\J berliner-Organ bar Vmbftänmen SojMörmofrotfe S)eutfcf)lanbs Sie Urheber des Weltkrieges. Einzetpreis IS pfg � Jahrgang 2 Mttttvdch, öen März Nummer 732* Abenö-flusgabe >«-.> A»«.»»»»*m Qaw t*. feto.■ Snm«»«. m l BeStiet Xfci*�>.11■■•um--trrMhir»' T.V kM. !• k kB«9m na«t>�*» OBSwtnsa.lie» HB Ot_f— ag»gfi:—©rft'« N»»«(CiffbatirrSam»,«« 1U, Ma&xtitm A«?«srd«» 3H»a mt 2tMHB «Mw« Mln>«fc nwircw�yr-» Hk tmnSam„Pf. Ku OfK(0 p».»•» lv»B» Pt-<.«-un«;z>iIÄZg»C% SB �amihciB«B WIH Ss» KuI�I«! ort iO'rralf für öt« tc:cof. leiCMiMa Ca*«fcgea-ptortin* t»» Ubr s« ungarischen Botschafters in Berlin, Grafen S � L g y e n y- M a r i ch, die an das Austvärtige Amt nach Wren adressiert waren. Die erste lautet: B e r l i«, 2S. Juli 1914. Hier herrscht allgemein die Ueber- zeugung, daß Serbien das Ultimatum zurückmetseu wird und wir safert mit der KriegserklSrung und dem Beginn de? FeldzugeS antwaetrn müssen. Wenn sich auch eine andere Macht einmengen sollte, so ttnnen wir trotzdem den Feldzu« nicht mehr verzögern. Mn» rät mir dringend, wir sollen zu handeln beginnen, um die Wc>t vor ein« a b g e s ckl» s s e n e Tatsache zu kellen. Die zweite Depesche lautet: Streng- erteaulich. Rummer 397. Berlin, S7. Juli 1914. Ter deutsche StaatssekretSr bat mir unter Geheimhaltung mitgeteilt, daß an Exzellenz wahr» schrinlich in kurzer Zeit ein englischer BermittlungS» Vorschlag eintrrsfen wird. Der deutsche Regierung erklärte ans das bestimmteste, daß sie an dieser Aktion über« tz a u p t nicht teilnehmen wird, und protestiert da» gegen, daß dieser Bermittluilgsantrag berück. sichtigt werde. Man teilt mir dies bloß deswegen mit, weil es die englisch« Rcgiernng s» wünscht. Die wiedergegvbenev Depeschen gehören zu den wich- tigsten Dokumenten, die den Ursprung des Weltkriegs auf- decken,•�■e nxiscn unzweideutig daraui hin, daft die Ur- Heber des Weltoerbreä�ens in Berlin saßen. VeslSUtzle Seelengemelnschafk. Tie Gorde-Kavallerie-Schützen-Division schreibt dem „Vorwärts": .In Nr. 129 der»Freiheit" wird der ReichAvehrminister NoZie angepritfcn, weil er zur Hoück«vunse- hemmt werden. Und däher die täglich höher steigende Schlammflut in den Svcklten des..Vorwärts". Uns schadet das nicht viel. Wir wissen, daß der„Vor- wärts" und daher zum Teil seine Wut— in der Berliner Arbeiterschaft fortgesetzt seinen Boden Sediert und daß seine Haltung in den letzten Wochen auf starken'Widerspruch seiner Leser gestoßen sst. Aber das Bedenkliche ist. daß dise Hetze des�„Vorwärts" Wasser aus der Mühle' der Reaktion ist. Er stärkt damit den Söldner- Militarismus, hetzt einen Teil der Arbeiterschaft gegen den anderenl und erleichtert damit alle gegen- revolutionären Bestrebungen. Es ist übrigens manchmal trotz alledem belustigend, Was für Argument» der„Vorwärts" in seinem Kampfe gebraucht. Jetzt macht er uns dafür oeranttvortlich, daß die Streiks und Unruhen, die wir schüren, die Aufmerksamkeit des deutschen Volkes von den Vorgängen im A u s l a n d e ablenke. So beackfte dos deutsche Volk gar nickt, daß Italien fremdsprachige Gebietsteile für sich in Anspruch nimmt. Der„VoM'ärtS scheint da eine neue Walze ein» legen zu wollen, auf der die Melodie abgespielt werden soll: für einen schlechten Frieden ist nicht der verlorene Krieg, nicht die elende Politik der Regiernngssozialisten. die nicht eimnal ihre kompromittiertcstcn Leute den Interessen der Notwendigkeit der auAvärtigen Politik zum Opfer bringen wollten, nicht der Ententekapitalismus schuld, sondern die Unabhängige Sozialldemokratie, die bekanfttlich immer die Kriegspolitik der Regierung unterstützt, damit zur Kriegs- Verlängerung sehr viel beigetragen und so die Katastrophe rmt herbeigeführt bat. In Wirklichkeit bedauern auch wir, daß das deutsche Volk so wenig Ausmerkiamkeit auf die auswärtigen Dinge venvenbet und sich darin heute noch genau-so von der Re» gierung gängeln läßt, wie nur je vor und während des Krieges.. In derselben Nummer deL„Vorwärts" findet sich die Wiedergabe von Verlmnblnngen der Waffenstill» ttandskommission, die allerdings einige sehr interessante Momente zeigen. Der deutsche Vertreter. General von H a m m e r st e i n, erzählte da den Alliierten stolz, daß sich die Lage im Osten verbessert habe. Die deutschen Truppen hätten weitere Fortschritte gegen die Boischewisten gemacht. Und er bat die Alliierten um gewisse Erleichterungen, um erfolgreicher vorgehen zu können. Und er suchte weiter den Alliierten klar zu machen, daß sie ihren Einfluß auf Polen benutzen sollten, damit auch die Polen gegen den Bolschewis- mus aktiver auftreten. Es ist allerdings eine etwas kompli« zierte Politik: Auf der eine» Seite sind die B a l» n bekannt«. RS unTete e! tt e,(»paen?>?p niSt irntp AreftrTfTtie geworben werden können, auf der anderen Seit? wollen ne Äs unsere Vundesae Nossen aeaen die Bolicbewiki kämpfen. Ter Vertreter der Alliierten, Generai N tt d a n t. war aber non di.m Boischiaa iedr befriediat. Es sei bereits ein franiöm'cher General nack WariMau entsandt worden, der die Aufaabe Irabe, den Widerstand an der Ostfront zu orna- nisieren. Die von ihm verfolgten Ziele stimmten mit denen der deutschen Regierung über- ein und es sei zuchoffen, das! in Kürze der Zweck erreicht werde, eine Schranke gegen das weitereEindrinaen der B o l s ch e w i st e n zu errichten. J So organisiert die deutsche sozialistische Regierung als Beaustragter des Entcniekavitqts den Krieg gegen-das Sowjetrußland. Vergebens fragt man sich, was dieser Krieg denn eigentlich bezwecken soll. Der vorgegebene Grund, dos Eindringen de? Bolschewismus zu verhindern, ist genau so erlogen wie die Kriegsvorwände der alten Regierung. Die Bolschewiki sind weder wirt- schaftlich noch militärisch in der Lage, einen solchen Krieg zu fübren. Ter Krieg wird auch gar nicht auf deutschem Loden, sondern auf dem des ehemaligen ruffischen Reiches geführt. Wäre der anaeaebenc Grund bor wirkliche. mük?te die Sraanisiernno eines Grenzschubes ausreichen. Die wirkuchcn Gründe und anderswo zu suchen. Einmal wollen die Militärs den Krieg. Sindenburg und das Grohe Gauvtanartier muff keine Beschäftigung haben. Tann liegt der Krieg im s>ntp'-nsse der baltischen Barone und wir haben erst kür?',«» gezeigt, welche sozial-reaktionäre Zwecke die deutsche Regierung in den Ostseevrovinzen be- treibt. Tie militaristikchen und reaktionären Kreise be- nünen>0 die sinnlose Angst der Regierunossozialisten vor bolschewistischen Angriffen, um ibre Politik ibren Zwecken dienstbar zu machen. Und dasselbe tut der Entente- k a p i t a l i s m u s. der setzt in dem„sozialistischen" Deutschland leinen Vorkämpfer leben kann. Eine vemünsiige auswärtige Politik wäre bereits längst sowohl mit Riiffland alS mit Polen zu festen Ab- kommen gelangt. Die sogenannte soziolistische Regierung muffte zur Einstellung des Krieges gegen Polen erst durch die Entente gezwungen werden und führt den Krieg gegen Riiffland weiter im Austrage und im Interesse der Entente Ein Krieg, der volitisch die Gefahr und Er- starkuna des Militarismus in'ich schließt und wirt- schaftlich außerordentlich schwere Opfer kostet. Ein Krieg, der durch Verbandlungen beendet werden könnte. Aber von diesen Verhandlungen ist keine Rede und alle Anstrengungen der Regierung gel)e»» dahin, von der Entente die Erlaubnis zu erwirken mit noch größeren Mit- teln den Krieg fortsetzen zu