Nr. 131. Abonnements Dedwgnnge«: Abonnement»-Prst? pränumerando! Vierteljährl. SM Mb, monatb l.loMb, wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag»« Nummer mit tlluftrtrter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" lv Pfg. PostAbonnement: 8,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung»- Preisliste für 1897 unter Hr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inftrtisns- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonsl- jetls oder deren Raum 40 Pfg., für verein»- und Berfanimlungz-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt» » Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», «M Tonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittag» geöffnet. Erschein! täglich aufZer Monlng«. Devlinev VolksbleM. Fernsprecher: Amt I, Nr. lövS. Telegramm- Adresse: «votialdemvstrak Berlin". Dentralorgan der sozialdemokmtisclsen Partei DeutMtands. Ht'daKlio»- SW. 19,?J(ll(0-§(rafl( S. Mittwoch» bell 9. Juni 1897. ßilpedition: SW. 19, Wenly-Slraße 3. Das Staatsinkeretse. Das Staatsinteresse hat in der P o l i t i k stets eine her- vorragende Rolle gespielt. Es ist der Kautschuk-Mantel, mit t und der neuen Zeit haben im Staatsintcrcsse gehandelt— die griechischen Tyrannoi so gut wie die römischen Dilta- �oreii und Cäsaren. Jeder Akt der Willkür, der persönlichen Laune, der niedrigsten Herrsch- und Habsucht wurde dem Volk dargeboten als eine Maßregel nothweildig geboten durch das Staatsinteresse und die salus pudlics.— die öffentliche Wohlfahrt. Wie Friedrich, der sogenannte Große, der ein gar- arger Cyniker war, in seinem Anti-Machiawell den Mißbrauch, welchen Despoten mit dem Staatsinteresse treiben, theoretisch gegeißelt hat, ist ebenso bekannt, wie der Mißbrauch, den er selber praktisch damit getrieben hat. Was eine Katharina von Rußland— nach Byron„die größte der Monarchiunen und p—n"—, was ein Napoleon, was ein Bismarck, was ein Crispi wider die gewöhnliche Moral verübten, das haben sie im Namen des Staatsinterefses oder was dasselbe ist, der„Staatsraison" verübt.„Staatsraison* heißt wört lich: Staats g r u n d und Staats Vernunft. Der letzte und höchste Stoatsgrnnd sind die Kanonen, die ein scher zender Despot„die letzten Gründe der Könige" getauft hat. In den Staats g r ü n d e n der Kanonen geht die Staats Vernunft und das Staatsinteresse auf; beides deckt einander, beide? ist eins. Es stimmt das nicht mit der gewöhnlichen Moral, nicht mit dem gewöhnlichen Recht, aber es ist Politik. Die Politik ist etwas Apartes, sie liegt jenseits von Gut und Böse, sie wäscht nicht mit Rosenwasser, sondern taucht ihre Hände tief tief in den Schmutz; und je tiefer sie sie ein- taucht, desto mehr Anspruch erwirbt sie sich auf die Bewunderung der Genie-Anbeter.„Die Politik verträgt nicht das Licht des Tages", pflegte Bismarck zu sagen. Die Sozialisten, die an Allem nörgeln, wollen auch nicht anerkennen, daß die Politik etwas Apartes sei, daß der olitiker daS Recht habe, sich außerhalb der gewöhnlichen oral, außerhalb des gewöhnlichen Rechts zu stellen, und diesem wie jenem ins Gesicht zu schlagen; und sie haben schon in den Statuten der„Internationalen Arbeitcr-Assoziation", also schon vor 33 Jahren gefordert, daß das Staats- interesse mit dem Volks intercffe und die Staats moral mit der allgemeinen Menschen moral in Einklang gebracht werden müssen. Doch das ist vorläufig nur eine sozialistische Forderung und für die Politik ist heutzutage die Emanzipation von Moral und Recht noch die Regel. Im schärfsten Gegensatz zur Politik steht hier die I u st i und zwar nach der amtlich approbirten Meinung. Den Schn kindern wird schon gelehrt: unser Staat ist ein Rechts- st a a t; in dem Staate wird— immer abseits von der Politik— streng und unfehlbar, gemäß dem allgemeinen Recht, so wie dieses im Gesetz sich ausdrückt, gehandelt; streng und unfehlbar waltet die Justiz ihres Amtes, welche die Ausführung und Verivirkllchung des Rechts ist." Und: jnatitia ftmdamentum regnoriim!— die Gerechtigkeit und Justiz ist die Grundlage des Staats— tönt es bei allen feierlichen Staatsaktionen uns in die Ohren Auch der Herr Oberstaatsanwalt Drescher hatte zu Anfang des Tausch-Lützow-Prozosses diesen Satz vor Augen, als er dem Augeklagten von Tausch, der sich hinter die „Slaatsinteressen" flüchtete, feierlich die Worte zurief: „Ich stelle mich—— einfach auf den Bode» des Gesetzes. Das Gesetz spricht von Staatsinterefsen, die einen Beamten berechtigen könnten, von einer Strafverfolgung(wo das Gesetz sie vorschreibt) abzusehen, nicht." Das war klar, das war richtig. Und das entsprach dem Recht, dem Gesetz und der Justiz. Der Herr Oberstaatsanwalt veränderte jedoch seinen Standpunkt, als seitens des Polizeipräsidiums für die„politische Polizei" das Recht beansprucht ward, sich über das allgemeine Recht- und das für die sonstigen Staatsbürger geltende Gesetz hinwegzusetzen. In seiner letzten Vertheidigungsrede— Verzeihung: Anklagerede sagte er: „Für das Verhalten des Augeklagten v. Tausch kann nur die Praxis der Verivaltungsbehörden in Frage l o n> m e»; nur sie könnte für ihn vo» maßgebender Bedeutung sein. Ich weiß nicht, wie weit sie gehl; wenn aber eine solche Praxis bei den Berwalluugsbehörde» besteht, so m» ß man vom Standpunkt« des Rechts verlangen, daß dann wenigstens die höchste» S t a a t s i n t e r e s s e n vorliegen müssen, wen» die Verfolgung unterbleiben soll. Derartige Ausnahmen dürfen n u r in den seltensten und allerdringendsten Fällen als be- rechtigt angesehen werde n." Erst: Das Gesetz kennt keine Staatsinteressen, die von der Verpflichtung entbinden, das Gesetz zu beobachten. Dann: Das Gesetz kennt solche Staatsinteressen— es müssen aber„h ö ch st e Staatsiuteressen" sein— und„seltenste und allerdringeudste Fälle". Was sind„h ö ch st e Staatsiuteressen?" Der Staat ist das Höchste; und kommt der Staat in trage, so liegt in jedem Fall das h ö ch st e, das ist das laatsintercsse vor; und nur die Willkür könnte einen Unterschied machen zwischen der größeren oder geringeren Dringlichkeit der„Fälle". Jeder Vermaltnngsbeamte und jeder Staatsanwalt würde die Dringlichkeit anders anffassen als der andere— es ist das eben Sache des subjektiven Er- messens. Die Justiz hat durch denMund desHerrn Oberstaatsanwalts Drescher vor der Politik k a p i t u l i r t. Sie hat das Staatsinteresse, das heißt einen von dem Recht nicht blos verschiedenen, sondern es in seinen Konseqnenzen geradezu ausschließenden Faktor, in das Reich der Justiz eingeführt, der er nicht blos fremd, sondern positiv feindlich ist. Die Politik hat im Tausch-Prozeß die Justiz korrigirt. Der Herr Oberstaatsanwalt Drescher hat das mit wüujcheus- werther Offenheit dargethan. Wir begreifen blos nicht, warum man der ohnehin nicht aus Rosen und Lorbeeren gebetteten deutsch-preußischen Justiz diese Probe nicht erspart hat. Sicherlich war das Staatsinteresse hier nicht im Interesse des Staates. politische Rebeestcht. Berlin, 8. Jstmi. Taft ein Verfassungsbruch in der Znstimnumg zu dein vorn Rbgeordnetenhause vorgeschlagenen Weg einer stillschweigen- den Acnderung der Verfassung liegt, wagt gegenüber der in Nr 129 des „Vorwärts" gebrachten historischen und rechtlichen Darlegung nur eine Zeitung zu bestreiten. Dieses kuriose MeineidS-Ver- lheidigungs- Organ nennt sich„Berliner Neueste Nachrichten". Gs schwingt sich zwar bis zu der Höhe gewissenloser Geschichts- fälschung nicht auf, daß es etwa behauptet, die konservative Partei, die jetzt zum Verfassuugsineineid drängt, habe jemals diesen jetzt von ihr gutgeheißenen Weg als etwas anderes als einen Verfassungsbruch bezeichnet. Aber sie glaubt das jnstiz- ministerielle Gewissen dadurch entlasten zu können, daß sie sich auf„den Staatslehrer. und Kronfyndikus Dr. Schulze" und auf die Art des Zustandekommens der Bundssverfassung beruft. Beide Rechtfertigungsversuche schlagen fehl. Die Bundesverfassung ist allerdings ohne ausdrückliche Aenderung der preußischen zu stände gekommen. Dieser Weg ist indeß, wie aus den Bemerkungen der Abgg. v. Haverbeck, Virchow»»d Tweste» in de» Sitzungen des Abgeordnetenhauses vom 1. und 6. Mai tSL7 hervorgeht, lediglich der polilischen Dringlichkeit wegen imd deshalb gewählt, weil staatsrechtlich selbstredend die norddeutsche Verfassung ohne iveitercs die preußische änderte; das vo» der Recke'sch« Knebelgesctz ist keine„Verfassung". Im übrige« ist stets i» Preußen eine a us d r ü ck l i ch e Aenderung der Verfassung bei Bersasiungsänderungcn für nölhig erachtet. Es genüge, an folgende Gesetz« zu erinnern; vom 30. April 1851, 21. Mai 1852, 5 Juni 1852, 7. Mai 1853, 24. Mai 1853. 10. Juni 1854, 30. Mai 1853, 14. April 1856, 30. April 1856, 18. Mai 1857. 17. Mai 1867, 27. März 1872, 5. April 1873, 18. Juni 1875, 19. Februar 1879. Bleibt von dein Rechtfertigungsversuch des Bismarck- Organs nur die Verufung auf den„Staatsrechtslehrer und Kronsyndikus Dr. Schnitze" übrig. Wie steht es damit? Es ist richtig, daß im Jahre 1873 der zum preußische» Herrenhaus- Mitglied gemachle großherzoglich b a d i s ch e Geheimrakh Dr. Schultze- Gävernitz in der Sitzung des Herrenhauses vom 11. März 1873 hei Gelegenheit der Acnderung der Artikel 15, 16 und 18 der Verfassung zum Schutz der Minister vor dem von ultramontaner und konservativer Seite erhobenen Vorwurf versassnngswidrigcn Vergehens anführte, Artikel 107 lasse auch eine still- s ch>v e i g e» d e Aenderung der Verfassung zu. Dieser Ansicht trat niemand bei. Dr. Schultze selbst giebt in seinem 4 Jahre später erschienenen preußischen Staatsrecht zu:„Der eigentlich»or- male Weg, eine Bestiiuinung der Verfassungsurkunde zu ändern, ist der, daß der betreffende Artikel der Verfassuug, welcher dem Erlaß eines Gesetzes entgegensteht, durch ein V e r f a s s u n g s- verändern n gi-Gesetz beseitigt oder rnodifizirt wird. Eine s o klare unzweideutige Auseinander- s e tz n n g entspricht gewiß der Absicht der Verfassungsurkunde nrn besten, welche fich aber als daS höchste LandeSgesetz über alle anderen Gesetze stellen wollte. Doch hat man aich einen anderen Weg beschritten, welcher zwar minder normal, staatsrechtlich aber doch von derselben Wirkung ist." Wir nnterlaffen es, die Beurtheilung, die der inzwischen verstorbene Dr. Schultz« wogen des letzten Satzes. der seine HerrenhauS-Rede beschönigen sollte, seinerzeit allseitig erfahren hat, jetzt näher darzulegen. Es genügt, daß selbst dieser einzige Gewährsmami, den die„Berl. Neuesten Nachrichten" gegen unsere Ansicht anführen konnten, als den„eigeiitlich normalen Weg" einer Verfassungsänderung den einer ausdrücklichen Verfaffungs- äuderuug bezeichnete. Die„ K r e u z- Z e i t u n g" selbst hat die vo» den„Berliner Neuesten Nachrichten" beliebte Beschönigniig eines Verfassungsbruches nicht unternommen. Sie hat wiederboll, z. B. in ihren Nummern vom 14. und 16. Januar 1373, den jetzt vom Abgeordnetenhaus eingeschlagenen Weg als einen offenbar mit dem Berfassnngseid mivereinbaren bezeichnet. Das wird natürlich die Mitglieder des Ohm-Gödsche-Pimfig-Organs nicht hindern, jetzt diesen verfassungswidrigen Weg zu deschreiten. Die Sozialisten und daS Dnell. Man wird sich erinnern, daß unser belgischer Genosse Vandervelde voriges Jahr sich wegen einer angebliche» Ehrensache mit einem polilischen Gegner duellirte, und daß er für diesen Rückfall in mittelalterlichen Bardarismus von den Parteigenossen einen kräftigen Rüssel erhielt. Der Rüffel hat genutzt. Und als jüngst in Belgien eine ähnliche„Ehrensache" auftauchte und unser Genosse Bertrand von zwar politischen Gegner» Heraussorderungen zu einer Mordspaukerei mit Dege» oder Pistole erhielt, antwortete er, daß Sozialdemokraten weder an die Hainmerftein'sche Pistole, noch an das sansstudeniische Froschmesser glauben, und überließ es den Herren, einander unter sich mit derartigen Instrumenten zu bearbeiten. Das war recht. In Frankreich stecken unsere Genossen leider noch tiefer in Vorurlbetle«. Am vorigen Sonnabend kam es in der Kammer zu einer Skandalszene im österreichischen Stil(siehe unsere Pariser Korrespondenz!) und die Folge war, daß einer unserer Genosse»— Gerranll-Nichard— einen der Minister forderle, der sich allerdings recht frech beiionime» hatte. Der Minister widerrief aber und so nntelvlieb das Duell. Wir kennen ja wohl das Wort:„Ländlich, sitilich" und wir legen nicht gern unseren deutsche» Maßstab an ans- ländische Verhältnisse. Allein gerade die Franzosen habe» in ihrer nationalen Vergangenheit die prächtigsten Vorbilder für das Verhalten in der Duellfrage. Wie wir schon des öfteren getha», verweise» wir damit auf die Vertreler des dritten Standes, die zu Anfang der französischen Revolution von de» Hammersteinen und Brüsewitzen der Adelssippe zum Zweikampf herausgefordert wurden. Ausangs nahmen die L a m e t h und Ge- uosseu an, als sich aber herausstellte, daß Methode in der Duell- fexerei war, daß verkrachte„Edelste", die gut fechte» konnte», zur regelrechten Abstccherei anständiger Männer gemieihet wurde», so erkannte man es als Ehrenpflichl, Heransfmdeninge» abzulehnen. Darob Spott und Hohn seilens der„Edelsten" mit ihrer besonderen Standesehre. Es kam zu einigen gewaltsamen Szene», bis das Volk ins Mittel trat und ans eigener Initiative und mit eigener Sonveränitäi das Gesetz gab:„Jeder, der zum Duell herausfordert, wird ins Wasser geworfen und so lauge unter- getaucht, bis er zur Vernunst kommt." Das Gesetz wurde ausgeführt. Ein paar Dutzend Junker wurden untergetaucht u»d— lvs Duell hörte i» Frankreich auf— weuigstens für die Dauer der Revolution. Nach dem 18, Bruuiaire, als der Militarisnms triumphirte, lebte nebst anderem Unfug auch das Duell ivieder aus. Wir dächte», was die französischen Biirgerdeinokraten am Ende des 13. Jalwhunderts konnte», das sollten die französischen Sozialisten am Ende des 19. Jahrhunderts auch können!— Das Institut der politischen Polizei soll, so wird verkündet, „revidirt" werden. Tie„Breslauer Zeiiung" theilt mit, der Kaiser habe schon während seines jüngsten Anfenthalts i» Schlesien unrniitelbar vor Beginn des Tausch-Prozesses seiner Umgebung gegen- über seinen Unwillen über das durch denselben eulhüllte Jntrignen- spiel iviederholt ausgesprochen und angeordnet, daß ihm über den Ber- lauf der Verhandlungen alltäglich ausführlich Bericht erstattet werde. Der Kaiser wünsche dringend eine gründliche Revision des Instituts der politischen Polizei, sowie eine Reform des Veikehrs zwischen den Ministerien und der Presse. Eine besondere Kommission soll zur Beralhung vo» Vorschläge» alsbald eingesetzt werde». Unter dem Eindruck des Prozesses wird natürlich allerlei Revision und Reuiedur zugesagt. Warum hat man denn nicht schon längst etwas zu thnn versucht? Ist denn v. Tausch der erste seiner Art? Eine„besondere Kommission" soll eingesetzt werden! Aber was wird heranskoinrnen? Die politische Polizei muß sei». Die politisch« Polizei muß Agenien habe». Agenten müssen un- sauber sein. So lange man die politische Polizei will, mnß man auch ihre Auswüchse wolle». Daran wird auch nichts geändert, wenn der Kaiser unwillig ist über die Tanschiade. Kl vrzng ans Normann-Schnmann soll der„Vorwärts" be- zieheirtlich Liebknecht das Gegenthril dessen gesagt haben, was Bebel vor dem Schwurgericht im Tausch-Prozeß. Das ist falsch. Nach dem„Vorwärts"- Bericht und dein Bericht der„Vossischen Zeitung" und anderer Blätter antwortete Bebel in der Sitzung des 28. Mai(siehe„Vorwärts" vom 29. Mai) aus die Frage des Slaatsanwalts, ob Schumann auch dem„Vorwärts" Artikel ge- liefert Hab«: „Ja, meines Wissens hat er 1895 und 1896 einige kleinere politische Notizen dem„Vorwärts" ge« liefert." Das i st richtig. Die Erklärung des„Vorwärts" richtete sich gegen unsaubere Blätter, die dem„Vorwärts" vorwarfen, Artikel von Norniann- Schnmaii» empfangen zu haben, und von ihm politisch beeinflußt worden zu sein. Das war schäm losjjelogen, und diese Lüge zu brandmarken der Zweck unserer Notiz. Bon Noruinnii- Schumann, mit dem Liedknecht auf dessen Wunsch im Mai 1813 durch Verinittelnug eine längere, im„Vorwärts" bereits erwähnt« Unterredung hatte, der Singer beiwohnte, hat der„Vorwärts"»er- schieden« kurze politische Notizen erhaltest, vo» denen einige ausgenommen, andere deshalb zurückgewiesen wurden, weil sie in puncto der„Hintermänner" oder aus anderen Gründe» verdächlig erschienen. Kein Wort politischen Raisonnements des Herrn Norniann- Schumann hat je im„Vorwärts" gestanden. Kurz. der„Vorwärts" hat, wie es in unserer Erklärung heißt, niemals eine» Artikel— weder Leitartikel, noch Sitiiationsbericht, noch überhaupt raisonnirende Notiz— von Herrn Normaiiii-Schnman» er» halten. Und das deckt sich vollständig mit derZ e ugen- aussage Bebel' s. Der Friede zwischen der Türkei nnd Griechenland ist noch nicht geschlossen. Die Verzögerung ist sehr natürlich, wenn nia» bedenkt, daß einerseits ein Theil des„einigen Europa" keinen schnelle» Friedensschluß will und daß andererseits die Türkei mit ihrer halben Million Soldaten, die sie lriegstüchtig im Felde hat, und der rasch eine zweite halbe Million folgen kann,»ach den jüngste» mililärische» Erfolgen nicht in der Stinunmig ist, sich vom „einigen Europa" als Schuhlumpe» benutzen zu lassen. Zwischen den Mächte» treten erhebliche Meinungsverschieden- heilen hervor über die Friedensbedingungen.