Ar. 14�. Wf 14. Jahrg. Absmemntts- Ktdlngmge»! Ate Inserlioils�CMHr Abonnement«-Pret» pränumerando: betrügt für dl« sechZgespaltene Kolonel- «ierteljührl. SLV Mb, tnonatl. l.ioMl., H|_�B H IL �B �B �B ff H ielle oder deren Raum tv Psg.. rvöchenlltch SS Psg. frei in« Hau». ���2|H �B �B M) �B �B �B M| �B �B I // verein«- und Bersammtungs-Anzeigen, Einzeln« Nummer S Pfg. Sonntag«» H �B H| �B �B �B H �B �B s_y H �B sowie ArbeitSmartt 20 Psg. Inserate Nummer tllustrtner Sonntag«» �B �B �B �B �B �B �B �B �B �B �B sür die nächste Nummer Beilage.Tie Neue Welt" 10 Psg. Post» ZS�M �B �HV ��B��BV �H\. B ��B��B t Uhr nachmittag» in der ElV°dtlion Abonnement:»LO Mart pro Quartal. �B yÄ' �fl abgegeben werde». Tie Expedition Eingetragen tn der Post- Zeitung«» �B I �B\. ��B>V y/ �B ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend«, Preisliste für lSS? unter»r. 74S7.—/� au Sonn- und Festtagen bis s Uhr Unter«reuzband sür Teutschland und(&A C y~\ �---- vormittag» geöstnet. Oesterreich- Ungarn 9 Marl, sltr da» �— V. � �- übrig««u»I-nd S Marl pro Mona,. �--'�—S Fernsprecher:«ml I, Dr. 1508. «sscheinl füglich nutzer»onlng». � � � � � � J � J..S�inldemokrnl Lrrlln". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ziedaktio»: 8V. 13. Neuty-Straße 2. Das Jubiläum der Mönigin Vikkoria und vis rnglifchvn Vivbeiter. ii. Fast größer noch als der ökonomische ist der politische und soziale Fortschritt, auf den die englischen Arbeiter heute gegen- über 1837 zurückblicken können. Damals waren sie im wahrsten Sinne des Wortes eine entrechtete Klaffe, denn die Reformbill von 1332 hatte einer Anzahl von ihnen das Stimmrecht ge- nommen und es ihren damals bittersten Gegnern gegeben. Im Parlament, in der Armenverwaltung, in der Genieindeverwal- tnng, in der Rechtsprechung— überall herrschte das Privilegium des Besitzes oder selbst der Geburt. Welch jammervolle Löhne viele der heut zur Aristokratie der Arbeit zählenden Berufs» kategorien damals bezogen, dafür führt Sidney Webb in seiner Abhandlung„I�abour in the Gongest reign"„Fabian Tract." No. 75) einige drastische Beispiele an. 1831 streikten die Kohlcuhäuer für einen Minimallohn von 30 Schillingen sür zwei Wochen bei zwölfstündiger Arbeitszeit. Heute beziehen sie denselben Lohn und mehr für eine Woche bei etwas über sechsstündiger Arbeitszeit. Aber neben diesen schlechten Arbeits- bedingungen hatte er sich außerdem über einen halbfeudalen Arbeitsvertrag zu beklagen, der ihn zum Hörigen des Gruben- besitzers machte, und dessen Jnnehaltung von den Friedensrichtern, die ausschließlich aus derKlasse der Besitzenden genommen wurden, unbarniherzig erzwungen wurde. Heute verhandelt� er kraft seiner Organisation mlt dem Unternehmer auf gleichem Fuße. An der Gemeinde, im Armenrath, im Friedensrichterkollegium, in der Schulbehörde, im Parlament ist er durch Mitglieder seiner Klaffe vertreten, und der höchste Beamte seiner Organi- sation war als solcher, bezw. weil solcher, Mitglied der Re- gierung des britischen Weltreiches. Es ist da»«in besonder» starker Kontrast, aber wenn auch erst nur zwei Gewerkschaften ihre Sekretäre zu Staatssekretären haben ernannt werden sehen, so haben doch viele ihrer Beamten öffentliche Ehrenstellungen. Da»„J. P."(Judge of the Peace--- Friedensrichter, die in England von den RegiernngZ-Statthaltern ernannt werden) steht hinter den Namen vieler Gc>oertschaftSbeamten. Der.Streikbruder" von ehedem ist ein Notabler geworden. Die Zahl der Arbeiter, die Mitglieder von Gemeindevertrewngen find, beläuft sich in England vielleicht auf einige Tausend. An Durham und Northumberland allein sollen bis zu 500 Arbeiter in Kirch» spiels» und Distriktsvertretungen sitzen. Das im Jahre 1334 geschaffene Armengesetz ward damals allgemein als eine Kriegserklärung der Bourgeoisie gegen das Proletariat ge- halten und war es auch in vieler Hinsicht, nicht ganz sechzig Jahre später hob«in Rtinister(der liberale Minister Fowler) mit einem Federstrich die Zensusqualifikation zur Wahl in die Armenräthe auf, womit diese wichtigen Behörden den Arbeitern geöffnet und unter ihre Kontrolle gebracht wurden. Keine Klaffenwahl verkürzt dem Arbeiter sein Stimmrecht in Ge- meinde-, Distrikts-, Grasschafts-, Schul- und Armenbehörde. Und während die Vorsitzenden der 1400 demokratisch gewählten Distriktsräthe kraft dieser Stellung Polizeirichter sind, sind die kraft anderer Amtsstellung ernannten Armenräthe ganz abgeschafft. Das Jahr, nachdem Königin Viktoria den Thron bestieg, sah die Gründung der Chartistenpartei. Nicht alle Punkte der Charte sind verwirklicht, und von einigen, wie die Forderung alljährlicher Parlamentswahl, kann man sagen, daß es nicht schade darum ist. Aber das wichtigste aus der Charte ist so ziemlich erreicht: daS Wahlrecht zum Parla- ment ist für die große Mehrheit der englischen Arbeiter kein frommer Wunsch mehr. Ob sie den rechten Ge- brauch davon machen, ist eine andere Frage, aber daß die englische Gesetzgebung heute unter dem Einfluß des Arbeiter- votnuis steht, zeigt sich bei jeder Gelegenheit. Als sich vor kurzem ein Kohlenmagnat deS Nordens, Lord Londonderry, in einem offenen Briese darüber beschwerte, daß die Regierung bei Berathnng des Unfallentschädigungs- Gesetzes nur auf die Stimmen der Arbeiter gehört habe, antwortete ihm ein konser- vatives Blatt, das nicht sür die Maffen geschrieben wird: „Als ob unsere Gesetzgebung überhaupt noch etwas anderes sei als Gesetzgebung für die Arbeiter.� Da» ist übertriebe», aber trifft doch die Tendenz. So lvichtige politische Umgestaltungen jedoch die Regierung der Königin Viktoria gesehen hat, in einem Punkte hat sie die Verfassung des Landes in den sechszig Jahren praktisch un- verändert gelassen: in der Stellung der Königin, bezw. der Dynastie zur Regierung. Die große demokratische Umwälzung hat an der monarchischen Regierungsform nichts geändert und auch vorläufig keine starke Agitation aus Aenderung derselben hervorgebracht. Im Gegentheil. Seit der letzten großen Wahl- reform ist die republikanische Agitation, die es bis dahin gab, rasch abwärts gegangen und heute fast erloschen. Wohl giebt es Republikaner in England— die englischen Sozialdemokraten sind es im Prinzip alle— aber keine republikanische Agitation, die der Rede werth wäre. Vielleicht erklärt sich dies daraus am besten, daß England zn drei Vierteln heute eine Republik ist. Freilich eine ilicpnblik mit dem Großherzog— in Gestalt einer erblichen Dynastie— an der Spitze. Aber diese Dynastie regiert nur formell von Gottes-, lhatsächlich szedoch von Parlaments- Gnaden. Und heute ist da» Parlament Vertretung der Dienstag» den 22. Inni 189�. Demokratie Englands. So ist der Fortbestand der monarchi- schen Spitze eine reine Sache der Zweckmäßigkeit geworden. Sie hat ihre großen Schattenseiten, das weiß jeder, aber sie erscheinen nicht groß genug, um ernsthaft Kräfte für ihre Er- setzung durch eine Präsidentschaft aufzuwenden, die auch nicht ohne ihren Revers ist. Namentlich in einem Lande mit so großem Kolonialbesitz, mit so bedeutenden auswärtigen Jnter- essen wie England. Eine ernsthafte republikanische Agitation in England müßte zugleich für Ablösung aller außereuropäischen Besitzungen vom englischen Staat eintreten. Davon will aber die Masse der Engländer vorläufig nichts wissen, und darum halten sie an der Dynastie fest. Man muß nun nicht glauben, daß die Königin nur nominell regiert, nur ein lebendiges Ornament der Regierung sei. Ihre Vollmachten und Aufgaben sind noch immer be- deutend. Sie ernennt die Gesandten, das höhere Personal im diplomatischen Dienst und bestimmt über die Besetzung der höheren Posten in Armee und Marine, sowie in der Staats- kirche. All das nach Berathung oder Verständigung mit den bestehenden Miuistcrn, aber da die Ministerien wechseln und die Königin bleibt, ist ihr Einfluß hier der größere; ein Minister wird sich lange besinnen, ehe er es nm einer Besetzungsfrage willen auf einen Konflikt ankommen läßt. Die Königin kann kein Gesetz erlassen, das nicht die Znstimmnng des Parlaments erhalten hat, und wird sich schwerlich bei- kommen lassen, von dem ihr formell zustehenden Recht der Ab- lehnung von Gesetzen— dem Veto— Gebrauch zn macheu, wenn diese die Zilstimmnng beider Häuser erlangt haben; aber eine unzählige Masse von Regierungsakten, die ans grund der Gesetze nöthig sind, werden in letzter Instanz von ihr voll- zogen und unterstehen ihrer Zustimmung. Sie hat sehr viel mehr zu thnn als nur zu rcpräsentiren, und kann daher innerhalb der ihr von, Gesetz und Herkommen gezogene» Schranken noch sehr viel Einfluß im Guten oder im Bösen ausüben. Es herrscht die Ueberzeugung vor, daß auf die Königin Viktoria das erstere zutrifft, daß sie im allgemeinen von ihren Rechten einen diskreten Gebrauch gemacht, und es mit ihren Pflichten immer peinlich gewissenhaft genommen habe. Niemand kann ihr vorwerfen, daß sie sich übermäßig vordränge und selbst die Gegner ihrer Dynastie räumen ihre Tüchtigkeit ein. So fehlt das Bedürfniß, ihr Rcgierungsjubiläum zu Demonstrationen zn benutzen, die sich gegen ihre Person richten. Die paar Blätter, die einen Sport daraus machen, die Königin und ihre Familie zu beschimpfen, werden mit recht verachtet. Die Jrländer haben denn mich ihre Znrnckhaltnng von der Jubiläumsfeier lediglich mit dem Hinweis auf die ihrem Lande noch vorenthaltenen Rechte begründet, aber ausdrücklich betont, daß ihr Protest sich nicht gegen die Person der Königin richte. Insofern es sich bei der Jubiläumsfeier nur darum handelt, das nun einmal kraft Parlamentsbeschluß zu recht an seinem Platz stehende Staatsoberhaupt zu ehren und den während der Zeit der Regentschaft erzielten Fortschritt des Landes zu würdigen, könnte selbst vom demokra- tischen Gesichtspunkt aus wenig dagegen eingewendet werden. Und so erscheint die Feier der großen Masse des engtischen Volkes. Aber sie hat auch ihre Kehrseite. Wie von sozialistischer Seite schon betont wurde, ist sie gleichzeitig eine Feier des Imperialismus, des MilUarisnuis, des Jingoismus. Daß sie um seinetwillen inszenirt wurde, ist vielleicht übertrieben, daß sie von ihm oder für ihn ausgenutzt werden wird, unzweifelhaft. Für die Masse verwischt sich das, um so größer das Verdienst derjenigen, die es sich angelegen sein lassen, ihr dies in eindrucksvoller Weise zum Bewußtsein zu bringen. politische Vebevlrcht. Berlin, 21. Aitni. Der nationallibcralen Partei ist morgen, am Dienstag, noch einmal Gelegenheit gegeben, dem Spiele, das die konser- vative Reaktion mit ihnen, mit dem Abgeordnetenhause, mit dem preußischen Volke zu treiben sich herausnimmt, ein Ende zu machen. Die Konservativen haben dem Gesetz- entwurf, der von der Recke- lex übrig geblieben ist, aus- drücklich nur deshalb ihre Zustimmung gegeben, weil fie durch die Hinauszögerung der Angelegenheit doch noch eine ür sie günstigere Situation erhoffen. Es ist sicher, daß sie diese Bosheitspolitik morgen forttreiben werden. Man kann es ihnen eigentlich auch nicht verdenken. Jammervoll ist es nur, daß die Nationalliberalen ihnen die Aufführung dieser Farce gestatten, daß sie in ihr die Haupt- rolle mitspielen... Die Nationalliberalen wissen, wje heiß das Feuer brennt, an dem sie spielen. Schow morge» wird wieder ein Hangen und Bangen sein, ob nicht die vereinsrechtvernichtende Rechte einige Stimmen mehr sammelt als ihre Gegner. An ganz wenigen Stimmen hängt ja' das Schicksal de? preußischen Ver- einigungsrechts nach wie vör. Ausgeschlossen aber erscheint es auch, daß die Regierung sich mit dem Gesetzentwurs,.' wie ihn die Nationalliberalen ge- staltet haben, mit der Vernichtung des Vereinigungsrechts der Minderjährigen sich befriedigt erklären wird. Wenn also die Nationalliberalen wiederum sür den Entwurf stimmen, so ist (jLpedUhm: SW. 19, Alenty-Slraße 3. die Folge, daß diese elende st e aller parla men- tarischen Possen fortgeht, diese Posse, die so leicht zu einem überaus tragischen Ende führen kann. Die„P o st" meint zwar, das Herrenhaus würde die Vorlage sofort ablehnen und sich nicht erst viel Mühe machen, da es doch aussichtslos sei, die ursprüngliche Fassnng oder etwas ähnliches endgiltig durchzubringen. Werden sich die Nationalliberalen durch solche Lockungen bethören lassen? Wenn die Konservativen so dächten, wie die„Post" vor- schwatzen möchte, warum stimmen sie denn nicht morgen gleich gegen den nationalliberalen Entwurf? Wenn die Nationalliberalen sich nicht entschließen können, jetzt endlich„das grausame Spiel" abzubrechen, so vermehren sie das Mißtrauen, das ihre Haltung in dieser Frage schon längst erweckt hat, weiter gewaltig und laden eine übergroße Verantwortung ans sich. Und wie ist es schließlich mit den verfassungs- rechtlichen Bedenken? Kein Ziveifel mehr, daß das ganze vom Abgeordnetenhanse eingeschlagene Verfahren wider die Grundbestimmungen der Staats- Verfassung verstößt. Nationalliberale Blätter haben dies selbst zugestanden. Diese Frage muß morgen angeschnitten werden. Was wird Herr Schönstedt dazu sagen? Kurzum, wenn die Nationalliberalen auch nur ihr eigenes Partei-Jnteresse wahren wollen, so haben sie morgen nur den einen Weg: Fort mit dem ganzen Plunder!— Die Krise staguirt. Von der„Norddeutschen Allge- meinen Zeitung" wird diese Versuulpfuilg in nachstehender Notiz gelueldet: „An die Thatsache der Berufung des Herrn Finanzministers von Wiesbaden nach Berlin wie an das Gerücht, daß Herr Slaatsminiiier v. Böilicher beabsichlige, vom Reichsamt des Innern zurückzutreten, werde» in der Presse die mannigfaltigsten Berumlhungen gelniipft, welche den Ereignissen weit vorgreifen. Eine Würdigung im einzelnen hatten wir zur Zeit für unnöthig, solange' der thatsächliche Boden dazu fehlt. Nur das eine möchte» wir schon jetzt zurückiveisen, daß Fürst Hohenlohe beabsichtige, sich auf den„Altcntheil der ans- wärligen Angelegenheiten" zurückzuziehen, die ausschließliche Leitung der inneren Politik aber anderen Händen zu überlasse». So lange Fürst Hohenlohe Reichskanzler und Ministerpräsident bleibt, kann er sich der Leitung der innere» Angelegenheiten Preußens und des Reiches nicht entziehen. Eine selbständige Ver- tretung für die gesammte innere Politik Deutschlands und Pre ißens ist unabhängig vom Reichskanzler und Ministerpräsidenten»ach der Verfassung nicht zulässig." Wir sehen: Die Nachrichten, welche seit acht Tagen durch Presse und Publiknni lausen, werden nicht für falsch erklärt — es wird blas gesagt, daß sie„den Ereignissen vor- greifen." Mit anderen Worten, die Krise soll vertagt werden, vermuthlich bis der Kaiser von seiner— auf neun Wochen bemessenen— Reise zurückkommt. Verlängerte Krisen deuten auf einen geschwächten Organismus. Ob die Herren Bötticher und Marschall die mehr als muselmännische� Geduld haben werden, ruhig zu warten, bis Lukanus' bei ihnen vor- spricht, das ist allerdings abzuwarten. Gemildert wird beiläufig die Krise nicht durch die Ver- tagung oder künstliche Hiuausschiebung. Und der Reichstag und der preußische Landtag, die beide morgen wieder zusammentreten, bringen vielleicht diese und jene Ueberraschung. Jedenfalls ist die Krise auch nur formell, nicht thatsächlich vertagt. Thatsächlich dauert sie fort; thatsächlich wird unter- irdisch und hinter den Kulissen weiter gewühlt und weiter gebalgt; thatsächlich spitzen die Gegensätze sich mehr und mehr zu; und thatsächlich knoten die Fäden sich immer hoffnungs- loser zusammen, so daß eine Entwirrung von Tag zu Tag schwieriger wird.— Der Gönner und Held der Tansch und Kousorte» freut sich unbändig über die Wendung gegen den Umsturz in ver Bielefelder Kaiserrede. Mit dem Triumph seiues Tausch sieht er seinen Weizen schon blühen; und in seinem Miquel sieht er sich selbst wieder im Besitz der Reichskanzlei und Haus- meierei. Nun— wir gönnen dem nationalen Heros des Landesverraths sein patriotisches Vergnügen;— bemerkt sei ihm aber, waS unser französisches Bruderorgan schon vorgestern, bei Ankündigung der Miquel-Aera in gleichem Sinn nur mit etwas anderen Worten aussprach:„Mit dem wilden Bis- marck ist die deutsche Sozialdemokratie fertig geworden— mit dem zahmen wird sie auch fertig.— Die Handwerkerborlage wird den Reichstag morgen in dritter Lesung beschäsligen. Von de» Zünftlern sind die Abgeordneten, die zu den Freunden der Vorlage zählen, dringend aufgefordert worden, in der Sitzung zu erscheinen, damit nicht durch eine Beschlußunfähig- keit des Parlaments daS Zustandekommen des Gesetzes gefährdet wird. Sonst scheint man von dieser Seite nicht die Absicht zu haben, noch bedeutsame Aenderungen zu verlangen, denn die rechts stehende Presse hat bereits empfohlen, auf dem Boden der Beschlüsse ziveiter Lesung stehen zu bleiben. Der grundlegende Paragraph der Vorlage(§ 100) ist in zweiler Lesung nahezu in der Fassung der Regierungsvorlage wieder her- gestellt. Die Bildung der Zwangsinnung ist danach von der Zu- stimmnng der Majorität derjenigen Gewerbetreibenden, welche das gleiche Handwerk oder verwandte Gewerbe betreiben, abhängig. Ein« Aenderung gegenüber der Regierungsvorlage ist nur in sofern zu verzeichnen, als der Kreis der Gewerbetreibenden enger gezogen werden kann, indem diejenigen von der Abstimmung ausgeschlossen werden, die der Regel nach ivedcr Gesellen»o.y Lehrling« beschästigen. In diesem Fall sollen sie natürlich auch l ein VcitUtt�zn'aiig nicht»»terworfc» sein. Tie Kommissio» wollte be- kunitlich hie Errichtung der Zwaugsiiiiiuugen neben- dem schon ern'ä,)»t«n Ntodns der Zlbstinnnung auch dem freien Ermesse» der oberen Berivnltungsbehörde überlassen. Dieser Versuch scheiterte an der sebr entschieden ablehnenden Haltung der Regierung. Je nach der Bildung solcher Zwangsorganisationen kommen eine Reihe von Einrichtungen in Gefahr, deren Fortbestand für die Arbeiter von Bedeutung ist. Zunächst kann die Thätigkeit der Geiverbegcrichle durch die Bildung von Jmumgs-Schiedsgerichtr» sehr eingeengt werden, eine Beftimmuna, gegen die sich mit recht der Ausschuß des Kiesigen Gewerbegerichts in einer Petition an den Reichstag gewandt hat. Nicht minder gefährdet sind die Orts Krnnkenkasscn. die durch Bildung von Jnnungs-Krankenkassen in ihrer Mitgliedcrzahl so weit herabgesetzt werden können, daß ein er- folgreichcs Wirke» ausgeschlossen erscheint. WaL es bedeutet, wen» sich Arbeitsnachweis nnd Herbergswescn in den Händen engherziger Zünftler befinden, braucht nicht erst auseinandergesetzt zu werden. In der Beziehung bildet die Vorlage auch für die Arbeiter schwere Schädigungen, denn ihre Vertretung innerhalb dieser Organisatioue» hat sich zu einer ganz einflußreichen gestaltet. Einen Anlauf zun, Befähigungsnachweis hatte die Kommission in der Be- stimmung versucht, daß voui Jahr« ILO» nur denjenigen Meister» das Halten von Lehrlingen gestattet werden sollte, die eine Meister- Prüfung bestanden haben. Diese Bestimmung wurde in zweiter Lesung gestrichen. In betreff des Lehrlingswesens sind keine Garantien geschaffen, die eine Besserung des bisherigen Zustandes erwarten ließen. Wir haben deshalb für den Arbeiterstand nicht eine Bestiiumung in der Vorlage, die ihm sympathisch erscheinen könnte; für den Handwerker wird die Vorlage eine schwere Täuschung bringen. In Kirchheimbolanden sind die Gräber der Freibeits- kämpfer, die daselbst im Juni 1849 im Kampf gegen die von de», späteren Kaiser Withelm, damals Prinz von Preuße», befehligten Truppen fielen, auch dieses Jahr— wie regel- mäßig seit etwa 15 Jahren— von Freiheitsfreunden unter einer passenden Ansprache feierlich bekränzt rverden. Die Zahl der Bürger, die sich bei dieser Gelegenheit einfinden, schrumpft von Jahr zu Jahr mehr zusammen, während die Zahl der Arbeiter rmmer zunimmt. Für übernächstes Jahr— ein halbes Jahrhundert nach der Reichsverfassungs-Kampagne — werden in Baden und der Pfalz Gedenkfeiern im größeren Slil für die in und nach jenen Kämpfen gefallenen und ge- standrechteten Blutzeugen der deutschen Freiheit und Einheit geplant.