Mr. 13«. Äbomtfmttrt«-Hedingungen: Abonnements-Pret» pränumerando: Bierteljährl. Z.Zü Ml., monatl. l.lv Ml.. wöchentltch LS Psg. frei WS Hau«. Einzeln« Nummer 6 Pfg. SonntagS- Nummer mit tllustrirter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" ll) Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für 1897 unter Qt. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige«utland 3 Marl pro Monat. Srschewl täglich außer Montags. Vevlinev VolKsbl�tt. 14. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgefpaltene«olonsl- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für verein«- und BerfammlungS-Anzeigen, sowie Arbeitsmarlt 20 Psg. Inserate Kr dt« nächste Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmittag« in der Expeditto» abgegeben werden. Die Srpedttion ist an Wochenlagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi« S Uhr vormittag« geösfnet. Zernsprecher:»ml I, Nr. 1608, Telegramm-Adresse: ..Soziatdemokral Verlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Vartei Dentschlands. Ziednsition: 8V. 19, Uettty-Straße 2. Dienstag, den IS. Juni 1897. Spedition: SV. 19, Ueuty-Strnße 3; Veutfitzland und die Handels� Politik der englischen Volonien. Noch ist das Verhältiliß Teutschlauds zu dem große» Eiufuhrniarkt der Pereinigteu Staaten ganz ins Unsichere gestellt, und schon taucht eine neue Wolke am Horizonte unserer Handelspolitik auf. Vielleicht lvird sie wieder verfliegen, aber selbst dann wird sie für das handelspolitisch noch immer zer- klüftcte Mitteleuropa eine eigenartige Warnung sein. Bekaliutlich hat Kanada, die große, hoffnungsreiche Ländermaffe im Norden der Vereinigten Staaten, von jeher eine besondere Nolle in dem weltumspannenden britischen Kolonialreich gespielt. Lange Zeit schien das Streben nach Augliederung an die große amerikanische Republik im Süden und die entgegengesetzte Neigung, Kanada zu einem bedeut- samen Zwischenglied zwischen England im Osten nnd den asiatischen und australischen Besitzungen Englands im Westen zu gestalten, die Achse zu bilden, um die sich nach außen hin die ganze Entwickelnng Kanada's drehte. Tie Konservativen, die fast dreißig Jahre hindurch an der Regierung waren, galten als Vertreter der britisch-.iuiperialistischen" Richtung, die Liberalen beschuldigte nian gern der Liebedienerei gegen die Vereinigten Staaten. Vorläufig hat die letztere Richtung vollständig ausgespielt. Im Augenblick sind unter dem Ministerium Lanrier die Liberale» am Ruder, aber gerade sie haben dem Mutter- lande England eine handelspolitische Ausnahmestellung ein- geräumt, die auf die ausivärtigen Handelsbeziehungen aller niittelenropäischeuJndustriestaaten revolutionirend wirken müßte, wenn die übrigen englischen Kolonien den Spuren Kanada's folgen wollten. Ter Abg. Richter spottete in einer der letzten Reichstags- sitzungen über die Befürchtungen der deutschen Industrie gegen- über dem neuen kanadischen Zolltarif. Dieser Tarif, meinte der freisinnige Abgeordnete, sei im Grunde freihändlerisch, er bringe wesentliche Herabsetzungen der Zölle für einzelne Maaren. Das ist richtig. Aber die Höhe der Zölle an sich ist ja vielfach aar nicht entscheidend für die Einfuhr-Erschwernng oder-Erleichterung. Entscheidend für unsere Beziehungen zu Kanada ist, daß die Laurier'sche Tarifreform England eine differentiell günstigere Verzollung bei der Einfuhr zusichert: die Waare jedes anderen Industriestaates soll an den Grenzen Kanada's schlechter behandelt>verden, wie die englische Waare. Damit ist der englischen Konkurrenz ein Vorsprung gegeben, den alle anderen Länder trotz der zum theil beträchtlichen allgemeinen Zollerniäßignngen gar nicht oder nur unter schweren Opfer» einholen können. Trotz aller „sreihändlerischen" Tarifreformen wäre speziell für Deuts land der Wettbewerb auf dem kanadischen Markt wesentlich erschwert und auf allen denjenigen Gebieten ganz unmöglich gemacht, wo zu der industriellen Ebenbürtigkeit und Ueber- legenheit Englands nun auch noch die künstliche staatliche Begünstigung dieses mächtigen Industrielandes treten würde. Selbst wenn das Vorgeyen Kanada's an den bestehenden Verträgen mit Deutschland und Belgien scheitert, so ist es doch von allgemeiner symptomatischer Bedeutung. Die große Wandlung, die sich im Verhältiliß Englands zu seinen Kolonien im letzten Menschenalter mit immer größerer Be- schlennigung vollzogen hat, kommt hier überraschend scharf zum Ausdruck. Einerseits haben die Kolonie» den engl tischen Markt vor allen anderen Absatzgebieten schätzen ge- lernt, weil England inmitten der überall nmsichgreifenden Absperrung und Schntzzöllnerei der freie Markt für alle über- seeischen Produkte geblieben ist. England wiederum, von den Grenzen aller unabhängigen Industriestaaten durch steigende Zölle zurückgewiesen, hat den Werth seiner Kolonien immer höher anschlagen gelernt, selbst wenn diese Kolonien mehr und wehr dem Freihandel entsagten: die englische Bevölkerung, die englische Regierung und Verwaltung, das in Eisenbahnen nnd Schiffen, in sonstigen Anlagen steckende englische Kapital hat trotzdem in diesen Gebieten tausende von Abzugskanäle» für England freigehalten, die anderen Nationen verschlossen sind. Der alte Ruf: Lerisb tbs oolovios!— Nieder mit den Kolonien!— hat keinen Klang mehr, weder bei den Massen, noch bei den großen herrschenden Parteien. Bekanntlich liegen ja diese Verhältnisse in England anders als bei uns. Die Forderung einer engeren wirthschaftspolitischen Verbindung zwischen dem britischen Mutterland und den Kolonien kehrt mit zunehmender Stärke in allen Kreisen, bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten wieder, oft verworren und unklar in den Zielen, jedoch immer bezeichnend für die großbritische Ströniung, die durch alle Volksschichten ohne Ausnahme geht und die in dem Kolonialminister Chamberlain ihren berechnenden und skrupellosen Fürsprecher findet. Man hat Chamberlain auch mit dem Verhalten Kanada's in Verbindung gebracht. Wie weit das richtig ist, vermögen wir nicht zu beurtheilen. Lehrreich ist es jedenfalls, daß die„Times" eS offen aussprechen: Das kanadische Zollgesetz beweise entweder, daß alle Kolonien England zoll- politische Vorzugsrechte einräumen können— oder im anderen Falle, falls die geltenden Handelsverträge dem entgegettständen, daß diese Handelsverträge zu kündigen seien; die öffentliche Meinung Englands werde durch das kanadische Experiment zu einer klaren Stellung- »ahme gezwungen sein. Ist das der Zweck bei der ganzen geräuschvollen Aktion, so würde der Probepfeil, der in Ottawa abgeschossen wurde, weit über sein nächstes Ziel Hinansweisen; er soll die übrigen englischen Kolonien zu ähnlichen Maßnahmen zu gunsteu Englands autreiben oder soll die Schranke der bestehenden Meistbegünstigungs- vertrüge mit Deutschland und Belgien hinwegräumen, um den Weg für einen britisch- kolonialen Zollverein wenigstens von formellen, rechtlichen Hindernissen frei zu niachen— that- sächliche wirthschaftliche Schwierigkeiten werden ja auch dann noch in Hülle nnd Fülle bestehen bleiben. Daß man den englischen Exporteuren das lockende Bild einer ausnahmsweise günstigen Behandlung in Kanada nur vorgaukele, um den Unwillen gegen die deutsch-belgischen Ver- träge zu wecken, die in den Kolonien Extravortheile für Eng- land verbieten— diese Vermuthung gewinnt sehr an Wahrscheinlichkeit, wenn man sich den Wortlaut der in Frage kommenden Vertragsbestimmungen ansieht. Dieser ist unseres Erachtens so nnzweideulig, daß man im Ernste ihren klaren Sinn nicht anzweifeln kann; dies kann nur geschehen, um die öffentliche Aufmerksamkeit in England künstlich längere Zeit für diesen Gegenstand festzuhalten. Artikel 3 und 7 des Vertrages vom 30. Mai 1865 zwischen England und dem deutschen Zollverein lauten: Bei der Ausfuhr nach de» Gebieten und Besitzungen Ihrer Britischen Majestät sollen im Zollverein und bei der Ausfuhr nach dem Zollverein solle» in den Gebielen und Besitzungen Ihrer Britischen Majestät A u s g a n g s a b g a b e u von keinen anderen Maaren und mit keinen» höheren oder andere» Betrage erhoben»verden, als bei der Ausfuhr nach dem in dieser Beziehung am meisten begünsliglen drillen Lande. Die in den vorstehend«»» Artikeln 1 bis 6 getroffenen siilnmunge» finden auch auf die Kolonie» und aus- lvärtigen Besitzungen Ihrer Britischen Majestät Au- »vendung. In diese» Kolonien und Besitzungen solle» die Erzeugnisse der Staaten des Zollvereins keine» höhereu oder anderen Eingangs- Abgaben unterliegen, als die gleichartigen Erzeugnisse deS V« r- einigten Königreichs von Großbritannien und Irland oder irgend eines anderen Landes, und es soll die Anssuhr aus diesen Kolonien oder Besitzungen nach dem Zoll verein keinen höhere» oder anderen Abgabe» uuterivorse»»verden, als die Ausfuhr nach dem Bereinigten Königreich von Groß> brilaunien und Irland. Vvch irgend einer Zweideutigkeit ist hier offenbar nicht die Rede. Erstrebt Herr Chatnberlain also besondere Zoll begünstiguugeu für England in den Kolonien, so mutz er auf die Kündigung der Handelsverträge hinarbeiten. Daß das ein sehr zweischneidiges Vorgehen auch für England wäre, wird Herr Chamberlain hoffentlich schon im Stadium der Vor erörterungen einsehen. Immerhin hätten unsere Schutzzöllner keiir Recht, sich über die Zollvereinsanläufe im britischen Weltreiche zu wundern und zu beklagen. Durch ihre Absperrungspolitik gegen die englische Industrie und gegen die überseeische Land »virthschast haben sie England und seine Kolonien zu engerem Zusammenschluß förmlich gezivuugen. Nus England. London, den 12. Juni 1397. Die Internationale Bergarbeiter-Konferenz ist gestern geschloffen worden. Ueber ihre Berhandluuge» und Beschlüsse sind die Leser des„Vonvärls" bereits unterrichtet, es bleibt also nur ein Rückblick u werfen über das Gesammtbild der Konferenz und ihre» Werth iir die Sache der Bergarbeiter. Es»väre unbillig, a» Konserenzen, die Millionen unter noch sehr verschiedene» Bedingungen produzirende Arbeiter vertreten, die An- sorderung zu stelle», daß sie mit jedem weiteren Jahre neue Ge- danke» oder Forderungen zu Tage fördern. Es kann vernünftiger- weise nicht einmal erwartet werden, daß ihre Beschlüsse von Jahr zu Jahr radikaler aussallen. Im Gegenlheil, der Fortschritt der Bewegung wird sich unter Umständen in scheinbarer Abnahme des»rspninglichen Radikalismus kundgebe». Je weiter man vom Ziel entfernt ist, um so abstrakter kann man es formuliren, je näher man ihm kommt, um so mehr wird man genöthigt, zu unterscheiden. Das zeigt sich überall und bekräftigt sich auch in der Arbeiterbewegung. Mit ihrer Kraft, nächst nach bestimniten Rich- lungen hin ihr kritischer Sin». Solche Differenzen, wie sie in der Frage des Minimallohnes, des Achtstuudentages und der Berstaat- lichung der Bergwerke zu tage traten, lassen sich nicht schlechtweg auf formelle Gesichtspunkte hin beurtheilen, sie find nur aus der be- sondere» Situation der betreffenden Gruppen zu beurtheilen. In der Achlstundenfrage zeigte sich der alte Gegensatz zwischen den Engländern von der Föderation und denen der nationalen Union der Bergarbeiter in uugeschwächter Schärfe. Man weiß, welches die Gründe find, die den Widerstand der letzteren gegen de» allgemein bindenden gesetzlichen Achtstundentag bestimmen. Ein solcher wurde das in ihren Reviere» herrschende System, wo- »ach die Häuer in zwei Schichten von je 6l/s Stunden, die Schlepper und sonstigen Hilfsarbeiter aber in einer Schicht von 10— II Stunden arbeiten, nach ihrer Ansicht unmöglich machen und dazu führen, daß die Arbeit der Häuer ans acht Stunden erhöht würde. Dem Bor- würfe, daß sie soinlt die kurze Arbeit der Häuer durch die lange Arbeitszeit der jugendlichen Arbeiter erkaufen, begegnen sie mit der Behauptung, daß in ihren Revieren(Durham und Northumbcrland) die Knaben wirklich»nr leicht« Arbeit verrichte», während in den Föderationsdistrikten die Knaben für Arbeiten verwandt würden, die den jugendlichen Körper ungebührlich in Anspruch nähmen und von Rechtswegen den Männern zufielen. Ein Delegirter von Durham, den ich darüber interpellirte, erklärte mir noch, daß in den Reviere» der Union die Knaben von den Grubenleitungen engagirt und bezahlt wurden, in den Föderations- distrikten aber die Häuer die Knaben selbst einstellten und nach ihrem Ermessen bezahlte», was unter Umständen zu argem Miß- brauch führe. Sie in Durham paßten sorgfältig auf, daß den Knaben keine zu schweren Arbeiten aufgebürdet würden und wirkten auf allniälige Verringerung der Arbeitszeit derselben, die Arbeit der Häuer sei bei ihnen dagegen sehr viel schwerer als in den meisten Jöderationsdistrikten, weil die Flötze viel schmäler und ungünstiger situirt seien. Was ans die Haltung von Durham und Northumberland ferner- bin einwirkt, ist die Thalsache, daß ca. SSpCt. der dort produzirten Kohle exportirt wird und auf dem Weltniarkt mit der Kohle anderer Länder konkurriren muß, eine Vertheuerung der Produktion daher leicht zum Verlust von Absatzmärkten führen kann. In den Föderalionsdistrikte» wird für den heimischen, oft sogar fast nur für den lokalen Bedarf produzirt,>vo von einer ausländischen Kon« kurrenz keine Rede ist. Sehr natürlich daher, daß man dort für die Denkweise der Leute in Durham kein rechtes Verständniß hat. Dieses Verständniß wird auch da fehle», wo die Arbeiter schwach organisirt sind und die Unternehmer ein absolutistisches Regiment sührcn. In Durham und Northumberland sei die Organisation sehr stark und lasse keine gute Konjunktur vorübergehen, ohne sich Lohnaufbesserungen auszuwirken, die meist ohne Streik bewilligt werden. Daher ihr Sinn für die Rückwirkungen der Markt- Verhältnisse, wie er sich in der Rede des Delegirten Ralph Joung von Northumberland in der Debatte über den Minimallohn zeigte. „So sprechen die Unternehmer," hielten demselben viele Delegirte entgegen, als er ihnen klarzumachen suchte, daß ein ohne Rücksicht ans die Marktkonjunkturen uormirter Minimal- lohn eine Unmöglichkeit sei. Das ist richtig, aber die Häuer von Durham und Northumberland sind der Position der Unternehmer aber schon sehr viel näher wie die Bergarbeiter: anderer englischer und der meiste» festländischen Reviere. Ralph Aoung speziell macht übrigens den Eindruck eines Doktrinärs. Wäre er dies nicht, so würde er die Frage ganz anders gestellt haben. Er behandelte die Minimallohnfrage aus dem Gesichtswinkel des häuslichen Konflikts der Engländer, was über die internationale Seite der Frage zu sagen war, wurde wohl am prägnantesten von Möller hervorgehoben. In der Abstimmung über die Minimallohnfrage stimmten außer den iDelegirten von Northumberland und Durhan» auch die von Süd-Wales mit Nein, die in der Frage des gesetzlichen Achtstundelt- lages mit der Majorität gegangen wären. Die Erklärung dieses sch«»- baren Widerspruchs besteht darin, daß in Süd-Wales»vi« im Nord- osle» für den Export produzirt»vird, die Flötze aber ziemlich dick uud die Häuer durchaus nicht die qualifizirtcn Arbeiter, ihre Organi- sationen auch sehr viel mangelhafter find wie in» Norden. Bei der Frage der Nalionalisirnng der Bergwerke dagegen stellten sich»eben de»„Manchesterleuten" von Durhain auch die Sozialdemokraten a»iL Deutschland ablehnend, während die meist gut liberalen Delegirte»» der englischen Föderation Mann für Mann für die Berstaatlichung stimmten. Hier»var eben die Machtstellung der Arbeiter im Staat uud die Natur des Staats ein entscheidender Punkt. Für die euglischei» Arbeiter liegt kein politischer Grund vor, sich der Erweiterung der Machtsphäre des Staates zu widersetzen, auch in Belgien und Frankreich ist die Demokratisirnng des Staates so weit vorgeschritten. daß die Arbeiter keine Furcht haben, beim Staat schlechter»veg- zukommen,»vie bei Privatunternehmern; anders in Deutsch- land, wo der Staatsarbeiter, selbst wen» er in einigen Punkten ökonomisch besser daran»st wie der Privat- arbeiter, dafür seine, auch sonst prekäre Unabhä»»gigkeit völlig verliert. Die Resolulio» über die internationale Regulimng der Kohlenproduktiou kann bei der schon ungleichartige» Stärk« der Orgänlsatiou und des Einstnsses der Bergarbeiter in de» verschiede»»«» Ländern vorläufig nur als ein frommer Wunsch betrachtet»verde». Sie»väre heule nur durch eine Koalition der Unternehmer zu erreichen, die in den meisten Ländern die Ansprüche und Bedürfniff« der Slrbeiler schlechtweg ignoriren»vürde. Es hatte denn auch niemand eine» praktischen Plan in Vorschlag zn bringen, der auf alle Länder paßte. So zeigte die Konferenz, außer in solchen Punkten, wie Unfall- Versicherung, Altersversicherung»c., noch zienilich starke Meinungs- Verschiedenheiten, die sogar manchmal sich in schärferer Weise geltend »lachten,»vie auf frühere» Konferenzen. Man»vürde aber sehr sehE gehen,»venn man aus der Thatsache, daß die Konferenz nicht all« internationalen und selbst nicht ennnal alle innerhalb der Natio»»«»» vorhandene» Verschiedenheiten der Interessen beseitigen konnte, die Nutzlosigkeit der Kousereuz folger»»vollte. Diese Verschiedenheiten können nicht durch abstrakte Resolutionen aus der Welt geschafft: »»'erden,»och»verde» sie dad»irch verringert, daß nia» sie ignorirt. Sie»nüssen«rkanut, müssen in ihrer vollen Tragweite den Be- theiligten zum Beiviißtsein gebracht»verde», um überwunden»verde». zu können. Neben ihnen giebt es genng Punkte, wo die Gemeinsamkeit der Interessen überwiegt, so daß selbst die heftigsten Diskussionen das- Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht beeinträchtige». Die Dis- kussioiien»verde» schließlich doch die Wege zeigen, die zur Verein- barung führen. In der Frage des Achtstundentages sind die Bergt! arbeiter von Dnrhan» nnd Northuniberland wenigstens so ivei gebracht, daß sie ernsthaft daraus hinarbeite», schrittweise die Arbeitszeit der Förderjungen zu verkürzen, und in der Frage des Minimallohues haben belgische, deutsche und französische Delegirte- Gesichtspunkte hervorgehoben, deren Berücksichtigung bei den ent» Precheudeu Gelegenheit«» alles bedeute»»vürde, was unter de» heutigen Berhältuissen in dieser Hinsicht geschehen kann. Für die Engländer, die die höchste» Löhne einpfaiigen,»velche heute überhaupt gezahlt»verde», löiiute ei» internationaler Minimallohn zur Zeit keinei, Gegenstand des Kampfes bilde»,»veil dessen»ililhmaßliche Höhe kau»» an das heranreichen würde,»vas sie alS Hungerlohn bezeichne». Der nächste Schritt heißt Unterstützung der Arbeiter derjenigen Länder, die heute liefer als sie stehen, in allen Käinpfen für Aufdesserung ihrer Löhne,»nd was Geld nicht thut, kann durch andere Formen der Hilse geschehen. Auf jeden Fall hat die Konferenz viel dazu beigetragen, die Erkenntniß der Sachlage in den verschiedene» Länder» zu«rw«it«r» und das gegenseitige Verständniß zu erhöhe».— Politische Mebevstchk. Berlin, 14. Juni. Der österreichische Parteitag hat nach siebentägigen Verhandlmigen seine Arbeiten beendet. Unsere Leser sind durch genaue Berichte von dem Gang der Debatten und Berathuugen und von allen Beschlüssen in Kenntniß gesetzt worden, und sie haben sich überzeugt, wie prinzipieuklar und zu- gleich wie praktisch uusere österreichischen Genossen zu Werke gehen. Ter einzig sichere Führer in dem Irrgarten der unzählige Möglichkeiten bietenden Praxis ist stets das Prinzip, das wohl nicht augenblickliche Jrrthümer, aber doch dauerndes Irregehen ausschließt. Mit reckt blickt die Wiener„Arbeiterzeitung" voller Gcuugthnnng auf das Wachs- thum der österreichischen Sozialdemokratie zurück und zeigt den ungeheuren Fortschritt, den die Beivegung seit dem ersten Parteitag in Haiufcld gemacht hat, welche Wegstrecke in den acht Jahren zwischen jenem und zwischen dem jüngsten— sechsten— Parteitag zurückgelegt worden ist. Das Geleistete haben wir um so höher zu schätzen, als es unter besonders ungünstigen Verhältnissen und Aktions- bedinguugen geleistet worden ist. Wir Deutsche, gleich allen einheitlichen Nationen, können uns nur schwer einen Begriff von den Hindernissen bilden, die durch Ver- s eh i e d e n h e i t der Nationalität und Sprache jeder Organisation geschaffen werden. Jeder, der inter- nationalen Kongressen beigewohnt hat, weiß, welche Mühe bei Eprachcuverschicdeuheit jede Verständigung, auch über die ein- fachsteer Fragen darbietet. Und Oesterreich ist das Land der vielen Nationalitäten und Sprachen. Während die eine Neichshälfte Ungarn, Slaveu und Rumänen enthält, hat die andere neben den Deutschen mehrere Slavenstämme, vor allem die Czechen und Polen. Und all diese Stämme sind durch die unfähige und reaktionäre Politik der herrschenden Klassen und Parteien seit Jahrhunderten in einer Weise gegen einander verhetzt worden, daß es eine Riesen- aufgäbe est, die gemeinsamen 5klassenziele des Proletariats den Masse» zum Bewußtsein zu bringen. Der Sozialismus, dem diese Aufgabe zugefallen ist, hat schon Großes gewirkt— aber viel, viel bleibt noch zu thun übrig. Der jüngste Kongreß hat sein Theil gethan, um die nationalen lCegensätze auszugleichen, die internationalen Gedanken mit den nationale»— nicht zu versöhnen, denn beide s'i n d einander nicht feindlich— sondern zu g e m e i» s a m e m Streben und Kämpfen zu vereinigen, und die Partei innerlich wie äußerlich zu stärken. Unsere österreichischen Genossen haben bisher in den ver- wickeltsten Lagen ein solches Geschick bewiesen, daß wir nicht den leisesten Ziveifel hegen: sie werde» auch die N a t i o n a- ch i t ä t e n f r a g e, au welcher die dynastischen wie die kapita- listischen Parteien sämmtlich gescheitert sind, z« lösen verstehen, und das Berechtigte des nationalen Prinzips auf dem Bode» des internationalen Prinzips zur Geltung zu bringen wissen.