können. Wir haben affo auch allen Grund, zu bedauern, daß das deutsche Volk den auswärtigen Dingen zu wenig Interesse entgegenbringt. Sonst wäre allerdings eine Politik unmög- lich. die in den auswärtigen Angelegenheit in nicht geringe- rem Maße den proletarischen Interessen wideifpricht als in öer inneren. I-r Ncktritl von G?rlachs. In Ergänzung unserer Mitteilung über die Gründe des Rücktritts GerlochS. sowie im Hinblick auf Vernickle der bürgerlichen Presse, dem Rücktritt unrichtige Motive«ignlnde zu legen, geben wir nachfolgend eine Aus- lassuna GeAachs darüber wieder: «Tie ersten Meinungsverschiedenheiten zwischen mlr und dem preutzifthen Mimstcnum ergaben sich in drr Polen- frag,. Anmng Januar, als nach dem Ausscheiden der unabhängige» ©ozialbcmpftaiui aus tem TAmsUrium ein auS�esprvche» tiiw Kurs gegen die Pole n cingesch.'agc» wurde, und man auf die bisher von mir befürivorleten Vrrsiän'oigungSversuche ganz verzichtete ES wurde jedoch zwischen dem Minister Hi rsch und mir vereinbart, daß ich auf die Bearbeitung der Polensache»er- zichreie. Ich verblieb damals im Ministerium, weil sich mir noch ein genügend großes Arbeitsfeld zur Reform der preußi. fchen Verwaltung darzubieten schien. Insbesondere hatte ich mich von da an zu befassen mit den Presseangctegeiiheiten der Wie be miileten. Kriegseplebnisse aus der Froschperspektive. Von Siegfried Weinberg. Bon all den infamen Mitteln, mit denen r.xrn kn Deutsch» lands»großer Zeit" das»Durchhalten" sicherte, ist keines nieder- trächldgcr and gemeiner gewesen, als das der sogenannten»diszi- plinarcn" Einziehung zum Heere. Z:e ahlgruadties« Heuchelei, die das Hauptkcnnzeieyen des b.r.offenen Helsenzeltalters gewesen, feierte hier ihre erg.c». Während es die reklamierten Tutchhaltcr als daS höchste lüiüd der Menschenkuider kündeten, sich— d h. die andere»!— in die feldgraue Maskerade, stecken und zum gegenscltigcn Häiscab'chnei» den m-, den Brüdern jemeitS der schwarzweißrot gepinselten Grenzpfähle abrichten und mißbrauchen zu lassen, machten sie in rührender Bescheidenheit von di'.j'eni Wege zum höchsten Glücke für sich selbst nur recht spärlich und widerwillig Gebrauch. Ckatt dessen i�arde den«», die sich diesem System in den Weg stellten und iiimiiten dieses Wahnsinns der Menschheitsverwüstuug da» Ideal oei völkerbcfreieudei', unverfälschten Sozialismus hoch- hiellcn, dicie's vielgepriesene Glück zwanMveise und gesetzwidrig in ungezählten Fällen zuteil. Kein besseres JmmunisicrungS- mittel gcgiii die mit Recht so beliebten militärrsihen Gestellung»- befehle gab eB ols recht ptononzirrt zur Schau getragene»patrii»- tische" Gesinnung, ivohingcgen jede Betätigung kriegsfeindiichcr Gesinnung auf' die Gesundheit so förderlich einwirkte, daß sie je- den Krüppel zum kriegSverwendungsfähigen Helden machte. lieber dies System der Einziehung au» politischen Gründen ist im Kriege wenig in die Lefer.fUichkeit gedrungen. Der Press« und de» Rednern in den wenigen zugelassenen Bersammlungcn verbot die Zensur darüber etwa» verlautbimn zu lassen. Was unsere Redner im Reichstage hierzu zu sagen halten, ist in der Oejfent'ieykeit totgeschwiegen worden. ES findet deSbarb hossent- üch Interesse, wenn ich darüber einige» auö meinen KriegSerfah- rungcn zum Besten gebt, um mit meinen sichwachc» Kräften zur Elttiferimng»»d Bestrasung aller Schuldigen beizutragen. Habe ich doch den größten Teil de» Kriege« auf einem Dc»>ack>uug»> paffen mitgeniacht, der mir wie kaum ein anderer gestattete, in dieses ruchtose System hineinzusehen, nämlich als Angehöriger der«dien Schippcrzunst in der neumärkische« Ääfemetropol« S o l d i n. Tor! war da? Hauptquartier der militärischen Schutz- bäwinge. Von dort aus konnten die politischen Süirder am schnell- nord�ix»mi-,scken Frage, der Fraae der A'fkckhnng sie? Guts- dezirtr, sen Rarnr. tisatipusaiigeiegenheiten und den Berhund- tungen mit den Arbeiter» und SeLiatenräten. Vor einigen Wochen teilte ich dem Minister Hirsch mit. daß ich in verschiedenen Fragen der Reichspolitik gegen die Reichs- regierung Opposition machen müsse, insbesondere wegen der in AuSsickt genonimenen Zusammensetzung der F r i e d e n S d e l e g a t i o n, bei der während des Krieges k o n>» promittierte Persönlichkeit in erster Linie stehen sollten, sodann wegen gewisser Maßnahmen R o S k e S. In den letzten Tagen ergab sich für mich die Notwendigkeit, auch gegen die Gcsainthaltung der preußischen Regierung Steilung zu nehmen. Ich konnte die Programm«- tische Rede Seines mit itrer ausschließlichen Zuspitzung gegen dre Unabhängige� nickt gutheißen, da ich immer für ein Zusammengehen von Unabhängigen und M e h r- heitssozialisten un�er Ausschaltung gewisser bisheriger Führer eingetreten bin. Heines Rede schien mir aber die Kluft zwischen Unabhängigen und Mehr heitssozialisten unüberbrückbar zu machen und damit schwere Unruhen für die Zukunft zu bedeuten. Sachlich mißbillige ich dw Ankündigung daß der Belagerungszustand m vollem Umfange, also unter Einschluß der Unterbindung des BerfammlungSrechlS, aufrecht erhalten bleiben soll. Auch halte ich die Verhängung des StandrechtS das ja inzwischen aufgehoben ist, für ebenso 'acht ich unbegründet wie juristisch ungerecht« fertigt. Ich teilte dem Minister Hirsch am 18. mit, daß ich bei diesen Differenzen nicht mehr in der Lage sei. die Politik der Regierung zu vertreten und deshalb bäte, mich aiS auS- geschieden anzusehen." f Bisher hat der„VoM'ärts" weder von dem Rücktritt Gerlachs noch von seiner Begründung Kenntnis genommen. Ob er diese Verurteilung der ReckM'ozialislen seinen Lesern mitteilen wird? Sie Wirkung der Ciffen. Die amtlichen Lügen tun ihre Wirkung. ES galt die ganze Welt davon zu überzeugen, daß die Spartakuskämpfer Verbrecher waren, verwahrlost und verroht. Hier:n Berlin haben sich diese Greuelmärchen nicht lange aufrecht halten lassen. Aber im Reich glaubt man sie noch heute. Tie bürgerliche Provinzpresse hat sich beeilt, die blutigen Greuel- Meldungen der amtlichen Berichte abzudrucken. Und dabei ist es geblieben. Die Berichtigungen, daß nicht 70 sondern 13, daß nicht 13 sondern 3, daß nicht 8 sondern daß«in Polizeibeamtc'. ■rmerdet ist die Tat'acbe, baff im Geae"t'il von den Re- gierungStruppen Hunderte von wehrlosen Gefangenen nieder- gemacht sind—» diese Tatsachen bringt die Probinzpress« gar nicht ober so ungenügend. daß noch heute weite Kreise im ganzen Re'ck sogar »nter der' Arbeiterschaft in dem Glauben leben. NoSke habe mit gutem Recht da» Stand. recht" verhängt, um Berlin vor der „bestialischen Grausamkeit" de.