Einzelpreis 10 pfg» Di* nf�rmt m�r�ms uwb waAmf'fn�#,«m" Dm 9e�u�»prm btniat d»' �eie? AustellunA»n» hau»»ü» Groji» Verlin S.50 A.. bei direkwm t�ostdezuA sdne Veg»lla»bübi monatl.??!!., bei Austevuna unter 5treribanb 4.ZH M. Du„fTtitwtf ift rn den ersten Uactnaq der pofhutunasiistt f&i eingetragen. tlftoftfon Berlin NW. H. Ech,ssbauerdamm 19 ÜJL öorn�rschee!«Um Vierde»**95 im* 9*96. Nie �lbenü�usgabe »�»n R-um 75 Pf» JtWmt Us»ort«0 pf. irt« wrt,.--»ort 20 ff. T-urtunz,z»schl», M V»t iomtlirti» und Oersommwngoanzeigen fällt drt Auschlo� fort. Inserat« fär den darauf« f«tu«n»«n lag müssen sgitesten, die i Ud> nachmittag» dei»er Esped'tion aufgegeden sm». SxpedUwU! Berlin St««. echistbauerdamm l». gerusprech«! Amt Roedim»?»». Bcrlinei'-Organ ber VnaMmßiffen Soßolömofratic S>eiit]l1)lani)s ¥&&*!-W« Jahrgang 2 Donnerstag, öen b. Zebruar 1019 1 Nummer 66 ? Sie Mehrheitssrallios billigt das Blutbad« ein schm-ichMer Anfang. Die sozialdemokratische Mehrheitsfraktion in W e i- mar beschästiste sich gestern nachmittag ans Grund eines Delcgramins auS Haniburg mit den blniigen Bremer Nor- konimnissen und hat e i n st i m in i g folgenden Beschluß gesaßt: „Die Fraktion nimmt von den Mitteilungen über die Vorgänge in Bremen Kenntnis und billigt das Ber- halten der Reichsregierung." Mit der einstimmigen Annahme dieser Nesolntion, die das alle ihre bisherigen Schandtaten überbietende B r e in e r Blutbad billigt, hat die sozialdemokratische MehrheitS- fraktion der Nationalversanlmlung von vornherein offen- dart, weS Geistes Kind sie ist. Ohne jede Einschränkung nimmt sie die Verantwortung für das verbrecherische Vorgehen ber Stegiening geg"n die zu äußerster NcMiebiakeit bereite Bremer Arbeiterschaft auf sich imd bedeckt sich selbst mit StoSkes nngeheiierlicher Blutschuld. Was soll man von den anderen Parteien in Weimar erwarten, wenn die foziaLfimokratische Mehrheitsjrakt.on mit derartigen Schändlichkeiten vorangeht? Noske erklärte in seiner Be- S' nindungSrede, mit der er bei der Fraktion für sich und die iegierung das Vertrauensvotum erzielte, wenn man ihni in schvieriger Lage in den Rücken solle, so sei das tief- traurig für die ganze Sozialdemokratie, und wenn das so Weitergohe, bann wolle er lieber gileich den Bankerott er- klären und den Bankerott der Revolution dazu. Dlossr Bankerott wird durch die Handlungsveise der Ebcrt-Landsberg-Noske und ihrer Helfershelfer herausg«- flUkt. und wenn ihn der gestrige einstimmig« Beschluß der Mehrhcitssozialisten auf» krasseste bestätigt, so wird er . hoffentlich dazu beitragen, daß nunmclr das wirklich revo- mtiongre Proletariat sich aufrafft. Schon regt eS sich allerorten an der Wasserkante, und bc- sonder« die Haltung der Hamburger Arbeiterschaft, die il)m in ihrer Mehrheit früher so brav und znverläisia schien, macht Herrn R o S k e schwere Sorge. Von allen Vor- «äugen der letzten Wochen, führte er anS. war ihm der bc- riickendste. daß„D i e F r e i h c i t" einen Artikel de? .Hanrburgor Echo" nachdrucken konnte, der ihn als Wieder- Hersteller deL MilitariSmiis und Veidenber der Revolution dloßstellte. Daß ihn die Berliner und Bremer Blutopfer weniger bedrücken, macht seinem.robusten Gewissen alle Ehre. Die tage an ter Wasserkante. Den militari sck>en„Siea". den di Regicruna in Bremen errungen hat. hat sie leicht errungen. Tie Einsicht der revolutionären Arbeiter, daß ihre militärische Kraft der der Söldnersckiaren der Regierung unterlegen ist, hat sür den Angenblick weiteres Blutvergießen verhindert. Sie haben das Innere der Stadt, sowie die Wescr-Werft kämpf- l«S geräumt und sich in der Richtung auf Bremerhaven zurückgezogen.. �. Im Gegensatz zu den Versprechungen der Regierung und Zii dein Willen der Massen herrscht jetzt in Bremen «ine völlig willkürlich entstandene Rcaiernng niit ihren Kreaturen. Niemand weiß, wer sie eingesetzt hat. denn die Neubildung der Bremer Negicrung sollte auf Grund de» Ergebnisses der Wahl zur Nationalversammlung paritätisch erfolgen. Aber da die Bremer Arbeiterschaft nach dem von der Regierung gewallten Blutbad fest geschlossen dasteht, halten es diese Leute für angebracht, gestützt auf die Bajonette der SoldateZka ibre Herrschaft aufzurichten, �hre erste Tat war die Erklärung des Belage rungS- »u sta»'des..„.• Tis Vorgehen der Regierung in Bremen hat die Arbei- terschakt in vielikn Orten an der Wasserkante aufgeweckt. Uebcrall wächst die Crbit'.ernna über das Verhalten der Re-� fliening. Ueöerall ist die Arbeiterichast in gewaltiger ATiinng. die auch die bisherigen Anhänger der Rechts- lo�ialisten ergreift. � 5Prer-fn, 5 Februar. BösimannS Telegramm-Bnrean meldet: Heute mittag ist die Wersl-Aktiengejellichait Weier ohne Wideichtand der Spartakisten besetzt worden. Damit ist auch der ganze übrige Rest der Stadt Bremen, in dem sich noch die©partakisten hielten, von den Truppen der Division Gerstenberg besetzt worden. Kämpfe haben in der Stadt heute nickst stattgefunden. Die Spartakisten haben anicheipend die Waffen zum größten Teil abgegeben. Ein Teil ist nach Norden abgewichen. Die Division Gerstenberg hat neue bedeutende'Verstärkungen erhalten, die im Ausladen begriffen sind. Auf den Amverbebureaus hat sich eine große Anzechl Freiwilliger zur Auß ncchme gemeldet. v r e m e n, b. Februar. Bei den etraßenkiimpfen q hielt da» Geschäftshaus der Bremer Vürger-Zeitung mhrere Ball- trcffcr, durch die insbesoubre die NcdaktiimSräu.ulichrcitei, stark in Mit'eidcrnchast gezogen wurden. Redaktion und Gcfchäflöraum der Zeitung«iirden heule mittag von einem starken MiütLrkom» mando beseht, da» Erscheinen der henttgrn Nummer untersagt und die bi«herigr Keschästsfli«ning und Re- »altion oum Vrriaflrn der öiiiumr»osgesorverr.«on inor- gen ab erscheint die vürgerzeitung al« Organ der Mehr. heitssozialistru unter dem Titel„k,.emer Boiksblatt". Sie tage im Bheinlaud. Wolffs Telegraphenbureau meldet: Tiisseldorf, ö. Februar. Zwischen den Vertretern der Düsseldorfer Beamtenverbände und den bürgerlichen Berufiorganisationen eincrseit» und dem VollzngieuSschuß des ArbciterrateS andererseits fanden heute vormi tag Ver- Handlungen auf dem Düsseldorfer Nathausc stait. Nach längeren E.ör'ervngcn erklärte plötzlich der von dem Vollzug»- auSschuß eingesetzte Oberbürgermeister Cchmidtaen. daß die bür. gerlichen Unterhäiidl>r»erhaftet seien. Die Akitglieder de» BollzugSauSschusseS, die sceben«ine Nachricht anS Hainborn erhalten hatten, zeigten sich sehr aufgeregt und er- klärten, daß sie die Schuld für alle Folgen der Bür- gerschaft cuferieglen. verhaftet sind vier Herren von der SZeomten- sowie Beruikorgainsationen und zwei Herren der Presse, die zur Berichterstattung anwesend waren. Die Per- hafteten wurden nach dem Gefängnis gebracht, welche», w'e e» heißt, in der vergangenen Nacht vollständig geräumt worden ist. In der Altstadt stehen an den Straßenübergängen Maschinen- gewehre und Posten der Epartakisten. Große Mengen Sparda- listen versammein sich auf d-m Vollshause. Die vereinigten Beamten, und Berufsorganisationen haben ihrer» seit» etilen Bollzug». iuS schütz gebildet. Die Beamten der Post, de» Telegraphen- und de» Fernsprechamte» und der Eisenbahn hoben um IS Uhr den Betrieb einzestellt. Ruch zahlreiche Privatbetriebe, Eeichäfle und Slaktwirtschatten sind bereit« geschlossen. Bon den städtischen An- gestellten arbeiten vorläufig noch diejenigen der Strnßelibahn, deS Sa»-. Wasser- und Elektrizität». werke». Tie bürgerliche Presse hat ihr Erscheinen eingestellt. Die Erregung in der Bürgerschaft Über die brutale Berhaftiing ihrer Vertreter ist außerordentlich grcß. Der Vollzug«au«schuß de» Arbeitervatc» hat Anschläge»erbreitet, worin er anordnet, daß alle Gasthäuser, Vergnüzungsstättcu und Theater von Z Uhr ab geschlossen sind. Er setz!« Streikbrecher zur Bedienung seiner Zernsprech- und Teiegraphenzcntrale ein. Der NrbeiterauZschuß der Rheinischen Metallwarenfabrik hat heute vormittag den größten Teil d«r Arbeiter bewaffnet, die die Biiroräume besetzten, um die Beamten an der Niederlegung der Arbeit zu verhindern. Auch in Mülheim Muhrs hatte die Beamtenschast am S. Februar die Arbeit eingestellt und Zurückziehung der Sickyr- he it» mann schalten und Neuwahl de» Arbeiterrat» verlangt. Daraufhin bat eine große Versammlung der Mülheimrr Arbeiter- schaft aller sozialistischen Richtungen stattgefunden. Man beschloß, die Vereinigung derdrei Parteien zum Zweck« der einheitlichen Verteidigung der Revolution. Für de» Fall, daß RcgierungZtruppen in die Mülheimer Ver- bältiiisse eingreifen sollten, werden sämtliche Arbeiter nach er- folgtcm Sifeneiiruf die Arbeit niederlegen. Die Neuwahl de» Arbeiterratc» soll baldigst durch die sozialistischen Wähler erlolgen. Auf dieser Grundloge ist eine Einigung crzie-It worden. Mllkk'eim«. d. Ruhr, B. Februar. Sine Konferenz der Riil- bcimer Beomtcieschast und der ihr angeschlossenen Arbeiter. organ!s«tionen der Bost, Eisenbabu und der Stadt mit Mit- gliedern de» A- und S.