Nr. 130. Kbomtment«- Kedwgungrni «bonnementZ-Pret» pränum«rand»i VierteljShrl. ZM Mk., monatl- 1,10 Mk., «öchexlltch 28 Pfg. srei in« Haut. Einzeln« Nummer 5 Pfg. Sonntag«» Nummer mir tllustrirler Sonntag«, Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«» Preisliste für IS»? unter Er. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inslrlwns- Gebühr stelrügi für die sech«gespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum U> Pfg., für Verein«- und Versammlungi-Anzetgen, sowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserat« für die nächste Nummer müssen bis » Uhr nachmittag» in der Erpedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi« S Uhr vormittag« geöffnet. Erfcheini iiigljch allster Wonlag». Berliner Volksblnkk. Fernsprecher: Nml I, Er. 1B08. Telegramm-Adresse: »»ozialdemokral Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: 8V. 19. Meuiy-Straße 2. Sonntag, den 6. Juni � ßLpeditio»: SW.IÖ, Nettth-Strnße 3; f i tt q H« n. Uud wieder seiern die Christen Pfingsten. Pfingsten ist der Tag, an dem nach der Glaubenslehre Gott selbst seinen Geist— den Heiligen Geist— über die Jünger ausgegossen hat, wonach sie, in solcher Weise von Gott begnadet, in alle Welt hinauszogen, mit feurigen Zungen das Evangelium predigten uud überall, wohin sie kamen, den alten heidnischen Geist vertrieben, um den h e i l i g e n G e i st an dessen Stelle zu setzen. Das Unternehmen hat Erfolg gehabt. Die Kulturvölker haben längst das Christenthum angenommen. Das Christen thum ist Slaatsreligion geworden. Alles was geschieht, gt schieht' heute im Namen, oder doch— wenigstens behauptet man dies— im Geiste des Cbristenthums. Von der Re» gierung herab bis zu den simpel» Alltagsgeschäften der Staats bürger ist alles christlich; und jeder honnette Bourgeois würde widersprechen, wenn man von seiner Handlungsw« behaupten wollte, sie sei mit christlichen Grundsätzen nicht zu vereinbaren. Diejenigen aber, die etwa solche Behauptung aufstellen; diejenigen ferner, die unter der heutigen ungerechten Bertheilung der Güter leiden und die Gesellschaftsordnung in höhere und edlere Formen überführen wollen; die auch an die Sitten der herrschenden Gesellschaft den Maßstab ge rechter Kritik anlegen— gegen alle diese führt man einen Vernichtungskrieg. Mail bekämpft sie im Namen der eben kritisirten Ordnung und Sittlichkeit, im Namen desselben Christenthums, von dem eben behauptet worden ist, daß es viele seiner Vertreter in ein äußerliches, heuchlerisches, pharisäerhaftes Scheiu-Chrifteuthum hcrabgezerrt haben, daß die herrschende Gesellschaft nicht von irgend ivelchem Heiligen Geist, nicht einmal von einem ehrlichen heidnischen Geiste beseelt, sondern von dem Geiste der Herrschsucht, der Habsucht und der niedrigsten, schmutzigsten Korruption zerfressen ist. Heute, am Pfingsttage, wird nun in allen Kirchen von der Ausbreitung des Heiligen Geistes über die Menschheit ge predigt, und von allen Kanzeln wird verkündet, wie dos Christenthum überall, wo es angenommen worden ist, menschlich edle Gesinnung, wahre Kultur, Nächstenliebe und Duldsamkeit verbreitet habe. Da liegt es wohl nahe, einige kritische Blicke auf die Ereignisse der letzten Tage zu werfen, um womöglich die Bestätigung für alle diese vom christlichen Geist aus- geströmten segensreichen Folgen zu finden. Da ist das noch immer auf der Tagesordnung stehende Vereinsgesetz. Es nimmt sich für die Behörden das Recht heraus, die Versammlungen der lieben Nächsten auseinander zu treiben. Wer giebt den Leuten dieses Recht? Schöpfen sie es etwa aus dem Gebot der christlichen Demuth? Da ist dieser Herr v. Stumm, bei dem uns immer das Wort von dem Kameel einfällt, daß leichter durch ein Nadelöhr gehen werde, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme. Er hat im Hcrrenhause eine Rede gehalten, in der er sich darüber aufregt, daß eine Zeitung geschrieben habe, die Majestätsbeleidigungen seien keine natürliche, ursprüngliche Sünde, sondern würden erst durch das Gesetz dazu gemacht. Herr v. Stumm hält die Majestäts- beleidigung für die größte aller Sünden, die schwer destraft werden müsse,— und doch hat Christus gepredigt:»Liebet Eure Feinde? segnet, die Euch fluchen; thut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und ver- folgen." Da ist der große Prozeß gegen Herrn v. Tausch, den wir ja noch an anderer Stelle dieser Nummer ausführlich be- sprechen uud daher hier nur kurz streifen können,—- trotzdem gerade er zu unserm Thema reiche Ausbeute liefern würde. Denn, daß sich die dort aufgetretenen Personen in ihrem Leben, ihren Meinungen und Thaten vom heiligen Geist des Christenthums hätten leiten lassen, daß wird wohl von niemand behauptet werden.— Zuerst Herr von Tausch selbst mit seinen dunkeln amtlichen und außeramtlichen Ge- schäften. Frentde Leute in ihrer Hantirung heimlich zu beschnüffeln, das ist ganz gewiß keine Thätigkeit im Dienste des Evangeliums, es ist sogar positiv unanständig. Aber allerdings ist Herr v. Tausch nicht der einzige Mann, der solches Gewerbe treibt; ganze Systeme bauen sich darauf auf.- Da sind die Werkzeuge und Agenten dieses freigesprochenen Ehren» mannes. Wie der Herr, so der Knecht. Sie sind jedenfalls nicht schlechter, als ihr Meister.— Wir erwähnen noch jene Journalisten, die sanft wie die Tauben und klug wie die Schlangen über eben beendete vertrauliche Gespräche sichere Notizen machen; oder sich, wie Herr Viktor Schweinburg, von Großindustriellen jährlich 12 000 Mark dafür zahlen lassen, daß sie allwöchentlich aus dem Hinterhalt gegen die Arbeiterpartei, die ehrlichste und anständigste, das Gift ihrer Verleumdung verspritzen.— Alles Musterchristen! Auch dem allerueuesten Tagesgespräch auf deni politischen Wochenmarkt, daß Herr v. Marschall, der das ganze Wespen» «est aufgestochen hat, jetzt gehen muß, läßt sich gewiß noch eine chrtslticke Seite abgewinnen; besonders aber der That- fache, daß Herr v. Tirpitz auf der Bildfläche erschienen ist, der Mann, der die schwimmenden Festungen für den Seekrieg »ins uferlose" vermehren will. Sagt doch Christus so schön: „Wer mit dem Schwert tödtet, soll durch das Schiverl um- kommen." Doch genug des gransamen Spiels! Gebracht haben uns die letzten Tage und Wochen genug des Jntereffanten, wohl auch des Sensationellen. Ob eS auch ebenso viel Bei- spiele und Beweise dafür waren. daß der Heilige Geist des Christcuthums die Welt regiert?— Wir berufen uns sonst bei unserer Kritik der herrschenden Zustände nicht gerade gern auf das Christenthum. Aber gelegentlich ist es doch ganz gut, einmal darauf hinzuweisen, wie wenig die Zustände jener Gesellschaft, deren Tonangeber alleS verfrommen und verchrist- lichen wollen, niit de»n Christenthum selbst gemein haben. Uud auch nach der Seite der frommen Herren iui schwarzen Talar bin kann solche Zusammenstellung heilsam sein. Lasen wir da jüngst in einem vom Konsistorium augeordneten Pfingstgebet: „Das Evangelium des Fleisches, durch eine falsche Welt- Weisheit genährt, hat das Herz unseres Volkes in tauseuden seiner Kinder vergiftet, und ein Geist genußsüchtiger Weltseligkeit, der von einem irdischen Paradies und einer Freiheit ohne Erlösung träunit, ein Geist der Unbotmäßigkeit und des Aufruhrs, der von keiner Autorität im Himmel und darum auch von keiner Autorität auf Erden weiß und alle Bande der Treue zerreißt, ein Geist mnthwillig aufgestachelter Begehrlichkeit und Unzn- friedeuheit geht mit finsterer Macht durch unser Volk und rüttelt an den Grundlagen aller christlichen Gesittung, alles bürgerlichen Friedens." Uns dünkt, die fronlmen Herren könnten nach unseren obigen Andeutungen eme nützlichere Arbeit finden, als gerade den Arbeitern bei ihrem Befreiungsstreben in den Arm zu fallen. Aber freilich: die Herren werden wohl am besten wissen, wozu sie engagirt sind. Schrieb doch der alte Fritz einmal an einen rcvoltirenden Freigeist: „Er ist ein Narr oder Anarchist, und wenn er dergleichen Sachen unter das gemeine Volk verbreitet, so lasse ich ihn einsperren; der Teufel würde in die Leute fahren, wenn sie nicht mehr in die Kirche gingen und die Gebote Gottes hielten. Wenn sie an einen Ober.Kaiser über Himmel und Erde nicht mehr glauben, ihm den Gehorsam aufkünden, vor der schwarzen Livree seiner Leibdiener, der Pfaffen, keinen Respekt mehr haben, werden sie mich dann noch für seinen Geuerallieutenant und Ober-Kommandanten, den er über Preußen gesetzt, ansehen, für mich schwitzen und sich todtschießen lassen?" *« Pfingsten ist gekommen, das Fest des blühenden Sommers. Pfingsten auch für uns! Gegen all die Miasmen, die den Sümpfen entstiegen, in denen jetzt wochenlang hcrnmgepatscht wurde, gegen das Anthropotoxin, das heißt Menschengift, daS den Parlaments- und Gcrichtssälcn entströmte, giebt es ein gutes Mittel:„Die Flucht in die Oeffentlichkeit!"— Hinaus mit Weib und Kind uud Freund in die lachende freie Natur! Da singen die Vögel, da duften die Blumen, da blühen und grünen Bäume und Sträucher. Da umweht uns wieder reine und gesunde Luft. Da gehören wir wieder uns selbst. Denken wir auch wieder an uns selbst: an unsere Wünsche und Bestrebungen, unser edles, reines Ideal; aber auch an die Arbeit, die bis zur Erfüllung noch gethan werden niuß.— Wenn wir uns dann die Hand reichen zum treuen Bunde, zur treuen Kampfgeuossenschafl für unsere Ziele: dann verspüren auch wir einen Hauch des„Heiligen Geistes". Aber es ist nicht der, der heute in den Kirchen gepredigt wird,— und soll es auch nicht sein. Fröhliche Pfingsten! A cmkrokk der polikifchen BoNzvi. So charakterisirtcn zwei bürgerliche Rechtsanwälte vorgestern vor den Schranken des Gerichtshofes das Ergebniß des Tausch- Prozesses. Und so sehr stand der sonst so teiuperamentvolle und schneidige erste Vertreter der k. Staats- anwaltschaft unter dem niederschmetternden Eindruck der Ent- hüllungen über das schamlose und verbrecherische Treiben, das die Prozeßverhandlungen an da? breitere Tageslicht des Gerichtssaales gerückt hatten, daß er darauf nur mit dem matten Einwände zu erwidern wußte: Ich hätte gewünscht, daß man nicht ohne Grund auS dem Verhalten ein- zelner Beamten Angriffe gegen ganze Behörden herleiten würde! DaS ist sonst nicht preußische Art, auf derartige Anklagen so zu antworten. Vor wenigen Jahren noch wurde Jhring. Mahlow, als ihm im Gerichtssaale und im Parlament ähnliche Praktiken nachgewiesen wurden, auf persönliche Vorstellung des Polizei- Ministers Puttkamer vom Kaiser Wilhelm I. die„ekla- t a n t e G e n u g t h u u n g' des allgemeinen Ehrenzeichens verliehen, und wer damals so unvorsichtig gewesen wäre, die allgemeine Schlußsolgerung der Bankrotterklärung der politischen Polizei daraus zu ziehen, dem wäre es übel ergangen, obgleich Jhring-Mahlow seine rechte Bedeutung erst durch die Schröder- Ehrenberg.Hanpt und Konsorten erhielt. Und was noch schlimmer für die Regierung ist: in der öffentlichen Meinung behält nicht der Staatsanwalt, sondern die allgemeine Verurtheilung der beiden Rechtsanwälte recht, die nur an hervorragender Stelle aussprachen, was alle Welt allerorts dachte und sagte. Gewiß hat der Staatsanwalt anscheinend recht: es stand nur ein einzelner Beamter unter Anklage, wenn man will, nur eine Abtheilung des vielarmigen Polypen politische Polizei. Aber sind die enthüllten und sogar vom Staatsanwalt ge» rügten verbrecherischen Praktiken nur ans Herrn v. Tausch und Herrn v. Lützow beschränkt? Ist in den anderen Abthei- luugen der politischen Polizei eine andere Praxis als in der der Presse? Arbeitete man blos in der Abtheilung des Herrn v. Tausch mit solchen Mitteln und solchen Agenten? Oder hat nicht vielmehr v. Tausch das Agenten wesen ganz allgemein charakterisirt? Und sind nicht der Polizeipräsident v. Windheim, sein Stellvertreter v. Fried- heim, sein Chef Herr Gcheimrath Muhl zur Entschuldigung und Entlastung des Herrn v.Tausch aufgetreten und haben unter ihrem Eide bestätigt, daß eben der U n s a u b e r k e i t der Agenten wegen allgemein der Name des Agenten nud die Art seiner T h ä ti g k e i t den oberen Beamten verschwiegen werde, um diese nicht in Verlegenheit und unter Verantwortung zu bringen! Man weiß und fürchtet also, daß unsaubere, unehrliche, ja ungesetzliche Praktiken geübt werden— daher die Tarnkappe der Anonymität, der falschen Quittungen, das Blinde- kuhfpiel auf dem Alexanderplatz! Und ist nicht aus dem Munde des vielgewandten und vielverwandten Lützow— unter Bestätigung seines Ver- theidigers— das bedeutsame Wort gefallen: die ent- ehrend st en und i n f a m i r e n d st e n Aufträge seien ihm nicht mal v. Herrn v. Tausch zugeniuthet worden, diesen habe er sich für eine ganz andere Abtheilnng unterziehen müssen! Nein— die Auffassung des Oberstaatsanwalts wird deshalb Unglauben begegnen, weil allgemein die Ueberzengung durchgedrungen ist: nicht einigen schlechten, schwankenden Charaktereigenschaften einzelner Beamten sind diese korrupten Praktiken geschuldet, sondern der Institution, den Grundlagen, auf denen die politische Polizei aufgebaut ist— uud sprechen wir es ruhig aus: aufgebaut sein muß, weil es für diese Thätigkeit keine andere Grundlage giebt, wenn anders sie ihre verfehlten Zwecke erreichen soll.„Anständige Leute schreiben nicht für niich", soll Bismarck einst in frivoler Selbstironie gesagt haben; daß anständige Leute nicht für die politische Polizei arbeiten, das weiß alle Welt und niemand besser als die Polizei. Noch schärfer als das allgemeine Urtheil der Vertheidiger hat der Gcrichlshof selber die politische Polizei vernrtheilt in der Begründung des Urtheils gegen Lützow: daß der An- geklagte für die Polizei unter Umständen thätig gewesen ist, die es schwer, wenn nicht unmöglich machen, die e h r e n h a s t e Gesinnung in ihrer ursprünglichen Reinheit zu bewahren! War es nicht der Präsident, der im Zorne auSries: I e d e r a n st ä n d i g e Mensch müsse sich dieses Treibens schämen! Und: Wenn wir die Polizei nicht strafen können wegen dieses groben Unfugs(der falschen Quittungen), dann niüssen wir die einzelnen Thäter strafen! Es liegt uns natürlich ferne, bestreiten zu wollen, daß einzelne Beamten Verfehlungen sich zu schulden kommen ließen! Der Staatsanwalt Dr. Eger war es ja selber, der gegen v. Tausch's Faktotum, den Wachtmeister Beck das Verdammuugsurtheil aussprach:»Ich bin ganz und gar nicht der Meinung, daß dieser Beamte seine Pflicht gethan hat", als der schneidige Wachtmeister dem Präsidenten ungenirt— und unserer Auffassung nach mit Recht— ins Gesicht sagte: er habe die Verhaftung und BeHaussuchung des Agenten Lützow für eine Komödie gehalten. Wäre man boshaft, köitnte man vielleicht fragen, ob das die e r st e und letzt« »Komödie" war, was er so nennt! Soll man von Mauderode, diesem bis in die letzten Tage als Muster der Pflichttreue und Ehrenhaftigkeit gerühmten Beamten,»och sprechen, nachdem auf ihn die Mitschuld für die Gaunereien des Normann-Schumann abgeladen ist? Ihm die Untcrschriftfälschung des Grafen Carmer, die Verleitung zum Diebstahl und die„Komödie" der Untersuchung wider Lützoiv aufgebürdet wurde? War es nicht v. Tausch selber, der da sagte: der P o l i z e i, Präsident v. Richthofen habe die Entlassung des tüchtigsten und unsaubersten Agenten Norm a n n- Schumann auch dann noch abgelehnt, als das Aus- w ä r t i g e Amt sie verlangt hatte unter Beifügung der Beweise, daß er in frechster Weise gegen den Kanzler und die Reichsrcgierung hetzte? Und haben wir nicht das Erstaunen des Gerichtspräsidenten darüber gehört, daß der Polizei- Präsident dent Agenten geradezu einen Freibrief aus- stellte für Beschimpfung des Auswärtigen Amtes durch di« Beschränkung des Hetz- und Verleumdungs-Verbotes auf den Minister v. E u l e n b u r g? Hat nicht Polizeikommiffar Schöne selber an össent« licher Gerichtsstelle sich gerühmt, er habe eine ihm in seiner amtlichen Eigenschaft bei Ausübung seiner Amtspflicht, bekannt gewordene Thatsache in die anti- semitische„Deutsche Tages-Zeitung" gebracht, um den betr. Redakteur zu diskreditiren! Und wollten wir erst auf die Infamien eingehen, die v. Lützoiv vorgebracht, man müßte ein Buch schreiben, nicht einen flüchtigen Zeitungsartikel! Von E h r e n- T a u s ch erst recht nicht zu reden, der mit staunenswerther Unverfrorenheit die Opfer anpumpt, die er von seinen Hetzhunden umstellen läßt und dann mit dem ganzen Bettelstolz des hcrabgekommeuen Adligen sich sagt: Ter Kerl hat mir ja nur einen einzigen Wechsel eingelöst, oder: der Jude hat mir ja garnichts geborgt! Es ist freilich ein ganz besonderes Pech, daß gerade diese« biedere, edle, treue, naive, ausopserungsvolle, königstreue, patriotische Charakter— um niit Herrn Sello zu reden— auf der andern Seite doch auch wieder der geschickteste Vertheidiger des Systenis war, als dessen Träger er vor den Gerick'tsschranken ftnub! Mit sentimentalen Redensarten war da nicht zu opemen, so ging er gottesfürchtig und offen frisch drauf los! Was, Meiueid? Ich durfte ja nicht alles aussagen! Ich mußte wohl erwägen, was ich sagen durfte und verschweigen mußte, um nicht da und dort anzustoßen! Was, falsche Berichte? Tie Berichte richtet man sich ans der Polizei so ein, daß m a n gerade noch so d rr r ch s ch l il p f t. Mas, A in t s v e r b r e ch e n? Es ist ja unmöglich, aste Agenten anzuzeigen, die verbrecherische Handlungen be- gehen! Wir brächten dann ja blos unsere Bor- gesetzten in Verlegenheiten! Und diese Offenheit that ihre Wirkung! Auch bei den Geschworenen! Es war geradezu ein wohlthnender Anblick, wie seine Vorgesetzten, Kollegen, Untergebenen und die„Spitzen d.r Gescllschast," die bei Siechen unter Führung v. Tausch's, Bucck's und Schweinburg's Vaterland, Religion und Gesellschaft repräsentirt und zuweilen wohl auch rettet, als.Bierfreunde" für den guten Leumund v. Tausch's eintraten! Wäre das möglich, wenn man in jenen Kreisen die Hand- Inngen v. Tausch's mit denselben Augen ansähe wie die Ver- fasser der Anklageschrift? Anders freilich sind darüber die Anschanungen in den breiten Massen des Volkes. Und neben diesem Verdikte der politischen Polizei ist zweifelsohne d i e Erschütterung des Glaubens an die I u st i z in weitesten Kreisen die nächste Wirkung dieses Prozesses. Ta traten Erscheinungen zu tage, die viele nicht zu fassen vermögen! Der Staatsanwalt vereinbart mit dem V e r t h e i d i g e r des einen Angeklagten, der ziiglcich als Zeuge gegen den anderen austreten muß, daß im Prozeßverfahren ein gewisser Punkt nicht vorgebracht sondern verschwiegen bleiben soll! Aber schließlich wird der Punkt doch angedeutet: U n t e r s ch r i f t e n f ä l s ch u n g, Verleitung zum Diebstahl, Uutersuchnngskoniödie, V e r l c u m d u n g des R e i ch s k a n z l e r s, M a j e st ä t s- b e l e i d i g u n g— durch einen Agenten verübt im Auf- trage eines Hohen Beamten der politischen Polizei! Der Staatsanivalt spricht von Bruch des gegebenen Versprechens, von Sensationshascherei— eine Stunde später wird alles zurückgenommen, aber am anderen Tag, nachdem de' .Vorwärts" seine Aeußerung über die Harmlosigkeit dies Vorganges mißverstanden hat, sieht sich der Staa� anwalt zu einer scharfen Vernrtheilung dieses Beamten und zur Mittheilung veranlaßt, daß derselbe— t o d t ist. Weiter: Ein Zeuge— Krämer— erzählt in der glaub- würdigsten Weise die unglaublichsten Dinge von Tausch; der Präsident unterbricht den Zeugen, sucht durch Zwischen, und Krenzsrageii über seine Glaubhaftigkeit sich zu überzeugen: da steht der Staatsanivalt auf und verlangt die Wieder. holung der Aussage ohne Unterbrechungen und ohne N e b e n b e m e r k u n g e n. Und als der Zeuge ans- sagen will, was Herr v. Tausch ihm erzählt betreffs der Entsendung desFlügeladjutanten Moltke mit der Flasche Johannisberger Kabinet zu Bismarck anläßlich der Wiederversöhnung des Kaisers mit dem Alt- kanzler, da unterbricht der Präsident den Zeugen und Staats- anwaltschast wie Bertheidigung verzichten auf die weitere Vernehmung. Tausch schweigt und seine Vertheidigcr geben sogar die Glaubwürdigkeit Lützow's zu! Im Publikum kann man aber die Forlsetzung der Erzählung hören, die die schlimniste Majeftätsbeleidignng enthält, welche denkbar ist, aber von einer Ausdehnung der Anklage wider von Tausch aus Majestäts- b e l e i d i g n n g weiß niemand zu erzählen. Von vielen anderen Punkten nur»och einen: Wir sind in politischen Prozessen ganz entwöhnt worden, daß der Präsident beini Zeugenverhör gegenüber den B e. lastungszeugen auch die Momente hervorhebt, die z u g u n st e n des Angeschuldigten sprechen. In dieseni Prozesse macheu wir die wohlthnende Erfahrung, daß nicht blos der Präsident zu wiederholten Malen, sondern sogar die Staatsanwaltschaft die für Tausch günstigen Momente besonders Hervorheben. Mit einer gewissen Wärme betont der Präsident: Es wäre zuviel verlangt, wenn der Angeklagte für jedeS Wort seiner frühcreä Aussage verantwortlich gemacht werden soll, es dürfe nicht jedes seiner früheren Worte auf die Gold- waage gelegt werden! Und zu wiederholten Malen ruft er dem v. Lützow, wenn dieser— nach seiner Auffassung— den v. Tausch zu unrecht schwer belastet, mit entrüsteten Worten zu:.Ich weiß nicht, ob Ihnen die Geschworenen überhaupt Glauben schenken!" Wie sticht dies Verfahren vorlheilhaft ab gegen die Meineidsprozcsse in Magdeburg und Essen, in denen Arbeiter, Sozialdemokraten, danials aus viel weniger gravirende Momente, als sie der Anklage wider Tausch zu gründe lagen, zu schweren Zuchthausstrafen verurtheilt worden sind, die nach der Meinung vieler vielleicht sämmtlich frei- gesprochen worden wären, wenn sie denselben Präsidenten und dieselbe Staatsanwalt- s ch a f t wie v. Tausch gehabt hälten! UuS ist das Verdikt der Geschworenen durchaus nicht überraschend gekommen! So sehr wir davon überzeugt sind, daß in Essen z. B. ausschließlich der Klassengegensatz zwischen Ge- schivorencn und Angeklagten die Verurtheilnng unserer unschuldigen Genossen herbeigeführt hat, so wenig hat dieses Klnssengefühl die Freisprechung deS v. Tausch herbeigeführt. Im Gegentheil: hätten die Geschworenen ausschließlich sich von ihrem K l a s s e n g e s ü h l bei ihrem Urtheilsspruch leiten lassen, dann hätten sie zu einem Schuldig komnien und v. Tausch ins Zuchthaus sperren lassen müssen! Tann hätte die gutgesinnte Presse darauf hinweisen können: Seht: das