Ur. 133. Kblnmtments■ KedwMNgr«: Slbonnement»- Preis pränumerando; Vierteljahrs 3L0 Ml., monatl. l,10 Ml., wöcheotlich 28 Pfg. frei tn» Hau». Einzelne Nummer ö Pjg. Tonntag»- Nummer mit illustrtrter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt« lv Pfg. Post. Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zeitung»- PretZltste für 1SV7 unter Er. 7487. Unter Äteuzbanb für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, sür da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. ErfcheinI iiiglich auster Wonlag«. 14. Jahrg. Die Instrtions- Gebühr betragt für die sechsgespaltene Kolonel- «eile oder deren Raum SO Pfg., sür verewS- und BerfammlungS-Anzeigen» sowie SrbettsmarN 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bt» S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition «st an Wochentagen bis 7 Uhr abend». an Tonn- und Festtage» bis 8 Uhr vormittags geöffnet, Devltner Volksbl�tt. Fernsprecher:»ml I, Nr. 1500. Telegramm-Adresse: „V»,tald«m»kr«l Serlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Ztedaktio»: SW. 19. Wenty-Straße 2. Freitag, den 11. Juni 1897. Expedition: SW. 19. Uenty-StraKe 3. NutzlÄNv. Wir wollen hier nicht über die Rolle reden, die Rußland in der neuesten Phase der Orientfrage gespielt hat und spielr. Jeder, der dem Gang der Dinge mit einiger Aufmerksamkeit gefolgt ist, weiß, daß das halbbarbarische, dem briltalsten und blödesten Despotismus verfallene Zarenreich von den übrigen europäischen Mächten inbrünstig umworben wird; daß dieses Werbeil in ein wahres„Wett kriechen" ausgeartet ist, wie die „Kölnische Zeitung" sich schon vor zehn Jahren äußerte, und daß dieses halbbarbarische Zarenreich jetzt thatsächlich der Schiedsrichter Europa's ist, obgleich jede einzelne der europäischen Großmächte es an wirklicher Macht über trifft. Wir wollen hier nicht ausführen, wie und warum es so gekomnien ist,— wie Rußlands Stärke nur dariil wurzelt daß die übrigen Mächte widersprechende Interessen, zum theil niedrigster dynastischer oder raubpolitischer Art verfolgen und einander gegenseitig lahm legen, wie insbesondere Deutsch land und Frankreich, die zwei Mächte, die augenblicklich hilf los an die Rockschöße Rußlands sich klamniern, jede von beiden die andere zur lächerlichsten und kläglichsten Ohnmacht verdammend, obgleich sie vereint durch ein kräftiges Wort dem ganzen russischen Spuk ein Ende machen, und den Welt- frieden sichern könnten. Wir wollen nicht zeigen, welchen negativen und positiven Faktor der internationale Sozialismus in der gegenwärtigen Weltlage und in den Beziehungen der Mächte zu einander bildet,— wie einerseits die Furcht vor dem Sozialismus die kapitalistischen Staaten dem nordischen Halb- barbarenstaat in die Arme treibt, wie anderseits neue Kräfte heranwachsen und sich entwickeln, die einst die Staaten und das gegenseitige Verhältniß der Staaten zu einander auf ganz neuen Grundlagen einrichten werden. Unsere heutige Absicht ist einfach die, nach zuverlässigen Mittheilungen, die uns zugegangen sind, auf die russischen Zustände einige Streiflichter zu werfen. Bekannt ist das Wort:„Wir quälen uns ab, Afrika zu erforschen, und von Rußland wissen wir weniger a l s vo>l Afrika" In der That ist Rußlatid für uns„ein dunkler Erdtheil". Die russischen Zeitungen schreiben zwar viel über Rußland, und russische Federn schreibet« für die Presse des Auslairdes noch iveit mehr über Rußland als die russische Presse selbst, aber«vas die russische Presse schreibt, schreibt sie«nit Erlaubuiß oder auf Befehl der russischen Regierung, und«vas die russi- schen Federn für die Presse des Auslands schreiben, ist, von verschivindeuden Ausnahmen abgesehen, russische Reptil- arbeit. WaS uns da geboten«vird, sind P o t c m k i n's ch e Dörfer. Und seit den Tagen der„großen" Katharina, dieser russischen Messalina, hat die Praxis der Potemkiu'schen Dörfer sich in Rußland enorm ausgebreitet und vcrvollkonimt. Wie wurde zum Beispiel, um einen kleinen, jedoch bezeichnenden Fall zu erwähnen, der brave B i r ch o w, der doch sonst ganz gute Augen hat, vor einigen Jahren durch Potcmkin'sche Dörfer und Hospitäler zum Narren gemacht! Unsere Mit thcilungen stammen von Männern, die zwischen den Potemkiu'schen Dörfern wohnen, und deren täuschende Verlogenheit, smvie die nüchterne, traurige Wirklichkeit dahinter kennen— so genau kenneu, wie dies„iv o h l unter- richtete««" Russen möglich ist. Das„wohlunterrichtet" will in Rußland freilich nicht viel sagen. Wenn man von den Be Hörden absieht, die drirch verlognie Untergebene„wohlunteO richtet" sind über die— Potemkm'schen Dörfer und sonst nichts, so ist in Rußland nietnand wohlunterrichtet, und z>var ans dem nilfachen Grunde, weil die Möglichkeit fehlt, sich zu unterrichten,«veil der bleierne, sluinpfe Despotismus, der auf Rußland lastet, seine ganze Kraft dransetzt— und von sciuem Standpunkt aus auch mit recht—: die Wahrheit über die russischen Zustände zu unterdrücken und, so weit Thatsache» «ncbt todtgeschiviegcn«verden, nur verlogene Berichte unter das Publikum gelangen zu lassen. In den zivilisirici« Ländern, zn denen wir vorläufig noch auch das Deutsche Reich rechnen swollcn, unterrichtet man sich über die Zustände des Landes durch den schriftlichen und»lüud- licvcn Gedankenaustausch, den einerseits öffentliche Vereine und Gesellschaften, anderseits Bücher, Broichürcn und vor allem die Zeiijchriften»ud Zeilnngcn vermitteln. Diese Organe der Ver Mittelung fehlen in Rußland voll- st ä n d i g. Vereine, die sich mit politischen Angelegenheiten beschäftigen, giebt es in Rußland ilicht; wer einen politischen Verein gründet oder ihm angehört, ist ein Staats-Ver- b r e ch e r, der nach Sibirien verschickt wird. Vereine, die sich mit u«i politischen Dingen beschäftigen, z. B. mit hygienischen § ragen, werden nur aus Gnade gestattet und ohne nade sofort aufgelöst, wenn sie irgendivie, sei- es auch nur durch zahlreichen Besuch„verdächtig"«verden. „Zahlreicher Besuch" ist, so unglaublich es klingt, wieder- bott von der Polizei als Verbotsgrund bezeichnet worden. Und nun die Presse und Literatur! In Rußland «vird keine Zeile gedruckt, die nicht vorher den« Z e n s o r, d.h. der Polizei vorgelegen hat. Größcrc, rein«vissen- schaftliche Schriften unterliegen allerdings-nicht der Vor- Zensur, aber darum einer um so strengeren Na ch-Zensur. Diese hat eine sehr wirksame und praktische Manier,„Verdächtiges" von den russischen Uiilcrthanci« fernzuhalten. Während in Druckschriften, die ans dem Ausland koinmen, das Verdächtige mit Druckerschwärze verschmiert wird, wird in inländischen Druckschriften, die nicht der Vor Zensur unterworfen waren, das„Verdächtige" mit einer Scheere oder einem Messer ausgeschnitten. Die Zeitungen aber «verde«« aufs schärfste zensirt; kein Wort geht durch, daß der Polizei nicht gefällt, und kommt die Polizei zu der Ueber- zeugung, daß die Redaktion des Blattes„verdächtige" Tendenzen hat, so wird das„verdächtige" Blatt verivarnt und dann Knall und Fall verböte». Wie und wo soll sich da jemand über russische Zustände— überhaupt über politische Zustände— unterrichten � Man ist auf den m ü n d- l i ch c n oder brieflichen Verkehr von Person zu Person angnviesen. Diese I s o l i r t h e i t des Individuums, diese Ablvesenheit des politischen Verkehrs ist es, was von den gebildeten Russen am schmerzlichsten empfunden wird. Und in dieser Beziehilng ist es jetzt so schlimm, wie nur jemals zuvor in den schlimmsten Zeiten des ersten Nikolaus und des dritten Alexander. In„gebildeten und liberalen Gesellschaftskreisen"— wir brauchen hier den uns gegenüber gebrauchten Ausdruck— hatte man bei der Thronbesteigung des jetzigen Zaren allgemein erivartet, die Kamarilla,«velche de«« dritten Alexander in der Hand gehabt hatte, werde beseitigt, und wenn auch keine Konstitution, doch irgend ein, den Absolutismus etivas eindämmendes Grunde gesetz gegeben«verden. Es ist gar nichts geschehen Mit Ausnahme von ein paar Personen ist die alte K a m a- rilla geblieben; der junge Zar, von Hans aus weich und ohne Initiative«vie ohne besondere Intelligenz, ist systematisch dllrch revolutionäre Popanze er- schreckt«vorden, so daß er jeder Gewaltmaßregel zustimnit, und in jeder selbständigen und freieren Regung eine ihn per- söulich bedrohende Gefahr erblickt. So hat die Kainarilla auf die Furcht des Zaren ihr Schreckeusregiment gestützt. Bei der in Rußland herrschenden Idee««sperre ka««n natürlich von einer„bürgerlichen Bensegling" nicht die Rede sein. Alles was sich so nennt, sind vereinzelte Ansichten und Wünsche. Für das denkende Element des Burgerthnrns ist die Lage umso unerträglicher, als das gesanimte B a u e r n t h u in, das heißt gut vier Fünftel der Bevölkerung Rußlands, politisch noch t o d t ist und alles Heil von dem Popen, der Polizei und de»n Zaren erhofft. Die entsetzliche t ungersnoth des Jahres 1891 ist in frischem Gedächtniß. nnderttausende von Bauern starben Hungers oder am Hungertyphus. Die Nahrungslnittel, welche die Regierung in die Hungerdistrikte zu schicken befahl, wurden von diebischen Beamten gestohlen— die Massen starben lautlos und stumpf- sinnig«vie die Mücke««, und kein Protest, keine Forderung, keine Drohung, kein Akt der Rebellion störte„die Ruhe des Kirchhofes." Politischer Tod! Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß schon vor zwanzig Jahren ein uns befreundeter russischer Gelehrter mit von Thränen erstickter Stimme ausrief: Es giebt noch kein russisches Volk. Wo soll der Hebel der Reform angesetzt«verde««? Es fehlt der feste Punkt— es fehlt das V o l k. Die Bauern können nicht lesen; und könnten sie lesen,— aus den Blättern, die sie zu lesen bekänieu, wäre nichts anderes zu lernen, als«vas der Pope, der Gendarm, der Gutsherr und sein Verwalter ihnen sagt. Tann und wann«vird, in Erinnerung an alte Zeiten, ein Schloß oder ein Gutshof verbrannt— allein das sind Ausbrüche der Leidenschaft ohne politischen Charakter und ohne Plan. Unter den Arbeitern und in der kleinen, an das Proletariat ansireisenden Mittelklasse, aus der die meisten Gymnasiasten und Studenten hervorgehen, haben sozialistische Ideen Wurzel gesaßt und breiten sich auch aus. Das ist indeß ein laugsames Wachsen. Ter K a p i t a l i s- n«us, der ja ein großer Revolutionär ist, hat «vohl in Rußland seinen Einzug gehalten, aber Ruß- land ist groß und ehe der Kapitalismus sich dieses räumlich enorm ausgedehnte und fast durchiveg dünn bevölkerte, wirthschastlich, politisch und geistig zurück- cbliebene Land erobert hat, wird noch geraume Zeit ver- 'treichen. Die Zahl der Industriearbeiter ist heute, wie uns versichert wird, noch so ziemlich dieselbe wie vor 5 und 10 Jahren, nur daß mehr Fabriken entstanden sind, und ent- prechend mehr Maaren produzirt werden. Die Fortschritte der russischen Industrie sind unseren Gewährsmännern zu- folge in den Zeitungen arg übertrieben worden. Die russische Regierung will vor dem Auslande glänzen, schon um besser pumpen zu können.„Für die Konkurrenz des Weltmarkts ist die russische Industrie noch nicht stark genug, und der Binnenmarkt ist zwar kolossal, aber die Kaufkraft fehlt— das Volk ist unglaublich a r m." Kein Wunder unter solchen Umständen, daß der P e s s««n i s«n u s, von dem der Nihilismus nur eine Abart ist, in bürgerlichen Kreisen«nehr und mehr um sich greift, und daß viele in einem Kriege die letzte verzweifelte Chance der Rettung erblicken. Die so denken, berufen sich auf den K r i m k r i e g der süiifziger Jahre, dem die B a u e rn-Emanzipation und andere(allerdings russische) Reformen zu verdanken«vareu. Ein neuer Krieg würde bei der elenden Mißivirthschast des ckronisch bankrotten Zarenreichs, namentlich bei dem erbärmlichen Verkehrswesen und der erbärmliche» Armeeverwaltung, vermuthlich zu einem ebenso gründlichen Zusammenbruch führen, wie seinerzeit der Krim- krieg; allein was sind das für Zustände, wenn der Krieg mit seinen entsetzlichen Opfern und Greueln als Rettung ver- heißender Ausweg aus der politischen Missre erscheint? Jedenfalls hat das persönliche Regiment nicht einmal in dem vorrevolutionären Frankreich den Nach- weis seiner Nichtbefähigung gleich gründlich, und in, für das Volk und die Menschheit annähernd so unheilvoller Weise erbracht, wie in Rußland— dem höchsten politischen Ideal unserer deutschen Reaktiv- n ä r e._ Vom Vereittsgefetz. Den Ausschlliß der Minderjährigen behandelt Dr. I a st r o iv in der„Sozialen Praxis" von« pädagogischen Stand- punkte. Er schlicht seine Ausführungen also: „Sollte die Vorlage Gesetz werden, so würde ihre erste und vornehmlichste Wirkung sein, daß sie jungen Leuten ei» bedeutendes politisches B« l d n n g S in i t t e l entzieht. Ferner«vnrde aber auch die Stellung der jungen Generation gegenüber der älteren nnvortheilhaft beeinflußt werde». Die junge Welt kann ans diesem Gesetze nur die Vorstellung bekonunen, daß vor dein in ihr schlummernden Geiste die alte Generation s i ch fürchte. Es schickt sich nicht, daß der Erzieher sich fürchtet vor dem. den er erziehen soll. Aber die Verfasser dieser Vorlage stehen mit schlotternde» K n i e e n vor dem, was in der jungen Generation sich regt. Diese? Gefühl der Angst geht so weit, daß in der Presse sogar behauptet wird, der Kriegsminister habe erklärt, er traue sich nicht mehr zu. die Rekruten richtig auszubilden, »venu sie vorher politische Versammlungen besuch« hätten. Endlich widerspricht das gegenwärtige Verbot des Verfammlungsbesuchs bis ziun LI. Jahre und die plötzliche Freigabe gerade in dem Augenblicke. wo der Jüngling der Gewalt des Vaters gesetzlich entzogen wird, allen pädagogischen Grundsätzen der Jndividualisirnng und der allmäligen Uebergänge. Es wird nicht mehr Aufgabe des Vaters sein, auf den Versammlungsbesuch des SohueS einen weise mäßigenden und un« demerkt regelnden Einfluß zn üben. Das Gesetz entzieht den Sohn der Betheilignng an allem politische» Leben und stellt ihn an seinem LI. Geburtslage neben den Vater. Man müßte ein sehr schlechter Psychologe sein, wenn man nicht voraussehen sollte, daß die Wir- kling eines solchen Gesetzes ein maßloses Hervordrängen der flügge geivordenen Einnudzivanzigjährigen i» den politischen Versamm- luiigen sei» würde."_ polikischc MebeMcht. Berlin. 10. Juni. Sieg in Königsberg. Eine Privatdepesche meldet kurz vor Schluß der Redaktion über das Resultat der heutigen Reichstags-Ersatzivahl: Es wurden abgegeben für H a a s e(Soz.) 11 912 Stimmen, Papendieck(frs. Vp.) 4878, Slörmcr(Reformp.) 2036, Krause (natl.) 3854 Stimmen. Also: Haase gewählt. Bedeutender Stimmeurückgaug der bürgerlichen Parteiei«, Bedeuteuder Stiuimcnzuwachs der sozialdemokratischen Partei. Zum ersten Male Sieg in Königsberg ohne Stichwahl. Ein Bravo den Königsberger Parteige>«ossen! Majcstätsbclcidignngs- Prozeß gegen Tansch? Der „Hannöversche Courier" des Herrn Bennigsen erklärt eS„für selbst- verständlich", daß die Anllagebehörde gegen den Kriminal- kommissar v. Tausch bereits ein Verfahren wegen Majestäts- beleidigung eingeleitet habe. Die Anklage soll sich besonders auf die Aussage des Schnslstellers Krämer stützen. Dieser hatte die Miltheilimgeu über die Erzählungen Tausch's in Sachen des an- geblichen Ohreuleideus des Kaisers gemacht und hierbei dem Protokoll zufolge erklärt: „Ich habe ihn gefragt, wieso er denn über alle diese Dinge so tuformirt sei. Er sagte/ daß er de» Kaiser mit einem Netz von Spione» oder mit Spionen umgeben habe und dadurch über alle Sache» insormirt sei. Als Beweis dafür— und nun muß ich einen Gegenstand berühren, den ich gern vermieden— als Beweis dafür, daß er über alle Vorgänge im Palais genau unter- richtet sei, machte«nir Herr von Tausch Mittheiluug über eine» Vorfall, der sich, glaube ich. am 24. Januar 1894 zu- getragen hat, also an dem Tage, an dem der Kaiser den Flügeladjutante» Grase» Moltke nach Friedrichsruh entsandt. ES war die bekannte Sache, wo nach der ursprüng- liche» Aussöhnung und nach de» Differenzen, die dann wieder eulstnnde» sein sollten, die sogenannte Ver>öhnung durch ein« Flasche Sleinberger—" Hier wurde der Zeuge vom Vorsitzenden unterbrochen mit der Bitte,„zunächst von diesem Punkt Abstand zu nehmen." Es ent« spann sich dann eine Eiörterung zwischen dem Botsitzende», den» Oberstaatsanwalt Drescher, dem Zeugen Krämer, dem Angellagten v. Lützvlv»nd dessen Vertheidiger Dr. LnbszyuSki, sowie dem Ver- lheidtger v. Tausch's, Dr. Sello. Der Vorsitzende und der OberstaatS- anwatt äußerte» übcreinstimmettd de» Wunsch, daß das, was der enge Krämer über iveitere Aenßernngen von v. Tausch über de» aiser«vahrheitsgemäß unter seinem Eide auszusagen im Begriff stand, Überhaupt nicht vorgebracht werde. Der Gegenstand wurde in de» Verhandlmigen auch nicht«uehr erörtert. Der„Haini. Kour." theitt nun hierzu mit: Der Leser wird nun«vissen wollen,«velch uitgehcuerlichi Aeußcrung Herr v. Tausch gegenüber dem in jeder Hinsicht«in- «vandsfreien Zeugen Krämer damals(17. März 1894) gelhnn hat. Herr Krämer hat die oumiöse» Worte sogleich, nach bei» ».Tausch ihn verlassen hatte, z u P a p i e r gebrach d, u n d später ist er, nachdem die Geschichte ohne sein Z u t h u n d e r B c h ö r d e n z» Ohren gekommen«v a r. g e z>v u n g e n worden, dieses Papier dem Unter- s n cb n n g s r> ch t e r a n s z u h ä n d i g c n. Seitdem liegt es bei den Akte». Ter Zeuge ha« sich auch pcrsöulichcu Bekaiiuteu gegen- über strikte geweigert, den Ausspruch v. Tausch's«veiler zu er- zahlen, lind ans vieles Dr5ngen hat er nur geantwortet:»ES ist eine Majestätsbcleidigung gröbster Art!" Nun, unS will bedünken, daß dieser Herr Krämer, patriotisch» biZmarckisch- antiseniilischcr„Schriftsteller" seines Zeichens, ein sehr bedenklicher Patron ist. Vermeintliche Majestätsbeleidigungen, die ein anderer in vertraulichem Privatgespräch machte, nachträglich niederschreiben und sich dann„zwingen lassen", das Niedergeschriebene „dem Untersuchungsrichter auszuhändigen", das sind Ge- wohnheiten, welche doch sehr zu denken geben.— Die RetchStagS-Ersatzwahl i» Wiesbaden zeigt das Partei- bild vom Jahre 1893 wenig verändert. Die soziatdemokralische Partei hat keine Erfolge anfzuweisen, sie gelangt nicht in die Stich- wähl und hat an Stiinmenzahl um mehrere Hundert abgenommen. Das Stimmenverhältnih im Jahre 1893 war folgendes: reisinnige Vereinigung 6289, Freisinnige Volkspartei 4394, eutrum 5027, Sozialdemokratie 6253, Antisemiten 1245, » der Stichwahl siegte der Kandidat der freisinnigen Vereinigung mit II 875 gegen 9566 sozialdemokratische Stimmen. Bei der jetzigen Wahl ist von der freisinnigen Vereinigung kein Kandidat gestellt worden, die 93er Wähler der freisinnigen Vereini- gung trennten sich und gingen theils zum konservativ- national- liberalen Kandidaten, theils zum Kandidaten der freisinnigen Votks- partei. Auch ein autisemilijcher Kandidat war diesmal nicht auf- gestellt. Das Nesnltat ist nun folgende?: Wintermeyer(frs. Vp.) 6566 Stimmen, v, Fugger(Zentrum) 5355, Dr. Quarck(Sozial- demokral) 5166, B a r t t i n g(nationalliberal) 3072. Es wird also Stichwahl zwischen der freisinnigen Volksparlei und dem Zentrum stattfinden. Die Eesammtzahl der abgegebenen Stimmen ist um 3>/« Tausend hinter der Zahl im Jahre 1393 zurückgeblieben. Der Ausfall wird zur bei weitem großen Hälfte von der bürgerlichen Partei getragen, aber auch die Sozialdemokratie ist sehr stark, sagen wir bei weitem zu stark daran betheiligt. Als Ursache hierfür können wir, soweit wir die Lage im Wahlkreise zu übersehe» vermögen, hauptsächlich den Wechsel des Kandidaten ansehen. Eine Aenderung der Kandidatur pflegt ja häufig bei den Wählern eine gewisse Verwirrung anzurichten. Wir sind aber über- zeugt, daß unsere Genossen durch eifrige Agitation in Zukunft das diesmal nicht Erreichte nachholen werde». Das bemerkeuswertheste Merkzeichen dieser Wahl ist aber der fichtbare Zug der Volksmassen nach links. Der nationalliberale Kandidat, welcher sich mit den Konservativen ver- brüderte und für die Flottenpläne eintrat, hat eine schwere Niederlage erlitten. Obivohl die Antisemiten keine Kandidatur aufgestellt hatten, erhielt der eigentliche Vertreter von„Ordnung und Sitte", der auch Negierungskandidat heißen darf, nur 3000 Stimmen. Die gesammte Bevölkerung deS Wahlkreises mit Ausnahme dieser kleinen Minderheit hat sich deutlich gegen die Reaktion, gegen die Regierung, gegen die Recke-Pläne, gegen die Weltmachtssucht, gegen die agrarischen Gelüste ausgesprochen. DaS ist ein bedeutsames Zeichen der Volks- st i m m u n g! Sozialdemokratie und prrnsiische LandtagSwahlen. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" leitarlikelt über die Frage der Betheiligung der Sozialdemokratie an den Landtags- wadte», welche ihr offenbar arge Kopfschmerze» bereitet. Das offiziöse Blatt ist besonders unangenehm berührt darüber, daß frei- »»ige Blätter sich bereit erklärt habe», den Einzug der Sozial- emokratie in den Landtag zu unterstützen. Sie warnt die Frei- finnigen, dieses zu thun. Sie schwenkt zu diesem Zweck den rolhe» Lappen: „Der Pakt mit Leuten, die offenkundig revolutionären Zielen zustreben, wird und muß das Gemeinivohl auf alle Fälle schädigen. Eine grundsätzliche Verschiedenheit trennt die Sozial- de»iok>atie von allen übrigen Parteien. Keine Differenz unler den Sozialdemokraten selbst reicht auch nur annähernd an die Größe dieses prinzipiellen Gegensatzes heran. Das sollte man im Heerlager des Freisinns nicht vergessen. Wer mit der Sozialdemokratie zusammenwirkt, verletzt aufs gröblichste die Interessen des Etaales und macht sich zum Schildknappen der Revolution." Der Angstschrei zeigt, wie schmerzlich die Regierungslente schon die Möglichkeit eines sozialdemokratischen Angriffes auf den preußischen Landtag berührt. Ihr Gruselgerede von der Revolution werden die bürgerlichen Oppositionsparteien sehr einfach mit der Frage beantworten: Ja, warum bringen d e» n I u n k e r- regier» n g und Regierungsjunker solche un- zweckmäßige Gesetzentwürfe ein, daß das ge- sammte Volk wie ein Mann dagegen aufstehen muß?!— Ein frecher Geselle schreibt im„Reichsbote", der„Vorwärts", welcher zum Ausräumen des Augiasstalls der politischen Polizei ec. auffordere, habe den eigenen Siall nicht von Rormann-Schnmann rein halten können. Der Schreiber vergißt, daß der„Vorwärts" auch die Norinaiin-Schuilianii'schen Notizen zum Ausräumen des Augiasstalls benutzte und daß der„Vorwärts" nicht', wie der „Reichsbote", ein Anbau dieses Augiasstall? ist.— Dir FriedenSberhanblnnaen stehen auf demselben Fleck. Ein Wiener Berichterstatter der„Köln. Zig." erklärt, es sei unrichtig, daß England die Griechen oder Deutichland den Sultan ermuthige, Schwierigkeiten zu machen, oder daß zwischen England und Ruß- land wesentliche Meinungsverschiedenheiten bestehen. Vielmehr sei man allerseits bestrebt, eine Ermäßigung der türkischen Forderungen herbeizusühren. � Deutsches Reich. — Der achte evangelisch-soziale Kongreß ist am 9. Juni in Leipzig mit einer zahlreich besuchten Versammlung eingeleitet worden, wo u. a. die Professoren Delbrück und Wagner unter demonstrativem Beifall ziemlich energische Reden gegen die Stumm und Genossen hielten. Daß dabei Delbrück sich den Ausdruck von den„vaterlnndslosen Gesellen" in Beziehung auf unsere Partei zu eigen machte, gehört ebenso zur Methode der Evangelisch- Sozialen, wie die Lobpreisung deS Militarismus und der hohenzollern'schen Monarchie, womit Herr Wagner paradirte. An anderer Stelle der heuligen Nummer finden unsere Leser den Bericht über die Versammlung. — In der heutigen letzten Sitzung des Journalisten- und SchriftstellertageS in Leipzig reserirte Hans Kastner- München über den Groben Unfugs- Paragraphen. Hierzu wurden die folgenden beiden Anträge angenommen: a) der Journalisten- und Schriftsteller- tag in Leipzig wolle eine motivirte Eingabe an den Reichstag und BuiidcSrath um zweckentsprechende authentische Interpretation des sogenannten„Groben Unfugs-Paragraphen(§ 360, Ziffer 11 Reichs-Sirafgesetz-Buch) richten; b) der Journalisten- und Schriststellertag in Leipzig wolle in den Einzel- stauten bei den Jonriialisten-Vereinen und bei den Redaktionen anregen, sie möchte» sich an den Landtag mit der Bitte wenden, der Regierung das Eintreten für eine zweckentsprechende authentische Interpretation deS„Groben Unfugs- Paragraphen" im Bundes- ralh nahezulegen. Ebenso wurde eine voni Dr. Fränkel-Berlin im Sinne dieser Anträge vorgeschlagene Resolution angenommen.— In der dann folgenden Delegirtenversammliing wurden in drei- stündiger Sitzung wesentliche Statutenändernngen beschlossen. Zum Vorort wurde Frankfurt a. Main wiedergewählt. Im nächsten Jahre findet nur eine Delegirtenversammlung statt. — Dr. PeterS. Der von der Disziplinarkammer seines Amtes entsetzte und theilweise zur Tragung der Kosten verurtheilte Dr. Karl Peters hat bekanntlich Berufung eingelegt. DaS gleiche Rechtsinittel hat nun aber anch. wie sich anS dem beute erfolgten Ausbang an der Gerichtslasel der Disziplinar- kammer im Kammergerichtsgebäude ergiebt, der Vertreter der EtaatSa nw altschaft. Geh. LegationSralh Hellwig ergriffen, welcher seine Berufung folgenderiiiaße» rechtfertigt: „Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist, sofern sich das gegen einen Beamten eingeleitete Disziplinarverfahren auf eine Mehrzahl von Pflichtverletzungen bezieht, im allgemeinen davon auszugehen, daß das dienstliche Verhalten des Beamten, wie es sich nach der G e s a m m t h e i t seiner Handlungen darstellt, nicht aber eine Reihe selbstständiger Dienstvergehen den Gegenstand der Anschuldigung bildet. An sich wird hiernach in der durch daS Rechtsmittel des Angeschuldigten eröffneten Berufungsinstanz, auch wenn von Seite der Staatsanwaltschaft kein Rechtsmittel eingelegt wäre, die Möglich- keit gegeben sein, auf eine abweichende Entscheidung hinsichtlich der- jenigcn Anklagepunkte hinzuwirken, bezüglich deren die Disziplinar- kammer eine Verletzung der AinlSpflichlen nicht angenoiiimen hat. Im vorliegenden Falle ist jedoch die Disziplinarkammer bei ihrer Entscheidung von einer ablehnenden Auffassung geleitet worden. Die Entscheidung erklärt:„insoweit der Angeschuldigte ver- urlheilt ist", ihn auch für schuldig, die baaren Auslagen des Verfahrens zu erstatten. Damit ist die in den Gründen der Entscheidung näher dargelegte Anffassung ausgedrückt, daß dem Angeschuldigten eine Mehrheit von Dienstvergehen zur Last gelegt sei und daß nur im Hinblick auf einen Theil derselben die Verurtheilung erfolgt. Alsdann würde aber der Entscheidung der Disziplinarkammer bezüglich der Anklagepunkte, bei denen eine Pflichtverletzung nicht angenommen wurde, die Bedeutung einer Frei- sprechuug zukommen. Unter diesen Umständen hat auch seitens der Staaisanwallschast Berufung eingelegt werden müssen, und es wird unter Anfrechterhaltnng des gesanimten Inhalts der Auschuldigungs- schrift beantragt: in Abänderung des Urtheils der Disziplinar- kammer dem Angeschuldigten die sämmtlichen durch das Versahre» erwachsenen baareu Auslage» aufzuerlegen." —„Die Wahrheit über die Anstalt Bethel und ihre Dependenzeii bei Bielefeld" heißt eine Broschüre, die Albert K o r d u a n i» der Buchhandlung der„Volksivacht" in B i e I e- f el d herausgegeben hat und welche die Gründung deS P a st o r Bodelschwingh scharf kritisirt. Wie mitgetheilt wird, hat das Kollegium der Aerzte und Pastoren der Anstalt Strafantrag wegen Beleidignng gegen Verfasser und Verleger gestellt. Von anderer Seite wird dem Inhalt der Schrift Glauben geschenkt und ein Gegenstück zu dem Aachener Alcxianerprozeß angekündigt.--- — Die„Mainzer Volkszeitung" giebt jetzt da? schriftliche Urlheil bekannt, das die Strafkammer in Sachen fdes Nazarener-Artikels in der„Neuen Well" gefällt hat. Die Staats- anwaltschaft hatte gegen den Redakteur der„Mainzer Volkszeitung" Anklage wegen Golteslästernng erhoben. Das strafbare Delikt sollte in einer Novelle der„Neuen Well" gefunden werde». Gegenüber diesem Versuch der Stnalsaiiwallschaft wendete der Redakteur mit Recht ein, daß die„Neue Welt" eine besondere Beilage sei, die ihren eigenen verantwortlichen Ncdakieni, be. Das Gericht erkannte ans Freisprechung und heben wir aus dem prinzipiell wichtigen Urlheil folgendes hervor: „Für die Beschuldigungen ist e? nothwendige VoranSsetznng, daß der Angeklagte überhaupt als verantwortlicher Redakteur sür den fraglichen Artikel haftbar ist. Tie großherzogliche Staats- anwaltschaft hat diese Voraussetzung als gegeben erachtet, der Zlngeklagte hat sie dagegen besrntlen. Nach dem Aufdruck auf der „Mainzer Volkszeiinng"«st für die Redaktion des politischen Theils ein Dr. Eduard David, für alles übrige der Angeklagte Valentin Liebinann verantwortlich. Angeklagter hat nun Unrecht, wenii erbe- banptet hat, er brauche nur für die Zeitung selbst, nicht aber deren Beilagen einzustehen. Es ist vielmehr davon auszugehen, daß der Redakteur einer Zeitung sür diejenigen Beilagen, welche keinen selbständige» Charakter haben, sonder» einen integrirenden Be- standtheil der Zeilung bilde», ebenso verantwortlich ist wie für daS Hauptblast, ohne daß sein Name»ochiuals auf den Beilagen geuaiuit wird. Weiter ist auch anzuerkennen, daß die gleichzeitige und gemein- fanie Ausgabe der„Neuen Welt" mit der„Aolkszeitiing" an dieselben Leser die erstere nur als Beilage der letzteren erscheinen läßt. Es würde also danach der Redakteur für den nicht politischen Theil sür den inkriminirten nicht politischen Älrlikel der Beilage initznhaslen habe». Allein diese Verantwoulichkeit wird im Fragefalle dadurch ausgeschlossen, daß auf der„Neue» Welt" ein besonderer ver- antworUicher Redakteur, ein gewisser Edgar Steiger in Leipzig, an- gegeben ist. Nach§ 7 des ReichSgesetzeS vom 7. Mai 1874 über die Preffe ist es zulässig, daß mehrere Personen als verantwortliche Redakteure, nämlich sür die einzelnen Theile des Blattes verschiedene Personen benannt werden. Ee kann dem auch nicht gegenüber gehalten werden, daß sich diese Vorschrift nur aus selbständige Druckschriften und nicht auf Beilagen beziehe. Solche Beilagen, welche einen wesent- lichen Bestandtheil eines anderen Blattes bilden, bedürfen zwar insolge dessen der besonderen Benennung eines veraniwortlichen Redakteurs nicht. Allein, daß sie auch keinen besonderen Redakteur haben können, ist auS dem Gesetze nicht zu folgern. DaS Reichs- gertchl hat die? in seinem Urlheil vom 13. Dezember 1895, Eutsch. Bd. 28, Seite 72 folgende, ausdrücklich anertannt, seine beiden früheren schon zitirten Urlheile stehen damit wohl nicht in Wider- spruch, eventuell würde der neuen Rechtsprechung jedenfalls beizu- treten sein. War eS also zulässig, daß für die Beilage Steiger als Redakteur angegeben werde, so ist auch nur dieser als verantwortlich für die Beilage anzusehen. Dieser Steiger ist auch, wie die Haupiverband- lung ergeben hat, wegen des fraglichen Artikels aus Z 166 St.-G-B. bestrast worden. Der Angeklagte haftet somit sür dieselbe nicht." -- Kriegervereinliche Sozialistenbekämpfung. Bei einem Kriegerfest des Nord-Haniiovcrschen Bezirks deS deutschen Kriegerbundes in Lüchow wurde auch eine große Festrede gehalten, die wieber zeigt, weß„Geistes" Kinder diese Leute sind. Im Lüchower amtlichen Kreisblatt, das. wie der„Bolkswille" in annover mitlheilt, unter der Devise erscheint:„Habt die rüder lieb!" findet sich dieser Erguß kriegervereiulicher Bruderliebe vereinigt; einige besonders liebliche Stellen seien daraus zilirt: „Auch in Friedenszeiten drohen Kaiser und Reich ernste Ge- fahren, zu deren Abwehr die Kriegervereine berusen erscheinen. Groß ist die Zahl der inneren Feinde, deren offene und versteckte Wirlsamkeit die Existenz von Thron und Vaterland gefährden. Diese Feinde gilt es zu bekämpfen! Zwar ver- dielen die Satzungen den Kriegervereinen, sich mit Politik zu befassen. Und gewiß verdanken sie nicht zum wenigsten diesem Verbot ihr wunderbares Anwachsen. Aber jeden von treuer Liebe zu Kaiser und Reich durchglühien Krieger muß die Bethätigung gerade dieser Gesinnung von selbst dazu führen, Stellung zu nehmen gegen beide Feinde, vornehmlich aber gegen jene finsteren Elemente, welch« darauf hinarbeiten, unsere Gesellschaftsordnung, Thron und Altar einzustürzen und an deren Stelle zu setzen die Herrschaft der Mafien,— ein Staatengebilde so nebelhaft, daß über dessen Wesen selbst die Führer jener Elemente ein Bild»u geben nicht vermögen. Zudem hat unser allerhöchster Kriegsherr Kaiser Wilhelm II. selbst die Kriegervereine ausgerufen zum Kampfe gegen diese finsteren Mächte. Dieser Kampf macht eS nöthig, daß die Kriegervereine nicht nur sich selbst gegen solche Bestrebungen verschließen, Einflüsse dieser Art von ihren Mitgliedern fernhalten. jedes Mitglied ausschließen, das solchen mit der gelobten Treu« und Liebe zu Kaiser und Reich unvereinbaren Tendenzen huldigt: Sondern es folgt hieraus auch sür jeden Krieger die weitere Aufgabe, offen seine Gegnerschaft gegen die Bestrebungen der sozialen Demokratie zu bekeiiiien, furchtlos ihren Agi- lationen entgegenzutreten, nie einem ihrer Erkorenen feine Stimme zu geben. Jene Elemente, welche in der gefährlichsten Weise die staat- licheu Ideale deS Krieges bedrohen, die Fundameule de! Thrones und Vaterlandes unterwühlen, betrachte der Krieger als seine eigenen Feinde, er suche ihre Macht zu brechen durch Wort. Ralh und Thnt. Was der Krieger zu ihrer Unterdrückung und Bekämpfung leistet, das frommt seinen von ihnen bedrohten Idealen. Bejolgen die Kriegervereine in solcher Weise den Ruf ihres Kriegsherrn, dann werden sie in ihrer Geschlossenheit ein festes Bollwerk werden für Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland gegen jene dies alles bedrohenden Mächte... Darum stehet fest zusammen, Ihr Krieger, Schulter an Schulter, bietet Eure Stirn dem inneren Feinde!" Mit diesen Leul-n zu diZkutiren lohnt natürlich nicht. Herr, vergieb ihnen, sie wissen nicht, was sie thun Z— — Ein Vereinstag ländlicherGenossenschaften Raiffeisen'scher Organisation tagt heute in Berlin. Er ist aus allen Theilen Deutschlands zahlreich beschickt, und es sind säuimtliche Verbände mit 2700 Genossenschaften vertreten. — Chronik der MajestätsbeleidignngS-Pro» z e s f e. Ein Streit um deS Kaisers Kinder hat dem Maurer Wilhelm Borke aus Pankow«ine Anklage wegen Majestätsbeleidigung eingetragen, die heute vor der zweiten Strafkammer am Berliner Landgericht II verhandelt wurde. Borke arbeitete während des Winters in Neu- Weißensee und befand sich eines Tages mit mehreren seiner Arbeitskollege» in einem Schanklokale. Gelegentlich kam das Gespräch auch aus den Kaiser und seine zahlreiche Familie und hierbei soll dcrAngcklagte eineAeußerung gethan haben, in welcher eine Majestätsbeleidigung gefunden wurde. Der Angeklagte schützte sinnlose Trunkenheit vor. die Zeugen behaupteten aber, daß er nur angetrunken gewesen fei. Jnimerhin ließ es der Gerichtshof mit der niedrigsten Strafe von zwei Monaten Ge- sängniß sein Bewenden haben. Schweiz. Bern, 10. Juni. Die Vorlage betreffend den Rückkauf der Eisenbahnen ist im Siäuderalh endgillig aus die Tages- ordnung sür nächsten Dienstag gesetzt worden. In dem Nationalrath begründeie Baldinger(Aargan) seine» Antrag, einen Ausstand der Bahnbeamten, wie er bei der Nordost-Bahn vorgekommen, durch Erlaß gesetzlicher Vorschrift künftig zu vermeiden. Zemp erklärte, das einzige Miliel wäre die Einsetzung eines unparteiischen E ch i e d s- gerich tS zur Erledigung solcher Streitfragen. Baldinger hielt an seinem Antrage fest. Derselbe wurde aber mit 59 gegen 44 Stimmen verworsen.—» Holland. Die Kammer wählen werden am 15. d. M. stattfinden, Jede Vorhersage über den Ausfall der Wahl ist unmöglich, da sich auch nicht annähernd berechnen läßt, wie die'/» Million neuer Wähler abstimme» wird. Gegenwäriig zählt, wie der„Vosstscheu Zeitung" geschrieben wird, die zweite Kammer der niederländischen Genernlstaaleii 60 Liberale verschiedener S batlirungen einschließlich der Radikalen und 40 konservative Katholiken und Protestanten. Noch vor Festsetzung des Wahltermins ist ein Uebereinkommen zwischen der katholischen Partei des Abbö Schaepman und der prolestanlischen Fraktion de? Abgeordneten Dr. Kuyper abgeschlossen worden, wonach die Anhänger beider Parieien für«ine genieinsame Kandidalenlifte stimmen sollen. Sie haben sich über die Schulirag« in reaktionärem Sinne, über den Kampf gegen den Freihandel, gegen die allgemeine Wehrpflicht geeinigt, und da die Liberalen in sich selbst gespalten sinv, ist es gar nicht aus- geschlossen, daß die vereinigten Orthodoxe»groß« Er- folge erringen. In den Wahlkampf sind sie mit aller Macht ein- petreleii, sie wollen durch die Wahlen daS Ministerium»u Falle bringen. Bis zu welcher Höhe der Kampf bereltS gestiegen ist, geht daraus hervor, daß zwei aktive Minister, der d«S Innern, van Honten, und der Justiz, van der Kaay. mit allen bis- herigen Ueberlieferungen des holländischen Parlamentarismus brechend, in die Arena des Parieikampfes hinabgestiegen sind und persönlich in Versaininlungeu das Wart ergriffen. Innerhalb der liberalen Parlei bestehen starke Zerwürfnisse zwischen den fortschritllichen und gemäßigten Elementen. Den Voriheil hiervon werden die Ultramontanen haben, die jetzt schon von der Besitzergreifung der Regierung alS von einer sich von selbst verstehenden Sache reden. Ueber das erstmalige Eingreifen der soztaldemokratt» s ch e n Arbeiterpartei in den Wahlkampf brachte« wir neulich bereits eine Originalkorrespondenz, welche heut« durch fol« genden Bericht ergänzt wird: A m st e r d a m, 8. Juni.(Tig. Ber.) Einige Beispiele der Schwierigkeiten, unler welchen der erste Wahlkampf vom holländischen Proletariat geführt werden muß, mögen hier vor« geführt werden. Im dunklen Süden beS Lande?, in den Provinzen Brabant und Limburg, welche unter der unbeschränkten Herrschast de? Klerikaliimus niederliegen, ist nur ein rother Punkt anzutresseii, da? industrielle Mastricht. Hier nun setzt die ganze Wuth der Klerisei, der ultra- montanen Behörde und der übermächtigen Fabrikantensamitie R e g o u t(eine ganze Dynastie Stumm) auf die Sozialdemokratie ein, welch« unter diesen Verhällnissen eine Reihe fast unüberwiud« licher Hindernisse bei seile zu schaffen hat. Der Wahlakt ist aber nn gebeimer. Im einsamen Dahlkomptoir kann weder der Geistliche, noch Polizei, noch„Brotherr" den Bleistift des Wählers lenken. Es soll also auf anderem Wege dem Siege der Arbeiterpartei vorgebeugt werden. Erstens hat nun der Bürger« meister nicht weniger als 1100 wahlberechtigte Arbeiter ihr»? Wahlrechts beraubt auf grimd eines zweideiiligeii Artikels d«S Gesetzes. Die Gesainmtzabl der Wähler des KrciseS beträgt nahezu 4000, während zum mindesten 800 der 1100 Entrechteten für den Sozialdemokraten gestiiiiint hätten, dessen Sieg jetzt wohl aus- geschlossen ist. Damit aber nicht zufrieden, hat der Bicdennaim die Unierzeichiier ber offiziellen sozialdemokratischen Kandidatur vor- laden lassen und ihnen mit freundlichster Miene gesagt, sie hätten vielleicht in Uebereilung oder Unwissenheit den gefährlichen vliegen, den Mordbrenner, kaudidirt. Glücklicherweise ist der Streich jedoch mißlungen und voranssichtiich wird unser Genosse in Mastricht noch eine stattliche Etiinmeiizahl bekommeii. Während in dieser Weise daS politisch sich organlstrende Proletariat in schwerem Kamps« begriffen ist, komnien der Bour- geoisie von ganz anderer Seite freudig begrüßte Hilfstruppen bei und fallen unS in den Rücken. Es sind dies die Anarchisten oder„revolutionären Sozialisten", wie sie sich komischerweise nennen. Am ersten Pfingsttage haben sie in Amsterdam ihr saunereS Spiel wieder gespielt und eine von der sozialbeinokratischen Arbeitervariei einberufene Versammlung, in der die in Amsterdam ausgestelllen Kandidaten auftraten, gestört. Der berühmte Herr Cornelissen«nd ein gewisser van Emmenes waren die Häuptlinge der Radaumacher, welche, obendrein nicht mehr als 50 Mann stark, so lange einen Höllen- spektakel machten, bis die Polizei die willkommene Gelegenheit ergriff, um die Versammlung aufzulösen. Vorher aber hatte van der Goes sie unter donnerndem Beifall gebrandmarkl als die freiwilligen Handlanger der Bourgeoisie.--- Frankreich. Pari?, 10. Jrnii. In Deputirtenkreisen verlautet, die Radikalen würden bei der heutigen Berathung über die Erneuerung deS Privilegium? der Baut von Frankreich entscdieden verlangen, daß der Finanzminister Mitthetlung betreffend die Bürgschaften mache. durch welche die Regierung im Falle eineS Krieges den Beistand der Bant von Frankreich sicher zu stellen gedenkt. Pari?, 10. Juni.(Voss. Ztg.) Die Soziallsten kündigen an, daß fie heute bei Beginn der Kanimersttzung die Ausstoßung Gsrault-RichardS zur Sprache bringen und eine A e n d e- rung der Kammer-GeschäftSordnung beantragen werde». JauröS wird als Redner und Antragsteller bezeichnet. Italien. — Rom, 10. Juni. Die Opposition beabsichtigt bei der heutigen Berathung des HaiishaltS deS Innern scharf gegen Rudini vorzu- geben, dessen kürzliche reaktionäre Erklärung zu gunslen der Polizei- willliir, schweres Aergerniß erregte. Die Giolittianer, ganardellianer und Cavallottianer scheinen gesonnen, dies« Gelegenheit zu dein längst geplanten Abfalle von der Regierung zu benutzen. Afrika. — A» 5 Kairo wird dem Pariser„Matin" gemeldet, dort ver» laute gerüchtmeise, daß zwei englische Offiziere nach dem italienische» Hasenplatz Raheita am Rothen Meere abgegangen seien, und daß Italien beabsichtige, Raheita an England zu verkaufen.—- Amerika. — Rew-Dork, 10. Juni. Einer Meldung auS Havanah zufolge sollen die Insurgenten zwölf Meilen von Havanah entfernt einen Passagierzug mittels Dynamits in die Luft gesprengt haben. Dabei solle» mehr als hundert Insassen des ZugeS, meistens Soldaten, gelödtet oder verwundet worden sein. Von einer„Beruhigung" der Insel ist also noch längst nicht dte Rede.