fahren von Hamburg nach Magdeburg und Dresden Ketten-Schlcppschiffe. Das Schiff wird mit einer in der Sohle des FlnffeS gelegten, an dm Enden verankerten Kette derart ver- buudc», dag die Kette sich über zwei am Schiffe angebrachte Trommeln auf- und abwickelt. Die Trommeln werden durch Dampftnaschinen gedreht. Der Transport auf Kettenschiffen kommt miirdestens um die Hälfte billiger als der durch gewöhnliche Schleppdampfer. A. Z., Wolfenbiittel. Die Bollöversichermig„Viktoria" hat nichts mit Sozialdemokratie oder Bebel zu thun. C. Z. Wir können Ihnen derartige Fragen nicht beantworten. Lassen Sie sich doch selbst in einer Bibliothek die Dislokationsverzeichnisse vorlegen. Sch., tthlandstraste. Besuchen Sic uns bitte bei Gelegenheit. P. D. 1. Ja. Sie dürfen nur M. und B. in der be- treffenden Zeit verkaufen. 2. Gcwerbsmästiges Denunzire» ist leider weder mit Steuer noch mit Strafe bedroht.— U. Z. Ja. DkflWrr MWlikiter Verlmd. Herne Freitag. 4. Juni, abends 8'/,«Hr. bei vohu, Benthstr. 20; Sitzung der Ortsverwaltimg. �10 ! Maurer. Da wir dicht vor einer Lohnbewegung stehen und es deshalb dringend nothwendig ist, bah der Zuzug nach Berlin eingedämmt wird, hat die Lohn- tommission eine Flugschrift au die Maurer der Provinz verfabt, welche beute, Fr ei t a g Ab en d, in jedem Lokal, wo Beiträge zum Streik- fonds der Maurer entgegcgen genommen werden, ansliegt. Wir ersuchen deshalb die Kollegen jedes Baues, dafür zu ngitiren, das? alle Kollegen, welche zum Pfingslfest in ihre Heimath reisen, veranlaßt werden, sich in den Besitz von Flugblätter» zu setzen und selbige in die weiteste» Kreise der KoUegeitschaft der Provinz zu besördern. 280/18 Die Kommission. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder-Galautericwoaren-Judustrie beschäst. Arbeiter und Arbeiterinucn Deutschlands. (Zahlstelle Berlin.) Montag, den 7. Juni(S. Pfingft-Feiertag); WM" TÄndpavtrii?"MK do» Grilniiu über Karollnenliof»ach Ii u rrns(iiasthaus »Zur Palme" in unter gütiger Betheiligung des Ätusil- vereinS„Frisch ans!" sowie deS Buchbinder-Ptännerchors. Preiöspiele für Dame» uud Herren.-� Spiele für Lrinder. E A« Z. Theilnahmc an Spielen und Tanz 30 Pf.— Den geehrten Damen ist die Kaffeeküche von 2 Uhr an geöffnet. 27/3 Abfahrt Schlefischer Bahnhof 7,2l, vom Görlitzer Bahnhof 7,35. Dampser- Berbindung von Grünau bis„Zur Palme" nach Schmöcktvitz 8,20, 10,20, 12,20. Preis Grünau-Karolinenhof 0,15, Grünau- Schmöckwitz 0,20, Karolinenhof- Schmöckwitz 0,10 Pf. Treffpunkt: Restaurant Wagner(früher L i e i> k e). Grüna», Friedrichstr. l. Abmarsch mit Mufik prüz. 10 Uhr. lliil rcgc Betheiligung ersucht Die Bergiiüguiigskouimissio». Illiiipftt-PßWst-Extrlifilhl'te». XÜkalirt an«1er Stralancr Brücke. W A m 1. uud S.Feiertag.>» o r g e l, s 5> Uhr: Ach Neue Muhle it. Moltersdorfer Schleuse. Fahrpreis, hin und zurück, pro Person 1 Ntark. Am 2. Feiertag: DgjT' Nach Trupitz. �880 Abfahrt morgens 7 Uhr. Fahrpreis, hin und zurück, pro Person 2 M. Am 3. Feiertag, nachmittags 2 Uhr, Rückfahrt abends 8 Uhr: Ruch Neue Mühle u. Woltersdoiser Schleuse. Am 1. Feiertag früh 5'/2 Uhr: Gr. Nromenadensahrteu nach dein Müggelsee. Fahrpreis, hin und zurück, pro Person 50 Pf. IQOSS*_ Herwi. Hertaer. Li, Mahnt. ClMvloltenvuvg. Wilmersdorferstr. 