\ V yU'-no n) >/ «nzelprels 10 pfg. tov ✓ 1 a*««ftotrSajfc«b Sdiw fflS«m»»tsno. »»tiäqt M fntai SuHtflsaf(M h«u» lü: Kr»�» S«U» IJC M 1 paftbcjaf«�w 8«fltBgtWI)i nwiMtL*?�, M Zust-IuNh amn Streift«»» Ol vi» JMM<*• I» W«IM OuMnt tm fh mt KttahiBMi Berft» NW- T«chGdaoerdamm l» UM» p-ernsprechtti Hau Stord« 280& au» 8890. V i e Abenö-flusgabe j,r m t r" in ftüvtmt*©Ott 40 pf. tttw» axUm wmft 20 p«. CaiMun3SS»(4t«4 M V Od jamilio». m» 0«rs-»«l»V<«Z««« fällt der Zuschla, fert. Inserat« für den daraus» Wjende» Ta,«tge« �Adtn* W»» Ufer nachmitta«, bei der«kp-dit,»n aufgegeben l-m. «Kediti«»! BerN» RW 0. Schiffbauerdamm»9. Atrusprech»»» Amt Storde» 9708. Berliner-Organ i>er Vmbdängiffen Swialömwfratie S>entJWianö$ Jahrgang S Mittwoch, öen 2ö. Zebruar 1919 Nummer 103 Kurt Asners letzte Zahrt. Kurl Eisuers Seskallung. Priaattelegr amm der»Freiheit�. Müucheri, M. Fdjnwx. Heut« oat frSyen Morsen Levegten sich v.n!"- «ich de« Osten MünchiuS»»geheure Meuscheumasten.«xf der Theresieuwiefe versammelte» sich die Masse» mit ihre» SrSnze»»nd zöge» von dort i» feierlichem Zuge»ach der Halle de» Ostfriedhofe». I» der Nähe de» Friedhofe» hatten sich die Mensche» ange. sammelt, so dasi«a» kau» mehr Zutritt»ach de« Friedhof hatte. Der Friedhof war ring»»« abgefperrt. mir die Delegationen fanden Eiugaug i» die EiufeguuugKhall«, in der auch die Leidtrage«« de»«ud Ilrwerwandte« Kurt KUner» de« geliebte» Doten die letzt« Ehre«weife» wollte», Die Hall«, ei» höh« Kuvvelra»»», wie da» römische Pantheon, gast i« Dämmerlichte de» frühe» Morgen? mit de« Kränzen ei» feicrfche» Bild. Die roten Schleife» leuchtet«» und die weiße» Blume» sprachen Friede«. Matrofen trugen den schwarzumflorte» Sarg Kurt EiSuer» in die Halle und rote Fahueu senkte» sich üb« ihn. E» kamen Deputationen auf Deputativne» mit ihren Kränze», die sie hocherhobeu durch da» Portal d« Halle trugen und um de» Sarg herum"niederlegte». Währenddessen spielte «a» da» X»Moll.Präludiu« von Vach, HSudelö Sri« au» dem Elia» wurde gesungen. Daun trat Gustav Pandaner vor den Sarg»nd hielt sei»« G«dächtui»rede an den Freund und Führer Kurt Ei»»«. Er wendet sich au die Auverwaudtea, Freunde und im Leid geeinte« Genosse». Landau« begann mit Goethe» Wort, von de« Weuige», die »an von feh« gekreuzigt»nd verbraunt hat. Daran schloß er die Worte de» 18jährigen Eisners„Aus dem Martyrium": Da» ist b« Jammer dies« Welt, Daß all die Dummheit der Millionen De« Weuige», die d« Geist erhellt, 1 Den Weisen wird zur Dvrneukroue. Landau««inuerte bau« a« Jesu»»ad a» Johau« Huß, und sagte, daß Eisner einer derer ist, den die Dummheit und der Eigen» nutz d« Mensche» hingerichtet hat. Er war ei» Streiter bis zu. letzt. Er war ei» erust«, fpröd«, strenger Mau». Gr kaante leine andere Glückseligkeit al» die der andere» Meusche«. Er war nicht schuldig,« wußte»ur vou der Freude tu b» Gemeinschaft. Er hat imm« nur dem Gedankeu gelebt, baß d« wahrhaft lebt, d« tu de» auberu Mensche» lebt. Er wollte Gemeiuschast mit de» ander».„Mord oder Qual, da» ist die Wahl." Er hat gewählt, er ist für da» Proletariat i» die» Qualealebeu gegauge». Er hat jede Gewalttat abgelehnt, und darum hat« de» Mord gefundcu. Hingebung hat ihm etu Leben lang begleitet. Laudauer schilderte, wie schon der junge Ei«»« leine Furcht vor dem Tode gehabt habe. Meusch, stirb im Lebe« ab. Bevor du weiterschreiteft, Damit du in bei« Grab Wie in dein Bette gleitest. Hätte« doch die Mensche» die Mild«, Kindlichkeit die Sehn. sucht, froh sei» zu kSuue», bei Kurt EiSu« gesehe«. Ei« Erlebui» der letzte» Tag« schilderte Laudau«. Ein Mau« au» einer De. putatioa schluchzte die Worte.« möchte sich selbst hiulegeu und sterbe», wen»«»ur Kurt Eisner zum Lebe» wiedererwecke» Suute. Wen« doch die Menschen im Leben s» für einoub« tot sei« köunteu! enu erst, wen» einer tot ist, erkennen sie ihn. Kurt Eisner war ei» lebendig Toter, weil er ein in Ewigkeit Lebendiger gewesen ist. Sei» Weg war genau so wie der Weg der Menschheit, ei« Leidensweg. Er war ei« Redner, weil er ei« Schweigender war. Wer ihn je gehört hat, weiß, daß er jeden seiner Sätze auS dem Schweige» herausholte. Kurt Eisner, der Jude, war ein Prophet. Er war ei« Prophet auch in dem Sinuc, daß er die Zukunft voraussah. Er hat da» Entsetzliche der kommendeu Zeit gefühlt. Aber wir müsse» hoffen. Am Rande des Abgrunds werde» die Menschen endlich zur Vernunft, zur Tat des Guten komme«. Ketzt rüstet 5az MüMener PraletarÄt Kurt Eisner« letzte Fatzrt. Di« Arbeit ruht, bis roten Fahnen, schwarz umrändert, sind auf Halbmast gesetzt, die Glocken läuten und das Volk, sein Voll, das er so sehr geliebt, folgt in unabseh» baren Massen dem Sarg. Und im Geiste folgt diesem Grabe zur Stunde das ganze deutsche Proletariat und mit ihm trauert die Internationale, di« mit wiederaufgerichtet zu haben Kurt EisnerS stolze Genugtuung sein durste. Einen Fremdling, einen Zugewanderten, einen Juden haben sie ihn gescholten; gehöhnt, daß er ohne Stütze und Halt im Boll« sei, ein frechst Usurpator der Macht. Nicht erst die grandiose Trauerkundgebung hat usS belehrt, daß eS Verleumdung war. EiSner hatte die de» Volle», Werl«S stWie. daß dieser Mann vor vielen anderen eines besaß, da» Wichtigste und Größte: den Charakter. Selbstlos war EiSner und da» Seltene war ihm ge» geben, daß. wo«S sich um die großen Dinge der Menschheit handelte, er die eigene Person ganz vergaß, daß alle» Kleine, Eitle, Vergängliche völlig zurücktrat in der Hingabe an das Allgemeine, a» die große» Menschheitsprobleme, an das. wa» den wenigen tokWich großen Menschen da? Leben allein lebenswert macht. Das haben die Masten mit un» trüglichem Instinkt herausgefühlt, deshalb haben sie ihm vertraut und ihn geliebt. Wahrhaftig war EiSner. Leidenschaftlich hat er die Lüge gehaßt und den falschen Schein. Deshalb war er der Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft, ihrer Vortäuschung einer Scheinkultür, die das Privileg einer schmalen Schicht ist, ihres blendenden Luxus, der auf der Mastenarmut berufst, ihrer Freiheit, die sich auf die ökonomische Knechtung gründet. Weil seiu Charakter keine Lüge ertragen konnte, war er geborener Revolutionär und die Revolution wurde ihm Bedingung deS Weiterlebens, als das Grauen deS Krieges die entsetzliche Verlogeniheit kapitalistischer Zivilisa- tion enthüllte. Das haben die Massen gefühlt, deshalb haben sie ihm vertraut und ihn geliebt. Deshalb aber haben ihn auch alle gehaßt, mit wütendem Haß, mit verbistenem Ingrimm, die die Lüge brauchten, die Beherrscher der kapitalistischen Welt, wie die Feigen, die mit ihr ihr Kompromiß geschlossen haben. Sie haben ihn gehaßt, die Gemeinen den Edlen. Und dieser Gemeinen gah es nur allzu viele in diesem Deutschland, in dem der Wirt schaftliche Aufschwung vor dem Kriege das Sinnen und Trachten aller Schichten nur dem Gelderwerb zuwandte, in dem verlogene Erziehung, verlogene Politik, feige Rech nungsträgerei und Strebertum und zuletzt der der» rohende Krieg das Voll korrumpierte, die Bourgeoisie feige und unterwürfig, die Intelligenz dumm und charakterlos, breite Schichte« der Arbeiterschaft ideallos und nur auf materielle Errungenschaften bedacht gemacht hat. In dieser Unweit richtete sich Kurt Eisner zur Höhe auf. Ein Erzieher deS Volles zur Charakterfestigkeit, zur Wahrheit und Hingebung an das Ideal wollte er sein. Kurt Eisner konnte dieser Erzieher werden, weil dieser Charakter ausgestattet war mit allen Gaben eines reichen Geistes. Erfüllt von allen Schätzen, die unsere reiche deutsche Kullur zu vergeben hat, gründlicher Kenner alles dessen, was fremde Geistesarbeit uns gesdstnkt hat, mit schöpferischer Phantasie begabt, war kein Gebiet menschlichen Schaffens diesem Geiste fremd. Mit Eisner. dem gründlichen Kant-Kenner über philosophische Probleme zu diS- kutieren war hoher Genuß; seine Urteile über Literatur, Musik und Kunst hätten bei jedem andern Voll alz bei dem deutschen, das seine Besten ächteten, wenn sie Sozialdemo- kraten waren, ihm eine erste Stellung unter den produktiven Kritikern eingeräumt. Und auf dem Gebiete der Politik, der Geschichte, der Qekonomi« hat dieser Mann umfassende Kenninrste besessen, die die DorauSfetzüng polittschen Wir- kenS, da» wehr als üloßeS Handwerk und Routine ist. bilden. So kam EiSner, von Wilhelm Liebknecht gerufen, zu uns. Er ging zum„Vorwärts� und gab dem Blatte Glanz und Farbe. Denn ein funkelnder Stil ergänzte die reichen Gaben. Vieles von dem. was EiSner geschrieben, ist heute lebendig, wie am ersten Tag und wird fortleben. Und nebe» den politischen Artikeln schrieb er jene satirischen Feuilletons. die so lange eine Freude aller Leser waren. Dann kam der schmerzliche Konflikt und wir sind eS dem, große» Manne schuldig, in aller Offenheit darüber er» paar Worte zu sagen. In dem Ssteit zwischen Revisionis. maS und Marxismus nahm Eisner, dieses revolutionäre Temperament, in wichtigen Fragen Stellung für die Re- pistonisten. Heute, nach vierzehn Jahren, können wir feine Motive bester begreifen und vieles verstehen, was uns da» mal» unverständlich blieb. Eisner, der stürmische