— Buch ein„Attentat". Ein Attentat, wie es besser Nicht erfunden werden kann, um die Attentäterei und ihre staatsretterischc Ausnutzung in ihrer ganzen Lächerlichkeit zu zeigen. Gin uugehenres Ereigniß, so heißt es zuerst. Präsident Faure in Gefahr.„Glücklicherweise" ist ihm nichts passirt. Die Menge stürzt über den Bösewicht her. Aber sie packt einen Gehennpolizisten, den sie tüchtig verprügelt und der dafür eine Medaille bekommt. Der„Attentäter" wird nicht gefunden. Dafür stellt sich heraus, daß das Atteutatswerkzeug ein ganz ungefährliches Kinderspielzeug war. Und die Polizei selbst festeht, daß das ganze entweder die That eines Irr- innigen oder ein Gassenbuben scherz war. Daß der„Attentäter" unauffindbar ist, ist immerhin merkwürdig. Und merkwürdig ist auch, daß der Geheimpolizist, der nach der Explosion zum Ort der„That" stiirzt und nun das uisschuldige Bleirohr in die Hand nimmt, von der Menge als Thäter angesehen wird. Aber trotz dieser sonderbaren Unistände kann man kaum glauben, daß hier Polizeimache vorliegt. Denn die Sache wäre etwas z« dumm angefangen. Es ist ein Bubenstreich und weiter nichts. Daß der Bubenstreich unseren Staatsrettungsfanatikern, wie sie in der„Post" und den„Verl. Pol. Nachr." toben. An- laß giebt zu den gewohnten Tiraden gegen Revolutionäre und Sozialdemokratie, ist selbstverständlich; alle vernünftigen Blätter weisen dagegen jede politische Fruktifizirung der Kinderei zurück. Weit interessanter als das Verhalten jener Blätter ist das Verhalten der hohen Diplomati«. Die Vertreter der ausländischen Mächte kamen angefahren und beglückwünschten Herrn Faure mit «rnftester Miene, daß er der großen Gefahr entronnen; die ausländischen Höf« sandten Gratulations« Telegramme..... Mehr Komik ans einmal ist wohl nicht möglich! In de« Niederlanden finden morgen die Wahlen statt. Es find die ersten Wahlen unter dem neuen Wahlgesetz und die ersten Wahl«, an denen die junge sozialdemokratische Partei theilnimmt. Unsere Partei kämpft dort unter den deukdar schwierigsten Umständen. Hoffentlich wird ihr der Erfolg, wenigstens vorläufig der moralische Erfolg, nicht aus- bleeben.— D«r Sdangelisch-Soziale Kongreß, der vor acht Jahre» be- gründe« wurde, als sich evangelisch-iheologische Kreis« mehr mit de« sozialen Problemen zu beschäfligen begannen, hat, wie unsere L«s«r aus den Berichten ersehen haben, vergangene Woche i» Leipzig seine diesjährige Generalversammlung abgehalten. Wir beben das Befühl, als wenn es mit der Glanzperiode dieser Richtung vorbei sei. Die Zeit ist nicht mehr danach. Das Jahr 1SS0, daS Gründungsjahr des Kongresses, hatte die „Febrnar-Erlasse" gebracht. Heute weht der offizielle Wind aus eiuer anderen Ecke, und wir haben zu dem Nach- wuchs jener Kreise, auf die der Kongreß angewiesen ist, nicht das Berlraue», daß er sich in einer dauernden Oppofitionsstellung wohl fühlen werde. Dazu sind neuerdings Absplitterungen ge- kommen. Diejenigen, die mit ihren sozialen Theorien einen prak- tischen Versuch wage« wollen, haben sich den„National-sozialen Berein" gegründet, die mehr positiv- christlich gerichteten sind imter Führung Stöcker's zu einer„kirchlich-soztalen" Gruppe zusammen- geschlossen ivorden. Trotzdem ist der Evangelisch-Soziale Kongreß auch diesmal wieder zahlreich besucht worden und brachte zum theil recht inteeessant« Vor- träge und Diskussionen. Die alte Garde ist eben geblieben und hat der gerade neuerdings recht ausdringlich hervordrängenden Reaktion gegen alle? kathedersozialistischen und christlichsozialen Bestrebungen ganz deutlich geantwortet, freilich mehr durch Ironie und allerlei Anzüglichkeiten. Zu der hanebüchenen Grobheit Heinrich von Treilschke's, der vor zwei Jahren dein Waffenschmied von der Caar das„Schuster, bleib bei deinem Leisten!" entgegenrief, wagte sich keiner der Angegriffenen aufzuschwingen. Von den auf dem Kongreß gehaltenen Rede» waren unS namentlich die des eben Professor gewordenen Herrn Oldenberg und die d«S Professors S ch m o l l e r von Interesse. Der letztere brachte den altbewährten Trost, daß der Mittel- stand ja gar nicht bedroht sei, daß vielmehr Handwerk und Vauernstaud erhalte» bleiben werden, und sich außerdem auch noch der„neue Mittelstand" der Betriebsbeamten in den industrielle» Werken bilde.. Der junge Professor Oldenberg malte in den schwärzesten Farben die Gefahre» an die Wand, die den Industrie- staate» daran? drohen, daß sich die Länder, nach denen heut« ausgeführt wird, mehr»rnd mehr emanzipiren und u»S schließlich nicht mehr brauchen werden, unS auch die Nahrungsmiitel- Zufuhr verweigern würden, sodaß am Ende das ganze Cystern der heutigen Wcltwirthschaft elend zusainmen- brechen müsse. Eigentliche organisatorische Aufgaben' lagen dem Kongreß nicht vor. Und bei der oben angedeutete» garnicht mehr recht „sozialen"€( immunst der jüngeren Generatio» jener Kreise darf man dem Kongreß auch für die Zuknust kaum proguosiizire», daß er große Heldenlhate» verrichten werde. Ist doch nicht einmal das, was er sich früher vorgenommen, ausgeführt worden. Es war ja geplant, vorzugsweise durch Landgeiftliche eine Enquete über die soziale Lage der Landarbeiter aufzunehme». Fragebogen sind auch verschickt worden und sind zum theil ausgefüllt zurückgekommen. Das Material ist dann, so viel wir wissen, Herrn Prof Max Weber in Freibnrg überwiesen worden,— aber damit ist die Geschichte zu Ende. Zins Licht der Welt ist davon nichts geiomiNe», und wenn man ans de» Evangelisch-Soziale» Kongreß warten müßte, dann würde man heute über die soziale Lage der Landarbeiter noch recht wenig wisse».— „Die Hintrniiäiiner" haben eine kindische Freude: Im „Kladderadatsch" schlagen sie die tollsten Purzelbäume, daß sie so gut davon gekommen sind. Es ist aber noch nicht aller Tage Abend. Was die um Tausch herum gethan haben, gegen wen es gerichtet war, in welcher Ab- ficht und in wessen Interesse eS geschehen ist, das weiß heute jeder, der Augen hat zu sehen. Daß es Personen giebt, die vom„Ncichs-Auzeiger" des Landesverraths angeklagt und überführt sind, daS weiß auch jedermann, obgleich die sJustiz diese Personen nicht erreichen zu können scheint. Und daß Zustande, die solches ermöglichen, durch und durch faul sind, das weiß jeder, der denken kann.— lieber die Sitnation auf der Balkan-Halbinsel liegen folgende wichtigere Nachrichten vor: K o n st a» t i n o p e l, 13. Juni. Morgen findet hier die fünfte Sitzung zum Zweck der Friedensverhandlungen statt. Dieselben nehmen ihre» regelmäßige» Fortgang. Athen, 12. Jmn Nach bier vorliegenden Meldungen habe der Gouverneur von Bolo nachstehende Proklamation veröfsent- licht: Auf Beseht der kaiserlichen Regierung wird das be- wcgliche und unbewegliche Eigenthum derjenigen Personen, welche Thessalien verlassen haben und flüchtig geworden sind, soweit sie nicht binnen 14 Tagen vo» heule ab in die Heimalh zurückkehren, zu gunste» des türkische» Staates konfiszirt. Athen, 13. Juni. Jnfolge des große Aufregung hervor- rufenden Erlasses deS türkische» Kommandanten in Thessalien, ivorin die Flüchtlinge aufgefordert werden, binnen vierzehn Tagen zurückzukehren, da sonst ihr Besitzthum zu guusten des türkischen Staates verfällt, und weil auch die neuerliche Vorivärlsbeivegniig des lürkischen HeereS gegen die Theruiopylen beuiiruhigt, hat die Regierung de» Großmächten eine neue Protestnole übermittelt. Der Kronprinz hat wegen dieser Maßnahme» seitens der Türkei bei Echem Pascha persönlich Beschwerde erhoben, indeß erklärte dieser,»ach Konstanlinopeler Ordres zu handeln. Köln, 14. J»»i. Ans Bukarest wird drr„K. Z." telegraphirt: Ein hiesiges Blatt bestätigt anS glaubwürdiger Quelle die neiier- dings verbreiteten Meldungen über bulgarische Rüstungen und bulgarische Truppenansammlungen an der Dobrudscha-Grenze.— •* * Deutsches Reich. — iß o m Vereinsgesetz. Protestkundgebungen werden gemeldet aus Hagen, Schweidnitz und B r e>» e n. In letzterer S>adt iverden die Gewerkschaften nächster Tage lö Gewerkschaftsversammlungen abhalten. Die Vorstände der national- liberalen V e r e i» e z» Elberfeld und Barme», denen auch die Landtags- Abgeordneten v. Knapp und Dr. Böttinger augehöre», habe einstimmig folgende Resolution beschlossen: Angesichts der durch die Haltung der konservativen Partei herbeigesührten Gefahr, daß das vo» der Regierung bedauerlicher- weise vorgelegie reaktionäre Bereinsgesetz in seiner Ursprung- lichen oder einer ähnliche» Fassung zur Verabschiedung gelange, er- achte» die Vorstände der»atioualliberaleu Wahlvereine vo» Elberfeld und Barmen es für geboten, sich, unter Verzicht auf das Ergebniß der dritten Lesung, nunmehr der Vorlage gegenüber auf einen im» bedingt ablehnenden Standpunkt zu stellen."— Gleichzeitig beschloffen die Vorstände, den Abgeordneten des Wahlkreises von dieser Re- solntion Kenntmß zu geben mit dem dringende» Ersuchen, im Sinne derselben wirken und stimme» zu wollen. Die„Rational- Zeitung" erachtet diese Beschlüsse für um so bemerkensiverther, da Elberfeld und Barmen bekanuilich große Industriestädte sind: die Vertheidiger der Vereiiisgesetznovelle behaupten, in den Jndustriebezirken, nnmenllich den rheinisch-west- fälischen, sei die nationalliberale Partei mit der Ablehnung des Regierungsentwurfs oder des freikonservativeu Antrags seitens der Nationalliberalen des Abgeordnetenhauses nicht etnverstanden. In L a n g e n g r a s s a u im Kreise Bitterfeld hat der Amts- Vorsteher sich geweigert, in einer Versammlung dem Ersuchen des Vorsitzende» nachzukommen und einen Betrunkenen e n t- fernen zu lassen, welcher fortgesetzt Störung verursacht«; der a irrv« sende Gendarm aber berief sich aus den Amtsvorsteher. Als die Srönnias versuche dann fortgesetzt wurde», erklärte der Amis- Vorsteher Kötting die Versammlung für a u s g e l ö st. Das ist auch ei« Bettrag zu der Vereinspolizei. ivi« sie nicht nur in Putt- kamernn, sondern auch in der Provinz Sachsen ausgeübt wird. Warum hat denn der Vorsitzende den Störenfried nicht hinausführen lasse». Auf grund des Hausrechts war er dazu durchaus berechtigt. — M i q u e l hat seine Kur in Wiesbaden unterbrochen, um nach Berlin zu reisen. Er hat hier heute Vormittag mit dem Reichskanzler eine lange Besprechung gehabt. Ob diese besondere Miquel» Fahrt von weiterer Bedeutung ist,»veiß man nicht.— — AI? Nachfolger D r. Bödiker's in der Präsidenten- stelle de? Reichs-Berstchernngsamts wird Geh. Rath v. Wödike ge- nannt.— — Was nun? Berdntzt stehen die Junker vor dem Börsen- streik. Sie können die Feenpalast-Bereinigung schließen und die Börse leeren, aber sie können die Börse nicht füllen.„Will man etwa Dienstmänner an die Produktenbörse schicke», daß sie die Preise machen und notiren?" fragt spöttisch die„Freisinnige Zeitung". Nu», vielleicht toniniandirt man Unterosstziere.— — Ein unwürdiger Beamter— und inSbefondere unwürdig,„Polizeiverwatter" zu fein, ist nach der bekannten von uns mitgetheilten Entscheidung des preußischen Ober-Berwaltungsgerichts vom 29. Januar dieses Jahres ein solcher Beamter, der die Besire- bungen der Sozialdemokraii«, als einer Umslnrzparlei,„bewußt unter- stützt oder fördert!!" Das ist zwar«ine ganz verkehrte Auffassung vom Standpunkt des„ u» p a r t e i i s ch e>» Staates" oder sogeiia»>iten „Rechtsstaates", allein da ivir a» diesen niemals geglaubt habe», so wollen wir mit jener Aufsassung auch nicht rechten. Gar wunderlich aber ist es, wenn in demselben Entscheid, den die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" jetzt vollständig abdruckt, ausgesprochen wird, schon die Thatsache, daß ein Be- amier„den Versuch»lackst, die Sozialdemokratie fach« l i ch zu widerlege», anstatt die aufreizenden Be- h a u p t u n g e u energisch zurückzuweisen"(wörtlich!)— schon die bloße Thatsache der sachliche» Widerlegung statt der energische» Zurückweisniig genüge, einen Beamten der Beamtenqualität„un- würdig' zu erklären. Sachliche Widerlegung eines preußischen Beamten unwürdig! Und es gab eine Zeit, wo Preußen sich Jntelligenzstaat nannte.— — Reue Fortschritte in der Mordwaffen- Technik. Kaum ist die neue Artilleriegeschütz-Konftrnklioii scriig f«stellt und wird an der Ausrüstung der Truppen mit dem„Schnell- ener-Geschntz" in allen„zivilisirten" Ländern gearbeitet, da taucht schon die Ankündigung auf, daß auch auf dem Gebiet der I ii f a u t e r i e b e>v a f fu n n g wiederum neue Uimväkzmigen be- vorstehen. Der„Züricher Post" werden hierüber einige interessante Miltheilnng«» gemacht.— Nach einer Schilderung der bisherige» Eutwickelung i» der infanterislischeli Waffenlechuik schreibt das Blatt: „Die Technik ist jedoch in jüngsier Zeit zu Erfolgen gelangt. welche es durchaus mchl uiiiöglich erscheine» lasse», daß die Um- Wandlung beziehungsweise Neubewaffuung i» verhältuiß« mäßig kurzer F r ist vor sich gehen i»ag. Wenn noch einige Jahre uns von dem nächsten großen europäischeil Kriege trennen sollte», so wird die Jnfanlerie alsdann mit„ S e l b st l a d e r n" oder „automatischen H a n d f e u e r w a f s e n", die Artillerie aber mit Schnellseuergkschiitzeil ins Feld ziehe». Bis jetzt liegen freilich»nr kriegsbranchbareKonstruk- t i o n c ii von„automatische» Pistolen* vor, welch« eben daran sind, den Revolver völlig z» verdrängen. Dies« Selbfilader benutzen i» genialster Weise den Rückstoß, um den Ber- schluß zu öffnen, die leere Hülse aiiszniverfen, die Schlagvorrichtung zu spauiie» und die neue aus dem Magazin aufsteigelide Patrone durch den Verschluß in das Lager im Laufe zu verbringen. Ein mit einer solche» Waffe ausgerüsteter Schütze hat demnach nur nöthig, das Magazin jeiveilen zu füllen und de» ganz eu Mechanismus in Bewegung zu setzen- Er hat de» größsn Vortheil für sich, daß er in den entscheidenden Augenblickeii des Gefechtes, also wenn es nöthig wird, Magazin- feuer abzugeben, nur zu zielen und abzudrücken bra u ch t. Alle Slörnngeil, welche die Ladearbeit so gerne entstthe» sieht, wenn des Soldaten Geist durch die Aufreanng getrübt wird, sind ver- "mieden: denn die Waffe besorgt za alles selbstthätig bis auf das Zielfassen und die Abgabe der einzelnen Schüsse. Die Kaltblütigkeit und damit die Kampfestüchtigkeit des Jnfauteriste» luüsseu bei Benutzung eines technisch vollendeten Selbstladers ganz gewallig gehoben iverden. Um die Waffe dann vollkommen auszunützen, bedarf es jedoch noch erheblicher Verbesserungen an den Zielvorrichtungen. Vielleicht wird dies am ehesten durch die Anwendung der ringförmigen ameri- kailischen Visire des Sysienis Lyman erreicht werden.... Auch die Chemie, welche bislang die Waffentechnik so kräftig unterstützle und ohne deren Ausgestaltnug des rauchschwachen Treibiuittels die mit dem Minimalkaliber zusamlilenhällgenden Verbesserungen nie ermöglicht worden tväre», wird in Bälde mit de» Grundlagen für eine neue Mu- n i t i o n auf den Plan trete». Die schuellfeuerude» Gewehre brauchen viele Patronen; der Man» wird jedoch kaum inehr wie 150 Stück(mlt Melallhiilseii) ins Gefecht trage» können und i» diesem Falle iminerhi» sehr stark belastet erscheinen. Wenn- gleich diese Zahl im allgemeinen ausreichen mag, so dürfte» sich doch in den Zukunstsschlachten einzelne Truppenlheile noch leichter verschießen, wie die? in den letzten Feldzüge» geschehen ist. Der ausreichende MunitionSersatz aber erscheint gerade im Zeitalter der weiltragenden flachbahnigen Gewehrschüsse als eine oft unüberwindliche Schwierigkeit. Die Militärchemie strebt nun danach, Patronen zu erzeugen, welche in ihrer Hülse einen Theil des Treibmittel? darstellen und dementsprechend etwa zehnmal weniger als die heutigen Metallpatroiieii wiegen würden. Da die Selbstlader keines gasdichten Verschlusses bedürfen, so hätte die Verwendung derartiger verdrennbarer, aber natürlich gegen Witternngs- und andere Einflüsse unempfindlicher Hülsen keinerlei Schlvierigkeiten." Welch' furchtbare Perspektive eröffnet sich da wieder! So arbeilet der Erfindergeist des Knllurnienschen an der Bervollkomm- nuiig der Instrumente, welche seine Werke und ihn selbst vernichte» sollen. Welch' ungeheurer Wahnwitz!— — Konservativer H o ch»> u t h. Einen kleinen, � netten Einblick in die politische Philosophie unserer Junker giebt«ine Be- lrachtung der„Deutschen Tageszeitung", die davon ausgeht, Bi?- marck's Krakehlereien nach seiner Dienslelitlassung»u«»tschuldige». Das Blatt weist auf das Wort Bismarck's hin.„ihm sei zeitlebens Politik als die vornehmste Beschäftigung des freien Mannes er- schienen". Anstatt aus diesem gewiß guten Wort zu folgern, daß das Ideal der Volkseniwickelmig darin zu suchen fei, daß zederinann frei sei und jedermann Politik treibe zum Wohle des Gemeinwesens, sagt das Agrarierblatt: „Unziveifelhaft war sein«(Bismarck's) Auffassung die der Gernlanen bei ihrem Eintritte in die Weltgeschichte: für Frei« und Edel« Jagd, Krieg und Elaatsgeschäfte, den Tod auf der Wahlstatt und ein ewiges Heldenleben in Siegvaters hoher Helden- halle; für de» Niedern die ruh in lose Arbeit und im Jenseits die Vergessenheit in Frickas Knechtschaft." Und diese Aliffassiliig der Dinge verherrlicht alSdann die „Deutsche Tageszeitliilg" des langen und breiten. Da zeigt sich der ganze Arlstokraleiiftolz dieser Gesellen. Aber die Beschichte sargt sie sammt ihrem Stolz ein. Die Arbeit überreitet die Jäger und Krieger und aus der Arbeit, der freien,»nächst die»vahrhast gedeihliche politische Thätigkeit hervor! — Ans den Ferienkolonien. Die„Münchener Post" berichtet: A»n Pfingstsouabend, miltags 12 Uhr, erschoß sich der Bedienle Wolfgang Rödl des Premierlie»»t«na»ts Rudolf Frhrn. v. Pölluitz vom 1. Ulaueurcgiment in dessen Wohnung, Kanal- straße 3�1. mit dem Jagdgewehre seines Herrn. Der Leichnam deS unglücklichen Selbstmörders»vurde am Donnerstag,«chmittags vier Uhr, in» nördliche» Friedhose beerdigt. WaS den armen Offiziers« burschen in den Tod getrieben hat, ist noch nicht völlig aufgeklärt. Jedenfalls, so schreibt unser Brnderorgan, erscheint«S angezeigt, daß seitens der»nilitärischen Vorgesetzten ein« strroo« Untersuchung zur Feststellung des Sachverhalts eingeleitet wird, denn dies erscheint um so nothweudig«. als bereits recht sonderbare Ge- rüchte in der Nachbarschaft über den Fall kursiren. Recht eige»»- thüinlich muß es auch aumuthen, daß bis jetzt auch der Polizeibericht ganz geschwiegen hat.— — Nach amtlicher Feststellung wurden bei der am 9. d. stattgehabten Reichstags-Ersatzwahl im Wiesbadener Wahl- kreise 20 570 Stimmen abgegeben. Hiervon erhiellen Wiutermeyer (ftf. Vp.) 6761 St.. vo» Fugger(Z.) 5541 St., Dr. Quarck(Soz.) 5207 St. und Stadtrath Bartling(»all.) 3058 Stimmen. Die Sttch- »vahl zivischen Winlermeyer und v. Fugger ist aus den 23. d. M. festgesetzt.— — Di« freien religiösen Gen» ein den Deutsch« l a n d s haben in Mainz ihre 17. Bundesversammlung abgehalten. Zahlreiche Städte»varen vertrete». Man beschloß, beim Reichstage und Bundesrathe wegen Einführung einer für Dissidenten geeignete» Eidesforniel Schritt« zu unternehmen. Weiler besprach man die Ein- »virkiuig des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches auf die Recht« der« jenigen freie« Gemeinden, die Eigenthnm besitzen.— — Wie»» an die Dänen zu guten Preußen macht. Die Wahl des Herrn P. Petersen zum Genieindevorsteher in. Scherredek ist vom Landrath nicht bestätigt. Die Wahl ist jetzt zum � dritten Male schon kasfirt»vorde»! Gotha, 13. Juni,(ffiig. Ber.) Der gemeinschaflliche Landtag von Koburg-Golha wurde am Sonnabend nach ca. fiebenwöchiger Dauer geschlossen. Noch kein Landtag hat das Interesse der Be- Völkern, ig so erweckt, als dieser letzlverflosse»». Der Eintritt der sieben Sozialdeniokraten, die von denselbeii auf die Tagesordnung gebrachten Fragen: Ziveijährige Etats» Periode, Fabrikinspeklorat und andere gaben zu heftigen Debatten Anlaß. Die Sozialdemolraten haben dabei gut abgeschnitten, ihre Anträge sind,»vie bereits telegraphisch berichtet,! sogar ei ii stimm ig angenommen worden. Ein Antrag des Genossen Bock namens der Fraktion, den BnudeSraihs-Vertreter im Bundesrath dahin zu instruire», daß er für das von de»» Reichstage beschlossene Bereins-Rothgeseh in der von» Reichstag be- schlossenen Fassung siimme, wurde gleichfalls einstimmig angenoinmen. Am Moi»lag, den 14. d. begiunt der Spezial-Landtag� für Gotha. Unser« Fraktion stellt folgende Anträge: 1. Abänderung tefp. Beseitigung der Gesinde-Ordnung. 