- Spartakisten zn schützen. Weit schlimmer nnd verkehrter aber ist noch die Ansicht, die man dem Ausland beigebracht hat über die Zustände in Berlin. Ein Beispiel genügt. Tie. Basier Nationalzeitung". eines der anständigsten bürgerlichen Blätter, bringt noch am U. März folgendes Telegramm: <:) Berlin, 10. März. Nebrr die genenwärtige Lage in der RelchKifliiptstäbt rrfahrrn wir folgende«: In der NelchJhänpt. ktadt sind dir Zustände wie in de» schlimmsten Tagen des bolscheiv stischen Rußland. Jeder besser gekleidete Bürger wird vom Pöbel»nter Beteiligung zahlreicher Weiber bis aufs Hemd auögezogr» und dann totgelch lagen. Jeder, selbst dcr beslgekleidole Bürger, der während der Kampftage in Berlin war, wird über die Ungeheuerlichkeit dieser Meloung lachen. Aber zuin Lachen ist die Sache nicht. Die deutschen Regie- uingen haben lange genug geglaubt, die öffenttiche Meinung dcS Auslandes verlachen zu dürfen. Wir sind mehr denn je vom Ausland abhängig, mehr denn je ist e« nötig, daß das Ausland die Wahrheit über deutsche Zustände erfährt. Gewiß wollen wir nicht behaupten, daß die Regierung Nach- richten von so ungeheuerlicher Art wie diese offiziell ins Ausland gibt Indirekt aber sind auch amtliche Lügenberichte wie der über iteii zur Front abgefckwben werden. Bei anderen Truppengattun- PL»»ulßte dein Abtransport zur Front stets erst eine längere AuSbildnnftSzeit vorangehen. Der Armierungssoldat konnte je- doch, wenn es ein wohllöbliches Bezirks, oder Oberkommando wünschte, bereit» einige Stunden nach seiner Einziehung zur Front abgeschoben werden. Auch die Gefahr, daß solch politischer Sünder für dienstnntauglich erklärt wurde, war bei drr Armie- rung am geringsten. Ein charakteristisches Beispiel für die Skrnpeklossgkelt de» Militarismus ist schon die Art und Weis«, wie ich selbst zu dem zweisclhailcn Vergnügen kam. zweieinhalb Jahre meines Lebens in der nenunäckischcn Verbannung zu verlleren. BeionderS belastend war für mich, wir ich späte? von eingeweihten Seiten erfuhr, daß ich mich nnterstaiiden hatte, auch Rosa Luxemburg, Klara Zetkien und Franz Mehring ineinen juristffchen Beistand zu leihen. Kaum hatte mir der tapfere junge Genosse Heilmann — nicht ß» verwechseln mit dem Hindenbnrg�stel gleichen Na- mens— mitgeteilt, daß ihm bei einer Vernehmung auf der poli. tischen Polizei von dem vernehmenden Beamten mitgeteilt sei, er müsse sich jetzt einen anderen Rechtsanwalt suchen, da ich in den nächsten Tagen zum Heeresdienst einberusen würde, als auch ichon efne ominöse Einladung aus mein Pult flatterte, zu einer Zeit als ich vom Heeresdienst noch zurückgestellt war. AI« ich der ehrenvoll?» Einladung, r» die.Gencral-Pappkartonstraße" Felge leistete, war stbon alle» zum festlichen Empfang« de» Opfers vor- bereitet. Selbstverständlich entschuldigte man et mit einem»Ver- seHen", daß man mich zun, Bezirkskomniaado zitiert hätte, ader da man mir nun einmal meine kostbare Zeit geraubt habe, sollt die» wenigsten» nicht nutzlos geschehen sein. Der Herr Bezirks- kommandeur führte mich selbst zn einem jungen Herrn, der sei» nein Atter nach anscheinend i., den ersten Stadien der Vorbereitung zum Mediziner stand. Räch diskreter Beratung mit dem Be- zirkskommandeur warf dcr Jünger Aeskulaps einen flüchtigen Mick auf meinen Körverban. Als ich ihn auf meine leider nun einmas vorhandenen schweren Krankheiten und die darüber vor» licgeiiben Gutachtrn erster medizinischer Auloriiäten schüchtern hiiiwie». äußerte er in edler Me»s«honkre»ndlichkeit, daß ihn meine Kransheiten gar nicht interessierten und daß die Aerzte draußen auch etwaS zu tun haben woii» ten Von dicken humanen Gesichtspunkten ausgebend, lehnte er eine eingehendere linier suchung meiner körperlichen Persönlich. keil ob und schrieb mich kriei�Svenvendbar. Ich zweiile nickt, daß dieser jung« Herr als Militärarzt glänzende Karriere geinacht hat. Ich lvnrde bereit» nach einigen Tagen zur Spandauer Train- den Licktenk>''roer Mord, ist die oanze tendenzkcls? unsi ms wahrhaste Stimmungsmache der avi'lichen Nachrichtenstellen verantwortlich für das völlig falsche Bild, da» cci v eich von den Berliner, das das Ausland von den deutschen Zujländen im allgemeinen bekommt. Nach diesem Bild aber richtet das Ausland seine Politik. Da das Bild falsch ist, muß nolweiddig auch die Politik eine f a l s ch e werden. Sie wird aus eine immer schärscre Isolierung Deutschlands hinauslimferi in geistiger wie politischer Beziehung. So hat die tendenziös« und einseitige Berichterstattung der amtlichen Stellen zwei verhängnisvolle Resultate. Im Innern Verhetzung äuf der einen, Erbitterung auf der anderen Seite und als Folge: eine dauernde Verschärfung der Gegensätze vor allem in dcr Arbeiterschaft. Im Ausland aber erregt sie Furcht, Angst und Mißtrauen gegen ein völlig verelendetes, un- zurechnungsfähiges Teutschland,' das sich im tollsten Bruderkampf zerfleischt Und das Resultat: die Isolierung. Zur Rettung gibt e» nur ein Mittel: Wahrheit und Ehrlich- keil. Beides fehlt den amtlichen Berichwn der Regierung. Aber nicht nur den Berichten. Beides fehlt der Regierung. Und so lange sie nicht anders wird, werden auch ihr« Berichte nicht ander» werden. M Lenschs Ende und Giiick. Die Presse meldet die Ernennung von Paul L c n s ch zum Krosesser dw SwV-i'»"d de? ÖV-fichV an der V 1 e ttät Berlin. ES ist tre.gikemisch, daß der streitbare einstige Redakwur der»Leipziger VolkS'.eitung", der dann ebenso heftig bekämpfte. was er früher verteidigt hat. als Professor der Gesellschaftwissen- schaff, sich auf das politische Alten eil zurückzieht. Die»Revom- lwn de? Weltkrieges" mit ihrem Herold Bethmann Hollweg. deren Lob Lensch in dcr„Glocke" des Renegaten ParvuS einst ertönen ließ, ist abgelöst durch eine echt deutsche Revolution, die allerdings ebensowenig nach dem Schema verläuft, in das Lensch geschichtliche Ereignisse zu pressen liebt. England, das er so oft als Hort dcr Reaktion bekämpft hat, ist Sieger und das politische Programm des Sozialimperialifteu und seine Politik haben Bankerott gemacht. Alle seine Prophezei, ingen haben sich als ebenso windig erwiesen, wie die Vorhersagen seines Bruder« im- Geiste des Pr jfor Pl? ze. ES U- rrn s--» ti' cni- tionen von jener Art, die Engel« kennzeichnet: Sie sind geistreich, aber nicht richtig. Da« Schicksal rem Lensch spiegelt ten notwendig n Gang der heutigen sozialdemokratischen Pstltik, deren Fehl.r Letisch zur Kar katur überlrieb und vr geblich th oret'sch zu begründen such e. t>'e Massen sind die Leidtragenden dieser Politik. Je eh.'r sie den Weg v-rlassen, auf den Prosessor Lensch sie führen wollte. ,e schneller sie sich von der Poli ik der jetzigen Führ r der fozialisti- fchen Regi.rnngSpartei abkehren, desto er'olgrelcher w rd der Kampf der Arkeiler um den Scz'aliSmu« sein, um da» Enkzwl. da! Lensch vc gaß und ver'älschtc, um r? durch einen Sozio'.- imxcrialiSmuk. durch eine schwarz-w iß.rote Mischung aller mög- lichen politischen Element« zu ersetzen. Die tllü.e in England. Rotterdam, 18. März. Nach dem»Rieuwe Rotterdamschcn Courant" bezeichnet der Arbeiterkorrespondent des»Daily Thro- nicle' die Lose in drr rnvlifchrn Arbeiterschaft«l» gefährlich. Sie Verhandlung gegen den vlörd?r Paris, 18. März. Ter Prozeß gegen den Mörder von JaureS wird am 24 März beginnen. Die Verhandlungen wer- den ungefähr sechs Tage in Anspruch nehmen. Das gnke Gesch�fk. Schon gegen Ende des Krieges habe.; die vorsichtigen Ka piialisten, denen deutsche Wertpapiere nicht sicher genug erschienen, ihr Geld in ausländischen Wertpapieren angelegt .'Sic glauben auf diese Weise ihr Vermögen vor dem Zugrisf de» Staate? gesichert zu haben. Als vor einigen Monaten bekannt wurde, daß die Lebensmitteleinfuhr TeutfchlaudZ an« neutralen und feindlichen Ländern mir durch diese Au'landSwerte bezahit werden müsse, stiegen daraufhin sofort die Kurse der AuSlauds- Papiere in der Erwartung, daß ihre Abgabe an das Reich ein ■■■■■■■■«»■■■■■■■■——M—M— LI llij.t» Ersatz-Abtestung einberufen. Ter Militärarzt, der mich dort zu- nächst untersucht?, schrieb mich unter Ausdrücken der Verwunde- rung über feinen Bcrlmer Fachgenossen»D. IL". Der hinzukommende BataillonSarzt bestätigt« nach eingehender linier- suchung dieses Gutachten und eröffnete mir daß ich wegen mei- ner offenbaren Tienstuntauglichkeit gar nicht erst eingekleidet weiden brauche. Ich war gerade dabei mich wieder anz-ldleidca, als ein Gofrester auS der Schreibstube in da» UutersuchnngS- zimmer gestürzt kam und in meiner Gegenwart, ober in Nu- kenutnis meiner Person, dem Arzt meldet, da« Ko-mmauda— ich weiß nicht mehr, ob eS da» Ober-, G.