Dränger. litt schwer unter der vollständigen Einflußlosigkeit der Demokratie, besonder» der Arbesterdemokratie auf das offent- lichs Leben. Er glaubte auch zu erkennen— und darin hat er kaum geirrt—, daß der damalige Radikalismus der Pai> toi nicht tief ging, daß er zwar theoretisch konsequent war. aber praktisch versagte, weil die Tatberettschaft fehlte. Auch wir fühlten das und versuchten, durch schärfere Bekämpfung deS Opportunismus, durch Propaganda deS Massenstreik- gedankenS. die Arbeiterklasse vorwärts führen zu können. Eisner war skeptisch und glaubte an die Möglichkeit� im Bunde mit der bürgerlichen Demokratie daS autokratische System erschüttern zu können, glaubte wenigstens, daß auch dies ei« Weg sei, der nicht verbaut werden sollte durch radikale Beschlüsse, die doch nur Resolutionen blieben, aber die bürgerliche Welt erschreckten. Uno darin, in der Ueberschätzung der deutschen bürg er- liehen Demokratie lag wohl Eisners Irrtum, den er spät« deutlich und schmerzlich eingesehen hat. So aber kam es damals zu dem Konflikt zwischen den Marxisten und dem Manne, der uns selbst damals in seiner revolutionären Grundstimmung. in seinem stürmische« Drang nach vorwärts doch viel näher stand als seine Bundes- genossen und auch manche der unseren. Schmerzlich war der Konflikt und schmerzlich seine Fol' oen. EiSner ging nach München; aber dort fand dieser füh- rende Geist nicht das Betätigungsfeld, dessen er bedurfte. Schwer Hot er damals gelitten, schwer die Partei, die seiner b�diwst hätte. Dann kam der Krieg, die Niederlage und EiSnerZ historische Stande schlug. Der Krieg war eine unerbittliche Probe. Die Feigen und Rechnungsträger, die Unwahrhaf- tigen und Halben hat er geschieden von den Mutigen und Wahrhastigen. Für EiSner gab es kein Schwanken. Er bekämpfte den Krieg, er ging ins Gefängnis und kam heraus, um die Revolution zu organisieren. Denn dieser große Schriftsteller war auch ein leidenschaftlicher Mann oer Tat. Er st-llte sich entschlossen an die Spitze uckt in der Pacht zum >l. November kam endlich die Erfüllung. Eisner erzählt: .Ztvei Tage vor dir Revolution, als die Masse» aus einer Wahlversammlung in München nächtlich auf die Thcresienwiese geströmt waren und diese tausend Ungeduldigen nach einer Tat verlangten und darauf drängten, noch in jener Nacht nach München zu ziehen und dort die Revolution zu entfesseln, rief ich ihnen zu: Ich verbürge meinen Kopf, daß in achtundvierzig Stunden München aufsteht. Diuse» Versprechen habe ich auf die Stunde genau eingelöst, mit der Uhr in der Hand beinahe. Wenn man am selbcn Vormittag, an dem nur ein paar Arbeiter und Soldaten ins Vertrauen gezogen waren, wenn ich den Leuten da gesagt hätte, daß in wenigen Stunden die acht- hundertjährige Wittelzbacher Herrschaft für immer erledigt sei» daß eine bayerisch« Republik ausgerufen werde— sie hätten mich sofort ins Irrenhaus sperren lassen." Statt in? Irrenhaus zog er an der Spitze einer un- geheuren Menschenmenge von Arbeitern, Soldaten und In- tellektuellen ins Ministerpalais ein, stürzte die Äten Mächte. oen Hof, die Hofschranzen, die Bureaukratie, das ganze überfällige System, konstituierte den Rat der Arbeiter, Soldaten und Bauern, übernahm den Vorsitz und erließ in der Nacht zum 8. November den ersten programmatischen Aufruf an die Bevölkerung:„Der Bruderkrieg der Sozia- listen ist für Bayern beendet. Auf der revolutionären Grundlage, die jetzt gegeben ist, werden die Arbeitermassen zur Einheit zurückgeführt. Es lebe die bayrische Republik! Es lebe der Frieden! Es lobe die schaffende Arbeit aller Werkr genl" So wurde Kurt EiSner der Führer der bayerischen Re- Volution, ihr Bahnbrecher in Teutschland. Großes hat er a-tan und Geschichtliches vollbracht. Was den Kleinen, die so stolz sind und so überlegen tun mit ihrer Realpolitik, ganz unmögl'ch schien, hat der unerschrockene Idealist ge- leistet-m unerschütterlichen Glauben an die Macht der Idee, im Vertrauen zu den Massen. � Ihr heißer Dank hat ihn an die Spitze der Regierung gefühlt und in allem Großen und Wichtigen hat er das Richtige getan. Er hat der Wahrheit gedient, er hat der Arb-ssterklasse die Treue gehalten, er hat die Revolution geschützt. Deshalb ist er ihr Märtyrer geworden. Aber dieser Opfertod soll nicht umsonst gewesen sein. Im Leben wie im Tode hat Kurt Eisner für den Sozialismus gewirkt, sein Leben wie sein Tod werden der Sieg des Sozialismus beschleunigen, werden den Triumpf der Arbeiterklasse heraufführen. Kurt Eisner ist tot. Aber sein brechendes Auge hat die Morgenröte der neuen Zeit gesehen und an seinem Grabe schwören wir: nicht lange und die Sonne der Freiheit soll auf diesem Grabe die roten Nelken erblühen lassen. Sur! Eisners veslallrnig. lFortsetzung von der l. Seite.) Gustav Landauer fuhr in seiner Rede fort: Er war unbarmherzig gegen den kleinen, erbärmlichen Mew> /che», weil er die Menschheit liebte. Er war Prophet, weil er die Not durchschaute und die NoUvendigkeit sie zu ende». Er war Prophet, weil er ein Erkennender war und unerschrocken auftrat gegen jede Bcrlogenhrit. Er war ein Schwärmer und zugleich ei» trockncr Forscher. Er war Prophet auch in dem Sinne, daß er die Zukunft voraussah. Kurt Eisner ist der große FührerderWeltredolu. Holt. Schon im Jahre 1S17 hat er d«e nationale Katastrophe nahen sehen. 1gt8 sah er den Augenblick zur Tat, um die Menschheit zu retten. Der Generalstreik scheiterte und brachte ihm acht Monate Gefängnis. Al» er vas Gefängnis verließ, bereitete er fokort die Revolution vor, die fein v r r- lnächtnig an die Menschheit ist, und die wir fest und human weiterzuführen haben. Er schrieb damals einen«rief, den jetzt die Welt vernehmen soll, die verhetzte Welt, die sich an Leben und-Besitz klammert. Roch einmal s»N EiSnerS Weist sprechen. Er schrieb an seine Frau am l. Januar 1918 in ganz leisen Wor. ten: Al» ich gestern nacht einsaw da.ch die Stadt wandelt«, über» sielen mich schwermütige Gedanken. Da beschloß ich, mich von ihnen zu befreien. ES bedrängen mich trübe Ahnungen, alS ob sich mein Schicksal vollenden solle. Er schrieb, daß er nur noch. frei atmen könne, wenn er jetzt das täte, was er tun müßte. Er könne der persönlichen Verantwortung nicht mehr ausweichen, Aber ich verhehl« mir n cht», schrieb er, ick» bringe damit ein schwere» Opfer. Denn ich bin so freudig dem Leben verflochten gewesen. Ich hänge an Dir und den Kindern und der vielen Ar» beit, die noch nicht getan ist. Dennoch breche ich mit allen. Aber ich sehe da» L i ch t i n d e r F- i n st e r n i«, in der Fülle der Kraft, die ich noch unvollendet in mir fühle." Gustav Landauer schloß dann seine Rede mit deu Versen Ei»nrr»: Gistgeschwolle» siegen, Schuldlos unterliegen, Mord oder Oual, Da» ist egal. Er hat gewählt, er ist vollendet. Mag dir Flamme feinen Leib verzehren, sie Flamme ferne» Geiste» lebt in Ewigkeit! Kurl Eisner an! der vewer Konferenz. Wenn die gesamte Internat, onale jetzt in tiefster Ergrissen- heit die Trauer des deutschen Proletariat» um Kurt Gisner teilt, so tut sie da» nicht nur aus Sympathie für den Kämpfer und Politiker, der auf exponiertestem Posten seine revolutionär« Pflicht erfüllte, sondern auch aus Verehrung fü. den politischen Denker, der soeben noch vor dem Forum der Internationale in Bern als einer der Vertreter der Unabhängigen Sozialdemo- kratie Deutschlands, zu den Fragen der internationalen Politik und de? Sozialismus Stellung nahm. Schon in der ersten Plenarsitzung der Konferenz hielt er«ine lange aufrüttelnde Rede über die Schuld an der Entzündung des Weltlriege». Seine tiefe Ueberzeugung. daß diese Schuld auf die Zentral- mächte fällt, war für seine ganze politische Stellung im Kriege entscheidend. M,t entschlosiener Energie wendete er sich gegen alle Mißhandlungen, die von den ehemaligen Herrschern in Deutschland an Kriegsgefangenen verübt wurden, ebenso entschlossen aber trat er für die deutschen Kriegs- gefangenen ein und erzielte hier, wie wir bereits berichteten, einen großen praktischen Erfolg Ueberaus wohltuend war sein scharfer Angriff gegen d,e Presse, die ein vollgerüttelt Maß der Mitschuld an der Verhetzung d«r Völker vor dem Kriege und im Kriege trifft. Aber von größtem Interesse ist wohl heute seine Stellung zu den Problemen, die der Bolschewismus in Rußland aufgeworfen. Er war Mitglied der Kommission, die über.Diktatur und Demokratie� berichtete. Er hat derselben zwei Vorschläge zu Resolutionen vorgelegt, die von der.Wiener Arbeiterzeitung" veröffentlcht werden, da sie einen klaren Einblick in EiSner? Denkwelse ermöglichen. In der ersten Resolution stellte er sich auf den Standpunkt derjenigen, die die Frage im Interesse der Zusammen- s a s s u n g de» Proletariat» dertagt zu sehen wünschten. In»- besondere wie» er auch bei dieser Gelegenheit auf die Rot- wendigkeit der Einheit d'S Proletariats hin, an deren Herbei- führung er in Deutschland in der letzten Zeit mit größtem Eifer arbeitete. Dieser erste ResolutionSentwurf lautete: Die Konierenz vor Bein ist tiek von der Ueberzeugung durchdrungen, daß der Sozialismus