„Daily Telegraph" meidet aus Konstantinopel: Als Tewfik Pascha im Verlaufe der Friedensverhandlung eine Denkschrist verlas, in der die türkische» Forderungen dargelegt werden, unterbrach ihn der eng- lisch« Botschafter und bemerkte, seine Jnstrnklionen gingen dahin, sich jeder Erweiterung des Gebiets der Türkei zu widersetze». Der französische nnd der italienische Botschafter unterstützten die,'« Ansicht. Der russische Botschafter erklärte, er glaube wobt, Rußland würde darin willigen, daß die Türkei das T e m p e- T h a I in der Weise a n n e k t i r e, daß Turnavo den Türken zufällt, Larissa aber den Griechen verbleibt. Ein späteres Telegramm aus Konstantinopel besagt hingegen, daß die Einigung nahe bevorstehen solle. Danach zaisite Griechenland vier Millionen Psnnd Kriegsentschädigung und verliert an der lhessalischen Grenze einige stralegische Punkte. Pharsalos, Volo, Mezzovo und Nezaros bleiben von den Türken besetzt»nd werden staffelweise, nach der in Raien erfolgten Zahlung, geräumt. BemerkenSwerth ist sonst nur noch die folsende Nochrichtz Athen, 7. Juni. Infolge energischen Einfchreitens der Ver- treter der Großmächte erließ die Regierung strengste Befehle, damit die Abreise Freiwilliger nach Kreta verhindert werde. Die inler- nationale Flotte wurde wieder beauftragt, alle in Kreta an- laufenden griechischen Schiffe zu durchsuchen und eventuell KriegS- lonlrebai de und Freiwillige nach Griechenland zurück zu tranS- portuen.— Deutsches Reich. — Protestkundgebungen gegen die I«» Recke fanden statt in Stettin und Köln. In Köln fand eine von 3000 Personen besuchte Protestversammlung statt. Es sprachen die Genosse» Schumacher- Solingen, Meist, Hofrichter und Deiuhardt- Köln. Der Sekretär der nationalliberalen Partei der Rhein- provinz. Dr. Johannes, versuchte das Verhalle» seiner Partei namentlich in der Frage des Ausschlusses der Minderjährigen zu rechtfertigen, wurde aber von unser» Redner» glänzend abgefertigt. Eine Resolution, die sich gegen die lex Recke, wie gegen jede Verkünnnernug der Volksrechte aussprach, wurde einstimmig angenommen. Zur Frage der Betheilig ung an den preußt» schen Landtagswahlen. Der schlesisch posensche Parteitag hat sich fast eiustiiumig für die Betheiliguug und für die Besprechung dieser Frage ans dem allgemeinen deutschen Parteitag ausgesprochen. — Konservative Verdächtigungssncht. Die , K r e»,- Z e i t u>, g" veröffentlicht in ihrer Abendausgabe vom 5. Juni eine der„Konservativen Korrespondenz' entnommene Roliz über die Betheilignng der Sozialdemokratie an den Landtagswahlen, in welcher es heißt: ..In„schwebender Pein' hangt und bangt der Freisinn. Er weiß noch immer nichts genaues, ob die maßgebeuden sozial- demokratischen Parteiführer für oder wider ein Landtags-Wahl- bündniß seien.„Genosse" Liebknecht hat sich kurz und bündig da- gegen erklärt; das schmerzte den Freisinn. Heute aber erfüllte wieder frohe Hoffnung dessen Busen, weil„Genosse" Bebel in seiner zweideutigen Art im„Vorwärts" geschrieben hat. es könnte sein, es könnte aber auch nicht sein; die Sache müßte reiflich überlegt werde n." Soweit diese Notiz Bebel betrifft, ist sie völlig erlogen. Bebel hat sich im„Vorwärts" nur einmal über die Betheiligung der Sozialdemokratie an den Landtagswahle» geäußert, und zwar in dein Leitartikel in der Nummer vom 2. Juni. Dort lantet aber die Stelle, die hierauf bezug hat, wörtlich: „4. Muß die Partei durch energische Betheilignng an allen Mahlen, bei denen Arbeiter ihre Stimme abgeben können, die Zahl der Volksfeinde zu dezimiren oder ganz hinauszuwerfen suchen." Diese Aeußerung ist eben so klar als bestimmt und zeigt, von der angeblichen„zweideutigen Art' keine Spur. Es ist zwar nicht unsere Weise, allen Verdächtigungen der Gegner in jedem Falle entgegenzutreten, denn das würde eine zu mühsame Ausgabe sein. Aber die Versuche der konservativen Organe, den Charakter Bebel's zu verdächtigen, werden so si)ste»ialisch und so wider besseres Wissen betrieben, daß sie doch einmal angenagelt werden müsse. Die„P o st", das Leiborgan des Herrn v. Stumm, nimmt den Ober- staatsanwalt Drescher in Schutz gegen die Erklärung Bebel's in der Sonn- abendnummer des„Vorwärts". Das ist bei der„Post" selbstverständlich. deren Redakteure die Aufgabe haben, im Sinne des Herrn v. Stumm den Kampf für Religion, Sitte und Ordnung zu führen. Aber die„Post" irrt sich, glaubt sie durch Befolgung ihres Raths gegen Bebel und andere sozialdemokratische Ab- geordnete, dieselben so oft als möglich zu eidlichen Zeugen- Aussagen wegen ihrer Reichstagsreden zu nöthigen, diese«in- zuschnchtern. Dieselben werde» nach wie vor thun was sie für ihre Pflicht halten und sich weder von der „Post" noch Blättern ähnlichen Schlages davon abhalten lassen. Zu Eillärnngen k la Stumm zu greifen, haben sozialdemokratische Abgeordnete bisher nicht nölhig gehabt.— — Pastor Kötzschke ist auS dem Anit geschieden. Da er der vom Oberkirchenrath gegen ihn ausgesprochenen Versetzung in de» kleine» östlichen Ort Sierakoivitz nicht nachkommen wollte, so hat er seinen Dienst überhaupt quiltirt. Die Eiferer der Kirch« sind zugleich die Hüter Mammons! Wehe dem Geistlichen, der es mit Mammon verdirbt! — I n der Frag« der Militär-Strafprozeß- Ordnung soll, wie der„Hamb. Korresp." wissen will, ein Korn- promiß zwischen Bayern und Preußen angebahnt werden. ES soll ein bayerischer Senat beim obersten Militär-Gerichlshos eingerichtet werden. Wie dem auch sei, in jedem Fall ist es höchst skandalös, daß um dieser Kompeteiizstreitigkeiten willen die Reform der Militär- justiz immerfort in die Ferne geschoben wird.— — Friedenskonferenz. Die interparlamentarische riedenskonferenz der bürgerlichen Kriegsgegner soll in diesem ahre im Nationalpalaste zu Brüssel am 6. August zusammentreten. Auf der Tagesordnnng stehen u. a. die Neutralität, der ständige internationale Schiedsgerichlshof, politischer Kongreß der sekundären Mächte.— — Da? Weimaris che EtaatSministerium giebt bekannt, daß die L a n d t a g S w a h l e n im September d. I. statt- finden sollen. — Chronik derMajestätSbeleidigungS-Prozefse. Ei» Majestätsbeleidigungs- Prozeß wurde am Dienstag vor der Strafkammer I in Altona unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit geführt. Angeklagt war der polnische Arbeiter Kelbch, der bei der Zenleuarfeier in Elmshorn mit drei anderen Arbeitern über Militärsachen in Streit und Schlägerei ge- rathen war und sich dabei beleidigender Aeußernngen über den den deutschen Kaiser bedient haben soll. Gr leugnete, wurde aber der Körperverletzung und der Majestätsbeleidigung schuldig befunden und dieserhalb zu einer Gesammtstrafe von vier Monaten Gefänguiß verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte acht Monate Gefäiigniß beantragt.— Echtveiz. Bern, 7. Juni. Die landwirthschaftlichen verein« der Schweiz haben sich zu einem„Schweizerischen Bauernverband" vereinigt be- Hufs Wahrung der gemeinsamen Interessen, namentlich auf dem Gebiet« des Gesetzgebung und der Handelspolitik, und die Gründung «iues schiveizerischen Bauernsekretariats alS gemeinsamer Zentralstelle beschlossen, für welches die Unterstützung des Bundes verlangt wird.— ver«, 8. Juni. Die Bundesversammlung ist' heut« zu der ordentlichen Sommersession zusammengeireten. Der Nationalraih wählte Grieshaber-Schaffhanfen(radikal) zum Präsidenien und Thelin-Waadt(radikal) zum Vizepräsidenten. Der Etänderalh wählte Raschein-Graubündeu(radikal) zum Präsidenten und Hildebrand- Zug(klerikal) zum Vizepräsidenten.— Frankreich. Pari», 6. Juni.(Eia. Ber.) Die Interpellation über den Kohle ngräber st retk in Grand' Combe wurde in der Sonnabend-Sitzung der Kammer nicht zu Ende gejührt infolge eines heftigen Zwischenfalles, von dem weiter unten die Rede ilt. Sachlich ist aber die Debatte bereits erschöpft. Die Bergarbeiter- Abgeordueten, Basly und Lamendin, sowie der sozialistische Abge- ordnete Faberot haben ans grund ihrer persönliche» Erforschungen im Sireikgebiet ein ergreifendes Bild von dem Ausbeutungs- und Unterdrücknugssystem der Grubengesellschast entworfen. D>e Ursache des Streiks, die Entlassung von 575 Arbeitern unter dem Vorwand des schlechten Geschäsisganges ist ein letztes Glied in der Kette der wirth- fchaftlichen, politischen und religiösen Knechtung der Arbeiter. Der Direktor Gras sin, ein klerikal-utonarchisiischer Parteigänger, wie so viele französische Großbourgeois, suchte feit Jahren sein Arbeits- personal zu politischen Stimmvieh-Diensten zu zwingen. Zu diesem Zwecke hatte er ohne Rücksicht ans die Betriebsbedürfnisse hunderte von Bergarbeiter» in Arbeit genommen und die„treneften" der- selben mit Aufseher- und Angestelltenposte» belohnt. Grasfin wurde denn auch zum Bürgermeister und sein klerikal-monarchistischer Freund, de Ramel, zum Abgeordneten gewählt. Die Anwerbung von über- flüssigen Arbeitskrästen zu Wahlzwecken erwies sich indeß mit dem Er- wachen des Klassenbewußtleins der Arbeiter als zwecklose Verschwendung. Daher die Massenentlossung, welche natürlich die Wide, haarigste» Elemente traf. So wurden sämmtliche Mitglieder des Gewerkschaftsvorstandes bis auf zwei geniaß- regelt. Und noch eine zweite Fliege schlug der Protz mit der- selben Klappe. Er hat vorzngsiveise ältere Arbeiter gemäß- regelt, die dem pensionsberechtigtenAlter nahe stehen. Der gesetzlich vorgeschriebene Reservefonds der AltersversorgungS- lasse, zn 5/8 ans Arbeitergroschen zusammengesetzt, wurde von der Vmvaltmtg verthan, theilweise für den Bau und Unter- halt von Kirchen und Kapellen, zu deren fleißigem Besuch die Arbeiter angehalten werden. Daneben blüht ini frommen Betrieb ein räuberisches Trucksystem. Die Arbeiter sind gezwungen, ansschtießlich in den Waareninagazinen der Ge- sellschaft zu kaufen. Zu diesem Zwecke wird jedem neu eintretenden Arbeiter der ganze Lohn für den ersten Monat beschlagnahmt für Rechnung seiner Einkäufe in dem Truckladen. Die Gesellschaft ver- dient so bis zu 2S pCl.! Basly legte zum Beiueis die Rechnung eines Lieferanten für den Truckladen vor... Ter Verlauf des Streiks hat bis zur Evidenz gezeigt, daß die Massencntlassuug mit dem vor- geschützten schlechten Geschäftsgang nichts zn thun hat. Nicht nur haben die Arbeiter sich erboten, so lauge als noth wendig schichtenweise 1 oder 2 Tage pro Woche zn feiern. Der Hanptingenieur Furnat erklärt« de» Vorschlag für durchführbar. Dafür wurde er aver kurzerhand gemaßregelt. Und die Regierung? Aus der Antwort T u r r e l' s, des Ministers der öffentlichen Arbeiten, geht hervor, daß sie sich darauf beschränkt hat, von den Eisenbahnen billigere Frachtsätze für die Grand' Combe-Kohlen zu erlangen, um der Gesellschaft die Konkurrenz mit der englischen Kohle zn ermöglichen. Im übrigen sanktionirte sie den Raub ber Gesellschaft an den Pensionsgelderu der Gemaßregellen, indem sie die enllaffenen Kohlengräber mit— Erdarbeilen in einem benachbarten Departement abzufinden versuchte. Und wie im Streik- gebiet Militär, Polizei und Richter mit den Agenten Grnifin's um die Welle die Ausständigen provozirten, um sie dann verhaften und verurtheilen zn können, so trat auch der Minister i» der Kammer zynisch als der Auwalt der Gesellschaft auf. Er suchte die doku- meutarisch belegten Anschuldigungen der Jnterpellante» durch lügnerische Berichte der Gesellschaft zn entkräften. Das mußte einen Entrüstnngssturm auf den sozialistischen Bänken enlsesseln. Die Eitlrüstimg erreichte ihren Höhepunkt, als Tnrrel sich auf eilt ihm von der Gesellschaft zugegangenes Schriitstück derief, wonach die Arbeiter„freiwillig" die Abänderung der Statuten der Alters- lasse, das heißt den widergesetzlichen Raub seitens der Gesellschaft mit ihren Unlerschristen gutgeheißen hätten.—„Mit ihren Unter- schriflen?!" rief Genosse Görault-Richard,„ich fordere Sie heraus, nnS diese Unterschritten zu zeigen!" Der Minister hütete sich aber wohlweislich, das zu thun. Nun ging der Lärm los. Die Regterttngsmamie» vergaßen sich so weit, die einzelnen sozialtstischen Abgeordneten beim Präsidium zum OrdutmgSruf zu denunziren. Das zog ihnen von feiten Gsraull-RichardS die Bezeichnung:„Spitzel" tnoiicbards) zu. DerPräsidentB risso n.der von jeher eine anegesprochene Parteilichkeit gegenüber den Sozialisten zeigt, überschritt sein Recht und die Geschäftsordnung in der gröblichsten Weise, indem er gegen Gsrmilt-Richard gleich die höchste Ordnungsstrafe beantragte: die� Zensur mit der zeitweiligen Ausschließung aus der Kammer. Noch mehr, trotzdem die Abstimmnng durch Auf- stehen ein zweifelhaftes Resullat ergab, widersetzte er stch der noch- maligen Abstimmung mittels Stimmzettel und erklärt« die Strafe für beschlossen... Er irnrd das noch bitter abbüßen. Nachdem ttnser Genosse, den willkürlichen Beschluß mißachtend, erst der M i l i t ä r g e w a l t gewichen und die Sitzung wieder ausgenommen worden war, ver- langte Jaurös das Wort, um mit der Geschäftsordnung in der Hand gegen den Willkürakt des Präsidenien zu protestiren. Brisson entzog ihm einfach das Morl. Erneuter Sturm. Brisson wurde von den Sozialisten und sozialistischen Radikalen mit einem Hagel von Worlpfeilen überschüttet:„Alte Kanaille! Miffethäter! Verräther!" u. s. f. flog ihm nur so an den Kopf, bis er die Sitzung aushob und schlennigst stch aus dem Staube niachte. Die Forksetzung solgt in der nächsten Sitzung, die auf Donnerstag anberaumt ist. Während deS Sturmes rief ein radikaler Abgeordneter dem Präsidenten zu:„Sie werden doch nie Präsident der Republik sein!" Dieser Zuruf ist die Erklärung für das gewaltsame Vorgehen des radikalen Brisson. Trotzdem er zum Kammerpräfidenien mit ilfe der sozialistischen Stimmen gewählt wurde, sucht er durch die rangsalirung der sozialistischen Abgeordneten sich die Sitmmen der Ordnungspaiteiler für die zickünsligen Präsidenlfchaftswahlen zu sichern. Vergebliche Mühe! Denn andererseits muß er von Zeit ztt Zeit den Radikalen herauskehren. So sitzt er denn glücklich zwischen zwei Stühlen. Die sozialistische Kammerfraktion hat ihm in einem von 44 Abgeordneten unterzeichneten M a n i s e st förmlich den Krieg erklärt.— — Die Szene der Ausschließung Gerault- Richard'? wird von der„Franksurler Zeitung' in folgeuder Weise geschildert: Der Präsident fordert ihn ans, den Sitzungssaal zu verlassen. Gerault verweigert die?. Die Sozialisten rufen ihm zu:„Dableiben! Nicht fortgehen!" Der Präsident erhebt sich und erklärt die Sitzung für stispendirt. Die Huissiers lassen die Tribünen des Publikums und der Presse räumen. Auf Befehl des Präsidenten verlassen die Depnlirten den Sitzungssaal. Nur Gerault- Richard und 20 Sozialisten bleiben auf den Bänken. Die Quästoreu ver- handeln zunächst mit Görault-Richard, um ihn zum Verlassen des Sitzungssaales ans gütlichem Wege zu bringen. Er und die Sozia- listen wollen jedoch nickt»achgeben. Schließlich befieblt der Präsident das Einschreiten des Militärs. Acht Mann von der Marine-Jn- fanterie, geführt von vier Sergeanten des Kammerdiensipersonals, betreten den Saal. An der Spitze des P�queiS geht ein Oberst, der den Wachldienst im Palais Bonrbon kommandirt. Einer der Quäftoren fordert Ssrault nochmals zum Verlassen deS Saales aus. Görault erklärt, er werde bis an die äußerste Grenze seiner parlamentarische» Rechte gehe». Der Oberst legt ihm hierauf die öand auf die Schulter und fragt:„Weichen Sie der Gewalt?" Görault antwortet:„Ja, aber ich konstatire, daß unter der Republik wie unter dem Kaiserreich ein Vertreter des Volkes in dieser Ver- ammluitg nicht zum Worte gelangen kann." Gsranlt verläßt hier- aus den Saal mit dem Rufe:„Es lebe die soziale Revolution! Schmach den Feiglingen!"— Spanien. — A n a r ch i st e n a u S w e i s u n g. Die infolge des Bomben- attentats von der Cambiosstraße in Barcelona vcrhafleten Anarchisten, welche in dem großen Anarchisteitprozeß freigesprochen wurden, wurden am S. d. M. aufgefordert, Spanien binnen drei Tagen zu verlassen. Die metsten von ihnen erklärlen, daß sie nach Frankreich zehen wolle», und einige nach Argentinien, Nordamerika, Brasilien, Tunis, Algier und England. Einer von ihnen sagte mit Humor, er wünsche als Oberbefehlshaber nach Kuba geschickt zu werden, um dort die Reformen einzusühr««. Alle weigerten stch. das AnSweisnngS- Protokoll zu unterzeichnen. — Herr CanovaS wird Ministerprästdeut bleiben. Die Krifts soll damit beendigt sein. Thatsächlich aber werden die Libe- raleu den Kampf gegen den mit recht gehaßten Reaktionär von neuem ausnehmen.