Einzelpreis 10 pfg. w n- im» Festtag« nur«»rgens üiroß- Berlin DU„Freiheit" erscheint morgens und nachmittags, Der Bezugspreis beträgt bei freier Zustellung ins�saus�r GroK--Serlin sowie bei direktem Postbezug obne Bestellgebühr monatlich 2!N.,�ei A�iellungumter Streifband 4 M Die„Freiheit" ist in den ersten Nachtrag der postzbitlDgs liste für j$X9 eingetragen� Kcbnftion: Berlin NW. 6. Schiffbau erdinnm 19 III. gernlprcchcr: Amt Rvrden 289S und 3696. Menö- Ausgabe Inserat« kosten die siebenzespalt. Nonpareillezeile oder deren Raum 7Spf„„Kleine Anzeige«� d« fettgedruckte lvort Z0 Pf., jedes weitere lvort Pf. Ceuerungszufchlag•/#, V«i Familien- und Versammlungsanzeigen fällt de? Zuschlag fort. Inserate für den darauf» Olgenden Tag müAen spätestens bis 5 Uhr nachmittags bei der Expedition aufgegeben sein. Expedition: Berlin NW. 6. Tchiffbanerdamm 19. Fernsprecher: Amt Norden 9768* berliner-Organ ber MabbämigmSofMbmwfmtie S>eutf(IMni>8 Jahrgang 2 Zreitag, öen 17. Januar 1�19 Nummer 31 Aach dem ord die LS Proleststrelk gegen dasöchreckensreglmenl Die Arbeiter und Arbeiterinnen zahlreicher Betriebe legten pestern die Arbeit nieder, um gegen daZ von Ebert-Schsidemann- VloSke geübte SchreckenZregiment Protest einzulegen. Auch viele Arbeiter, die zu den Mehrhcitssozcrlisten stehen, sind über die jetzigen Zustände empört und schlössen sich ihren Kollegen cm. Die Arbeiter und Angestellten der Deutschen Waffen- und Munition». fabriken Borsigwalde s Kugellagerwerk) beschlossen einstimmig den schärfsten Protest gegen die feigen Meuchelmörder, welche unsere langjährigen Vorkämpfer für Freiheit und Menschenrecht, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, bewußt und mit völliger lieber. legung gemordet haben, und versprechen, nicht eher zu ruhen und zu rasten, bis die so schändlich Ermordeten gerächt und unsere Ideal« verwirklicht worden sind. Als Zeichen der tiefsten Eni- rüftung und Empörung treten die gesamten Arbeiter und Aw- gestellten der genannten Werke in einen Proteststreik ein. Bon einem DemonstraticnSzug nimmt die Arbeiterschaft jedoch Abstand. Die Arbeiterschaft der Maximal-Apparate-Fabr-ik, Berlin SW. 61, Blücherstraß« 12, nimmt mit Entrüstung von dem fluchwürdigen Meuchelmord, welcher an der Genossin Frau Dr. Rosa Luxemburg und dem Genossen Herrn Dr. Karl Liebknecht in der grausamsten Weise verübt worden ist, Kenntnis. Die Arbeil« und Arbeiterinnen geloben, daß der Heldenmut dieser unersetzlichen Vorkämpfer des Sozialismus ihnen stets ein leuchtendes Vorbild bleiben wird. Diese Entschließung wurde mit Zustimmung der Mehrheit?» sozialisten beschlossen und einstimmig wurde auch der Eintritt m den Proteststreik gutgeheißen. Der Mziimut Zranlsmls gegen Die Regierung. AuS Frankfurt a. M. wird unS gemeldet: Die Exekutive des ArbeiterrateS Frankfurt a. M., zu gleichsn Teilen aus Mehrheitssozialisten und Unabhängigen zusammen- gesetzt, spricht in aller Offenheit und ernstester Stunde das fol» gende aus: Es ist unsere Ansicht, daß die R« i chs rie g i e r u n g eS bis heute unterlassen hat, diejenigen Aktionen entschlossen dorzu- nehmen, die vor der Einberufung der Nationalversammlung hätten geschehen müssen, um die Revolution zu sichern. E« war nötig, die Tätigkeit der Arbeiter- und Soidatenräte durchgreifend zu schützen, den reaktionären Geist in allen Verwaltungszweigen zu beseitigen, die Beschlüsse der Rätekonferenz sofort auszu» führen, mindestens die Verstaatlichung des Bergbaus einzuleiten, die Familienfideikommisse zu beseitigen, die Kronguter ein- zuziehen, ein Enteignungsrecht des Staates de» Groß- Grundbesitzes gegenüber festzulegen, die sozialen Grundrechte in der künftigen Verfassung als Grundgesetz zu proklamieren und den Staat Sgerichtshof ftir die Kriegsverbrecher