als Aktion seiner Verwirk. lichung überall die beherrschende Frage der nächsten Zukunft ist. Damit sich die Entwicklung zur sozialistischen Gesellschaft ohne Hemmungen durchsetze,»nuß sich das Proletariat jedes Landes einig sein über das Wesen des Sozialismus, über die Mittel des Kampfes und die Formen der Verwirklichung. Die Konferenz fordert darum die Prrletriate aller Länder auf, sich organisatorisch und sachlich einheitlich zusammenzu- schließen. Wenn sieb vie sozialistische Beivegung nicht selbst zerstören soll, so müssen sick die sozialistischen Parteien klar sein über die Probleme der Demokratie und der Diktatur, der Nationalisation und der Sozialisation. Zu diesem Zwecke ist eS auch notwendig, daß die Persuche einer sozialen Revolution, die in Rußland unternommen wor- den sind, von Grund au» studiert werden. Darum ist e» ge» boten, daß die Konfer-.nz eine internationale Ab- ordnung nach Rußland entsendet, um eine sachliche Grundlage zu schassen für die Srünerung und Entscheidung der Probleme auf dem nächsten Internationalen Sozialistisches Kongreß. Indem die Berner Konferenz dermaßen die Fragen de» Bolschewismus auf die Tagesordnung des nächsten inter- nationalen Kongresse» gesetzt zu sehen wünscht, warnt sie die bürgerlichen Regierungen, die den Völkerbund begründen wollen, den Bolschewismus al» Schreckgespenst zu verwenden, um die Friedensverhandlungen r-aktionär-imperialiftisch zu beeinflussen und zu entscheiden. Die Welt ist auf dem Wege de? Sozialismus und es würde nur eine Zerrüttung aller Ver- hältnisse bewirken, wenn die kapitalistischen Regierungen ver- suchen würden, die notwendige unp unaufhaltsame Entwick- lung des Sozialismus konterrevolutionär zu verhindern. Nachdem EiSner sah, daß die Mehrheit der Konferenz von einer positiven Formulierung nicht abzuhalten sei, brachte er einen Entwurf ein, in dem seine Auffassung rein theoretisch zum Ausdruck kommen sollte. Dieser zweite Entwurf lautete: Die Berner Sozialistenkonferenz begrüßt in den politischen Revolutionen, die in Europr die allgemeine Demokratie her- gestellt haben, den Beginn einer neuen Z«it, in der sich die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft vollziehen wird. In diesem entscheidenden Augenblick, da daS Problxm des Sozialismus unmittelbar gestellt ist. muh sich das Proletariat einheitlich klar sein über den Weg, d«n e» zu seiner Befreiung beschreiten will. Die Eroberung der politischen Macht durch da» Proletariat ist die Voraussetzung jeder sozialistischen Politik. In dem all- gemeinen Wahlrecht, im Parlament, in den politischen Frei- Helten der R de und Schrift, ver Versammlung uich Koalition, in den BerufSorganisalionen besitzt das Proletariat die demo- kratischen Werkzeuge seine! KainpfeS. Wenn auch die Macht revolutionär durch eine Minderhett errungen werden kann, so läßt sich eine solche vorübergehende politische Diktatur des Pro- letariats nur dann behaupten, wenn hinter ihr in Wahrheit eine rasch sich sammelnde Mehrheit steht; um so gefährlicher wäre jeder Persuch einer Diktatur, die sich nur auf einen Teil de» Proletariats stützt und sich gegen große Massen derselben zu behaupten übernimmt. Dos könnte nur zur«ufreibunz de» Proletariats im Bruderkrieg und schließlich zur Diktatur der Bourgeoisie führen. Wie die Gesellschaft durch die Demokratie politisch herrscht, so kann auch die Sozialisierung der Produktion nur durch die demokratische Gesellschaft erfolgen, die in aufbauender Arbeit die UnNvandlung der Wirtschaft planvoll entwickelt, nicht aber durch die willkürliche Uebernahme einzelner Betriebe seitens der in ihnen arbeitenden Proletarier.. � Die Bcrner Konferenz hält e» für notwendig, unverzüglich «ine Untersuchungskommission nach Rußland zu entsenden, um die Wirlungen der dort angewendeten Methoden des politischen Klassenkampfes festzustellen. Eisner war, wie auch au» dieser Resolution fichtbar wird, ein überzeugter Gegner jener Methoden, die al».Bolschewismus" bezeichnet werden. Er war und blieb Demokrat, aber er hielt eine vorübergehende Diktatur,.wenn hinter ihr in Wahrheit eine rasch sich sammelnde Mehrheit steht", für möglich, wie ja sein eigene? Expcrim-nt in Bayern zeigte. Er glaubte, daß dieser Versuch glücken könne, wenn eS gelinge, die Arbeiter und Bauern auf ein gemeinsames Programm der Sozialifierung zu einigen. und sah in diesem Zusammenwirken von Arbeitern und Bauern den einzig möglichen Weg de» Siege» der Revolution in einem industriell rückständigen Lande. Sympalhieflrel? in CcMfl. A e i p z i», 25. Februar. Der hiesig« A.»«nb S.>R«t gib« felgende Entschließung bekannt: Die Bersammlung der Arbeiter. rätt, ArbeiterauSfchüsse und BetriebSvertrauen»leutt empfiehlt der gesamten Arbeiterschaft, den politischen Streik all Kampfmittel anzuwende», um die Forderungen der«e- zirkSkonfercnz in Halle in allen Punkten zu unterstützen.«>« beauftragt den Leipziger Arbeiterrat, in Gemeinschaft mit de» BrtriebSvertrauenSleuten die Streikleitung zu übernehmen und in Verbindung mit der Streikleitung in Halle zu treten. S,e er- Närt, daß die Entscheidung über den Streik der Arbeiterschaft ,n den Betrieben zusteht, spricht der Arbeiterschaft der Räterepublik Bayern ihre Sympathie au» und fordert d,e Arbeiterschaft Leipzig» und Sachsen» auf, die bayerischen Arbeiter bei ihrem Kampf gegen die Rraktia« zu unterstütze». Die Regierung gegen die �wahnwitzigen und verbrecherischen" Elemente. Di« Regierung läßt erklären: Im Braunkohlen- repie�r bei Halle wird gestreift, um den Sturz der Reich»- regierung und die Beseitigung der Nationalversammlung zu er- zielen. ES ist t i e s b e t r ü b e n d. daß ein« Anzahl irregeleiteter Leute«in wichtiges Mittel des wirtschaftlichen Kampfe» für poli- tische Verbrechen mischraucht. Der Streik im Braunkohlcnrevier wird kein anderes Ergebnis haben, als das, gerade die ärmsten BevölkerungZkreise dieser Gcgend den schwersten Folgen einer Kohlennot auszusetzen und in einigen Tagen auch der HungcrS- � not auszuliefern. Das gleich« gilt für den Streikder Eisen- � bahnarbeiter in Halle und anderen Orten, die in völliger � Verlennung der Lag: sich zu einem Sympathiestreik haben ver- führen lassen. Der Eisenbahnbetrieb bei Halle ist bereit? gestört. In unverantwortlicher Weise vergrößern dies« Streikenden die Verkehrs- und WirtschaftSnot in Deutschland. Diesem Treiben muß mit rücksichtslosester Strenge entgegen- getreten werden. 5.uch bei diesem Streik wird«ine große An- zahl Arbeiter gegen ihren Willen zur«rbeit»einstellung gezwun- gen. von der Regierung sind unverzüglich Maßregeln i» Vr Wege geleitet worden, die bezwecken, wuter alle« Umständen solchem TerroriSmu» ,« begegnen. E» wird gezeigt«erden, daß wahn. witzige»der verbrecherische Elemente nicht ungestraft da» Land zum Zusammenbruch treibea dürfen. Nie hat eine kaiserliche Regierung den Arbeitern gegenüber eine derartige Sprache zu führen ge- wagt, als diese„sozialistische" Regierung. Arbeiter, die um Anerkennung wirtschaftlicher Forderungen streiken, sind in ihren Augen„wahnwitzige und verbrecherisch« Elemente". Mit Maschinengewehren und Flammen- Werfern will deshalb die Regierung ihnen den Willen nehmen, sich gegen die kapitalistische Ausbeutung zu wehren. duftrialismus und de» Kapitalismus alle Räder und Maschine» der Welt speist und treibt. Er will, nachdem er früher schon seine Arbeiter an dem profitablen Unternehmen beteiligt«, sie unter Lahmlegung namentlich auch der RüstungSbetriebe nun in edlem Menschendrange als freie Siedler auf grünem Grund und Boden sehen. Aber wie vordem an der unberechenbaren Natur- kraft, so scheitert er jetzt am Widerstand der Massen, die nicht wieder.Bauern" werden wollen. Bei allem gern dämonisch stilisierenden Jdeengewebe mutet das Problem bisweilen doch nur als platte Umkehr vom groß- städtischen WerkjtättenbetrieoSfieber zur friedlich sozialen Garten- stadtbcwegung an, die die Maschine de» JnduslriaiiSmuS freilich nur umschalten, aber nicht ausschalten will. Ohne auf Wirt- s ch a f t! i ch e Entwicklungsfragen hier näher eingehen zu wollen. muß doch gesagt werden, daß die Arbeiterschaft im großen und ganzen anders sinnt und trachtet, al» et Georg Kaiser chr»svm- bolisch" andichtet. Die Sprache Kaiser» ist gesucht kurz und knapp, doch bringt namentlich der vierte Att ein Trommelfeuer von Theaterpathos Der fünfte läßt sogar richtige Maschinengewehre ausfahren. Die Bühnenbilder von Karl Jakob Hirsch verliehen der Auf- führung stärkere Reize al» ei die Darstellung von sich au» ver- mochte. Di« meisten Mitwirkenden waren unsicher im Stil und blieben ohne feste llu»prägung ihrer überindividuellen Stollen im Mittelmäßigen stecken. Nur Ernst Stahl-Nachbaur zeigte al» Milliardärssohn sich völlig durchdrungen vom Geist seiner da» ganze Stück tragenden Roll«; er vereinte dabei in echter Künstlerschaft, die noch viele» von diesem Schauspieler erhoffen läßt, die widerstreitenden Elemente von Natürlichkeit und Stil:« siertheit weit mehr at» es der Dichter vermochte, in dessen Ab» Wesenheit der Spielleiter Paul Leg band für den von