-neral- oder BezirkSkommando war— hat« soeben tnlep Hönisch mitgeteilt� der NechtSistilvalt Weinberg sei gestern zum Bataillon eiiibernfen; eS sei dort bekannt» daß er dienstuntauglich sei. er dürfe aber dennoch keinesfalls als dienstuntanglich entlassen werden! Nachdem der Arzt sich von der ersten Verblüffung erholt hatte, meinte er mit Recht, eS wäre prad- tischer gewesen, wenn ihm jene Eröffnung eine Stünde früher gemocht worden wäre, da er sich dann der Mühe der Uuterjuchung nicht hätte unterziehen brauchen, Ich wurde alsdann, wie alle anderen mit mlr zusammen eingezozenen Kameraden, bis zum nächsten Tage nach Berlin be- urioubt, jedoch bereit» nach einigen Stunden teleffhonisch noch «pondau zurückbeordert. Dort eröffnete mir mei» Wachtmeister den von oben eingelaufenen BefehL mich jede Stunde bei ihm persönlich zu melden. Berkin sei mir strengstenZ verboten. Sonstigen Dienst solle ich nicht machen. Nachdem ich einige Tage ln dieser so ungemein nützlichen Weise tatgeichl-rgen hatte, erhielt ich statt der erhofften Tiieustentlassung ein Freibillett nach Sotdin »nd meine vom Generalkommando angeordnete Verfetzung zur dortigen Armierung. Auch dort hatte ich da» Glück, zu? Nnter suchung zu gesangen, ehe den Arzt'"ein Ilriasbrief erreicht«. Ter Truppenarzt war sehr bö'c. daß ich nicht direkt von Spandau an» als d. u. ent- Uisfcn sei und erklärte mich gleichfalls für dienstuntauglich. Er gab mir de« wohlgemeinten Rot. dafür zu sorgen, daß ich sofort entlassen werde. Ich brauche nicht zu versichern, daß ich diesem Rat? gern gewgl wäre, aber da» Oberkommando und sein ?pim»z rectal-, Herr H.'uiijger, halten es ander» bestimmt. Der Arzt erhielt kurz»ach meiner Untersuchung von oben einen der» Irau-lichen Tckireibebrief. der ihn auf das StaatSpcikShpIst-he mei- »er Person und die Unzulässigkrlt meiner Entlassung hinwies. Siiigeweibte erzählte» mir. daß die derioätet« Ueberreichung flute? Geschäft bedeuten wurde. Unsere Fordcrunq. daß eine »eschiagnahme dirfcr»nelandSw'tte durch die Regieru», nicht ,u einem guten Geschäft kür d'e ttar-italislen werden dürfe ist damals von der kapiwlisiychcn Presse sofort mit ollem Ener angegrisfen worden Die Kapital, sie n wallen, dan die Werte?» lesl Tageskursen Kernommen werden und die Tatsache. dnß die Negierung sich geneigt zeigt, diesem völlig unberechtigten -Scrlangen zu entipr.'chen, ba inzwischen eine weitere wesentliche Steigerung>'r Äurse hervorgerufen. t 1 1 diese angeesschen Kurssteigerungen allein in den lichten Monaten geworden sind, zeigt eine Aufstellung, die da? .berliner Tageblatt" im Liandelsieil aestern verAkientlichte. Da' nach haben die fe st v e r z i n S l i ch e n A u S l a n d Sw e r t e keit i feinster im Durchschnitt eine Ttcigerung von etwa r 0 Prozent erfahren, die Tividendenwerte ein« Siei llerilng. die im Durchschniti ,'ogar 30 Prorent beträgt. Diese '»teigeru-igen sind im wesentlichen der Hoffnung der Spefulanten zu danken, daß eine Uebernchhme der Papiere zu den TaaeS- lurssätzen stattfindet. Wir halten ein derartincS Ve basten einfach für unmöglich. Die«peiutaiion und die Prositslich- der Kapitalisten darf sich auf Kosten der Allgemeinheit nicht bereichern! Tie Regierung muß alle NuSlandSwerte beschlagnahmen und darf > dafuc� nur eine Entschädigung geioäbr.-n. die Sonder« gewinne ohne weiteres vollständig audschließr. tu Rekker d r Regiervn�. Die Studenten sind unzusrieden mit der Regierung. So- lange Ncske, Hönisch und Scheidemann um ihre Gunst buhlten und mit herzbeweglichen Bitten um ihren Eintritt in die Freiwillixenkorp» flehten, stellten sie sich großmütig«hinter die Reg rrung". Da stehen sie noch. Aber da? ist ihnen nicht genug. Sie beanspiuchcn eine privilegiertere Stellung. Den äu hören An- laß zu ihrer Unzufriedenheit btctr! der Erlaß de? Kultu»- m i n i st e r S der die vorzeitige Schließung des Zwischen- scmesteiS verfügt und dadurch einen sanften Druck auf sie ausübt. damst sie.freiwillig" in die KreiwilltgenkorpS eintreten. Dagegen P r o t e st i e r e n die Studenten. Nicht, weil sie. wie die sozialisti- schen Studenten, die bereits gegen die ersten Freiwilligenaufrufe Stellung genommen habe», die Freiwilligenovganisationen als solche vcuiitcilen und den Gebrauch, den die Regierung von ihnen mach,, bemißtrauen. sondern nur an» wirtschaftlichen Gründen: sie wollen(und da» ist sehr bcgreiflichs nicht schon wieder ein Semester verlieren. Zum Teil aber, und e» sind gerade die. die bereits in NoSkeS Söldneelcharen eingetreten sind oder geneigt sind, e» zu tun, zum Teil au» den oben angedeuteten Politischen Gründen. Ihre Führung hat die«Deutsche Tageszeitung" übernommen. Sie entrüstet sich über den Aufruf de» Kultusministers, weil e» m ibm heißt: «Schulter an Schulter mit euren Altersgenossen aus dem Arbciterstandc sollt Ihr jungen Akademiker der Regierung helfen, die Ldnung aufrechtzuerhalten." Da? paßt der«Deutschen Tageszeitung" nicht. Stundenten anb Offiziere Schulter an Schulter mit einfachen Arbeitern? Sie Pellt fest: In erster Linie bestehen die Freiwilligen, die unsere Grenzen schuhen und im Innern den grauenhaften Kamp? gegen SvartrikuS fükren. aus Offizieren, denen vielfach ihre früheren Burschen gefolgt sind. anS S t u d e n t en und sonstigen Angel örigen der gebildeten Stände— freilich mit recht geringer Bele-ligi'ug iübiWer M�ibu'ger—, in ihr r Ma� ou? den Söhnen de« flachen Lande» und de» ständtikchen Mtifelstaude?. Und nun reibt sie der.sozialistischen" Regierung unter die Päse, daß sie von diesen Studenten und Offizieren .gerettet" sei..Aber," fähn sie fort,«wir dü�en doch auch taran nickt vorbeigehen, dab uu'ere asodemische?i""-ud'rf�n'm Kriege in einem unerhärten Maße geblutet hat." Sie verschweigt, daß im Kriege die! rheiter'ch-st viel größere Bertuste erl'tt-m bot Sie verlangt, daß die Arbeiterschaft auch jetzt noch blutet und gegen«Spartaku»". d. h. gegen Arbeiter zu Felde zieht. Sie möckte das Blut der Bourgeoisjöhnchen schonen. Sie sähe lieber, wenn Arbeiter Arbeiterblut vergösse». Und sie.bedaneri am» Tiesite". doh d r vreußikch Kultusminister «inen Druck auf die Studenten auszuüben versucht,«um sie in be» sander m Mabe zum Eintr'tt in dae Heer zu veranlallen" Natürlich bedauert die.Deutsche Tageszeitung" durchaus nicht, daß Studenten in die Freiwrlligenkorp» eintreten. S>e hat im Gegenteil die Werbetrommel bvcw gerührt und möglichst viele Bürgerliche unter Rottes Fahnen gesammelt. diese» Briefe» an den Arzt dem damaligen Soldtner Kompagnieführer militärisch da» G'mck gebrochen habe. Auch bei der Küstriner Kommission, deren Vorsitzender ein Berliner Professor war. und deren llrlsU mir den ganzen Bezirk maßgebend ist, war mir da» Glück hold. Das einstimmige Per- dUt lautete wiederum auf Dienstuntauglichkeit. Die Herren Unterhielten sich zwar vor meiner Untersuchung darüber, ob jetzt uicht