— Dänemark. — Die Leistungen des dänischen Landesthing. Nach einer achlinonallichen Legislaturperiode ist der Reichstag ge- schloffen worden. Er hat in dieser Zeit 44 Gesetze angenommen, von denen mich nicht eineS«in Reformgesetz ist. An wem liegt die Schuld? Fast nur am Landesthing. Der Folke- thing ist eifrig in dieser Richtung thätig gewesen. Schon im November wurde von diesem der Aitlrag ans geheime A b- st'immung zum Landesthing mit SS Stimmen gegen II angenommen. Der Landesthing überwies ihn einer Korn- ntisston, in der er noch sanft schlummert! Ein An- trag ans Teichstellung der Landstädte mit Kopenhagen hinsichtlich der Bürgermeister- Wahlen, wurde vom Landesthing znrtickge'viesen. Das vom Folkething mit 89 gegen 3 Stimmen an- genommene Schulgesetz kam im Landesthing nicht einmal zur zweiten Behandlung. Bei den weiteren Refotwanträgen der Arbeiter-Unfallversicherung, der B e r k ü r z n n g der Arbeitszeit in den Bäckereien, der Beseitigung der Be- fesiigttngen Kopenhagens und einer Aenderung der Uutersuchnngs- hast versagte schon ein Theil der Linien des Folkething. Tie Unfallversicherung wurde in der verstümmelten Form. daß sie nur für die Fabrikarbeiter gelten sollte, vom folkething angenommen, der Landesthing begrub sie auf einen rötest der Großindustriellen hin in seiner Kommission. Ebenso erging es dem Antrag aus Aenderung der Untersttchungshnft. Einern Antrag ans ein Vorrecht der Lobusordernng der Dienftboien im Koiiknrsfalle. wurde die zweite Berathung im Landesthing ver- weigert! Die Anträge der Sozialdemokratie auf Einführung des Sstiindigen Arbeitstages und Verkürzung der Arbeitszeit i.. den Bäckereien scheiterten schon im Folkething. Ein Antrag ans Ein- sührnng der Zivilehe ward im Folkething angenommen, im Landesthing abgewiesen. An weiteren Antragen gingen dem Folkething von der Re- gierniig zu das„Anstedeliingsgesetz", eine Zollreform des Brannt- iveinstener-Gesetzes und ein Eintrag auf Aenderung der Berinögens- und Sinkommenstener. Das Ansiebelungsgesetz ward in erweiterter Form vom Folkething angenommen. Auch all die ander» Gesetze fanden im Folkething eine schnelle Behandlung und versprachen Verbesserungen, wenn auch die weilergehenden Wünsche der Sozialdemokratie nicht gehört wurden. Da aber erklärte der Landesthing am I. April, er weigere sich, diese Resormgesetze zu berathe», so lange die Ministerkrise nicht gelöst sei, die der Landesthing übrigens selbst hervorgerufen halte. Endlich nach Bei- legung derselben hat er das Ansiedelungsgesetz beralhen und darüber eine Entscheidung gefällt, die das Gefäß der Sünden des Lavdesthing zum Uederfiteßen bringen dürfte. Wir haben seiner- zeit anssührlich über dieses Gesetz berichtet. Ist es unter dieien Umständen ein Wunder, wenn sich in weiteren und immer weiteren Kreisen der Ruf erhebt: Nieder mit dem Landesthing? Kann eine Justtlution noch fortbestehen, die jede zeitgemäße Eutwickelung des Staatswesens wegen ihrer Sottderinteressen tinmöglich macht?— Afrika. — Rußland und Abessynien. Die Petersburger „Nowoje Wiemja" bemerkt aus Anlaß der Thatfache. daß in Abessynien eine russische diplomatische Mission gegründet werden soll. dieselbe werde friedlichen und kulturellen Zwecken dienen. Rußland werde Abessynien helfen, die ersten Schritte vom Weg« eines primitiv patriarchalischen Lebens zur Zivilisalion zu machen. Man weiß, was hinter diesen Redensarten steckt. Rußland stärkt Menelik zum Trutz gegen England.— Asien. — Der Konflikt zwischen Japan und Hawaii. von dem wir früher schon berichteten, nimmt verschärfte Formen an. Nach einer Meldung des„Reuler'scheu Bureaus" vom Montag hat die Regierung von Hawaii es abgelehnt. Japan die Genug- thuung zu geben, welche dieses verlangle, weil die Regierung von Hawaii sich geweigert hatte, die Landung von 400 japanischen Ein- Wanderern zn gestalten. Japan hat erklärt, die diplomatischen Be- ziehungen mit Hawaii abbrechen zu wollen. Bekanntlich stehen die Vereinigten Staaten in diesem Konflikt auf der Seite de? kleinen Südseestaatswesens. Amerika. — Washington, b. Juni. StaatSsekreiär Sherman über- sandte dem Senate einen Brief des östetreichisch-tingarischen Gesandten Dr.». Hengelmüller. in dem gegen die Anwendung von Differentialzöllen auf Zucker ans Ländern, die Exportprämien zahlen, als der Meinbegünstigiing zuwiderlaufend Einspruch erhoben wird. Oesterreich-Ungarn hoffe, die Re- gierung werde den Kongreß über die den Vereinigten Staaten aus dem Vertrage erwachsenden Verpflichtungen aufklären und die Annahme der Differentialzölle verhindern, gegen die Oesterrreich-Ungarn von neuem Einspruch zn erheben penöthigt wäre, wenn dieselben end- giltig angeitommen werden sollten. Der Brief ivnrde der Finanz- kommission überwiesen. H a v a n a. 7. Juni. DaS Amtsblatt veröffentlicht heute daS Dekret, durch welches die Reformen auf Kuba eingesührt werden. Die Botschaft hör' ich wohl, aber der Glaube an diese spanischen „Reformen" fehlt.—_ Sechster österreichischer sozialdemokratischer Parteitag in Wien. Wien, den 6. Juni 1897, In dem festlich mit rothen Draperien, zahlreichen Inschriften, der Büste von Laffalle und den Bildern von Marx und Engels ge« schmückten Saale des Hotel Himberger(der Besitzer ist antisemitischer Geineinderaih), ist am Sonnlag Vormittag der sechste österreichische sozialdemokratische Parteitag eröffnet worden. ISODelegtrte aus allen Theilen Oesterreichs sind erschienen, damnter vollzählig die 14 Mann stark« sozialdemokratische Fraklion des Reichsralhs, außerdem Engel- bert Pernerstorfer und der Vorsitzende der österreichilchen Partei- Vertretung Dr. Viktor Adler. Die deutsche Partei ist durch den Abg. Molkenbnhr und den Parteisekietär Pfannkuch vertreten. Popp-Wien eröffnet den Parteitag unter Hinweis auf den Wendepunkt in der Parteigeschichle, auf die erste parlamentarische Vertretung der Partei. Dann übermittelt Pfannkuch- Hamburg dem Parteitage die Grüße der deutschen Sozialdemokratie. Er betont, die Solidarität der beiden Parteien, deren Lebenselement der Kampf sei. Kampf mußten wir schon von Anbegiuii an üben, als wir Sozialdemokraten wurden, Kampf wird sein, bis wir nitfer Programm verwirklicht habe». Di« ganze Gesellschaft ist gegen uns und muß es seilt, denn wir sind ihre geschivorenen Feinde. Wir sind sicher, daß wir die alle bürgerliche Gesellschaft überwinden werden. Wir könne» es der bürgerlichen Gesellschaft nicht verdenken, daß sie sich ihrer Haut wehrt, daß sie alle Maßregeln ergreift, um den Entwickelungsuaug derSozialdeniokrati« aufzuhalten. JuDeutschland haben wir verschieden« Phasen im Verhalten der bürgerlichen Gesellschaft uns gegenüber z» verzeichnen. Verschiedene dieser Phasen gebören bereits der Geschiente an; das Dulden und Leiden der Genossen unler dem Sozialistengesetz war es, das jene unauflöslichen Baude geschmiedet, welche es uns ermöglichen werden, auch die Stürme und Kämpfe der Zukunft zu iiberwiiiden. Preußen schickt sich an, reaktionäre Maßregel einzuleiten, bezw. auf dem Wege des Partikularismus im ganzen geeiuigten Deutschland zur Durchführung zu bringen. Wir Kaden dieses Beginnen anfangs völlig ignorirt und erst. alS wir sahen, daß noch einmal die unter dem ersten Reichskanzler beliebte Taktik, die wir abgelhan glaubten und die im Wesen daraus bin- ausläuft, die Sozialdemokratie zu zwingen den Kampf in einem Augenblick auizuiiehnten, wo es ihr nicht angenehm ist, gebot es nicht nur der Selbsierhallungslrieb, sonder» auch die ganze Tradition der Partei, den Kamps energisch auszu- nehme». Der Redner bespricht bieraus die Wiener Wahlen und verweist darauf, daß auch in Deutschland anfangs die Hoffnitngeit, die man an das allgemeine gleiche Wahlrecht geknüpft, getäuscht worden sind. Laffalle selbst bat das allgemeine gleiche Wahlrecht alS eine zweischneidige Waffe bezeichnet, die zu führen erst gelernt sein muß. Es giebt Parteigenossen, denen unsere Bewegtmg zn langsam grhr. Wir werden gewiß alle lieber morgen als übermorgen die Knecht- schuft beseitigen, aber wir müssen»nS sagen, daß. wollen wir das Errungene festhalten, wir Etappe um Etappe erobern niüssen und von der erprobten Taktik nicht abgehen können� Pfminkuch schließt nnter lebhaftem Beifall mit den Worte»: Wir haben bisher in Freud nnd Leid Schulter an Schulter gekämpft, möge es auch fernerhin so sein. Eine längere Debatte entspinnt sich hierauf über die Frage, ob der Parteitag den bekanntlich von antisemitischer Seite eingeleiteten Tramwaystreik unterstützen solle oder nicht. Schließlich wird ein Antrag mit großer Mehrheit angenoinmen. der den streikenden Arbeitern die Sympathie des Parteitags und Unterstütz»»« seitens der Partei zugesichert. Nachmittags tritt dann der Kongreß in seine Tagesordnung ein. Schach m ei e r. Wien erstattet den Parleibericht, Dr. Ellenbogen- Wien den Kassenbericht. Beide gaben dentliche Zahlen von dem Wachsthum und dem Aufschwung der Partei. Mit dem Ausfall der Wahlen erklärten sich die Referenten im große» und ganzen be- friedigt, das Resultat der Wiener Wahlen natürlich ansgenommen. In der den Referaten folgenden Debatte unterzieht Dr. Adler den Ausfall der Wiener Wahle» einer längeren Besprechung nnd kommt dabei zu dem Schluß, daß die Sozialdemokratie den Bediente» aller Kategorien, die von den Antisemiten au die Urne gebracht worden sind, nnlerlegen sei. Nachdein der Parteivertretung Decharge ertheilt ist, wird die Fortsetzung der Verhandlunge» aus Montag früh 9 Uhr vertagt. Zweiter VerhandlnngZtag. Wien, 7. Juni 1897. Der Vorsitzende Zeller-Teplitz eröffnet die Verhandlung nach 9 Uhr nnd giebt dem Abg. Dascynski- Krakau das Wort zu seinem Referat über die parlamenlarische Thätigkeit. Er verweist auf die Thatsache, daß die Jnternationalilät der Sozialdemokratie i» dem sozialdemokratischen Parteiverband des österreichischen Ab gevrdnetenhauses zum schönsten AnSdriick gelangt sei. Ju dem Klub sei das Proletariat aller Znngen, Deutsche, Czechen nnd Pole» vertrete» gewesen. Die radikale ruthenische Partei habe um Aus nahnie ihres Vertreters in den Verband ersucht, man habe aber eifersüchtig auf die Reinheit des Verbandes gehalten nnd den jung radikalen Rulhenen Dr. Jarostewicz nur als Hospitanten aufgenommen. Trotz der kleinen Zahl seiner Mitglieder habe der sozialdemokratische Verband die erste kurze Tagung bereits beherrscht. Di« Sozialdemokratie habe das Parlament schon dahin gebracht, zum ersten Male anständig zu sein und einen eingekerkerten Genossen zu befreien. Der Kampf werde fich gegen daS in Oesterreich, wenn auch lalent, herrschende Panama richten, man werde zeigen, daß auch im österreichischen Parlament eine ganze große Bande von Glücks- nnd Jndustrieritter» sitzt, die entlarvt werden niüssen. Der erste Antrag ven unserer Seite galt dem allgemeinen gleichen Wahl- recht. Es muß errnngen werden, nnd wird in dem neuen Wahl- rechtskampf, der über kurz oder lang entbrennen nrnß, errungen werden. Die Partei habe auch selbstverständlich zur Sprachen- Verordnung Stellung genommen. Die Abgeordneten haben auch außerhalb des Parlaments eine rege Thätigkeit entwickelt. Kein sozialdemokratischer Abgeordneter habe ein Duell zu bestehen gehabt(Große Heiterkeit), aber auch keine Rbbitteleistimg. Als die Geßmann, Allemarnt, Mittermeyer mit ihren antisemitischen Gemein heilen an uns herantraten, da besannen wir uns einen Augenblick, ob wir nicht die„Walschenpolitik" befolgen sollten, die uns hier und da anempfohlen war.(Heiterkeit.) Wir habe» u»S aber gesagt. wir wollen mit der Watschenpolitik nicht den Anfang machen, wollen erst die moralischen Kampfmittel erschöpfen nnd die brutale Gewalt vermeiden. Also wir warten noch mit de»— Watsche»(Große Heiterkeit.) Wir haben auch nicht antichambrirt. Wir haben uiiS an den wüsten Lärmszenen nicht betheiligt, aber gegen jede Verkürzung nuserer Rechte protestirt. Wir werden uns auch in Znknnft so verhalten, dem Badeni aber werden wir nicht aushelfen, wenn er fallen sollte. Daß er Besitzer eines Gedankens ist, hat Graf Badeni noch nicht bewiesen. Die Regierung war die Besiegte, als st« die Session schließen mußte. Ueber die Drohung mit der Abschaffung des Parlamentarismus erschrecken wir unS nicht. Im Parlament ist das Wort von der tausendjährigen Geschichte Oesterreichs ge- sprachen worden. Für das Volk ist sie nnr ein« tausendjährige Ge- schichte von Thränen. Galizien, das nur durch den Raub an Oestev reich gefallen ist, soll eine geschichtliche Individualität haben. Schlesien, das unS immer an die Uebermacht Preußens erinnert, unS inimer an die Prügel niahnt, die wir von den Preußen de- kommen, diese paar Fetzen Landes solle» eine geschichtliche Jndi- vidualität sein? Es ist Lüge, nichts alS Lüge.(Beifall.) Wir sind Anlonomisten, aber Autonomisten im Sinne einer wahre» Bolksautonomie. Wir fordern ein freies Preß- und Versammluugs- recht,«ine freie weltliche Schule und für jeden das Recht, sich in feiner Muttersprache zu bethätigen. Unsere Autononiie bedeutet nicht die Auflösung der Nationen, wir heben nicht das Trennende hervor und haben den Nationalitätenhader überwunden. Ich will keinen Wetterpropheten spiesen, aber wir haben uns schon in schwierigeren Situationen befunden, wir könne» getrost in die Zukunft blicken und werden in dem Kampfe uns die Unterdrücker des Volkes vom Halse zu fchaffe» wissen.(Lebhafter Beifall.) Ueber die Taktik der Partei hält hierauf Dr. Viktor Adler ein Referat. Wir haben in der parlamentariscken Vertretung ein neues Organ der Partei uns erobert. Die Qualität steht weit über der Quantität. Hätten wir ein wirkliches Wahlrecht,«in europäischesfWahlrecht, so besäßen wir statt H: 8S Abgeordnete. Die parlamentarische Vertretung steht in gar keinem Verhältnisse zur Arbeiterschaft überhaupt, ja nicht einmal zur sozialdemokratischen völlig klassenbewußten Arbeiterschaft überhaupt. Deshalb muß die Taktik der Partei a»S dem Volke heraus bestimmt werden. Uns liegt es jetzt ob, drei Gefahren gegenüber zu treten. Die erste be- steht in der wieder zunehmenden verdumnnmg und Verpfaffung. Die Christlich Soziale» leisten der Verpfaffung nur Vorschub. Herr Lueger empfiehlt sich jetzt weniger als Bekämpser des jüdischen Kapitalismus, sondern als der Arzt, der daS einzige sichere Mittel gegen die vaterland-lofe Sozialdemokratie in der Hand hat. Er in ächte die Arbeiterschaft als Schulpferd reiten, es bändigen nnd in gemessenen Trab gegen den jüdischen Mammonismus bringen für den christlichen. der auch jüdisch ist. Heute haben die Liberalen mehr Angst vor der Verpfaffung, als die Arbeiter. Die Arbeiter werden aber ihren Mann stehen. So stark ist Oesterreich nicht, als daß eS einen Sturm aushalten könnt«, wie der sein würde, der toben würde, sollte mit der Verpfaffung wieder Ernst gemacht werde».(Beifall.) DaS zweite, was uns obliegt, ist die Beseitigung des Nationalilätenhasses. Die Aufgabe hätie längst der Bourgeoisie obgelegen, sie hat sich un. fähig dazu erwiesen. Wir haben den Begriff des Jnter- Nationalismus weiter entwickelt, denn Oesterreich ist die Sxperimentirkaninier deS Internationalismus, nach den heutigen Zu- ständen vielleicht besser gesagt, die Sudelküche. Das Problem. da? die Bourgeoisie nicht zu lösen vermag, wird die Sozialdemokratie lösen, und sie ist auf dem Wege dazu. Daszynski hatte Recht, als er im Parlament sagte: Ich bin Pole und internatlonaler Sozial- demokrat. DaS ist die Lösung. Sie würde leichter sein, wenn man uns hübsch allein ließe. So aber besteht die Gefahr, daß sich die Arbeiter, durch die Opposition gegen die Regierung und all« staalliche Zlutorität, die dem Arbeiter inimer ge- fällt, von den Deutsch> Nationalen einfangen lassen. Wir müssen ein engeS Gesüge der sprach- verschiedenen Ar- beilerschaft schaffen. Das geht aber nicht mit Uniformirung, fondern nnr unter Berücksichtigimg der praktischen Ver- hälinisse. Ter internationale Standpunkt wird das wichiigfte im Befreiungskämpfe der Sozialdemokratie sein. Bei der Sprachen- Verordnung hat stä> Badeni. der un« als ein sehr psisfiger Bursche empfohlen war, als sehr schlechter Händler erwiesen. Die Leute lebe» vom Nalioualitälenzwist wie die Maden vom Käs«, aber er miißle ei» paar Koiizessioiien mache», um den Staals- karre» ein paar Schritte weiler schieben zu könne»! Er hat die Jungczechen gewonnen, ist aber ihr Gesangeuer; er hat die Deutschen vor"den Kopf gestoßen und diese Jammerkerls, von denen kein Hund mehr ein Siück Brot nahm, wieder in die Rolle der Helden gebracht. Sie sehen wieder etwas repniirlich ans, so daß sie wieder unter anständige Leute gehen können. Wir waren mit der Spracheiiverordnuiig in manchen Slückeu einverstanden, wir durften aber das Kabinet Badeni nicht stärken, nmsoiveniger als der Lueger wieder eine feiner gewöhnlichen Verräthereien dabei verübt hat. Die dritte Frage. die in de» Vordergrund unserer Partcitaklik treten muß, ist die Frage des Arbeilerschnhes im weitesten Sinne des Wortes. Sie ist hinter dem Kamps ums Wahlrecht etwas zurück- getreten. Wenn die Regierung demnächst die Aerlängernng des Wchrgefetzes verlangen wird, werden wir gegen den Militarismus ganz energisch Stellimg nehmen. Es handelt sich hier auch um physischen Arbeiterschutz; den Antrag, daß die Familie» der Militär- Pflichtigen für de» Lohneutgang entschädigt werden sollen, werde» ivir unterstützen. Redner lündigt schließlich für de» Herbst eine starke Bewegung für die Erriugung des allgemeinen Wahlrechts für den Gemeinderath von Wie» an. Der Anwalt des christliche» Volkes soll endlich einmal gefragt werde», was er für die Ausbreitung des aNgenieiue» Wahlrechts bisher gethan hat. Die Herren sehen ja jetzt initleidig lächelnd auf die Sozialdemokratie herab, wenn sie unsere Partei so gering schätze», brauchen sie uns ja nicht zu fürchten und können das avgeineine Gemeinde-Wahlrecht einführen. Die EozialdemokraUe ist die wichtigste Partei i» Oesterreich. Man nennt uns die Partei Wolkenkukuksheim. Aber die Gegner sind Utopisten, weil sie glauben, die jetzige Schweinewirthschaft könne anfrechierhallen werden. Wir sind Realisten im besten Sinne des Wortes. Daß unsere Parle! auch eine» ivissenschafllich festen Boden hat, ist ihr»och nebenbei voriheilhaft. Die anderen machen uns ja nur alles nach, die Christlich-Sozialen sind nnr die Assen der Sozialdemokratie. Sie bringens aber nicht fertig, sie führen arbeiterfreundliche Phrasen im Munde, aber sie thnn nichts für wirkliche» Arbeiterschntz. Wir allein können die Arbeiter kräflig genug machen, mit dem Kapitalismus aufzuräumen.