Mr. 141. AbmmeMtÄ» Hrdwgungt«: Abonnements-Preti pränumeronb«! BierteljShrb 3,30 Ml., monatl. l.wMk., wöchentlich SS Pfg. frei in« Hau». Einzelne Nummer 5 Plg. Senntag«« Nummer mit illustriner Sonntag», Beilage„Die Neue Welt" w Big. Pofi- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Polt- Zettung»- Preisliste für lSS? unter Et. 7437. Unter llreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrs. Die Instrtions- Gebühr betrögt für die sechsgespaltene»olonel« zeile oder deren Raum 40 Pfg., sü« verein»- und VersammlungS-Anzeigen, sowie ArbettSmarlt SV Pfg. Inserat« für die nächste Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochenlagen btS 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis o Uhr vormittag» geostnet. Erscheint laglich«ufttt»oniag«. Devlinev VolKsblÄkt. Fernsprecher: Smt I, Er. 1508. Telegramm-Adresse: „SolialdriuoKrat Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Vartei Deutschlands. Zledaktio»: 8V. 19. Weuly-Straße 2. Sonntag, den 30. Jnni 180'7. Expedition: SW. 19. Wenty-Straße 3. Vsts Jubiläunt drv Vönigin Viktoris und die englischen� Aedeilev. Das„Dianlant-�llbiläum" der Königin Viktoria beherrscht im Augeublick das öffentliche Lcbcu in England. Tie groß- artigsten Vorbereitungen sind getroffen worden, um der Feier der„Rccord"-Regcntschaft, d. h. der Regentschaft, die alle bisherigen an Daner iibcrtroffen hat*), einen imponircnden Charakter zu verleihen. Ans allen Theilen des britischen Weltreiches sind offizielle und nicht- offizielle Vertreter ge- kommen, die loyale Anhängerschaft an das Mutterland und dessen Regentin zu bekräftigen; ein großer offi- zieller Fcstzug durch die City, einen Thcil des West- Ends und des südlichen Londons wird am 22. Juni der Bevölkerung Gelegenheit geben, die Königin und ihre Ehrengäste anzuhochen und die Symbole der Reichsmacht, das Mosaik ihrer heimischen und kolonialen Truppen zu bc schauen; Festgottesdicnste', Festversammlungen, Festparaden aller Art sind veranstaltet worden, am Tage des Festnmznges wird London illuminiren und in mannigfacher Weise hat private und öffentliche Freigebigkeit dafür gesorgt, das festliche Ereigniß durch Stiftung und Fuildirnng von Wohllhätigkeits- anstaltcn danernd zn verherrlichen. Daß die Masse der Nation der Feier sympathisch gegenübersteht, darüber kann bei der er- drückenden Fülle von entsprechenden Aeußerungen aus allen Klassen der Bevölkerung kaum Zweifel bestehen. Wohl haben sich auch kritische und selbst feindselige Stimmen geltend ge macht; die nationalistischen Jrländer haben erklärt, sich fern zuhalten, die Sozialisten thun dasselbe und haben sogar hier und da an Gegendemonstrationen gedacht und von einem großen Thcil der sonstigen Arbeiterschaft kann man annehmen, daß sie die Feier mit gleichgiltigen Augen betrachten. Aber es hätte keinen Zweck sich zn verschweigen, daß der größere Theil der englischen Arbeiter im wesentlichen patriotisch-loyal gesinnt ist. Es war nicht immer so, und vielleicht weniger als heute in jenem Jahre, welches die Königin Viktoria an die Regierung brachte. Die Tages- und Wochenblätter, die Revuen und Unter Haltungsblätter, sowie eine Unzahl von Broschüren und Büchern beschäftigen sich mit Vergleichen zwischen der politischen, sozialen und ökonomischen Verfassung Englands vor sechzig Jahren und heute, mit den Eutdecknnge», Erfindungen, Gebiets- erweiterungen und Reformen, ivelche das„U-eoorä UaiM" kennzeichnen. Die Kontraste sind in jeder Hinsicht bedeutend Einige Zahlen mögen zunächst das Wachslhum der Bevölkerung, des Läudergebiets und des Reichthums des britischen Reiches veranschaulichen. Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland zählte im Jahre 1837 ohne seine Kolonien LöV» Millionen, im Jahre 1897 39'/z Millionen Einwohner, eine Vermehrung um mehr als die Hälfte, wovon der Löwcnantheil auf England init Wales entfällt, das seine Bevölkcritng in dieser Zeit mehr als verdoppelt hat. Schottland hat eine Verniehrlmg von nur 70 pCt. aufzuweisen, Irland,„die Niobe der Nationen*, da- gegell eine Abnahme ni» fast die Hälfte seines Bevölkerungs- standcs von 1837; nämlich von 8 Millionen auf 4�2 Millionen Eiliwohner. Ganz andere Zahlen dagegen erhalten wir, wenn lvir den Kolonialbesitz des britischen Reiches heranziehen. 1837 hatte England mit seinen Kolonien zusammen rund 168 Millionen, heute zählt es über 400 Millionen Einwohner, wovon indeß nur etwa 50 Millionen der„britischen Rasse* (Engländer, Schotten, Iren) angehören, nicht ganz doppelt so viel wie 1837. Tie britische Bevölkerung in den englischen Kolornen hat sich in den 60. Jahren versiebensacht, nämlich von 1'/? ans lO'/a Millionen Köpfe. Ter Gebietsumfang des Reichs war 1837 8,3 Millionen, und beträgt jetzt lOV» Millionen englische Quadratmcilcn. Aber während 1837 über die Hälfte des Reichsgebiets nur nomineller Besitz war, steht jetzl ei» größeres Gebiet als das damalige, nämlich über 9 Millionen englische Ouadratmerlen, unter geregelter Verwaltung. Was den Reichthnm Englands betrifft, so belief sich 1837 das einkommenstenerpflichtige Einkommen im Vereinigten Königreich ans jährlich 270 Millionen Pfund Sterling, während es heute 690 Millionen Pfund beträgt. Dabei sind in der ersten Ziffer noch die Einkommen von 100—160 Pfund ein- bezogen, die heule steuerfrei sind. Im ganzen wird danach das jährliche Einkommen der Gesammtbevölkerung des Ver- einigten Königreichs für 1837 auf ctiva 430—440 Millionen Pfund zu schätzen sein, eine Summe, die noch hinter der niedrigsten offiziellen Schätzung des heute auf die Arbeiterklasse allein entfallenden Jahreseinkommens zurückbleibt. Für die erste Hälfte der achtziger Jahre ward dies nämlich von den rcnommirtesten englischen Statistikern wie folgt geschätzt: 600 Millionen Pfund, 650 521 447 I. E. Jeans R. Giffen Leon« Levi R. Miilhall Seitdem haben in den meisten Berufen Lohnaufbesserungen stattgefunden, so daß man, ohne in Schönfärberei zu verfallen, den letzteren Betrag als nicht übertrieben annehmen kann. Er vertheilt sich aber, wie wir oben gesehen haben, heute auf eine etwa doppelt so große Kopfzahl von Menschen wie das Arbeiter- konlingcnt � von 1837 darstellte. Ter Staatshaushalt ver- zeichnete 1837 ein Einkommen von 51 Millionen, für 1897 ein solches von 109 Millionen Pfund. Dies bedeutete aus die Gesammtheit der Bevölkerung vertheilt 1837 gegen 2 Pfund, 1897 etwas über 2�« Pfund Sterling pro Kopf. Aber die Steuerlast vertheilt sich heut in ganz anderem Verhältnisse als vor sechzig Jahren. Damals drückte eine große Anzahl von indirekten Stenern, darunter der Kornzoll, auf den Konsum der ärmeren Bevölkerung, heute sind die meisten dieser Steuern verschwunden oder ermäßigt und dafür trägt das Einkommen und der Erbfall einen größeren Antheil an den Staatslasten. So kamen auf den Kopf der Bevölkerung: 1837 1896 An Zöllen ans Konsiimartikel... 13 sb. 21/2 p- 2 sh. 3' ,'2 p . Einkonime»- u. Eigenthumsstener. 4„ 10>/s„ 16„ S1/«„ „ Abgaben für Tabak u. Spirituosen 14, ll'/s„ 24„ O3/»„ Das gesteigerte Einkommen aus der letzteren Einnahme- quelle ist auf die große Zunahme des Konsums zu setzen, die in diesen wie auch in anderen Lebens- und Genußmitteln zu verzeichnen ist. So stieg der Konsum von Tabak von 13 Unzen auf 27 Unzen, der von Thee von 21 Unzen aus 87 Unzen pro Kopf. Was die A u s g a b e n des Staatshanshalts anbetrifft, so hat sich die Last der Staatsschuld, trotz der großen und kostspieligen Kriege, die England unter der Regierung der Viktoria geführt hat, und von denen der Krimkrieg allein 70 Millionen Pfund kostete,— absolut und relativ vermindert Von 850 Mill. Pfund ist die Staatsschuld auf 640 Millionen zurückgegangen, und statt 18 Schill. 9 Pence beträgt der jährliche Zinsdienst der Schuld jetzt 8�/, Pence pro Kopf der Bevölkerung. Moloch dagegen in Gestalt von Heer und Marine fordert heute bedeutend mehr als 1837. John Bull hat für das crstere gegenwärtig 50 pCt., für das Vergnügen, die größte Kriegsflotte der Welt zu haben, 200 pCt. mehr pro Kops zu erlegen als in jenem Jahr, nämlich 1337 1897 Kosten des Heeres. 6 sb. 2 p. 9 sh. 4 p. Kosten der Marine. 3„ 3„ 10„—„ Dafür zeigt das Zivilbudget eine Steigerung der Aus gaben für das E r z i e h u n g s w e s e n von l3/» Pence ans 5 Schill. 2Vs Pence pro Kopf. Von kaum 200 000 Pfund ist der Posten Unterricht, Wissenschaft und Kunst auf über 10 Millionen Pfund gestiegen. Mit Zahlen über die Steigerung der Produktion, des Imports und Exports können ivir die Leser verschonen. Die kolossale Steigerung der Produklionskräfte ist bekannt, welche Ausdehnung Englands Handel genommen, zeigt die Vermehrung seiner Handelsflotte von 5 auf 81 Millionen Tonnen Trag kraft. Werth von Ex- und Import zusammen betrug 1837 rund 125, 1896 rund 700 Millionen Pfund Sterling. Daß der Werth nicht im Vcrhältniß der Gewichtsmasse gestiegen, ist der großen Verbilligung der Produktion geschuldet. Diese Verbilligung, die hier in einer Proportion von 5 zn 16 erscheint, deutet allein schon auf eine Verbesserung der Lage der Arbeiter hin. Nur wer an deni Gedanken fest hält, daß Steigerung des Elends die unmittelbare Vorstufe des Sozialismus ist, kann sich veranlaßt sehen, diese Ver- besserung als etwas Wegzudisputirendcs zu betrachte». Sonst kann man sie ruhig gelten lassen. England ist noch weit ent fernt, sich allgemein befriedigender sozialer Verhältnisse rühmen zn können, aber daß die Lage seiner Arbeiter sich im ganzen ge- hoben hat, daß vielleicht mehr als anderthalb Millionen Arbeiter heute eine Existenz führen, wie sie ehedem mancher Kleinbürger kaum hatte, das wird niemand bestreiten, der den Verhältnissen vorurtheilsfrei ins Auge schaut. Auf der anderen Seite haben die Booth'schcn Untersuchungen gezeigt, daß die Zahl der im äußersten Elend Lebenden beute nicht geringer ist als 1837, ja, vielleicht noch etwas größer. Ter einzige Trost ist, daß sie hinler dem Wachsthnm der Bevölkerung zurückgeblieben, ver- hältnißmäßig geringer ist als vor 60 Jahren. Im Vcrhältniß ist das Elend zurückgegangen, der Wohlstand geivachsen. Daß dem so ist, haben die Arbeiter natürlich nicht der Königin Viktoria, sondern den Reformen ans alleil Gebieten des nationalen Lebens zn danken, die sich unter dieser Negierimg vollzogen haben, zum nicht geringen Theil erkämpft oder indirekt hervorgerufen durch das unablässige Ringen der Arbeiter nach ökonomischer, politischer und sozialer Befreiung. ') Georg III. regierte»omiuell etwas über 59 Jahre(vom 26. Okiober 1760 bis zum 29. Januar 1820), davon enlfielcn aber neun Jahre auf bloße Titular- Regentschaft, während deren für den wahnsinnige» König dessen Sohn, der nachmalige Georg IV., die Ziegierung führt«. Die jetzige Königin hat seit dem 20. Jlini 1837 unünlerbrochen ihres Amles gewaltet. Poimm* Äebevochb. Berlin, 19. Juni. Zwei neue Kaiserredc» werden, die eine aus Biele- f e l d, die andere aus Köln gemeldet. In Bielefeld besuchte der Kaiser die B 0 de l s ch w i n g h's ch e n Anstallen, und ein Theil der Bielefelder Rede ist, nach einem mit der historischen Kritik schwer vereinbaren Rückblick ans den„großen Kurfürsten" — der bekanntlich mit den Franzosen zwei Bündnisse gegeil Kaiser undReich schloß—„dem segensreichen Wirken des gottbegnadeten, v 0 in Himmel gesendeten Maiines, des Pastors v. Bodelschwingh", gewidmet, über welchen Mann und welches Wirken sehr viele, wohl weitaus die meisten Menschen in Deutschland ganz anders urtheilcn. Zum Schluß kommt ein politischer Trinkspruch, der nach dem amtlichen Telegramm also lautet: Ich trinke den Becher mit dem Wunsche, daß mein Pro- gram m durchgeführt werde zum Wohle meines Volkes! Schutz der nationalen Arbeit, Z u r ü ck>v e i s n n g jeder Unisturzbestrebung und schwerste Strafen dem- jenigen, der sei neu Nachbar an frehvilliger Arbeit hindert. Der letzte Satz ist etivas unklar. Handelt es sich etwa um die Wiedererweckung der vom Reichstag 1890/91 abgelehnten Paragraphen gegen die Strcikführer, deren Nichtannahme Herr von Stumm und seine großmdnstriellen Freunde so sehr be- dauerten? Die„ZurückweisiWg der Umsturzbestrebungen" ist eben« falls ein Stumm'sches Ideal. Und das gleiche gilt von„dem Schutz der nationalen Arbeit", ein Wort, das im Augeilblick, wo die Agrarier, die diesem Worte auch huldigen, obenauf sind, ganz besonders zeitgemäß ist. Und nicht bloß Herr von Stumm hat dieses Programm, auch Herr von Miquel, der neue und neueste Gott. Die Kölner Rede enthält eine Anspielung aus die Tirpitz'schen Flottenpläne(„der Dreizack gehört in unsere Hand!"), und schließt mit dem Ruf„A l a a f K ö l n", der lebhaft an eine vor jetzt 55 Jahren gehaltene Rede deSi Königs Friedrich Wilhelm IV. erinnert, durch welche diese plattdeutsche Dialektsorm für: es lebe Köln! zuerst bekannt wurde.— Tah ein Verfassnngsbruch in der durch das v. d. Recke- Gesetzlein und seinen nationalliberalrn Bruder veranlaßten arlamentarischcn MißHandluug der Artikel 29 und 30 der erfassuug liegt, giebt jetzt auch die„National, Z e i t n n g", allerdings sehr verschämt, zu. Sie meint jetzt aitsdrücklich, daß die von uns in erster Reihe ver- tretene Auffassung(daß vor dem Spezialgesetz ein aus, d r ü ck I i ch e s Verfassnngsändcrungs-Gesetz verabschiedet sein müsse, wen» das Spezialgesetz mit der Verfaffmig nicht übereinstimmt)„theoretisch und logisch begründet" 'ei. Sie will allerdings trotzdem diesen Weg nicht beschreiten, andern sich mit der Form einer gleichzeitig mit dem Spczial, gesetz zu verabschiedenden Verfassungsänderung begnügen. Schließ- lich meint sie: die ganze Frage sei doch im gründe genommen eine bedeutungslose Formalität. Ei neverfassungs widrige Gesetzgebungsart i st keine bedeutungslose Formalität, sondern ein mit dem Verfassungseid unvereinbarer Rechtsbruch, also ein offenbar widerrechtlicher „Umsturz der bestehenden Staatsordnung". Daß zur Be» schrejtnng dieses Weges unsere Gegner bereit sind, ist sehr lehrreich!— „Fort mit dem Pessimismus"! jubelt heute Abend die„Kreuz- Zeitung". Kein Wuilder, daß sie vergnügt ist, Tausch hat seinen Triumph. Und Miquel ist Trumpf.