-Rate», tührte zu einer vollkommenen Einiznng, so daß iiiorgen d Uhr von den streikenden Be- amten, staatlichen urd städtischen Arbeitern die Arbeit wieder aufgenommen wird. Die Neuwahl vci Arbeiterrales.ber an» ga Personen beitchc» soll»nid allen Bürogruppen Sitz und Stimme gibt, iovald sie aus s 0 z i a l i st i» j ch e 11 Siaiidpunit stehen, jiudet uwrqcu nachnnllag 4 Uhr statt. Sie Bedeutung der komnmual- wählen. . Wenn«m??. Februar ein kalter Tag oder regnerisckieS Weiter den Ausent-Hait im Freien unangenssim machen sollte, so werden so Manche die Mühe schenen, den Weg zur Urne zu machen. So mancher Arbeiter wird sich sagen, ich habe zur deutschen und zur preußischen Rationalversamm' lung getvahlt und habe damit politisch meine Schuldigkeit getan. Er wird sich vielleicht weiter sagen, daß es sich nur uni lokale Angelegenheiten lfandelt, in denen alle ver- nünftigen Menschen eines Sinnes sein müßten. Er wird betonen, daß er seine ArbeilSkraft schonen müsse, den Ruhe- tag brauche, er wird sagen, daß die Fettration, der Zustand ieiner Schuhe und di« Reparaturbedürftigkeit seiner Ksssi- d....� ei. uckt, c i i 1 15 c, ju �uurfi zu ölechen. Wie.«.uo�siuüig wäre ein solcher Gedanke. Denn bei den Wahlen zar Kam- munalvertretung handelt es sich darum, welche For ms» unser Leben in Hinkunft erhalten soll. Der Kommiinal-Sozialikmus hat von früher her keinen guten Klang. Sein« gemäßigten Vertreter, welche den entschiedenen Gegensatz zwischen Unternehmern und Arbeitern so gern zurückstellen wollten, welche sich Gegen- wartSerfolge nsiiiijchtsn, um dem bloß politischen Kamps zu entgehen und das Endziel nicht meTw im ursprünglich revm lutionaren Geiste ausfaßten, vertieften sich in technische und lokale Fragen. Da war auch ein Zusaeirmenarbeiten mit fortgeschrittenen Männern der Koinmurralvertoaltungeil in der Praxis durchaus möglich, da eröffnete sich ein breitet Horizont für Praktiker, für Menschen guter Gssinnung. für rechtschosfeneS, ehrliches, gemeinnütziges Streben. Aber wie weit blieb alle diese Kommunalpolitik von dem Hvhenfliich der sozialistischen Idee entfernt! Denn selbst die radikale Gesinnung mußte inmitten der bürgerlichen Mehrheit«nei Stadtverordnelenversammlung nur Kompromisse schließen »nd konnte unter dem reaktionären Eingriffsrecht der staatlichen Vettvaltung nichts Entscheidendes erreichen. Di« deutschen Genieinden hatten nie eine besonders große Autonomie. Keine einzige große Gemeinde konntr bei dem veralteten Wahlrecht eine sozialistische illdehrheit erhalten. Daher war der kommunal-sozialistische Politiker praktisch immer genötigt, seine Grundsätze zurückzustellen. mitzuarbeiten, mitzuberatcn und an Reformen mitzuwirken welche gemeinnützig, wohltätig und sachgemäß sind, aber niemal» dem sozialistischen Prinzip gerecht werden konnte. Heute ist das anders. Die Zeit dei Sozialismus ist gekommen und daher kann heute der KomniiinaliozialiSmuS von prinzipieller Bedeutung werden. Di« Stadtverwaltnugen haben bis heute darunter ge- litten, daß in ihnen der E-influß des.Hausbesitzers überwog. Von seinen Interessen aus wurden alle Fragen erörtert Ter Hausbesitz als kapitalistische Schicht ober wäre zu schwach gewesen, um sich dem Gesamtinteresse gegenüber durchzusetzen und so bildete sich auch in den Stadt- Verwaltungen der feste Zusammenschluß aller kapitalistischen Kreise heraus, der für sämtliche Vertretungskörper charakte- ristisch ist. Ja, in den Beratungssälen der Gemeinden spielte dickes interessenmäßige Moment eine besonders große Rolle. Keine politischen Gesichtspunkte, sondern wirtschaftliche Interessen waren es, nach welchen die prab tischen Fragen gelöst wurden. Es ist der große Gedanke des Sozialismus, daß in vdm das Interesse der Schicht, welche er in erster Linie vertritt. nämlich das Interesse der Arbeiterschaft zngieich das ail- gemeine Interesse darstellt. Nicht bloß deshalb weil die Arbeiterschaft die Mehrheit der Bevölkerung, zumal der Großstädte bildet, sondern weil der Arbeiter, wenn ei nur sein eipenes Intercsie richtig versteht, zugleich auch daj der Allgemeinheit wahrnimmt. Hoher Lohn der Arbeiter — wie ist der anders möglich, als bei großer Ergiebigkeit der gcscllsckxritiickren Arbeit. Billige Preise— wie sind sie anders möglich als bei großen Erzeugiii, gSmengea? »...�»r�mer rönnen von der Ausbeutunc? vieler Arbeiter leben, aber die überwiegende Zahl der Arbeiter rann nicht besser leben, wenn sie die Unternehmer ausbeutet. i � So auch in der Kommunalwirtschaft. Neber- iniegen die Arbeitervertreter, so werden sie vernünftiger- »veise nicht rein egoistisch vorgehen, sie würben sich dadurch rinr selbst schädigen. Sie werden gem einWirtschaft- l ich handeln und eine neue sozialistische W i r t- schaftinderKommune schassen. |rv*** /■ Die Aufgaben dieser Kommunalwirtschaft sind ebenso mannigfaltig, als reizvoll und schwierig. Das Schul» Wesen einer sozialistischen Stadt ist anders aufgebaut als eS bisher üblich war. � Aufgabe der Städte zumal wird es fem, alle die Einrichtungen zu schaffen, welche dii Institutionen der Arbeiterräte durch gediegene Ausbildung begabter Arbeiter aktionsfähig macht, ins- besondere solange die Staatsverwaltungen und die Reichs- leitung es ablehnen, diesen Weg zu gehen, wird es Auf- gäbe der sozialistischen Kommunen ieim ihre Kräfte in den Dienst dieser Aufgaben zu stellen. Bisher haben die Städte wbiglich Handels- und Industrie-Hochschulen gegründet, deren Notwendigkeit auch in Hinkunft niemand bestreiten wird. Die sozialistische Kommune wird besondere S ch u len für die geistige Durchbildung der Arbeiter schaft errichten und sie wird diese Anstalten Zn einen organischen Zusammenhang mit den übrigen Bil-- pungs- und Kultureinrichtungen bringen. Auf dem Gebiet der Nahrungsmittelversor- y u n g hat der Krieg die Uebernahme neuer Aufgaben not- wendig gemacht, welche auch heute noch fortbestehen. Organisationsformen der Lebensmittelerzeugung und-ver- terlung sind geschaffen worden, welche erhalten bleiben müssen, um gleichmäßige Belicefrung. gesunde Preispolitik und sachgemäße Unterstllbuiig Bedürftiger zu garantieren. Auch hier würde eine bürgerliche Mehrheit schon ihrem Interesse nach nicht in der Lage fein, radikal und prinzipiell .vorzugehen. L. fkwe der wichtigsten Aufgaben, welche den künftigen sozialiitlichen Gemeinden obliegen werden, ist die Be- Schaffung billiger und guter Wohnungen. Nehmen wir hierzu den stärkeren Einfluß der Stadt in der »S.esund Heidts Pflege, die Versorgung mit Keil- Mitteln, erwägen wir, in welch hohem Maße �on heute die Lieferung von Wasser. Licht und »traft und das gesamte Verkehrswesen in den Händen »er Kommunen liegt, und wie durch alle diese Ein- ixicWungen die kommunale Wohnungspolitik in der Zukunft erleichtert wird, so sehen wir, d-aß schon durch die Maß- lnoprnen öu[ diesem Gebiete für die Gemeinden sich eine -großzügige Wirtschaftspolitik als möglich «ni ü Insofern, als durch diese komiiiuuale Wirtschaftspolitik den Gemeinden ein entscheidender Ein- Muß auf große Industrien gesichert wird, ist der Kommunal- sozialismus geradezu als Aufbau der s o z i a l i st i- Genieinfchaft von unten her, von den Konsumenten her zu betrachten. Während also bisher die Kommunen� Vtttretcr des kapitalistischen Interesses waren, ™mutert durch das Schwergewicht der industndlen Ar- itcnricffen, während alle sogenannten kommunalsozialssti- .-n Maßnohmen nur Zugeständnisse waren, welche die rbeitcrichaft mühsam den bürgerlichen Parteien abge- »»igen hat, so werden die sozialistischen Kommunen da eine ulle sozialistischer Arbeit und Macht in sich schließen. . Darum wenden sich auch die Blicke der radikalen So- Misten mit Recht diesen Aufgaben zu. Bei dem Kommunal- sozialivmuS der Zukunft handelt es sich nicht um Erpen- jnente im kleinen, sondern um den lokalen U n t e r�b a u vinet sozialistischen Volkswirtschaft.. Dieser M möglich, infoweit die Einwohner der Stadt einen ge- ßchlostenen Konsumentenkreis bilden, insoweit die Jndn- Prien und Vewcrbegruppen fast ausschließlich für die Be- vobner einet Stadt arbeiten. Warum soll es nicht kom- Kunole» Baugewerbe, kommunale Möbelfabriken geben, so- «unoleS Baugewerbe, kommunale Straßenbahn gibt? Mehr noch�wenn�ü�tad�in�Vereini�iinga�� wohnenden Zkoinumenten ist, wenn sie mit den Konsirmver- einen in ihrem WeicMüld in Hinkiinft vielleicht in ein großes wirtschaftliches Gebilde zusammenfließt, und die Verbin- düng herstellt zwischen Erzeugung und Verbrauch für einige große, in sich geschlossene Wirtschaftszweige— wie nahe ist von hier ans der Weg zu einem Zusammenschluß von Kommunen, welche Großunternchmungen gemeinsam betreiben' und zur Deckung ihres Bedarfs sieh ganze Industriezweige angliedern. Alle Einrichtungen. Maschinen, Werkzeuge für die kommunalen Betriebe können derart in eigenen Werkstätten hergestellt werden. Solche Kommunalverbände werden in Hinkunft in der Geseh- aebung vorgesehen sein müssen, und sie bilden die Grundlage kür eine weitgreifende Soziali sierung großer Industrien. Wenn wir die Zukunft richtig beurteilen, so wird sich binnen kurzem in Teutschland ein N e tz s o z i a l i st i? ch e r Kommunen mit eigenem, kulturellem Leben nnd eigener Entwicklung ihrer Produktivkräfte bilden. Während der Staat bezw. das Reich die Schwerindustrie zentral erfassen wird, so werden im Bund der Mannigfaltigkeiten Kam- mnnen und Kommunalverbände, z. B. durch das Zwischen- glied der Genossensckwft. die bisher verarbeitende Industrie in ihre Einflußsphäre ziehen.