2. Den Stnat zu verpflichten, bei Vergebung von Arbeiten Minininl-Lohnsätze, AmUSjcU jc. den Unteriiehiner» als Bedingungen vorzuschreiben. 3. Erhöhung resp. Aufbesserung der Gehälter und Lohne der unteren Klasse der Staatsbeamten und staatliche» Arbeiter. 4. Negnlirung des Wildschadens. Die Fraktion wird ihre ganze Kraft einsetzen, diese Forderunge» durchzudrücken.— — Gegen den P a st o r S ch a l l ist. wie der„Saale-Ztg." ans Braunschweig geschrieben wird, das förmliche Disziplinar« verfahre» wegen seines Verhaltens dein Konsistorium gegenüber eingeleitet worden. Daneben ist jetzt auch seine Suspension vom Amte versügt»»d der Pastor Moschütz in Saalsdors als Verwalter der Bahrdorfer Psarrstelle eingesetzt worden. — Chronik der Majestätsbeleidigungs-Pro- zesse. Wie früher mitgetheilt, wurde der Dienstknecht Paulsen in Pamhule(Nordschleswig) wegen M a j e st ä t s b e l e i d i- gung zu zwei Jahren Gefängniß verurtheilt, bald darauf aber gegen Hinterlegung einer Kaution von 2000 M. aus dem Gerichtsgefängnisse in Glüctstadt vorläusig entlassen. Jetzt ist nun die Wiederaufnahme des Verfahrens beschlossen und dieserhalb vom Landgericht i» Flensburg ein Termin aus den 18. d. M. anberaumt worden, zu dem zahlreiche Zeugen geladen sind. Der Hauptbelaftungs-Zeuge des Verurtheilten aber, sein Mitknecht Franck, hat sich inzwischen über die Grenze ge- flüchtet. Die Knechte des Hnfners Vogt in Broballig ans Alfen hatten an der Wand ihrer Schlafkaunner ein Kaiserbitd und vier schwarz-weiß-rothe Papierfahnen angebracht. Der däiusch gesinnte Dienstherr forderte nnn seine Knechte auf, das Kaiser« bild und die Fahnen herunterzunehmen und als dies nicht geschah, entfernte er die Gegenstände selbst von der Wand. Als Vogt am andern Tage beuierkle, daß die Knechte, vermuthlich um ihn zu ärgern, wiederum Bild und Fahnen a» der Wand be- festigt hatten, riß er beides gewaltsam herunter. Hierbei wurden die Fahne» beschädigt und auch das Kaiserbild zerknittert. Die Angelegenheit kam zur Anzeige und Vogt wurde wegen Majestäts- beleidigung und Sachbeschädigung unter Anklage gestellt. Der Staatsanwalt, welcher in der Z e r k n i t t e r u n g des Kaiser- bild es eine MajestälsbeleidiguNg erblickte, beantragte in der dieserhalb vor der Strafkammer in Flensburg anstehenden Hauptverhandlung gegen den Angeklagte» eine Gejängnißstrafe von zwei Monaten und wegen der Beschädigung der etwa 25 Pf. an Werth habenden Papierfahne» 3 M. Geldstrafe. Das Gericht setzte die Publikation des Urtheils bis zum Freitag, den 18. d. M., aus. Schweiz. Vern, 12. Juni.(Eig. Ver.) A»S den Verhandlungen der am Dienstag zusammengetretenen Bundesversammlung ist nicht viel Wichliges herauszuheben. Im Nationalrath machte der Waadlländer F o n j a l l a g, Mitbegründer des neuen Bauern- Verbandes und Mitglied des Verbaudsvorstandes einen agrarisch- s ch n tz z ö l l n e r i s ch e n Vorstoß in Gestalt einer Motion au Unterstellung der Handelsverträge unter das Li e f e r e n d u m, wobei ihn der katholische Sozialpolitiker Dr. Decurtius, ebenfalls Milbegründer und Vorstandsmitglied des Bauernverbandes, unterstützte. Die Molion wurde mit 82 gegen 8 Stimmen abgelehnt.— Sodann wurde vom Nationalrath die bundesräthliche Vorlage betreffend Neuordnung der Landwehr-Jnfanterie erledigt. Danach wird die Zahl der Landwehr-Jnfnnteriebataillone um eliva ein Drittel vermindert, um den Mannschastsbestand des einzelne» Bataillons erhöhen zu können, und ferner wird die Landwehr nach den Altersjahren in ein erstes und zweites Aufgebot gegenüber der jetzigen Einheit eingetheilt. Außerdem wurde ein Postulat angenommen, rvelches den Bundesrath einladet, eine Revision der Mililärorganisation von 1874 vorzulegen, welcher die seither hinsichtlich des Wehrwesens erlaffenen Gesetze entsprechend einverleibt sind; serner auch diejenigen Aende- rungen und Ergänzungen gesetzlich zu ordnen, welche seither an' dem Budget- oder Verwaltungswege eingeführt worden sind; die Frage des Landsturms und seines Unterrichts im Sinne der Ent- lastung neu zu ordnen und diejenige» Aenderungen und Er- gänzuugcn vorzunehmen, deren Erledigung ein dringendes Be- dürfniß ist. Gestern begann die Berathung der Kranken- und Unfall. Versicherung. Die ganze Sitzung wurde ausgefüllt von den Vorträgen beider Kommissionsreferenten, Comtesse(französisch) und Forrer(deutsch). Ersterer begründete insbesondere auch die von der Kommission vorgenommene Verschlechte- rung der Entwürfe des Bundesrathes und speziell die Belastung der Arbeiter mit 20 pCt. Prämienbeitrag zur Unfall- Versicherung und ferner die Verlegung des Sitzes des eid- genössischen Versicherungsamtes nach L u z e r n, während der Bundesrath Bern vorgeschlagen hatte. Forrer führte aus, uin die Entivürfe in ihrer Bedeutung gegenüber dem jetzigen Zustande zu beleuchten, daß die Unternehmer künst>ghin um 8 Millionen mehr zu leisten haben, als die jetzigen An- forderungen des Haftpflichtsystems ausmachen. Heute sprachen sieben Redner, alle für Eintreten aus die Vorlage, darunter Sourbeck, Bundes- Präsident Deucher. W u l l s ch l e g e r k. Nächsten Montag werden die Verhandlungen fortgesetzt. Aus dem S t ä n d e r a t h ist die Bewilligung von 405 000 Fr. an die Verbauung des Lammbaches und Schwandenbaches bei Brienz (Bern) zu erwähnen.— Ungarn. — Das Niederschießen der Bauern geht fort, wie unser vorgestriges Telegramm zeigt. Gendarmerie und Militär gehen brutal über alles Maß gegen die Landarbeiter vor, welche bessere Löhne fordern. Und niemand Hilst den armen Leuten. Der Staat tritt auf die Seite der große» Gutsbesitzer. Im Parlament kamen am Sonnabend die Vorkommnisse von E l e m e r im A l f ö l d zur Sprache. Abg. Makfalvay brachte eine Interpellation ein. Der Minister des Innern, Perczel, erklärte, er habe Kenntniß davon, daß gewissenlose Hetzert!) in Gegenden, die zumeist von Feldarbeitern bewohnt werden, diese Bevölkerung über- reden, ungerechtfertigte(?) Forderungen zu stellen und, falls diese nicht erfüllt würden, im letzten Augenblicke, wo es schon zu spät, für andere Arbeiter zu sorgen oder Erntemaschinen anzu- schassen, den Dienst zu verweigern und so die Grundbesitzer in die Zivangslage zu versetzen, entweder die Frucht auf dem Halme zu gründe gehen zu lassen oder die übertriebenen Forderungen zuzugestehen. Die Regierung wende jedes Mittel an, die Arbeiter darüber nnfzuklären, welchen Gefahren sie sich dadurch aussetze». Sclbstverstäudtich könne der Staat diesen Agitationen nicht mit verschränkten Armen zusehen. Er, der Minister, biete alles auf, um die Gegensätze der Interessen zwischen den Ar- beitern und den Arbeitgebern auszugleichen und dort, wo die Feldarbeiter nicht arbeiten wolle», Arbeiter aus anderen Gegenden zur Verfügung zu stellen; er glaube auch versprechen zu können, daß im äußersten Nothfalle die Heeresverwaltung die er- orderliche Militär Mannschaft aushilfsweise ür die Feldarbeiten zur Verfügung stellen werde. (Beifall auf allen Seiten.)— Die entsetzliche Ausbeutung, so bemerkt die Wiener„A'.beiter- Zeitung" zu diesem Vorkomninisse, die überall in Ungarn, im Banal wie im Alföld, heimisch ist, hat die Landarbeiter, so am und ungebildet sie sind, wachgerüllell. Sie beginnen sich zu organisiren. Diese Organisation wollen die Gutsbesitzer brechen. Sie wählen dazu den einfachsten Weg. Der ungebildete, vom Haß gegen den„Herrn" erfüllte ungarische Landarbeiter läßt sich, wenn man ihn durch Brutalitäten reizt, leicht zu Unüberlegtheiten hinreißen, und dann werde» die Panduren auf die Arbeiter losgelassen, wird gehauen und geschossen, Militär requirirt und den nächsten Tag alles verhaftet, was irgend in dein Verdacht steht, sozialistischer Agitator zu sein. Das betreibt man systematisch, die ungarischen Gutsbesitzer haben die Politik der Provokation, des„Auf-die-Strecke-Vringens" und„Zerschmetterus" in die Praxis umgesetzt. Sie finden die Slaatsgcwalt stets bereit, ihnen dabei Hilfe zu leisten. Da spricht man von türktsche» Greueln, armenische» Metzeleien. Im „christlichen",„freien" Ungarn werden aber täglich Arbeiter erschossen und eingekerkert durch die Büttel des Staates, der den Kapitalisten auf solche Art ersparen will, höhere Löhne zu zahlen! Frankreich. — Ueber das„A tlentat" auf den Präsidenten F a n r e werden eine Masse Telegramme verbreitet, von denen wir nur folgende zur Charakteristik des lächerlichen Vorkommnisses ver- zeichnen. Paris,!3. Juni, 4 Uhr nachm. Als der Präsident sich heule Nachmittag zu dem Rennen»m den„Grand Prix de Paris" nach Longchamps begab, feuerte ei» junger Mann in der Richtung auf den Präsidenten einen Revolverschuß ab, durch welchen niemand verletzt wurde. Es wurde sogleich ei» Individuum ver- haftet, bei welchem Waffen- und Bombenstücke gesunde» wurde». Paris, 13. Juni, 4 Uhr 55 Min. nachm. Aus den letzten Feststellungen ergiebt sich, daß auf den Präsidenten Fanre nicht Revolverschüsse abgegeben wurden, sondern daß es sich um ein gußeisernes Rohr mit einer Pulverladnng handelt, die im Augenblick« der Vorbeifahrt des Präsidenten explodirte. Durch die Explosion wurde niemand verletzt. Neben dem Rohre fand man eine Schmähschrift gegen den Präsidenten Fanre, eine Pistole, einen Schlagring und ein kleines Dolch- messer, auf dem Todesdrohnnge» gegen Fanre«ingravirt sind. Man glaubt, daß es sich um das Werk eines Wahnsinnigen handelt. Ein Individuum, das sich im Augenblicke der Explosion flüchtete, konnte bisher nicht wieder aufgefunden werden. Der zuerst Festgenommene und von der Menge mit Lynchjustiz Bedrohte legitimirte sich alsbald als Geheimpolizist. Die Meldung, daß bei demselben Waffe» und Bombenstücke gesunden worden seien, erweist sich als un- begründet. Der Präsident wurde bei der Weiterfahrt von der Menge leb- hast begrüßt. Auch als der Präsident von Longchamps um 6 Uhr in den Elysee-Palast zurückkehrte, bereitete ihm die Menge, welche bereits Kenntniß von der Explosion hatte, sehr warm« Kund- gedungen. Paris, 13. Juni, S Uhr 50 Minuten abends. Ein Individuum, welches bei der Menge in Verdacht stand, Urheber des Attentats zu sein und festgenommen wurde, heißt Galtet. Bei seinem Verhör durch de» Polizei-Präfekten gab er fast keine Antwort. Auf dem Kolbe» der am Thatort gefundenen Pistole ist mit einem Grabstichel folgende Inschrift eingravirt:„Felix Fanre ist vernrlheill. Elsaß- Lothringen. Köln." Gallet gab die Erklärung ab, er sei ohne Berns und wohne Rue Zida in Levallois. Dort wird gegenwärtig eine Haussuchung vor- genommen. Man hält Gallet nicht für den Urheber des Atientais, man glaubt vielmehr, daß er ei» Verrückter ist, der bei dem Vor- überkommen des Präsidenten durch Ausstoße» von Rufen die Auf- merksamkeit der Meng« auf sich zog. Man vermuthet, daß der wirkliche Urheber in dem dichten Gebüsch verborge» blieb und ent- kommen konnte. Paris, 14. Juni. Eine weitere Verhaftung ist nicht erfolgt. Die Nachforschunge» nach dem Altentäter wurde» die ganze Nacht und heute früh fortgesetzt. Polizei-Agenten stellen Nachforschungen in den Hotels und in den möblirten Zinimer» an.— Der Minister des Innern wird für den bei dem Vorfall von der Volksmenge schwer verletzten Polizei-Agenten eine Medaille beantragen. Die Röhre war nach dem städtischen Laboratorium gebracht worden, wo sie von dem Direktor des Laboratoriums untersucht wurde, welcher feststellte, daß die Röhre nur Jagdpulver enthielt, irgend ein Geschoß wurde weder in der Röhre noch in der Uni- gegend des Ortes, an welchem das Attentat geschah, aufgesunden. Paris, 14. Juni. Die meisten Blätter.bezeichne» den gestrigen Anschlag auf den Präsidenten Fanre alS da? Werk eines Geisteskranken oder als einen Gassenbuben st reich. Der Polizeipräfekt Löpine erklärte einem Interviewer, es scheine sich um eine Mystifikation zu Handel». Die Explosion konnte absolut keine» Schaden anrichten. Di» Pistole und das Messer seien mit einer gewisse» theatralische» Absichtlichkeit hingelegt worden.— Paris, 13. Juni.(Eig. Bericht.) Die am vorigen Sonnabend durch den Fall Görault-Richard unterbrochene Berathung der Interpellation über den Streik von Grand' Combe wurde gestern zu Ende geführt(seit der Wlntersession werde» Interpellationen ausschließlich am Sonnabend verhandelt). An neuem brachte die Schlußdebatte die Widerlegung einiger weiterer Unwahrheiten, welche der Minister der öffent- lichen Arbeiten im Auftrag der Grubengesellschaft vorgebracht hatte. Die gegenwärtige Situation im Streikgebiet wurde vom radikalen Abgeordnete» des Gard-Depatements, D o u m e r g u e, auf grund der Angabe» des Vorsitzenden des Gewerkschasts- Vorstandes der Kohlengrube», wie folgt geschildert: Von 3200 Arbeiter» stehen im Streik 1500 Arbeiter, welche die Grubeugesellschaft als ent- lassen betrachtet. Der letzt« Friedensversuch seitens der Ausständigen wurde vom Grnbendirektor, wie bereits mitgetheilt, dahin beantwortet, daß er die Zahl der Ausgehungerten um 300 herabzusetzen geruh«. Trotzdem betzanptele der Minister ganz unverfroren, daß die Arbeiter nur den Streik zu beenden brauchten, um sofort versorgt zu werde».... Die Debatle schloß mit dem von der Regierung genehmigten ein- fache» Uebergang zur Tagesordnung. Das heißt, die Regierung und ihre Ausbenterniehrheit interessiren sich für das Schicksal von min- destens 1000 Arbeiterfamilien nicht. AlS ein erschwerender Umstand für dieses grausame Klassenvotum kommt hinzu, daß es sich um ein staatlich konzessionirtes Unternehmen handelt und daß die Grnbenherrea nicht nnr ungestört die pensions- berechtigten Arbeiter haben berauben dürfen, sondern auch durch das direkte Eingreifen der Regierungen billiger« Eisenbahn-Frachtsätze erlangt haben. Nach Schluß der Sitzung fand unter Theilnahme mehrerer sozialistischer Abgeordneten, darunter JaurbS, Vaillant, Göraull- Richard und Viviani, eine P r o t e st v e r s a m m m l n n g in Tivoli« Vauxhall statt, in welcher über 3000 Arbeiter das Kammervotum brandmarlten und sich mit den Kohlengräbern von Grand' Combe solidarisch erklärten.— Pariö, 12. Juni. In der Deputirtenkammer wurde die Be- rathung über die Interpellation betr. die Entlassung zahlreicher Arbeiter in den Mine» von Grand' Combe, welche am vorigen Sonn- abend abgebrochen worden war, fortgesetzt. Der Minister der öffent- lichen Arbeiten Tnrrel beendete seine in der Sitzung vom 5. d. M. begonnene Rede, indem er die Haltung der Gesellschaft recht- ferligte und de» Arbeitern den Vorwurf machte, daß sie in einen Streik eingetreten seien, der einzig und allein für Zst« von Nachtheil sei.(Beifall.) Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde die von der Regierung verlangte einfache Tagesordnung mit 308 gegen 195 Stimme» angenommen. Damit ist die Interpellation über die ArbeiterenUassung in Grand' Combe abgeschlossen. Die Mariuekymnüssion genehmigte den Bericht de Mahy's, welcher entsprechend den Anträgen Lockroy's die Aufnahme eines außerordentlichen Kredits von 260 Millionen Franks befürwortet, von denen 20 Millionen für die Aufbesserung der Flotte, 40 Mill. 'ür die Herstellung von Zufluchtshäsen und 200 Millionen für den Bau von Krenzern mit Ausschluß von Panzerkreuzern verwandt werden sollen. — Panama. Der Untersuchungsrichter Poittevin erklärte, daß die Panama-Unterfuchung in den ersten Tagen des Juli beendigt lein und nur gegen acht Parlamentarier«in Straf- verfahren eingeleitet werden solle.— Belgien. — Für die Reorganisation der Armee und die Abschaffung des Stellvertretungssystems fand gestern in Brüssel eine öffenlliche Demonstration statt, von der telegravhisch sehr aus- führlich berichtigt wird, weil der alt« General B r i a l m o n t an der Spitze steht, deffen Ideal«ine Armee ähnlich wie die preußisch-dentsche ist. Ter König, an den eine Abordnung geschickt ward, sprach sich sehr freundlich auS— ist er doch seit Jahrzehnten für diese Reorganisation«in- getreten. Jsi unseren Genossen dürfte dieselbe aber ein starkes §" inderniß finde». Sie wollen auch die Abschaffung des abscheulichen iellvertrctungssystems, das dem Neichen erlaubt, sich frei zu kaufen und den Armen unbarmherzig dem Zufall des Looses üderlieserl, aber sie wollen auch nicht ein Heer nach preußisch- deutschem Muster, sondern ei» Milizheer. Und sie haben dafür in de» Massen solche Sympathien erweckt, daß ihre Stimme schwer ins Gewicht fällt. Asien. — Ueber die Katastrophe im nordöstlichen Indien immer noch keine näheren Nachrichte». Wir wissen nur, daß die Sache in England sehr ernst aufgefaßt wird. Bei dieser Gelegenheit sei ein Druckfehler in unserer letzte» Nummer berichtigt. Nicht 40 sondern 60— sechzig— Millionen Muhamedaner wohnen in Indien. Das ist eine Masse und«ine Macht, die nicht vernachlässigt werden darf.— Amerika. Montevideo, 13. Juni. Hier erhält sich das Gerücht, daß die Aufständischen zwei Flnßdampser, welche den Regierungstruppen Verstärkungen zuführte», gekapert hätten.— Sechster österreichischer sozialdemokratischer Karteitag in Wien. Wien, den 12. Juni 1897. Sechster Verhandlungstag. In der gestrige» Abendsitzung wurde zunächst die Debatte über die Presse zu Ende geführt. Bei der Abstimmung wurde der An« trag auf Eingeheulassen der„Arbeiterinnen-Zeitung" abgelehnt. ES wurde beschlossen, sie in der bisherigen Weife fortbestehen zu lassen, sie also nicht der Volksbuchhandlung zu übergeben. Die neu begründelen Blätter, u. a. die Prager„Akademie", werden sännntlich als Partei-Orgaue anerkannt. Die Fraktion wurde beauftragt, im Parlament für ein freiheitlich gestaltetes Preßgesetz zu wirke». Der Parteitag beschloß ferner, sobald im Reichsrath ein dahingehender Antrag eingebracht sein wird, im Lande eine energische Agitation dafür zu entfalten. Außerdem wurde die Wahl der Parteivertretung vorgenommen. Dr. B e r st l, der nenlich schon gegen Dr. Adler heftig polemisirt hatte, sprach sich erregt gegen die Vorschlagsliste aus, in der er„neue Männer" vermißte. Er fragte unter deutlichem Hinweis aus Dr. Adler, ob sortgewurstelt werden solle. Der ganze» Polemik merkte man den Mißmuth an, den Redner darüber empfindet, baß er das Vertrauen der Parteigenossen nicht in dem Maße besitzt, um in die Parteivertrelung gewählt zu werden. Die ganze Red» halte denn auch nur den Erfolg, daß die Vorschlagsliste mit den „alten Männern" mit fast an Einstimmigkeit grenzender Majorität durchging. An der Abstimmung betheiligten fich nur die deutschen Delegirlen, da es sich um die deutsche Partei- Vertretung handelte. Es wurden gewählt: Skaret(65 Stimme»), Dr. Adler(61), Dr. Ellenbogen(56), Schramm«!