-- Griechenland und Türkei. Die griechische Negierung erhob wieder Beschiverde wegen Verletzungen der neutralen Zone seitens der Türken, gegen angebliche in Thessalien begangene Plünderungen und sonstige Ausschreitungen türkischer Soldaten sowie da- gegen, daß ein Druck auf die Bewohner Thessaliens ausgeübt iverde, um sie zur Unterzeichimng von Petitionen zu veranlassc», in denen die Anncklirung Thessaliens verlangt wird. Wenig glaubh»?! klingt die Londoner Nachricht der „Köln. Ztg.", Lord S n l i s b» r y habe dem Herzog von West- minster mitgelheilt, daß nach einer Meldung des britischen Ge- sandten in Athen die Räumung Thessaliens be- gönnen habe. Aus K a» e a wird depeschirt: Nachdem sich die Einivohner Kreta's fortgesetzt vermindern, einigte» sich die Admirale dahin, die mit dem Sultan vereinbarten jährlichen Tribute von 10 000 türlischen Pfund erst nach fünf Jahren beginnen zu lassen, lieber die auto- »omistische Verfassung finden eingehende Berathungen der Ad- Mirale statt. Deutsches Reich. — Kaiser worte. Die Bielefelder Rede haben unser« Leser im Dcpeschentheil der gestrigen Nummer gefunden. Von der Kölner Rede enthält der erste Theil nur allgemeine Betrachtungen über Wilhelm 1., die nichts Neues enthalten; im zweite» Theil dieser Rede finden sich einige politische Andeutungen, weshalb ivir ihn nachfolgend wiedergeben: „An dem Postament des Denkmals sah ich die beiden Figuren: Köln mit dem Oclzweige in der Hand, das Bild des Friedens, 11, dem der Gewerbefleiß des Bürgers unter dem Schutze des Monarchen sich entwickelt. Ans der anderen Seite: der Meergott niit dem Dreizack Iii der Hand, ein Zeichen dafür, daß, seitdem unser großer Kaiser unser Reich von nenci» zusammengeschmiedet, wir auch ander« Ausgabe» aus der Welt haben: Deutsche aller Orten, für die ivir zn sorgen, deutsche Ehre, die wir auch i ni Zl u S l a n d aufrecht zu erhalten haben. Der Dreizack gehör, in unsere Faust, and ich denke, die Kölner Bürgerschast ist eine von denen, vi- dies am besten ver- stehen. So ist es.nein Wunsch, daß Gott es mir verleihen möge, in den Bahnen meines Großvaters zu wandeln, der Welt den Frieden zu erhallen, der ja erst existirt, seitdem das Deutsche Strich wieder da ist desgleichen aber»ach auben die Ehre des Reiches in leder Weise hochhalten zu können, unserer vaterländischen Arbeit upb der Jndust»» der produzirenden Stände 0 i« Absatzgebiete zu sichern und zu erhallen, die wir brauchen. In dieser Gesinnung erhebe ich mein Glas und trinke auf das Wohl, Gedeihen und Vorwärtskommen von Köln und seiner Bürgerschast, Alaas Köln!"- -- Als zukünftiger General-Post ni ei st er wird jetzt der-hemalige Husarenoffizier, jetzige Riltergutsbesitzer und Generalmajor z. D«. Podbielski genannt. Derselbe leitet zur Zeit die Transvaal» Ausstellung. Diese Mittheilung scheint aber doch nur ein Scherz zu sein, oenn etwas Rücksicht muß inaiz schließlich doch darauf nehmen, ob jemand auch von dem Ressort, daS er leite» soll, etwas versteht.— Die„Post" kündigt übrigens «h, daß die„populären Verkehrserleichterniigen" nach Art des Bo Pfennig- Packetportos aushören müßten. Ferner müsse„rück- sichtslos jeder Verkehrsluxns beseitigt und das Personal ans das unbedingt Nothwendige beschränkt werden". Das Personal sei auch für die von ihm zu verrichtenden Dienste„viel zu hoch qnalifizirt". --- Das sind ja hübsche Aussichten sür die Aera Miqnel, meint die «Freif. Ztg.". Gegen den Gesetze ntivnrf zur Organisation deS Handwerks hat das Präsidium des Deutschen Handels- t a g e s an den Reichstag eine Eingabe gerichtet, worin die vom Handelstag vertretenen Interessen, insbesondere diejenigen der In- dnstrie, gegenüber dem Gesetzentwurf in mehrfache» Beziehungen zur Geltung gebracht werden. Desgleichen ist von den Mitgliedern des Berliner Gewerbe- gerichls- Ausschusses, Unternehmern und Arbeitern, eine Petition an den Reichstag ergangen, welche sich gegen die geplanten Jnnungs-Schiedsgerichle ivendet Diese Petition macht ans die schweren Gefahren aufmerksam, welche der gewerblichen Rechtsprechung drohen, falls die Vorlage Gesetz würde. Die Schleunigkeit und Billigkeit des Verfahrens bei den Gewerbegcrichten beruht darauf, dnß dieselben eine um- fassende nnd daher fortlaufende Thätigkeit haben. Das einzelne Junungsschiedsgericht würde viel zu selten einen Streitfall erlebe», um regelmäßige Terminstage abhalten zu können; andererseits würde» alle Jnnungsschiedsgerichte zusammengenommen den Gewerbegerichten Est das gesummte Handwerk entziehen und sie ausschließlich zu einem erichtshofe für Streitigkeiten zwischen Großindustriellen und ihren Arbeitern machen. Diese Zersplitterung der Thätigkeit würde auch eine Erhöhung der Kosten zufolge haben müssen. Die bisherigen Er- fahrungen der Jnnungs-Schiedsgerichte, soweit dieselben überhaupt bekannt geworden sind, seien entschieden ungünstig. Die Unpartei- lichkeit sei bei den Gewerbegerichten durch einen unparteiischen Vorsitzenden gewahrt, während bei den Jnnnttgs-Schiedsgerichte» der Vorsitzeode aus der Klasse der Arbeitgeber genommen werden kann und häufig auch(schon der sonst entstehenden Kosten wegen) genonimen werden wird. Die Thätigkeit der Gewerbe- gerichte als Einignngsämter würde geradezu unterbunden werden. Die Petition verlangt, daß an Orten, an denen Gewerbegerichte bestehen, Jnnungs-Schiedsgerichte nicht neu errichtet werden dürfen, und daß von vorhandenen Jnunngs-Schiedsgerichten die Berufung an die Gewerbegerichle gehe. — Zentrumssorgen. Die Bauernopposition in Nieder- bayern dürfte den Zentrumsherren noch manche böse Stunde be- reiten. Der Widerwille der bayerischen Bauern, die wahrlich gute Katholiken sind, gegen die berechnende, schaukelnde Politik der Partei, führt zu scharfen Auseinandersetzungen. So zählt jetzt das Organ des niederbayerischen Bauernvereins, der„ N i e d e r b a y e r i s ch e Bauer", dem Zentrum«ine ganze Liste seiner Sünden auf. Das Blatt beklagt, wie der„Frankfurter Zeitung" aus München ge- schrieben wird, die Aufbesserung der Reichsbeamte», den An- trag Lieber auf Aufbesserung der Staatssekretäre, erklärt, daß daS Zentrum in der Vereinsgesetzfrage,„wie schon öfters", dupirt worden sei, daß das Zentrum, insbesonders Dr. Lieber, in der Majestätsbeleidigungs-Debatte seinen Mann nicht gestellt, tadelt, wie sich Dr. Lieber in der Marinefrage betragen ec. Wir wolle» keine Beamtenanfbesserung, keine Aufbesserung der Osfiziersgehalle, die nur dem Militarismus zu gute kommt, ruft daS Bauernblatt. Der Artikel, der scharf und klar, mit vollem Bewußtsein dessen, was er sagt nnd was sein Sorge» bedeutet, geschrieben ist, schließt mit folgenden Worten: „Es ist auf das Verdienst des Herrn Dr. Lieber bei der Marine- vorläge hingewiesen worden. Allein z» unrecht. Dr. Lieber hat in dieser Frage gar kein Verdienst, denn als dieser Herr die angeb- liche Aeußerung des Kaisers, welche letzterer zu Slumin gemacht habe» soll(Kladderadatsch) hörte, da siel ihm das Herz in die Hose und er war bereit, die ganze Marinevorlage zu geneh- m i g e n, wenn nicht andere Herren und die Zentrnmspresse dazwischen gekommen wäre». Ja! Ja! Wenn wir auch fern von Madrid wohnen, so hören wir doch manches, was man eigentlich nicht hören soll." Diese Dinge dürsten den Zentrumsführern wenig Freude bereiten. Sie werden all« Mühe haben, daß der bayerische Pfeiler ihres„Thurmes" nicht unterhöhlt und zu Fall gebracht«verde.— — Ueber die Klassifikation der verschiedenen Berbrechergr uppe» nach ihren individuellen Eigenschaften nnd insbesondere ihrer Gefährlichkeit für die Gesellschaft machten sich aus dem Kongreß der Kriminalisten in Heidelberg weitgehende Meinungsverschiedenheiten bemerkbar. Während einige Redner gänzlich ablehnend der Frage gegenüberstanden, plädirten L i S z t- Halle, K ö b n e r- Berlin und Frank- Gießen für Klassifizirung beim Strafvollzug je nach de» Begleitumständen, die eine größere oder geringere Gefährlichkeit des In- dividuums für die Gesellschaft voraussetzt. Sehr eingehend wendet sich Dr. Krahne gegen den Begriff des„ U n- v e r b e s s e r l i ch e n". Ein Standpunkt, der von Jacobs, v. Koblinski und v. Engelberg nicht getheilt wurde, da, wie diese Redner bemerkten, immer wieder Individuen in den Au- stalte» Ausnahme fänden, bei denen jede Besserung ausgeschlossen ist. Schließlich einigte man sich auf folgende Thesen: „I. Bei der richterliche» Bestimmung der Strafen und bei der Slrasvollstrecknng(Verordnung und Reglement, Vollzug im einzelnen) ist ans die Individualität der Vernrtheilten Rücksicht zu nehmen, soweit das Gesetz dies ermöglicht. II. Zu unterscheiden sind: I. Augenblicks-(Gelegenheits-) Verbrecher. 2. Solche Verbrecher, bei denen die That und das Vorlebe» erkennen lassen, daß infolge mangelhaster Veranlagung oder Erziehung oder infolge sväterer Einflüsse die Fähigkeit des Schuldigen, sich den bestehenden Normen zu unteriverfe», erheblich geschwächt ist, und bei denen die Gefahr als begründet erscheint, daß bei Geld- oder kürzeren Freiheitsstrafen eine Besserung nicht eintrete. 3. Verbrecher, deren Einordnung in das gcsetzmäßig-gesellschaflliche Leben nicht mehr erwartet ivird. III. Für den Vollzug der Freiheitsstrafen empfehlen sich folgende Grundsätze: 1. Esistzunnterscheidenzwischen kurze» Freiheitsstrafen bis zu drei Monaten und längeren über drei Monate. Die erstere» sind stelS in Einzelhaft zu vollstrecken. Bei längeren Freiheitsstrafen ist zu unterscheiden zwischen jüngeren— bis 2ö(3t)) Jahr alten— und älteren" über LS(30) Jahr alten- Vernrtheilten. Die Strase an jüngere» Gefangenen ist, soweit dies das Gesetz und die Individualität zuläßt, in Einzelhaft zu vollziehen; bei älteren Erst- bestrafte» ist die Strase ebenfalls in Einzelhaft zu voll- ziehen; bei älteren Wiederholtbestrasten nnr, soweit die Disziplin es erfordert oder die vorhandenen Einrichtungen es zu- lassen. Aeltere Wiederhollbestrafte sind von den jüngeren Gefangene» und älteren Erstbestraften vollständig getrennt zu halten, wenn möglich in besonderen Abiheilungen oder Anstalten. Aüe Gesangenen der Gemeinschastshast sind nachts zu trennen. L. Aufgabe des Vollzuges der Freiheitsstrafen ist: durch den Ernst der Strafe die Verurtheilten unter die Rechtsordnung zu beugen und sie zu einem geordneten, gesetzmäßigen Lebe»»ach der Entlassung zu erziehen. Dies ist nnr niöglich durch eingehende Kenutniß und Berücksichtigung der Individualität der Gefangenen. Alle zu längerer Freiheilsstrafe Verurtheilten müssen daher in ihrem Vorlebe», ihrer leibliche», geistigen, sittlichen und sozialen Entivickelung aufs eingehendste erforscht und dem- eulsprechend im Strafvollzüge behandelt werden. Dazu gehöre ei» tüchtiges. für seinen Berns vorgebildetes Beamtenpersonal und Einrichtungen, ivie sie sich nur i» größeren Anstalten treffen lassen. Die kleineren Gefängnisse sind daher als Strafgefängniste aufzuheben oder nur zum Vollzug- ganz kurzer Strafen zu benutzen, sosern diese darin in Einzelhast vollzogen werde» können.— Für die Ge- winnnng eines seiner Aufgabe gewachsenen Ober- und Unterdeamten- Personals ist zu sorgen, ivobei zu beachten ist, daß im Dienste der Franengefängnisse thunlichst nur Frane» verwendet werden dürfen." Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob bei all' diesen Verhandlungen mehr der Standpunkt zum Ausdruck kam, das Gefängniß als eine Stätte der Züchtigung zu betrachten. Leider ist die Zahl derjenigen, die an dieser Stätte«ine Er» z i e h n u g üben wollen, und zwar nicht mit Mitteln, die Erbitterung und Haß hervorrufe» müssen, sehr gering. Wie traurig aber sieht es ans diesem Gebiet aus, wenn man bedenkt, daß selbst diese gering- werthigen Grundsätze, wie sie der Kongreß aufgestellt hat, heute beim Strafvollzug noch keine Geltung haben. Fast allgemein ist der Standpunkt maßgebend, den einige Redner mit äußerster Schärfe vertraten, ohne Unterschied all« Insassen der Gefängnisse gleich- mäßig zu behandeln. Daher die Erscheinung, daß die Zuchthäuser und Gefängnisse trotz aller Schneidigkeit der Vehandlung oder gerade wegen dieser Schneidigkeit, den Verbrecher vielfach nur zu neuen Verbrechen vorbereiten. —„Das G ig e n t h u>n ist D i e b st a h l" soll ein Grundsatz der Sozialdemokratie sein— wie ein Landgerichts- Rath in Lübeck behauptete. Der Herr Landgerichts- Rath ist von Genossen ersucht worden, in seine» Sommerserie» einige Studien zu machen. Wir wollen, da der Herr seine Sommerferien vermnthlich nicht zu Studien verwendet, ihn« eine ganz kurze Lektion geben. In neuerer Zeit, Ende der 30er Jahre, wurde der Sah zuerst von dem Franzosen P r o u d h o n in einer bekannten Schrift verfochten. Daß aber Prondhon kein Sozialist im Sinne des internationalen wissenschaftlichen Sozialismus ist, wird dem Herrn Landgerichts- Rath— C l a n ß e n heißt der Mann— klar werden, wenn er die Streitschrift von Marx gegen Prondhon(Misers de la Philosophie etc.), geschrieben 1846, liest. Das Wort selbst rührt von B rissot her, einem Vorkämpfer des„dritten Standes", also des»ach Herrschast strebende» Bürgerthums, und wurde zuerst gebraucht 178L, also vor etwa 118 Jahren. Bristol ist in weiteren Kreisen— vielleicht auch dem Herrn Lübecker Landgerichts-Rath— als Haupt der bürgerlich-de m akratischen Girondistenpartei bekannt, die von ihren Gegner», den Jakobinern und Zenlralisten auch „Brissoliste»" genannt wurden. Ueber Bristol und sein„Eigenthum ist Diebstahl" findet der Herr LandgerichtSrath das nähere in Lonis Blanc's Geschichte der französischen Revolntion. Was zahlt uns der Herr für die kleine Lektion?-- — Religionsunterricht der Dissidenten kinder. In B r a n n s ch w e i g ist wiederum ein für die Dissidenten un- günstiges Urtheil bezüglich des Religionsunterrichts ihrer Kinder gefällt worden. Der Schlosser Bornemannn halte feinen Sohn, da dieser von Dr. Völkel, Lehrer der freireligiösen Gemeinde, in der Sittenlehre unterrichtet wurde, vom Schulreligionsnnterricht zurück- behalte» nnd erhielt dieferhalb 2 polizeiliche Strafmandate über 3 nnd 6 M. Gegen diese Polizeistrafen beantragte B. gerichtlichen Entscheid. Das Schöffengericht bestätigte jedoch die Strafmandate. Das angerufene Landgericht sprach B. frei, wogegen die Berufung des Staatsanwalts beim Oberlandesgericht den Erfolg hatte, daß die Sache an die Vorinstanz zurückverwiesen wurde. Nunmehr bestätigte das Landgericht das schöffengerichtliche Urtheil.— — Die transatlantische Dampfschifffahrt zwischen dem europäischen Kontinent und den Vereinigten Staate» ist am 19. Juni vor 80 Jahren eröffnet worden. Die„Volks-Ztg." vergleicht bei dieser Gelegenheit das Verkehrswesen von damals und heute. Der erste transatlantische Dampfer, der„Washington", war nur etwa 270 Fuß lang, svermochte etwa 20 Kajütspassagiere aufzunehmen»nd beförderte wenig mehr als 1000 Tonne» Ladung, bei einer Geschwindigkeit von etwa 8 Meilen in der Stunde. Der neueste, am 4. Mai vom Stapel gelaufene bekannte Doppelschrauben- Schnelldampfer„Kaiser Wilhelm der Große" ist 680 Fuß lang, nimmt 750 Kajülspastagiere, 800 Zwischendeckspassagiere, beherbergt eine Mannschaft von 480 Mann, vermag etwa 11 000 Tonnen Ladung zu nehmen und soll eine Geschwindigkeit von etwa 22 See- meile» in der Stunde erhalten. Während vor 80 Jahren keine einzige deutsche Werft sich gefunden hätte,«vclche den Bau auch nnr eines kleineren Dampfers unternehmen konnte, ist eS deutschen Werften vorbehalten, in der Gegenwart die größten und schnellsten Schiffe der Jetztzeit herzustellen.