___ Darum bedeutet beute die bürgerliche Mehrheit in der Natianalversaminlnng keineswegs, daß der Sozialisinns praktisch in Deutschland unmöglich sei und gegen das Prin- zip der Demokratie verstoße. Jin Gegenteil. Das Prinzip der Demokratie in der Gemeinde bedeutet den Kommunal- sozialismiis und damit zugleich, daß d e r S o z i a l i s m u s auch für die deutsche Volkswirtschaft auf dem Marsche ist. Nnd das ist die Bedeutung der Wahlen vom 23. Februar., ir"'-" Die lllehrheiks'raklon. Die Fraktion der Rechtssozialisten berät gegenwärtig über die Gestaltung der neuen Regierung. Für ihre Führer ist das wirtliche Problem dabei nur, ob sie in die künftige Regierung allem Demokraten oder auch Zentrumsleute aufneh- men sollen. Gegen diese Pläne scheinen sich leise Widerstände in der Fraktion zu regen. Zugleich fürchten die rech!Ssozialisti- schen Führer die Wirkung, die der Abschluß eines Bündnisses mit den bürgerlichen Parteien auf die Arbeilerschaft haben könnte, und sind deshalb auf den Ausweg verfallen, die U n- abhängige Partei über ihre Bereitwilligkeit in die Re- gierung einzutreten, zu inquirieren. Der«Vorwärts" berichtet darüber: In der Debatte kam auch daS Verhältnis zwischen Sozial» demokratie und Unabhängigen eingehend, zur Spreche. Von mehreren Seiten wurde darauf hingewiesen, daß der V e r l e u m d u n g s s e l dz u g, den besonders die«Frei- h e i t" gegen die Regierung und die Sozialdemokratie führt, jeden G-edanken an Gemeinschaftsarbeit unmöglich mache. Droh- dem hält man es für notwendig,«inen letzten Versuch zu machen, um die Unabhängigen wieder auf den Bod'n de? Er- f unter Programms zurückzuführen.(?) Die Frakiion beschloß daher, ihren Vorstand zu beauftragen, bei der Fraktion der Unabhängigen anzufragen, ob sie bereit sei, tn die Regierung«inzutreten, auf der Grundlage de» Bekenntnisses zur parlamentarischen Demokratie, d. h. zu einer Staatsform, die unter grundsätzlicher Ablehnung jeder Putschtaktik in jeder Beziehung durch den Willen der Mehr- � hcit des Volkes bestimmt wird. Einmütig ging die Auffassung der Fraktion dahin, daß das eine Frage sei. die von Sozialdemokraten nur mit einem einfachen Ja beantwortet werden könne. Es ist sehr hübsch von den rechtssozialistischen Führern, daß sie in demselben Augenblick, wo sie mit den Gencralen und Lisi- zieren deS alten Systems ihren demokratischen Glauben mit Ar- tillerie, Maschinengewehren und Mincnwerfern propagieren, die unabhängige Sozialdemokratie einladen, sich mit ihnen, Demokraten und Klerikalen, zu verbünden. Die Herren wissen sehr wohl, daß es sich nicht um ein Bekenntnis han- dein kann, denn sie wissen, daß die unabhängige Sozialdemokratie auf dem Boden der Demokratie steht, sondern daß es sich heute darum handelt, daß diese Demokratie geschützt und ge- sichert werden muß g e g e n die G e sahrcndcS Mili- tarismus und der Reaktion, die die rechtssozia» ! i st i s ch e P o l i t i k herleigeführt hat. Es handelt sich darum, den mörderischen Brudcrkampf zu beendigen, den die rechtssozialistische Politik heranfbeschivorcn hat und verewigt. Das setzt voraus ein loirklich sozialistisches Aktionsprogramm, eine vollständige Aenderung der bisherigen r e ch t s s o z i a l i st i s ch e n Führung der Politik. Und davon wollen die rechtssozialistischen Führer nichts wissen. Erst die Arbeiter selbst werden darin eine Aenderung bewirken können, ivenn sie, wie sie es in Hamburg begonnen haben, sich der Fortführung der bisherkgcn Politik entgegensetzen. Dann wer- den sie sich auch sagen müssen, daß das Angebot der Fraktion nur ein Manöver ist, um den Bund der bürgerlichen Parteien um so sicherer abzuschließen. * Die mehrheitSsoziakistische Fraktion schlägt zum Präsidenten der Nationalversammlung Karl Hildenbrandt vor. Ferner beschloß sie dem Entwurf der provisorischen Verfassung zuzu» stimmen. Em der Verdrehung. Auf unsere Feststellung, daß die Regierung plane, den ArbeitSlcsen bei Nichtannahme nachgewiesener Arbeit die Lebensmittelkarten zu entziehen und sie dadurch dem schärfsten Hunger auszuliefern, antwortet sie am Mittwoch cnd- lich mit der folgenden Mitlcilung: DaS Demobilniachungsamt bat einen Entwurf auSge- arbeitet, durch dessen Besiimmunaen dem Arbcitermnngel auf dem Lande abgeholfen weiden soll. Dieser Entwurf ist beute der Regierung zugegangen. Er enthält nichS über Entziehung der Lebensmittelkarten. Alle in der Presse diesbezüglich auf. getauchten Nachrichten find hinfällig. Diese Mitteilung ist ein Meisterstück der absicht. lichen Verdrehung. Sic nicht den Eindruck zu erwecken, als wenn die Regierung nie die Absicht gehabt hätte, den Arbeits- losen die Lebensmittelkarten zu entziehen. In Wirklichkei: hat da? Demcbilmach ingSamt der Regierung einen Entwurf unter- breitet, der die Entziehung der L c b e n Z.m i t t e l» karten ausdrücklich vorsah. Daß dieser En'.wurf fallen gelassen wurde und dafür jetzt ein, neuer Entwurf ein- gereicht worden ist, der von dem Schwingen der Hungerpeitsche absteht, ist lediglich die Folge unseres öffentlichen Protestes gegen diese Zivangsniaßnahme gegen die Arbeits- losen. Sabslstge der KommuRstlivah�en? Die Wut der bürgerlichen Parteien über die bevorstehenden Wahlen zu den Gemeinden wird täglich größer. Zuerst bieß es, daß d'e Wahlen zu früh angesetzt sind, jetzt heißt eS, daß die Wahlen zu„Nnrcchl" angesetzt sind und die«verderblichste Finanz- iv rtschaft" die Folge sein wird. TicseS Geschrei zeigt, warum und wann es die brirgeri'chen Parteien eilig inj der Einberufung von Parlamenten haben, näml'ch dann, wenn sie auf eine Mehrheit hasse» können. So viel« Gründe nun dafür be- standen herben, die Wahlen für d'e N a t i o n a l V e r s a m m l u n g zu verschieben, so wenig Gründe bestehen dafür, jetzt, wo die Reichs- und Landesparlamente gewählt flud, nicht auch die Stadtparlamente neuwähle» zu lassen. Worum ei sich handelt- iii ja Ilar: die Wahlen werden in vielen großen Städten sozialistische Mehrheii-m ergeben. Wo daS der Fall ist, beginnen für die bisher bevorrechteten Schichten gefürchtete Zeiten, in denen die Mieter nicht mehr rcchtlcS sein werden, tn denen bei der großen Wobnungsnot Grundstücke aus Gewinuabsichten nicht unbebaut gelassen werden dürfen. Der Reaktion genügen aber die Beschwerden nicht, st« geht zu Taten über. Begeistert teilt die„Deutsche Tageszeitung" mit, daß einzeln« Stadivertretung n„entschlossen" seien, Neuwahlen ans Grund des„oltroy erten Wahlunrechts' nicht zu- zulassen. Der Tepcschensturm beginnt bereits. Die„Verbände" und„Vorstände" marschieren auf. Von großen Städten Hai Bonn einstimmig„abgelehnt", Neuwahlen z» veranstalten. Tie kapita- listischen Wucherer beginnen Mordio zu schreien. D e Hausbesitzer, Miete fchinder, Bodcnspekula neu, Milchpantscher erheben„schärf- sten Protest". Sie merken, daß eine neue Zeit im Anmarsch ist. Der Dichter Voltaire. Bon Lu-dwlg Rubiner. Do« letzt«, soeben erschienene Heft der g-leihen Blätter" enthält dl« nechstehende ltdigung Voltaires, die wir mil Eilaubnis des rlage» in Ihrem wefenllichen Inhalt wieder- .T'-w i i-! geben. f' Bslkaires kvlssenschaftlich-theoresische Tätigkeit, seine Philo- DopHie, die lhn den Zeitgenossen zum richtunggebenden Denker imachte, erscheint unseren Augen als ein großartiger Allerweiis- jseuillctoniSmus. Seine GeschichtZwerke sind romanhaft. Sein jkirchenmachlfeindllcher, dogmenkritischer Enzyklopädismus, der «inst die Gestalt des Enzyklopädrsten in Schwefeldampf hüllte, ist längst, alS UnabhängigkcitSdrang der Ueberzeugung, Anteil am volkstümlichen BewußtseinZgut Europas geworden, und jeine Grundlagen find auch von der vorsichtigsten Seite der Heuligen GlaubenSforschung an Schärfe, Richtigkeit und Umfang weit über- >lrosfsen. Seine Dramen, mit denen er der Euripidis des klassischen Theater« der Franzosen sein wollte, waren schon am Tage nach seinem Tod« vergessen, und die Nachwelt iit gegen die'e Thesenstück« gleichgültig geblieben, vielleicht, weil ihre Thesen so sehr in» allgemeine Bewußtsein übergegangen sind, daß sie schon wieder angezweifelt werden konnten. Vergessen ist der„Oiction- «air« phiioiophique", vergessen sind seine metaphysischen Ab- Handlungen, ungelesen heule seine astronomischen Werke. | Aber da sind Voltaires Romane, Arbeiten, die zur eigene» Ergötzung ost, manchmal zum Geschenk für Freunde gesck'riebcn find. Rebenquellen, die au» dem Uebcrfluß des, großen Stromes in der Rahe entspringen. Und die haben d'e Zeit bis in unsere Tage lebendig überdauert. Nennt man nur: Candide; Zadig; Tie !B«lt, wie sie ist; Micromegas; den Ingen»: Prinzessin von lvaby'lon: die Romano sind vor unserem Auge geblieben. Man lichlägi«ine Romanseite auf, und was heute in den Dramen un? jiteif und absichtlich dünkt, in den Verserzählungen mit Pointen Ibelastet, in den Abhandlungen mit dokumeinarischem, oft Zweifel- hastem Apparat beladen, das springt in jcl>" 9lo.n™."81ci.I1e mit dem eilenden warmen Puls natürlicher Menichlichkeit. Die Sprache dieser Romane, ihr Fluß, ihre Erzähiungslust sind von der