(Lebhafter Beifall.) In der nun folgenden Diskussion macht sich fast allgemein Zu- stiinnmiig zu den beiden Referaten geltend. B ro t-Wien greift de» Genossen Adler a», weil er angeblich nicht scharf genng gegen die Antisemiten vorgehe und jüdische Eleniente in der Partei zurück- dränge, nur um nicht in den Verdacht der Judenknechlschast zu kommen. DaS jüdische Proletariat werde zu wenig berücksichtigt von der sozialdemokratische» Bewegung.(Widerspruch.) Gerade durch Adler und den deutschen Abg. Singer sei es verhindert worden, daß der Brüsseler Kongreß gegen den Anlisemitismus Stellung genonniien habe.(Widerspruch.) Engelbert Pernerstorfer knüpft an die eben gehörte Rede Brot's an. Die Taktik, die Antisemiten etwas zu schonen, ivar be- rechtigt, so lange die liberale Koalition am Ruder war. Heute ist ein« andere Taktik gegen die Antisemiten, die ihr psäsfisches Gepräge nnverhüllt zur Schau lragen, selbstverständlich. Wir find ebenso selbstverständlich für volle Gleicbderechligung oller Juden, nur nicht für die Gleichberechtigung, welche geivisse Juden selbst verlangen. Es giebt nämlich Juden, welche die Gleich- berechtigung fosort verletzt glauben, wen» sie nicht erreichen, was sie erreichen wollen. So hat mir Genosse Adler von einem Inden erzählt, der fich verletzt fühlte, weil er oder sein Sohn nicht General geworden ist. Wir mache» dem Jude» in der Partei keinerlei Schwierigkeiten, aber wir künnen ihm doch nicht nur, weil er ein Jude ist, sofort ein« sübrende Siellung einräume». Bor zwölf Jahren war die Sozialdemokratie noch von dem fleisch- und blutlosen JnternationaliSmns erfüllt, jetzt steht sie ans dem Boden des realistischen Jnternationalisinus niid ich Hab« mich ihr deshalb angeschlossen. Nicht von der Huniaiiität durch die Nationaliläl zur Bestialität wollen wir, sondern von der Bestialität durch die Form der Nationalität zur Humanitäl. Die Nationen solle» einem großen blühenden Garten gleiche», wo die verschiedensten Mülhen das Auge erfrenen. Alle« Gut«, was ich vom Himniel für meine Ration herabwünsche. wünsche ich auch den anderen. Ich hoffe, die Ueberzeugung wird sich bald überall Bahn breche», daß man ein trefflicher Deutscher, ein guter Slave, ein braver Italiener und dabei doch ein leiden- schafllicher internationaler Cozinldemolrat sei» kau».(Stürmischer Beifall) Die weitere Debatte wird nm 2 Uhr nachmittag? ans Dienstag früh 9 Uhr vertagt. Vartettag für Schlesien nnd Posen. Ueber den Parteitag der Sozialdemokratie der Provinzen Echleste» und Posen, der am ersten Pfingstfeiertag in Langendielau zusaiiimentrat, wird unS berichtet: ReichstagS-Abgeortmeter Kühn aus Langenbielan erössnete den Parteitag mit einer Begrüßung der Delegirte». In das Bureau wurden als Vorsitzende Bruns aus Breslau und Kühn aus Langenbielau gewählt, als Schriftführer Pelz ans Langenbielan nnd' Wegner aus Posen. Vertreten waren 22 Wahlkreise durch 47 Delegirte, davon zwei anS der Provinz Posen. Ferner war der Reickstags- Abgeordnete T n tz a u e r anwesend.(Die übrigen schlesischen Abgeordneten, Möller und Scheenlank, waren am Er- fcheinen verhindert.) Ueber den ersten Punkt der Tagesordnung:„AgitationS- und OrganifationSfragen" wurde in eine General- diskusston eingetreten, worin hauptsächlich die verschiedenen Formen der Organisation lebhaft besprochen wurden; Genosse Dr. W i n t e r- KöntgSbütte berichtete über den oberfchlestschen'Jndilstriebezirk, die große Schwierigkeit der dortigen Agitation darlegend. Die Polen seien wohl für unsere Ideen empfänglich; aber die Behörden be- reitet«» der Bewegung große Hemmnisse. Der Bevölkerung fei bei- gebracht worden, daß nlleS Sozialdemokratische inid Gewerljchaflliche verboten sei. Ein seit zwei Monaten gemiethetes Lokal habe man infolge der Drangsalirungen noch nicht benutzen können. Di« polnische sozialdemokratische Partei kümmere sich zu wenig um Ober- schlesien. Redner fordert vom Parteitag eine energische Resoluiion ege» da? Berbalten der Polizeibehörden in Oberschlesien. Inf einen Wunsch der Liegnitzer Parteigenossen nach mehr Agitatoren bemerkt unter anderen Rednern T utzau er, daß er häufig von Berlin nach Breslau fahr«, aber noch niemals fei er aiisgefordert worden, an einem auf seiner Tour liegenden Orte zu spreche». Man niöge also erst die vorhandenen Agitatoren genügend ausnutzen. U n g l a il b e ivünscht für G r ü n b e r g eine agitatorische Kraft. Annahme findet ein Antrag Geiser, wonach Schlesien in zwei Bezirke zu tbeile» ist mit zwei Bezirks- Vertrauensleuten an der Spitze. Der Bezirk Breslau sell die Kreise 1—8 des Regierungsbezirks Breslau umfassen, außerdem ganz Obeschlesien, ivähreiid der Bezirk Langenbielau die kreise 9—!3 des Regieru, igsbezirls Breslau und den ganzen Regierungsbezirks Liegnitz umfassen foll. Sine entschieden« Protestresolution Dr. Winter'S gegen das Vorgehen der oberschlesischen Behörden findet ein- hellige Zilstimmnng. Ebenfalls folgender Antrag der B r i e g e r Genossen:„Die sozialdemokratische Reichstags-Fraklion wird beauftragt, noch vor dem Schluß des jetzigen Reichstages die besonders in Schlesien häufigen Konfiskationen von Wahl- undsonstigenFlugblättern, welche von den verschiedenste» Behörde», oft ohne jeden nachweisbaren gesetzlichen Grund, verfügt worden sind, zur Sprache zu bringen. Ferner sollen diejenige» Behörden bezw. Beamten, welche ohne gesetzliche» Grund Konfiskationen von Flugschriften anordne» oder vor- nehmen, schadensersatzpflichtig gemacht werden." Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft die Anfstelliing von ReichsiagsknndidatenfürSchlesienundPoseii. Ohne besondere Diskussion iverde» für Nieder- und Miitelschlesie» folgende Kandidaten aufgestellt: <35 m © W ah l k r e i S. 1. Gnhran-Steiliän,, i 2. Militsch-Trebnitz,.. 3. Wartenburg-Oeis... 4. Namslau-Brieg.... S. Ohlau-Nimptsch... S. Breslau(Ost).... 7. Breslau(West).... 8. Bres lau-Neum arkt.., 9. Striegnu-Schweidnitz.. 10. Waldenburg..... 11. Reichenbach-Nenrode.. 12. Glatz-Habelschwerdt.. 13. Frankenstein-Münsterberg 14. Grüiiberg-Freystadt.. lS. Sagau-Sprollau... 16. Groß-Glogau.... >7. Lüben-Bnnzlau.... 18. Löwenberg..... 19. Haynau-Liegnitz... 20. Landeshut-Janer... 21. Hirschberg-Schönau.. 22. Lauban-Görlitz.... 23. Rothenburg-Hoyerswerda Kandidat. Gießmann-Breslau. Langner-Breslan. Gießmann-Breslau. Schütz-Breslau. Schütz-Breslan. Tntzauer-Berlin. Schoenlank-Leipzig. Schütz-Breslan. Feldiiiann.Laiigenbiilau. Möller-Weitmar. Kühn-Langenbielau. Rühn-Langenbielau. Kühn-Langenbielau. Etolpe-Danzig. Slolpe-Danzig. Adler-Halberstadt. Etolpe-Danzig. Slolpe-Danzig. Brnhns-Breslnu. noch nicht erledigt. Feldmaiin-Langenbielan. bleibt den Görlitzer Ge- nossen vorbehalten. Für Ober schlesien ist die Kandidntensrage noch nicht er- ledigt, den dortige» Genossen empfahl der Parteitag, für den In- dnstrie-Bezirk den Genossen S a ch s s e aus Zwickau i. S. aufzustelle». In Le ob schütz kandidirl Franz Habel aus Löwitz. während in Neustadt Schütz ans Breslau aufgestellt ist. Die übrigen ober- schlesischen Kreise bedürfen noch der Regelung. Für die Provinz Posen wird die Ausstellling der Kandidaien der polnischen sozialdemokratischen Partei über- lassen. T u tz a» e r erinnert dann daran, daß besonders zur Wahlzeit auch die Kasse der nökhigen Stärkung bedarf, man möge also für Ausbringung von Geldern Sorge tragen. K ü h n empfahl für gute Organisalionen thätig zu sein, nnd auf den Wahltag selbst mehr Augenmerk zu legen, um den Vergewaltigungen und Fälschungen ein« gegeiiziitreten; alle Wahllokale müßten besetzt werde» und die Säumige» zur Wahl herangezogen werden. Die etwaige Betheiligung der sozialdeniokra- tischen Parte» an de» preußische» La»dtagswahlen rief eine längere«nd lebhafte Debatte hervor. Kühn empsahl die Betheilignug, um ein anderes Wahlrecht süt den Landtag zu erreichen. Springer aus Langenbielan erklärte sich ebenfalls dafür Michaelis ans Waldenburg glaubt wegen der öffentlichen Stimmabgabe nicht, daß sich viel Genossen belheiligen werden. B r» h n s- Breslau ist trotz aller Bedenken für Betheilignug an den Wahlen. Angesichts der gegenwärtigen Sitnation sei eine Stärkung der bürgerlichen Opposition nothwendig. DaS Wort „Koinpromiß" sei nicht so schrecklich, weil wir kein? unserer Prin- zipien aufgebe». Geiser und T» tz a u c r sprachen ebenfalls für Belheiligung, letzterer erinnerte an das Wort Lassalle's:„Wählt Fortschrittler, damit sie sich blainiren". Folgender Autrag wurde fast einstimmig angenommen:„Der Parteitag der Sozialdemokratie für Schlesien und Posen erachtet es als»öthig, daß die sozialdemokratischen Wähler sich an de» Wahlen zum preußische» Landtage dergestalt belheiligen, daß sie eigene Wahlmänner-Kandidaten aufstellen und jür dieselben kräftig agitiren. Im allgenieinen soll ein« Betheilignug nur dort erfolgen,>vo wenigstens einige Aussicht besteht, eine Anzahl eigener Wahlmänner durchzubringe». Der Parteitag fordert die Leitung der deutschen Gesammtpartei aus, eine» Antrag im Sinne des Vorflehenden an den nächsten, i» Hanibnrg staltfindende» deutschen Parteitag zu bringen, nm eine grundsätzliche Entscheidung der Gesammtpartei zu dieser Frage herbeizusühre»." Der vierte Punkt der Tagesordnung:„Unsere Presse" rief eine besonders lebhafte Debatte hervor, da die Vrieger Ge» nossen beantrag» hatte», den„Proletarier" und die„Volkswacht" zu veischmelzen. Der Anirag wurde mit allen gegen eine Sliinnie ob- gelehnt. Der verbältnißinäßig ungünstige Stand der„Volkswacht" erklärt fich zwar hinreichend durch die besonders harte» Versolgungc», mit denen sie kämpfen muß(in zwei Jahre» Halle die „Volkswacht" 81 Preßprozesse zn bestehen, wovon 46 mit Ber- »rtheillmg endeten), aber ein großer Theil der Schuld trifft die Parteigenossen selbst, weil sie die„Volkswacht" zu wenig nnter- stützen. Besser steht das Parteiblatt in Langenbielan. Kühn er- klärte, daß der„Prolelarier" über 6000 Exemplare Auflage hat und einen kleinen Ueberschnß macht. Zu diesem Punkte wurden folgende Anträge angenomnien: „Die Preßkoiiiniisfionen beider Parteizeitnngen der Provinz werden a» den betreffenden Ausgabeorlen gewählt und haben die Pflicht, aus dem Provinzial-Parteitage Bericht zu erstalten über den Stand der bez. Parteiblälter."„Der Provinzial-Parteitag erkeiint die Roth- wendigkeit an, daß besonders für Breslau, im»vetteren aber auch für die Provinz, das Breslauer Parleiblatt bestehen bleiben muß." Ans Antrag Kühn's aus Langenbielau»vnrde» dann folgende Resoliitioiien beschlossen: „Der ai» 6. Juni in Langenbielau versammelte Delegirtentag der Sozialdemokratie von Schlesien und Posen protestirt mit aller Entschiedenheit gegen jede Ver schlechter ilng des Ver- eins- und V ers« mm l» n g s r ech t e S; er erachtet es als«in natürliche« Meiischenrecht aller Staatsangehörigen beider Geschlechter, sich unbehindert, ohne Eingriffe irgend welcher Behörden versamineln, und in Vereinen verbinden zn können, z»r Wahrung ihrer Interessen. Deshalb fordert der Delegirtentag, statt der, durch die Regiernngsvvrlage»nd die An- träge der koiiservativen Parteien des Landtages geplanten Vernich- tung dieses natürliche» Rechtes, volle Freigabe desselben, wie es sich für ein sein wollendes Kulturland am Ende des iieu»zchiilen Fuhr- Hunderts eigenilich von selbst versteht." „Der Parteitag der Sozialdemokratie für Schlesien»nd Posen protestirt dagegen, daß durch das„ B ü r g e r l i cy e Gesetzbuch die in Denlschland geltenden G e s» n d e- O r d n u n g e n nicht ab- geschafft worden sind, nnd daß daS Gesinde und die ländlichen Tagelöhner noch ferner unter diesen mittelalterlichei, Ausnahinebeftiinliinngen leiden müssen. Ter Parteiiag fordert: als einfachen Akt der Kiiltiir nnd Gerechtigkeit die Auf- Hebung der an Sklaverei mahnenden Bestimmungen und die Uiiterstellnng der Dienstbolen und anderer ländlichen Arbeiter und Arbtileriiincn nnter die Gewerbe-Ordnung." B r n h n S aus Breslau stellte noch fest, daß keine persönllchen Etreiligkeiten vorgekommen, sondern die Partei-Angelegenheilen in sachlicher Form erledigt worden sind, und schloß alsdann de» Parteitag mit einem begeistert aufgenommene)» Hoch auf die Sozial- demokratie.________ Ityelte General-Uerfammlung de» Zentral- nereins der Former. Hannover, den 6. Juni 1897. Im festlich geschmückten Saal des„Vallhvf" versamnieklen sich heute Nachmittag die Vertrel« des ZentralvereinS deutscher Former. Anwesend sind 34 Delegirte, deren Mandate sämintlich für giltig erklärt»verde». Der Hanptvorstand ist vertreten durch M ii» z n e r und S ch w a r tz- Lübeck; der Ausschuß ist vertrete» drnch Elans[ev Hamburg. De» Geschäftsbericht deS Haupt- Vorstandes erstatte* T h. S ch w a r tz. Derselbe liegt gedruckt vor lind entnehmen>vi»; demselben, daß die Mitgliederzahl i» der Berichlsperiode vom 30. Scp- tember 1893 bis 1. Januar 1697 von 3377 auf 428ä gestiegen ist. Tie gegenwärlige günstige Kou.jiiuliur nnd der Ausbau bcs Uulcr- stützuiigSwesens Haien weseiillich zur Veigiößeri.ng und Siabililäl bov Mltglied-rzM beigetrag«». Die günstige Geschäftslage hat zinar uiehr Arbeitsgelegenheit geschaffen, indessen war es bei der noch schwachen Organisation der Former unmöglich, wesentliches Zur Verbesserung der Arbeits- und Lohnbedingungen zu erreiche». Von den IV Streiks, an denen die Organisation in der Berichtsperiode betheiligt war. ist nnr der Flensbnrger erfolgreich gewesen. 4 Streiks batten einen theiliveisen. 5 Streiks gar keinen Erfolg. Von den 10 Streiks waren 6 Abwehr-»nd 4 Angriffstreiks. Die Kosten dafür betragen 10425,43 M. Für Gemaßregelte wurden verausgabt 786,35 M., für den Rechtsschutz 196,20 M. Der angesammelte Reservefonds zur Unterstützung von Streikenden und Gemaßregelten beläuft sich auf 4979,26 M. In Ansfübrung eines Beschlusses der 1. Generalversammlung trat am I. Ja». 1895 eine Arbeitslose, i-Unler- stützung in kraft, um für am Ort verbleibende Arbeitslose eine Gleich- ftellung mit wandernden Mitgliedern herbeizuführe». Wandernde Mit- glieder erhalte» 2Pf. pro Kilometer bis zu1500Kilometer. am Orte ver- bleibende Arbeitslose pro Tag 50 Pf.(inkl. Sonntags) bis zu 3 Wochen. Der Borstand empfiehlt überall lokale Zuschußkasscn zu errichten, wie dies bereits an einigen Orten geschehen ist. Ins- gesammt wurden an 62 Mitglieder 1023.60 M. Arbeitslosen- Unterstlitznng gezahlt. 8690,50 Mark wurde» für Reise-Unterstützung ausgegeben. Die Einnahmen und Ausgaben balauziren von» 1. Oktober 1893 bis I. April 1894 mit 16 958,56 Mark. In der Periode vom I. April 1394 bis 31. Dezember 1396 beträgt die Ein- nahm- 81.472,37 Mark; die Ausgabe 65 447,47 Mark, darunter 2052,75 M. für Agitation und 17 489,69 M. für das Verbands- organ.Glückauf". Der Kassenbestand beträgt 16 025,40 M. Bc- klagt wird vom Berichterstatter die Lässigkeit vieler Orts- verwaltniigen bezüglich der Abrechnungen mit den, Vorstand. Die eingegangenen Delegirtengelder haben die Erwartungen getäuscht, es sei daher geboten, geeignete Maßnahmen zu treffen, um dieselben ertragfähiger zu gestalten. Die geringe Agitation. welche betrieben worden sei, sei in erster Linie aus die ungenügenden Kräfte in der Organisation zurückzuführen, andererseits sei sie durch de» Deutsche» Metallarbeiterverband erschwert worden. Zu empfehlen sei die Gründung von Agitalionskomitees. wie dies in Rheinland und West sale» geschehen sei. H a r t i g- Berlin wendet sich gegen die Agitationsweise des Hauptvorstandes gegenüber dem Metallarbeiterverband. Besonders verurtheilt er die Artikel im„Glück aus", in denen der Metall- arbeiterverband als Lieferant von Streikbrechern und der Quer- treiberei bezichtigt wird, wodurch sowohl de» Indifferenten als auch den Hirsch-Dnncker'schen willkommene Gelegenheit zu Angriffen gegeben worden sei. Schließlich bemängelt Redner die Abrechnung des Streikfonds. S e n d l e r- Gehresheim vertheidigt die Haltung des Vorstandes gegen die Angriffe des Vorredners. In Düffeldorf und Köln haben die Metallarbeiter die Formerbewegung gehindert. Man steckt de» Stärkeren heraus, um den Zentralverein der Former in seiner Ent- Wickelung zu hindern. S ch w a r tz weist die Ausführungen Hartig's, den Streikfonds betreffend, entschieden zurück und führt alsdann aus: Mir haben keine Rücksicht zu nehmen gegenüber den Metallarbeiter». Wenn den Hirsch-Duncker'schen Anlaß zu Angriffen gegeben worden sei, so verschulde dies die„Metallarbeiter-Zeitnng", welche einen Privat- brief des Redners znni Abdruck brachte, ein Verfahren, das scharf verurtheilt werde» müsse. Die scharfe Schreibart des„Glück auf" sei durch die Verhältnisse geboten geiveseu. Aus einen groben Klotz gehöre ein grober Keil. Die Streitigkeiten werden erst dann aushören, wenn sich die Metallarbeiter einen andere» Redakteur an- schaffen. C l a n f s e»- Hamburg bezweifelt die Richtigkeit der im Bericht enthalt««?» Angaben über die Höhe der Mitgliederzahl als auch der Stabilität derselben. S ch w a r tz erklärt, manche Fehler des Berichts seien der Kürze der Zeit geschuldet, welche für die Anfertigung desselben zur Ber- sügung stand; dasselbe gelte auch für die Statistik, deren Ergebnisse »och weiter verarbeitet werden müsse». Es sei