— — Chronik der M a j e st ä t S b e l e i d i g n n g s-Prozesse. In Stettin wurde der 22 Jahre alte Hofgänger Richard Steffen aus Brendcmühl wegen Majestätsbeleidignng zu der gesetzlich niedrigste» Strafe von 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die Ver- Handlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. — Kolonialpolitisches. Ans K a in e r u n kommt, wie die„Nordd. Allg. Ztg." mittheitt, die Nachricht, daß es erforderlich gewesen ist, den größeren Theil der Schntztruppe unter Führung des Hauptmanns v. Kamptz zu einer„Strafexpedition" nach der Nordgrenze der Kolonie. dem Flußgebiete des Rio del Ney, zu entsenden. Der Handelsverkehr jener Gegend, an welchem insbesondere die Firmen Jantzen u. Thor- mählen, Knutson, Waldan u. Heilbar» bctheiligt sind, war in der letzten Zeit durch Uebcrgriffe der Eingeborenen empfindlich geschädigt worden. Insbesondere die in de» Rnmbibergen ansässigen Ngolos hatten mehrfach Handelskarawanen überfallen»nd ausgeraubt und die Träger getödtet. Stach den vorliegenden Nachrichten sei es der Schntztruppe gelungen,„die nothwendige» Bestrafungen" zu voll- ziehen, ohne daß ihr ernsthafter Widerstand entgegengetreten ist. Es stehe zu hoffen, daß durch die erfolgreiche Expedition die Ruhe in jener Gegend für längere Zeit gesichert ist, und der Handelsverkehr einen neuen Aufschwung nehmen wird. Schweiz. — Bern, 19. Juni. Ter Nationalrath beschloß bei Be- rathung der Krankenversicherungs-Vorlage die völlige Freigabe der Aerztewahl seitens der Patienten. Oesterreich. Wien, 18. Juni. Im Gemeinderathe wurde ein Schreiben des fortschrittlichen Parteiverbandes mitgetheilt, wonach die Liberale» bis zur Erledigung des Statthaltereirekurses wegen Nichtbeachtung der Geschäftsordnung durch den Bürgermeister den Sitzungen fernbleiben werden.— Gegenüber dem„Vaterland", dem- zufolge der Ministerpräsident Graf Badeiii geäußert haben soll, er wolle Versöhnnngsversuche unternehmen, und falls dieselben bis zum Herbste erfolglos blieben, das Parlament auflösen, erklärt das „Fremdenblatt", daß der Ministerpräsident niemandem gegenüber eine verartige Aeußerung gethan habe.— Ungar». — Aus der Feldarbeiter-Bewegnng wird der Wiener„Arbeiter-Zeitung" anS Budapest berichtet: Die Feldarbeiter von R a k o c z i(Szolnoker Komitat) stehen mit dem Pächter des dortigen Großgrundbesitzers in Lohnstreit. Die Ernte beginnt in zwei Wochen, die gedungenen Arbeiter jedoch nehmen die Arbeit nnter den im Winter abgemachten Löhnen nicht auf. Der Pächter droht, von Erlau Arbeiter zu bringen, was ihm jedoch nicht gelingen wird, da die ungarische, deutsche und serbische Arbeiterschast größten- theils organistrt ist, die slavische Arbeiterschaft, größlentheils von Gebirgsgegenden stammend, die Arbeiten auf dem Flachlande nicht so schnell und geschickt verrichten kann. Die Folge davon ist, daß die Pächter besser fahren, wenn sie die Forderungen den Rakoczer Arbeitern bewillige». In Bacs-Madnrasz haben die Pächter Milko, Schön, Rosenfeld, j»rauß, Halnt und Halbrod ihren 300 Arbeitern die Forderungen bereits bewilligt. Die Arbeiter haben bisher den dreizehnten Theil der Ernte bekommen und ninßten achtzig Tage umsonst roboten. Nach der am Montag erfolgten Arbeilseinstellung wurde von den Pächtern folgendes zugestanden: Die Arbeiter bekommen den eisten Theil der Ernte. die Robotarbeit bleibt weg; die Arbeitszeit dauert zwölf Stunden. Die im Winter gemachten Kontrakte mit den alten Arbeitsbedingungen wurden ver- nichtel und neue gemacht. Zu bemerken ist, daß die Taglöhner jetzt 1 fl. 80 kr. erhalten. Die 300 Arbeiter zusammen bekommen um rund 3000 fl. mehr an Geld als früher, und jedem bleiben 30 Tage Robot erspart, dazu genießt er die Verkürzung der Arbeitszeit, und sind durch diese um fünfzig Arbeiter mehr nöthig. In der Bear- beitung der Kuknruzfelder ist noch nichts abgemacht, da die Arbeiter die Hälfte des Erträgnisses haben wollen, die Pächter jedoch nur ein Drittel geben wollten.— Frankreich. — Paris, 19. Juni. Im heutigen Ministerrath theilte Hanotanx mit, daß der französische Gesandle Gerard in Peking«in Uebereinkommen mit China unterzeichnet hat, welches Frankreich neue Vorth eile für seinen Handel und seine Politik in den an Tonkin angrenzenden Landstrichen zugesteht. Dazu zählen vornehmlich eine Verlängerung der Eisen- bahn von Kwangsi nach dem Innern von China, der Eintritt in die Provinz Jüunan gegen Jünnanfn zu. die Ausbeutung der Minen in den chinesischen Grenzproninzen durch französische Ingenieure. Ter Minister theilte ferner ein Abkommen mit Venezuela mit, nach wel- chem die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen werden, sowie einen Handelsvertrag, der auf der Gegenseitigkeit des Minimal- tarifcs beruht, daneben aber Frankreich noch besondere Vortheile für seine hauptsächlichsten Ausfuhrartikel eiuräumt. Italien. Rom, 18. Juni. Die Depntirtenkammer setzte die Berathung des Budgets des Innern fort. Ministerpräsident di Rudini ver« theidigte die innere Politik der Regierung, erläuterte die Reformen, die er bei der römischen Polizei einzuführen gedenkt, und trat für das Verhalten der Regierung i» der Angelegenheil betreffend den im Gefängniß plötzlich verfiorbeneu Anarchisten Frezzi ein. Der Ministerpräsident berührte dann auch die Angelegenheit beireffend das Verbot der Abhaltung des republikanischen Kongresses und er- klärte, er habe dieses Verbot erlassen, weil der Kongreß die Organi- satio» der Kräfte der Republikaner gegen die bestehenden Ein- richlnngen beabsichtige.— Norwegen. Christiania, 18. Juni. Der ZollauSschuß beantragte die Er- niächlignng für die Regierung, denjenigen Nationen gegenüber Maximalsätze in Anwendung zu bringen, welche Norwegen ungünstiger als andere Staaten behandeln.— Nnstlaiid. — Nene Massenverhaftungen in Petersburg. In der Nacht vom 8. auf den 9. Juni sind in Petersburg mehrere Männer und Frauen aus der Intelligenz, sowie viele Arbeiter ver- hastet worden.— Afrika. — Der Bund zwischen Transvaal und Oranje- Freistaat. Den„Times" wird ans Kapstadt gemeldet: Ter vom Volksraad des Oranje-Freistnates ratifizirte Vertrag betreffend die Bundesvereinigniig mit der Südafrikanischen Republik sieht die Einrichtung eines Bundesrathes vor, dessen 10 Mitglieder zu gleichen Theileu von den Präsidenlen der Heiden Staaten gewählt werben. Der Bnndesrath wird alljährlich tagen und zwar abwechselnd in Bloemfoutein und Prätoria. P r ä t o r i a. 19. Juni. Die Antwort der TranSvaal-Regiernng auf die Depeschen Chamberlaius wurde gestern öffentlich im Volks- raad verlesen. Es wird darin erklärt, Transvaal wahre sich trotz der Londoner Konvention das Recht, solchen Einwanderern den Zutritt zum Landesgebiet zu verweigern, die man als gefährlich an- sehe; Transvaal könne hierüber entscheiden ohne England zu fragen. ebenso wie es mit Holland und über den Beitritt zur Genfer Kon- vention Verträge abschließen konnte. Die Antwort spricht sich für das Prinzip eines Schiedsspruches zwischen England und Transvaal aus und schlägt vor, die Schlichtung der Streitig- leiten dem schweizerischen Bundespräsidenten zn übertragen.— Amerika. — New-Aork, 9. Juni.(Eig. Ber.) In der letzten Zeit haben die Staats- Konventionen der Soz. Arbeiterpartei in mehreren Staaten stattgefunden, auf denen allen ein erfreulicher Fortschritt der Partei konstatirt wurde. Besonders in New Jersey ist ihr Wachsthum ein rapides zu nennen, da heule Mitgliedschaften (Sektionen) an 29 Orte» mit zusaminen ca. 600 Mitgliedern be- stehen, während zur Zeit der ersten Staats- Konvention im Jahr« 1889 nur 6 Sektionen mit ca. 60 Mitgliedern vorhanden waren. Auf der Konvention von Massachusetts waren 18 Sektionen vertreten; dieselbe stellte für die nächsten Wahlen eine volle Kandidatenliste für den Staat auf. Die Konvention von Ohio. welche ebenfalls schon Maßnahmen für die Herbstwahlen traf, setzt einen Organisator ein, der seine ganz« Thätigkeit der Gründung von Sektionen an neuen Orten widmen soll, an denen allen sich ja ein größerer oder kleinerer Kern von Genossen befindet. Aus der Konvention von Pennsylvanien wurde konstatirt, daß im letzten Jahr 17 neue Sektionen gegründet wurden, so daß deren Gesammtzahl jetzt 38 ist. Unter erstere» befinden sich 3 polnische Sektionen nnd Sprach- Abtheilungen(Brauches), die von Genossen W. Fießler gegründet worden sind, der eben eine zehnwöcheutliche Agitattonstour beendet. die er im Austrage des Parteivorstandes übernommen halte. Die Berichte über diese Tour(aus denen ich hier und da einigt Mit- theilnngen machte) sind sehr interessant, doch gestattet der Raum nicht, ausführliche AuSzng« daraus zu bringen. Nur be- züglich eines Ortes sei noch Erwähnung gethan, Ehenandoahs in Pennsylvanien. Dort fand Fießler eine unerwartet starke Zuhörerschaft vor; die dortigen Genossen hatten ein Lokal genommen, welches ca. 300 Personen faßte, doch waren deren über 2000 erschienen. Der mit einem Theil seiner„Knüppelgarde" herbeigeeilte Major(Bürgermeister), der wohl einmal etwas von Handhabung der„Versammlungsfreiheit" in unserm-- deutschen— Vaterland vernommen haben muß, �verbot" die Abhaltung der Ber- sammlung in dem Lokal wegen„möglicherweise durch den Andrang entstehen könnender Unsälle"; daran hätte man sich indessen nicht gestört, doch war inzwischen ein passendes Grundstück zur Verfügung gestellt worden, wohin nach erfolgter Bekanutmachnng die Masse strömte. In dem Orte— dem Mittelpunkt eines der bedeutendsten Kohlenreviere— ist dir litlhanische Bevölkerung be- deutend zahlreicher wie die polnische; es erscheint dort auch eine lilthauische Zeitung, deren Programm ein„Ueberbleibsel eines spezifisch russischen anarchistisch-bürgerlichen Revolutionismus ist. Auch besteht eine litthauischr Gesellschaft, die sich hauptsächlich mit Bckämpsung des religiösen Einflusses auf die Massen beschäftigt. Aus Texas wird gemeldet, daß die dortigen Populistenführer die Absicht hegen, bort„Kolonien in großem Maßstab" anzulegen. Gouverneur WaiteS unterstütze die Vewegung. ebenso D e b s. Die Geschichte macht den Eindruck, als ob jenes Projekt mit dem veS letzteren sowie der bezüglichen Bewegung in Colorado einigermaßen in Zusammenhang stände und daß es sich schließlich um weiter nichts handelt, als den dünn bevölkerten westlichen Staaten eine geniigenve Anzahl„Hände" zuzuführen, daniit die Farmbesitzer in eine bessere Position gebracht werden können. Wie nämlich ein Professor der hiesigen Columbia- Universität, der zwecks Untersuchuiig der ökonomischen Verhältnisse in den mittleren und westlichen Staaten längere Zeit in denselben zn- gebracht hat, in einem darüber gehaltenen Vortrag angab, leidet der dortige Farmer sowohl unter dem niedrigen Preis der Produkte als auch unter der Höhe der Arbeitslöhne. Die Farmer hätten sich nur ans dem Grunde an der„Freisilber- bewegung" betheiligt, weil man ihnen gesagt habe, daß durch die Freisilberprägung die Arbeitslöhne herabgedrückt würden. Da nun aus jenem Projekt nichts geworden ist, lt. will man eS wohl versuchen, ans künstliche Weise das den industriellen Ausbeuter» so sehr zu statten gekommene Uebcrangebot von Arbeilslrästen auch zum besten der ländlichen Ausbeuter herbeizuführen.— Ein Genosse in Colorado schreibt an die hiesige„Volkszeilnng", es würden gegenwärtig die hirnverbrantesten Gerüchte über Colorado in die Welt posaunt, um Leute hinznlocken. Aber so schlecht es auch sonstwo sein möge, ihre Lage könnten die Leute dort nicht verbessern. Wer indessen noch einige Mittel habe, der könne dessen sicher sein, nirgends— geriebenere Spekulanten zu finden, um ihm dieselben abzunehmen? Die Arbeiter-Organisalionen Kentncky's(selbstverständlich mit Ausnahme der auf svzialistischem Boden stehende») wollen bei den nächsten Wahlen sür die Cilberdemokraten eintreten, da diese sich verpflichtet haben, sür ein Gesetz zu stimmen, welches vorschreibt, daß Sträflinge nur an Straßenbauten beschäftigt werben dürfen. Konnnen nun die„Guldwanzen" und machen eine„gleichwerthige" Offerte, dann stehen die„Ochsen vor'in Berge"! Wohl zum ersten Mal ist der Fall zu konstatiren, daß ein amerikanischer Gemerkschaftsverband das„Rassenvorurtheil" so weit überwunden hat, um in seine» Vorstand eine».Farbigen" zu wählen. Es ist dies seitens des Tabakarbeiter-Vcrbandcs geschehen, der zu einem seiner Vize-Präsidenten de» Neger Horace Price in St. Lonis erkoren hat. Im übrige» steht freilich dieser Verband noch aus dem Boden des rückständigen„Pnre nnd Simple"-Unionismus. Für eine auf sozialistischem Boden stehende derartige Organisation wäre natürlich der Umstand auch von keiner Besonderheit. Washington, 18. Juni. Staatssekretär S h e r m a n, wegen der Annexion Haivaii's befragt, sagte, er sei im Prinzip ein Gegner davon, daß die Vereinigten Staaten weit enlfernt gelegene Länder erwerben. er betrachte jedoch die Lage in Hawaii der Ansprüche Japans wegen als eine ausnahmsweise.— Davis, der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, erklärte, es würden keinerlei Anstrengungen gemacht, in dieser Session über den Vertrag mit Hawaii noch eine endgiltige Entschließung herbeizuführen, jedoch werde dem Senat Bericht über denselben erstattet.— Asien. — Rußland im Osten. Der Petersburger„Nowoje Mremja" zufolge gründet der Finanzminister eine st ä n d i g e Handelsagentur in Korea. Das Blatt bezeichnet gleich. zeilig das Gerücht über die Gründung einer russisch-koreanischen Bank als verfrüht.