39, Bl*inarck*ltS]ie, Wilmersdorferstr. 39. Sonntag, den 6. Juni(1. Psingstfeiertag): %l)jfl SöHlmerfest, m7omtet Verböild der Bauarbeiter. Vokal- uml Ins trn mental- Konzert unte. Mtwirkung des Gesangvereins„Porwürts" lMitgl. des A.-S.-B.) Anflug 4 Uhr. Anfang 4 Uhr. 91 1» 2. und 3. Pfingstfeiertag: ISIÜL* S&* Konzert- iiikI 8pezln)ittlten-Vorstellang. Artistische Leitung: Max Lachmatin. Im Saal Grosner Bull. 2 neue Kegelhahnen. Die K a fl e e k ü ch e steht den werthen Gästen zur Verfügung. � Hierzu ladet ergeben/t ein_ H, Wornlche. Am 1. Pfingstfeiertag: Grosse Dampferfahrt mit Musik (3 Danipser)»ach dem Zkenen Krng bei Brkner zu Zlax mit den Riesenschinkenstulle», veranstaltet vom Lotterleklufo Glück. Daselbst Ball, v«, trüge von Hcycrn mlt'n y und anderen großen Thieren. Ni» 3 Uhr im Walde große Schluniniernanse. Erste Abfahrt früh 3 und Uhr, zweite Abfahrt früh 10 Uhr von der Janiioivitzbrucke b>ei der Brückenstraße, Spreeteiwassc, Gesellschaft„Anker". Bllleti« ü 1 M., Kinder die Hälfte, für Hin- und Rückfahrt. Tanz frei Billets ä 80 Pf. vorher in den Lokalen von L.. I.ehruni, Brückenstr nn- WllUelm Koppe, Brückenstr. Oa. 260/4 __ Es ladet sreuwd! vsi �/in�_ Jl>er Vorstand. Freunde! Genossen! Sänger! Lcb.'.oss-kkLtkiui'Sllt llavelkauseu bei Oranlenhnrg, mit der Nordbah» zu erreichen bis Station Borgsdorf, von da zehn Minuten. Allen Anöflüglern empfohlen. Herrlicher, 3 Morgen großer Urpark, am Wasser gelegen, schönster Aufenthalt, Kegelbahn, Tnnzsaal, große Spielplätze, Kaffeeküche, gute Speisen und Getränke in bekannler Güte zu zivilen Preisen empfiehlt Der dicke«SlnkoIÄ Uedtke, 19176 Restaurateur(früher Grünau). gV" Hoiumerwolinungen zu soliden Preisen au Wald und Wasser gelegen. Victoria-Säle und Garten Hemannstr. 48-50. Rixdonfa Herrmannstr. 48-50. Am 1. Psingstfeiertage: Früh Konzert. Gr. Gartenfest. _ Am 2. Psingstfeiertage:_ Früli-Koiizert. Nachm. im Garten: Auftreten der Stettiner Sänger. Im Saale: Ball. Am 3. Psingstfeiertage: Austreten der Leipziger Sänger. " Im Saale: B A G L.——— Hierzu ladet ergebeust ein 19008* G. Ahrenberg. Ginige Sonnabende find zu Sommerfesten noch frei. D. O. 1 |t[H] Tüiiii-unilBukskin-Reste L®J k zu galten„Herren-Anzügen* von„Mk. 5,—* an,„Herren-Hofen M reste* von„Mk. 2.-* an.—„Reste z« Knabenanzngen" für M A jedes Alter paffend von„Mk. 1,—* an. i&r umsonst zugeschnitten: w „Haltbare Waare unter Garantie:*„Gelegenheitskäufe!* Wafch-Lüftre. ArbeitS-JacketS. Lederhofen von Mt. 2.- an. � lcUllvjgLvgeI,Derre»dekleilIung.NDiii5lr.2ß, pl. s « JOS Achtung! 0. Wahlkreis. Achtung! (Schönhauser Vorstadt.) Am llontag, den 2. Pfingstfeiertag, im„Jligerliaus", Schönhauser Allee Vo. 103: Großes FrnH-Konzert, arraugirt rail deu Partti.qeuoiseu her Tlhöilhauser Vorstadt unter Mitwirkung des Gesangvereins„Jford" (Mitgl. des A.