beleidigte Rechtsgcfühl, die mit Füßen ge> tretcne Moral hat ihre Sühne gefunden! Das geht jetzt nicht!».Tausch frei von Schuld und Fehle — im Triumphe von seinen Freunden begrüßt und der arme, kleine Schelm v. Lützow.gehäugt"— das ist keine Lösung, die dem herrschenden System, der bürgerlichen Gesellschaft zur Stärkung dient und den Glauben aufkommen läßt, daß der Gerechtigkeit genüge gethan sei! Und doch ist das Unheil leicht zu verstehen! Vielleicht haben sogar d i e Juristen recht, die da sagen, die Anklage stand von allem Ansang an auf schwachen Füßen! Jedenfalls hat aber das juristische Schwer- oder Leichtgewicht bei den Geschworenen die Entscheidung nicht herbei- gesnhrt! Wa» die Entscheidung herveigesührt hat, sprach der Oberstaatsanwalt ans, als er sagte: Vor sechs Monaten, unter dem Eindrucke des Lcckert- Lützow- Prozeffcs, wäre v. Tausch von jedematewpo zu- sam m engesetzte n Geschworenengerichte ver- urtheilt worden! Seitdem hat sich die Situation geändert. Man vergegenwärtige sich die Wirkung der Zeugen- Aussagen der Exmiiiister v. Kölker und B r o n s a r t v o n S ch e l l e n d o r s f, der Herren v. W i n d h e i m, v. Fried he im, v. Muhl; man vergegenwärtig« sich die Stellung, die im Leckcrt- Lützow- Prozeß Herr v. Marschall und sein Legationsrath Hamann einnahmen, mit der Situation, in der sie jetzt im Tausch- Prozeß standen— und man hat die Erklärung für die Frei- sprechung des v. Tausch. Daneben mag noch die viel mitgespielt haben: Ach was— Polizei gicbt, so lange giebt es so ach vorhandene Erwägung o lange es eine politische che Schweinereien: warum sollen wir gerade v. Tausch büßen lassen, der doch schließlich blos ein Werkzeug war! Die Hauplerklärung der Freisprechung liegt in dem politischen Charakter des Prozesses! Es war ein politischer Prozeß— diese werden entschieden nach der politischen Stimmung, nach der politischen Situation, nach der p o l i t i s ch e n Macht! Solange politische Prozesse eingeleitet werden, können sie nicht unter dem Gesichtspunkte der Gerechtigkeit geführt oder entschieden werden— sie werden immer p o l i- tische M a ch t s r a g e n sein! Und insofern ist der Prozeß v. Tausch freilich auch ein sprechendes Gegenstück zum Essener Meineidsprozcß, wie zum Koschemann-Prozeß— der heute vielleicht nicht mehr eingeleitet, aber wohl kauni anders enlschieden würde, trotz all der Blamagen der politischen Polizei im Tausch- Prozeß. Wir Sozialdemokraten aber haben den Gewinn davon, wenn durch den Ausgang solcher Prozesse dieser brutale Charakter der politischen Prozesse den weitesten Kreisen förmlich in den Kopf hincingchämmcrt wird! polikische Berlin, 5. Juni. Haiden-Witting. Man schreibt unS: In seinem Artikel über den letzlcn Tag des Prozesses Tansch-Lützow sagie der„Vorwärts": unter den viele» unverstäiidlichen Zwischenfällen des gerichtlichen Verfahrens gehöre die Episode Harden-Wiiting zu den Unverstand- licbste». Und an ihr war wieder am unverständlichsten, daß zwei Brüder unter so gänzlich verschiedene» Namen ansiraten. Freilich gäbe es sowohl standesamtliche, wie romaniische Erklärungsgründe für diese Verschiedeuheik, indessen würde keiner von ihnen zutreffen. Haiden und Willing sind zwei leibliche Brüder, von demselben Baler und derselben Mutler im rechlmäßigen Ehebette erzeugt. Und zamr hieß der Vater weder Hnrden noch Willing, sondern WillkowSki. Man sieht, die Sache wird imnier verwickelter, aber die alte Romantik ist ei» Waisenkind gegen modernes Slreberlhnm. Der alle Willkowsli war ei» braver bürgerlicher Demokrat, ein Patron der.Ziiknnfl" von Guido Weiß, die eine ganz andere „gukunst" war, als die.Zukunft" des Herrn Haiden ist. Die Mämier der damaligen.Zukunft" pflegten sich alle Sonnabende m einer Moselwrinkneip« der Jägerstraße an einem Männertrnnk z» stärken, und hier fand sich regelmäßig auch der alle Wiltkowski ein. Er sah gewöhnlich neben dem allen, ebenso braven L-vy und ein Hanpilhema ihrer Unleibalinng war der Ladendorff'sche Prozeß, zu d-sse» Verurlheiiten Levy gehörte, nnd in den, wenn wir»ich! lehr irren, onch Witikowski' irgendwie verwickelt war. Wer die beide» wackeren Kumpane Lbcr Stieber nnd Sliebereien sprechen Hörle, dem klangen die Obren drei Tage lang von den kernigsten Flüchen der denlschen Sprache. Hätte man damals dem alte» Witikowski gesagt, einem neuen Slieber würde ein„hervorragender" Vertrelerdes städtischen Bürgerlhnms und ei» ebenso„hervorragender" Vertreter der bürger- iichen Literatur mit gereckten Schivurfingern zu Hilfe eilen, den braven Kerl hätte augenblicklich der Schlag gerührt, und hätte man ihm nun gar gesagt, daß sein«igen Fleijch und Blut diese Finger recken würde! Genug, Harden nnd Willing sind die eheleiblichen Söhne dieses Wittkowski. Und alle Romanlik löst sich in die sehr einfache Er- irägnng ans, daß man besser durch die Welt des neuen Deutschen Reiches kommt, wenn man sich Maximilian Haiden oder Gustav Adolf Willing nennt, als wenn man Jsivor oder Abrahani Wiltkowski heißt. Diese Erwägung hat sich auch als sehr richtig benährt. Herr Mitling ist in der denlschen Bureankrati« dadurch berühmt geworden, daß er in seiner Art eine»och schnellere Karriere machte, als selbst Bismarck'S Nepolen gemacht haben; in kaum einem Jahrzehnt brachte er es vom Referendar zum Ober- bürgermeister einer Provinzial-Hauptstadt. Ein wie weltberühmter Mann Herr Harden ist, braucht nicht erst gesagt zu werden. Wie die Brüder verschiedene Namen annahmen, so spielte» sie auch mit verschiedenen Kursen, Herr Harden niit dem alte», Herr Willing mit dem neuen; wenn die beiden welterkundige» Laubfrösche jetzt zum ersten Male auf dieselbe politische Leilersprosse hüpfen, so ist daS beiläufig in seiner Weise ebenso ein Zeichen der Zeit, wie die Beurlaubung Marschnll's und die Freisprechung des Tausch. Eine liierarische Sprosse in der Leiter ihres Glücks war für beide Brüder allerdings schon einmal Herr Arlhnr Levysohn, den sie vorgestern unglaubwürdig machen wollle». Indessen haben wir nicht die geringste Lust, den Anwalt dieses Herrn zn spielen, der sich selbst mit seinen ehemaligen Kuinpanen abfinden mag. Wir dachten nur, als Harden- Willing ihre Schwurfinger für Tausch reckten, an unsere» alten braven Wittkowski und glaublen zu vernehmen, wie er sich mit einem hörbare» Ruck im Grade umdrebl«. Indessen Maximilian Harden ist ein liierarisch bewanderter Mann. Als er die väterliche» Gebeine rascheln hörte, sagte Isidor Wittkowski zu Arthur Lewysohn, wie Hamlet zu Horalio: Ha, ha, Bnrsch! sagst Du daS? Bist Du da. Grundehrlich Wohlan— ihr hört im Keller den Gesellen— Bequemet Euch zu schwöre».— ,/ SisYPhnS mußte zur Strafe dafür, daß'er gegen die ewigen Gesetze sich versündigt hatte, in der Hölle der Alle» einen Felsblock bergauf rollen, der ihm stets, ehe der Gipfel erreicht war, entglitt, so daß er die Arbeit wieder von vorn anfangen mußte. Zn dieser Höllen. Strafarbeit ist der„lebendig Begrabene" de? SachsenwaldeS verurtheilt. Er wollte auf Erden, d. h. als er noch Reichskanzler war, die Sozialdemokratie ver- nichten, nnd rollte hunderte von Malen den Felsblock empor, mit dem er sie zerschmettern wollte. Allein steiS entschlüpfte ihm der Felsblock i und nun muß er nach seinem politischen Tod das Werk fortietzen. Immer und immer wieder sucht er den FelSblock, der unS begraben soll, eniporzuwälzen; nnd immer nnd immer wieder sieht er sich geprellt. Seit Reckt seine Umstnrz-Turnübungen macht, ist der unglückliche Sisyphns in besonders fieberhafter Thätigkeit. Tag NM Tag läßt er in die Welt hinausposaunen. daß eS ein Jrrthum sei, zu glauben, die Sozialdemokratie verwandle sich in eine Rejormpartei. Sie sei und bleibe revolutionär, und könne nur durch Gewalt vernichtet werden. Durch Gewalt, das heißt durch de» Felsblock, den der un- glückliche Sisyphns bergauf zu rolle» hat, und von dem er auf Erden selbst erschlagen warb. Mit der Reformpartei hat SisyphuS aber recht. Nur weiß er nicht, was Revoluiion ist und bat keine Ahnung von der Obiimacht deffen, was er für Gewalt hält, obgleich er diese Ohnmacht doch wie kein zweiter am elgenen Leibe erfahren hat, so lange er noch unter unS Lebenden wandelte.— Nach Abschluß des WaffenstillstaudeS zwischen der Türke nnd Griechenland für Thessalien und Epirns erübrigt noch ein gleiches für die See. Der griechische Ministerralh hat hierfür folgende Bedingungen aufgestellt: 1. Die griechische Flotte verläßt die ottomanischen Ge- wäffer, wie deren Abgrenzung durch das Völkerrecht be- stimmt wird. 2. Schiffe unter türkischer oder neulraler Flagge, welche aus türkischen Häfen kommen oder nach türkischen Häfen gehe», sowie diejenigen, welche sich innerhalb der durch de» Waffen- stiUstands-Verlrag sestgesetzten Linie befinden, dürfe» nicht durchsucht werden. 3. ES ist kein Transport von Truppen oder Munition für die türkische Armee durch diese Häfen gestaltet. 4. Die türkische Flotte darf die Dardanellen nicht verlassen. 5. Verstärkungen der Besatzung irgend einer Insel des Archipels sind nicht erlaubt. Ueber die türkischen Fordennigen verlautet, daß deren eifrigste die Aushebung der Blockade des Golfs vonVolo sei, damit die türkische Armee vom Hafen von Volo a> s frisch verproviantirt werden kaiin. Tie griechischen Telcgirlen werden für die griechische Flotte das Recht der Turchslichung von Schiffe» verlangen, um jede Einfuhr von Waffen und Mliiiitioii}•> verhindern. Eine Athener Depesche der„Times" von Freilag meldet: Nach- dem die griechische Regierung den Verlrelern der Mächte von dem türkischen Verlangen nach Aufhebung der Blockade Mit- theilinig gemacht hat, einpfing sie den Rath," der Fordernng statt- zugeben.. Eine spätere Depesche der„Times" aus Athen berichtet, daß die Bedingungen betreffend die Blockade von den griechische» Telegirten angenommen worden sind; es sei noch eine Zilsatzbestimninng, durch welche die Freiheit der Schiffsahrt im Golf von Arla gewährleistet wird, aufgenomme» worden. Sonst liegt»»och folgende Mitlheilungen vor� Athen, 6. Juni. Nachdem der Waffenstillstand gestern Abend definitiv unterzeichnet worden ist, beginnt die Regicrnng bereits, zur Erzielnng von Ersparnisse» im Staats- Hanshnll die strengsten Maßregeln anzuivenden. Die Lehier und Professoren erhallen künslig während der Ferien kein Gehalt. Ein großer Theil der Beaniten in den Ministerien und der Provinzialverwaltung wurde entlassen. Athen, V. Juni. Ter frühere Ministerpräsident Delyaiinis beabsichtigt, in der nächsten Zkainmersihuiig, in welcher die Eanktio« »iruiig des Friedens erörtert wird, die jetzige Regierung zu stürzen. London, 5. Juni. Einem Telegramm der„Times" aus Wien zufolge glaubt man in dortigen gut unterrichlete» Kreise», daß die türkisch-griechischen Schwierigkeilen jetzt ihren hesiigen Charakter verloren habe». Nach Meinung der Bolschaster in Kon- stantinopel wird es nickt leicht sein, zu einer Verständigling mit der Pforte zu gelangen, aber ein Scheitern jder Verhandlungen werde nicht besorgt. Die Mächte seien darin einig, daß Theffalien von den Türke» geräumt werden müsse; die Kriegsentschädigung bilde die einzig« Frag«, die«in« Meinungsverschiedenheit veranlassen könnt«.— »» Deutsches Reich. — Der freigesprochene OrdnnngSretter v. Tausch soll sei» Abschiedsgesuch einreichen wollen, welche? er mit seinem schlechte» Gesuiidheitsznfiand begründen will. Andererseits verlautet, daß behördlicherseits über die fernere dienstliche Thätig- keit des Kriminal-Kommissars noch nichts entschieden ivorden sei. Er wurde infolge seiner Verhaituiig am 6. Dezember vorige» I, ihres fosorl vom Dienst suSpendirt und hat denselben mich heute noch nicht wieder antreten wollen, sondern sich krank gemeldet. Ein Disziplinarverfahren ist bisher nicht er- öffnet worden sei. Es wird erst feilens deS Polizeipräsidenten v. Windheim und des Ministeriums in Erwägrng gezogen werden, ob di« stenographischen Berichte über die Verhandlungen in den beiden Prozessen Lützow-Leckert und Taufch-Lützow, sowie die Ver. nehmungs-Prolokolle ans de» Vorunlersiichungen thatsächlich die Einleitung des Verfahrens rechtfertigen und erfordern.— Sonder« bare.„Er>väg»ngen" müssen es sein, die da erst noch angestellt werden sollen! — Rektor undSenat der Universität Leipzig erlaffen gegen die bekannte Herrenhaus-Rede des Herrn v. S t u m m folgende Erklärung: � „In der Sitzung deS preußischen Herrenhauses vom 28. Mai 1897 hat der Frhr. v. Stumm nach dem stenographischen Berichte. nachdem er von dem demagogischen Eozialismus, der de« Klassen- kämpf proklamirt. gesprochen hatte, gesagt: „Nun, meine Herren, ist diese Richtung, di« ich soeben gekenn- zeichnet habe, wenn auch einzelne Ausnahmen staltfinden mögen, lypifch und maßgebend für linsere deutschen Universitätslehrer der Nationalökonomie und nicht blos an den preußischen Universiläten. Es ist mir noch vor einigen Tage» von einem verehrten Kollegen im Reickslage, dem ich die Absicht mitlheilte, heiue über diesen Gegenstand zu sprechen, gesagt worden, ich möge doch bei dieser Gelegenheit konstaliren, daß in Leipzig auf diesem Ge- biete Zustände herrschten, die geradezu Himmel- schreiend seien." Wir fühlen uns verpflichtet, gegen diese« unberechtigte, ans un- wahren Voraussetzungen beruhende Urthril hierdnrch öffentlich und nachdrücklich Einsprache zu erheben. Die Pflege der National- ökononiie ist an niiserer Universität den Prosesjoren Dr. v. Mias- k o w s k i und Dr. Bücher anvertraut, welche es»erstanden haben, die uiiler dem verewigten Roscher erreichte Blnthe des volkswirthschastlichen Unterrichts aufrecht zn erhalten»nd welche beide in der Erorierung der sozialen Fragen slels einen objeltiven »nd maßvollen Standpunkt eingenommen haben. Wir billen alle Zeitungen, welche Berichte über die Rede des Frhrn. v. Stumm gebracht haben, diese Erklärung auszunehmen. Leipzig, 4. Juni 1897. Rektor und Senat der Universität Leipzig. Dr. Emil F r i e d b e r g. So hat es der Gebieter von Neunkirchen glücklich dahin gebracht, daß selbst die nllersanfiesten Leiiie, daß selbst die ob ihrer„Gestu- mingstüchtigkeit" fo„berühmte" Universität Leipzig wider ihn aus- steht!- — Vom Versammlungsrecht der Frauen. In Schlesien scheint es, als ob die lex Recke schon Gesetz ist. In Neust ad t-Ober.Schlesien hatte die Polizei wiederholt Frauen aus öffentlichen Versammlungen«»tferne» lassen, bis sie durch euie Beschwerde des Reichstags- Abgeoidneien K ü h»- Lange, ibiela» ge- zwunge» wurde, uiizuerkenueii, daß sie dazu gar kein Recht habe. Dies hinderte dieselbe Behörde aber nicht, bald darauf wieder die Entfernung der Frauen ans einer öffentlichen Versammlung zu erzwingen mit der Behauplung, die Versammlung fei von einem politischen Verein veranstalte!, was jedoch nicht der Fall war. Di« dagegen beim Ministerium eingereicbte Beschwerde wurde von der Regierung in Oppeln abgelehnt, weil sie zu spür eingereicht sei. Die Beschwerde war vor Ablauf der 14 lägige» Frist abgesandt, aber statt an die Negieruiig i» Bresla». an das Ministerium i» Berlin. Von letzlerem war sie allerdings erst nach Ablauf der vierzehntägigen Frist un die Regierung in Breslau gelangt. Man sollte nun meinen, daß das kein Grund hätte sein können zur einfachen Adlehmmg; aber es ist wohl einfach der sormelle Vorwand benutzt ivorden, um einer Entscheidung in der Cache selbst anS dem Wege zn gehen. Wenn doch die Behörden selbst die GÜle haben wollte», Beschwerden in 14 Tage» zu«nt- scheiden. U»S sind aber Fälle bekannl, wo eS uiigesähr so viele Wochen dauerte. Auch in»»deren schlestsche» Orten wird das Versammlungsrecht der Frauen in ähnlicher Weise behindert. Und nicht nur da? Recht der Frauen, wie das Versainnilnngsiecht liberhanpt. So haben im Kreise Reiche„dach ftels Versammlungen im Freien stattfinden können. Wo wirklich einmal ein NmtSvorsteher fie ver> bot. half schon die Beschwerde beim Landrath. Jetzt scheint eS noch anders zu werden, mehrere Bersammlnnaen wurden dies Frühjahr nicht genehmigt. Die Entscheidung über die bezügliche Beschwerde steht noch ans. Wie lustig wird erst das Versammlungsrecht gehaudhabt werden. wenn die lex Necke Gesetz wird.— — Die Stimmung in polnischen Kreisen. Der „Dzienuik Kujawski" steht nach dein Scheitern der Verein?- pesetz-Vorlage ein Ausnahmegesetz gegen die Polen am politische» Horizont auftauchen und knüpft daran folgende Drohung:„Unsere Bevölkerung wird fich, auf die eigene» Kräfte angewiesen, in sich selbst sammeln und die Feuerprobe siegreich bestehen. Unsere Brüder aber jenseits der russischen und galizischen Grenze, daS gesammte Slaventhum von der Donau bis zur Ostsee, von der Weichsel bis zum Ural, sie würden mit uns den versetzten Schlag empfinden und nicht verfehlen, bezüglich ihres Verhaltens de» Deutschen gegenüber die weiteren Konsequenzen zn ziehen.�— Auch dies ist eine der Folgen der lieblichen Politik, die bei uns an der Mode ist.— — Kolonialbegeisterung. Wir hatten kürzlich von dem elenden Ende des Karl Peters-Dampfers erzählt. Auch mit dein T a n g a n y i k a- D a m p f e r, von dessen Zukunft die Kvlonialbegeisterlen so viel erhoffen, scheint es recht faul bestellt zu sein. Wenigstens liest man in der„Kolonial-Ztg.": „Der Bau des Dampfers ist nach dem sehr günstigen Bericht des Kapitän Präger, welcher soeben die Werft in Hamburg de- such: hat, ungemein weil vorgeschritten und wird bis Anfang August beendet sein, so daß dann sofort mit der Verpackung begonnen werden kann. Obwohl nun die Sammlungen in zahlreichen Städten verhältnißniähig gute Resultate erzielt haben, fehlt doch leider noch viel an der zum Transport des Dampfers nölhigen Summe. Damit nun nicht, nachdem daS Schiff fertig gestellt ist, der Transport desselben aus Tettmangel verschoben werde» muß, während uns unsere Nachbarn drüben an den großen Seen von Tag zu Tag mehr Vorsprung abgewinnen, wird das Komitee die Sammlung mit allein Nachdruck fortsetzen und richtet noch einmal an alle Kolonialfrennde und Patrioten die dringende Bitte, mitzuhelfen an diesem nationalen Werke, welches von unseren hervor- ragendslen Afrikanern als das wichtigste und dringendste k o l o n i a l e U u t e r n e h m e n der Gegenwart bezeichnet worden ist." Ja. die deutschen„Landratten" haben absolut kein Verständniß für solch«„wichtigsten und dringendsten" Angelegenheiten. Sie meinen in ihrer Verstocktheit, daß die Großkaufleute, die den Vortheil dieser Unternehmungen haben, aus ihrer eigenen Tasche zahlen mögen.— — Duellirerei ohne Ende. An? D a r m st a d t wird gemeldet: Heule Morgen fand hier zwischen einem Offizier und einem Gerichts-Accessisten«in Pistolenduell statt. Der Offizier wurde schwer verletzt, während der Gerichts-Accessist mit einer leichten Ver- wundung davon kam. Nähere Angaben über die Ursache des Duells find noch nicht bekannt.— — Ein sehr bedenkliche? Nrtheil. Die Strafkammer in Posen hat den verantwortlichen Redakteur des „Goniec Wielkopolski", Appolinar Zaleski, von der Anklag« der Beleidigung der Offiziere und Unteroffiziere des Schlesischen Jäger- bataillous Nr. 6 in Oels freigesprochen, weil Zaleski in der Expedition des Blattes beschäftigt gewesen und sich um die Redaktion nicht bekümmert hätte, also nur eine vorgeschobene Persönlichkeit war. Dagegen wurde der Verleger und Redakteur des Blattes, Kar! von Rzepecki, vou dem angenommen wurde, daß er auch der geistige L e i t e r de? Blattes sei. zu hundert Mark Geldstrafe v e r u r t h e i l t. Wen» die Gerichte durch kunstvolle Auslegungen den klaren Sinn des Preßgesetzes so verkennen, dann sollte nian doch lieber gleich auf die Preßfreiheit verzichten.— — k'Iatjustitiapsrsatmunclus— die Justiz habe ftelen Lauf und wenn die Welt darüber zu gründe gehl! Aus Eaalfeld wird uns berichtet: Am iiO. März d. I. wülhete hier ein derartiger Sturm, daß besonders an den Bäumen in Wald und Flur beträchtlicher Schaden angerichtet wurde. Daß diesem Elemente auch einige am städtischen Anger stehende Baumriesen zum Opfer fielen, sollte für viele in der Nähe jenes PlatzeS wohnende Prole- tarierinnen verhängnißvoll werden. Die Armen waren nämlich der Meinung, daß die verstreut umherliegenden Aeste sowie die an de» Riefen- stämmen fich noch befindenden Reiser werthlofe Objekte seien; sie sammelten diese daher und trüge» sie heim alS Feuerungsmaterial. Tic Folge war, daß SS Personen mit einer HauS- s u ch n n g bedacht wurden und Anklage wegen Dieb- st a h l s e r h i e l t e n. Am Freitag standen die„Diebe", sämmtlich Frauen und Wittwen, darunter eine Anzahl Almoseuempfäugerinnen, vor dem Schöffengericht und dieses verurtheilte, da nicht Forst- diebstahl, sondern Diebstahl vorliege, die Angeklagten zu je einem Tag Gefängniß; bei Verkündigmig des Urlheils wurde eine Frau ohnmächtig. Keine der Angeklagten war vorbestraft. DaS Werthobjekt betrug d btS dll Pfennig. Das„Verbrechen" ist gesühnt. — Der!3. allgemeine VereinStag der deutschen landwirthschaftlichen Genossenschaften wird vom Anwalt dieses Verbandes zum Lö.