—_ VÄvlamenkarifchvs. Im Abgcordnetcnhanse sind an Regierungsvorlagen noch unerledigt geblieben: Die zweite Abstimmung über das Vereins- g e s e tz, die zweite und dritte Berathung des Gesetzentwurfs be- treffend die Entschädigung für Verluffe durch Schweine- k r a n k h e i t e n in der Provinz Schlesien, die weitere Be- rathnng der Denkschrift über den Bau von Arbeiter- Wohnungen nnd alle drei Lesungen des neu eingegangenen Gesetzes beireffend die Zwangsvollstreckung aus Forde- rungen landwirthfchastlicher(ritterschaftlicher) Kreditanstalten. Ferner liegen noch vier Kommissionsberichte über Anträge aus dem Hause vor, während fünf Anträge der Er- lediguug im Plenum harren. Dazu kommt«ine große Anzahl von Petitionen. Dem Herrenhause liegen sechs Vorlagen, darunter das Handelskammer-Gesetz, vor, die ihm vom Abgeordnetenhause zugegangen sind; ferner steht noch die Be- rathnng des Gesetzentwurses, betr. die Verpflichtung der Gemeinden in den Landkreisen der Provinzen Hessen-Nassau und Schlesien zur Bullenhaltung aus._ Zur Stichwahl in Wiesbaden. Zu grinsten der Stimm- abgäbe für den Kandidaten der deutschfreisinnigen Volkspartei erklären sich noch:„Königsberger Volkstribüne"(„Wenn der Freisinn auch zu sonst nichts zu gebrauchen ist. so doch wenigstens noch als Kanonenfutter gegen die Agrarier"), ferner die„Mittel- deutsche S o» n t a g s z e i tu» g" in Gießen. Die Viele- selber„Volksmacht" bezeichnet den Beschluß auf Wahl- enthaltung als einen groben politischen Fehler. Die„Nord- deutsche V o l k s st i m m e" in Bant sagt:„Dieser Beschluß deckt sich nicht mit unfern Wünschen." Eine mildere Auffassung als die meisten Parteiblätter vertritt die„Fränkische Tagespost". Die„Leipziger Volkszeitnng" hatte kürzlich geschrieben:„Wir erachten es als selbstverständlich. daß unsere Parteigenossen in der Stichwahl dem Kandidaten des Linksliberalismus, Wintermeyer, ihre Stimmen geben werden. Bei dem Kampfe gegen das Junkerthum, der die Signatur dieser Tage ist, muß die bürgerliche antiagrarische Opposition jedenfalls mit Nachdruck bei solchem Stichentscheide unterstützt werden, ohne Rück- ficht auf die Heftigkeit der vorhergegangenen Wahlkämpfe. Das Persönliche muß zurücktreten, daS Sachliche allein entscheiden." Dazu sagt unser Nürnberger Bruderorgan:„Das ist im all- gemeinen richtig, doch kann es auch spezielle Fälle geben, welche ein Abweichen von dieser Taktik rechtfertigen oder doch wenigstens begreiflich erscheinen lassen. Freilich, Parteigenossen, welche in Wahl- kämpfen noch nicht mit den„Freisinnigen" als einzigem oder Haupt- gegner zu thun hatten, sind gern geneigt, Lehren, wie sie unser Leipziger Brnderorgan ausspricht, zu ertheilen, während sie wahrscheinlich etwas zurückhaltender urtheilen würden, wenn sie selbst in betracht kämen. Wir können uns j. B. ganz gut den Fall denken, daß Sozialdemokraten in einem Kreise ausschlaggebend sind, in welchem ein„freisinniger" Kandidat zur Stichwahl steht, der persönlich ein ganz unanständiges, ja verächt- liches Subjekt ist, das mit allen, auch den allerschlechtesten Mitteln seit Jahren gegen unsere Partei gekämpft bat. dabei unzuverlässig im höchsten Grade in seiner eigenen Partei ist, in seiner Wirksamkeit in öffentlichen Körperschaften die freisinnigen Prinzipien stets mit Füßen getreten hat und von seinen eigenen Genossen nur auS Gründen der Taktik noch geHallen wird, während es sich auf der anderen Seite um einen persönlich ehrenhaften, in politischen Fragen demokratisch gesinnten Ullramontanen handeln kann, der sich ans Manneswort verpflichtet, in gewissen Fragen mit uns zu stimmen. Wäre es da auch„selbst- verständlich", dem„Linksliberalisn, us" zum Siege zu verhelfen? Unsere Aniwort lautet darauf positiv verneinend. Wir meinen, daß auch bei Stichwahlen, wie in gar manchen anderen Dingen unsere Partei mehr von Fall zu Fall als nach einer, vielleicht unter ganz andere» Umständen und Boraussetzungen konstruirten taktischen Schablone entscheiden müßte. Es ist uns nicht näher bekannt, wie i» Wiesbaden die zu berücksichtigenden Nebenumstände, die miiunter als entscheidend ins Gewicht fallen können, liegen; aber wir können uns zu einer unbedingten Verurtheilung des Beschlusses unserer dortigen Genossen nicht entschließen." Partciliteratur. In der gegenwärtigen Diskussion über die Velheiligung der Parteigenossen an den Landtags-Wahlen empfehlen wir den Genossen daS Studium der über diese Frage bereits früher erschienenen Broschüren: Bebel,„Das allgemeine Stimmrecht und d i e S o z i a I d e m o k r a t i e"(20 Pf.), in welcher namentlich die jüngste Verschlechterung des preußischen (nicht sächsischen, wie es i» gestriger Nummer infolge eines Druck- schlcrs hieß) Treiklassen- Wahlrechts eingehend und ziffernmäßig dargelegt ist. und Schippel.„Fort mit dem Drei- klassen-Wahlsyste in'(20 Pf.), eine Kritik, die ziigleich eine kurze Geschichte der Entwickelung deS politischen Lebens in Preußen seil dem Jahre 1848 ist. Beide Schriften sind durch den Verlag der Buchhandlung Vorwärts zu beziehen. AuS Hamburg wird uns mitgetheilt: Die vereinigten Vor- stände der sozialdemokratischen Vereine der drei Hamburger Wahl- kreise faßlen den Beschluß, daß sich die Parteigenossen offiziell an der demnächst vorzunehmenden Ersatzwahl zur Bürger« s ch a f t im 23. B e zi r I(Nordwest-Eimsbüttel) betheiligen sollen. In diesem Bezirk sind seit der letzten Wahl 000 Personen Bürger geworden, davon etwa die Hälfte seit Erlaß deS neuen Bürgerrechts-Gesetzes. Als Kandidat soll ein in dem Bezirke an- sässiger, bekannter Parteigenosse ausgestellt werden, jedoch ist die Personensrag« noch nicht endgiltig geregelt. Es werden sich dann fünf Kandidaten um das Mandat bewerben, und da die relative Majorität zur Wahl genügt, so ist die Kandidatur eines Sozial- deiuokrate» nicht ganz ausgeschlossen. Freilich sind in dem Bezirk sehr viele Beamte ansässig. In Lübeck erhielten bei der Erg ä n z n n g s w a h l zur Bürgerschaft für das Jakobiquarlier und die Vorstadt St. Gertrud die Kandidaten unserer Partei(Theodor Schwarh und P. H. Pape) 108 und 101 Stimmen, die Kaudidalen des Vaterländischen Vereins 203 und 211, die des Bürgervcrcins 17S und 204 Slimmen. Die Stimmenzahl des Valeiläudischen Vereins, der jetzt in der Bürgerschaft da? Heft in Händen hat, ist bedeutend gesunken, unsere etwas gestiegen und die des oppositionelle» Bürger- Vereins hat sich mehr als verdoppelt. Polizeiliches, Gerichtliches ,e. — Der„ V o l k s w i l l e" in Hannover hatte mitgetheilt, daß einige von dessen Expedition an den Postasststenten a. D. Genossen Vieth in Berlin gerichtete Sendungen nicht in die Hände des Adressaten gelangt waren, nnd hatte betreffs der Ursache des Nicht- ankomme»? der Sendungen einer Vermuthung Ausdruck gegeben, die von der Postverwaltung als Beleidigung aufgefaßt wurde. Der verantwortliche Redakteur Genosse T h i e I h o r n erhielt eine An- klage, die am Donnerstag vorm Landgericht verhandelt wurde. Der Staatsanwalt beantragte 100 M. Geldstrafe, das Gericht erkannte auf eine solche von 30 M.— Genosse T h i e l h o r n verbüßt gegen- wältig eine Gesängnißstrafe. die bis zum 6. Juli dauert. Obgleich er erst seit 0 Wochen im Gefängniß weilt, ist er, wie der„Volks- wille" mittheilt, körperlich schon sehr heruntergekommen. Er wird mit Kartonnagen-Arbeit beschäftigt. — Wegen Beleidigung des Anitsrichters Krauer in Döbeln i. S. war der Parteigenosse Fröhlich als verantwortlicher Redakteur der B u r g st ä d t e r„ V o l k s st i m m e" zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt. Infolge einer neuen Anklage, die am Dienstag ver- handelt wurde, ist die Strafe aus 3 Monate 2 Wochen verlängert worden. Außerdem wurde wegen Vergehens gegen die ZZ 17 und 18 des Preßgesetzes auf 20 M. Geldstrafe erkannt. Gemrvkschsftliches. Berlin nnd Umacbnng. Achtung, Tischler! Herr Li s sauer, der in der Sonn- abend-Nummer des„Vorwäris" 1b Bautischler für eine auswärtige Fabrik sucht, ist Agent für die Neumann'sche Dampf- tischleret in Luckenwalde, deren Arbeiter im Streik stehen. Achtung, Metallarbeiter! Kollegen! In Dänemark sind durch Machtspruch der Fabrikanten 6000 Mann brotlos! Am 9. Juni haben die vereinigten Meister und Unternehmer- Organisationen in Dänemark unsere Kollegen ans ganz geringfügigen Ursachen aufs Pflaster geworfen. Hier wie überall die gleiche Praxis. Hier gilt es unsere Solidarität zu beweisen. Die Vertrauens- leute haben vor der Hand 1000 M. bewilligt; aber das genügt nicht, daher gebe ich bekannt, daß Sammellisten für die Ausgesperrten bei allen VertranenSleuten zu haben sind. Kollegen! Das Vorhaben der dänischen Unternehmcrsippe, die Organisation unserer Arbeits- brüder zu sprengen, muß vereitelt werden. Der Vertrauensniann der Berliner Metall» q r b e i t e r. OttoNaether.K, Anklamerstr. 44. Tentsches Reich. An die Manrer Deutschlands! Seit 14. Juni befinden sich die Maurer Berlins im Streik. Sie fordern 00 Pf. Stundenlohn. Durch einmüthiges Vor- gehen ist in sechs Tagen ein günstiges Resultat erzielt worden. Auf 406 Baustälten ist unsere Forderung bewilligt, es arbeite». dort 4595 Kollegen. 63 Bauten liegen still, darunter die größteM Aus 223 Arbeitsstätten wird noch zu den alten BediiigniiMK gearbeitet, es sind daselbst 1224 Mann beschäftigt; darunter sind 86 Bauten. die nur theilweise besetzt sind. Die Zahl der Streikenden beträgt 1640. Kollegen Deutschlands! Wir erwarten von Euch, daß Ihr uns in diesem Kampfe moralisch unterstützt, indem Ihr den Zuzug von hier fernhaltet. Mit kollegialein Gruß: Die Lohn- kommission der Maurer, Grenadierstraße 33. „Tie Einigkeit". Unter diesem Titel ist die erste Nummer des Organs für die sogenannten lokalorganisirten Ge- werkschaften erschienen. Herausgeber nnd verantwortlicher Redakteur ist Karl Thieme, Berlin Dresdenerstr. 110. Das Blatt wird vorläufig aller 14 Tage 6 Seilen stark zum Preise von 75 Pf. pro Quartal erscheinen. Bekanntlich ist die Gründung des Organs ans dem Kongreß der Anhänger lokalorganisirter Geiverk- schastcn beschlossen worden. Es werden deshalb als Progranim der Zeitschrist die beiden den prinzipiellen Standpunkt fest- legenden Resolutionen an leitender Stelle abgedruckt nnd am Schluß des Artikels heißt es n. a.: Wir werden in nnserer Zeilschrift fest und bestimmt die Be- rechtigung nnd Zweckmäßigkeit der von uns verlreteneu Or- ganisationsform. der„Vertrauensmäniiir-Zentralisation" nnd der„Lokalorgauisalion" vertreten, sie erläutern, ihre Vor- züge vor den anderen Orgauisationssorme» mit Ruhe. Sachlichkeit und Schärfe verlrele». Wir werden aus ein friedliches Znsammcnarbeilen aller Organisationsformen nach dem letzte» Beschluß des Kongresses in Halle hinarbeiten und die Solidarität nach allen Richtungen hin fördern und wahren. Unser Blatt wird an der Spitze jedesmal einen Leitartikel bringen. Von den einzelnen Gewerkschaften erwarten wir viertel- jährlich einen kurzen Bericht über die wesentlichen Vorkommnisse in ihrer Branche und in ihrer Organisation. Dann sollen volkswirthschastliche Nachrichten, Nachrichten über Politik und Sozialpolitik, über Streiks und Sperren, die unsere Leser interesstre», literarische Mittheilungen über neue Bücher und Zeitschriften folgen. Ein Fragekaften wird die Verbindung unserer Leser mit der Redaktion vermitteln. ' Vcrsainmluugsberichte werden nicht aufgenommen, die sind der örtlichen oder der bedreffenden gewerkschaftlichen Presse überlassen." §» Bremen ist, wie unser dortiges Partei- Organ mittheilt, treik der Textilarbeiter und-Arbeiterinnen der Jutefpinnerei und-Weberei nach über fünfwöchiger Dauer mit einem Erfolge beendet, wie er günstiger für die Arbeiter schwerlich erwartet werden durste. Die Arbeit ist am Sonnabend Morgen um 6 Uhr wieder aufgenommen worden. Unter den Zu- geständnissen der Direktion befindet sich auch das, daß die beiden gemaßregelte» Arbeiterinnen wieder eingestellt werden sollen. Die Gewerkschafte» Erfurts halten heut« ein gemeinsames Fest ab. Sie halten die Polizei ersucht, einen Aufzug zu ge- nehmigen. Die Erlaubuiß wurde versagt, weil sonst Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu befürchten wäre. Im vorigen Jahre hat die Polizei den Aufzug der Gewerkschaften genehmigt nnd er ist vor sich gegangen, ohne daß die geringste Störung vor- gekommen wäre. I» Altenbnrg haben, um den M a n r e r st r e i k zu beenden, unter dem auch die übrigen Bauarbeiter leiden, die Zimmer- und Maurerpoliere Vergleichsverhandlnngcn angebahnt, die zu dem Resultate führten, daß bei IVVz stündiger Arbeitszeit ein Stunden- lohn von 36 Pf. abwärts gezahlt' nnd in nächster Zeit eine weitere Verkürzung der Arbeitszeil bewilligt werden soll. Auf Sonnabend war eine Maurerversammlung einberufen, die über dieses Angebot beschließen sollte. Ter Wctßeufclser Schnhmacherstreik hat rund 41 804 M. gekostet. Ebensoviel ging ein und zwar 3023 M. auS Weißenfels, 15 200 M. vom Zentralvorstand der Schuhmacherorgauisation, serner 23 573 M. aus den Kreise» der übrigen deutschen Arbeiter. AuS dem Bergrcbicr Zcih-WciffeufelS wird uns geschrieben: Vor etwa 14 Tagen haben die Belegschaften den Grubeiwerwaltungen Forderungen aus Aenderung der Arbeitsbedingungen eingereicht. deren Einsührnng aber von den vereinigten Grubeuverwaltungen abgelehnt worden ist. Im Zeitzer Anzeiger wurde folgende öffent- liche Erklärung veröffentlicht: 1. Die Besciligiing der Gedinge- oder Akkord-Arbeit ist ebenso wie die Einführung des allgemeinen Achtstundentages bei unserem Braunkohlenbergbau nicht durchführbar. 2. Eine allgemeine Lohnerhöhung, insbesondere eine Erhöhung der Gedinge kann nach der L>>ge unserer Industrie nicht ge- währt werden.. v. Die Schichtlöhne sollen auf ihr« Angemessenheit im Vergleich zu entsprechenden Arbeitsleistungen auf anderen Gebieten ge- prüft und etwaige Unzuträglichkeiten ausgeglichen werden. Vorbedingung hierfür ist ein ferneres friedliches Verhalten der Belegschaften. 4. Arbeiterausschüsse sind wir gern bereit, einzuführen, wo sie gewünscht werden. 5. Die Freigabe des I. Mai alS Feiertag lehnen wir als eine sozialdemokratische Parteiforderung ab. 6. Ueber die sonstigen, auf einzelnen Werken geäußerten Wünsche örtlicher Natur wird mit den Belegschaften dieser Werte ver- handelt werden. Wir rathen den Belegschaften in ihrem eigensten Interesse, sich durch Einflüffe von außerhalb nicht zu folgenschweren Schritten hin- reißen zu lassen. A. Riebeck'sche Montanwerke, Aktien-Gesellschaft, Sächsisch-Thüring. Aktiengesellschaft für Braunkohlen- VerwerthUNg, Werschen-Weißenfelser Brannkohlen-Aktien-Gesellschast, Zeitzer Paraffin- und Solaröl-Fabrik, Aktien-Gesellschaft, Waldaner Brannkohlen-Jndustrie, Aktien-Gesellschaft, Nanuibiirger Brannkohlen-Aktien-Gesellschaft. H. O. Schmidt. Hugo Carlson. Gewerkschaft Grude Otto bei Reußen. F. A. Köttnitz. Die Antwort ist den Belegschaften am Freitag verlesen worden, worauf die Nachtschicht der Grube„Neue S o r g e" die Anfahrt eingestellt hat. Es streiken insgesamml von dieser Grube 60 bis 70 Mann, während 8 Mann eingefahren sind. Der Ausstand wird voraussichtlich bedeutend an Ausdehnung zunehmen, da die ab- lehnende Haltung der Direktionen unter den Bergarbeitern den größten Unwillen hervorgerusen hat. Im ganzen Revier kommen insgesamml gegen 3000 Arbeiter in betracht, die unter dem Drucke der Zeit sich seit vergangenem Herbst enger organisirt haben. Die Arbeitszeit hat bisher im Minimnin 10 Stunden betragen, auch sind die sonstigen Arbeitsverhältnisse in den Gruben nicht die rosigsten. In der Mctier'fchen Zigarreufabrik in Weimar ist, wie uns durch Privatdepesche gemeldet wird, ei» Streik ausgebrochen. Die Sortirer wurden wegen ihrer solidarischen Haltung gemahregelt. Es wird ersucht, de» Zuzug zu unterlasse». e} I» Kaiserslautern in der Rheinpfalz stehen die Z i e g l e r in enier Lohnbewegung. Sie müssen jetzt 13—16 Stunden täglich arbeiten und fordern»un den Elfstiindeutag sowie Lohnerhöhung. Die Fachgenossen werden ersucht, den Zuzug fernzuhalten. Soziales. Die Arbeiter Rostocks bekommen endlich das lang ersehnte Ge werbegericht. Der Magistrat hat seinen Widerstand aus- gegeben nnd der Repräsentirenden Bürgerschaft offiziell mitgetheilt, daß er sich von der Nützlichkeit eines Gewerbegerichts für Rostock überzeugt habe. Von der Repräsentirenden Bürgerschaft war die �tche durch eine Resolution gesördert worden. Mordpvozeiz Lvolff rntfc Genolsen. Die grauenhafte Blulthat, mit der das verflossene Jahr ab- schloß, beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts I. Am Abend des 29. Dezember wurde der Kaiifmanu Isidor Brock, welcher im Hanse Alexanderstr. 