— Die sechste Znsanimenknnft der Botschafter in Kon- stantiuopel hat, wie berichtet wird,„einen befriedigenden Verlauf" genommen. Die beabsichtigte Grenzberichtigung geht bis Metzowo und giebt der Türkei eine militärisch vorzüglich gesicherte Grenze; dieselbe nimmt Griechenland kein be- wohntes Gebiet, mit Ausnahme eines kiitzo-rvallachischen Dorfes. In diplomatischen Kreisen besteht die Meinung, daß, falls nicht unerwartete Weigerungen von der einen oder der anderen Seile erfolgen, ein baldiger Friedensschluß zu erwarten sei. Schrvierigkeilei, seien nur bei der Durchführung der Friedens- bedingnngen bezüglich der Räumung Thessaliens und der Zahlung der Kriegsentschädigung vorauszusehen. Also thatiächlich scheint man nicht von der Stelle zu kommen. Angesichts ihrer traurigen wirthschaftlichen Lage hat sich die griechische Regierung au die Mächte gewandt, sie möchten in ibrer Fürsorge auf die Existenzfrage des kleinen Königreichs selbst Rücksicht nehmen und jeden Gedanke» an ein« Kriegsentschädigung aus- scheiden, da die Türkei den Krieg Hervorgerufe» nnd der russische Minister des Aeußern in seine,» Rundschreiben erklärt habe, keiner der Kriegführende» solle materiellen Vortheil aus seinen Siegen ziehe».— Dentsches Reich. — Von allerlei Aemterschiebungen will die „Staatsbürger-Zeilung" wissen. Der Staatssekretär Dr. Nieder- ding, der Vertreter des seligen„Umfturzgesctzes", soll wegen eines Augenleidens von seiner Stelle zurücktreten. Sein Ersatz- mann soll Dr. Künzel, Ober-Landesgerichts-Präsident in Maricnwerder, werden. Der Oberstaatsanwalt Drescher, dem Herr v. Tausch so sehr zu Da»! verpflichtet ist, soll nach Posen an das Oberlandgericht kommen nnd durch de» Ersten Staatsanwalt beim zweiten Berliner Landgericht Lademann ersetzt wer- de». Ferner— und diese Nachricht ist sehr auffallend— soll Dr. Kayser, der Ex-Kolonialdirektor, seinen Poste« als Senatspräsident beiin Reichsgericht schon wieder verlaffen und als Nachfolger des Geh. Raths Persius Präsident des Ober-Ber- waltmigsgerichts werde». Wie weit diese Mittheilungen richtig sind, wird sich ja bald herausstellen.— — Die Kaiser rede und die Verhinderung des Nachbarn an freiwilliger Arbeit. Der Echlußpaffus der Bielefelder Kaiserrede droht, wie mrtgetheilt wurde, mit „schwerster Strafe demjenigen, der den Nachbar au freiwilliger Arbeit hindert". Die„Kölnische Zeitung" und andere Blätter haben nun wohl mit recht gemeint, daß diese Worte des Kaisers durch den Serade in Bielefeld herrschenden Maurer- und Zimmerer- teil verursacht worden seien. Hierüber läßt sich die Bielefelder „V o l k s w a ch t" wie folgt aus: „Wen» die„Köln. Ztg." noch hinzusetzt, daß dieser Streik unter sozialdemokratischer Leitung mit dem größten Terrorismus geführt wird, so ist dies eine ebenso wohlüberlegte, als schamlose Lüg«. Der Terrorisinus ist einzig auf seit«» der Meister, das hat die von uns erst kürzlich beschriebene schwarze List« der Streikenden deutlich gezeigt..,. Was aber die Aeußeruug des Kaiser? zum Streik der Maurer und Zimmerer betrifft, so wissen wir ganz genau, daß der Kaiser über denselben bei den Arbeitern keineErkundigungen eingezogen hat. Er hat also nur« i n e S Mannes (der Meister) Rede gekört, ei» altdeutsches Rechtsfprichworl lautet aber: Eines Mannes Rede ist keine Rede, man soll sie hören alle Beede. Da der Kaiser dies nicht aethan hat, ist es ganz natürlich, daß er es als feststehende Thatsache betrachtet, in Bielefeld gäbe es Leute, welche den Nachbarn an der freiwillige» Arbeit hindern, nnd zur schwersten Bestrafung derselben auffordert. Schwerste Strafen ist die Arbeiterpartei von jeher gewohnt, i» diesem Falle dürste aber von einer Bestrafung nicht die Rede sein können, weil ein- gesetz- widrige Arbeitsverhindernng Arbeitswilliger nicht stattgefunden hat. Darüber werden ja preußische Richter zu entscheide» haben, deren Unabhängigkeit bisher stets als ein Juwel des preußischen Staates von den Ordnungsstützen gepriesen worden ist. Die Arbeiter möchten wir aber noch ganz besonders auf de» goldenen Spruch der Hohenzollern suuva �cuiguo(Jedem daS Seine) hinweisen. Mögen sie nicht nachlassen in dem Kampfe gegen daS Unternehmerthum, damit ihnen endlich das Ihre zu theil wird." — Z u der Kölner Kaiserred« schreibt man der„Freis. Zeitung:„Die Rede führt an, daß am Fuße des Standbildes Wilhelm l. man auf einer Seite de» Meergott mit dem Dreizack in der Hand sehe. Der Kaiser nahm daraus Anlaß. ans die Nothwendigkeit einer starken Macht zur See hinzudeuten, und folgerte aus der Anbringung des„Dreizacks in unserer Faust" daS besondere Verständnrß der Kölner Bürgerschaft dafür. Nun stellt aber die betreffende Figur gar keinen Meer- g o t t dar, sondern den friedlichen alten Vater Rhein, der neben dem Dreizack freundlichen Traubenschmuck trägt und seit alter Zeit schon auf den meisten rheinischen Standbildern zu sehen ist." — Gegen die preußische BereinSgesetz-Novell« spricht sich in einer längeren Abhandlung, die als Sonderabdruck ans dem Brau n'schen„Archiv" erscheint, der bekannte Braun- schweizer Landgerichlirath W. K u l e in a n n au?. Nachdem er das gegenwärtig bestehend« deutsche VereinS- und versammlungsrecht dargelegt hat, geht er zur Kritik der lex Recke über. Er spricht sich eingehend über die Art ans, wie die Zusage des Reichskanzlers ein- gelöst worden ist. Er kommt zu dem Resultat, daß die Vorlage der Regierung objektiv einen Wortbruch darstellt>wd daß sie zu einer Beeinträchtigung des Reichsgedankens sübten nrnsse. Besonders bemerkenswerth sind die abschließenden Aus- sühningen des Verfassers. Nachdem er nachgewiesen, daß sich hinler den Worten„öffentliche Sicherheit" und„öffentlicher Frieden" nur der Gedanke verlrage, die Auflösung der Bersamm- l u n g e n dem subjektiven E r m e s s e n j e d« S P o l i z e i- b e a m t e» a n h« i n> z n st e l l e u. führt er aus: „Aber wenn man das beabsichtigt, weshalb spricht man es dann nicht auch offen aus? Wahrscheinlich, weil man davon einen schlechten Eindruck befürchtet. Man zählt also auf die- jenigen, die sich bei klarer Einsicht gegen eine solch« Borschrift auflehnen würden, die aber solche Einsicht nicht besitzen, das heißt also, man macht sich einerTäuschungschuldig. Nun kann man von den Abgeordneten ja kaum annehmen, daß ihnen jene Einsicht fehlen sollte, aber man will doch auch Rücksicht nehmen ans deren Wähler und das Volk im allgemeinen, und so gelangt man zu einer Formel, deren Tragweite den Beiheiligte» freilich klar ist, aber außerhalb ihres Kreises nicht allgemein ver- standen wird. DaS nennt man politisch« Heuchelei. Und wie Heuchelei stets ein Unrecht ist, so wird dies nicht dadurch geändert, daß man mit derselben einen Zweck versolgt, den man für gut nnd nothwendig ansieht. Haben wir bei den vorstehcnden Erwägungen wieder das sittliche Gebiet berührt,—- wie ich denn mit voller Absicht gerade dieses aussuche, weil eS ein allgemein verbindliches sein sollte, während politische Gedankengänge nur diejenigen beeinflussen könne», die ihre Grundvoraussetzung zugeben—, so liegt auf diesem Ge- biete endlich noch ein fernerer Gesichtspunkt, der in der öffentlichen Besprechung bisher noch kaum betont ist. Ich wies oben auf die Gefahr hin, der wir entgegen gehe» würden, wenn man sich daran gewöhnen uiüßte, Zusagen und Erklärungen staatlicher Faktoren nicht mehr mit dem Maßstabe der sittlichen Gesetze z>� messen, aber waS dort Über die staatlichen Faktoren gesagt ist. gilt nicht minder, wenn die Gesetze, die einen Niederschlag ihres Willens ent- halten, nicht mehr eine Norm bilden, ans die man sich verlassen kann, sondern eine Wetterfahne, die sich dreht je nach der Richtung des zur Zeit herrschenden Windes. Glaubt man ohne«ine gewisse Freiheit des Ermessens für die Behörden nicht auskommen zu können, so gebe man ihnen offen diese Freiheit, wie sie z. B. dem Richter bei der BeweiSmürdtgung, bei der Schadensbemessnng und in andere» Fällen eingeräumt ist. Aber man g e b« n i ch t statt eines Gesetzes eine Kulisse, sonst gewöhnt man das Boll daran, in de» Gesetzen überhaupt nur Kulissen zu sehen, die man nach Belieben hin und her schiebt. Das zerstört nicht allein die Autorität der Gesetze, fondern das greift tiefer und untergräbt das Gefühl für Recht und Unrecht. Kautschukgesetze sind gewiß schon zu verurtheileu als Beeinträchtigungen der Freiheit und Rechts- sicherheit, aber diese politische Bedeutung ist völlig ver- schwindend gegenüber der Gefährdung unserer sittliche» Kultur. Mögen die berufene» Instanzen sich ihrer Verantwortung bewußt werden, die sie hinsichtlich dieses edelsten Gutes unserez Volke? übernehmen."— — Protestversammlungen, welche stark besucht war«», fanden statt in E s s e n» R ü t t e n s ch e i d. Noithausen, woselbst Genvsse Lütgenau sprach. Eine Versammlung in Werden a. d. Ruhr konnte nicht stattfinden, da der Wirth in letzter Stunde da? Lokal zurückzog. In F r e i b u r g i. Br. sprach Genosse Geck vor«— 700 Personen.— — AlS Nachfolger Dr. Bödiker's wird„in ein- geweihten Kreisen", wie die„Voss. Ztg." wissen will, der Geh. Ober- Regierungsraih CaSpar aus dem NeichSaint des Innern in erster Linie genannt. Easpar ist vor einigen Jahren ständiges Mitglied de? Reichs- Berstcherungsamts gewesen und bearbeitet gegenwärtig die Versicherungsangelegeuheiten im Reichsamt deS Innern.— — D i e Ernennung Dr. Rein hold's zum außerordent- lichen Professor der Universität Berlin wird vom„ReichS-Anzeiger" mitgetheilt. Willkommen Herr Sozialistentödter! •— Das„Margarine-Gesetz" ist nunmehr amtlich ver- üffentlichl worden. Die Bestimmungen dieses Gesetzes treten am 1. Oktober d. I. in krast. abgesehen von K 4, welcher die getrennten Räume für Herstellung nnd Verkauf von Butter und Margarine fordert. Dieser Paragraph tritt am l. April ISSS in kraft. A»S Hamburg wird geschrieben: Infolge des Margarine- Gesetzes hat der größte Konsumverein Norddeutschlands, der hiesige «Verein zur Vertheilung von Lebensbedürfnissen von I8bS" beschlossen. den Verkauf von Butter ganz einzustellen. Der Verein besitzt L2 000 Mitglieder und zehn Verkaussläden in den Ar- beitervierteln in Hamburg. Ob die Landwirche viel Freude an den Folgen ihrer Gesetz- gebung haben werde»?— — Die kleinen Pfarrer gegen den hohen KleruS. Die katholischen Geistlichen sind vielfach sehr unzufrieden mit ihren Oberen, mit dem Kirchenregiment, daS mit der Zentrumspartei auf gutem Fuße steht. Die Beschwerden richten sich hauptsächlich gegen die besonders in Süddeutschland häufigen Maßregelungen von Geistlichen, die gegen daS Zentrum Politik treiben. So fordert z. B. ein Geistlicher im„Anzeiger sür die katholische Geistlichkeit Deutschlands", indem er gegen daS Zentrum. das „seine Miltaashöhe überschritten" habe, polemiflrt. daß ein besonderes Organ gegründet werden solle.„Wenn wir 10 000 Seelsorger, heißt es da, uns einigen und der Kuratel entwinden, die in xolltiois vielfach uns zugemuthel wird, so bilden wir mit dem Volke hinter unS eine lsxio triaria(etwa; mächtiger Heerbann), mit der gerechnet werden muß." Weiter heißt es:„Was da und dort ein Kirchenbureaukrat sich an Bevormundung erlaubt, dürfte in Zukunft sich nicht mehr wiederholen, wenn der KleruS durch ein entsprechendes Organ das nöthige politische Selbstbewußtsein erlangt hat." So mehren sich die Zeiche», daß«S im Zentrum knistert und kracht.— — Vom Volkshochschulwesen. Der Volkshochschul« Verein München veröffentlicht den Bericht über sein erstes Ge- schästsjahr. Der Verein wurde am 21. Dezember 18S6 gegründet nnd es traten ihm sofort 76 Dozenten der Universität und deS Polytechnikums als lehrende Mitglieder bei. Sie wurden in vier Sektionen eingelheilt: eine naturwissenschaflliche, ein« medizinisch«, eine lechnifche und«ine Sektion für Gcifteswissenschaften. Der Verein hat von vorneherein ans jede StaatSnnterstützung in Geld verzichtet, aber auch die erwartete unentgeltliche Benutzung staat- licher Hörsäle für seine Vorlragskurse wurde ihm vom Ministerium rundweg abgeschlagen. Vom 1. Februar biS IS. April 1897 fanden zehn Vortragskurse statt, an welchen sich inSgesammt 1440 Personen mit 8908 Anmeldungen zu de» einzelnen Kursen betheiligten. Nach Berussarten gliedern sich die theilnehmenden. bezw. zu den einzelnen Kursen angemeldeten Personen folgendermaßen: ShcUnehmende BethetNaung Personen mit Anmeldungen I. Kanfleuke nnd Bankbeamte... 1b,70 12,90 S. Technisch« Berussarbeiten und Fa- brikanten........ 8. Beamte........,. 4. Offiziere und Militär.,,, S. Gelehrte Berufsarten.,.,, 6. Künstler und Kunsteleven.»! 7. Schriftsteller, Redakteure ,e.,. S. Lehrstand 9. Studirende.... 10. Rentner, Privatier?, 11. Handwerker, Arbeiter« 12. Damen ohne Beruf 7,08 v,77 1.94 2,29 8.47 1.81 v.77 7.70 0.97 29.72 17.73 v.0S 5.48 2.07 2,28 2.03 4.17 3,79 S.SS l.77 48,10 10,82 Die Zahl der fördernden Mitglieder betrug dagegen nur 67. die einmaligen Leistungen derselben 44dl M.. die wiederkehrenden Jahresbeiträge der fördernden Mitglieder belaufen sich aus 692 M. Der Besuch der einzelnen Vorträge war sehr gut und die Hörer folgten den Ausführungen der Vortragenden mit großer Aiifmmsmn- keit, worüber sich alle Vortragenden mit größter Anerkennung äußern. Bemerkenswerth erscheint besonders auch der zahlreiche Besuch der Kurse seitens der Arbeiter nnd Handwerker, sowie des weiblichen Herr v. Stumm und seinesgleichen" dürfte rechte Freude an dem Gelinge» der Bolkshochschul-Bestrebungen haben!— — Gotha, 20. Juni.(Eig. Bericht.) Die Regierung hat in Konsequenz deS zweijährige» geineiufchastliche» Etats auch sür das Herzogthum Gotha den zweijährige» Etat eingeführt. Dem gegen- wärtige» Epeziat-Landtag für Gotha liegen außer bereits erwähnten sozialdemokratischen Anträgen noch andere wichtige Gesetzentwürfe zur Erledigung vor. So eine Aenderuna des VolkSschul-Gesetzes mit Aufbesserung der Lehrergehälter; obligatorisch« Einführung der Forlbildungsschnlen; ein Jagdgesetz ,e. Außer de» im Etat vorzubringenden Klagen und Beschwerden wird es besonders das Jagdgesetz sein, das heiße Kämpfe her- vorrnfen wird. In keinem deutsche» Lande wird das Hochwild so gepflegt, als in Gotha. Es vernichtet dasselbe durch Anfressen der Bäume nicht nur soft den ganzen Waldbestand, es schädigt die kleinen Acker- nnd Wiesenbesitzer, die an nnd im Walde mit ihrem Grundbesitz liege», uugeniei». Und so laut und lebhaft die Klagen der Bevölkerung auch waren, Abhilfe ist bisher nicht ge- schehen. Ein Antrag des Genoffen Bock in der vorige» Session, das Domänenabkommen aufzuheben— denn darin liegt der ganze Krebsschade»— welcher in dieser Session erneuert wird, hat beim Volke die größte Sympathie. Wen» in dem gothaischen Theil des Thüringer Waldes der zehnte Theil des Wildstandcs vorhanden wäre, so wäre das immer»och mehr als genug. Die Bolksschullehrer- Gehälter sollen nach der Regierunzs- Vorlage bis auf 2100 M. erhöht werden, der Landtag wird sie bis zu 2400 M. erhöhen. Auf eine Erklärung des Genossen Bock namens der Fraktion bei dem Richterbesoldnngs- Gesetz, daß wir nicht eher für«ine wenn auch noch so minimale Erhöhung der Gehälter der Beamten stimnien würden, bevor nicht die unteren Beamten und staatlichen Arbeiter eine Verbesserung ihres Looses erfahren hätte», sagt« die Regierung«ine solche zu. Und sie hat— Wort gehalten wie eben Minister Wort halten. Sie hat den Wegwarten ihre Gehälter von 1,40 M. auf>,S0 M. pro Tag, um 10 Pf. pro Tag erhöht. Wir werden der Regierung bei Berathung unseres Antrages betr. Miuimalgehalt und»Lohn von 8 M. pro Tag etivaS nachhelfen. — Chronik der M aj est ä t Sb ele ld igu n g S> Pr o- z e s s e. Der Hnfner Vogt in Broballig auf Alse» war. wie kürzlich berichtet, wegen Majestätsbeleidigung bezw. Sachbeschädigung unter Anklage gestillt worden, weil er au» der Kammer seiner Knechte«in Kaiserbild und vier deutsch« Papierfahnen gewaltsam entfernt hatte, wobei daS Kaiserbild zerknitterte und die Fahnen zerstört wurden. Nunmehr hat die Strafkammer am Landgericht Flensburg da» Urlheil in dieser Sache publizirt. Nach diesem wurde als fest- stehend betrachtet, daß der Angeklagte jenes Bild und die vier Fahnen werthlos gemacht habe. Es läge also unzweifelhaft elne Sachbeschädigung, aber keine MajestätSbeleidigung vor. Der Angeklagte habe durch sein« Handlungsweise an sich zwar wohl mehr alS«ine bloße ShrfurchtSverletznng begangen, allein daS genüge noch nicht zur Feststellung einer Majestät?- beleidigung; dazu sei vielmehr erforderlich, daß der Angeklagte in bewußter Weis» jene Beschädigung deS Bildes vorgenommen habe. DaS sei ihm aber nicht nachgewiesen worden, wenn auch erhebliche Gründe dafür spräche». Mit Rücksicht darauf, daß die werthloS gemachten Gegenstände für die deutsche» knechte deS dänisch gesinnten Angeklagten einen gewissen nationalen Werth hatten und der Angeklagt« dies« aus nationalem Haß zerstört habe, sei von einer Geldbuße abgesehen und daher wegen der Sachbeschädigung in zwet Fällen auf»in« Gesammt- strafe von zwei Wochen Gesängniß erkannt worden.— Vom Landgericht in Hannover wurde der Malergehilfe Friedrich G i e ß e l m a n n unter Ausschluß der Oefsentlichkeit zu sechs Monaten Gesängniß verurtheilt.— Schweiz. Bern, 19. Juni.