zu errichten. Wir glauben, daß diese Unterlassungen der Reichsregierung dazu mitgewirkt haben, daß die blutigen Vorgänge in Berlin möglich geworden sind. Diese Unterlassungen werden es auch bewirken, daß, aller Voraussicht nach, wenn nicht mit aller Energie Einhalt geboten wird, das Schicksal der Revo- luiionindi'eHändeeinerbürgerlrchenMthrheit inderNationalversammlunggelegt sein wird. Die Räteregierung hat sich der Nationalversammlung gegenüber das Recht der Auflösung und des n o ch m a l'i g e n Appell» andaSdeutscheVolkzu wahren, wenn die Nationalversamm. lung die Ergebnisse der Revolution durch reaktionäre Beschlüsse zu beseitigen suchen sollte. Wir halten die jetzize Ncichsrcgierung nicht mehr für fähig, ihre durch die Revoluti-n geftcHte Ausgabe ,a ersüllen. Wir fordern ihren Rticktriit. Wir wollen eine Regierung, die im Geiste der Einigkeit zusammengesetzt ist auS Vertretern aller sozialistischen Gruppen, die aui dem Boden einer ge- meinsamen planvollen Aktion steht. Von dieser neuen Regierung erwarten wir di« sofortige Verwirklichung der ausge- sp rochen en Mindestforderungen. An alle Arbeiter- und Toldatenrä� Deutschlands ergeht der Ruf, den furchtbaren V v A r\r: A Ernst der Stunde zu erkennen und, bereit zu jedem Kampfe, die Revslutipn zu schützen. Arbeiterrat Frankfurt 9. SR. Der Zentralral„billigt-. Wolfs verbreitet einen kurzen Bericht über«ine gemein- same Besprechung zwischen Negierung und Zentralrat über die „durch den Tob Liebknecht» und der Frau Nosa Luxeenburg ge- schafsene Lage." Darin heißt eS: Der Zentralrat billigte ohne Einschränkung di« Haltung der Regierung, welche sofort gründliche Untersuchung angoord net und schärffte Bestrafung der etwaigen Schuldigen be- fohlen hat. Gor einem so offensichtlichen, scheußlichen Verbrochen reden diese fischblütigen Menschen von„etwaigen" Schuldigen. Aber«» liegt auf der Hand, weshalb sie so zaghaft reden. Sie fühlen zu gut den Teil der Schuld, den sie selbst an diesem scheußlichen Verbrechen tragen. Sie, die diese entmenschte, unaufgeklärte und verstockt« Soldateska nachk Berlin gerufen haben und ihr di« Macht über Leben und Tod wehrloser Bürger in die Hände gaben. Dag verhaftnngsfieber. In der Wohnung des Genossen Dr. Herzfeld erschienen gestern nachmittag ein Leutnant, ein Unteroffizier und sieben be- waffnete Soldaten und durchsuchten die Wohnung, ebenso Keller und Boden. Gefunden wurde nichts. Als die Durchsuchung fast beendet war, erschien Dr. Herzfeld selbst. Ihm erklärte 1er Leut- nant, er habe Auftrag, ihn zu verhaften, konnte aber keinen Ver- Haftbefehl vorweisen. Das Telephon wurde abgesperrt. Hcrzfcld wurde zu der Wache im Eden-Hotel geführt und von dort nach der Wacbe am Zoologischen Garten gebracht, erhielt dort aber von dem Offizier, einem Leutnant von P r i tz e l w i tz von der Garde-Kavallerie-Divisio», die Mitteilung, er sei entlassen. Ge- nosse Herzfeld bestand mit aller Entschiedenheit darauf, den Namen desjenigen zu erfahren, der den Auftrag zur Durchsuchung und Verhaftung gegeben habe und den Grund der Verbaftung. Nach einigem Zögern erklärte der Offizier, es sei der Division gemeldet worden, Herzseld habe mit Liebknecht telephoniert. Die Verhaftung und Durchsuchung seien auf Anordnung de» Oberbefehlshabers Noske erfolgt. Als Herzfeld die» für unglaublich hielt, meinte er, e» seien so viele Dlellen, man könne im einzelnen nicht wissen, wer den Befehl gegeben habe. Man ersieht aus dieser Schilderung, welche Willkür gegen�- wältig herrscht. Auch B e e r fe ld« ist verhaftet. Am Montag wurde et bereits vorübergehend inhaftiert, aber wieder freigelassen. Am Dien». tag verhaftete man ihn aufs neue. Mit ihm seine Frau. Als Grund wurde angegeben: Er soll« in Verbindung mit R a d e k gestanden haben. Bald wird jeder, der an der Revolution irgendwie tätigen Anteil genommen hat, in den Gefängnissen der»sozialistischen" Regierung Ebert-Scheidemonn die.Errungenschaften der Revo- lution" genießen können. Geueralstrelk in Cuxhaven? Hamburg, 16. Januar. AuS Cuxhaven wird berichtet, daß die Mehrheitssozialisten am Montag dem A.