14 o einen Verkauf von Konfitüren betrieb, in seinen Geschäftsräumen von zwei Männern überfallen, zu Boden geschlagen und seiner Baarschast beraubt. Die Thätcr halten sich im Keller versteckt gehalten, wohin Brock sich an jedem Abend nach Geschäftsschluß begab, um den Gashahn auszudrehen. Als er zu diesem Zivccke eine gebückte Stellung einnahm, wurde er von den ans dem Hinterhalt hervorspringenden Räubern durch Kuüttelhiebe zu Boden gestreckt»nd so furchtbar zugerichtet, daß er wie todt liegen blieb. Er kam nach einiger Zeit wieder so weit zu sich, daß er sich mühsam die Treppe hinauf i» das neben dem Laden befindliche Zimmer zn schleppen vermochte. Brock hatte keine Angehörigen; als er im November v. I. sein Geschäft eröffnete, hatte er sich eine Verkäuferin in der Person der zwanzigjährigen unverehelichten Martha Krause angenommen. Diese, sonne ein stundenweise von ihm bezahlter Hausdiener waren seine einzigen Bediensteten. Als Brock nach dem Ueberfall der Krause in blutüberströmtem Znstande zu Gesicht kam. befand sie sich noch im Laden. Sie eilte sofort auf die Straße, um einen Schutzmann zu holen. Brock wurde noch an dem- selben Älbend nach dem Krankenhanse am Friedrichshain ge» bracht. Hier ist er am 9. Februar an den Verletzungen gestorben. Einer der Thäter, der Hausdiener Hermann Karl Friedrich W o l s f, wurde schon am folgenden Tage ru Berlin, der zweite, Arbeiter Hermann August Müller einige Tage später in Brannschweig ergriffen. Diese beiden befinde» sich jetzt wegen Mordes ans der Anklagebank, den» nach der ganzen Art, wie die That ausgeführt wurde und in Erwägung des Umstandes, daß die Thäter einer Entdeckung sicher sei» mußten, wenn es ihnen nicht gelang, ihr Opfer für immer stunim zn mache», niinmt die Staats- anwaltschast an, daß Brock ermordet und nicht nur so weit zu- gerichtet werden sollte, daß er sich ungehindert berauben lassen mußte. Brock soll einen Betrag von 450—460 M. bei sich geführt haben, welcher von den Thätern geraubt wurde. Aber noch zwei andere Personen, welche bei dem Verbrechen belheiligt sind, befinden fich aus der Anklagebank: die Verkäuferin Martha Krause und der Arbeiter August Johann Birkholz. Sie werden folgenderweise beschuldigt: Wolff. der sich durch Gelegenheitsarbeiten in der Markthalle seinen Unterhall zu ver- schaffen suchte, sich aber zumeist in der Wärmehalle am Alexander- platz aushielt, wurde von Brock stundenweise beschäftigt. Am Nach- mittage deS 29. Dezember wurde er von Brock, der sein Geschäft am 1. Januar wieder aufgeben wollte, entlassen. Er suchte die Wärmehalle ans, wo er feine Genossen Müller und Birkholz traf, Die Anklage behauptet, daß die Krause dem Brock feindlich gesinnt war nnd den Arbeiter Wolff angestiftet hat, ihren gemein- samen Arbeitgeber, der immer mehrere hundert Mark Gelb bei sich führte, zu berauben, nachdem demselben„eine ordent- liche Reinigung" zu theil gworden sei. Wolff halte in der Wärmehalle vorzugsweise mit den Mitangeklagten Müller und Birkholz, sowie mit einem Weber Michael Schneider verkehrt. sämmtlich arbeitsscheue, verbummelte Menschen, die aber gleich ihm außer wegen Bettclns und Nichlbeschaffung eines Unterkommens mit dem Strafgesetzbuch noch nicht in Konflikt gekommen sind. Birkholz führt unter seinen Bekannten den Spitznamen„Sattler-August". Schneider hieß„der Württemberger". Wolff fand be» diesen drei Personen für sein Vorhaben ivilligeS Gehör und zunächst hundelte es sich nur darum, den Brock zu berauben. Verschiedene Pläne»vurden geschmiedet und am Abende dcS 24. Dezember sollte der zuletzt gefaßte zur Ausführung gebracht werden. Sie wollten den Kaufmann Brock, wenn er sich nach Schluß de? Geschäftes nach seiner Wohnung begab, an einer et,vns abgelegenen Stelle unweit des Alexauderplatzes überfallen und berauben. Müller, Birkholz und Schneider trafen auch zu der verabredeten Zeit zusammen, aber Wolff kam nicht. Dieser hatte in der Wärme- Halle einer„Andacht" beigewohnt und dies soll auf sein noch nicht völlig verhärtetes Gemüth insoweit gewirkt haben, daß er die That zwar nicht aufgab, aber doch aufschob, weil es gerade Heiligabend war. Nun wurde der Abend des 28. Dezembers zur That aus» ersehen. Diesmal sollte Brock nach Schluß des Geschäftes,»venn er wieder aus dem Keller heraufkam, in seinem Laden überfalle» und beraubt»verde». Bukholz und Schneider verloren den Mnth und erschienen nicht a» der verabredeten Stelle. Wolff und Müller wollten dann aber die That ohne weitere Beihilfe ausführen. Aber auch an diesem Abend mußten sie von der Ausführung ihres Vorhabens Abstand nehmen, da sie die Hauslhür zun» Brock'sche» Geschäft bereits verschlossen sanden. Na» sollte der folgende Abend benutzt iverden. Birkholz und Schneider traten zurück, Wolff und Müller beharrte» bei ihr«»» verbrecherischen Plan, der denn mich i» der geschilderten Weise zur Ansführnng gebracht»vnrde. Nachdem die beiden Sfjfltcr don Ort der Blntthat verlassen hatten, begaben sie sich nach der idärwaldstraße ans einen entlegenen Platz, der zur Ansstellmig von Möbelwagen benutzt wird. Hier wurde der Raub >..!e>>t, jeder erhielt 230 M., dann trennten sie sich. Molsi wandte IIa) dem Fricdrichshain zu, wo er ein Zwauziginarlstiict vergrub. Dan» ging er nack) der Herberge in der Auguststraße, rvo er einen Hundertmarkschein versteckte. Schon am 30. Dezember ersolgte seine Festnahme, seine blutbefleckten Kleider hatten den Verdacht auf ihn gelenkt. Vorher halte er Müller und Birkholz tu der Herberge getroffen. Die beiden letzleren waren schon vorher zusammengetroffen. Birkholz wurde Mitwisser der That und besorgte für Müller eine andere Hose, da auch dessen Kleider mit Blutflecke» besudelt waren. Jeder der beiden Thäler zahlte an Birkholz 10 M., wofür dieser Verschwiegenheit versprach. Müller fürchtete aber doch, dasi Birkholz ihn verrathen würde, er überredete ihn daher, Berlin init ihm zu verlasse». Nach wenigen Kreuz- und Querzügen trennten sie sich ivieder in Braunschweig, Müller wollte erst allein zu Verwandten nach einem Dorf bei Eisleben fahren und dann mit Birkholz in Hainburg zusammentreffen. Der letztere fuhr aber nach Berlin zurück. Schon am folgen- den Tage waren alle drei in den Händen der Polizei. Die Verhandlung findet unter grojkni Andränge im große» Schwurgerichts-Saale statt. Den Vorsitz führt Landgerichtsralh K o s ck y, die Anklage vcr- tritt Staatsanwalt Keller, die Vertheidigmig führen Assessor L i p in a n n- Wulff, Rechtsanwälte Arnold G o l d st c i n, G r a s s o w und Dr. C o ß m a n n. Die von dem letzteren vcr- theidigte Angeklagte jirause ist die einzige der auf der Anklage- dank befindliche» Personen, die größeres persönliches Interesse erregt. Sie hat ein sehr sympathisches Aeußere, das üppige schwarze Haar umrahmt ein wohlgeformtes Gesicht und niemand würde ahnen, daß dieses unschuldig dreinschauende ISjährige Mädchen in eine so furcht- bare Anklage verwickelt sei» könnte. Der Angeklagte W o l s f heißt Hermann Karl Friedrich mit Vornamen, ist 1877 in Tempelberg bei Müncheberg geboren und nur wegen Bettelns vorbestraft. Der zweite Angeklagte, Arbeiter Her- mann August Müller, ist 1376 im Kreise Magdeburg geboren, gleichfalls wegen Bettelns mehrfach vorbestraft; der Arbeiter August Johann Birkholz, gleichfalls wegen Bettelns vorbestraft, ist im Kreise Wirsitz geboren; die letzte Angeklagte, Verkäuferin Martha Bertha Helene K r a u s e, ist 1378 in Berlin geboren und im- bestraft.— Die Anklage beschuldigt die ülngeklngtcn Wolf fAnd Müller des Mordes und schweren Raubes, den Birkholz der Hehlerei und der Begünstigung, die Krause der Auftiftung zum fchwereu Raube und Beihilfe zitin schweren Raube. Die Angeklagten erzählen die Vorgänge im allgemeinen in Uebereinstilninung mit der Anklage. Wolff ist der Sohn eines Arbeiters und hat noch fünf Ge- schwister. Er ist nach Verlassen der Dorfschule in die Welt gegangen und schließlich nach Berlin verschlagen worden. Er behauptet, daß er schließlich durch die Krause auf den Beraubungs-Plan gekommen sei. Er habe ein rothes Halstuch getragen, welches Brock nicht habe leiden können. Brock habe zu ihm gesagt:„Ich kann Dich nicht mehr darin sehen, Du siehst ans wie ein Verbrecher!" Da- rüber habe er sich geärgert und zu der Krause gesagt:„Dem müßte man einmal eine Ohrfeige geben!" Da habe die Krause, die sich mit ihm nicht habe vertragen könne», weil er ihr n n- sittliche?ln träge gemacht, durchaus zugestimmt und gesagt:„Machen Sie es nur, der verdient einmal eine ordentliche Reinigung!" Sie habe ihm dann zehn Mark versprochen, wen» er dem Brock einmal eins auswischte. Sie habe ihm dies dann täglich vorgehalten und ihm erzählt, daß Brock iuimer 400 M. bei sich in der Tasche trage. Sie habe ihn dann aufgeredet. Brock zu berauben. Der Angeklagte Birkholz giebt zu, dem Müller ans seinen Wunsch eine neue Hose gekauft und von demselben Geld erhallen zu haben, er will sich jedoch dabei nicht recht was gedacht haben. Auf Vorhalt giebt er zu, daß, als er den Müller getroffen, dieser ihm gesagt habe, daß er Geld habe. Er habe sich dabei allerdings denken können, daß Müller wohl den viel besprochenen Plan ausgeführt haben werde. Die am 1. November v. I. 18 Jahre alt gewordene Zlilgeklaate Krause bestreitet cutschieden ihre Schuld. Wie ans ihrer Vernehmung zu ihren Personalien hervorgeht, hat sie eine hiesige Gemeindeschule besuch! und ist nach ihrer Konfirmation in verschiedenen Geschästen als Verkäuferin lhätig gewesen. Unter anderem war sie in einem Geschäft in der Passage angestellt, im Jahre I89S in dem Faßbeuder'sche» Kvnfilürengeschäst. Schon damals hatte sie sich ein„Verhältniß" zugelegt. Als sie bei Brock lhätig war,„ging" sie gleichfalls mit einem Herrn. Ein Freund des letzteren ist der praktische Arzt Dr. Rosenbanm, der durch Zufall Gelegenheit hatte, nach der Thal als einer der ersten am Thatorte zu sein. Er hatte sich nämlich gerade zum 29 Dezember ein Pfefferknchen-Herz mit Ausschrist bestellt. Als er im Geschäft erschien, uni es abzuholen, war es noch nicht fertig und er wurde aufgefordert, es sich um 9 Uhr abends abzuholen. Die Krause war am 28. Ok- tober von Brock als Verkäuferin während der Weihnachtszeit engagirt worden. Sie behauptet. Brock habe sie geduzt, was ihr sehr nn- angenehm gewesen sei, auch habe er versucht, in intime Beziehungen zu ihr zu treten. Sie habe sich dies im Auftrage ihrer Ellern ernstlich verbeten. Sie habe einen Widerwillen gegen Brock gehabt und als ihr Wolfs die Geschichte mit dem rolhen Halsband erzählt, habe sie allerdings gesagt:„Es wäre ganz gut, wenn der Mann mal seine Reinigung bekäme." Sie bestreitet ganz entschieden, den Wolff darauf aus- mcrksam gemacht zu haben, daß Brock immer mehrere hundert Mark Geld bei sich trage. Als am Tage der That Wolff mit dem An- geklagten Müller im Geschäftstokal erschien, habe Wolff gesagt, es handle sich darum. Kisten zu kaufen und daß er sich � diese ansehen wolle. Sie müsse entschieden bestreiten, daß sie Wolff und Müller zu einem schweren Raube angestiftet habe, hätte aber nichts dawider gehabt, wenn Brock einmal einS ausgewischt dekommen hätte. Als der Uebersall vor sich ging. habe sie nicht gewußt, daß die beiden im Keller sich befände». Nachdem Brock in den Keller gegangen war, habe sie plötzlicb einen dumpfen Schlag gehört. Sie habe ängstlich:„Herr Brock! Herr Brock!" gerufen und etwas wie ei» Rauschen gehört. Sie habe aus Angst den Laden einen Augenblick verlassen, um draußen auf der Straße einen Herrn zu bitten, einen Schntzman» herbeizuholen. Wie die Angeklagten aus dem Hause gekonnneii, wisse sie nicht; hineingekommen seien sie ivahrscheinlich durch die vom Hofe in den Keller führende Thür, die immer offen gestanden habe. Als der Schutzmann erschienen war, kam Brock blutüberströmt die Treppe herauf, konnte nichts sprechen und sank sofort zusammen. Nun war auch die Zeit gekommen, in welcher Dr. Rosenbauiii verabredetermaßen erscheine» sollte. Die Angeklagte Krause hatte ihm zugesagt, daß er sie nach Hause begleiten dürfe. Als Dr. lliosenbanm sah, daß Brock schwere Verletzungen erhallen hatte, ordnete er an. daß der Verwundete zunächst nach der Sanitätswache befördert wurde. Die Angeklagte stellt wiederholt entschieden die Anstiftung zum Raube in Abrede.— Sowohl der Staatsanwalt als auch Rechtsanwalt Goldstein verweisen darauf, daß die Angeklagte bei ihrem ersten Verhör im Gegensätze zu ihrer heutigen Behauptung zugegeben habe, den Angeklagten Wolff aus das Geld, welches Brock in seiner Tasche zu tragen pflege, aufmerksam gemacht zu haben. Rechtsauwalt Dr. C o ß m a n n behält sich Beweise dafür vor, daß die Angeklagte bei ihrer Vernehmung sich in seelischer Depression besunden habe, überhaupt an Hysterie leide und bei der sehr langen Tauer ihrer Vernehmung sich über die Tragweite ihrer Aussage wohl nicht ganz klar gewesen sei.— Der vernoimiiene Gefängnißarzt bekundete, daß er an der Angeklagten allerdings h y st e r i s ch e Erscheinungen wahrgen omineii habe, die aber nicht so bedeutend waren, daß man an der Geistesklarhcit der Angeklagten zweifeln könnte.— Der Zeuge Dr. Rosenbaum ist an dem 29. Dezember, abends um 3/49 Uhr, im Brock'schen Laden erschienen und hat dort ten verstorbenen Brock noch angetroffen. Bcranliöortlicher Nedaktenr: August Jacoben in Bertin. beweis versncht; da aber den von ihm als Zeugen vorgeschlagenen Offizieren seitens der Militärbehörde verboten wurde, über Fragen betreffend die Köndnitenliste auszusagen, so wurde ihm ein Theil des Wahrheitsbciveises abgeschnitten. Die siebente Slraskammer am Landgericht I ist denn auch zur Berurtheilung ge- langt. Rasch wurde wegen Beleidigung, versuchter Nöihigtmg und Herausforderung zu vier Monaten und Marggraff wegen Bei, hilse zur versuchten Nöthigung und wegen Ueberbriugung der terausforderung zu drei Tagen Gefängniß verurtheilt. as von den Berurlheilten angerufeuc Reichsgericht halte in diesem Urtheil einen Rechtsirrthnm gesunden und deshalb das Urtheil aus, gehoben. Zu der gestrigen Hauptverhandlnug sind außer dem Neben, kläger Generalmajor v. Gaudy, die Offiziere Oberstlieutenant v. A n t h e s, Hauptmann N a d l e r. Premierlieutenants».