(Eig. Ber) Di« am Mittwoch im National- rath begonnene Detailberathung der Entwürfe für die Kranken- und Unfallversicherung, bez. zunächst der Vorlage betreffend die Krankenversicherung, verläuft fast durchweg glatt, d. h. unter Ablehnung aller oder doch der meisten Abänderungs- anträge. Solche sind bisher auch fast nur von den Föderalisten, den Welschen und Ultramontanen gestellt worden. Die erster«» scheinen bestrebt zu sein, das Bersicherungswerk möglichst harmlos und unbedeutend zn gestalten und die letzteren suchen imter möglichster Wahrung der Kantonal- Souveränität dem Bunde die Kosten aufzubürden. So hat der Ultramontane B ü l e r beantragt, den Kantonen die Lasten der Versicherungskosten durch einen Bnudesbeitrag bis zu 80 pCt. derselben zu verringern. Der Radikale H ä b e r l t n entgegnete, wenn die Kantone regieren wolle», so möge» sie auch bezahlen. Bundespräsident D euch er möchte aber in der Beziehung entgegenkommen und so wird diese Frage an die Kommisston zurückgewiesen. Abgelehnt wurde dagegen ein ultramontaner Antrag auf Ausdehnung der Portosreihei aus d i e freien Kassen, weil damit Mißbrauch getrieben werden könnte. Ein Antrag, die Erfüllung der versicherungspflicht am Wohnorte und nicht, wie die Vorlage sagt, am Arbeitsort« zu bewirken, wurde abgelehnt. Wo also der Arbeiter beschäftigt ist, ----- Nach dem BundeSrath konnten die » zum 45. Attersjahre als freiwillige Krankenkaffen beitreten. Tie Kommisston setzte diese Altersgrenze auf 40 Jahr« fest. Nun verlangten die Ge> werbetreibenden und für die Arbeiter Bogelfanger Wiederherstellung der bundesräthlichen Borlage, der Antrag wurde aber mit 60 gegen 69 Slimmen abgelehnt. Sodann verlangte Vogelfänger die Wiederherstellung der bundesräthlichen Vorlage bezüglich Festsetzung des Krankengeldes ans 66 pCt. des Verdienstes, welche die Konilnijsion auf 60 pCt. herabgesetzt hatte; der Antrag Vogelsanger wurde jedoch mit 83 gegen 28 Stimmen abgelehnt. In den drei Sitzungen von Mittwoch, Donnerstag und Freitag sind bereit? 52 Artikel, also«in Viertel des Krankenversicherungs- Gesetzes, erledigt worden. Bon Interesse ist«ine Rede des Ultra- montanen Dr. D« e u r t i n S, der gegen die Auffassung protestirte, als sei die Haftpflicht resp. Unfallversicherung ein Alt der Gnade deS Unternehmers gegenüber dem Arbeiter, während sie in der That eine soziale Pflicht der Unternehmer sei. Der Arbeiter verdient heutzutage kaum so viel, daß er sich und seine Famili« durchznbringen vermag, wie von hervorragenden Gelehrten der moderne» Wirthschaftslehre nachgewiesen»nd im ehernen Lobn- gesetz niedergelegt worden ist. ES hat in der Schweiz zur Ein- fübrung des HastpflichlsystemS die Erwägung geführt, daß der Arbeit- geber, welcher die Arbeitskraft des Arbeiters in gesunden Tagen ,u seiner Bereicherung ausnützt, in Krankheitsfällen für die wirthschaftlichen Schädigungen am Arbeiter einigermaßen auf- zukommen habe. Das heutige Lohnsystem wollen die Sozialisten bekanntlich als eine ungerechte Einrichtung abschaffen: ein Jrrthum wäre es jebensalls, in der Kranken- und Unfallversicherung die Lösung der sozialen Frage erblicken zn wollen.— Dieser Kall- Wasserstrahl ans die Uuternehmer und ihre Anwälte, welche mit den Versicherungen kolossales Wesen machen, war sehr am Platz«. Im Ständerath wird seit Dienstag dt« Generaldebatte über die E i s e n b a h n v.e r st a a t l i ch u n g fortgesetzt. Als Glanz- punkt ans derselben ist die Leistung des„Radikalen" und Genfer Föderalisten Gavard herauszuheben. Er meinte, nachdem er zur großen Freude aller Eisenbahu-Aktjonäre gegen die Verstaailichung gedonnert Halle, zur noch größeren Freude jener nützlichen Menschensorte:„Besser, der Bund zahle 100 Millionen mebr für die Bahnen, als daß er den Boden deS Rechts und der Loyalität verlaffe." O diese Phrasenmacher! Um 100 Millionen geben sie ihren ganzen Radikalismus, Föderalismus, Recht und Loyalität dahin; man kennt nun wenigstens den Preis, den die Herren für die freundliche Alfttmimmg zum verhußien SiaalSsozialisinuZ s ordern. In der Eisenbahutcbnlt» spielt abermals der Streit eine niZzc nunnchiige Rolle, über den vorige Woche schon der Nationalrath verhandelt halte. Dort hatte der aargauische Ober- förster und Verwaltungsrath der Nordostbah», Baldinger, den schon im März gemachten Bersuch iviedcrholt, ein Verbot eines zu- künftige» Eisenbahnerslrciks herbeizuftthren, mit welchen Wünsche» er bei allen Unternehmer» verstÄndnißinniges Wohlwollen fand; allein mit b9 gegen 41 Stimmen wurde seine Motion abgelehnt, nachdem BnndeZrath Z e m p entschieden dagegen gesprochen»nid dem Eisen. bahn-Personal als soliden Männern nnd braven Bürger» das beste Zengnih ausgestellt hatte. I», Bnndesralhe schlugen nun dieser Tage ebenfalls verschiedene Redner die Baldinger'sche Saite a», »vnrde» aber gründlich abgeführt vom Berner Regiernngsrath R i t s ch a r d, der ausführte, dah sich beim Staatsbetrieb die Frage einfach dahin lösen»verde, daß die Bahnangestellten sich bewußt sein»verde», dem geineinsame» Baterlande nnd nicht mehr Privat- esellschaften zu dienen und dah sie leichter Schutz bei den Behörden »den werde», als dies bei den Gesellschaften der Fall»väre. Die Freunde des Herrn Baldinger,»velche in» Etänderaihe die Geschäfte der Eisenbahn-Slktionär« besorgen,»»'erden voraussichtlich auch i» diesem Hanse kein» Erfüllung ihrer Wünscht finden. Frankreich. — Paris, SO. Juni.(Eig. Ber.) Die akademische L e h r s r e i h e i t unter dem K a b i» e t M e l i n e wird be- leuchtet durch de» Fall Emile Chauvin,»velcher in der gestrigen Kainmersitzung den Gegenstand tiiier Anfrage bildete. E. Chauvin, Leiter eines Seniiuarkurses an der Pariser luristischen Fakultät, war von» Unterrichtsininister Slainbaud gemaßregelt worden,»veil er vor einer bürgerlichen Znhömschafl eine Rede für die progressive Einkoininenstcuer geHalle» halte. Die Siecht- fertignngsgründe des Ministers, der seines Zeichens selber Professor ist, verschärfen noch de» gehässigen Charakter der Maßregel. Sie laufe» darauf hinaus, daß em vom Staate angestellter Lehrer außerhalb der Universität sich als Bürger nur insofern bethätige» darf, als er die Anschauungen der herrschenden Nlasse, ja des gerade a», Ruder stehenden MiniitcrklüugelS vertritt. Nnd da Chauvin obendrein nationalökonomischen Untcrricht ertheille, so„mußte ich Unterrichtsminister mich fragen,»vas für eine Art Stalionalökonomie Herr Chauvin»vohl lehren konnte,. Dabei ist die inkriininirt« Rede, gehalten«»ter den» Vorsitz eines links« radikalen Abgeordneten, nicht»veniger als sozialistisch. Sieben einer durchiveg bürgerlich-demokratischen Kritik der Steuernngleichheit und der BonrgeoiSrepublik sind hier und da bloß einige harmlose gefnhls.sozialistisch« Wendungen etugeflochten. Als besonders belastende Stellen zitirte der Minister die treffende» Ausfälle Chauvin'« gegen die Gesinnungslosigkeit der Meline'schen Kaminerinehrheit nnd eine übrigens recht zahme Andeutung auf die freundliche» Beziehungen Felix Faure's zu de» Großgrundbesitzern, unter deren Jagdunfug die Bauern viel zu leiden haben... Mit der akademische» Lehrfreiheit ist es zivar im napoleonisch- zeutralisirten Frank- reich überhaupt nicht iveit her. Die Absetzung Chauvins durste,»veil er kein Mitglied deS ständigen Lehrpersonals war, durch einen einfachen Ministerialbcschluß, ohne Befragung des Fakultätsrathes, erfolgen. Aber nur daS reaktionäre Kabinel Meli»»« »var dessen fähig, in» gegebenen Falle von der»»inisterielle» Besugniß Gebrauch zu machen. Zu einem Kaniiuervotum kam es nicht, indem die beantragte Umwandlung der Anfrag« in eine Interpellation von der ebenso servile»»vie feigen SiegiernugSmehrheit verschoben»vnrde. Nach Erledigung der Anfrage kam endlich die Reihe an die in» Dezrinber vorigen Jahres von» Genossen I a u r ä s«ingebrachte Interpellation über die Agrarfrage. Unser Redner ist aber mit seinen zweistündigen, überaus lehrreichen»lud glänzen» de» Ansführuugen noch nicht zu Ende gekomme». Er»vird seine Rede am nächste» Sonnabend schließen. Ich verschiebe daher»»eine» Bericht bis dahin. Die Debatte kündigt sich an als eine große Redeschlacht um die Bauernschaft im Hinblick ans die kommenden Wahlen. CS haben sich bereits Iii Redner aus allen Parteien zum Worte gemeldet.— Paris, LI. Juni. In der Kannner wird ein Gesetzenhvurf eingebracht, wonach die M i» I»na l g r ö ß« der R e k rn t e n von 154 auf 152 Zentimeter herabgesetzt»rerdeu soll,»vodurch S biS IOOOO Mann pro Jahr mehr ausgehoben»verde» können.— Angesichts der zahlreichen Formaiiläle»,»velche dem P a» a»» a- Prozeß vorangehen müssen, ist anzunehmen, daß der Prozeß nicht vdr Mitte Oktober beginnen»vird. — E i» d e»i t s ch e r Spion, der Restauratenr Sattler, »vt»rd« dieser Tage von» Znchtpolizeigericht von Nancy»»ter strengem Ausschlüsse der Oeffcutlichkeit abgeurtheilt. Da kein Ad- vokat die Bcrtheidignng des Angeklagten hat übernehmen»vollen, so »nußt« das Gericht ihn, eine» solchen bestellen. Sattler»vnrde zu drei Jahren Gefängniß und 500 Franks Buße vernrtheilt. In dem Urlheil»vird ausgeführt, daß Sattler versucht Hab«, sich in den Be- sitz von Mobtlisirnngsplänen zu setzen. n»> diese de» deutschen Be- Hörde» auszuliefern, daß er einen Deutsche» in das Fort von Mauoville einznfchninggeln sich bcniükte und sich die Namen von Elsässer» und Lothringern zu verschaffe» suchte, die de» Franzosen Auskünfte liescr», um sie bei de» deutschen Behörden zu denunziren. Belgien. — Das M i l i t ä r f y st« n». Ans Brüssel wird uiis geschrieben: Bei ber Manifestalio» zu ymiste» der allgeineiiicn Wehr- Pflicht, die am 13. d. M. in Brüssel statigefnnden hat, waren die Sozialdemokraten nicht betheiligt. Sticht, daß sie Freimd« des gegen- wältig i» Belgien herrschenbeu Mililärstistenis(Loskaussysteni)»väre», aber sie sind in erster Linie für Abschaffung der stehenden Heere überhaupt. Die Demonstration richtete sich aber sogar gegen die Sozialdemokraten, sie»var inspirirt von der Hofpartci; in der Adresse hieß es, daß Belgien stark gernstet dastehen uiüfse nicht Mos für den äußere» Feind, sondern auch gegen die volksverführerischen Bewegungen im Innern. Von der sozialdemokratischen Partei ist eme a n l» m i l i t ä r i f ch e M a n i f e st a t i o n für de» 15. August anberaumt; eine Reih« fortschrittlicher Vereine habe» hierzu ihre Bctheilignng zugesagt.— Brüssel, 21. Juni. Die Grubenarbeiter des Lütticher Reviers organisirten»n den Hanplstraßen«iue» Zug für die Pensioitirnng der alten Bergarbeiter. Ftrtlie». — Rom, 20. Juni. Tie Forderung, gegen Trispi in dem Prozeß Favilla vorzugehen, soll der Depiilirtenkammer gelegentlich der Bcrathung deS Justizbudgets»mterbreitet»verde».— In der Tepulirtenkammer sprach sich bei der fortgesetzten Be- rathung deS Budgets des Ministeriums des Innern Cavallotti »lnter Beifall der äußerste» Linke» gegen die innere Politi'k des Kabiucts aus und erklärt, er»verde,»vieivohl ungern, gegen d» Rndini stimmen.— — Unter den ReiSarbeitern in der Provinz Bologna herrscht seit einigen Tagen ei» bedeutender Ausstand. Militär wurde in das Slmkgebiet geschickt. Zwischen den Streikende» und den» Militär kam es zu mehrfache» Zusammen- stößen. Eine größere Anzahl Personen wurden verhaftet.— England. — London, 20. Juni. Bei dem gestern stattgehabten Süd. afrika-Ba», lett führte der Herzog vo» Canibridge den Vorsitz und vertheidigte in seiner Rede eine Politik d«S Gebens und Empfaiigens zwischen Engländern und Holländern, da beide Nationalitäten ohne«in Zusanimengehei» viel ' weniger mächtig wären. Sie sollten ans diesem Grunde die innigsten Freunde sei». Der Premierminister der Kapkolonie Sir I. Sprigg hob in seiner Ansprache hervor. daß die Lage i» Südafrika viel hoffnungsvoller würde. Da? Ueber- gewicht der britischen Macht müsse durch die Verstärluug der Kriegsflotte und nicht durch Bedrohung der JnlandS-Staaten aus» recht erhalten»verde». Der Preinierminister von Natal Ofscombe führte aus,»vein» es Noth lhui» sollte,»vürde niemand mehr als die Holländer bereit sein, dem Reiche zu helfen. Tie KousäderaUvns- bewegung sei nur vorübergehend ins Stocken gerathe». Slnierika. Washington, 20. Juni Auf Wunsch des Präsidente» Mac Kinley»vnrde ein n e u e r E»» t>v u r f zu e i n e in S ch i e d s- gerichtsvertrage zlvischen de» Vereinigten Staaten und Großbritannien ausgearbeitet. Der Entwurf»vird»vahrkcheinlich nicht vor Dezeinber dein Senat vorgelegt werden. Diejemgen Artikel, an denen der erste Enlivurf scheiterte, sind in der uene» Bor- läge nicht enthalten.— — Z e» t r a l a»» e r i k a» i s ch e Union. A>n 15. Juni ist in Guatemala, laut einer Veröffentlichung des dortigen Amlsblatles, von den Bevollmächtigien der bisher aus Honduras, Nicaragua und Sa» Salvador bestehenden„Größeren Republik von Zeutralamcrika" mit den Vertretern von Costarica und Guatemala ein Bertrag unter zeichnet»vorden,»vodurch nach außen nunmehr seitens aller süns Staaten«ine einheitliche Republik von Zentral- amerika gebildet»vird. Die Genehmigung durch die Parlament« soll bis zum ld. September d. I. erfolge».— Vavkei-Llachvilsztett. Zur Stichwahl«» Wiesbaden»vird uns vo»«»nein ältere» Parteigenossen aus Gießen geschrieben: Die Stellungnahme unserer Wiesbadener Genoffen kann»»>»? auch hier nicht befriedigen, und freuen»vir»»»S, daß die Parteipresse ziemlich«inmüthig i» der Benrtheilnng derselbe» ist. Wen» aber die freisinnige» und demokraiische» Blätter von der„Franks. Ztg." bis zur„Boss. Ztg." sich nicht genug enlrüste» könne», daß der Wahlkreis auf diese Art vielleicht an den„agrarisch-fe»»dale» Grafen Fngger übergehe", so ist diese Angstheuchele» vor den» agrarischen Reaktionär größtentheils Schwindel. Wo»var de»»» die freisinnig« Partei bei der G i e ß e n e r Stichivahl z>vische» dem Antisemiten Köhler und unserem Genossen Scheide», an»? Ist der Antisemit ein kleinerer Agrarier oder ei» kleinerer Reaktionär als der Zentrumsina»»»? In der Arbeiterfeindlichkeit,»n Unterstiitznng der Junker nnd Genossen ist er sicher«rzreaktionär(siehe Antrag Kanitz, Gesinde-Ordnung ee.). Trotzdem fand die freisininge Partei nicht de» Math, für die Wahl»nsereS Genosse»«inzutret«», sondern blieb,»vie alle vorsichtigen Leute, hübsch i»ä»lschenstill und wählte theiliveise»nit Hurrah den Schleppenträger der„agrarisch-fendalen Junker", den Antisemit«». Und dies, trotzdem»vir ein paar Tage vorher»nit Erfolg unser« Genossen aufgefordert halten. bei der Landtags, vahl den freisinnigen Metz gegen den Nalional- liberale» zu»vählen. Gerade augenblicklich, wo in unsere» Kreisen sich eine Art Sehnsucht nach eine»» Konipromiß »nit der bürgerlichen Opposition bemerkbar macht, halte ich es für meine Pflicht, auf die Unznverläfsigkeit und Angst- meierei der bürgerlichen Demokratie hinzl»velsen,»vie»vir fie hier vor einen» halbe» Jahre erlebten. Die Angst um den Besitz ist bei der freisinnig«» Gefolgschaft größer als die politische Einflcht. Darüber »vollen»vir uns keiner Täuschung hingeben. I» Bambcrg wurde» in vergangener Woche die Mahlen zun» Geiverbegericht vorgenommen. Die Geistliche» katholischer und evangelischer Observanz, die sich sonst mit kaum glaublicher Gehässigkeit bekänipsen, boten ihre vereinte» Kräfte auf, um die sozialistische Kandi- datenliste der Arbeitervertreter zu Fall zu bringe», aber ohne Erfolg. Unsere Kandidaten erhielten mit 370 Stimmen den Sieg,»vährend d,e vereinigte» Gegner mit 400 Stimmen unterlagen. Die Gegner haben nur den Trost, daß i» der Klasse der Unternehinervertreter ihre Kaudidaten ,ml 300 Stimmen gewählt wurde»; aber dieser Sieg ist ihnen durch die fatale Thatkache vergällt, daß die Kandidaten der ti-t Sozialdemokratie ti in dieser Klaffe aus die stattliche Zahl vo» 175 Stimmen brachten. Dem Verbände der belgischen sozialistische» Gemeinde- räthe, der im Dezember v. I.»>»S Leben trat, gehöre» jetzt 770 Mit- alieder ans 134 Gemeinden an. In der Pfingstivoche hielt der Verband in Brüssel eine Konferenz ab. der über 100 Gemeinde- räthe beiivohnte». Die Vereinigung hat ei» permanentes Sekretarial gegründet, das in Brüssel seinen Sitz hat; der Sekretär hat die Aufgabe, den Mitgliedern durch Zirkulare n. s. ,v. die in andern Gemeinden gemachte» Ersahrunge» zugänglich zu machen, Auskunst zu«rlheilen, Statistiken anfzunehme»». s. f. Der Sekretär»vnrde beauftragt, über verschiedene konununale Frage»,»vie Minimum des Lohnes für städtische Arbeiter, Broschüre» zu veröffentlichen. GemevkfchafHilizes. Berlin und Umgebung. Ter Manrerstreik hat nach den Ermittelungen der Loh»» kouniiissio» bisher folgende« Resultat gezeitigt: Auf 4l3 Bauslätte» »nit 4333 Maurer» sind die Fordern,»gen bewilligt, während 1087 Maurer auf 126 Baustätten unter den» Stundenlohn von 30 Ps. arbeilen. Stuf 60 Baute» ruht die Arbeit vollständig. Di« Zahl der Streikenden beträgt 1525. Bemerkeuslverth ist, daß vo» de» Junungsmeister», die sich anfangs ganz entlchieden ab- lehnend gegen die Forderungen der Maurer verhielten, 51, die zu- sauuuen 05 Bauten haben, die Forderungen anerkannt haben. Ucber de» Streik der Tischler in Lnckenivalde»vird uns folgendes berichtet: Die Differenzen in der N«u m a n»' scheu Bautischler«! cntstanden, weil der Fabrikant von den Arbeitern die Leistung vo» Ueberstunden verlangte nnd die in diese»» Fall ge- forderte» 25 pCt. Ausschlag nicht bewilligen»vollte. Es legten hierauf II von den 21 dort brschäftigte» Arbeitern die Arbeit nieder. Di« Siinalion»vnrde dadurch verschärft, daß Herr Neumann erklärte, er werde später zivei Mitglieder des Holz- arbeiter-Berbandes, denen er dt« Schuld an den» Alisstand beimaß, entlassen. Spätere Unterhandlungen führten zu de», Resultat, daß sich die Arbeiter verpflichteten, pro Jahr 40 Ueberstunde» ohne Aufschlag zu leiste». Rlir verlangte Herr Aenmann. daß gegenübtt den in der Werkstatt stehe, igebliebenen Arbeiter» Mißhelligkeiten vermieden »vürden— ein Verlangen, dem die Ausständigen zustimmten; aber durch die Erfahrung gezivuiigen stellte» sie die Gegenforderung, daß ihnen gegenüber verletzende Bemerkungen von den übrige» Arbeitern ebenfalls zu nnterbleibe» hätten. Leider scheitert« hieran die Ber- ständigung. Die Lohnkonimisfloi» der Tischler in Luckenwalde. Achtung» Tischler! Auk die in der SonntagSnununer ver- öffentlichle aus L u ck e»»>v a l o e telegraphisch eingegangene Notiz betreffend die dortige N e u m a n n' sche D a in p f t» s ch l e r e» gehl uns von dem Genoffen Julius Lissauer folgende E r- k l ä r»»» g zu: Es ist umvahr, daß ich, wie auS der Notiz im„BorivärtS" hervorgeht, persönlich thäiig geivcsen wäre,»»m Streikbrecher an- zu, verben. Als Angestellter genannter Tischlerei erhielt ich von »»einem Chef brieflich den Auftrag, eine Annonce nach Arbeitern in«in geeignetes Blatt emznsetze». Ich entledigte mich dieses Auf- Irags, indem ich die Annonce auch in den„Vorivärts" einrücken ließ. In dieser Annonce war eine Meldung der Arbeiter in meiner Wohnung zu einer Zeit vorgesehen, in»velcher mein Chef sein Hiersein angemeldet hatte und auch die sich Meldenden persönlich adfertigie. Bei dem vor«lnigei» Wochen stattgehabten Streik in Lnckenivalde war mein Chef der erste, der sämintliche Forderungen der Arbeiter, die Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne anstandslos