leider nur eine oberflächliche Berechnung der Mitgliederzahl möglich, da das g«� saunnte Material zu langsam eingeht. Hannover, den 7. Juni 1897. Die Diskussion über den Rechenschaftsbericht wird fortgesetzt »nd wendet sich fast ausschließlich der Erörterung der Streitigketlen mit dem Melallarbeiterverband zu. Sodann erstaltet C l a u s s e n deu Bericht des Ansschwffes. Am I. April 1894 wurde ein Kartell- verlrag mit den» österreichischen Metallarbeiterverbaud abgeschlossen; kurz daraus mit dem Verband der Gold- und Silberarbeiter das gleiche, nachdem bereiis vorher mit den Verbänden der Schmiede und der Kupferschmiede dies geschehen. Da Th. Schwartz. der bisherige erste Vorsitzende, das Amt des Geschäftsführers des „Bolksbote" in Lübeck übernahm, sah sich der Ausschuß veranlaß!, den Kollegen M ü n z n e r mit der Stellvertretung desselben zu be- trauen. An stelle des Kollegen Schwartz wurde alsdann C l a n s s e n znni Redakteur des„Glück auf" gewählt. Mit der Frage des Uebertritts zum Metallarbeiter- Verband rcsp. zur Kon- sereuz der Metallarbeiter in Hamburg hat sich der Ausschuß in zwei Sitzungen beschäftigt. Auf den Autrag der Revisionskommission, für welche Bremer- Braunschiveig berichtet, wird dem Hauplvorstand Decharge ertheilt. lieber den Bericht der Preßkommission findet eine Diskussion nicht statt. Zum folgenden Punkt„Agitation" spricht Schwartz unter Hiniveis auf seine Ausführungen im Geschäftsbericht. Die großen Agitationstouren taugen nichts, weil die Wanderrcdner mit de» örtlichen Verhältnissen nicht genügend vertraut sei» können. Des- halb sind abgerundete Agitationsbezirke nothwendig. Allgemeine Flugblätter ermangeln gleichfalls der örtlichen Eigenarten und bringen nicht den gewünschten Erfolg. In Schlesien wurde die Agitation unmöglich. da Lokale nicht zu erhalten waren. Die Statistik, deren Ergebniffe vorliegen, giebt ein Bild der Verhältnisse und zugleich Agitatiousmaterial. In Stolp und Wolgast in Pommer», ebenso in Schlesien verdient der Former 12— l5M. pro Woche. Aber selbst in vielen großen Städten kommen die Löhne nicht über 22— 25 M. pro Woche hinaus. Alle Orte solle» Berichte einsenden, um Material zu liefern zu einer Broschüre über die Löhne, die Arbeitszeit, die Be- Handlung i» den Gießereien, und so wirksames Material zur Agitation schaffen. Müller- Berlin schildert die Verhältnisse i» Berlin, wo- selbst 600 Former dem Zentralverein angehöre». Seit kurzem haben die Berliner auch i» der Provinz gute Erfolge zu verzeichnen. Redner empfiehlt die Durchführung des Werkftaltvertranensinänner- Systems. NÄvkei-'Nslriivirflten« Der dritte Parteitag der polnische» Sozialdemokratie, der am Pstugstsonutag in Berlin zusammentrat, war von 24 Delegirten besucht. Neben den Polen Schlesiens und Posen? hatten auch die in Berlin und Umgegend, Branden- bürg. Frankfurt a. O., Hamburg, Leipzig und andere» deutschen Orten arbeitenden sozialdemokratischen Polen Vertreter gesandt. Neben de»« überwachenden Polizeilieutenant hatte der Polizeirath Zacher aus Posen, eifrig schreibend, Platz gcnommen. Aus de» Berichten der Delegirten ging hervor, daß trotz der un- erhörtesten Bekämpfung unserer Partei insbesondere durch Geistlich- keit und Adel doch ein Fortschritt der sozialistischen Propaganda unter den Pole» zu verzeichnen ist. Die Einnahme des Partei- Vorstandes betrug 13 573 M., die Ausgabe 13 671 M., so daß nur ei» geringfügiges Defizit vorbanden ist. Die„Gazeta Robotuicza", das Organ der polnischen Partei, hat 6000 Abonnenten. Die Beschlüsse des Parteitages sind kurz zu- saiinnengefaßl folgende: Zur besseren Beschaffung von Geldmitteln werden die Bons, die bisher, mit Ausnahme Hamburgs, nur in polnischer Sprache gedruckt wurden, künsiig zum lheil in polnischer und deutscher Sprache gedruckt. Der Parteitag wird von jetzt ab alljährlich abgehalten, um eine bessere Fühlung unter de» Parteigenossen herzustellen. Mit Hilfe der deutsche» Vertrauens- personen soll eine Statistik der in den einzelnen Orte» arbeilenden Polen aufgenommen werden. Die„Gazeta Robotnicza" soll jährlich mindestens einmal ein Berzeichniß der Strafen veröffeutlicheu, die über polnische Parteigen offen verhängt worden. Jeder Parteitag der deutscheu Sozialdemokratie soll durch einen Delegirten beschickt werden, der der polnischen Organisation angehört. Unter den Sachsenzängern sollen volkslhümlich geschriebene polnische Flug- blätter vertheilt werden. Die Mitglieder der Partei sind verpflichtet, der Gewerkschaft ihres Berufs beizutreicn, wenn eine solche am Orte besteht. Ueber die wirtschaftlichen Verhältnisse der polnischenArbciler solle» Er- Hebungen veranstaltet und die Ergebnisse derselben der sozialdemokrati- schen Reichstagsfraklion zugestellt werden. In allen Kreise» mit starker polnischer Arbeiterbevölkerung solle» bei der nächsten Rcichstagsivahl eigene Kandidaten ausgestellt werden; die Wahlagitation in Ober- schlcsien soll durch einen geeigneten Genossen betrieben iverden. Gegen die preußische Vereinsgesctz-Novelle und gegen die in Schlesien»bliche Versammlungsverbieterei wandte sich der Parteitag in sehr scharfen Resolutionen. Betreffs der Frage, wie sich die polnische Sozialdemokratie zu dem Begriff der polnische» Nationalität verhalle, beschloß der Parteilag, den darauf be- züglichen polnischen Antrag auf dein Londoner internationale» Sozialistenkongreß in das Programm der polnische» sozialdemokrati- schen Partei aufzunehme». Gegen die Artikel, die in diesen Tagen über die polnische Partei in der„Sächsischen Arbeiter-Zeituug" veröffentlicht worden sind, wurde eine Resolution angenommen. Ein Antrag, die„Gazeta" Robotnicza" von Berlin nach Posen zu verlegen, fand nicht die Zustimmung des Parteitags; ein anderer Autrag, die„Gazeta Robotnicza" wöchentlich zweimal erscheinen zu lassen, wurde bis zum nächsten Parteitag zurückgestellt. Vom nächsten 1. Mai an soll für die Agitation unter den Polen alljährlich eine eigene Mai-Festzeilung herausgegeben werden. Ans der Wahl des Parteivorstandes gingen hervor: Redakteur Morawski, Klavierarbeiter Merkowski, Galvaniseur Thiel, Schuhmacher Golibrodzki und Arbeiter R y b i ck i, sännntlich in Berlin. Zu Revisoren bestimmte man Berfus, Kraszeivski und K a c z ni a r e k in Berlin. Als Vertreter für den nächsten Parteitag der deutschen Sozialdemokratie wurde Morawski gewählt. Beschlossen war noch die Einsetzung einer Kommission, die alle Beschwerden über den Vorstand und die Be- ainten der Partei erledigen soll; es kam jedoch nicht zur Wahl dieser Kommission. Nach einem zündenden Schlußwort des Vorsitzenden Berfus, worin er der Solidarität der polnischen Sozialdemokratie mit den Vruderparteien aller Länder Ausdruck gab, ging der Parteitag mit einem dreifachen, stürmischen Hoch auf die Sozialdemokratie aus- einander. Die„Freie Presse" in Glßerfrltz erscheint vom 15. Juni an in v e r g r ö ß e r t e in F o r in a t. 8 k Anö dem Elsaß. Im Gemeinderath von Mülhausen haben unsere beiden Vertreter, die Parteigenossen B u e b und H i ck e l. den Antrag gestellt, daß die Dienstzeit der Okiroibeamten lder städtischen Slenerbeamlen) von durchschnittlich 16 Stunden, die sie jetzt beträgt, aus 10 Stunde» herabgesetzt werden soll. Ferner bean- tragten sie, daß den Gewerbegerichts-Beffitzern das Organ des Ver- bandes deutscher Gewerbegerichte, das„Gewerbegericht", aus Ge- meindekosten geliefert werde. Auch für Velgien ist Pfingsten das Kongreßfest. Am Psingst- sonntag halten die S o z i a l i st> s ch e n G e m e i n d e r ä t h e ihren erste», und die Sozialistischen G e m e i n d e b e a m t e n ihren zweiten Jahreskongreß. Auf beiden Kongressen, die in Brüssel tagten, verständigte man sich über eine Reihe von praktischen Fragen. Außerdem smideu in Belgien während der Pfiugsttage zahlreiche Agitationstouren und Versainmlmigeii statt. Und die Anwesenheit einer Anzahl Liller Genossen, darunter unser Freund, der Maire Delory, gab am Pfingstsonntag in Brüssel Anlaß zu einem großartigen Ver brüdernngss est französischer und belgischer Sozialisten. Todtenliste der Partei. Eine treue Anhängeri» unserer Partei, die Frau des Schuhmachers B e h n k e i» N u t e r- B r e d o w bei Siettiu, hat die Augen für immer geschloffen. Sie hat i»it ihrem Manne, der 1837 aus grund des kleinen Belagcruugszustaudcs aus Stettin ausgeivicsen wurde, alle Billerniffe des Exils durchlebt und doch den Glauben an den Sieg des Proletariats nie verloren. Ehre der Braven! Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Der Parleigenosse W i er t e l a r z in Erfurt, früherer verantwortlicher Redakteur der„Thüringer Tribüne", hat am Psingst- sonntag das dortige Gefängniß uacb elswonatigem Aufenthalt verlasse». Möge sich der wackere Miikäinpfer von den Strapazen des Gefängnißlebcns bald und vollständig erbolen!— — In Magdeburg halte der Parteigenosse Vethge am 5. Juni die zweimonatige Gefängnißstrafe verbüßl. die ihm wegen Richterbcleidignng, begangen durch die Press«, auserlegt worden war. — Die„Rheinisch-Westfälische Arbcitrr-Zeiluug" hatte in der Nummer vom 20. Februar mitgeiheilt, daß der Gendarm M ü n t e r seit einiger Zeit verschwunden sei, trotzdem sein Urlaub längst abgelaufen wäre. Münler hat wegen dieser Mitiheiinng, trotzdem dieselbe von der„Rhein.-Wests. Arb.-Ztg." bereits in der nächsten Nummer als unzutreffend derichligt wurden ist, gegen den Redakteur Theiß die Beleidigungsklage angestrengt, weil ihm Desertion auS dem Geudarmene-Korps vorgeworfen worden sei. GetverksthAftliktzezs. «erlitt und Umgebung. Achtung, Putzer! Aul de» Banien der Firma Glasenapp, Klopstockstraße, bade» die Maurer wegen Lohudifferenzen die Arbeit niedergelegt. Die Firma beabsichtigt, von deu dort arbeitenden Putzern die Nacharbeiten ausführen zulassen und dieselbe» i» Akkord zu vergebe». Wir appellireu an das Solidaritätsgefühl der Putzer, daß sie den Streikenden nicht in den Rücke» fallen und die Arbeit, welche allge»iein»von den Maurern ausgeführt wird, nbernehinen. Die große Mehrheit der dort arbeitenden Putzer hat sich mit de» Slreikende» solidarisch erklärt, es ist jedoch nicht ansgeschlosse», daß einige wankelinüthige Kollege» dem Lockruf der Firma Folge geben. D i e L o h n k o in m i s s i o n d e r P u tz e r B c r l i» s n n d U m- g e g e n d. Deutsches Reich. In Bochum haben die Maurer, die bekanntlich gekündigt hatten, gestern die Arbeit eingestellt. 60 Bedienstete der elektrischen Straßenbahn habe» wegen Verweigerung ihrer Forderungen am Sonntag die Arbeit niedergelegt. Ter Tischlerstreik in Hannover ist mit heute, Mittwoch auf- gehoben. 1l08 Gesellen in 196 Geschäfte» arbeiten zu den geforderten Bedingungen. 68 Gesellen haben die Fordernnge» nicht durchgesetzt. Die Innung blieb störrisch; ihre Miiglieder beschäftigen aber zum großen Theil keine Gesellen. In den Differenzen im Erfurter Baugewerbe ist anscheinend eine Aendernng eingelreten. Die Arbeitgcbervereiiiiguiig machte den seit sieben Wocben streikende» Z i m m« r l e» t e n das Angebot einer I8prozen!igeu Lohuerhöhuiig, zedoch nicht offiziell, sondern in Form einer Miltheilung, die der„Allgemeine Anzeiger" krackte. Die Zimmerer erklärten darauf durch Anschlag an den Plakatsäule», daß ie mit diesem Angebot einverstanden wären. Vo» den Maurern, die wegen der Unterstützung des Zimmererstreiks ausgesperrt wurden und die dann die früher vertagten Forderungen wieder ausstelllen, arbeiten 30 zu den neuen, von ihnen verlanglen Bedingungen. Ausgesperrt sind»och 210 verheirathcte(mit 448 Kindern) und 16 ledige Maurer, wozu noch 20 Maurer kommen, deic» Kündigungsfrist in- zwischen abgelaufen ist. Abgereist sind 8 Ausgesperrle. Indifferent verhalten sich 30—35 Maurer. Ter Zimmcrerstrcik in Göppingen in Württemberg ist am 4. Juni durch Vergleich beigelegt worden. Erreicht ist neben anderem der Zehnstundeutag, jedoch erst voui 15. März 1893 an, und eine 'ofortige Lobnerhöhung von durckschnittlich 10 pCt. Von de» Töpfer» Münchens stehen noch 116 im Streik; 80 arbeiten zu den»enen Bedingungen. Ausland. In Wien hat der angekündigte Streik der Pferdebahn- Angestellten am Pfingstsonntag begonnen, da die Zugeständnisse der Gesellschaft als ungenügend befunden wurden. In einer Be- kannlmachung erklärt die Gesellschaft die Streikenden als entlassen und die Ziigeständuiff« als erloschen; nur wenn die Staatsbehörden es wünschen, würden diese Zugeständnisse wieder erneuert werden. Die Zahl der Streikenden wird etwa 3000 betragen. Dagegen ist die Bewegung unter den Aiigeslellte» der beiden Oinnibn s.gesellschaften(General Omnibus Company und Oesterreichische Omnibnsgesellschafl) durch Vergleich beendet und dadurch der Streik vermieden. Auf dem dritte» Kongreß dcS schwedischen Holzarbeiter- Verbandes, der kürzlich in Stockholm abgehalten wurde, waren 55 Vereine mit 3446 Mitgliedern vertreten. Der letzte Kongreß war 1894. Damals bestanden nur 23 Vereine niit 975 Mitgliedern. In den letzien 3 Jahren hat der Verband 11000 Kronen für Lohn- kämpfe aufgkwandl. Nach der vorgelegten Lohnstatistik beträgt der höchste Lohn 13 Kronen die Woche, der niedrigste 12 Kronen. (1 Krone ist nach deutschem Gelde l M. l2>/s Pf.) Ter internationale Bergarbeiter-Kongreß in Londou begann am Pfingstmontag bei Anwesenheit von 63 Delegirten, die 1050 000 deutsche. englische und französische Bergarbeiter ver- traten. Die Vertreter von ca. 100 000 Belgicru werden noch er- wartet.-- Sozinles. Zi»» Jahresbericht des iFabrikinspektors in Meiningc» wird uns geschrieben: Tie denkbar inaugelhafteste Fabrikinspcktion halte bis vor kurzem Meiuinge». Ten Lesern des„Vorwärts" wird dies nicht unbckannt sei»; mindestens dürfte denselben in Erinnerung sein, daß Genosse Seige in Pößneck ob seiner die Thätigkcit des meiningische» Fabrik- iuspellors iu hmnorisüscherWeise aus dem Frauksurter Parteilage ladelu- deu A•.slassmigeii wegen Beleidigung des betr. BeamU» zu 6 Wochen, die Verfasser des Protokolls des Frankfurter Parteitags aber, die Genossen Baake imd Lux, zu je drei Monaten Gefäuguiß verurtheilt wurbcu. Der Herr Fabrikiuspeklor Bergrath Vollhardl hatte durch diese Verurtheilungen zwar Genugthuung erhalle», die Gerichlsverhand- luug ergab aber auch zur Evidenz, daß der Mau» den ihm über. trageuen Aufgaben nicht gewachsen war. Dies mochte denn auch für die Meiningen'sche Regierung, die in diesem Punke allen Vörstcllungeu im Landtage äußerst kühl gegenüber gestände» Halle, Anlaß genug sein, der Sache ein Ende zu machen. An stelle des scheidenden alten Herr» Vollhardt trat Bauraih Eichhorn, dem bis dahin die Kesselrevision ini Herzogihuai übertrage» war, ivelchen Amtes er, nebe» dem Fabrik- inspeltrrat, jetzt auch noch waltet. An 29 Reisetagen inspizirte der neue Herr Fabrikinspektor im ganzen 76 Anlagen und seine» kritischen Bemerkungen nach zu schließen ist zu hoffen, daß der Mann für de» Posten nicht ungeeignet sei» dürste. So fällt deiiiselbeu vor allem der ungemein hohe Zuwachs der jugendlichen männlichen und w e i b l i ch e n A r- bei t er auf; allerdings stieg die Zahl derselben im Berichtsjahre von 1669 auf 2177 oder»m 503! Doch stieg auch die Zadl� der über 16 Jahre allen Arbeiterinnen im Berichtsjahre von 4276 ans 5426, also um etwa 27 pCt.! Ebenso sind die bewilligten Ueberstunden für Arbeiterinue» recht beträchtlich, denn für 1743 Arbeiterinnen wurden 77 083 Uebersinnden an 1634 Tagen bewilligt; der Löwen- anlheil der Ueberstunde», und zwar 37 219, entfällt auf 13 Anlagen der Textilindustrie und scheint es demnach gar nicht so schwer zu halte», bei der vorgesetzten Behörde Erlaubniß zur Ucberarbeit zu erhallen. An Sonntagen arbeiietcu mit behördlicher Erlaubniß 343 Arbeiter 5630 Stunden und von diesen entfallen 60pCt. allein ans die Porzcllanindiisirie. Recht bezeichnend, und die alte Forderung der Sozial- demokralie belreffcnd die Ueberwnchnng der Hausindustrie begründend. sind folgende Atislaffuiigen in dem Berichle:„Von einem Unier- nehmer der Puppensabrikalion wurde dem Ansfichlsbeamten gegen- über lebhaft darüber Klage geführt, daß die Hausindustrie, welche de» beschränkenden Bestimmungen Über die Arbeilszcit der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter nicht unterworfen sei, den kleineren Fabrikstätten einen für die Dauer nicht zu ertragenden Wettbewerb bereite. Zu- dem würden die jungen Leute noch vielfach während der A b e n d- u n d N a ch t st u n d e n zur Arbeit in de» Häuscr» herangezogen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß eine solche Ueber a» spannutig der Kräfte nachtheilige Wir- kungen aus die Entivickelung der jung e n Leute ausübe n m» ß." Das sind jedenfalls recht verständige Worte, denen die Eimahuung an die Arbeiter vorangeht, sich jederzeit ver- trauensvoll an den Fabriktnspektor zu wenden, auck außerhalb der Fabrik,„denn dieser lönne zu einer gedeihlichen Thätigleit das Vertrauen der Arbeiter nicht entbehre». Genuß weist auch der diesjährige Bericht recht empfindlich« Lücken auf, so fehlt beispielsweise jeglicher Nachweis über Löhnung und Ernährungsweise der Arbeiter, über die Anzahl der bcschäfligten erwachsenen männlichen Arbeiter u. s. w., jedoch ist der Unistand zu erwägen, daß der neue Beamte nur erst kurze Zeit im Amte und die Anzahl der bis jetzt revidirten Elablisseinents eine verhältniß- mäßig kleine ist. Es haben darum auch die am Sckluffe des Berichis über die leider ost vermißte Reinlichkeit in den Werk- stälien, die Waschräume, die Garderoben, die Sauberhaltung der Bedürfnißanslallen JCr gebrachten allgemeinen Bemerkungen lediglich insofern Bedeutung, als man veruiuthe» darf, daß der neue Fabrik. inspellor auch ei» Auge und Verständniß für Dinge hal, die viel- fach wohl als nebensächlich selbst seitens der Arbeiter betrachtet werden. Wollen wir darum hoffen, daß der Wechsel in der Ver- wallimg des Fabrikinspeklorals einen Fortschritt für die?lrd«iterschajt MeiningenZ bedeutet._ Vepesitzen und letzte Ltektzeutzten. Miinchcn, 8, Juni.