- und S.-Rat folgende Forderungen unterbreitet haben: 1. Sicherung der Wahl zur Nationalversammlung, 2. Aushebung de« Be- schlusseS des v.» und G.»Nate« betreffend die Republik Cuxhaven, 3. Neuwahl deS Arbeiter- und Soldatenrates. Ter telephonische und telcgraphische Verkehr mit Cuxhaven ist unterbrochen. Danach scheint der angekündigte allgemein« Ausstand durchgeführt worden zu sein. D« A.- und S.-Rat des Kreise» Jork wilt mit, daß ein Anschtuß an die Republik Cuxhaven weder erfolgt noch geplant ist. Ein Fetzen Papier. Wolff verbreitet um da?„völlig unberechtigte Mißtrauen gegen die im Gange befindlichen mililärischen Maßnahmen end- gültig au» der Welt zu schaffen" den Wortlaut der den Regie- rungstruppen abgenommenen„Berplichtung". Sie lautet: „Ich verpflichte mich, der deutschen sozialistischen demokrati- schen Republik mit allen Kräften und nach bestem Wissen als Soldat zu dienen Tie jetzige provisorische Regierung werde ich unbedingt schützen und sle unterstützen in der Aufrechterbaltung der Ruhe und Ordnung im Innern und an den Grenzen de» Reiches. Ich trete ein für ungestörte Nationalwahlen, den Schutz der Nationalverfanunlung und der von dieser beschlossene» Getede." Verwischung der Spuren. Wir wollen es gleich dentlich sagen: die U n t« r« s u ch u n g über die Ermordung Liebknechts und Luxemburg betrachten wir als eine freche Ver» h ö h n u n g. Eine nichtswürdige Zumutung ist es. di« Untersuchung einem Kriegs„aericht" zu übertragen, das natürlich n u r die Wahrheit zu tierhüllen und zu verwirren trachten wird. Aber auch zu irgend einem Gericht, daS diese Regierung einsetzt, haben wir nicht daS geringste Ver» trauen. Ties« Regierung ist willkürlicher, gesetzloser als se irgend eine Regierung in irgend einem Land zu irgend einer Zeit, Zudem ist sie gegenüber den Offizieren und der übrigen Reaktion, die sie beivafsnet hat, machtlos, auf deren Wohl memung angewiesen. Wir sind überzeugt, daß die Ebett, Scheidemann, Noske, Landsberg aus persönlichem und Fjrak» tionsinteresse alles daransetzen werden, um die Wahr- heit zu vertuschen. Wir kennen zu genau die Bru- talität und Skrupellosigkeit dieser Leute, die immer weiter sich von jedem sozialistischen, von, jedem menschlichen Empfinden entfernt haben. Die Verdrehnug und Vertuschung ist ja schon in vollem Gange. Wir erklären, wir haltm die amtliche Dar- stellung für vollkonimen erlogen, mit Ab» ficht und wider besseres Wissen erlogen. Nur ein paar Punkte: Liebknecht wurde bekanntlich un- mittelbar nach der V«rhaftiing im Auto schwer ver- letzt. Es ist fast sicher, daß dies durch einen Kolbenschlag aeschehc» ist. das heißt durch einen RegierungSsoldaten. Er war schwer verletzt. Dann fuhr das Auto in den Tiergarten und da gab es an einer an diesem Tage sehr wenig frequentierten Stelle eine Panne. Angeblich sollte die Reparatur längere Zeit in Anspruch nehmen. Das Selbstverständliche wäre, falls die Angabe wahr sein sollte, gewesen, einen De- gleitmann um ein Auto zu schicken. Das Selbstverständliche geschah nicht. Der Schwerverletzte sollte zu«fuß weitergehen. Es ist klar, daß das sehr unpraktisch war, ab- gesehen von der Grausamkeit. Denn er war sa dann sicher schwerer zu bewachen(das beweist auch der angebliche sfluchtversuch) und der Zug konnte größtes Aufsehen erregen. was doch zu vermeiden war. Deshalb gsauben wir von der ganzen Erzählung von dem sflucht- versuch kein Wort. Daß sie