(57), schuh meier(56), Popp(64), Rieger(50), P« r» e r- storfser(43). Letzter Verhandlungstag. Den Vorsitz führt heute Z e l l e r- Reichenberg. Di« VerHand- lung beginnt mit dem Referat Schuh meier'S über „Konsumvereine und Pr o d u k t i v g e n o ss e n s ch a f t e n". Schuhmeier führt aus, daß Konsumvereine und Produktiv- genossenschaften nichts spezifisches Sozialdemokratisches sind. Im Programm steht darüber nichts. Die Freunde dieser Institution«» behaupte», daß dieselben dazu dienen könne», gemaßregelte Genoffen in Lohn und Brot zu bringen, Administrationskräfle zu gewinne» und der Partei eine Einnahmequelle zu schaffen. Aber dies« Behaup- tungeu entsprechen nicht ganz den Thatsachen. Derartige Genoffen« schaslen sind nichts anderes als in den Händen der Ge» »offen befindliche Kleinbetriebe. Ein Gewinn kann auch nur durch Ausbeutung der Bediensteten erzielt werden. Wir haben aber keine Ursache, das Kleingewerbe in ein Kleingewerbe von Parteiwegen umzuwandeln. Die Partei könne sich mit Produktivgenossenschafteu nicht befasse», denn sie würde dann auch für einen schlechten Geschäftsgang verantivort« lich gemacht werde», und das würde die Partei ungemein schädigen. In erhöhtem Maße gilt das auch für die Konsumvereine. Diese sind gewöhnliche Geschäfte und müssen die Geschäflsprinzipie», aber nicht die Prinzipien der Sozialdemokratie wahre». Die Partei- Interessen sind in den Konsumvereinen Nebensache. In einzelnen Orten floriren sie und nützen der Partei, in andere» haben sie durch ihr Zugrundegehen die Parteibewegung empfindlich geschädigt. Die Partei brauche deswegen die Konsumvereine nicht direkt unterdrücken, sie dürfe sich aber keinesfalls mit ihnen identifiziren. Er schlägt schließlich die folgende Resolution vor:„In Erwägung, daß die Wirthschastsgenossenschaften nicht geeignet sind, die wirthschaftllche Lage des Proletariats zu heben, lehnt«S der Parteitag ab, den Parteigenossen die Gründung von derartigen Wirthschasts-Genoff«»- schaslen zu empfehlen. Mit Rücksicht auf die in einzelnen kleine» Städten, i» de»«» sich die Mitglieder der Wirthschafts-Genoffen- schaslen aus Lohnarbeiter» rekrutirten, gemachten Ersahrungen überläßt es der Parteitag de» Genossen der einzelne» Bezirke, nach genauer Prüfung der lokalen Verhältnisse sowie der versügvaren Kräfte und Mittel zur Frag« der Wirthschafts-Genoffenschasten Stellung zu nehmen." In der Debatte treten zahlreich« Anhänger der WirthschaftS- Genoffenschasten ans, die die Echuhmeier'sch« Resolution bekämpfen. Sie befürworten folgenden Vermitteiungsantrag, der von der Bezirks- Organisation III Wien gestellt ist und der lautet:„Der Parteitag beschließt: Die Art und die Stärke der Betheiligung sozialdemokratischer Arbeiter an Konsumgenossenschasten und Produktivaffoziationen bleibt für jeden eittzelnen Fall vollkomme» dem Ermessen de« lokal« vrganisirten Genossen des betreffenden Ortes überlassen." Dr. Adler mahnt zur Vorficht, er verweist auf den in de» Partei herrschenden Mangel an tüchtigen Geschäftsleuten. Buch di« Gefahr sei nicht zu unterschätzen, daß die Parteigenosse» durch di» Konsumvereine der politische» Agitation abwendig gemacht werden. Die Partei könne nur hemmend den Gründungen von Wirthschastsgenossenschaften entgegentreten, in dem Sinne hemmend� wie in jedem Organismus daS Gehirn hemmend wirkt. Wichtig sei es«uch, daß die sozialdemokratischen Konsumvereine sich endlich von dem liberalen Verbände der Konsumvereine losmachen. Er empfiehlt solaenden Antrag zur Annahme:„Der Parteitag an« erkennt, daß Wirthschaftsgenoffenschaften unter ganz besonderen, genau zu erwägende» Umstände» dem Proletariat« nützlich sein können; er lehne es jedoch unter de» heule vorwaltenden Ver« hältnisscn ab, die Wirthschastsgenossenschaften als ein Element der Partei- Organisation aufzunehmen; er empfiehlt den Genoffen die allergrößte Vorsicht bei der Gründung von Konsum» vereinen und insbesondere von Produktivgenossenschafte», welche letztere nur dann errichtet werden sollten, wenn dnrch große Konsum« vereine ihr Absatzgebiet im vornhinein gesichert ist. Die Partei. weder als Ganzes noch irgend eine lokale Organisation kann jedoch in keiner Werse eine Verantwortung für die Gründung und Führung der Wirthschastsgenossenschaften übernehmen: die wünschenswerth« und durchaus nöthige weitere Erörterung dieser Frag« wird den Genossen überlasse«, die sich für diese wichtige Sache näher inter» essiren." Die Debatte wird hierauf geschloffen, eS wird aber»och zwei Rednern, einem für und einem gegen, daS Wort verstattet. Als Redner„gegen" verweist R« u m a n n auf die schlechte Lage der Konsumvereins- Angestellten. Die Arbeitszeit detrag« 10 bis IS Stunden täglich, der Lohn 7 bis 10 Gulden wöchentlich. Die Leute müßten ganz beträchtliche Kenntnisse haben, trotz der langen Arbeits- i«it, werde noch AgitatiouSthätigkeit von den Angestellten verlangt. �ehle aber einmal ein Betrag von v Gulden, so werde der„Lump" hinausgeworfen, weil er unterschlagen habe. Gr bitte UM Annahm» der Ciefolutiou Cchul, meier, den Autrag Adler bitte er abzn- Irhncii. Adler habe seil langein die Gewohnheit, bei schwierigen Dingen immer so mitten durchzuschwimmen.(Heiterkeil.) Mit dieser Poliiik Adler's»lüsse einmal gebrochen werden, sie nutze der Partei nicht immer. Also, obwohl der Antrag sehr schlau formulirl sei. so daß er eigentlich nirgends anstößt, empfehle ich die lilb- lehnnng. Ter Generalredner der Anhänger der Wirthschaftsgenossenschasten C h w a l l a tritt für die Resolution Adler ein. Nach einem Schl»bwort des Referenten wird die Resolution S ch n h m e i e r mit knapper Majorität a n g e n o m m e n. Damit entfallen die übrigen Anträge. Weiter wird beschlossen, de» nächsten deutschen Parteilag 1898 in Linz, den nächste» Gesammlparteitag 1899 in Brünn abznhalten. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Popp- Wien hält das Schlußwort, i» dem er besonders auf die glückliche Lösung der Nalionalitätenfrage durch die Parteiorganisation hinweist und mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie schließt. N e m« c und D a s z y n s k i halte» in czechischer und polnischer Sprache Schlußausprachen, in denen sie die Solidarität der gesaminten österreichische» Sozialdemokratie feiern. Die Delegirten singen stehend die Marseillaise. Der Parteitag ist geschlossen. Itttn'ttntiouiUer Kevgarbelter-K ongreß. Fünfter V e r h a n d l u n g s t a g. London, den II. Juni 1397. Den Vorsitz führt C a l l e w a e r t- Belgien. Vor Eintritt iu die Tagesordnung wird folgende Refolutiou debattelos und einstimmig angenommen; „Der internationale Bergarbeiter-Kongreß ist der Meinung, daß die Grubenbesitzer von Grande Combi die Pflicht haben, ihr« cnt- lasseneu Arbeiter wieder einzustellen, nachdem sich diese bereit erklärt haben, sich dem Schiedsrichterspruch der französischen Regierung zu fügen." Zur Verhandlung gelangt der sechste Pnnkt der Tagesordnung: Die G r u b e n i n s p c k t i o n. Möller- Weitmar begründet folgende Resolution: Der Kongreß wolle beschließen: Alle hier vertretenen Nationen haben unausgesetzt und eifrig dafür einzutreten, daß zur Inspektion der Gruben eine nusreicheude Anzahl Kontrollcure angestellt»verde», die von den Bergarbeitern aus ihren eigenen Reihen zu wählen und vom Staate zu bezahlen sind, damit nöthigenfalls jede Grube an jedem Tage von einem solchen Kontrolleur besichtigt»vird. Diese Kontrolleure haben alljährlich eine» Bericht über ihre Thätigkeil und ihre Er- fahruuge» zu veröffentlichen." C a v r o t(Belgien) theilt mit, daß es in Belgien zur Zeit noch keine Arbeiter als Grltbeninspektoren gebe. Das Gesetz sei z>var bereits angenommen; es würden aber noch sechs Monate vergehen, bevor es zur Ausführung gelange. Die deutsche Resolnlio» wird hierauf vom Kongreß«instimmig angenommen. Der siebente Punkt der Tagesordnung betrifft die ä r z t- l i ch e n P s l e g e st a t i o» e n. Maroille(Belgien) hebt hervor, daß es in Belgien so gut wie keine ärzliche Hilfe für die Grubenarbeiter in der Nähe der Grube» gebe, und fordert die Errichtung ärztlicher Pflegeslalione» in unmittelbarer Nähe der Gruben. Diese Forderung wird vom Kongreß ohne weitere Debatte ein- stimmig angenommen und außerdem beschlossen, daß die Vertretung der Bergarbeiter in den einzelnen Ländern einen Bericht über die thaisächlichen Zustände in dieser Hinsicht vor dem nächsten Kongreß an das internationale Geschäflskomitee zur Veröffentlichung ei»- zusenden habe. Ter folgende Gegenstand ist die N a t i o n a l i s i r n n g s ä m m t l i ch e r B e r g w er ke. C a l v i g n a c- Frankreich tritt warm für die Verstaatlichung der Bergwerke ein. Die Gruden dürfen nicht einzelnen Menschen sondern müssen der Station gehören. Theoretisch sei durch das Gesetz von 1819 der französische Staat Eigenthümer aller Bergwerke. In der Praxis aber seien die Privatunternehmer, an die die Bergwerke verpachtet sind, die eigentlichen Herren. Sie bildeten«inen Staat im Staate und wagten es, die Arbeiter wegen ihrer politischen Ge- siiiiiung zu maßregeln. Wäre der Staat der»hatsächliche Eigen- thiimer der Bergwerke, dann könnten die Bergarbeiter mit Hilfe der öffentlichen Meinung und der Gesetzgebung viel l-ichter ihre Lage verbessern, als jetzt. Die deutschen Deiegirtcn theilten diese» Standpunkt nicht; sie wiesen auf die schlechte Lage der Staatsarbeiter hin. I» Frank- reich lägen die Dinge aber nicht so. Zudem sei die Ver- st.mtlichuiig der Bergwerke die beste Uebergangsform zu ihrer Sozialisiruug. Möller- Weitmar: Die Behandlung der Bergarbeiter iu den staatlichen Bergwerken ist härter, als in denen der Privalinduflrie. Wird der kapitalistische Staat Eigenthümer aller Bergwerke, so ist er im Falle eines Konflikts mit den Bergarbeitern selber Partei, während er jetzt bei einem Streik in de» Privat- Bergwerken sich wenigstens indifferent verhalten kann. Wir sind deshalb nach wie vor gegen die Verstaatlichung der Bergwerke für Deutschland. Auch der Hinweis auf die Uebergangsform ist nicht beweisend. Die Berg- werk« brauchen nicht erst in kapitalistischen Staatsbetrieb zu kommen, um sozialisirt zu werden. S m e l l i e- Schottland: Wir müssen unter den gegenwärtige» Verhälluissen die Lage der Arbeiter möglichst zu verbessern suchen, au endgillige Lösungen ist noch nicht zu denken. Jetzt iverdeu die Grube» weder zum Nutzen des Staates noch zu gunsten der Arbeiter sonder» nur im Hinblick auf den Profit der Privatiinteriiehmer be- trieben. Die Konkurrenz unter den verschiedenen Minenbesitzern trägt dazu bei, daß die Lage der Bergarbeiter so schlecht ist. Auf diese Konkurrenz ist auch die furchtbare Zahl der Unfälle in England zurückzuführen. Im letzten Jahre hatten wir 1942 Tobte und 96 999 Unfälle. Nach de» Reden der Delegirten aus Durbam könnte es so scheinen, als wenn die Bergwerksbesitzer überhaupt keine Profite mehr machten. Ein schottisches Bergwerk hat im letzten Jahre zwar keine Dividende vertheilt, in den vorhergehenden sechs Jahren aber 64 pCt. ans- geschüttet. Im letzte» Jahre erhielt der Direktor der Gesellschaft 89 999 Pfund(699 999 M.) Gehalt und Tantivm», während die Minenarbeiter fast verhungerte». Das schlimmst« ist, daß die schottischen Grubenarbeiter in Häusern, die den Grubenbesitzern ge- hären, wohnen müssen. Wie ein Schwert schwebt beständig die Drohung über ihren Häuptern, aus den Häusern geworfen zu werden. Gehörten die Bergwerke einem demokratischen Staate, wie es England ist, dann wäre eine solche Versklavung der Arbeiter un- möglich. In England ist die Lage der Staatsarbeiter bedeutend günstiger, als die der Arbeiter in der Privatindustrie. Ich bin über- zeugler Sozialist und stinime für die Nationalisirung der Bergwerke. DaS ist keine endgiltige Lösung, aber ebenso wie die gewerkschaftlich« Organisation eine Waffe im Emanzipationskanipfe, ein Mittel zum Forlschritt. P a r o t t(Aorkshire): Ich habe die größte Achtung vor der sozialistischen Ueverzeugung des Vorredners, muß aber daraus aufmerksam machen, daß er persönlich und nicht im Namen der Miners Federation gesprochen hat. J o u n g(Dirrham): Hat denn die Miners Federation ihre Ansichten geändert? Früher war sie doch für die Verstaatlichung der Bergwerke. P i ck a r d t(Miners Federation) weist diese Frage zurück. Joung möge die Abstiiuinuug abwarten. Folgende Resolution liegt vor:„Der Kongreß fordert die Ver- staatlichuug der Bergwerke", S a ch s s e- Zwickau erklärt im Namen der deutschen Delegirten, daß fie sich der Abstimmung enthalte» würden. Hätten wir in Deutschland Verhältuiffe wie in England, wo das Volk wirk- liehen Einfluß aus den Staat ausübt, so würden wir für die Reso- Intimi stimmen. Die Nesolulio» wird hierauf mit großer Mehrheit angenommen. Von den englischen Delegirten stimmen nur die der National Union dagegen. Cowey(Miners Federation) wundert sich, daß Wilson(Dur- Hain) gegen die Resolution gestimmt habe. Wilson sei einst sein Lehrer gewesen und habe ihn davon überzeugt, daß die Nalionali- sinnig des Bodens uothwendig sei. Der letzte Punkt der Tagesordnung betrifft die Berg- Gewerbegerlchte. Die französische Delegation beantragt ihre Errichtung in allen Ländern, die sie, wie Frankreich, noch nicht habe». Möller erklärt, daß Berg-Gcwerbegerichte in Preußen, das neun Zehntel aller Gruben habe, und in Sachsen bereits be- ständen. Die französische Resolution wird hierauf einstimmig auge- u om nie». Die Beantwortung einer Reihe von stulistischen Fragen, die sich auf die Zahl der Bergarbeiter unter Tage, auf die Sierblichkert der Bergarbeiter iu de» letzten zehn Jahren und auf das Alter der Ge- ftorbene» beziehe», wird auf den nächsten Kongreß verschoben, wo schriftlicher Bericht darüber erstaltet werden soll. Das iitternatioiinlc Geschäslskomilce wird hierauf einstimmig wiedergewählt. Es besteht ans P i ck a r dt, B u r u und A s h t o n für England; M ö l l er und S a ch s s e für Deutschland; Laineu diu »nd E a l v i g ii a c für Frankreich; C a v r o t und Calle waert für Belgien. Generalsekretär ist P i ck a r d; B u r t, Schatzmeister. Als Ort des nächsten Kongresses wird Wien bestimmt. Die österreichische» Bergarbeiter halten den Kongreß dorthin eingeladen. Den Zeitpunkt der Tagung wird das iitteruationale Komitee be- stimmen. Auf Antrag des englische» Delegirten Harwey spricht der Kongreß den deutschen Bergarbeitern Schröder und Meyer, die im Zuchthause sch machten, s e i n e S y m p a t h i e a u s; die Resolution soll den Familien der Vernrtheilten übermittelt werden. Die Resolulion wird ein- stimmig augenymmen.(Stürmischer Beifall). Den Leitern des Kongresses und den Uebcrseheru wird für ihre Arbeil gedankt und der Kongreß dann mit einem Hoch auf die iitteruationale Solidarität der Arbeiter geschlossen. In Londoner Sozialistenkreiseu hat ein Vorkommniß, das sich auf die Vorbereilungeu zur I u b i l i ä u m s f e i e r der K ö u ig i n V i c t or ia dezieht, ziemliche Erregung hervorgeruseu. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns darüber: Der Vorstand des V e r e i u s d c r F a b i a u e r hat iu einer seiner letzte» Sitzungen mit allen gegen zwei Stimmen beschlossen, zu den Kosten der Dekorirung des„Strand", einer der Straße», durch welche der Festzug zieht, einen Beitrag zuzusteuern. Der Verein hat nämlich dort sein Bureau und hat die Fenster zu einem angemessenen Preise au ei»« Gesellschaft verpachtet, die sie an Schaulustige weiter ver- miethet. Als nun der Bezirksverein des„Strand" au die Hausbesitzer und Anwohner ein Nundschreibeii richtete, worin er um Beiträge für Ausschmückung der Siraße ersuchte, glaubte die Dlehrheit der Borstandsmitglieder des Fabianervereins es durch die Umstände gerecht. fertigt, einen mäßigen Beitrag nicht zu versagen. Habe man die Vortheile der Sache mitgenommen, so würde es kleinlich und schmutzig erscheinen, sich von den Kosten zurückzuhalten. Auch sei die Feier insofern aiizuerkemien, als sie einen nationalen Charakter trage (d. h. über die persönliche Huldigung der Königin hinausgehe). Dies die Motivirung des Beschlusses seitens der Mehrheit. Die Minderheit dagegen erklärte, die Feier gelte vor allem dem Militarismus und Imperialismus, zwei Dinge. welche Sozialisten und Demokraten eittschiedcu zu be- kämpfe» hätten, und daß der Verein seine Fenster verpachtet habe, sei kein genügender Grund für einen Schritt, der in den Augen der Sozialisten anderer Länder als eine Billigung des inilttaristischeu Charakter? des Jiibiläumsfestes erscheinen müßte. Noch schärfer wurde die Sache natürlich von Mitgliedern derjenigen sozialistischen Oraauisatioiien beurtheilt, die mit den Fabianeru aus gespanntem Fuße leben. In der letzten Sitzung des Vereins ist er nun vor den Mitgliedern selbst verhandelt, und nach längerer Debatte mit zwei Drittel-Mehrheit eine von W. Anderson gestellte Resolution angeuomnien worden, die den Vorstand anfsordert, seinen Beschluß zu annulliren. Die Mitglieder der Borslant-smehrheit kalten vorher die Erklärung abgegeben, daß sie die Entscheidung des Vereins, wie sie auch aussalle, akzeplircu würden, aber nicht davon überzeugt seien, daß die Sache tadelnswerth und den großen Lärm rechtfertige, den man davon gemacht habe. Polizeiliches, Gerichtliches ec. — Der Parteigenosse V o g e n i tz in A l t e»> b» r g, Redakteur des„Wählers", hat Ende voriger Woche die Gefäiiguißstrafe ver- büßt, die ihm wegen Preßvergeheu auserlegt war. — Das„Norddeutsche Bolksblatt" in Baut hatte die Nrmeiikouiiiiissioii von Neuende und besonders ihren Vorsitzenden der Hartherzigkeit geziehen. Wege» Beleidigung wurde deshalb der Redakteur Genosse Paul Hug vom Landgericht in Oldenburg zu 399 M. und zu den üblichen Nebenstrafeu verurtheilt. Der Antrag de? Staatsanwalls hatte auf 3 Monate Gefäiiguiß gelautet. Gewevkfchss tliches. Deutsches Reich. Die Erhöhung der Preise für Barbieren, Haarschneiden und Fristren, die von den deutschen Jrniungen dieses Erwerbs- zweiges vorgeuoinmkn wurde, hat bis jetzt nur i u geringem Maße eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Gehilfen zur Folge gehabt. Die Arbeiterpreffe besürwortele die Preiserhöhung bekanntlich unter der selbstverständlichen Voraus- setzuug, daß mit ihr auch eine Ansbeffcruug des Looses der Gehilfen verbunden werde. Di« Barbicr-Juiiuirgeii der verschiedenen Städte haben sich zwar die Assistenz der Arbeiterpresse mit Behagen ge- fallen lassen und sich zum theil auf sie berufen, um das Publikum für die Preiserhöhung zu gewinnen, nün es sich aber darum handelt, die ArbeitShedingungeu der Gehilfen zu verbessern, zeigen sich die Innungen mehr oder weniger widerhaarig. Die„Barbier- und Friseur-Zeitung" in Hamburg, das Organ' der Gehilfen, führt über das Verhalten der Prinzipale zu den Gehilfeusorderungen lebhaft Klage. Es zeigt sich hieran wieder, daß der Arbeiter vom Unternehmer- thnni nur dann Verbesserung seiner Lage zu erwarten hat, wenn hinter ihm eine starke Orgniiisatioii steht. Der Verband der Barbier-' und Friscurgehilfen Deutschlands ist schwach an Mit- gliedern. Der gegenwärtige Zeitpunkt ist gewiß geeignet, um eine erfolgreiche Agitation für den Anschluß der unorganisirten Babier- und Friseurgehilsen au den Verband zu unternehmen. Dazu gehören aber finanzielle und agitatorische Hilssuiittel, die der Verband in ausreichendem Maße nicht hat. Es bedarf also der Mitwirkung der übrigen Gewerkschaften, wenn den Proletariern des Barbier- und Jrisenrgewerbes geholfen werden soll. Die örtlichen Ge werkschaftskar teil« werden durch ein« systeinalische Agitation nach dieser Richtung hin die Organisation der Barbier- und Friseurgehilsen gewiß um ein bedeutendes stärke» können. Der Verband der Bäeker und Bernfsgenoffen Deutsch- lands hat durch Urabstimmung mit Dreivieriel- Majorität die Erhöhung des Beitrages von wöchentlich 15 Pf. auf monatlich 89 Pf. beschlossen. Iu Breslau ist der Lohnkampf der Tischler der Erlen- m ö b e l b r a ii ch e als beendet anzusehen, da die größten Werkstätten die geforderten Akkordlöhne bewilligt haben. Der Streik der Kupferschmiede dagegen dauert fort. Die Meister waren auf Freitag z» einer nochmaligen Besprechung mit den Gesellen ein- geladen, erschienen aber nicht. Tiegreich iu der Abwehr sind die Arbeiter und Arbeiterinnen der mechaniichen Weberei von W e y l u. N a s s a n in R e i ch e n» buch in Schlesien gewesen. Die Firma hat am Sonnabend Abend den Ausständigen erklärt, daß die Lohureduklioneii zurückgenommen sind. Der Einigkeit der Arbeiter und Arbeiterinnen ist es zu danken, daß der Streik nach nur viertägiger Dauer mit einem vollen Erfolge endete. Der Geschäftsführer der K r ä f t' scheu Fabrik in W o l g a st, der während des Tiichlerstreiks durch Selbstmord endete, Halle die Lohnlisten gefälscht. Ter Verein Bielefelder Fabrikanteu beschloß, die ver- einigten Maurer- und Z i m m e r ni e i st e r Bielefelds und Gadderbaums, deren Arbeiter im Streik stehe», that- kräftig und nachhaltig zu unterstützen. Das ist ei» weiteres Zeichen dafür, daß die Lohukämpse mehr und mehr den Charakter von Klassenkämpfe» annehnien. Ans Bremeu wird uns telegraphirt: Die Nachricht der„Weser- Zeitung", der Streik in der Jutespiunerei und Weberei Bremen sei beendet, ist unwahr. Es sind Verhandlungen angeknüpft, aber noch nicht abgeschlossen. In Hannover ist. wie der„Volkswille" mitlheilt, neben dem Tischlerstreik nun auch der Streik der Zimmerer für beendet erklärt. In Magdcbnrg-Tildenbnrg wurde von den Arbeilcrn der Firma K. W e h m« r verlangt, sie sollten in ihren W o h u n n g e n a r b e i l e n, was die Arbeiter ablehnten. Zwei derselben hörten sofort ans, den übrigen wurde gekündigt. Die Zmiiulhuiig, daheim zu arbeiten, wird von den Zlrbeilern als Verletzung des im Früh- jähr enungenen Lohntarifs betrachtet. In unserer Quelle ist leider nicht angegeben, welchem Gewerbe die Firma Wchmer angehört. Bermnlhlich handelt es sich um ein Schneidergeschäst. AnS Dresden wird uns geschrieben: Nach den letzten Fest' stellnngen streiken hier 134 Tischler. Davon sind 44 ver- heirathet. In 84 Geschäften sind die Forderungen resp. der Tarif bewilligt. In einer ganzen Reihe von Werkstätten schweben die Nnterhaiidliuigeii. iviehrere Unternehmer suchen in bürgerlichen Blättern Arbeitskräfte. Deshalb Vorsicht! Ter Jahresbericht der vereinigten Gewerkschafte» Stntt- garts ist, wie die„Schwäbische Tagwacht" mittheilt, im Druck erschiene». In München stehen die Zinngieß er in Differenzen mit den Unternehmern. Sie ersuchen deshalb die Fachgenossen um Fern- Haltung des Zuzuges. AnS Lahr in Baden wird berichtet: Für zahlreiche italienische Arbeiter, welche bei den Plauiruiigsarbeiten iiiiserer Kaserne beschäftigt waren, hatten die Unternehmer bei Wirlhen und Viklnalieiihändlern gutgesprochen und wollten die bei diesen geschuldeten Beträge am Lohne abziehen. Dies ließen sich die Arbeiter nicht gefallen u»d wurden daraufhin entlassen, zumal auch sonst die beiderseitig gehegten Erwarliingen nicht erfüllt wurden. Die Angelegenheit wird nun das Gewerbegericht beschäftigen. Ausland. Tie Konferenz der Iteinnufikuopfarbeiter, die auf Pfingsten nach B o d e n b a ch in Böhmen eiuberusen war, beschloß die Ein- sehung eines aus Knopfarbeitern des In- und Auslandes bestehenden Komitees, das die Vorarbeiten zu besorgen hat, die zur besseren Wahrung der gemeinsamen Jntereffen nvthig sind. Die Delegirten, unter denen sich auch solche aus Gößnitz und Schmölln befände», vertraten 4399 Sleinnußknopfarbeiter. Ter Fachverein der Tischler in Basel hatte über die Werk- stntt des Tischlermeisters S ch l e i t daselbst die Sperre verhängt. Im Basler„Vorwärts" war dies mitgetheilt und eine Schilderung der Zlrbeitsverhältinsse dieser Werkstatt gegeben worden. Der Tischlermeister strengte hierauf gegen die Vorstandsmitglieder des Fachvereins und gegen den Redakteur des„Vorwärts", Genossen Zlrnold, Klage wegen E h r b e l e i d ig u n g und Kredit- s ch ä d i g u n g an, hatte jedoch damit kein Glück. Das Strafgericht erkannte auf Freisprechung der Verklagten, weil sie die Richtigkeit ihrer Veiöffentlichnng zu erweisen vermochten. Der Tischlermeister hat sämmlliche Kosten und 39 Franken UrtheilSgebühr zu bezahlen. Depvsttzen und letzke Mschvichken. Köln, 14. Juni.