© ch o 1 1 und Bartels sowie Major Gabriel als Zeugen geladen. Herr v. Gaudy ist als Nebenkläger rite geladen, aber nicht er- schienen, als Zeuge ist derselbe kommissarisch veruonimen worden. Bon den Beriheidigern Justizrath Kleinholz und Kein pn er, sowie dem Vertreter des Nebenklägers Dr. Cello ist nur der erster« persönlich anwesend, di« beiden anderen Anwälte sind durch Substituten vertreten. Das zur Vorlesung gebrachte Reichsgerichts-Urlheil ergiebt, daß die höchste Instanz einen Mangel in dem Urtheil der Vorinstauz nach der Nichlung hin gefunden hat, als die Gründe nicht präzffe genug sestgesirllt worden sind, welche die Versagung des Schutzes des Z 193(Wahrnehmung berechtigter Interessen) erklären konnten. Ferner tvurde bemängelt, daß nicht genügend geprüft worden sei, ob Herr von Gaudy in dem konkreten Falle als Beamter im Sinne des z 114 des Strafgesetzbuches anzusehen war, Die Erörterung dieser beiden als Mängel angesehenen Punkte bildeten den Schwei pnnkt der Verhandliing. die im großen und ganzen sich in idemselben Rahmen bewegt, wie die erste Haupt- Verhandlung. Nach langer Beralhuiig verkündete der Gerichtshof, daß die Angeklagten von der Nöihigung freigesprochen und nnr wegen Hcraussorderung zu verurtheilen seien und zwar Rasch zn d r e i Ai o ii a t e n, Marggraff zu drei T a g e n F e st u n g s h a s t. Wegen Betruges in mehreren Fälle» hatte sich der frühere Krankenwärter Ernst Hoppe aus Berlin vor dem Rixdorfer Schöffengericht zu verantworten. Eine Anzahl früherer Termine in dieser Sache halte der Angeklagte durch allerlei Manöver zu ver- eileln gewußt, zuletzt durch Nebersendung einer gefälschten Vorladung zu einem angeblichen Termin des Berliner GewerbegerichtS, Als dies festgestellt ward, nahm man Hoppe in Unter- siichlingshaft, aus welcher er dem Schöffengericht vor- geführt wurde. In den Jahren 1894/95 erschienen in Berliner lind Vorort-Zeitniigen zahlreiche sensationelle Notizen über Unglücks-, Erkraiikmigs- und Todesfälle, sowie Fälle plötzlichen Irrsinns ec. Der Verfasser dieser Lokalnotizen war der Angeklagte Hoppe, der sich bei den Redaktionen unter den Namen Hoppe und' Koppen ein- führte und sich für einen Krankeiiioärter' der Charitee aiisgab, als welcher er von den betreffenden Fällen Kenntniß erlangt haben wollte. Bald aber machte sich Hoppe bei den einzelnen Njedaktioiieu durch seine Fruchtbarkeit in Schauder- geschichteii verdächtig; es wurde» Recherchen angestellt und da sich keine der Notizen bewahrheitete, gab man dem Entenzüchter allen- lhnlben den Lauspaß. Einige Redaktionen von Vorortzeiluugen stellten aber gegen Hoppe Strafmitrag und so wurde gegen den« selben Anklage wegen Betruges erhoben. Eine Reih« Hoppe'scher Artilel gelangten im Termin zur Verlesung, wobei sich ergab, daß vielfach ein und derselbe Vorfall sich in Charlottenburg, Rixdors, Weißensce und Berlin abgespielt haben sollte. Der Augcllagie be, hauptete, bei den»leisten Fällen sei er Augenzeuge gewesen, die übrigen Fälle seien ihm von zuverlässigen Personen mitgetheilt worden. Polizeilicherseits. hat nicht ein einziger Fall als wahr festgestellt werden lönnen. Mit Rückstcht darauf, daß der Angeklagte den Schwindel en gros betriebe» lind wegen ähnlicher Sachen bereits mit drei Monaten Gefäng- niß vorbestrasl worden ist, beantragte AmtSanwalt Conrad gegen den Angeklagten 1 Jahr Gefängniß. Der Gerichtshof unter Vorsitz des Amtsrichters B e t ck c ivar jedoch der Ansicht, daß das Vergehen des Angeklagten keineswegs allzuschwerwiegender Natur sei. Läge nicht das Delikt des Betruges vor. so hätte die HaudluiigSweise deS Angeklagten nur als grober Unfug abgeurtheilt werden köiinen, wo, für 6 Wochen Hast das höchste Slrasinäß gebildet hätte. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes seien 2 Monate Gefällgiiiß als ausreichende Sühne erachtet worden. Der Angeklagte wurde auch sofort aus freien Fuß gesetzt. Der HcirathSschwiudler, über dessen Aburtheiluug wir vor, gestern berichteten, heißt, wie uns von privater Seite mitgetheilt wird, Gustav Obst und nicht Bock. Im Mordprozcfi in Halberstadt erkannten die Geschworenen de» Angeklagten des Todlschlaps für schuldig. Das Urtheil lautet auf 14 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. DepeMzen und l-elzte Muchvichken. Miinchen, 19. Juni.(W. T. B.) Ter Privaldozeiit an der hiesigen Universität und SHechtSnwalt Dr. Richard Schmidt und der RechtSpraklikaiit Diehl. beide ans Miinchen, bestiegen am Donnerstag die Zugspitze und wurde» seitdem vermißt. Heute wurde Dicht in halb erfrorenem Zustande aufgesunden und nach Garmisch gebracht, Die nach Dr. Schmidt anSgesandte Fnhrerexpeditiou mußte wegen des in großer Menge frisch gefallenen Schnees ohne Erfolg»mkehren. Freienwaldan, 19. Juni.(B. H) Auf Ansuchen der Dresdener StaaiSainvaltschnst hat die hiesige Polizei den wegen Silllichkeits, vergehen verfolgten Baron Chambrier ans Reuschätel verhaftet. Budapest, 19. Juni.(W. T. B) Im Abgeordiietenhause interpellirle der der Ngronfraklion augehörige Abgeordnete©iiinz über den drohenden Erntestreik. Ackerbauminister Daranyi erklärte, es seien Versügungen getroffen worden, daß di» Feldarbeiler darüber ausgeklärl werden, wie sehr ein etwaiger Streik die Arbeiter selbst schädigen würde. Die lllegiernng habe aber auch Vorkehrungen getroffen, die Eiulearbeiten sicher zu stellen und zwar werde sie an stelle der etwa streikenden Arbeiter Arbeitskräfte ans den nothleidendcu Theileu des Landes heranziehen. Die Regierung sei ernstlich bemüht, eine Verbesserung der Lage der Arbeiter herbeizustthren. Zu diesem Zwecke würden schon in nächster Zeit Regnliningsatbeiten im Betrage von mehrere» Millionen in Angriff genommen werden, auch werde die Regierung wahrscheinlich noch in diesem Jahre eine» Gefetzentwurf betreffend die Siegelung des Verhältnisses zwischen Arbeiter» und Arbeitgeber» einbringen. Rom, 13. Juni.(B. H.) Die Nachricht eines Genncser Blattes. der Komponist Verdi fei schwer erlrankt, wird als falsch bezeichnet, Mailand, 19. Juni.(B. H.) Laut Beschluß der Tramway« Augestellte» treten dieselben aw Montag in den Streik ein, wenn die Direktion die geforderte Lohiierböhnng nicht bewilligen sollte. Konstantinopcl, 19. Juni.(B. H.) Tie in den letzten Tagen hier vorgenommenen Berhastnugen zahlreicher Eostas und anderer angesehener Mohnmedaner sind desKalb ersolgl, weil die Verhasteten verdächtig sind, an die Botschafter Briese gerichtet zn haben des Inhalts, daß die Botschastsgebände in die Lust ge- sprengt würden, salls der Sultan gezwungen würde, Thessalteiz wieder zu räumen. Konstantinopel, 19. Juni.(W. T. B.) In den letzte» Tagen sind hier zahlreiche Berhafluiigeu von Sofias nnd anderen Mohq, medaiier» vorgekommen, welche mit der Propaganda für eine Annexion Thessaliens in Verbinduiig gebrackzl werden. Athen, 19. Juni. IB. H.) Gegen 600 Ossiziere, die der Elbnikt Helairia angehören, wird Disziptinarunlersnchnng ein- geleitet. Sintla, 19. Juni.(W. T. B) Man befürchtet, daß bei dem Eldbeben in Affam über 6000 Personen inngckoinmen sind. vtar Badina in Berti». Hierzu£ Brilagcn u. llutcrhaltungsbtatt. ifl, u. Z.W.4 i. Kkilißt ilks Joimlrts" Kerl« IcksM-« ,»> 4« Nommunales. Nach der über de» Grundstiickserrverbnugs- Fonds auf- gestcule» UeUeificht für das- Jahr 1896/97 find vom städtischen iiämniereibesitz 14 Grundstücke in einer Gesaimnlgröße von 28 261 Quadratmetern für 1139 614 M, verkauft worden, während 4 Grundstücke vo» zusammen von 25S23 Qudratmetern Flächem »»halt siir 1 139 S36 M, für Rechnung des, Fonds an« gekauft wurden. Ferner sind 15 Parzellen in einer Gesammt- g'iise von 36128 Quadratmetern für bestimmte Zwecke an andere städtische Verwaltungen überwiese» worden., Zum Beispiel zum Vau einer Feuerwehr und einer Bade-Anstalt, zur Freilegung und Regulirung vo» Straße», zur Benutzung als Spiel- oder Lager- platze n. s. w. Der Grundstücks- Erwerbnngsfonds verfügte Ende März 1896 über einen Baarbestand von 1 553 981 M. und über 589 390 M, Reslkaufgelder, welche auf dem veräußerten Grundstück hypothekarisch eingetragen stehe». Ten» Vernehmen»ach hat der Magistrat bei den Eigenthümern der Vorgärten in d efr P o t s d a m e r st r a ß e auf der Strecke zwischen Lützowstraße und Potsdamecbrücke angefragt, ob und zu ivelchen Bedingungen die Eigenthümer bereit seien, den ganze» Vor- garten an die Stadt abzutreten. Gleichzeitig sind die Eigenthümer ersucht worden, diese Vorgärten schon zetzt der Stadlgemeinde im Interesse einer Beschleunigung der Regulirungsarbeiten zur Ver- fügung zu stellen. Hierdurch scheint der Magistrat de» aus der Bürgerschaft vielfach geäußerten Wünschen ans vollständige Be- ciligung der Vorgärten in der Potsdamerstraße entsprechen zu vollen. IIS 87S Mark und 27 Pf. hat der Z e n t e n a r r u in in e I der Siadt Berlin gekostet, 129 999 M. waren bekanntlich unter nachdrücklichem Protest der sozialdemokratischen Stadtverordneten siir die dynastisch-militärische Feier eingesetzt worden. Ein Witzbold kolportirt die Nachricht, daß der Uebcrschuß von 129 M, und 73 Pf dem ktoiuilee für das Märzgefallenen-Tenkmal überwiesen werden soll Uolrnles. Tje Lokalliste flir Berlin und Umgegend ist neu heraus gegeben und der heuligen Nummer unseres Blattes beigefügt worden. Bei der Wichtigkeit der Lokalsrage erwachst den Parteigenossen namentlich zur jetzige» Zeit die dringende Pflicht, die Lokalliste strenge zu beachten. In nächster Nähe der Neichshauptstadt besteht noch der traurige Zustand, daß behördliche und ordimiigsparteiliche Einflüsse die sozialdemokratisch gesinnte Arbeiterschaft an der Wahr nehmung des bischen Vereins- und Versammlungsrechts hindern, das in Preußen unter den nnzeitgemäßesten Verklausulirnngen gesetz lich festgelegt ist. und das nunmehr nach dem Willen der Reaktion gänzlich vernichtet werden soll. Der Ansturm der»ieaktion macht mehr wie je ein geschlossenes Vorgehen der Proletarier auf der ganzen Linie iiothivendig. Den Saalabtreibereien gegenüber bleibt uns kein Mittel übrig, als die Lokalsperre, und diese dort, wo nöthig, durchzuführen, muß das Bestreben aller Parteigenossen sein. Arbeiter. Parteigenossen, besucht daher nur solche Lokalitäten, welch« auf der Liste verzeichnet stehen. Auch in diesem Kampfe führt uns Beharrlichkeit und Energie zum Ziele! Zur Lokalliste. In Friedenau ist der H o h e n z o l l e r n» Saal jetzt als gesperrt zu betrachten. In Mariendorf sind sämmlliche Lokale zum persönlichen Verkehr frei außer Günther, Chansseestr. 16, und Martwig, Feldstraße; in T e m p e l h o f des- gleichen außer Wilhelmsgacten(Juh. Kiesewetter) und Gunter» mann's Gesellschaftshaus o» e». Swinemünde Hamburg. Berlin.. Wiesbade». Münche», Wien... Haparanda. Petersburg. Cork... Abecdce»., Paris.., Wcltcr-Prognosc fiir Souutag, den 89. Juni 1897. Vielfach heiler. zeitu.eise wolkig bei mäßigen westliche» Winden. etwas kühlerer Nacht, aber höherer Tageslemperaiur, keine erheblichen Niederschläge.« erliner W e t t e r b n r e a u. Nur den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnng. Thvafrv. Sonntag, den 20, Juni. Neues kgl. Operntheater(Kroll). Carmen. Berliner. Die Maschinenbauer von Berlin. Montag: König Heinrich. Lessing. Die Geisha. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schiller. Madame Bonivard. Montag: Die richtiges Ergänzung. Dnrch's Ohr. Westen. Der Trompeter v. Säkkingen. Montag: Fidelio. Neues. Trilbh. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- Wilhelniftädtisches. Lehmann's Kriegs-Abenteuer im Orient. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Der Unterpräfekt. Vorher: Musotte II. Alt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Bellc-Alliancc. Trilbh. Montag: Dieselbe Borstellung. AleHanderPlah. Verkäuflicher Werth. Eine tolle Prinzeß. Montag: Dieselbe Lorstellung. Ostend. Unsere Retchspost. Montag: Dieselbe Borstellung. Bolls. Hopfenrath's Erben. Montag: Auf eigenen Füßen. Apollo. Venus a»f Erden. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage-Panoptikmn. Die Kinder der Wüste. (Wnllner-Tlieuter). Sonntag, abends 8 Uhr: Madame Bouivard. Montag, abends 8 Uhr: Zum I. Male: Die richtige Ergänzung.— Hierauf: Durch» Ohr. Ostelid-Theater. Gr. Fraillfnrterstr.132. Dir. E. Weist. Unieei'e RelchspoKt. ■ Roth nie dagewesener Erfolg!■ Anfang 71/jj Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. __ Anfang 8 Uhr._ Volks-Theater 31. Reichenbergrr- Strasse 34. Abends 7 Uhr: V ä d r K e v. Schwank mit Gesang von Georg Belly. Musik von A. Conradi. Hierauf: Dopfturatk's Erben. Volksstück mit Gesang in 5 Bildern von H. Willen. Musik von G. Michaelis. Bor der Vorstellung von SV- Uhr ab: Garten-Konzert. Entree 30 Pf. b«S 3 M. Morgen Montag: Auf eigenen Küsten. Puhlmann's Vaudei/ille-Theater Schönhauser Allee 148, Kastanien-Allee 97—99. Tttgllch: Mannschaft an Bord. Kmnische Operette in 1 Akt. Bland, Berwandlungs- Soubrette. Panl Petras, Gcntl. Jongleur. Iflartlnlns, Gesangs- u. Tanz-Duettisten. Burbarlna, Ballet-Ensemble. Blzzl Brunn, KostÜm-Soubrxtte. Oebr. Harry und William I-atonre, Piccolo- Theater. Cfeschw. Morle, die Planeten d. Luft. Arthnr Bartin, Humorist. Lilttle CharlcB, Lawinensturz. Betaelty Tronpe, Miniatur-Akrobaten. Im Saale: Ball. Anfang 4Vj Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz SO Pf. Concoi'llis Variete-Theater _ Brnnncnstr. 154. DM" Jeden Sonntag: Grosse Theater- und Bpoxlallt&ten-Vorstelliinss. Immer neues Programm. Uulang 6 Uhr. Entrec 30, reserv. öO Pf. MM- Jeden Donnerstag:"MM PamlHen-Abend. Gr. Theater- Vorstellnng. Ans. TVjUht. Entree 25, reserv. 40 Pf. Der sommergarten ist nebst Kaffee- ktiche geöffnet. VI r a ii i a, Tanben-Strasse 48—40. Natiirtundlichc Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt SO Pf. Wisscnschaftl. Theater abends 8 Uhr. Jnvalidcnstr. 57/02(Lehrter Stadt- Babnhof): Täglich von 5 Uhr nach- mittags ab bis 10 Uhr abends Stcni- warte und Mondpanorama. Eintritt 50 Pf. Näheres die Tagesaujchläge. fti88sge- Paiioptlcum. so Kinder der Wüste. Beduinen, Derwische, Schlangenbeschwörer, Bauchtänzerinnen etc. Vorstellunfi' 1«, 5, 7, 0 Uhr. jP3" Castan's"�j Panopticnm. II Oll f®*e elektrisch nCU. belebten Hpii f and künstlich nCU. sprechenden Meu! Menschen.�! Neu! undhochkomisch! Actien- Brauerei Friedriclishain. Heute Sonntag: Regiments-Mnsik des 4.Garde-Reg. zu Fnfj in Unisori». Dir. Frz.«.Berater. Eintritt 20 Pf. — Anfang 5 Uhr.— Progr. unentgeltlich. it Nebensaal: Famlllenkrllnuchen. Zum Ausschank gelangen die unter der neuen Direktion gebrauten Biere: Lager, Pilsener, Senator. Montag, den 21. Juni: Philharmonisches Blas-Orchester unter Lctwng seines Kapellmetsters Herrn Franz v. Bloit. Eintritt 20 Pf. Anfang 7 Uhr. Programm unentgeltlich. Apollo-Vdeater und Konzert-Garten. Otto Reutfer uiit seinen aktuellen felbstverfaßten Kouplets. Ks in O Uhr: Venus auf Erden. Bilriesk-phantastlsche Operette»>. Tanz in 1 Akt von Bolten-Bäckers. Musik von Panl Lincke. In Szene gesetzt vom Direktor I. Glück. Oer Kinetograph mit neuer Bilder-Serie. Anftreten hervorragender 8pexialttüten. Kaffcnösfnnng 6 Uhr. Konzert 3'/, Uhr. Ansang der Vorstellung 7V, Uhr. V. Noack's Theater Brnnnen-Strasse 10. Täglich: Konzert, Theater- nnd Spezialltaten- Vorstellung. Jettchen» Liebe uiib Kabale. Original-Posse in zwei Bildern von Salingrs. Novität! Großer Beifall! Novität! Die Clrcasfcc. Operette in 1 Akt von 6. Filsch. Musik von Fritz Bafelt. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag im Saale: AM- Grosser Ball.-WS Schweizer Garten AmKönigstbor u. Friedrichshaln. Täglich! Täglich! Theater- und olksbelustigungen aller Art. Täglich: Ball. Eiltree U Ps. Zm Zuli slilh t Toililabellde frei gewsriltlt, w-ich-«»«er- eine zu Sommerfesten z. verg. sind. Xoircerthaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Jnh. H. Pierry. Taglich: Vr.Vorstelwllg u. Konzert im Karten. .Asehlnger A. Ilaskcl »M- täglich.-MG Anfang 6 Uhr. Entree»0 Pf. Viltoria-Srauere! (Garten resp. Saal) Iditzow- Strasse 111118 nahe Potsdamer Platz. Beate sowie taglich: Stettiner Sänger (Mehsel, Pietro, Britton, Steidl. Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Anfang heute 7 Uhr. IM- Entree SO Pf.-ME Nach der Soiree: Siitts'itMrti. Morgen Montag: Anfang 8 Uhr. «orverkaufsbillets gtltig. Ifeiclisgarteu Friedenstrasse 80 (Ecke B ü s ch i n g st r a st e). Täglich: Grosses Frei-Konzert. Die Kaffeeküche ist täglich, auch Sonntags, von 8 Uhr ab geöffnet. B. Koslowsky. 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Der Vorstand des Fechtklnbö'Nordost Berlin. Am 17. d. M. entschlief nach langem, schiverem Krankenlager unser lieber Sohn, der Zimmerer und Architekt Blebard Karbe, Pionier im 1. Eisenbahn- Regiment, im 21. Lebensjahre. Die Beerdigung findet heute, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Frankfurter Allee 185, aus statt. Die Hinterbliebenen. 205öb Familie Karbe. Krilnkeu-Untersttziülgsbullli der Schneider. Unser Mitglied Kar! Raddatz ist am 16. d. Mts. verstorben. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. d. M., nachnlittags um 5t/.. Uhr, auf dem Neuen Jakobi- Kirchhof in Britz von der Leichenhalle aus statt. 66/11 Die Ortsverwaltung. v eutsed- VllmersSork. Hierdurch die traurige Mittheilung, daß mein lieber Mann unser Vater, der Steinmetz Karl Otto, im SO. Lebensjahr am 18. Juni, morgens 4 Uhr, gestorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 20. Juni, nachmittags 4 Uhr, von Deutsch-Wilmersdorf, Berlinerstr. 37, aus statt. Die trauernde Wittwe. _ Auguste Otto._ Danksagung. 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Achtung! SHjaldenwKraMer Mahlvereln des 1. Derliner Reichstags- Wahlkreises. Dienstag, den SS. Juni i8iI7. abends Uhr, iin Saale des Herrn 8tabepnaek, Jiiselstraste Nr. 10: Strussc AccKuiuiuKuug. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Angnst Tätcrow: Die Stellung der Sozialdemokratie zu den preüstischen Landtags-Wahlen. 2. Dis fuffion. 3. Mittyeilungen und Vereins-Angelegenheiten. Die Genoffen werden dringend ersucht, recht zahlreich zu erscheinen.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Borstand. Die Zahlstellen bestich en sich bei merschel(früher Linke), Jüden- straste ük! Deeuss, Neue Fricdrichstr. 20; DiltsebKe, Franzästfchestr. 6; Sommer. Griinstr. 23. Dort werden auch neue Mitglieder ausgenommen Sozialdemokratischer Mahlverein für den 3. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Donnerstag, den S4. Juni, abends 8V2 Uhr, im Uokale„Mlirkischer Hof", Admiral-Strasse 18c: nrntln ng T a g e s- O r d n n n g: l. Vortrag des Rcichstags-Abgcnrdnetcn U. Vogtherr über: „Unser Verhalten zu den preußische» Landtagswahlen". 2. Diskussion. 3. Vereinsnngelegenheiten. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. In anbetracht der wichtigen Tagesordnung erwartet regen Besuch 240/19 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Mahlverein im 4. Berliner Reichstagg-Wahlkreis(Südost). Dienstag, den SS. Juni, abends 8V2 Uhr. im Lokale des Herrn Drttder, Waldemar- Strafte Nr. 73: Vepsammflung. T a g e s- O r d n u>1 g: 1. Vortrag des Gen. Ad. Hostmann über:„Modernes Raubritterthum". 2. Diskussion. 3. Vereinsangclegcnheiten. 243/4» Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Derein für den 3, Berliner Reichstags- Mahlkreis. Versammlung am Donnerstag, den S4. Juni, abends 8l/z Uhr, im Uokai„Altes 8chUtzenhans", Unienstrasse 5. 245/12 TageS-Ordnung:" 1. Soll sich die Sozialdemokratie an den Wahlen zum preuftischen Abgeordnetenhause betheiligen? Referent Reichstags- Abgeordneter Robert Schmidt. Korreferent Dr Weyl. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelcgenhciten und Verschiedenes. gebeten In anbetracht der wichtigen Tagesordnung wird um recht regen Besuch Der Borstand. Deutsclier Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) MMtil-Wslümlimg i>. Drkchsltr am Mittwoch, den SS. d. M., abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Stabcrnack, Jnselstrafte 10, S Dr. Tag e s- O r d n u n g: 1. Können die BandrechSlcr die jetzige Konjunktur zur Verkürzung der Arbeitszeit ausnützen? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Besonders werden die Kollegen folgender Wertstättcn der Baubranche (Drechsler, Tischler, Stellmacher, Polirer) ersucht, zu erscheinen: Schmidt n. So., Engel, Voigt u. Faulmaun(Alt-Moabit), Voigt(Köpnickerstr.), Stahl, Liitjen n. Bruns, Dörmer. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen ist der wichtigen Tagesordnung halber»othwendig.» Dranche VllrWktbodkNleger. Montag, den S1. d., abends 8V- Uhr, bei IS» bell, Liudenstr. 100: Littuvg der Werkstatt-Kontrollkommission mit de» Vertrauensleute«. Die Kollegen der Firma Kampmeyer und Mittag sind hiermit eingeladen. Die Vertrauensleute werden ersucht, ihr Mitgliedsbuch mitzubringen. Sonnabend, den 1?'. Juli: GroHes Soliiutev Ilest in der Aktien- Brauerei Urlcdrichsltain. Billets sind in allen Zahlstellen und beim Kollegen Post, Grünauer- ftratze 37, b. 1 Tr., zu haben._ Die Ortsverwaltung. Achtmg! Hchnrhtiter. AAung! Arn Rittrvoch, den SS. Jnni, abends 8 Uhr, Uokal des Herrn JoOI, Andreasstrasse Xo. LI Grotze öffvnklilhe Bautischler-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Lage im Bautischler-Gewerde und wie ist eine Besserstellung möglich? 2. Diskussion. l0S/18 HM- Es ist Pflicht eines jeden Bautischlers, Einsetzers und Bau- anschmgerS, in dieser Versamnilung zu erscheinen. Der Vertrauensmann. �vulralverbiuick deutsch. Brauer und verwandter Berufsgcnossen. Sonntag, SO. Juni, nachniitt. S Uhr. bei Stabernark, Jnselstr. 10: Mouats-Bersammluug. TageS- Ordn ung: l. Vortrag des Herrn Dr. IVollhci», über:„Geschichtsschreibung und Geschichtslehre." 2. Abrechnung der Urania-Billets. 3. Vergnügungs. Angelegenheiten. 4. Innere Vereinsangelegenbeiten und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet_ 41 20', Der Vorstand._ Kranke n-ünterstDtzungsbund d. Schneider Dienstag, de« SS. Juni, abends 8V-. Uhr. in den„Arminhallen", Kommandanten-Strafte SO: VersKutnilung."Wß Tages-Ordnung: 1. Wahl der Delegirten zu der am 20. Juli d. I. stattfindenden Geueralversamnilung. 2. Berathung der zur Generalversammlung gestellten Anträge.— Mitgliedsbuch legitimirt. tgg/12 Die Drtsverwaltung. I Krankenkassen-Mitglieder Mittwoch, den 23. Juni 1897, abends 8 Uhr, im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4a: Gvotze öffentliche Veefammlung. e und Vorstände sännntlicher Orts-, Betriebs- Krankenkassen Berlins und Umgegend. n'u n g: 1. Vortrag des Reichslags-Abgeordneten Fritz Z u b der Mitglieder ÜSSSb» und Innnngs- Ist die freie Tagesord n'u n g: 1. Vortrag des Reichslags-Abgeordneten Fritz Z u b e i l über: Aerztewahl bei den Krankenkassen durchführbar? 2. Diskussion. Krankenkassen-Mitglieder! Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es nothwendig, möglichst zahlreich zu erscheinen. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersnmmlung statt_ Die Fünfer Kouiniission Achtung, Maurer I Koppen-Ttratze 29 281/2 Montag, de» 21. Juni, abends 8Vi Uhr, bei Keller, (großer Saal): krasse öffentliche Versammlung der Maurer Berlins und der Umgegend. Tagesordnung: 1. Bericht über den Stand unserer Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Da die Versammlung pünktlich eröffnet wird, so bitten wir die in Arbeit stehenden Kollegen, sich pünktlich einzufinden. sNü. In dem Bericht über unsere Donnerstags-Versammlung in Nr. 140 des„Vorwärts" ist dem Berichterstatter ein Jrrthum unterlaufe», es muh heihen:„Auf KS der gröftten Baute» ruht die Arbeit, darunter am Dom. Marstall und andere» groften Arbeitsstätte»". Dagegen heiht es in dem Bericht: „Dort und auf andere» grohen Bauten der Firma Held u. Franke sei unsere Forderung anerkannt". Dies zur Beachtung für unsere Kollegen.__ Die Uohnkommission. Freie Volksbühne. Donnerstag, den 84. Jnni, abends 8 Uhr, in Cohn's _ Festsälen(grosser Saal), Benthstr. SO: fgr Oeneral-Versammlung. Tages-Ordnung; 1. Geschäftsbericht.— 2. Kassenbericht.— 3. Die Theaterfrage nnd der Spielplan.— 4. Statutenänderungen.— 5. XeiMvuhl des L Vorsitzenden.— 6. Das Soniurerfest in Weissensee.— 7. Verschiedenes. fsNIT" Achtung! Der Zutritt zu dieser Versammlung ist nur Mitgliedern gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte gestattet. Sämmtliche Zahlstellen-InhaDer werden gebeten, in dieser Versammlung zu erscheinen. Heft I, 2 und 3 der Monatsschrift„Freie Volksbühne" von Dr. C. Schmidt können von den Ordnern entnommen werden, desgleichen die Monatsschrift der Wiener„Freien Volksbühne" von F ritz Telmann. Voranzeige! Die Ordner-Kommission und der Vorstand haben beschlossen, der General-Versammlung ein MW" Sommerfest vorzuschlagen, welches am Sonntag, den 18. Juli, von morgens ab im Schloss Weissensee mit ausserordentlich reichhaltigem Programm für Jung und Alt abgehalten werden soll. Die Mitglieder werden gebeten, diese Gelegenheit, dem Verein neue Freunde zuzuführen, nicht unbenutzt vorüber gehen zu lassen. Das Entree ist auf ST Pf. normirt. Die Kaffeeküche ist den ganzen Tag geöffnet. 231/9 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler, Kassirer. Waub der in Holzbtnrheitnngs-Mriken unii ans Holz- pWn besch. Arbtiter Dentsililllndg. ftilinle Berlin II Dienstags den SS. Juni, abends 8'/- Uhr, im Lokale Bergstr. IS: Verbands-Verfammlullg. �j| Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Kiesel. 2. Diskussion. 3. Abrechnung von der Borstellung in der„Urania". 4. Wahl eines 2. Schriftführers. b. Gewerkschaftliches und Verschiedenes.— Die Mitglieder werden an ihre Pflichten erinnert.— Nur zahlreichen Besuch bittet 82/13 Der Vorstand. Maler und Berufsgenoffen Morgen. Montag, den S1. Jnni. abends 8>/z Uhr, in den„Ar min- Hallen", Konimandanteiistrafte S«: Krasse öffentliche Versammlung. 128/3 Referent: Regierungödes Vertranens- Tages-Ordnung: 1.„Die Aufgaben der Gewerkschaften." Baumeister a. D. Kessler. 2. Diskussion. 3. mannes. 4. Verschiedenes. Pflicht eineö jeden Kollegen ist es, in dieser Versamnilung zu erscheinen. KB. Es wird den Restanten in dieser Versammlung noch einmal die Gelegenheit gegeben, mit dem Vertrauensmann abzurechnen, cvcnt. erfolgt die Veröffentlichung unwiedcrruflich. Der Vertrauensmann. L. Jakobeit, Berlin O., Giirtclstr. 32. -Wima i Steinarbeiter. Ifflsii Dienstag, den SS. Jnni 1897, abends 8 Uhr: OoffSihtliolKS Versammlung im Englischen Garten, Alexanderstrafte S7c. Tagesordnung: 1. Bericht über die schlesische Konferenz; Press- kointtlisfion. 2. Verschiedenes. 174/8 Der Vertrauensmann? F. Fischer. ArtzknnA! Crrosse Arhtunig! «ffentliclie kombinirte Versammlung V her Kraiikeiikllssen- Borstände nnd Krnnkenknssen-Aerzte Berlins nnd der Umgegend am Dienstag, den SS. Jnni, abends 8'/. Uhr. in der„Berliner Bessource", Kommandanteustrafte 37. Tages-Ordnung: I.„Die Schwindsnchts- Behandlung in den Berliner Kranken- kästen". Referent: Dr. Friedeberg. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins u. Umgegend. I. A.: A. Daehne. 28436 NB. Die Herren Kassenärzte sind hierzu ganz besonders eingeladen. Allgemeiner Weiter- u. Ärbeileiinnenverein Berlins und Umgegend. Montag, den 21, Juni, abends SVs Uhr, bei Stabernack, Jnselstr. 19: Mitglieder-Versammlnng. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau Mesch über:„Die Frau als Sklavin des Kapitalismus". 2. Diskussion. 3. Vcreinssnchcn. • Da von jetzt ab unsere Mitglieder-Versammlungen regeluiässig jeden Montag nach dem lö. im Monat im Lokal des Herrn Stabernack stattfinden, so ersuchen wir die Kollegen und Kolleginnen, zahlreich zu erscheinen. 18/11 Der Vorstand. �sdspsrtZSitSr I Mittwoch, den SZ. Juni 18S7, abends 8l/z Uhr, im Lokal„Marienbad�, Badstr. Z3/3K: Oeffentl. Versammlung aller t« der Lederfabrikation beschäftigten Arbeiter(Weiftgerber, Lohgerber, Lederzurichter, Färber und Berufsgenossen). Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Bericht der Agitationskommission. 3. Wahl von drei Revisoren zur Abrechnung des Bertrauensmannes. 4. Wahl von Stell- vertreten: zum internationalen Sekretariat. 5. Gewerkschaftliches. 107/3* Der Vertrauensmann. Orts> Krankenkasse für das kolvsekmielle-keverbe zn Berlin. Am Montag, den S8. Juni 1897, abends 8 Uhr „Dresdener Garten", Dresdenerstr. 48, aufterordentliche Generai- Versammlung sämmtlicher Herren Vertreter der Kassenmitglicder und Arbeitgeber. Tagesordnung: 1. Beschlussfassung über die Anstellung eines ständigen Hilfsarbeiters. 2. Entwurf eines Statuts für die auö. gesteuerten Kaffcnmitglieder betr. die Sicherung von Sterbegeld. 3. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Berlin, den 19. Juni 1897. Der Vorstand. I. A.: E. D a v i d s h ä u s e r, Vors., Elisabeihstr. 48 b. 2870b Mllsili-Vemn„Vorwärts". Das Sommernachts- Vergnügen findet am 28. Juni statt. Lejsentliihe ZchnjiNlichel'- Versammlung. Montag, den S 1. Juni. abends 8'/, Uhr, Alte Jakobstr. 83 im Gartensaaf. Tages-Ordnung: 1. Die freien Hilfs- Krankenkassen und die Vorlage zum Ortsstatut rcip. Bersicherungszwang. Referent Kollege E g e. 2. Verschiedenes. 2687b hlB. Die selbständigen Schuhmacher sind ganz besonders hierzu eingeladen. Berl.Dllinenllisr„Hllmonie" (M. d A,-S.-B.) 2691b* Uebungsstunde jeden Montag Abend 9 Uhr bei Babicl, Rosenthalcrstr. 87, sucht zur Aufführung der Lorelep Damen als Mitglieder. Meldungen zur Ausnahme in der Uebungsstunde. VerM d. Korbmacher für Berlin u. Umgegend. Montag, den 21, Juni, abendS 3>/. Uhr, Oranienstr. 81: Mitglieder-TersWinliing. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht Der Vorstand. �roklich's und Garten, Schönhauser Allee Rr. 161. Den werthcn Vereinen stelle mein Etablissement zu Festlichkeiten zur gefälligen Verfügung. 