größten.Natürlichkeit— innerhalb der Konvention des achtzehnten Jahrhundert,. Ihr Inhalt ist: Aufbaumen gegen diese Konvention und von einer phantastisch u.isinnigcn Unnatur- jichlett. Der Kau der Romane bat dre wunw-rbare. drcbte Ge» schlossenhcit der großen französischen Erzählungswcrke des sieb- zchnien Jahrhunderl». Mit höchster Zusaminendrängung, äußer- ster Uebertreibung der Konvention inachen sie. daß die Konvention endlich umschlägt und auf den tiefsten Punkt herabstürzt. Die Romane Voltaires hat ein Rebell geschrieben. Ein Rebell, kein Revolutionär. Einer, der nie eine Gemeinschaft sah, mit der er sich zum Sturze des Gehaßten und zu einem Neubau der Zu- kunft hätte verbinden können; der stets auf dai Vertrauen zu sich allein gewiesen wurde. Ein Rebell, der nie das Ziel seiner Sie- bellion verwirklicht sah, der in aller Geselligleit mit seinem Empörerium ganz einsam blieb— so einsam, daß er vo» den Zeit- genossen als geistreichster, boshafter Unterhalier genommen wurde — während er das Bewußtsein der Zukunft vorbereitete: ein Auf- lockerer der Gesellschaft. Inmitten der Mißverständnisse um ihn war dieser Rebell Voltaire so einsam, daß er nicht einmal ent- mutigt werden konnte: Er hat sogar die Resignation zur Atmo- sphäre und zum inner» Thema seiner Erzählungen gemacht, um schnell und strömend über sie binwegzueilen. weil er nie sein Ziel vergaß. Und dies ist die größte Kunst Voltaires, nie das Ziel seines Erzählens und Erfindens, auch bei den tühnilcn Phantasie. bögen, den gcschnörkcltesten Abschweifungen zu verlassen. Dieses Ziel ist stets ideenhaft: Aufruhr gegen die Dummheit der Gesell- schaft, Empörung gegen die Ungerechtigkeit, Kampf gegen den Zwang, die Gewalt, die Sklaverei, die Bedrückung der Autorität. Zwei Willcnsströme fließen in seiner Person zusammen:»nanf- hörliche», unruhiges Drängen dieses kleinen, dürren, trocken- knochigen Leibes nach aufrüttelnder Berührung mit Menschen, und die Begierde nach Durchsetzung seines geistigen Ziels unter den Menschen. Das gibt die Gestalt des Rebellen.— Und als Grund- Hebel zur Rebellion der Welt, als letzter Sprengstoff des Geistes, den ibm seine Zeit bietet, dient ihm eine Formel, die tatsächlich in jenen Generationen an der Zerstörung einer alten Gesellschaft und am Anwurzeln eines neuen MenschenstammeS arbeitete, die Formel: Verstand. Der Verstand ist die Entdeckung fencS Jahr- Hunderts: Voltaire ist der Kopernilus dieses neuen Weltsystems vom Denken. Er stand zwischen zwei Zeitaltern, und das sprecht aus allen Zügen seines Leben«: Es war eine Rebellion in höchstem Luxus. Wenn er die Gesellschaft seiner Zeit auflockern will, braucht er sie. Wenn er die Autorität vernichten will, muß er von ihr anerkannt sein. Wenn er von Herrschern, die er bekämpft, und von der Gesellschaft, die er verachtet, als Gegner ihresgleichen be- handelt sein will, ivenn er frei sein will, muß er beweguugsfrei sein, reich sein. Wie ein Abenteurer nimmt er sein adeliaes Pseudonym an; wie ein Wucherer lrcibt ,r Böesenspekuta'ionen und scharrt ein Vermögen zusammen.'Ein Mensch, der sein Leben ein Jahrzehnt vor dem großen gesellschaftlichen Umsturz seine» Jahrhunderts bc'chloß, der die französische Revolution als Talsack)« nicht mehr erlebte und mit einem ungeheuerlichen Glauben an seine Kraft alle Umwälzung menschlicher Verhällnissc auf seine eigene Wucht und auf seine eigene Person gestellt sehen mußte! Diese Person deS Rebellen Voltaire verfügt über ein uner- schöpslickes, unvergängliches und zejtleses RebellionSmittel: ein« unermeßliche, ewig neue Unbefangenheil. Der Verstand ist di« zeitliche Form, mit der Voltaire sei» Sprengmittel in die Spalten der Gesellschaft legt. Tie Verstandesphilosephie des achtzehnten Jahrhundert gab Voltaire ein ganzes Arsenal von Argumenten gegen seine Gesellschaft; Argumente, die gerade jener Gesellschaft neu nnd überzeugend waren, oft überzeugend durch ihr« schein- bare Neuheit. Voltaires Prosaerzählungen spielen sich in den Lieblings- formen seines ZeiigtschmackrS ab: der orientalischen Erzählung, der Robisonade nnd der phantastischen Abeiileurcrgc schichte im Stile deS Gulliver. Eine Idee wirkt in feinen Werken, derciwillen er Hundert« von Szenerien, Begebnissen, merkwürdigen Verknotungen und sonderbaren Schicksalen erfunden hat. Jene Idee, deren unver. gesscner und gewaltiger Vorkämpfer Voltaire heißt: die Idee der Toleranz, Die..To'eranz" ist für da? achtzehnte Jahrhundert eine geradezu neue Weltkugel deS Gefühl», eine Welt, die Ver» stäudnis des Fremden, Mitgefühl mit dem Unterdrückten, und weit mehr als nur Duldsamkeit einschloß: wir müßten, um in unserer Sprache von ihr zu reden, sie einen menschengüligen Internationalismus nennen. Der Kampf gegen die Intoleranz machte jede Zeile Voltaires muskulös. Das Z-.l der Tolcranzidee beherrsch, die Führung jedes seiner Werke. Zum Ruhme der Toleranz ist er bereit, in dem einen Roman nachzuweisen, daß die Welt ei» elendes, wirres Ehaos sei, aus dem man sich nur in vcrgessenbringende Arbeit retten könne; in einem anderen Roman zu zeigen, daß die Welt, wie sie ist. ganz erträglich sei, wenn man nur jeden auf seinem Platz lasse. Und dieser seltsame Standpunkt eines Kämpfer» auf beiden Seiten ist nicht, wie er unter Gebrauch der wörtlich selben Begriffe es heule wäre, die Aeußerung einer pla'ten Vorteilssucht, sondern Zeichen leidenschaftlicher Güte. Im achtzehnten Jahrhundert ist er der euroväiick« Au.il»�-».»»a»~—- Bon der Znkernalionalen. Der Völkerbund. Bern, 5. Februar. In der Aussprache über den Bölferbund sagte Thomas(England) als erster Redner, das ganze Zu- lunitsprogramm konzentriere sich auf den Völkerbund, der jetzt in Paris geschlossen werden müsse, nicht als irgend- eine Friedensbcdingung, sondern als eine Grundlage der Friedenskonferenz. Nur ein solcher Friede könne in Be- tracht kommen, weil er alle zukünftigen Kriege wirk- sam_Derhiudr.il könne. In Par s dürfe kein Friede zwi s che n_ Siegern und Besiegten geschlossen werden, welcher Haß und Erbitterung zurücklassen würde, sondern ein Frieden der W i l s 0 n s ch e n Vc r s ö h n u n g.(Stürmischer Be lall.) Darum dürfe der Völkerbund keine Aga von einzelnen Staaten, sondern müsse die Liga der gesamten Well sein. Um ganz klar iibcr die Hallung Deutschlands zu sein, und um seinerseits kräftig für die en-nlischen Forderungen eintreten zu können, lege er(TboinaS) den deutschen Delegieren die Frage vor, wie sie sich zum Militarismus und zur Ab- r ü st u n g. namentlich zur Verstaatlichung der Rü- siungsgesellscha ften stellten. England, das die D i e n it p f I i ch t endgültig abschaffen wolle, müsse wissen, dag der Geist drs deutschen Militarismus für alle Zeiten dahin lei. Darüber b naus wolle England verhindern, dag die Arbeiter hinfort durch die Rllihxngsinduitrie ausgebeutet würden. Tbomas erklärte, zwei Gcsabren drohte» der Arbei'erschafi, erstens die G e s a h r der militärischen R ü st u n g e n, zweiiens die Gefahr des Bolschewismus. Gegen beide Gefahren müsse man sich wenden. Man müsse auch daraus dringen, dag d e Pariser Konferenz sich energisch mit dem Arbeiterproblem befasse. Im Austrage der deutschen Delegation dankte Müller der ene-lischen Delegation für die durch Thomas ausgesprochenen Worte der Versöhnung und beaniwortete, von lebhai.em Beifall der engli ch.'» und französischen Delegieren uinerbrochen, die Frage von Tbomas dahin, dag die deutsche Sozialdemokratie immer den Militarismus bekämpft habe Müller stre sie kurz die Vorgeschichte des Krieges, dessen eine Ursache gewig in wir!- schaftlichcn Rivalilä en zu suchen sei, die Hauptursache aber dock' da? Flottenwettrüsten zwischen England und Deutschland gewesen sei. ZLelche ausklärende Arbo t die deulsche Sozialdemo- kralie auf diesem Gebiete gelcislct babe, könne daraus ersehen werden, dag Tirpitz zur Zeit der bcswebagle Mann sei. Für die deutsche Sozialdemokrat! gelte noch heute der Punkt des Er-mrter Programms, der die Er'ctzung d's stehenden Heeres durch ein Volköhcer sordcrg das jeden Angriff unmöglich mache. Die Tieii'tvfi cht sei durch internationale Verträge möglichst kurz zu bemessen. Aber schon sage Clcmenceau, Frankreich brauche da? Heer noch lange, und die englischen Delcajerlen in Versailles iag en. England könne auf die Flotte nicht verzichten. Tie deutsch-' Sozialdemokratie denke ander?, denn von iwernatio- nalfn Verträgen babe auch Deutschland nich's zu fürchten. Tie weitere Frage von Tboma? nach Rü'tunak.gesell- schatten beantwor ete Müller dah n. dag Deutschland gegen die Veritaatlichunia der Rüstungsbetriebe nichts einzuwenden babe, ebensowenig daaegen, d'g dw Bs riebe unter internationale Kon rolle gestellt würd-n. Der deuische Militarismvs criitierr nicht rnebr. Gewig würden die dent'chen Rat onalisten wieder stärker werden, aber die deutsche Sozialdemokratie werde den Kanins gegen sie auinebmen und werde diesen Kampf siegreich bestehen, wenn da'iir ae'orgt würd-e, dag in Paris kein Macht- sried''». sondern ein Rechtzsrieden geschtowen würde. Ter russische Delegierte Bien stock erklärte dann, die russische Nevolu'.ion sei zugrunde gegangen, weil die Jntsr- nationale sich nicht