be- »villigte. Ohne Ueberhebung kann ich behaupte», daß mein Sin- flnß hierbei ausschlaggebend gewesen ist. Daß znr Zeit Arbeiter gebraucht werden, liegt daran, daß U Arbeiter wegen geringsngiger Differenzen— keine Lohndifferenzen— ihr« Entlassung Sewnuscht halten. Es ist somit auch nicht richtig, daß in der abrik jetzt ein Streik ausgebrochen»väre. Da mir als dem Vorsitzenden der sozialdemokratischen Gewerkschaft der Kausleute es nicht gleichgiltig sein kann, in de» Verdacht zu gerathen. ich hätte Streikbrecher angeivorben, so habe ich bereits ein Schicds- gericht, bestehend aus Holzarbeitern und Kaufleuten, angerufen»! »velches die Angelegenheit wohl vollständig zur Aufklärung bringen n»ld über die Verhandlung auch»in„Bonvärts" berichte»»vird. Julius Lissauer. Deutsches Reich. Oeffeutliche Schneider- und Näherinnc»- Bersamnilnnaeu in Hamburg, Dresden und M a» n h e» in beschäsngle» sich mit dem Konfektionsarbeiterschutz-Geseyentwurf der R e g» e r»»»» g. Die vorgeschlagenen Bestimmungci»»vurdci» überall als»»»»zureichend erachtet. In»»veiteren verlangte.»»»an, daß »och in dieser Session ei» Gesetz zu stand« komme. Tie Heuchele» der Nationalliberalen,»velche im Gegensatz zun» vorigen Jahre letzt die Angelegenheit nur sehr»achlässig behandeln, wurde scharf gekennzeichnet. Die Nationalliberale» haben gegenivärtig genügend mit der Beschneiduug des Koalüionsrechts der Arbeiter zu thun. Da bleibt ihnen keine Zeit, für die schnell« Erledigung des KonsektionS- arbeiterschutzes zu wirken. Ucber den Streik der Arbeiter und Arbeiterinueu in der Wollhutbranche, der in Berlin vom 24. Mai bis 3. Oktober 1896 dauerte, ist soeben die Abrechnung bekannt gegeben»vorde». Unter de» Einnahme», die insgesammt 52 316,11 M. betragen, befinde» sich 38 215 M. vom Unterstützungsverein der in der Hut- und Filz- ivaaren-Judustrie beschäftigte» Arbeiter und Arbeiterinnen, 9762.90 M. auf Sammellisten, 5848 M. von den einzelnen Ge»verkschaften, 225 M. vo» Geiverkschaflskartellen und von Vereinen und Privaten 5758,21 M. Die Ausgaben belaufen sich auf 53 297.30 M., darunter 50 475,60 M. für Streikunterstützung und 1321.33 M. für diverse andere Ausgaben. In Seuftetiberg wurde nach einem Vortrag Silber« s ch»i» d t'S aus Berlin eine Filiale des Z e ,» t r a l v e r b a n d e S der Maurer gegründet, der sofort 42 Mann beitraten. klrber de» Tischlerstreik in Strttiu»vird uns geschrieben: Die Lage ist unverändert. Es sind für diese Woche 117 Verhcirathele mit 125 Kinder,» nnd 45 Ledige zu unterstütze». Eine Versammlung der Streikenden beschloß am Freitag einstimniig die Wellerführung dez Streiks. Räch einem Bericht der letzte» Meisterversammliing zu schließe», sind diese Herren übel dran, denn sie führe» lebhast Klage darüber, daß augelvorbene Streikbrecher nach e»npfa»ig«ncr Ansklärung von feiten der Geselle», Stettin»vieder den Rücken kehre». Aus reiner Wnth hierüber haben die Meister beschlossen, keinen der Streikenden »vieder ei>»z»stellen. Einige Meister erklärten aber, ihre alten Gesellen »vieder anzunehme». Wird der Zuzug ferngehalten, und dies»st jetzt mehr denn vorher strengste Pfucht der Kollegen, da die Polizei den Streikenden die Bahnhofstontrolle erschivert, so haben die Streikenden die Hoffnung, bald den Sieg zu erringen. Die in Arbeit stehende» Geselle» zahlen»vöchentlich 1 M. und 1,50 M. zur Unter- stützung der ausständigen Kollegen. Z«»» Tischlerstreik iu Rostock meldet dl«„Mecklenburgische Volks-Zeitung", daß Verhandlungen»nit den Unternehuier» an- gebahnt sind und daß heute. Dienstag, die beiderseitigen Delegirten zu einer gemeinsame» Sitzung zusammentreten. AuS Hamburg wird u»S geschrieben: Für die I m p o r t e u r e englischer Kohlen hat sich die famose Spar- und Unter- st ü tz u» g s k a s s e als ziveischneidige Waffe enviesen. Nach den ßß 3 und 9 deS Kassenstatnts ist eine vierwöcheutliche Kündigung für beide Theile festgesetzt. Das giebt natürlich den Arbeiter» das Recht, nun auch»vährend der mcr Wochen täglich Arbeit zu beanspruchen. Da die Importeure bei der Eigenart der EchauermannSarbeit aber nicht für ihre sämintliche» Leute täglich Arbeit habe», sind sie in eine ver- zlvickte Lage gekolnuien. Schon jetzt haben mehrere Ar- beiter Klagen beim Geiverbegericht angestrengt auf Zahlung deS Lohne« für die Tage,»vo sie sich den Importeuren zur Ve»sügu»g gestellt, aber Arbeil von ihnen nicht erhalten haben. Um»venigstens in etivaS dieser Zwickmühle zu entrinnen, dringen die Juiporteure jetzt nur noch darauf, daß ihr« sogenannten sesten Leute der Kasse beitrete». Aber auch für diese haben sie nicht alle Tage Arbeit. UebrigenS sollen die Herren Importeure auch aus mrdere», Grunde der Gründimg ihrer Kasse nicht froh»»'erden. Nach den» Statut soll die Kasse nämlich auch Unterstützung bei Krankheit und Todessall geivähren. Nach der revidirten Hamburger Verordnung von 1323 unterstehe» alle solche Kassen aber der sog. Todtenladeii-Depntntion. Dies« hat die Gründung der Kasse überhaupt und dann auch das Statut zu genehmige». Die Juiporteure haben es nicht für nöthig befilnde», ein« solche Genehmigung einzuholen, und sie würden auch z»» ihrer Art von Unterstützungskasse, deren Statuten in Widerspruch mit de», Gesetz« stehen, eine Genehmigung zweifellos nicht erhalten. so daß noch immer Hoffnung besteht, daß die Arbeiter vor diesem Joch bewahrt werden. Das„Hamburger Echo" veröffentlicht folgende Bekanntmachung an die Arbeiterschaft Hamburg? und der Nachbarstädte:„Die zur Regulirnng der Verbindlichkeiten au? dem Streit der Hafenarbeiter und Seeleute«ingesetzt« ttominlssion kann die erfreuliche Mittheilung machen, daß sie abermals in der Lage war, Darlehen iu» Betrage vo» 33 211 M. zurückzubezahlen. Es bleibt nunmehr noch ei» Betrag von 104 000 M. al« Schuld. Die Kommission hofft, durch die be»vährt« Opferlvilligkeit der Arbeiter und Arbeitcrfrennde i» den Stand gesetzt zu werden, auch diese Summe in nicht allzu ferner Zeit abtragen zu können. Es gilt, durch Beseitigung aller finanzielle» Verpflichtungen wieder die voll» Aktioilsfähigteit für die Arbeiterschaft zu erlangen, und die kommisfion darf»vohl erivarlen, daß»n Rücksicht darauf jeder»vie bisher seine Pflicht thnt. Der Verlauf und das Ergebntß der Sammlungen haben ge- zeigt,»vas durch planmäßiges Zusammemvirke» aller Kräfte erreicht »verde» kann. Die Arbeiterschaft wird ihrer Ehrenpflicht»ach- kommen und dadurch beiveisen, daß sie durch den verlorenen Streik teineSiveg? leistunaSuiifähig und ein leicht zu besiegender Gegner geivorden ist. Die Hafenarbeiter inSbesoilder«»verde» durch Fest- halten a» der Organisation nnd durch Einigkeit beivetse», daß der Kampf,»ve»»» er auch nicht den Sieg brachte, dennoch nicht mnsonst geführt»vorden ist." Die Ouaiverwaktung giebt bekannt, daß die Löhne ihrer Aktordarbeiter erhöht werden sollen,»veil durch de» neuen Tarif die Löhne herabgedrückt sind und»veil durch den Mangel an Schuppenrau»» ei» übermäßiges Hochstapeln von Waaren»oth- »vendig ist, waS einen erheblichen Zettaufivand veranlaßt. Ter Streik in der Faserstoffznrichterei von M e» u. Tie. in B e r g e d o r f, der vor 3 Wochen ausbrach; dauert fort. Die Firma ist»»»ausgesktzt bestrebt, durch Annoncen und Agenten von ausivärts Arbeitskräfte heranzuziehen. Da dies im Inland nicht recht zu glücke» scheint, hat man jetzt a»lS dem Auslände,' von Budapest, theiliveise mit Erfolg, Arbeitskräfte heranzuzichen ver» sucht, hauptsächlich un» die Streikenden einzuschüchtern und»um Nachgeben geneigt zu machen. Der Streik kau» zum Ausbruch,»veil die Arbeiter den erst vor«inigen Wochen anerkannten Lohntalif von der Direktion nicht illusorisch»nachen wollten. In» Ausstand sind 110 Personen, darunter 33 Arbeilerinnei». Fast alle sind Mit- glieder einer Gciverkschaft. Verheirathet sind 62, die Zahl ihrer Kinder beträgt 72. Ei» kleiner Theil der Streikende» ist abgereist oder anderweitig i» Arbeit getreten. Zuzug von Bürstenmachern. gelernte» Holzarbeitern, Frauen und ungelernten Arbeitern ist streng fernzlihallen. Sendungen sind zurichten an F.Schröder, per Adresse Gustav Tiimn, Waldstr. 10, Sande b. Bergedorf. All« arbeiterfreundliche» Blätter»verde» um Abdruck ersucht. «in theilwciser Ausstand ist am Freitag in der Grube Rossel an der Saar ausgebrochen. Die zur Nachtschicht an- sahrenden Bergleute sollen, nach der„Dudweiler Zeitung", angeblich mit„Gewalt" an der Arbeit gehindert worden sei»». Eines Maimes Rede ist kein' Rede, man muß die Theil« hören b« e d e. Ti« Tischler MagdeburaS hatten in einer Versammlung i» geheimer SIbstinnnuug beschlossen, daß zum Zweck der Einigung nochmals mit der Kommission der Meister verhandelt werden solle. Die Meisterkommisston lehnt« aber jede»veitere Unterhandlung mit der Ausred» ab, in der Press« seien oltmal« gehässige Bericht« er» schienen. ?>l Tcifdtt ist NM Dieustng voriger Woche in der größten mechanischen Schnhbesohl.Nnstnlt(Paflcige Nr. 3 und 4) ein Streik ausgebrochen. Die Gesellen wollen eine regelmäßige Werkstatt- ordnung einführen und eine Lohnerhöhung von 24 auf 30 Pf. pro Stunde erzielen, welchen Forderungen der Chef nicht beigetreten ist. In Dessau ist der Streik der B e ck e r' scheu Former beendet. Ihre Forderungen wurden, wie das„iöollsblatt" mittheil», sämmt. lich bewilligt. I» Leipzig hielten am Sonnabend die Maurer eine Ver< sanunlnng ab, wo mitgetheilt wurde, daß bis dahin SS77 S t r e i k- ausgegeben waren, daß 48 Unternehmer, die S4S Maurer lugen, die Forderungen bewilligt hatte», und daß über 5 u h nTuii" Q b 0 e 1 e 1 n50re"- Zuzug i st streng fern- Die Bauhilfsarbeiter schloffen sich in einer Versammlung am Soiintag dem Maurerstreik an und erklärten, am Montag die Arbeit überall dort nicht aufzunehnien, wo ihnen nicht der Neun- itiindeiitag und 45 Pf. Stundenlohn bewilligt wird. Den Maurern wurde zur Pflicht gemacht, die Hitssarbeiter bei ihren Forderungen moralisch zu unterstützen. . ��utliche Bäckergesellen. V-rsammlung, die von 300 Personen besucht war, nahm einstimmig«in» Resolution an. worm es als wünschenswerth erklärt wird, daß der Rath der Stadt Leipzig einen städtischen, unter Kontrolle von Unter- nehmern und Arbeitern stehenden Arbeitsnachweis ins Lebe» v'cvt b'e j'Ö'fle» Verhältnisse dem Komiuisstouärunwesen Thür und Thor öffneten und der Jnnungs-Arbeitsnachiveis nicht die Garautle der Unparteilichkeit biete. n, �utha legten 32 Zimmerer de? Zimmermeisters » o l l n e r a», 19. Juni die Arbeit nieder, weil ihnen die Ford«. rung einer Lohnerhöhung von 1—2 Pf. pro Stunde nicht bewilligt wurde. Ei» Theil der Arbeiter erhielt 24-25, ein anderer Theil 26—27 Pf. Stundenlohn. Lohustatistik für die in Nürnberg nnd Umgebung be schaftigten � Arbeiter beabsichtigt das dortige Arbeiter- sekrelariat zu veranstalten. Zu diesem Zwecke werde» 16 009 bis 17 000 Fragezettel ausgegeben, die eine Anzahl Fragen über Lohn, Arbeitszeit. Arbeitslosigkeit, Alter, Kinderzahl, Mielhpreis«, Akkord- oder Wochenlohn, Beköstigung, Krankheit n. f. w. enthalte». Die Fragestellung ist, wie die„Fränkische Tagest Post" niitlheilt, so klar, daß die Beantivorlung keinem Arbeiter Schwierigkeiten verursachen wird. Die Fragezettel werden den Arbeitern in Kouverts zugestellt und sind in ver- schlossencn Kouverts wieder zurückzugeben. Die Fragezettel sollen von dem Befragten nicht unterzeichnet werden. Durch Verzicht auf die Unterschrift ist eine Kontrolle des einzelnen Arbeiters, die viele Arbeiter von der Betheiligung an Lohnenqueten zurückhält, auS geschloffen. Die Erhebung erfolgt auf ziemlich breiter Grundlage. sie wird mehr als den dritten Theil aller in Nürnberg und de» Vororten beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen umfasse». I» Speyer ist, wie die„Köln. Ztg." mittheilt, der seit sechs Wochen andauenide Maurerausstand am Sonnabend durch Vermitlelnng des pfälzische» Fabrikinspektors beendigt worden. Die Unternehmer bewilligten zehnstündige Arbeitszeit und Lohnerhöhung. Ju Müuchen arbeiten 108 Töpfer zu den neuen Be dingunge», nur 97 stehen noch im Streik. Der Zinn gießerstreik ist vorläufig beendet, doch ist Zuzug noch strenge fernzuhalten, wenn nicht der Sieg der Gehilfen stark gefährdet werden soll, da einzelne Meister, die sich bisher ver- gcbcus Arbeitskräfte von auswärts heranzuziehen suchte», bereit scheinen, ihre gemachten Zugeständnisse zu widerrufen. Nachdem znern in einer Werkstätte Tarifdifferenzen entstanden waren, stellte» die Gehilsen die allgemein« Forderung auf: Zuschlag für Ueberstilnden 25 pCt., Il/estündige Mittagspaus«, �/zstündige Essens pause vor« und nachmittags, Beginn der Arbeit am Montag fküh 8 Uhr und Schluß derselben am Sonnabend Abend 5 Uhr. d.i. ein« ivöchentliche Arbeitszeit von 49 Stunden. Diese Forderungen sind ohne wesentliche Beanstandung bewilligt worden, womit in einzelnen Geschäsle» eine Verkürzung der Wherige» Arbeitszeit um 6—7 Stunden wöchentlich erreicht ist. Ausland. Der Ausstand der KohleuauSlader in Vrrst gewinnt an Ansiehnnng. Der Friedensrichter des erste» Bezirks hat seine Ver- initlelung angetragen. Zur Löschung der für die Marinebehörde be- stimmten Kohlenscndungen sind 200 Manu des Arsenals zur Ver- sügung gestellt worden. I» Belgien sind im Laufe der letzten Wochen ebenfalls eine Reihe Gewerkschaftskongresse abgehalten worden. In Mörla» welz tagten die Metallarbeiter. Der Verband, der zur Zeit des ersten Kongresses 3822 Mitglieder zählte, hat deren jetzt 7650. Beschlossen wurde u.a., auch die Frauen in de» Verband aiifzunehinen und ihnen bei gleichen Pflichten die gleichen Rechte zu gewähren. Die Buchdrucker hielten ihren Kongreß in V e r v i e r s ab. Anläßlich der Ausstellung werden im Lause des Sommers noch verschiedene Kongresse in Brüssel abgehalten werden, an denen die Arbeiterschaft interessirt ist; so u. a. der von uns bereits erwähnte Kongreß zur Erörte- rung der Frage der S o n» t a g s a r b e i t. Die für den Monat September in Aussicht genommene K o n s e r e n z für Arbeiter- gesetzgebung dürfte von den Sozialiste» wahrscheinlich un- beschickt bleiben Die Arrangeure derselben hatten nämlich verlangt, daß die Sozialdemokraten den Genossen A n s e e l e von ihrer Delegirtenliste zurückziehen sollten. Darauf hat der Genosse Pro- fesfor H. Denis, der im Komitee saß, die ganze Liste zurück- gezogen. Ans London wurde gestern telegraphirt: Die Grubenarbeiter und Angestellten der Kohlengrube von A s h i II g t o n, der größten in der Grafschaft Northuniberland, haben heute die Arbeit nieder- gelegt. Die Hochofen-Arbeiter von Cleveland hatten den Fabrikanten vor kurzem mitgetheilt, daß sie kündigen würden, wenn nicht die 24stüudige Sonntagsarbeit aushöre. Der Sekretär des Verbandes der Hochofenbesitzer hat, der Londoner„Allg. Korr." zufolge, den Beamten des Gewerkvereins darauf am Freitag mitgetheilt, daß dem Verbände bisher noch niemals«ine solche Forderung zugegangen sei. Deshalb möchten Vertreter der Arbeiter mit den Vertretern der Fabrikanten gütlich berathen, wie die jetzige lange Schicht an den Hochöfen an Sonntagen beseitigt werden könne. / Gerichks-Äettung. ff Ein umfangreicher MeineidSprozest nahm gestern vor dem Schwurgericht seinen Anfang. Angeklagt und nach sechsmonatlicher Untersuchuugshast vorgeführt sind der 30 jährige Musikdirektor Oskar O l b r i ch, der 38jährige Schneidermeister Paul T ö b s und der 46jährige Klempner Johann Winter. Mitangeklagt ist die Ehefrau des letzteren, die 32jShrige erblindete Flötenspielerin Minna Winter, die ebenfalls kurze Zeit in Untersuchungshaft war. Olbrich war seit dem Jahre 1892 verheirathet und lebte in unglücklicher Ehe. Um ein« für sich günstige Ehescheidung herbei- zuführen, beeinflußte er seinen Schneidermeister TöbS durch Geschenke und Versprechungen, darüber Zeugniß abzulegen, daß er gesehen habe, wie der Klempner Winter mit der Frau Olbrich Ehe- brnch trieb. Das Gericht hielt damals das ganze Manöver für ein höchst frivoles, weil die beschworenen Aussagen gegen die Ehefrau Marie Olbrich, die zur Zeit einen Schlächlerstand in der Markthalle in der Andreasstraße inne hat, sofort alS erfundene entkrästet wurden. Die Folge war, daß Winter wegen verleumderischer Beleidigung und wissentlich falscher Anschuldigung zu 5 Monaten Gcsängniß rechtskräftig vernrtheilt wurde, und der nun zum Abschluß kommende Meineidsprozeß. Bon der vertheidigung. welche für Olbrich und Töbs die Rechtsanwälte Dr. Bieber und Dr. Werthauer führen, ist auch die Kellnerin Flügel geladen, welche den Töbs im Jahre 1875 deniinzirte, er habe zusammen mit dem Schneidermeister Krebs gelegentlich der Frühjahrs- parade ein Attentat begehen wollen. Die Angelegenheit erwies sich aber als«in Racheakt, die Anarchisten Töbs und Krebs wurden bald wieder freigelassen. Seit dieser Zeit haben sich die beiden angeblichen Attentäter von der politischen Bewegung gänzlich zurückgezogen. Die Mitangeklagte erblindete Ehefrau des Klempners Winter ist eine im Osten Berlins bekannte Person. Im Winter zieht sie auf den Höfen mit einer Harfe umher, während sie im Sommer auf den Vorortsbahnen umhersährt und die Ausflügler während der Eisenbahnfahrt durch ihr Flötenspiel„unter- hält". Ihren Verdienst muß sie ihrem Ehemann abgeben, der sie den- noch zuweilen mißhandelt. Diese Angeklagte soll nun ihre Führerin, um ihren Ehemann in dem Meineidsprozeß herauszureißen, zu einem falschen Zeugniß verleitet haben wollen. Erschwerend ist es, daß mit- unter, wenn sich die Winter'schen Eheleute in Roth befanden, Olbrich Geldbeiträge unter singirter Adresse gesandt haben soll. Rechtsanwalt Dr. Broh und Dr. Braß verlheidigen die Eheleute. Einige 40 Zeugen sind geladen. Nach Eintritt in die Verhandlung wird wegen Gefährdung der Sittlichkeit für beide Sitzungstage die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Gepfefferter Nvrdhänser. Zu dieser vor wenigen Tagen ge brachten Gerichtsmittheilung berichtet uns Herr Max Schulz, Mit glicd des preußischen Abgeordnetenhauses, daß der Bestrafte kein Großdestillatenr, sondern ein Fabrikant ätherischer Oele und Essenzen sei. Der ausschließlich auS Großdestillalenren bestehende Verein der Liqueurfabrikanten rc. verurlheile alle Fälschungspraktiken. Mit eiuer originelle» Geudarmenbeleidiguug hatte sich jüngst daS Schöffengericht in S p a n d a n zu beschäftigen. Der Kellner Wiese passirte eines schönen Abends in angeheitertem Zu- stände die Straßen von Haselhorst, wobei er etwas laut war, weshalb ihn der Orlsgendarm zur Ruhe verwies. Als Antwort hierauf ließ Wiese das Lied erschallen:„W enn wir kein Geld haben, spannen wir den Gendarm vor den Wagen." Der fidele Sangesbruder wurde nunmehr zur Anzeige gebracht und wegen Beleidigung des Gendarmen unter Anklage gestellt. Das Schöffengericht verurlheilt« den Angeklagten zu 20 M. Geldstrafe. Gotteslästerungs-Paragraph und Prestgesetz. Ans Leipzig wird berichtet: Das objektive Versahren betr. die Einziehung der Nr. 41 der illustrirten Wochenschrift„ S i m p l i c i s s i m n s" be- schäftigk« dieser Tage den 3. Strafsenat des Reichsgerichts. Wegen eines Artikels:„Das jüngste Gericht' war die genannte Nummer in Leipzig beschlagnahmt worden und die Staatianwallschast hatte deren Einziehung auf dem Wege des objektiven Ver- fnhrens beantragt. Nach Ansicht der Elaatsanwalischaft«nk- hielt der Artikel die Kriterien des Religionsvergehens. Das Landgericht Leipzig hat in der Verhandlung am 1. Februar, in welcher der Einziehungsintereffent, nämlich der Verleger des Blattes, Albert Langen, durch Rechtsanwalt Dr. Rosenthal vertreten war, den Antrag auf Einziehung abgelehnt. Zur Begründung dieses Urtheils wurde ausgeführt: Die Beschliignahine hätte nur aus grund des Z42 des Strafgesetzbuchs erfolgen können. Nach diesem Paragraphen können, wenn die Verfolgung oder Verurtheilnug einer bestimmten Person nicht möglich ist, die daselbst vorgeschriebenen Maßnahmen selbst- ständig getroffen werden. Die Einziehung nach§ 42 kann jedoch nur dann erfolgen, wenn der volle Thalbestand der strafbaren Handlung gegeben ist, eine Bestrafung des Thäters aber nicht herbei- geführt werben konnte, sei es, daß derselbe unbekannt geblieben ist oder sich der Strafverfolgung entzogen hat oder endlich aus eineni anderen Grunde nicht zur Verantwortung gezogen werden kann. Im vorliegenden Falle ist aber eine Strafverfolgung ausgeschlossen, weil, wie die Staatsanwaltschaft in der Begründung des EinziehungS- anlrages selbst ausgeführt bat, die Thatbestaudsmerkmale der Gotleslästerung nicht gegeben sind. Der Gerichtshof ist aber nicht der Ansicht, daß in der Versendung der Nummer an die buchhändlerischeu Kommissionäre bereits«in« Vcrbreilnng des betreffenden Artikels er- folgt ist. Es sind somit die Voraussetzungen des Z 106 nicht vollständig gegeben, und«I war auS diesen, Grunde der Antrag aus Einziehung abzulehnen.