Akt zu Akt sich steigernden Beifall dankte. E. L. Tnailkon, der deutsche Bildhauer mit dem französischen Namen ist g e st o r b e n. Am bekanntesten wurde er durch seine tvahrhafi schön« Statue der.Amazone" vor der Berliner Nationalgalerie. Als starker Künstler bewährte er sich schon allein dadurch, daß ei — obwohl im gleichen Aufgaben- und AuftragSkreise der Siege»- alleeleute lebend— allen Kitsch überwand und selbst in Kaiser» standbiidern(Köln. Bremen) statt«ineS wohlfeilen ByzantiSmu» l«inc Kunst zu Ehren brachte. Eisners Todesahnungen. Kurt EiSner hat im vorigen Jahre, da» er zum größten Teil im Gefängni» zubrachte, fein« Erinnerungen gesammelt, die unter dem Titel.Vor der Revolution"(im Verlag Paul Cassirer) erscheinen sollen. Wir sind in der Lage, schon heute das Vorwort veröffentlichen zu können, das den Toten und sein Werk noch einmal in Helles Licht rückt. EiSner, auch noch im vollsten Leben sich dem Tode nahe fühlend, wußte, wie er seinen.Urlaub vom Tode" menschlich erfüllen sollte: Er diente der Wahrheit und half bis zur letzten Stunde dre Erde reimgen für die Lebendigen von morgen. Nachdem die Kugel eine« Mör- der».den Spruch vollzog, der ihn begrub", wirken die nach- stehenden Zeilen nur um so ergreifende». Wir Toten auf Urlaub. Ein französischer Offizier hat in einem Kriegsgericht da» Wort gesprochen:.Wir sind alle heut nur Tote auf Urlaub." War t» im ersten, im zweiten Kriegsjahr? Ich weiß eS nicht; wir haben>» diesen Jahren da» Zeitgedächtnis verloren. Mich aber ließ das Wort, seitdem ich es gelesen, nicht wieder lo» und ward mir zum führenden Schicksal. Der Tod hat uns alle nur beurlaubt. Wir Schatten sind auf eine Weile in da» Reich de» Bewußtsein» zurückgekehrt, da» man einst Leben nannte und das heute bloß ein mit den Prothesen de» Tode» sich schwerfällig grotesk bewegender Automat ist. Wir harren unserer Wicdcreinberufung. Ein Granatsplitter setzt un- serem Urlaub da» Ziel, die Geschoßnaht eine» Maschinengewehrs, «ine Giftgaswelle, die Explosion einer Munitionsfabrik,«ine Bahnentglessung, Hunger. Erschöpfung,«in Raubmord, der An- fall eine» Wahnsinnigen, der von der Front kam, oder auch das Urteil von Richtern, die uns da» Almosen de» Urlaub» aberken- neu, weil sie selbst vergessen haben, daß auch sie nur T o t« a u f Urlaub sind. Viele suchen durch gefälschte Scheine und Pässe die Frist sich zu verlängern, rasen in grinsenden Tobsüchten, balgen sich geil und gierig mit den Verwesungen der Welt und fürchten sich-vor dem Tod, obwohl gerade sie längst zwiefach Tote find, trie nur Zuckungen der letzten Todesqual Leben wähnen. Manche aber wissen, wie sie de» Urlaub menschlich erfüllen sollen: daß sie ihre Seele retten und den Tod nicht fürchten, von dem sie kommen; daß sie der W a h r h e i t d i« n e n und bi» zur letzten Stunde die Erde reinigen helfen für die Leben- digen von morgen, die befreit die Kraft haben werden, den Tod au» dem Leben zu bannen. Ihnen wird noch einmal Arbeit im Menschheitsdienst zu der Seligkeit eine» vorgeführten Lebens, da» ihrem Geschlecht zu erringen und zu genießen versagt war. Ein Toter— de» Spruche» harrend, der ihn begräbt— sammelt in letzten Stunden Bruchstücke seine» Wollen? und Denken», Kämpfen» und Träumen»... U r- laubSerinnerungenl München, Untersuchungsgefängnis, 10. September 1918. In der Sonnenaufgangsfwnde. Kurt St»u«r. Volksbühne. „Gas" von Georg Kaiser. Einer der fruchtbarsten und an modernen Bühnen viel- gespielten neueren Autoren ist Georg Kaiser. Er ringt nach künst- lerischer Gestaltung seiner Ideen, wobei ihm Fleisch und Blut de» vielgestaltigen Leben» verloren gehen. Die K u n st hat dabei keinen Gewinn. Such wenn er in heftig hingeschmetterten Wor- ten sich sehr ekstasifch geberdet, fehlt diesem Dichter die war- mende Flamme, die Kraft der Schauung und d.« für die Bühne unerläßliche sinnfällige Darstellung de» Gewollten. Georg Kaiser kann fast allzuviel, und in seinem sünfaktigen Schauspiel.Gas" reckt er sich über Björnson« allegorienhafte Dramalogie bi» in die Regionen von Slrindberg».Traumspiel", freilich ohne diese» Vorbild an poetisch visionärer Kraft zu er- reichen. Auch in der Art de» griechischen Chor» läßt Kaiser den einzelnen die Schmerzen und Sehnsüchte seiner Zeit und seiner Klasse sagen. Die Worte und Szenen find immer scharf um- rissen, für lyrische Gefühlsäußerungen ist nur selten Raum, da» scheinbar Objektive muß das Subjektive ersetzen.»Vergeistigte»" Theater mit kalter Leidenschaft im Rampenlicht. In dem gestern zum erstenmal für Berlin von der Volks- bllhne aufgeführten Schauspiel, da» eine Fortsetzung de» Milliardärstückes.Die Koralle" ist, wendet sich der Milliardärs- söhn nach einer furchtbaren Explosionskatastrophe, die zahllose Opfer forderte, von der Fabrikation eines.Gaset" ab. da» ge- wissermaßen al» Inbegriff der höchitaesteiaerten Technik, de» 2to» Seulsche Mkonalversammlung. Durch den Widerspruch der Unabhängigen war am Montag die von der Regierung beabsichtigte Durchpeitschung deS Entwurfes über die neue Reichswehr verhindert worden, so daß die Beratung auf Dienstag verschoben werden ruußte. In der Dienstag-Sitzung unterzog der Genosse Henke den Entwurf einer wirksamen Kritik. Er wies nach, daß die Bildung der Reichswehr zum Schutze der Grenze gegen die Bolschewisten unnötig wäre, da die russische Regierung jetzt wieder in einem der deutschen Oeffentlichkeit unterschlagenen Funkspruch erklärt habe, daß sie gar nicht daran denke, militärische Aktionen gegen Deutschland ein» zuleiten. Es bliebe deshalb nur die Annahme, daß die neue Reichswehr als Instrument gegen den inneren Feind dienen solle. N o s k e. der sich scharf gegen Henke wandte, mußte schmerzlich zugeben, daß mit dieser Vorlage die Forderung des Erfurter Programms nach Wehrhastinachung des ganzen Volkes nicht im entferntesten erfüllt werde. Er be- kämpfte alle Abänderungsvorschläge der Unabhängigen und setzte sich entschieden für seine Kieler Schutzgarde ein. Seine Rede fand lebhaften Beifall auf der Rechten, deren Redner ihm versicherte, daß der Entwurf zeige, daß auch di« Sozialdemokratie sich zum Gedanken des Militarismus bekehrt habe. Der Entwurf wurde gegen die Stimmen der Unab- hängigen angenommen, deren Anträge fast jämtlich abgelehnt wurden. Wegen Raummangel« mußte der Bericht aus der heutigen Rummer zurückbleiben. ls. Sitzung. Dienstag, den 25. Februar 1018, vorm. 10 Uhr. Erst« Beratung de» von den Abgg. Loebe. Groeber, o. P a he r und Dr. Riesser eingebrachten Geietzent- wurfS über die Bildung einer vorläufigen R e i ch s w e Hr. Abg. Schöpflin(Soz.): Der Antrag ist ein Notbehelf, der dem gegenwärtigen ChaoS des Heerwesens ein Ende bereiten soll. Durch Ausruf der Wehrpflichtigen eine militärische Macht zu schaffen, ist zur Zeit nicht ausführbar, wird sind leider auf das Ä n w e r b e s h st e m, auf Freiwillige, angewiesen. Eine einheitlich organisierte Truppe wird di« vorläufig« Reichs- wehr nicht sein. Was aber einheitlich werden soll und mutz, ist. daß dies« Reichswehr die Reichsverfassung respektiert, daß sie bereit ist, in Konflikten sich der Reichs- regierung unterzuordnen und den Reichsgesetze» Geltung zu ver- schaffen. Abg. Groeber(Z.): Die Schaffung einer vorläufigen Reichs- wehr ist eine so wichtig« Aufgabe, bah wir jede Stunde al» ver- loren ansehen, um di« si« verzögert wird.(Sehr richtig! b. d Mehrheit.) Wenn diese Machr da? leisten soll, waS man er- wartet, ist erste Voraussetzung, daß Gehorsam und Diszip- lin walten(lsbhaste Zustimmung). Dre Vertrauens- a u S s ch Ü s s e bei den Soldaten dürfen keinen politi- fchen Charakter bekommen. Abg. Siehr(Dem.): Wir bedauern, daß es der unab hau- gigen Sozialdemokratie nur durch den Hinzutritt der deutsch-nalio-nalen VolkÄpart«i möglich gewesen ist, gestern die Beratung dieses Gesetzes zu verhindern.(Sehr richtig! b. d. Mehrheit.) In der jetzigen Zeit ist eS schwer, die Veransivorwng dafür zu übernehmen, datz diese» Gesetz auch nur um«tue Stunde verzögert wird. Abg. Baereckr(D.-natl. Vp.): Di« Vorlage zeigt, datz die Sozialdemokratie umgelernt hat;«S geht eben nicht ohne Militarismus. fLachen links.) Eigentlich könnten wir Schadenfreude empfinden. Die Revolution hat die Disziplin untergraben. und man sehnt sich zurück nach dem alten System. Da« zeigt diese Vorlage. (Lachen links.) Luch N o» k e sieht ein, datz man ohne Disziplin, ja ohne brutale Gewalt nicht durchkommt. Auf dem Platze de« KrieasministerS mag sitzen, wer lvill, sogar Frau Zieh mutzte die Erfahrung macken, daß eS ohne Disziplin nicht geht.(Sehr richtig! recht».) Immer mehr alte Freunde sehen wir wieder. Hier in Weimar haben wir sogar ein freudiges Wiedersehen mit den alten Berliner Schutzleuten ge- feiert(Heiterkeit). So kommt ein» nach dem anderen.