— 27. August nach Dresden einberufe». — Die württembergische Kammer hat in den letzten Tagen die tödtliche Langeweile ihrer Verhandlungen durch eine frische, fröhliche Attacke auf die rolh« Fahne der Slutt- garler Gewerlschaslni unterbrochen. Wie bekannt, haben die Stuttgarter Gewerkschaften bisher regelmäßig bei fest- lichen Gelegenheiten aus dem in ihrem Besitz befindlichen Gasthof zum„Hirsch" eine rothe Fahne gehißt. Vor kurzem wurde nun dieses„stnatsgefährliche" Beginnen vou der Regierung unter- sagt, angeblich weil die rothe Fahne bei dem ehrsamen Bürger Anstoß erregt haben sollte. Die Gewerkschaft wendete sich hierauf bcschwerde- führend an die Kammer, die auch in der Kommission einen verhällnißinäßig toleranten Standpunkt einnahm. Sie beantragte, über die Beschwerde, die wegen des seitherigen Verhaltens der Regie- ruug erHobe» war, zur Tagesordiinug überzugehen, dagegen sollte das Gesuch der Gewerlschasten, in Zukunft daS Verbot nicht wehr auszusprechen, der Regierung zur Erwägung über- wiese» wer den. Die Minderheit in der Kommifsio» war für Ueberweisung znr Berücksichtigung. Für de» Beschluß hatten auch die Mitglieder des Zentrums gestimmt und der Berichterstatter der Kommission begründete diesen Standpunkt damit, daß, nach Ansicht der Kommission, in dem Heraushängen einer rolhen Fahne kemerlei Gefährdung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung zu fürchten ist, die Sache an sich ohne weitere Bedeutung sei, aber die Regierung in Zukunft ihr Verhallen ändern möge. Im Plenum bekam die Sache sofort eine andere Wendung. Herr Gröber begann die Debatte, um in aller Form seine Partei- genossen in der Kommission zu desavouire» und ging dann dazu über, das Vorgehe» der Regierung in jeder Weise zu rechtfertigen. Die rothe Fahne, das sei das Zeichen des Umsturzes, der blutigen Revolution, und die dürfe keiiieRegierung dulden, die noch eine Selbstachtung desStaates ke»»e. ES sei deshalb unmöglich, den Kommissionsantrag anzu- nehmen, er stelle den Antrag, den sozialdemokratischen Gewerkschasteii eine deutliche Antwort zu geben und durch Uebergang zur Tages- ordnung die Regierung in ihrem Verhalte» zu stärken. Es braucht nicht betont zu werden, daß auch die National- liberalen i» diese Kerbe hieben und von der Rilterbank diesen braven Kämpfern Beistand geleistet wurde. Unser Genosse Kloß, der einzige Vertreter unserer Partei in der Kaminer, geißelte scharf das Lächerliche, aus diesen Dingen eine Staatsaktion zu machen. I» wirksamer Weise griff Konrad Haußmann in die Tebail» ei», zuerst bedauernd, daß einer solche» Bagatelle wegen, dem Kampf um eine Farbe, der ganze Staatsapparat mobil gemacht werden mußle. Wenn man den Stuttgartern zutraue, daß sie durch da» Flattern einer rothe» Fahne ihr Ruhe- und SicherheiiSgesühl sich stören kieße«. so könne er als«eborener Stuttgarter nur sagen, da? sei eine Beleidigung derselben. Die einzelnen Wenigen, die stch vielleicht der rothen Fahne wegen geärgert haben, da? sind wahr- fcheinlich dieselben, die sich ebenso geärgert hätten, wenn der Ab- geordnete Gröber seine schwarze Fahne heraushängen wollte. Die rothe Fahne, die jetzt als die schreckliche Fahne der Revolution hin- gestellt werde, wird auch anderwärts vielfach gebraucht. Eine Reihe von Staaten habe dt« rothe Fahne, so Zanzibar, daS wir so gerne gehabt hätten, die Schweiz n. s. w. Wohl zuerst wurde die rothe Fahne in Spanien gebraucht, wo sie die Stierfechter benützten, um die gehörnten Thier« zu reizen, die sich in Aufregung versetzen ließen und sich dadurch selbst schadeten. Wir müssen dazu beitragen, um nnsere Regierung davon abzuhalten, in die Rolle jener gehörnten Thiere in Spanien zu verfallen. Roth ist ja auch die Farbe der Liebe und purpurrolh ist das Symbol des König- thuniS und der rothe Adlerorden wird mit ganz besonderer Vorliebe im Knopfloch getragen. Wolle man das Rolh ver- bieten, müßten erst unsere rolhen Sitze in diesem hohen Hause ge» ändert und dafür gesorgt werden, daß der Kollege Gröber ein schwarzes Sitzleder bekommt. Wolle man das Heraushängen rother Abzeichen aus den Fenstern verbieten, müsse man auch die Benutzung der Knopflöcher zu diesem Zweck bestrafen. Wohin ver- irrt man sich aber, wenn man erst anfängt, das Trage» rother Nelken u. f. iv. zu verbiete»? Daß Herr Haiißmann den Minister daran erinnerte, daß ja auch er die rothe Mütze der Burschenschaft ge- tragen, stärkte noch seine Behauptung, daß die Regierung sich nur läckerlich mache, wen» sie erst anfange, in die Polizeipraktiken der Zeit vor 1843 zu verfalle», einer Zeil, in der das bekannte Lied entstand:„Bor jeder rothe» Nase, da bleibt sie(die Polizei) sinnend steh'»!" Der Ausgang der Debatte war nicht zweifelhaft. DaS Zentrum fiel wie immer»m und im Verein mit Junkern und Prälaten, flankirt von den Nationalliberale», wurde der Antrag Gröber ans vollständigen Uebergang zur Tagesordnung in namentlicher Ab- stimniung gegen die Stimmen der Volksparleiler und des Abg. Kloß angenommen, nachdem vorher die seitherig« Haltung der Negierung cinstimmig gutgeheißen worden war. Es bleibt also dabei, die rothe Fahne ist auch in Württemberg verboten!— — HessischerLandtag. Darmstadt,4. Juni.(Eig. Bericht.) Der schleunige Antrag betreffend Instruktion des hessischen Bundesrathsbevollni ächtigten auf An- »ahme des ReichS-Vereinsgesetz-Anlrags, wurde in der heutigen Sitzung der zweite» Kammer, wie bereits tele- graphisch gemeldet,»ach kurzer Debatte e i n st i m m i g an- genommen. Auch die Nationalliberalen haben also derSttuation Rechnung getragen. Staatsminister Finger erklärte, die Regierung habe stch mit dem Ersuchen noch nicht beschäftigt, könne aber in jedem Falle sich durch den Beschluß der Kammer nicht gebunden erachten. Vielleicht steift der einmüthige Protest der hessische» Volksvertretung den Herren von der Regierung doch den Rücken gegen die von Preußen drohende Reaktion in Sachen deS Vereins- rechtS. Hoffentlich schließen fich die Volksvertretungen der übrige» süddeutschen Staaten dem Vorgehen Hessens an.— Außerdem fand in der heutigen Sitzung die lang erivartete Vor, legung des Budgets stir die Finanzperiode 1897/1900 statt. Für die Volksschulen werden darin 400 000 M. mehr ge- i ordert(Neues Lchrerbesoldungsgesetz). Eine bedeutende Mehrein- steUung hat auch zur Förderung der L a n d w i r t h s ch a s t statt- gesunde», u. a. solle» vier neue Kulturtechniker angestellt werden.— Der Antrag auf Konvertirung der Staats- schuld von 4 auf ü'/s pCl. wurde angenommen. Von unserer Seile befürworteten Ulrich und David eine weitere Herabsetzung und verlangten, man soll« fich wenigstens nicht bis zum 1. Januar 1908 auf ö>/s pCt. festlegen. Der sozialdemokratische Antrag ans Beseitigung dieser Bestimniung au? dem Gesetzentwnrs wurde gegen 9 Stimmen(Sozialdemokraten und 4 Reformparteiler) abgelehnt. Die großen und kleinen Besitzer müssen eben geschützt werden ans Kosten derer, die garnichls haben.— Die Kannner vertagte sich sodann b i s z» m H e r b st.—" — Karlsruhe, 4. Junl. Die badische Regierung beabsichtigt, den Landtag im Oktober zur Abänderung verschiedener Landes- gesetze im Hinblick ans das Bürgerliche Gesetzbuch einzuberufen.— — Chronik derMajestätSbeleidigungS-Prozesse In der Nr. III der demokratischen„Münchener Fr. Presse" vom. 16. Mai d. I. erschien ein Leitartikel mit der Ueberschrist:„Aus der Kinderstube eine? klassischen Bolkes, aus kürzlich gefundenen Briefen des Tacitus(modernifirte Uebersetzung)." Kam» hatte, so berichtet die„Münchener Post", Herr Staatsanwalt Schlicht in diesem Artikel eine Beleidigung des Kaisers gewittert, als er sofort die»och erreichbaren Exemplare dieser Nummer de- schlagnahmen und den Redakteur Fr». Kuhn noch bei Stacht und Nebel verhaften ließ. Die von diesem eingelegte Hastbeschwerd« wurde sowohl vom Landgericht als auch vom Ober- LandeSgericht „in Aussicht der zu erwartenden hohen Strafe" abgewiesen, und so niußle derselbe volle 8 Wochen i» Untersuchungshaft sitzen. Die BeiveiSausnahme in der Hauptverhandlung vor dem G e s ch w o r e u e>i g e r i ch t am Donnerstag gestaltete sich außerordentlich einfach. Der Angeklagte verweigerte die Nennung des Verfassers und übernahm die volle Verantwortnug für den nach seiner Ansicht harmlosen Artikel. Mit flnnimender Entrüstung de- gründete Herr Schlicht die Auttage. Am Schlüsse seines PlaidoyerS nppellirte er an das Pflichtgefühl der Geschworenen und mit ge- !|obener Stimme sagte er:„Der Kaiser braucht sich nicht gefalle» zu äffen, daß solche Vergleich«— nähere Wiedergabe ist uns versagt— auf ih» angewendet werden, wie dies in dem Artikel geschehen ist. Wir(die Staatsbehörde) können viel ver- tragen, aber hier einzuschreiten, war unsere Pflicht. Wenn Sie aber sreifpreche», dann sind wir machtlos und der Kaiser rechtlos". Allein das redliche Bemühen des Herrn Schlicht war vergeblich. Die Geschworene» folgten dem Vertheidiger, der geschickt an ei» vom Vorfitzenden in seiner Abschiedsrede an die Geschworenen gebrauchtes Wort anknüpfte, daß die Schwurgerichte eine Er- rungenschaft des Jahres l84S find und schloß hieran die Bitte, daß die Geschn>orenen. die ja gerade dazu berufen find, diese Erruugeuschaft der 1848 er Volksbewegung aufrecht zu erhallen, den Angeklagten, eine» Nachfolger jener demokratischen Revolutionäre, freizusprechen, damit auch fernerhin daS freie Wort in der Presse im Dienste der Freiheit zur Geltung kommen könne. Die Vertheidigung stellte die Hilfsfrage auf„groben U n f u g". Und die Geschworenen verneinten die Majestätsbeleidigung und bejahten den„groben Unsiig". Das Gericht verurlheitte darauf de» Auge- klagten zu der höchsten Strafe von sechs W o ch e n H a f t. Die Uutersuchungshasl wurde dem Angeklagte» nicht angerechnet. Ma» muß sagen, daß die bayerischen Geschworenen sich gegen- über der VerfolgungSsucht der Auklagebehörden wegen angeblicher Majestätsbeleidiguiige» ivenigftens einigermaßen fest verhalte». I» Preußen oder Sachsen wäre der Prozeß jedenfalls anders aus- gefallen. Die bürgerliche Presse ist auch mit dem Ausgang dieses Prozesses sehr unzufrieden.— Oesterreich. Wien, 4. Juni. I» der heutigen Sitzung des Gemeinde» r a t h s richtete die Minorität eine Interpellation au den Bürger- meister, weshalb der Beschluß deS Gemeinderaths, dem Kaiser in Sache» derSprachenverordnuug eine Adresse zu überreiche», »och nicht ausgeführt sei. Der Bürgermeister erwiderte, er sei sofort nach der Beschlußfassung beim Ministerpräsidenten um Zulaffuug einer Deputation zur Audienz vorstellig geworden; er habe aber bis heut« keine» Bescheid erhalten.— Belgien. Brüssel, K. Juni. Die Kongoverwaltung veröffentlicht eine Nachricht vom Tod« des Lieutenants Snof und mehrerer anderer Offiziere am gelbe» Fieber. Ma» glaubt aber hier all- gemein, daß die Offiziere nicht an, gelben Fieber gcftorbe», sondern durch die Mahdiften getödtet worden sind.— Holland. — Der Wahllampf. AnS Amsterdam wird»nS vom S. Juni geschrieben: Am vergangenen Dienstag ist der Wahlkamps offiziell eingeleitet durch die gesetzmäßige Aufstellung der Kandidaturen. DaS Van Honte, i'sche Wahlgesetz erheischt die öffentliche, schriftlich« Empfehlung einer Kandidatur durch vierzig Wähler. Für eine junge»nd allseitig bedrängte Partei wie die unserige war somit diese Knndidirung schon eine Kraftprobe. Nun, diese Probe haben wir ziemlich gut bestanden. In 29 der 100 Wahlkreise sind Mitglieder der Partei aufgestellt worden, in ö anderen Männer, deren Kandidatur man mehr oder weniger entschieden alS eine sozialistische bezeichnen kann. Unter den letzteren ist ein Mitglied deS Nieuweuhuis'schen Eozialistenbund, der also wohl als Vertreter einer anti-parlamentarischen Organisation iiiS Parlament hineinzuschreiten beabsichtigt: ein Beispiel der Zersetzung, welche die Erweiterung des Wahlrechts schon in diesen anarchistischen Kreisen hervorgebracht hat. Unserseits kandidirt Trölstra in fünf Wahlkreisen. Helsdingen in füns, va» Kol in vier, Vliege» in drei, van der Goes in drei, van Kuykhof in drei, Fortuyn in zwei, Loopuit, v. d. Vegt und Gondswaard jeder in einem Wahlkreise. Der Kampf ist besonders in den nördlichen Provinzen, in F r i e s a n d und Groningen, sehr scharf. Trölstra hat dort schon monatelang Tag um Tag Versammlungen abgehalten, und in den letzten Wochen sind andere seinem Beispiel gefolgt. Eine unermüdliche Propaganda ist im Gange. Im ländlichen Norden wird die Frage„Freihandel oder Schutzzoll" die Eni- scheidung der Wahl beträchtlich beeiiiflussen. Und diese Frage gerade giebt der Sozialdemokratie die schönste Gelegenheit, die ausbeute- rische» Absichten der kapitalistischen Parteien scharf zu beleuchten. Sehr erfreulich ist, daß wir in diesem ersten Wahlkamps von jedem Kompromiß mit bürgerlichen Gruppen frei g e- blieben sind. Mit den Hauptpunkten unseres Wahlprogramms stehen wir allein, und sind eben darum um so stärker: Verfaffungs- revision zur Erreichung deS allgemeinen Wahlrecht?, unentgeltliche Pensionirung invalider und alter Arbeiter und Arbeiterinnen, Frei- heit der Gemeinden zur Enteignung des Großgrundbesitzes und zur Bewirlhschastung dieses Besitzes durch Arbeiter. Ueber unsere Ausfichten ist garnichts zu sagen. Das neue Wählerkorps ist ei»„großer Unbekannter". Wir glauben jedoch begründet« Hoffnungen hegen zu dürfen, daß wir mindestens einen Wahlkreis erobern werden. Und daS wäre schon ein großer Erfolg. Italien. — In einem Vororte Rom? wurde eine sozialistisch« Versammlung durch die Polizei gestört. Die Gendarmen, die in einer Zahl von etwa 20 erschienen waren, provozirten die unter sreiem Himmel Versammelten. Es kam schließlich zu Reibereien, ivobei zivölf der Theilnehmer, worunter der Redakteur des„Avanti", P e d r i c c a, verhastet wurden.— Spanien. Madrid, 4. Juni. Sagasta, der Führer der Liberalen, hatte heute eine Unterredung mit der Königin-Regentin, in welcher er ihr erklärte, daß die liberale Partei für alle schwebenden Fragen eine Lösung bereit habe. Morgen wird die Königin mit verschiedenen Marschällen Berathung pflegen.— England. London, 4. Juni. Der parlamentarische UntersnchungS» auSfchuß über die südafrikanische Angelegenheit hat sich iiuiimehr vertagt. Wie„Daily News" mittheilt, ist die plötzliche Be- endigung der Untersuchung dem Umstände zuzuschreiben, daß Ehainberlain in der Lage gewesen wäre, seine» Kollegen im Ans- schusse die Versicherung zu ertheilen, daß die Unterhandlungen zur Herstellung freuudlicherBeztehungeninitTransvaal so befriedigende Forlschritte machen, daß die Arbeilen des Ans- schuffes überflüssig seien.— Asien. — Ueber die Anfänge einer japanischen Ar- beiterbewegung enthält, wie wir der„Neuen Zeit" ent- nehme», eine Korrespondenz von Mussari, ivelche die„Critica sociale" bringt, interessante Mittheilunge». Die fabelhaft rasche, machtvolle wirthschastlicfae Entwickelung Japans vou der feudalen Wirthschaft 'zum Kapitalismus löst die Ansätze eines bewußt geführten prole- tarische» Klassenkampses aus. Die Weber von Nokohama und die von Lambkah sind nach dem Muster der eugllsche» Trade« UnionS organisirt; ebenso die Maschinenbauer und Mechaniker, Buch- drucker, DekoratiouSarbeiUr, Maurer und Gerber von Tokio. Weitere Kampfesorganisationen der Arbeiter sind in fast allen größeren japanischen Städten in der Entstehung begriffen, und dieS trotz der großen Schwierigkeit«», welche Unternehmer und Behörden ihrer Gründung und Entwickelung entgegenstellen.„.Japoa Mail", das Organ der englische» Interessen im Insel- reich, beziffert die Zahl der daselbst organistrlen Arbeiter auf 800 000. Die Zahl der japanischen Arbeiter»nd Arbeiterimie» wird auf drei Millionen geschätzt. Dieser Prozentsatz der gewerk- schaftlich organistrte» Ardeilerschaft Japans ist, wenn richtig angegeben, sehr beachtenswerth angefichls der Jugend der Or- ganlsation. Sollten nicht aus dem feudalen Zunstivesen über- kommen« Einrichtungen dabei geholfen haben? Innerhalb der Or- ganisatio» herrscht indeß nach Mnssari iveder e»ger Zunftgeist, noch einseitiges Nicht-als-Gewerkschasllerthum. Di« sozialistische Auffaffmig beginnt sich schüchtern und unklar anzudeuten. Unter den Gebildeten finden sich einzelne Leute, ivelche mit der sozialistischen und sozialwissenschastlichen Literatur Europas be- kaiint sind. So wurden z. B. bald nach Beendigung des Krieges mit China süiif japanische Generalstabs-Offiziere nach England gesendet, »m die Olganisation des britische» Heeres zu studiren. Zwei von ihnen kehrten als Anhänger des wissenschaftlichen Sozialismus in ihr Vaterland zurück»nd brachten eine Uebersetzung des„Kom- »mnistischen Manifestes" mit. Ein junger Japaner, der thäligen Autheil a» der sozialistischen Arbeiterbeivegung inAustralie» genonnnen, gründete vor einem Jahre in Tokio„Die Zukunft des Arbeiters", in »velcher im Interesse des Proletariats politische Forderungen erhoben werden. Die sozialistischen Lehren begiiinen i» die Kreise deS japanischen Proletariats zu dringe», von einer zielbewußten sozialistischen Beivegung kann aber noch nicht die Rede sein. Immerhin schrecken die ersten Regungen eines selbständigen proletarischen KlaffenIcbenS die ausbeutenden Kapitalisten in Hobe», Grade,„.lapon Mail" erklärt zum Beispiel, um den »mstürzlerischen Tendenzen Hall zu gebieten, muß die wirthschastliche und politische Eniwickelnng Japans den vernünftigen Forderungen betreffs des«tanäarä okliks der Arbeiter Rechnung tragen »nd deren Arbeits- und Existenzbedingungen verbessern.„Nippon Gin", daS in Tokio erscheinende Organ der liberalen Partei Japans, schreibt:„Die Kapitalisten müssen, ohne nur eine Minute zu verlieren, Schritte in der rechten Richtung thun, indem sie den vernünftigen Forderungen nach einer Berbeffermig der Lage der Arbeiter nach- geben. Diese, die»»ablässtg vo» der sozialistischen Agitation aus- gestachelt werde», beginnen die Augen zu öffnen und die zu ihre», Schaden bestehenden Ungerechtigkeiten zn erkennen." Und das Blatt fügt bezeichnend hinzu: Ist erst die Lage der Arbeiter verbessert, so zweifeln»vir nicht, daß die Regierung ihre Pflicht gegenüber den Widerspenstigen zu thin» wissen wird, die fortfahren sollten, die Arbeiter mit ihren Lehren von Haß und Zerstörung aufzuhetzeu." Also Zuckerbrot— entsprechend dem, was den Kapitalisten als„vernünftige Forderung" erscheint— und Peitsche als der sozialresormlerische» Welsheit.letzler Schluß: tont eornws cl,ov uous!— Hongkong, 4. Juni.(TimeL.) Der Si-Kiang-Fluß ist gestern für nach Wu-lscha»-f„ fahrende Dampfer geöffnet worden. Die lokalen chiuestschen Behörden treffe» Maßnahmen, um die Bestimmungen bezüglich des Li-kin und anderer Eceiizabgabe» zu um- gehe», ivelcke kürzlich auf Bcianlassuug der englischen Äesandlschajt in Peking erlassen worden sind.— Afrika. Kairo, 5. Juni. Bei©ntnmat, 60 engl, Meilen von Eongoln, fließ am 1. d. Mts. eine Palrouille berittener egyptischer Truppen mit einer Patrouille der Derwische zusammen und schlug dieselbe, Dabei sind S egyptische Soldaten gefallen und 4 verwundet worden; auch ein englischer Offizier wurde schwer verwundet. Die Derwische ließen 15 Todte zurüek. Damit hat der Kampf begonnen, der sich die ganzen Sommermonate hinziehen dürfte.— Blömfoutein, 5. Juni. Der Vollsraad des Oranje-Freistaats nahm einen Antrag an, wonach die Aufenthaltsdauer im Freistaat, von welcher das Wahlrecht abhängig ist, auf drei Jahre herabgesetzt wird, Die das Wahlrecht Nachsuchenden brauche» nicht»lehr ihre Nationalitat aufzugeben, müssen aber auf ihre früheren Bürgerrechte verzichten. Die Bürger von Trans- vaal werden auf demselben Fuße behandelt, wie die übrigen Ein- wanderer— Amerika. — Spanien und Kuba. Spanien machte den„Vereinigten Staaten" einen neuen A u t o n o m i e- V o r s ch l a g, dem zufolge Kuba 31 Vertreter i» die Körles wähle» soll; davon sollen 7 Delegate der Handelsiuteressen fein. Der Staatssekretär Sherman sprach sich zu gunsten dieses Vorschlages aus; indessen erklären die offiziellen Vertreter Kuba's den Vorschlag für unannehmbar, da die Vertreter der Handelsinteresfen jedenfalls Spanien zu freund- lich gesinnt sein würden.— NAfckei-Nstdjvichtett« Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Der Redakteur des„ S n d d. P o st i 1 1 o n s", Genosse Ed. Fuchs, wurde vom Schöffengericht in München zu 8 Tagen Hast verurtheilt, weil er durch Abdruck des Gedichtes„Rebekka's Tod" groben Unfug verübt haben soll.— — Die„ N e n ß i s ch e Tribüne" in Gera schreibt: Unser inhaftirter Genosse Leven befindet sich in seiner Welleinsamkeit in der Zelle zu Ichtershausen den Umständen nach wohl, trotz- dem er wieder leicht erkrankt ist. Er schrieb seiner Frau am 16. Mai unter anderem:„Mit mir geht es sebr gut. Im letzt- vergangenen Monat habe ich wenigstens 21/2 bis 3 Pfund an Körpergewicht zugenommen; essen kann ich, wie kaum je zuvor. Butter, Wurst:c, bekommeich jede Woche reichlich. Infolge der abnormen Witte- rnng habe ich etwas rheumatische Schmerzen ins linke Knie bekommen, sodaß ich schlecht gehen kann, doch hat es wenig zu bedeuten. Mache Dir also nicht Gedanken darüber, ich brauche nicht etwa den Tag über im Bert« zu liege», anch könnte ich Dir ja sonst nicht schreiben. Sobald die Witterung besser wird, verziehen sich die geringfügigen Schmerzen, die ich nur beim Gehe» empfind«, von selbst. Im übrigen vergeht mir die Zeit äußerst schnell"... Unser Genosse Leven l>at eine lange Gefängnißstrafe zu überstehen, um so ersrenlicher ist es, daß ihm die Strafanstaltsverwaltnng in Jchtershansen hinsichtlich der Kost Erleichterungen gewährt. I» jedem anderen deutsche» Gesängniß könnte das gleiche'der Fall sein, fogar in der Bastille am Plötzensee, die von dem große» Humanisten auf dem Gebiete des Strafvollzuges, dem Herrn Dr. W i r t h ge- leitet wird. Dort kann sich der Gefangene, mm ein Beispiel an- zuführe», Wurst nur an den drei hohen Festen kaufen, und die gewöhnliche Kost ist derart fettarm, daß diejenigen unserer Redakteure, die in Plötzensee längereFreiheitsstrasen zu verbüßen hatten, an Körpergewicht außerordentlich verloren. So büßte unser Kollege Di erl, der in den Sechzigern steht, gegen 40 Pfund ein, Was das für einen Greis zu bedeuten hat, kann sich jeder unserer Leser selbst sagen. Gerade aus dem Gebiete des Strafvollzuges scheint aber Wandel zum Bessern unter dem jetzige» Regime vollständig ausgeschlossen zu sei». GeweMschnfklirTzes. Berlin und Umgebung. Au alle Korbmacher, welche jetzt in der K u gelkorb- brauche beschäftigt sind, richten wir die Aufforderung, den beschlossenen Preis(Arbeitslohn SM. per Stück für viereckige Trans- poclkörbe) hochzuhalten, um so mehr, als neue Aufträge in kürzester Zeit wieder zn erwarten sind. Es ist eine Pflicht der Kollegen, aller- orts sich dies« Umstände zu eigen z» machen, damit die errungenen Löhne nicht verloren gehen, nmso mehr, da sie über die bescheidensten Grenzen nicht hinausgehen. Daß geeignete Arbeiter in der Rohr- und Bambnsbranche fehlen, steht über allen Zweifeln fest, so daß einzelne Arbeitgeber gezwungen sind, schon selbst 25 pCt. Lohnzuschlag zu bieten. Wir fordern alle organistrten Kollegen, gleichviel ob Holzarbeiter oder Lokalverbändler der Korbmacher, auf, fest zu den Beschlüsse zu stehen. Der Borstand ist sofort zu benachrichtigen, wo überall Arbeitsmaterial geliefert wird, ebenso wo der Preis nicht bezahlt wird. Wir ersuchen, genau auf unsere Inserate im„Vorwärts" zu achten, damit alle Kollegen, die noch nicht organisirt, herangezogen werden können. Der Vorstand. Der Zentralverbaud der Maurer hielt am Sonntag zwei Wanderversammlungen ab. Im Südosten hielt M i l l a r g einen Vortrag.