der.Fall" konme. zu dem Berliner Geheimakten vorlögen Al» sie dieselben nicht fanden, meinten sie jedoch, daß chee An- nähme auf ein Irrtum beruhe. Ich wage nicht zu entscheiden. Ub da» Urteil ander? ausgefallen wäre, wenn meine Geheim« Akten»atkächl-ch voroelegen hätten. Ueber soviel Mißgeschick lief dem Oberkommando nun endlich die Galle über und e» gab telephonisch den menschenfreundlichen Befehl, mich ins Lazarett zu sperren, auch wenn ich bis zum Ende de» Kriege» dort bleibe. Der behandelnde Arzt eröffnete mir ober nach kurzer Beobachtungszeit, daß ich in den nächsten Tagen entlassen werte, und zwar sollte meine Entlassung, wie ich von unterrichteter Seite hörte, als dienstuntauglich erfolgen. Um dies Unglück vom Deutschen Reiche abzuwenden, erschien jedoch kurz vor meiner Entlassung ein höherer Arzt auf der Bildfläche, der zwar das Gutachten des behandelnden Arzteö bestätigte, jedoch derfügte, daß ich noch einige Wochen im Lazarett bleiben und Mich dort so erholen solle, daß ich al» irgendwie diensttauglich entlassen werde. Ich wurde dann auch tatsächlich einige Wochen später als ver- f»ch»wcis« arbeitsverwendungsfähig al» Jurist ick Heimatsgebiete wieder nach Soldin entlassen. Nachdem uh nun in Toldin zunächst ewige Zeit auf Befehl de» Truppenarztes, der mich nach wie vor für d. u. erklärte. überhaupt keinen Dienst machte, also al» bloßer politischer Schutz- Häftling die bukolische Ruhe Toldins genoß, wurde mir /chließ� sich die vom Lazaretiarzt allein a'i zulässig bezeichnete..juristische" Beschäftigung gegeben. Diese bestand darm, daß ick tagtäglich bei Wind und Wetter vor d>.r Truppenkücke an die Kameraden hie Eßmarken für da» Diner und Souper verteilen mußte Wenn ich im Borh.rzehendn meinen Fall etwa« ausfuhr- sicher erörtert habe, so geschah e» deswegen,»eil mein Fall nicht etwa vereinzelt, sondern durchaus typisch ist. Zahllo? sind die politischen Schwerverbrecher, die an mir in Soldin vorbei« gewandelt sind. Daß die Militärbehörde hierbei einen ganz guten Blick gehabt hat. beweist mir die Tatsache, daß von den Genosse». die a» der Revclutjcn tätigen Anteil genommen haben, gar viele zeitweilig Kunden mein«» Soldincr Ipeisemarkenvenrieb» ge- Wo» sie will, ist ganz etwa» anderes. Sie will das Biut der Bürgerlichen schonen, sie will statt dessen möglichst viele Arbeiter a} �Kanonenfutter in die �ieiwilligenkorp» stecken, unler die Fuchtel dcbchnrperlichen TtüdcniH und Offizie e. denen natürlich die Führ erstellen reserviert bleiben sollen. Bor allem aber will sie die Rigieruiig an die Verdienste der Studenten und Offiziere er um rn. Das ist da c-Publikum Diese Bürgerlichen *. nicht erringen kann. Wir haben von Anfang an Bedenken getragen, daß man unserer bis zum RevolutionStage Herrschendon Militärkafte damit ernstlich ans Leder gehen könnt«. Die Evfahrungvn haben un» vollkamnien recht gegeben. Auch heute werden noch mit Duldung der sozialistischen Re- gierung genau so wie unter der wilhelminischen Zeit die durch- auS berechtigten Beschwerden der Soldaten auf fein« Weife ab- gewürgt und so der Schein gewahrt, al» wenn nichts faul im Staate Dänemark wäre. Ein besonders krasser Fall, der sich vor kurzem in Mühl- Haufen zugetragen hat, flattert« uns in diesen Tagen auf unseren RedaktionSbisch. Dort bemühen sich die Soldaten de» Bezirk». kommandos seit Wochen, den schon auS der Frieden Sgeit her berüchtigten Kommandeur, Oberst Krause /zu beseitigen, der e» auch nach der Revolution nicht verstand, sich den veränderten Per- Hältnissen anzupassen. Im selbstherrlichen Befehl»ton sucht er die Untergebenen zu dem alten Kadavergehorsam wieder zu zwingen� fegt während der Dienststunden wie ein« rächonde Nemi- siS durch alle Räume und schikaniert die Angestellten des Bezirk». kommandoS durch sein schreckliche» Ouerulantentum. Die Ange- stellten dcS BezirkSkom-mandos wagen schon gar nicht au» Furcht vor der Donnerstimme ihre» Kommandeur» aufzutreten. Ansang vorigen Monat» haben sich endlich einige beherzte Unteroffigierr, die t«» Schikanieren ihre» Kommandeur» nicht mehr weiter ertragen konnten, zusammengetan und ein« um- 'angreiche Beschwerde an da» Generalkommando gerichtet, in dem sie baten, ihn von seinem Posten abzuberufen. Drei Wochen hat da» Generalkommando zur Prüfung der Angelegenheit not- tvendig gehabt, um dann durch den Mund seine» kommandierenden Generals kurz un-d militärisch erklären zu lassen, daß die Unter- Offiziere de» Bezirkskommandos, ihrem Kommandeur da» Per- trauen abzusprechen, leinen triftige«, Grund vorgebracht haben, daß aber der Oberst selbst den Wunsch geäußert habe, beim Be- zirkstommando keinen Dienst mehr zu tu«, unddeShalb die An- gclegenheit wohl als erledigt betrachtet werden könnte. Mit Recht wehrten sich die Unteroffiziere gegen die höhnische Abfertigung ihrer durchaus gerechtfertigten Beschwerde, ganz besonder» deswegen, weil sie durch Abfangen eine» Telephon- geßprächS sich die Gewißheit verschaffen konnten, daß diev Eni- scheidung schon feststand und auf eine höchst bedenkliche Machen» schaft ihre» KommandsurS zurückzunihren war. Der Zufall war Wesen sind. So erwarben, um nur einige herauszugreifen, die Genossen Richard Müller, Eberleist und Walcher i» Soldin ihre militärischen Kenntnisse, die sie später al» Heer- iührer der Revolution so nutzbringend betätigten. Auch Genosse B r e i t s ch e i d nimmt es mir hoffentlich nicht übel, wenn ich ihn an die Mühe erinnere, die ei kostete, dort ein feiner Länge entsprechende» Bett für ihn auszutreiben. Jeder Streik, jede Friedensdemonstration führte ein« groß« Anzahl Genesten der Armierungkersatzkompagnie zu. Oft war die Zahl derselben so groß, daß e» nicht möglich war, jedem einzelnen einen besonderen Steckbrief auszuschreiben. Die Ber- liner BezirlSkommandoS halfen sich dann damit, daß sie diesen Sündern ein besondere» Stigma auf den Gestellungsbefehl schrieben, da» jedem Eingeweihten sofort ihre staat«yefährliche Gesinnung erkennbar machen sollte. Al» derartize Stigmata konnte ich m Soldin zunächst das Wort«Kohle", dann da» Wort .Prozent" und später die Hieroglyphen.Jahrgang 1017/18" und schließlich bei den Opfern de» diesjährigen Januarstreiks die lakonische Bezeichnung«Berlin 1018" feststellen. E» ist bekannt, daß sich hierbet die Militärtzchörden al» ein Teil jener Kraft er- wiesen haben d,c stets das Böse will und doch daS Gute schafft. Ist doch gerade durch diese systematische Ernreihung unserer Ge- stnnungSgenoffen in»» Heer der revolutionäre Geist in dem- selben geweckt worden! Di« UriaSbriefe, dl« unseren Freunden auf den Weg ge- geben wurden, ähnelten geradezu frappant ihrem historischen vorbilde, dem Briefe, den König David seinem Nebenbuhler Urias mit auf den Weg gab, ir den. u bekanntlich ersuchte, den Ueber- bringer auf einen rocht gefährlichen militärischen Posten zu stellen. Schreiben der Militärbehörden, in denen ersucht wurde. den Gekennzeichneten dem ersten Transport zur Front anzu- gliedern, waren d« Regel. Mitunter wurde geradezu die Ein- reihung bei einer im Westen in der Feuerlinie stehenden ArmierungSlompagnie verlangt. Taß derartig gekennzeichnete Leute nicht für d. u. erklärt werden durften, war felbstver- stündlich. Die schliwmsten Fälle von Skrupellosigkeit dieser«rt sind mir uu» Mörchingen berichtet worden Dort wurden die au» irgend einem Grunoe oben anrüchigen zur Front gehenden Soldaten in der sog. Berleseliste. die be, jedem Truppentransport mit- gesandt w>rd. mit einem roien Kreuz verseben. Auf Befragen erklärten dortige Osfiz-ere, die angekreuzten Soldaten seien solche,«auf deren Rückkehr kein Gewicht gelegt wird". Tatsächlich soll auch von den so Gelennzeichneten der den Unteroffizieren insofern giinfhit als sie tn per Saue waren, ein Telepbongesiprach. da» der Oberst mit Hertn Major Rein eck vom Generalkonimandv de» 11. A.