(B. H.) Heute früh 9 Uhr wurden in der Golienstraße ailf einem Neubau vier Arbeiter durch eine cinsinrzende Mauer verschiiitet. Drei davon sind schwer, einer leicht verletzl unter de» Trümmern hervorgezogen worden. Mannheim,«. Juni.(B. H.) Bei der Stativ» Neck-rgernünd sind gestern zwei Güterzüge aus einen Lvkalzug gesioßcu. Zehn Passagiere wurden verwundet. Mannheim, 8. Juni. Ter Koiuptoirist Tremmel von der Holz, Handlung Holzumnn und Kaufmann ist nach Unterschlagung zweier Geldbriefe im Werth« von 5000 M. flüchtig geworden. Wien, 8. Juni.(Privatdepesche des„vorwärts".) Der Partei. tag erklärte sich mit überwältigender Mehrheit gegeu 10 Stimmen mit der Takiik der Parteileitung in der Fraklio» einverstanden. Zahlreiche Anregungen für die Fraktion wurde» dieser ou bloc überwiesen. Agi« tation zur Erringung des Landtags- und Gemeinde-Wahlrechls, soivie Kampf gegen die Klerikalisirung der Schule»nd gcgcn die de» B«. freiuiigskarnpf des Proletariais hemmende» Geifiliche» wurde bc» schloffen. Befürwortet wurde, den parlamentarischen Aktionen durch Volksbewegungen Nachdruck zu geben. Morgen wird über die Parlei-Organisation beraihen. Wie», 9. Juni.(B. H.) Das heute ausgegebene Bulletin betagt. daß der Zustand der Tragödin Charlotte Wolter hoffnungslos nutz der Tod stündlich zu erwarte» ist. Kopenhagen, 8. Juni.(W- T. B.) Die i» Folge von Lob». Streitigkeile» zwischen den Fabrikanten und Arbeiter» der Eilen. indnstrie seit einiger Zeit befürchtete Ausschließung von Arbeiiern soll, wie verlauiet, morgen um Millernacht in Kraft treten. Von der Ausschließung würden über 4000 Arbeiler belroffen weide». Stavangcr(Norwegen), 8. Juni.(W.T.B.) Indern in der Näh« gelegenen Slädichen Sandnaes brach gestern Abend ein Feuer aus, durch welches dreißig Häuser zerstört wurden. London, 8. Juni.(W. T. B.) Der internationale Berg. arbeiier-Kongreß wurde gestern, in Anwesenheit von 68 Delegirten eröffnet, welche insgesainmt 1050 000 deiilsche, englische und fra«. zösisch« Bergarbeiter vertreten. Ein weitere Abordnung, welche 100 000 belgische Bergarbeiter vertritt, wird heute erwarlet. Verantwortlicher Redakteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnserateniheil verantwortlich: Th. Glrckc in Berlin. Tincl und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Ilntcrhaliniigctlalt. |r. 131. 14.| KeilM Ks Jmiiirte" Sftlinct NcksdlR MWch. 9. Im! 1897. Außerordentliche Generalversammlung des Nerbandes der Glasarbeiter und Arbeiterinnen tagte während der Pfingstfeierlage in Stralau. 1. Verhandlungstag. Die Verhandlungen werden durch Fischer- Furth und Kauf Holl- Stralau geleitel. Auweseud sind 36 Delegirte. welche 44 Man dale aus sich vereinigen. Die Einberufung einer außerordentlichen Generalversannnlung ivar nothwendig geworden, weil der Vorsitzende des Verbandes, Gebel-Bergcdorf, ohne Wissen und Willen des Ver bandes den Betrag von 14 237,60 M. ans Verbandsmitteln zur Fortführung der Bergedorfer Genossenschafls. Glashütte ver- ivendet, und als auch diese Summe noch nicht zulaugte, den Ve> bandsausschnß um die Anweisung von weitere» 10 000 M. angegangen hatte. Der Ausschuß gab zu Ostern d. Js seine Zustimmung unter der Bedingung, daß eine außerordentliche Generalversannnlung endgiltig darüber entscheiden solle. Ter Verbandsvorsitzende Gebel führt aus: Als im Streikjahr 1890 die Genossenschaft zuerst angeregt wurde, war man allgemein der Ansicht, daß im Falle einer Niederlage der Verband dem Unter gange geiveibt sei, da die Fabrikanten allerorts die Leiter der Organisation maßregelten. Diesem glaubte man durch die Errichtung der Genossenscdaslshütte vorbeugen zu können, obwohl dieselbe nie- Nlals eine spezifische Gründung des Verbandes gewesen ist. Auch lagen aus den Neihen der Kollegen zahlreiche Sympathie- erlläruugen vor. Leider ist es zumeist bei diesen geblieben. Einen Stoß erlitt das Unternehme» sodann durch den in Hamburg aus gebrochenen Streit über das Genossenschaftswesen, wodurch dem Unternehmen ebenfalls die Sympathien solcher Kreise verloren gingen, aus die man anfänglich gerechnet halte. Als schließlich der Bau der Hütte beendet war, maugelte es an Betriebskapital, ivährend eine Anzahl geniaßregelter Kollegen auf Bescläsligmig wartete. Da es dann schließlich auch bei Beginn der Produktion an Kundschaft fehlte, so mußte man auf Lager arbeiten und konnten die Prodnktions- Nüttel nicht voll ausgenutzt werden, so daß sich immer wieder Mangel an Betriebskapital einstellte. Da nun durch die Bankrott erklärung der Hütte auch der Verband mittelbar stark gelitten hätte, so entschloß sich endlich der Vorstand, den angegebene» Betrag in das Unternehmen hinein zu stecken. Die zweite Rate von 10 000 M. sei»»«hivendig gewesen, unr dasselbe eventuell vorlheib hast verkaufen zu können, da sich inzwischen die Kundschaft ver mehrt. Auch fei es möglich gewesen, die technischen Betriebs ftöruuge», welche sich in der ersten Zeit infolge des ewigen Geld mangels eingestellt hätten, nach und»ach zu verhindern; ebenso stets für genügendes Rohmaterial zu sorgen, woran es im Ausarn auch noch oft genug gemangelt habe. Dem letzteren Umstände sei es namentlich zuzuschreiben, daß für die ausgegebenen Arbeitslöhne wenig mehr als die Hälfte dessen produzirt worden sei, was eigent- lich produzirt werden konnte. Die dadurch verursachten Mehrausgaben betragen in 2S4 Schichten ca. 18000 M. Daßnichtdasgenügende Geld in das Unternehme» hinein gekonimen sei, daran hätten«ich die verschiedene» Erörterungen im Fachorga» schuld: Dadurch sei den, Unternehmen der Kredit abgeschnitten worden. Augenblicklich steht die Hütt- so in Blüthe, daß oftmals nicht der Bedarf gedeckt werden kann. Nach Anficht des Redners kann der Verband keinen Schaden erleiden, wenn derselbe seine Zustimmung giebt, daß die bewilligten Gelder desselben für den Weiterbetrieb der Hütte verwandt werde». Redner meint zum Schlnß, wenn das Unternehmen geglückt wäre. dann wäre jedenfalls alles gut gewesen, er könne versichern daß er geglaubt habe, nur im Interesse deS Verbandes zu Handel» Namens des Ausschusses führt Buck-Stralau aus, daß der selb« die zweit« Rate nur allein aus dein Grunde bewilligt habe. um dem Verbände das ganze Geld zu retten. Auch dieser Redner hält daS Unternehmen für lebensfähig, wenn der Verband jetzt nicht seine Hand von ihn, abzieht. In der nim folgenden Debatte wenden sich die sämmtliche» Redner in schärfster Weise gegen Verdandsvorstand und Aus- schuß. Einige weitere Redner bestreite», daß überhaupt jemals Sympathien für das Unternehmen vorhanden gewesen seien, während andere die? zugeben. Desgleichen bestreitet man die Lebensfähigkeit der Genossenschafts- Hütte schon an? dem Grunde, weil die Arbeiterschaft fast gar keinen Einfluß aus das Absatzgebiet derselbe» habe, ferner die Genossenschaft den Arbeiten, auch keine bessere« Bedingungen biete, da dieselbe mit kapttalkräftigen, Großbetriebe konkurriren müsse. Allgemein beziveifcln die Redner, daß das Geld des Verbandes zu retten sei, da dasselbe als Darlehen hiner einer Hypothek von 40 000 M. ßstände; 64 000 M. giebt kein Privatunternehmer für eine Glashütte ohne Arbeiterwohnuiigen. Die Maßnahmen des Vorstandes und Ansschnsses seien ein Schlag, den die Organisatioi, ans lange Zeit hinaus nicht verwinden würde. Sämmtliche Redner sind für sofortige und nnbedmgte Aushebung jeglicher Verbindung des Verbandes mtt der Genossenschaft. 2. Verhandlungstag. Di« Debatte über den Borstandsbericht wird fortgesetzt. spreche» noch eine Anzahl Redner gegen den Vorstand»nd Ausschuß sowie gegen Betheiligung des Verbandes an der Glashütte. Auch bezweifeln einzelne derselbe», daß die eingetragene» Genosseiischafte,, überhaupt eine». Gemaßregelten Platz machen würde», da die Möglichkeit, Arbeit zu erhalten, nachträglich an die Bedingung geknüpft worden sei, daß der betreffende 500 M. einzahlt. Börner(Vorstandsiiütglied) meint, daß die Möglichkeit eines günstigen Verkaufes der Glashütte speziell durch die Agitation der Stralauer Kollegen erschwert worden sei. Einige andere Vorstands- und Ausschußmitglieder bestreite», daß der Hütte seitens des Uiilernehmerthnms Schwierigkeiten gemacht worden seien, sowie daß der Vorstand Schön,»alerei betrieben hätte. Hätte der Vorstand die Genossenschaft anfgegebe», dann wären auch 60 Arbeiter auf die Straße geflogen. Horn-Löbtau bringt folgende» Antrag ein:„Die bereits bewilligten 24 000 M. zum Forldelricb der Hütte zu genehmigen und den Leiter» des Unter- nehmens zur Bedingung zu machen, die Hütte bei volle», Betrieb thunlichst schnell zu verkaufen und das aus dem Kauf« gelöste Geld z»r Deckung der gewährte» Darlehne an dieVerbandskassezuverivenden." Dieser Antrag sei geeignet, den, Verbände sein Geld zn reite», sofern es überbanpt zu retten ist. Die Konjunktur sei für den Verkauf giinstig; die Hütte habe«inen Taxwerth von 75000 M. Eine Anzahl Redner schließe» sich dem Antrage Horn an, ohne aber die Handlungsweise von Vorstand und Ausschuß zu billigen. Inzwischen hat sich heraus- gestellt, daß von der zweiten Rate erst 6000 M. verwendet sind, in- folge dessen stellt Hönisch- Stralau den Antrag:„Die General- versaminlung beschließt, die Genossenschaftsfabrik auf Kosten des Verbandes nicht weiter zu betreiben. Dieselbe betrachtet den bis jetzt verwendeten Betrag von 20 000 M. als Schuld der jetzigen Betriebsinhaber gegenüber dem Verband und ist der bisherige Vor- stand verpflichtet, dem Verbände so schirell wie möglich zu seinem Rechte zn verhelfen." Der Antragsteller will diesen An- trag selbst für den Fall aufrecht halten, daß das Geld noch zn retten ist Seitens des Vorstandes, Ausschusses, Horn's und verschiedener anderer Redner wird klar zu macde» gesucht, daß in diesem Falle die Generalversammlung Nlit andere» Worten erklärt, überhaupt auf die Wiedererlangung des Geldes zu verzichten, den» durch die Annahme des Antrages Häuisch würde die Genossenschaft gewaltsam zum Bankrott getrieben. In namentlicher Abstimmung wird sodann der Antrag Horn mit 15 gegen 29 Sliinmen abgelehnt, der Antrag Hönisch mit demselben Eliminenverhällniß angenommen. Horn und die übrigen 14 Tele- girte». welch- seinen, Autrage zugestimmt, erklären, daß sie mit de», zwcile» Tßeile des Antrages Hönisch auch einverstanden seien de- treffs der Eigenthums, echte des Verbandes an de», Gelde. Die Generalversammlung spricht sodann dem Verbandsvorstand ihre Eni- rüstung aus über de» groben Vertrauensbruch, und zwar geschieht dies mit 26 gegen 17 Stimmen, während dem Ausschuß die Mißbilligung der Versammlung mit 3l gegen 13 Stimmen ausgesprochen wird. Es folgt dann die Bekanntgabe der Abrechnungen vom 1. bis 4. Quartal 1896, soweit der Voistand im stände war, dieselben ans- stellen zn können. Für das 3. und 4, Quartal haben verschiedene Filialen»och nicht abgerechnet. Kanferenz der Ziegelelarbctter der Prsvinx Brandenburg. Werder. 6. Jnni. Anwesend sind 18 Delegirte aus 8 für die Ziegelindnstrie be dentendfte» Orte», ferner der Kassirer des Verbandes der Töpfer. K a n l i ch- Berlin, und der Vorsitzende I a c o b e y, ein Mitglied der Agilations-Kommission der Töpfer. K est» er, und der Reichs tags-Abgeordnete für Wefthavelland Heinrich Pens. Aus die Tagesordnung werden folgende Punkte gesetzt: 1. Bericht über die Lage der Ziegelei-Ardeiter in den einzelne» Orten. 2. Die Nothwendigkeit der Organisation und wie kommen wir zu einer solchen? 3. Anträge und Verschiedenes. K a» l i ch- Berlin hält eine einleitende Ansprache, in der er hervorhebt, daß es lange her sei, daß die Ziegelei-Arbeiter zu solcher Zusammenkunft zusainmengelrete» feie». Trotzdem schon zwei Organisationen der Ziegler bestanden hätten, die nachträglich ein- ginge», wolle man auss neue versuchen, au die Gründung einer Organisation heranzugehen. Die dann folgenden, lheils ziemlich umfangreichen Berichte der Delegirte» gaben ein ungcmei» düsteres Bild der soziale» Verhält- »isse der Ziegler. Im allgemeine» wird der Lohn als unzureichend bezeichnet, trotzdem er in diesem Jahr höher ist als in den vorher- gegangenen. Leider zeigten die Arbeiter sehr wenig Verständniß für ihre Lage. Anstatt die günstige Konjunktur ausznnützen und aus eine Verkürzung der Arbeitszeit zu dringen, wird im Interesse der Uitternehnier die Arbeitszeil ins ungemessene ans- gedehnt. Es ist nichts Seltenes, daß von morgens 4 bis abends 9 Uhr gearbeitet wird. Eine so ausgedehnte Arbeitszeit bei so schwerer Arbeit muß, wie hervorgehoben wurde, eine» ganz schleunigen Kräfteverbranch zur Folge haben. Bestimmt werden die Ziegler zn der langen Arbeitszeit infolge des steigenden Zuzugs fremder, nämlich polnischer oder russischer, Ar- bester, die so lange Arbeitszeit eiiihalten, und durch de» ganz außergewöhnlich niedrigen Verdienst oder die gänzliche Arbeits losigkeit im Winter. I» der Gegend von Ketzin»vird für die schwere Arbeit des Erdegrabens, wobei der Arbester meistens sin Wasser stehen muß, der skandalös niedrig« Lohn von 70 Pf. pro Tag ge- zahlt. Es ist ein günstiges Zeichen wachsender Erkenntniß, daß ei» Delegirter fremder Arbeiter ans der Umgegend von Briloiv erklärt«, daß der beispiellosen Ans»ntz»»g der Ziegelei- Ardester nur etwas vorgebeugt werden könne, wenn durch Gesetz eine geregelle Arbeits- zeit recht bald vorgeschrieben werde, da dt« Arbeiter selbst nicht die Kraft besitze», sich aus dem Elend herauszuarbeiten. Als besonders„»günstig wurde die Lage derjenigen Arbeiter geschildert, welche in Hänsern deS Ziegeleibesitzers wohne». Aus dxr Äetziner Gegend wurde berichtet, daß das Kantinenwesen ans den Ziegeleien geradezu zum Fluch für die Arbeiter werde. Die Ziegelmeister ziehen ans den Kanlinen immer noch eine,,- große» Theil ihres Ei»k»»m>ens. Infolge dessen sind dieselbe» bestrebt, solch« Arbeite� einzusielleu, die tüchtig in der Kantine kaufen. Die hiesige» Arbeiter werden daher oftmals nicht eingestellt, da sie Lebensmittel und Getränke zur Arbeit mitbringen. Sind hicfige Arbeiter eingestellt, so sehe» sie sich oft gcnölhigt, doch zu kaufe». ,Es ist nichts Seltenes, daß die Arbeiter sich st» Kaufen förmlich über- bielen, um sich die Gunst des Meisters und dadurch möglichst lange die Arbeit zn sichern. Die sanitären Einrichtimgeii der Schlasräume (Butzeu) für die fremden Arbeiter spotten»och immer jeder Be- schreibung. Getrennte Aborte für beide Geschlechter sind unbekannt, oft fehlen dieselben überhaupt. Bessere Zustände bestehe», wie aus den Berichte» der Delegirte» von Wittenberge und Rathenow hervorging, überall da, wo die Arbett in fnbrikähnlichen Betrieben unter Anwendung neuer Maschine» und mit Dampfkraft betrieben wird. Dort giebt es meist keine Kaserne» auf der Ziegelei, fremde Arbeiter sind ivenig vorhanden, Ranlinen fehlen sast vollständig. Die Arbeitszeit ist dort auch nicht mehr eine so unmäßig ausgedehnte, ist regelmäßig imb wird die Arbeit, was von den betreffenden Berichterstattern als bedeutendster Vorzug hervorgehoben wurde, im Winter nur ganz kurz« Zeit, theil- weise überhaupt nicht mehr unterbrochen.— Ei» aus Dresden anwesender Delegirter berichtete eingehend an der Hand von statistische», Material, das er durch Ausgabe von Fragebogen erhalten halte, über fast gleichartige Zustände in der Umgegend von Dresden. Von allen Berichterstattern wurde die Nothwendigkeit eines gemein- samen Vorgeheiis und der Organisation auerkannt. Ueber den 2. Punkt der Tagesordnung, die Nothwendigkeit der Organisation, hielt Kaulich ein kurzes Referat. In der»ach der Mittagspause beginnenden Diskussion spricht Heimlich- Werder über die Erfahrungen, die mit den ein- gegangene» Organisationen der Ziegler gemacht sind. Er kommt zu dem Schluß, daß daS Fehlen von allen Anforderungen genügende» Lettern und die hohe» Kosten für die Zeiluug, die Organisationen z» gründe gehen ließen. Eine Anzahl von Ziegler» dabei, sich dem Verband der Töpfer angeschlossen, er wünschl, daß die übrigen diesem Beispiel folge». Bon einigen wetteren Redner» wird aus die außerordentliche Schwierigkeit der Organisation hingewiesen. « a u l i ch erklärt, daß die Töpfer sich freue» werde», wen» die Ziegler so kräftig werden, daß sie später eine eigene Organisation schaffen könne». Reichstags- Abgeordneter P e u S führt eingehend die Gründe vor. die den Ziegelei- Arbeiter so schwer zugänglich machen. Er erkennt an, daß wie bei den Bäckern, anch für die Ziegelei- Arbeiter die baldige Festsetzung eines Maximalarbeitstages dringend nothwendig sei. Von der jetzigen Regierung sei aller- dings nicht viel zu erwarten, daher müßten die Ziegler sich selber kräftig regen. Beim dritten Punkt der Tagesordnung wurde beschlossen, eine Agitalionskomniissio» mtt dem Sitz in Werder einzusetze». Eine Resolulio», welche die Delegirte» verpflichtet, für den Eintritt der Ziegelei-Rrbeiler in den Töpferverband zu wirke», wird einstimmig angenommei,. Als Beitrag solle» von den Zieglern 20 Pf. pro Woche gezahlt werden. Gegen 6 Uhr abends wurden die Ver- Handlungen mit einem Hoch ans die Arbeiterbewegung geschlossen.