— I" eigener Sache. Zu der in der gestrigen Protest- Versammlung„der Maler und Vergolder" vom Genossen Levebour beantragten und von der Versammlung angenommenen Resolution haben nur zu bemerken, daß in dem fraglichen Artikel des„Vor- wärls" der in der Resolution erwähnte Passus der Rede Krause's allerdings nicht besonders beriictsichtigt worden ist. Wir machen aber daraus aufmerksam, daß die Lage damals sich ganz anders darstellte, als dies heute der Fall ist. Da- mals erschien die Gefahr eineS preußischen Sozialistengesetzes, die setzt noch immer nicht vollständig beseitigt ist, in brennendster Nahe, und gegenüber dieser unmittelbar drohenden Vernichtung des Vereinsrechtes für die Sozialdeniokratie trat der nalionalliberale Angriff auf das Vereinsrecht der Minderjährigen in den Hinter- grund. Der fragliche Artikel gab der Stiiuumng in weiten Partei- kreise» Ausdruck. die dahin ging, daß es nicht rathsam sei, die Spitze des Angriffs gegen die nationalliberale Partei zu richte» in dem Moment, wo dieselbe das preußische Sozialistengesetz entschieden bekämpfte. Daß heute die Situation eine andere ist, wird auch Genosse Ledevour nicht leugnen können, ebensowenig wie er wird leugnen können, daß der„Vorwärts" de» Minderjährigen-Paragraph und die Handlanger-Arbeit, welche die nationalliberale Partei dabei geleistet, der denkbar schärssten Kritik unterworfen hat. Im Lause der Debatte über die Resolution sind seitens des Genossen Ledebour gegen Redakteure des„Vorwärts" persönliche Bemerkungen gefallen, die wir aber nicht berühren, weil es uns nicht angemessen erscheint, das rein sachliche Gebiet zu verlassen.— Srchster österreichischer sozialdemokratischer Karte itag in Wien. Wien, den 9. Juni!S97. Vierter Verhandlungstag. Den Vorsitz führt heute Hudetz(Polen). Ei» kroatischer Dele- girier schildert in beweglichen Worten Gewaltthätigkeiten der Be- Hörden gegen die kroatischen Sozialdemokraten. Auf Antrag des Dr. Ellenbogen beschließt der Parteitag, den kroatische» Ge- »offen die Sympathie auszusprechen und für dieselben aus dem Unterstiitzungsfonds 150 Gulden auszuwerfen. Der Kongreß tritt hierauf in die Tagesordnung ein. Das Referat zum dritten Punkt der Tagesordnung:„Partei- Organisation" hatte Dr. Adler- Wien übernommen. Seine Ausführungen gipfeln in dem Satze: So schlecht auch die Badeni'sche Wahlresorm und die damit verbundene Wahlkreis-Eintbeilung ist, die Partei-Organisation muß sich nach ihr richte». Ter Partei wird es viel leichter werden, sich der Wahlkreis-Eintheilung anzupassen, als die Badeni'sche Wahlresorm zu ändern. AuS der bisherige» Landes- und Kreisorganisatio» muß also eine Wahlkreisorganisatio» geschaffen werden. Nur in Böhmen wird wegen der Zerrissenheit der einzelnen Wahlkreise die Wahlkreisorganisation Schwierig- leiten machen. ES sollen da Gebiets- oder Landes- organisationen an die Stelle der Wahlkreisorganisatione» treten können. Redner tritt dann für vollständige Trennung der politischen von den Fachorganisationen ein. Der politische Kon- greß dürfe nicht über die Fachorganisalionen Beschlüsse fassen, die den Behörde» zu Mißdeutungen Anlaß geben könnten. Das in Prag im vorigen Jahre eingesetzte Gesammt-Exekutivkomitee, in den» alle Nationen vertreten sind, hat sich während der Wahlbewegung aus- gezeichnet bewährt. Die czechischen Genossen wünschen jetzt noch einen Schritt weiter zu gehen und verlangen die Einberufung von Reichs-Parteilagen. Die ReichS-Parteitage sind ja nichts neueS, der diesmalige Parteitag ist ja auch ein Reichs-Parteitag. Was aber die czechischen Parteigenossen wünschen ist, daß die Gesammt-Parteitage nicht mit Fragen der einzelnen LandeSorganisatione» belastet werden. Tarin haben sie Recht und wir haben ihren Wünschen Rechnung gelragen und schlagen Ihnen die Einberufung von Gesamml-Partei- tagen alle zwei Jahre vor. Auf d>ese» Parteitagen sollen nur Fragen behandelt werden, die die Gesammtpartei angehen. Jeder Wahlkreis soll das Recht haben, zwei Delegirte zu schicken. In sprachlich gemischten Wahlkreisen hat jede sprachliche Gruppe das Recht, zwei Delegirte zu schicken. Wir hoffen, der Parteitag wird unser«» Vorschlägen zustimmen. Nachdem Dr. Adler geendet, giebt der Hospitant der Partei, der radikale Jungruthene Reichsraths- Abgeordneter Dr. Jarosiewicz, namens der Parteileitung der ruthenischen Radikalen folgende Erklärung ab: Wir stehen ans dem Boden des Programms der sozialdemokratischen Partei. Die Organisatio» der radikalen Ruthenen ist derzeit eine selbständige, unser Agitationsgebiet die ruthenische Bauernschaft, deren besondere Verhältniffe eine besondere Taktik nothwendig machen. Darum wollen wir die Selbständigkeit der Partei auf- recht erhalte», wünschen aber mit der sozialdemokratischen Partei in engste Fühlung zu treten und werden immer bereit sein, i» einzelnen praktischen Fälle» mit ihr gemeinsam vorzugehe», mit ihrer Parteivertretung uns ins Einvernehmen zu setzen und den an uns gerichteten Wünschen zu entsprechen.(Bravo!) Dazu bemerkt Genosse D a s z y n s k i: Die eigenthllnilichen Verhältnisse der ruthenischen Bauernschaft bedingen eine derartige Stellung der ruthenisch- radikalen Partei. Der Schritt, den diese jetzt unternahm, ist ei» Schritt nach vorwärts und giebt die Richtung an, in der sich diese Partei fortan weilerbewegen muß und wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, daß sich die ruthenischen vladikalen so stark fühle», daß sie alle dem kleinlichen nationalen Gezänk ebenso energisch entgegentreten wie wir. Dazu hat auch unsere jetzige Stellung gegenüber dem Internationalismus viel bei- getragen. Erlauben Sie mir, daß ich die aufrichtigste Freude darüber ausdrücke und die ruthenischen Radikalen zu ihrem Schritte beglück- wünsche.(Beifall.) H y b e s ch- Brünn beleuchtet die Schwierigkeiten der viel» sprachigen Parteitage. Solche Parteitage dürfte» nicht überlastet werde». Er stimme deshalb dem Vorschlage der Partei-Ver« trelung zu. S o n k u p- Prag(Ezeche) ist ebenfalls für die föderalistische Organisation, ein vielsprachiges Land komme mit der zentraltstischen Organisation nicht aus. Die Organisation sei thatsächlich heute schon föderalistisch und eS gelte heute nur, dem faktischen Zustande die Sanktion zu geben. Die Ezechen freuen sich der Lösung der Nationalitätenfrage durch die sozialdemokratische Partei Oester- reichs. In der weiteren Diskussion wünscht ein istrischer(italienischer) Delegirter die Errichtung eines italienischen ArbeitersekretarialS, damit die sozialdemokratische Bewegung in Jstrien mehr in Fluß komme._. Der Ezeche R a u s ch a r betont, daß die Wünsche der Ezechen auf Eonderorganisation nicht etwa nationalem Chauvinismus, sondern nur praktische» Bedürfnissen entsprungen seien. Lebhaftem Wider- sprnch begegnet ei» Antrag des Bergarbeiter? Simon K t a rk- Falkenau:„Es sind in jeder Organisation, als Fachvereinen. Bildnng?- und Gewerkvereine», die Nassirer zu beauftragen, außer de» gewöhnlichen Monalsbeilrägen l Kreuzer Partei- st euer einznkassiren. freiwillige Beiträge entgegenznuehnien und mit de», Lvkalorganisalions- Kassirer monatlich abzurechnen."! Bon den verschiedensten Redner« wird darauf hingewiesen, daß eine völlige Trennung der Parteiorganisation und Gewerkschasts- orgauisation stattzufinden habe, wenn man nicht beide Organi- salionen gefährden wolle. Dagegen findet in der Diskussion vielen Beifall ein Znsatz, den Hybesch-Brünn zu den in dem Adlerffchen Referat erwähnten Vorschlägen der Partei- Vertretung beantragt, und der folgenden Wortlaut hat: Die parlamentarische Taktik wird in der Zwischen- zeit von einem Parteitag zum andern durch den Verband der sozial« demokratischen Abgeordnelen Oesterreichs im Einvernehmen mit den Exekutivavsschüsse» aller nationalen Organisationen bestimmt. Gegen K Uhr bricht der Parteitag die Diskussion ab. da für den Abend ein Ausflug nach der Türkenschanze in Aussicht ge- nommen ist; die Verhandlung wird Donnerstag früh fortgesetzt. Internationaler Kergardeiter-Kongreß. Zweiter Verhau dl»ngstag. Vormitlags-Sitzung. London, den S. Juni 1897. Die belgischen Delegirten Cavrot, Callewaert und Defuisseaux sind eingetroffen. Die Verhandlungen leitet S a ch s s e- Zwickau. Als Uebersetzer fungiren Frau M a r x« A v e l i n g und Mr.©mit h. Erster Gegenstand der Berathung ist der Achtstundentag. Folgende Resolutionen liegen vor: Die Miners- Federation beantragt:„Der Kongreß erstrebt, einen gesetzlichen achtstündigen Arbeitstag zu erringen. Ein- fahrt und Ausfahrt einbegriffen." Die Resolution der deutschen und französischen Dele- girten lautet:„Der Kongreß beschließt für alle Bergarbeiter ohne Unterschied, ob dieselben über oder unter der Oberfläche arbeiten, einen gesetzlichen Arbeitstag von nicht mehr als 8 Stunden zu er- ringe». Einfahrt und Ausfahrt einbegriffen." Die englische Resolution begründet knrz Mr. C o r o l e y. Leider seien die englischen Bergarbeiter in dieser wichtige» Frage noch immer nicht einig. Die Mitglieder der Miners Federalion seien aber entschlossen, alles an die Erringung des gesetzliche» Sicht- stundentages zu setzen. Als vor einem Monat das englische Parlament den gesetzlichen Achtstundentag für Bergarbeiter ablehnte, habe das niemand in Erstannen versetzt, denn von der jetzigen reak- tionären Regierung war keine Sympathie für die Arbeiter zu erwarte». Deshalb werde die wichtige Prinzipiensrage doch nicht von der Tagesordnung verschwinden. Wenn die älteren Leute hier den gesetzlichen Achtstundentag vielleicht nicht mehr erleben sollten, so die jüngere», die mit neuer Kraft in den Kampf träten. Nur durch die Gesetzgebung könne der Aorlheil der Achtstundenarbeit allen Bergarbeitern Englands gewährleistet werden.(Lebhafter Beifall.) Für die deutsche und französische Resolution tritt Möller- Weitmar ein: Unser Antrag geht weiter als der englische, denn er verlangt auch sür die Arbeiter über Tage den Achtstundentag. Die Belgier theilen diesen Standpunkt. Die Arbeiter über Tage müssen einbezogen werden, weil an Ort und Stelle keui böses Beispiel längerer Arbeitszeit gegeben werden darf. das gute Sitten verderben würde. Wollte man ein- werfen, daß die Arbeit über Tage leichler sei, so ist zu erwidern, daß sie auch von Personen mit geringerer ArbeilSsähigleit geleistet wird. Es sind Beigiuvalide» und jüngere Leute, die auch einen geringeren Lohn erhalten. So gleicht stch der Unterschied völlig aus. Redner richtet besonders a» die Engländer die Bitte, für die weiter- gehende Resolution zu stimmen. Ueber den gesetzlichen Achtstundentag im allgemeinen brauchen ivir nicht lange zu reden. Die große Mehrzahl der Delegirten ist einig in dieser Forderung. Deshalb ist es auch überflüsstg, die Gründe hierfür zu wiederholen. Nur ans eine» Gesichtspnnkl fei hingewiesen. Verlangen wir nicht mit aller Kraft de» Achtstundentag, so sind die Unternehmer um so mehr geneigt, dte Arbeitszeit zu verlängern. Stillstand ist auch hier Rückschritt. (Lebhafter Beifall.) S a ch s s e- Zwickau bittet die englifcheu Delegirte». ihre Re- solution z» gnnsten der deutschen und französischen zurückzuziehen. Der französische Delegirte L a m e n d i n schließt sich den Aus- sührungen Möllcr's a». Die französischen Minenarbeiter sind stets für de» gesetzlichen Achtstundentag eingetreten. Als aber der erste französische Bergarbeiler-Kongreß nur für die Arbeiler unter Tage diese Forderung erhob, entstand in de» Kohlenrevieren große Miß- stimiuung. Deputationen der Arbeiter über Tage suchten die Dele- girte» ans und verlangten ihre Einbeziehung in die Forderung. Das geschah ans dem zweiten Natlonalkongreß. Es ist»icht blos eine Forderung der Gerechtigkeit fonder» auch der Humanität, de» Invalide» undKinder», die über Tage arbeiten, den Echny des gejetzlichen Achtstundentages zu verschaffen(Beifall) Der belgische Delegirte Defuisseaux weist auf die reaklionären Vorwürfe hin, die im belgische» Abgeordnetenhause gegen die 29 sozialdemokratische» Abgeordnete» erhoben würbe»: hauptsächlich heiße es: die Sozialiste» wollten die Familie zerstören. Thnlsächlich zerstöre aber die kapilalistische Gesellichast die Familie des Proletariers. Gerade um die Fanulie z» schützen, verlangten die Sozialisten de» Achistundentag. In der Debatte zeigt L a m e n d i n an der Geschichte der französische» Gewerkichastsbewegung, daß a»ch in Frankreich das seit 1834 erst bestehende Koalitionsrecht i» vieler Hinsicht n»r ans dem Papier gill. Zwar ivagt ma» nicht, die Gewerklchafte» direkt zu verbieten, aber man maßregelt ihre Mitglieder, znmal die Fübrer. Auch„schwarze Listen" sind eine bekannte Eiiirichtung. 1889 errangen die Bergarbeiter durch einen viertägigen Streit, der 40 000 Arbeiter umfaßte, bessere Arbeilsbedingnngen. aber die Er- rungenschaslen waren nicht von Daner. Ebenso verliefen die Streiks im Jahre 1891 und 1893. Der letzte Streik führte zur Maßregelung von 457 Arbeitern, darunter auch Lamendiu's, trotz seines Abgeordnetenmandats. DaS ist die Freiheit der Republik für die Ar- beiler l Die französischen Bergarbeiier haben hieraus die Lehre ge- zogen, daß der Achtstundentag auf politischen, Wege errungen werde» muß.(Beifall.) Cavrot- Belgien: Die Arbeiter müssen die politische Macht erobern: das ist der einzige Weg. um die Herrschast des Kapitals zu brechen. Schon jetzt ist es den belgischen Sozialdemokraten ge- lungen, einige Arbeiierschutz-Gefetze im belgischen Parlament durch- zusetzen, wenn auch nicht ganz so, wie sie von ihnen beantragt waren. Was von Frankreich, was von Teutschland gesagt worden ist, gilt auch für Belgien. Auch dort sinv der Organisation viele Steine in den Weg geworfen. So ist jede Mitgliedschaft einer Geiverk- schafl gesetzlich verpflichtet, bis zu 25 pEl. Mitglieder, die nicht Ar- beiter sind, zuznlassen. Die Bestimmung ist geschaffen, um den Kapi- talisten und Pfaffen die Einmischung in die eigentlichen An- gelegenheiten der Arbeiter möglichst bequem zu machen. Redner bittet um einstimmige Annahme der deutschen und sranzöstschen Resolution. Hoppir(Durdam) bedauert namenS der MinerS National Union, die in Durham und Northiimberland(Nordenglaud) ihre Mit- glieder hat, den gesetzlichen achtstündigen Arbeitstag bekämpfen zu müssen. Im Norden Englands wird nur BVe— 7 Stunden gearbeitet. An demselben Tage, wo der gesetzliche Achtstundentag eingeführt wird, zwingen auch nnS die Unternehmer den Acht- stnndentag auf und unsere Organisation kann eS nicht verhindern. Wir sind deshalb gegen die gesetzliche Festlegung der Arbeitszeit. (Lebhafter Widerspruch der Mehrzahl der englischen Delegirten. Rufe: Wie steht's mit Euren Jungen?) ES ist falsch, zu de» Haupte», daß die jugendlichen Arbeiter im Norden schlechter gestellt sind, als im Süden. Im Süden müsse» sie Männerarbeit ver» richten(Lebhafter Widerspruch), im Norden arbeiten sie zwar länger, aber sie haben nur Kinderarbeit zu verrichten.(Lebhafter Widerspruch.) Um dem alten Streit darüber ein Ende zu machen, schlägt Redner dem Kongreß die Wahl eines Komitee's vor, das die Lage der jiigendlicheu Arbeiter in den nördlichen und füd- lieben Kohlenrevieren Englands untersuchen soll.— Wir lasse» uns den Achtstundentag nicht aufzwingen. 1894 stand daS Parlament dem Achtstundentag für Bergarbeiter- gar nicht unsympathisch gegenüber. Das Gesetz wäre auch augenon»»«« worden, wenn die lebhaften Anhänger de? gesetzlichen Achtstundentages nicht widersprochen hätten. Es enthielt nämlich die Bestimmung, daß jedes Revier freie Hand haben sollte, durch Abstimmung zu entscheiden, ob der gesetzliche Achtstnudeniag ein- geführt werden solle oder nicht, und diese Bestimmung gefiel den Freunden einer allgemeinen Durchführung des Achtstundentages nicht. Auch die Bergarbeiter im Norden Englands fühlen diese Sympathie sür die Leiden ihrer Kameraden ans dem Kontinent, sie rathen ihnen aber, sich auf ihre eigene Kraft, auf die Kraft der Organisation zu verlassen, wie es Männern geziemt, statt stch ans Parlament, die alte Großmutter, zu wenden.(Heiterkeit und Widerspruch.) Die Mittagspause tritt ein. In der Nachmittags-Sitzung erwidert W a i t e f i e l d von der Miners Federation auf die Rede des Durhanier Kameraden. Es thut uns leid, daß die Frage wieder einen internationalen Kongreß beschäftigt. Die Streitfrage ist genug erörtert worden, wir stehen auf der Seite der kontinentalen Kameraden und wenn wir dennoch erwidern, so geschieht es nur mit Rücksicht auf die Oeffentlichkeit. Es ist nicht einmal richtig, daß die Mehrheit der Durhanier Berg- arbeiter gegen den gesetzlichen Achtstundentag ist. Bei einer Ur- abstimmnng über das Zusammengehen mit der Miners Federation sprachen sich 29 000 dafür und nur 12 000 dagegen aus, obwohl der gesetzliche Achtstundentag als Hauptziel der Federation bezeichnet war.(Widerspruch der Durhanier.) Nicht die Massen, nur noch die Führer sind gegen diese Forderung. Redner hat 30 Jahre lang selber in den Dnrhamer Bergwerken gearbeitet: er kennt also die Verhältnisse. Die Lage der jugendlichen Arbeiter im Norden ist traurig. Mit ö'/a Jahren war ich selber schon in der Grube. 1859 hatten wir noch kein Gesetz, das die Beschäftigung so junger Kinder verbot. Aber noch jetzt müssen die Kinder 5, 6 Stunden länger arbeiten als die Bäler. Wenn die Kinder auS der Grube kommen, schläft der Vater schon. Die Organisation der Dnrhamer und Norlhumberländer Bergarbeiter ist stark genug, um eine Arbeitszeil von 61/3- 7 Stunden für die Männer auch nach Einsührnng des gesetzliche» Achtstundentages aufrecht zu erhalten. Sollte es aber wider Erwarten nicht gelingen, dann ist der Preis, daß die Erwachsenen iVa oder 1 Stunde länger arbeiten, nicht zu hoch sür die Befreiung der Kinder von 5 oder 0 Stunden Mehrarbeit.(Lebhafter Beifall.) Wenn es Männern nicht geziemt, sich ans Parlament zu wenden, wenn hierin Demoralisation erblickt wird, warum schicken dann die Bergarbeiterdistrikte des Nordens die Fenwick, Wilson u. s. w. ins Parlament? Nur um Diäten an sie zu zahlen, oder etwa um sie zu demoralisiren? Neln, auch die Bergarbeiter des Nordens erwarten vom Parlament Nutzen.(Lebhafter Beifall.) Auf eine weitere Debatte wird allseitig verzichtet und zur Ab- stimiuung über die Resolutionen geschritten. Die Resolution der Miners Federation wird mit allen Stimmen gegen die der 12 Delegirten der National-Union angenommen: dafür stimmen auch die Delegirten der deutschen, belgischen und fran» zöstsche« Grubenarbeiter. Mit derselbe» Mehrheit wird die Resolution der Deutschen und Franzosen(Einschluß der Arbeiter über Tage) angenommen.(Beifall.) Dagegen stimme» nur die Dnrhamer. Zweiter Punkt der Tagesordnung ist die Haftpflicht der Unternehmer bei Unfällen. Die Miners Federalion beantragt folgende Resolution:„Die Unternehmer sind für alle Unglücksfälle verantwortlich zu machen, die den Arbeiter während der Arbeit treffen. In diesem Sinne müssen Gesetze für die Bergindustrie geschaffen werden. Dabei ist jedes Gesetz zu verwerfen, das den Unternehmern gestattet, sich ihrer Haftpflicht durch private Vereinbarungen mit ihren Arbeitern zu entziehen" Haslam(Derbyshire) tritt für diese Resolution ein. DaS beftehende Gesetz ist ganz unzulänglich: es läßt Privatabmachungen zu und schließt alle Unfälle von der Entschädigung aus, die der Arbeiter selber verschuldet haben soll. Das letztere werde natürlich immer behauptet. Die jetzige Regierung, reaktionär und fortschritt- lich zugleich, habe übrigens ein Gejeh eingebracht, das fast alle Wünsche der Arbeiler berücksichtigt. Ziveiselhaft sei nur, ob das Oberhaus es nicht wieder verwerfen iverde. Man nenne die Regierungen kapitalistisch. Wenn das leider zur Zeit auch noch für England richtig sei, so trüge» die Arbeiter selber Schuld daran. Warum wählten sie nicht ihre Klassengeiiossen? Dann würde es bald besser sein. In der Haflpflwhlfrage seien die Bergarbeiter aller Länder vollkommen einig. In demselben Sinne spricht sich Boyle, der Vorsitzende der Union der Norlhumberländer Bergleute, auS. L a in e» d i n und C a l v i g n a c(Frankreich) empfehlen die englische Resolution, M a r v i l l e(Belgien) giebt Daten über die Zahl der Unfälle in belgischen Kohlengruben; die Angaben werde» morgen gedruckt vorgelegt werden. Die weitere Berathung wird auf morgen vertagt. Als Tngespräsideut für morgen wird L a m e n d i n(Frankreich) bestimmt. Schluß gegen 5 Uhr, Am Mittwoch Abend geben die englischen Delegirten ihren Kameraden vom Festlande ein Bankett im Holborn-Restaurant. Der achte evangettsch-soziale Kongreß ist am 9. Juni im Krystallpalast zu Leipzig mit einer Versamm- lung eröffnet worden, an der sich 10—1200 Personen betheiligten. In seiner Begrüßungsrede bemeikle Dr. Hans Vogt unter Beifallsrufen, der Kongreß beweise, daß er sich unabhängig fühle von der Gunst der Mächtige», u»d er möge zeigen, daß er gegen- über den gegemvärtigen Windströmnngen festgefügt dastehe. Wir sind freie Männer und haben den Mnth unserer Meinung. Wir werden unseren Freund Naumann»icht fallen lassen. Wir können uns nicht mit de» soziale» Zuständen in unserem Vater- land beruhigen, sondern müssen an den Reformbestrebungen festhallen, aber wir wolle» uns anfs engste anschließen an die bestehenden Staatsordnungen,„an das heiligste Institut, um das wir uns schaare» können: daS monarchische." Fräulein Dr, xbil. Käthe Windscheidt, Leiterin des Leipziger Frauen-Gymnastums, hieß dann die evangelisch-soziale Franengrnppe willkommen, Diese beweise, daß die Frauen von dem heißen Wunsche beseelt seien, an ihrem Theile mitzuarbeiten an de» sozialen Aufgaben der Zeit. Die heutige Frau sei ans der Zeit deS Puppenheiins hinaus und in das große geistige und geschäftliche Leben eingetreten. In taufenden von Frauenherzen erklinge der Ruf: Hinaus auS der Geistesknechtschast! Prof. Dr. Hans Delbrück(Berlin) führte aus: Wir wollen den Frieden, aber auch der Friede muß erobert werde» durch Kampf. Wir müssen den Kampf»ach zwei Seiten führen, gegen rechts und linlS. Die Leute auf der rechte» Seite haben sich große Berdieiiste um die soziale Gesetzgebung erworben. Wenn heule ihre Kräfte verbraucht sind, so gehe es ihnen wie einer Zigarre: Sie seien ver» ftummelt!