-K. wogen seiner Dienst- entlassung am LI. d. Mts. führte, abzufangen, in welchem der Oberst wörtlich das Generalkommando ersuchte, d i e Beschwerde der Unteroffiziere und des Mut- hauser Arheitxr- und So ld ate n ra teS als un- begründet abzulehnen und in der MIeHnung zum Ausdruck zu bringen, daß er steiwillig auf Weiterverwendung verzichte, ihm aber viel daran gelegen sei. seine Kompetenzen noch 2— 3 Monate Wetter zu beziehen, nachdem ihm vom General- kommando nahegelegt worden war. einen Urtaub einzureichen, um so einem Nachprüfen der gegen ihn vorliegenden BeschVe'.he enthoben zu sein. In diesem Ansinnen liegt eine derartig niedrige, unehrtiche Dcoinslussung eines hohen Offiziers vor, wie sie nicht schlimmer gedacht werden kann. ES wäre Sache der-usiändigen. militärischen Gerichtstehörde, vier eingehend einmal nachzuforschen, inwieweit hier eine bewußte Bestechung vorliegt. Sicher ist doch jedenfalls, daß ein einfacher Soldat, ver ein ähnliches Ansinnen gestellt hättz« monatelang dafür ins Gefängnis gewandert wäre. Wir sind gespannt, wie in diezem Falle das Militärgericht entscheiden wird. Da dieser haarsträivbende Fall rascheste Ahnd-ung erfordert, wollen die Unteroffiziere, wie»vir hören, sich mit dem Bescheid des Generalkommandos nach nicht zufriedengeben und durch den Korps- soldatenrat der nächsthöheren Instanz weitergaben. Ob eS hilft? Wir zweifeln daran! Das Bcrwerkllchfte Pei dieser ganzen Haitdl-ungÄvcise liegt aber darin, daß die betreffende höhere militärische. DienMelle dem Ansinnen diese».feinen" Oberst nachgeaeben und so sich mitschuldig gemacht hat. indem sie dem Oberst, der einen gehörigen Denkzettel verdient hätte, einen e-agcnehmen Abschied bereitet. Sosale». Neuregelung der Erwerbslosenfürsorge. Wie das Demobilriwchungsaint mitteilt, soll in den nächsten Tagen eine Novelle zur Verordnung über Erwerbslosen- f ü r s o r g e im ReichSgesctzblatt veröffentlicht werden, die neben der Regelung niedrerer in der praktischen Durchführung aus- gestoßenen Streitfragen neu« Bestimmungen enthält. Um den ErtverbSlosen den Entschluß, außerhalb ihres bisherigen Wohnortes Arbeit aufzunehmen, zu erleichtern, er- halten sie nicht nur wie bisher freie Fahrt füj sich selbst, sondern auck für die Fum,cienangehörigen, die in den Beschäftigungsort mitreisen oder nachfolgen; außerdem noch eine angemessen« Beihilfe zu den Reiseunk o st en für sich und für die Familienangehörigen, Auch kann die Ge meinde de» letzten Wohnv-teS eine Beihilfe zu den Unkosten der Beförderung des Umzug», Ute» gewähren Ein« weitere nicht unwichtige Bestimmung geht dahin, daß für Orte, in denen die bisber vor geschriebenen Unterftübungsböchs!- sätze gemäß der ServiSklaffeneintoilung in einem Mißverhältnis zu den Kosten der LebenSbaltnnu sieben, die Landes>entral- behördcn eine Erhöhung dieser Höchstsätze bis zum Ittisachen OrtS-- lohn, jedoch»cht über die Höchstsätze der Klasse A, d. h. 8 M., hinaus, vornehmen können. Zur. Steuerung der Wohnungsnot. Der vom Ausschuß de» Wohnungsverbandes Groß-Berl-n festgestellt« HanShal'Splan für 1010 sieht für die Gewährung von Baukostenzuschüssen insgesamt S3 Millionen Mark vor. Da vom Staat die gleiche und vom Reich die doppelte Summe gewährt wirb, so stehen zunächst insgesamt 02 Millionen Mark zur Unterstützung de» Baue» von Notwohnungen und Neubauten in Groß» Berlin zur Verfügung. Vorbehaltlich besonderer Beschlußfassung über die Bertvendung sind ferner in den Haushaltsplan für Landankäufe, Beteiligungen an den SiedlungSgesellschasten und dergleichen 4,76 Millionen Mark eingestellt Bon den erwähnten 02 Millionen Mark Baukostenzuschüssen sind für die Beschaffung von 6000 biS 7000 Notwohnungen und von 260 Wohnungen in barackenmäßiger Bauweise 12 Millionen Mark bereitgestellt wor- den. Ferner sind vom Wohnungsverband für die Errichtung von 2100 Wohnungen i«n Hoch» und Fla�bau 28 Millionen bewilligt worden, so daß von den 02 Millionen bereits über 40 Millionen Verfügung getrosten worden ist. größte Teil nicht zurückgekehrt sein, was für denjenigen, der die Gefahren de. Horchposten und Schleichpatrouillen kennt, leicht er- klärlich ist. Di« hier augeführten Beispiel« ließen sich noch um zahlreiche ähnliche vermehren, dürften bereits zur Kennzeichnung de? System» de« Militaris..iuk genüg'n Möge eine radikabsoziali- stifchc Säuberung endlich mtt eisernem Besen in diesem Augiasstall gründlich ausräumen I Kali. Da» deutsche Kalimonopol ist nicht nur dahin, weil wir das Elsaß mit seinen reichen Ltgern verlieren, auch neue Funde in andern Ländern hätten es schon illusorisch gemacht. Nach der .WellwirtschastSzeitung" hat man ans Sizilien riesige Kali- salzlagcr entdeckt. Spanien hat gleichfalls bedeutende Knülager innerhalb seiner Grenzen festzcstellt und die«ereinigten Staaten erzeugen, allerdings zu sehr hohen Preisen, Kalisalze au? Natur- stosten fTangen) und Jndustrieabsällen. In Italien, Spanien und hoffentlich auch in Teutschland wird der Kaliabbau und -Handel, Gegenstand von SlaatSmoiiopolen werden. D. Ktlnstkalender. In der Erstanstiihrung von Nikolai Gogol»„H e i r a t". die am Sonnabend, den 22, März, in der Voltsbühne stattsindet, sind in den Hauptrollen beickäf igt». a. die Damen Mannbo in. Weitz- l-der Albrecht, und die Le u n Herold. Sachs. St-ckl-Nachbaur. Regie: Jürgen Fehling, Bühnenbilder! Karl Jakob Hirsch. «»lkSbiihnonkonzert. Im XVI. Konzert de» Verbandes der Freien Börhsbübnen, da» am Sonntag, den 30. März, mittag» 12 Uhr, im Theater am Bülowplatz stattfindet, wird da» KI i ngle r- Quartett Mozart und Beethoven zum Vortrag bringen Atmim T. Wegner hält am Mittwoch, den 10. März, 8 Uhr, im der„Urania" einen Vortrag mit Lichtbildern:«Die Au»- treibung de» armenischen Volkes in'die Wüste." Der periodische Ablauf des Lebens ist der Titel einet Bor» trag», den der bekannte Biologe Dr. Wilhelm Fließ am Donnerstag, den 20. März abend» 8 Uhr. im Bolkskrafi-Bund, Hörsaal, Georgenstr. 34, hatten wird. Ludwig Hardt spricht Sonntag. 23, März, 8 Uhr, Meister- Saal, KÄthener Straße, Novellen fauch heitere) von Heine f.