— In der Versammlung i» Moabit sprach Dietrich über dt« Aufgaben der Gewerkschaften. Hieraus wurden Vereins- anzelegenheiten besprochen. Zentralverband der Töpfer. Da am S. Juni über ganz Berlin allgemeine Gewerkschaftsversammlungen behufs Protestknnd- gebung gegen die Verschlechterung des Vereinsgesetzes stattfinden, fällt unsere regelmäßige Mitgliederversammlung in der Woche nach Pfingsten ans. Dieselbe wird nunmehr am 16. Juni bei R ö l l i g, Rosenthalerstraße 11/12, abgehallen. Der O r t s v o r st a n d. Der Streik der Wäscherinnen in Neu-Hsenbnrg bei Frank- furt a. M. ist, wie schon erwähnt, zugunsten der Arbeiterinnen beendigt. Alle Listen sind umgehend an die Unterzeichnete ab- znliefern. Frau W e n g e l s, Frnchlstr. 30. Der Verband der Glasarbeiter und GlaSarbeiterinnen Teutschlands hält während der Pfingstfeiertage seine General- Versammlung in S t r a l a u ab. Der wichtigste Punkt der Tages- ordnung dürfte die Stellungnahme des Verbandes znr Genossen- schasts-Glashütte bilden. Deutsches Reich. Au die Maurer Deutschlands l Wie allgemein bekannt, haben die Berliner Maurer im vorigen Jahre mit schweren Opfern die neunstündige Arbeitszeit erkämpft. Durch eine am 2. Juni vorgenommene Kontrolle der Baute» wurde festgestellt, daß von 7316 arbeitende» Kollegen nur noch 82 Maurer 10 Stunden täglich arbeiten. An dem Errungenen kann also seitens der Unternehmer vorläufig nicht gerüttelt werden. Da aber nebe» der Verkürzung der Arbeitszeit eine Forderung nach höherem Lohn nicht gestellt war, kann man ermessen, welch kolossale Opfer die Berliner Maurer gebracht haben, wenn sie pro Tag auf den Loh» für eine Stunde verzichteten, trotzdem die Anforderungen von Staat und Gesellschaft in den letzten Jahren wahrlich nicht gesunken, sondern im Gegentheil in erheblichem Maße gestiegen sind. Die hiesige Manrerschaft stellte deshalb, um das Budget der Berliner Maurer wenigstens wieder auf die alte Höhe zu bringen(schon 1839 zahlte man im allgemeinen 60 Pf. Stundenlohn), am 3. April die For- derung, den Lohns von 55 auf 60 Pf. pro Stunde zu erhöhen. Die Forderung wurde gleich darauf jedem hiesige» Unternehmer gedruckt zugestellt. Es fanden sich jedoch nur wenige, welche der Lohn- kommission zustimmenden Bescheid gaben. Nach 14tägiger Frist wandten wir uns, laut Beschluß, nochmals an den Bund der Jnnungs- meister, weil die Manrerschaft eine gütliche Verhandlung einem Kampfe vorzieht. Jedoch umsonst. Mit nichtssagenden Scheingründen ivies man unseren Antrag zurück und erklärte kategorisch, mit uns nicht unterhandeln zu wollen, weil man sich davon keinen Erfolg verspreche» könnte. In einem Artikel des Organs der Innung kam jedoch der wahre Charakter dieser Helden für Erstrebung �der„Harmonie" zwischen Meister und Gesellen zum Ausdruck. Schmähungen auf die„maßlose Begehrlichkeit" der Maurer wechselten ab mit groben Verleumdungen der Lohnkommission. Die Motive der Lohnforderung wurden nicht dem gesteigerten Bedürfniß, sondern dem angeb- lichen„Hetzen und Schüren" der Lohnkommission und deren „Agitatoren", welche sich„von den Groschen der Arbeiter mästeten", sowie den„arbeitsscheuen Elementen" zugeschrieben. Die Antwort auf dieses unschickliche Verhalle» des Unlernehmerthnins gab am 2. Juni eine von ca. 3000 Maurer« besuchte Versammlung, die fest- setzte, daß in der Woche nach Pfingsten ein Beschluß herbeigeführt werden soll, welcher den Anfang und die Taktik der Lohnbewegung destimmt. Bis jetzt arbeiten schon 1631 Kollegen zu den neuen Be- dingungen, was de« glücklichen Ausgang unserer Lohnbewegung ge- währleistet. Wir erwarten nun von den deutschen Maurern sowie von allen Arbeitern, daß sie nns in unserem Kampfe moralisch unterstützen, insbesondere bitten wir darum, daß in der Presse sowie in allen Zusammenkünften der Maurer aller Orten vor Zuzug nach Berlin gewarnt wird. Alle Arbeiterblälter, gewerkschaftliche sowie politische, werden ersucht, hiervon Notiz zu nehmen. Die Lohn kommission der Maurer Berlins und der Umgegend. Briefe sind zu richten an S i l b e r s ch m i d t in Berlin C, Grenadierfir. 33, Restaurant Buske. Ans Breslau berichtet die bürgerliche Presse: Infolge der Arbeitseinstellungen, die in letzter Zeit in de» ver- fchiedenen Strichen desoberschlesischenJndnstriebezirks vorkamen, hat der Regierungspräsident den Polizei- Ver- w a l t n n g e n bestimmte Weisungen gegeben, auf etwaige ans- w artige Agitatoren zu achten. Ferner sollen die Polizei- Verwallnngen bei etwaige» Arbeitseinstellungen stets mit den zu- ständigen königlichen Berg-Revierbeamten im steten Verkehr bleiben, um die Aorbeugungs mittel wie Heranziehung von Gendarmen, Schließen der Wirthshänseric. im Ein» verständniß mit diesen anzuordnen. Es ist nichts davon bekannt geworden, daß der Regierungs- Präsident in Breslau gegen die bürzerliche» Blätter, die diese Nach- richt brachte», eine» Beleidig» ngsprozeß a»gestr-"'it hätte. Demnach wird die Nachricht wohl stimme». Ist das aber der Fall, dann möchten wir fragen: Wie kommt der Regierungspräsident dazu, den Arbeitseinstellungen durch Heranziehung von Gendarmen. Schließen der Wirthshänser zc.„vor- zubeugen"? Die Einstellung der Arbeit ist ei» gesetzliches Recht des Arbeiters auch in Oberschlesien, und wen» der Regierungspräsident Streiks verhindern will, so mag er die PolizeiverwaUnngen anweisen, bei den Differenzen der Arbeiter mit den Unternehmern unparteiisch zir vermitteln, ivas gerade von den Arbeitern und den„Agitatoren" jederzeit dankbar anerkannt werden wird. Ueber den Tischlerstreik in Stettin schreibt der„Bolkzbote": Der Arbeiigeber-Berband hat Unterhandlungen mit der Lohn- kommission um deswillen abgelehnt, weil diese nicht darauf dringt, daß in de» Betriebe», wo jetzt gearbeitet wird, nochmals gestreikt wird. Den Gesellen soll gestattet sein, bis zum 10. Juni bei zehn- stnndiger Arbeitszeit und dem lS06er(bekanntlich reduzirteu) Tarife zu arbeiten. Wer dann nicht arbeitet, soll ausgehungert werden. Um so strenger ist der Zuzug fernzuhalte». Tie streikenden Steinsetzer StetttnS beanftragten den Ge- sellenansschuß und die Lohnkommission, nochmals beim Jnnungs- vorstand anzufragen, ob die Innung zu Verhandlungen geneigt sei. Eine Einigung nach Pfingsten soll in Aussicht stehen. In Bergedorf bei Hamburg befinden sich die Arbeiter und Arbeilerinnen der Faserstoff-Zurichterei und Mechanischen Bürstenfabrik von M e y n. Komp. seit Ansang dieser Woche im Ausstand. In der Fabrik werden Fibre und Piassava zur Bürsten- und Besenfabrikation hergerichtet, sowie auch Besen- und Bürstenwaaren angefertigt. Die Löhne der im Betriebe beschästigte» Arbeite: und Arbeiterinnen sind sehr niedrig. Ein Wochen- lohn von 7, 8 und 9 M. für Arbeiterinnen war an der Tages- ordnung und bei den Arbeitern waren Wochenlöhne von 8—10 M. ebenfalls nichts Seltenes. Vor drei Wochen gelang es einem Theil der Arbeiter, eine kleine Lohnerhöhung zu erreichen. Der damals vereinbarte Tarif wurde aber Ende voriger Woche von der Direktion wieder zu durchbrechen versucht. Da gütliche Verhandlunge» zu keinem Resultat führten, sahen sich die Arbeiter gezwungen, die Arbeil niederzulege». Air dem Ausstand sind 110 Personen betheiligt, darunter 38 Frauen. Verheirathet sind 62, die Zahl ihrer Kinder beträgt 79. Zuzug ist streng fernzuhalten. Anfragen und Sen- düngen sind zu richten an F r a n z S ch r ö d e r, per Adresse Gast- wirth Timm, Sande bei Bergedorf, Waldstraß« 10. In Bochnm reichte der größte Theil der Fahrer und Schaffner der elkektrischen Straßenbahnen eine Reihe von Forderungen auf Lohnerhöhung und Belaffnng des freien achte» Tages sowie Einrichtung eines ständigen Schiedsausschusses und mildere und begründetere Anwendnng der Geldstrafe» ein. Die Forderungen des Fahrpersonals wurden von der Betriebsleitung sämmtlich abgelehnt. Der Oberbergrath TaeglichSbeek hat eS bekanntlich abgelehnt. in Beziehung auf die Lohnforderungen der Bergleute im Dortmunder Revier das Berg- Gewerbegericht zur Eröffnung des EiuigungS- Verfahrens zu veranlasse», wobei er sich auf die Thatsache stützt, daß die Bergleute mit den Zechenverwaltungen noch nicht im Kampf« stehen. Am 2. Pfingsttag wird nun in Bochum eine Versammlung der Arbeitervertreter i» sämmtlichen Spruchkammern des Berg- Gewerbegerichts abgehalten, die über folgende Frag« entscheiden soll: „Welche Maßnahmen sind seitens der Arbeitervertreter zu ergreifen zur Herbeiführung der Kompetenzerklärung des Berg-Gewerbegerichts als dinigungsrnnt?" In Magdeburg hat die Kommission der vereinigten Tischlermeister eine Bekanntmachung ettaffen, worin es heißt, daß diese Unternehmer sich verpflichtet hätten,„alle ferner streikenden und bis zum 10. Juni d. I. nicht wieder in Arbett getretenen Gesellen vor Ablauf von 4 Wochen(10. Juli) nicht in Arbeit zu nehmen."— Wenn der Zuzug streng ferngehalten wird, werden die Herren auch nach dem 10. Juni mit sich reden lassen. Der Streik der Wäscherinnen in Nen-Usenburg ist vor dem Gewerbegericht als Einigungsamt durch folgende» Vergleich bei- gelegt worden: 1. Die Arbeitszeit einschließlich der Pausen für Frühstück, Mittag- essen und Vesper wird festgesetzt: a) für Wäscherinnen auf die Zeit von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends; b) für Büglerinnen vom 1. April bis 30. September aus die Zeit von 7 Uhr morgens bis 3 Uhr abends, vom 1. Oktober bis 31. März auf die Zeit von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Verheiralhete» Büglerinnen »nd Wäscherinnen ist es während des ganze» Jahres gestattet, erst um 8 Uhr morgens mit der Arbeit zu beginnen. 2. Der Lohn beträgt für erste Arbeiterinnen l.SO M. pro Tag; für die andere» nach Vereinbarung. 3. Bezüglich des Effens gilt die seitherige Uebung und wird noch von den Arbeilgebern ausdrücklich erklärt, gutes Essen liefer» zu wollen. 4. Ueberstunden von 8 Uhr abends ab werde» entspreckend dem Tagelohn der einzelnen Arbeiterinnen besonders vergütet. Wenn die Arbeilerinnen bei Ueberflundenarbeil zwischen 8 und 9 Uhr zu Abend essen, so wird die dafür nölhige Zeit von den zu bezahlende» Ueber- stunden nicht in Abzug gebracht. Eine Versammlung der Streikenden, die am Dienstag abgehalten. wurde, stimmte dem Vergleich zu und erklärte den Streik für beendet. Da die Wäschereibesitzer durch den Streik einen Tbeil der Kunden verloren haben, können mcdt alle Arbeiterinne» sofort wieder de- schäftigt werden. Man hofft jedoch, daß binnen 14 Tagen auch diese wieder eingestellt werden können. Der Streik hat sieben Wochen ge- dauert, von de» ca. ISO daran betheiligten Arbeiterinnen ist nur«ine abiriinnig geworden. In Pforzheim, wo vor kurzem die Arbeiter der Brauereien auf dem Verhandlungswege bessere Lohiibediugungen erlangt haben, erreichten die Klempner auf dieselbe Wcise den Zehnstundentag. Abschaffung der freien Station beim Meisler, 2S Pf. Minimal- Stundenlohn für Arbeiter unter 19 Jahren, 23 Pf. Minimal- Stundeuloh» für äftere Arbeiter, durchschnittlich 10 pCt. Lohn- erhöhnng, 20 pCt. Aufschlag für Ueberstunden, 25 pCt. für Sonntagsarbeit und 50 pCt. für das Arbeile» außerhalb der Werlstätte. Gefordert war: ISpCl. Lohnerhöhung und 28 Ps. Minimallohn für alle Arbeiter. Die Säger, Zimmerleute, Friseure und Barbiere stehen ebenfalls in einer Bewegung, um ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Ueber de« Töpfcrstreik in München theilt uns der Vorstand des Verbandes der Töpfer mit, daß gegenwärtig 30 Mann zu den geforderten Bedingungen arbeiten. 52 Mann reisten ab, um den Streik zu erleichtern; zu unterstützen sind am Orte noch 116 Mann. Im ganzen sind also an der Bewegung belheiligt 248 Mann. Ihnen stehen 82 Indifferente gegenüber, von denen etwa 16 einer christlichen Vereinigung angehören, die unter dem Protektorat von Geistliche» steht. Die Hälfte dieser genügsamen Leute kommt aber bei dem Kampfe gar nicht in betracht, es sind das Werkstubenarbeiter und solche, die neue Oefen nicht setzen können, sondern alte O'fen nur repariren und reinigen, sogenannte Echwarzputzer, wie mau in Süddeutschland sagt. Die Streikenden ließen kein Mittel nn- versucht, um eine Einigung herbeizuführen. In der ab- gelaufenen Woche»vaudten sie sich an das Gewerbegericht als Einigungsamt. Die Jimungsmeister lehnten aber ab. Daranshin beschloß die Kommission des städtisch?» Arbeitsuachiveises, den Arbeitsnachweis für das Hafnerge werbe während der Daner des Streiks einzustellen. Die nolhwendige finanzielle Unterstützung wurde bisher im vollen Um- fange gezahlt, doch wären Beihilfen a»S anderen Gewerkschaften für die Folge sehr erwünscht. Di« Barbiergehilfen Münchens verlangen, nachdem im Barbiergewerbe eine Preiserhöhung durchgesetzt worden ist, von ihren Meistern eine Lohnerhöhung und zwar einen Mindest-Wochen- lohn von 16 M. oder von 8 bezw. 7 M. bei halber Kost. Ausland. In Wien hat die Direktion der Tramway Zugeständnisse gemacht, mit denen der Vertreter der Kondukteure, nicht aber der Vertreter der Kutscher sich zufrieden erklärte. Die Eni- scheidnng wurde einer Versammlung aller Tramway- Bedienstelen überlassen. Der Streik der chemischen Arbeiter Basels ist beendigt. Es wurde ei» iheilweiser Erfolg erreicht. 50 der a» dem Ausstand Betheiligten sind nicht wieder angenommen worden. Der Verband der dänischen Schmiede«nd Maschinen- bauer wendet sich a» die deutschen Bernfsgenoffen mit dem Ersuchen, etwaigen Anerbieten der dänischen Fabrikanten keine Folge zu leisten. Die angedrcchte Aussperrung, die, wie wir bereits gestern mittheilten, am 9. Juni beginnen soll, würde 6000 Mann nmfassen. Anfrage» sind zu richten an den Vorsitzenden des Verbandes H. P. Hansen in Kopenhagen, St. Pedersträde 45. Sozinlvs. Die erste Maschine znr Herstellung von Einbanddecken für Bücher ist, wie die„Buchbinder-Zeitung" mittheilt, in der Buchbinderei von Gustav Fritzsche(Aktiengesellschaft) in Leipzig aufgestellt worden. Sie funllionirt gut und liefert stündlich 550 Decken. Ihre Bedienung geschieht durch Mädchen. Die Maschine wirb sich voraussichtlich rasch einführen und eine größere Anzahl männlicher Arbeitskräfte verdrängen. An sich ist die Einführung der neuen Maschine wegen bei damit ver- bundeiien technischen Fortschritts zn begrüßen, scblimm ist nur, daß die Einsührmig auf Kosten der Arbeiter er- folgt. Daß dem so ist, daran trägt der Theil der Buch» bindereiarbeiter mit Schuld, der sich, wie der politischen, so auch der gewerkschaftlichen Organisation fernhält. Würde der Buch- binderverband die Mehrzahl der Berufsangehörige»»msassen, so wäre es möglich, die Unleriiehiner zu zwinge», bei der Einführung der Maschine nicht die Interessen der Arbeiter aus dem Auge zu lassen. Gegen die Einführung der arbeitsparenden Maschinen darf und kann sich natürlich auch die stärkste Gewerlschast nicht wehren, aber eine starke Gewerlschast kann einen Theil des Schadens, den in der kapitalistischen Wütdschaftsordnnng die Einführung vo» Maschinen für die Arbeiter im G-folg« hat, verhüten, und das ist nach Lage der Dinge schon viel werth. Vepeschen und letzte Vuchvichten. Hamburg, 5. Juni.(W. T. B.) Der„Hamburgische Kor« respondeiit" meldet: Der Schnelldampfer Fürst Bismarck hat gestern vormittags 10 Uhr in der Nordsee bei langsamer Fahrt in dichtem Nebel einen englischen Fischerkutter in den Grund gebohrt, der es nnterlassen hatte, die üblichen Glockensignal« zu geben. Fünf Mann von der Besatzung desselben sind ertrunken. Der Eigenthümer»nd sein Sohn wurden gerettet. Kopenhagen, 5. Jimi.(Privatdepesche des„vorwärts".) Hier steht ein großer Ausstand bevor, da die Unternehmer der Maschinenbau- Anstalten und die Schmiede die Aussperrung ihrer Arbeiter be- schloffen baben. Der Zuzug ist fern zu hallen. ESbjerg, 4. Juni.(W. D B.) Der dänische Jnspektions- dampfer„Grönsund" hat gestern den englischen Trawler„Premier- minister", Kapitän Townsenb. und den deutschen Trawler„Schöne- deck", Kapilän Meyers, ans Bremerhaven ausgebracht, weil dieselben in dänischem Gewässer gefischt batten. Beide wurden zu je 200 Kronen Geldbuße sowie in die Kosten verurtheilt; der Fang und die Gerälhschaste» wurden beschlagnahmt. Wie«, 5. Juni.(W. T. B.) Die Delegirten der Pferdebahn- Angestellten erklärten dem Bürgermeister Dr. Lueger, sie würden morgen früh mit dem Ausstand beginnen. Laibach, 5. Juni.(B. H.) Auf dem Karst-Gebirge herrscht schwere Bora. Paris, 5. Juni.(B. H.) Dem„TempS" zufolge findet die Abreise deS Präsidenten Felix Faure nach Rußland am 25 Juli statt. Derselbe wird von dem Minister des Aeußern Hanolaux, General Boisdeffre und Admiral Gervais begleitet sein. PariS, 5. Juni.(W. T. B.) Deputirtenkammer. In der Antwort auf eine Interpellation über die Entlassung zahlreicher Arbeiter in de» Minen von Grandcombe rechtfertigte Minister der öffentlichen Arbeilen Turrel das Verhalle» der Kom- pagnie und erklärt, die Gründe für die Ver>ninderiiiig der Arbeit lägen in der Konkurrenz der über Marseille eingeführten englischen Kohle. Er, der Minister, habe eine Ver- Minderung der Kohlentransporte ans der Eisenbahn über Marsaill« durchgesetzt und werde versuchen, andere Abmachungen in diesem Sinne zu erlangen. Im Laufe der Berathung nannte der Sozialist Gsrault-Richard mehrere Kollegen Spitzel; das Hans beschloß gegen ihn eine Rüg« mit zeitweiliger Aus- schließung von der Sitzung. Da Gsranlt sich weigerte, den Saal zn verlasse», unterbrach der Präsident die Sitzung. Während der Pause trat ein Piqnet von 8 Soldaten in den Sitzungssaal und der Oberst, der im Palais Bonrbou die Wach« hall«, legte Geranlt die Hand ans die Schulter und fordert« ihn auf, de» Saal zu verlaffe». Görault fügte sich, bemerkt« jedoch, er weiche nur der Gewalt, und rief:„Es lebe die soziale Revolution". Einige Sozialisten, die im Saale geblieben waren, klatschten Beifall. Nach Wiederaufnahme der Eitznng verlangt« James, über diesen Angriff ans die Freiheit der Depnttrte» z« interpellire», Briffon verweigerte dies, da di«s« Frage nicht zur Tagesordnung gehöre. Die äußerste Linke prolestirle laut dagegen. Die Sitzung wurde sodann unter großem Lärm geschlossen. Nächst« Sitzung Donnerstag. Verantmortlicher Redakteur: Roberl Schmidt in Berlin. Für den Jnierotemheil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u. ttnterhaltnngsdlatt i Ktilltge des JotmW Serlim jolblilflll Vom Vevetttsgrsetz. — Protestkundgebungen gegen die lex Recke werde» gemeldet aus Dortmund, Coburg, Pößneck. Celle, Halber st adt, Spandau. * — Von liberaler Seile ist die'allerdings wohl thörichte Hoffnung ausgesprochen, daß die Regierung sich mit den Ergebnissen im Abgeordnelenhanss einverstanden erklären und in diesem Sinne den nölhigen Druck aus das Herrenhaus ausüben werde. Die„Kreuz- Zeitung" wendet sich gegen diese Hoff- uungeu und will die Regierung wieder einmal scharf machen: „Eine so schlechte Meinung haben wir von der Staats- rcgierung allerdings nicht. Wir wagen nicht anzunehmen, daß sich ein preußisches Ministerium finden wird, das bereit ist, ebenso kläglich zurückzuweichen, wie vor füns Jahren beim Vvlk-schul- Gesetze. Tiesmal wäre der Rückzug sogar noch d c m ü t h i g e n d e r als damals, denn er würde zeigen, daß das preußische Slaatsministerium nicht einmal de» Miuh hat, aus dem Verlangen nach wirksamen Waffen gegen die königs- und valerlandsfeindlichen Umsturzparteien bestehen zu bleibe». Wir würden glauben, der Regierung zu nahe zu trele», wenn wir eine derartige Möglichkeit überhaupt ernst- hast ins Rüge faßten. Eine Zurückweisung der Ans- fas'ung. daß. wen» jener— für uns als unmöglich erachtete— Fall einträte, die Regierung das Herrenhaus in gleichem Sinne mit Erfolg beeinflussen werde, scheint uns aus diesem Grunde nicht ersorderlich." »« » — Neber dieDringlichkeit, in der Abwehr gegen die Reaklion unrnnüdlich fortzusahren, sagt die„V o l k s- Z e i t u» g": „Die Ablehnung der bedenklichsten Bestimmungen der Novelle zum Vereinsgesetz kann weder über die Gefahr des erhalten ge- bliebenen Verbotes für die Minderjährigen an Versammlungen theil- zunehmen, noch darüber täusche», daß das Herrenhaus der Vorlage die Giflzahne wieder einsetzt, die ihr das Abgeordnetenhaus ausgebrochen. Der Kamps ist also»och nicht zu Ende und die öffentliche Meinung hat keine Äeranlafsimg, sich den voraussichtlich kommenden Ereignissen gegen- »der in Sicherheit zu wiege». Man sollte daher nicht auf- hören, fo�t und fort gegen jede Beschränkung der Vereins- und Versammlungsfreiheit zu protestire». Es ist freilich eine schlechte Zeit dazu um Pfingsten herum. Aber das Psingstfest ist in zwei Tagen abgelhan. Alsdann sind bis zum 22. Juni, dem Tage der zweiten Abstimmung im Abgeordnelenhause, noch vierzehn Tage Frist. Diese Zeit muß energisch a u s g c n u tz l werden zu immer neuen Kundgebungen gegen die Novelle. Die Regierung rechnet auf das Herrenhaus, das ja neuerdings in Herrn von Bötticher's Augen außerordentlich an politi- scher Bedeutung gewonnen hat. Darum ist jedes Nach. lassen in der Abwehr vom U-bel. Gerade jetzt muß ninn diese Abwehr steigern, um den Beweis zu erbringen, daß man selbst die von den Regierungsvorschlägen allein übrig gebliebene relativ nnbedeuteudste Bestimnumg. die es den Minderjährigen unmöglich »lacht, politische Bildung zu erwerben, nicht will. Denn man darf sicher fetti: gelingt der Regierung dieser eine Streich, dann wird der zweite sogleich nachfolgen." *** — Uebet die H aZn d h a l> u n g des Vereinsgesetzes in Pommern theilt das„Reichsblatt" nenerdiugs folgendes mit: Im Swmemünder Kreise hatte ein Amtsvorstcher die gesetzliche Bescheinigung über eine angemeldete Versammlung veriveigert, weil chm„der Zweck der Versammlung nicht mitgetheilt sei". Als trotzdem die Versammlung des„Nordost" in bezug aus der Insel Usedom stattjand, ließ er sie polizeilich auflösen. Es folgt« Be- schwerde beim Minister v. d. Recke und sodauu beim Landraths- amte, außerdem wurde der Staatsanwallschast in Stettin Anzeige wegen Verletzung des vom Amtsmißbrauch handelnden§389 des Reichs- Slrasgesetzbuchs gemacht. In einer Zuschrift theilie etwa 10 Tage nach dem Zwischenfall am 28. März 1807 der Regierungspräsident v. Sommerfeld- Stettin dem Beschwerdeführer mit, daß die an den Minister gerichtete Beschwerde ihm zugestellt und an den Landrath v. Puttkamer in Sivinemünde weitergegeben sei. Am 27. April 1897 ging dann dem Beschwerdeführer eine vom IS. April datirle längere Entscheidung des Landraths in Sivinemünde zu, in der es heißt, daß der Landrath„den Amlsvorsteher Albrecht zu Labörnitz wegen Bersagnng der Anzeigebescheiniguug unter Hinweis auf