— Gegen dieses Urlheil hatte die Staats- anwaltschaft Revision eingelegt. Es wurde darin auszuführen gesucht, daß eine Verbreitung doch staltgesundeii habe und daß der P o l i z e i b e a m t e, der das Pflicht-Exemplar der belreffendeii Nummer in Empfang nahm, Aergerniß an dem Artikel genommen habe, der daS Fortlebe» nach dem Tode ver- höhne und jeden golteSfürchtigen Christen verletzen müsse!— Das Reichsgericht ertannte auf Verwerfung der staalsanwaltlicheu Revision. Allerdings mnß, so wurde ausgeführt, der Revision zugegeben werden, daß die Feststellung, der Artikel enthalte keine beschimpsende Aeußerimg,«ine rechliirrlhnmliche ist, da das Gericht den Begriff der Beschiinpfung in einem zu engen Sinne aufgefaßt hat. Dennoch hat der Revision der Erfolg versagt werden müssen, weil§41 in Verbindung mit tz 42 verlangt, daß«in« an sich strafbare Handlung vorliegen muß und nur in diesem Falle das objektive Verfahren als zulässig erscheinen läßt. Wenn auch der Artilel eine Gotteslästerung nach s 166 enthält, so ist doch nicht festznstellen gewesen, daß durch denselben ein Aergerniß verursacht worden ist. Unter diesen Um- ständen liegt eine strafbare That nicht vor, und eZ war unmöglich, im objektiven Verfahren die Einziehung auszusprechen. AnS Stargard in Pommern wird berichtet: Als unschuldig Vernrtheilter wurde am 18. Juni nach elfinoiiatiger Haft der Viehhändler Judrian ans Arnswalde aus dem hiesigen Gerichtsgefänginß entlassen. Er war vor Jahressrist von der hiesigen Strafkammer wegen Jagdvergehens und thällichen Angriffs auf eineii Forst beamten zu zwei Jahren Gesängniß vernrtheilt worden. Als die von Judrian eingelegte Berusung vom Reichsgericht verworfen wurde, strengte er mit Erfolg die Wiederausnahme des Verfahrens an. Heute wurde er, nachdem er elf Monate seiner Strafe abgesessen hat, freigesprochen._ Versammlunsen. Im Berein zur Währung der Interessen der Maurer sprach am 13. Juni Dr. Wille über das Thema: Gedanken- kreiheit. Bei Erledigung gewerkschaftlicher Angelegenheiten wurde die Abrechnung vom gemüthlichen Beisammensein verlesen, die folgende? Resultat ergab: Alter Bestand 129,51 M., Einnahme 85,50 M., Ausgabe 43,46 M. Es wurde beschlossen, 100 M. zur Agitation zu überweisen. Der Verband deutscher Zimmerleute, Zahlstell« Berlin, hielt am 13. Juni«ine Generalversammlung ab, welche sich eines guten Besuches erfreute. Die Versainmlnng erledigte zunächst die Wahlen zur Agitalivnskommission für die Provinz Brandenbuig und für den Ausschuß. Für die erster« wurden Knüpfer und Döring, für den letzteren Schneider, Gruse, Stopzel, Stehr und Welsow bestimmt. Hierauf sprach Millarg über:„Das Hochstapler- thum im Baugewerbe." Den Ausführungen des Referenten wurde lebhaste Zustimmung seitens der Anwesenden zu- theil. Zum bevorstehenden Stiftungsfest, welche? am 14. August in Keller'» Festsälen, Koppenstr. 2«, abgehalten werden soll, wurde ein Vergnügungskomitee bestehend aus Muhl, Kloß, Götschinann, Wichmann, Trulenat, Ronieike, Girod, Kreßmer und Ganer eingesetzt. Die Rechnungslegung vom Kommers de? Vrovinzial-verbandstages wurde bis zur nächsten Versammlung zurückgestellt. Die Platz-Deputirte« der Berliner Zimmerer beschlossen am Freitag, die Frage betreffs Erhöhung des Stundenlohnes auf 60 Pf. am 23. Juni einer öffentlichen Versammlung vorzulegen, da«in Theil der Berussangehörigen sich an der vorgenonmienen Urabstim- mung nicht betheiligt. Den BezirkSkassirern wurde ein« halbjährige Entschädigung von 6 M. bewilligt. Die Anträge auf Erhöhung der Beiträge zum AgitationSfondS wurden der Lohnkommission zur Be- rücksichtigung überwiesen und sollen der nächsten Bersammlung zur Abstimmung vorgelegt werden. Der Deutsche Holzarbeiter- Verband(Berlin 30.) hatte am 14. Juni«in« Bersammlung anberaumt, in der daS Mitglied Klingner«inen naturwissenschaftlichen Vortrag hielt. Hierauf wurden die Mitglieder Kunze und Bergmann als Beitrag- sammler und Mende, Struck, Kunze. Ruppert, Regel und Schwab in die Werkstatt- Kontrollkommission gewählt. Zur Verhandlung gelangte» sodann einige Werkslattmigelegenheilen, wobei die Arbeitsverhältnisse bei der Firma Steiner, Britzerstraße, einer herben Kritik unterzogen wurden. Eine öffentliche Versammlung der Marmor-«nd Granit- arbeiter tagte am 15. Juni bei H o s f m a n n, Alexanderstr. 27c. Eingangs hielt Gersten berger einen beistimmend aufgenommenen Vortrag über:„Die Verbesserung der Lcbenshallnng der Arbeiter alS ein Mittel zur Hebung ihres geistigen und sittlichen Niveaus". Hierauf wurde eine Anregung des Vertraileiismannes Wolf, den Münchener streikenden Töpfern eine Unterstützung zn be- willigen, mit der Begiündnng abgelehnt, daß die Ge- fchäslsleitung der Branche bereits einem diesbezüglichen Unter- slützungsgesnch nachgekonmien sei. Eine Festsetzimg der Beitrags- summe zur Erhaltung des Gewerkschaftsbnreaiis wurde vorerst noch zurückgestellt; ein privates Uiiternütznngsgesnch für einen zugereisten Kollegen, der seine Rcisennterstützung erhalten, wurde durch Ucber- gang zur Tagesordnung erledigt. Zum Schluß wurde verschiedentlich lebhast Klag« darüber geführt, daß den Arbeitern verschiedener namhaft gemachler Arbeitsstätten die brieflichen Veisammlnnge-Eiii- ladungeu theils zu spät, theils erbrochen, theils gar nicht von den Fabrikanten resp. deren Stellvertretern abgeliefert worden seien. Der Verein der Wäsche- und Kravattenbranche hielt am 16. d. M. in Schulz' Salon, Nene Königstr. 7, seine Mitglieder- versaminlung ab. in der Genosse Sassenbach über: Die heilige Inquisition sprach. Auf Antrag wurde ferner beschlossen, zur nächsten Versaininlung den vom„Vorwärts" gebrachten Bericht der Wäsche- und Konsektionsbranche ans die Tagesordnung zn setzen, und einen geeigiieten Referenten zu derselben einzuladen. Das Sommer- fest des Vereins findet am Eonnabend, den 26. Juni, im Schweizer- garten statt. Der Zentralvercin der Burean- Aiisiestellteil tagte am 17. Juni. Casper hielt eine mit Aufmerksaiiikeil eiilgegengenommene Vorlesung Über Kommimismus und Kapitalismus(von Paul Lafargne), ein Werk, das den Mitgliedern warm empfohlen wurde. Ei» Mil- glied beklagte sich über«ine ihm widerfahrene Maßregelimg sri e»s eines Berliner Anwalts, weil er dem Zentralverein angehöre. Ties Verhalten fand die ihm gebührende scharfe Mißbilligung niilcr den Mitgliedern. Der Verband der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter hörte in seiner Mitgliederversaiiniiluiig am 17. d. M. einen Vortrag seines Vorsitzenden Schumann über die Aufgabe» der Organisation. Nach Erledigung einiger Verbandsangelegenbeiten wurde der Erlrag einer Tellerjaminlung im Betrage von 5 Mark an die streikenden Töpfer in München gesandt. Ten Sattlern, Täschnern und Treibriemen-Arbciter» hielt am 19. Juni Herr Heinrich Schlegel im„Englischen Garten" einen recht iiileressanten Vortrag über das moderne Wohnungselend. Sodann wählte die Versainmlung zwei Delegirte zu dem im August in Leipzig statifindenden Tapezirerkongreß. Da dieser Kongreß gewissermaßen als Einigungskongreß zwischen Zcntralisten und Lokatisten zu betrachten ist, außerdem die Tapezierer den Satilern die nächst verwandte Gewerkschaft ist, ja sogar verschiedene Sattleifilialen zum größten Theil von Tapezirern gehalten werden, erachtete die General- versaminlung in Erfurt die Entsendung von vier Delegirten der Sattler zu dem Leipziger Kongreß für nothwendig, und beauftragte Berlin mit der Entsendung von zwei Delegirten, während Leipzig die beiden anderen Delegirten zu stelle» hat. Ein Antrag, der sich gegen jede Delegation wendet, wurde abgelehnt, ebenso fand der Vorschlag, einen Delegirten zu senden, kein Entgegeiikoniineil. Nach längerer Debatte wurde» S a s s e n b a ch und B l u h in gewählt. tum Schluß erfolgte Bericht über die Revision der Abrechnung örsch, aus der hervorging, daß ein Manko in der Streikabrechnnng vorhanden ist, dagegen wurde für die Rechnungslegung der Agitationskoinmission Decharge ertheilt. Schließlich wurden die In« Haber von Maimarken um baldig« Abrechnung ersucht. Im Arbeiter-Bildnuasverei» für Friedrichsfelde und Unigegend sprach am 17. Juni Genoff« Wagner in einem lehr« reichen Vortrage über daS Vereins- und VersanmilungSrecht. In der Diskussion wurde auch die Frage der Beiheilignug an den Landtags- Wahlen gestreist, von einer Beschlußfassung aber ab- gesehen. Nachdem der Vorsitzende den Mitgludern noch ans Herz gelegt, sür besseren Besuch der Versammlungen zu agttiren, erfolgte der Schluß der Versammlung. Weißcnsee. Am 19. d. M. tagte hier«ine Versammlung der Möbelpolirer, in der Möbelpolirer R e n t e r scharf die Ueberhand- nähme des Zwischenmeisterthums geißelte. In der Diskussion wurden einige Werkstätten bekannt gegeben, in welchen sortgesetzt Ueberftimden gemacht werde». Die Versammlung beauftragt einige Kollegen,«inen Versuch zu unternehmen, diesen Uebelstand zu be« seiligen._ Vepeflhen und lehke Muchvichken« Leipzig, 21. Juni.(B. H.) Das hiesige Schwurgericht ver« urtheille heute den früheren Besitzer der„Leipziger Gerichlszeitung", Salo Werner, wegen schwerer Urkundeiisälschimg und Betrug zu 2 Jahren 3 Monaten Gesängniß. Drei Monate wurden auf die Unlersuchuiigshaft in Anrechnung gebracht. Graz, 21. Juni.(B. H. Die umliegende» Berge sind bis tief in das Thal hinab mit Schnee dedeckt. Trieft, 21. Juni.(B. H.) Unweit Taranto ist ein öfter- reichisches Segelschiff, das sich mit einer Ladung Dauben auf der Fahrt nach Bordeaux befand, in Brand geralhen. Nach vielen Mühen gelang es zwei italienischen Torpedobooten, die aus 21 Per- sonen bestehende Mannschaft zu retten. Das Schiff und dessen Ladung gingen verloren. PrzemySl, 20. Juni.(B. H.) Wegen Spionageverdachts er« hielt die hier bei Verwandten sich zum Besuch aufhallende Gattin eines Petersburger Bankbeamten namens Pievniki den Beiehl, binnen drei Tagen Oesterreich- Ungarn zu verlassen. Ihre Kor- respondenz wurde beschlagnahmt. Paris, 21. Juni.(W. T. B.) Die Depntirtenkaminer nahm heute eine Vorlage an, durch welche die von der Telegraphen- Konferenz in Budapest anfgestelllen Tarife für Frankreich genehmigt werden, sowie ferner eine Vorlage, wonach die von Frantreich mit Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, dein Deutschen Reiche, der Schweiz und Rußland abgeschlossenen Telegraphenverlräge genehinigt werden. Paris, 21. Juni.(B. H.) Die Bevölkerung van Bezicres wurde gestern durch die Nachricht eines Dynamitaltentats in Graissesac, der bedeutendsten Gemeinde des Departements, stark erregt. Nähere Einzelheiten fehlen biS jetzt noch. Mailand, 21. Juni.(B. H.) Am Gardasee und im unteren Pothale herrschte gestern ein heftiger Wirbelsturm, verbunden mit starkem Hagelschlag. Der an den Häusern und aus den Feloern an- gerichtete Schaden ist sehr bedeutend. Die Ausläufer der?Ilpen sind mit frisch gefallenein Schnee bedeckt. Auch in Venedig ging cm heftiges Unwetter nieder. Die Straßen sind überschwemmt. Im Kanal Grande wurden sieben große Boote unigeworfen. Das Kriegsschiff„Bedetta" wurde gegen den Strand des Markusbassins geschleudert. London, 21. Juni.(W. T. B.) Unterhaus. Der erste Lord des Schatzes, Balfonr, beantragte heute«ine Glückwunsch- Adresse an die Königin, welche von Harcourt nnterstützt wurde. Dillon protestirte gegen die Adresse, an welcher die Jrländer sich nicht betheiligen könnten; er und seine Partei würden gegen die Adresse stimmen, aber nicht für«inen etwaigen Unterantrag. SirJobn Redmond brachte einen Unterantrag ein, welcher erklärt, Irland habe während der Regurnng der Königin an Hnngersnoth, Entvölkerung. Arninth und einer fortwährenden Suspension seiner konstitutionellen Freiheiten gelitten, daher sei das irische Volk unzufrieden und außer stände, sich der Judelfeier anzuschließen. Der Unteranlrag wurde abgelehnt und daraus die Adresse mit 459 gegen 44 Stimmen an- genommen. Schließlich gelangte noch ein Antrag Balsour's, daß die Adresse durch das Gesammthau» überreicht werden soll, mit 411 gegen 41 Stimmen der irischen Nationalisten zur Annahiiie. Verantworllich» Redakteur: August Jarobep in Berlin, gär den Inserat enthetl verantwortlich:»h. Gtoeke in verltn. Druck und Verlag von Mar lvadiua in verlin. Hierzu I Beilag« u. tliiterünltiingsblatt. s,. us. ii. wm. KilM lies Jontiitte" Klllim WIKsillÄ.-- z»! lM. Ueberficht über die zur Zeit für die Landtage der deutschen Einzelstaaten bestehende« Wahlverfahren. Als Beitrag für die Diskusston über die Möglichkeit und Art einer Belheiligung an den Landtagswahlen veröffentlichen wir nach- stehend eine gedrängte Ueberstcht über die zur Zeit für die Landtage der deutsche» Einzelstaaten bestehenden Wahl- verfahren. Die Bestimmungen über die Zusammensetzung der ersten Kannner(Herrenhaus und Senat) in den Staate» mit Zweikammersystem. sowie die für die Mecklenburger und für Elsab-Lothringen bestehenden Verhältnisse haben wir der Vereinfachung halber fort gelassen. Bemerkt sei, daß durchweg nur Staatsangehörige männ Ilchen Geschlechts aktives und passives Wahlrecht haben, daß ferner durchweg Bevormundung, Kontnrssall, strafgerichlliche Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und Empfang von Armenunterstützungen die Wahlberechiiguug aufhebt, und daß in ganz Deutschland für aktive Militärs das(aktive, nicht da? passive) Wahlrecht ruht. Jeder Kritik der einzelnen Bestimmungen habe» wir uns enthalte», um nicht der selbständigen Beurtheilung über die taktische» Folgen der Wahlversahren vorzugreifen. Wahlberechtigt ist in Preußen jeder Preuße, der das 24. Lebensiahr vollendet hat und in einer Gemeinde seit S Mp naten seinen Wohnsitz oder Aufenthalt hat. Die Wähler wählen nicht direkt den Abgeordneten, sondern wählen als Ur- _ in Urwahlbezirken Wahlmänner. Die so gewählten Wnhlmänner desselben Wahlkreises treten an einem späteren Tage zusammen und wählen ihrerseits den oder die Abgeordneten des Wahllreifes. Preußen ist in 2öS Wahlkreise gelheilt, in denen 1° 1 bis 3, inSgesammt 433 Abgeordnete, zu wählen sind. Jeder Wahlkreis zerfällt in eine Anzahl Urwahlbezirke von je 750 bis 1749 Urwählern(bei den letzten Wahlen waren 24 130 Urwahlbezirke für die 256 Wahlkreise vorhanden). Jeder— von der Verwaltungs- behörde abgegrenzte— Urwahlbezirk wird nach Maßgabe der von fernen Urivählern zu entrichtenden direkten Staats., Gemeinde-, Bezirks- und Provinzialsteuern in 8 Abtheilungen getheilt. Diese Theilung erfolgt in der Weise, daß auf jede Abtheilung ein Drittel der gesammten Summe der Steuerbeträge aller Urwähler fällt. Die Höchftbesteuerten. welche das erste Drittel aufbringen, bilden die erste Abtheilung(gewöhnlich Masse genannt), diejenigen, die das zweite Drittel ausbringen, die zweite, der Rest die dritte Klasse. Be trägt beispielsweise die Anzahl der Urwähler des Urwahl bezirks 300 und die Gesammtsteuer- Summe. die diese 800 Wähler jährlich zu zahlen habe». 90 000 M.. so ivird die erste Klasse gebildet: aus dem Einen, der allein 30 000 M. Steuern zu zahlen hat, die zweite Klasse au? den nächst hoch besteuerten 30 Leuten, die zusammen 30 000 M. zahlen und die dritte Klasse ans den übrig bleibenden 769 Wählern. Jede Klaffe wählt für sich Wahlmänner. Für je 250 bis 499 Einwohner des UrwahlbezirkS ist»in Wahlmann, für jeden Wahl- bezirk also 3 bis 6 Wahlmänner zu wähle». In jeder Klasse sind. wenn 3 oder 6 Wahlmänner zu wählen find, gleich viel(1 oder 2) Wahlmänner zu wählen. Sind 4 Wahlmänner zu wähle«, so wählt die zweite Klaffe 2, die übrigen je»inen Wahlmann. Sind 5 zu wählen, so wählt die erste und dritte je 2, die zweite einen. Die Wahl der Wahlmänner wird in folgender Art vorgenommen. Im Wahllokal wird jeder Wähler— die der dritten Klasse zuerst— einzeln aufgerufen, tritt an den Wahltisch und giebt öffentlich seine Stimme für soviel Wahlmänner ab. alz in der Abtheilung zu«»ählen find. Hat sich die absolute Mehrheit auf die zu wählende Anzahl Wahlmänner vereinigt, so sind diese gewählt. Ist eine absolute Mehrheit nicht bei allen Wahlmännern erreicht(ist z. B. bei einer Wahl von 3 Wahlmännern nur auf«inen Wahl- mann die Mehrheit gefallen), so kommt in die engere Wahl die doppelte Anzahl der noch zu wählenden Wahlmänner(bei unserem Beispiel also 4). Ueber diese 4 wird abermals abgestimmt und diese Prozedur so lange fortgesetzt, bis die erforderliche Anzahl Wahl- männer mit absoluter Mehrheit gewählt ist. Erst dann können die zur Wahl erschienenen Urwähler abtreten. � 0u8 btn t":e' Abtheilungen der verschiedenen Urwahlbezirke desselben Wahlkreises gewählten Wahlmänner wählen i» gemein« I tu e r Wahl einige Tage später den oder die Abgeordneten ihres Wahlkreises. Auch diese Wahl geschieht durch öffentliche Stimm« abgäbe. Es werden, wo mehrere Abgeordnete zu wählen sind, die- selben nicht gleichchzeitig, sondern hintereinander gewählt. In 105 der 256 preußischen Wahlkreise ist je ein. in 125 find je zwei und in 26 Wahlkreisen je drei Abgeordnete zu wählen. Die Wahl in Preußen ist also«ine allgemeine, indirekte, auf Zensus und Dreiklassen-Wahlsyftem beruhende öffentliche In Vayern kann zum Landtag wählen: jeder in Bayern wohn- hafte 21 jährige Bayer, der seit mindestens 6 Monaten direkte Etaatssteuern entrichtet und den Verfassungseid geleistet hat. Die Wahlart �ist eine indirekte. Jeder Urwahlbezirk wählt drei bis sieben Wahlmänner, diese den oder die Abgeordnelen. Die Ur- Wahlbezirke werden nicht nach Steuerklassen gelheilt oder gebildet. Die Wahle» sind geheim. In Württemberg ist wahlberechtigt, wer 25 Jahre alt ist und würlteinberger Staalsbürgerrecht besitzt. Di« Wahl ist ein- direkte und geheime. Dem Landtag« gehören aber außer den in jedem der 63 OberamtLbemke zu wählenden Abgeordneten an: 13 Mitglieder des ritterschaftlichen Adels, 6 protestantisch« General- superinlendenten. ferner der LandeSbischof, der älteste katholische Dekan, ein vom Domkapitel Ausgewählter, der Kanzler der Landes- Universität und 7 vou de» Städten Stuttgart, Tübingen, Ludwigs« bürg, Evwangen, Ulm, Heilbronn und Reutlingen Gewählte. In Sachse« ist wahlberechtigt jeder 25jährige Sachse, der seit sechs Monaten in einer Gemeinde wohnt und entweder Grund- oder Einkommensteuer für ein Einkommen von wenigstens 400 M. zahlt Die Wahlarl ist eine indirekte und eine Dreiklassenwahl. Die Drei- klassenbildung erfolgt ähnlich wie in Preußen, jedoch mit folgenden erheblichen Abweichungen: I. In der Regel ist nicht die Stenersuinme des UrwahlbezirkS, sondern die des SUahlkreises zu dritteln, 2. den Grundbesitz erlassene, sowie Gemeinde-, Provinzial- und Gewerbesteuern kommen nicht zur Anrechnung, 3. in die erste Klasse kommen unter allen Umstände» alle Wähler, die wenigstens 300 M in die zweite alle, die wenigstens jährlich 33 M. Steuern entrichten, d. h. über 2200 M. Jahreseinkommen haben, 4. 