(Sehr richtig I recht». Lachen link».) Abg. Henke(U.S.): Natürlich möchte der Vorredner den Grundgedanken des alten Militarismus lieber heute al» morgen wieder lebendig machen. In diesem Entwurf wird mancherlei von dem alten militärischen Geist wieder lebendig, und wir treten ihm deshalb auf das schärfst« entgegen. Der Eni- Wurf ist so wichtig, datz er nicht ,lurz. schnell und energisch" er- ledigt werden darf, sondern mindestens in einer Kom- Mission vorderaten werden mutz. Ueber die Stärke der Reichswehr wird nichts gesagt, und da» mutz den Argwohn unserer Feinde verstärken, daß' es sich um die Wie- deraufrichtung de» Militarismus handle. Würde un» über die außenpolitische Lage im Osten Klarheit gegeben, so würde sich herausstellen, datz die Gefahr der Bolsche- wisten(lebhaste Zuruf«: Polen!) ein Schwindel ist. (Lachen b. d. Mehrheit.) Ich konstatiere das Einverständnis de» Grafen PosadowSky mit den Herren von der Sozialdemokratie. Di« russische Sowjetregierung hat durch Funk- s p r u ch erklären lassen, datz in Deutschland die falsche Vor- stell ung verbreitet sei, als ob es von einer rufftschen Invasion bedroht werde, si« spricht ihr Befremden aus, daß die deutsche Regierung dieser Vorstellung nicht entgegentritt.(Lachen und erregte Zurufe bei der Mehrheit.) Wir werden wieder mit dieser Sowjetregierung wirtschaftlich verhandeln müssen, wir wollen doch mit allen Völkern in Eintracht leben. Nachdem wir jetzt eine Regierung haben schwarz wie da» Zen- trum, rot wie die Sozialdemokraten und golden wie die Demo- kraten, sollte mit der überlebten diplomatischen Ge- heimnistuerei Schlutz gemacht werden.(Heiterkeit.) Dem Vorredner liegt weit mehr an der Unterbringung der a r b e i t»- losen Offiziere als an der, der erwerbslosen Arbeiter. (Große Unruhe und Widerspruch b. d. Mehrheit.) Wenn wir den Frieden mit den Völkern im Osten ehrlich wollen, können wir ihn haben.(Gelächter und Widerspruch.) Aber unsere Politik muh da» Vertrauen der Völker wieder er- ringen. Das sozialdemokratische Hamburger„Echo" hat in einer schwachen Stunde ausgeplaudert, datz e» sich hier um eine Wiederbelebung des Militarismus handelt.(Sehr richtig! b. d. U. Soz.) Die vorwärtsdrängenden revolutionären sträfte sollen niedergedrückt werden.(Widerspruch, Gelächter.) Gewalt gegen Gewalt, da» ist heute ihre Maxime. Damit er- töten Sie aber eine große Volksbewegung nicht. Ich bin über- zeugt, datz ich mit meinen Ausführungen nicht die Mehrheit diese» Hause» hinter mir habe(Sehr richtig I Heiterkeit); eS ist ja bezeichnend, datz nicht nur der Regierungsblock diese Vorlage unterichrieben hat, sondern auch Herr Rietzer. Ich wundere mich nur, datz nicht auch die Dcutschnationalen unterschrieben haben. (Zuruf b. d. Soz.: Sind ja Eure Bundesgenossen!) Diese Vor. lag« ist nicht eine Erfüllung des Erfurter Programms, sondern Än Btti««tevervekevvnst»e» MNttart»«u?. Wir lehnen sie ab.(Beifall b. d. U. Soz.) ReichSwehvminister RoSke: Ich?ebe zu, daß dos, was jetzt hier von den Parteien bcan- tragt wird, eine Durchführung des Erfurter Programmsatzes:.„Erziehung des Volkes zur Wehrhaftigkeit" nicht im entferntesten be- deutet, datz es vielmehr nur der dringendsten Notlage des Augenblicks Rechnung tragen will. Mit diesem Gesetz wird hofientlich der Änstutg zu straffer Einheit aus militärischem Gebiet gemacht. Den F r e twi l l> g e n- verbänden sind wir zu hohem Dank verpflichtet. (Beisall) Die Vorwürfe de» Vorredners gegen die eisern« Marinebrigade weise ich zurück. Sie ist nicht mit Hilfe von Werbeplakaten zusammengebracht worden. Ich gebe ja zu, datz die W e r b e i n s« ra t e in den Zeitungen eine unersren- liche Erscheinung sind, aber da? wind jetzt aufHäven. ES wäre eine verbrecherische Leichtsertigleit. wenn die Regierung nicht darauf Bedacht nehmen würde, die von B o l- s ch e w i st« n bedrohte ostpreutzische Grenze zu schützen.(Beifall.) Selbstverständlich darf der Führer militärischer Formationen nicht der Spielball der Mann- schaften sein Das erforderliche Mitbestimmung?- recht, da? sich mit der Schlagfertigkeit der Trupp« ver«inbar«n läßt, mutz der Mannschaft zugestanden werden. Es mutz darauf geachtet werden, daß in diesen Frei- ivilligenverbänden straffe MannSzucht und tadellose Disziplin geübt wird.(Beifall.) In der Einzelberatung begründet Abg. Ritter von Langheinrich(Dem.) d«n Antrag der MehrheitSparteien, wonach besonder» bewährten Unteroffizieren die Offizierslaufbahn eröffnet werden soll. Beifall links.) Abg. Dr. Cohn(U. Soz.) befürwortet eine Reihe von Ab- änderungSanträgen zu§ 2 und die Annahme eines besonderen 8 2-. In diesen AbänderungSanträgen wird verlangt, datz die bestehenden Freiwilligen-Verbände und For- maiionen der vorläufigen Reichswehr anzugliedern sind, datz die Gehälter und Löhne der zu Uebernehmenden sich nach den organisatorischen Bestimmungen der Reichswehr regeln sollen. ES wird weiter für den Abänderungöantrag Loebe u. Gen. zu§ 2 folgende Fassung vorgeschlagen: Bewährten Unteroffi- zieren und Mannschaften ist die Offizierslaufbahn zu eröffnen. In dem neuen§ 2» soll vorgeschrieben werden, datz die Re- gierung all« drei Monate öffentlich Bericht über die Zahl, die Verwendung, Verpflegung erstatten soll. Reichswehrminister RoSke wendet sich gegen diese Ab. änderungSanträge der U. Soz., di« et bis auf denjenigen betreffend die Eröffnung der Offizierslaufbahn auch für die Mannschaften abzulehnen bittet. In der Auswahl der Formationen, die in die vorläufige Reichswehr aufgenom- men werden sollen, soll« man die Regierung nicht binden. So könne die Verwaltung die Kieler Division, di« fast restlo» auSaktivenUnteroffizierenundDeck- offizieren bestehe, und di««irte der besten Truppen fei, nicht entbehren. Es wäre aber ein Unding, alle diese Leute als Gemeine zu löhnen. Die Besorgnis, daß viele Ver- treter des alten System«, ältere verknöcherte Offizier« hinein- kommen, sei unbegründet. E» seien bereits ältere Offi- ziere in großen Massen verabschiedet worden. Di« fernere Be- sorgni» vor konterrevolutionären Bewegungen, di« sich durch dies« Elemente in der Reichswehr breit machen könnten, sei hinsällig und erschein« als übermäßig«» Matz von Mitztrauen in di« politische Reif« des Volke». Di« Abgg. L»«b», Groeber u. Gen. ändern ihren An- t ra g zu§ 2 dahin um, datz der letzt« Satz nunmehr lautet: Offi- ziere und Unteroffiziere, die in die Reichswehr eintrete», sollen in erster Linie bei Uebcrnahme-n die künftige Wehrmacht be- rücksichtigt werden. 8 2 wird mit den Anträgen der Mehrheitsparteien unter Einfügung der Worte.und Mannschaften" bei der Eröffnung der Offizierslaufbahn, ab�r unter Autrechierhältung des Wortes „besondere" angenommen,§ 2 abgelehnt. Der Rest deS Entwurf», nach den Anträgen Loebe und Gen. ohne Debatte erledigt. Nächste Sitzung Donnerstag 10 Uhr(dritte Lesung deS Reichswehrgesetze», kleiner? vorlagen. Erste Lesung deS Verfassungsentwurfs). Schlutz gegen 2 Uhr. �So;ialifler««gsabfichkeu der Relerung-. Durch W. T. B. wird eine Meldung über di« Beratungen deS Kabinett» wegen der Wirtschaftslage verbreitet. ES heiht darin: Im besonderen wurde beschlossen, für die Neubelebung de» Transportwesen» und die Wiederinst and- setz ung der Transportmittel Sorge zu tragen. Einstimmig war auch da» Kabiett der Ansicht, datz der Sozialisierung»- Paragraph im Aklion»programm nicht Papier bleiben dürfe, datz vielmehr alle zuständigen Stellen mit voller Entschiedenheit und unverzüglich damit beginnen müssen, die Sozialisie- ru na»ab sichten der Reichsregierung zu ver- wirtlichen. Di« Regierung wird wohl kaum glauben, datz fi« mit einer derartig unbestimmten Andeutung die Unruh« bannen kann, die gegenwärtig weiteste Kreis« der Arbeiterschaft erfüllt. Ihre bis- herige Haltung zur Sozialisierung hat da» denkbar schärfste Mitztrauen der Arbeiter hervorgerufen. Die Ankündigung, datz die»SozialisierungSabsichten der Reichsregierung" verwirklicht werden sollen, bedeutet absolut nicht», denn bisher hat sie stet» darin bestanden, die Sozialisierung zu verhindern. Lefreiung Gothas. Wolff meldet: Der unabhängige Abegordnete Bock-Gotha hat im Namen der Erfurter Arbeiterschaft um eine endgültige Beilegung der Streitfragen ersucht. Daraufhin ist zwischen ihm und dem Reichswehrminister NoSke folgendes Ab- kommen zustandegekommen: In Gotha ersolgt am Mittwoch, den 20. Februar, 8 Uhr morgen«, die Beendigung des Generalstreik». Punkt 12 Uhr mittag» rückt das Korps de» General» Maercker au» Gotha ab, ausgenommen etliche 100 Mann. Hie noch für einige Zeit Heere»- gut zu bewachen haben. Die Wahrheil über Wilhelmshaven. Ueber die Besetzung von Wilhelmshaven geht uns folgender Bericht zu: Tage- und wochenlang vor der Besetzung herrschte in allen Jadestädten und auch in Wilhelmshaven vollkommene Ruhe und Ordnung. Durch Maueranschlag zeigte der StationSchef der er- staunten Bevölkerung an, daß Truppen von der Regierung ge- sandt wären, um die„Gründung einer Nordwestdeut» scheu Republik" zu unterdrücken. Der von Noske zum Zivil- gouverneur ernannte„Arbeltervertreter" Paul H'ug wutzte von der geplanten Besetzung bereits vorher, verstandigte aber den A.