— Lokales. Die Bliithcn des Treiklassen System? bei den Berliner Kommuualwahle»» werden von Jahr zu Jahr üppiger. I», Jahre 1896(dessen Zahlen de», eben von der Stadtverordneten- Versainmlung angenommenen Entwurf einer Neueintheilniig der Komnimial-Wahldezirke als Grundlage gedient haben) hatte die I. Abtheilung 1349, die II. 9046, die III. 289 464 Wahlberechtigte. Ans jeden Wühler der I. Abtbeilung kamen rund 7 der II. und 215 der III. Abtheilung. Fünf Jahre früher. 1391, zählte die I. Abtbeilung noch 3571, die II. 17 691, die III. erst 249 563 Wahlberechtigte. Damals kamen auf jeden Wähler der I. Abtheilung 5 der II. und 69 der III.(Im Jahre 1883. nach der in jenem Jahre ersolgten Neueiniheilung der Kommunal-Wahlbezirke, zählte die I. Abtheilung 3196, die II. 15 902, die III. 166 086 Wahlberechtigte. Jede», Wähler der I. Abtheilung stanken damals 3 der II. und 52 der III. gegenüber.) Die Ver- s ch i e b» n g zu gunsten der I. und II. und zu ungnnste» der III. Abtheilung, das heißt zu gunsten einiger weniger G e l d s a ck i n t e r e s s e n t e» und zu Ungunsten der Arbeiterklasse, ist besonders in dem letzten Jahrfünft ganz außerordentlich gewesen. Der Abstand zwischen der Wählerzahl der III. und denen der II. und l. Ab- thcilung»»iß selbstverständlich in de» nächsten Jahren noch größer werden. Den Berliner„Komninnalfreisittn" hat aber diese Nn- gleichheit bisher sehr viel weniger beunruhigt als die(jetzt ge- milderte) Ungleichheit der Wahlbezirke innerhalb jeder Abtheilung.— Betrachtet man übrigens hinsichtlich der Wählerzahl der drei Ab- theilnngen die einzelnen Stadttheile jeden für sich, so er- geben sich in manchen ganz eigenartige Verhältnisse, die auf die ö r t I i ch e G r u p p i r u n g von Reich und Arm in Berlin ei» inleressantes Licht werfen. Im Jahre 1896 zählte z. B. das ganze die diesseitige Lnisenstadt mit Nen-Kölln soivie den östlichen und westlichen Theil der jenseiligen Luisenstadt unifassende Gebiet in der I. Abtheilung nur 39, in der II. 1409, in der III. dagegen 55 225 Wahlberechtigte. Es kamen hier ans jeden Wähler derl.Abtheilung rund I6derII. und 651 der III. Noch schlimmer sah es im östlichen und ivestlichen Stralaner Viertel und in derKönigstadt ans. Diese Stadttheile hatten zusammen in der I. Zlbtheilnng nur 54, in der II. 1008, in der III. dagegen 52 878 Wahlberechtigte. Hier stände» jede», Wähler der I. Slbtheilnng 19 der II. und 979 der III. gegenüber. Am dichteste» sind die Wähler der I. Abtheilung natürlich in dem wohlhabenden Weste» der Stadt gesät. Vier an den Südrand des Thiergartens angrenzende Stadtbezirke(die Thier- gartenstraße mit Querstraßen sowie die Umgebung des Zoologischen Gartens umfassend) zählten znsamme» allein 300, also nicht viel weniger alS ein Viertel der ganzen I. Abtheilung. Tie Kindersterblichkeit ist in den einzelnen Stadttheile« Berlins sehr verschieden,— auch dann, wenn man die Sterbssalle von Kindern mit den Geburten desselben Stadttheils vergleicht. Auf 1000 Geborene(fünf Siebentel des gleichen, zwei Siebentel des vorhergehenden Jahres gerechnet und Todtgeborene mitgezählt) kamen in ganz Berlin i» den Jahren 1896: 237, 1893: 267, 1394: 245, 1893: 274, 1392: 260, also im Durchschnitt dieser 5 Jahre: 257 Sterbefälle von Kindern unter 1 Jahr(Todtgeborene ebenfalls mitgczähtt). Im Durchschnitt dieses Jahrfünfts käme» aber ans 1000 Geborene in den Standesamlsbezirken: Friedrichstadt nur 163, Schöneberger Vorstadt 183, westlicher Theil der Tempelhofer Vor- stadt 137, Altstadt 203, diesseitige Lnisenstadt mit Neu-Cölln 217, östlicher Tdcil der Tempelhofer Vorstadt 213, westlicher Theil der jenseitigen Lnisenstadt 245, westlicher Theil von Moabit 254, westliches Stralaner Viertel 255, Spandaner Viertel 263, Oräuien- burger Vorstadt 266, südliche Rosemhaler Borstadt 267, östliches Moabit 271, östlicher Theil der jenseitigen Lnisenstadt 278, Königs- Viertel 230, östliches Stralaner Viertel 232, nördliche Rosenthaler Borstadt 285, Wedding 312 Sterbefälle von Kindern unter 1 Jahr. (Die Sterbefälle in Krankenhäusern sind dem Bezirk, zu dem die Wohnung gehörte, zngetheilt.) Die Kindersterblichkeit ist, wie man sieht, im allgemeinen am niedrigsten in den vorwiegend wohlhabenden, am höchsten in de» vorwiegend armen Stadttheile». Das ist eine Erfahrnngsthatsache, die sich in jedem Jahre aufs neue bestäligt. Dabei ist�es ohne wesentliche» Einfluß, ob die Kindersterblichkeit im ganze» in eine», Jahre doch oder niedrig ist. I» ungünstigen wie in»veniger ungünstige» Jahren— 1896 geHörle zu den weniger günstigen— bleibt das Berhältniß zwischen den armen und den wohlhabenden Sladttheilen in der Hauptsache immer dasselbe. Daß für die Kindersterblichkeit wirthschaftliche Ursachen ans- schlaggedend sind, ist ja bekannt. Die auf den hiesige» Begräbnissplätzen befindlichen Leichenhallen find im Jahre 1896 zur Ei»steU»ng von 12111 Leichen gegen 12 642 im Jahre 1895 benutzt worden. Die Zahl der Berstorbcue» »nd Todtgeborene» betrug im Jahre 1896 34 060 gegen 35 279 im Vorjahre. Es sind somit 35,56 pCt. der i», Jahre 1896 Verstor» denen sc. gegen 35,83 pCt. im Jahre 1895 vor der Beerdigung in Leichenhänsern untergebracht gewesen. AnStrttt ans der„Ncligionsgemeinschaft". In der Zeit vom 1. April 1696 bis 1. April 1897 sind, wie ein Berichlerstntter Meldet, aus der evangelische» Kirche 249 Personen ausgetrelen, au» der katholischen Kirche 50, aus dem Judenthum 60 Personen. Unter den aus der evangelischen Kirche Ansgetrelene» befanden sich keine Kirchenftrnerzahler. In dem gleiche» Zeitraum sind zur evangelischen 5kirche übergetreten 250 Personen, darunter 73 Personen in kircheil- steuerpflichtigen Steuersätze». Die Grosse Berliner Pferdceisenbah»- Gesellschaft de- absichtigt eine Bahnverbindung»ach d e m W e st e n n n d dem Zentrum der Stadt herzustellen. Zu diesem Zwecke soll der Betrieb einer der zur Zeit ans de», Lützowplatze endigende» Linien bis zum Hausaplatze ausgedehnt werden. Hierzu ist die Anlage einer Haltestelle ans dem Hansaplatze erforderlich. Unter Uebemichnng des bezügliche» Projektes hat die Gesellschaft beim Magistrat und beim Polizeipräsidin», die Genehnugung z» dieser Bauanlage nachgesucht.— Gleichzeitig hat die Gesellschaft die Genehmigung zu», Ausbau des zweiten Gleises in d« Gertran dien st raß« den. Köllnischen Rathliause entlang und zur Vergrößerung des Krnmmnngs- Halbmessers an der Kreuzung Breitestraße-Köllnischer Fischmarkt nachgesucht. Nach Ausbau dieses ziveilen Gleises in der Gertraudlenstraße soll die für den elektrischen Betrieb nicht geeignete Schleife durch die Scharr»- straße beseitigt werden. Blaffer Neid. Der aararischen„Deutschen TageS-Zeittmg" wird geschrieben: Das sich konservativ nennende„Tellower Kreis- blatt" hält es für angezeigt, urbi et orbi zu verkünden, daß der Ritterantsbcsitzer Rudolf Mosfe i» sei» neues Schloß zn Schenkendorf eingezogen ist. Der jüdische iHiltergntsbesitzer ist in dem guirlandengeschmückten Dorfe wie ein regierender Fürst von seinen Unterhane» empfaiigeii ivorde». Das„Kreisblatt" theilt»ut, daß die Gemeindevertretung und sogar der Kriegerverein angetreten sind, den Besitzer des„Berliner Tageblattes" zu empfangen. Viel- leicht erfahren wir deinnnchst, daß ganz Schenkcudorf de»,„neuen Herrn" z» Ehren zu», Judenthni» übergetreten ist.— Die Agrarier thun Unrecht daran, Herrn Mosse z» schmähe». Er paßt viel besser zu ihnen, als sie wahr haben wollen. Bom Radberkehr während der Pfingstseiertage. An den beiden Pfingstseiertagen passtrte», wie berichtet wird,>» der Zeit von 7 Uhr 'ruh bis 5 Uhr nachmittags die Brücke in Halensee 6521 Radler und 735 Radlerinncn. Darunter befanden sich nur 18 Tandems. Die Statistik des Pfingstverkehrs beweist, daß»uninehr auf je neun männliche Radler eine radelnde Dame kommt. Da? Pfiiigstfest ist, wenn es auch nicht allzusehr von der Witterung begünstigt war, dennoch ziemlich zur Besnedignng der Wirthe in den Vororten verlaufe». Der Verkehr am ersten Pfingstseiertage war ganz gewaltig. Die Straßen Berlins erschienen aus- gestorben, ivährend die Waldungen in der Umgebung von Hundert» tausende» dicht bevölkert waren. Die Elsenbahnzüge waren„atüUich zum theil überfüllt, doch bat es den Anschein, als ob die Ver- ivaltungen diesmal de» Berkehrsbedürfiiissen etwas besser gerecht geworden sind, als i» früheren Jahre». Ueber einige Unglücksfälle, die der Verkehr mit sich brachte, wird berichtet: Das Geländer einer Landuugsbrücke am Kniserbad in Treptow, welche von einer größeren Menschemneuge belagert wurde, brach vor- gestern plötzlich durch und acht Personen stürzle» i» die Spree. Da das Wasser jedoch an dieser Slclte nicht allzniief war, so wurden die Äerunglücklen unbeschädigt aus den Finthen k>cr»»Zgezoüc». Kleinere Nnfnlle sind ans den Feiertagen in großer Zahl gemeldet: 3lm ersten Feiertage gerietst der Pferdebastn-Schaffner Degner, als er mit einem Wagen das Depot in der Waldstraße in Moabit verlassen wollte, mit dein Kops zivischen die Wand der Tramway »nd einen Pfeiler. Er erlitt hierbei außerordentlich gefährliche Quetschungen, sowie auch innere Verletzungen und mußte nach dem Krankenhause in Moabit überführt werden. Beim Älbspringen von einem Pferdedahn-Wagen stürzte am ersten Feiertage in der Bergstraße in Rixdorf ein Arbeiter so unglücklich, daß er mit gebrochenem rechtem Unterschenkel und einer, anscheinend leichten Gehirnerschütterung nach einem Krankeuhause gebracht werden maßte. 31m Stachmittage desselben Tages wurde das in der Barnim- straße 37 wohnende Fräulein F. von der Equipage eines Arztes überfahren»nd an beide» Füßen verletzt. Die Dame wurde a» ihren Wunsch nach der elterlichen Wohnung geschafft. 31m Pfingstheiligabend ereignete sich ein schwerer Unglücks- fall in dem bekannten Restaurant von Jacob an der Köpenicker Kandstraße in Trepiow. Die 26jährige Köchin Brulhan war mit �•;m Sengen von Geflügel beschäftigt und goß den Spiritus ans einer größeren Flasche in das zum Sengen benutzte Gefäß, i» welchem Uch noch etwas brennender Spiritus befand. Ter Inhalt der Flasche rxplodirte und der brennende Spiritus ergoß sich über die Kleidung der B. sowie des danebenstehenden Dienstmädchens Lemke. Die B. erlitt so schivere Verletzungen, daß sie gestern in dem Biitzer Krankenbanse, wohin sie gebracht worden war, verstarb. Die L. sowie auch der zu Hilfe eilende Buffelier des Lokals erlitten leichtere Brand- wunden. Einen rohen Scherz leistete sich am zweiten Feiertage Nach- mittags ein etwa achtzehnjähriger Bursche. Derselbe stand mit einem vierjährigen Knaben in der Nähe von Schildhorn am Ufer der Havel und machte sich daraus ei» Vergnügen, den Kleinen in die Slrme zu nehmen und zu schwenken, als ob er ihn ins Wasser hineinwerfe» wollte. Hierbei verlor der junge Mensch das Gleichgewicht und stürzte mit dem Kinde in die Fluthe». Die Insassen eines Ruderbootes, die den Vorgang beobachtet, käme» den mit den Wellen Kämpfenden zu Hilfe und es gelang, die beiden, wen» auch in besinnungslosem Zustande, zu retten. Puhlmann's Vaudeville- Theater ist am Sonntag in die Sommerfaison eingetreten. Das bedeutet, daß fortan dem Publikum «in Sonnlagsgenuß geboten ivird, der sich, was die Ansdehnuug betrifft, immerhin sehen lassen kann. Die erste Nummer des Pro- jgrnmuis beginnt um 4 Uhr und die letzt« schließt geg-m Mitternacht. Aber auch was die Qualität der Leistungen betrifft, so kann dies Thealer durchiveg in Ehren bestehen. Das Programm besteht aus Konzert- Nummern, dramatischen Darstellung-» und Spezialitäten- Nummer». Sehr erbaulich schließt ein Berliner Lebensbild„Eine alltägliche Geschichte-, das mit gutem Humor von einem eifrigen Ensemble gespielt wird, lebhast beklatscht wurde eine Operelte „Mannschaft an Bord"; und das Spezialitäten-Programm ist so vielseitig, daß es überharp't kaum möglich ist, die Nummern alle auszu- zählen. SIls besonders sinnvoll sei erwähnt, daß denn Vortrage einer Szene aus dein Rattenfänger von Hameln vier lebendige weiße Rallen auf der Bildfläche erscheinen; gewiß der Gipfelpunkt naturalistischer Kunst. Bei derartige» Leistungen nimmt es kein Wunder, daß das Publikum das hübsche Lokal in der Schönhauser Allee dichtgedrängt füllt. lieber die Benutzung deS Fahrrades durch die Unter- Offiziere und Mannschaften der Berliner Garnison hat das Gouvernement eine neue Verordnung erlassen. Nach derselben sind von den Balaillons-Komutandos nur solchen Unlerosfizieren Fahr- karte» auszustellen, deren Dienstalter und außerdienstlich« Führung Garantie für ein ordnungsmäßiges und den Berkehr nicht hemmendes oder erschiverendes Fahren bieten. Gefreite und Gemeine dürfen nach der nenen Verordnung das Fahrrad innerhalb des Weichbildes Berlins nur ans dienstlichen Befehl und zu dienstliche» Zwecke», also z. B. zum Ordonnanzdienst re.. benutzen. Jede Berwendniig des ZFadrrades für private Zwecke ist ihnen bei Strafe verboten worden. Für privates Radsahre» dürfen ihnen daher keine Fahrkarten ans- gestellt werden. Die Feuerwehr hatte während der beide» Feiertage siebzehn Brände zu lösche». I» fünf Fällen handelt« es sich um Selvst- «ntzündung von Preßkohlen ans den Güterbahnhöfe» der Görlitzer, Dresdener und Nordbahn, in der Jnvalideustr. 140 und Duncker- straße 33. In einen» Falle brannte die Kajüte eines am Maybach- user liegende» Kahns, und i» allen anderen Fälle»»varen Wohnung-- brände zu löschen. Ter Braud in der Schering'schen Fabrik fo�ert noch innner Opfer unter den Feuerivehrleulen. Der bei dem Feuer anscheinend nicht schiver beschädigte Feuerivehruiann Bartmann er- krankte im Laufe deS erste» Pfingstlages plötzlich so schiver. daß er in das Krankenhaus eingeliefert»verde» mußte. Sein Zustand besserte sich bis gestern»m ein»veniges, ist aber noch sehr bedenk- lich,»Venn auch gerade kein besonderer Grund für die LebeuSgesähr- lichkeit vorliegt. Das Befinde» des Oberfeuernianns Roihe und der Feuermänner Schivabe und Hein» war am zweiten Pfuigsttage noch unverändert.— Nach de» neuestm Feststellungen find drei Offiziere und 87 M a»», s ch a f t e n der Felierwehr,»velche a» den Löscharbeiten bei der Schering'schen Fabrik beiheiligt»varen, infolge Einathmens gifliger Gase schiver erkrankt.— Ein Opfer seines gefahrvolle» Berufes, der dein» Brande der Schering'schen Fabrik tödllich verunglückte Ober-Feuerwehrinann Wilhelm Krüger,»vurde am ersten Feiertag aus den» neuen Johanuis-Friedhos in Plötzensee zu Grabe getragen. Zahlreiche Leidtragende gaben ihn« das letzte Geleit. Mit der Wilüve und drei Kindern solglen den» Sarge zwei Brüder des Verstorbenen. Aus Furcht vor Strafe ist der 33 Jahre alte Bierfahrer Hermann Sellesuick aus der Cchlicinaiiiistr. 12 ins Wasser gegangen. Es handelt sich un» traurige Folgen einer forlgesetzten Hänselei. S, der bei Bötzow einen Fiascheiibier-Wagen fuhr, wurde vo» seinen Arbeiisgenossen sortivährcnd mit Spitznamen geneckt. Das geschah auch am 31. v M.»vieder aus dein Hose der Brauerei. Der Mann»vurde darüber so aufgebracht, daß er eine S lasche ergriff und damit seinem Kollegen über den Kopf schlug. a er glaubte, ihn schwer verletzt zu habe», so kehrte er»veder zur'Arbeitsstelle»>och»ach Hause zurück. Niemand»vußte, wo er gebliebe»»var, bis»nan am Sonnabend seine Leiche i» Eharlolten- bürg ans den» Landivehrkanal landet«. Gegen de» praktische» Arzt Dr. Rudolf Krüger ist ein Hastbefehl wegen eines schivere»» Siltlichkeiisverbrechens erlassen »vorden. Die zehn Berliner Uufassstatione» wurden im Monat Mai 1337 in 1645 Fällen gegen 1366 iin gleichen Monat deS Vorjahres für erste Hilfe in Anspruch genommen und zwar 1437 mal bei Nu- fällen und 203 mal bei plötzlichen Erkranknnge». I» den Stationen wurden 1230, außerhalb derselben 118 Personen behandelt. Erhängt hat sich am Sonntag der 28 Jahre alte Bügler Edmund H.' aus der Pappelallee 13. Verziveislung über ein»»heil- bares Leide» soll de» Unglücklichen zum Selbstmord gelriebe» habe». Sind keine Arbeiter z« haben? Befreindliches Aufsehen «riegle eS gestern, daß bei»» Umzug der Baumivollfirnia Friedländer U. Maß von der Heiligegeiststr. 8 nach Bischosstr. 8 nicht weniger als 14 Soldaten voin Al-xander-Regiment beschäftigt»vurden. Sind zivilistische Arbeiter der Firnia vielleicht zi» theuer? Zu einer blutigen Messerstecherei kain es am Morgen des »iveilen Feiertages beim Kucheiibackei» zivische» zwei Gesellen deS Bäckermeisters Müller in der Tieckstraße 12. Einer der Gesellen Namens Schmidt hatte das Messer seines Nebengesellen zun» Ab- kratzen einer Kuchenform benutzt,»vorauf letzterer so aufgebracht wurde, daß er das Messer ergriff»nd damit»vüthend auf Schmidt losstach. Dan» schlug er dem plötzlich Ueberfalleue» auch noch mit den Scherbe» einer zertrümmerten Forin ans den Kopf. Schinibt »vurde na»»e»tfich an» Kopfe schwer verletzt und wußte in«in Kranken- Haus gebracht»Verden. Durch einen Kopfsprung bei»» Bade» ist der 30 Jahre alte Thierarzt Erust Hugueuin aus Kyritz zu Tode gekommen. An» Sonnabend Morgen um 3 Uhr ging er mit einen» Kopisprung ins Wasser, stieß mit den» Kopie auf den Boden auf und brach sich das Genick. Ein bekannter Gasthofsbesitzer brachte den Verunglückten sofort nach Berlin in ei» Kraukenhnns. Hier kau» er zivar noch lebend a». verschied aber bereits an» selbe» Abend. Der Verunglückle »var»»»verheiralhet. Drofchkeiiznsammeiistost. Unter de» Linden stießen gestern gegen Mittag zwei Droschken zusammen. Der Zusammenprall»var so heftig, daß die drei Insassen»ind der Kutscher der eine» Drofmke auf das Pflaster geschleudert»vurden. Der Kutscher und einer der Insasse», der'Arzt Dr. Rothflein ans St. Louis, er- litten auschemend schivere inner« Verletzungen, die Frau und Tochter des'Arztes, die gleichfalls ans dein Wagen geschleudert »vurden, scheinen mit geringen Hantabschürfnugen davongelonniien zu sei». SlttS de» Nachbarorte»». Eil« erschütterndes Tra>ua hat sich an» Pfingstsonntag i» PichelSäors bei Spandau zugetragen. Ein Flascheubierkutscher der Pichelsdorfer Brauerei namens'Adolf Weber. 