(Heiterkeit.) Die Herrschaflsgelüste der Gegner erstrecken sich auch ans die geistigen Güter des Volkes. Es giebt bei uns Männer, die auch glauben, weil sie die Gewalt haben, die g e i st i g e Befähigung zn besitzen.(Beifall.) Wir erkennen ans der ander» Seite an. daß die Bestrebungen der Sozialdemokratie einen berechtigten Kern habe». Wir kämpfen aber gegen die Vaterlands- losen Gesellen. Prof, Dr. Adolf Wagner(Berlin), mit stürmischem Jubel begrüßt, führte aus: Ich hatte nicht die Absicht, das Wort zu ergreifen. Denn wenn heute ein UniverstiälSprosessor. ein sog. schlimmer Katheder- sozialist, in einer Versammlung spricht, so heißt es gleich: DaS muß eine schlimme Versammlung sein!(Heiterkeit.) Man könnte noch sagen, daß wir»ns nicht nur begnüge», die Jugend der Reichs- Sauptstadt zu verführen, sonder» daß wir jetzt auch nach der allen ladt Leipzig kämen,(Zuruf,) Aber wir sind die Schlimmen, jedoch noch nicht die Schlimmsten! Von uns heißt es:„Verderber der Jugend", in Leipzig jedoch sollen sogar„himmelschreiende Zu- stände" herrschen,(Großer Beifall) Ich halte eS für meine Pflicht hier auszusprechen, daß an der univvrsibss lipsienfsüs ei» Korpsgeist herrscht, daß hier Rektor und Prosessoren männlich tflv die VenmMipsten eingetreten sind.(Silirmischer Bei- fall.) Bis vor zwei bis drei Jahren fanden wir bei den Behörden mehr Enlgegenlovnnen, ich erinnere mich, nm Johannis- tisch manchen Minister gesehen zn haben. Heute sind wir eine Gesellschaft, die man nicht besuchen kann, wenn man nicht selbst verdächtig erscheinen will. Es gicbt Mensche», welche vermeinen, daß die große Bewegung niedergeschlagen wäre, wenn wir paar Professoren und Pastoren kein Wort gesprochen hatten. Das ist eine thörichte Ansicht. Gegen Ideen kämpft man nicht mit Polizei- Vorschriften, mit patriarchalischen Maßnahmen. Falsche Idee» müssen widerlegt werden. Das ist unser Ziel. Daß auch Jrrthiiiner passiren können, wird niemand bestreiten, wir verlangen aber, daß man an unserem guten Gewissen, an unserer guten Absicht nicht ziveifclt. Deshalb können wir auch ruhig gegenüber den unberechtigten Angriffen bleiben.(Sehr richtig!) Daß wir am Ende des 19. Jahrhunderts an diese großen Au� gaben gehen können, verdanken wir dem großen deutschen Staats- wesen. Das sollten auch die Sozialdemokraten bedenken. Jede Million, die wir mehr ausgebe» für die Wehrkraft, stärkt die Thatkraft des Volkes.(Beifall.) Indem wir die Sozialdemokratie bekämpfen, suchen wir den inneren Kern von den häßlichen Punkten zu reinigen. Wir wollen aber nicht höhnen und schimpfen. Daß sich Deutschland zu einer führenden Macht erhoben hat, verdanke» wir dein hohenzollernschen Königthnm und dem Anschluß der deutschen Fürsten an dieses. Scheuen wir uns nun auch nicht, dem neuen Deutschen Reich die große Aufgabe zn stellen, der sozialen Sphinx das Räthsel zu lösen.(Stürmischer endloser Beifall.) Pfarrer Naumann bittet, das religiöse Moment auch zn seinem Recht kommen zu lassen. Wenig Gotteshäuser sind mir so ehrwürdig, wie die Nikolaikirche hier. Und erHabe» klang es mir einmal in ihren Räumen. Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. Auch unser Kongreß hat seine Zeit und darum mu' er bestehen bleiben. Die christlichen Gedanken müssen jetzt mehr als je in die Oeffentlichkeit treten. Vor vier Tagen ist der Pastor Kötzschke seines Amtes enthoben worden, weil er gethan hat, was im Jahre 1899 der preußische Oberkirchenrath den Pastoren zn thuil empfohlen hat: sich um die sozialen Dinge zu kümmern, mit den Arbeitcri, zu reden. Alles Ding hat seine Zeit. Die Kirche ist so geduldig. Sie läßt sich alles gefallen, aber hier hört ihre Geduld auf. Um so dringender aber ist die Auf- gäbe des Kongresses immer und immer wieder, seine Stimme zn erheben, bis auch der Zweifler Sr. Thomas nicht mehr paukt auf sein Christenthum.(Heiterkeit und Beifall.) Ans der andern Seite legt uns die Menge unserer Brüder die Pflicht auf, zu arbeiten für die, denen ihre frühere Weltanschauung entzogen worden ist. Da brauchen wir de» Kongreß als eine Stätte der Freiheit in einer Zeit, in der man den Schutz der Wissenschaft am liebsten dem Schutzmann übertragen möchte.(Beifall.) Der Kongreß soll den Wille» stärken, die Ideen verdichten und zusainmensasse». Seine Auf- gäbe ist nicht mehr reine Wissenschaft, aber auch noch nicht Politik. Er will die Wissenschaft herüber ziehen in das Reich der That. lHlles Ding währt seine Zeit, das rufen wir auch denen z», die die Well auf einmal besser machen wollen. Damit holen wir die lUopien wieder ins Reich der Nüchternheit. Man springt nicht in die Zukunft, sondern man wächst hinein. Wie lange wird die Ge- werkschaslsbewegung z. B. gebrauchen, ehe sie ein wirthschaftlicher Faktor sein wird. Auch die Anschauungen dieser oder jener Stelle, die von entscheidender Bedeutung ist. währe» ihre Zeit. Der Libe- ralismus hcW. seine Zeit gehabt. Auch was jetzt gearbeitet und ge- dacht wird, findet seine Zeit. Wir warten geduldig darauf, den» wir können de» Vers weiter sagen: Gottes Lieb in Ewigkeit, denn wir wissen, daß Golt die Welt regiert, und nicht der Zufall. Wir glauben an einen Gott, der es de» Redlichen gelingen läßt und stößt die Hofsärtigen vom Siuhl. Wenn die soziale Bewegung sich mit diesem Glauben erfüllte, würde sie sehr gewinnen. Ein gutes Werk thun wir, wenn wir den Arbeitern de» Gedanken an Gott wieder nahe bringen, und ihnen auch die Gestalt des Kampfes und der Hin- gebung zeige»: Jesus Christus.(Stürmischer Beifall.) Der letzte Redner war Professor Dr. Hirnack. Er bemerkte: Wir lassen nicht von dem Worte„sozial", mag es jetzt auch wider- wärtig geworden sein. Auch das Evangelische wollen wir festhalten. Luther's Brief an den christlichen Adel deutscher Nation soll uns ei» Ideal, ein Progrannn sei». Wir wollen sozial sein, weil wir unsere Brüder lieb habe», evangelisch, weil wir das Christenthnm nicht anders verstehen, als nach den Worten Jesu. So wollen wir auf diesem Kongreß unsere Gemeinschaft pflegen in freundlicher Gesinnung ohne PessimisniuS. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen. » 4- Am Donnerstag trat der Kongreß im Saale der Zentralhalle zu den eigentlichen Verhandlungen zusammen. Die Versammlung begann mit Gesang und Gebet. Nachdem der erste Vorsitzende, Landes-Oekonomierath Dr. Nobbe- Berlin, de» Kongreß mit einer Ansprache eröffnet hatte, erstattete oanch bbeol. Völler den Geschäftsbericht, in welchem er unter anderem hervor« hob, daß dem Kongreß die Kasseler(Stöckersche) evangelisch- kirchliche Konserenz keinen Abbruch gethan habe. Die Zahl der Mitglieder betrage gegen 800. Der Kassenbestnnd belaufe sich gegenwärtig auf 4S00 M. Den ersten Gegenstand der Tages- ordnung bildete das Eigenthum nach christlicher Beurtheilung. Kirchenrath Professor Dr. Mendt(Jena) faßte sein Referat in folgenden Thesen zusammen: 1. Das Christenlhum hat von Anfang an in Konsequenz seiner religiösen Anschauung auch Nrtheile und Forderungen mit bezug auf das Eigenthum aufgestellt. SIber diese christliche» klrtheile und Forderungen haben sich im Verlaufe der Geschichte in manchen Be- ziebungen gewandelt. Das asketische und das kommnnistische Ideal sind vom christlichen Standpunkte aus theils vertreten, lheils verworfen worden. 2. Die rechte christliche Beurtheilung des Eigenthums ist nicht aus einzelnen biblischen Aussagen oder Vorbildern, sondern aus den Grundgedanken der religiösen Gesainmlanschanung Jesu ab- zuleiten. 3. Aus dem christlichen Grundgedanken, daß Gott der Herr der ganzen Welt und der himmlische Vater der Menschen ist, ergicbt sich daS Urtheil, daß alles irdische Eigenthum Gott gehört und von Gott auS Liebe de» Menschen anvertraut ist. Dieses Urtheil be« deutet nicht eine Aufhebung des Eigenlhumsrechtes de» anderen Menschen gegenüber, wohl aber eine wesentliche Erweichung des Eigenthumsbegriffes. Für den Christen giebt es kein absolutes und kein verantwortliches Eigenthum. Zugleich liegt in jenem christ- kichen Urtheil ein Motiv zur Zufriedenheit des einzelnen mit dem ihm zu theil gewordenen Maße des Eigenthums. 4. Dem christlichen Grundgedanken, daß wahrhasten Werth für den Mensche» nur die ewigen himmlischen Güter habe», entspricht eine Geringschätzung der vergänglichen irdische» Güter im allgemeine» und so auch des irdischen Eigenthums. Aber diese Geringschätzung hat sich nach rechter christlicher Anschauung nicht in asketischer Verwerfung der irdischen Güter und Verzichtleistung ans das Eiaenthum überhaupt zu erweisen. Es giebt auch eine solche christliche Verwerthung der irdischen Güter, bei welcher sie Mittel für den Zweck der Entwickelung des Menschen zu dem ewigen Leben werde». 5. Aus dem christlichen Grundgedanken, daß spontane schranken- lose Liebe die das ganze Verhallen gegen die Mitmenschen bedingende Hauptpflicht des Christen ist, folgt, daß auch das Eigeuthum ganz i» den Dienst der Liebe gestellt sein muß. Sowohl in wohllhätigem Verschenken von Eigenthum, als auch in gemeinschaftlichem Besitzen und Verwerlhen desselben kann sich rechtliche christliche Liebe de- währen. Aber doch ist weder möglichste Steigerung der Wohl- thätigkeit, noch möglichste Durchführung der Gülergcmcinschast das von der christlichen Liebe geforderte Ideal. Je nach den Verhält- nissen muß sich die Liebespflicht mit bezug auf das Eigenthum sehr verschieden bclbätigen. Auch der reichliche Erwerb und die spar- same Bewahrung von Privateigenthuni und ebenso die Verwendung desselben für die eigene Person kann in rechter christlicher Liebes- gesiniiung geschehe». 6. Die christlichen Forderungen mit bezug auf das Eigenthnm lassen sich ihrer Art nach nicht zu Rechlsforderungen machen. Vom Bcrantwortlicher Nedaktcur: August Jacobey in Berlin. Für den Allst christlichen Standpunkte aus ist nur zn erstreben, daß in der Recht?- sordernng folgende Prinzipien gehörig zn Geltung kommen: s) Anerkennung auch des Privateigenlhums; b) Anerkennung solcher Pflichten der Rücksichtnahme und Dienstleistung den Nebenmenschen und menschlichen Gemeinschaften gegenüber, durch welche der Einzelne bei den: Erwerbe, der Bewahrung und der Vcr- Wendung des Privateigenlhums beschränkt wird; o) Förderung solcher Ordnungen des Eigenthumswesens, in welchem sich Ge- meinschafllichkeit und wechselseitige Dienstleistungen der Menschen recht erweisen und entwickeln können. Die einzelnen Gesetze, in denen diese Prinzipien auszudrücken und mit einander in Einklang zu bringen sind, lassen sich nicht aus allgemeinen christlichen Gedanke» entwickeln, sondern sind jeweils unter Berücksichtigung der geschicht- lich gegebenen und sich entwickelnden politischen, volkswirthschaftlichen und anderweitigen besondere» Verhältnisse auszustelle». 7. Aufgabe der christlichen Kirche ist es, die christliche Gesinnung zn pflegen und zu verbreiten, gemäß welcher die rechtlichen Forde- rungen mit bezug auf das Eigenthum durch freiwillige Erfüllung der christlichen Li'ebespflicht ergänzt werden. Polizeiliches, Gerichtliches jc. — Die Parteigenossen Gerhardt und Zahn in Breslau haben das dortige Gefängniß nach Verbüßuug einer mehrwöchigen Strafe verlassen, die ihnen als verantwortlichen Redakteuren der „Volksmacht" auferlegt worden war. — In den Redaktionsrämnlichkeiten der„Schwäbische» Tagwacht" in Stuttgart wnrde am Mittwoch unter Führung eines Oberamtsrichters von vier Kriminalbeamten eine Haussuchung vorgenommen. Man fahndete vergeblich nach dem Manuskript eines in Nr. 123 der„Tagwacht" veröffentlichten Artikels aus Ulm. Geweeksrlznfklirlzvs. Deutsches Reich. Ei» interiiatioualer Textilarbeiter- Kougrcs? wird vom 9. bis zu m 14. August in R o u b a i x— Nordsraukreich— ab- gehalten werden. Der Nationalrath der französischen Arbeiterpartei ersucht uns, die deutschen Textilarbeiter auf die Wichtigkeit dieses Kongresses aufmerksan, zn machen und zur Beschickung einzuladen. AuS Lanchhamnicr wird den:„Niedcrlansitzer Volksblntt" mitgetheitt: Auf dem hiesigen E i s e n h ü t t e n- W e r k e haben ca. 50 Arbeiter die Arbeit niedergelegt, weil ihnen der ohnehin schon kärgliche Lohn noch um ein bedeutendes gekürzt werden sollte. Trotz der'Eiinnülhigkeit der keiner Organisation angehörenden Arbeiter dürfte» diese schwerlich einen Erfolg erzielen, nicht etwa weil Zuzug von außerhalb zu befürchten wäre, sondern weil ani Orte selbst und in den Dörfern der nächsten Umgebung genügend Ersatzkräfte vor- Händen sind. Die meisten der a»f dcnr Werke beschäftigten und gewöhnlich um Beschäftigung nachsuchenden Arbeiter sind Acker- dauern, die tags über nnfs Werk gehen und morgens oder abends ihr Feld bestelle». Die Arbeit erfordert zudem keine be- sondere Geschicklichkeit, so daß schon ans diesem Grunde schwer etwas zn erreichen sein wird. Hier thut Ausklärung, die die Arbeiter der Organisation zuführt, dringend noth. Ein Weberstreik ist bei der Finna Weyl u. Nassau in R e i ch e n b a ch in Schlesien ausgebrochen. Den Webern waren Lohnabzüge von 20 Pf. bis 1,20 M. pro Stück gelieferte Waare zugemuthet ivorden. Die Lohnhcrabsctzung wurde am Dienstag nach Pfingsten bekannt gemacht. Die Weber hörten ausnahmslos aus; eine Kommission soll durch Unterhandeln mit den Chefs der Firnia versuchen, diese zu bestimmen, ihre Maßregel, die augeblich durch den geringen Unlsatz und die Preise der Konkurrenz erfolgt ist, rück- gängig zu»lachen. Ter Steinsetzer- Streik in Stettin ist, wie der„Volksbote" bestätigt, zu Ende. Die Arbeit ist am Donnerstag wieder auf- geuonnnen ivorden. Tie Zilnniercr Wilhelmshavens haben die llVsstündige Arbeitszeit und entsprechende Lohnerhöhung bewilligt erhalten, wie schon vorher die Maurer und Bauhilfsarbeiter. Von de» Tischlern Magdeburgs stehen noch 196 im Streik. 173 in 35 Werkställen arbeiten zu den bewilligten Forderungen. Es berührt, sagt die„Volksmacht", eigeuthümlich, daß die kleinere» und mittleren Werkstätten bewilligt haben, von denen immer behanptet wird, sie könnten am allerwenigsten derartige Forderungen akzeptiren. Zur Lohnbewegung im Baugewerbe Erfurts berichtet die „Thüringer Tribüne", daß die Zimmernieister den streikende» Zimmerern jetzt ein Angebot gemacht haben, daS eine Reduktion ihrer früheren Zilgeständnisie bedeutet und deshalb von einer Zimmererversannnluug in geheimer Abstimmung mit 65 gegen 7 Stimmen abgelehnt wurde. Der Streik dauert daher fort. Aus Drcsdest wird uns über die Lohnbewegung der Tischler:c. geschrieben: In einer Reihe von Werkstätte» schweben »och Unterhandlungen über Anerkennung des neuen Tariss. Die Streikkoinmission tagt bei S t ö l z e r, Freiberger Platz; diese ver- mitlelt während der Bewegung die Arbeitsgelegenheit. In Leipzig ist der D r e ch s l e r st r e i k in der Stuhl- und Möbelfabrik von Hertlein u. Komp. durch Vermittlung der Tarifkommission der Tischler zu gunsten der Arbeiter beigelegt. Ju Gera hat die Aussperrung von Webern der H a l p e r t'schen Teppichweberei die Folge gehabt, daß die Arbeitsgenossen der Entlassenen sich mit diesen solidarisch erklärten. Von 50 Stühlen konnten daher am 9. Jnui nur drei i» Betrieb gesetzt werden. Man versucht nun, die Webstühle durch Hilfsarbeiterinnen bedienen zu lasse». Die Tischler, denen ihre Forderungen von den Nicht- Jnnungsmeislern bewilligt worden sind, haben sich bei den Jnnungs« meistern init etwas geringeren Zugeständnissen begnügt und von der vollständigen Durchführung ihrer Forderungen bei diesen Meister» ür jetzt abgesehen, weil die Verhältnisse zur Zeit nicht günstig sind. Tie Schmiede i» Fürth batlen bisher noch die übermäßig lange Arbeitezeit von 75 bis 73 Stunden pro Woche. Nach ge- pflogenen Unterhandlungen habe» sich die Meister schriftlich bereit erklärt, allgemein die 63stündige Arbeitszeil einzuführen, was bereits geschehen ist. Ausland. Jtalieiicrstreik in Zürich. Daß die Verwaltimg der Nord- o st b a h n von ihren Ausbeulungspraklike» noch immer nicht lasse» kann, hat sie wieder vorige Woche bewiesen. Den italienischen Handlangern und Erdarbeitern wurde der Tagelohn um 20, 30, 40 bis 50 Cts. reduzirt, worauf sie die Arbeit niederlegte» und sich an den italienischen Maurer- und Handlauger- Fachverein in Zürich wandten. Derselbe wählte eine Kommission, der sich der Sekretär des Gewerkschaftsbundes, C a l a m e, anschloß und die mit der Nordostbahn- Direktion i» Unterhandlungen trat. Der Erfolg war die Zurücknahme der Reduktion, Einführung gegenseitiger vierzehn- lägigcr Kündigung, Beschwerderecht gegen die Poliere bei der Direklion, und der weitere Erfolg bestand in dem Anschluß der nicht- organisirten Streikenden an die Organisation. Die organisirten Spenglergehilfen Berns sind mit folgenden Forderungen in eine Lohnbewegung eingetrelen: Arbeitszeit- Verkürzung nm I Stunde täglich, Lohnzuschlag für ausivärtige Arbeil, Minimal-Stundenlohn von 40 Cts. und Zuschlag von 25 pCl. für Ueberzeit- und Nachtarbeit sowie von 50 pCt. für Sonntagsarbeit, Versicherung der Arbeiter gegen Unfall durch den Meister. Regnlirung des Lehrlingswesens(je I Lehrling auf 5 Arbeiter im Maximum), Freigabe des 1. Mai, Lohnerhöhung um 10 pCt._ Sozinles. Zum internationalen Arbciterschiitz-Kougrcst in Zürich (vom 23.-23. Angnsl) hat die sozialistische Fraktion des i t a l i e» i s ch e n P i» r I a m e n t s die Genossen Costa, Ferri und T a r a t i delegirt. .aienllieil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Die Erdsenknngen in dem RoSdzkner Grubengebiete dehne» sich weiter aus. Das Bett des lliawaflusses hat sich stellen- weise bedeutend gesenkt, und dadurch ist eine große Ueberschweiiinmiig eingetreten, halb Rosdzi» steht unter Wasser. Wie es heißt, wissen die" Bergbehörden nichts Genaues über den Umfang des Abbaues der unter Rosdzi» gelegenen Luisensglückgrubs. Die Aufsicht führt der Privat-Bergregalherr v. Tiele-Wiukler, und da die königlichen Berg- behörden nur aller drei Monate durch Markscheide den Umfang des Abbaues feststellen lassen, so ivird des Herrn v. Tiele- Winkler Aufsicht wahrscheinlich noch mangelhafter sein. Herr v. Löbbecke, einer der Eigenthümer der Grube, der für Housschäden wenige hundert Mark zn zahlen sich iveigerte, ist einer der reichsten Agrar- und Industrie- barone Schlesiens. Er besitzt 7 große Güter, die zusammen l2>/s Quadratkilometer groß sind(5000 Morgen) und eine» Werth von 3Vs bis 4 Millionen Mark haben. Die gesammte Familie Löbbecke dagegen besitzt, blos in Schlesien, 20 Güter oder 50 Quadrat- kilometer Land int ungefähren Wecthe von 10 Millionen Mark. Der Jndlistriebesitz des Löbbecke läßt sich nur sehr schwer feststellen, er zählt aber ebenfalls nach Millionen. Der gesammle Schaden in Rosdzin wird auf 2 Millionen Mark geschätzt. Bon der„Freiheit" der bürgerlichen Gesellschaft. Wie unser Parteiorgan in Hannover berichtet, hat die Leitung der dortigen C a k e s f a b r i k ihren Arbeiterinnen durch Anschlag ver- boten, während der Frühstücks- als auch während der Mittags- pausen in der Eilenriede sich zn erholen. Zuwiderhandlungen sollen mit einer Mark Strafe beziehentlich mit Entlassung bestraft werden. Soziale Mechkspflege. Am Gewerbcgcricht hat Assessor Dr. Meier eine neue Praxis eingeführt. Es lassen sich dort häufig die Parteien, vornehmlich die Arbeitgeber, durch Leute vertreten, die es nicht verantworten zu könne» glauben, auf Bergleichsvorschläge einzugehe» oder sonstwie bindende Erklärungen abzugeben. In solchen Fällen ordnet der ge- nannte Vorsitzende der Kammern VII und VIII des Gerichts das persöuliche Erscheinen der Parteien unter Androhimg einer Geld- strafe an. Dies Verfahren begründet er damit, daß die Vollmachte» der Vertreter unvollkommen feie», wenn sie sie nicht befähigten, in jeder Beziehung Erklärungen abzugeben. Tic RechtSvcrbindlichkcit von Fabrikordnnngcn. Der Mechaniker R. wurde aus dem Betriebe der Allgemeinen Etektrizitäts- gescllschnft entlasse», nachdem er wenige Stunden vorher von einem der Werkmeister dieser Gesellschaft eingestellt worden war. Er klagte dann beim Ge werbegericht auf Gewährung einer Lohn- enlschädignng. Der Vertreter der Beklagten machte dagegen gellend, das Engagement sei noch nicht perfekt gewesen nnd im übrigen be- stimme die in jedem Fabrilsaale aushängende Arbeitsordnnng, daß das Arbeitsverhältniß jederzeit gelöst werden könne. R. betonte hierauf, ihm sei weder ein Exeniplar der Fabrikordnung ausgehändigt ivorden, wie es die Gewerbe-Ordnung vorschreibe, noch habe man ihn aus den Aushang aufmerksam gemacht. Die Kammer V des Gewerbe- gerichts nahm a», daß doch schon ein Arbeitsverhältniß vorgelegen habe, wies aber den Anspruch des Klägers als unbegründet zurück. Der Vorsitzende. Affessor Helbrig, führte aus. nach der Gewerbe- Ordnung erfolge der Erlaß der Arbeitsordnung in Fabrik- betrieben durch ihre» Aushang, eS genüge so- mit der Aushang allein, die Fabrikordnung für beide Theile verbindlich zu machen. Das gesetzliche Verlange», jedem Arbeiter solle ein Exemplar ausgehändigt werden, sei nur eine Ordnungsvorschrift, deren Nicht- befolgiing die Giltigkeit der Fabrikordnung nicht im mindesten be- einträchtige, wenngleich sie strafbar sei. Auch brauche der Arbeiter nicht auf die Arbeitsordnung verwiesen zu werden und es sei auch kein beachtenswerther Einwand, daß er sie nicht gelesen habe. Aus grund der hier in betracht kommenden Atbeilsordnuug habe nun aber der Kläger jederzeit entlassen werden können. und letzke Vachvichkeu« Pr. Stargard, 19. Juni.