-S.-B.). WZ?" Während des Konzerts findet im Saale TAVJK statt.* Anfang 5«Hr. Tie Kaffeeküche ist von 4 Uhr an geöffnet. Billcts n. 20 Pf. find in allen mit Plakaten belegten Handlungen zu habe».— Um zahlreichen Besuch ersucht Ter Vertrauensmann. Mmi Pliltchciichll. Mtimi Volksgarteii(früher Weimann's) Gesnndbrunlie», Badstraffe 56. Montag, de« 7. Juni 1807(S. Pfingstfeiertag): Urosses Frfih-Konzert veranstaltet von den Gesangvereinen Loreletz, Dentsche Eiche, Alpenglocke, (Mitglieder dcö A.-S.-B.), verbunden mit Grosser Extra- Fest- Spezialltütcn-Vorstellung. Auftreten von Künstlern I. Ranges. Anfang 5 Uhr. Die Kaffeeküche ist geöffnet. Eintritt 30 Pf. 245gb Bas Coniltä. Achtung! Parteigenossen. Achtung! Gesnndbrnnnen. Jfi I'U OlllstJSiiieuftr.33 pt. Kein Laden. koste, koste. Hosenreste, jed.Rest eineHerrenhose, 5M. Sommerpaletotreste, jeder Rest einen Paletot, 10 Mark. 18708* Knabenanzugreste, sehr groß, 2—3 M. Herrenanzugreste in größter Auswahl. Kranseustr. 11,1., kein Ladeil. Nr 36 Mark liefere feinen Anzugn.Maaß. Für 30 M. ff. Somuier-Paleivt nach Maaß. Für 8—12 M. feinste Hosen nach Maaß. Bedenteudes Stofflager.* Krausenstr. 14. 1. kein Laden. ophastoffe Q »H auch mr N ocko in Rips, Damast. Crepe. 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Den Mitgliedern hiernnt znr Nachricht, unsere Versammlung des Verbandes daß wegen der Feiertage unsere Versammlung nicht den 6. Juni, sondern den 43. Juni stattllndet. AM" Allen Genoffen, welche zu Pfingsten einen Ällsftg nach Schöuholz machen, sei daö allbekannte Restaurant„Zur Tanne" empfohlen. Im schattigen Garten alle Tage Konzert, frei Tanz. Kegel- bahn. Kasseeküche, sowie sonstige Unterhaltungen. Alles da! BterA'vM- Hüte, weich und steif 1 M.,[1834L« bessere Hüte 1,50 bis 3,50 M. in Warf, Tteinnietzstr. Ih Knaben-Anzüge, Sammet-, Stofi< u. Hosenrefte kauft man billig u. reell! bei Micken au, Svrauerstr. 30 pari., Resterhandlung.__ 24666 Clgarreu- Geschürt von Fritz Barth. Mariendorferstr. 17. nur gute Waare. Bei Bedarf jedem zu euwfehlen. 19108* Modell 1897, verk. billig ffuijllUU, nutet Garantie Schultze- Nnucnstr. 20. 2 Tr. 9476b* Getragene Stiefel sind billig zu haben. Charlottenburg, Spreestr. 24. Laden, Jnsterburgerftr. 4. Bedürf- niß: Putz, Posamentier, Kinder- konfektion, sofort vermiethbar. 2470b Frenndl. Schlafstelle zu vermiethen Lausche rstr. 20, Hof 3 Tr. links. s2477b ung. Mann, anfangs 20er(Steno- graph), schon längere Zeit als HilfS- redakteur thätig, sucht zum Herbste Stelle als �(2475b zweiter Nedakteur bei einem Parteiblatte. Gell. Offerten erbeten unter G-. 1 an die Expedition Für dir Sterbektissr der Maschineubau- Arbeiter u. verwandt. Berufsg. zu Berlin wird per 1. September d. I. ein kamionSfähiger s2474b H«iA«lZAAUt gesucht. Gehalt: 1500 M. und freie Wohnung. Kantion 1500 M. Offerten sind bis Dienstag, den 8. Juni d. I., an den Unterzeichneten einzureichen. Berlin, 3. Juni 1897. P. Bergmann. Vorsitzender, _ Waldemarstr. 