29 Jahre alt, halte ein LiebeSverhälliiiß mit der 28 jährige» Tochter der Wittive Bruck- mann»»Pichelsdorf. In letzter Zeit»var die Neigung des Mädchens zu dein Geliebten erkaltet, obivohl aus dem Verhältniß beider ein Kind hervorgegangen»vnr. Die Ungetreue Halle ihre Liebe iieiier- diiigs einem Sergeanten des 3. brandenburgischen Traiiibataillons zugewendet und wie» den bisherige» Liebhaber, der auf Heiralh drang, ad. Der Verschmähte schlich sich nun am erste» Pfiiigsttage früh 3 Uhr in das Haus der Wittwe Bruckman», bei der auch die Tochter mit ihrem Kinde, einem jetzt l 3/4 jährigen Knabe» wohnt, und nahu» diesen, der in einer Wiege schties, un- bemerkt an sich. Dann begab er sich an das nahe gelegene Ufer der tavel und stürzt« sich mit dem Kinde m den Fluß? beide erirnnke». tivas später ivurde das Kind vo« de» Frauen vermißt und bei den Nachforschungen fand man bald die Leichen des Mannes»nd des Kindes nahe am Ufer in der Havel. Weder fnbr seit längerer Zeit de» Flaschenbierivage» nach Charloltenburg; er»var ein ordent- licher Mann. Nach einer Mittheilnug des Erstcu Staatsanwalts beim Landgericht Pvtodain ist an» 1. Juni am Buhuenkopf des SchlehititzseeS die schou stark in Verivesmig übergegangene Leiche eines Mannes gesunde», die nach ärztlichein Gutachten schon drei bis v»er Wochen in» Wasser gelegen haben kann. Der Tod ist ziveifellos durch eine schliere mit einem scharfen Justruineut vo» fremder Hand zngesügle Schädelverletznng herbeigeführt nrorden. Der Versto»be»»e»var 1,72 Meter groß, halte dunkelblonde 3 Zenti- »leier lange Haare, röthlich blonde» Schnurrbart, im Oberkiefer vor» und hinten»md im Unterkiefer hinten sehr defekte, vorn gute Zähne. Wer Angaben über die Person des geivaltsau» Gelödtele», über die Zeit, den Ort oder die Umstände der Töviuug oder über den Thäler machen kau»,»volle der nächst erreichbaren Polizeibehörde oder der Staalsamvallschafl in Potsvam Nachricht geven. Eine» schrecklichen Selbstmord Hai in Rixdorf ein fast 60- jähriger Pensionär Grase begangen, indem er sich mit eineiu Rnsir- mefscr erst an beide» Armen die Puleadern und dann den Hals durchschnitten hat. Et» geisteskranker jnnger Mann, der 20 Jahre alte Mechaniker Arihnr Mensel aus Schöiiebag,»st seit dein 1. dl. Mis. verschwunden._ Eine in ihrem Verlaufe interessante Verhandlung, deren Älusgang-pniikt nicht»veniger als»enu Jahre zurückliegt, beschäftigte ain Sonnabend die vierte Straskannner des Landgerichts 1. Frl. I. nnterhielt in» Jahre 1888 mit dem Kausmann G. ein Lubes- verhältniß, welches ihrer Angabe»ach»icht ohne Folge» blieb. Ais sie dies ihrem Bräntigain»»ittheilte, verließ er sie. Die I. will ihm vorher»nitgeihrilt haben, daß sie die Hisie der Hebamme M. in Ansprach nehme» wolle,»»» die Folge» ihres Umganges mit ihm zu beseitigen. AiisaiigS dieses JahreS wollle sich die I. mit eilten» anderen Herr» verheirathe». Dadurch erivachte die Eifersucht des früheren Liebhabers G., der erfolglos versitchle, wiederum mit der I. anznlnnpsen. Die I.»var kamn verheiralhet, als sie sou'ohl»vi« die früher von ihr namhaft geinachte Hebaniine eine Älnklage»vegen Ver- breche»? gegen das keimende Leben erhielte». Die I., welche ihre» frühere» Liebhaber für den Urheber der 3l»ze»ge hielt, gestand die Thal >» der Vorunlersncbung ein,»vährend die Hebamme ihre Schuld»»it aller Eiitschlebeuheit bestritt. Im Termine zog auch die erste Augeklagte ihr früheres Gesläitditiß zuruck. Der Staatsanwalt beantragte geg.» beide AngeUagte» das Schuldig. Rechtsanwalt Wiener, der Veriheiviger der I. jührle aus, daß sich das Verhallen derselben vom psyctzo- logischen Standpunkte arrs recht gut erklären lasse. Sie habe da- nmlS durch die unwahre'Angade ihren Bräiltiga», zur Heiralh orängen»vollen und sich nachher geschämt, dies einzugestehen. Der Gerichtshof entschied sich für Freisprechung beider'Angellagten. Tie Schwurgerichtöpcriodc des Landgerichts I schloß am Sonnabend mit de» Vcrhaudtniig einer Anklage»vegen vorsätzlicher Brandstijtuiig ab. Ter Käufmann R o b e r t Hü bei» er»»nd sein Kommis Wilhel»» Brandt»vurden aus der Untersuchmigshast vorgeführt. Hnbener besaß an der Ecke der Thür»»- und Rostocker- straße»in Kolonialivaaren- Geichäfl, welches er bedeuleud über de» Werth versichert hatte. An» Nachmittage des zrveiien WeihnachtsseierlageS des vorigen Jahres brach in dem Keller unter den» Hübetier'sche»» Laden Feuer aus, einige Stunde» nachdem Brandl das Geschäft verlassen halte. Hübener halle sich schon des Morgens entfernt. Daß das Feuer, welches bald ge- löscht ivurde, augelegt»var, uulerlag keine,»» Zweisel,»vurde auch von beiden'Angeklagten aiierkannr, aber entschieden bestritten sie, daß sie dabei die Hand im Spiele gehabt. Beide behallptelen, vor einein Rälhsel zn stehen. Der Slaalsamvatl vertrat n»f gruud der»»»»faugreicken Beivetsanfnahme die Ansicht, daß nur die beiden Angeklagten den Brand angelegt haben könnten und zivar habe Hübener seine» Angestellte»» Brandt dazu angestiftet. Die Vertheidiger wiesen daraus hm, daß mir Verdacht«- gründe, aber keine Beiveise gegen die Angeklagten vorlägen. Die Geschivorenen verneinten sämmtliche Schuldjragen, ivoraus die An- geklagten sreigesprochen und sofort der Freiheit iviedergegebei» »vurden. Ter praktische Arzt Dr. R. stand am Sonnabend vor der 7. Etrastammer de? Landgerichts I. unler der Anklage,»vider besseres Wissen über de» Gesundheitszustand eine« Menschen zum Gebrauch bei einer Behörde«in unrichtiges Z«t gniß ausgestellt zu haben. Das Landgericht hatte nrsprünglich abgelehnt, gegen den Angeklagten eiuzuschrelte»»; auf die Beschweide des Staatsauivalts ordnete das Kamiuergerlcht aber die Einleitiiiig des Verfahrens an. Ter Anklage lag folgender Sachverhalt zu gründe: Der Kellner Ps.»var von» Schöffengericht zu einen» Monat Gefängniß vernrtheilt»vorde». Er legte Berufung ein, die aber ver- »vorfe» wurde, da er zum Termine vor der ziveite» Instanz nicht erschien. Nun deantragie Pf. die Zurückversetznug tu den vorige» Staiid, indein er gellend»»achte, daß er am Tage des Termins krankheitshalber das Bett babe hüten müssen. Man sorderle ihn auf, dies durch Beibringtmg eines ärztlichen Ältestes zu beweise». Darauf brachte Pf. ei» von dem'Angeklagten Dr. R. ausgestelltes Zeugniß bei, worin»hm bescheinigt»vurde, daß er den'Angrktaglen au» 28. November— dem fragliche» Tage— kvnsultirt und derselbe das Bett gehüiet habe. Da eS auffällig erschien, daß Pf. dies Attest nicht schon am Tage des Termins dem Ge- nchtshofe unterbreitet hatte, so wurden Erniitteliiiigen angestellt. Es ergab sich, daß der Slrzt sich nicht aus eigener Anschauitug davon überzeugt hatte, daß der angebliche Patient auch wirklich das Bett gehütet»md daß die.Konsultation" sich daraus beschränkt halte, daß Angehörige des Pf. zum Arzt ge- gangen und dessen Rath i» Anspruch genommen halten. Hierin »vurde der Verstoß gegen Z 278 Str.- G.- V. gefunden. Der Angeklagte gab an—»md dies wurde durch die Zenaen» vernehmmig bestätigt— daß er den Kellner Pf. schon »viederhoit a» einem Magenleiden behandelt habe. � Au» 28. November seien Angehörige de? Pf. wiederholt bei»hm e»schie»en mit der Bitte, den»viedernm Erkraulten zu besuchen, er habe es abgelehnt mit dem Bemerke», daß er das Leiden ja kenne, Patient solle Umschläge mache» und im Bett liegen bleiben. Als man dann später die Bitte an ihn richtete, dies zu bescheiiiigen, habe er es in» guten Glauben getha». Der Slnatsamvall hielt dafür, daß das Zeugniß in zwei Piinkte» unrichtig sei, erstens könne man die Einholung eines Raths von selten dritterPersoiien nichleine„Konsultation" nennen und z»veiie»s wußte der Angeklagte garnickt, ob der Patient»virkiich das Bett gehütet habe»nid habe hüten müsse». Ec beantragte gegen de» Aiigeklagten eine Gefängnißstrafe von sechs Monate». Der Vertheidiger. Nechtsauwalt Wrouker, führt« aus, daß die Sluklage unhaltbar fei. Einen Arzt könne man mündlich, schriftlich, lelephonisch oder durch andere un» Rath»»gehen, eine „Koiisulralion" sei es immerhin. Auch habe der Slngeklagte fest davon überzeugt sein könne», daß sein Patient»vie in früheren Fällen das Bett gehütet Hab«; jedenfalls sei das Zeugniß iin besten Glaube» ausgestellt. Diesen Ausführungen trat der Gerichtshof bei und erkannte auf Freisprechung. „Vaterlandsloser Geselle"— eine Beleidigung? Ein interessanter Beleidigungsprozeb ist in Elberfeld anhängig g macht »vorden. In der Hitze einer politische» Tebnlie, die zmifcke» einem „nferlosen" Marineschwärmer und einem Milgliede der Jiiedeus- gesellschaft daselbst staUläud, schleuderte der erste»« sein«»» Gegner die Worte ins Gesicht:„Sie sind ja ein vaterlandsloser Geselle!" Daiaufhin hat der Friedensfreund die Privalklage erhoben, und das Gericht»vird nun die inlereffanle Frage zn entscheiden haben, ob der Zlusernck„Vaterlaiidsloser Geselle" eine Be- lcidigung enthält. AuS dem meckleubnrgischc» JinikerparadicS. Der Guts- Pächter Ritzmann auf den» gräflich v. Schack'iche» Gilt Zülow bei Holthusen hatte seinen Knechten verdorbenes Schweinefleisch zu essen geben lassen. Die Knechte»varen dara» erkrankt und beschivertcn sich bei den» Dieiisthe»r». Dieser fuhr sie hart an und schalt, daß sie gehen könnten,«eni» ihnen das Essen nicht gcfiele. Auf dem Flur kam es da»» zn eine»»» Wortivecksel, der ein gericht- liches Nachspiel hatte, indem die Besch, verdeführer»vegen Haus- friedenSbruchs und Dieiistveigehens angeklagt wurden. Das Schöffen« gericht zn Schiverin aber überzeugte sich vo» der Unschuld der 'Angeklagten und erkannte ans Freisprechung, trotzdem der Slaatsa'uivnlt einige Wochen Gesniigniß, sowie zehn Mark Geld- strafe beantragt hatte._ Versa mmlttttsen. Der V. Kougrcst der Arbeiter- Ttcnogläphen- Vereine Deutschlands(Slisteni Neustolze) tagte am Pfingstsonntag« den 6. Juni er. in Berlin, Linbenstr. 106, bei Zubeil, i» ivelchen» Lokale der Berliner Berei» jeden Freilag feine Eitz»,»gen abhält. Aus dein Geschäfts- und Kassenbericht ging hervor, daß zu den bieheriae» 30 im Lause des lttzien Jahres 6 neu« Vereine und diverse Einzel- Mitglieder den» Verbände beigetrete» sind und die Mitglie- e>zahl sich dem entsprechend v-r»l>hrt. Leider konnte die Agitation nicht in dem Maße betrieben»verdcn wie früher, da der Vorstand bis auf 2 Personen reduzirt»vurde,»velche vollauf mit der Erledigung der verbaudsgeschäst« zu thun hatten. Ter Kongreß hat aber durch entsprechende Slatiilenänderung und Wahl von beivnhrte» Personen in den Vorstand dahin geivirkt, daß in dieser Beziehung ei» baldiger Ausschivnng zu er- hoffen ist. Ebenso ist die Leitung des Organs,„Der Arbeiter- slenogrnph", Ivelches leider ein D>si,it von ItvMark verursacht hat, wieder i» die Hände des neue» Vorsitzenden, Genossen Bendsckneider» Hamburg, Bremer Straße 28, gelegt und damit die Geschästssührung vereinfacht»vorden, indem die ansivärtige» Mitglieder iiunniehr nur »och niit einer Person zn korrespondiren haben.— Ferner lag de»» Kongreß ein Älritrag vor,»velchcr die Errichtung einer Prüflings- konimissio» bezweckt«, die allen das Einigungsgebiet berührenden Fragen ihre Aufmerksamkeit znivenden und dahin streben soll, daß iiur von dieser Konimission geprüfte Miiglieder zum Unlerricklen in de» Vereinen zugelnsse» werden. Der Entivurf soll zunächst gedruckt und da»»» den Vereinen unterbreitet werden.— Ein Antrag:„Wie stellt sich der Verbandstag zur Abhaltung eines internationale»,»nid inler- systenialen Arbelter-Stenographen-Kongresses?" ivurde als verfrüht bezeichnet und eine sick dahin aussprechende Resolution angenoimnen. Nachdem dann die Diätensrage geregelt und ein Antrag, den nächste» Kongreß nach zivei Jahren abznhallen, angenvmme»»var, schloß Gen. Bendschneider den Kongreß mrt der Bille, daß die Alilglierer danach trachten möge», die erivorbenen Kenninisse in 'Arbeiierversanrmluiigcn praktisch zu verrverthe». Zrel>»it«e-K>>»»>»k>«s4i»I». Tie Btbllolhel tu der siordschule Brunnen Nr i6, lsl für die Miiglieder a» folgende» Tagen geöffnei: Sonn- lag«, vormillag» vo»»o-ie, Dienstag« und F> e i l a g S, abend»>>s dii >0 Uhr. MilgliedSbeilrÄge weiden an diefen Tagen in der Nordschule enig gen- genommen, ebenso in folgenden Zahlstellen: Woilfr. Schul», vdnitralstr.«v». Schöning, Köpnicterstr. os: Reut, Barnirnstr.«»: Babiel, Mofenlhaierllr. 67. Mcinerl, Müllerstr, 7a; Burghaufc, Pmbufeistr. sa; Binnlenfeld, Euphanstr. 29, Werner, Bülowstrahe 69; ivrnbe, Marientorferstrahe«: ttabler, Junlerftraße 1; H, Königs, Dieifenbachfil. sa. Alle Zufchriste» find an den Boisttzenden Paul Mücke fr., SO. Man- »«usteistr,>2», Seldfendungen an den ttafstrer H. König«, L, Dieffenbachstr, so, »u senden. �>drit»r Köng-rdnnd Berlin»»nd»,»gegen». Bor sitzender«Id. Neiunann, Schweden flr.»s, v. l Tr. Alle zienderungen im Bereinttalender sind j» richlen a» Friedrich Ko rln i», Mnnleustelür 49, v, 2 Tr. Knud den gesellige» Zirbetterverel»« Merlin»»nd der Zl»,(legend. Bor- sitzender P.(Seilt, DriSdenersir. 107/ios. Alle guschrisien, den Vrreinslalender delrefsend, find an H. Bendir,«lrrandrinensirahe loa,»>l richlen. jandomaiinfchofe der Kchlrowlg kialsteiner. Heul», abend» Slf Uhr: Zufammenlunfl in Feuerstein'S Festfale», Alle Jatobstr. 75. Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstniide findet MontagS, Dienstags, Freitags und S o>» n a b e n d S, abends von 7—8 Uhr statt. M. G. 300. Sie.- 8.«. 1. und 2. Ja.«. R. 70. Fall« nicht der schwierige Nachweis geführt wird, baß die Tanle bel AMnfning bcS Testaments zurechnungsunfähig war, würde die Anfechtung erfolglos lein. Sie können Ihre Koiocrung gegen die Erben geltend machen.— K. K. Wenn Sie eine lrankeiiversicherungSpflichtige Arbeit ausübe»': ja, sonf: nein. Rvetter- ProstNosc für Mittwoch, den 9. J»ni 1807. Nackrs kühl, am Tage etwas ivariner, vielsach heiter, zeitiveise »völlig bei ziemlich frischen»ördlichen Winden, keine oder»»»erheb- liche Niederschläge. Berliner Wetterb urrau. i?iir den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum„cgcnüber keinerlei Verautwortnug. T Henker. Mittwo dj, den 9. Juni. Skeues tgl. Lpcrntheater(ftrotl). Hömel und Gretel. Phantasien im Bremer Rathskeller. Schauspielhaus. Nathan der Weise. Deutsches. Einsame Menschen. Berliner. Die Maschinenbauer. Lessiug. Die Geisha. Schiller. Papa Nitsche. Neues. Trübt). Linde». Girofle-Girofla. Thalia. Rothe Zettel. Westen. Die Hugenotten. Friedrich- Wilhelmstödtische». Lehmanns Kriegs-Abcnteuer in» Orient. Bcllc-Zllliance. Konstantinopel. Ofteud. Unsere Reichspost. Residenz. Dekorirt(vsoorö). Alexauderplah. I. Die versunkene Glocke. II. Morituri mit a) Teja. d) Das Ewig-Mönnliche. c) Fritzchen. III. Die Geisha. Bolls. Auf eigenen Fiisien. Apollo. Venus auf Erden. illerTH rttkcr (Wallncp-Thentcr). Mittwoch, abends 8 Uhr: Papa Nitsche. Donnerstag, abends 8 Uhr: Deutsche Schwanke. Ostettd-Theater. Gr. Fraulfnrterstr. 182. Dir. S. Weih. Hente und folgende Tage: Unsere Reichspoft. Bollsstnck mit Gesang in i Akten v. Kneisel. Musik v. C. Schüler. Anfang 7l/z Uhr.— Im Garten: Gr. Spezialitatcn-Vorstellung. Konzert. Theater. Hugo Schulz. Instrumental- Komiker. Anfang 5 Uhr._ Yiktoria-Brauerei (Garten resp. Saal) DUtzow- Mrasae 111/119 nahe Potsdamer Plag. lleutv sowie täglich; Siettiner Sänger lMeysel. Pietro. Britto». Steidl. Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Entree Fl) Ps. In, Vorverlauf sind Billets ä 40 Pf. und Familien-Billets k 1 Mark (für 3 Personen gütig) zu haben. (Siehe Plakate.) Jeden Sonntag u. Donnerstag nach der Soir«: Ta»z-Kränzchen. Goncordia Variete-Theater _ Itrnnncnstr. 1S4. 3W Jeden Sonntag:-MA Crosse Theater- und Spcaialttäteii-Voratellang. Immer neues Programm. Ansang 6 Uhr. Entree 30. reserv. 50 Pf. Jeden Tonneistag:-MG Familien- Abend. Cr. Theater- Yorstellang. Ans. 7»/, Uhr. Entree LS, reserv. 40 Pf. Der Sommergarten ist nebst Kaffee- kiiche geöffnet. LI r a n K Tanben-Strasse 48—49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr von», ab. Eintritt Fv Ps. Wissenschaftl. Theater abend« 8Nhr Jnvalidenstr. 57/62(Lehrter Stadt- Bahnhof); Täglich von 5 Uhr nachmittags ab biS 10 Uhr abends Stern- warte und Mondpanorama. Eintritt 50 Pf. Näheres die TageSanschläge. Passage- Panoptiem Die Kiader der Wüste. 80 Personen. Vorstellung 18, 5, 7. S Uhr. i""" Castan's I Panopticum. I Haut Di« elektrisch I nCU. belebten H ÜPllf""<1 künstlich H nCU. sprechenden i Heu! Menschen.�! | Heu! undhochkomisch! Volks- Theater 34. Reichenberger- Straffe 34. Sommer- Saison. Abends 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. 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