(W.T.B.) Bei der heutigen Landtags« Ersatzwahl wurde im zweite» Wablgauge Pfarrer v. Wolszlegier« Gilgenburg(Pole) mit 233 Stimmen gewählt. Rittergutsbesitzer Arndt-Garlschin. deutscher Kompromißkandidat, erhielt 232 Stimmen. Im ersten Wahlgange hatte jeder der beiden Kandidaten 232 Stimmen erhalte». Frankfnrt a. M., 19. Juni.(B. H.) Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Kopenhagen: Das neue Kabinct beabsichtigt, die Verhandlungen mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Auierika über den Verkauf der westindischen Inseln wieder aus- zunehmen und baldigst zum Abschluß zu bringen. Strasburg t. Elf., 19. Juni.(W. T. B.) Dem„Straßburger Tageblatt" wird aus Thann im Elsaß gemeldet, daß dort gestern früh ein heftiger Erdstoß verspürt worden ist. Budapest, 19. Juni.(W. T. B.) In der Ortschast Elcmer(Komilat Torontäl) kam es zn einem blutigen Zusammen- stoß zwischen Bauern und Gendarmen, bei welchem zwei Bauern und zwei Gendarmen gctödtet wurden. Zwei weitere Gendarmen waren gezwungen, sich vor der Uebermacht in ein Bauernhaus zurückzuziehen. Paris, 19. Juni.(W. T. B.) Deputirtenkammer. Bei der Be- rathnng der Vorlage betreffend Erneuerung des Privilegiums der Bank von Frankreich brachte Viviani einen Autrag auf Errichtung einer Staatsbank ein. Dieser Antrag wurde vom Hause mit 422 gegen 118 Stimmen abgelehnt. Baskou brachte einen Antrag ein, der die Kammer auffordert, nicht in die Berathung der einzelnen Artikel einzutreten, ehe die Regierung die den Kriegsschatz betreffenden Bestimmungen deS Vertrages mit der Bank bekannt gebe. Der Finauzminislcr Eockien, weigerte sich, diese Abmachungen mitzutheile», welche unwirksam würden, wenn man sie der Oeffentlichkeit übergäbe. Millerand unterstützte den Antrag, da es sich darum handle zu wissen, ob nicht für de» Kriegsfall eine Klausel besiehe, hinter welcher sich die Bank von Frankreich würde ver- schanzen können; der Kriegsschatz könne nicht der Bank überlasse» werden.(Beifall auf der äußersten Linken.) Der Miiiislerpräsioent Meline erklärte, im Interesse der nationalen Verlheidtgung lebne es die Regierung ab, die Bestinimungen einer sekreten lieber- einkunft bekannt zu geben; sie könne lediglich erklären. daß durch dieselbe» die Bank verpflichtet sei, während dem Staate seine Handlungsfreiheit geivabrt bleibe.(Beifall im Zentrum.) Pelleta» erklärte hierauf, der Regierung aus diesem Wege zu folgen, hieße Hochverralh begehen.(Beifall auf der äußersten Linken.) Schließlich wurde der Aulrag Bascou mit 298 gegen 236 Stimme» abgelehnt. Daraus wurde die Dringlichkeit der Bänkvorlage mil 413 gegen 194 und der Uebergang zur Beralhuug der einzelnen Artikel mit 424 gegen 197 Stimmen beschlossen. Viccnza, 19. Juni.(W. T. B.) Gelegentlich der Gedenkfeier der Verlheidiguug der Stadt im Jahre 1648 kam es heute zwischen Liberalen nnd Klerikalen zu Thällichkeiten, bei welchen es»lehrer« Verwundete gab. Die Truppen mußte» z»n> Schutze des klerikalen Gemeinderaths einschreiten. Verona, 19. Juni.(W. T. B.) In der vergangenen Nacht ging ein furchtbarer Cyklo» mit schwerem Hagelschlag über daS Tbal von Caprino hinweg. Die ganze Ernte sowie bie gesammte Seidenraupenzucht mit sämmtlicken Kokons sind vernichtet. London, 19. Juni.(W. T. B.) Das„Reuter'sche Bureau" meldet ans Tauanarivo vom 23. Mai, zwei französische Missionare der evangelischen Gesellschaft zn Paris, namens Escande und Minault, seien am Nachmittage des 20. Mai ungefähr 45 Kilometer üdlich von Tauanarivo von Ausständischen in gransamer Weise er« mordet worden. Ihre Leichen seien ani 23. Mai aufgefunden. Konstantinopcl, 19. Juni.(W. T. B.) Die vierte Sitzung zur Forlsetzung der Friedensverhandlungen wurde auf übermorgen verschoben. Heule hat lediglich eine Versammlung der Botschafter stattgefunden. Mar Badina in Berlin. Hicrz» 1 Beilaae u. Uutcrhaltniigsblatt. Nr- 133. U. ZchMg. XV. Kongreß für innere Medizin. ?cv zweite Sitznngstaq wurde mit einem hochinteressanten Vortrag von Professor Unverrichl-Magdeburg über Epilepsie eröffnet. Wen» man bedenkt— so führte der Vortragende aus—, daß tu Deutschland allein etwa lOO 000 Menschen an Epilepsie leiden. so begreift man das anhaltende Interesse, mit dem alle Forschungs- ergedniffe auf diesem Gebiete verfolgt werden. Vorläufig ist man freilich über die eigentliche Ui fache dieser eigenartigen Krankheit noch im Unklaren; auch über ihr Wesen ist man in Aerzte- kreisen getheilter Ansicht. Unverricht ist ans grund zahlreicher Beobachtungen an Thiere»»nd am Kraiikenbeil zu der Ueber- zcugnng gelangt, daß die Ursprungsstäite für die typischen epileptische» Krämpfe in der Großhirnrinde allein liegt, daß von dort die Anfälle ausgelöst und durch Reizung der Rinde unter- halten werden. Schneidet man bei Thieren die beiden Groß- Hirnrinden heraus— eine Operation, die die Hunde ganz gut über- stehe»— so verschwinden die Anfälle. Von der Verabreichnng des Morphiniiis hat Unverricht bei Tbieren keinen wesentlichen, von der des Chloralhydrats(des bekannten Schlafmittels) dagegen vorzngliche Erfolge gesehen. Vielleicht geben diese Erfahrungen werlhvolle Fingerzeige für die Behandlung der mensch- liehe» Epilepsie. Bei der Uebertragung der in Thierversuchen gewonnene» Erfahrungen aus den Mensche» muß man aller- diugs vorsichtig fein, da die Großhirnrinde beim Hunde ganz anders beschaffe» ist als beim Menschen. Gleichwohl weisen ainy am Krankenbette die einzelnen Krankhcilserscheinungen mit Sicherkeit darauf hin, daß die Krämpfe von der Großgehirnrinde aus entstehen. I» der Diskussion z» dein beifällig aufgenommene« Vortrag traten Pros.ZBiiiswanger-Jena und Prof. Jolly-Berli» dieser Groß- hirnrinden-Theorie entgegen. In bezug auf die Behandlung wird allenthalben die hervorragende Wirkung der Bromsalze gerühmt. Freilich ist, wie Prof. Flechsig-Leipzig hervorhebt, die Wirkung bei de» einzelnen Pariente» eine verschieden starke. Leider zwingen mit- unter Vergiftnngserscheiniinge» die Bromkur. die lange genug fort- gefetzt werde» muß,»m zn wirken, ganz ailsznsetzen. Vorbeugen läßt sich diese Uiiannehinlickkeit durch gleichzeitige Darreichung einer kocdsalz- haltigen Pflanzennahrung. Fleischkost ist möglichst einzuschränken. Wo Brom versagte, gab Flechsig mit gutem Erfolge verschiedentlich Opium, eine Beobachtung, welche Professor Rumpf- Hamburg bestätigen konnte. Professor Jolly hat dagegen von der gemischten Brom. Opiumbehaildlung wenig Erfolge gesehen, jedenfalls keine Heilung. Professor Behring- Marburg sprach„über experimentell be- gründete Heilkunde". Diese Behandliingsmethode, die lediglich von beweiskräftigen Thierexperimenlen ausgeht, steht in bewußte», Gegensatze zn de» übrigen Methoden. Rur das Thierexperiment picbt uns Aufschluß über die Heilmittel, die im lebenden Organismus aufgespeichert sind, zumal im Blut. In dieser Be- zichnng sind die sogenannten Blutantitoxine zu nennen; hierher gehöre» daS Diphtherie- und Starrkranipf- Heilserum. Diese Antitoxine sind unschädlich und entfalten eine ganz spezifische Wirkung. daS heißt, sie wirken immer nur gegen das- jenige Krankheitsgift, dessen Gegengift sie darstellen, aus dem sie dargestellt sind. Je stärker das Gift ist,»m so Wirkung?- voller das entsprechende Gegengift. Behring giebt sich der sicheren Hoffnung hin, mit Hilfe seiner Mitarbeiter in absehbarer Zeit auS den Leibern der Tuberkelbazillen ein starkes Gift und daraus ein gleich starkes Gegengift gegen die schrecklichste aller Seuchen, die Tuberkulose, zu gewinnen, ein Mittel, welches daS neue Koch'sche an Wirksamkeit übertreffen soll. Durch Entfernung aller uuwirk- samen Stoffe wird die Wirkung wesentlich gesteigert werden. Jeden- falls giebt es— so schloß der Redner— Mittel, spezifische Mittel, welche nützen, ohne z» schaden. Mittel, deren Thätigkeit sich aus- schließlich in den Körperflüssigkeiten abspielt«nd die dabei den kranken Körper entgifte». Der Vortrag wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen. Zweite General-Uersammlung de» Zentral- nerein» der Former. Hannover, den 9. Juni 1697. Nachmittags- Sitzung. Ueber den Antrag, an stelle der Reise- Unlerstütziing eine allgemeine Arbeitslosen-Unterstützung einzuführen. wird»ach kurzer Diskussion zur Tagesordnung übergegangen. Es folgt die Beralhung des Reise- Uuterstützungs- Reglements. Eine ausgedehnte Diskussion entsteht über die Frage des Reise- gelbes für Bahureisende. Dem H 1 wird folgende Fassung gegeben:„Das Reisegeschenk beträgt pro Kilometer 2 Pfennige". Dasselbe wird ausgezahlt sowohl au wandernde, als auch an bahn- reisende Mitglieder.' Ferner erhält Z 6 den Zusatz:„Das Reise- geschenk darf in einem Jahr nicht mehr als 60 Mark betragen". S 6 des Staiuts erhält den Zusatz:„Mitgliedern, welche ans die Weise gehen, bevor sie»nterstützuiigsberechtigt sind, wird bezüglich der Bcilräge Stundung gewährt, bis sie wieder in Arbeit stehen." Säiniiitliche vorliegenden Anträge, Streikunterstützung in Zukunft nur gegen Schuldschein ailszuzahle», werden abgelehnt. Zu§ 23 wünscht Claussen festere Normen zu schaffen, um unüberlegten Streiks und Lohnbeiveguiigen iiiien Riegel vorzuschieben. Lücke stimmt Schwartz zu, an Unorganisirte überhaupt keine Streikiliiterftütziing zu zahle», dann würden dieselben gezwungen werden, sich zu organisiren. P l a t h erklärt sich gegen den Antrag. Streiks H Tage vorher dem Vorstand anznzeigen, das sei für Berlin einfach unmöglich. Der ß 23 erhält nun- mehr folgende Fassung: Die Mitglieder örtlicher Verwaltungsstellen habe» im Falle einer Arbeitseinstellung»nr dann Anrecht auf Untersiütznng aus der Hauplkasse, wenn dem Vorstande und Ans- schlisse mindestens 14 Tage vorher die Nothweiidigkeit deS Streiks unterbreitet wurde und diese Körperschaften ihre Zustimmung gegeben habe»; jedoch sind Aussperrungen und Maßregelungen davon aus- geschlossen. Hannover, den 10. Juni 1897. El a» ß e n und Schwartz empfehle», die Streikunterstützung einheitlich festzusetzen und zwar für Verheirathete 12 M., für Un- verbeirnthete 9 M. pro Woche. Unorganisirte sollen von der Hauplkasse Uiiterstützung nicht erhallen, dies muß durch die Kollegen am Ort selbst geregelt werden. Deshalb ist es zweckmäßig, örtliche Extrafonds zu Streik« und Unter- stützungszivecken zu schaffen. Müller- Berlin stellt den Antrag: Vollberechtigte Mitglieder erhalte» von der Hauptkass« von der 2. Woche an Streikunterstützung in Höhe von 12 Mark pro Woche; für jedes Kind wird pro Woche 1 Mark gewährt. Dieser Antrag wird angenommen. Ferner wird beschlossen, in sänimtlichen Zahlstelle» jedes Jahr und zu einem bestimmten Monat statistische Ermiitelungen vorzunehmen. Zu dem Antrag Delmenhorst, möglichst alle Verbände unter ein Kartell zu stelle», wünschen Müller und P l a l h eine Verständigung mit dem Meiallarbeiler- Verband; es sei dies dringend nölhig, tvenn bessere Verhältnisse geschaffen werden sollen. Alsdann wird beschlossen, eine Broschüre über Zweck und Nutze» der Formerorganisation herauszugeben und gratis zu vertheiien. Alle weiter vorliegende» Anträge werden abgelehnt. Das neue Slatut wird am I. Oktober in kraft treten. Der Name der Or- ganisatio» wird umgeändert und lautet nunniihr: Zentralverei» deutscher Former und Berufsgenossen. Zum Vorsitzenden� des Zentral- Vereins wird Schwartz, zum Geschäftsführer Münz n er gewählt. Das GeHall des Geschäftsführers wird aus 30 Mark pro Woche festgesetzt. Der Sitz des Vorstandes bleibt in Lübeck, der Sitz des Ausschusses in Hamburg, der Revisionskoinmission i» B r a u n s ch w e i g. Der Sitz der Preß- koinniission ist nach Ludwigshafe» verlegt. Der„Glück auf' dkg JwWs" verbleibt in Hamburg. Die Entschädigung des Redakteurs wird auf 30 Mark pro Quartal festgesetzt. Mit einem Hoch auf den Zentralverein der Former schließt hieraus der Vorsitzende die General- Versammlung._ Die Vereinigung aller in der Schmiederei beschäftigten Perfanen hielt am 6. bis 9. Juni in Bremen ihre Generalversammlung ab. Anwesend waren 21 Telegirte; die Leitung des Kongresses wurde dem Vorsitzende» Lange übertragen. Den Berichte» des Vorsitzenden, Kassirers und des Ausschusses entnehmen wir fol- gendes: Der Mitgliederstand betrug vor zwei Jahren in 29 Zahl- stellen 14—1500. Gegenwärtig sind 30 Zahlstellen mit 2250 Mit- gliedern vorhanden. Mit den Lolalvcreine» Cannstatt undEßlingenwird wegen Uebertritts zur Vereinigung verhandelt. Die Einnahme betrug 1 895 9145,36 M., 1896 13130,83 M. Für Streiks gingen ei» bis Ende 1896: 4596,36 M. Die Gesamniteinnahme der Vereinigung betrug in den Jahren 1895—96: 26 872,85 M. Von den Ausgaben sind zu erwähne»: Für Reise- Unterstützung 484,30 M, für Beamten- enlschädignng 1607,24 M., für Verwaltnngsunkoste» 2640,84 M. Dle Zeitung erforderte einen Kostenaufwand von 10 375,72 M., für Streiks wurden verausgabt 7096,36 M. Der Ausschuß berichtet, daß er bei der Revision die Bücher stets in guter Ordnung gefunden. Nach einer längeren Diskussion über den Geschäftsbericht, in der einige Beschwerde» Erledigung finden, erlheillen die Delegirte» dem Vorstand und Altsschnß Decharge. Hierauf stand der Anschluß der Vereinigung an den Metallarbeiler-Verband zur Erörterung. R ö m e l t- Hamburg empfiehlt in eingehender Weis«, indem er auf die nahen Beziehungen des Berufs mit den übrigen Metallarbeitern hinweist, den Anschluß an den Metallarbeiter-Verband. Theiß als Korreferent verlritt den entgegengesetzten Stundpunkt. Der gute Zweck des Ziisammenschlnsses sei nicht zu verkenne»; die Hauptaufgabe einer Organisation sei»ickt. billige Verwaltungen zn schaffen, sondern Rebelle» gegen die heutige Gesellschaftsordnung. Will man eine billige Zeitung haben, dann könne man auf de» „Düsseldorfer Generalanzeiger" abonniren, denn der kostete den ganzen Monat nnr 25 Pf. Die Zeitung ist der Kitt, der»ins zu- sannnenhält. Der Uebertrilt zum Metallarbeiter-Verband werde ein Experiment, vor dem man sich hüten sollte. Das Beispiel geben die Feilcnhauer, Mechaniker w., welche ihre alte Organisation gerne wieder hätten. Der Redakteur der„Metallarbeiter-Zeitung" kann sich nicht dazn herbeilassen, dann für die Schmiede noch extra Würste zu braten. Bildhauer, Buchdrucker w. schließen sich alle einem Jndustrieverbande nicht an, was sie doch thun würden, wenn sich nichts dagegen einwenden ließe. Hüten wir uns also vor einem übereilte» Beschluß. In der ausgedehnte» Diskussion wurde das Für und Wider eingehend erörtert und schließlich der Anschluß an de» Metallarbeiter- Verband mit 17 gegen 4 Stimmen ab- gelehnt. Eine ebenso erschöpfende Anseinandersetziing knüpfte sich an die Einführung der Arbeitslosen- Uiiterstützllng. Die Meinungen waren hier sehr gelheilt. Während einige Delegirte gänzlich ablehnend einem solche» Antrage gegenüber- standen, einpfählen andere, die Einführung den einzelnen Zahlstellen z» überlassen. Jedoch wurden alle Antrage, die den Vorschläge» zustimmten, abgelehnt. Alsdann wurde»ach Erledigung des Punktes Presse nochmals namentlich über die Arbeitslosen- Unterstützung ab- gestimmt und die Einführung derselben mit 15 gegen 6 Stimmen beschlossen. Eine Aenderung in dem bisherigen Verhältniß zur Generalkommission wurde vom Kongreß nicht beliebt. Bei Punkt 13, Statutenberathiiiig, wird beschlossen: Z 2. Bei Annahme des neuen preußischen Vereinsgesetzes hat der Vorstand das Recht, dem§ 2 dann die nothwendige Fassung zn geben, ohne eine außerordentliche Generalversaminlung einzuberufen.§ 3 soll lauten: Rechtsschutz ist zu gewähren bei allen Streitigkeiten, in welche die Mitglieder durch die Arbeitergesetzgebung verwickelt werde». § 3ä(»euer Absatz): Ortsansässige» Mitgliedern, die infolge ihres agitatorischen Wirkens für die Vereinigung am Orte keine Arbeit mehr erhalle» können»nd deshalb als gemaßregelt zu betrachten sind, können Uinzugskosten nach einem anderen Orte in einer von der Generalversammlung näher zu bestimmenden Höhe gewährt werde». 8 4. Die Beiträge werde» für männliche Mitglieder auf 20 Pf., für weibliche auf 15 Pf. erhöht. In der Debatte über„Allgemeine Anträge" wurde beschlossen: „Die Reise-Unlerstütznng wird nach Kilometern geregelt und beträgt dieselbe pro Kilometer 2 Pfennig." Augen oinnien wurde ferner folgender Antrag: Die Generalversaniniliing möge beschließen, Erhebungen über die Lage der Lehrlinge bei den Kleinmeistern, sowie Erhebungen über die Lage der Gesellen in kleinen Städte» und ländlichen Bezirke» anzustellen und dieselben der zuständigen Be- Hörde zu übermitteln, zwecks Ausdehnung der Bestiinmungen für jugendliche Arbeiter auf die Kleinbetriebe. Weiter ist Stellung zum Normalarbeitstag von zehn Stunden zu nehmen. Die Diäten für die Delegirte» wurden auf 9 M. festgesetzt. Als Vorort für den Vorstand wurde Hamburg wiedergewählt. In die Leilung der Vereinigung werden gewählt: La n g e- Hamburg (1. Vorsitzender), S ch r e i v er- Hamburg(Kassirer), Brehmer- Hamburg(2. Vorsitzender), Luxat-H mburg(Schrislführer). Hierauf wurden die Verhandlungen mit einem Hoch auf die Arbeiierbewegung geschlossen. Nommunakes. Stadtverordneten-Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag. 10. Juni, nachm. 5 Uhr. In die gemischte Deputation zur Vorberathung der Angelegen- heil wegen des event. Erwerbes deS Botanischen Gartens ist auch Etadtv. Singer gewählt. Außerdem gehören der Deputation u. a. an die Sladtvv. Langerhans, H. Sachs. Kyllmann. Wohlgennith. Zur LehrerbesoldungS-Vorlag« sind zahlreiche Petitionen ein« gegangen, so vom Berliner Lehrerverein, vom Berliner Rektoren- verein und von de» akademisch vorgebildeten Gemeinde-Lchullehrern. Vor der Tagesordnung bemerkt der Vorsteher Dr. Langer- h a n S. daß er den in der vorigen Sitzung vom Etadtv. Borgman» gebrauchten Ausdruck„profefsioneller Umfaller" nicht sogleich als ungehörig gerügt habe, da er den Ausdruck nicht gehört habe, sondern erst nachträglich. Da der von dem Ausdruck Betroffene (Stadtv. Kalifch) darüber sehr unglücklich sei, daß diese Rüge nicht sofort erfolgt«(Heiterkeit), gebe er(der Borsteher), die Er- klärung ab, daß er den Ausdruck, wenn er ihn gehört hätte, sofort gerügt haben würde. Die außerordentlichen Befugnisse, welche dem fetzt ausgeschiedenen Baurath Hobrecht als Chefingenieur der Kanalisation zugestanden haben, solle» von jetzt ab durch die Kanalisations-Deputation aus- geübt werden. Für die Oberleitung der gesammten Bau- >i»d B e tri e bs- Angelegenheiten der K a» a l i f a t i o» S- Verwaltung beabsichtigt der Magistrat die Schaffung der neuen Stelle eines technischen Direktor?. Ueber die Abgrenzung der Kompetenzen desselben und des neuen Stadtbau raths für den Tiesbau sind Meinungsverschiedenheiten aufgetreten, welche zur Einsetzung eines besondere» Ansschusses geführt habe». Letzterer empfiehlt der Ver- sammliing, sich ,u n t e r d e r B o r a u S f e tz u n g. daß der zeitige Baurath für den Tiefbau der Kanalisationsdepulation als Mitglied überwiesen wird", mit der Schaffung der Stelle einverstanden zu erklären. Der Oberbürgermeister hatte im Ausschuß gegen diese bedingungsweise Zustimmung als gegen eine Beschränkung der ihm nach der Städteordnung zustehenden Rechte Einspruch erhoben. Stadtv. K a l i s ch als Referent bestreitet, daß es sich um eine Beschränkung der Rechte des Oberbürgermeisters handle. Es solle Fttitaz, ll. Jiliii 1897. lediglich der Möglichkeit vorgebeugt werden, daß ein künftiger Ober- biirgerineister den Tiefbau-Sladtrath nicht in die Deputation hinein- sende. Stadtv. Wallach beantragt die Streichung der fraglichen Be- dingung, welche die neue Einrichtung nnter Uinständen illusorisch machen würde. Man solle sich mit einem„Wunsche" begnügen und demgemäß die Fassung ändern. Die Verwaltung dürfe und werde sich derartig nicht binden lassen; soviel Vertrauen müsse man zu ihr haben, daß sie in dieser Beziehung immer den richtigen Mann a» die richtige Stelle setze» wird. Stadtv. Wohlgemuth tritt für den Nusschußantrag ein. In einer rein technischen Deputation müsse auch ein Techniker sein. Mit dem jetzigen Slbschluß der Kanalisatio» sei doch die Kanalisirung Berlins nicht beendet; man brauche nur an die Eingemeindung zu denke», die ja nnr aufgeschoben fei. Der neue Direktor sei der Versammlung nicht verantwortlich, wohl aber der Stadtbaurath. err Hobrecht habe, wie alle großen Männer, sich so sehr in sein ystem verbissen, daß er die Forlschritte, die auf diesem seinem eigensten Gebiete gemacht sind, geringschätzig behandelte. Herr Äldams, der zu der neuen Direktorstelle designirt sei, sei einer seiner Hauptschüler. Da müsse denn ein Techniker zu der Deputatioil gehören, der auch ein selbständiges Urtheil habe und überdies der Versammliing verantwortlich sei. Oberbürgermeister Zelle: Der neue Stadtbaurath ist von mir bereits in die Deputation gesandt und hat dort dasselbe Dezernat wie Herr Hobrecht erhalten. Jeder Oberbürgermeister wird den Baurath für Straßenbau auch in die Entwässcruiigs- Deputation entsenden; thut er es aus irgend einem Grunde nicht, so wird die höhere Instanz sicher Abhilfe schaffen. Der vor« geschlagenen Bedingung kann der Magistrat jedenfalls nicht zu» stimmen, da die beabsichtigte Organisation dann eventuell plötzlich i» der Luft schweben würde. Stadtv. Meyer ist nach der bestimmten Erklärung des Ober- bürgermeisters für den Antrag Wallach. Dauernd würde auch der antokratischste Bürgermeister nicht gegen den Strom schwimmen könne». Stadtv. Wohlgemuth: Der neue Direktor ist keineswegs Untergebener des Stadtbauraths. Diese Stellung und ihr Ver- hältniß zur Stellung des Stadtbauraths ist eben eine höchst eigen- lhümliche, da der neue Direktor nur Magistratsbeamter ist; die große Bedeutung der Kanalisation und der sür sie bestehenden Ver- ivaltiingsdeputalion läßt es uns aber gerade nothwendig erscheine», »inen Techniker auch für dieses Spezialfach in derselbe» zu haben. Stadtv. Singer: Was Herr Wohlgeinuth will, wird durch den Wortlaut des Antrages nicht gewahrt. Wir haben in der Ber- Sammlung einen viel sicheren Boden, wenn wir uns auf die Recht« iützen. die uns die Slädteordnnng giebt, so winzig sie sein mögen, als wenn wir, wie es nach dem Äneschußantrage der Fall ist, ein Recht erweitern wollen, welches die Städteordnung nicht giebt, sondern welches nur dann ei» Recht von Magistrats Gnaden wäre. Es mag ja eigciithümlich sein, wenn ich hier anscheinend als frei- williger Magislralskommissar austrete; aber auch nur„anscheinend". Der Magistrat stützt sich mit Recht aus Verfassungsbedenken, er kann den Antrag nicht annehmen und am Ende hat die Versammlung ihr Pulver umsonst verschossen oder stellt den blamirten Europäer dar.