nicht wahr ist, beweist auch die Tatseche, daß Liebknecht von.vorn er- schössen worden ist. Wir fordern, daß die gerichtliche Obduktion durch einen hervorragenden und anständigen Sach- verständigen vorgenommen wer�e und daß bereits zu dieser Sektion sachverständige Aerzte. die die unabhängige und kom- niunistisclte Partei nominiert, zugezogen werden. Ebenso erlogen ist die amtliche Darstellung über die Er- mordung Rosa Luxemburgs. Es ist ganz lächerlich, daß die Soldaten nicht imstande gewesen sein sollten, sie zu schützen, eine dumme Ausrede ist die Erzählung von der angeblichen Kriegslist, von dem Mann, der mit der Pistole auf das Auto gesprungen sei und die Bewußtlose niederschoß, wobei noch zu bemerken wäre, daß ja letzt nur Regierungsmänner auf der Straße mit Waffe sich blicken lassen können, der Mörder also zu den Sicherheitsleuten des Noske gehören müßte. Voll- kommen unglaubwürdig ist vor allem die Behauptung, daß die Leiche von einer Volksmenge verschleppt und seitdem un- auffindbar sei. Einmal handelt eine Volksmenge nicht so. Sie schändet die Leiche, trampelt vielleicht auf ihr herum, läßt sie aber liegen. Hätte sie sie aber weggeschleppt, so mußten doch Leute der Begleitmannschaft da hinterhey laufen, also wissen, was mit der Leiche geschah. Die ganze Erzählung ist eben ein Märchen. Die Leiche ist verschleppt worden von denen, die ein Interesse hatten, die Spuren ihrer Tat zu verwischen, von den wirk- lichen Mördern. Und die sind aller Wahrscheinlichkeit neben der Bewußtlosen im Auto gesessen. Und nun ein neues Beweisstück, das wir erhielten, nach- dem das Obige geschrieben war. Ein Augenzeuge, ein Gast des Hotels, der nicht zur Partei'gehört, schreibt uns aui dem Eden- Lote U �d?e Darstellung von der Ermordung des Dr. Liebknecht und der Rosa Luxemburg ist absolut unzutreffend; die Beiden find Vorm Hotel gemeinem Mord durch die Soldaten gum Opfer gefallen; Offiziere haben die Soldaten ermuntert; Liebknecht ist mit dem Gewehrkolben beim Ein» steigen im Auto niedergeschlagen worden und brach beim zweiten Schlag sofort vollständig zusammen. Bon einer angesammelten Menge vorm Hotel kann keine Rede sein; eS war vollständig abgesperrt; als ich zehn Minuten vor der ersten Katastrophe gegen 1�11 Uhr ins Hotel gehen wollte, fragte ich einen der Ausweis verlangenden Posten, was denn eigentlich loS sei, worauf er mir mitteilte, man habe Liebknecht gefangen eingebracht und es sei beabsichtigt, ihn totzu- schlagen, ich nahm an, daß die Soldaten zum Schutze gegen den Mob das Hotel abgesperrt hätten; daß ich im Hotel Eden mit gemeinen Mordbuben unter einem Dach wohnen muß(nicht telephoniercn kann usw.), ist mir ein entsetzlicher Gedanke; bitte, helfen Sie der Wahrheit zum Durchbruch; nicht die Menge, dir Soldaten des Regiment» Reinhard sind dir Mörder. Nach dem Mord die Lüge! Mr aber fordern Wahr- h e i t I Sie kann nur festffestellt werden durch eine b e- lsondere U nie r s u ch u n« s ko m m i s sio n mit außerordentlichen Vollmachten, der Ver- treter der unabhängiaen und kommunistischen Partei angehören. Nur so kann die Wahrheit an den Tag kommen. Aber die Ebert, Scheidemann, Landsberg, Noske und ihre Herren, der Oberst Reinhard und die anderen Offiziere, haben die Wahrheit zu fürchten. Deshalb werden sie sich mit allen Mitteln dagegen stemmen. Aber das ist das G e- st ä n d n i». Eins Provokation. In der Wahlrede in Cassel, in der Herr Sch'eTd'e'- mann so gemütvoll gegen den toten Liebknecht und die tote Rosa Luxemburg forthetzt«, teilt« er auch mit, daß die Regierung beschlossen habe, die Friedensdelega- t i o n solle vom Grafen Brockdorff-Rantzau und ihm geführt werden. Ich, fuhr er wörtlich fort,„soll ganz besonders des- halb mitgehen, um aller Welt zu zeigen, daß ein