ÄhnabelewopKii"), Maupassant. Wedekind s.Rabbi ESra") und .Anekdoten" von Kielst usw. '? Arbeitslos. Wochenlang ymg in der bürgerlichen Presse die Hetze gegen die Arbeitslosen, hier und da lehrt sie auch jetzt noch hervor. Der Arbeitslos« galt und gilt noch beim satten Philister als„Arbeitsscheuer-, der keine Rücksicht verdiene. Da ist es immerhin anerkennenswert, wenn auch mal ein bürgerliches Blatt die Dinge so zeichnet, wie sie in Wirklichkeit sind. In der Sonntag N'Mliner des.,?Uhr> Abendblattes- plaudert Hermann Zucker über einen Besuch des Arbeirsnachweise s An der Gor- mannstraße. Man merkt es dem Artkel an, daß er nicht schwarz in schwarz malen will. Und dcch sind die Bilder. dre er aufmarschieren laßt, trübe genug. «.. Ein Bild äu grster HoHffmmgSlofigieü. Hier ballt sich förmlich das Elend eines Volles zum Anblick der Tuvuuti- gung zusammen nirgends scheint der wirtschaftliche Ruin, die Äntastrophe, die Niederlage eines 7t>Millionen-R:icheS so er- schreckend deutlich zu werden. Es ist. als ob alle Not Deutsch- lands stch in dieser so nüchternen, beklemmend schmalen Straße zusammendrängte, denn hierwartenTausende.iilber- tausende auf Arbeit, die ihnen Br«. Ruhe und Le- bensfreude geben soll."'» Diel« sind schon seit Monaten„Stammgäste". Eine sttcnge Trennung nach Berufen findet nicht mchr statt, denn alle gehören ja doch nur einer Kategorie an. der Kategorie der Arbeitslosen, Hoffnungslosen und Entmutigten! .... Die HofftrungSlosigl-itZ Di«, die ihr verfallen find, fitzen mit unendlich müden Gesichtern in den Ecken. Die meist?» schlafen. E« ist ein beklemmender Anblick: Men- schen, die aus Entmutigung schlafen! Sehr wenige nur können von der Arbeitslosenunterstützung fich den Luxus de» Rasieren» und. Haarfchneidens leisten. Und man raucht„kalt*.- Und nuji schildert der Verfasser den Verlauf des Ge- schäftsganges auf dem Arbeitsnachweis. Die Kontrolle, die ziemlich rasch vonstatten geht. Es gibt auch Betrüger, die einen Erwerb haben und dennoch Arbeitslosenunterstützung beziehen. Man oersucht, fich dagagen zu wehren, nicht gang mit Erfolg. Ist die Kontrolle deendet, das Existenzminimum, das von trockenem Brot, Kartoffeln und einigen, noch für Pfen- «ige zu erstehenden Lebensmitteln hart begrenzt wird, sicher- gestellt, dann wartet man, bis der große Augenblick kommt, wo ein Beamter die Tiir öffnet und von-inem Podium aus die Arbeitsgelegenheiten ausruft. Solche, die eini- germaßen lohnend, wenn auch schwer find, haoen viel zu viel Bewerber. Andere, die schlecht bezahlt werden oder nur Ungewissen Verdien': garantirren(Straßenha..dr?l. Broschürenvertrieb, VeriicherüngsreisenÄe) locken nicht viele an. Wer die Sache kennt, faßr sie nicht mehr an Auch Arbeitsscheu« gibt eS. Wer wollt« das bestreiten. Für skrupellose Naturen gibt eS auch ein Leben ohne Arbeit. Und unsere heutige Zeit hat solche Naturen leider genug geschaffen. Wenn ihnen die Unterstützurrg entzogen wird, ist der Allgeuwinüvit nur gedient. Doch in her großen Pdasse der Arbeitslosen verschwinden sie. ..... M e h r a l» 370 000 Arbeitslose find es, denen Arbeit, Brot und, endlich, Rube verschafft werden soll. ES ist unbeschreidbar schwer. Die Plakate mit den Appellen: Arbeiter, geht aus» Landl haben leicht reden. Tatsächlich ist die Nachfrage vom Lande nach Arbeitern sehr gering, fast unbedeutend. Hinzukänrmt, daß di« Unter- kunftSverhältnisie auf dem Lande vielfach so schlechte waren, daß die Arbeitslosen fich weigerten, weiter.ouifs Stand" zu gehen. Auch die Rachfrage der Bergwerke noch Ar- beitern ist kaum nennenswert, es ist also nicht zu der- stehen, wie über einen Arbeitermangel in den BerMvcrker. ge- klagt werden kann. Weiter: Alle Bemühungen de? energischen Direktors de? Arbeitsnachweises(der uns liebenswürdig dies auseinandersetzt), den Berliner Arbeitslosen in nichtpreußischen Gebieten Deutschlands Arbeitsgelegenheiten zu venschuffen, hatten größtenteils den Erfolg, daß ihm in konsequentem Par- tikulariSmuS abgewinkt wurde: Behaltet Euch Eure Arbeits- losen alleinel Wie also sollen die Berliner Arbeitslosen in die kleinen Städte, aufS Land, in die Provinz gehen, wenn man ihnen dort keine Anbei t gibt?!" Wir wollen abwarten, wer nach diesem evschütterirden Dild. das mit festem Griffel nach der Natur gezeichnet ist, noch einmal seine schmutzige.Hand gegen die zur Arbeits- losigkeit, zum Hungern verdammten ausstreckt. Ganz ver- schwinden wird die Hetze gegen sie ja nicht. Es gibt noch genug Element«, die den Arbeiter hinabsinken sehen mögen zu einem Paria, zu einem Ausgestoßenen, der seinem H�rrn aus der Hand frißt. Glücklicherweise sorg: die politische Reif« der Aicheiterschaft dafür, daß es rocht so weit kommt. Bennißte. In diesen Tagen sind viele Person. vom Hause fortgeganzrn und find nicht wieder heimr-ekehrl. 3>ij Kr.>' hörigen sind um das Schicksal der Vermißten besorgt und wissen vielfach nicht, wohin sie sich zu wenden hoben. Sie richten ihren Weg nach dem LeichenschüuHvus, sie geh«! nach den Krankenhäusern oder sie wenden sich an Gefängnisse. Tage und Wochen gehören dazu, um bei den vielen"instalter, berumzukommen. Alleinsrehend- Frauen sind gar n-ich: in der Lage, überall umiherzufraqen und eS ist beyrei stich, daß sie sehr benwgt sind um da? Schicksal der Vermißten. An ein» vestimm:- Stelle können sie sich nicht wenden, da allein die Verhafteten in verschiedene» Gcfängninen umeegebracht sind, sind mit den Toten und Verwundeten ist d.-S ebenso. Es muß dafür Sorge g. tragen werden, daß die Aug«- hörigen Nachricht bekommen. Soweit es sich um Tote ibsndelt, die ohne Pipwrc eingeliefert worden find, so müßten diese Per- fönen an einer bestimmten Stelle— im ü eichen schauhauS— rekognosziert werden körnten, wie daS sein sist. auch diejenigen. die in Vororten ums Leben gekommen sind. Und die Pcrbaftcen müßten sofort den A-ngc hörig.'« schreiben können oder die zu- ständige Behörde muß verpflichtet werden, den Angehörigen Stack- eicht zu geben. Das war f eiche: der Fall, beute scheint man diesi Pflicht nicht mehr für nötig zu halten. Die Polizeibehörde ha: die sachliche Aufklärung über den Verbleib von Vermißten zu schaffen, da daS zu ihrer Auifgcche gehört. Sie sollte dies« Pflicht mit dem nötigen Eifer und mit de: Beschloun gung erfüllen, die in der Sache begründet ist. Im Lcichenjchauhaus. £ Bis setzt sind au» Anlaß der letzten Vorgänge 822 Tote nach dem Leichensthauhauss Hemwcht worden. Darunter befinden sich 18 Frauen und ißädcher.. Die Gosamtzahl der Toten läßt sich immer noch nicht feststellen. Man weiß zum Teil garnicht, wo überall noch Leichen vorläufig geborgen sein können. Von den Toten,� die daS Schauhauö aufgenommen hat. waren mehr als die Halste zunächst unbekannt. Einige besaßen doppelte, andere gar keine Ausweispapier«. Das erklärt sich wohl hauptsächlich aus der Haft und Bewvirrun.g, die beim Abbringen der Lsicken von dem Todesor: nach dem Schauhaus herrschten. Die Erschösse- iien wurden an Ort und Stelle immer eilig auf Papieve unter- sucht. Diese steckte man dan den Toten wieder zu. So kam es wohl, daß«an den einen überging, während man dem anderen mehrere Papiere mitgab. Die schwierige Aufgabe der Beamten de»'Schauhauses war es dann. Angehörige zu ermitteln und sie zu: Feststellung der Persönlichkeiten zu einem Gang nacki dem Schauhause zu veranlassen. So gel« i ig eb die Hunächst Unbekann- ten zum größten Teil nachträgüch festzustellen. Nur 21 Tote sind auch jetzt noch unbekannt. Von 1Z Männern haben sich bisher nur die Namen, aber noch keine Angehörige ermitteln lassen. Di« Namen lauten: Philipp Klapper, Paul«chulz. Otto Nieluschewski, Heinz Krähe, Karl Rheinkcben, August Horstmann, Ernst Bur- sian, Otto Danneberg. Ernst fioebe, Franz Gilke, Gustav Zise- mann, Hans Glack und oin gewisser Wittscheck Diese Toten sind vielleicht alle» Männer von außerhalb, deren Geschick den Ange- hörigen noch nicht bekannt ist. Zur Beerdigung werden von der Staatsanwaltschaft die Leichen sofort freigegeben, sobald die Per- simlichkeiten striche hn. Durchsthnittlich toerdcn jeden Tag IS bis 20 Opfer auf den verschiedensten Friedhöfen von den Angehörigen bestattet. Einige