eingemischt habe. Jetzt sei die deutsche Revolution ln Ge'ahr. Die Internationale müsse ibr zu Hilfe kommen._ De? Zionip Lecker(Palästina) begründete. ep>ter gleichzz'tiaer Erwägung der Lage der iiidi'ck'en Bebälkerung in Rumänien und Polen die Notwendigkeit der Berechtigung der jüdischen Selbstbestimmung. Troelstra lSolland) legt den Hauvtwert darai.f, dag kein-' Nation hinfort ein Sklaven- leben fülrcn darf. Die Fnteruationale sei ein Heer ohne Waffen, aber sie müsse die Waffe der Uebcr- zeugung haben und sie begrüße alles, was dem Zu- stasld»kam'nen des Völkerbünde' dienen könne. Troelstra begzügle die Relolulion für den Völkerbund, die der Zu- stimmiing aller sicher sein könrie. Die Hanpssordernng. die der Völkerbund erheben müsse, sei die, daß er die Produktion und die Rohstorfpcrteililng der Welt beherrsche. Tie glös-te Gefahr, die austauchc, sei die. dag man in Paris den Völkerbund willkürlich festsetzen welle. Troelstra verlangt einen Völkerbund, in dem solche Schändlichkeit'!! wie Z u r ü ck b a l t u n g der deutschen Kriegsgefangenen unmöglich seien. Auch die Verhäl! nisse in Ungarn und die Eigenmächtigkeiten der Polen bei ihrem Vor- gehen auf Dan z ig forderten zum Protest der Internationale her- i �sssrr amstyg&y�yyr.V'-cggkciaaii'1 wuuapwrci aus. Das internationale Proletariat müsse darüber wachen, daß der Völkerbund kein Schwindel werde. Die Arbeiler müßten über den wahren Charakter des Völkerbundes aufgeklärt werden. Bern, S. Februar. Die Nachmittagssitzung der Jnter- nationalen Sozialistenkonferenz war, wie dir Vormittagsitzung, gleichfalls der Erörterung der Frage des Völkerbundes gewidmet. Der französisch« Deputierte Milhaude verlangt die Schaffung eines Schiedsgerichts und eines internationalen Parlaments. Er fordert ferner die Er- oichtung einer internationalen Polizeimacht un er internationaler Kontrolle und betont, daß w irisch astliche Schwierigkeilen, die oft zum Kriege geführt hätten, durch einen gerechten Austausch der Rohstoffe und Güter beseitigt werden müßten. In seinen weiteren Ausführungen wendet er sich in überaus scharfer Weise gegen die deutschen Mehrbeitssoz alisUn und erregt mit seinen Darlegungen wachsende Unruhe unter der Versamm- lung. Er sagt, die deutschen Sozialisten hätten kein Recht, gegen die Blockade zu protestieren, da sie ja ihre Regierung unterstützt hätten. Das Vertrauen zu ihnen wi schwer erschüttert, namens- lich durch die Verletzung der belgischen Neutralität und ihr Ver- halten während des Krieges.. Die ehemaligen französischen MinderhcitS- und jetzigen Mehrheitssozialisten rufen ihm zut sie sind von der französischen Negierung hierher geschickt, um de» Völkerbund zu begraben! Sodann ergreift Namsev Mac- donald das Wort und bekennt sich als eifriger Anhänger des Völkerbundes, weicher ein Gerichtshof sein müsse für territoriale Fragen, nicht aber eine Polizeigewalt zur Erzwingung territorialer Forderungen. Der Völkerbund dürfe nicht aus einzelne Nationen beschränkt bleiben, sondern müsse die tanze Welt umfassen. Er dürfe keine Liga der Regierungen, sondern müsse eine Liga der Völker wer- den. Die in Paris geplante alljährliche Zusammenkunft der Ministerpräsidenten erscheine wie eine Verhöhnung des Völker- Hundes. Cachin mahnt zur Vorsicht gegenüber dem. was jetzt in Paris vor sich gehe. Branting verliest eine Erklärung der deutschen Mehrheitssozialisten, in der es heißt: Die deutsche So- zialdemokratie hat. wie immer man ihre Politik während des Kreges beurteilen mag, jetzt durch die Tat den enlschlossenen Wilkn bekundet, ihre ganze Kraft dem Aurbau der durch den Krieg zerrütteten Welt widmen urod im Geist und im Dienste derIniernationale gemeinsam mit den Sozialisten aller Länder im Völkerbund den Sozialismus zu erkämpfen. Branting schlägt der Versammlung folgende R e s 0 l u- tion zur Annahme vor: Die Konferenz in Bern erkennt an, das? flir sie die Frage der unmittelbaren Verantwortlichkeit im Kriege geklärt ist, sowohl durch die Aussprache, als auch durch die Erklärung der deutschen Mehrheit, die den revolutionären Geist de? revolutionären Tcuisch- land und dessen völlige LoSlösiing von dem des für den Krieg ver- antwortlichrn alten Sysiems bekundet hat. Indem die Konferenz die deutsche Revolution und die demokratischen und sozialistischen Einrichtungen, die sie herbeigeführt hat, bcgriisit, sieht sie die Bahn frei für die gen, einsame Arbeitber Internationale. Tie weitere Erklärung, die die deutschen Delegier- ten abgegeben haben, überzeuge die Konferenz, das) von nun an die vereinigten Arbeiter», asscn der ganzen Welt i't stärkste» Mittel zur Niederhaltung jrden Militarismus und aller Versuche, die internationale Temvkrntic zu vernichten, ver bürgen und gewähren weiden. Die Konferenz sieht in den in ihr geführten Debatten eine fruchtbare Vorarbeit und libcrlnsst rS einem künftigen internationalen Kongres), dessen Einberufung un'er normalen Bedingungen ei folgen kann, über die wcltgeschicht- liche Frage der Verantwortlichkeit das Urteil der Jnlernalionalc zu fällen. Diese Re'olulion, deren Verlesung mit wiederhoksem leb- haflem Beisoll begleilet m rd, wird gegen wenige Stimmen von lcr Konferenz angenommen, nachdem der französische Debitierte Thomas zn den deutschen Sozialisten gesagt hat: „Ich will euch ganz ossen sagen, daß mein.Verlrauen zu euch noch n ch' völlig wiederhergestellt ist. und eS fällt mir desholb schwer. für die Resolut-on zu stimmen. Ich lue es aber im Vertrauen auf die Massen, die hinter euch stehen. Damit schließt die heutige Nachiniltagssitzung. 5r!ed5tzskonserenz mb Völkerbund. London, 5. Februar.(Reuter.) FriedenSkonferenzbericht vom 5. Februar. Tic Kommission für den Völkerbund trat gestern abend zusammen und begann mit den Beratungen über die Einzelheiten des Völkerbundes. Es wurden die Einleitung und zwei Artikel besprochen, und man hat sich vorläufig über die darin enthaltenen Bestimmungen geeinigt. Auch bezüglich der anderen Teile der Aufgabe wurden befriedigende Fortschritte ge- macht. Es wurde ferner die Frage der Aufnahme von Vertretern anderer Mächte in die Kommission erörtert. Grundsätze für einen Völkerbund.'< Christiania, 4. Fevruar. Der Rat de» norwegische»! Vereins sür einen Völkerbund hat allgemeine. Grund- «ätze für einen Völkerbund angenommen, von denen die folge»-! den die wichtigsten sind:_ J 1. Der Zweck des Völkerbundes ist, den Krieg unmog� l i ch zu machen und Organe für die internationale Zusammen. arbeit zu schaffen. 2. Alle zivilisierten Nationen sind berechtigt, Mitglieder oes Völkerbundes zu werden und an den Erörterungen übel eine Konstitution und Grundregeln teilzunehmen. 3. Alle internationalen Z w i st i g k e i t- n müsse» wrch Vergleich, schiedsgerichtliches Verfahren oder gerichtliches tlrteil ihre endgültige Entscheidung finden._ 4. Die allgemeine Wehrpflicht wird aufgehodenl .'ine nationale Entwaffnung muß unter der Kons rolle des Völkerbundes stattfinden. 5. Alle Staaten des Völkerbundes sind dazu verpflichtet, alle anderen Staaten de» Bunde? durch ihre Zolltarife und mrch ihre anderen ökonomischen Veranstaltungen gleichzustelle» and ferner den ges tzlich bestimmten MaximalarbeitS» :ag und andere ähnliche Bestimmunqen zum Schutz der Ar. äeiter und Seeleute durchzuführen. 6. Besondere Gerichtshöfe für allgemeine Zwistigkeite» md für Konflikte, die Interessen ernsterer Natur berühre». 'ollen errickstet werden. 7. Ein Weltkongreß soll periodisch zusammentreten mit Vertretern für alle Nationen de» Völkerbundes im Verhältnis z» >er Größe ihrer Bevölkerung und zu ihrer internationalen Bs« eutüng. Keine Nation darf mehr als ein Zwvljtel der Z-chs aller Vertreter haben. Die Belgien gegen Öle Inlemnllonale fion'etenj T. U. Basel, 5. Februar. Wie der Hapasa genbar au» Srüssel berichtet wird, weigerte sich die belgische sozialistische Ge« ichäftsleitung abermals mit LI gegen 10 Stimmen und bei drei Stimmenthaltungen, an der Berner Konferenz teilzunehmen. In, -olge dieses Beschlusses der belgischen Arbeiterpartei hat Bandev, oelde seine Demission als Präsident des internationalen sozial isttz sch-", Bureaus gegeben. kein Vatz für tleblnechl. v i Die„Pol. Pari. Nachrichten' melden:.ES ist um wahr, daß dem Rechtsanwalt Theodor Liebknecht der Paß zur Reise in die Schweiz verweigert worden ist." Genosse LiMnecht hat nie behauptet, daß ihm be? Voß „verweigert" wäre. Er hat nach Bern tekegraphiert; ..Kommen unmöglich, da Regierung Paß zurückhält." Ihn zu vertwei-gern, haben sie nicht den Mut. Aber sie lvußton es so einzurichten, daß Genosse Liebknecht den Paß hellte noch nicht hat— also nicht mehr rechtzeitig nach Bern fahren kann. Das erster« wäre nur brutal; das zweite ist dann noch unehrlich./ -• M 5 Volttische Vschrichleu. Die Gemeinbewahlcn in Posen, Wcstpreuhen und Oppeln verschoben. Wegen der nationalen Gegensätze ist auf Peran- lassung des preußischen Staatsministeriums die Wahl zu izss» Kommunalparlamenten in Posen, Westpreußen und KröiS Oppeln auf drei Monate ausgesetzt worden. Freigelassen. Der sozialdemokcallsche Landtag?'bgeordnete Rechtsanwalt Dr. Jasper, der unter dem Verdacht verhaftet worden war, mit starken Kräften zusammc,-gearbeitet