(Heilerkeit.) Unsere Macht liegt in dem Geldbewilligungsrecht. Organisationen auf Personen zuzuschneide», ist überhaupt prinzipiell unrichtig, mag es sich um den„zeitigen" oder„jeweiligen" Stadtbalirath handeln. Der Tiesbaurath ist auch der Versammlung nicht verantwortlich, sondern blos der Magistrat in seiner Gesammtheit. Legt man der Frag« solche Wichtigkeit bei, so erörtere man sie i» gemischter Deputation und für die Gesammtheit der Verwaltungszweige. Es scheint da irgend etwas hinter den Koulissen noch zu schweben, Iva? Uneingeweihten noch nicht bekannt ist.(Heiterkeit.) Man kann einem Oberbürgermeister von Berlin doch auch nicht ganz unmögliche Dinge zulranen. Wie würde die Versammlung da stehen, die einen Oberbürgermeister gewählt hätte, der so elwaS fertig bekäme?(Heiterkeit.) Handelt es sich um eine Erweiterung der Rechte der Versammlung, dann fange man bei der Städte- Ordnung an und schaffe da Wandel. Den Antrag des Ansschusses hat man nicht die Macht durchzusetzen; solches vermehrt nicht, sondern vermindert die thatsächliche Macht der Versammlung, und das wäre ein gefährliches Spiel. Nachdem noch die Sladtvv. Neumann und Gerstenberg gesprochen, letzterer auch beantragt hat, die streitige Fassung dahin zu ändern:„Die Versammlung hält es aber für erforderlich, daß der jedesmalige Stadtdaurath für den Tiefbau Mitglied der Deputation sei", tritt Stadtv. Wohlgemuth den Ausführungen Siuger's entgegen, der ihn mißverstanden habe, und erklärt sich, nachdem einhellig die Nothweiidigkeit der Mitgliedschaft des Tief- bauralhs in der Deputation anerkannt worden, mit dem Amende« ment Gerstenberg einverstauden. Der Äusschuhaiitrag wird in dieser modifizirten Fassung an- genommen. Das nene Lehrerbesold nngs-Gesetz macht auch für Berlin eine Neuregelung der Gehaltsordnung nöthig. Der Magistrat will sich, da die Besoldungsverhältnisse erst 1894 nach dem Dienstaltersstlifen-Syste»» geordnet worden sind, im wesentliche» auf die erforderlichen formalen Abänderungen beschränken. DaS Ausangsgehalt der Lehrer soll nach wie vor auf 1600 M. bemessen werden— 1000 M. Grundgehalt und 600 M. Miethseutschädiguug; für die Rektoren sollen die entsprechenden Zahlen 2000 und' 800 sein. Die Alterszulagen-Scala soll unverändert bleiben, es soll lediglich der Scala sür die wiffenschaftlichen Lehrerinnen eine»ene Gehaltsstufe zugesügt werden. Bezüglich der technische» Lehrerinnen, welche der Magistrat künstig als„Fachlehrerinnen" bezeichnen will, akzeptirt er im wesentlichen die Beschlüsse der Versammlung vom 25. Februar er., proponirt aber einige Modisikatiouen: Neue Annahnien solcher technischen Lehrerinnen bis zur definitiven Anstellung der jetzt thäligen ollen„thunlichst" nicht vorgeuommen werden; im Falle der Ueber- chreitung der Altersgrenzen von 45 Jahren soll die Versamnilung über die Zulässigkeit der Anstelllmg entscheiden. Für die Lehrerinnen und Fachlehrerinnen soll da? Grundgehalt 900 M., die Miethsentschädignug 300 M. betragen, für erste« in 7 Stufen ä. 3 Jahre bis auf 2400 M., sür letztere in 4 Stufen k 3 Jahre bis auf 1600 M. steigen. Von niehreren Seiten wird Ansschußberathung beantragt. Stadtv. Rose n ow führt ans, daß der Ausschuß sich auch mit der Frage der Erhöhung des Höchstgehalts der Lehrer aus 4000 M. auS diesem Anlaß zu beschäftigen haben wird. Ein solcher Beschluß sei 1894 zweimal von der Bersammlung gefaßt worden und nur am Widerstande des Magistrats gescheitert. Mehr al? 100—120 000 Mark würde diese Verdesservng auch nicht kosten. Stadtv. P r e u ß: Gewisse materielle Aenderungen der Ordnung von 1894 werden bei dieser Gelegenheit trotz des zurückhaltenden Standpunktes des Magistrats in Erivägling zu ziehen sein. Di« Frage des Verhältnisses von Grundgehalt und Miethsentschädignug, die Frage der Anrechnung der Dienstzeit u. a. wird der Ausschuß näher zu prüfen haben. Stadtv. Singer: Je auskömmlicher und besser die Stadt die Lehrer stellt, desto reichere Zinsen wird zweifellos das kostbare G u t tragen, welches den Lehrern anvertraut ist, d i e E r z i e h n n g der Jugend(Zustiminung). Der Ausschuß wird da, nach zu erwägen haben, ob nicht die Wohnungsgeld- Entschädigung zu karg bemessen ist. Als selbstverständlich möchte ich annehmen, daß die Wohnuiigsentschädiguiig penstonssähig bleibt, soust würde thatsächlich eine Verschlechterung der Verhältnisse eintreten, namentlich bei den Lehrerinnen; diese Auffassung säqe ich gern vom Magistrat bestätigt. Nun handelt es sich bei der Vor- läge ancki um die technischen Lehrerinnen. Im großen ganzen hat der Magistrat unsere damaligen Beschlüsse akzeptirt, leider du» pfgen nicht die Dtcfotutfoitcn. Ueber die Frage, ob die technischen Lehrerinnen zu Gesanglehrerinnen ausgebildet werden können, null ich als nicht sachverständig genug nicht sprechen; der Magistrat verspricht sich von dieser Anregung nichts. Die andere Resolution wollte, daß für jede Klasse, wo vv Schülerinnen vorhanden sind, zwei Handarbeits-Lehrerinnen vorhanden sind. Das lehnt der Magistrat ab. Erfahrungsgemäß steht aber sest, daß die Aussicht in Klassen mit so hoher Schnlerinnenzahl nicht genügend gehandhabt werde» kann. D a i st Sparsam« keit ganz am unrechten Platze. Eine Vermehrung der Stelle» würde auch ein schnelleres Einrücke» dieser Lehrerinnen in die etatsmäßigen Stelle» ermögliche». Die Behandlung dieses Theils des Lehrer perfon als ist ohnehin kein Ruhmesblatt in der Geschichte des Berliner Schulwesens. Bürgermeister K i r s ch n e r: Nach der Auffassung der Schul- deputation und des Magistrats besteht darüber kein Zweifel, daß auch die Miethsentschädigung bei der Pensionirung angerechnet werde» muß. Stndtv. Hugo S a ch s bemängelt die Ungerechtigkeit, die darin liegt, daß auch bei den Rektoren die Gewährung der Alterszulagen schablonenmäßig nach dem Lehrer-Dienstalter erfolgen soll. Außer- dem regt er die Aufbesserung des Anfangsgehalts der Lehrerinnen an; der Unterschied, de» man bisher in dieser Richtung zwischen Lehrerinnen und Lehrern mache, sei zu groß. Die Vorlage wird einem Zlusschnsse von 15 Personen überwiese». Die sog.„ I u d e n w i e s e n" zivischen der Levetzoivstraße und der Spree jenseits der Hansabrncke sollen durch eine Terrain geselischast„Neues H a n s a v i e r t e l" der Bebauung erschlossen und zu diesem Zwecke durch die ÄInlegung einer 5 Meter breiten Fuß g ä n g e r b r n ck e über die Spree im Zuge der Straße„Sieg- ni undshof" init dem Thiergarten, der Charlottenburger Chaussee zc. in bequemere Verbindung gebracht werden. Die Gesellschaft will die Brücke ans eigene Kosten bauen; die Stadt soll sie dann in ihr Eigen thum und in dauernde Unterhaltung übernehmen. Die Vorlage geht auf Antrag D i n s c an einen Ausschuß. Dem Beschtuß der Versannnlung vom 29. April, daß der Magistrat wegen M i e t h u n g von Räumen zu B u r e a u z w e ck e u sich mit dem Besitzer der Grundstücke Neue Friedrichstraße 9/10 in Verbindung setzen soll, erklärt der Magistrat, nicht bei- treten zu können, da die betrefseuden neuen Gebäude erst anfangs 1893 fertig werden, so lange aber die bekannte Nothlage nicht fortdauern kann. Er hat sich inzwischen»m Gewinnung ander- weiter Bureauräume bemüht und auch 10 Offerten erhalten, die aber nach seiner Ansicht säimnilich nichts Annehmbares bieten, infolge dessen kommt er auf seinen ursprünglichen Vorschlag zurück, die qn. Räume in dem Grundstück Heiligegeist st raße 13—14 iind B u r g st r a ß e 17— 18 zu miethen. Hier ist inzwischen die 3. Eiage größtentheils anderweit vermietbet worden; es soll daher die II. Etage und der nach der Bnrgstraße belegene Theil der IV. Etage, zusainmen 1993 Quadratmeter, für 30 000 M. jährlich auf 5V« Jahre gcmielhet werden. Sladlv. D e t e r beantragt die Ablehnung der Vorlage und die nochmalige Verhandlung mit dem Besitzer von Neu« Friedrich straße 9/10. Stadtv. Wallach hält es nach der bestimmten Erklärung nicht für zulässig, einfach die Vorlage abzulehnen, sondern will Ausschuß- berathung. Stadtrath B o r ch a r d t bittet um thiinlichste Beschleunigung der Angelegenheit. Siadtv. H. Sachs verbleibt dabei, daß die für die Räume in der Bnrgstraße geforderte Miethe viel zu hoch ist, und be- dauert, daß der Magistrat auf den bescheidenen der Versammlung nicht eingegangen ist. Stadtv. Meyer spricht in gleichem Sinne, während Stadtv. W 0 h l g e m n t h für Ansschußberathung eintritt. Die Vorlage wird schließlich abgelehnt. Schluß 3 Uhr. UoltSllvSe Wunsch r DaS wiitdige Moniiineitt in Erz. Die„Voss. Ztg." be- chtet: Die Simon Blad'sche Denkmalsangelegen- e i t wird nochmals das Magistratskollegium beschäftigen. Wie erinnerlich, hat der im Februar v. I. hier verstorbene Rentier Blad die Städte Berlin, Mainz und Bingen zu Universalerbinnen seines mehr als fünf Viertel Millionen betragenden Vermögens dergestalt eingesetzt, daß Berlin die eine Hälfte, Mainz und Bingen die andere Hälfte erbalten. Der Nachlaß soll zur Gründung einer Stiftung zwecks Belohnung hervorragender Leistungen auf dem Ge- biete der Kunst, der Wiffenschafs und des Handwerks verwendet werden. Der Kaiser, dem der Magistratsantrag auf Erlheilung der landesherrlichen Genehnngnng der Zuwendung, andererseits aber auch ein Immediatgesuch der Schwester Blnd's, Frau Hanbitzober, die die Rechisgiltigkeit des Teßamenls anzufechten sucht, vorliegt, soll dem Vernehmen nach nicht abgeneigt sein, die wohlthälige Stiftung zu genehmigen, zumal der Verstorbene seine Schwester mit einem auskömmlichen Legat bedacht und sie außerdem im Prozeß- wege noch 90 000 M. erstritten hat. Bedenken soll mit Rücksicht auf den Lebenswandel des Erblassers nur die Bestimmung erregt haben, wonach die Stadt Berlin verpflichtet sein soll, Herrn Blad ani Kolumbarium zu Friedrichsfelde auf besonderem Besiattungsplatz? ein „würdiges Monument in Erz" und zwar„in ganzer Figur" errichten zu lassen. Wegen dieser Bestimmung, die man vielfach so aufgefaßt hat, als habe Herrn Blad ein„lebensgroßes Denkmal" vorgeschwebt. hat der Oberprästdent auf Anordnung des Kaisers beim Magistrat Nachfrage gehalten, in welcher Weise man dieser Bedingung zu ent- sprechen gedenkt. Der Magistrat hat sich in dieser Frage mit dem Nachlaßpfleger Rechtsanwalt Hamburger ins Eiuvernebmen gesetzt, da gegen das Testament nicht verstoßen werden darf. Nun ist man in juristischen Kreisen nicht zweifelhaft darüber, daß es verschiedene Wege giebt, dem Testament ohne„Denkmal" i« eigentlichen Sinne gerecht zu werden; es kann z. B. eine in den Grabstein eingelaffene Erztafel mit dem Reliefbild des Ver- fiorbenen zweisellos als ein„würdiges Monument in Erz' be- trachtet werden. Dies« Art von Grabmälern entspricht sogar dem im ganzen Reiche herrschenden Gebrauche; denn eigentliche Denk- mäler wird man hier auf Kirchhöfen nirgends finden. Daß der Testator selbst auf das Wort„Denkmal" kein Gewicht hat legen wollen, ergiebt sich übrigens aus seinen weiteren Vorschriften über die Pflege und Ausschmückung des Grabes, wo Herr Blad aus- drncklich von seinem„Grab- oder Denkmal" spricht. Die Verhandlungen über die Art der Ausführung jener Testamentsklausel schweben zwar noch, indeß dürfte die Angelegenhcit schon in einer der nächsten Magistraissitzungeii zum Vortrag kommen und dann wohl in kürzester Frist mit der Gründung der„Simon Blad-Stiftung" ihrer Abschluß finden. Die städtische Parkdepntatio» hat am Mittivoch unter Vorsitz des Stadtraths Kochhann beschlossen, sosern die städtischen Behörden die dringende Nothivendigleit erkennen, ihnen die Verlängerung des Fahrdammes der Mohrenstraße über den Wilhelmsplatz nach der Voßstraße nach einem Entwurf des Garten- baudirektors Mächtig in der Weise zu empfehlen, daß der Damm auf beiden Seiten des Platzes in einer Kurve um die Denkmäler Zielens und des Alten DessauerS herumgeführt werde. Ferner be- schloß die Deputation auf mehrfache beim Magistrat eingegangene Petitionen wegen Genehmigung zum Ausschank von Milch im Friedrichshain, da hierfür ein Bedürfniß vorzuliegen schien, ein öffentliches Ausschreiben zu diesem Zwecke zu bewirken. Auch im Waldeckparke ist einem Unternehmer zum Ausschank von Milch, ins- besondere zur Erquickung für die dort spielenden Kinder, die Ge- jiehmigung erthetit worden. I» diesem Jahre läuft die Wahlzeit der Mitglieder und Mitglieder- Siellvertreter der E i n k o m m e» st e u e r- V o r e i n- s ch ä tz u n g s- K o in m i s s i o n ab. so daß für die VerivaltmigS- Periode 1. April 1898/1901 die Neuwahlen stattzufinden haben. Für diese Kommission sind von der Stadtverordneteii-Versammlung zu wählen 4347 Miiglieder und 963 Siellvertreter. während von der könial. Stenerdiretlion zu ernennen bleiben 3956 Mitglieder und 963 Stellvertreter. Die Buchdrucker der Norddeutschen Bnchdruckerei und Verlags- anstatt veranstalten am 13. Juni in dem gesperrten Lokale von Zimmermann, Lindeustr. 105, eine Jubiläumsfeier. Die Theilnehmer sind alle gewerkschaftlich organisirt, achten aber augenscheinlich wenig auf die Beschlüsse der Berliner Arbeiterschaft. Die Lokal-Kom- Mission. I. A.: Qskar Mahle, Prinzeustr. 8. Der Kapitalistenstaat, der doch schon so viel für die„Arbeit- geber" gelhnn hat, daß ihm zu ihim sonst nichts mehr übrig bleibt, ist dem modernen Baulöwenthuni immer noch nicht forsch genug. Die fragwürdigen Existenzen des Unternehinerlhums rasen. Aus Anlaß der gegenwärligen Lohnbewegung der Maurer, die darauf hinausgeht, einen Stniidenlohii von sechzig Pfennigen zu be- kommen, singt auch die„Baugewerks- Zeitung" ein herz- eriveichendrs Klagelied. Tie Polizei soll das Unmögliche leisten und die Streikbrecher noch energischer schützen, als bisher geschehen. WaS nützt es, so fragt das geiiannle Blatt, iveuu die Polizei nach vollbrachter That einige Rädelsführer herausgreift und abstraft? Die Geldstrafen bezahlt die Streikkasse und Gefängniß st rasen haben für dies« Elemenle nichts besonders Ab- schreckendes. Wenn das Blatt mit letzterer Behauptung recht hat, so beweist es damit nur, wie uotbwendig es ist, daß die Arbeiter ihr Leben derart erträglich gestalte», daß da? Gefängniß ihnen hinfort schlechter bekommt, als die jetzige„Freiheit", die darin besieht, sich im Sommer bis aufs Blnl abzuschinden und im Winter zu verhungern. Das sollte» die„Rädeissübrer" des Unlernehnierthums, um bei einem in Kapitalistenkreifen außerordcntlich beliebten Ausdruck zu bleiben, sich merken. Wenn der Staat wirklich so wahnsinnig wäre, die a»s- ständigen Arbeiter zu Ehren des Bangannerihums etwa rädern und hängen zu lasse», so würde auch damit die Situation nicht im ge- riiigsten„gebessert" werden. Tie brave„Staatsbürger-Zeitnng" hat mit Gretchens Mutter die Eigenschaft eines gar feinen Geruches gemein. Wie diese es jedem Möbel ansah, ob das Ding heilig sei oder profan, so wittert der ehemalige Ahlwardt-Monitcur manchmal an den Harm- losesten Orlen je nachdem entiveder Antisemitismus oder Philosemi- tismns. In ihrer letzten Nummer steht zur Veränderung zu lesen:„Der„Vorwärts" scheint neuerdings stark in A u t i s e m t t i s m u s zu machen. Er schreibt: Befremdliches Anf- sehen erregte es dieser Tage, daß beim Umzug der Baumivollfirma Friedläuder n. Maß von der Hciligcgciststr. 5 nach Bischosstr. 3 nicht weniger als vierzehn Soldaten vom Alexander- Regiment beschäftigt würben."— W o in dieser Notiz der Antisemitismus steckt, verräth das wunderliche Blatt leider nicht und daher niüffen wir die„Slaaisb.-Ztg." schon bitten. sich deutlicher darüber zu er- klären, wie wir zu der ziveifelhasleii Ehre kommen, gerade Arm in Arm mit ihr das Jahrhundert in die Schranken zu fordern. Vom Kaiser Wilhelm ll. Ueber die W o h l t b ä t i g k e i ts- bazare, die der„Vorwärts" so oft als schwiiidelbnfte EitelkeitS- Märkte gekeuuzeichiiet hat, soll der deutsche Kaiser sich absprechend geäußert haben. Wenigstens meldet der„Rheinische Kourier" aus Wiesbaden: „Als der Kaiser hier beim Besuch der Ringkirche vom Pfarrer Lieber hörte, daß ein hiesiger Bürger 125 000 M. für ein zu errichtendes Kemeiudehans gespendet hat, bemerktecr:„Das ist etwas Schönes, das ireul mich, das ist doch etwas ganz anderes als diese Bazare." Der Kaiser ließ keinen Zweifel darüber, daß ihm die Bazarivohlthätig- keit höchst unsympalhisch ist. Er erinnerte an ein Wort des ver- fiorbenen Geueralsuperintendenten Büchscl, der sich in drastischer Weise über diese Art Wohllhätigkeit ausgelassen hat. Bei dieser Gelegenheit sprach der Kaiser den Wunsch ans, daß auch hier der Versuch gemacht werde, protestantische Golleshänscr an Wochen- tagen geöffnet zu halten, womit man in Berlin gute Er- fahrnugen gemacht habe.„Meine Frau," so bemerkte der Kaiser, .hat ans ihrer eigenen Tasche Mittel zur Verfügung gestellt, damit an zwei Nachmillagen in der Woche der Organist spielt, und das hat viele Lente hcraugezoge». Ich habe Briefe gelesen von Frauen anS dem Volke, darunter auch solche von Frauen von Sozial- d e in o k r a t e ii, welche meiner Frau ihren Dank für die Ein- richlung ausgesprochen haben." Erst vor iveiiigen Wochen ging eine Notiz durch die gukgefinnte Presse, nach welcher das Oeffneii der protestant'schen Kirchen an Wochentagen meist erfolglos gewesen sei und vor acht Tagen klagte die„Deutsche Tageszlg." über die Gottlosigkeit:„Kein einziger Abendsmahlsgast meldete sich am Sonnlag nach dem Festgottesdienst in der Garnisonkiiche, obgleich von der Kanzel herab ans die nach- folgende Abendmahlsseier hmgeivieseii war,— ein Beweis für die Thalsache, daß der religiöse Sinn immer mehr im Volke abnimmt." Erivähiienswerth ist noch, daß der Kaiser den in einigen Kirchen aufgeführten Gratiskonzerlen Bedeutung beizulegen scheint und sich dabei auf Dankschreid»» von Frauen sozialdemokratischer Männer Erfahrung ist der sich noch stetig den die evangelische Kirche ans ausübt, heute bereits von kanni Wir haben bekanntlich nicht die geringste Ursache, dieser Kirche irgendwie zur Hilfe zu kommen, aber die hübsche» Orgelkonzerte find von uns für so harmlos gehalten wordeii, daß wir bisher gerne die uns vom Organisten zugesandten Hinweise abgedruckt babeu und dies auch in Zukunft mit Vergnügen thnn werden. Die Opfer, die uns etwa durch eine Bach'sche Fuge«ut- rissen werden, wollen wir in Seelenruhe preisgeben. Rntomateu-Gchdmnisse. Ein Kriminalmuseum eigener Art und eine seltene„Mülizsammliing" besitzt die Direktion der Gesell- schafl für automalischen Berkaus. Biermarken aller Brauereien und Kneipen, Unteilagsplatlen von Konsumvereinen und Kantinen, selbst aus der Rcichsdruckerei, Münzen aus aller Herren Länder, zurechtgehämmert, gefeilt, gebogen und gespalten, alles müssen die Kassen der Automaten stumm annehmen. Bei den Versuchen, stecken geblieben, Falschstücke oder auch ehrliche Nickelstücke heraus- zuhole», fallen dem Automaten auch Haarnadeln, Sireichhölzer, zerbrochene Mesfertlingen u. s. w. anHeim. Am ärgerlichsten für die Gesellschaft sind die Blechmarken, die eine Kollbuser Musikautoinateufabrik zur Bertheilung an Kellner anfertigen läßt, um ihre Automaten ohne Kosten zur Reklame spielen lassen z» können. Erfreulicher sind schon die österreichischen Zwanzigheller- stücke mit einem etwas höheren Werth als unsere Groschen, aber genau so groß wie diese. Die einfach zu dem Zwecke, die Automaten zu bestehlen, gefälschten Groschen haben wenigstens »> u-s Gute, daß sie den Betrieb der Automaten nicht stören, e�tMaS verbogene und fremde Stücke leicht thnn. Der dem n Spitzbuben folgende ehrliche Käufer kann dann nicht bedient werden. Wie schwierig die Herstellung von Automaten ist, geht daraus hervor, daß ei nicht weniger als 13 on Größe und Stärke verschiedene Groschensorten giebt. eine Thatsache, die selbst dem königlichen Münzwardein unbekaiiiit war und erst von den Feinmechanikern der Gesellschaft ermittelt wurde. 