3, v. pari. Aeltere verständige Wirthschafterin verlangt sofort Höser, Wrangelstr. 10, v.4Tr. Zumeldenabends7Uhr.(247Id Werkführer. 2454b Für größere Mützenfabrik feineren Genres wird eine energische Person- lichkeit gesucht, die im stände ist, einen derartigen Posten zu bekleiden. Offerten mit Gehaltsanfprückien unter K. t nimmt die Erped. d. Bl. entgegen. Plaaofsrte-Bodtnillachec wird für eine Fabrik in England ge« sucht. Derselbe muß Prima-Zeugniffe über langjährige Thätigkelt in re« nommirten deutschen Fabriken haben. Hohes Gehalt. Freie Ueberfahrt. Meldungen erbeten bei F. Langer u. Co., Blnmenstr. 28. 24y2b BeranlivorUicher Medalleur: Robert Schmidt in Berlin. Für de» Jnjeraienlheil veranlivorllich: Th. Glocke ui Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin. su&m. 2. Kilme Ks Kttlm» DcksblM.»t,• ,»> i»«- VersÄmmlttngrn. Die Töpfer nahmen am Mittwoch im Englischen Garten den Bericht vom Kongreß der Lokalorganisirten in Halle von ihrem Berliner Delegirten Thieme entgegen, welcher ausdrücklich betonte, es sei die einstimmige Ansicht des Kongresses gewesen— daß von nun an von Seiten der Lokalorgauisatiouen sowohl in ihrer Presse, wie in der Agitation in der sachlichsten, von aller persönliche» Ge> hässigkeit freien Weise gekämpft werden solle� Dasselbe erwarte man nun aber auch von den Zeutralisten. Die Versammlung beschließt auf eine» Geschästsordnnngsanlrag, den 2. Punkt der Tagesordnung mit dem I. zugleich zu verhandeln. Taudert hält das einleitende Referat, in welchem er mit aller Entschiedenheit abralhet, die Wünsche der Hamburger Töpfer, eine endgiltige Einigung der Ber> liner Töpfer durch den gemeinsamen Uebertritt in den Zentral- verband vorzunehmen, zu berücksichtigen nnd zwar auf grund der überaus traurigen Erfahrungen nüt de» leitenden Personen der hiesigen Filiale. Hagen, Krohnfeld und H o s f in a n» be- tonen die»numgängliche Nolhwendigkeit einer Einigung im Interesse der gesammten Berliner Kollegenschaft, die dem wirthschaftlichen Elend durch Orgauisationsstreitigkeiten nicht länger ausgesetzt sein dürfte» nnd halten für am besten, eine Einigungskouimission zu wähle», welche unter geeignete» Bedingungen mit dem Ausschuß des Verbandes ohne den hiesigen Filialvorstand die Uebertrittsbedingnngen feststellt und den Uebertreteuden die gewünschte Bewegungsfreiheit im Verbände sichert K a u l i ch und M a n t h e wahren de» Standpunkt der Zentralorganisation und polemisire» gegen persönliche Angriffe aus der Versammlung. Eine Resolniion Daudert's, welche die i» Halle gefaßten Beschlüsse gut- heißt und für die Lokalorganisation der Töpfer eintritt, wird abgelehnt,— folgende Resolution dagegen angenommen: Die beutige Versammlung wählt eine Koni Mission von drei Mitgliedern, die sich mit dem Ausschuß des Ver- bau des in Verbindung setzt betreffs Uebertritt in denselben. Bis dahin verpflichten sich die Töpfer Berlins, zum Streikfonds der Töpfer pro Woche 50 Pf. beizutragen nnd für diesen Beschluß überall zu agitiren. In diese Kommission werden gewählt: Hagen, Köppen und Paul Hoffmann. Zum Vertrauens. mann der Töpfer wird einstimmig der Kollege Pehl gewählt. Freitag. A u s k l ä r u n g, abend» 9 Uhr, ftft- nnd Di»k»tIrI>I»d». Sebastian slr. 72 bei Ferger. Art'ritrr-Siiiigrrdmld«»d der zlnigegend. Vorsitzender Ad. Neil' mann, Cchwedenslr. iz, v. l Tr.