2000 M. übersteigende Steuern kommen nur mit 2000 M. i» Ansatz, 5. auf jeden Wahlmann müssen— auch in der ersten Ab« theilung— niiudestens 5 Wähler kommen. Die Wahlen der Wahl- männer und der Abgeordneten sind geheime. In Baden sind wahlberechtigt: alle Staatsangehörigen, die über 25 Jahre alt sind und in dem Wahlbezirk ihren Wohnsitz haben. Die Wahlen sind indirekte, jedoch nicht auf Zensus be- ruhende und geheime. Di« zwtite Kammer besteht aus 63 Ab- geordneten. In Hessen ist wahlberechligt, wer 25 Jahre alt und Hesse ist und seit Anfang des Kalenderjahres Einkommensteuer bezahlt hat. Die Wahlen sind indirekte, beruhen nicht auf dem Zensus und sind geheime. Die zweite Kammer besteht aus 50 Abgeordneten, nämlich aus 10 Abgeordneten der Städte Darmstadt(2), Mainz(2), Gießen, Offenbach, Friedberg, Alsfeld, Worms, Bingen, 40 Abgeordneten der übrigen Städte und Landgemeinde»(Slarlenbnrg 17, Oberhessen 13. Rheinhessen l0). In Sachsen-Weimar besteht das Einkammersystem. Die Kammer besieht aus 31 Abgeordneten. Dies« werden in vier Kategorien ge- wählt: einer durch die begütert« ehemalige Reichsritterschaft, vier von den Grundbesitzern, deren Grundeigenthui» wenigstens 1000 Thaler Rente ab»'irft, fünf von den EtaalSangehörigeu, welche aus anderen Quellen wenigstens 1000 Thaler jährlich beziehen, die übrigen 21 gehen aus allgemeinen Wahlen hervor. Du Wahl der ersten 3 Kategorien ist eine direkte, die der letzten eine indirekte nicht aus dem Zensus beruhende, geheime. Zur Wahl- berechtigung genügt wie in Bayern die erreichte Volljährigkeit. In Sachsen-Meiningen besteht das Einkammersystem. Die Kanuner wird durch 24 Abgeordnete gebildet. Hiervon sind 16 (je 4 in den 4 Kreisen und zwar in 16 Wahlbezirken) in allgemeiner, direkter, geheimer Wahl zu wählen. DaS Wahlberechtigungsalter ist 25 Jahre. In Sachsen-Alteubnrg sind 30 Abgeordnete zu wählen. Wahl- berechtigt ist der 2bjährige Staatsbürger, der Etaalssteuern entrichtet. Von den 30 Abgeordneten werden 21. und zwar 9 in den Städten, 12 auf dem platte» Lande, mittels indirekter Drei-Klassenwahl— die Berechnung der Eteuerstusen erfolgt für den ganzen Wahlbezirk— in sieben Wahlbezirken gewählt. Die übrigen 9 werden von den Höchstbefteuerten in direkter Wahl gewählt. Alle Wahlen sind geheim. I» Sachsen- Coburg- Gotha besteht der Landtag für Coburg aus 11, der für Gotha aus 19 Mitgliedern. Beide zusammen bilden den gemeinsamen Landtag. Wahlberechtigt ist jeder 2bjährige Staatsbürger, der direkte Steuer» entrichtet. Die Wahlen sind in- direkte, nicht auf dem Zensus beruhende, geheime. In Schwarzburg-Rudolstadt ist wahlberechtigt, wer 25jähriger Staatsbürger ist und direkt« Steuern entrichtet. Der Landtag be- steht aus 16 Abgeordneten. Von diesen werden 12 in allgemeiner Wahl, 4 von den Höchstbesteuerten in direkter geheimer Wahl gewählt. Der Schwarzburg- SouberShauseuer Landtag besteht aus 15 Mitgliedern und zwar aus 5 von den Höchstbesteuerten, 5 in allgemeiner indirekter Wahl Gewählten und 5 vom Fürsten aus Lebenszeit Ernannten. Die Wahl zu Wahlmännern ist geheim, die zu Abgeordneten öffentlich. Wahlberechtigt sind die Gemeinde- Wahl- berechtigten, die mindestens ein Jahr lang Steuern gezahlt haben. Oldenburg besitzt das Einkammersystem. Der Landtag besteht aus 34 Mitgliedern, die aus geheimer, nicht aus Zensus beruhender Wahl hervorgehen. In Branuschweig besteht die Landesvertretung aus einer Kammer von 46 Abgeordneten. Von ihnen wählen du Städte 10, die Landgemeinde» 12, die Höchstbesteuerten 21, die evangelische Kirche 3. Die Wahlkollegie» für die Städte bestehen aus den Magistraten und Stadtverordneten in Verbindung mit(in geheimer Wahl gewählten) Wahlmännern, in den Landgemeinden aus Wahl- männern, welche nach Maßgabe der Vorschrift des Gemeindegesetzes gewählt werden. In Anhalt besteht der Landtag aus 36 Mitgliedern. Von diesen ernennt der Herzog 2. Die übrige» werden gewählt, und zwar: 3 von den höchstbesteuerten Grundbesitzern, welche mindestens 21 M. steuern, 3 von de» Handel- und Gewerbetreibenden, welche mindestens 21 Mark als Einheit der Ergänzungssteuer steuern, 14 von den Städten, 10 vom platten Lande. Der Landlag muß be- stehen aus 8 Großgrundbesitzern, 2 Höchstbesteuerten der Gewerbe- und Handeltreibenden, 14 Stadt- und 10 Landbewohnern. Die Wahlen für die Städte und Dörfer sind mittelbare und geheime. Waldcck wählt 12 Abgeordnete aus dem Fürstenthum Waldeck, 3 aus dem Fiirstenthum Pyrmont in indirekter, nicht auf Zensus beruhender Wahl. Die Wahl der Wnhlmänner ist eine geheime, die der Abgeordneten eine öffentliche. Die Wahl der Wahlmänner erfolgt nach den Bestimmungen für die Wahl der Gemeinderäthe. Der Landtag in Reuß älterer Linie besteht aus 12 Abgeordnete». 3 von diesen ernennt der Landesherr. 2 werde» vou den Großgrund. besitzern in direkter. 7 vou den übrigen Wahlberechtigten in indirekter Wahl(in 4 ländlichen und 3 städtischen Wahlbezirke») gewählt. Die Wahl ist eine geheime und beruht nicht auf dem Zensus. Wahl berechtigt sind die 2b Jahre alten besteuerten Staatsbürger. Reuß jüngerer Linie hat«inen Landtag mit 16 Ab- geordneten. Einer von diesen ist der jedesmalige Besitzer des Reuß-Köstritzer Paragiums, drei werden von den Höchstbesteuerte». die übrigen 12 von den Übrigen Wahlberechtigten gewählt. Wahl- berechtigt ist jeder 25 jährige Staatsbürger, der mindestens 30 Pf. steuert und gemeindewahlberechtigt ist. Die Wahlen sind direkte und geheime. In Schaumbnrg-Llpp« besteht der Landtag aus 15 Mit gliedern. Von diesen sind 2 Vertreter des Dominialgrundbcsitzes, welche durch landesherrliches Vertrauen berufen werden, 1 gewählter Vertreter des ritterschaftlichen Grundbesitzes, 1 von den Predigern gewählter Vertreter, 1 von de» amtirenden Juristen, Medizinern und stndirten Lehrern Gewählter, 3 Vertreter der Städte (2 für Bückeburg und 1 für Stadthagen) und 7 gewählt« Vertreter der Aemter(3 für das Amt Bückeburg, 4 für das Amt Sladthagen Hagernburg). Die Wahle» sind direkt und geheim. Lippe besitzt einen ans 21 Abgeordnelen bestehende» Landtag. Die Abgeordneten werden in direkter und geheimer Wahl von den nach Eteuerstusen in drei Klassen gegliederten Wählern ge- wählt. Die Drittelimg erfolgt nicht urwahlbezirksweise, sondern für das ganze Land. Die Wahlberechtigung beginnt mit vollendetem 25. Lebensjahre. Die Hamburger Bürgerschaft besteht aus 160 Mitgliedern. Von diesen werden 80 durch allgemeine direkt« Wahlen mit geheimer Stimmabgabe gewählt. Zu der Theilnahme an dieser Wahl sind alle Bürger, die das Bürgerrecht erworben habe», berufen. Die übrigen 30 Mitglieder besteh«»: 1. aus 40 Abgeordneten, welche in geheimer Abstimmung von Grundstückbesttzern gewählt werden. 2. aus 40 Ab- geordneten, welche durch direkt« Wahl mit gehenner Stimmabgabe von denjenigen Bürgern gewählt werden, welche Richter, Handel?« richter, Mitglieder der Vormundschaftsbehörde, bürgerliche Mit- glieder der Verwaltungsbehörden, der Handels» oder Gewerbekammer sind oder gewesen sind. In Lübeck besteht die Bürgerschaft auS 120 Mitgliedern, die auS allgemeinen direkten und geheimen Wahlen hervorgehen. Aktiv und passiv wahlberechtigt sind alle Bürger des lübeckischen Freistaats, die reichstagswahlberechtigt sind. Die Bürgerschaft Bremens hat 150 Mitglieder. Das aktive und passive Wahlrecht besitzt jeder Bremer, der das 25. Jahr vollendet hat und in dreijährigem Besitz des Staatsbürgerrechts sich befindet. Die Wahlen sind direkte, geheime, aber nicht allgemeine, sondern Klassenwahlen. Es bestehen nämlich dort acht Klassen, die wie folgt gebildet werden: die erste Klasse besteht aus denjenigen, welche aus einer Universität gelehrte Bildung erworben haben, die zweite an? den Theilnehmern des KaufmannSkonvents, die dritte auS den Mitgliedern des GcwerbekonventS, die vierte auS den übrigen Bewohnern der Eladt Bremen, die fünfte ans den Bewohnern der Stadl Vegesack, die sechste au« denen von Bremerhaven, die siebente auS denjenigen Landleuten, welche für die Kammer für Landwirlh- schaft wahlberechtigt sind und mindestens 3 Hektare Land selbständig bewirthschaften, die achte aus den übrigen Bewohnern des Land- gebietes. In den drei ersten Klassen wählen sämmtliche Wähler ge» meinschaftlich. In den übrigen Klassen greift eine Bezirkseintheilung Platz dergestalt, daß bei den regelmäßigen dreijährigen Ersatzwahlen «in Bezirk«inen Vertreter wählt._ Keleidigungsprozeß Tappert- Lackomltz wider Kempner(Kerr). Jb Der in der musikalischen und literarischen Welt mit einiger »pannung erwartete Prozeß der Musikschriftfteller W. Tappert und m Lackowitz wider den Schriftsteller Dr. Alfred Kempner(Kerr) wurde gestern vor der 148. Ablh. des hiesigen Schöffengerichts unter Vorsitz des AmtsgerichlSraths Haack verhandelt. Den persönlich erschienenen Privatklägern stehen Justizrath Kleinholz und Dr. S ch w i n d t zur Seite, der Beklagte wird vom Rechtsanwalt Paul Jonas vertheidigt. Letzterer hat ein« groß« Zahl von Zeugen und Zeuginnen, welche der musikalischen Welt angehören, geladen: ein Theil von ihnen hat sich durch Abwesenheit von Berlin entschuldigen lassen, darunter Kammersänger Götze und Frau, die in Karlsbad weile», Georg Liebling, der«ine Kaltwasser-Heilanstalt aus- gesucht hat, u. a. Der Andrang zu dem ganz kleinen Sitzungszimmer ist ein so enormer, daß der Beginn der Verhandlung längere Zeit verzögert wird. Als die Sache vom Gerichtsdiener aufgerufen wurde, stürmte und drängte es in das Zimmer, so daß weder die Parteien, noch deren Vertreter Zugang fanden und der Vorsitzende nur durch wiederholten energischen Hinweis auf den Hansfriedensbruchs-Para- graphen vermochte, den nolbwendigen Platz zu schaffen. Der historische Verlauf der Sache ist bekannt. Als der viel- besprochene Fall Liebling sich ereignet hatte, besprach ihn Dr. Kerr in der„Frankfurter Zeitung" und deutete dabei an, es werde in musikalischen Kreisen behauptet, daß gewisse Kritiker der Bestechung zugänglich seien. Es erfolgte darauf die Erklärung der 23 Musik- kritiker, welche den Vorwurf mit Entschiedenheit zurückwiese». Dr. Kerr antwortete daraus und beschuldigte schließlich die beiden Privatkläger, daß sie hen Geldspenden ausübender Künstler zngänglich seien. Herr Tappert erließ daraus im„Kleineu Journal" eine kurze Erklärung, in welcher er die Behauptung Kerr's für Lüge und Verleumdung erklärte. Diese Erklärung hat Dr. Kerr zum Gegenstande der Widerklage gemacht. Als Sachverständige wohnen Prof. Schulze, Prof. Krebs und Prof. Urban der Verhandlung hei. Zum Wahrheitsbeweise erklärt Rechtsanwalt Jonas, daß eine große Zahl der von ihm vorgeschlageneu Zeugen zu seinem Bedauern ausgeblieben sei und er sich bemüht habe, Ersahzeugen zu stelle». Was speziell Herrn Lackowitz betreffe, so werde in einem Schriftsätze des Klägers zugegeben, daß Georg Liebling ihm einmal nach einem Konzert 40 M., ein anderer ausübender Künstler aber 50 M. zu- gesendet habe. In letzterer Beziehung erklärt der Privatkläger, daß an jenem Abend, an welchem der Künstler austrat, mehrere Konzerte stattgefunden haben, daß er eine Droschke habe benutzen und Abendbrot außer dem Hause habe einnehmen müssen; den Rest habe er in eine kleine Kasse gethan, ans welcher er arme Musiker zu unter- stützen pflege. Rechtsanwalt Jonas bedauert lebhast, daß der Zeuge Flörsheim wegen seiner Berufsgeschäfte bei dem Schlesische» Musik- feste nicht anwesend sein könne, Frl. Schmidt eine Kur in Kissingen durchmachen müsse, der Konzertagent Jules Sachs in Norwegen sich aufhalte und sein Vertreter T a u s s i g ans einer Tournee sich befinde. Letztere beide sollen ausübenden 5kü»stleru gesagt haben, daß es nothwendig sei, Herrn Tappert und Herrn Lackowitz Geld zu geben mid zwar in der Form, daß sie bei ihm Stunden nehmen.— Herr Tappert erklärt, daß er entschieden darauf bestehen müsse, daß zunächst Herr Jules Sachs und Herr Taussig ganz klare Auskunft darüber geben, aus welchem Grunde sie dazu gekommen seien, den Künstler» solchen Rath zu ertheilen.— Als erster Zeuge wird der Tenorist Syburg vernommen. Er habe durch Vermiltelung der Konzertagenlur Jules Sachs am 9. Oktober hier ein Konzert geben wollen. Dabei habe er mit Herrn Sachs auch berathen, in welcher Weise das Konzert inszenirt werden könnte. Herr Sachs habe ihm gesagt, daß es sehr anzurathen wäre, wenn er sein Konzert- Programm dem Musikkritiker Tappert und Herrn Lackowitz vorsänge. Er müßte zu diesem Zwecke bei Tappert zwei Stunden h 50 M. nehmen und es sei deshalb zweckmäßig, dafür also für Tappeet 100 M. und für Lackowitz 50 M. auszusetzen. Herr Sachs habe dabei gesagt:„Geld nimmt keiner, aber Honorar!" Er habe ge- antwortet, daß er dies schon wisse. Weitere 50 M. sollten unter zwei Herren, deren Namen er nicht mehr kenne, vertheilt werden. Dem einen seien 30 M. mit einer Visitenkarte zugestellt worden, der andere hatte ein Buch geschrieben und es wurde der Vorschlag ge- macht, ihm ein Exemplar für 20 Mark abzukaufen. In den Kreisen der ausübenden Künstler herrsche allgemein die Anschauung, daß man, ehe mau ein Konzert gebe, b e i Tappert einige Stunden nehme. Ebenso sei es all- gemein bekannt. daß dies doch nur eine Maske sei, um Herrn Tappert Geld zuzuwenden und sein Urtheil zu beeinflussen. Er habe in zwei Stunden Herrn Tappert sein Programm vorgesungen und ihm dafür 100 M. gezahlt. Herr Tappert war verhindert, über dieses Konzert zu schreiben. Später habe er ein Quartett- Koiizert geben wollen und Herrn Tappert gebeten, doch zu erscheinen. Das Konzert sei sehr ungünstig ausgefallen, so daß Herr Tappert eS vor seiner(des Zeugen) Solonummer verlassen habe. Er habe dann Tappert»och einmal besucht und ihn gebeten, ihm etwas vor- siugen zu dürfen und von ihm zu erfahren, ob er Fortschritte ge- macht habe. In einer Tappert'scken Kritik habe dann ganz in diesem Sinne gestanden: er, der Zeuge, habe Fortschritte ge- macht.— Herr Tappert: Der Zeuge habe ihm damals gesagt, er habe locker gelebt und nur noch für 4 Wochen Subsisteuzmiltel, und es sei dringend nothwendig, daß er sehr bald einen großen Erfolg erringt. Er habe, als er bei ihm war, die Lieder, die er vorsang, ganz unzulänglich studirt gehabt und wenn er, Tappert, dieGulmüthigkeit habe, sich von einem so gänzlich unvorbereiteten Sänger nochmals aufsuchen zu lasse» und dann einen gewissen Fort- schritt konstatire, so sei dies doch nichts, was einer Bestechung oder einem Mißbrauche ähnlich sehe. Zeuge Konzertdirektor Eugen Stern: Er habe niemals den jungen Künstlern, die hier Kouzerte geben wollten, gesagt, daß es nothwendig sei, Herrn Tappert vorher ihr Konzertprogramm vor- zustngen oder gar Unterricht bei ihm zu nehmen. Wohl aber habe er jungen Künstlern, die hier ihre Karriere beginnen wollen, gesagt, da? Anstandsgefühl erfordere eS, daß sie hervorragenderen Musikkritikern vorher ihren Besuch niachen. Es gebe Kritiker, die dies für selbstverständlich halten und andere, die sich solche Besuche ganz entschieden verbitten. Einem ausländischen Künstler, der hier«m Konzert mit Orchester gab, was sehr viel Geld kostet, habe er gerathen, dem Kritiker Tappert einen Besuch zu machen und ihn zu bitten, sein Konzert zu besuchen. Der Künstler habe ihn aber nicht getroffen. Später habe er an mehrere Kritiker Briese weggeschickt, denen je 100 M. beigepackt waren, die übrigen Kritiker haben die 100 M. zurückgeschickt, von Lackowitz und Tappert sei aber nichts zurück- gekommen. Der Zweck des Besuches bei Tappert sei nicht gewesen, ihn in seiner Kritik zu beeinflussen, sondern lediglich, ihn zu ersuchen, das Konzert überhaupt zu besuchen. Ab und zu sei ihm gesprächsweise allerdings zu Ohre» gekommen, daß junge Künstler Sendungen au Tapperl abgehen lassen, persönlich !iabe er nur den einzigen Fall erlebt. An Lackowitz habe er»ach einer Erinnerung in zwei Fällen je 50 M. geschickt. Tappert: Er habe bis dahin von dem betreffenden Geiger Soch nichts gewußt gehabt. Sein alter Freund Wilhelms habe ihm den jungen Mann warm anempfohlen und gebeten, über diesen Paganini-Spieler eine Rezension zu schreiben, damit diese gedruckt und in England und Amerika veröffentlicht werden könnte. Das habe er gethan; er habe in seiner Besprechung ganz objektiv der Leistungen des jungen Mannes nnd seines Lehrers gedacht, eine Verlesung der Kritik werde ergeben, daß er keineswegs mit Super- lativen hernmgeworsen habe. Er habe in diesem Falle durchaus nicht gegen seine Pflicht gefehlt und sich nicht bestechen lassen. Theateragent Sanftleben soll bekunden, daß vou der Frau deS Kammersängers Götze dem Kläger Tappert Geld zugewendet worden fei, um ihn zu beeinflussen. Rechtsanwalt I onas behauptet, Kammersänger Götze sei über die stets ungünstige Kritik von Tappert sehr nervös gewesen nnd deshalb habe sich seine Frau au Sauft- leben mit der Frag« gewendet, wie dies zu ändern sei. Sanflleben habe darauf gesagt:„DaS kostet 100 Mark". Das Geld sei