zu haben, deren Zweck der Sturz der Braunschwciger Regierung mit Hilfe militärischer Macht ist. ist wieder freigelassen worden. Mit der Heimführung der denischen Truppen auS den Gebieten des Schwarzen Meeres soll am 15. Februar begon- nen werden. Der Abtransport erfolgt zunächst auf deutschen Schiffen. Die Fahrt geht über Konstantinopel nach Trieft. Von dort aus erfolgt der Weitertransport auf dem Lanowege. Der Lehrbetrieb der Universität Bonn ist fast vollständig lahm gel-gt, weil beinahe sämtliche Hörsäle von englischen Be- satzungstruppen zur Einquartierung benutzt werden. Die Deut- s ch e W a s f e n st i l l st a n d S k 0 m m i s s i 0 n erhob bei der Entente die notwendigen Vorstellungen, um die Räumung der be« nötigten Hörsäle herbeizuführen. alte Ideologien deS Staates, der Kirche, der Schule», der Par- teien, welcke die Kriegsstacheln der Menschheit bilden. Er ist der erste herzensgroße Gegner des Krieges, den die neue Zeit her- vorstieß; unendlich mutig: der redet nicht im augcuzwinkeriid uiiperblndlichen Rotwelsch des Geiehrlenfachs oder der Schreib- tischarisiokratie, sondern er springt aus eine W.I-tribüne, die er selbst sich bauen mußte, und sck reit zu allen Ohren, allen Köpfen, allen Seelen. Er sieht jede Brutalität, jed« Grausamkeit, jedc Ausbeulung, die die Gesellschaft gegen die Wehrlosen organisiert. Er deckt sie auf mit dem Gelächer seiner fürchterlichen, verwundcr- ten'Unbesangenhesst, die niemals begreifen wird, daß GsaubeuS- kricge, McinungSkriege, Wirtschaftskriege und ihre Folge, die Sklaverei, überhaupt möglich sind: mit einem Gelächter des Unver- ständnisseS über Ideale, denen die Gesellschaft scheinbar folgt, um unter ihren Fahnen uni so ungestörter sich zerfleischen zu könticn, Kirchenlchre, Vornehmheit, Besitz, Kamitienehre— und üf: er alle als schnell preisgegebene Fiktionen erweist für den Fall, daß doS wirkliche Gut des Menschen bedroht ist, daS Leben. Vol- tai'.eS umfassendste, unmittelbarst« und am persönlichsten durch- lebte Idee, die Telcranz. wirb zuletzt sc'bsi auch nur ein Mittel zu seinem größten, nlchr mehr in Begri-fsworten ausgesprochenen, aber überall gestaltet durchgesührte» Ziel: der Verteidigung de» Letenp. der Rettung de» Leben?, dem Preis deS Lebens. Und da! Leben, da» einftch-c, wiekliche. kleine, doch lo wundersame Weiter- leben auf dieser Erde erscheint schließlich als der eigentliche Sinn seiner Werke, ihm selbst unermeßlich viel wertvoller als sogar sei» eigenes Rech. oder Uurechtbehalien; es ist das Gut, zu dessen käwvferisch mildem Verteidiger ihn das Schicksal hinanwachsen ließ. Da ist die Tendenz Voltaires. Seine Werke sind Tendenz- werke. Er ist ccr erste und gütigste Teudeiizdickter der neuen Zeit. Er kat gar keine Zelt, seine Figuren und deren Leben zu individualisieren. Glück, Liebe, Unglück. Rettung— alles spielt sich in den an sich irgendwie gleichgültigen Formen des Lebens ab, in ewiger Wiederholung der Grundzüg« und neu durcb den Wech'» von Sitte und Kleidung. Szenen, die durch elementare Ausbrüche etwa die besondere Bedeutung, die Merkwürdigkeit, die S ürke einer Beziehung darstellen könnten, sohlen in diese» grossen Tendenzwerken vollständig. Tic Musik fehlt. Aber eine Höllcrc Fügung universeller Harmonien umschwebt dieses Werk: die neue Erdlal'volitik der Menschlichkeit. Da? ganze Leben der Erdkugel wird von Voltaire stets als gemeinsam empfunden, immer zusammen gesehen. Nichts läge ihm ferner, a's die große Gemeinsamkeit, die die Lebensformen aller auf der Erde ausmacht, zu stören, sie durch Verweilen bei Individuen zu durchstoßen. Er hat keine Tiefe. Er braucht keine Tiefe. Seine Werke sind Oberfläche. Oberfläche, gebildet von den unzähligen Spitzen einzelner Lebe», die er aus der gewaltigen Lebensslut, die die Erde umströmt, uns erbsicken läßt. Diese letzte Reitung deS Lebens, diese äußerste Oberfläche, ist die Größe und die Heiligkeit Voltaires. Dieser kosmisch-politische Mensch, der daS Innere Bild der Person Voltaires ist, wurde in der geistigen Tat seiner Arbeit. in dem schöpferischen Wirken seines öffe-ntlichen Lebens zum Repräsentanien des stärksten LebenSgefühlS seines Jahrhunderts: zum Kosmopoliten. Und hier wird der Schriftsteller Weiler und größer als es sein Individuum und seine Person ist. Der KoSmo- polit ging zur ganzen Menschheit. Es gab für ihn keine Sprach grenzen mehr, keine Idecnschranken, keine Völkerbarrieren, keine Rasscnscheidnngen— nur noch den Menschen. In dieser neuen und so leidenschaftlich erführen Erkenntnis lag seine neue Unbe- fangenhcit. Nur einen Blick brauchte sie auf den alten Nblaus der wimmelnden Untertanen- und Sklavenwclt zu. tun, um ein Erzittern hervorziinifcn, den unbefangenen Blick des Rebellen In diesem neuen Blick auf die Menschheit schimmert schon ein Horizont, der i» seinen! Ausschwingen mit an der Gestalt der folgenden Zeit zeichnete, und dessen weit schweifender Bogen auch unsere Tage noch berührt. Voltaire, der Einsame, der Rebell, brachte der Menschheit nl? Tat seine Idee: Damit sie wieder Tat werde, Erhebung zu neuem Erddasein, Gemeinschaft. Kttnstkalcndt'r. Im XIV, Konzert der Freien Bollisbilhn«», dos nm Sonntag, den 16. Februar, abends ZgS Uhr, In der Garnl'ontri.clrs stattjindet, inrd de? D 0 m ch 0 r un'e? Leitung von Prasessor Rridcl, Frau telene Wildbrunn IMitglied des Opernhauses). Arien und iede? zur Orgel und Herr Domo ganist Walter Fischer ein Orgel- solo von Liszr zum Vortag bringen. Die nachlle Erstausführung der Volftsdilhne. Theater am Btilow- platz, wird Georg Kaisers funfaktiges Schauspiel„G a»" sein.! .Di« Erde". In Breslau sind die ersten Hefte einer neuen politischen; und buliurpolilischen Haldmanatsschrisi„Tie Erde" im gleichnamigen! Verlag erschienen. Ihr Ziel ist, wie ein Vorwort besagt,..Ver- i mcnfchlichimg der Mchitchen... Darauf kommt es an:-Leschöpfl wieder zu sein und Cchäpsang zu machen,.. mittels des) Eciste», der schon einmal über den Wassern schwebt« und Tal wurde... Di- Zeit brennt: es ist kein« Zeit mehr siir die Lauen und die Aengstlichin, fllr die Vorsichiigen und Beflissenen. Di» Zeit brennt sich rein von der Schmach ihrer Vergangenheit. Sie wird jeden mltverbr-nnen, der auch nur um eine Minute da« grauenhasl« T ommelfeuer sener vier kannibalischen Jahre ohne Not verlängert hat. Wir wollen ln die Flamme der Zeit blasen, Freunde, und au» ihr da» Herdfeuer gewinnen fllr die Wohnung des Menschen auf dieser Erde". Als Herausgeber dieser Zeiischrift zeichnet Walter RIlla, unter den Milarbeltern finden sich Kurt Hiller, Hermann Behr,®Ui£ Herrinann-Neitze, Hanns Iahst u. a. Casö'en und Zlmmcrlufl. Immer wieder tnsst man in populären Artikeln und hau?» wirtschaftlichen Briefkästen Warnungen vor Heißluft- und Gas- ofenheizungen, die beide die Zimmerluft austrockneten und deS- halb Menschen, Pflanzen und Möbeln gleich schädlich seien. Für sie Heißluft- und Dampfheizung ist das richtig; für die erhöhte ')inin>ertemperatur reicht der vorhandene Wassergehalt der ein» aeschlosseiicu Luftmasse nicht aus, eS werden also die Möbel schließlich vor Trockenheit aus dem Leim gehen und.reißen", wenn nicht für Verdunstung durch Aufstellung von Wasser- behältern gesorgt wird. Bei Gasösen steht eS ganz anders. DaS GaS besteht aus Kohlenwasserstoffen, die zu Wasser und Kohlensäuregas verbrennen. Da diew VerbrennnngSgase in die Zimmerluft einströmen, so w�rd die Luft st e t s feuchter, so daß schließlich die Wände sogar beschlagen. Die Möbel reißen also bei Gasofenheizung nicht, wohl aber leiden die Bewohner unter dem stcizeaden Kohlensäuregehalt der Luft. der leicht zu Kopsschmerzen und Unwohlsein führt, und die Pflanzen lränkeln, falls da? Brenngas nicht ganz schwefelsrei war, weil dann das ätzende Schwefeldioryd sich entwickelt.?. Die„nasfeste Ecke". Als regenreichste Stelle der Erde galt bisher Tscherrapa ndji in Assam. Dorihin bringt der Südwest- monsum außerordentliche Regenmengen, jährlich 11020 Meter -ogar Meter) Regenhöhe. In Kamerun fielen ähnliche l-n- Letzt hat Eampbell(American Geographlcal Review) als Ergebn:? fünfjähriger Messungen gefunden, daß die Spitze des 1738 Meter bohen Wa.aleale-Berges auf der Hawai-Insel Kanae 'v.0.r1'1" la�liebc Regenmenge erhielt. Sie marschiert afto por.auslg als«nasseste Ecke" voran� i35¥5K55r#¥5*5cr*�'■ »ntcrricht?! fini. Tritt eine«enserunff niky: ein,»ann werden die orJerifloicn Fleiscliernkscllen zur Sc!t>üh!l,'c greifen. Tie Firma Äschin�r lmi zugesagt, dab die jungen Mädchen in der Fleischerei entlassen werden. Der Aufbau der Inlernaticl'.ale. . �chtilarl'citer" ferichtet in feiner Nummer R über eine «u« L-iifl.aub--ouiinen.de Änregung zum?! u i a m m e» i r i t t .v i � t Ii a t t o n a l e n Komitees der T e x! i l- arbeiter.� Ter internationale Sekretär der Tertilarbeiter. ®Cmji|ejr.