- und S.»Rat nicht davon. Ein al» Wachtposten fungierender verheirateter Obermaat, Mitglied der sozialdemokratischen Partei, wurde m Ausübung sein«» Dienste» von den RegierungStruppea etTchoTT««. Die» völlig unnötig geopferte Menschenleben sM somit Hug zur Last. Da» Organ der Unabhängigen„Die Tat' wurde be- schlagnahmt. Die beiden Redakteure wurden ver- haftet. Auf der Werft haben die Negierungstruppen wie Bandalen gehaust. Die über die Besetzung äußerst erregten Arbeiter weigern sich unter solchen Umständen zu arbeiten und üben q«jchloffeu passive R e s i st � a z. Generalstreik in Zreiburg i. V.• Freiburg, l. 25. Februar. Der Arbeiter- und Socvatenrat, die sozialdeniokrati sche Partei, die Unabhängigen, das Gewerl- schafiskartell und der Ausschuß der Erlvet�slosen und Notstands- arbeitet hatten für heute nachmittag zum Generalstreik auf» gefordert als Protest gegen die polittschen Vorgänge in Müss" chen und die gegenredolntionären Beslrebungen. Ein großer Teil der Geschäfte und Betriebe blieb geschlossen. Die Zeitungen er- schienen nachmittag» nicht. Lelehrl. Unter dem Titel„Die Berliner Lehre" schreibt die„Berliner VolkSztg.": „Die Grotz-Bcrliirer Kommunalwahlcn haben inner- halb der Sozialdemokratie einen deutlichenRncknachlinIS gezeigt. Auch die Demokraten haben mätzig abgeschnitten. Diese Entwicklung kommt nickt überraschend. Abgesehen davon, daß die überaus trüben wirtschaftlichen Verhältnisse einer Radikali- sierung der Massen sehr günstig sind, mutz auch rund herausgesagt werden, datz die Politik der Regierung bisher wenig ge. eignet war, bei den Diassen zu wirken. Nicht einmal die G r u n d- züge de» Programm» demokratischer Sozial- und Wirt- schaftspolitik sind bisher bekannt geworden. Gewiß muh auch eine Reichsverfassung geschaffen werden; aber dieses Werk kann im Augenblick auf die arbeitslos«, von allem errtblötzte Bevölkerung wenig Eindruck machen. Dies alles wäre noch nicht ausschlaggebend, wenn die Regie» rung nicht eine so unverständliche Politik in Fragen triebe, die den Agitatoren des Bolschewismus immer neuen Stoff liefert. Der Liebknecht-Luxemburg-Prozetz droht zu einem Weltskandal auSzuwachsen. Datz die Nationalvilrsammlung ihn immer noch nicht einem bürget- lichen Gericht überwiesen hat, ist völlig unverständlich. So etwas mutz sich rächen. Ferner: WarumistLedebonrnoch in Haft? Glaubt man, der alte Mann werbe fliehen? Der Aufenthalt, den man diesem ergrauten, geistvollen Politiker zugewiesen hat, scheint auch nicht gerade ein Elysium zu sein. Daß das Zenralorgan der Mehrheitssozia« listen, wie e» sich heute darstellt, geeignet wäre, dem dumpfen Massengroll, der sich ob all des Elends aufhäuft, ein Sprachrohr und damit ein Blitzableiter zu fein, darf billig bezweifelt werden." Die Genossen sehen, die Lehre, die sie bei der letzten Wahl der Reaktion erteilt haben, bleibt nicht ganz unbeachtet. An ihnen ist, die Lektionen kräftig fortzusetzen. Seulsche Truppen stürmen Windau. Lilmu, 25. Februar. Wolff meldet: Die Stadt Windau wurde durch einen gleichzeitigen Angriff von der Land- und See- seit«, in dem reichsdeutsche Truppen und deutsch-baltiffe Landwehrformationen beteiligt waren, nach heftigem Kampfe eiWl genommen. Die russische Stadt Windau wird von reichsdeutscheu Truppen für die baltischen Barone erstürmt.— So sieht der„Einfall der Bolscheiviki in Deutschland" aus. Sie englischen Sergarbeiler für den SZreik. London, 24. Februar. Reuter. Im Unterhaus« vorkündet» der Arbeiterführer und Führer der Opposition Adamson das Er- gebniS der Abstimmung der Bergarbeiter. Danach sind 011 903 f si r d e n S t r e i k, 104 997 dagegen. London, 25 Februar. Im Unterhause wurde ein Zusatz- antrag der Arbeiterpartei zur Kohlenvorlage mit 257 gegen 43 Stimmen abgelehnt. Ter Zusatzantrag verlangte, die Vorlage solle sich mit der D u r ch f ü h'r u n g der Ver- itaatlichung der Bergwerke befassen und n icht mit dem Grundsatz der Verstaatlichung, der anzunehmen sei. Weiter wurde in dem Zusatzantrag ausgeführt, die Regierung be- sitze die nötigen Unterlagen, um die Lehn- und Arbeitsstundenfra- gen zu erledigen. Die Borschläge der Vorlage würden nur eine Verzögerung bedeuten. �London, 25. Februar. Am Nachmittag wurde in London vor! denz sogenannten Arbeiter-Dreibund(Bergarbeiter, Eisenbahner und Transportarbeiter) eine Versammlung abgehalten, di« vielleicht einen entscheidenden Faktor in der i n d u st r i e l l e n Krise bilden wird. Die Versammlung be- faßt« sich mit der Frage, ob eine gemeinsame Aktion zu unternehmen sei, um die Forderungen der Bergarbeiter zu unterstützen. Die Versammlung beschloß, sich zu vertagen, bis jeder der drei verbündeten Verbände zu weiteren Verhandlungen Ge- legenheit gehabt haben würde. Ferner wurde beschlossen, daß kein Teil de» Dreibundes irgend einem Abkommen zustimmen würde, ehe die nächste Konferenz zusammengekommen sei. Eine solche Versammlung sei noch vor dem 15. März abzuhalten. Vollversammlung der Arbeiler- und Soldaten- Rille Eroß'ketlius. Heute vormittag versammelten sich die Arbeiter- und Soö datenräte Grotz-BerttnS im großen Saal de» LehrewereinShause?, um Stellung zu nehmen»ur Einberufung eine? ReichSkougresseS der A.- und S.-Räte. Das lebhafte Interesse, daß der Ver- sammlung entgegengebracht wurde, zeigte sich schon vor Beginn der Versammlung. Der protze Saal ist schon frühzeitig stark bcietzt. Die Soldatenräte stnd dagegen sehr schwach vertreten. Die Gclerien sind gefüllt von auswärtigen Gästen. Am Eingang wurde eine scharfe Kontrolle ausgeübt, die in der Versammlung nochmals vorgenommen wurde. Richard Müller, der die Versammlung«röffnete, be- arutzte die auswärtige» Gäste und widmete den duM'churken- hasten Brudermord dahingerafften Genossen Kurt?Ä>ner einen warmen. Nachruf, den die Vcrsamnilung stehend anWrte. Dazu wurde noch folgende, von den Arbeiterräten der U 6. P. eingebrachte Resolution ei n st immig angenommen: Die am 20. Februar 1919 tm LehrervevcinShause tagende Vollversammlung der Grotz-Be.« ner A.- und S.-Räte beilag! gemeinsam mit dem ganzen deutschen Proletariat das gewalt- same Hinscheiden des warmherzige.» und geistvollen Vorkämpfer» der Revolution, deS bayerischen Ministerpräsidenten Kurt E i S n e r. Sie betrauert in ihm eines der vielen Opfer bei Gcgenrevolut on, die allerorten ihr Haupt kühner zu erheben wagt. Die Versammlung begrüßt das bayerische Prolelariat, das sich einmütig zum Schutze der Revolution erhoben hat und ■«ilfeS zu tun. die LecheriiSffen«MxK«?« ihrem schweren Kampfe zu unterstützen. Vnr allem begrübt die Ber- sammlung die Tatsach«, daß es das Räte syst«« war, das tue Bevölkerung Münchens in den erregten Tagen der Attentate vor einem Weiterumstchgrerfen des Blutvergießens bewahrt dat. Sie verspricht der bayerischen RäterepuibliZ jede»ur mögliche Hilfe und Förderung und wird auch ihrerseits tnit ■liier Macht für die Erhaltung und de« Ausbau der A.» und 2,»Räh eintreten. Bor Eintritt in die TaqeSordnumg entspinnt sich eine längere Gesch ä ft S o r d nu ngSdebatt«, die eine starke Erre- gung der Delegierten zum Ausdruck bringt- Ein Antrag der Kommunisten aui Ausschluß zweier Arbeiterräte wurde abjelehnt. Ein weiterer Antrag der U. S. P. fordert, die Neuwahl des v o l lzu g S r a t Z auf die Tagesordnung zu fetzen, da er den in einer früher Bollverfammlung. gefaßten Beschluß, vis zum 20. Februar einen deutschen Rätekongreß einzuberufen, nicht auS» geführt brbe. Darüber entspinnt sich eine längere lekhafte De- hatte, in deren Verlauf namentliche Abstimmung über den Antrag verlangt wird- Müller weist auf die Schwierigkeiten der narnent. ilichen Abstimmung hin. die in der Tat eine Sprengung der Ver sammlung mit der festgesetzten Tagesordnung bedeute« würde. Richard Müller schlägt vor, zunächst den ersten Punkt zu «ledigen und dann über die weitere Festsetzung der Tagesordnung zu entscheiden. Dem wird von den MebrheitSsozialisten wider» chrochen. Der Vorsitzende erklärt schließlich, daß ihm durch das Verlangen, die namentliche Abstimmung sofort vorzunehmen, durch den weiteren Gang der Verhandlungen die weitere Geschäfts- führung vorläufig unmöglich fei. Di« Sitzung wird auf eine halbe Stunde vertagt. In der Paus« soll zum Zwecke der namÄnrlichen Abstimmung die Liste �eibeigeswafft werden. Bei Schluß des Blattes ist die Versammlung»ach nicht wieder eröffnet. SlellmgnahNe zum Varttilag. Äreis Niederbarvim. Die bor vier Wochen vertagte Generalversammlung fand Wontag abend ihre Fortsetzung. ES handelt sich im wesentlichen um die Beschlußfassung über die zahlreich vorliegenden Anträge und Resolutionen und um die Wahl der Delegierten. Der An» trag, zum ersten Punkt der Tagesordnung des Parteitag-, Däumig als Korreferent zu bestellen, fand einstimmige Annahme. Desgleichen war der Fall mit dem Antrag Ober- schöneweide, daß Abgeordnete und Vertreter der U. S. P., wenn ihnen infolge Verstoßes gegen die Parteigrundsäfee aber aus ändern Gründen das Vertrauen der Parteigenossen entzogen wird, zurückzutreten haben. Die ebenfalls von Oberschöneweide geforderte Erweiterung der Beratungsgegenstände des Partei- tags um den Punkt.Unsere wirtschaftliche Jage", wurde akzeptiert. Eine längere Debatte knüpfte sich an den Antrag Paulo w, ponach kein Mitglnet der U. S. P. einer andern Partei• angehören darf. Die Abstimmung ergab 108 Stimmen