— Alle Aendcrungen im Vereinskalender sind»u richten an Fried, llortnm, Monte» sselfir. 49, v. 2 Tr. Freitag. UebungSNunde abend« e— n Uhr. Auwabme von Mitgliedern,«o llegta, Adalberistr. Si bei Roll.— Kais e r'scher Männerchor, Schwedterstr. 29�24 bei Wernau.— R o rd, Veteranensir. 18 bei Schulz.—Unverzagt I, Melchiorftr.>S bei Steh- mann.— Treu und Einigkeit, Rixdorf, Bergstrabe 24 bei Wühler.— Buchbtn d er-Mvnnerchor,«övnickerstr.«9 bei Schöning.— Vereinte SangeSbrüder Moabit», Pultlitzsir. 10 bei I. Psarr.— Weltenrus, Nosenihalerftrabe«7 bei Babiel.— Maiglöckchen, Lindoweittrabe 2k bei EaSjS.— Gemütblichkeit(Putzer), Eeydelsir.»o bei Krüger.— Froh- Hoffnung(West), PallaSstrabe Mr. 16 bei A. Faller.— Morgenroth II, Sbarlottenburg, BiSmarckstrabe 74 bei Kraus«.— Tvvographta, Beuihstrabe 20 bei Cohn.— Eeorgina, Sörlitzer- straße 02 bei Vogel.— Freundschaft, Brunnenftr. 160, Schulz'» Bier- hau«.— Vorwort» III, Friedrichsfeld«, Lichtenberger Prtnzen-Allee s.— R b e t n g old, Weinstr. Ii bei Fetndt.— Rosenthaler Vorstadt, Usedomstr.»9 bei Llböter.— Melodia, Rixdors, Bergstr. 162 bei Thoma«. — Jri», Raununstrabe 8« bei Streit.— Brandenburger Männer- Eesa ngverein, Brandenburg a. H., Bergstr. tz, Mengen'« VolkSgarten.— Liberi«, Wrangelstr«« bei Rcdanz.— Bruderschaft(Hausdiener), Alte rete Liedertafel. Straubberger- t, Ehausteestrabe 72 b-i Meibner.— Zakobfir. 64/56 bcl0 Uhr: 2. Männer- Abiheilung Ekalitzerstraße 66— 66. 4. Männerabtheilung Stephanstraße 9. 6. Männerabtheilung Ackcrftraße 67. o. Männer- abiheilung Stallschreibersiraße 64. i. LrhrlingSabtheiluug Friedenstraße 97. 9. LehiltngSabtheilung Boeclhstraße 2l. I. Damenabtheilung Mariannen- Ufer I».— Arbeite-Turnverein(AdlerShof) von 8jj—i0j( Uhr abend» in Köpenick, Rudowsrstr. bei Scheer.— Freie T urnertchaft, Rirdorf- ritz, I. Lehrlings-Adtb. von s\—10X Uhr Rixdorf, Knesebeckstr. bei Wierstng. Männer-Tnrnverein Eiche, Köpenick. Klein'» Hotel, WilhelmSplatz Knesebeckstr. UebungSstunden abend»»— 10 Uhr in Arbeiter-Ktrnographenverein Stall»", Lindenstr. 109 im Restaurant Fritz Zudeil. UebungSstunde s— it Uhr abend». Unterrichtsstunde jederzeit. Gäste erwünscht. Freie Perewigxn« der Händler und Händlerinnen. Heute Abend 9 Uhr im Restaurant Hoppe, Ackerstr. 176: Mitglieder-Versammlung. y>:.>.iÄ' v, "r r v•--«rv-sfy*'■*■•1 J 5•,' 17: r- iw••••. . y."•-■ ,r 1. �, 4". r. m"'... %'"r 'brrr- Warenhaus Ff. Pflügst& Co. Warenhaus No. 33 Königstrasse No> 33, Ecke Neue Frieclrgchstrasse dicht am Bahnhof Alexanderplatz. Dlniioon klU8 Iiellem u. äunlilemde�rueliten I�evantille. neue' Ve88!»8. vr. 8t. vü 1 1. I�evantille, neue'. 