«haw in Colne, ha, durch Benniuliing der fchweize- yichen Textilorga-tiiation ein Schreiben an die Fentralvorstände sen-cr rZerufZkollegen in Deut'chland, Leslerreich»nd Ungarn ge- richtet, in dem er die nationalen Verbände um Miticilung ibrer Ansicht über die Abhaltung einer Versammlung dcs internalio- nalen Vorstandes bittet, damit er Vorkehrungen zwecks Herbei- fuhrung der Fusammenkunit treffen kann. Tie ichiveizeri'che Textilarbeiterorganisation bat den Vriej an die Verusskollegen in Teutschland. Lesterreich und Ungarn tvcilergereicht� und mit einem warmherzigen Schreiben begleitet in dem sie f'ch freudig zu der Wiederaufnahme der iuternatio- nalen Beziehungen bekennt..Tie Interessen oller Proletarier rurn nach wie vor nach einer Weltorganisation", schreiben die Schive'zer. £; e rufen mehr denn je nach einer Welt- »rgonisaiion— tu gen wir hinzu, denn mehr als je gilt es E r»»genes zu befestigen und neue Vorteile, neue Macht für da? Prochtariat zu erkämpfen. Auch die Jntcrnalionale der Geiverk- fchasien wird dabei unentbehrlich-ein. Wir begriigen es lebhaft, dag die Nationalist!'che He(je, die während des Kriege» auch das internationale Proletariat spaltete. die doppelt gefährlich war, weil sie im Lager des Proletariats selbst Unterstützung fand, es nicht vermocht hat, den gesunden »blick der Arbeilerschaft für die Notwendigkeiten des Klassen- jampses zu trüben. Mindestlöhne in den Groh-Verliner Nä"berc!en und Wäsche- relen.„Ter Texlilarbeiler" schreibt: Fioi'chen dem Arbeitgeber- verbände der Textilindustrie von Ekos'.-B.riin und der Verwaltung Berlin des Deul'chen Texlilarbeiterverbandes ist folgende Wminbarung zustande gekommen: Ter Stundenlohn für Färber. Wäscher und Detacheure de- trägt l,8st M., für dlrbeiter 1 32 M., für Pläiterinneu und Teta- cheusen 1,21 M., für An-änjjennnen in Piätterei und Tetachue über 17 Jahre 0,(j0 M.. lffiic Arbeiterinnen(Färberei uiid SLä'cherci) 1 M., die übrigen Arbeiterinnen(auster Vorarbeiter- innen) erkalten 0,32 M. Der Stundenlohn für männliche Per- svnen unter 17 Jahren beträgt 0,C0 bis 0,80 M., für weibliche Per'onen unter 17 Jahren 0,40 bis 0,00 M. Die Vergütung an Lebrlinge und Lehrmädchen unterliegt der freien Vereinbarung mit Zustimmung des ArbeiterausschusseS. Die Akkordlöhne de- P.'ätierinnen. B.igler und Telacheusen erfahren einen Aufschlag bis zu 100 Proz. auf die FriedenSIöhne vom Sommer 1914. Die Regelung im einzelnen wwd der Tarifkommiiiion überlragen. Wo die Akkordlöhne schon um 11» Proz. oder mehr-während der Kriegszeit erhöht worden sind, sollen 10 Proz. znaelegt werdeil. Ter Stundenlohn für Reparatupchneider ist 1.40 M. Wo schon die geforderten oder höhere Löhne gezahlt werden, sollen die Milnnlichen Personen 10 Pf. und die weiblichen b Pf. pro Slunde als Lohnzuschlag, erkalten. Jr�ntooolche verschlechierungen der Lohn- oder Arbeit»- lbedingungen dürfen durch diese Vereinbarungen nicht e-ntrclen. Nei stark verkürz. er Arbei tzeit kann der feste Wochenloh» zeit- weis« cm fg.'hoben und dafür Ä:e E r-v-erbSlo se-- f ü r so rg» in An- >tpruch genonimcn weuden. Wird hierdurch der Betoag des Wochenlohnes nicht erreicht, so hat d:e Firma dieses Manko zu decken. Sobald wieder voll gearbeitet wird oder die Erwerb». loienunlerstübung nicht bezogen werden kann, bleibt der fest« Wixhenlohn bestehen. Ueberstunden sind möglichst zu vermeiden und nur in drin- veitden Fällen gestattet. Als(k-usckMignn-g werdlkn LS Proz., bei Nicht- und Scnntagjarbeit 5j Proz Zuschlag gezahlt, die dritte Aeberstunde zählt als Nachiarbc't. Bei Schichtwechsel kommen die gewähnlichen Lohnsätze in De- tracht. Tie Lohnzahlung hat am F.eitag während der Arbeitszeit zu erfolgen. Diese Löhne und sonstigen Vereinbarungen traten am 13 Ja- nnar 1910 in Kraft und behalten ih.e Aülligkeit bis zum 31. Juli 1919, wenn beide vertragschließende Parteien nichls anderes vcr- 1 «inbarcn.— Der Facharbei'Snachweis für Textilarbeiter befindet sich jetzt i im slädlischen A.beitsuachwei» der S'.adt Berlin, Gormannstr. 15 (Ein gang: Nuckerstraß«). Geschästizeil: Wochentags von 11— S Uhr. Tie aibcitSlvsen Fleischcrgesellen hielten zwei stark besuchte Versammlungen ab. In der ersten Versammlung sprach Kollege Krause über die Arbeitslosigkeit im Berufe und über die Berord- Hungen vom 4. Jaunar bet/efi« Wiedereinstellung. En'lassung»nd Kündigung gewerblicher Arbeiter. In der zweiten Bcrsammlniig sprach Herr Grunwald vom NeichSam: iur wirtschaftliche Tcmobil- muchung. Die Kommission der Arbeitslosen erstattete Bericht über ihre Bemühungen, ein Verbot der newerbsmägigen S'ellenvermitt. lung zu erreichen. Die Komnii�sion mußte leider berichten, daß sie ein negaUvcs Rcsuliat erzielt habe. DaS NetchsarbeilSamt stehe auf dem Standpunkt, daß die gewerbsmäßige Stellciwermiillung ein Äewerbe sei. was nur durch Acietz wieder aufgehoben werde. Die Versammlung ist mit diesem Desckicide nicht zufrieden und will nun in Gemeinschaft mit den übrigen Gewerkschaslen. die auch unter dem Svstein zu leiden haben, vorgehen. Es sei höchst bedauerlich, daß man nn'er der jetzigen Regierung nicht zu einem gänzlichen Verbot diese« Stellenwncher» kämmen kann. Tie zirka 1400 arbeitslosen Fleischcrgeiellen werden vor dem Ncick)sarkei.Somk dcinonflrieren, wenn diei.r verständigen Forderung nicht Rechnung getragen werke. Der Versa. nmlungSleiter teilte aus Äiifrag« noch mit, dag die Stadt Schöneberg immer noch die Fleischermeister in ihrem Be- triebe beschäftigt, die nebenbei noch ein offenes Ladeng ichäft betreiben- Der Magistrat unterstützt also weiter die arbeitilesen Fleischergesellen Sck'öneb-rgs aus allgem inen Mitteln, während- dessen er den Fleischernieistern doppelte Existenzen verichaM- Alle Berhaiidluiign in dieser Fraae sind ergebnislos verlanien. Erstaunlich sei es. daß e? sich die Schön-ber�er Bevölkerung und die Arbeilerratsmitgliedei s: ruh'g ge'allon lassen, obwohl sie davon ?« dcn Eemeind ivahleii. Charlottenburg. In einer stark bcsuckten Miigliedernersammlnng nahmen am Ticns'ao> abend die Mi'glirder der U. S. P. D in Ehar- �ot eirburg S elkung zu den Siadtverordneienwahlen. An da» einleitende Referat des Genossen Dr Hertz knüpfte sich ein« feit rege AuS'-xrocke über dir Frage, ob die von den Nechissozi«listen angebotene Listenveich ndung an- genommen werden könne. Tie Mehr'-abl der Bedn-r snrach gegen die Lisienverbindung. die fast einstimmig abgelehnt ivurde. In der komm-ond-n Wock« soll eine Mstgliederveesamtn- iung die endgültige Aufstellung der Kandidaten vornHhinen.— "cz ichuei'd kür die bere't» einsehende S immungsmach« st die inwahre R-chrick-t der Cbarlo!«n-burger„Neuen Ze-ii", daß das Angebot aus Lislenbevbindung von der U. S. P. ausgehe. Zahlung der KrieKsunterstttAung. Mit Veenhiigiing de« Kriege« hoiben die nnch deni 3-vccke des F.imillenunterstütziiNgSgeictzes für die Teuer de« Kriege« bestimmicn Familienunterstützungcn im allge- meinen fortfallen müssen. De» Witwen und Waisen Gefallener wird jedoch die f?amilleiiuntcrslützung weiter gezahlt, bis die gesetzlichen Leusorgungsgebrihrnssse gewährt werden. Sie erhalten mit. hin solange Aamilienunterstütziing. bi? das Verfahren, betreffend Festsetzung der Hiriterblicbcnenbezüge. reckilskrästig Zum Abschluß gekommen ist. Es wird stch empfehlen, wenn die Familien sich in diesen Fällen Bescheinigungen darüber verschaffen, daß das Festsctzungsverfahrcn noch nicht abge- schlössen ist. Diese Bescheinigungen würden unmittelbar beim KriegSwinisteriuin. Veriorgimgsabteililng für Hinter- bliebene in Berlin W. 9, Leipziger Platz 17, zu bean- tragen sein. Für die nach dem Miiltärhinterbliebenengeietz nicht anspruchSbcrc cht igten Personen können sich au« dem Fortfall der Familienunterstützung gewisse Härten ergeben. Tie beteiligten Dienststellen haben daher eine erhöhte Fürsorge für diesen Personenkreis auf andere Weise vorgesehen. Seitens der Militärverwaltung sind bin- sichtlich der widerruflichen Zuwendungen aus Kapitel 84ii. die im übrigen cinsstvcilen weitergezahlt werden, folgeude besondere Bestimmungen zugunsten der Hinterb'iebenen von Militärpersonen der Unterklassen getroffen worden: 1. Tie Zuwendungen für uneheliche und für ange- noinniene Kinder betragen künftig bis zu 201 M. jähr- lich.»nd für den Fall, daß arnh die Mutter nicht mehr lebt, bis zu L88 M. jährlich. Diese Sätze entsprachen im wesentlichen den gesetzlichen VersorgungSgcbühr- nissen für eheliche Kinder. 2. Ter Höckstbetrag der Zuwendung für die schuldloZ geschiedene Ehefrau ist von 300 M. auf 400 M. erhöht worden. 8. Ter Höchstbetrag sowohl für Kriegselternge�d wie für die Zuweudung bei nnr wesentlichem Bestreiten des Unterhalt« der Eltern ist auf 300 M. für joden Eltern- teil jährlich festgesetzt worden. Tie Tiirchführiing dieser Maßregel nimmt naturgemäß eine gewisse Zeit in Anspruch. Um zu verhindern, daß ins- bosouderc die Eltern und unehelichw Kinder in der Zwisch u- zeit unversorgt bleiben, bat das ReichSaint des Innern die Vundesregicriingen ersucht, diese Personen, wenn sie be- dürftig sind, im Wege der KriegSwolilfahrtspflege zu unter. stützen, soweit und solange sie Kriegselterngeld oder sonstige Zuwendungen au« militärischen Fond« nicht erhaltsn. Tie Hüter der Nuhe und Ordnung. Die Ebert-Gcirde. die Nuhe und Ordnung schassen soll, treibt e< bunt. In Bernau sind Truppen einquartiert, die für den Osten rusammengestellt werden. Wie diese Leute in dem kleinen Städt. chen Hausen, ist kaum zu beschreiben. In der Schule, in der sie iiilergebracht sind, sieht e» ioll au». Die Bänke sind zersägt, alle Schränke erbrechen und der Inhalt gestohlen. Tie vorbanden g«- wesenen Bücher haben die OrdnungSleuie verkauft und zwar an Einwohner des Ortes. In den Nächten wurde stets Gas gebrannt, obwohl die Einwohner von Bernau damit sehr knapp gehalten wer. den mußten. Taraufhin veranlaßten Bürgermeister und Arbe'ter. »nd Soldaten. at de» Ortes die Absperrung de« Gase». Da kamen sie aber bei den OrdnungSleutcn schlecht an. Tie machten mil den nötigen Waffen dem Bürgermeister sofort einen Besuch und vcr- langten von ihm die Unlerzeichnung eine« Tchrif. stücke», wonach der fernere uneingeschränkte Bezug von GaS weiter gewährleistet wird. Dann ging's zum Arbcitcrrat, wo nur ein Mitglied an- ivcscnd war. Auch dieser wurde durch T.ohungen gezwungen, gleichfalls feine Ziistimmung zu geben. Ferner wurde ihm auf- gegeben, sofort den Ort zu verlassen. So schalten und irelten die Ordnungshüter im eigenen Lande, drei Mona!