(W.T.B.) Die„Kölnische Zeitung" meldet auS Aachen: Der Schaden bei dem Brande der Tuchfabriken beträgt ungefähr 2 Millionen Mark. Die Ursache war vermitthlich Selbst- eutzündung von Wolle in einem Wolllager der Firma Schneider u. Finger, wo das Feuer ausbrach. Etwa 699 Arbeiter sind brotlos. Zwickau i. T., 14. Juni.(W. T. B.) Der Schnderschacht in Ober- Hohendorf steht in Flammen. Der Brand ist dadurch ent- standen, daß der Liistkompressionskessel explodirte. Das Maschinen- haus und die sogen. Kohlenwäsche sind verloren. Jusolge Wasser- mangels besürchlet man die Ausdehnung des Feuers ans den Schacht selbst. Soweit bis jetzt bekannt ist, sind acht Arbeiter vrrwiindel, davon einige schwer. Es heißt, ein Mädchen, das in der Kohlen- wüsche beschäftigt war, sei verbrannt. Wie», 14. Juni.(B. H.) Der 32 jährige. ans Berlin hier angekommene Kommis Paul Frank hat heute früh im Praler eine» Selhstiiiorbversuch begangen. Er«ahm Morphium und wurde in bedenklichem Zustande ins Krankenhaus geschafft. Wien, 14. Juni.(W. T. B.) Charlotte Wolter ist gestern Abend 9 Uhr gestorben. Linz, 14. Juni.(B. H.) Die qesammten Tischlergehilfen von Linz und Urfahr sind wegen Lohndifferenzen in den Ausstand ei»- getreten. Budapest, 12 Juni.(W.T.B.) Der Ministerpräsident Baro» Banffy n»b der Finanzmiiiisier Lukaes reisen heule nach Wien, wo morgen ein gemeinsamer Ministerrath stattfindet, behufs Frststellnng der Vorlagen für die nächne» Delegationen. Paris, 14. Juni.(W. T. B.) Die Depiitirtenkammer nahm den Artikel I des Gesetzes betreffend die Bank von Frankreich an. nach welchem das Privileg der Bank bis zum Jahre 1929 verlängert wird. Bei der Berathiing des Artikels 2 der Bank l> a nie Rouauet(Sozialist)«inen Antrag ein, welcher von der M», lied» schafl des Berwallniigsrathis der Bank von Frankreich alle Per- sonen ausschließt, welche unbesoldete oder besoldete SleUnngen für eine answärlige Regierung bekleiden. Ronaiiel berief sich dabei aus einen den österreichisch- ungarischen Generalkonsul in Paris be- treffenden Fall. Der Anlrag wurde dem Verlangen des Finanz- minisiers Cochery entsprechend abgelehnt und zivar mit 391 gegen 292 Stiiiiiuen. Lyon, 14. Juni.(B. H.) Gestern Abend kam ein sozialistischer Abgeordneter hierher, um den streikenden Maureni eine» Vortrag zu halte». Auf dem Bahnbofe, woselbst die Ausständigen zum Empfang deS Führers erschienen waren, enlstand eine blutige Schlägerei, als die Polizei eine von den Streikenden mitgefnhrre rolhe Fahne beschlagnabmen wollte. Es kam sowohl auf Seilen der Polizeibeamteil wie der Streikenden zu vielen nicht»»erheblichen Verwundungen. Erst nachdem eine Verstärkung der Polizeiniaa»- schaften aus dem Platze erschienen war, gelang es, die Ruhe wieder herzustellen. Es wurden vierzehn Verhaftnngen vorgenommen. London, 14. Juni.(B. H.) Die Aeußerunge» des österreichisch» ungarische» Botschafters in einer Audienz beim Sultan haben aus de» letzteren großen Eindruck gemacht. Freiherr v. Caliee erklärte nämlich dem Siiltan auf das energischste, daß da? Prinzip der Integrität der Türkei auch die Integrität der Nachbar» staate» bedinge, und daß dieses Prinzip die Bafls des europäischen Konzerls bilde. ES wäre daber nutzlos, über die andere» Fragen zu verhandeln, so lange die Frage Thessaliens nicht im Sinne der Großmächte erledigt sei. LeranUvortlicher Nedakteur: August Jaeobeh in Berlin. Für den Jnseratemheil veraniwvrtlich: Tß. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu l Beilage u. Unterhalinugsblatt« Nr. 136. 14. i Kilige Ks Jpmttf Wim UcksM Dit»IIllg, 15. luui 1897. Nus einem peentzifrhrn Snchkhaupe. Die bekannte Aiiarchisti» Frau Schneidermeister AgnesRein« hold geb. Schlap-iky stand gestern zusammen mit dem Redakteur des«Sozialist', Gustav Friedrich, vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I.» um sich wegen Beleidigung der Beamten der Strafanstalt zu Delitzsch zu verantworten. Frau Reinhold ist seinerzeit wegen Aufforderung zu hochverrätherischen Unternehmungen, Majestätsdeleidigung und Vergehens gegen die öffentliche Ordnung zu K Jahren Zuchthaus ver- urlheilt worden. Sie hat die Strafe im vorigen Jahre in der Strafanstalt zu Delitzsch verbüßt. Bei ihrer Freilassung hatte» die Proletarier aller Länder der muthigen Frau eine Summe über wiesen, die zu ihrer Unterstützung gesammelt worden war. Sie dankt« dafür in einem init«Wenige Worte' überschriebenen Artikel des „Sozialist" vom August ISSK. Der Artikel erhob gleichzeitig schwere An- schuldigungen gegen die Beamte» der Strafanstalt, denen eine unerhörte Behandlung der Strafgefangenen zum Vorwurfe gemacht wurde. Es wurde den Arbeitern gesagt, daß sie das, was hinter Kerkermauern begraben liege, zu höre» bekomme» sollten und es wurde dann aus geführt, daß„diese preußischen Beamten ihre Nebeumenschen kraft der ihnen gesetzlich zustehenden Macht»och....... ...... behandeln". Auf grnnd dieses Artikels wurde sowohl gegen Frau R e i n h o l d als auch gegen den Redakteur Friedrich die Anklage erhoben. Der Verlheidiger Rechtsanwall Dr. B i e b e r trat«inen umfangreichen Beweis der Wahrbeil an und es ist«ine große Anzahl ehemaliger weiblicher Insassen der Strafanstalt— Mörderinnen, Kupplerinnen, Mein- eidige, Hehlerinne» k.—, daneben aber auch Wärterinnen und andere Bedienstete vernommen worden. Die Angeklagte hatte in ihren Beweisaulräge» eine Reihe krasser Behaupiuuge» aust gestellt. Es sei mit der größten Unbarmherzigkeit gegen kranke Gefangene vorgegangen worden. Eine schwer lungenkranke Person, die man als Simulantin ansah, habe noch an ihrem Todes tage kurz vor ihrem Ableben de» Strohsack auf den Hof trage» müssen; eine andere schwerkranke Person habe bei der Berpflegungsklasse Nr. 4 geiviffermaßen den Hungertod erlitten; das dargereichte Brot sei meist verschimmelt, in den Arbeitsräumen sei es meist so kalt gervese», daß man nicht arbeite» konnte; eines Tages habe sich in der Anstalt das Gerücht verbreitet. Geh. Rath Krahne komme, und dasei plötzlich die Verpflegung und Behandlung eine wesentlich bessere geworden; ein Transporteur habe verschiedene Male Gefangene auf dem Transport vergewaltigt, Beschwerde» darüber aber seien nicht angenommen worden:c. Weiter trat die Angeklagte einen umfange reichen Beweis dafür an, daß sie sowohl von dem Oberinspeklor v. Unruh als auch von weiblichen Aussehern durch grobe Schimpf- warte wiederholt schwer beleidigt uud bei Beschwerden ihrerseits init Jsolirzell« bestraft worden sei. Speziell von Herrn v. Unruh behauptete sie, daß, als sie sich von der Theilnahme am Gottesdienst dispensire» ließ, der Ober-JnspeUor zu ihr gesagt habe:„Z w i n g e n k a n n ich Dich nicht, aber Dein Leben ivill ich Dir schiver machen!" Bei ihrer Entlaffuug habe Herr v. Unruh angeblich gesagt:„Schreibe nunBrandartikel so vielDuivillst und niache, was Du willst, aber rühre mich nicht au; die Regierung steht mir zur Seite und ich häng« Dir einen Prozeß au, daß Du genug sollst!" Ueber alle diese Behauptungen sind, wie zahlreiche Zeuge» vernommen worden, die beinahe Belastendes gegen die Verwaltung nicht ausgesagt. Fast he haben weder über Kost, noch über die Behandlung, noch über Unsauberkeit in der Leib- med Bettwäsche zu klagen gehabt, «uch über die der Augellagte» zugefügten Schimpfworte wollten die meisten nichts aussogen können! Staatsauwall Richter hielt daher den Wahrheitsbeweis sür„glänzend" mißlungen. Die wenige» Zeuginnen, die klein« Beschwerde» vorgebracht, sind nach seiner Ansicht unglaubwürdig. Es sei bewiese», daß die Kranken„vorschriftsmäßig" im Lazareth behandelt worden seien, es sei unwahr, daß die Gefangene» „übermäßig" über Kälte zu klagen hatten uud die T h a t s a ch e, daß das Brot hier und da schimmelig gewesen, begriindc noch keinen Vorwurf. Wenn sich ein Gefangenen- Ausseher gegen Transportatinnen vergangen haben sollt«, so sei daZ eine Sache, die außerhalb der Strafanftalts- Verwaltung liege. Der Artikel sei schwer beleidigend. Die Angeklagte habe sich selbst außerhalb unserer Gesetze gestellt, der Zweck des Artikels sei, die Anstalts-Verwaltung in den Augen der Genossen h«rabj»- würdigen und deshalb sei der Antrag gerechtfertigt, die Angeklagte Reinhold zu 3 Monaten, de» Angeklagten Friedrich zu 2 Monaten Gefängniß zu verurtheile».— Rechtsanwalt Dr. Bieber gab zu, daß der Wahrheitsbeweis zum theil mißglückt sei, behauptete aber, daß manche Nngehörigkeiten in der Anstalt doch erwiesen worden seien. Eine der Zeuginnen, die auch für die Berivaltnng im allgemeinen günstig ausgesagt, habe doch bekundet, daß eS„fast einen ganzen Sommer hindurch" verschimmeltes Brot gegeben habe. Eine andere habe ausgesagt, daß Gefangene trotz Krankheit zum Arbeiten an- gehalten worden seien, eine Kranke sei noch knrz vor ihrem Tode mit einem Schlnsselbnnde geschlagen worden und in ihrer Zelle gestorben. Eine drille Zeugin habe bekundet, daß ihr die Füße in der Zelle erfroren seien, eine vierte habe gehört, wie Herr v. Unruh zn der kranken Angeklagten gesagt habe: „Ich habe kein Mitleid mit Dir und wenn Du kaput gehst." Der Vertheidiger verwies ferner darauf, daß drei Zeuginnen de bauptet haben, von dem Aufseher Wenzel aus Transporten ver aewaltial worden zn sein. Eine habe in der Anstalt ein Kind« das Leben geschenkt und den Aufseher Wenzel afs Vater bezeichnet, eine andere habe nach ihrer Rückkehr in die Anstalt Beschwerde über den Aufseher gesnhrt, man habe ihr aber nicht geglaubt, ihr vielmehr sieben Tage Arrest aufgelegt. Der Vertheidiger meinte, daß ina» lii«s«ii Angaben doch folgen niüsse, andernfiills würde die Vorladung dieser Zenginne», des Oberinspektors v. Unruh uud des Anfsehers Wenzel nolhwendig sein. Das alles aber seien doch Vor- gänge, die in einer ordentlichen Anstalt nicht vorkomme» dürfte», iedensalls könne man der Angellagten den Schutz des tz 133 nicht ab- spreche».— Die Angeklagte selbst behauptete, daß i hre Angaben der Wahr- heit entspräche». Sie habe auch den A e r f n ch gemacht, die angeblichen Mißstände in der S t r a s an st a l l dem Geh.- Rath Krohue zu unterbreite», dieser habe sie an de» Regierungspräsidenten von Merseburg verwiese», inzwischen aber sei schon der S t r afa n t r a g gegen sie gestellt worden.— Der Gerichtshof war der Ansicht, daß der Wahrheils- beweis mißglückt und der Angeklagten R e i n h o l d der Schutz des ß 133 nicht zuzubilligen sei. Das Urlheil lautete gegen Frau Rein hold ans sechs Wochen, gegen Friedrich otts eme� Zusatzstrafe von zwei Wochen Gefängniß. haben gesagt. Hagen beantragte, beim in den städtische» Etat sorge dafür zu treffen, daß Familienangehörigen der zn Voksles. Mt| viliw S Sur Lokalliste. Die Mitglieder der Lokalkoinmissio» für Berlin mgegend werden aufgefordert, bis spätestens Mittwoch, den 16. Juni, all« A e n d e r u n g e n d e r L o k a l l i st e ihrer Orte an Unterzeichneten einzuseuden. Spätere Zusendungen können nicht berücksichtigt werde». Die Lokalkommissioii. I.A.: Oskar Mahle, Berlin. Prinzenstr. 3. Die Arbeiterpreffe der Provinz Brandenburg wird um Abdruck gebeten. Armendirektion und militärisch« Nebungeu. Die Unter- stützung, welche den Familien der zu Friedensübungen eingezogenen Mannschaften der Reserve und der Landwehr nach dem Reichsgesetz vom 10. Mai 1892 zu zahlen ist, reicht zur Ausgleichung der durch die Einberufung zur Ferienkolonie diesen Familien zugefügten wirthschaftlichen Schäden bei weitem nicht aus. Sie beträgt für die Ehefrau nur 39 pCt., für jedes Kind 19 pCt., höchstens aber 69 pEt. des ortsüblichen Tagelohns, d. i., da der ortsübliche Tagelohn für Berlin 2,79 M. beträgt: 81 bis 162 Pseiinige. Häufig verlieren die Einberufenen ihre Stellung und werden auf Wochen hinaus arbeitslos. Die Lage der Familien ist insbesondere in den Fälle» wo für die Familie infolge von Schwangerschaft oder von Krankheiten erhöhte Anforderungen nöthig werden, so trostlos, daß die städtische Armenpflege helfend eingreifen muß. Als Folge der Einberilsung zu einer der schiversten Stnatspflichteu ist dadurch die politische Entrechtung der Reservisten und Landwehrleute nicht selten eingetreten. Diese Fälle werden dadurch, daß über Reklamalionen zur Heranziehung von Uebungen nicht die Stadt, sondern die Militärbehörde entscheidet, naturgemäß in ihrer Anzahl nicht verringert. In ihrer gestrigen Plenarsitzung beschäftigt« sich die A r m e n d i r e k t i o n mit dieser beschämenden Folge der Einberufung zu militärischen Dienstleistungen. Genosse Stadt- Magistrat anzuregen, daß Mittel eingestellt werden,«m Für außer den von Reichs iv«gen den Friedensübungen Einberufenen zu zahlenden Unterstützungen auf deren Antrag Unterstützungen zu zahlen sind, die nicht als Armenunterstntznngen gelten dürfen, die vielmehr verhindern sollen, daß Arnienpflege eintritt. Aus der Mitte der Kommission wurde die Thatsache bestätigt, daß wiederholt infolge von Mililärübnnge» die politische Entrcchtnng der Vater> landsvcrlheidiger hat eintreten müssen und dem Antrage lebhafte Sympathie entgegengebracht. Der Autrag Stadthagen wurde schließlich einstimmig angenommen. Wir können nur wünsche», daß der Magistrat und die Stadtverordneten- Versammlung dieser Anregung, die die kominniialen Pflichten der Stadt i» sozialpolitischer Hinsicht dankenswerth er- weitert und den Fehler des Reichsgesetzes in etwas korrigiit, ebenso einhellig beitritt. Noch nothwendiger wäre solche kommunale Fürsorge allerdings in den ostelbischen Junkergebiele», wo der ortsübliche Tagelohn gar nur 85 Pf. bis 1. M. 50 Pf. de trägt und wo di« Unterstützung auf grnnd des Reiciisgesetzes gar nur 25 bis 99 Pfennige beträgt. Der„Patriotismus" der Junker, deren Geldsack dann um ein Paar Pfennige erleichtert würde, läßt dergleichen natürlich nicht zn. Hatte doch die Reichsregieruug gar nur 29 Pf. für die Sommermonate und 39 Pf. für die Winter monale bewilligen wollen und ist es doch erst dem energischen Drängen der vaterlandslosen Sozialdemokralen zu danke», daß das Reich überhaupt Entschädigungen für die Familie zahlt, deren Er nährer zu Uebnngen in der Ferienkolonie einberufen ist. Acrztlichc Untersuchung von Gcmeiiideschulkiuder». Die Schuldepntalion hat eine Aerztekoiiiiiiiisio» ermächtigt, an mehreren Gemciudeschulen Kinder auf ihren körperlichen und geistigen Zu- stand hin zu untersuchen, jedoch nur solche Kinder, die bereits zwei Jahre oder noch länger in der 6., 5. oder 4. Klasse sitzen oder ge- sessen haben. Gleichzeitig werben die zn untersuchenden Kinder durch ihre Lehrer charakterisirt, wobei unter anderem über Schnlversäum niffe und Nebenbeschäftignng der Kinder, über ihre Fähigkeiten, Neigungen und Eigenldümlichkeiten, sowie über etwaige Ab normiläten der Sinnesorgane zu berichten ist. Die Unter- suchung hat bereits an einigen Schnlen stattgefunden, zum Beispiel an der 21.(Knaben-) Schule, Hinter der Garnisonkirche, und an der 158.(Mädchen-) Schule, in der Mühlenstraß«. Die von den Arbeitervertrelcrn in der Stadtverordnelen-Versanimlung ans gestellt« Forderung einer periodisch wiederkehrenden ärztlichen Unter- suchung und sortgesetzlen gesundheitliche» Ueberwachung aller Gemeindeschul-Kinder ist damit keineswegs abgethan. Die jetzt statt- sindenden Untersuchungen stehen auch iveniger in Zusammenhang mit jener Forderung, als mit de» Erörterungen über die Frage, wie die schwachbegablen uud geistig abnorm«» Schulkinder zn be handeln sind. Der Fluch der Armuth. In der Nähe der 51. Gemeinde schule in der Niederwallstraße hielt der Speise-Eishändler Trunsch und bot seine verlockende Waare ans. Eine Anzahl Schillknabe» umstanden den Wagen und beneidet«» eine» Glücklichen, der sein Vermögen von 5 Pf. in Eis anzulegen vermocht hatte. Plötzlich stob die Schaar aiiseinander mit dem Schreckensrufe:„Der Rektor kommi" Nur der eine, welcher sein Eis nicht im Stich lassen wollt«, blieb zurück.„Habe ich nicht verboten. Eis zu effen?" herrscht« der Rektor de» armen Schelm an.„Na, komme Du nur morgen in die Schule, da wirst Du Deine Strafe erhalten". Nun legte sich der Handelsmann ins Mittel und setzte dem Schulgewaltiaen auseinander, daß das Eisessen der Gesundheit der Kinder durchaus nicht nachtheilig sei. Er bereite selber das Frucht eis und verwende nur die best«» Ingredienzien dazu.„Ach. deshalb ist es auch nicht", meinte der Rektor.