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Gr. Fraulsurterstr.lüü. Dir.(5. Weiss Sommerpreise: Parquet 1 M. Dorf und Stadt. Anfang 8 Uhr. Im Garten: Grobes Frei-Konzert. Anfang 6 Uhr.— Morgen geschlopen Sonntag zum ersten Male: Unsere Neichspost. Voltsstülk mit Gesang in 4 Akte» v. Kneisel. Musik v C. Schüler. Nachmittags 3 Uhr: Vine Nacht im Orpfteum.— Im Garten: Große Erüffnungs-Vorstellung. Nene Spezia- litüten. Volks- Theater St. Reichenbergrr- Strafte St. Son»mer- Saison. Abends 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr Auf ngeneil Mt». Geiangsposse v. P o h I n. W i l k e n, Musik von A. C o n r n d t. Bor der Vorstellung von 6V2 Uhr Sonntags 5 V2 Uhr: Garten-Konzert. R Iltlwe• Wochentags 30 Pf. bis 3 M. ülllUl. Sonntags 50 Pf. bis 3 M. Thalia-Theater. (vormals Adolph Vrnst-Theater) Tr-llk�. Schauspiel in 4 Auszügen nach dem gleichnam. Roman von G. du Maurier. Apollo-Theater und Konzert-Garten. Vollständig neues Programm Hm!) Uhr: üniuö auf Erden. Burlesk-phantastische Operette m. Tanz in l Alt von Balten-BückerS. Musil von Paul Lincke. In Szene geseht vom Direktor I. Glück. Auftreten des ausgezeichneten Humoristen Otto Reuiter mit feinen aktuellen selbstverfaßten Kouplets. KalsenLffnnng S'/z Uhr. Konzert 7 Uhr Anfaug der Borstellung 8 Uhr. OKA'IIKpt» im Mt-Alliailee-Thtattr Belle-Allianeestraße 7/8. Taglich: L V«»i->>>tvIInnxv»». Nachm. S Uhr und abends 8:/, Uhr: «.«mavl's Konstantinopel. Große orientalische Ausstattnngs- Pantomtme in v Bildern m. gr. Ballet. Im Garten: vraüi««» ttavteii-IionsEvrt. 7 Uhr: Auftr. Spezialitäten l. Ranges. St» de» S Psingsttagen: Morgens b Uhr: Gr. Warten-Konzert. gl/z Uhr: Auftr. v. Speziali- täten 1. Ranges. V. Koack's Theater Brunnen-Strapse 10. ErOfTiinn� der Sonuner- Saison am 6. Inn!(erster Pfingstfeiertag). Täglich: Ilo«Mvi-l, nnd So«»»laIItUt«n-Voi-stvI>»»K. Novität! Zum 1. Male: Novität! I>Ie Oli-vnsre«. Operette in l Akt von E. Felsch. Musik von Fritz Baielt. Jeden Sonntag. Montag. Dienstag uud Donnerstag im Saales äaU- Orosser Ball.-WU Concordia Vartötd-Theater _ Ilraiinenatr. 154. MM- Jeden Sonntag:-MM Grosse Theater- und Spexlali tüten- Vorstellung:. Immer neues Programm. Ansang 6 llhr. Entree 30, reserv. SO Pf. MM- Jeden Donnerstag:b H. lUclkc, Restaurateur. Pubimann's VaudeYille-Theater Schönhauser Allee 148. EWillTmxijf der Soninicr-Salson Sonntag, de» 6. Juni. Täglich: Konzert.Theater und Ball. Belclisgarten Frledenstrusse ÄO (&tte B ii s ch i 11 g st r a ss e). Täglich: Grosses Frei-Konzert. Die Kaffeekiiche ist täglich, auch Sonntags, von 3 Uhr ad geöffnet. _ H. Koslowsky. Ed. Wiersing's Restaurant, Garten ' und Ball-Salo». Kiiesebeckftr. 77, Hermannstr. 87. Jeden Sonntag im Garten: 8r. Suezinlitiittil-Borßellllllg bei freiem Entree. 1912L- lungen, Hochzeiten und bei Leichenzügen zur Verfügung. Für gute Speise» »nb Getränke ist bestens gesorgt. TRANSVAAL TRANSVAAL TRANSVAAL TRANSVAAL Ausstellung am Kurfürsten-Damm. Bahnstation:„üUvignyplata". 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