'Alle dreizehn Gröben aber muß der Automat durchlassen. ES läßt sich denken, daß da manches Ungehörig« durchschlüpft. Trotz aller Schwierigkeiten kommt aber nur eine Störung auf II 000 Ver- käuse. Welcher Umsatz durch die Automaten veruiittelt wird, läßt sich daraus ermessen, daß einzelne Apparate aus dem Bahnhof Friedrichstraße durchschnittlich im Tag 12 000 Fahrkarten verkaufen, an einzelnen verkehrreicheu Tagen noch mehr. Am Zoologischen Garten bringen«S die Automaten auf 8000 Verkäufe täglich im Turchf chnitt. Der Verkehr auf der Stadlbahn läßt sich ohne Automaten kaum mehr denken, es wurde schon an Raum für die erforderlichen Schaller mangeln. Den Schaden der Gesellschaft aus den Betrügereien schätzt diese auf 2500 M. jährlich. Von Zeit z» Zeit versenkt der Direktor der Gesellschaft feinen Vorralh falscher Nickelftücke an einer verschiviegenen Stelle selbst in die Spree, damit nicht von neuem Unfug damit getrieben werde. Das Berühren von Backwaarc« mit de» Händen sowohl in den Räumen der Verkäufer als auch im Haushalt oder im Wirlh- schastsbetrieb ist eine so heikel« Sache, daß man eS nur durch die stützt.. Nach uuftrer vermindernde Einfluß, das arbeitende Volk nennenswerthem Belang. alles ausgleichende Macht der Gewohnheit erklären kann, wenn jeder« iiiaun dieselbe dennoch ruhig hinnimmt. Nach der„Nalional-Ztg." scheint endlich ein Verfahren gesunden zu sein, durch welches dem beregten Mißstand abgeholfen werden kann. Eine Firma in Han- nover ist nämlich dazu übergegangen, dem Brote ein« Schale zu geben, wie die Wurst eine Haut hat. Diese Schale besteht aus einer Papierhülle, welche dem Gebäck in dem Augenblick straff über- gezogen und an den Enden zugebunden wird, wo dasselbe den Back- ofen verläßt. Beim Verbrauch reißt oder schneidet man diese Papier- hülle ab, ganz oder lheilweise, letzteres nalürlich»ur in dem Um- fange, wie er der Größe des abzuschneidende» Slückes Brot entspricht. Die erwähnte Firma hat ihre Idee durch Gebrauchsmuster sich schützen lassen. Tie ersten Werderschen Kirschen und Erdbeeren sind am Donnerstag Morgen gegen 2 Uhr früh, nachdem sie am Mittwoch Abend um 6 Uhr per Dampfer von Werder abgegangen waren, in der Dorotheeu-Markthalle eingetroffen und haben sofort lebhaften Absatz gefunden. An Kirschen sind nur erst gegen 400„Tienen", wie die bekannten Obstgefäße der Werderschen heißen, angekommen. Straßenbahnen. Die Gcoße Berliner Pferde- Eisenbahn- GeseiUchasl bat dem Magistrat einen Entwurf zum zweigleistgen Ausbau der Straßenbahn in der B-llealliancestraße zwischen Kreuz- berg« und Fidicinstraße zur Genehmigung überreicht.— Die Kontinentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen zu Nürn- berg hat nach einem Uedereinkoinmen mit der Grunderiverbs- und Bangesellschaft in Berlin den Bau und Betrieb der von dieser Gesellschaft geplanten elektrischen Straßenbahn von der Petersburger Straße nach Hoheu-Schönhaiisen, deren Genehmigung bei den zu« ständigen Behörden nachgesucht ist, überiiomiiien. Eine Erhöhung der SichcrheitSmaßregcln im Eisenbahn- Verkehr tritt mit dem 1. Juli d. I. für alle deutschen Eisenbahnen in kraft. Die Steigerung der Fahrgeschwindigkeit bedingt eine ver- mehrte Sorgfalt in bezng auf Jiifinndhaltniig des rollenden Materials. Tie bisher vorgeschriebene nur alle drei Jahre, bezw. nach der Ziiriickleguiig von 30 000 Kilonielern sich wiederholende Revision der Eisenbahn- Wagen bat sich als ungenügend erwiesen, so daß die Revisionstermine verkürzt werde» müssen. Bei dem vorzugsweise in Schnellzügen lanfeuden Wagenmaterial wird nunmehr die Frist vom 1. Juli ab sechs Monate, bei den übrigen Wagen dagegen ei» Jahr betragen. Nur für Güterwagen wird die bisherige dreijährige RevistonSpause auch fernerhin beibehalten. Recht unangenehme Erfahmugen hat das reiselustige Publilnm zu Pfingstni auf dem neu erbauten Bahnhofe Gesund- brunnen machen müsstii, Erfahrungen, welche die Freud« der Nord- länder an dem am I. Mai d. I. dem Verkehr übergebenen Bahnhof bedeutend herabgestimmt haben. Wie zu erwarten stand, mar auch hier der Andrang des sahrlustigen Publikums ein gewaltiger. Trotzdem unn in weiser Vorsicht drei Billetschaller ein- gerichtet sind, war doch nur ein Schalter geöffnet. an welchem einzig und allein die Fahrkarten für die Vorortzüge, sowie für den Fernverkehr der Stetliner und der Nordbahn verkauft wurden. Bor diesem Schalter drängte sich nun in wildem Chaos eine nach Hunderten zählende Menschenmenge und kämpfte um die Erlangung einer Fahrkarte. Nicht wenige der Fernreisenden, die sich glücklich bis nach vorn durchgearbeitet hatten, mußte» unverrichteter Sache wieder abtreten, da der fällige fahr- planmäßige Zug mittlerweile bereits abgedampft war, Fahrkarten zu diesem demzufolge nicht mehr erhältlich waren und solche für de» nächsten fahrplanmäßigen Zug noch nicht verausgabt wurden. Der Unwille des Publikums über derartig« Vorkommnisse ist wohl verständlich. Was nützt der ganze schöne Bahnhof, wenn man ihn nicht benutzen kann? Herr Harden bestätigt in einer Zuschrift an„Die Zeit", daß er am Tage der Freisprechung des Tausch das alberit«„Glückwunsch- Telegramm" an den Staatssekretär v. Marschall abgesandt hat. Nur will er kein« Ahnung davon gehabt haben, daß auch Herr v. Tansch in die Kneipe komme» würde, in die einig« Damen und Herren zu einem Trunk von ihm eingeladen waren. Danach haben die Herren v. Tausch und Harden am Freisprechungstage noch keine Brüderschaft miteinander getrunken. / VerzweiflnngSthat einer Mutter. Zu einer entsetzlichen That ! chat die Verziveiflung die Sattlersfrau Rosina Schaar getrieben; die * im Alter von 35 Jahren stehend« Frau hat mit zwei ihrer Kliider den Tod im Wasser gesucht. Frau Schaar, geb. Schulzke, stammt ans dem Kreise Rothenburg und war seit neun Jahren mit dem Sattler A. Schaar verheiraihet. Die Ehe, ans der ein achtjähriger Sohn Roberl und zwei Töchter, die sechsjährige Wanda und die erst acht Monate alle Elisabeth, hervorgingen, war unglücklich, weil der Mann in der Regel den Wochenverdlenst zum größten Theil vertrank. Seit fünf Vierteljahren wohnte die Familie im Hanse Dennewitzstr. 29.' Wiederholt beklagte sich Frau Schaar anderen Frauen aus dem Hanse gegenüber über ihren Mann. Sie mnßle schwer arbeilen, um durch Waschen und Plätten auch nur das Nöihigste für ihre Kinder und sich selbst zu erwerben. Am Sonnnbend gegen 7Vz Uhr sahen Hausbewohner, daß Schaar wieder betrunken nach Hanse kam, und horlen bald, wie er in seiner Woh- nung laut schimpfte. Dieser Auftritt hat wohl der Frau den letzten Anstoß zu ihrer Verzweiflungslhat gegeben.'Um 9V« Uhr sah man ste mit ibren drei Kindern meinend die Treppe hinuntergehen. Das kleinste Mädchen halte sie in ein Tuch eingewickelt und mit einer Schürze bedeckt, das älteste und der Knabe gingen hinter der Mutter her. Sie schlug den Weg nach dcm Landwehrkanal zu«in. Den Sohn schickte sie bald nach Hause zurück. er blieb nun beim Vater. Dieser wurde schließlich unruhig, als die Frau mit den beiden Kindern nicht wieder kam, und suchte NU» nach ihr. Die verzweifelte Frau war mit den beiden Töchterchen wohl geraden Weges in den Kanal gegangen und hat dort mit ihnen den ge- suchten Tod gefunden. Unter den zablreichen Leichen, die da? Wasser in den letzten Tagen wiedergab, befanden sich auch die der drei Opfer dieser Familientragödie; man lande!« sie an der Möckern- und Schöneberger- Brücke und der Schleuse im Thier- garten. So fand jetzt das Verschwinden der Unglücklichen«ine traurige Aufklärung. Von eiuem Radfahrer überfahren und schwer Ersetzt wurde gestern, Donnerstag. Nachmittag um 3 Uhr der 53 Jahre alte Arbeiter Dombroa'sky ans der Motzstraße Nr. 17 zu Schöneberg. Der Manu wollte von der Orauienstrabe nach der Jerusalemer Kirche hiniibergehe». Da kam von der Kommaiidaiileustraße her«in Radfahrer die Lindenstraße entlang gefahren, rannte Dombrowsky um und ging mit dem Rad über sein rechtes Schienbein hinweg. Ohne sich weiter um den Uebersahreuen, der laut jammernd aus dcm Pflaster lag. zu kümmern, jagte der Radfahrer nach dem Belleallianeeplatze zu davon und konnte daher nicht festgestellt werden. Leute, die dazu kamen, holten von der Wach« des 39. Reviers in der Lindenstraße einen Schutzmann, v.r den Verletzten nach dem Krankenhaus am Urban brachte, nachdem man ihn in eine Droschke gehoben hatte. Straßensperrung. Zwecks Umänderung von Geleifeankagen werden folgende Sieußen bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiler gesperrt: a) die Königstraß« zwischen Kloster- und Epandauerstraße, jedoch ausschließlich der beiden Kreuzdämme, d) der hohe Eteinweg. c) die Jüdenftraß« zwischen König« und Rathhausstraße. Außerdem wird die Demminerstraße von der Puibnserftraße inklusive des Kreuz» damms bis zur Swiuemünderstratze inklusive des Kren, damms bedufS Asphaltirung bis auf weiteres für Fuhriverke und Reiter gesperrt. DaS Befinden der nach dem Brande der Chemischen Fabrik vorm. Schering au Rauchvergiftung erkrankten sechzig Angebörigen der Feuerivehr hat sich im allgemeinen gebessert. Bei vielen hat sich Appetitlosigkeit und große Abnabme des Körpergewichts bemerkbar gemacht, so daß für sie eine längere Enlhaltuiig vom Dienst zn voll- ständiger Genesung nöthig werden wird. In einzelnen Fällt» bi- fürchtet man den Eintritt von Dienstuntauglichkeit. Ueberfall. Vorgestern gegen II Ubr abends wurde der Petri- straße 30 wohnende Kaufmann Heidenreich zivischen Bnrgstraße und Moikenmarkt von zwei bisher noch nicht ermittelten Personen über» fatlen und mit Messern oder anderen spitzen Gegenständen schwer am Kopf. Hals und Rücken verletzt. Ahlivardt n. Co. Der Reichstag?- Abgeordnete Nhlwardt wird, wie ein Berichterstaiter aus sicherer Quell« meldet, in aller. nächster Zeil in Berkin ein— Zigarrengeschäft aufmachen. Da er seidst belanntlich„nichts»ich haben darf", steht hinter ihm ein als wvhlhabend bekannter Gesinnungsgenosse. Der Rektor a. D. wird i» eigener Person Berkänfer sein. Selbstmord. Gestern Nacht gegen 2'/, Uhr inurde unterhalb der Marschaudrücke ein Mann ohne Rock und Kopfbedeckung im Wasser treibend bemerkt, der laute Hilferufe ausstieß, aber ehe ihm »och Hilfe gebracht werden konnte, unterging. Da am Treppen- geiänder ein« Mütze und«in Jacket vorgefunden wurden, scheint es ein Selbstmörder geivesen zn sein, und zwar nach dem im Jacket anfgefundenen Notizbuch der Tischler Franz P., der bisher in der Forsterftraße wohnte. Erhängt hat sich der 44 Jahre alte Schutzmann Echmag i» feiner Wohnung Liegnitzerstr. 7/8. Er soll seit längerer Zeit magenleidend gewesen sei». Im Laufe des gestrigen TageS fanden zwei unbedeutende Feu.r stall, daumter Iviederuin eins durch Selbstentzündung von Preßkohlen aus dem Kohlenplatze Greifsivalberstr. 162. Theater. Im Schiller-Theater beginnt setzt die Ausgabe neuer Abmmemcmsheste für das erste Quartal der neuen Spielzeit 1897/9«. Die AbonnenicntShefte enthalten S Eintrittskarten, giltig für einen beliebig zn wählenden Wochentag in vierzehntägigem Turnus. Jeder Abonnent hat Anspruch auf 6 verschiedene Vorstellungen. Wir werden ersucht, besonders darauf aufuierksam zu machen, daß für die nächste Spielzeit auch Logen- Plätze im Abonnement vergeben werden. Die neue Posse„Papa Nitzsche" von Walther und Stein kommt heute zur Wiederholung.- Eifrige Proben finden jetzt täglich im Z e n t r a l- T h e a t e r zu der am Dienstag, den Ib. Juni stattfindenden Premiere der fünfaktigen Komödie von Arno Holz „Sozialaristokraten" statt. Diese vielbesprochene Komödie ist, wie der Vcr- fasset in der Vorrede seines Werkes bekanntlich»littheilte, das erste Sttick einer geplanten grossen Reihe von Bühnenwerken, die, wie ihr Gesamnu- titel„Verlin, das Ende einer Zeit in Dramen" bereits andeutet, zusammen- gehalten durch ihr Milieu, alle Kreise und Klassen spiegelnd, nach und nach eiil umfassendes Bild unserer Zeit geben sollen. Ans de» Nachbarorten. Die Pavteigcnosscu von Tcmpelhof, Marietidorf, Lankwitz und Siidcnde werden aus die am Montag, de» 14. Juni, abends S'/i Uhr. in Südende im Lokale des Herrn Holtz, stattfindende Volks« verfaininlung aufmerksam gemachl. Es ist in dieser Ortschafl das erste Mal, daß ein Wirlh»ns seine Räume zur Verfügung stellt, also eine sozialdemokratische Versammlung staklsinden kann, und es bedarf wohl nur dieses Hinweises, um die Versamiulung zu einer stark besuchten zu machen. Das Referat hat der Abgeordnete des Kreises, unser Parteigenosse Fritz Zubeil übernommen. Alles Nähere am Sonntag durch Inserat und Plakat. Der Vertrauens- mann. NnS Rixdorf. Unter dem Verdacht, ein SiltlichkeitSattentat ege» zwei Kinder eines hiesigen Schnhmachermeisters verübt zu abe», wurde hier der Hausdiener Hermann®. ans der Böckhstrav« in Berlin verhaftet.— In große Belrübuiß wurde gestern eine in der Hermannstraße wohnhafte Arbeiterfamilie versetzt. Der Vater hatte»nvorsichtigerweis« ein Gefäß mit Salzsäure ans dem Fuß- boden stellen lassen und das st'/sjährige Kindchen der Eheleute trank davon. Obwohl ärztliche Hilfe schnell zur Stell« war. ist eS fraglich. ob das junge Leben wird erhallen werden können.— Ans unbekannten Gründen hat sich ein Satllermeister aus der Bergstraße durch Erhängen entleibt.— Wie segensreich die seit dem l. tzlpril dieses Jahres im ganzen Kreise Teltow eingeführte Fleifchschau wirkt, zeigt das Beispiel»msers OrleS. In den Monaten April und Mai wurden von den Thierärzlen als gesundheitsschädlich be< anstandet und aus polizeiliche Anordnung vernichtet: 14 Kühe, 1 Ochse, 4 Kälber, 6 Schweine, ferner 000 Lungen. 60 Lebern und andere inuere Organe in großer Anzahl. I» den Vorjahren wurden insgesammt höchstens 12— IS Schlachlthiere jährlich beanstandet und vernichtet. Der Gpvrtparl Friedenau-W'lmerSdorf hat der Eisenbahn« Direktion Anlaß gegeben, die Welt mit Breiter» zu vernageln. An Sonn« und Feierlagen sammelten sich auf dem Bahnhof WilmerS- dorf stets hundert« von Personen an, welche von dort aus den Rennen ans dem Sportplatze beiwohnen wollten und den Bahn- törper belagerten. Hierdurch entstanden nicht nur Unbeqncmlich. keilen für mitfahrende Passagiere, sondern es lag auch die Gefahr einer ernsteren Katastrophe nahe. Die Eisenbahn-Direktion bat nunmehr an der Seile des Bahndammes einen hohen Zaun ziehen lassen, welcher die Möglichkeit, den Sportpark vom Bahnhof a»S zu beobachte», vollständig beseitigt. Auf eigenthttmlicheiWcisc starb gester»«bend der Buchhalter Maaß aus Wilmersdorf un Komptoir des Spediteurs Kuaner, Wichmannstr. S. Am Echreibpulte sitzend wurde er von epileptischen Krämpfen befallen, taumelte gegen ein Fenster und fiel init dem Kopf« gegen die Scheibe, deren Scherben ihm die Schlagadern des Halses durchschnitten. Trotz sofort zugezogener ärztlicher Hilfe trat alsbald der Tod ein. In den Getreidefeldern beginnen jetzt die Kornblumen zn blühen. Da alljährlich beim Pflücke» derselben besonders in der Umgegend von Berlin die Felder vis tief hinein arg zerstört worden sind, so wird jetzt von de» Ackerbesitzern auf das Kvrnblnmenpflücken sehr scharf acht gegeben._ Gerichts"ittelf ttnge Ein Nachspiel zur Torganer Wahl beschäftigte gestern die 4. Slraskanuner hiesigen Landgerichls 1 Wege» Beleidigung des Ersten Staatsanwalts Knbe zu Toigau ballen sich der Schriftsteller Heinz Krieger, der Buchdruckereibesttzer Fe>di»a»d Stephan»nd der Oblihändler Karl Friedrich Lässig vor ber ßenannten Slraskammer z» verantworten. Der erste An« geklagte war Leiter der Wahlbeivcgiina i» Torgan, welche schließlich zun, Siege des sreifinnigenHerrnttnörke führt«. Am 18. März fand in Torgau die g>oßes Aufsehen erregende Genchtsverhanblung gegen die fünf Referendare statt, welch« dem Oberlehrer Nauendorf durch den Garnison-Rudileur Volley eine Herausiorderung zur Duellprügelei hatte« überbringen lassen. Die Verhandlung endete mit der Ber- urtheilung der Referendare zn je 3 Tagen Festungshaft, Nauendorf e-hielt eine Ordnungsftrafe von 10 M. Nach Beendigung der Gerichtsverhandlung verfaßte der Angeklagte Krieger für die sreisinnige Volkspartei ein Flugblatt, welches unter der Ueberschrtft„Oberlehrer und Referendar' die Ergebnisse jener Verhandlung in drastischer Form bebaudelti und zu Partei- zwecken zu verwerlben suchte Bezüglich des Garnison- AudilenrS Valley sagte da? Flugblatt:„Herr Volley befand sich nicht ans der Auklagebaak. Sei» Kollege im schwarzen Talar hat eS offenbar nicht im öffentliche» Jnlmffe liegend erachtet, den Kollegen im dualen Rock anzuklagen." Das Flugblatt schloß mit de» Worten:„Am 24. Mär, ist Reichslagswahl. Da wird dnS Bürgerlhum die Antwort«rtheilen auf dai Verhalle» der Herren von der besonderen Ehre." Der Angeklagte Krieger hatte dieseS Flugblatt durch den Angeklagten Stepban drucken und dnrch den Angellagten Lässig verbreiten lassen.— Der Staatsanwalt hielt den Inhalt des Flugblattes für schwer de- leidigend für de» Erste» EiaalSanwalt Kub«, dem der Vorwurf grober Pflichtverletzung gemacht werde. Der ganz« Inhalt sei gehässig n»d verhetzend und deshalb beantrage er gegen Krieger sechs Wochen Gefängniß. gegen die beiden anderett Angeklagten je 100 M. Geldstrafe. Angeklagter» r i e g e r bestritt enlschiebe» jedwede beleidigende Absicht. Das Duell habe in der Wahlagitation «ine große Rolle gespielt, die Gerichtsverhandlung habe in Torgau oroßes Aussehen erregt und deshalb habe er ihre Ergebnisse in durchaus maßvoller Weis« den Wählern vorgeführt. Er habe keinen Borwurf gegen den Ersten Staats« anwalt erheben. sondern nur die nackte Tbatfache lon- Paliren wollen, daß Hr. Volley nicht mit angeklagt war.— Justizrath Träger äußerte sich in ähnlichem Sinne, bestritt daS Vorliegen einer Beleidigung und beantragte deshalb die völlige Freisprechung Krieger's, eventuell aber nur eine gelind« Geldstrafe. Eine Strafbarkeit der beiden Mitangeklagten sei absolut nicht z» er« kennen.