die Vorschriften des Vereinsgesetzes auf das NnznkSsfige seines Verfahrens aufmerksam gemacht habe." Die Auslösung der Versammlung wurde aber überhaupt nicht für unberechtigt erachtet." Die Kresse Aber den Tnnsch-Krozeß und die politische Polizei. Die Person des Polizeikommiffars und da? GerichtSurtheil trete» allgemein als nebensächlich hinter allgemeinen Betrachtungen zurück. Die Bismarckblätter betonen hauptsächlich, daß keine „Hintermänner" erwiesen seien, wobei sie vergessen, daß die Prozeß- betheiligten sich ängstlich bemüht haben, die Verhandlung„im engsten Rahmen" zu halten. Im übrigen verurlheilt nian mehr oder weniger scharf das Treiben der politischen Polizei, ohne doch dem Uebel gehörig auf den Grund zu gehen. Wir geben einige Preßstimmen wieder: Die„Berliner Neuesten Nachrichten" schreiben: „Es sind schwere Schäden im Organismus der politischen Polizei durch diese Verhandlung bloßgelegt worden, über welche die Feind« der Staatsautorität mit begreiflicher Schadenfreude zu Gericht sitzen, und es hat sich gezeigt, daß durch diese Mißstände sogar die innere Festigkeit des Regierungsorganisums zeitweilig erschüttert werden konnte. Denn der Rückiritt des Ministers v. Köller ist zum theil durch die Jntriguen veranlaßt worden, welche von den Bediensteten der politischen Polizei mit einer m der That unerhörten Frivolität gesponnen wurde». Das alles hat die Verhandlung mit ilnaufecht- barer Bestimintheit ergeben. Dagegen ist nicht klar erwiesen, daß v. Tausch mit Normann-Schumann im Komplott operirt hat, obschon der Verdacht, daß es geschehen, durch schivere Indizien gesteigert worden ist.... Es wird sich erst später ein Urtheil darüber gewinnen lassen, ob der moralische Gewinn, den dieser Reinigungsprozeß gebracht hat, nicht zu lheuer erkauft ist niit dem Einsatz, den das Ansehen des Slaats dabei hat leisten müssen. Die Ausbeulung der aufgedecklen Blößen seitens der Sozialdemokratie ist schon jetzt maßlos. Was wird erst bei der Wahlbewegung in dieser Hinsicht geleistet werden! Wir fürchten aber, daß die Rückschläge sich auch nach anderer Richtung fühlbar machen werden, denn nicht die Sozialdemokraten allein finden in dem Prozeß den reichsten Agitalionsstoff. Das Geschwür ist nunmehr aus- gebrannt worden bis auf de» Grund, aber wer kann dafür bürgen, daß diese Parforcekur nicht doch noch weit schädlichere Nachwirkungen haben wird?" Die„Berliner Börsen-Zeitung" meint: „Der Prozeß v. Tausch— v. Lützow hat, gleichviel wie das Ur- theil ausgefallen ist, nicht die Geschäfte seiner Urheber, sondern ganz allein und ausschließlich die Geschäfte jener subversiven Parteien besorgen helfen, welche mit der Fiktion arbeiten, daß unsere heutige Staats- und Gesellschaftsordnung bis ins innerste Mark verfault sei und nichts befferes verdiene, als durch de» Zu- kunftsftaat der Herren Bebel-Liebknecht ersetzt zu werden. Demgegenüber legen wir ein ganz besonderes Gewicht darauf, zu konstaiiren, daß unser preußisches Beamtenthum aus der Prozeß- Verhandlung nach jeder Richtung hin völlig intakt hervorgcgangeu ist, daß sich nirgeuds auch nur ein Schatten eines Anhaltspunktes dafür ergeben hat, als passirten innerhalb des preußischen Dienst- betriebes Dinge, die das Licht zu scheuen hätten." Der„ R e i ch s b o t e" schreibt: „Ter Prozeß Tausch-Lützow hat auf jeden Patrioten einen tief schmerzlichen Eindruck gemacht. Die Polizei ist eine sehr wichtige und unentbehrliche Jnstitulion. Es ist aber in diesem Prozeß ans allen Seiten, von den Rechtsanwälten, wie den Siaatsamvälten und dem Vorsitzenden konstatirt worden, daß durch das amtliche Gebahren des Kriminalkomniissars v. Tausch die Polizei, insbesondere das von ihm vertretene Ressort aufs schlimnifte konipromitlirt worden ist. Es ist doch für einen jeden ehrlichen, loyalen Staatsbürger geradezu erschreckend, ans diesem Prozeß zu hören. daß aus der Mitte der politischen Polizei die widerwärtigsten Unwahrheiten bez. Jniriguen gegen die Minister v. Köller und v. Marschall und die schlimmsten Nachrichten über den Kaiser hervorgehen! Wenn man da» Treiben dieses v. Tausch und seiner Agenten sieht, dann bemächtigt sich jedes silllich denkenden Menschen und ehrlichen Patrioten der nnabweisliche Eindruck: Hier muß unbedingt Wandel geschaffen werden und eine gründ- liche Reform platzgreifen." Der„Hamburger C o r r e s p o n d e u t" sagt: „... Aber bcsser, man beseitigt solch kranke Glieder, ehe ihr Gi l weiter wuchert. Tentschland und Preußen stehen so groß und fest da, daß ihr Bau nicht wankt, wenn in einer Ecke Gewürm und Mauerschwamm nisten. Diese können Liebt und Luft nicht vertragen. Darum soll der scharfe, reinigende Zug der Oeffentlichkeit hineinfahren, damit alle Welt sieht: was„faul im Siaale" ist, soll gebessert werdau Biel ärger als die bösen Enl- hüllunge» über einen wunden Fleck im Slaatsleben wäre es, wenn nunmehr, wo„die Angelegenheit streng untersucht und nach allen Richtungen hin klargestellt" ist, nicht die nöthigen Folgen mit voller Thatkrast gezogen würden: eine Reform der geheimen politischen Polizei an Haupt und Gliedern, die von der Frage aus- zugehen Hai, ob diese Institution überhaupt nö'hig ist. Wir sind geneigt, mit Nein darauf zu antworten, denn das wenige, was sie nützen kann, vermag die Kriminalpolizei, der Staatsanwalt und der lliitersuchungsrichter zu vollbringe». Daß die politische Polizei aber unendlichen Schaden anrichten kann, das beweisen Leute wie Tausch und seine Agenten."— Die antisemitische„ S t a a t s b n r g e r-�Z e i t u n g" sagt: „Für die Beurtheilung unserer inneren politischen Zustände hat dieser Prozeß ganz nngewöhnliches Material giliefert, und in dieser Beziehung hat sein Urheber, Freiherr von Marschall, unziveifel- hast den Anlaß zu Aufllnrungeu gegeben, die ohne seine Flucht in die Oeffentlichkeit kaum jemals zu erzielen gewesen wären. Ob freilich gerade Frhr. v. Marschall als Chef des Auswärtigen Amtes die Aufgab« zu erfüllen hatte, diese Bilder vor der breitesten Oeffentlichkeit zu entrollen, darüber kann man wohl getheilter Ansicht sei»; denn daß dem Ansehen des Deutschen Reiches nach außen hin dadurch kein Dienst eriviesen worden ist, das wird wobl niemand zweifethast sein; beruft sich doch das Zentralorgan der internationale» Sozialdemokratie schon heute auf „auswärlige Preßstimmen!" Die„N a t i o n a l- Z e i t n n g" meint: „.. Wir glauben, dies genügt, um darznlhnn, daß gegen das Treiben der politischen Polizei ohne gerichtliches Verfahren nichts zu erreichen war. Tausch ist von seinen„direkten Vorgesetzten" biS 1896 genau so geschützt worden, wie Normann-Schumann augeblich nur bis 1393. Wir sagen: angeblich; denn dieser Biedermann bat sich trotz allem, ivas er auf dem Kerbholz hatte, in Berlin bis zu dem Tage sicher gesühlt, an welchem Tausch verhaftet wurde. Im übrigen bestreiten wir, daß irgend ein Grund zum Bedauern über die öffentliche Verhandlung der beiden Prozesse obwaltet. Bedawerlich sind allerdings die politischen Verhältnisse, welche sie nothwendig machten. Vor- läufig aber ist unser Staatswesen noch fest genug, um die öffent- liche Erörlerung von Uebeln, welche nur durch ihre Bloslegung in der Oeffentlichkeit zu heilen sind, ertragen zu können. Was Arzneien nicht heilen, das heilt das Eisen: was vom Eisen nicht geheilt wird, das heilt das Feuer." Tie„ V o s s i s ch e Zeitung" spricht sich also a»S; „Aber daß es eine Menge Herren giebt, denen das Treiben des Herrn v Tausch, auch wenn sie es nicht veranlaßt«!! oder kannten, m hohem Maße willkomnien ivar, und daß vielleicht niancher dieser Herren bange gehabt hat, in dem Prozeß ebensallS eine sttolle spielen zu müssen, dnS wird füglich nicht bezweifelt werden. Sie werden wie von einem Alpdruck befreit gewesen sein, da sie vernahmen, daß die Beweisaufnahme geschlossen werde. Und auch mancher der ungenannt gebliebenen Agenten wird froh sein, daß der Prozeß aus ist und Herr v. Marschall als kranker Mann nach dem Süden reiste, während Herr v. Tausch freigesprochen die Anklagebank verließ. Da redet man immer von dem Beamtenlhnm, das einen einheitlichen Organismus bilde. Durch diese Prozesse bat nian erfahren, ivie es um die Einheitlichkeit des amtlichen Organismus bestellt war. So aber muß es schließlich immer in einem Staatswesen gehen, in dem man sich nicht dazu verstehen kann, eine parlamentarische Rcgierungsweise durchzuführen." Das„Berliner Tageblatt" schreibt: „Eines ist unwiderleglich klar geworden durch diesen nenesten polizeipolitischen Prozeß, daß in einem auf Gesetzen und gesetzlicden Verordnungen beruhenden Staatswesen, wie unser Preußen, für «ine politisch« Polizei in ihrer jetzigen Verfassung überhaupt kein Raum mehr vorhanden ist. Ein Minister des Inneren, der sein« Ausgabe in großem Sinne zu erfassen vennag, hat daher kein« wichtigere Ausgab« zu erfüllen, als eine Reform dieser politischen Polizei vorzubereiten und mit allen ihm verfügbaren Mitteln durch- zuführen. Diese reformirte politische Polizei muß in den Rahmen der gesammten Staatsverwaltung und der allgemeinen Berwallungs- grundsätze eingefügt werden. Das ist das Ziel der unumgänglich geivordenen Reform, und wenn durch diesen Prozeß sich unserer Staatsregieriing die Ueberzeugung ausgedrängt hat, daß eine solche Reform im Interesse der öffentlichen Sittlichkeit und der öffent- lichen Ordnung unbedingt geboten ist, dann hat dieser traurige Prozeß doch noch eine segensreiche Nachivirkung gehabt. Das Facit der Verhandlungen aber ist: Herr«.Tausch wurde freigesprochen, die politische Polizei bleibt ver- u r t h e i l t." Die„Berliner Zeitung" führt a»S: „So sehr nian sich auf feiten der Staatsanwaltschaft und deS Gerichts bemüht hat, die gerichtlichen Erörterungen über das Treiben der politischen Polizei nach Möglichkeit einzuengen, und so sicher es ist, daß nur ein Theil, ein vielleicbl sehr klein«: Theil dieses Treibens dem hellen Lichte der Oeffentlichkeit ausgesetzt worden ist, das Erwiesene genügt zu de«! Urtheile, daß wir es mit einem moralischen Zusammenbruch zu thun haben, mit der Zerschmette- rung eines verwerflichen Systems durch die Gewalt des öffentlichen RechtsgefühlS. Die Frage ist nun die: wird man, wie früher schon, aus's neue versuchen, aus den Trümmern des alten schlechten Baues einen neuen Bau aufzuführen, der nicht minder schlecht sein müßte, oder wird man endlich einer Einrichtung entsagen, mit welcher Lug und Trug, Berderbniß und Mißbrauch ebenso eng wie natürlich verbunden sind?... Die politische Polizei hat. nach den bisherigen Erfahrungen, in ihrer jetzigen Beschaffenheit und bei ihrer gegenwärtigen Thätigkeit, insbesondere aber zur„Pflege" des Preßwesens in ihrer Art keinerlei Daseinsberechtigung. Mit der Ansdeckung dieser Wirthschaft, die mit dem Begriffe der politischen Polizei verbunden ist. ist eine neue schwere Erschütterung der Staatsautorität erfolgt. und man wird di« Früchte davon schon rechtzeitig zu kosten bekommen. So kann es nicht w«it«r gehen. Es ist ein Wandel nöthig, ein gründlicher Wandel; sonst treibt man fehenden AugeS dem Verderben zu." Die Berliner„V o l k s z e i t» n g" meint u. a.: „Wenn man die Möglichkeit bedenkt, daß auf grund iinkonkrollirtet Behauplungeii, die von Kommissaren und ihren Agenten aufgestellt werden, die folgenschwersten gesetzgeberischen Maßnahmen gelroffen werden können, so begreift man erst die Schädlichkeit der politischen Polizei und ihrer Werkzeuge. Und je systemloser sie ist und es ihren Milarbeilern„schwer, ivenii nicht unmöglich macht, die ehrenfeste Gesinnung in ihrer ursprünglichen Reinheit zu bewahren", desto gefährlicher ist sie für das öffentliche Rechtsbewußtsein und die Sittlichkeit.... Wollten die zuständigen Behörden bedenken, in welchem Maße die Thäligkeit der polilischen Polizei die Autorität des Slantes untergräbt, so würden sie dem Rufe„Fort mit der politischen Polizei" unbedenklich Folge leisten. Ob sie es aber be- denken werden? Wir möchten das beziveiseln." Tie„Breslau er M o r g e n z e i t u n g" führt auSi „Der eigentliche Erfolg dieses und des im Dezember vorigen Jahres beendeten Berleunidungsprozeffes wider Leckerl- Lützow ist, daß vor der Welt über die in Preußen und im Deutschen Reich seit langem herrsck enden Rechts- und Verwaltiiiig-znslände ein trauriges und sür die Nation beschämendes Bild enthüllt ist— trauriger und beschämender, als es der schlimnifte Pessiimsmiis geahnt hat. Der mit Orden behängte adelige Offizier a. T., Kriminalkoinmissar v. Tausch, betreibt mit seinen Agenten und Vertrauensmännern als eigentlicher Leiter der politischen Polizei ein geradezu verbrecherisches Spiel, um Minister zu stürze», und erfreut sich dabei der Achtung und des Verlrauens der höheren Beamten, die ihm selbst vor Gericht noch glänzende Zeugnisse über seine Ehren- hafligkeit mikstellten! Mit seinen Gehilfen und allerlei Schrift- stellern und Redakteuren hat er die unwahrsten Nachrichten über Reichskanzler und Minister und selbst den Kaiser in die Oeffent» lichkeit gebracht, meist mit Hilfe sehr zweiselhaster Preßorgane." In einem anderen Artikel schreibt dasselbe Blatt: „... Abscheu und Ekel aber muß das Volk ersüllen vor dieser politischen Polizei, in deren Hände die Wahrung der höchsten Staatsiuteressen gelegt war. Und noch eins muß das Volksgemüth bedrücken. Der Prozeß hat keineswegs die erwartete, oder doch erhoffle Ausklärmig über die sogenannten„Hinterniänuer" gebracht. Die wenigen Leute, die darüber Auskunst geben könnten, verschanzen sich hinter ihrem„Ehrenwort", oder sie sind todt, oder sie weilen unbekannt im Auslände. Vor diesem Normann-Schumann ist man auch heute noch nicht sicher und die Frage, wovon der Mamisslebt, ob er nicht heute noch, vielleicht bis an sein seliges Ende von den Hinter- Männern das Gnadenbrot erhält, liegt nahe. Und Freiherr von Marschall? Wir haben uns gesträubt gegen die Annahme, daß die Gerüchte von seinem Rücktritt der Wahrheit entsprächen. Heute können wir uns der Möglichkeit nicht ver- schließen, daß der Staatssekretär diesen Ausgang des Prozesses zum Anlaß seines Rücktrittes nehmen dürfte." Die„Frankfurter Zeitung" schließt ihre Tausch- Betrachtung wie folgt: „Mag er für alles das juristisch nicht faßbar gewesen sein, das moralische Urtheil über ihn ist gesprochen, das Urtheil ist aber auch gesprochen über das System, das er vertreten hat. Durch den Prozeh ist von neuem hell hineiiigeleiichiet worden in das verrottete System der politischen Polizei, in die von dieser vertretene Polizei- Unmoral, die allein es ermöglicht hat. daß Lug und Trug in schier unfaßbarerweise jahrelang selbst gegen die böchsten Reichsämter ge- wühlt haben. Nur durch vollste Oeffenllichkeit hat Frhr. v. Marschall diese im Dunklen schleichenden Feinde aufstören können. Daß ihm das gelungen ist, und er die verdächligten Behörden von jedem Verdacht perfider Machenschaften glänzend gereinigt hat, das ist ein Ergeduiß, welches auch durch den schließlichen Ausgang des Prozesses Tausch in seiner Bedeutung nicht geschmälert werden kami." Uokslles. Tie Pnrteigenoffc» des». Berliner ReichStagS-Wahl« krcises und deren Damen resp. Familien unternehmen am zweiten Pfingfifetertag(Montag) einen Ausflug nach Schmargendorf, Restaurant„Sanssouci". Treffpunkt früh 8, Uhr Ringbahnhof (Potsdamer Bahn) und später im Lokal. Reger Beiheiligung sieht entgegen Der Wahlvereins-Vorstand. A» dem seltenen Anblick eines frommen Berliners weidet sich zur Zeil der äußerste Osten des preußischen Mnsterstaates. Aus Heydekrug berichten die Provinzblätter folgendes:„Der Inspektor der Berliner Stadtnussion, Herr Prediger Evers. entrollte in der Predigt, die er am vergangenen Sonntag in der Werdener Kirch« hielt, ein abschreckendes Bild über die S i t t e n l o s i g k e i t der Arbeite rbevölke rung unserer ReichShauptstadt. Möge seine mahnend« Stimme, namentlich die Töchter an den heimathlichen Herd zu fesseln und sie nicht den Gefahren des groß- städtischen Lebens preiszugeben,«inen nachhaltigen Eindruck hinler- laffen haben." Zu dieser erbaulichen Agitation bemerkt unser Königs» berger Parteiorgan: Nun, wir glauben, daß mall, um sittenlos zu werden, nicht erst nach der Reichshauptstadt kommen muß. Wie eS mit der Sittlichkeit auf dem Lande bestellt ist, ersehen wir aus einem Bortrage, den seinerzeit der Rittergutsbesitzer Dr. v. Wächte« in einer Diözesen-Versammlung in Grimma gehalten hat über di« geschlechtlich« Unsiltlichkeit aus dem Laude. Er erkannte an, daß vielfach auch die A r b e i t g e b« r, selbst die V e r h e i r a t h e t e n, mit ihrem weiblichen Gesinde in geschlechtlichen Beziehnngen stehen, deren Folgen dann durch Zahl» n g von Geld beglichen oder durch ein Verbrechen aus der Welt geschafft werden. Groß- gezogen wird diese Unsittlichkeit nach den Darlegungen des Fach» maiines zum großen Theil.... leider auch durch die gebildeten Kreise, die Verwalter auf den Gütern und durch das Militär gelegentlich der Manöver. Herr v. Wächter theilt»um Schluß noch mit,„daß thatsächlich auf dem Lande in der dortigen Gegend kaum noch«in Mädchen über 17 Jahre zu finden sei, welche noch nicht gefallen sei." Wie mag dem Pastor au? Sündenbabel diese Unschuld vom Lande gefallen? In Sachen Ziethen hatte der Barbier Franz Androck anD Bornstedt kürzlich eine öffentliche Erklärung gegeben, worin er sich gegen die Unterstellung des Gerichtes, schon einmal in Sachen Ziethen vernommen zn sein, venvahrte. Bei dieser Gelegenheit halte auch Androck noch weilerer Dinge Erwähnung gethan, die ihm zum Fall Ziethen selbst ans dem Munde des Barbicrgehilfen August Wilhelm, dem dam öligen Lehrling des Barbier Alberl Ziethen be« kanut geworden waren. Diese Miltheilungcn war man leicht ge« neigt als ein Märchen aufzufassen. Angestellte Erhebungen hoben jedoch ergeben, daß nicht an dem ist— denn Wilhelm hat in der That seinerzeit eine Beichte abgelegt und sich darin als Mörder der Frau Ziethen bekannt. Kein Geringerer als der Geistliche selbst hat diese Thatsache» zu Ohren derer gebracht, die ein Interesse und ein Recht darauf hatten, etwa? darüber zu erfahren. Es trifft also den Geistlichen in keiner Weise ein Vorwurf, das Beichtgeheimniß verletzt zu habe». Der Umstand, daß der Varbier Franz Androck von diesen Ringen, die selbst Prozeß, betheiligten nicht einmal bekannt lvaren, genaueste Kenntniß desitzt, spricht doch dafür, daß ihm Wilhelm s. Z. den Mord an der Frau Ziethen eingeräumt hat. Die nächsten Wochen dürsten jedenfalls Ausklärung darüber bringen, in wie weit man den Aussagen det Androck Gewicht beilegen kann; da bereits polizeiliche Er« Hebungen im Gange sind.— Tie Mitglieder deS Berliner Arbcitcrdertreter- Vereins werden nochmals darauf aufmerksain gemacht, daß die nächste V-r« sainmlung am 8. Juni ausfällt. Dieselben werden zur nächste» Versammlung außer durch Inserat im„Vorwärts" per Karte ein- geladen. Znm Stadt» Tchiiltttspcktor an stelle des verstorbenen Herrn Dr. Hrimig ist von der städiischen Schnldepulation Herr Gemeinde- schuUehrer Slubbe von der 1S1. Gemeindeschult gewählt worden. Bci Herrn v. Tausch liefen, wie gemeldet wird, gestern nn- auSgeietzt Glückwunsche ein. Vorgesetzte, Amtsgenossen und de- freundete Familien solle» persönlich ihre Karten abgegeben haben; aiidere schickten Blumciispenden und selbst von„ganz unbekannten Damen" wird gemeldet, daß sie dem klassischen Vertreter der heutigen Ordnung Sträußchc» überreicht haben. Wein fiele bei soviel Theil- »ahme nicht der liebliche Gesang ein, den in Goethe's„Faust" die „Geister aus dem Gange" anstimme», während ihr braver Kollege sich mit Hilfe eines Rattenzahns aus sehr unangenehmer Gesängen- schnst besreien muß. Eine klägliche Albernheit ist übrigens am Freitag Nachmittag von emer Gesellschaft begangen worden, die den moralischen Mulh gesunden hatte, Herrn v. Tausch in ein Weinrestaurant zu geleiten und ihn dort zu feiern. Tausch zog sich bald mit seinem Freunde, chstltnieister Diedrich v. Kotze, zurück, die übrigen aber, nach der „anglichen Rundschau" zum theil aktive Offiziere, ergraute, all- gediente Polizeibcamte und Schriftsteller u. s. w. brachte» es über sich, folgendes Telegramm abzusenden:„Staatssekretär V.Marschall, Auswärtiges Amt, Berlin. Herzlichen Glückwunsch! Maximilian Harde», Königin Angnstraße 8." Ob das ein Witz sein sollte? Tas Verhalten der Herrschaften, die sich an den Vcrhand- lung.n des Tausch-Prozesses als Zuschauer ergötzten, wird aiich ,n der„National-Zeitnug" ähnlich wie von uns charaklerisirt. Das Blatt schreibt:„Wenn wir noch ein Wort über das gestrige und vorgestrige Tribünenpublikum sagen sollten, so fehlt es uns zum theil an einem entsprechende» Ausdruck, um die leidenschaftliche, aufdringliche Parteinahme einer Gcfolgsgenossenschaft des Herrn von Tausch zu bezeichnen. Diese de» meiste» Kennern unseres vssentlicheti Lebens wohlbekannte» Herreu und Dame» benahmen sich vielfach in einer Weise, als wenn es sich um ein Spektakel- st ü ck, eine neue T h e a t e r p a n t o m i m e Handelle, und nicht um tiefernste Vorgänge, die auf unser inncrpolitisches Leben sehr un- schöne und bedauerliche Streiflichter iverfen. Dieses Kichern und Klatschen, dieses Plaudern und Grüßen, dieses fortwährende Hinaus und Hinein machte einen höchst unwürdigen Eindruck. Und Ge- stalten, Gesichter sah man da hinten.... Dagegen kann der große Unbekannte, der unaussindbare Normann-Schumann noch ein Geutle- man sein." Fiir die Pfingstfeiertage ist im Betriebe der Stadt- und Ringbahn, souste der Borortsvahne» ein außerordentlicher Fahrplan entworfen, welcher dem gesteigerte» Verkehr au diesen beiden Tagen nach Möglichkeit Rechnung tragen dürfte. Für die Strecke Stadl- bahn— Johannisthal— Grünau ist ein Fünfzehnminuten-Verkehr in Aussicht genomine». Der Betrieb nach Grunewald über die Stadt- bahn wird je nach den Tageszeiten mit einem Zehn- resp. Fünf- Minuten- Verkehr durchgeführt. Im Nordring folgen sich die Züge in Abstünden von 10, auf dem Siidring von IS Minuten. Außer- dem werden Extraznge nach Bedarf zivische» Wilmersdorf und Charlottenbnrg, Schlesischer Bahuhoi— Rixdorf und umgekehrt, eingelegt. Auf der Stadlbahn selbst werden sich die Züge in Abständen von zivei bis drei Minuten folge». Für den Verkehr von und nach Grunewald werden ferner ein« größere Anzahl von Zügen einerseits über den Nord- ring, andererseits über den Südring bis Potsdamer Bahnhof geleiten In der Richtung Friedrichshagen sind zunächst zehn Extra- züge in Aussicht genommen, doch wird auch hier der Fahrplan in« Bedarfsfalle eine Erweiterung erfahren. Ferner verkehren Extra- züge»ach Birkenwerder, Potsdam, Wannseebahn, Zehlendorf, Groß- Lichterfelde und Spandau. Am dritten Psingstfeiertage tritt im Stadl- und Ringbahnverkehr, mit Ausnahme des Südringes, der gewöhnliche Sonntags- Fahrplan in kraft, während auf dem Süd- ring nur der Wochentags-Verkehr zur Durchführung gelangen wird. Die auf den Werkstälteiz im Grunewald und Stralan-Rummelsburg befindlichen Personenwagen sind zum größten Theil den Eisenbahn- direktlonen wieder zugestellt, sodaß aller Voraussicht nach im Bahn- betriebe ein Wageumangel nicht eintreten dürfte. Mau muß abwarte», wie die Eisenbahndirektion ihre Versprechungen halten wird. In de« Gartruanlagen der Natioualgallcrie hat jetzt Tuaillou's Amazone ihren endgilrigen Platz erhallen, nachdem ein niedriger Sandsteinsockel für das Werk hergestellt worden ist. Die Amazone steht vor den Anlage» zwischen Nationalgallerie und Nene», Museum. Der Säulengang, der bisher bei seiner weile» Aus- dehnung etwas eintönig war, ist jetzt durch mehrere Skulpturen geschmückt. I» der Mitte deS am Wasser befindliche» Ganges hat man die bekannte Marmorgruppe„Mutlerglück" von Moritz Schulz »"sgestellt. Dem Werke lhut indeß eine recht gründliche Reinigung uoth. Fahrräder werden, wie die Eiseitbahndirektion Berlin der „Allg. Fleischer-Zeitung" millheilt, bei der Auflieferung als Reife- gepäck zu den„Reisebedurfnissen" gerechnet, sofern sie unziveifel- Haft zum persönlichen Gebrauch des Gepäckaufgebers diene» und nicht Gegenstand des kaufmännischen Verkehrs bilden. Hierbei wird auf de» preußischen Staatsbahnen auf jede Fahrkarte I.