„Aber hier essen die Jungen Eis und in der Schule kommen sie und wollen Hefte haben. Für das Geld sollen sie sich lieber Hefte kauf«»." Nu» machte der Händler den Rektor daraus aufmerksam, daß von der städtischen Verivaltung für diese Zwecke ja doch eiu Fonds ausgeworfen sei, der nicht einmal aufgebraucht würde. Es wäre also doch keine Ber- anlassttitg. den armen Kinder» auch die kleinste Freude und den kleinsten Lebensgenuß zu rauben. Der Herr Rektor zog ti vor, einem weiteren Disput ans dem Wege zu gehen, der Händler aber machte sich seine Gedanken über den Fluch der Armuth! Zu der Luftballou- Katastrophe auf dem Tempelhofer Felde nd noch folgende Einzelheiten nachzutragen: Der Benzinmotor. ivelcher die Schraube in Bewegung fetzte, zeigte bei seiner Aus stndnng nur gemigfügige und auscheiueud auch nur durch den Sturz entstandene Beschädigungen. Die schwere Last fiel mit so furcht- barer Wucht auf die Erde herab, daß der Motor ca. 39 Zentinieter in dcn Erdboden eindrang. Ter Apparat war ziemlich leicht gebaut »ich so konstruirl. daß die ans den Ventilkainmer» heraus- lodernden Flammen gegen eine am Kopfe des Zylinders befestigte Alnniiniumplatte schlugen»md somit die Gefahr einer Entzüichnng der Ballongase ansgeschlvsie» schien. Wie von oerschiedenen Seite», zum theil mit Hilfe von Fern- gläsern geua» beobachtct worden ist, entstand daS Feue« dem Anschein nach in der Mitte zwischen Gondel»nd Ballon, wahr- scheinlich durch keransströmeiide Gase. Eine Stichflainnie schlug in die Gondel hinein.»»» im nächsten Augenblick wieder eniporznlodern. In der folgenden Sekunde war bereits die eine Hälfte des Ballons und zwar ans derjenigen Seile, auf welcher sich das Beutil befand. von einer furchtbaren Fenersäule umgeben, die sich im nächste» Moment über den ganzen Ballon ausdehnt«. Der ganze Vorgang vom Entstehe» der Katastrophe bis zuni Ausschlagen d«r Gondel ans den Erdboden, nahm kaum 29 Sekunden in Anspruch. Die genaue Ursache der Kalastrophe dürft« wohl niemals festgestellt werden. Die beiden veriinglückte» Luftschiffer sind nach der Leicken- Halle n, Tempelhof, die Ueberrest« des Ballons nach dem Spritzenbanse des genannten Vorortes geschafft worden. Ueber Herrn Dr. Wölffcrt erfahre» wir noch folgende Einzelheiten: Der ans Thüringen gebürtige Liiftschiffer hat in seiner Jugend Theologie studirt und wandle sich, nachdem er einige Zeil als Geistlicher amltrt, der Philosophie zu. Bon Hause ans vermögend, verlor er infolge unglücklicher Spekulationen den größten Theil seines Kapitals. Vor 29 Jahren begann er sich nnt dem Plan der Erdautliig eines lenlbaren Luftballons zu beschäftigen. Schon in der ersten Zeit mangelte es ihm an Gel», so daß er im Jahre 1832 den Versuch machte, zum Zwecke der Erbauung des Luft- scksiffes eine Genosseuschast zu gründen; jedoch ohne Erfolg. Bald darauf stellte der jetzt flüchtige Gastwirlh Slernecker terrn Dr. W. Geld zur Verfügung mit der Bedingung, daß der allon zunächst in dem Lokale des St. in der Hasenhaide aussteigen müsse, woraus auch der Lnftschiffer einging. Später unteriiahin er ährlicher. n ualür- devgu- Auffahrten abwechselnd sowohl von der Hasenhaide als auch von Schöneberg aus. In dieser Weise, sowie auch dadurch, daß der energische Lnftschiffer Stellung als Korrektor in Berliner Druckereien annahiii, verschaffte sich Dr. W. wieder einiges Geld, so daß er in der Lage war, eiu kleines Modell seines lenkbare» Luftschiffes ber- zustellen. Vor zwei Jahren endlich fand der Aeronant einen Geld- mann, der ihm einen genügende» Betrag zur Erbauung des jetzt verunglückten Ballons soivie zur Vorführung desselben in der Ge- werbe- Ausstellung zur Verfügung stellte. Bekanntlich renssirte jedoch das Unternehmen in der Ausstellung nicht und noch im Lause des vorigen Sommers ließ der Geldmann bei W. pfänden. Ende vorigen Jahres endlich trat ein Baron von T. dem Dr. W. zur Seite. Nachdem der letztere das kleinere Lnftschiff dem Kriegs- Ministerium geschenkt hatte, interessirte sich die Militärbehörde sür die Ideen des Luftschiffers, welcher dann, als sich jetzt die Hoff- »unge» des energischen, seit Jahren kämpfenden Mannes erfüllten, in so furchtbarer Weise seinen Tod fand. Der nnt verunglückte Mechaniker Robert Knabe, ein geborener Berliner, war hierselbst bei der Firma Mix u. Genest in Stellung. Schon seit Jahren brüst» leidend, erkrankte er vor etwa sechs Woche» ernstlich und die Familie gerieth hierdurch in eine recht traurige Lage. Wiewohl noch sehr erschöpft und schwach, meldete sich Knabe, um endlich wieder Geld zu verdienen, am Freitag gesund; er nahm seine Thätigkeit wieder ans, um am folgende» Tage bereits in so unerwarteter Weise den jähen Tod zn finden; Frau und Kinder befinden sich in größter Roth. In einer längeren Zuschrift setzt uns ein Fachmann auS- einander, daß die Benntzung eines Benzinmotors fast unvermeidlich eine Katastrophe herbeiführen mußte; bei weitem ungesährlicher. wäre ein Pelroleummotor gewesen. Es steht uns als Laie» lich nicht zu. hierin ein Urtheil zu fälle», wir geben die in schrift enthaltene Anschauung daher nur referirend wieder. Herr Stadlverorduetcr Rosenow sendet uns eine Zuschrift, in der er sich dagegen verwahrt, daß er gesagt habe,„Heilig sei das Eigenthum und wenn die Bevölkerung darob verkomme". Wenn Herr Rosenow die kurze Notiz aufmerksam liest, die wir a« Sonntag über die Ha»sbesitzelvers»mml»»g gebracht habe», so wird er ohne schwere Mühe herausfinden, daß die beanstandeten Wert» von der Redaktion herrühren als Ausdruck der konsequenten, Schlußsolgerung jener Ansichten, die in dem gegen die neue Bau«' polizeiordunng gerichtete» Kampf ein« Rolle spielen. Für so thöricht halten wir Herrn Rosenow nicht, daß wir ihm zutrauen, er werde derart offen, wie wir es ihm in de» Mund gelegt haben sollen, die wahre Herzensmeinung eines wesentlichen Theils der Berliner Hausbesitzer zum besten geben. Ziemlich nebensächlich ist,. daß Herr Rosenow sich serner noch dagegen verwahrt, „Wortführer" der Hausbesitzer zu sein, und daß er am Schlüsse seiner Richligstellung schreibt:„Ich habe in der betr. Versammlung besonders hervorgehoben, daß ich häufig genug Anlaß halle, mich gegen die Bestrebungen d« Hausbesitzer- Verein« auS- znspreche» und dementsprechend in der Stadtverordneten- Bersamm- lniig zn stimmen, daß mich dies aber nicht bindert, gegebenen Falles. gegen ein von der Regierung beabsichtigtes, durch nichts begründetes schweres Unrecht gegen den Grundbesitz auf die Seite des letzterem zu trete». ReligionsstatiftischeS anö Snudeubabcl. Eine für die am Dienstag zusammentretende Berliner Sladt-Synode an«. gefeitigle statistische Uebersicht giebt an. daß am 2. Dezember 1335 in Berlin gezählt worden sind: 1 426 591 Evangelische, einschließlich Sektirer, 154 370 Römisch-Katholische, einschließlich Alikatholische/ 393 Griechisch-Katholische, 6639 Dissidenten, Dentsch-Katholische iind Freireligiöse, 86124 Juden, 2536 Angehörige anderer. Religionen. Die Zahl der vorhandenen Kirchengebäude be«; trägt 45, die der Psarrhäuser 25, die der Pfarrstell«« 128. Wie viele wirkliche Anhänger ihrer Kirche sich unter den fast anderthalp Millionen Evangelisch-Getanften befinden, konnte natürlich nicht fest- gestellt werden. Wer aber die steten Klagen der Fromme» hört, wird annehmen können, daß ihrer nicht gar zu viele find. Einer jeuer Fälle, wie sie an unsercn öffenttichen Kranken» Häusern mehrfach gerügt werden mnßte», wird uns abermals von einem hiesigen Einwohner mitgeiheilt. Die Frau des in der Sebasiianstraße wohnenden Schneiders W. mußt« am 3. Mai d. I. eines Lnngenleidens wegen das Krankenhaus Am Urban aufsuche«. Am 3. Juni, kurz nach 6 Uhr abends, starb die Frau. Drei Stunden vor ihrem Tode halte die Krank« dringend verlangt, ihren Gatten zu spreche»; diesem Wunsche wurde aber ans ilnbekannteu Gründen nicht entsprochen. Am Tage darauf war Besuchsstunde im Krankeiihcmse. Herr W- fand sich um zwei Uhr ahnungslos in dem Saal ein, in welchem seine Frau gelegen halte, und hier erst eriiihr er von den anweseiideii Patienten, daß seine Gattin bereiNT feit zwanzig Stniide« verstorben war. litis Herr W. dann die Leiche zu sehen verlangte, stieß dies Verlangen erst auf Widerstand. Erst um 5 Uhr wurde ihm der Zutritt zur Leichenkannner gestattet, die Leiche lag zugedeckt in einem Glaskasten. Herr W. ersuchte den Diener, den Kasten zu öffne», doch wurde dies Verlangen erst nach wieder- Holter Aiifforderung erfüllt. Nun sah der Gatte, daß di« Leich« seiner Frau geöffnet gewesen und wieder zugenäht worden war. Da man es unterlassen hatte, die nächsten Angehörigen der Ver- storbenen sofort von dem erfolgten Ablebe» zn benachrichtigen, so kann natürlich von Einholung einer Erlaubniß zur Oeffnuug der Leiche erst recht kein« Red« sein. Erst im Lauf« des nachmittags war daue» auch der Brief auS dein Krankenhaus« in der Wohnung des Herrn W. eingetroffen, der die offizielle Todesnachricht brachte; wie der Posisienipel zeigte, war daS Schreibe» zwischen 12uiid 1 Uhr mittags*n{ die Post gegeben worden. Hoffentlich lhut dieKrankenha»sv«rw»Itu»g ihr möglichstes, um derarlige Vorkonumusse, wie die hier geschilderten. ei» sür alle mal unmöglich zu mache»; geschieht dies nicht, dann wird die Stadtverwaltung damit zu rechnen habe», daß das Ber- trauen der Bevölkerung zn den städtischen Heilanstalten aus«in im öffentliche» Interesse wahrlich nicht herbeizmvünschendes Maß herab- sinkt. Ter Kirchhofs-Inspektor als Zensor.„Das Blatt gehört auf keinen protestanlischen Kirchhos", meinte am Sonntag der In» 'pektor des Louisen- Kirchhofs an der Bergmaunstraße, als ein den- .Vorivärls" lesender Besucher den Herrn um Ausllärung darüber bat. warum er gerade ihn vor allen Zeitung lesenden Luftkneipern mit der weltbekannten Höflichkeit des ausgedienten Unteroffiziers dazu aufgeforderte, das Blatt nicht liegen zu lassen. Wie vielseirig muß der Mann sei», wenn ihm nebe» seinen sonstigen dienstlichen Pflichte» auch noch die Ueberwachung der Leklüre der FriedhosS- besucher anvertraut ist! Uebrigens hat er recht, der„Vorwärts* gehört nicht auf den Kirchhof, da er sich nicht unter die Erd« bringen läßt. Selterwasser von verdächtiger Qualität wird in Berlin nicht «lten in de» Handel gebracht. So ließ nach den Beurkundunge»» des Medizinal-Affessors am kgl. Polizeipräsidium zn Berlin, Dr. Springfeld, die schlecht« Verziniiung der kupfernen Ballons, in denen das Selterwasser an die Zwischenhändler versandt wird, iviederhotp bis zn 9,15 Kupfer in das Selterwasser übergehe». Außerdem ist e» des öfteren mit salpetriger Säure verunreiiiigt, die der Verwendung unreiner Schwefelsäure oder dem verwendeten Brniinenwasser eni- tanimle. I» anderen Fälle» ließ sich Salpetersäure nachweisen. Seit! Erlaß der Polizei-Verordnung, belieffend den Verkehr mit Selker» wasser, hat die Einfuhr aus den Vororten zugenommen, in denew eine gleichlautende Polizei-Verordnung nicht erlassen ist. So erschein»! das unzulässige Wasser ans Rummelsburg immer wieder aus denr Markte. Nach dem Eulstehen der Trinkhallen, insbesondere der ogenannte» fliegenden, hat sich die Fürsorge der Polizei im Ver« kehr mit Selker-»nd Sodaivasser erstreckt ans die Berhiitnngei»- von Metallvergiftungen infolge Verunreinigung des WasserSj durch giftige Blei-, Kupfer- und Zinnverdmdnnge» der Syphons. Bnlloiis. Zapfvorrichtungen unb Druckleilungr«, auf die Verhütung von ökonomischen und sanitären Nachtheileu durch Verwendung vo» gefärbten Syrupen bei Brauselimonade, ans die Verhütung ökonomischer und sanitärer Nachlheile durch Verlauf des Wassers u>>ler falscher Bezeichnung, insbesondere des Sodawassers unter dem Nanien„Selters- und umgekehrt, und endlich wurde auf Anregung des Ministers der Medizinalangelegenheiten eine Bekanntmachung gegen den Genuß eisgekühlte» Selterwassers erlassem Da solches Wasser schon in normalen Zeiten leicht ernstliche Verdauungs- störungeu von längerer Dauer nach sich zieht, wurden die Verkäufer von Mineralwässern in, Ausschank darauf angewiesen, das Getränk nur i» eine»» der Triukwasier- Temperatur eulsprechendeu Wärme- grade von etwa IV Grad C. abzugeben. Auf Beschluß deS Magistrats werden nun doch alle noch vorhandene» Gebäude auf dem Ausstellungsgelände des Treptower Banes beseitigt werden. Das Chemiegebäude wird abgetragen, das Flschereigebäude dagegen wird nach dem Sportplatz in Wilmersdorf- Friedenau versetzt; aber auch der städtische Pavillon und die Holz- bauten von Bötzow und Hefter müssen abgebrochen werde». De» Grund und Boden des neuen Bollwerks vor dem Fischereigebäude wird der Magistrat vom Stromfiskus erstehen, die Anschüttung selbst von den Unternehmer», die sie seiner Zeit für die Ausstellung hergestellt haben.. �" ,$c« hcgiuiieiibe» Theaterferieu sehen neben manchen andere» BuhneuangesteUten auch die Garderobiere» der königlichen Theater mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Während der Saison dauert lyre Arbeitszeit am Schauspielhause Wochentags wie Sonn- '"ös von 8 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags, sodann von ZVl bis TVe Uhr und hierauf»ach einer Pause bis gegen Mitternacht. Ihr GeHall beträgt während der Saison wöchentlich etwas über 22 M.; in der Ferienzeit aber, wo nur bis Mittag gearbeitet wird, erhalten die jüngilen nur II M. Mit recht frage» sie, wie sie bei einer der« artigen Verminderung ihres Einkommens existiren sollen. Die Berliuer Biitkcrinuung feiert ihr 625 jähriges Bestehen und hat aus diesem Anlaß eine große Jubiläums-Fachausstevung veranstaltet. Bei der Eröffnung der Aiisstellung im Germania' Jnnliiigs Hause war auch Minister v. Bölticher zugegen. Der Minister sprach den Wunsch aus, daß Gott das Handiverk segne» woge. Der Kampf der Bäckermeister gegen die Bmidesraths- Ber- vrdiiniig wird durch folgendes, n»S vom Bertrauensinann der Bäcker uutgetheiltes Borkominuiß beleuchtet. Am S. Jnni wurde die Bäckerei vo» K. in der Gerichlstr. 14 polizeilich revidirt. Ein ver deiratheter Geselle, der dort schon»e»n Monate beschäftigt ist, be- lundet« auf die Frage des Beamte» der Wahrheit gemäß, daß mit ernem Personal von einem Konditor und vier Gesellen vo» abends 9 Uhr bis zum nächsten Nachwittag 2 Uhr gearbeitet werde. Kanin hatte der Beamte die Räumlichkeit verlassen, so erklärte der Meister dem verblüfflen Geselle», daß er nur sofort seine Sachen packen möge, solche Leute wie ihn könne er nicht gebrauchen. Die Beziehungen zwischen den Aerzteu und dein Rbonuc «icntSvereiu für Dienstherrschaften sollen neu geordnet werden. Nach der Ansicht des Ausschuffes des Abonnementsvereines soll der „Med. Ref.� zufolge dabei grundsätzlich festgestellt werde», daß der Ailsschiiß für jede Berathung eines erkrankte» Dieustbole» in der Eprechstuiide des Arztes diese», 1 M. zahlt; potiklinische Behaiidliing hingegen und Besuche in der Wohnung des Dieiislbote» honorirt der Abonnementsverein nicht. ES kann der Frömmste nicht in Frieden leben. Die „Heilsarmee- ließ vielfach an Sonntagen nachmittags auf den Straße» durch ihre„Soldaten und Kadeltiiuien- gedruckte Ei» ladungen zu den Aersammlungeii vertheilen. Tie Polizei ist i» letzter Zeil gegen diese Zellelveriheiler wegen Verstoßes gegen die Sonntagsrnhe vorgegangen. In der Landsbergerstraße wurde vor- gestern Abend ein Heilsarmeesoldat, welcher an die Passante» solche Zettel vertheilte, durch einen Schutzmann zur Wache sistirt. Eine Miillabladestelle schlimmster Art im Weichbilde Berlins befindet sich unmittelbar am Ningbahnhof Landsberger Allee und bei den neuen Viehhofsanlagen aus dem von der Landsberger Allee, der Riugbah», der Cothenins- und der Thormer straße begrcuzle» freien Platz. Hier werde» täglich groß« Masse» von Müll iliid Abfällen aller Art abgeladen und mibeachlet liegen gelassen. Die Folge davon ist, daß alle diese Ekel erregende» Stoffe, besonders bei der jetzt herrschenden Hitze, allmälig in Gährung übergehen und eine große faulende Masse bilden, aus der ei» pestilenzialischer Geruch aufsteigt und die Hunderten vo» Krähen «ine willkommene Gelegenheit zu ihrer wideuvärligen Nahrung bietet. Kanin 60 bis 70 Meter davon entfernt befinden sich be wohnte Häuser, ja, aus den Hinlerfeustern der in der Elbinger- straße gelegeneu großen Gemeindeschule kann man den scheußlichen Platz aus allernächster Nähe vollständig übersehe». Die An- wohner fragen sich vergebens, wie es möglich ist, daß»in solcher Müllabladeplatz innerhalb des Weichbildes Berlins geduldet werden kann. Tob durch Sturz auS dem Fenster. In dem dritten Stock werk des Hauses Dragmierstraße S wohnen die Engel'schen Eheleute Ulit ihrem zwauzigjährige» Sohne, einem jungen Kaiismann. Die Ellern waren am gestrigen Spätnachmittag ausgegangen und kehrte» erst um lo'/s Uhr nach Hause zurück. Beim Betreten des Hos- rauiiies bot sich ihuen ein eiitsetzlicher Anblick dar; ans dem Pflaster lag beflNiiuiigsios, blutbesudelt der junge Man», nur noch schivache Lebenszeichen von sich gebend. Bevor ei» Arzt eintraf, war der Bedauernsiverthe bereits verschieden. Der junge Mann ist ans einem Fenster der elterlichen Behausung herausgestlirzt. Ob ei» Seibstl mord oder ein Unglücksfall vorliegt, ist nicht ermittelt. Verfchtvuudeuer Knabe. Am zweite» Pfingsltage ist der Schüler Karl Reiner aus Berlin, der in Begleitung seiner Ellern sich in der Wuhlhaide bei Eadowa aufhielt, spurlos verschwunden. Der Knabe hatte sich von seinen Angehörigen getrennt, um Blumen zu suchen. Da alle Nachforschungen bisher vollkomine»«rgebnißlos waren, so ist»nr anznnehine», daß sich der Kleine der Spree allzusehr genähert, ins Wasser gefallen und ertrunken ist. Ein eigeuthiiiulicher Unfall beim Baden hat sich am Sonntag Vormittag um S'/s Uhr in der Bade-Anstalt an der Waisenbrücke zugetragen. Der 25 Jahre alte Glaser Richard Boruoivski ging mit einem Kopfsprung ius Wasser. Gleich hinter ihm her sprang «i» anderer Badegast hinein und traf ihn ins Kreuz. Bornowski mußte, schwer verletzt, aus de», Wasser herausgeholt und nach der Charitee gebracht werde». Er hatte eine Gehir>ierschütlir»»g und eine Verletziiiig des Rückenmarks davongetragen. Aus Lieb« zur Diebin geworden und dm», aus Furcht vor Strafe in den Tod gegangen ist die 19 Jahre alte Berkäuferin Klara Huhn, die bei der Wittwe des Schlächtermeisters Heinritz, Steinmetzstr. 75, in Stellung war und wohnte. Als Lehrmädchen hatte Klara Huhn ein Liebesverhältniß mit einem Gesellen Otlo Rex angeknüpft, und dieses setzte sie fort, nachdem Frau Heinritz be» Gesellen enilasseii halte. Da Rex nun arbeitslos war, so steckte ihm seine Geliebte aus de» Beständen der Dienstherrin sortgesetzt Fleisch- und Wursiwaaren zu und zwar so viel, daß Rex einen Theil davon wohl verkaufen konnte. Das kam am Sonnabend an den Tag. Frau Heinritz hatte der Berkäuferin wiederholt verboten, Rex im Geschäft zu eiiipfangen; sie konnte aber nicht scharf koutrollireli, da sie außer ihre»» Ladengeschäft noch einen Stand in der Markt- hall« V in der Magdebirrgerstraße hat. Dort erhielt sie am Sonn- abend Vormittag telegraphisch die Mittheilung, daß sich Rex schon seit dem Morgen in dein Lade» aufhalte und daß die Verkäuferi» Packele für ihn zurecht mache. Als Frau Heinritz nach Hause kam, sah sie den früheren Gesellen gerade mit Packelen über die Straße gehe». Sie»lachte nun der Verkäuferin Vorstellungen und diese räumte schließ- lich die sortgesetzte» Entwendnngen«in. Frau Heinritz wollte indessen kein Aussehen machen»nd das Mädchen auch nicht an- zeigen, sondern lediglich entlassen. Das sollie gestern, Sonntag Mittag, geschehen und das Mädchen blieb daher zunächst noch ii» Geschäft». Als aber Frau Heinritz gestern Morgen in der Markt- halle war, erhielt sie die Nachricht, daß die Verkäuferi», die jeden- falls eine Anzeige gefürchtet hat, oder aus Scham nicht weiter leben wollte, Hand a» sich gelegt habe. Sie hatte den Laden»och geöffnet, war dann in einen hinler dem Laden liegenden Rani» gegangen »nd halte sich mit einer Schnur an einem Fleischhakeu aufgeknüpft. Strastcnsperrnng. Die Händelstraße, vo» der Lessingstraße bis zur Brücken-Allee, ivird behufs Leaung vo» Gasrohrleituiigen vom 16. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiler gesperrt. Theater. Jui Z e n t r al- Th e a t e r ftndet heute die Premiere der Komödie„Sozialaristokraten- von Arno Holz statt. Die humorlstische Hauptfigur des Stückes, den Gelegeuheltsdichter Fiebig, spielt Hermann Müller vom Deutschen Theater.— Das Volks-Theater i» der Reichenbergerstraße wird, nachdem Herrn Direktor Anger die große Thcaterkonzesstvn«rtheilt worden ist, nunmehr auch seinem neuen Range gemäß im Innern die gehörige Bühnen- und Platzeinrichtung erhallen. Die Bühne wird nach der Rampe zu das nöthige Gefälle bekommen u. s. w. Behuss dieser Umwandlungen schließt das Volks- Theater am l. Juli und soll Mitte August mit dem neuen große» Volksstücke:„ G e s ch>v i st e r Fiebig- von Oskar Wagner und Hugo Habkerl eröffnet iver- den Nachdem gelangt Leopold Ely's neues VollSstiick„Berlin Südost- zur Aufführung. Vom Donnerstag den 17. bis zum Beginn der Ferien bringt das Bolks-Theater ei» täglich wechselndes Reperioir seiner bisher mit bekanntem Erfolge aufgeführten Posten und Volksstücke; am Donnerstag zunächst„ Hopse nraths Erben". Orgelkonzert. Frau Margarethe Frankeuberg, Frl. Vera Goldberg und Herr Robert Schwießelmann werden den O r g e l v o r t r a g in der Marienkirche am Mittwoch, den 16. Juni, mittags 12 Uhr, unterstützen Der Eintritt ist srei. A«ts de» Nachbarort«». Friedrichshage». Am Mittwoch, den 16. Juni, abends, 6'/, Uhr, findet hier eine Versammlung statt, in der gegen die Verl stümmelniig des Vereinsgesetzes Protest erhoben werden soll. Die Arbeiter»nd Arbeiterinnen werden ersucht, recht zahlreich in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Einbernfer. Ein Spaziergang in Johannisthal. Am vorigen Mittwoch ging der Drechsler Klauk ans Berlin in Johannisthal spazieren. Er hattr sich den Nachmittag srei gemacht und wollte einmal so recht aus voller Brust frische Luft schöpfen. Da fügte es ei» wider- wärtiges Geschick, daß das Aug« eines preußische» Gendarmen sich ans den Drechsler lenkte, als dieser still im Orte seines Weges ging. Er sollte sich legittiniren. 