gezahlt worden und seitdem hätten sich die Kritiken über Götze gebessert. Zeuge Sanftleben: So verhalle es sich nicht. Kr sei Ver. treter deS Kammersängers Götze und mit seiner Familie bejreundct. In Henngsdorf habe Frau Götze ihm eines Tages gesagt, ihr Man», fiir den damals die Slbsolvirung eines sechsmaligen Gastspiels bei Kroll bevorstand, sei jetzt vortrefflich bei Stimme und es wäre sehr zu wünschen, wenn die Berliner Musikkritiker diesen Vor- stellnngen beiwohnen könnten und zwar läge es ihr besonders an Herrn Tappert. Nach seiner Ansicht konnte man aber nicht verlange», daßHerr Tappcrt die Koste» für die Billets, Spesen, Droschken rc. aus eigener Tasche entnahm nnd so sei dann für die sechs Vorstellungen der Be- trag von ItX> 2JJ. dein Briefe beigepackt worden. Herr Götze habe von der ganzen Sache nichts gewußt. Kläger Tappert: Er habe auch hier keineswegs seine Pflicht verletzt, sondern ganz objektiv kritisirt. Ueber das erste Aus- treten des Herrn Götze habe er ein Nachtreferat schreiben, eine Droschke zur Druckerei henutzen, außerhalb seines Hauses speisen müssen w. Beklagter K e r r: Als er Herrn Sanftleben anss Bureau ge� viickt sei, habe dieser gesagt: Daß Tappert bestechlich sei, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Zeuge S a» f t l e b e n verweigert hierüber die Aussage. Nach längerer Verhandlung beschließt der Gerichtshof, die Citzuug zu vertagen und neue Zeugen vorladen zu lassen. Uolmles. Man ist deö AbeudS wie gerädert, klagt« in diesen Tage» em Pferdebahnschaffner, der auf einem Sommerwagen mit äußerem Trittbrett fährt. Nicht blos das fortwährende Hin- nnd Herkletter» ist sehr anstrengend und ermüdend, sonder» auch der Zwang, au dcni Trittbrett stramm zit stehen, datuit man nicht herunterfällt, macht die Knochen mürbe. Dabei werden ans einem Sommerwagen so viel Menschen mehr befördert, daß, selbst ivenn ein Scitengang inner- halb des Wagens parallel dem Trittbrett angeordnet würde, immer»och mehr Personen Platz finden, als im Winterwage». Also die Dividenden würde» sich um einen kaum merklichen Bruchtheil vermindern, wen» die Bedienung nicht mehr vom Trittbrett aus stallfindet. Da aber die Direktion kein erhebliches Verständniß für die Dienstqnalen der Schaffner hat, so wird es eben nicht eher besser werden, als bis die Schaffner Juteresse'dafür gewiunen, sich zu organisiren nach dem Vorbilde ihrer Wiener Berussgenossen. Uebrigens haben wir hier einen Fall, wo Thiere nnd Mensche» gleichmäßig abgerackert werden, es gehört kein großes Pferdeverständniß zum Erkennen der That- fache, daß die gut besetzten Sommerwagen für Einspänner eine thier- quälerische Ueberbürdnng sind! Nugehörigkeit bei der Steuereinschätzuug. Die„Voss. Ztg.' veröffentlicht folgende Zuschrift:„Die Steuerdepntalion des Mm gistrats hat in diesem Jahre zum erste» Male den Steuer- Pflichtigen, deren Einkommen auf 660 b i s 900 Mark geschätzt nnd die infolge dessen nicht zur Staatseinkommensteuer, wohl aber zur Gemeinde-Einkommensteuer von je 4 M. veranlagt worden sind, davon keine Mittheilung zugehen lasse», sondern jedem überlasse», wen» er auch bisher steuerfrei gewesen ist, durch Einsichtnahme in die ausgelegte Hebeliste sich zu unterrichten, ob er zur Steuer veranlagt worden sei oder nicht. Im Steuerjahr 1895/96 waren zur Slaatseinkominenstcuer in Berlin nicht hercmgezogen (für das Steuerjahr 1896/97 liegen die Zahlen nicht vor): 553 262 erwerbende Personen, davon waren 168 814 zu 4 M. Gemeinde- einkoinmensteuer veranlagt, so daß also 384 443 erwerbende Personen ganz steuerfrei nnd besonders interesfnt waren, die Hebeliste einzu- sehen. Die Steuerbehörde kann aber nicht erwartet haben, daß alle diese Personen es auch thu» würde». Ja, es werden wohl nur sehr wenige die Liste eingesehen haben, da die Zahl derer, die von dieser neuen Art der Stenerbeuachrichtigung durch die Zeitungen erfahren haben, ivohl nur gering gewesen ist. Jetzt ist die Ueberraschang und der Schreck da. Vom 3. April datirt die Bekanntmachung der Sleuerdeputation, die Offenlegung der Hebelisten geschah i» den Tagen vom 22. April bis 10. Mai und am 7. Juni lief die Berusungssrist ab. Schon am 10. Juni kam, um nur einen bezeichnenden Fall zu erwähnen, der Steuererheber zu einer von den Erträgnissen des Zimmer- vermicthens lebenden Frau und legte ihr die Stenerquittung vor. „Ich wußte ja gariticht, daß ich Stenern bezahlen muß, sagte die Frau, ich habe nie welche bezahlt und bezahlen können." Der Steuer- erHeber bedauert, aber er kann nicht helfen, und um der Gefahr der Zwangseinziehung zu entgehen, muß die arme Frau die Pfennige znsaminenzählen und hingeben. Sie legt sofort Berufung ein und der Bescheid lautet:„Die Bernfungsfrist ist abgelaufen." Der Z 22 AI. 1 der Einkonnnensteuer- Ordnung der Stadt Berlin vom 19. Januar 1895 lautet:„Das Ergebniß seiner Veranlagung wird jedem Steuerpflichtigen durch eine besondere, zugleich eine Belehrung über das Rechts ntitt el des Einsprnchs enthaltende Zuschrift bekannt gemacht. Jedenfalls ist dringend zu wünschen, daß im nächsten Stenerjahr« wieder diese Vorschrift auch den neu zur Steuer Veranlagten gegenüber zur An Wendung gebracht wird." DaS Personal des Belle- Alliancc- Theaters ist, wie uns geschrieben ivird, nun zum zweite» Male herbe enttäuscht worden. nachdem die Direktion Maurice auf und davon gegangen ist. An» 16. Juni, dem Tage des Zusammenbruchs, verkündete Herr Stern- heim dem Balleikorps sowie den Mitgliedern der Musikkapelle, daß er die Leitung des Theaters wieder übernehmen werde, sobald er im Besitze der nolhwendigen Konzession sei. Er engagire dann fämmtliches Personal aufs neue, um„Konstanlinopel" weiter zu spiele». Dieselbe'Zusage machte Herr Slernheim noch am Freitag Abend dem Personal, indem er den Auftrag gab. man möge sich am Sonntag Morgen über den Be- ginn der Vorstellungen u. s. w. Bescheid holen. Es läßt sich die Enttäuschung des Personals vorstelle», als nun am Sonn abend bekannt wurde, daß wieder„Trilby" gegeben werden soll, jenes Sensalionsstück, mit dem die frühere Direktion zuweilen nicht mehr als zehn oder zwanzig Mark Einnahme» erzielt hatte. Jetzt ist das Bühnenpersonal in voller Verzweiflung. Gern hätte es zur Roth auf eine halbe Monatsgage verzichtet, wenn sich nur die Möglichkeit ergeben hätte, weiter zu spielen. An neue Engagements ist nicht zu denken, da der Sommer schon zu weit vor- geschritten und der Winter noch fern ist. Ballet und Musiker wissen jetzt keinen andern Ausweg, als daß sie gerichtlich de» Herren Maurice und Häsener gegenüber ihr Recht suchen, ob aber auch bei einem günstigen Ausgang der Sache von diesen Herren etwas zu hole» ist, steht noch sehr dahin. Um die Größe des Unglücks zu ermessen. das die beiden Direktoren angerichtet habe», seien einige Zahlen an- geführt. Brotlos geworden ist zunächst das ans 60 Damen, 15 Herren und 8 Kinder» bestehende Balletkorps. Dann kommt das statistische Personal in betracht, 16 Damen und 24 Herren. Die Musiker sind 36 Mann stark nnd das ganze technische Personal zählt 40 Mitglieder, so daß alles in allem 200 Personen dem Elend über- antioorlet sind! Fanllenzer. An der Hochschule für die bildenden Künste in Berlin ließ Direktor Anton v. Werner nach der„Tägl. R." den Akademikern durch den Ausschuß der Studirende» umtheilen, daß er sich genöthigt sehe, die Akademie zu schließen, falls in der bisherige» Weife weiter„geschwänzt" würde! Tie Postuiiterbeaniten und Briefträger sollten nach einer kürzlich durch die Presse gegangenen Notiz endlich mit einem bequemen Sommerrock, einer sogenannten Litewka versehen »vorden sei». Diese Mittheilung, die schon danach aussah, als sei im Postbereiche so etwas wie eine Reform möglich, stimmt nicht völlig. In Wirklichkeit sind nur auf ganz vereinzelten Post- Knttern einzelnen Briefträgern Litewkas zum Probetragen übergeben worden, die in der Form ganz gleich, im Stoff aber durchaus verschiede» waren. Unzutreffend ist es auch, wenn diese „Reform" wie geschehen, als eine Neuerung bezeichnet wird, die unter Slephan's Regiment nicht möglich gewesen wäre. Den» zu den neuen Kleidungsstücken ist bereits im Februar dieses Jahres, also zu Slephan's Lebzeiten, Maaß genommen worden. Somit ist das neue Postregimeut von dem Verdacht, daß eS reformlüstern sei, völlig reiugewaschen. Die Packetfahrt-Gesellschaft ist jetzt bekanntlich wieder im Alleinbesitz der private« Briesbestellung, nachdem Privatpost und Verkehrsanstalt zu ihren Väter» versammelt worden sind. Der Konkurrenz halber, so theilt man uns aus den Reihen des Personals mit, mußten bis dahin täglich fünf Bestellungen gemacht werden. Das war neuerdings nicht mehr zu schaffen, nachdem die früher von den eingegangenen Gesellschaften besorgten Briefe wieder der Packet- fahrt aufgeladen waren. Statt nun aber im Geleise zu bleiben und entsprechend neues Personal einzustellen, läßt die Direktion jetzt nur noch vier Bestellungen ausrichten. Auch das bedeutet für das Personal noch eine große Arbeitsüberbürdung; zuiveilen tritt der Fall ein, daß die letzte Bestellung erst kurz vor 8 Uhr abends herauskommt. Will man die hundert Sendungen, die dem einzelnen manchmal aufgebürdet sind, an ihre Adresse befördern, so hat man bis gegen zehn Uhr abends zu thun. Solange die Kon- kurrenz zu bekämpfen war, hieß es, daß die erste Sendung morgens Uhr nenn ausgetragen sei» müsse; jetzt müssen die Briesträger oft bis halb eis Uhr laufe». Hält dieser Znstand an, so wäre sowohl ini Interesse der Angestellten ivie des Pnblikunis zu wünsche», daß recht bald eine neue Gesellschaft auf den Plan träte. Eine recht bittere Pille giebt die„Krenz-Zeitung" den Frei sinnimannen zu kosten, die sich neuerdings bekanntlich über die uu- heimliche Verbreitung der„unparteiischen" Presse vom Schlage des „Lokal-Auzeigers" entrüsten. Mit Behage» nimmt das konservative Blatt von der kürzlich in einer Entrüstungsversammlnug zum besten gegebenen Nachricht Notiz, daß sämmtliche(?) Redakteure des „Lokal-Anzeigers" freisinnig seien. Daun schreibt die„Kreuz Zeitung";„In der parteilosen Presse, wie sie gegenwärtig nicht nur in Berlin, sondern auch in vielen anderen deutschen Städten bedenklich emporgewnchert ist, wird niemand einen Kulturfortschritt erblicken können. Diese Presse speknlirt auf die niedrige» Neigungen, auf de» schlechten Geschmack der Menge, sie bildet nicht, sie erzieht nicht, sie befördert die Volksverrohung und Volksverdummung, indem sie die bösen Keime und Triebe entwickelt. Allein zu dem Entstehen nnd Gedeihen dieser parteilosen Presse hat, was selbst in weiterblickenden freisinnigen Kreisen erkannt zu iverden scheint, gerade die frei- sinnige Presse erheblich beigetragen, indem sie zuerst in Sensation aller Art machte, um Eingang und Absatz zu finden. Mit ivenige» Ausnahmen suchen die sreisinuigen Blätter Berlins auch heute noch auf diesem Wege sich ihre» Abnehmerkreis zu er- halten, der sich durch das Aufkommen der parteilosen Blätter gleich- wohl stark gelichtet haben mag." Die„Krenz-Zeitung" läßt hier die Freisinnigen für das Treiben der Herren Rudolf Mosse und Konsorten büßen. Sie sollte aber doch auch die landräthlichen Amtsblätter nicht vergessen, welche durch ihren trostlos-öden Inhalt erst den Boden für die„Partei- losen" geebnet haben. Die Nerztekauimer fiir Berlin»ud die Provinz Branden- bnrg trat gestern im Provinzial- Ständehause zu einer Sitzung zu- saimnen. Der Vorsitzende Geheimrath Becher eröffnete die Sitzung mit der Mittheilung, daß der Kultusminister die in dem Schreibe» der Aerztekammer vom 19. November 1396 ausgesprochene Fordeung, es möchten die Hebammen- Prämien für Ueber- iveisung von Geburten an die königliche Klinik in Fortfall kommen, abgelehnt hat. Die Kammer beschließt, die An- gelegenheit für eine der nächsten Sitzungen auf die Tages- ordnnng zu setzen. Dann erhält das Wort Dr. Joachim zu den von ihm gestellten Anträgen. Dieselben gehen dahin: Die Älerztekammer wählt für die Provinz und den Stadtbezirk Berlin nnd die Vororte je eine ständige Kommission, welche die Aufgabe hat:-») Vorschläge über etwa erforderlich werdende Ergänzungen der G e b ü b r e n o r d u u n g vorzubereiten; b) die wirthschaflliche Seite der Gebührenordnung zu verfolgen; e) der Frage der Unlerbietung und ihrer eventuellen Verhinderung ihre ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Die Kominissionen haben das Recht, Anträge zu stellen, und sich zu kooptiren. In der ersten Sitzung des neuen Jahres hat jede der beiden Kommissionen über ihre Thätigkeit Bericht zu erstatte». Zur Frage der Unterbietung betont Redner, daß der Fiskus bei der Be- soldung der von ihm angestellten Aerzte nicht unter die Mindestsätze der Gebührenordnung hinabgehen sollte. Für die Unlerbietung in Berliner Privatvereinen führt Referent ein Beispiel ans dem Ge- schäftsbericht des Vereins junger Kaufleute an. Danach sind in dem ge- nannten Verein im letzten Jahre 4 Berzl« in 3492 Konsultationen beschäftigt gewesen und hierfür durch je 900 M. honorirt worden. Jetzt sind zivöls Aerzte angestellt, unter denen jährlich 4000 Mark nach dein Pointsystem vertheilt werden sollen. Dem gegenüber hat der juristische Vertreter fiir 161 Konsultationen 500 M. erhalten. Ein Verein, der 14 000 M. für Lokalmiethe ausgebe und ein Ver- mögen von einer halben Million Mark besüße, dürfe von de» Aerzten keine Wohlthaten annehmen. In der Diskussion wird namentlich betont, daß die Vereinigten S a n i t ä t s w a ch e», welche vom hiesigen Magistrat 3000 Mark Unterstützung erhielten, gegen Zahlung von 6 Mark jährlich auch den reichsten Leuten ärztliche Behandlung bei Nacht gewährten, wodurch die Aerzte geschädigt würden. Bei der Abstimmung wird die Wahl der beantragte» Koni- Mission beschlossen, Antrag b ivird gestrichen, Antrag o mit einer kleine» Ergänzung angenommen, ebenso der Schlußsatz, dagegen die Theilung abgelehnt. In die Kommission solle» aus Berlin 3, aus den Regierungsbezirken Potsdam und Frankfurt je 3 Mitglieder gewählt iverden. Hierauf folgt die Berathung über den Antrag E Ulenburg: Die Aerztekammer hält das Ausscheide» der Aerzte aus der Stellung in der Geiverbe-Ordnung, die Wiedereinführung des Kurpfuscherei- Verbotes und de» Erlaß einer deutschen Aerzte-Ordnung für noth- ivendig und ersucht den Zlusschriß der preußischen Aerztekammer», in diesem Sinne bei dem Herrn Minister vorstellig zu werden. Der Referent giebt zunächst eine» historischen Ueberblick über die Entwickclung bezüglich der für die Aerzte geltenden Be- stimmungen in der Gewerbe-Ordnung und verbreitet sich dann eingehend über die Frage des Kurpsuschereiverbotes. Die Aus- Übung von Kuren müsse von der staatlichen Approbation abhängig und ohne diese unter Strafe gestellt sei». Die Kurpfuscherei sei ei» ebenso großer sittlicher Schaden, wie das geiverbsmäßige Spiel und die gewerbsmäßige Prostitution(!), deshalb müsse im Interesse des öffentliche» Wohles der Staat auch hiergegen einschreite». Das Verlangen der Zlerzte nach staatlichem Verbot der Kurpfuscherei falle zusammen mit dem Interesse des Gesammtwohls, deshalb sei die Bervilligung dieser Forderung um so sicherer zu errvarten. Der Korreferent M u g d a n bittet um Ablehnung der Anträge, weil der Austritt aus der Gewerbe- Ordnnng für die Aerzte auch die Einführung einer beschränkten Approbation und Freizügigkeit zur Folge haben würde, des iveiteren eine Beschränkung der freien Wissenschast. Dr. Koßmann hält die Forderunge» des Antrag? Eulcnbnrg für aussichtslos und beantragt seinerseits: Die Aerztekammer beschließt, bei der Regierung anzuregen 1. eine energischere strafrechtliche Ber- fol«ung der betrügerischen Borspiegelnnge», durch die viel« Kur- pfnjcher das Publikum anlocken, 2. eine energischere strafrechtliche Verfolgung bei fahrlässiger Unterlassung der Untersuchung. 3. Die strenge Durchführung der Verordnung betreffend Verbot der Abgabe stark wirkender Arzneimittel. 4. Das Verbot der öffentlichen An- preisungen bestimmter Heilmethoden. Die Enlenburg'sche» Anträge werden i» namentlicher Abstimmung angenommen, ebenso werden die Nothanträge Koßmann angenommen. Borffcht bei Benutzung von Phonographen. Eine große Verbreitung haben bekanntlich in letzter Zeit die Phonographen ge- funden; aus allen Jahrmärkten, in den Schaubuden u. s.>v. steht man sie nnd Alt und Jung greift gerne nach den beiden Leitungs- röhren, um mit beiden Ohren den fremden Tönen zu lauschen. Daß dieses Vergnügen aber nicht ohne Gefahr ist, dürfte hinreichend da- durch bewiesen sei», daß sich nach Benutzung der Gnmmiröhren chon mehrfach eiterige Ohrenkrankheiten durch Uebertragung und Ansteckung eingestellt haben, die darauf zurückzuführen sind, daß die Röhnchen zuvor von mit dieser Krankheit behafteten Personen benutzt worden waren. Es dürfte sich daher zum mindesten empfehlen, vor dem Gebrauch die Mündung der Schläuche mit dem Taschentuch oder dergleichen abzuwischen, auch läge es im Jnleresse der Besitzer dieser Schaustücke, wenn sie selbst die Leiluiigsröhren nach deren jedesmaligem Gebrauche reinigen würden. Ter Flascheubierhaudel der Brauereien, der unser» Berliner Restauratenren so großen Kummer macht, kam auch auf dem in Gotha abgehaltenen D e n t s ch e n Gastwirthstage zur Berathung. Eine der Hauptfragen des Gastivirlhslages war nämlich der Siphon-, Kannen» nnd Flaschenbier- Handel. Der Berichterstatter Th.'Müll er- Berlin hielt die B-fürchtnngen, die an das Auftauchen des Siphon- nnd KannenbiereS von den Gastwirtheu geknüpft worden sind, für übertrieben. Bisher stehe noch sehr in Frage, ob sich beide Systeme auf dem Markt halten würden. Andererseits werde der Vertrieb dieses Bieres sich stets nur in bestimmten nnd sehr engen Grenzen halten. Was den leidigen Flaschenbierhandel anlange, so sei ein Kampf dagegen nahezu aussichtslos. Er empfehle den Gastivirthen, sich selbst zu helfen, indem sie ebenfalls Flaschenbierhandel betrieben und die Preise möglichst niedrig stellen.