180 Personen. Musik frei._ 2661b Karton-Arlieiter! Morgeniprachc jeden Sonntag Bor- mittag bei Beltcr, Neue Königstr. 60. Kindtrivagen gröfttes Lager, billigste Preise, auch Xheilzahlung. bei V. Bolie, Oranienftrafte 3. Fspr.-AuitIV,U988 Tonn tag Bund der geselligen Ardeiter-Bereine tag. den SV. Juni 1837, bei Viernau, Schwedterstr. 33 24: Bundes- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Aufnahme neuer Vereine. 3. Bnndesangelegenheiten k. Die Billets vom Stiftungsfest müffen bis zu dieser Versammlung ab- gerechnet sein. Kaffeekochen, Tanz, Vorträge(Anfang 3 Uhr), Entree 10 Pf. Siftung präzise 7 Uhr. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 43 3 I. A.: P. Gent, Dresdenerstr. 107/8. Allitling! Putzer. AM«»«! iSontag, de» S1. Juni, nachm. 3 Uhr. bei Joel, Andreasstr. S1: Große öffentliche Verfammlung der Putzer Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Sitnationsbericht über unsere Bewegung und der Maurer in Deutsch- land 2. Fortsetzung der Diskussion über den am 9. Juni vom Gen. Litfin gehaltenen Vortrag über..Verkürzung der Arbeitszeit". Der Referent ist in der Versammlung anwesend. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. 134/20 Die Uohnkommlsslon. Ittif Mreilligll« der Zivil- Dewssmusidn Berlins«ind Umgegend. Umgegend. Dienstag, den SS. Juni, vormittags 10� Uhr, Neue Roftstrafte Nr. 3; „Englischer Hof. Mitglieder- V ersammlimg. Tagesordnung: 1. Bortrag des Herrn Grundmann, praktischer Naturhcilkundigcr. 2. Antrag Wagner. 3. Antrag Molitor. 4. Vereins- angelegenheiten.— Mitgliedsbuch und Karte legitimirt. 80/14 Zahlreichen Besuch erivartet__ Der Vorstand. Zentral-Verband der Nandels-, Transport- u. Rerkehrsarbetter Deutschlands VerwaltnngsfteUe Berlin. Heute, Tonntag. den SO. Juni 1897, nachmittags 6 Uhr. in den „Arminhallen*, Kommandanten strafte SO: Außerordentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Rollkutscher Fckardt- Hamburg über; „Unsere Ziele". 2. Diskussion. 3. Urabstimmung über das Statut. Ausgabe der Plakate und Billets zum Sommerfcst am 18. Juli. Nachdem im grossen Saale: Geniüthliches Beisammensein mit Danz: auch steht uns der grosse schattige Garten zur Verfügung. 67/10 Um recht zahlreid)eu Besuch bittet Dir Ortsverwaltung. Achtung, Stuckntenre! Zlontag, den 21. Juni, abends 8 Uhr, bei Baske, Grenadterstr. 33: Livnenslvsi'ssmmlung. Tugcs-Ordnung: 173/20 1. Kassenbericht und Abrechnung. 2. Neuwahl des Gesammt-Vor- standes. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht__ Die Vorstand. Achtung! ffchiilpgclikr! Achtung! Montag, den 21. Juni, abends S'/a Uhr, im Lokale de» Herrn 8tabcrnack, Jnselstrafte Nr. 10: 283/7 Kombinirte Mitglieder- Versammlung des Vemils deutscher Schuhmacher lalle 3 Walen). Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Bevollmächtigten. KB. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass am Sonnabend, den 10. Juli, das 7. Stiftungsfest im Schweizer- Garten am KönigSthor gefeiert wird. Um zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. Berband deutscher Gold- nnd Silberarbetter und verw. Berufsgenosjen(Zahlftellr Berlins. Dienstag, den SS. Jnni. abends 8'/�»Hr. im Lokale Dresdenerstr. til: Oeneral-V ersammlung. Tages-Ordnung: 72/4 1. Vortrag. 2. Anträge zum Verbandstag. 3. Wahl von 2 Delegirten zu demselben. 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen sämmtlicher Mit- glieder nothwendig. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorstand. «eraniwortlicher Stedakleur: Angnst Jaeobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. ii. m. 2. Irilijf des ,|(it»5rts" Dtllim WsM-»>iq.s«.,''i«. Vorkninntlttngett. Eine Stndcttteiiversaiiimlung, einberufen von dein national- sozialen Redakteur v. G e r l a ch und den, Magistrats- Assessor S chmied er, tagte am Freitag in der„Tonhalie". Es mochten reichlich lo Personen, meistens Sludcnlen, aninesend sein. In seinem Referat unterzog dann Herr v. G e r t a ch die verschiedenen Amtshandlungen des Rektors einer sachlichen, aber entschieden ver» urtheilenden Kritik, die sich— wie der Redner ausdrücklich be- tonte— nicht gegen die Person, sondern gegen die amiliche Thälig- keit des Rektors richten solle. Der Redner bezog sich namentlich auf die Fälle, die auch unseren Lesern bekannt sind: das Verbot eines von deui Sozialwissenschastliche» Sindentenverein veranlaßte» Vortrages von Frl. Helene Lange, die Entfernung der Zeitschriften:„Sozialistische Monalshesle" und„Der sozialistische Student" aus der akademischen Lesehalle und dir Unterdrückung der Bewegung für Einrichtung studentischer' Ehrengerichte. Die Handlnisgsweise des Rektors, der in den angeführten Fällen seine Besngnisse überschritten habe, müsse die Studenten z» einem lebhaften Protest gegen dieses System der Bceinträchtigiing der akadeinischen Freiheit veranlassen. Wir wollen keine Vorrechte für die akademischen Bürger— so schloß der Redner unter lebhastem Beifall—, sondern deren volle Gleichberechtigung nrit anderen Staatsbürgern. Verschieden« Redner äußerten sich in gleichem Sinne. Genosse K a tz«» st e i n ivies nach, daß es den Strebern wohl möglich sei, die Erlalibniß zu Versammlungen zu erhalle». Man brauche aber diese Leute nicht um das Wohlwollen des jetzigen Rektorats zu beneide», und umgekehrt die Be- Hörden»idit um diese Schlitzgarde, welche, wie i» Charlotten- bnrg, sich sogar zu Spitzeldienste» hergebe.(Beifall.) Rur ein Redner— anscheinend vom Verein deutscher Studenten— machte der Versammlung das Recht streitig, über studentische Angelegenheiten zu spreche». Durch die Bemerkung, daß er im Namen aller anständigen Studenten gegen das Vorgehen der Versammlung protestire, rief der Redner einen ungeheuereu Ent- rüstlingsfturin hervor. Vom Bureau wurde folgende Resoliilion vorge- legt: Die von etwa 1000 Studenten besuchte Aersanmilnng legt mit aller Ebrerbielung aber mitgroßer EnIschicdenheitPrvtest ein gegen dieBevor- inundnngsbeslrebungen Seiner Magnificevz des Herrn Rektors, wie sie in dem Verbot des Vortrages von Frl. Helene Lange, der Ent- sernnng der sozialistischen Zeilschriften ans der Lesehalle und der versuchten Unterdrückung der Ehrengerichtsbeivegung zu tage getreten sind. Die Abstinimung über die Resolntion, au der sich nur immatriknlirte Slndente» betheiligen sollten, ergab die Annahme der- selbe»»iit etwa700gege»s5— SO Stimme» bei 9—10 Stiinmcnthaltuiigen. — Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf die Einrichtung studentischer Ehrengerichte. Tieselbe» sollen, wie ans dem Referat des Herr» S ch i» i e d e r hervorging, nicht etwa die„Ehrenhändel" der Herren Stiidenten schlichten»nd damit den Duellunfug aus der Well schaffe», sondern nur darüber entscheiden, ob der in seiner Ehre gekränkle Student in einem bestimmten Falle ein Duell an- nehmeu»»iß oder nicht, wodurch»ach Ansicht des Reserenten eine wesentliche Einschränkung der Duelle und mit der Zeit vielleicht eine Beseitigung derselbe» eintreten würde. Genosse Katzen st ein er- klärt, daß der ganze sogenannte Ehrbegriff, der dieser Bewegung zu gründe liege, Schwindel sei. Es seien Ueberreste einer Mittelalter- lichen Ritterlichkeit, die wie Spinniveben zerfallen vor den Idealen moderner Sittlichkeit, welche den Einzelmensche» erziehen zum Pflichtbewußtsein gegen die Allgemeinheit.(Lebhaster Beifall.) Die Ver- sammlung, die sich nach der sehr ausgedehnten Diskussion schon sehr stark gelichtet hatte, endete gegen 1 Uhr damit, daß sie sich mit den von einer zu diesem Zweck eingesetzten Kommission vor- gelegten Satzunge» für ein studentisches Ehrengericht im allgemeine» einverstanden erklärte. Charlottenburg. Eine außerordentlich gut besuchte öffentliche Versammlung der M a n r e r fand hier an» 17. Juni statt. Die Tagesordnung behandelte den Stand der Lohnbewegung. Hierüber berichtete Maurer Schulze, daß die Lage des Streiks seit dem 14. Juni als eine äußerst günstige bezeichnet werden kann. Es be- finden sich gegenwärtig in Berlin und Umgebung 017 Bauten lnit über 7000 Maurern. Davon ist auf 330 Bauten mit 4213 Maurern die Forderung von 00 Ps. Stundenlohn beivilligt, aus 218 Bauten mit 1224 Maurern arbeitete man noch für 5S Pf. und darunter. Streikende habe» sich 1073 gemeldet, auf 03 Bauten ruht die Arbeit gänzlich. Im Kontrollbezirk III.. Charlottenburg, befinden sich 74 Bauten. Von diese» wird auf 46 Bauten mit 001 Arbeitern 00 Pf. Stunden- lohn gezahlt, aus 4 Baute» beträgt der Stundenlohn 55 Pf. und darunter und auf 11 Bauten ruht die Arbeit. Redner legte den Streikenden ans Herz, iin Kampf auszuharren, damit der Sieg um so sicherer eintritt. Ferner theilte Redner mit. daß von feiten des sozialdemokratischen Stadt- verordneten Beyer an den Bürgermeister eine Interpellation ein- gereicht sei, die ans den Gemeindebauten die Anerkennung der tordernnge» der Maurer wünscht. Der Herr Oberbürgermeister r i t s ch e in Charlottenbnrg habe sich aber gegen ei» solches An- sinnen ausgesprochen. In der Diskussion schilderte sodann Stadt« verordneter Beyer die Verhandlungen über die Interpellation in» Gemeinderath. Snmintliche gegnerischen Parteien haben diese Forde». rilng abgelehnt. Wohl habe man für Luxusausgaben, wie gelegent« lich bei der Zentenarfeier, ans dem Stenersäckel 83 000 M. bereit gehalten, aber wenn es gilt, für die Arbeiter die Löhne ansbessenv dann sind alle einig in der Abiveisung solcher berechtigten An« spräche. Hoffentlich werden die Arbeiter den Herren im November, bei der Neuwahl zum Gemeinderath, die entsprechende Antwort geben. Mit dem Appell an die Anwesenden, geschlossen und einig den Streik siegreich zu Ende zu führen, schloß der Vorsitzende die imposante Versammlung. Berichtigung. Der Bericht der Berliner Manrerversammlun vom Donnerstag enthält einen Jrrthum. Es heißt an der Stellet „Ans 03 Bauten, darunter, die größten und bedeutendsten wie der Dom, Marstall nnd andere große Arbeitsstätten der Firma Held U. Franke sind die Forderungen anerkannt." Dies ist unrichtig! Es muß heißen: A u s 6 3 B a n t e» ruht die Arbeit voll» ständig, darunter die größten Bauten wie Dom, Marstall und andere große Baute» der Firma Held u. Frank«,. Frankel u. s. w. Zt»b,iter-Kit»>ive«sch,>I». Tie«tbltothit in der Nordtchule t) v n n» c» fl r 26, ist für die Miifllieder an folgenden Togen geöffnei: Sonntag«, vorminag« von lo-i», D i e n st ag« und F re i t a g«, abend« X« dl« 10 Uhr. Miigliedsbeilrüge Iverden an diesen Tagen tn der Nordschule entgegen» genommen, ebenso i» folgenden Zahlstellen: Eolisr. Schulz. Adiniralstr.«Oa, Schöning, Köpnickcrstr. 69; Neul, Barnimsir.«i: Babiel, Rosenihalerstr. 67! «Nelnert, Müllerstr. 7a: Burghause. Pulbuserslr. 32: Bianlenseld, Tlephanstr. 2«. Werner. Bülowsirabe 6!>: Grube, Marieudorserstraße 6:»aßler, Junlersiraße 1. ß. König«, Dieffenbachstr. 30. All» Zuschrifien sind an den Vorsttzenden Paul Mücke jr., 80. Man« teustelstr. 12«, Eeidsendungen an den tiasstrer H. König«, 8.»iessenbachstr. 30, m sende». Ardeiier Säi>«erd»»d Berlin« und Umgegend. Porst»iuder Ad. Neumann, Brunnen sir. 160. Wie Aenderuuge» im vereiniralinder stud zu richie» ast Friedrich K o r I u m. Manleusselsir.«9, 0.2 Tr. Ömtd der aeseiii««» Arbeiieruerei»« tSerlin» und der ztmoegend. vor» sihendcr P. Gent, Drebdenerstr. 107/108. Alle Zuschriste», den Bcrsi»«tal«nder deiresfend. sind au H. Bend ix, Rlexaudrinenstrabe loa, zu richte». Arbeiter-Ztauchrrdnxd KerUn» und der Dlmgegeud. Aenderungen im Veretnskalender sind zu richien an Hermann Brau II schweig. Dresdener» straße so. 2. Hof. � privat- Sheater- Kesellschaft..«r»,»". Moniag, den 21. d. M.. abend» 9 Uhr: Sitzung im Restaurant Nomack, Manienffelsir. 9. Kooma», Berei» für voiksihümiich« Wissenschaft. Bortrag de« Herrn WarschasSkn über„Unseic Slenographte" am Dienstag, den 22. Juni tSS?, abend» 9 Uhr, bei Henset, Brunnensir. 17«. ____ J Arbeiter-BildungsYerem Schöneberg, vii. stiftungs Fest am Sonnabend, den 28. Juni, unter Mitwirkung Slntr�e 85 JPffc, Großes Gorken Vonzerk in von den Gesangvereinen„Freiheit--.„Gerechtigkeit--. Friihlingslust--,„Froh Hoffnung-- nnb„Rothe Nelke-- Offene Kasse. Tanz frei. Kinder erhalten eine Dtocklaterne gratis. des*„Sehloss-Birauepei"« — Anfang 5 Uhr.— ,[15/4] Kasfeekiichc ist von 4 llhr an geöffnet. Dvr Voi-KtaiKl. Berliner Bock-Brauerei, Tempelhofer Berg. Sonnkog. dvn 4. Fnli: Grosses Sommerfest arrangirt von den Parteigenossen des Ä. Berl. Reichstags-Wahlkreises. (Reichhaltiges Programm.) Vok.al- u. Instrumentalkonzert. Sprziolikökrn�Throker. Vorftthrnng des Rlcsen-KincinatoKraphen Im kleinen Saale(hochkomlsch). —————— Die Kaffeekiiche ist--- von 3 Uhr an geöffnet. Anfang 4 Uhr. Programme gratis. Im großen Saale: 1'siize. 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Bon 5 Uhr ab: Grosses Tuiixkrilnschcn, veranstaltet vom Verein „Vorwärts". Herren, welche daran theilnehmen, zahlen 50 Pfennige nach. Bittet Äv Pf. Anfang 4 Nhr. 204/17* Der Vertpauensmann. Fachverein der Stellmacher Berlins und Omg. Honnabend, den 8. Juli er.: Grosser Soinineriiaeiits-BaU in der Brauerei FrieiirichShain, Am Königsthor. verbunden mit Instrumental- n. Vokal-Konzert sowie ynmoristische Borträg« unter Mitwirkung des Gesangvereins„Weltenruf", Mitglied des A-Ä.-B. MWWMW Anfang des Konzerts 4 Uhr. BIHHi Programme ä 25 Pf. sind im Verlehrslokal, Elfafferstr. 9, zu haben. Um zahlreichen Besuch ersucht 159/16 Tis Komitee. Charlottenlmrg, Heute, Sonntag, den SO. Juni: Konzert und Speziniitütcn-Vurstelliing. IBS Im Saale:«rosser Ball. 2 Nene kcgclvnhneii. Die Kaffee, kllche steht den werthen Gästen von 2 Uhr ab zur Bersllguug. Hierzu ladet ergebenst ein H. Wernicke. Nieder-Seliöiihaiiseit ft,w|l,�"en®.025.oucl Jeden Sonntag: Frei-Konzcrt. Großer Bull, kaffeeküche ö. Ltr. 00 Pf. 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Nachahmungen werde ich rücksichtslos verfolgen, a sos/e b. Berlin N. 15. Juni 1897. J. Garbäty-JRosenthal Cigaretten-Fabrik J> Garbäty. Roh-Tabak. Gröflte Auswahl Billigste Preise. ff. llrkermürker 66—80 Pf. Verst. ?. E. Platt& Söhne, Sniintiilt.Mr'SÄTS" Roh-Tabak (sclir preisw. Snmatrn's) Rud. Vöicker& Sohn, Köpnickcrstr. 45.* Bill. 2umatra-Tcckc!l. Vollblatt, schneew.Brand, mittel- u. hellsrb. 300 Ps. im\ Berstorff, Ren« Forme» 125 Pf. 1027C* Roh-Tabak en gros. en detail. Zeun& Ellrich. Nhcinsbergerflr. 07, nahe Brunnenstr. Rohtabak Ärösztc Auswahl! Billigste Ptrife! Guter Brand! Vorzügliche! Qualität! zuguch 2ämmtlichc zilbriflltioiis-iittiijllieil. (Nene Aarmcu. sehr gr. Ansiv. k 1,40 M.» Man verlange Preis- Verzeichnis. liUSL» Heittrich Franck, Nr. 185. Brunnenstr. Nr. 185. Rohtabake, größte Auswahl in Deettabalen. Neu« Formen von 1 M. all. 1488Ü» L. Cohn S Co., Roh-Tabak billigste Preise 163o8» Max Jacoby Strelitzerstrasse Nr. 52. Möbel auf Tlicilzalilung. 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