5Uai!k zog ein altes Krankenkassenbnch, das er zufällig bei sich trug, aus der Tasche seines Arbeilsrockes und reichte dies dem Gendarmen hin. Ja, das genüge nicht, er müsse mitkoiiiinen. Und Klank wurde in das Spritzenhaus gesperrt, wo er volle II Stunde», nämlich von abends 7 Uhr bis morgens 6 Uhr ohne Nahrung, ja ohne eine» Schluck Wasser veriveilc» mußte. Aber damit waren die Folgen seines Spazierganges»och nicht zu Ende. Bon Johannisthal wurde Klank nach Adlershof transporlirt, wo ebenfalls dreistündiger Aufenthalt ivar und von da brachte ihn ein Polizeidiener nach Köpenick. Dort mußte der Drechsler bis gegen 1 Uhr in einer Zelle warten. Dann sührie man ihn vor eine» höheren Beawlen, der ihn über sein„Vergehen" inquirirt«. Es stellte sich nunmehr heraus, daß der Angeschuldigte wirklich nichts anderes auf dem Kerbholz halte, als daß er in seinem Arbeilsauzuge spazieren gegangen war, und mm endlich wurde seine Enllnssung verfügt. Als Klank in Berlin an kam und an seine Arbeitsstätte ging, ward er gewahr, daß bereits jemand anders an seinem Platze stand. Nicht ohne Opfer gelang es ihm, sich wenigstens seine Arbeit zu erhalten. Der Vorfall aber möge andern Spaziergängern, die unter ähnliche» Umständen Lust verspüren, das liebliche Johannisthal zu besuchen, zur Warnung dienen. An der Kreissäge ist der in der Dampsschneidemnhle d immerineister Büttner in Werneuchen beschäfligle Arbeiter ei nrich Behring verunglückt. Derselbe arbeitete außerhalb der eigentlichen Schneidemühle an der Kreissäge. Bei seiner Be äftigung wurde der linke Aermel seines Rockes von der die Kreis- säge treibenden Welle erfaßt und Behring dadurch mehrmals in der Luft mit herumgeschlendert, bis der linke Arm aus dem Armgelenke herausgerissen war. Auch sonst hat der Unglückliche erhebliche Verletzungen davongetragen. Da er allein an der Säge arbeitete, so blieb der Borfall längere Zeit unbemerkt, da B. vor Schreck und Schmerz sprachlos war und nicht zu rufen vermochte. Die Arbeiter in der Mühle wurde» erst durch den veränderten Betrieb auiitierksani, sahen nach und«ntdecklen nun das Unglück. Unter der Obhut seiner herbeigerufenen Frau wurde Behring schleunigst in das Berliner Krankenhaus am Friedrichshain geschafft. Um der„Arbeiternoth" ans dem Lande z« steuern, wollen die Agrarier zur Selbsthilfe greifen. Die braudenbnrgische Land- wirthschastSkanimer hat nämlich die Errichtung eines Zentralarbeils- Nachweises für ländlich« Arbeiter unter Aussicht der Kammer be- schlösse» und den Borsitzenden, Herrn v. Arnim-Güterberg, die Vollmacht crtheilt, mit einem bereits in Aussicht genommeneu ArbeUsvernnüler eine» entsprechende» Vertrag abzuschließen. Soziale Nechtspflege. Dem Trrhorgelspieler R. wurde der Wandergewerbe cheiu für das Jahr 1397 versagt, weil er im Sommer 1394 eine dreimonatliche' Strafe wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt verbüßt hatte. Und zwar stützte sich die zuständige Behörde auf de»§ 57 III der Gewerbe-Ordnung in der neneu Fassung vom 6. August 1896. R. klagte dann gegen den Kommissar jur Vertretung des öffentlichen Juteresses und stellte beim Ober- Ber w alt ungsgericht den Antrag, ihm den Schein zu ertheile». Die Novelle zur Gewerbe- Ordnung voin 6. August 1396 sei erst am 1. Januar 1397 in kraft zetrelen, er habe sich aber bereits im November 1396 um den Schein icworben und deshalb hätte der neue§ 57»och nicht angewendet werden dürfen. Der dritte Senat des Ober-Berwallungsgcrichte erkannte edoch zu Ungunsten des Klägers. Es sei nicht die Zeit maßgebend, i» der der Antrag gestellt wurde, sondern die, für welche R. de» Wandergewcrbeschein verlangte, also das Jahr 1897. Gegen de» von Maschinen erzeugte» unerträglichen Lärm darf die Polizei»ach einer Entscheidung des Ob er-Be rivallungs- g e r i ch t s dann einschreite», wenn das Wohlbefinden der Nachbarn des Maschinenbcsitzers dadurch gestört wird. Der Kaufman Goston Halle in seinem Keller eine» Gasmotor zu Beleuchtungszwecken aus- «stellt, der täglich mehrere Stunden lang in Betrieb war. Eine isiietherin des betreffenden Hanses fühlte sich durch das Geräusch der Maschine belästigt. Sie beschwerte sich bei der Polizei und diese verlangte darauf von Goston, entweder den Motor- betrieb einzustelle» oder den Motor so aufzustellen, daß die Be- lästignug der Nachbar» aufhöre. Goston focht die Verfügung der Polizei im Berwaltnngsstreite an. Das Ober-Vcrwaltungsgericht wies ihn jedoch ab, indem es sich auf ein Physikalsattest berief, wonach das forldauernde Geräusch eines arbeitenden Gasmotors ge- eignet sei, die Gesundheit der Nachbarn zu beeinträchtigen. Die Behörde fei darum berechtigt gewesen, jene Verfügung auS ge- 'nndheitspolizeilichen Rücksichten zu erlassen. Fttr landwirthschaftliche Arbeiter und kleine Landwirthe ist die Entscheidung des Reichs-VersicherungSainteS von großer Bedentung, die in der Unfallsache des landwirthschastlichen Arbeiters Kamlage gefällt wurde. Ein Landwirth, der«in Gebäude in eigener Regie aufgeführt hatte, ließ sich nach einer alten Sitte von einer größere» Zahl Personen aus seiner Umgebung beim sogenannten „Richten- Helsen. Unter den Hilfsbereiten befand sich auch der Arbeiter Kamlage. Er hatte das Unglück, abznstürzen und wurde schwer verletzt vom Platze getragen. Di« landwirthschaftliche Berufsgenossenschaft, an die er sich zunächst wegen einer Unfallrente wandte, wies seinen Anspruch u»ter der Begründung zurück, daß K. nicht beim land- wirthschastlichen Betriebe verunglückt sei und deshalb auch die landwirthschaftliche Berufsgenossenschaft nicht haftbar machen könne. Kamlag« beantragt» darauf bei der VerstcherungS- anstalt der hannoverschen BaugeiverkS- Berufsgenossenschast die Gewährung der Rente. Aber auch diese wies ihn ab, ebenso ihr Schiedsgericht. Das Gericht nahm an, es handele sich hier nicht um ein Arbeitsverhältniß. Das Reichs- Versicheruugsamt als lctzle Instanz verurtheilte indessen die Berficherungsan statt der Bau- g e w e r k s- B e r n f s g e n o s s e» s ch a s t. Es ging von folgenden Erwägungen aus: Gegenseitige Hilfeleistungen der Landwirthe beim Richten ihrer Neubaulen seien vielfach üblich. Es sei zum Richten nothwendig, daß auf kurze Zeit eine größere Zahl von Arbeits- kräften bereit stehe, und deren anderweite Beschaffung sei auf dem Lande meist schwierig. Die Belohnung bestehe gewöhnlich i» der Berechtigung, am Richleschmans theilzunehmen. Die Frage, ob solche Personen als Arbeiter im Baubetriebe anzusehen seien, könne nicht unbedingt verneint werde», denn für den Begriff„Arbeiter- im Sinne des Unsallversicherungs-Gesetzes sei weder die Berufsmäßigkeit, noch die Bezahlung der Arbeit maß- gebend. Andererseits köiiiile» aber diese Leute auch nicht unter allen Umständen für die Zeil ihrer Hilfe beim Richter als Arbeiter angesehen werden. Boraussetzung sei, daß sie wirk« lich eingriffen in die Bau-Aufführnng und nicht blos zuschauten, und ferner, daß sie w i r t h s ch a f t l i ch Arbeiter» gleichständen und in ihrer sonstigen Lebensstellung nicht völlig unabhängig und selbständig seien. Das treffe beim Kläger zu. Er sei nach An- nähme des Gerichts in dem Regiebaubetrieb eingetreten gewesen. GeviM-S�Iettung. Tie Rechtögiltigkeit der Polizei-«erordnnng Pom ll>. Oktober 189«, die betreffs der äußeren Heilighält»,'!, der Sonn- und Festtage vom Berliner Polizeipräsidenten erlasse» worden ist, wurde tu einem Strafverfahren gegen den bekannten Zigarrenhändler K a p h u n in Frage gestellt. Ter 8 6 der Ber- ordnuiig bestimmt, daß die in den Schaufenstern der Kaufleute re.' aus- gestelllen Maaren an Sonn« und Festlagen vom Beginn des„Bormittags- Gottesdienstes" ab den Blicken des vorbei passirende» Publikums entzogen werden müssen. Entgegen dieser Bestimmung war am I. November 1896 das Schaufenster des Kaphuu'sche» Ladens in der Alexanderstraße gegen V/i Uhr nicht verhängt. K. erhielt deswegen ein Slrafmandat. Er beantragte richterliche Entscheidung und bestritt die Nechtsgiltigkeit der fragliche» Verordnimg. Schöffeiizericht und Landgericht verurtheilten ihn jedoch zu einer Geldstrafe, iudem sie den§ 6 der Verordnung für durchaus giltig erklärten. Die Straskaminer nahm insbesondere a». es könne die Ungiltigkeit der Verordnung nicht daraus hergeleitet werden, daß sie nicht vom Geineindcvorstaiid gemäß § 143 des Landesverwaliiings-Gesetzes genehmigt worden sei. Die Verordnung habe der Polizeipräsident nicht als Organ der Orts- polizei, sondern als Organ der La, idespolizei erlassen, und sie be- dürfe als eine landespolizeiliche nicht der Zustimmung des Magistrats. Für Naphun legte Rechtsanwalt Flatau die Revision ein. Er machte geltend, die ganze Verordnung fei schon um des- willen ungiltig, weil sie sich nicht darauf beschränke, die äußere Heilighaltung der Sonn- und Festtage zu sichern, sondern auch Bestiiiiiiiiingen enthalte, durch die der Polizeiprästdent sein« Polizei- lichen Bcsugniffe überschritten habe. So habe die Polizei z. B. kein Recht, sich in Privatfestlichkeilen hinein», iniischen, die in privalen Räumen abgehalten werden. Das geschehe aber durch Theile der Verordnung. Dann verletzte der% 6 der Verordnung die Gewerbe- Ordnung, so deren§§ 4lo. und 105 b. Auf griind der Be- stimmungen der Gewerbe-Ordiiung dürften offene Verkaufsstellen Sonn- tags auch nach dem Vormittags. Gottesdienst noch geöffnet sein, trotz- dem verlange die Verordnung vom 10. Oktober 1396 für die betreffenden Stunde» des Frühnachmitlags ebenfalls das Verhängen der Schaufenster. Das sei doch ein uiiznläjstger Widerspruch. Der Strafsenat des Kaininerg eri chts wies indessen gestern die Revision zurück. Formell sei die Verordnung nnbediiigt giltig. In materieller Hin- ficht müsse die Gilligkeit des hier in Frage kommende»§ 6 bezahl werden. Sie würde auch dann nicht erschüttert, wenn wirklich andere Bestimmungen der Verordnung unzulässig wären. Wege» fahrlässiger Tödtnng hatte sich gestern der Maschinen- meister H« r m a n n I a h u k« aus Rixdors vor der II. Straf- kam,„er am Landgericht II zu verantworte». Der Angeklagte ist in der Rixdors er Aereiiisbrauer ei angestellt. I» dieser vernnglückte am 25. Februar d. I. der Arbeiter August Krug, Vater von mehrere» Kindern, in der Weise, daß ei mit dem Fuße an eine dicht über den Fußboden»nilang geführte Transnüssionswelle gerielh. die ihn mit fortriß. Dem Unglücklichen wurde ein Bein ausgerissen, eine Menge vo» Knochen gebrochen und das Fleisch in Slücken von« Körper gerissen. Die Zerreißung verschiedener Haupt-Arterien führte nach weiiigen Minuten den Tod des Verletzte» durch Verblutung herbei. Diesen Unglücksfall soll der Angeklagte durch Nichtbeachtung der vorgeschriebenen Schutzinaßregeln verschuldet haben. Wie die Beweisausuahme ergab, war der Schau- platz des Unglücksfalles ei» 50 Meter langer, wenig hoher und schmaler schachtartiger Gang, der vom Maschiiienhalise»ach der Brauerei führte. Außer der Transmissionswelle war«in System von Röhren durch den Gang gezogen, welche zur Zeit des Unfalles erneuert wurde». Ei» Kupferschinied und ei» Arbeiter hantirte» mit dem schweren kiipsernen Röhre» iudiesem engen Raum«, ohne daß die Welle außer Be« trieb gesetzt wurde, die obendrein jeder Schutzvorrichtung ermangelte. So kam es, daß der Arbeiter Krug beim Hochheben eines Rohres mit dem Fuße an die rotirende Welle gerielh und nun um dieselbe herumgedreht wurde. J», Jahre 1893 war gelegentlich einer Revision des Verstcherungsinspektors angeordnet worden, daß der Gang durch eiserne Stäbe für das Personal versperrt würde, die Schutz- st angen waren aber bald wieder beseitigt worden und wurden erst wieder hervorgeholt, nachden, das Unglück geschehen war. Während Fabrikinspeklor Kampf die Anbringung einer Schutzvorrichtung in Ge- statt eines transportablen Kastens über der Welle für durchaus nothwendig und sehr leicht ausführbar hielt, er- klärte der Gegensachverständige, Brauereidirektor Knoblauch, der Vorsitzende der Mälzerei-»nd Brauerei-BerusSgenossenschaft, daß eine derartige Schutzvorrichtung ganz überflüssig und«mter Uin- ständen sogar gefährlich sei. I» seiner Brauerei werde dies auch nicht anders gehandhabt. Der Gerichtshof kegle dem Gutachten des Herrn Knoblauch absolut keinen Werth bei, da derselbe selbst Brauereidireklor, also Partei sei, und zngegebenerweise in seinem Be- lriebe dieselbe W i r t h s ch a f t zulasse. Im vorliegenden Falle waren Schutzinaßregeln absolut erforderlich, daß müsse jeder Laie einsehen. Das Interesse der Aktionäre und die Rücksichtnahme auf die Dividende könne nicht in F r a g e k o i» m e n, wo es sich uni Menschenleben bandele. Es sei daher mit Rücksicht auf die Gröblichkeil der Fahrlässigkeit auf sechs Monate Gefängniß erkannt worden. Der Staate- anivalt hatte ein Jahr beantragt. Vielleicht wäre eS angebracht ge- wesen, wenn der Staatsanwalt neben den Maschinenmeister auch den Brauereidirektor vor Gericht zitut hätte. Ein sonderbarer Grund stand der Verhandlung einer Be- riifuug im Wege, die der Kaufma»» Moritz Riesenseld gegen ei» Urtheil des Schöffengerichts eingelegt halte. Der Angeklagte war zu 14 Tage» Gefängniß verurtheilt worden, weil er einer 16 jährigen, bei ihm beschäftigten Buchhalterin gegenüber nicht den erforderlichen Anstand gewahrt hatte. Er hatte Berufung eingelegt, war aber im gestrigen Termin nicht anwesend. Statt seiner erschien seine Ehefrau, welche in höchster Erregung iiilttheilte, daß ihr Ehemann aus dem Wege »ach dem Gericht einen Selbstmordversuch gemacht habe, so daß sie ihn in einer Droschke blutüberströint nach Hause habe schicken müssen. Der Gerichtshof glaubte nicht in der Lage zu sei», die Androhung, datz'die Berufung bei Ausbleiben des Angeklagten verivorfen werde» würde, aufzuheben, zumal es sich um ein selbstverschuldetes Fern- bleiben des Angeklagten handelt». Di« Berufung wurde daher ver« «orfen. Vi» weiblicher Bashford. Ter NeichZIagS- Abgeordnete Rechlsann'nli Nielhaben lheill, wie wir in den„Berliner N. Nach- richten" lesen, folgenden Vorfall mit, der möglichenfalls noch parla- mcntarische Weiterungen im Gefolge haben wird: Eine nicht un- gebildete Dame giebt an einein Hamburger Schalter eine De- pcsche auf, die ans dem Worte„Ampulla" besteht, an- geblich ein Kosewort. Bei der Möglichkeit, daß aus dieser Kürze Jrrlhümer entstehen könnten, ersuchte der Beamte um Angabe von Namen und Adresse des Absenders, und zwar in dessen eigenstem Interesse. Die Dame f verlangte das Original, das inzwischen aus ein Depeschenformular geklebt war, zurück. Ter Beamte erklärte, daß er auf dem Original nach der Instruktion keine Aenderungen mehr vor- nehme» lasten dürfe. Nun forderte die Dame das Original, um die Depesche nochmals abzuschreiben und den Namen und die Adresse des Absenders hinzuzufügen. Ihrem Wunsche wurde von dem Beamten stattgegeben. Als dieser nun aber instruktionsgemäß das auf dem Pull liegende Original zurückforderte, warf ihm die Dame dies und den Federhalter dermaßen vor den Schalter, daß die Tinte umher spritzte. Das höfliche aber energische Er- suchen des Beamten, den Federhalter auf der Stelle zurückzulegen, beantwortete die Dame damit, daß sie schrie, sie ließe sich das von so einen« Schnösel nicht gefalle». Obivohl uun selbst»ine vor dem Schalter anivesende Privatperson, die über den Vorfall empört»var, sreiiviltig dem Beainlen ihren Namen und ihre Adresse aufgab, auch andere Beamte zugegen waren, hat der Postbcainte vergeblich hinaus bis zun« Reichspvstamt ersucht, daß«vegen der Beleidigung eingcschritteu würde. Der Beamte«vurde sogar«vegen des Vorfalls peiadelt und vom Schalter entfernt! Belehrt durch den Fall Bashford hat der Beamte die Sache selbst in die Hand genommen und die Dame im Wege der Privatklage belangt. Nachdem die Be- «veisaufnahme zum lheil stattgefunden hatte, hat die mit einem An- «nall erschienene Beklagte auf dringendes Zurathe» des Amtsrichters, der eine härtere Bestrafung in Aussicht stellte, folgende Erklärung abgegeben: „Es thnt mir leid, daß ich den Privatkläger an» II. Januar 1897 beleidigt habe. Ich kann nicht behaupten, daß Privatkläger sich mir gegenüber unpassend benommen habe, und habe ich mich nur in der Erregung zu den Ehrenkränkungen hinreißen lassen. Ich bin bereit, die Kosten des gesammten Verfahrens zu tragen und gestatte auch dem Privatkläger, die Ausfertigung dieser Vereinbarung, falls seine vorgesetzte Behörde es ge- nchuiigt, durch cinivöchentlichen Aushang im Schalterrmm« des Hanpt-Telegraphenamlcs, Ringstraße, öffentlich bekannt machen zu lassen." Da der Beamte sich«veniger in seiner Person als in seiner Qualität als Beamter gekränkt fühlte, dieserhalb aber»ach Ansicht der vorgesetzten Behörde kein Grund zum Einschreiten vorlag, so gab er sich»nil dieser de» thatsächliche» Sachverhalt feststellende» Erilärniig zusriedcn. Warum»vird der Name der„Dame" nicht genannt? GvmvvltfiiiQfLliches. Bciliu und Nmgrbnng. Die Freie Bereinig, mg der Kauflente in Berlin hat,«vie uns geschrieben«vird, dem Bundesralh eine Petition überreicht, worin sie ihre Forderungen in Beziehung ai«s die kaufmännischen Schiedsgerichte gellciid macht. Angliederung an die Geiverbegerichte, freie Wahl der Beisitzer seitens der belheiligte» Gehilfen und Prinzipale, Einbeziehung säimntlicher Haudliingsgehilfc» bis zu einem Gehalt von SOOO M. Erhöhung der Werthgrenzt für inappellable Streitigkeiten ans 500 M Das sind i» Kürze die Hauptforderungen. Der Wort- laut der Petition ist in der»eneste» Nummer des„Handels- Angestellten" veröffentlicht. Ter Manrerstreik scheint, so weit er sich bis jetzt überblicken läßt, einen für die belheiligte» Arbeiter zufriedenstellende» Verlaus zu»ehuie». Sichere Zahle» liegen zwar noch nicht vor. aber so viel fleht fest, daß bereits gestern auf einer ganze»'Anzahl von Ballten ber Stundenloh» von 60 Ps. bewilligt worden ist, ohne daß es zu einer Arbeilseinstellung kam. Unter denjenige» Unternchmern,«velche die Forderung der Maurer anerkannten, befinde» sich auch bekannte große Baiigeschäfte und Jnniingsmeister, wie Matthäus, Lach ni an» ».Zauber, B a u g e s e l l s ch a f t„Union". Die Firma Held u. Franke hat gleichfalls auf zweien ihrer Bauten bewilligt, wo die Maurer einig und geschlossen ihre Forderlnig stellten, auf anderen Baute» derselben Firma dagegen, wo es den Arbeitern an der erforderlichen Einuiüthigkeit fehlte, erfolgte keine Beivillignng. Dies möge den Arbeitern als ein bezeichnendes Beispiel dafür gelte». daß sie nur durch treues Z»sa»»ne»steheu den Unternehmer» etwas abringen können. Tie Mechaniker, Dreher, Gürtler» Schleifer uud Maschinenschlosser der Firma Dr. Hemann Nohrbeck, Johannis- straße 2, Bauanflalt für Desinfektor««, befinden sich seit Sonnabend wegen Lohnreduziruiig im Ausstand. Zuzug ist fernznhalteu. Der Vertrauensmann der chirurgischen Branche. Sozittlrs. Für Beschickung des internationale» Arbeitcrschntz- kongresseS tritt in der Pariser„Pelite illöpubliqne" mit großem Nachdruck unser Genosse Eduard Vaillaut ein. Vevscimittlutttgem Eine gntbesuchte Versammlung der Parkcttbodeuleger tagte am 8. Juni im Lokale des Herrn Ziibeil. Die Versammlung beschäftigte sich mit der Lohnrcduzming bei der Firina Kampmeier. In der Diskussion einpfählen mehrere Redner, über die Fabrik die Sperre zu verhangen. Der Vorschlag«vurde abgelehnt und soll er- »euert«verde» bei Eintritt einer günstigeren Konjnnkttlr. Ter Verband deutscher Post- und Tclcgraphcu-Assistente« hielt am Sonntag seine» siebenten Verbandstng ab. Erschienen«vare» 60 Delegirte und außerden« nahmen«tiva 1000 Gäste a» den Ber- Handlungen theil. Dem Verband gehöre» 5Z Ortsvereine und zehn Bezirksstellen niit«»szesammt 10 835 Mitgliedern an. Obcr- Postassistent F i s ch b a ch, auf die Thätigkeit des Verbandes ein- gehend, erklärte, daß die frühere Befehdung der Verbands- milglieder in ihrer Eigenschaft als solche nachgelassen habe. Der Verband wolle seinen Mitgliedern kostenfreien Rechtsschutz verschaffen, soivie unermüdlich an dem Allsbau eines ausreichende» Uiiterstühuiigs- wesens arbeiten. Zu Punkt 2 der Tagesord»ll»g:„Bericht über die Wirksamkeit des Verbandes im vei-flossenen Jahre" lheilte Ober- Telegraphen-Assistent Kaifenheim mit, daß das Jahr 1897 eine Glanzperiode in der Geschichte des Verbandes bilde. Die Mit- gliederzahl sei 1897«im 2389 gestiegen, und zwar von 8446 auf 10 335. Es seien im Jahre 1897 7 neue Bezirksvereine, entstanden nebst 16 neuen Ortsvereiue» und 10 Bezirksleitungen. Ganz hervorragend habe der Verband sich bei der Witliven-Unlcr- ftütznng betheiligt. Bei der Zentenarfeier sei die größte Zahl der Veranstaltungen von dem Verbände ausgegangen.(Beifall.) Der Verband habe dadurch sein« Treue zum Herrscherhause dokliinentirt. (Bravo!) Redakteur H n b r j ch referirte über das Thema:„Die sozialen Aufgaben der Rcichspost- und Telegraphen- Verwallung gegenüber de»» Asststenlenstande". Redner verlangt u. a. vie Verminderung der diätarisch angestellte» Beamte». Die Arbeitszeit müsse auf einen achtstündigen Normal- Post« arbeitstag normirt werden, wie dies bei anderen Beamten seit den siebziger Jahren anch schon eingeführt ist. Bis jetzt bestehen überhaupt keine Zeilvolschriften im Postbetriebe und die Arbeits- zeit beträgt 52 bis 60 Stunden. Spezifisch postalisch ist der Sonntags- betrieb und seine Nichtberechnung als Arbeitszeit. Der freie Sonntag muß auf 36 Ct»ndeii erhöht werde» und dem halbfreien darf kein Nachtdienst vorhergehen.(Bravo!) Bei de» enorme» Ansprüche» an Arbeitskraft uud Leiflungs- fähigkeit muß auch«in längerer nach dem Dienstalter zu bemessender Urlaub eiugesührt«verde». Gegen diejenigen Vorgesetzten, die ihr« Dikziplinargeivall nnßbrauche», muß strenger vorgegangen«verde» uud dem Schalterbeamien jeder Schutz gegen das die Schalter benutzende Publiku»», besoilders den» sogenannten gebildeten Pöbel gegenüber, geivährt«verde».