— 3. Klasse, soweit diese auf 25 Ktlogranim Freigepäck Anspruch geben, dieses Freigewicht auch bei Aliflieferung von Fahrrädern zugestanden. Die Mitnahme eines Fahrrades in 4. Klasse als„Traglast" ist ver- boten. Der regelmästige Rttnmnlatorenbetrieb auf der Hauptstrecke der Charlottenburger Straßenbahn, Charlotteuburg— Kupfergrabe», wird heute, am ersten Feiertage, zunächst mit einigen Wage» bestimmt eröffnet werden, nachdem mit günstigeiu Erfolge vorgestern noch eine ausgedehnte Probefahrt unternommen worden ist. Geldsa»tt»l»»gcn znm Andriiken au Stephan. Die Wittwe der Geueralpostmeisters Dr. v. Stephan ist, wie man weiß, einzig auf die gesetzliche Pension von 1600 M. angewiesen, da der lang- jährig« Chef des Relchs-Post- und Telegraphenivesens ohne Privai- vermögen war nnd von srinei» Gehalt keine Rücklagen gemacht hat. Bon dem Plane, ans Reichsmilteln für die Hnilerbliebenen des ver- dienten Mannes ein« Dolalion zn bewilligen, ist Abstand genommen worden, weil damit ein Präzedenz„von nnübersehbarer Tragweite" aeschasfen wäre. Von umibersehbnrer Tragweite war dnrchans nicht die Rede, als Polizeiminister Pullkamer sich im Jahre I8Sd erkühnte, vom Abgeordiielenhanse für die Hinterbliebenen des de« rüchtigten Polizeiraihs Rumpf, der am 12. Januar des JahreS ge- tödtet wurde, eine Art Renie zu fordern. Jetzt senden die drei Kommerzienrälhe Frentzel, Haßler und Herz an hiesige Industrielle ein sellsamerweise als„streng ver- traulich" bezeichnetes Schreiben, in dem sie diese Kreise zur Her- gäbe von Geldmitteln auffordern, durch welch« die in der Hinter- laffenschaft des Verstorbenen befindlichen Adressen, Urkunden und Kunstgegenstände für das Reichspostmuseum aufgekauft werde» solle». Als ErstehungspreiS ist die Summe von 300 000 M. vorgeschlagen worden,«in Betrag, von dem die Wittwe allerdings leben kann. DaS Riescnfernrohr im Treptower Park ist jetzt fertig. Mancher»»screr Leser wird bei dieser MitlheUnng milde lächeln und sich das Gespött ins Gedächtnis zurückrufen, das man im vorigen Sommer weidlich über das merkwürdige Unternehmen aus- schüttete, als während der Ausstellung immer und innner noch daran gearbeitet wurde. Freilich war damals der Spott billig und das Handeln den wenigen Männern recht schwer gemacht, die sich unterfangen halten, auf aslrononnschem Gebiete etwas ganz Neues zn schaffen. In Deutschland dünkt es den zahlmigsfähigen Leuten immer noch sehr chic und modern, für Kirchenbanten und Wilhelms- Denkmäler Geld zu Jifte», aber selten findet sich ei» weißer Rabe, der seine überflüssigen louete» einem wiffenschafttichen Zwecke darbringt. Ist bei solchen Sachen doch auch schwerlich zn hoffen, daß ein rother Adler dritter Klasse oder ei» Kominerzienraths-Tilel abfällt. Zieht man die Geld- schwierigkeiien in belracht, und vergleicht man außerdem die Zeit- daner, ivelche zur Erbauung von Sternwarten älterer Konstruktion gebraucht wurden, mit der Zeit, welche die Errichtung dieses snach ganz neuen Prinzipien geschaffenen Instituts in Anspruch nahm, so wird zugegeben werden müsse», daß Herr DirektorArchenhold recht hat, wenn er sagt, daß ganz im Gegenlheil zur landläufigen Meinung alles ausnehmend schnell vorwärts gegangen ist. Nnd mehr noch will es bedeuten, daß die neue Konstruktion, die hier zum ersten Male erprobt werden soll, nicht nur das leistet, was von ihr erwartet worden ist, sondern diese Erwartungen noch beträchtlich übertrifft. Von berufener Seite werden wir in den nächsten Tagen einen Aufsatz bringen, der die technisch-wiffenschasiliche Bedeutung des Treptower Unternehmens erklärt; für heute sei nur niitgetheilt, daß ein lleiuer Kreis Eingeladener, dem am Freitag Abend das Fernrohr in Thäligkeit vorgeführt wnrde, erstaunt war sowohl über die schnelle und sichere Handhabung des riesigen Instruments, als auch über die Schönheit nnd Schärf« der Bilder, die der Mond sowie die Planelen Jnpiler und Saturn ergaben. Wie wir hören, beabsichtigt Herr Direklor Archenhold, sein Unternehmen auch der Arbeiterschaft dadurch zugänglich zu machen, daß er Gewerkschaften ic. bei der Besichtigung beträchiliche Preis- «rinäßignngen gewährt. Wir sind überzeugt, daß die Arbeiterschaft von Berlin nnd Unigegend häufig auf der Treptower Slermvarle zu Gaste ist, wen» dies Versprechen gehalten wird. Ein Mann, der«ichtS von Jena und Nuerstädt zn wissen scheint. Das„Verl. Tgbl" berichtet von der letzlen Frühjahrs- parade:„Der Kaiser fragte einen seiner Flngeladjntanten:„Wie stark ist das G a r d e k o r p s?"—„U n b e z w i» g l i ch!" ant- wvrtete der Adjutant schnell und errang damit den Beifall des obersten Kriegsherrn." Ein neuer Gasbrenner. Unter dem Namen„Gasglühlicht ohne Glühstrninps" hat, ivie die„Tlines" berichten, ein Mr. Thomas Rowan eine Erfindung in den Handel gebracht, die, wie das Blatt meint» vielleicht geeignet ist, dem bisherigen Gasglühlicht Abbruch zu thun. Der Apparat beruht auf dem Prinzip des Regenerativ- brenners nach dem System des Argand-Brenners, nur werden anstatt eines zwei chemisch präparirte Brenner benutzt, die so aneinander gereiht sind, daß die erhitzte Luft zwischendurchstreicht nnd an der Spitze der Brenner sich mit dem Gas mischt. Zluf diese Art wird eine Helligkeit der Flamme erreicht, die etwa der Wirkung zweier Argand-Brenner gleichkommt. Ucbcr den Brand auf dem Fabrikgrnndstück der chemischen abrik auf Aktien(vorm. E. Schering) hatte» wir berichtet, daß eine xplosion von Schießbaumwolle staltgefunden habe. Diese Meldung beruht auf einem Jrrlhum. Die Fabrikleitung theilt uns mit, daß sie niemals Schießbaumwolle weder hergestellt, noch damit Handel getrieben habe, nnd daß von einer augeblichen Lagerung von Schieß- baumwolle in den Räumen nicht die Rede sein könne. Die wirk- liche Ursache des Brandes sei keineswegs auf eine Explosion zurück- zuführe», sonder» nur auf das Platzen eines Ballons mit Salpeter- säure. Der augestiftete Schaden sei unbebeuteud. Tic Folgen des letzten Brandes in der Schering'schen Fabrik sind für unsere Feuerwehr recht schwer. Gestern früh hat sich wieder eine ganze Anzahl Feuermänner, bei der sich Anzeichen von Rauchvergiftung zeigten, in ärztliche Behandlung geben muffen, so daß nunmehr schon etwa dreißig Feuermänner krank daruieber liegen. Bei einzelnen wird dauerndes Siechthum be- fürchtet, in welchen» Fall sie als dieiisUmiauglich mit einem kargen Ruhegehall entlnffen»verde». Die Angehörigen der Feuerivehr oder ihre Witliven erhalle» nur dann die Hälfte ihres Gehalts als Pension,»venu sie auf der Brandstätte selbst ver- uuglückei», iiicht aber,»venu sie iiu Dienst erkranken. Nach dem Brand i» der Schering'schen Fabrik»nußte» fast sämmllicheu Mann- schaste», die bei der Löicharbeil thätig ivare»,»eue Stiefel und Bein- kleider geliefert werden; die Stiesel waren von den Säuren zerfressen und die Brinkleider meist»ur noch Fetzen. In Berlin»vnrde vorgestern ein fahnenflüchiiger Soldat vom 43. Jnfanterieiegiinent festgenommen. Ein Unteroffizier und ein Gefreiter haben ihn bereits nach Küstrin z»>n> Truppentheil zurück- geholt. Bon der Staatsanwaltschaft beschlagnahint worden ist die Leiche des»cunjährigen Willy Bterman» aus der Skalitzerstr. S4s., der von einem aus der Höh« des fünfte» Stockes von einem Hänge- gerüst herabfallenden mi» Wasser gefüllten Kalkeimer erschlagen»vurde. Der Unfall»vird»vohl ein gerichlliches Nachspiel geben, da die durch die Gerüstordnung vorgeschriebene Schutzvorrichtung gefehlt hat. Die Leiche muß deshalb zur genauen Feftst«ll»»»g der Todesursache gerichtsärztlich geöffnet»verde». Wir erhalten folgende Zuschrift:„In voriger Woche brachten Sie uiiler der Rubrik Lokalbericht«ine imhüuiliche Nachricht über die Todesursache meines verstorbenen Mannes, des Möbelpolirers Karl Wernicke Hierselbst, Memelerftr. Sl. Derselbe litt nie an Krämpfen, sondern ist durch einen Slurz. welche» derselbe sich am Tage vorher zuzog, verstorben. Frau Wive. Agnes Wernicke. Mehrere Diebe, die den Bogelhändler Oskar Kurnicker in der Britzerstrahe heimgesucht hatten, sind gestern sestgenom»»«» worden. Erheblich verunglückt ist am Freitag Nachmittag der in der Gärtnerei vo» Kuschet beschästtgle Gärtner Ernst Kurzrock dadurch, daß ihm ein Blumenkasten auf das Kreuz fiel. Der Mann»vurde so schiver verletzt, daß man ihn in ein Krankenhaus bringen mußte. Strastenspcrrung. Die Straße am Gartenplatz von der Garlenstrahe bis Ackerstraße»virb behufs Asphalliruiig von» 8. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhriverke und Reiter gesperrt. Desgleiche» »vird die Rathenowerstraße von der Kruppstraße einschließlich des Krenzdammes bis zur Perlebcrgerstraße vom 9. d. M. ab gesperrt werden. Berschiedcne im Berliner Nanartum eingelaufene Sendimgen von Land- und, Waiseröeivohiien» haben nicht nur die Käfige und Becken des Instituts gefüllt, sondern auch neue und seltene Thiersormen gebracht. Für die SchlangengaUerie find zwei indische Pythons angekommen, welche zu jener Art gehören, die tn manchen Theilen ihres Heimathbezirkes schon selten ge>vorden ist und daher hier im Aquarium eine erwünschte und Werth- volle Ergänzung der nun sechs Spezies umfaffenden Sammlung alt- und ncuwettltcher Riesenschlangen bilden. Die beiden prächtigen..Tigerschlangen" »ourdcn in dem Mittelbau der linken Seite untergebracht. In das vorderste Glashaus derselben Seite ist eine von Südenropa stammende Gesellschaft langschwänziger, schillernder Eidechsen eingezogen, welche ob des prunkenden Grüns des männlichen Schuppenkleides den Rainen Smaragdeidechse erhielten. Orgclvortrag. Herr Georg Weihe wird Mittwoch, den 0. Juni, mittags 12 Uhr, in der M artin ltrche die großen �s äur-Vartattonen von Thiele spielen. Frl. Elise Klein mid Frl. Maria Walter werden den Orgelvvrtrag durch Gesänge unterslützcn. Der Eintritt ist frei. Sl«,S de» Nachbarorte». Achtung, Rixdorf! Wegen der Feiertage findet die«gel- mäßige Mtigliederversammluiig des sozialdemokratischen Vereins „VorivärlS" acht Tage später, also am Dienstag, de» IS. Juni, statt. Wir niachen darauf aufmerksam, daß in dieser Versammlung laut Beschluß der letzte» Versammlung ein Vortrag gehalten wird über das Thema:„Was wollen die Sozialdemokraten oder wie betreibt man praktische Landagilntion?" Daran soll sich eine Kritik auS der Mitte ver Versammlung knüpfen, um brauchbares Material zu erzielen. Wir erivarteu rege Betheiligung; Gäste, welche aus diesem Gebiet praktische Ersahrung habe», siud besonders willkommen. Der Vorstand. Unangenehme Folgen haben für die Gardeschützen in Groß- Lichterselde die Belästigungen gehabt, die sich, wie kürzlich berichtet wurde, einige Leute gegen Dame» zu schulden kommen ließe». Die Mannschaften bekommen vorläufig keinen Urlaub mebr und diese Maßregel wird so streng gehandhabt, daß den Reservisten, die im Herbste zur E»ikaffm?g kommen, nicht einmal zu den» übliche« Reservekränzchen der Urlaub dewilligt»vurde. Tie Polizei von Steglitz-Friedenan war so besorgt um das Wohl und Wehe»iiserer dortigen Parteigenossen, daß sie die für den 1. Juni im„Hohenzollern" anberaumte Versammlung wegen „Feuersgefahr" verbot. Die geplante Versammlung ist»un auf Dienstag de» 8. Juni, abends 7'/» Uhr, verlegt worden, und zwar wird sie in Steglitz, Ahornstr. IS», stattfinden. Besonders seien die Frauen auf diese Versammlung, in welcher Massatsch- Berlin über„die heutige Stellung der Frau" referirt, aufmerksain gemacht. Ter brave Amtsvorsteher Knrtenboitel in Zehdenick hatte sich unlersangen, dos preußische Vereinsgesetz nach eineiii besonderen Rezept zu korrigiren.(Siehe Nr. III des„Vorwärts".)� Dem Ordnungsmanu ist nunmehr von seiner vorgesetzten Behörde be- deutet»vordey, daß man solches nicht thun darf, wie aus folgender vom Landrath des Kreises an den Beschmerde- führer Genoffen Kaulich in Pankoiv gerichteten Zuschrift hervorgeht:„Nach den augestellten Ermittelungen muß Ihre Beschiverde über den Herrn Auilsvorsteher zu Amt Zehdenick als begründet anerkannt»verde». Ter 'Amlsvorsteher ist daher»vegen nicht genauer Beachtung der Be- stiiiinnuig im ß 1 des Vereinsgesetzes vom II. März 18'>0 von mir entsprechend belehrt worden, von Arnim." Eine Zngzerreiffnng ähnlich der, die bei Gerolstein unter andere» Geläudeverbättnissen so großes Unheil angerichtet hat, er- eignete sich an» Freilag Vormittag gegen 10 Uhr bei Fürstenivalde. Vor der Einfahrt in den Bahnhof ging der Personenzug in zu'ei Theile auseinander, wie den Fahrgästen mitgelheilt»vurde, infolge Zerrcißens der Verkoppclung. Die Fahrgäste»vurden zum theil stark durcheinander gerüttelt, erlitten aber keinen ernstlichen Schaden. Ter Teltower Kreisansschnst hat in seiner Sitzung am Donnerstag den Beitrag der Geineuice Schöneberg mit der Berliner Dan» pf st raßenbahn-Gesellschaft über die Einführung des elektrischen Betriebes ans deren Linien nnd die Weiterführung znm Potsdamer wie zinn Anhalter Bahnhof in Berlin genehmigt. Nach dein jetzt der Bertrag»iiit dieser in erster Linie in belracht komnienden Vorortgemeinde vollständig abgcschloffen ist, hofft die Gesellschaft, die Verhandlungen auch mit Berlin und Charlottenburg schnell zum Abschluß bringen zu können. Auf dem Elisabetl,-Friedhofe z» Pankow hat sich gestern Abend der 39 Jahre alte Zigarrenreisende Gustav Adolf Hegemann z» erschießen versucht. Man brachte ihn nach der Charitee. Häus- liche Zivistigkeite» sollen der Grund des Selbstmordversuchs sein. Das Fcucranziinden mittels Petroleums hat am Freitag Abend in Reinickendorf einen schweren Unglücksfall herbeigeführt. Die junge Ehefrau des Kaufmanns Meyhöfer versuchte in ihrer in der Winterstr. 2 belegenen Wohnung Feuer anzumachen, indem sie aus einer vier Liter enthaltenden Kanne Petroleilm in das Feuer goß. Durch eine aufsteigende Stichflamme kam die Kanne zur Explosion und sofort stand die Frau in hellen Flammen. Einer Feuersäule gleichend, rannte sie in de» Garten; auf das Jammer- geschrei eilten die Nachbar» herbei und gösse» Eimer mit Waffer »lber sie aus. Die Frau hat schivere, ausgedehnte Brandivuuden am ganzen Körper erlitten und»vurde in kritischem Zustande nach der Charitee gebracht._ Wheakev. Theater- Machenchroiitti. Opernhaus. Geschlofien. Schausptel» Haus. Sonntag:„Cortolan". MoiUaa:„Ein SomniernachtSlraum". Dienstag: „Ter Blbttolhekar". Mittwoch:„Nalhan der Wette". Tonnerstag:„Zopf und Echwevl". Freitag:„Corlolan". Sonnabend:„Die Jungfrau von Orleans". Sonntag:„Der Verschwender". Montag:„Eoriolan".(Sehte Vorstellung vor den Ferien.)— Neues Opern- Theater(«roll). Sonnlag;„Margarelhe", Faust: Herr Emil Götz-. Meph ltopheles: Herr Emil s-eder vom Hostheater In Dresden als«äste. Anfang 7 Uhr. Montag:„Der Prophet". Dtenstag:„Die Meistersinger von Nürnberg". Hans Sacht: Herr Theod. Retchmann, W. v. Elolztng: Herr Einlt«ötze, Bettmeffer: Herr«nitl»reder als Gäste. Anfang« Uhr. Mittwoch: Zu Ehren deS«ongrefie« für Innere Medizin tn Berlin. Prolog.„Hänfel und Aretel".„Phantasten tm Bremer RaihSkeller". Donnerstag:„Därmen". Don Jos«: Herr Emil«ötze alt Sali. Freitag:„Tannhäujer". Anfang 7 Uhr. Sonnabend:„Don Juan". Sonntag:„Die Asrikanertn". Ansang 7 Uhr. Montag:„Lohengrtn". Lohen- grtn: Herr Emtl Götze als«ast. Ansang 7 Uhr.- Der Wochen-Sptelplan de» Berliner T h e a i e r«»vird mit Ausnahme de« Freitags wieder allabendlich von der Posse„Die Maschinenbauer von Berlin" deherischt Freitag geht alt »». Abonnements- Vorstellung„Des Meeres und der Liebe Wellen" in Szene.— Da« Deutsche Theater Irin mit Beginn der nächstfolgenden Woche seine Ferien an: dt» dahin ist der Spielplan folgenderinahen festgesetzt: Heute Nach- mittag„Freiwild", abend« zum letzten Male„Die Räuber" mtl Josef Kainz al» Etan, Moor, Montag Nachmittag„Die Weber", abend«„Die versunlene»iocke", ienstaq Abend„Die versunkene Stocke", Mittwoch„Einsame Menschen", Donnerstag„Die versunkene Glocke", Freitag„Die Weber", Sonnabend„Die versunkcne Glocke", Sonntag Nachmttlag„Einsame Menschen", abend«„Die versunlene Glocke", nächstfolgende» Montag leyle Borstellung vor den Ferien: „Die versunkene Glocke". Die Wiedereröffnung der Vorstellungen stndet am I». August statt.— Im Neuen Theater wird auch während der Pfingst- seierlag«„Trilby" den Spielplan beherrschen.— Im Residenz-Theater soll der AbschiedSzyklu» auch tm und zwar mir den Werken„Marqutse",„Die arme Löwin",„Jugend" und„Tie Wiivenle" fortgesetzt werden. Heute und Monlag stndet die letzte Wiederholung vo»„J>n Pavillon", Dienstag die Wiederausführung von„Decvrs" statt.— Jin E ch t l r e r- T h e a te r wird heule, nachmittag« z Uhr, Anzengruber'S BolkSstuck„Der B'wifienSivurm", abends s Uhr der lustige Bifson'sche Schwank„Madame Bouionrd" gegeben. Arn Montag Nachmittag kommen die vier deutsche» Tchwänti zur Aus- sühruv.g, abend«» Uhr stndet die erste Wiederholung der Posse „Papa Nitsche" statt. Dtenstag geht Moliere'S„Der eingebtldile»ranke" mir Vergas„Bauernshre" in Szene.— Im Theater de» Westen« begmnt heute die Opernsatlon unter Direktion de« Herrn Heinrich Siorwitz mit M-hii- beer'»„Die Hugenotten", Montag Nehler'S.Trompeter vo» rältingen" und Dienstag Matllarl'S„DaS Giöckchen de« Sremilen." In den Pausen, sowie vor nnd nach der Vor stellung steht dem Publikum der«arten zur Verfügung.— Di« Operetle„Die GeiSha" wird tm Lesftng-Theater auch tn der kommenden Woche an allen Abende» zur Ausführung gelangen.— Da« Friedrich Wilhelm städtische Theater dringt al« Pfingstnovi ät die Posse: Lehmann'»„KriegSadenteuer im Orient- au« dem griechisch- türkischen Krieg zur Auftühruna.— Zu der heut im Ostend-Thealer erstmalig i» Szene gehenden Novtiät„Unsere ReichSpost" hat Kapellmeister Cornetru« Schüler die Musik kvmponirt. Die Regie führt der«omiler Jos. Till. Am I. und ». Feiertag stndtl nachmittag« zu halten Preisen eine Aufiuhrung von dem lustigen Echivank„Eine Nacht tm Orphcum" statt. Gevichts�Seikung. Die Hanptverhandlung gegen den Einbrecher im H o h e n z o kl e r n- M u s« u in Kuufuilintt Adolf Ka tz aus Psorzheim, die gestern vor der 4. Slraskammer des Landgerichls I angesetzt war, »vurde auf Antrag des Rechtsanivalls Dr. Scköps ausgehoben. Außer dein raffinirten Einbrüche wird dem Augeschuldigien eine große Anzahl von Hochstapeleien, die er nicht nur ii» ganz Deulsey- la»d, sondern auch in Frankreich und Belgien begangen hat, zur Last gelegt. Die Schwi»d>leieii sind so kühn und erdreistet, daß au- geblich au der Zurechnnugssähigleit des Angeklagten zn zweifeln»st. Medizinalrath Dr. Long hat ihn deshalb unlersucht und»st z» dein Resultat gekommen, daß eine längere Beobachluiig des Geistes» znstandeS in einer Irrenanstalt erforderlich ist. Dem Antrage ocs Vertheidigers wurde staltgegebe», Katz zur Neuen Eharilee aus sechs Wocken überführen zu lassen. Wegen Vergehens gegen die KAI52»»d 153 der Reichs- Gewerbe-Ordnung, soirne»vegen BeU>0igm»g und Bedrohung Halle sich an» Sounabenv der Maurer Wilhelm Wenndorf vor der 140. Abtheilung des AmlsgerichlS I zn verantivorte». Im April d. I. war auf dem Neilban Fnedrichslraße 12 wegen Lohudifferenze» ein Streik ausgebrochen. Am 28. April fing der Maurer Sieh dort- selbst an zu arbeiten, außer ihm wurden»och 24 andere Maurer eiugestelll, während sich 43 Maurer gemeldet hatten, unler den letzleren der Angeklagt«. Die nicht Angestellten verlauglen nun, Steh solle doch auch die Arbeit niederlegen,»vas er aber— ivie er sagt— mit Rücksicht auf seine Faniilie verweigerte. Am Mittag deS genannten Tages gerUlhen die Parteien in Streit; wie Steg behauptet, wollte„man" mit einer Wassenvaage aus ihn eindringen, deshalb ergriff er eine Bierflasche und fchieuderit sie blindlings »nter die Masse. Nun folgte«in allgemeines Flaschenbombardemeiir, welches erst aufhörte, als um einen Schutzmann geschickt wurde. Es fielen dabei auch noch Ausdiücke, wie:„was» ill der Sireik- brecher hier, schmeißt ihn rauS" u. f. w. Als Stetz am Abend desselben TayeS nnch Hnns, zlng, begegnete er an der Ecke der Prenzlauer- und Linienstraße dem Nngeklapte» und zwei andere» Männern. Sie hielte» ihn an. um ihn zur Rede zu stellen; Steh versetzte aber zunächst dem Nächststehende» einen kräftigen Stoß und thcille dann weiterhin nach alle» Seiten Stöße aus. Infolge dessen kam es auch hier zn einer Prügelei, bei welcher schließlich Steh und ei» anderer zu Boden fielen und zwar Steh vor das Rad eines haltenden Wagens. Auch der Angeklagte war recht stark„zugedeckt" worden. Bei der Schlägerei fielen auch gegen Steh die Worte „Knochen kaput breche», Streikbrecher, Lump, Strolch" n. f. w. In seiner Aussage vor der Polizei halte Steh den Angeklagten er- heblich belastet, indem er ihm in beiden Fällen die inkriminirte» Worte in den Mund legte. Vor dem Gerichtshofe jedoch, unter feinem Eide stehend, erklärte er, daß allerdings sehr viele Schimpf- Worte gefallen seien, daß er aber nicht angebe» könne, was speziell der Angeklagte gesagt resp. gelhan habe. Der Staatsanwalts� Verlreierj, Ässestor Schütte, ließ dem Zeugen Steh seine frühere Aussage verlesen, die jetzige protololliren und drohte rhm mit eventueller soiortiger Verhaftung wegen Verdachtes des Meineids. Rechtsanwalt Dr. Herzseld protestirte gegen eine solche unstatthafte Einschüchterung des Zeugen, der unter seinem Eide nur die Wahrheit zu sagen habe; ihm(dem Vertheidiger) schritte der Zeuge jetzt die Wahrheit gesagt zn habe». Es kam daranshin noch zn eineni scharfen Wortwechsel znnsche» dem Staatsanivalls Vertreter und dein Vertheiriger über die Berechtigungdesstantsaitwalt lichci, Vorgehens.