Angehörige lehnen die Bestattung ab, wohl durchweg, well ihnen die Mittel dazu fehlen. Fn solchen Fällen werden die Toten auf allgemeine Kosten beerdigt, aber nicht in eiinem Massengrab, sondern immer auch in Eingelgräbern in Buch Tie Sicherstelljtng de» Nachlasse» der Opfer der Unruhen ver- ursacht den Beamten des SchauhauseL abenfav» viel Arbeit, bringt ibnen aber umsotveniger Dan! ein. St« sammeln alle», was sie bei jeder Leiche finden oder was mit dieser vom Sterbe- ort rnugegeben worden ist zu Paketchen, die sie dann m« einer genauen Bezeichnung versehen. Sobald die Leiche festgestellt ist, werden dies« Paketchen den Angehörigen auSgehand'.gt. Nun kommt e» aber wiederholt vor. daß Angehörige diesen oder jenen Gegenstand vermissen, und fich darüber beschweren. Das liegt aber niemals am Schauhause, in dem nur alte bewährte Beamte, keine Hilfskräfte, den Dienst versehen. Es ist immerhin möglich, daß Leichen, die längere Zeit am Sterbeort gefcgen haben, dort beraubt worden sind. Ebenso leicht kann aber auch aus dem Wege noch dem Schauhause bei dem nur behelfsmäßigen Transport allerlei verloren gegangen sein CSpenick. Am Dienstag morgen» H7 Uhr wurde Genosse Fulran verhaftet. Seine Verhaftung soll mit der FriedrichKhage- n«r„Entwaffnung" zusammenhängen. Wir können den Genossen mitteilen, daß von unserer Seite alle Schritte unternommen worden sind, die Haftentlassung Futrans in die Wege zu leiten. Gleichzeitig müssen wir aus da? Energischste gegen die Besetzung eine» Teils von Cöpcnick durch die NoSkegarde protestieren. Wir denken, daß wir in Cöpenick während und nach dem Generalstreik für absolute Ruhe und Ordnung Sorge getragen baben. Das Auftreten der NoSkegarde kann nur dazu beitragen, Erregung in die Cöpcnicker Arbeiterschaft zu tragen. Wir erwarten daher, daß wir in Zukunft von solchen Besuchen verschont bleiben. Unsere Märzreier- die gestern abend stattfand/ wurde durch die Vorgänge nicht berührt. Aber daS, was geschehen ist. trug dazu bei, den revolutionären Geist zu erhöhen und zu veruefen. Di« Veranstaltung nehm einen prächtigen Verlauf. Sobald wir nähere? über den Genossen Futran erfahren, teilen wir dies der Bevölkerung Cöpenicks mit. Eine Bereinigung sozialiffischer Juristen hat sich in Berlin gebildet, in deren Auftrag Dr. Flatow zu Freitag, den 81. März, abends vünkilich 7:4 Uhr. eine Versammlung nach dem Katholischen Vereinshaus, Niedcrwallstr. ll, einberuft. Außer einer Aussprach: über die ÄeichSbersassumz''Referenten Profefffli R adbruck und Dr. Korsch jsoll die Konstituierung der Ver» ein; gung«rfolnen. Aus de» vraaMationen. Neukölln. Donnerstag, den 20, d Mi®., abend» 6 Uhr. ins Porteihureert Sitzung de! Pr tandes und Betrat» ESpenick. Wahlverein U. S P, Zah-abend findet am Ton» nerSlag, den 20. März abends 7 Uhr in folgenden Lokaleck statt: 1. für«f« Danen.ro.fta.dt de- Lehmann, Bokn�ofitr. 44; O" WWW sorgt für zahlreichen Be.'ack. Der Vorstand. U. S. 15. JvhanuiSthal....rerstag, Miigliederversammlung der ll. S. B. im Lindenhake, abends 7 Uhr Tagesordnung: 1. Bericht vom Parle itag. 2. Diskussion. 3. Verschiedene». Referent: Genosse Ä r n t t- r. Vera«.vorNich für die Rrdollticn Alfted W i e l- p p, Neukölln,— Berlagsgenoffeukchast..? s'.Uif. t. E. in. b. H.. Berlin.— Druck der> Llndendruckerei und Berlagogeselllchokt in. b. H. S.-ii/aut.dannn 13. Serliner Sürgertum öerlme? Sürgerwille Zeichnet Serliner Staötanleihe von 1�9 Guie Lücher für deu Ehestand In mehr als 100 000 Familien derbreitet. Der Mensch Werden, Sein und Vergehen, von A. Tscherkoff. Mit vier farbigen Tafeln und 276 Illustrationen. Prei» geheftet 7,60 M., gebd. 10 M.. ferner Mann und Weib ein« Gesamtdarstellung ihrer physiologi'chen, fitiiichen, ethnologischen und kulturhistorische.: Beziehungen von Dr. E. Meriens. Ein 470 Seiten starker Band, geh. 6 M., gebd. 3 M, Eines der besten und glänzend rezensierten Werke ist Das Geschlechtsleben des Weibes von Frau Dr. Fischer Dückelsmann. 20. vermehrte und verbesserte Auflage mit vielen Illustrationen und einem zerlegbaren Modell des Frauenkörper» in der Ent- wicklungSperiode. Preis geheftet 6 M., gebunden 6,60 M. Für die junge Frau, die Mutter unentbehrlich, für jeden Gatten begehrenswert. Professor Rohleder nennt da» begeistert aufgenommen«, soeben in 3 Auslagen erschienene Werk Die ansgekliirte Z?ratt von TruSka BagienSki.Das Beste, das je über und für die Frau erschienen ist." Mit fünftlccifchen Jlluftralionen, die Frau in allen Lebenslagen. D-cheslet 6 M., gebd. 6,50 M, Wer gute Auftlörung haben will, der lese diese vor- züalichen Bücher. Männer und Frauen der Wissenschaft geben hier ihr Bestes an Lebenserfahrung, Die. Bücher sind einzeln oder zusammen zu beziehen durch:'" Basier& Co., Berlin W 9, SSthkuer Straße 27, Abt. 8. Zeitungsfrauen fDer Sozialij? ' j rTfflher Soxioliftifdx AudlandepoUtifl werden noch in nachstehenden Speditionen eingestellt: 8 tt 1 f n$ «»«tztch. BeSctfttafit tO. Geniel, Uledemfir. is. <0 a ck»« r» h«tchncltttchpla» 2. peuut p, LottuuistraS« 14. «« r r i ck»« r, UtUichlu-r Straße SS. Döring. S!-M,n>r:iiraß» SU. »eterse«. FlenSdurgir«»rat«?«, Zchilsvanert,«»« l«. »lenClc,«rypstra»- 1. «harlottLndAeg: »«rrn»,«»«ftr.«. Lich teabsrgl «»«»«. v-Urlstr.» Nieöerschöneweiüe: «chnssrnnttz Sedanslrat« Steslitz: Nck»«?, AltrtchtKr. � wilmersöorf: »«NN«»«,«etele:»»»«». (fseSher Lazlalisttsche kluslanckspolilitj. Auabhckugige sazlalclemokralisch« Wochenschrift- H«rauo9egedea vo» Dr. Ruck. Breltscheiä. Aatee fränilgn Mlei»lek»i>g«ont Ci. Bernstein, H. Block, H. Haase, Is. ssautsky, A. Stein, H. Sttöbcl u.a. Cbomicmeau vlectelfSdellch Tcfttllunqeo sl»4 aitzaacheR »et de» 3fr.iiteirrtn der Z . eepedinao deefelbe«. Beeli» 7 ; JJIC. Cfn�cln smmer JO Pf, ktl det adchfee» pCtanftalt, rethelt.»der in det Haupl- "30 6, 3 btciapL Mkt. Achtung 1 1 Die Spedition der „Freiheit" ü. Johnnnlrhti befindet sich KaUvr Wi!hc!fastr«0« 33 bei GüalsH. Danknaxun'j. Tör die vielen Be weise heizlicher Teasahme bei dem Hcimj:anjrc meines iaaigstgeliebten unv�rgeB- liehen Minne» und guten Vaters Max Baske sowie fftr die trostreichen Worte des Herrn Pastor Richter am Sarge und Grabe unseres lejircn Entschlafenen und besonders für die zahlreichen Spenden von selten der R.S.W. sage ich am diesem Wege meinen herzlichsten Dank. Berlin, 17. 3. 1919. Lortzinzstr. 11. Frta Iii Bnki 8«Mt TacMtr Siktt. Unabkänclaer, Soziaide«. Wahl verein| f. d.6. Verl Reichstacs�* 4. Abt Bezirk 523. Nachrwi. Am Sonnabend, de« I . Marz, wurde auf dem I Wege ▼. OewerkscHafts» I hause n. se.ner Wphouflf 1 unser OenossOpdcrMal�| Gustav Goast HagenauerstraBe 16. aurch tihea Granat* 1 spütter der Noskegarde I Ströhen und ist in- 1 zwischen verstorbea., Ehre seinen Andenke*' 1 Die Bcerdlgnnf hat am I Montag, den 17. d, M-| bereits stattgefunden. Der VorftanoJ 4* Spezlal- Behandlung+ von Qesehlechts-, Haut- u. Earnleid«® ieder Art bei Männer« und Frauea. 5 per. veraltete(cht�! nlscheV Hanileitlcn u. Ausflösse, ler-öse 8ch»>f? u,v. Bhrllch-hata-Kuren. Biutunrerauchoo*; Licht, und Fit E«--■ nlsche) L_______ W.,___________________ Ehrlich- Hata• Kuren. Biutuniersuchuo*J » und Flnsen- Behandlung-,(Juecksiln�Jj ntzlehungS-Kuren. ElgenesKnr-Bad(ür elektrische a-t medizinische Bäder. Ohna BcrufsitOrnne. Octreante K-5 für Damen und Herren. Aerztllch geleitete Hellanstalt. Löser, rannlrJ, SSI-IIä'ä'ä