neues Regiment in Deutschland besteht, ein sozialistisches und demokratisches Teutschland." Das ist doch eine Frechheit! Der Mann der Kriegs- Politik, der Preisgabe des Sozialismus, des Verrats an den internationalen Grundsätzen, der Sozialist des Kaisers, der Helfershelfer der Ludendorff-Politik, die er manchmal mit dem Maul bekämpfte und der er mit dep Händen stets die Milliarden bewilligte, der Mann, dem die gesamte Jnter- nationale mit Haß und Verachtung gegenübersteht, der soll als Repräsentant des sozialistischen und demokratischen Deutschland gelten! Nun, er wird höchstens gelten als der Repräsentant jenes Deutschland, in dem die Snbeldiktatur ersetzt wurde durch die Säbelanarchi« und der Belagerungszustand durch die Lynchjustiz. Wenn die famosen Bolksbeauftragten eine Spur von Takt hätten, wäre Scheidemann der letzte gewesen, den sie dem Ausland präsentieren durften. Und wenn sie etwas anderes als ihre elenden Fraktionsinteressen sehen könnten, wenn sie das Gcsamtinteresse Deutschlands wahren wollten, bsttftcn.' sie nicht den kompromittierten Mann fenfccri. Abri wriS ist dicfcii Lnrteri t>nrtschrS Jnvereffe, wksttztz-es mit ihren Personen, und Fraktionsinteressen in Widerspruch gerät. Nicht mehr als das sozialistische Jnter- esse, also gar nichts! telchevschöndung. Die„Deutsche Tageszeitung" beschimpft die Toten k Jede Möglichkeit, ihrem Ziel näher zu kommen, war ihnen recht; bar jeder inneren Hemmung, besaßen sie kein Unier- -scheidungsvermögen für gut und schlecht und wurden schließlich, wa« die gewaltige Mehrheit des Voltes in ihnen sah,«in- fache Verbrecher, denen auch die politische Aufmachung keine Jolie mehr verleihen konnte. Die„Deutsche Zeitung" lobt die Mörder: An seinem Ende trägt Liebknecht diealleinigeSchuld. Die Blutschuld, die Rosa Luxemburg auf sich geladen, schrie nach Vergeltung. Man hätte sie vor ein strenge-, aber ge- rechte» Gericht führen, vor ein soldatisches Standgericht, und e! war zweifellos, wie das Urteil ausfallen würde. Die Menge hat diesem Urteil vorgegriffen. Rosa Luxemburg ist wt. Da« Kolk empfindet gefühlsmäßig. Die„Tägliche Rundschau" jubelt: „Blut schrie nach Blut! Das Blutbad, das Liebknecht und Mosa Luxemburg angerichtet, v e r I a n g t e S ü h n e. Sie ist schnell eingetreten und war bei der Rosa Luxemburg grausam, aber gerecht. Man schlug die G a l i z i e r i n tot. Der WolkSzorn, übermächtig unti ungeheuerlich geworden, ver- langt« die Rache. Zu lange hatte die Regierung diesen beiden mit russisch-balschewistischem Gelde arbeitenden Agitatoren die Freiheit gelassen.—— Der Gerichtstag an Liebknecht und Rosa Luxemburg tst gewesen: Deutschland ha! Ruhe, eS atmet auf!" Mkschuldige. Warum konnte Rosa Luxemburg von einer Rotte auf- -gestachelt« Spießbürger mit Knütteln erschlagen werden? Weil die politisch ungeschulte Menge über das Wollen und Wirken dieser Frau völlig falsch unterrichtet ist. Weil feige De- magogen, bewußte Verleumder und verblendete Wirrköpfe, die einst mit Rosa Luxemburg auf der gleichen Bank saßen, kleiner Parteigeschäfle wegen, wider besseres Wissen aus der Kommu- »isnschen Bewegung einen Popanz, einen schwarzen Mann für die deutsche politische Kinderstube machten. Sie haben der bürger- lichen Pressemeute das Stichwort zugerufen, unp sie wiederholen ti täglich. Ihr Rachedurst ist ungestillt. Sie Hetzen weiter I Ein Flugblatt der Sozialdemokratischen Partei, das gestern auf den Straßen verteilt wurde, will die Bevölkerung aufklären über die Frage: Was wollen die Parteien? Darin heißt ei: Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei— das gefügige Werkzeug der berüchtigten Spartakusrotte— will nicht Freiheit und Selbst- bestimmungsrecht deS ganzen Volke«, sondern kämpft für die skrupellose Gewaltherrschaft