für und 88 Stimmen gegen den Antrag. Tie Minderheit befürchtet, daß ficb der Antrag einiang gegen die Kommunisten richte. Sie wünschten die Frage vorlaufig noch offen zu lassen, bis eine aus- giebige Aussprache über unsere Stellung zum Räteshstem zugleick» unsere Stellung zu den Kommunisten präzisiere. Ohne DiS- kusston und einstimmig wurde ein Antrag Lichtenberg an- genommen, durch den sofortige Herausgabe von Agitations» und Referentenmaterial, sowie von oufklarende« und programmati» schen Schriften gefordert wird. Folgende Re'olutron erhielt nach längerer Aussprache die einmütige Billigung der Generalversamnrlung: Die"Generalversammlung sieht w den Richtlinien xdek Genossen KautSkh k-ine geeignete Grund- läge für die Aufs: rung eine» Aktionsprogramms Die Richtlinien sind ausgesprochenermaßen aus dem Ge- sichtswinkel geschasfsn. eine Einigungsbasis nur zwischen 11. S. P. T und I. P. D- abzugeben. Diese Orientierung> nach rechts verleiht dem Aktionsprogramm einen reformistischen Charakter. Wir aber wollen, daß e» sozialistisch-revolutionär sei. . Gegenüber dem demokratisch verbrämten ParlamentariS- muS, wie ihn Kautskv befürwortet, verlangen wir ein aus» gebautes Rätesystem. Nur ein iolcheS gewährt dem Bolke die Selbstverwaltung im weitesten Umfange. Gleichzeitig wird sich durch das Rätesystem, wenn e» mit den entsprechenden Bollmachte» ausgestattet wird, die Goziali- sierung rasch und ohne Schädigung der Produktion durchführen lassen. Die Aussprache, an der sich Nol, Schwenk, Witzle. K u t« r und Pfeiffer beteiligten, ergab, daß dag Rätesystem weder eine sktavische Nachahmung des russischen Musters, noch eine bloß« Dekoration, wie sie die Mehrheitler wünschen, sein slsll. sondern sowohl ein wirtschaftliches wie politisches Machtmittel des Proletariats. Gegen die Erhebung von EintrittSgeld zu den Tagungen des Parteitags wendet sich Nawrocky und fand damit vollen Anklang bei der Versammlung. Letztere bekundete ferner ihren. Willen dahin, daß die kommunalen Ar- beiterräte i m Amt bleiben sollen, auch wo sozio- listische Mehrheiten erzielt sind, da sie Funktionen zu erfüllen haben, die keineswegs von den Gemeindevertretungen über» nommen werden können. Zu Delegierten sind auf Grund der vorhandenen IS 000 Mitglieder folgende fünf Genossen gewählt worden: Küter» Witzle, Richter, Buchweitz, Nawrocktz. Teltow-Beeskow. Eine Generalversammlung des KreiseS Teltow-BeeSkow beschäftigte sich gestern abermals mit dem Parteitag. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken das durch Mörderhanv dahingerafften Genossen Kurt EiSner. Die Diskussion über die zahlreich vorliegende« An- träge zum Parteitage, die sich mehrere Stunden hin- zog, zeichnet» sich durch Gründlichkeit und Sachlichkeit au». Säurt- fechs Redner vertraten den Standpunkt, daß die Erhaltung And der Ausbau der Arbeiterräte unhedinar notwendig sei. Der Erfolg der Kommunalwahlen wurde zum Teil aus d'z klare und ensichiedene Stellung zurückgeführt, nie unsere Partei in der letzten Zeit gegenüber den Arbeiter- raten«ngsnommen habe. Dm? Wahlen hätten aber auch gezeigt, daß die TemÄratie auf dem Geldsack beruhe. Denn nur dort, wo uns materielle Mittel zur Verfügung standen, konnten wir die Aufklärung der Massen betreiben. Erst der Sozialis- muS schaff« die Vorbedingung für die wahre Demokratie. Mit der fortwährenden Wiederholung der Phrase.Alle Macht den Arbeiterräten" sei indessen nichts erreicht. Man müsse vielmehr den Weg zeigen, der zu dieser Macht führe. Durch ein« revolutionäre und wahrhaft sozialistische Politik, deren pro» grammatische Grundlage der Parteitag schaffen müsse, würde der Boden bereitet werden, auf dem sich die Einigung deS gefamien sogialiftifchsn Proletariats vollziehen fStatt. Brei t» scheid empfahl noch eine intensivere politische AufllärungS- arbeit und die Herausgabe geeigneter Lheratur. Vor allem sei eine literarische Darstellung der tetsächlichen Verhältnisse in Rußland auf Grund deS Studiums an L>vt und Stelle not- wendig. Es wurden sine große Reihe von Anträgen an de« Parteita« angenommen. Es wurde beantragt, als ersten Punkt auf die Tagesordnung des Parteitages ein Referat DäumigS über das Räteshstem zu setzen. Falls der Antrag abgelehnt werde, soll Däumig als Korreferent über die Aufgaben der Partei be» stellt werden. Ferner wurde die Aufstellung eines K o m m u- nalprogrammS als besonderer Tagesordnungspunkt borge- schlagen. Ein weiterer angenommener Antrag fordert em neue? Organisationsstatut. Der Partestag soll ferner zum Ausdruck bringen, daß die Revolution nicht abgeichlossen fei, simdero die Soziali fierung schnellstens in Angriff zu neh- men fei. Weiter wurde protestiert gegen die Haltung der Ver- treter, insbesondere des Genossen KautSky in Bern. Das Pro- letariat hätte erwartet, daß alle imperialistischen Kriegskredit. bewilliger entlarvt und der internationale Kongreß in ein Tri- bunal über die Schuldigen am Kriege und di« Mörder Liebknechts und Luxemburgs verwandelt werden würde. Weitere Beschlüsse fordern die Herausgabe periodischer Informationen nach Art der früheren„Partei-Kvrrefpondenz" und die Propaganda für die wirtschaftliche und posttische Verständigung mit Rußland. Genossen, die anderen politischen Organi» s a t i o n e n angehören, hätten sich aus der U. S. P. als aus- geschlossen zu betrachten. Ei» weiterer Antrag lehnt die Landesverteidigung in der kapitalistischen Gesellschaft ab. Sie käme nur für die sozialistischen Arbeiter dann in Frage, mmn es gälte, eine sozialistische Freiheit und Herrschaft gegen- über den Angriffen kapitalistischer Mächte zu sichern und zu be. feftigeu. Eine längere Resolution fordert die Förderung der Jugendbewegung. Da gegen die in der vorigen Versammlung vorgenommene Wahl der ParteitagSdelegierten Proteste eingegangen sind, wurde beschlossen, die Wahl der Delegierte« zum Parteitag nochmals vorzunehmen. Nach den neuesten Feststellungen der Mstgliederzahl entfallen auf den Kreis S Delegierte. ES wurden gewählt: Däumig(168 Stimmen), Richard Müller(164), Frau Nemitz(l-IS), Künstler(112), Breitfcheid(108), Freigang(107), Frau Böhm(88), E. N e u ma nn- Adlers- Hof(82) und Lachmund(79). Dm Delegierten mußten vor der Wahl ihre Stellung zum Räteshstem darlegen. Dr. B r o h, der ebenfalls als Kandidat vorgeschlagen wurde, erklärte, daß er für ein Rätesystem eintrete, welches nicht nur neben der National- Versammlung bestehen dürfe, sondern die gesamte poli- tische Gewalt ausübe. Dr. BroH blieb indessen mit 72 Stimmen in der Minderheit. Es wurde noch beschlossen, daß auf dem Parteitage nur gewählte Delegierte Sitz und Stimme haben sollten. Zum Punkt KreiSangelegenheiten wurde entgegen einem Protest des Neuköllner Vereins beschlossen, daß der in der vorigen Generalversammlung gewählte Kreisvorstand weiter fun- gieren tolle. L ach m und berichtete über einen bedeuten» den Aufschwung der Partei im ganzen Kreise. Er betont« die Notwendigkeit einer intensiven Bildungsarbeit und der Ausgestaltung der Jugendbewegung. Auf Antrag Trep. t o w wurde beschlossen, eine Konferenz der neu gewähl- ten Gemeindevertreter des Kreises zu veranstalten. Die vorgeschlagene Wahl eines BildungSauSschusseS wurde zur nächsten Versammlung vertagt. Zum Schluß wurde noch eine Resolution angenommen, in der die Abgeordneten der ll.S. P. D in der Natimialversamrnlung ersucht werden, da? sogenannte Verfahren gegen die Mörder Liebknecht"? und Luxemburgs zu brandmarken. Die Fraktion wird ferner beauftragt, eine Liga der Menschenrechte ins Leben zu rufen Darauf wurde die Konferenz geschlossen. Sie war seit langer Zeit die erste Generalversammlung des Kreise», die«inen ordnungsgemäßen und sachlich ergiebigen Verlauf genommen hat Wahlergebnis in Berlin- Von 1 822 996 eingeschriebenen Wählern und Wählerinnen sind 798 264 gültige Stimmen abgegeben, und zwar für die Liste Dr. Wehl(Unabhängige)... 263 466 Stimmen Liste Dr. Heimann(MehrheitSsoz.). 263 426 Stimmen drei verbundenen Listen(Wege usw.). 165 611 Stimmen drei Dr. Schwahn........ 101 Stimmen Danach kommen auf die Liste Dr. Weyl 47 Sitze, auf die Liste Heunann 46 Sitze, auf die drei verbundenen Listen 36 Sitze und auf die Liste Naumann(Deistsch-demokr. Partei) 21 Sitze. Die Lifte Wege(Deutschnational) vereinigte 84 677 Stimmen, die Liste Riedel(Zentrum) 46 161 und die Liste Streiter(Deutsche Volks- Partei) 36 433 Stimmen auf sich, so daß 16 Mandate für die Deutsch nat ionalen, 8 Sitze für die Christi. Volkspartei(Zir.) und 6 für die Deutsche Volkspartei herauskommen. Ungültige Stint» men wurden gegen 7766 abgegeben. Sollten von diesen ungül- tigen Stimmen eine größere Zahl für gültig erklärt werden, dann kann unter Umständen eine etwas geänderte Verteilung noch ftast finden, was aber einige Zeit erfordern dürfte. Nach diesem amtlich mlitgeteilten Ergebnis hätte unsere Partei 47 Sitze. Unsere Stimmenzahl hat sich weiter ge« steigert. Wir sind also die stärkste Partei in Berlin und die stärkste Fraktion im Rathause. Der Kampf um dm„Vorwärts" vor Gericht. Auch gestern standen 16 Teilnehmer der Vorwärts-Besatzung vor der 9. Strafkammer de» Landgerichts l in Moabit, um sich wegen Aufruhr usw. zu verantworten. Sämtliche Angeklagte erklärten, nicht mit der Absicht in den Vorwärtsbetrieb hinein- gegangen zu sein,' um mit Waffengewalt den Vorwärts gegen die Regierung-Struppen zu verteidigen, da sin bis zum letzten Augenblick an ein« Einigung der feindlichen Brüder glaubten und es nicht für möglich hielten, daß eine sozialdemokratische Regie- rung Kanonen und Minenwerfer gegen Arbeiter in Tätigkeit setzen würde. Ein Teil der Angeklagten war lediglich im techni- schen Betrieb des„Vorwärts" beschäftigt gewesen, während ein anderer Teil zugab, mit umgehängtem Gewehr Wachdienst ver» richtet zu haben, um Plünderungen zu verhüten. Der Staatsanwalt beantragte auch hier wieder mit zwei Ausnahmen über das Mindeststrafmaß von 6 Monaten hin- auszugehen. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld trat den ZörSfUhrungen deS Staatsanwalts, betr. den rechtmäßigen Eigentümern des»Vov» wärts" entgegen, indem er auf die Berliner Wahle« vom letzte« Sonntag hinwies, die gezeigt hoben, wer in Berlin die Mehr- heitSsozialisten sind. Vor der Aneignung deS„Vorwärts" durch die Scheidemannpartei gab es in Berlin überhaupt keine Mehr» heitssozialisten. Wenn das Gericht der Auffassung der Arbeiter« schaft gerecht werden wollte, müsse es zur Freisprechung der Au« geklagten kommen. Anknüpfend an die Ausführungen des Strafrechtslehrer» Professor Kahl auf der Nationalversammlung in Weimar ging der zweite Verteidiger Dr. Weinberg auf die Frage de» Rechts der Revolution ein. Gibt es ein Recht auf Revolution« dann ist auch die Bewegung der Unabhängigen und von Spar» takus gerechtfertigt. Diese hier zur Verhandlung stehenden Er- eignisse gehören dann nicht vor den Strafrichter, sondern bor das Forum der Geschichte. Am 9. November haben sich jetzige Reichsminister genau so schuldig gemacht wie die heutigen An- geklagten. Rechtsanwalt Liebknecht trat noch einmal der Dar« legung de? Staatsanwalts entgegen über die Vergewaltigung der Preßfreiheft durch die Angeklagten. Die Besetzung der ZeitungS« betriebe war kein Verstoß gegen die Preßfteiheit, sondern nur die natürliche Reaktion gegen den bewußten Mißbrauch der Prehfreiheit durch die Verbreitung von Lügennachrichten, nament» lich über die auswärtige Lage, wie sie damals die bürgerliche Presse und mit ihr der„Vorwärts" betrieb. Bevor sich der Gerickllsbof zur Beratung zurückzog, trug der Angeklagte Kusch noch erschütternde Einzelheiten über die Miß» Handlungen der wehrlosen Gefangenen auf dem Hof der Dra» gonerkaserne vor. So wurde z. B. Sanitätssoldaten» die sich um Schwerberwundete bemühten, das Verbands- Material fortgerissen und ihnen mit dem Ge» Wehrkolben in? Gesicht geschlagenl Da? Gericht kam nach längerer Beratung zu folgende« Urteilsspruch: Da? Verfahren gegen den Angeklagten Ernst Haberland wird vertagt, zur Feststellung seines Militär« Verhältnisses, S o k u p und Vas siliere werden freigesprochen, Krüger und Schöbe erhalten je 9 Monate, Kusch 16 Monate, Walter und Wille je 8 Monate. Schulze 1 Jahr und Schanze 6 Monate Gefängnis! Die Kürzung der Arbeitslosenunterstützung. Nach einer Aufstellung des DemobilmachungSamteS beträgt die Erwerbslosen Unterstützung für Verheiratete ohne Kinder in Stuft« gart 9 M., in Bremen, Friedrichshasen, Gelsenkirchen, München, Königsberg und Frankfurt a. M. 3 M. Von da an sinken die Sätze bei Hannover auf 7 M., Erfurt 666 M, Halle 6,26 Stettin 6,56 M., Leipzig und Gotha 6 M., und weiter bis auf 3,26 M Diejenigen Orte, die mehr als 7,66 M. zahlen, müssen auf Grund der Verfassung des DemobilmachungSamteS bis fpä- testen? 1. April eine Herabsetzung der Unterstützungssätze vor- nehmen. In Groß-Bersin wurden bisher 966 M. gezahlt. Dieser Satz ermäßigt sich durch die am 1. März in Kraft tretenden vom TemobilmachungSamt vorgeschriebenen Höchstsätze auf 766 R. Dieser Betrag wird in Zukunft bei Verheirateten ohne Kinder (für jede? Kind kann 1 M. Zuschlag gezahlt werden) in ganz Deutschland die Höchstgrenze der Unterstützung bilden. Mit diesen Sätzen kann natürlich niemand auf die Daue» existieren. Die Arbeitslosen verlangen deshalb Beschaffung von ArbeitsMögliclsteft zu auskömmlichen Löhnen, Herabsetzung d« Lebensmittelpreise und Bekämpfung des Schleichhandels.? Proteste der Arbellerschast. Zu der Ermordung des Genossen Kurt EiSnet nahmen die Arbeiter und Arbeiterinnen der Gewehrfabr't Spandau in einer Betriebsversammlung auf dem Hofe der Fabrik Stellung. Nach den treffenden Ausführungen des Ge- nossen P. Mielitz wurde folgende Resolution angenommen: „Die versammelten Arbeiter und Arbeiterinnen der Gewehrfabrik Spandau nehmen in tiefster Trauer, aber auch in höchster Erbitterung Kenntnis von der Ermordung detz Genossen Kurt Eisner, dieses bewährten, allzeit getreuen Vorkämpfers des revoluttonäxen Proletariats. Die Ermordung ist nach Ansicht der Versammelten vrovoziert durch die schmähliche Haltung und Vertuschungspolitik der Regierung b�i der Untersuchung gegen die Mörder von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Die Mörder dieser beiden unvergeßlichen Führer de? Proletariats sind noch immer in Freiheit. DaS Versäbren asgen sie wird durch das Kriegsgericht zu keinem ErgeonrI führen. Frecher denn je erhebt, geduldet und gezüchtet von der Regierung Ebert-Scheidemann, die Reaktion ihr Haupt, als deren Opfer Kurt EiSner fiel, ermordet von einem Sprößling der Junkerkaste, deren Schützer die Regierung ist. Tief be- dauerlich ist das Fallen wefterer Opfer als Folge dieses Meuchelmordes. Aber die Versanunlung schiebt die Verant- Wartung auch für diese Opfer deneu zu, die durch die W i e d e r- aufrichtung de S Militarismus und der Mititärkafw diese Gewalttaten geradezu provozieren. Die Versammlung gelobt, nach dem Vorbilde Kurt EiSnerS allezeit getreu zur Sache des revolutionären Proletariats zu stehen, nicht zu ruhen und zu rasten, bis das Proletariat zur Macht gelangt ist, und fordert als Protest gegen diesen Schurkenstreich and gegen das Vorgehen der Ordnungsbestien im Ruhrgebiet den Generalstreik über ganz Deutschland." - «Die ArZetterschast des Daimler- Werks protestiert auf da heftigste gegen die gegenrevolutianären Maßnahmen der Ebert- Scheidemann-Regierung. Insbesondere sieht sie in der brutalen Niederknüttelung der revolutionären Arbeiterschaft durch die weiße Garde, in vielen Orten DoutMandS, in der ganz ungerechtferttg- ten Verhaftung deS Genossen Ledebour und vieler anderer Genossen, die schwerste Gefahr gegen die Errungenschaften de» 9. November 1918. Die Verhaftung des Genossen R a d e k, des Vertreters der russischen Sowjet-Republik, ist nach Meinung der Detriebs-Versammlung als Bruch des internationalen Völker- rech!» zu betrachten und geeignet. unS noch mehr als bisher den Haß der übrigen Nationen zuzuziehen, unter dem das deutsch Proletariat am schwersten zu leiden hat." Als diese Resolution dem Obmann de? BeiriebeZ überrreicht und von demselben borgelesen wurde, da protestierte der Mehr- h e i t S s o z i a l t st K ö h n aufS schärfste dagegen und forderte seine Anhänger auf mit ihm den Saal zu verlassen, well politisch- Dinge nicht in einer Betriebsversammlung erörtert werden sollien. Ehe er und seine Getreuen, ca. 66 Personen, den Saal verließen. mußte er allerdings den Vorwurf aus der Versammlung sich ae- fallen lassen, daß er überhauvt kein Sozialist sei, weil er kein Ge- fühl für die Menschlichkeit hat. Die Resolutton wurde nun von ca. 1566 Anwesenden einstimmig angenommen. Verantwortlich für die Redaktion Alfred Wielepp, Neukölln.- Verlag«Die Freihc-tt"©. m. b.©.. Berlin.— Druck der Linden» druckerei und Verlagsgefellschaft m.b.H., Schisfbauerdamm 19. «1» Spezis!-Behanälang■!« von fiaschleclits-, Haut- n. Harnleiden teder Art bei Männern und Frauen, spcz. veraltete(chronische) Harnleiden u. Ausflüsse, wrvöse Schwäche Isv.. Ehrlich-iiata- Kuren« Blutuntersuchungr, Licht- und Finsen-Behandlunsr. Quecksllber- Entzlehunes-Kuren. EistencisKur-Bad für elektrische und tJedizinischc Bäder. Ohne Berufsstörung. Cctrenote RAntne für Damen und Herren, , Aerztllch geleitete Heilanstalt. iöser, Hitoztir. S.»fi'lU'SÄSstS- Zeitungsfrauen werden noch in nachstehenden Speditionen eingestellt: s e r! i a: «iertch»«», Sitlcktocr Straße 83. CS■Oittvan erb n mm 18. tc n tt i(t, So'tnmßroBt U. eterf cn. gteiiSSurjer Straße 24. Qttttel, Itjtäomftr. tri. Sieüeeschönerveiüe: Schaffrantb Sedanstraßs 57. Lichtenberg: Ks gel. Hvl.'eiftr. 38. Charlottenbuegl SorcNH. Wallftr. W. Steglitz: «HB«. Kffiraitftt.& Sektkorke gebraucht. Stück 20 Ptg. Weinkorke lange. Stück 4 Pfg.. kauft Sperber. ZehdenickerstraBc 13 (am Rosenth. Tor) Nord. 4803 Lichtenberg Die Spedition Tasdorfer Straße 3(Prewü) ist verlegt nach Tasdorfer Straße 25 ScMahimmer, Speisezimmer, Küche, and einzeln, verkauft billigst Möbel-Sferii, Zehdenickerstr.! WüMstforl Vom I. März laufenden Jahr« befindet sich unsere Speditiaa bei Dennecke, Oiesolor- siraQe23(Ladent. Dortwerdeg Bestellungen entgegen ge* nommen und Botenfraueg eingestellt,