— Uebrigens war an jenem Abend auch der Zeuge Stetz verhaftet worden; jetzt arbeitet er wieder mildem Aitgeklagteii zusammen. Ter Staatsanwalt beantragte bezüglich des Miltagsvorsnlls Freisprechung, bezüglich des Abendvorfalls wegen Vergehens gegen §8 152, 153 der Reichs- Gewerbe- Ordnung in Jdealkonknrrenz mit Beleidigung und Körperverletzung 6 Wochen Gesängiiiß, während Rechtsanwalt Dr. Herzfeld bat, die Sache nicht so tragisch zu nehmen, da Maurer sich nicht„fein" auszudrücken pflegten u. s. w. und a»i ciiw mildere Strafe zu erkennen. Der Gerichtshof sah den Mittag- und Abendvorfall als eine fortgesetzte Handlung an und erkannte auf 1 Monat Gefängniß. Vor einiger Zeit berichteten wir über eine eigenartige An klage wegen Beleidimnig, die vor dein Schöffeiigerichte verhandelt wurde. Der Angeklagte, Kaiifiiiami Karl Gießman», hatte ver- schikdenen Ossizieren, die ihm alif der Straße begegneten, im Vorbei gehen Schimpsivorle zugeraunt. Anfänglich»ahmen die Betreffende» an, daß ihnen die Znruse nicht gegolten halten, als aber der Oberst lieiitenant von der Mülbe fortgejetzl von diese» Beleidigungen be troffen wurde, da sprach es sich in Olsizierskreisen herum und es meldeten sich eine ganze Anzahl Personen, die ähnliche Beleidigiiiige» von den, Angeklagten hatten erdulden >n äffen. Obcrstlieulenant v. d. Mülbe bekundete im Termine, daß ihm der Angeklagte wiederholt die Worte:„Nach Dalldorf!" zu gerannt habe. Da zu damaliger Zeit der Fall Brüsewitz in aller Mund war, so habe er geglaubt, auch eines thätlichen Angriffs ge wärtig sei» zn können und bei einer nochmalige» Begegnung mit den« Angeklagten seinen Säbel abgehakt. Darauf habe ihm der Angeklagte im Vorbeigehen daS Wort„Mörder!" zugerufen. Achnliche Vorgänge hatten sich zwischen anderen Offizieren und dem Angeklagte» abgespielt. Der letztere behauptete im Termine, daß er von allen dielen Geschichten nichts wisse, er habe ein lebhaftes Temperament und pflege Selbstgespräche zu führen, möglich sei eS. daß der Zufall ihn in die fatale Lage gebracht habe. Belastend fiel ins Gewicht, daß der Angeklagte bereits im Jahre ISSS wegen Beamtenbeleidigung vorbestraft ivnrde; damals halte er einem ihm begegnenden Schutz- mann ohne weiteres ins Gesicht gespieen. Da ein einwandSfreier Zeuge ganz merkwürdige Geschichten von den, Angeklagten zu b* künden wußte, so gerieth der Gerichtshof darüber in Ziveifel. ob man es niit einem geistig gesunden Menschen zu thun bade, und beschloß deshalb, de» Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Dies ist inzwischen geschehen. In dem gestrigen Termine begutachtete Medizinalrath Dr. Long, daß der Angeklagte an so krankhafter Nervenüberreizung leide, daß er für die in Rede stehenden Handlungen nicht verantwortlich gemacht werden könne. Ter Gerichtshof mußte daraus»ach dem Antrage des Staatsanwalts ein freisprechendes Urtheil fällen. PriigelpädagogischeS a»S cincr Ncalschnle. Di, viel umstrittene Frage der Grenzen des Züchtiguiigsrechls eines Lehrers gegenüber seinen Schülern ivar der Gegenstand einer Beleidigungs- klage vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts II.— Der Oberlehrer Neumann ist Ordinarius und Rcligionslehrer in einer hiesigen Realschule. Von feite» des Direktors und der Lehrer dieser Schule war wiederholt darauf aufmerksam ge macht worden, daß die K o n f i r m a t i o n s f e i e r von Schüler» und deren Eltern dazu gebraucht werde. u m bis in die Nacht hinein dauernde Zechgelage zur Feier des Tages zu veran st alten, so daß zahlreiche Schüler am nächsten Tage nicht zum Unterricht kommen konnten. Am 13. März d. I., am Tage nach der Konfirmationsfeier, versäumten zwei Schüler den Unterricht in der Schule. Am andere» Tage erschienen die selben mit einem Entschuldigungsschreiben ihre? Vaters. Der Oberlehrer versetzte jebem der Schüler ein paar kräftige Ohr- feigen und als dieselben sich dann abwendeten, erdielte» sie«och mehrere Schläge auf den Rücken. Hierbei wurden sie wieder holt mit dem Ausdruck„Hallunken" belegt. Im weitere» Verlauf soll sodann der Oberlehrer geäußert haben, daß es bedauert werden müsse, daß es Familien gäbe, in welchen derartig rohe Sitte» herrschten.— Auf grnnd dieses Vorfalles stellte der Vater des einen geschlagenen Knabe» Straf anlrag, und zwar wegen Mchhandlung und wörtlicher Beleidigung seines Sohnes und wegen Beleidigung seiner eigenen Person. Zum Verhandlungstermin war der größte Theil der Schüler und der Direktor der Schule geladen. Mährend einige Schüler bekundeten, daß die Schläge auf den Rücken mit"geballter Faust und sehr kräftig gewesen seien, wollte» andere Schüler nur Schläge mit der f l a ch e n Hand bemerkt haben; namentlich ginge» aber die Ansichten über das, was der Oberlehrer in bezng ans die Eltern gesagt haben sollte, weit auseinander. Nach Be- knndnng der«inen Partei soll der Oberlehrer im Anschluß an die Züchtigung gesagt haben:„es ist eine Schande, daß solch rohe Gesell. jchafl ihre Kinder in eine solche Schule schickt." Nach Bekundung der anderen Knaben soll er dagegen eine allgenreine Erörterunc über den Unfug d e r K o n f i r m a t i o n S f e> e r an den Vorfall ge- schloffen und hierbei nur allgemein von den rohen Eitlen der Eltern solcher Kinder gesprochen haben.— Der Vertreter des Privat. klägerS, Rechtsanwalt Sauer, verlangte die Bestrafung deS Lehrer?, weil die Züchliaung eine besonders rohe gewesen sei. Ter Vertheioiger des Beklagten, Rechtsanwalt Dr. Haase, führte dagegen aus, daß gesetzlich dem Lehrer bei Vergehen der Schüler ei» Züchlignngsrecht zustehe. Im vorliegenden Falle habe der Knabe aber zweifellos ein Vergehen begange», als er, ohne sich zn«nt- schuldigen, gefehlt habe. Hieran werde durch daS nachträglich ge brachte Entschuldigungsatteft nichts geändert. Von dem Vater sei es unverantwortlich gehandelt, Knaben von lö Jahren zu einem bis in die früh« Morgenstunde dauernden Zechgelage wach zn halle». Der Angeklagte habe deshalb den Knaben nicht gemißhandelt, sondern ihm nur die wohlverdiente Elrafe zuertheilt. Auch der Ausdruck„Hallunke" sei im Hinblick ans daS grobe Versehen der Schüler ein durchaus den thal- sächlichen Verhältnissen entsprechender. Mit den weiteren Aeußernnge» habe aber der Angeklagte durchaus nicht persönlich den Valer des Knaben treffen, sondern nur im allgemeinen aussprechen wollen, daß es als rohe Sitte bezeichnet werden müsse. wenn die häusliche Erziehung in dieser groben Weise der Er- ziehnngsarbeit der Schule entgegenarbeite. Ter Gerichlshof schloß sich dieser Auffassung an und erkannte unter Auferlegung sämmtlicher Kosten au den Privatkläger auf Freisprechung! Fey« Eokai,»r«««««ftr. is*. Tergolder: Feaersteln's Salon,(unterer Taal) Alte Jakobstr. 75. Zimmerer: cohn's Festsüle, Beuthstr. 88. Runuiielsliurg-Stralau:(®efSÄ«) pmtkowski, h««�. 83. Rlxdorf:(@eSfch%e«) Vlktorla-Süle, Hermannstr. 49 50. Steglitz! s Gewerkschaften) Schwarzer Adler, Albrechtstr. 125. Welssensee:(©JSStcn) Aibrechtshof. Tagesordnung in sämmtlichen Versammlungen: „Das Attentat ans das Koalitionsrecht der Arbeiter und Arbeiterinnen und die Stellungnahme der Gewerk- fchaften." Referenten sind die Genossen: Borgmann, Bruns, Botin. Coblenzer, Bnpont, Ewald, Faber, Gocrke, Frau Greifenberg, Guttmann, Kammacher, HotTmann, Kiesel, Körsten, Unk, Utfln, Eedebour, Ifassinl, Mtllarg, Paetzel, Poetsch, Richter, Rohrlack, Sassenbach, Sillier, R. Schmidt, Stadthagen, Timm, Wagner, Wilkc, Znbcil. Arbeiter, Parteigenossen! Durch die Einbringung des neuen Veremsgesetz-Entwurfes und die Abstimmung im Abgeordnetenhause, haben die zuständigen Kreise gezeigt, wie sie gewillt sind, in Zukunft den Aus- bau der Vereinsgesetzgebung zu gestalten. Wir haben die Pflicht, durch die Protestversammlungen zu beweisen, daß wir Einspruch erheben gegen die fast völlige Vemichtung der Versammlungsfreiheit auch für die Gewerkschaften. Zahlreichen Besuch erwarten Die gewerkschaftlichen Vertrauenspersonen. I. A.: R. Millarg. Aktien-Brauerei Friedrichshain. Montag, den 7. Juni(2. Pflngstfeiertag): Grossos Früh-Konzert, arrangirt von den Vatteigenossttl des 4. Verliner Relchstags-Mhlhreises(Osten) bestehend in Volicd- u. Instrumental Konzert ausgeführt von einer ca. 30 Mann starken Kapelle der Zivil-Verufsmusiker unter Leitung des Kapellmeisters Herrn Irrgang. Große Gesangs-Ansführnngen von ea. 130 Sängern unter Leitung des Dirigenten Herrn Tletz. 216/3 Friih-Tanz."Mg jjtSf- Anfang früh 5 Uhr. Das Komitee. Achtnng! 4. Wahlkreis(Süd-Ost). Achtnnfl! Am Ä. P singst- Feiertag in der Branerei Stralau: Grosses Frilii-iCoBizert. DV" Volksbelustiguiigen."WW Gesang?-Rnsfnhrungcn von Mitgliedern des Arbeiter Sängerbundes.— Auftreten des Klowns Hr. Dreto. Die bedeutend vergrötzerte Kasseeküche ist von 4 Uhr an geöffnet. Liter«0 Pf. Im grossen Saale: A A Ä. 216/2 BilletS ä 20 Pf. sind in den bekamiten Zahlstellen zu haben. Die Vertrauenspersonen. Achtung!"WZ Achtung! Wedding und Oranienburger Vorstadt. Am Moutag, de» 7. Jnui<58. Pfiugftfeiertag), tu Trapp's Wedding-Park: Oro stes Früh Konzert veranstaltet von den sozialdemokratischen Parteigenossen des Wedding und der Oranienburger Vorstadt unter Mitwirkung der Gesangv.„Nordwacht" u.„Lranienb. Borstadt" (Dirigent: Herr B l o b e l). Anfang 5 Ehr früh.-Vfi Billct«O Pf. 220/1 Der Bertrauensmann. Dkutscher Dolzllrbttttr-Vkrbiind. (Zahlstelle Berlin). �2 Breche ParWetdodekleM. UM" Versammlung."MZ Tagesordnung: 1. Gewerkschaftliches. 2. Die Maßregelung von über 30 Jahre in der Finna Kampmeyer, an der Moabiter Brücke, beschäf- tigten Kollegen. 4. Verschiedenes._ D i e Kommission. Graveure und Ciselenre» Mittwoch, den 9. Juni, abends 8% Uhr, im Saale des Herrn Grosse, Annenftrafte 10: 74/20 Große öffentliche Versammlung. Tagcs-Ordnung: DaS Attentat auf das Soalitionsrecht der Arbeiter und Arbeiterinnen und die Stellungnahme der Gewerkschaften. Referent: Kollege Guttmann. Um recht zahlreichen Besuch, auch seitens der Frauen und Mädchen, ersucht Der Bertrauensmann. Bildnnqsverein„Mehr Licht" Sonntag, den 6. Juni 1897,(1. Pfingstseiertag) abends 8 Uhr, Alcxanderstraste Nr. av~• Alcxanderstraste Nr. 87o: Versammlung. llctchstags-Abgeordneten Br. I Bortrag des Rctchstags-Abgeordncten Br. Eütgennu. Thema wird in der Versammlung bekannt gemacht. Diskussion. 2. Pfingstseiertag findet ein Ausflug statt. Treffpunkt vormittags IQ Ehr auf dem Whnnsee- Bahnhof. Für Nachzügler: Schlachtensee(Alte Kischerhütte). iffif Gäste stets wivkonime». 66/19 Äemsttzkr rniii Dmfsgenosskn! Dienstag, den 8. Juni(8. Feiertag), vormittags 14) Ehr, im Lokale von Baske, Grenadierstr. 33: Arveitslosen-Versammlung. Tages-Ordnung: Die Arbeitslosigkeit im Berliner Steinseher- gewerbe, ihre Ursachen und ihre Beseitigung. Referent: A. Knall. AM" Keine Tellersammlung!-W(i AM" Kein Bicrzwang!-ML 174/5 Der einberufet. A. Knoll, Berlin, Waldenserstr. 18. Achtung! Achtung! Gewerkschaften Weiszensee's! Hlttwoch, den O. Jnnl, abends 8 Ehr, Im Saale Albrechtshof, Parkstrasse 13: Große öffentliche"WU Gewerkschasts-Versammlnng. Tages-Ordnung: 1. Das Attentat auf das koalitionsrecht der Arbeiter und Arbeiterinnen und die Stellungnahme der Gewerkschaften. Referent: Theodor Mehner. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 106/11 Um regen und pünttlichcn Besuch bittet_ Der einberufer. Ächtung! Charlottenburg. Hlttwoch, den O. Juni, abends 8 Ehr, Im Eofcal Bismarckshiihe, Wilmersdorferstr, 39: Grosse öfientl. Protest-Versammlung siimmtlichcr Gewerkschaften CharlotteuburgS. Tages-Ordnung: 204/15 1. Das Attentat auf das Koalitionsrecht der Arbeiter und Arbeiterinnen und die Stellungnahme der Gewerkschaften. Referent: Genosse Fritz Hansen- Berlin. 2. Diskussion. Arbeiter! Genossen! Erscheint Mann für Mann, um gegen das neueste Knebelgesetz der Reattton Stellung zu nehmen. Die Gewerkschafts- Kommission. __ I. A.: Otto Flemniing, Schlüterstr. 71._ Neuer Krug. Station Ntu-Rahnsdors bei Hessenwilikel. 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KcilM te Jöiniitlü" Knlim Joltelilntt. 5..».,,«z»! lZ» Sozistle Mechkspfsege. NnziemlicheS Benehmen vor dem Gewerbegericht. Zu einem Tage Haft ivnrde gestern der Arbeiter sti. verurlheilt, weil er die Würde der Kammer VII des Gerichts verletzt hatte. R. hatte eine solche Redelust entwickelt, daß ihn der Vorsitzende Meier auf- fordern mußte,»uu doch ihn, den Richter, auch einmal reden zu lassen. Die wiederholte Drohung, daß er nach dem Ällcxauderplatz geschafft werde, wenn er nicht ruhig sei, beachtete R. fast garnicht, und schließlich antwortete er mit wuchtiger Betonung:„Da war ich schon!" Assessor Meier forderte ihn nun auf, sich wegen seines Betragens zu entschuldigen. R. lehnte dies aber ab. Als er sich einer zweiten Aufforderung gegenüber ebenso verhielt, beschloß der Gerichtshof, ihn in eine sofort vollstreckbare eintägige Haflstrase zu nehmen. Die UrtheilSkritik cincö GerichtSvorsihcnde». Die Neigung macher Vorsitzenden des Gewer begerichls, an Vorkommnisse im gewerblichen Arbeitsverhältniß den Maßstab des Gesinde- Unrechts anzulegen, ist immer noch nicht geschwunden. Der folgende Fall beivcist dies. Die Köchin W., die in einem Re- staurationsbetriebe, also in einem Geiverbebetuebe, thätig war, wurde am 7. Mai ohne vorherige Kündigung entlassen. Sie klagte darauf beim Gewerbegericht auf eine Lodnentschädignng. Der be- klagte Restaurateur Bubla erhob den Einwand, die Klägerin, die bei ihm logirte, sei trotz seines Verbotes öfter des Nachts nach dem Gcschästsschluß noch fortgegangen und die halbe Nacht ausgeblieben. Die vom Beklagten gestellten Zeugen bestätigten seine Angabe. Dem Vorsitzenden der Kammer VI, Assessor Krause, schien dies vollauf zur Rechtfertigung der Entlassung zu genügen, sei» Verhalte» während der Verhandlung sprach wenigstens dafür. Genosse Wegener, der die Klägerin vertrat, betonte indessen energisch, daß hier kein patriarchalisches Verhältniß vorliege, sondern ein sogeuaimter„freier" Arbeitsvertrag. Die Klägerin sei Gewerbegehilfin, wie das Gericht ivegeu ihrer Stellung in einem Gewerbebetriebe wohl nicht bestreiten iverde, und deshalb habe der Arbeitgeber über sie außerhalb ihrer beruflichen Thätigkeit kein moralisches Ausstchtsrecht. Der Beklagte wurde denn auch verurtheilt, 36 M. an Fräulein W. zu zableu. Affessor Krause konnte es sich nicht verkneifen, in der Publikation zu markiren, daß e r an dem Urtheil nicht schuld sei. Er that es mit folgenden(vom Berichterstatter stenographisch fixirte») Worten: „ O b w o b l eriviesen sei, daß die Klägerin sehr oft(muß heißen öfter) des Nachts verschiedene Stunden trotz ausdrücklichen Ver- botes ihres Arbeitgebers weggeblieben ist, hat d i e M e h r h e i t des Gerichtshofes in diesem Thun einen liederlichen Lebensivnndel nicht erblickt. Und trotzdem eine Restaurationsköchin nicht als reine(!) Geiverbegehilfin anzusehen, sondern zum theil als Gesinde zu be- trachten ist, da sie eine Zwitterstellung eiunimmt: trotzdem ist der Klägerin das Recht nicht aberkannt worden, trotz des Verbotes ihres Arbeitgebers während der Nacht einige Stunden außerhalb des Hauses zu weilen.— Eine Berufung giebt es leider gegen das Ürlheil nicht."— Diese„Begründung" spricht gegen sich selb st. Bein erklingen dazu sind überflüssig. Ter LandUiirth als fiskalischer Arbeiter. Der Landwirth Saxo rodele seit vielen Jahren zur Herbstzeit in einem fiskalischen Walde Bäume aus. Die Slnbben gingen dafür in seinen Besitz über, jedoch mußte er noch 3ö Pfennig für den Kubikmeter an die Forstverivaltung zahlen Im Jahre 1894 wurde nun dem Saxo durch eine stürzende Kiefer ein Arm zerschmettert, weshalb er die Regierung um eine Rente bat. Mau wies ihn darauf an die ost- preußische landwirlhschaftliche Berufsgenossenschaft. Diese erklärte sich indessen für nicht verpflichtet, ihn zu entschädigen, und das Schiedsgericht stimmte dem zu. Saxo wandle sich dann an das Reichs- Versicher ungsamt und begründete seinen Rekurs damit, daß er das Holz, was ihm für die Thätigkeit im Walde zu- stand, im Jutercsie seines lnndwirrhschastlichen Betriebes habe ver- wenden wollen. So sei es z. B. zum Kochen von Viehfutter bestimmt gewesen. Das Rekursgericht forderte den Forstfiskus auf, dem Kläger einen anfechtbaren Bescheid zu ertheilen. Die Regierung that dies, indem sie de» Anspruch des Klägers ablehnte. Saxo versäumte es, hiergegen Be- rufung einzulegen. Diese Nachlässigkeit brachte ihn um die Unfall- reute, denn das Reichs-Versicheruugsamt lvies den Kläger mit seiner Klage gegen die laudwirthschaftliche Berufs- genossenschaft unter folgender Begründung ab: Es liege kein landivirlhschasllicher Betriebsunfall vor. Für die Gewährung einer Unfallrente könne nur die königliche Regierung in Frage komineu. S. habe uuziveifelhast den Unfall im Betriebe der Forstverwaltung erlitten. Wenn der Kläger auch Inhaber einer Land- wirthschaft sei, so ninsse er doch für die Zeit, die er dem Fiskus diente, als dessen Arbeiter angesehen werden. Der Fiskus habe ein Interesse a» der Beseitigung der Stubben ans dem Walde gehabt. Indessen könne er nicht ver- urtheilt werden, weil der Kläger gegen den ablehnenden Bescheid die Berufung nicht eingelegt habe. Angesichts des obigen Falles müssen wir die schon öfter ausgesprochene Mahnung wiederholen, daß Unfallverletzte dann, wenn für die Entschädigung mehrere Berufs- genossenschaften oder sonstige„Versicherungsträger" in Frage kommen, gegen alle den gesetzlichen Jnslanzeuzug bis zum Reichs- Bersichcrungsamt verfolgen. Eine Direktrice vor dem Gcwerbegericht. Die Modistin C. beanspruchte von Frau Ladke, der Inhaberin eines Ateliers für Damenschueiderei. 255 M. mit der Begründung, sie sei Direktrice bei der Beklagten gewesen und trotzdem unter Jnuehaltung einer nur vierzehnlägigen Kündigungsfrist eutlassen worden. Als Direktrice hätte sie verlangen können, sechs Wochen im voraus nur zum Quartalsersten gekündigt zu werde». Obwohl die Beklagte Fräulein C. in ei» ein Zengniß als Direktrice bezeichnet hat, bestritt sie, daß die Klägerin Direktrice gewesen sei. Sie behauptete, sie selbst habe den Betrieb geleitet und die Klägerin habe unter ihrer Aussicht Taillen zugeschuitten und zusammen- genäht, sowie Kostüme angcprobt. An Lohn erhielt Fräulein T. 30 M. wöchentlich. Frau Lüdke wurde verurtheilt, die 255 Mark zu zahlen. Dafür, daß die Klägerin Direktrice gewesen sei. spreche schon das Zeugniß. Indessen würde die Bezeichnung der Klägerin als Direktrice allein nicht ausschlaggebend sein. Hinzu- komme die nicht gewöhnliche Höhe des Lohnes und vor allem die Thatsache, daß die Leistungen der Dame denen einer Direktrice e»t- sprachen. Wenn die Beklagte sich ein letztes Bestimmungsrecht vor- behalten habe, dann spreche das nicht gegen die Annahme, daß die Klägers» die Stellung einer Direktrice eingenommen habe. Ein solches Ober-Ausfichtsrecht stehe selbstverständlich jedem Unter- nehm« zu._ Verfnttnnlttttgett. Die Freie Bereinigung der ZivilberufSmnsiker hielt"w 1. Juni eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab. �as Mitglied Schauert halte im„Gastivirthsgehilfen" einen Artikel veröffentlicht, der sich in scharfer Weise gegen die„Freie Ver- einignng" wendet. Zu diesen Aeußeruugen S ch o n e r t' s sollte die Versammlung Stellung nehmen. Nach einer lange» erregten Debatte wurde ein Autrag auf Ausschluß Schonert's aus dem Verein angenommen. A»-b«>ter-SIl»»na»rch»I». Die B t d l t o t h e r in der N o r d s ch u l e Brun nenstr. 26, ist sür die Mitglieder an folgenden Tagen geostaei' Sonntags, vonnitiags von 10-12, D i e n st a g s und F re i t a gs, abends bif 10 Uhr, Mitgliedsbeiträge werde» an diesen Tagen in der Nordschule entgegen- genommen, ebenso in folgendeii Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Adiuiralftr.«o» Schöning, Köpniäerstr.«8; Neul, iparnimstr.«2 l Babicl, Rosenthalerstr. 67; wlcineri, Müllerfir. 7a; Bnrghaiise, Putbiiserstr. 82; Vlantenleld, Stephansir. 2»; Werner, Viilomftrabe 69 I Grube, Marlendorserslraße 6; Kahler, Junlerslraßi I, H. Königs, Dieffenbachstr. so. Alle Zuschrliien sind an den Vorsttzenden Paul Mü lke ir., so. Man- iiiistelstr. 128, Geldsendungeii an den Kasstrer H. K ö n t g s, S. Dtesfenbachstr. 30, zu seiiden. Zt» l>«it«i-Käiio-rdii»d Berlins und Uiitgegend. Vorsthender Ad. Reiiinann, Schwcdenfir. 18, v. l Tr. Alle Aenderunge» tm Beretnslalender sind zu richten an tzrtedrich Kor tu in, Manienslellir. i», v. 2 Tr. Knud der geselligen Ardeiternereiii« Kertins«nd der Umgegend. Vor» sthender P. Gent, Dresdenerstr. 107/108. Alle Zilschrisle», den Veretnskalender betrestend, sind an H. Bendtk, Atcrandrtnensirnbe loo, zu richten. IdentscIleB Melallarbeiler-Yerband. Verwaltung Berlin. Todes-Anzeige. Am 4. Juni starb unser langjähriges Mitglied, der Gürtler Karl Woblg. Ehre seinem Andenkon! Die Beerdigung findet am 8. Juni, nachmittags V,K Uhr, von der Leichen- haste des Neuen Jerusalemer Kirch- hof»s in derHermannstraße in Rixdorf aus statt. Um rege Betheiligung bittet 122/4 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Bater, linrl Wobig am 4. Juni im Alter von 54 Jahren verschieden ist. 249ßb Die trauernden Hinterbliebenen. Kranken-Unterstüttungsbuud der Schneider. Unser Mitglied VSaldemar Kleian ist am 3. Juni verstorben. Die Be- erdigttug findet am Sonntag, den 6. Juni, nachmittags 5 Uhr. auf dem St. Philtpp-Apostcl-Kirchhof, Müller- straße 44/45, statt. Am selbigen Tage ist da? Mitglied Hanl Fechner verstorben. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag 4 Uhr auf dem St. Johannes-Kirchhof in Plötzen- see statt. ISK/K) Die Ortsverwaltung. jDnnksagimg. Für die vielen Beweise der Theil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, sowie für die liebe- vollen Unterstütztingen sage ich allen Freunden und Belannten meinen herzlichsten Dank. 249tZb WitNve SiSderherg nebst Kind ichtung! Existenz! Seisen-Spezialgeschäst, gut gehend, mit schöner Wohnung, westlicher Bor- ort, ist mitLagerbestand für 800 Thaler (spottbillig) sofort zu verkaufen wegen Uebeisiedclung nach außerhalb. Offerten unter„Brotstelle" Postamt IIS, York- straße._ 24946 MöbeB vetliehen gewesene und neue, staunend billig, Xheilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. 179 IL* Neue Königstr. 59» Bnlm-l�lutirr» Künstl. 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Grosses?okal- and Instrumental"Coneert, ausgeführt von Mitgliedern der Freien Vereinigung unter Leitung des Dirigenten Herrn der Zwil-Berussmiiüker r r g a n g. 223/10 ßrojjts Bribilt-zeverlmk. Tilmrische AchlhruW«. Volks- nnd Kinderspiele aller Art. In beiden 1£«k1 1 Herren, welche am Tanz theil- Sälen:-■PW-i-X« nehmen, zahlen 50 Pfg. nach. Di« Kaffeeküche ist den ganzen Dag geöffnet. Anfang 8 Uhr früh. Programm gratis.«»de? Billets im Boroerkauf 20 Pf., an der Kasse 25 Pf. Billets stnd in allen mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. I>»s Komitee. Achtung! Achtung! Verein der graphischen Arbeiter u. Arbeitemne« WK Svunabeud, den IS. Juni I8S7: Großes Sommerfest Steglitz. m Pulilmann's Yaudexille-Theater Schöuhauser Allce 148. Kastauteu Allee 97/99. Gr. Konzert, Theater- n. Spezialitäten-Vorstellung untcr gesättiger Mitwirkung des Gesangvereins Senefelder. Im Saale:«r. Kall. Herren, welche daran theilnehnten zahlen 50 Pf. Gr. Kinder-Fackelpolonaise, jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. MP- Von 3 Uhr ab: Faiutticn-Kaffeckochen.-MW 97/13 Kasseneröffnung 2 Uhr. Anfang 41/, Uhr. Entree 30 Pf. Billets sind vorher im Bereinsbureau, Neue Friedrichstr. 8«, z« haben. Um zahlreichen Besuch bittet_ Das Kosnitae._ ElMvlottenvurg. 39. Wilmersdorferftr. 39, Bismarckshtthe, WilmcrSdorferstr Sonntag, den«. Juni(1. Pfingstfeiertag): Großes SoAmerfest,°"Äm� Verband der Banarbeiter. Vokal- und Instrnmental-Konisert unter Mitwirkung des Gesangvereins„Vorwärts*(Mitgl. des A.-S.-B.) Anfang 4 Uhr. Ansang 4 Uhr. Am 2. nnd 3. Pfingstfeiertag: 1916L* AWf- Konzert- und Spexialltliten-Vorstellung.-MW Artistische Leitung: Max Lachmann. Im Saale: Crosser Ball. 8 neue Kegelbahnen. " Die Kaffeeküche steht den werthen Gästen zur Verfügung.-WW Hierzu ladet ergebenst ein H. Wernlcke. Zentral-Verband der Töpfer Deutschlands(Filiale Berlin). Jeden Soiinabcnd, abends von 0 Uhr an, im Restaurant Bablel, Rosetithalerstraste 57. Mitgliederaufnahme und Beitragszahlung. Auch werde» daselbst täglich(außer Sonntags) im Zentraldurea« von 9 bis l Uhr vormittags und 2—0 Uhr nachntittags Mitglied« aus- und Beiträge entgegen gcnoinmen._(195/15)_ Die Ortsnertsaitung. WrIot!k«bnrg. Brauerei Gambrinus Wallstr. 94«ismarckstr. 22. §0fr- Eröffnung der Sommer-Saison. Vom 1. Pstngfttag ab täglich: Konzert, Theater und Speziatitäten-Porftellung.— Im Saal: «»rosser Ball.— Die K a s f e e k ü ch e ist von 2 Uhr geöffnet. 2 Kegelbahnen.__ D i e D ir e t t i o n. Homöopath. Poliklinik Liesenstr. Arzt Br. Hoescfa, Linienstr. 149, 8— 10, 5—7, Sonntags 8— 10, f. Brust-, Unterleibs-, Frauen-, Kinäer-, Haut-, Nervenkrankheiten. 17, 2-3 Uhr. 16241,* Zur VeachtW für Lithographen, Steindrnlker n. BernfSg. Da in letzter Zeit wieder ein Destillateur beabsichtigte, nebenbei einen Arbeitsnachweis für graphische Arbeiter zc. einzu- führen, thiclen wir zur Verhütung von Zersplitterung und Jrrthüniern auf dem Gebiet der Arieitsvernlittelung mit, daß sich der vom Verein der graphische» Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands im Jahre 1891 begründete, unentgeltliche 97/4 Zentral-Arbeitsuachweis für Lithographen, Steindrucker, Lichtdrncker, Zinkographen, Kupfer- drucker, Steinschleifer, Präger, Prngeriiiiic» und Anlegerinnen nach wie vor€!., Nene Friedrichstr. 80 I, befindet und allen Kollegen zur Verfügung steht._ Die Verwaltung Berlin. „Ulai'iSidbiMl" Badstrasse 85/80. Gesnndbritiineu. Badstrasse 35/30. Am I., 2. und 3. Pfingstfeiertag: Theater- und Spezialitäten-Vorftellung von Künstlern I. Banges.— Erstes Auftreten der OstaWaulschen Ongiiial-Neger-Klugklimpfer Dieselben treten mit heimathlichen Geräthlchaften in ihren Gesängen und Tänzen und besonderen Leibesübungen auf.— Zum Schluß: Großer Schweizer Gurtel-Ringkampf. (Entscheidungs-RIngkampf mit Herrn Pa»„.) Entree frei! IPF" Im Saale: T A V Z Entree frei! bei verstärkter Hauskapette unter Leitung des Tanzniaitres Herrn Kügler. Ponnp-Reite«.- Bolksbelnstigniigen aller Art.- 4 Kegelbahnen. ZW Die Fauiilieii-Kaffcclüchc ist von 2—0 Uhr geöffnet.-7N>T Anfang 4 Uhr. Entree 29 Pf. l. Platz 39 Pf. Kinder 19 Pf. Passe-partouts haben Giltigkeit., _ Wax Wekelbnrg, ehem. Küchenchef rmommirter Häuser. kntt«? vStbKS'8 Konzert- n. Theaterpark KU»!» Ehausseestr. 39. Endstation der Pferdeb. Moritzplatz— Britz. Am 1., 2. und 3. Feiertag: Konzert und Spezialitäten- Vorstelinng.— Am 2. und 3. Feiertag: Grosser Bali. Volksbelustigungen aller Art. Gute Speisen und Getränke. 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Montag: Ein SommernachtStraum. Dienstag: Der Vibliothelar. Deutsche». Die Räuber. Nachm. l/zZ Uhr: Freiwild. Montag: Die versunkene Glocke. Nachm. V-3 Uhr: Die Weber. Dienstag: Die versunken« Glocke. Berliner. Die Maschinenbauer. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Lessing. Die Geisha. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Tchiller. Madame Bonivard. Nachm. 3 Uhr: Der G wissend- wurm. Montag: Papa Nitsche. Nachm. 3 Uhr: Deutsch« Schwänle. Dienstag: Bauernehre. Der ein- gebildete Kranke. Rrnrö. Trilbp. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Linden. Giroflö-Girofla. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dhalia. Roche Zettel. Montag: Dieselbe Borstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Kriedrich> Wilhelmstndtisches. Lehmaim'S Kriegs-Abenteuer im Orient. Montag: Dieselbe Borstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Zllliance. Konstantinopel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Nesidcuz. JmPavillon.(Le Partum.) Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dekorirt(vooorh). Oftend. Unsere Reichspost. Nachm. 3 Uhr: Eine Nacht im Orpheum. Montag: Unsere Neichspost. Nachm. 3 Uhr: Eine Nacht im Orpheum. Alexanderplah. l. Die versunkene Glocke. El. Moriturt mit a) Teja. b) Das Ewig-Männliche, c) Fritzchen. Ell Die Geisha. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Volk». Auf eigenen Füßen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Venus auf Srden Pafsage-Panoptiknm. 300 Sehens- Würdigkeiten. Zwei Riesen- Jl- lustonen. Sifc i llvv-TTz e Ate v (tzVallner-TheHter). Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der G missenswurm. Abends 8 Uhr: Madame Bonivard. Montag, nachm. 3 Uhr: Deutsche Tchwltnke. Abends 8 Uhr: Papa Nitsche. Dienstag, abends 8 Uhr: Bauern- ehre. Der eingebildete Kranke. Oftend-Theater. Gr. Frankstlrterstr. 132. Dir.«k.«Seih. Sonntag zum ersten Mal«: Unsere Reichspost. Volksstück mit Gesang in 4 Akten v. Kneisel. Musik v. C. Schüler. Anfang 7 Vi Uhr.— Am ersten und zweiten Feiertag Nachmittag 3 Uhr: Salbe Preise: Eine Nacht im rphcui» oder Der liebe Onkel. Im Garten: Vollständig neues Pro- Stamm. Hugo Schulz, Instrumenta l- omiker. Anfang 4 Uhr. Montag und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. VftloriS'Miiei'el lititzow» Strange 111/112 (Garten resp. Saal). An alle« drei Pfingstfeiertaae« sowie von nun an titglich; Stettiner Sänger (Mehsel, Piekr», Britton, Steidl. Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Jeden Abend abwechselndes grostartigeS Programm. Anfang am 1. u. 2. Feiertag 7 Uhr, am 3. Feiertag Uhr. DM- Entree Sl> Pf. Am2.u. 3. Feiertag nach der Soiree Danzlrrilnzellen. Die Soireen der Stettiner Siinxer finden von nun an tag- lich in der Biktoria- Brauerei statt. Anfang Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Entree SO Pf. Für die Wochentage sind Billets a 40 Pf. und Familien-Billets ä 1 Mark(für 3 Personen giltig) im Vorverkauf zu haben.(Siehe Plakate.) II r a n ä Tauben-Strnaue 48—49. Natnrkuudliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab Eintritt 50 Pf. Wi sseuschaftl. Theater abends 8Uhr. Jnvalidenftr. 57/62(Lehrter Stadt- Bahnhof): Täglich von 5 Uhr nach mittags ab bis 10 Uhr abends Stern warte und Mondpanorama. Eintritt 50 Ps. Näheres die Tagesanschlägc. Passage- Panopticum Die Kinder der Wttste. SO Pcraonen ing Uhr Vorstell im iL. 5, 7, 9 ma Castan's mm Panopticum. Uoilf kli« elektrisch nCUl belebten Hp||f nnd kilnstllch nvlli sprechenden Neu! Menschen. Neu! und hochkomisch! Volks-Theater 34. Reichenberger- Strafte 34. Sommer- Saison. Abends 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr Hrtgront Iichfit. osse v. Pohl u. W i l k e n, Musik von A. C o n ra d t. Bor der Vorstellung von«>/, Uhr, Sonntags 5Vz Uhr: Garten-Konzert. » Wochentags 30 Pf. biL 3 M. villi ll. Sonntags 50 Pf. bis 3 M. Concordia Variete-Theater _ Brunnenatr. 154. mr Jeden Sonntag:-WM «reaue Theater- lmd Spe»ialltltten-V»r»tellnn>: Jmurer neues Programm. Anfang 6 Uhr. Entree 30, rescrv. 50 Pf WM" Jede« Donnerstag:-WM Familien- Abend. Gr. Theater- VarateUnnK. Ans. 7l/,Uhr. Entree Sb, reserv. 40 Ps. Der Sontlltergarten ist nebst Kaffee- köche geöffnet._ Apollo-Theater und Konzert-Garten. Auftreten deS unerreichten Humoristen Otto Reutfer mit feinen aktuellen felbstverfaßten Kvuplets. Um 9 Uhr: Nkims OHf Erden. Burlesk-phantastische Operette m. Tanz w 1 AN von Boiten-Bäckers. Musik von Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Direktor J. Glück. Ferner Auftrete« v. Spezialitäten ersten RnugcS. Kassenöffnmtg 0 Uhr. Konzert SV, Uhr. Anfang der Vorstelliing?>/, Uhr. llhm-Folditiailrell-Perslllld. Baar-Vcrkauf u. DheUzahlung. Kestellg. briefl. Vexdt,. Auguststr. 02. Konzerthatis Sanssouci, Kottbuserste. 4 a. Jnh. H. Pierry An allen 3 Pfingstfeiertagen: Grosses Garten-Konzert Speniaiit&ten- nnd Theater- Yoratellnnc. ■■ Die BallhauS Anna. WW Das 4. Gebot.— Max Aschinger. Max Walde«.— Adelina Zeth. 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Die G-odqrar-Melt-Mrthode warf mit einem Schlage die beste Landarbeit über den yaufen.— f it ijfl der Stiefel der Dukuuft-««d wer u,» h» heut» nicht geführt,— wird ihn führen müssen!—€s existiren in Deutschland circa<5 dieser Eioodqear-Melt-Waschinen; diese Maschinen, welche die besten auf Rand genähten Schuhwaaren liefern,(weit besser, wie es Menschen- Hände vermögen) sind nicht käuflich zu haben, dieselben sind dem Fabrikanten nur auf jährliche Miethe überlassen und hat dieser eine Abgabe für jeden Stich zu zahlen.— Die Stichzahl wird von der Maschine mit absoluter Genauigkeit wiederum festgestellt.— Die Goodyear onf Kond genähten Schnh- wggreN �ben vermöge ihrer exacten Fabrikation glatte Brandsohlen, haben inwendig weder Pech noch Garn, weder Stifte noch Nägel, kurzum nichts, was den Füßen auch im entferntesten unangenehm werden könnte; die Sohlen sind schmiegsam und elastisch, weil durch die eracte Verarbeitung nur das beste Material verwandt werden kann. Sie Paßform der Goodyrar Wlf Dltltd genähten Schuhwaaren w � b-st«» �1.51,« daz°. wefenen und existirenden, weil die Rahmeneinstechmaschine dem Zwicken ergänzend zur Seite steht. In Folge der Solidität und Gleichmäßigkeit der Rahmcneinstech. und Doppelnaht ist das bei haudgenähtem Schuhwerk häufige Aufgehen der Nähte völlig ausgeschlossen.— lvährcud der Sandarbeiter auf dem Schooße den Schaft mit der Zange nach und nach über den Leisten zieht, um ihm mühsam die Form desselben zu geben, zieht die Goodyear-Melt-Maschine den Schaft gleichzeitig und gleichmäßig fest über den Leisten, lvie mühevoll der Sandarbeiter die Sohle an den Rand näht, wie er sich anstrengen muß, den pechfaden straff z» ziehen; wie er sich den pechfadcn dadurch herstellt, daß er viele Fäden Garn durch kalten Pech zieht, wodurch nur die äußerste Dbcrfläche, nicht aber das Innere dieses so entstandenen Pechdrahtes berührt wird; er gestaltet sich ungleichmäßig, wie auch die Arbeit ungleich- mäßig und von dem jeweiligen physischen Zustande des Arbeiters abhängig ist. Des Morgens in gut ausgeruhtem Zustande wird er den pcchdraht weit fester ziehen als er es Nachmittag bis zum Abend im Stande ist.— Ganz anders die Eoodqear- Meltmethodr.— Sie ist die Handmethode, jedoch mit größter Kraft, Sicherkeit und Inverlässtgkeit ausgestattet, und dabei bei Weitem billiger.— Die Spannung der Nähte bei der Goodyear-Meltmnschine ist viel stärker und selbst- verständlich immer gleichmäßig. s° haken die Goodyear anf Ditnd yenähten Schuhwaaren nod? ai[c" bisher erschiene»-» m»- schinen-Favrikaten das voraus, daß sie ebenso leicht wie Sandarbeit sind und genau wie es bei Sandarbeit der �all, von jedem Schuhmacher wieder anf Rand ge- näht,»en besohlt und jede Reparatur wie bei anderen handgenähten Stiefeln vorgenonnnen werden Können. Auch das beste Leder kaim eine Stelle bergen, die selbst bei peinlichster Kontrole nicht bemerkt wird;— ich garairtire— wie seit Jahren — durch gedruckte Garantiescheine selbstverständlich wie für alle meine waaren so auch für Goodyear auf Rand genähte Schuhwaaren.— Gas Löste auf Rand ist nur Goodyear- Welt! Wer diese und andere Schuhwaaren am billigsten verkauft,— darüber laste ich die Stimmen meiner Feinde und Concurrenz folgen: Dieselbe vertritt die Interessen der Schuhhäudler und schreibt in der Ausgabe Nr. vom 25. Februar, Seite s, nachdem die Zeitung eine Anregung, Schuhhändler-Ver- einigungen zur Bekämpfung der Schleuderconcurrenz zu begründen, speciell für Berlin gegeben, fährt sie folgendermaßen fort: Es muffen Vereinigungen stattfinden, da einzelne Geschäfte gegen die Schleuderroncnrrenz»ine» Rapbaell absolut nicht ankämpfen können.-- Dieselbe Zeitung, der„Schuhhäudler", nennt in Nr. 7 und Seite 7 Serlin mein Reich. sarÄ'Fr!! großen Schlcudcrcr Zutritt in dieselbe untersagt.— Die Leipziger Jllust. Schuhin.-Ztg. tischt ihren Lesern in ihrer Ausgabe vom;. November is?s auf Seite 2z; die erste Instanz meines durch. Knopf-»nd Schnürstiefel und spitzer yagon. geschürzte Knopstöcher, markiriem Rand. Herzblatt oder Besatz. Knopf- und Schnürstiefel, moderner eckiger und spitzer Fagon.. Mk. 8,»>0« Echt Ziegenleder-Strandknopf-»nd Schnürstiefel �Sg Mk. 8,75. Lasting-Promenadensch." ans dem Blatte, durchgenähte Ledersohle. JJ{t' l-,Ov. 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Schaftstiefel kernigem Mndleder mit derber. genagelter Sohle. Handarbeit... Mk.»>,»)0» »»lauteren lvettbewerbes((89;— unGeldstrafe verurthcilt. Welch' niedere wurde.... lauterer Ivettbewerbl—) zu 500 lNk. Gesinnung hat dies dirtirt! Dieses Blatt bringt die erstinstanzliche verurtbcilung ausführlich— über meine glänzende Fveifprechung, deantragt durch den Kgl. Staatsanwalt bei der V. Strafkammer des Kgl. Landgerichts I hierfelbst am 20. März(Sstz, worin derselbe erklärte, daß meine Kundschaft weit über rhre Erwartungen hinaus, theils für, theils weit unter der Hälfte des Merthe« Schuhwaaren von mir gekauft— bekundet durch zahlreiche Zeugen, sowie durch gerichtliche uud außer- gerichtliche Sachverständige— schweigt jedoch das Blatt vollständig! Ich zwinge meine Eoucurrenz— auch das Material der Stiefel zu nennen— was ich feit Jahren thue— wenn dieselben es bisher auch nicht gethan, — mit der Zeit wird sie es thuir müssen I— Alle Anfeindungen werden mich nicht hindern, KrebsfchSdeu aufzudecken,—«nlantere Handlungen?« entlarven»nd garantirt reellste Waaren zu billigsten Preisen nach wie vor zu liefern. fciluiu- icosKletier-Zugstlttrel mit reuten Lederzuthaten, streng solide gcnagciti Sohlen, niedrige oder Hobe Absätze, srühec Mk. öLd jetzt.. Mk. 4,75. niesclbrn in»och eleganterer Ausführung mit Besatz. Cordelkappen und»nopsverzierung. Mk. 5,25. Nlettelben mit glattem Obertedcr, leichtere«ussuhruttg. m. genähter Sohle u.mark.Rand. beste Haltb.Mk.»,S0. Dieitelben mit Besatz. Cordelkappe. Knopsoerzicrnng. i» leichter Ausführung, mit genähter Sohle und markirtem Rand, sowohl als Strapazirfttefei wie als SonntaaSstiesel«u empfehlen Mk. 5,75. I». satinirteS Roßscder, g Rostleder-Zugstiefel, fi beste Paßform, auf Rand gelb genäht. 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Seite« Ä. Beiblatt. Sonntax, den 1. Feiertag, findet der Verkauf nur für Cigarren in allen drei Geschäften l>is 10 Uhr Vonultlags statt. Brücke Mo. 2 Potsdamerstr. IDSa, � st«gituentr. Grüner Weg 31, roke Andreasplatz. 2. Feiertag, Verkauf für sänuntliche Artikel von Meine Offerte gilt bis zur näcvften Slnzcige. und 12—2 Uhr. Nr. 130. 14. IchkMz. 3. des Dmiirls" Wim AcksdlÄ. Zomlag, 6. Im! 1897, Gerichts- Jettung. Ein Retter der Sittlichkeit. Aus Braitu schweig wird ge- hrelbii: Ter frühere Bahnhofsbuchhündler Nolle war bekamillich vom hiesigen Schöffengericht zn 20 M. Geldstrafe verurlheilt worden, weil er nch durch den Verkauf eines Buches mit anstößigem InHall an den Pastor Fritsch-Berlin eines Vergehens gegen § 184 des R-Slr-G-B.(Verkauf unzüchtiger Schriften) schuldig gemacht hatte. Strafmildernd war in betracht gezogen, daß der Angeklagte seinen eigenen Angaben nach von dein Käufer des Buches zum Verkauf pikanter Lektüre auf» gefordert worden sei. Gegen dieses Urtheil war von der Staatsanwallschaft Berufung eingelegt. Zu der gestrigen Ver- bandlnng vor der Strafkammer I als Berufungsinstanz war Pastor Fritsch persönlich erschienen. Der Angeklagte Nolle verblieb bei seiiicn früheren Aussagen. Pastor Fritsch erklärte, er habe Nolte auf dessen Angebot von Lektüre erwidert:„Sie haben ja nichts Gescheidtes!" Dann habe N. gefragt, ob er vielleicht etwas Pikantes haben wolle, und gleichzeitig vier Bücher aus der Tasche gezogen und sie ihm für 3 und 6 Mark angeboten. Er, Fritsch, babe als Mitglied des Männerbundes zur Bekämpfung der Unsiltlichkeil es für sciiie Pflicht gehalten, sich sofort durch An» kaui in den Besitz eines der Bücher zu setzen, und habe das dann getdaii. Das Buch habe er dem Männerbund vorgelegt und dieser babe Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und bei der Direktion Mngde- bürg erstattet. Letzter« hat bekanntlich den Nolle aus seiner Stellung a's VadnKof-buchbändler, die er 36 Jahre lang inne gehabt, entfernt. Pastor Fritsch behauptete auch, Nolte lei garnicht der Mann, der ihm das Buch verkauft habe, gab aber zu. daß er sich darin irren könne. Noll« gab demgegenüber ausdrücklich zu. daß er das Buch an Pastor Fritsch verkaust. Der Staatsanwalt beantragte die Erhöhung der Strafe auf 60 M., während der Vertheidiger für Verwerfung der Berufung eintrat. Der Staatsanwall erklärte ausdrücklich, daß er persönlich für den vom Pastor Fritsch gewählten Weg. die Un- sittlichkeit zu bekämfen, nicht schivärmeu könne Das Urtheil lautete aus Verwerfung der Berufung. Das Gericht zweifle nicht daran, daß der Zeuge Fritsch nach bestem Wissen die Wahrheit gesagt und die Sache so geschildert habe, wie sie sich in seinem Gedächtnisse darstelle. Tageaen nimmt das Gericht aber auch an, daß der Angeklagte durch das Verhalte» des Reisendeii zu der Meinung gebracht sei, daß dieser pikante Lektüre zu haben wünsche. Der Angeklagte hätte ohne sein Geständniß vielleicht eine Freisprechung erzielt, da ihn der Zeuge nicht wieder- erkannt habe._ Besuchszeit verschiedener Museen und sonstiger Seheuswiirdigkeiten. Alles und Neues Museum am Lustgarren. BesuchSzelt läglich, mit Ausnahme des Manlags in den 6 Wwtermonatsn von 10— 3 Uhr. in den e Eoinmermonalen von 9—3 Uhr; Sonntags im' April— September 12 bis « Uhr. Oltober und März 12—3 Nhr, November unv Februar 12—» Uhr, Tezember und Januar 12— 3 Uhr lNnentgeltlich).— Die National- g a l l e r i e in der Muleumsstrabe. Besuchszeit Wochentags von ld— 3 Uhr (Montags auSgenominen). Sonntags im April— September von 12 blS s Uhr, im Niärz und Ollober 12— s Uhr, Februar und November 12—» Uhr, Januar und Tezember 12—3 Uhr lUnentgslllich).— Kunst geiverbe- M u i e u m. Prinz Aibrechlstr. 7. 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Dienstags, Donnerstags, Freitags von l>— 2 Uhr(Unenigeillich).— Ralhhaus, Kvnigstrabe, G-ästnel läguch auster Tonnerstug und Freitag von u— 3 Uhr.(Unentgeltlich). A u s- stchislhurm(EinlrillspreiS 20 Ps.).- Kunstausstellung d-S Verein» Berliner Kunst lsr, Wilheimstr. 92. Sorniiags ll-2 Uhr, Wochemags w bis« Uhr. 60 Pfennig Eniree.— Sternwarte, ffinae- lilah 3a. Mitlwochs und Sonnabends von 9 bis ll Uhr Vormittags.— Urania, Wistenschaslliches Theater. Sternwarte. Jnvalidensiraste 37-32 und Taubenftr.«s/«o. Geofsnet von 3 Uhr Nachmittags bis tC$ Uhr Abends, Entree 30 Ps. Zuschlag sür Thealer von 30 Ps. bis- M.- A q uarium: Cchadowstr.)«. Weöstnet von 9—3 Uhr. Enlree SonnlagS 60 Pf., an jedem leylen Sonnlag tm Pionat 26 Pf.— Eaftan'S Panopitkum, Frtedrtch» ftraste. Eeostnet Iv— 10 Uhr. EinirillSpretS 60 Pf.— P a I f a g e- P a n 0 p t tl um 10- 10 Uhr. Einirillspreis 60 Pf.— Martne-Panorama. Am Lehrter Bahnhos. EonmagS von 9— 9 Uhr. 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Da die Nähte sehr fest genäht werden, so ist es unmög- lich, einen schlechten Stoff hierzu zu verwenden, da bei der Ton- struction der Maschinen die Maschinennndel sofort den schlechten Stoff durchschneidet.— Selbst bei der billigsten Waare ist das Material nicht im Entferntesten zu vergleichen mit dem Schund, wie er zum überwiegenden Theil geboten.— Auch hierbei wird, dem Preise angemessen, das denkbar beste Material verwandt.— Kurz, das Material sowohl als auch die Ausführung der Marke rexräsentirt den Inbegriff aller Vollkommen- heit in fertiger Garderobe.— Jeder SlttZitfl geht nur frisch gebügelt ans dem Hause und enthält ein ca. 30 cm groffeS Muster für etwaige Defecte, die sich im Laufe der Zeit bilden, besonders für Hosen, welche bekanntlich mehr leiden, zur Reparatur. Untergeordnete Materialien werden bei dieser Marke nicht verarbeitet; diese Garderobe besitzt den elegantesten, moderuften Schnitt und beste Paßform für jede DurchschuittSfigur. 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