terroristischer Minderheiten. Opfer sind gefallen, unerhört. Doch nicht genug damit. Während die Arbeiterschaft die Einigung der Massen zur ge- schloffenen Front erstrebt, und fieberhaft lätig ist, um das Ziel zu erreichen, wandelt die sozialdemokratische Partei weiter den Usad der Verleumdung. Die Wahrheit taugt nicht für sie. Sie hat den Ehrenschrld der sozialistischen Internationale mit Schmach bedeckt durch ihre Mitschuld am Weltkrieg, sie besudelt ihn mit Blut durch die Mitschuld am Doppelmord vom 16. Januar. «Ueberlrlebene Gerüchle". Wolfs meldet aus Königsberg: Während bis vor kurzem die Gefahr des Vordringens der Bolschewikitruppen gegen Ostpreußen unterschätzt wurde, werden neuerdings auS durchsichtigen Gründen von russischer Seite übertriebene Gerüchte üb« angeb- liche M-illimrenheere verbreitet, die gegen unsere Grenzen mar- schieren sollen. Davon ist kein? Rede. Die Linie Riga— Dünaburg— Wilna ist im ganzen von höchstens 50000 Mann bolschewistischer Truppen überschritten worden. Eine wesentliche Verstärkung dieser Truppen ist vorerst unmöglich, solange die Sowjetvegierung an den verschiedensten Fronten um ihr Bestehen kämpfen muh. Von wem stammen diese„übertriebenen Gerüchte"? Wölfs selbst hat Deutschland mit Alasmnachrtchten überschwemmt. Jetzt mutz man die Angst, die man„amtlich" erregt hat, wieder beschwichtigen. kandidalenlifle der 11.3.13. (Unabhängige SoMsmolralisÄe Varlei) für die Uationalwahleu am IS. Zammr MS. Wahlkreis Berlin. 1. Cmil Eichhorn. 2. Hugo Haase. 3. Gustav Laukant. 4. Luise Zieh. 5. Richard Herbst. 6. Margarete Wengels. 7. Dr. Hermann Weyl. 8. Dr. Siegfried Weinberg. 9. Agnes Fahrenwald. 19. Hermann Müller. 11. Alfted Schwahn. 12. Hermann Clajus. 13. Karl Siegle. 14. Wilhelm Thiel. Wie es gemachl wird. Unter dieser Ueberschrist bringt der„Vorwärts" in Nr. 24 vom 15. Januar ein« Notiz, die sich gegen die Protestkundgebung der Arbeiterschaft der Brauerei Engelhardt wendet. Hierzu wird uns erklärt: 1. Di« eventuelle Beteiligung am Generalstreik war für jeden, mit Ausnahm« einiger Ueberängstlicher, eine Selbst. Verständlichkeit. 2. Die«VorwärtS"-Notiz ist nicht von sämtlichen Ber- trauenSleuten deS Betriebs, sondern nur von einigen Ver- trauenSleuten des TranSporiarbeiterverbande» veranlaßt worden, anscheinend auf besonderen Wunsch ihrer Gewerkschaft. 3. Ein Arbciterausschuß, der auch nur den Namen eine? solchen verdiente, besteht bis heute nicht>und hat noch nicht be- standen— ohne unsere Schuld. 4. Ein Arbeiterrat des Betriebes besteht bis heute ebenfalls noch nicht. Die„VorwärtS"-Notiz soll nur dazu dienen, unter den Kollegen Verwirrung und Zersplitterung hervorzurufen. Der Zweck wird sich als verfehlt erweisen. A. Neumann(U. S. P.)< Fr. Mehlein(lt. S. P.), Paul Rauttmann(S. P. D.). AusftUt der Unabhängigen aus der Regierung Sachsens. Die unabhängigen Minister Fleißner, Geher und L i p i n S k i haben unter energischem Protest gegen die Willkür Und Gewaltherrschaft der Leiter deS Dresdener Arbeiter- und SoldatenratS, die von den rechtssozialistischen Ministern gestützt wurde, ihre Aemter niedergelegt. Dies« Verschärfüng der Gegensätze ist dt« Folg« der Tatsache. daß auch in Sachsen die Rechtssozialisten ihre zweideutige Hai- tung zur Weiterführung der Revolution nicht aufzugeben ver- mochten. Die Lozialisierung des Lergbaus. Essen, 16. Januar. Der A.- und S.-Rat Essen schreibt zur Sozialisierung des Bergbaues u.a.: Die Geschäftsführung des BcrgbauvcrcinS od« des Zechen- Verbandes ist nicht im geringsten angetastet, ebensowenig die Ein- ficht in die Bücher deS BergbauvereinS oder des Zechenverbandes gefordert worden. Die Behauptung des BergbauvereinS, daß die Einsetzung der Zentralkommission eine Maßnahme des Essener A.- und S.