— Der Gerichtshof hielt den Inhalt des Artikels für be- leidigend und verurtheilte Krieger zu SO M.» Stephan zu 10 M., Lässig zu S M. Geldstrafe. Eine«»erwartete Areisprechnng wegen Störung des Gottesdienstes erzielten die beiden Glaser Karl Werdo und Ernst R o ch o w vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I. Am Abend des 17. Februar versuchten die Angeklagten durch die Sakristeithür der Heiligen Kreuzkirche Einlaß zu finden und wurde« durch einen Kirchendiener sortgewiefen. Bald darauf betraten sie durch eine offen stehende Thür die Kirche und Werdo mußte erst dnrch«inen Kirchen- diener darauf aufmerksam gemacht werden, die brennende Zigarre aus dein Mnude zu nehmen. Ausserdem ließen Beide ironische Redensarten fallen, die nach Ansicht des Staatsanwalts wohl in einer Kneipe, aber nicht in der Kirche angebracht waren. Gegen Werdo wurden vierzehn Tage Gesängniß bean- tragt. Der Gerichtshof berücksichtigte den angetrunkenen Znstand, in dem sich damals die Angeklagten befanden, und somit nicht dies Bewußtsein hatten, ob sie durch ihr unpassendes Benehmen eine Störung des Gottesdienstes veranlassen konnten. Die Aeußerungen waren nicht mit überlauter Stimme gefallen und wurden nur vom Kirchendiener vernommen. Da derartige Rück- sichtslosigkeiten noch nicht den Thatbestand der Störung des Gottes- dienst es erfüllen, wurde gegen beide Angeklagte auf Freisprechung erkannt. Mutter und Tochter befanden sich gestern auf der Anklage- bank vor der VIll. Slraskammer des Landgerichts I. Die Erster«, die bejahrte Wittw« Rosalie Streicher ist mehrfach wegen Ladendiebstahis vorbestraft. Sie sollte jetzt wiederum Laden- diebstähle aiisgesührt haben, und zwar in Gemein- schaft mit ihrer Tochter, der unverehelichten Marie Streicher. Die letzlere geberdete sich vor Gericht in einer Weise, daß auch ein Laie sie als geisteskrank erkennen mußte. Sie redete unter wirren Blicken und den heftigsten Bewegungen allerlei Unzusammenhängendes. Besonders häufig kam der Name„Haberstroh" über ihre Lippen,„dieser Schuft, der ihr alles, auch ihre Briefe geraubt habe", di«. sie wieder haben wolle. Der Vorsitzende, Land« gerichtsrath Reinecke, sah bald ein, daß mit der Unglücklichen nicht zu verhandeln war. Der medizinische Sachverständige begutachtete, daß die Slngeklagte das Opfer eines Polizei« beanrten namens Haberstroh geworden sei, der sie vergewaltigt habe. Derselbe sei dafür schwer bestraft worden. Seit dieser Zeit sehe die Angeklagte sich stets von diesem Haberftroh bedroht und verfolgt; sie sehe in ihm den Urheber aller ihrer schweren körperlichen und seelische» Leiden. Der Gerichtshof be- schloß, das Versahren gegen diese Angeklagte einzustellen und nur gegen die Mutter zu verhandeln. Di« letztere, welche von, Rechts- anwalt Dr. Schwindl vertheidigt wurde, erzielte mangels hinreichende» Beweises ein freisprechendes Urlheil. Unter der Anklage der KindesanSsessung stand gestern die unverehelichte NätherinzPauliu« Stolzen bürg vor der erste» Strafkammer des Landgerichts I. Unter den Anzeichen heftiger Gemülhsbewegung schilderte die Angeklagte, wie sie zu der rhr zur Last gelegten Straflhat gekommen sei. Eine früher gemachte traurige Erfahrung Hab« ihr nicht als Warnung gedient. Sie habe einen Bräntiganr gehabt, der ihr den Rücken wandle, als sie infolge ihres Umganges mit ihm im Oktober v. I. Mittler wurde. Sie hatte nun zwei kleine Kinder zu ernähren und redlich habe sie sich be- müht, dies während des Winters dnrch fleißiges Nähen zn bewerk- stelligen. Aber ihre Arbeit sei so schlecht bezahlt worden. Sie sei immer tiefer in Nolh gerathen. Am 27. Februar habe sie ihre Wohnung verlassen müssen, sie konnte die Mielhe nicht zahlen. Da sie ein- sah. daß sie außer stände war, beide Kinder, zu ernähren, habe sie sich an den ihr gestelllen Vormund gewendet mit der Bitte, doch den Vater zu veranlassen, ettvas für sein Kind zu thnn. Der Vor- miind habe ihr den Bescheid gebracht, daß von dem Bater nichts zu holen sei, derselbe verdiene in der Fabrik kaum so viel, wie er selbst zum nothdüritigsten Lebensnnterhall gebrauche. Nun sei die Angeklagte zum Waisenrath gegangen mit der Bitte, ihr Kind doch im Waisenhanse unterbringen zu wollen. Man habe ihr geantivorlet. daß dies nur in solchen Fällen geschehe, wem« die Mutler nicht zu ermitteln sei. Dies sei für sie ein unbeabsichtigter Fingerzeig gewesen. Am 27. Februar habe sie sich in einem anderen Hause eine kleine Stube gemielhet und dann mit ibrett wenigen Habseligkeiten die bisherige Wohnung ver« lassen. Vorher habe sie dem Bormund einen Brief geschrieben des Inhalts, daß sie geitöthigt sei, ihr jüngstes Kind in der allen Wohnung schutzlos und ohne Pflege zurückzulassen, da sie außer stände sei, für das- selbe zu sorgen. Sie schicke dem Vormund den Schlüssel zu der alten Wohnung mit und bitte ihn herzlichst, das Kind holen und im Waisenhause unterbringen zu wollen. Da sie ihre neue Wohnung vorläufig geheim halte, so sei sie als Mutier ja nicht zn ermitteln und di« ihr angedeuteten Boratissetzungen ersiillt. Die Angeklagte tiberivachle, daß Brief und Schlüssel anch von dem dazu beauftragten Knaben abgegeben tvurden; dann entfernte sie sich. Di« Frau des Vormundes beeilte sich, das hilflos« Wesen zn holen und nach dem Wnijenhause zu bringen. Di« Angeklagte berief sich ans eine Zeugin darüber, daß sie kaum eine Stunde nach ihrer Entfernung von der allen Wohnung sich wiederum in die Nähe derselben begeben und gewartet hatte, bis sie eine Hausbewohnerin traf, die ihr über das Schicksal ihreS Kindes Mitlbeilung mache» konnte. Auch wies sie nach, daß sie häufig, tvenn sie Arbeiten abzuliefern halte, ihre Kinder über eine Sttrnd« lang unbeanssicktigt in der ver- schlösse»«» Stnbe hatte zurücklassen müssen. Der Staatsanwalt hielt aus dem Zusammenhange aller von der Angeklagte» angeführten «nd erwieseneu Thatsachen nicht für dargetha», daß die Anaellagle ihr Kind in„hilfloser Lage" verlassen habe, was zum Begriffe der Kindesanssetznitg erforderlich sei, er beanlragte die Freisprechung. auf die der Gerichtshof auch erkannte. Auf eine Anklage wegen versuchten Morde» hatte sich gestern das noch niwl achtzennjährige Dienstmädchen Bertha Vi« big vor der IX. Strafkammer des Landgerichts I z» verantworte». Tie Angeklagte diente bei dem Schlächtermeister Feige und hatte sich dort einige kleine Unredlichkeiten zn schulden kommen lassen. Sie hatte der Verkänferi» Anna Borchardt ein Paar wollene Elrünipse und ein leinenes Hemd gestohlen und der Diebstahl war entdeckt worden. Ilm b März wurden die venrnßten Gegenstände hinter einem Schranke der Angeklagten vorgefunden und iveil letztere den Diebstahl bestrill, holte die Bestohlene einen Schutzmann herbei. Dieser gab ihr den Rath, nachmittags aus das Revier zn kommen und den Diebstahl zn melden. Als der Räch« mittag gekommen war. schenkte ihr die Angeklagte Kaffee«in, von welchem Frl. Borchardt die Häste trank. Dann inurde sie auf wenige Minute» in den Laden gerufen und als sie zurückkehrt« und de» Rest des Kaffees anslrtnken wollte, spie sie de» ersten Schluck sofort wieder ans, da er einen höchst widerwärtigen Geichmack hatte. Es war ihr sofort klar, daß in ihrer kurzen Abwesenheit die Angeklagte etwaS in den Kaffee gethan haben müsse. So war es denn auch; nas Mädchen Halle aus einem Fläschchen verdünnte Zuckersänre, wie sie im Haushalte zum Putzen von Metall verwendet wird, einige Tropfen in den Kaffee gegossen. Frl. Borchardt hat körperltche» Schaden durch diesen Zwischenfall nicht erlitten. Der Gerichtshof sprach die Angeklagte sowohl von der Anklage des versuchten Mordes als auch der versuchten Tödtnng frei. Zu einer Bestrafung wegen Körperverletzung fehlte ein Strasantrag und so blieb nur der Dieb- stahl übrig, den der Gertchishos mit 3 Wochen Gefängniß ahndete. Di« Strafe wurde als verbüßt erachtet. Der Prozeß Tappert-Kerr wird am 21. Juni zur Verhandlung kommen. Auf Veranlaffung des„Allgemeinen deutschen Musiler» verband«?", dessen Organ er redigirte, hat auch Herr Lackowitz die Klage gegen Herrn Kerr angestrengt. Di« beiden Sachen sind zu- fammengelegt worden. Wie da?„Kleine Journal' mittheilt, hat ferr Tappert auch gegen den Fenilletonredakteur des„Berliner ageblatt", Fritz Engel, die Beleidigungsklage eingereicht. Die Untersuchung«vider de» Kniistschiiyen Kriigcr ist bereits zum Abschluß gebracht ttitd dem Angeschuldigten die auf fahrlässige Tödtung lautende Anklage zugestellt ivorden. Die Haftentlassung wurde von der Beschlitßkainmer gelegentlich der Beschlußfassung über die Eröffnung des Haupverfahrens angeordnet. Der Untersitchttngs- richtet hatte einen diesbezüglichen Antrag Krsiger's wegen Flucht- Verdachts abgelehnt, die Beschlnßkamnier ivar jedoch der Ansicht, daß die Höhe der zu erwartenden Strafe einen Fluchtverdacht nicht rechtfertige. Wegen öffentlicher Beleidig, ing deS Fuft-Gendarme» Donath in Nixdorf hatte sich der 67jährtge Produktenhändler und Eigenthümer Ernst Pfändt vor dem Rixdorfer Schöffengericht zu verantworten. Wie wir berichteten, ist Pfändt erst kürzlich zu 200 M. Geldstrafe verurtheilt worden, weil er zivei Rixdorfer Gendarmen ans offener Straße des Meineids bezeichnete und ganz das gleiche Vorgehen wurde ihm diesmal bezüglich des Gendarmen Donath zur Last gelegt. Nach der Bekundung des genannten Gendarmen trat Pfändt am 2. Februar d. I. am Amtshause vor ihn hin und rief:„Ich'verde Ihnen den Meineid schon beweisen! Sie können mich ruhig anzeigen, da mache ich mir einen— draus, das können wir noch bezahlen." Pfändt bestritt, diese Aeußerung gethan zu haben, wurde aber für schttldig erachtet und zn 300 M. Geldstrafe,-v. 60 Tagen Gefängniß verurtheilt. Für zehn Pfennig Salz. Ein Gerichtsberichterstatter schreibt: Gegen einen neuen Schwindel im Verkehr mit Nahrungsmitteln wird seitens der Polizeiverwaltiingen mehrerer Vororte jetzt energisch vorgegangen. Es handelt sich nämlich um betrügerische Manipula- tionen beim Verkauf de? unentbehrlichsten Nahrungsmittels, des Salzes, der Butter der Armen. In den Arbeitervierteln Berlins und der Vororte hat sich seit einiger Zeit bei vielen Kolonial- ivaarenhändlern und Materialisten die Gepflogenheit herausgebildet, das Salz in Düte» abgewogen vorräthig zu hallen. In der Regel fordern die Käuferinnen„ein Pfund Saiz!"—„Schön meine Dame", oder„Schön gnädige Frau!"— erwidert der Verkäufer.—„Nicht wahr, für 10 Pfennig?"—„Ja!" sagt die Käuferin in der Meinung, der Verkäufer habe nur ihren Wunsch noch einmal präzistren wollen, denn seit Alters her hat das Pstttid Salz stets nnr 10 Pf. gekostet. Wiegt aber die Käuferin das Salz zu Hanse nach, so hat sie nur 440—480 Gramm in der Düte. Jetzt geht sie nun zum Krämer zurück, und beklagt sie sich über falsches Gewicht, dann wird ihr gesagt:„Ich habe Sie ja noch extra gefragt, ob Sie für 10 Pf. Salz wollten und Sie haben Ja gesagt. Für 10 Pf. giebt es aber nicht mehr, dem, das Pfund Salz kostet 41 Pf. Derartige Fälle sind vielfach zur Kenntniß der Behörden gelangt, weil die Käufer sich für betrogen halten. Die Frage soll nun gerichtlich cnlschicden werden. Thatsache ist, daß reelle Kauflenle für 10 Pf. stets ein Pfund Salz liefern, waS anch möglich ist, da sie daran immer noch 25 pCt. verdiene». Thatsache ist ferner, daß diejenigen Verkäufer, welche 11 Pf. verlangen, mit dem höheren Preise stets nur Heransrücken, wenn der Käufer das Manko vom Gewicht festgestellt hat. Die nnscheinettd harmlos hingeworfene Frage:„Sticht wahr, für 10 Pfennig Salz?" wird zwar seitens der Verlänfer für ein Schutzmittel vor den Strafen des Betruges angesehen, vor den Richtern dürfte aber unter den begleitenden Umständen ein solcher Einwand nicht durch- schlagen. Die Verkäufer haben gewöhnlich säimntliche Maaren mit Preisnotizen versehen, das Salz aber niemals, und bei diesem ist es recht nothwendig, eine Abweichung von dem üblichen Preise bekannt zu geben. Beim Amtsgericht II schweben bereits mehrere Verfahren dieser Art, über deren Ausgang wir berichten werden. Vevsn mnrlmrZen. Charlottenbnrg. Am 2. Juni fand eine von der Gewerk- schafts-Kommission einberufene öffentliche Versammlung im Lokale „Bismarckshöhe" statt, in der Genosse Wagner, Berlin, über: „Die Gewerkschaftsbewegung der Zukunft" sprach. Zt»brtt«r-Ri>no->t>»»l> verll»« und Nmnea«»».«orfisseuber«d. Slenmann, Echrocdensir. 13, v. i Tr. SIII« Aendernnge»>»1 Vereinikatinder sind iurichte» an ftritbrtd)» a 1 1» m. ffllniitniffcltlv 49, o. s lt. Kund d»t»«feltis»» A> b»tter»»trt>>» Perlin»«»> der ZI»>»»?»>>> Vor- fitzenbev P. Beut, TrcSd-n-isir. lor/ios. SIN« Zuschriften, den«eretn«lalender belressend, find an H. Vendtk, Aterandrtnenslraßs loo, zu richten. Briefkasten der Redaktion. Kissing. Ueber das Jubiläum haben wir in ber ersten Beilage von Nr. 123 berichtet._ Wetter» Pragusse für Freitag, de» 11. Jnni IsstK?. Ein wenig kühler, theils heiter, theils ivolkig bei mäßigen nördlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. DkMer WNliettkr-Vrrdilnd. (Zahlstelle Berlin.) Heute Freitag, II. Juni, abend« tt'/z Uhr, bei Oolrn, Benthstr. 20» Sitzung der Ortsverwaltung. m/n Markenausgabe vor der Sitzung von«— 8»/, Uhr.__ !»>>r den Inhalt der Inserate nbernimint die Redaktion dein Pnblikiim gegenüber keinerlei Aerantwortnng. Theskev. Freitag, den 11. Juni. Neues kgl. Opcrnthcater(Kroll). Tannhäuser. Schauspielhaus. Cariolan. Deutsches. Die Weber. Berliner. Des Meeres und der Liebe Wellen. Lcssing. Die Geisha. Schiller. Papa Nitsche. Neues. Trilby. Thalia. Rothe Zettel. Westen. Der Wildschütz. Friedrich- Wilhcluistädtischcs. Lehmann's Kriegs-Abentener im Orient. Belle-Alliance. Konstantinopel. Oftend. Unsere Reichspost. Residenz. Dckorirt(Osoorö). Sllexandcrplah. Die versunkene Glocke. Morituri. Die Geisha. Bolls. Auf eigenen Fühc». Apollo. Venus aus Erden. Passagc-Panoptikni». 500 Sehenswürdigleiten. Zwei Riesen- Jl- lusionen. SriiilleiHTtzesskev (Wullncf-Xhcatcr). Freitag, abends 8 Uhr: Papa Nitsche. Sonnabend, abends 8 Uhr: Das Stiftnngsfest. Ostend-THertter. Gr. Franlfurtcrstr.lüL. Dir. C.Weift. Heute und folgende Tage: Unsere Reichspost. Volksstück mit Gesang in 4 Akten v. Kneisel. Musik v. C. Schüler. Anfang 7c/z Uhr.— Im Garten: Gr. Spezialitäten-Vorstellung, Konzert, Theater. Hugo Schulz, Jnstnimentol- Komiker. Ansang 5 Uhr. Volks-Theater 31. Reichenbergcr- Strafte 31. Sommer-Saison. Abends 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Auf eigeneu Nßen. Gesaugsposse v. P o h l u. W i l k e n, Musik von A. Conradi. Bor der Vorstellung von KV- Uhr, Sonntags BVj Uhr: Garten-Konzert. lS,,!«,.. Wochentags 30 Pf. bis 3 M. UlMtt» Sonntags 50 Pf. bis 3 M. Olympia im Btlle-Allmce-Tlleltter Belle-Alliancestrasie 7/8, 8V- Uhr: G. Ottnvi s Konstantinopel. Große orientalische Ausstattunas- Pantouitine in. gr. Ballet in 8 Bildern. Borzugsbillets habe» wieder Giltigkeit. Apollo-Theater und Konzert-Garten. Auftreten des»nerreichten Humoristen Otto Reutter mit seineu aktuellen selbstverfaßten Kouplets. U? m O Uhr: Neuns uuf Erden. Burlesk-phantastische Operette m.Tanz in 1 Akt von Bolten-Bäckers. Musik von Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Direktor I. Glück. Ferner Auftreten v. Spezialitäten ersten Ranges. Kalsenüssunng«V. Uhr. Konzert 7 Uhr. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. V. Moack's Theater Brunncn-Strasse 16. Täglich: Konxerf, Theater- und SMUlitM-VorMW. Aenncheu vom Hofe. Schwank in 1 Akt von Jacobsohn. Novität! Die �irkugfte. Novität- Operette in 1 Akt von E. Fclsch. Musik von Fritz Baselt. Im Saale: 'aßf Grosser Ball. tai« Wette«(äW0Ä'"n) Schiller-Theater(Wallner-Theater) Berlin O., Wallncrtheaterstr. 35. Zlugenehmer Zlufeuthalt 'ftir Jung und Alt. Bereinc» wie Gesellschaften eni- pschle ich den Garte» zur Beranstal- lung von Soinmerfeften tc. unter wulanteste» Bedingungen. A)5vb B. Hlefhe, Reftanrateur. Schweizer Garten Am F.önigsthor n. Friedrichshaln. Wich! Täglich! 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Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Entree»v Pf. Im Vorverkauf sind Billets a. 40 Pf. und Familien-Billets ä 1 Mark (für 3 Personen giltig) zu haben. (Siehe Plakate.) Jeden Sonntag u. Donnerstag nach der Soiree: Tanz-Krättzche«. �Teuerversiehernug. Eine alte deutsche Feuerversicherung sucht bei hoher Provision gewandte Personen als Vertreter. Off. ,,G. 812" bes. Max Gerstmann, Potsdamer- straße 128._ Achtum! Maurer. Achtung! Hente, Freitag, abends 8 Uhr, in Kellers großem Saal, Koppetlstrasje Nr. 39: Srosse öffentliche Generalversammlung der Maurer Berlins und Unigegend. Tages-Ordnung: 1. Wann gedenken die Kollegen unsere Forderungen durchzuführen? 2. Diskussion und Verschiedenes. Kollegen! Jetzt heißt es, mit Ernst zn überlegen nnd zn entscheiden, was znr Berbessernng unserer Lage gethan werden kann. Erscheint darum recht zahlreich, damit Ihr Euer Wort mit in die Wagschale legen könnt! 280/19 Die Liohnkonuiiission. Puhlmann's Vatnjeville-Theater Schönhauscr Allee 148, Kastanien-Allee 97—99. Täglich; Mannschaft an Bord. Komische Operette in 1 Akt. Aniella Bland. Verwandlungs- Soubrette. Paul Petras, Gentl. Jongleur. Jlartinlns, Gcsangs- u. Tanz-Duettisten. Darhariaa, Ballet-Ensemble. Zll�-�i Dran», Kostüin-Soubrette. Gehr. Harry und William 4 atonre, Piccolv- THeater. Geschw. ZZorl«;, die PlaiplteN d. Luft. Arthur llartin, Humorist. Fittie Charles, Lawinensturz. UfetKclty Troupe, Miniatur-Akrobaten. Im Saale: Baii» Anfang 41/2 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 30 Pf. Kenzertliaue Sanssouci, Kvttbnserstr. 4 a. Jnh. H. Pierry. Täglich: Gr.Ilieater- u. Spezialitäten- Vorstellung im prachtvoll renovtrten 1500 Personen fassenden Garten. llllllLius-ilnii ,1.IkÄe üu llouse ». f. w. Passe-partouts haben an den Wochentagen Giltigkeit.— Familien können Kaffee lochen._ Concordia Variete-Theater _ Rrnnnenstr. 154. ÜBS?- Jeden Sonntag: Grosse Theater- und Spezialitätea-Vorsteiinng. Immer neues Programm. Ansang 6 Uhr. Entree 30, reserv. 50 Pf. Uap- Jeden Donnerstag:"TMS Familien- Abend. Gr. Theater- Vorstellung. Ans. 71/2 Uhr. Entree 25, reserv. 40 Ps. Der Sommergarten ist nebst Kaffeeküche geöffnet._ Beiclisgarten Friedenstrasse SO (Ecke B ü s ch i n g st r a ft e). Täglich: Growes Frei-Konzerl. Tie Kasfeetiiche ist täglich, auch Sonntags, von:i Nhr ab geöffnet. H. KoslowsUy. i5®" Ostbahn�Park | Rndersdorferstr. 71. Am Küstriner Plaft. Theater- und 8peiiAiitäten-Vor8teifung. M Garten-liion-iert von der 30 Man» starken Hanskapelle u»ter Leiwiia des Musikdirektors Herrn Otto GOrner. Kassecküche 3 bis 5 Uhr.— Volksbelustigungen aller Art. 4 Kegelbahnen. Vinte Bierc, ausgezeichnete Knche. Eiltree: Wochentags nur 40 Pf. Sonntags' 30 Pf., Kinder 10- Pf. H. Jmbs. ib Brauerei-Ausschank der Brauerei Stralau) Oeconomie: Dirkholz«V Mittag. Jeden Sonntag und Donnerstag: Theater- nnd Spcieialiäten-Vorstellnng. "Garten-Konzert der 20 Mann starken Hauskapelle. Im Saale: Grosser Dali bei gänzlich freiem Entree. Sport- und Ruderboote in gr. Auswahl stehen zur Verfügung. Hafreckiichc v. 2—7 I hr. Volksbelustigungen jeder Art. 2 verdeckte Kegelbahnen. Hä Gute ßiere, aus- j gezeichnete Küche zu soliden Preisen. Birkholz& Mittag. R. F. Mittelstadt, Berlin Brnnnenslr. 152. In Fl. Wk.o.60.1�0. sistt Im Ausschank und in Flaschen überall zu haben. Fliesenleger Berlins und Umgegend. Am Sonntag, den 13. Jnni 1807, mittags 12 Nhr. im Lokale des Herrn Hoflmann, Alexnnderstr. 27c: Oeffentl. VerlÄnnnlung. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung des Bureaus vorn 9. Mai. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Mp- Zur Deckung der Unkosten findet Tellersnnirnlung statt. Um zahlreiches Erscheinen bittet Ter Bertrauensmaun. zentrill-Krallkell- n. Sterlicksse der deutslhen Wilgenbllllcr. (Eingeschriebene Hilsskasse Nr. 8.) Sonntag, den 13. Jnni, vormittags 91/2 Uhr, im Kastanienwäldchen, Badstrafte Nr. 16: AT der 5. WahlÄbtheilnng, bestehend aus den Bezirken II, III u. VI. Tages-Ordnung: Wahl der Delegirten zur diesjährigen General- Versammlung.— Es ist unbedingte Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu er- scheinen.— Mitgliedsbuch legitunirt. 253/10 Die Ortsverwaltungen der Bezirke H, III«. VI. Verein deutsch. Schuhmacher Filiale V. Sonnabend, 12. Juni, abends SV; Uhr, Roscuthalerstr. 57: Bersaiiiinlung. Freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins. Tonntag, den 13. Jnni, vormittags 10 Uhr: By8i%Sieden«¥ersamm3ung im Lokale des Herrn Wllke, Andreasstrafte 26. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskusston. 3. Bercinsangelegcn- heiten und Verschiedenes. Neue Mitglieder werde» aufgenoimneu. 31/9 I. A.: Fritz Krüger, Kleine Markusstr. 4. V erein der Eauanscbläger Berlins u. Umgegend. General-VersammBung am Sonntag, 13. Jnni, vorm. 10 Uhr, bei Bnske, Grenadierstr. 33. Tages-Ordnung: 33/18 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Wahl von Kassenrevisoren. 3. Vor- standsaiitrnge. 4. Antrag des Vergnügungskvmitees und Antrag Marx. 5. Verschiedenes und Fragekasien. Der Vorstand. KB. Die diesjährige Landpartie findet am Montag, den 19. Juli, nach Beelitzhos statt. Zu recht reger Betheiligung ladet ein Das Komitee. Achtuttg! Achtung! Sonntag, den 13. Juni, vorm. 10V- Uhr. im Lokale des Herr« Dnske, Grenadierstrafte Nr. 33 s Wntl. VechmlW her Ttaaktt BcrlillS Nil lwgegtnll. Tages-Ordnung: 1. Bortrag über: Die diesjährigen Verhältniffe und Bewegungen im Baugewerbe. Referent: Th. Fischer. 2. Diskussion. 3. Beschlußfassung über die in der letzten öffentlichen Versammlung vertagte Resolution. 4. Verschiedenes. 2523h__ Der Einberufer. TischlerUerein. Sonnabend, 12. Juni, awlds S'li Uhr, Mellhisrstr.13: pflir VerfAtNlnlnng. Tages-Ordn u n g: Vereinsangelegenheitcu und Ausgabe der Billets zur Dampferpartie ain 18. Juli.. 198/20 Der Vorstand. Achtung! Putzer. Achtung! Sonntag, den 13. Jnni 1897, vormittags Punkt 11 Uhr. im Lokale Arminhallen, Kommandantcnstr. 20: IW- Mitglieder-Versammlung lü i des Zentralverbandes der Maurer Tentschl.(Zahlstelle Berlin I). Tagesordnung: 1. Besprechung über Beschlußfassung zur Einführung des Achtstunden- tages. Referent Kollege Sllberschmidt. 2. Besprechung über Rechts- schutzangeleqenhcitcn. 3. Vereinsangelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 134/18 Die. Ortliebe Verwaltung._ Facbv. der Klusikinstrumenten- Ärbelter. Sonnabend, den 12. Jnni, bei Helfer, Oranienstr. 5i: IM" Versammlung."WW Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Wolhcim über:„Die Luft und ihre Verflüssigung". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 142/17_ Der Vorstand. Achtuug! BgNrbeiter. AAung! Sonntag, den 13..innl, vormittags 11 Fhr, im Tille des Herr» Ttaberuolk, Jttselstratze IO: MtglledSi'- V«K'8»n»»»1«ng. Tages-Ordnung: 32/18 1. Vortrag des Kollegen Gntseh über:„Warum organisiren wir uns"? 2. Diskussion. 3. Wie gedenken wir unseren Arbeitsnachweis zu regeln? 4. Versckuedcncs.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. Zentralverband der Zimmerlente Deutschlands(Zahlsteile Berlin). Am Sonntag, de» 13. Jn»i Itzi!)?, vormittags lOVa Uhr, in de»„Arminhallen", Komiuandantenstraße 20: (BimevQl- VersÄzntnLung. Tages-Ordnung: 1. Sieuwahl der Agitationskommission. 2. pteuwahl des Ausschusses. 3. Das Hochstaplerthum im Baugewerbe. Referent Genosse Hillarg. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erschein«» aller Kameraden nothwendig. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 254/13 Der Vorstand. Achtttttg5 Hierdurch theile ich allen Leserck des„Vorwärts" mit, daß icki Lübecker- straße 19 ein Weift- und Bairisch- Bier-Lokal eröffnet habe. 2522b Gottfried Kurz, Gastwirth. ü Wiersing's AU Iii 1 Restaurant, Garte»! livuui J.i uub Ball-Salon, Knesebeckstr. 77. Hcrmannstr. 87. Jeden Sonntag iin Garten: Gr. 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