(Stürinischer Beifall.) Die Sekretärprüsnng kann nur,«venu nicht Rücksicht auf die ursprüngliche Schulbildung genommen«vird, von Vorfheil sein. lieber die Vermögenslage des Vereins und de» Uinsatz des Waarenhauses gab Herr Assistent Funk zu Punkt 3 der Tagesordnung einen Ucberblick. Danach beträgt das Aer- mögen des Verbandes 190589 M. Das Waarenhaus«nit seine» 14 Zweiganstalle» erzielten einen Reingewinn von 6800 M. Die Auflage des Verbandsorga>i«s stieg von 9400 auf 12 800 Exemplare. Nach dem Berichte des Redakteurs Hubrich über die„Deutsche Post- zcitllllg" und der Verlesung der Bericht« über die Thätigkeit der Ortsvereine schloß der Vorsitzende, Ober-Postassistent F i s ch b a ch, den Verbandstag. Tic Maurer CharlottenburaS hielten am Sonnlaa eine gut besuchte Versammlung ab und beschlossen nach einem beifällig auf- genommenen Referat S i l b e r s ch m t d t's einstünmig und ohne Diskussion: Da ein Sieg der Berliner Maurer ohne gleichzeitiges Vorgehen der in deu Vororten ansässigen und beschäftigte» Kollegen nicht durchgeführt werden kann, ebenfalls, gleich den Berliner Maurern, am Montag, de» 14. d. M. auf allen Bauten, nw der Stnndenlohn von 60 Pf. und die 9 stündige Arbeitszeit nicht be- willigt werden, die Arbeit niederzulegen. Bauarbeiter R e im a» u ersuchte um die Solidarität der Maurer in den Fällen, wo anch die Bauarbeiter Lohnerböhuuge» fordern uud aus diesem Anlaß sich ge- nöthigt sehen, die Arbeit ruhe» zu lasten. Schönebcrg. Am 10. d. M. tagte hier eine Versammlung de» Vau- und gewerblichen Hilfsarbeiter, in der Genosse Behren» über das Altentat auf das Vereinsrecht der Arbeiter und Arbeite« rinnen referirte. Zum Schluß gelangte ein« Protestresolution ein- stiinmig zur Annahnie. Rixdorf. Am 13. Juni beschäftigte sich hier eine gut besuchte öffentliche Maurerversammlung mit folgender Tagesordnung: Wie stellen sich die Kollegen zu der diesjährigen Lohnforderung. Der Referent Maurer Düh rin g empfahl in Kurze den am II.Juui von den Berliner Maurern gefaßten Beschluß— vom Montag, den 14. Juni, nicht unter 60 Pf. Minimallohu zu arbeiten— der Bersamuilung zur Annahme.— In der Diskussion»vurde der Standpunkt des Rese- reuten vertreten und sodann ein dem entsprechender Beschluß gesaßt. Steglitz. Die Proteflversammlung gegen das Vereinsgesetz, die am 9. d. M. tagte, war nur mäßig besucht. Das Referat des Genossen Kieset wurde von den Theilnehmern recht beifällig auf- genommen und der Resolution einmüthig zugestimmt. In nächster Zeit wird sich eine öffentliche Versamuilung mit der Bründung«ine? Geiverkschastskartells beschästigen. A»b»>t-r-Kil»»»»»f>tiul». Die Btdlielhel tu der Nordschul» B r u n n e ,, f« r. es, ist für die Mitglieder an solgende» Tagen geSss»»t: Sonn» lag«, vorniiliag« vo» lv-l», D.te n st agi und gr«tt a g», abend» X* dlf lü Uhr. MUgliedibellräge werden an diesen Tagen t» der Nordschule entgegen» genommen, ebenso in solgende» Zahlstelle»: Kolisr. Cchul»,«dmtralftr. tot, Schöning,«opntckerstr. 08; Reul, Barntmslr. et; Babiel, Rosenihalerstr. 67; «letnert, Müllerslr. 7a; Burghause, Puibuserstr. 88; Blanlenseld, TIephanftr. 8». Werner, Bülowltraße 6»!«rube, Mariendorferstrabe 6; Kahler, Junlerstrahe 1. H. König», Dieffenbachstr.»a. Alle Zuschrtslen sind an den Vorsitzenden Paul Mücke jr., SO. Man» teusselstr. ies, Seldsendungen an den Kasstrer H. König», L. Tiefs enbachstr.»o, zu sende». Arl'-iteü-Känzeelmud Berlin» und Umgegend. Vorsitzendlr Ad. Sleurnan», Schiocdenflr. l«, v. l Tr. Ulli Aenderungen i»> BereinSlalender lind»u richten an Friedrich K o r I u>», M»»ie»sseltte. 4», v.» Tr. Kund der geselligen ZUbeitrrverei»» Kerli»« n»d der Unigegend. vor- sitzender P. Eenl, Tre»den«rstr. 107/lvs. Alle guschrisle», den Beretnstalender belresfend, sind an H. Bendir. Alerandrineustrahe wo, zu richten. Arbeiter- zlnucherbund Herten» nnd»er Umgegend. Aenderungen im Vereinskalender sind zu richten an Hermann Brau»schweig, Dresdener- strah» so, 8. Hos. ..A-am««", Zlerein für nolbatstiimlich» Wissenschaft. Heute, abend» o Uhr, bei Hensel, Brunnenftr. 178. Vortrag de» Herr» Bär über„Unser Handel i» Afrika". Gaste Willkomm-». Zentralverband der ckäpser, Ftltal« Berlin. Mittwoch, den l». Juni, abend» 7 Uhr, Bersaunnlung bei Röllig. Nosenthalerftr. U—>8. vorlrag de» Vieich»tags-Abg. Pen» über„Sleichberechligung der Arbetler". Rege Belhetligung der Milglieder ist noihwendig. Zenlralverein Arenda'fcher Ktenograpsten.«r«nd»'lcher Stenographen- verein„Merkur", Tamenabthetlung, Blumenftr.«o. Slenographenveretn „Gegr. i 8 6 0", Lindenstr. 71. Slenograph. Sesellschast„ill r e n d Neue Könlgstr. 7». Slenographenveretn„N o r d w« st", Rathenowerstr.»o. Sitzungen Dienstag», abend» Sjs Uhr._ Briefkasten der Redaktion. Tie juristische TPrechstuube findet Montags, Dienstag t, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. tt». R. in H. Unser Redakteur Adolf Braun ist fest Pfingsten von Berlln abivesend. Schilliiisistr. 27. Ja.— F.®., Svlmsftraste. Wenn Sie 600 M. jährlich einnehmen: Ja.— M. H. 4. I. Ja. 2. Vom. 3. Sie leben außer Gütergemeinschast. 4. Dafür muß der Unternehmer sorgen.— I. R. 28. Das Gehalt ist zu zahleu.- E. W., Rixdorf. Nein. De ufert. Wir haben nur die wichtigsten Beschlüfse der Konserenz gebracht. Daraus erklärt sich, daß die von Ihnen bezeichnete Resolutron herausblieb._ WltterungSttbersicht imiii 14. Juni 1897. € I a( i o ii e ii. Swinemünde nmbnrg. crlin.. Wiesbaden. Müucheu. Wien... Haparanda. Petersburg. Cork... Aberdee».. Paris... i«r � G> i-5|| » 2 Kx 3 C i Z7 iCrt -a„ er.? IS) i» U C K 768 768 768 766 763 768 756 765 766 758 763 ESO SO O O Still WSW WNW NW NW S wolkenlos wolkenlos wolkenlos heiter wollenloS wolkenlos heiler wolkig halb bedeckt bedeckt wolkenlos 23 22 22 IS IK 16 16 14 15 12 21 Weiter- Prognose für Dieustag- de» IS. Juni 18V7. Zunächst noch heiter und sehr warm, bei ziemlich frischen sud- licheii Winden; nachher Trübung, Gewitterregen nnd Abkühlung. Berliner Wetterb n reau. Für de» Inhalt der Inserate iibcrnimiiit die Redaktion dein Publikum gegenüber teincrlei Verantwortniig. Dienstag, den 15. Juni. Neues kgl. Operntheater(Kroll). Geschlossen. Berliner. Die Maschinenbauer von Berlin. Lesfing. Die Geisha. Schiller. Eine Palastrevolution. Neues. Trilbu. Westen. Der Wildschlitz. Friedrich> Wilhelmstädtisches. Lehmann's Kriegs-Abenteuer im Orient. Belle-Zllliauee. Konftaiitiilopel. SIestdenz. Der Unterpräfekt. Sllexaiiderplatz. Im Kampf«m's Dasein. Bolls. Auf eigenen Füßen. Apollo. Venns ans Erden. Passage-Panoptikin». 500 Sehcns- würdig leiten. Zwei Riesen- Jl- lusionen. Central-Theaier. Alte Jakob-Straste 20. Dienstag. 15. Juni, Mittwoch, 16. Juni. _ Donnerstag, 17. Junt: DV Dreimalige Anffühning: Sostalanstokraten. Komödie in 5 Akten von Anw Holz. Ostekld-Theater. Gr. Franlsurterslr.132. Dir.«.Weist. Ikelvlrnpoist. Sensationelle Zlovität. Ansang 7«/z Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Im Garten: Spezialitäten 1. Ranges, Theater. 11. n.: Hugo 8clialz. Ansang 5«/., Uhr. 28 Nummern. Sickillev-Tszesktvv (Wallner-Tiioater). Dienstag, abends 8 Uhr: Eine Palastrevolution. Miltivoch, abends 8 Uhr: Papa Nitschc. AxoIIo-?iieater unii Koniert'Gsrleii. Auftrete» des» n e r r e t ch t e n .Humoristen Otto ksuttei' mit seine» altuellen selbstversaßten Konplets. vi» t» VI,,-: Veilns liuf Mkn. Burlesl-phailtaflische Operette m. Tanz i» 1 Akt von Bolten-Bäckers. Musil von Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Direktor I. Glück. Ferner Auftreten v. Spezialitäten erste» Ranges. Kassenässniuig«V, Uhr. Konzert 7 Uhr. Anfang der Borslellun» 8 Uhr. sfttorla-ltaei'ei «Karte» rcsp. Saal) Ijü(zo,v.)/, Uhr, Sonntags S'/j Uhr: Garten-Konzert. Wochentags 30 Pf. bis 3 M. vuilkk. SoniilagS 50 Pf. bis 3 M. Putilmann's Vaudeville-Theater Schönhauser Allee 118, Kastanien-Allee 97—99. Täglich: WliiillMst an Parti. Komische Operette in 1 Att. jlni�lia Iklaack, VeNvandlungs- Soubrette. Haul Petras, Gentl. Jongleur. Hartinlns, Gesangs- u. Tanz-Duettisten. Uarbarlna, Ballet-Ensemble. MI/.zl Braun, Kostüm-Soubrette. Gebr. Harry und William I.atoure, Piccolo- Thcater. ticschw. 91orl6, die Planeten d. Luft, �rtliar Hartln, Hiliiiorift. Vlttle Charles, La- wineiislurz. Hetaselty Troupe, MiniaMr-Alrodaten. Im Saale: Anfang 4«/, Uhr.«ntree 39 Pf. Reservtrter Platz 69 Pf. V.«oseli'8 Idesler Brannen-ditrasse AS. Täglich: Heuzert. Theater- and Eptzialitiitm-MMW. Acnnchcu vom Hofe. Schwank m 1 Att von Jacobsohn. Novität! Dit zirkuöstt. Novität! Operette in 1 Att von E. Filsch. Musil von Fritz Baselt. Im Saale: M- Grasser Ball.-M> U i* ai n i a, Tnnben-KtrasBe 48—40. Naturknndliche illnSstellnug täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ad. Eintritt 50 Pf. Wifsenschaftl. Theater abeudöbUhr. Jnvalidcnstr. 57/62(Lehrter Stadt- Bahnhos): Täglich von 5 Uhr nach- mittags ab bis 10 Uhr abends Stern- warte und Mondpanorauia. Eintritt 50 Ps. Näheres die Tagesanschläge. ?»88sge- pAuoplleum. Die Kinder der Wüste. SO Personen. Vorstellung 1«, 5, 7, 0 Uhr. Castan's■■■ Panopticum. Moni Gle elektrisch "vU. belebten Upiil und künstlich "vS- sprechenden Neu! Menschen.�! Neu! undhochkomisch! Schweizer Garten AmKönigstbor u. Friedriclishain. Täglich! Täglich! Theater- uad olksbelustigungen aller Art. Titglich- fiitrce 30 Ps. Zm Juli siill» L Conuiibeltde frei gewordt«, weich««» ein«»n Oomwoefeften z. verg sind. sZI�iapRa m Btlie-Allilliltt-Thtttn Belle-Alliancestraße 7/8. Nachm. 4 Uhr. Abends 8 Uhr: «.«»ttavl's Heise„aeh Xoiistantmopel. Ailsstattungsstück ui. Ballet i.S Bildern. Im herrlichen Sommergarten: 4 Uhr: Grostes Toppel-Kvuzert. 6 Uhr: Austr.Gpezialltäten l. Ranges. Entree 50 Pf., Sperrsitz 1 M. Vorzugsbillets haben wieder Btlttgkeit. lloiiiertligus LznssoulZi. Kottbnferstr. 4 a. Juh. H. Pterry. Täglich: lZr.Iiiester- u. Spezialitäten- Vorstellung im prachtvoll renovtrte« 150V Personen fassenden Garten. Lallliaiis-�lliia.vaä« zu Lause u. s. w. ?asso-partout8 haben an dm Wochentagen Gtltigleit.-» Familien lönnen Kaffee kochen. Concordia Varietä-Theater Brunnenstr. 154. gM- Jeden Sonntag:-WO Brasse Theater- und Bpeslalltüten- Verstellung. Immer neues Progranun. Aukana 6 Nlzr Entree 30, reserv. 50 Pf. £■£- Jeden Donnerstag: i*(Uiilllen- Abend. «r. Theater• Vorstellung, Ans. 7«/, Uhr. Entree 25, reser». 40 Pf. Der Souunergarten ist nebst Kaffee- küche geöffnet._ lleichsgarteii Vriedcnstrusse SO («de«üschingstraste). Täglich: lZro88e8 krel-Nouierl. Tie Kassecküche ist täglich, anch Sonntags, von» llhr ab geöffnet. B. Koslowsky. Sclliller.Theater(Wallner-Theater) Berlin O., Wallnertheaterstr. 35, Augenehmer Aufenthalt für dnnzr und Alt. Vereinen wie Gesellschaften em- pfehle ich dm«arten zur Beraustal- tung von Sommeefesten«c. unter koulanteste» Bedingnnam. Lv56b B. Blefkc, Restaurateur. Ostbahn-Park"| Rüdersdorscrftr. 71. Am«üstriner Platz. I Idesler- uuä 8peiiMäleu-Vor8teUuug. »rten-Hensert von der 20 Mann starken HanslatzeUe■ Garten unter Leittmg des Musildirettors Herm Otto Gllmer. -------(?« (illtfC C* nur 10 Pf. Kaffeeküche 3 vis 5 Uhr.- Volksbelustigungen aller«et. I 4 Kegelbahnen. Gut« Viere, antzgezeichnet« Küche. Iß..Imb». Sonntags 30 Pf., Kinder 10 Pf. pa Brauerei- Ausschank der Brauerei Stralau i Oeconomie: Birkholz A Hlttag. _ Jeden Sonntag und Donnerstag: SV Theater- und Spezialisten-Vorstellnuf.-WM Garten-Konzert der 20 Mann stOLrken Hauskapelle. Im Saale; Grosser Ball bei gänzlich freiem Entree. Sport- und Euderboote in er. Auswahl stehen zur Verfügung. KafTeekttche v. 2—7 Uhr. Volksbelustigungen jeder Art. UV 2 verdeckte Kegelbahnen."W Oute Biere, aus-| gezeichnete Küohe zu soliden Freisen. Birkholz& Mittag. Wing, Ackigeillißtll! Mut Tieustag. bcn 15. Juni,«bends 8 lthr. im Lokale dcö Herr» «»„»»vrui»,»», Badstr. 58(Gesundbruimen): Kr. Volks-Versammlung. TageI-Ordnnng: 1. Bot» preuftischm Landtag und seiner Thatigkeit. Referent Genosse vr..Ajpon*. 2. Diskussion. Um zahlreichen Besuch ersucht 220/2* Vev'Vertrauen«»»»»»»,,. MllldelMrMcher Wahtverein im L Berliner Reichstagg-WahlKreis(Osten). Dienstag, den 15. Juni, abends 8 Uhr, bei Haase, Grvsie Frankfurter- Strahe Nr. 117/z Uhr: Bezirks-Versammlung für Charlotteuburg und Spandau im Lokale des Herrn I.eder, lkharlottenburg, Bismarckstrabe 74. Dagcs-Ordnnng: 1. Vortrag deö Genossen Bassatsed. 2. Diskussion. 3. Wahl der Bezirksleitung. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Mitttooch, den IL. Juni 1897, abends 8'/: Uhr: Bezirks-Versammlung für Süden und Zentrum im„lionlsenstildtischen Klnbhans", Annenstraße 16. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl der Bezirksleitung. 4. Verbands- a>'/'rgenheitcn und Verschiedenes. Mittwoch, den 1K. Juni 1897, abends S1/. Uhr: Bezirks-Ifersammlung für Gesundbrunnen, Rosenthaler-, Schönhauser- und Prenzlauer Vorstadt in VrUndel's 8aIon. Brimnenstraße 138. Tages- O.r d n U n g: 1. Vortrag deS Kollegen II. Itolirlaelt iiber:„Ostasiatische Kultur". 2. Dislussion. 3. Wahl der Bezirksleitung. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. In diesem Bezirk hat die Ortsverwaltnng eine andere Eintheilung vor- genoniinen, sodass es nicht mehr heißt: Wcddiug und Gesundbrunneu, sondern: Wcdding und Oranienburger Vorstadt. Der andere Bezirk heißt wie oben: Gesundbrunne», Rosenthaler-, Schönhauser- und Prenzlauer Vorstadt. Donnerstag, de» 17. Juni 1897, abends 8'/z Uhr: Bezirks- Versammlung für Süd-Osten in Rautenbcrg's Salon, Ornnienstraße 180. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Kollegen II. Itobrlarlr über:„Ostastatische Kultur". 2. Diskussion. 3. Wahl der Bezirksleitung. 4. Verbaudsangelegenheiten und Verschiedenes. Donnerstag, den 17. Juni 1897, abends 8>/z Uhr: Bezirks-Versammiung für Ripdorf in den Viktoria-Sdlcu, Herinannsiraße 46. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Hlassatsek. 2. Diskussion. 3. Wahl der Bezirksleitung. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Wir bitten um zahlreichen und pünktlichen Besuch siimmtlicher in den Bezirken wohnenden Mitglieder. Achtnttg. Wleknllclvlteiker: Souuabend, de» 10. Juli, in den Gesannntränmen des Schloß Meißensee: Gr. Sommernachts-Fest. Gr. Ronzert. Gr. SpezialMen- Vorstellung. Grosses Brillant-Land- und Wasser-Feuerwerk. In beiden Sälen: Hall. Ansaug 5 Uhr nachmittags. Billet inkl. Dauz 30 Pf. Alles Nähere besagt das Programm, welches beim Eintritt zur Ausgabe gelangt. Billets sind bei den Kassirern und in sämmtl. Zahlstellen zn haben. Sonntag, den SO. und£7. Juni 1897, vormittags 9 Uhr: SMer-MsleMg in der„llrflnw", imtbenftwfjt 4849: „Der Kampf um den Nordpol". Eintrittskarten sind bei den Kassirern, sowie im Verbandsbureau Mnnenstraste 39 zuut Preise von«0 Pf. erhältlich. Den Mitgliedern, welche die„Deutsche Metallarbeiter-Zeitung" wünschen, geben wir bekannt, daß sie sich diescrhalb an die Wcrkstattvertrauensleutc zu wenden haben. Die Vertrauensleute ersuchen wir unverzüglich anzugeben, wieviel Zeitungen sie gebrauchen, nni den Versand regeln zu können. Die alten Mitglieder des Deutschen Metallarbeitcr-Verbandes ersuchen wir noch- mals, ihre Mitgliedsbücher abzugeben, um dieselben mit der neue» Orts- nummer versehen zu können; jedes Mitglied»tust seinem Buche einen Zettel mit genauer Pöohnungsangabe beifügen. Hie Ortsverwaltung. Viinof I TSkno 0 M Sehmerzl. Zahnziehen 1 B., Plomb. 1,50 M. luinsiuannetsm. Theilz. Zahnarzt Wolf, Leipzigerst.22. Spr.9-6TJ. Achtunol Maurer. Achtung! AeOz, sta 15. Zm,»bnds?»hr,>>> litlln's zr»M TM, ÄMHr. A: Krasse öllelltlieke Naurerverssmmlllllg. 260/19 Tagesordnung: Der Stand unserer Lohnbewegung. Da es für unsere Lohnbewegung zum Vortheil gereicht, daß niöglichst viele Kollegen Berlin während der Bewegung verlassen, was die schnelle Durchführung unserer Forderungen zur Folge hätte, ersuchen wir die Kollegen, möglichst dahin zu wirken, daß obigem Rechnung getragen wird. Da aber in vielen Städten Lohnbewegungen stattftnden und es unter allen Ilmständen veruiieden werden muß, derartige Städte als Reiseziel zu benutzen, geben wir die Orte bekannt, in welchen die Kollegen im Lohnkampfe stehen: Altenburg, Bielefeld, Rudolstadt, Sonne- berg i. Th., Speyer, Uelzen, Neustadt a. d. Hardt, Erfurt, Zwickau, Wiesbaden und Umgegend, Osterburg, Bochum und Leipzig. Zuzug ist weiter fernzuhalten von Forst i. L., Heilbronn, Hörde i. W., Lehnin, Rathenow, Kamenz, Jauer, Magdeburg, Greiz, Gera, Netzschkau, Hagen, Reichenbach i. V., Crimmitschau, Mannheim, Mittweida, Göttingen, Wittenberge, Bochum, Miinstcr i. W., Hannover, Weißwasser i. Schl., Königsberg i. Pr., Apenrade, Stettin, Potsdam, Koburg, Goldberg t. M., Mülhausen i. E., Mühlheim a. d. Ruhr, Cnrhafen, Mylau, Torgau, Malchin und Bayreuth. Die Liohnkoiumlssion. Sozialdemokratisolier Wahl- verein für den 6. Berliner Reielistags- W alil kreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, Genosse Theodor Kaye Destillateur am 12. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet Dienstag, den lö. d. M., nachm. 5 Uhr, vom Lazarus-Krankcnhaus, Bernauerstraßc, ans nach dem Elisabeth- Kirchhof, Prinzen-Allee(Gesundbrunnen) statt. Der Vorstand. Arbeiter-Bildungsschule. Am Mittwoch, den 16. Juni, abends S1/: Uhr, bei Grosse, Anncnstr. 10, 1 Tr.: Ausserordentliche General-Yersammlung. Tages-Ordnung; 1. Bericht über die Thätigkeit der Neuner-Kommission. 2. Eventuelle Statutenänderung und Ergänzungswahl zum Vorstand. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. 5/19* DM" Mitgucdsbueh legitlinlrt."TMS Beiträge werden entgegengenommen. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Di�- Die Bibliothek in der Nordschule, Brunnenstr. 25, wird am 1. Juli geschlossen, und ersuchen wir die Mitglieder, die entliehenen Bücher bis dahin zurückzugeben. D. O. Lese- iinb Diskiitirklub„Siiden � Heute, Dienstag, den 15. Jnni. abends 8V: Uhr, im Lokale des Genossen Ewald, Schönleinstr. 6: dDevrammUtufl. Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen Ewald über:„Das neue Vereinsgesetz.— Gäste, insbesondere die Genossen des Südens, find willkommen._ 2573b Rabltz-Firtzer. Mittwoch, 16. Jnni, abends 8'/? Uhr. bei Stabernack, Jnselstr.lv: Mitglieder-Verfammluiig dn Zlabitz-Ulltzn Zerlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches.— Reue Mitglieder werden aufgenommen. Kollegen, sorgt für guten Besuch. 2572b__ Der Borstand. in BUttcher's X: Reimckendorf. Mittwoch, den 16. Juni, abends 8 Ehr, Seepark, Markstrasse><». 1- Große Volks- Versammlung für Männer«nd Frauen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Reichstags-Abgeordneten Genossen.chrthur Stadthagen über:„Nieder mit der Reaktion". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 223/12 NM- Entree 10 Pfennig.-MU Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vertrauensmann. Derlmer GknoMHillts- DSlkem. (Eingetragene Genossenschaft in. b. H.) Plan■ Ufer 16. Stralsunderstr. 8. Empfiehlt den Parteigenossen ihr vorzügliches Roggenbrot, welches, weil es anS bestem Roggenmehl hergestellt ist, sich tagelang frisch und wohl- schmeckend hält. Der Vorstand. ,)ul. Wernau s Festsäle, Schwedterstrasse No. 23-24. Sonnabend, de» 19. Juni 1897; Stiftungs-Fest l des geselligen Vereins„Türkische Pfeife" bestehend in grossem 80min eruaelits- Ball unter gütiger Mitwirkung des Vereins Rhetorik und des Arbeiter-Gesang- Vereins Gleichheit I(Mitglied des A.-S.-B). Zum Schluß: Lebendes Bild:„Die Schmiede im Walde". Die Kaffeetüche steht den Damen von 3 Uhr ab zur Verfügung.— Im Saale: Drosser»all(Herren, die daran theinehmen, zahlen 30 Pf. nach. Zlnfang 4 Uhr. Ende??? Programme k 30 Pf. sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen zn haben. ■Achtung! Der Ueberschnß fließt in die Parteikasse. Achtung! Blax Kichter, Grüner Weg 65, Grostes Lager von Bilder». Büsten(diverse Größen) von Marx, Eassalle, Engels. Stocklaternen. Bildereinrahniuiig. Saal- dekoratione». Billigste Preise für Händler und Bereine. 1782L* Vereiils-Gtschllst Empfehle m. Restauration, Vereins- zimmer. Jakob Lenz, Alte Jakobstr. 00. Möbel verliehe» gewesene und neue, staunend billig, Dheilzahlung gestattet. Beaniten ohne Anzahlung. 1791L* Neue Königftr. 59. Wai'-Btoff-bat fertige Anzug, 20 M., feinste guthaten, saubere Arbeit, 2 Anproben. Engel, Münzstr. 26, pari. Herrenanzugreste von 12 M. au. 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Juni 1897, nachmittags 5 Uhr, auf dem Zions- Kirchhofe in Neu- Weißensee statt. 2578b Hoilan prachtv. Stand, Umstände OVllVU, halb. sof. f. 20M. Grimm- straße 26, v. 2 Tr. r. Gut erhalt. Nähmaschine z. verk. bei Höfer, Wrangelstr. 10, v. 4 Tr. verk. Kinderwaj Schlegel, Skalitze «ge !chr. en 105. 1 mahg. Kommode, M. Ladentisch, Sophatisch bill. Reichenbergerstr. 21, H. 2 Tr., Barchel._ Wer Stoff hat, fertige Anzug, feinste Futtersachen, für 20 Mark an. 2579b Heymaun, Chausseestr. 26. Echt ehlaoalselie~ MandaFinendaimen (gesetzlich geschützt) das M. 2.85, natürliche Daunen wie alle inlltndffcheu, g»r»»tirt wen and staubfrei, in Farbe ibalich den iiderbannen, anerkannl fllltkrUfllg a. haltbar; 3 bis 4 Pfund genügen zum grossen Oberbett. lansenbe vo» Anerkeuuungischreibe». Verpackung kostensrei Versand gegen Nachnahme Nur allein»an der erste» Bettfederufabrik mit eleetrischem Betriebe CeNSt» V IckUStlA, Mkr�Äo? W. Fertige Anzug für 13 M., halt- bare Zuthaten, 2 Anproben, sauberste Arbeit. 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