-Rates allein sei, ist gleichfalls den Tatsachen nicht ent- sprechend, sondern sie ist«folgt auf Veranlassung des A.- und S.-RateS Essen auf der am 3. Januar tagenden Konferenz sämt» licher A.» und S.-Rät« des rheinisch-westfälischen Jndustriebezirks, der Vertreter und der Generalkommission der den freien Gewerk- schaften angeschlossenen Berufsorganisationen, der christlichen Gewerkschaften und der Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, d« polnischen BerusSvcreine, der syndikalistischen Verbände, der Ver- treter der drei sozialistischen Parteigruppen unter Mitwirkung des Regierungskommissars H u e und deS Unterstaatssekretärs G i e s be r t s, die einstimmig die vom A.- und S.-Rat Essen vor- gesehenen Maßnahmen gutgeheißen haben. Der Oberbürgermeister Dr. L u t h e r, der Abgeordnete H u e, Generalsekretär Tengelmann und Herr von und zu Löwenstei» wurden heute abend durch den BolkS-beaustragten WissM nach Berlin berufen, wo morgen vormittag eine Sitzung über die Frage der Sozialis erung des Bergbaues mit dem vom A.- und S.-Rat des rheinisch-westfälischen Jndustriebezirks ernannten Volkskommissar für den Bergbau stattfindet. Bolilische Aachrichlen. Frau Ledebour protestiert in einem Schreiben an uns da- legen, baß in einer Resolution der Arbeitersck)aft der Firma, zwie-tusch unter den.kompromittierten" Führern, veren Rücktritts verlangt wird, auch der Name ihre« Manne» geS$iitftoft6,l6Äii denen Eberts und Scheidemanns. �' Auch wir meinen, daß besonders nach den letzten Vorgängen der Name Ledebours nicht mit denen eines Ebert oder Scheid� mann zusammen genannt werden darf. Sitzung des Mzugsrales. Der Vollzugsrat von Groß-Berlin hielt am Donners» tag, den 16. d. M., eine Sitzung ab, in der die Richtlinien beraten wurden, die der am Freitag, den 17. d. M., statt- findenden Vollversammlung der Arbeiterräte zur Beschluß- fassung vorgelegt werden sollen. Um die im Verkehrswesen unhaltbaren Zu- stände zu beseitigen, wurde folgender Beschluß gefaßt: „Die Groß-Berliner Straßenbahngesellschaft sowie die Hoch- und Untergrundbahn haben in den letzten Jahren hohe Rein» gewinne erzielt. Die Verkehrsverhältnisse sind aber von Jahr zu Jahr schlechter geworden, die Transportmittel befinden sich in völlig verwahrlostem Zustande. Mit der Arbeitskraft des angestellten Personals, besonder? der Frauen, wird Raubbau ge» trieben. Nichtsdestoweniger haben die genannten Verkehr», anstalten durch mehrfache Tariferhöhungen der Berliner Be» völkeruug erhebliche Lasten auferlegt und sich selbst hohe Ge» Winne zugesichert. Unter Berufung auf die letzten Lohnbewegungen ihre? Per- sonals stellen die Groß-Berliner Straßenbahngesellschaft und di« Hoch- und Untergrundbahn«Ine neue Tariferhöhung in kurzer Frist in Aussicht. Um dieser forigesetz'en Belastung der Ber- iiner Bevölkerung, der auf diese Weise die Verkehrsmöglichkeite» immer mehr und mebr erschwert werden, ein Ende zu machen, wird dsr Antrag gestellt! „Der Vcllzu�srat beauftragt seinen kommunalen AuS- schuß, aus das schnellste vorbereitende Schritte zu tun. die Große Berliner Straßenbahn und die Hoch- und Untergrund» bahn in das Eigentum der Kommunen zu überführen, unter demokratischer Kontrolle der Kommunalbehörden und den zu» ständigen Instanzen der A.- und S-Räte zu stellev." In einer schon am Mittwoch stattgefunbenen Sitzung wurden die gegenwärtigen Zustände in Berlin und die damit zusammenbängenden Verhaftungen er- örtert und eine Kommission beauftradt, mit dem Zentralrat bei dem Rat der Volksbeauftragten aus eine energische Ab- Hilfe hinzuwirken. Hierzu lag außerdem folgender Beschluß der Soldatenrats-Versammlung vor, die am 15. 