« nach der Ne- Volution. Wir haben«s herrlich weit gebracht l Ein anderes Bild. An» Berlin schreibt uns ein Leser: AI» ich am Sonnabend, den 1. d. M.. abend» 0z4 Uhr. mit meiner B.ailt die Münzstraße passierte und an der Alexander Kaserne vorbeikain, beinerfte ich vor dem Tor der Kaserne eine Rotte von »iigcfähr acht bis zehn total betrunkener„NegierungS-Soldaten", die die vorübergehenden Passanten in recht unanständiger Weife nicht nur mit Redensarirn. sondern auch tätlich belästigten. Meiner Braut fiel ein bluljunger Mensch von höchstens 18 Jahren um den Hals und gebrauchie dabei freche häßliche Sieden. Als ich ihn zu- rückstieß und mir ganz energisch verbw. mich sowie andere friedliche Passanten!» irgendeiner Weise zu belästigen, erlaubte sich der dreiste Lümmel zu bemerken:„Wenn Du jetzt nicht machst, daß Tu fortkommst, kann ziehe ich den Ncvolder und knalle Dich über» Haufe»!" Mit diesen Werten zog er sein Portemonnaie auS der Tasche»ud ta- als ob er schießen wolle. Zu meinem Glück hatte da! Bikrschchen schenilcir keine Waffe bei sich, sonst dürfte ich»uä heute wohl kaum mehr linier den Lebendc» rechnen, denn was den Leuten ein Menschcnleb.n wert ist, hat man ja in der letzten Zeit l.iker oft genug e. fahren. DaS ist ein weiteres Beispiel, wie so viele andere, wie frei und unbesauge» wir uns unter den Schutz» maßregeln unsere» lieben Herr» NoSke bewegen dürfe». Die Einlnungsbeslrebungen der Arbeitersckast. Von der Zentralstelle für Einigung der Sozialdemokratie war zu Mittwoch abend eine Ler- sammlung nach dem Cecilienghmnasium, Weinmeisterstraß«, ein- beruf- n norde». Ter gewnl ige Andrang«nachte eine Parallel» rnrs. mmlung in der zweitrn Auia notwendig. Iiesereiu 91 i da cd Bernstein führte ans: Wir wollen Sozialismus durch Temok-ratie ve> wirklichen. KautStus Sticht» linien bilden somit eine ge.igaete Grundlage für die Eiiiigun�. Tie ein« Richtung dürfe der andern nicht ihre Meinung aus» �ivingen wollen. Cr ging dann aus die historische Entwicklung der Parieispaüung ein und betonte, daß heute zugegeben wer» cn müsse, daß der Lauf der Dinzpe der Kriegspolitik der llnob» hängigcn bis zu einem ge-rüsien Grade Recht gegeben habe. Bon den Kommunalwahlen erwartet er sozialistifckie Mehrheiten, die dann der Welt ein Musterbeispiel sozialistischer Politik geben könn en. Das werde un« dem Eoziabkmu! näher bringen. Manass« ats Kor-eierent sprach den Wuiisch aus, es möchten die Gegensätze nicht im Brudermord«nden, sondern sachlich atisgeiragen werden. Er erblickt in den Gegensätzen nur inen Unterschied keS Tempo». SflS er dann Liebknecht und Roka Luxemburg als reine und'deale Menschen feierte, wie es wenige gegeben habe, löste er bei der Versammlung stürmischen Bei'all an». Er forderte von jeder Seite, den Andersdenkenden die red- I'che Uebcrzeugung zuzugestehen: wie» auf die Gefahr hin. die aus der läufig angewnidelen Demagogie en springt und sagte zirn Schluß: irir werden dl« soziaüstifch-e Republik um'o schneller verwirklichen können, wenn da» Proletariat einig ist. In der anschließenden, ausgiebigen Debatte zeigte sich mit ilnverkeimbarer Deutlichkeit, daß auch in den R-ihen der Mebr- I eiller die ErkonniniS dämmer, wie verhängnisvoll die Politik hrcr Fiilrer ist. Von den Unabhängigen aber wurde nnzwei- eutig erklärt, erst wenn eine Abkehr von diesen Führern und d ren verderblicher Pnülik erfolgt sei, könne an«ine Einigung gedacht werden. Tiew müsse aber alle drei Rsthttingen u Insassen. Ter voreerückton Zeit wegen mußten beide Bersammlun- gen ver agt werden. i Arbcitrrrätc der 11 S. P.D.! Am Sonnabenb, den 8. Februar. nachiiiittagS 4 Nbr. findet im SitzunssSsacilc des .Herren laiiwS, Leip'isser Straße, eine Sitznna der 11. T. P.D.- Rrbeiterräte statt. Die TageSordnnna wird in der Versanimliina bekanptocgebcn. Um zahlreiches Erschez- nen wird gebeten. Der FraktionSvorsland. O. Ziska. Aus den OrfionlWonw. Freie Jugend„Süd-Ost": Freitag, den 7. Kebrnar, findet im Lokai von Licbich lZur FriedenShülte), Wiener Str.«7» ein Disk iissonsalend ftait. ve.iirk Weitzensee. Am Freitag, den 7. Febriiar. abend« 7 Uhr. findet im Lokal Masche, Berliner Allee 221. ein Frauen» LchrknrsuS statt, wozu sänitliche Genossinnen eingeladen stud� Die Bezirksleitung. Veronliro-IUch für kl? N-dnl>!!oii AIsr«v Wi�I«p». AevdSUn.— V-ttog„Dir Fr»!Mr®. m. b. H. Berlin.— Dru» vor Llnv»«» druck erei �nd Berlogegesclliäiofl m. b. H., Schisst>g>>»ld«mm IS. Von der Besss lagiiabme freigegeben sind: die Si-tenroman« von Jolanthe MartzS: � .tm0 Ein Sittenbild an» BerkinW. Preis Mk. 4,—; als Fvaseljuiig: .eillis Ehe' S!» Sittenbild Preis M». 4.—; Likll Braun schreibt:.. ebenso gsänziiide wie Wahrheit«» aet>e»e Sei il-e ungen derZ erhältnisse. in d«oen dieJugend von Berlin hente ansiväckisl... ei» überall« nützlich»« Werk sittlicher Aufklärungl Für Kinder ist e« natürlich nicht bestimmt.. ferner ist erschienen: �hinter geweihten Nlauern" von Pater Berlvieu». Aufzeichnungen eine« Klostergeisittch«» Preis Mk. 4.— Die Nachfrage nach diesein Buche hat gezeigt, daß die Me» moire» des Puter VenkieuS in allen Vollskreise» lebhaste« Interesse erregt haben. Ueberall sieht ma» die Saat spliese« und Protest ans Protest«rsolgt gegen da« Zölibat, da« wiederiiatürlichste aller Gelübk«. Zu beziehen durch: So ler L To.. Ve!!>., V 9. my.m Slr. 27. Mg. S. r Achtung! Arelhelt-SpidUeäre. Ach.vnz! WerjnmnU'ung »m sronneb-i!!>.»IM s.. abend« 7 Uhr. im 2»!«I»»n GöMing, tiienstoutr e-mb» 29. ttgilcrdi-MB«: »nd gttiiit.t«» der kpediinire. Oe«-ni alio» und B»In l«denc». »Ii WI kiKtelt>n ree-«rdn-n-i«rtord«- d»«»Nnlillch«»r- scheine-- lüimi'-i cr T et lcure._ "1» Spczial-Bebatd neg j von GeschlecMs-, Hau?- u. Harnleiden jeder Art hei Männern und p-»n«n. H«rnr8»ire»«ii.(lll.... Syphi-i,. Mundiusbillche. nic-Men. tie'n'tidf». Mannetschwäah*. Nieren- BI«ie"'eld«B usw. n«. h Prnniini Dr. Hormsrn*, ili'il«!»«. sit».»,, ü- tzßii lr-ä M»«I-»ei-n«l>, ,clim-r,io5. odne c)->,r-»�n».NernI,»Sr-.N«.. s.'i,«ni-ndnn- der»l«".-!-.''/ m«Nn,.nd ->-väiirl. iliinnll. iidi-eneonne.«»> 1�»nnod �nneii».-«„»nd. n4i**A«»t5 AO I(4 Min. v. Siett. Hahnhnf.) m«' 5pse?,5l 10-!?,. M.UvlmÜUiiv ftt» kliäsliiiiltliiä. Sonnt.». lb— Ii uvr vorm. �ußrvbesmle der Vers!cherurgs!!ek!?ede. »reitas. den 7. gei-rnar cr.. n-chmln««» l Uhr Vcrsammlnnq tu ben M»ü!e> snie». Nr.l'kr ipz-iSeim.onmte»1. giege.'ivar,«. n»».1»' n» k>« lr n„«n». ' genirawerk-nnd der-?>nnd'»nn«geft,i,er>. Etktien- e. llni:d eillue«iMn.il'il-u.- ll-n-:■«usslt.?»». Aciinngl Ichtcoberg! Die Spedition Enjrd befindet sich jetzt Hoiteistr. 23, Ecke Alt-Boxhagen. SiraßenhSndler „jrk, bei Uoher Verillen»iinB*llcl-l.clt.„eilt»i, T-It---"-"•tr'e-K Kurffirstengtr. IQ«. Eotenfrauer» b.. hob.-. Zeittmssframn wer en noch in nachstehenden Sped tonen eingestellt. S e r l i n: c»> o Vt fi m« n et.«l.b>,Ne,z-!0. Vir» ma-imeriieak-e!>o. Varitw. g-ie r ,zel-,..r>rn�e°r>. TS alter Va»I?nn-,e L-rnüe id. »» et v a r, b. d-iid-neii-.d.p 2. , Ii« r»> e t t e e. Li---«er?i>nße i». S v ri ng. k-ii--' e i-r-e 22,». pr. VlSiille, V«vi>l-rn e Schittvanerdamn- lv. �rleüenau: « w» I Si elniiei-'e dl. oeiexviv müllsh Ermltleiunsen und Beobachtungen. Pchr5Rn!lb,h® I rlod'nung;. Frankiorlor All-- 278. T-I-phoa Al-xand-r 9139. '|n S;cJial-FelianJlnng•£« vonficsch'eehts-. Haut- a. Kaia'ejöen eder\rt hei M-nnern.nn-i prevea nnee vaeoiteto(ehre. Nlsc'iei tloi iileielea u. nervo»« Selr«reb- t-Iie-lt.!,.B-»«a.W"i-en. Blutunrerou-I'wia. Uciir. und F nsen- Hchondlun«. Qit< ckuilber. Entzichir Cü-ivur n. Ci-te-.'tKiir-n«« Wi eleklrlteh« nn« meduinitclie DlUer. Ohne Pernt« Bron». Oclrcnnt* Kluino fär l>„nc-»nd Herren., Aerztl'eh ce'eitcte HellonsfaTt. 1 LÖtcr, KCnstr. 9, tttt.LAÄ.A'.st: Cotir iiaö'enst. Sic-e es Einkoitiinen biel-l nlch dem. der-ein Oeschllt kn.fL I-i- veräuliere nur«eil Irl- rn er« dUt»1» 0'°°°•• Oejclidli B hernehme. Hreli. « er- verkaufe ich deeha b*o- fnrt mein Rest-manl."illi-ie M-eia. I"ie Verbinduneen Mitte««-11, i-hend l«ch.2 Ke«e|. h.hnen. Nähere« bei i reebner. Sireiauet Plau 6-7. Relzenit« Sehietilnmier. Knch«, bleideec'irenle. Versch. l'nih»«-nf«. ChaUe-e Nalielalia.«leli-n-a b Schre.biitch, WVchi» Tru'i-cen. Ter-i-�iia. t halten verit uii Tel«. nieder Sir. I?2.< t-.,� V «nPnvsr Ha,,,!-,,