1. im Abgeordnetenhaus tagte: „Der Vollzuasrat wird beauftragt, sofort mit dem Ober- befehlshaber Noske in Verbindung zu treten, um die poli» tischen und militärischen Verhältnisse in Berlin zu klären. Insbesondere die Stellung der heran- gezogenen Truppen und ihrer Führer zur Garnison und den Soldatenräten. Der nächsten Vollsitzung der Svldatenrät« sind bestimmte Vorschläge zur Regelung der Kommandanturverhält» nisse zu machen." Der Vollzugsrat schloß sich diesem Antrage an. Gegen die Tatsache, daß von den Regierungstruppen jeder Bürger auf der Straße sich einer Leibesvisitation unterziehen muß, wurde p r o t e st i e r t und Abhilfe gefordert. Achluag! Wähler uud Wätzleriunen! Die am S o n n t a g, den 19. b. Mts. von morgenS 9Uhr bis abends 8Uhr stattfindende Wahl zu der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung stoßt auf große Schwierigkeiten, da nicht genügend Wahllokale vorhanden sind, um die große Anzahl der Wähler glatt ab- fertigen zu können. Zur glatten und schnellen Abwickelung des Wahl» gcschästcs müssen Wähler und Wählerinnen in ihrem eigenen Interesse dringend ersucht werden» in den Wahllokalen so früh wie irgend möglich zu erscheinen und sich das Warte» nicht verdrießen zu lassen. Weiter ist zur leichteren und schnelleren Abfertigung der Wählerschaft dringend geboten, Ausweise(Steuer- quittung, Mietskontrakt, Taufschein usw.) mitzubringen und möglichst familienweise zu erscheinen. Sonst würde es un- vermeidlich sein, daß am Schlüsse der Abstimmung hunderte Personen unabgefertigt bleibent Hinsichtlich der nach dem 6. Januar aus dem Felde zurückgekehrten und inzwischen hierher kommandierten Militärpersonen wird nochmals dar- auf hingewiesen, daß sie ihr Wahlrecht ohne Eintragung in die Wählerliste nur dann ausüben dürfen, wenn sie mit einer von der zuständigen Stelle ausgestellten Bescheinigung im Wahllokale erscheinen. Die Bescheinigung ist dem Wahlvorsteher abzugeben Beschlagnahme spartakistischer Druckschriften. Donnerstag abend gegen 7 Uhr erschienen in der Druckeret von Otto Godemann, Dresdener Straße 31/35, ein Major in Begleitung von zwei Leutnants, einem Feldwebel, einem Unteroffizier und 6— 8 Mann(letztere mit Stahlhelm, Hand- granaten, Revolvern und Gewehren ausgerüstet). Unter vor- gehaltencick Revolver wurde von dem Trucker die Herausgab« der von ihm gcdrucklen Flugblätter verlangt. Diese wurde» dann beschlagnahmt, ebenso die bekannte Broschüre:„WaS will der Spartakusbund?" Dann wurde der Drucker gezwungen, von einer noch nicht gedruckten anderen Broschüre Abzüge zu machen. Er verlangte vorher die Verfügung, r»; Grund deren gegen ihn eingeschritten wurde, zu sehen. Diese lautete nur auf Beschlagnahme eines Flugblattes über den Tod Liebknechts und war von der Kommandantur dem 3. Garde-Schützenbataillon zur Ausführung übergeben worden. Als der Drucker einwandte, daß diele Verfügung nicht zur BelcTlagnabme' anderer Flugblätter und Broschüren berechtiae, ließ sich der Major mit der Komman- dantur telcphoni'ch verbinden und erklärt: dann, daß er Befehl habe, sämtliche vorgefundenen Druckschriften zu beschlag- nahmen und die Platten zu vernichten, waZ dann auch geschah. Auch die Privatwohnuug des Druckers wurde durchsucht, wo aber Nicht? Verdächtiges gefunden wurde. Sttrik im OpcruhanS. Am Donnerstag abend mußte di« ,.Lohengrin"-Vorstellung im Opernhaus ausfallen, da daS Elwr- personal plötzlich in den Streit trat. Trotz der geringen Gehälter — Herren beziehen ein Höchstgehalt von rund 360 M.. Damen von etwa 250 M.(einschließlich Teueningszulage)— soll, wie uns mit- geteilt wird, keine Vesjerung der Verhältnisse zu erreichen gewesen sein. Das Personal stellte deshalb am Freitag abind den Dienst ein. Verantwortlich für die NedaKtion: A l sr e d W l» l e p p, Neukölln.— Druck der Lindendiuckerei und Berlagsgelellschaft m. b. H., Echiffbaiuldam» IL.