— DaS scheint auch uns der richtige Ausweg zu sein. Freilich, mit den zünsilerischen Bestrebungen unserer Gastwirlhe passe» solche Gedanke» schlecht zusammen. Romantik. Ein unternehmungslustiger junger Mann, welcher nach Amerika auswandern wollte, um dort Ränberhauplinann zu werden, wurde in lliixdorf festgenoinmen. Der etwa 16 jährige Abenteurer war mit zwei Revolvern, scharfen Patronen, einem Jagdmesser und einem schweren eichenen Knüttel � versehen und erregte, als er in diesem Aufzuge die Berlinerstraße passirie, die Aufmerlsamkeit des Nachtwächters Kost, welcher den Burschen festnahm. Wie sich herausstellte, ist der Knirps, ein Kansmannslehrling, am Mittwoch seinem Lehrherr» in Freystadt (Westpreuße») entflohen, nachdem er sich Reisegeld aus der Kasse seines Chefs genommen hatte. Unterwegs hat sich der Jüngling, der durch die Lektüre von Jndianergeschichten zu der Flucht bewogen worden war, die erwähnten Ausrüstungsgegenstände gekauft, um sie für sein künftiges Abenteurerleben in Amerika zu verwenden. Vielleicht modernisirt der junge Mann sich mit der Zeit und bringt es zu einem respektablen Börseugauner. Wen» der Arbeiter alt tvird. Nach zahlreichen Fehlschlägen hat der 53 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Wichert atiS der Garten- ftraße 24 Hand an sich gelegt. Krank und hinfällig wie er war. hatte der Mann schon seit acht Monaten keine Arbeit mehr. Nur zwölf Tage war er einmal..f einem Omnibusdepot beschäftigt, dann versuchte er auch, sich mit einem Leierkasten den Lebens- unterhalt zu erwerben, aber auch das konnte er nicht mehr aushalten. Die Ersparnisse ans besseren Zeiten waren nach und nach aufgezehrt worden. Am Freitag Nachmittag suchte er einen Arzt auf und erhielt die wenig lröfttiche Auskunft, daß es mit dem Arbeiten überhaupt wohl nichts mehr werden könne. Nachdem er hieraus Kaffee getrunken hatte, ging er von Hause weg, ohne seiner Frau etwas zu sagen. Diese wartete bis 12 Uhr nacht« vergeblich auf seine Rückkehr; dam» ging sie zur Polizei. Gestern Morgen er« hielt sie vom Revier die Mittheilung, daß man ihren Mann als Leiche wiedergesunden hatte; er war in den Thiergarten gegangen und hatte sich in der Nähe der Zelten erhängt. Zwei Sonutagöiuchniittngs-Eiubrecher namens Schuster und vteumann sind, als sie vorgestern im Bäckerladen Brunnen- straße 121 ans Werk zu gehen gedachten, dank der Aufmerksamkeit einer Hausbeivohnerin sestgenommen und der Polizei überliesert worden. Das Polizeipräsidium theilt mit: Bei einer mehrfach vor- bestraslen Person sind eine Anzahl Pfandschein« gefunden, auf welche ein erheblicher Posten Wäsche jeder Art versetzt ist. Die offenbar gestohlenen Wäschestücke tragen zum theil folgende Zeichen: M. L.. K. W. K., E. L.. M. B.. I.©., A. B.. I. U.. M. W. A. K. Nr. 12. A., H. f. 20a, ffi., A. S.. D.. O. P. und M. M- Besiohlene, denen Wäsche mit vorstehenden Zeichen entwendet»st, »vollen sich an de» Wochentagen, vorinittags. im Zimmer 36 des Polizei-Dienstgebäudes, Alexanderstr. 3—8, Eingang an der Stadt- bahn, melden. Zu de», Unglücksfall, der sich am 13. d. Mt». in der Bade» Anstalt an der Waiseubrücke ereignete, wird uns noch geschrieben: „Der Verunglückte, Richard Bornoivsti, wurde von den Badegästen sofort ans den» Weisser geholt und auf«»»« Bank in der Bade-Niistnlt geseht,»vo man sich mit ihm beschäftigte. Der herbei« gerufene Arzt dies bemerkend äußert«:„Lassen sie den Mann noch ein Viertelstnudchen sitzen, dann wird es besser werden" und verabschiedet« sich»vieder. Auch einer der beiden Schutz- lente,»velche die Bade-Anstalt betreten hatten, gab der Meinung Ausdruck, daß der Verunglückte eine ordentliche Portion Waffer ge- schluckt habe,»vas öfters vorkomme und nicht allzu bös« Folgen haben»verde.— Es»uäre sehr zu wünschen, daß bei Unglücksfällen jed»veder Art immer das schlimmste befürchtet würde,»vozu dieser Fall, der den Tod des Bornmvski zur Folge hatte, wiederum ermahnt. Toppelt vernngliickt ist am Sonntag gegen Abend in der Potsdamerstraste der Pferdebahnkutscher Ebeliug.'Als er aus seinem Wogen den ge»an»ten Strcißeuzug in der Nähe der Potsdamer Brücke durchfuhr, wurde er plötzlich vo» einein Univohl- fein befalle», verlor das Gleichgeivicht und stürzte so unglücklich von der Plattforin auf de» Fahidannn, daß er schwerverletzt besinnungs- lo? liegen blieb. Der Venliiglückte wurde nach dem Elisabeth- Krankeuhanse gebracht,»vo die Aerzte konstatirten, daß E. schivere innere Verletzungen erlitte», außerdem aber von einem Schlaganfall getroffen»var. Die letztere Krankheitsart wird wahrscheinlich den Unglückssall herbeigeführt haben. Bei einem BvotSuufall ist der 17 Jahre alte Schlosserlchrling Alfred Herde aus der Moritzstraße 20 ums Lebe» gekommen. Tie Nähmaschinenfabrik von Wernicke, Edelmann u. Co. hatte einen Kremscrausflng»ach Karolinenhof getnacht. Herde, der sich in Begleitung seiner Eltern befand, bestieg mit der aus Vater, Mutter und Sohn bestehenden Familie des Monteurs Müller aus der Koinmandailtenstraße 45 ein Boot; Herde und der Buchdritcker Müller(Sohn deS Monteurs) ruderten. Mitten auf dem Wasser »vollte sich Müller de» Ueberzieher anziehe»»; dadurch kain das Boot ins Schivanken, lenterte und die Gesellschaft fiel ins Wasser. Auf ihre Hilferufe eilten Boote herbei,»velche die Familie Müller rettete» während Herde ertrank. Bei dem Postamt 108(Waldstraße II) ivird am 25. Juni der Telegraph« übet rieb«ingerichtet. Die Dienststimben für den Verkehr»nit dem Publik»»»»»verde» für die neue Betriebsstelle, welche nur an Werklagen geöffnet ist, aus die Zeit vo» 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends festgesetzt. Schivere Braiidwundeu erlitt die Ehefrau de? in der Rostockerstr. 46»voh,»enden Arbeiters H a n ck durch die Explosion einer Petroleinnflasche. die sie auf die geheizte Kochmaschine gestellt hatte. Die Frau lief mit brennenden Kleidern auf den Hof,»vo die Flamme» erst nach einiger Zeit von der Arbeiterfrau Blume durch ein nasses Laken erstickt wurden. Frau Haack wurde in das Kranken- Hans Moabit gebracht. Fcucrbcrichtc. Ein sehr gefährliches Feuer entstand Sonnlag früh 9 Ubr ans nicht aufgeklärter Ursache in einem Lagerkeller Nene Königsiraße 16, wo Schmieröl lagerte. Dieses brannte bei Ankunft der Feiierioehr schon in großer Menge und enlivickelte große Hitze und starken Qualm, daß es uiimoalich erschien, an den Brandherd zu gelange». In einem Feuerschntzanzng ninhle sich ein Oberfenerinann in de» Keller begeben,»vo er den Herd des FeuerS feststellte. Erst nachdem ein Theil der Kellereien unter Waffer gesetzt»var, gelang es, die Flamme» zu löschen. Wenige Minulen vor 12 Uhr iiiitlags»vurde die Feuerwehr»vegen einer Gasexplosion nach dein Grundstück Alexanderstr. 8 gerufen. T.e Explosion hatte im Hinterhaus« in einem Lack-»md Farbengcschäft große Verheerung angerichtet. Zivei Personen sind schiver verleyl »vorden, sie»vlirdei» von Samaritern der Feaerivehr verbünde» nnd einem Arzt übergeben. Da? Feuer kouute ohne große Mühe im Keim» erstickt werden. NiiglnikSfiilse im Straßenverkehr. Vorgefiern Nachmittag stihjle in der Elbingerstrape ein von dem Schlächtermeister Oertel geführtes Fuhrwerk, dessen Pferd schen geworden war, um. Beim Sturz auf das Pflaster scheint Oertel innere Verletzungen erlitten zu haben.— Beim Putzen einer Straßenlaterne in der�Skalitzerstraße stürzte der Laternenputzer Jonigkeil von der Leiter, schlug mit dem Kopfe gegen eine» Bordstein und blieb stark blutend und bewußtlos liegen. Er wurde mit einer Droschke in ein Krankenhaus gebracht.— Slui Sonnabend wurde in der Stromstraße der sieben- jährige Knabe des Oberkontrolleurs der hiesigen Gasanstalt, Tour- nenn, Lessingstr. 23, durch einen mit Ziegelsteine» beladenen Wagen und in der Grenadierstraße die fünf Jahre alte Tochter des Arbeiters Meyer durch einen Schlächterwage» überfahren und beide so schwer verletzt, daß sie am nächste» Tage starben. Theater. Ei» volles Haus im Monat Juni dürfte so leicht keinem Thealer befcheert sein. Ten Ruhm einer solchen Anziehungs- kraft kann das L e s s i n g- T h e a t e r für sich in illnspruch nehmen, das am Sonnabend bei der fünfzigsten Aufführung der„Geisha" voll besetzt war. Ueber Inhalt und Werth dieser melodiösen Operette habe» wir bei Gelegenheit der erste» Aufführung berichtet; für heute sei nur bemerkt, daß Tarstellung, Orchester und Regie wie damals miteinander wetteiferten, um sich und dem Stücke die Gunst des Publikums zu erobern. Vor allen anderen ward natürlich Fräulein Mia Weber mit Auszeichnungen bedacht.— Der Spielplan des S ch i l l e r- T h e a t e r s für das 1. Quartal des neuen Spieljahres 1897/33 ist bereits festgesetzt, die Abonnenten des Schiller-Theaters erhalte» in diesem Quartal folgende sechs Stücke: eröffnet wird das Schiller-Theater»ach de» Sommerserien am 19. August mit Franz Grillparzer's Lustspiel„Weh dem, der lugt". Am 23. August, dem Geburtslage Goethe's, folgt„Clavigo" und„Die Geschwister". Das dritte Stück des Spielplans ist ein Werk von Ludwig Auzengruber, entweder„Die Kreuzlschreiber" oder „Doppelselbstmord", da die Direktion seit längerer Zeit beide Stücke vorbereilel. Es folgt dann„Ein Tropfe» Gist" von Oskar Blumen- thal,„Vanina Bauini" von Paul Heyse(Romtnt), und als letztes in dem Abonnemenls-Quaital„Wallcustein's Tod", das a» Schiller's Geburlstage, am 10. November, zum erste» Mal gespielt iverden soll. Anmeldungen auf neue Abonnements werden in der Billet- Abtheilnng des Schiller-Theaters täglich bis zum 30. Juni entgegen- genommen. Orgelkonzert. Der Orgelvortrag in der Marienkirche Mittwoch, den 23. Juni, mittags 12 Uhr, verspricht Kompositionen von Bach(A-moll- Fuge), Mendelssohn(F-molI-Sonatc), Haydn(Schdpfungs-Arie), Stange (Psalm IL) und Dienel(Äunzert-Fuge, Adagio und Vaterunser). Mit- wirkende sind Frau Margarethe Frankcnberg. Fräulein Vera Goldberg mid Herr Robert Schwießelmann. Der Eintritt ist frei. Ss»s de» Nnchbavbrteit. Das Volksfest,»velcheö die Parteigenossen des Neichstags- Wahlkreises Riederbarmui am letzieu Sonntag im Schloß Weißeusee abhielte», verlief trotz des sehr ungünstige» Wetters glänzend. Auch nachdem der starke Mittagsregen endlich gestreikt hatte, schien der regen- drohende Himmel vom Bestich abzuhallc». Von etwa 3 Uhr a» trotzten aber dennoch Tausende dem immer noch griesgrämig dreinschauenden Himmel. Und sie hatten ihren Trotz nicht zn bereuen. Von de» vielerlei Veranstaltungen heben wir nur die prächtigen Leistungen einer Anzahl Arbeiter- Gesangvereine, die musterhafte» Leistungen einer Arbeiter- Tumerriege und die mit Humor durchwürzte» Dar- bietungen der Arbeller-Schivlnimktnbs„Nord" und„Triton" hervor Die Wasser-Pautomime„Eine Agitationslonr durch den Spreewald" wurde so exakt ausgesührt und enthielt so viel köstlichen Humor und beißende Ironie, daß die Menschenmenge zu wahren Stürinen von Heiterkeit und Beifallsdezengiingen hingerissen wurde. Auch das Feuerwerk gelang vorzüglich. Weit mehr als durch dies« und andere treffliche Darstellungen wurde das Fest durch die Festiddluehmer selbst geschmückt. Tie im Freie» und in den Tanzftilen wogende Menge bot reichliche», dankbaren Stoff für einen wirklich modernen Maler. Welche Fülle ungezwungener Anmnth graziöser und doch von kraslvollem Selbstbewußtsein zeugender Mädchen- und Frauen- gestalten! Welch' innige Familicnbilder, welch' offener, herzlicher Verkehr zwischen politisch Gleichgesinnten. Die vieltausend- köpfige Menge machte den Eindruck einer großen zn- sammengehörigen Familie, die durch ein gemeinsames Ziel und Streben znsainmengehalten wird. Das Komitee hatte das Anerbieten, polizeiliche Ordner gestellt zn erhalten, selbstverständlich dankend abgelehnt. Störenfriede nehmen an Arbeitersesten nicht Theil. Doch halt— der Wahrheit die Ehre! Unter de» vielen Tausenden bemerkten wir etwa 2ö Angehörige jenes Publikums. das sich mitsammt der anderen, mit Schmissen oder Zylindern be- deckten Hurrahschreier bei militärische» Schaubrate» und ähnlichen Dingen dränge» nnd drücke», schieben und stoße», puffe» und knuffen läßt, in dnmmerhasler Selbstgefälligkeit im Taklschrckt uiitschreitet, das Hurrah brüllt und— die Ohrt» steif wie ein Spitz hält. Fürsorglich sorgte das Komitee dafür, über diese Hilfslruppe solchen. denen sie noch»»bekannt war und sich bekannt machen wollte, Ausklärung zu erlheilen. In den Tanzsälcn wären diese edlen 25 durch ihre bekannten„Kommisstiefeln" völlig un- schädlich. Vielleicht verleidet ihnen die taktvolle Aufnahme, die ihnen bereitet wurde, das Erscheinen bei ähnlichen Volksfesten, wie es das vorgestrige war. Daß solche Volksfeste viele Nachfolger finden mögen, und daß diese Nachfolger von besserem Wetter be- günstigt sind, wünschen mit uns gewiß tausende von Genosse». Eiseubahn-Verwaltnng und Sonutagöarbcit. Während die äußere Heilighaltung des Sonntags von den Behörden mit über- triebencm Giser überwacht wird, vermißt man noch immer eine generelle Prinzipienfestigkeit in nnseren Staatsbetrieben. So wird uns von einem Leser unseres Blattes mitgetheilt, daß am Sonntag während der Kirchzeit auf dem Bahnhos in Johannisthal eine An- zahl Streckenarbeiter damit beschäftigt waren, das zwischen den Geleifen wuchernde Gras und Unkraut zu beseitigen. Es liegt doch sehr nahe, solche Arbeiten an Wochentagen vornehmen zu laffen. Der Magistrat von Charlottcnburg plant vier neue Briilkenbanten. Von allgemeinstem Interesse ist der Neubau der Charloltenburger Brücke im Zuge der Berliuerftraße. der Verlange- ruug der Charlottenburger Chaussee zwischen Bahnhof Thiergarten und Knie. Von ganz unzureichender Breite, bildet die alte Brücke einen dem Verkehr sehr hinderlichen Engpaß. Etwas weiter westlich sollen die Marchbrücke im Zuge der Marchstraße und die Dovebrücke im Znge der Cauerstraße neu errichtet werden. Auch die Zugbrücke über die Spree beim Luisenplatz am Schloßgarten wird den längst erforderliche» Ersatz durch eine feste Brücke erhalten. Für diese Brückenbauten sind im ganzen 900 000 M. vorgesehen. Ter Seilermeistrr nud frühere Stadtverordnete Troitzsch zu Charlottcnburg, Wilmersdorserftraße wohnhaft, ist der„Berl. Zeitung" zufolge verschwunden. Als seine Verhaftung angeordnet wurde, hatte Tr. schon längst das Weite gesucht. Bnuspeknlation:c. hat den Mann, der großes Ansehen genoß, ruinirt. Es ist nicht genau bekannt, weßwegen die strafrechtliche Verfolgung angeordnet ist, doch wird von anvertrauten Geldern gesprochen. Gestern wollte das Gerücht wissen, Tr. sei in Hamburg verhastet worden. Tic Eiseubahustation Ren- Finkcukrng an der Hamburger Bahn hat sich wegen des ungeivöhnlich starken Verkehrs der Berliner Ausflügler als unzureichend erwiese», weshalb noch in diesem Sommer eine Erweiterung der Bahnhossaulagen bewerkstelligt werden soll. Die Station soll auch wegen der zunehmenden Aus- dehnung der Villenkolouie Güterverkehr erhalten. Ter Revolver gcgcu die Radfahrer. Die„Deutsche Tages» Ztg." schreibt:„Die durch das Radfahrerthum hervorgerufenen Zu- stände scheinen immer„gemülhlicher" zu werden. Im Teltower Kreisblatt kündigt der Teupitzer Schlächtermeister Albert Schultz« infolge eines Renloutre mit Radsahreru an, daß er zu seiner Sicher- heit in Zukunft eine Waffe bei sich tragen werde, um vor den die Landstraße unsicher machenden Radfahrern geschlitzt zu sein."— Meistens sind die Radfahrer froh, wenn sie auf der Landstraße vor Hunde», Knüppel» und Revolvern bewahrt bleiben. Vevsawmrttngett. Eine Versammlung von Händlern nnd Händlerinnen fand am Sonntag im„Englische» Garten" statt. Der Referent T r u u s ch schilderte die Entwickelung des Straßenhaiidels in Berlin und wies darauf hin, daß die Slraßenhändler, die sich zum großen Theile auS den Arbeitslosen der verschiedensten Berufe rekrutireu, unter mancherlei Mißständen zu leiden haben, nicht»ur� daß sie einer ganz besonderen Aufmerksamkeit der Behörden und Beamten imlerworfeu sind, auch durch das Publikum würden sie oft ungünstig beurtbeilt und ihnen so in jeder Weis« das Leben schwer gemacht. Der Referent besprach dann verschiedene Mißstände, die in der Zentral- Markthalle herischen sollen. Als Sachverständig«, denen die Beurtheilnng der von den Kleinhändlern gekansten Maaren obliegt, sungiren Engios-Händler, die also manchmal in die Lage kominen, die von ihnen erstandene Waaie z» beurlheile». Daß ein solches Urtheil nicht unparteiisch sein werde, könne man sich denken. Wenn auch diese Sachverstän- digen wohl fähig sein mögen, die Beschaffenheit der Maaren und deren Werih z» beurlheile», so wäre» sie doch nicht im stand«, über die Gesuiidheilsschädlichteil der Maaren ein Urtheil abzugeben. Der Umstand, daß die Untersuchung durch den Sachverständigen mit 6 M. bezahlt werden muß, verhindere die Kleinhändler ost, die Untersuchung vornehmen zn lassen, und hätten sie dann, wenn ihre Waare beschlagnahmt werde, den größten Schaden. Die Kleinhändler dürfen verdorbenes Obst nicht iniler ihren Wagen werfen, dagegen könne man sehen, daß die Eugros-Häudler in den Gängen der Markthalle haufenweise verdorbene Waaren ausschütten lassen. Auf der Auktion in der Markthalle sollen verdorbene Waaren vcr- kauft worden sein. Ein fernerer Uebelstand sei es, daß die Grossisten nicht verpflichtet werden, an ihren Verkaiifsständcn Firmenschilder anzilbrnigen. Dadurch sei es dem Kleinhändler unmöglich gemacht, wenn er schlechte Waare zurückbringen wolle, den Großhändler, der am anderen Tage nicht mehr anwesend ist, auszufiiiden. Diese Mißstände— so schloß der Redner— müßten ausgedeckt werden, um eine Beseitigung derselben zn ermöglichen. Die nachfolgenden Redner bestäiigteu nnd ergänzten in mancher Hinsicht die angeführten Thatsachen und führten eine Anzahl persönlicher Erlebnisse an, um die schlechte Lage ihrer Berufsangehörigcn zu illnstriren. Daun wurde«ine Resolution solgeiiden Inhalts aiigenommen: Die Versammlung pro- testirt energisch gegen das aus Beseitigung des Straßen- und Hansir- Handels gerichtete Bestreben der seßhaften Händler und fordert eine unentgeltliche unabhängige Uiitersuchiiiig durch Sachverständige in der Zeiilral-Marklhalle, sowie die Anbringniig von Firmenschildern an den Wanderstäiideii der Engros-Händler. Die Stadtverordneten werden ersucht, für die Anbringiiiig von Trichtern in der Zentral-Marklhalle zn sorgen, durch welche verdorbene Waaren in den Keller geworfen werden. Ferner protestirt die Bersammlung gegen jede Beschiänkung des Kleinhandels.— Nach Erledigung dieses Punktes erklärte der Ver- trauensmann Schröder, daß er sein Amt niederlegen wolle. Als hierauf die Debaite auf das persönliche Gebiet überging, schloß der Vorsitzende kurzerhand die Versammlung. Die Putzer hielten am Montag eine gut besuchte Versamm- limg ab. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, den Maurern Deutschlands sofort 2000 Mark aus dem Fonds der Putzer zu überweisen und den Beitrag vom 21. Juni an auf 50 Pf. wöchentlich zu erhöhen mit der Maßgabe, daß die von den Putzern gesammelten Gelder ausschließlich für die Sireiks der Maurer Deutschlands verwendet werden solle». Die Koiiiniissioii wurde ermächtigt, die verfügbaren Gelder nach eigenem Ermessen, ohne Versaminlungsbeschluß, zur Unterstützung der Streiks von Berufs- genoffen zu verwenden. Hierauf legte der Verlranciis- mann Vogel die Kassenabrechinmg für die Zeit vom 1. Dezember 1890 bis 13. Juli 1397 dar. Einer Eiiiiiahme von 10 920,53 M. steht eine Ausgabe von 7202,55 M. gegenüber, so daß ein Bestand von 3723,93 M. bleibt. Dem Vertrauensmann wurde einstimmig Entlastung ertheilt. ZltdeUer Kild»»o»!'chul«. Tie Bibliothek tn der Nordschule, B r u» n e n st v. 26, Ist für die Mitglieder an folgenden Togen acössnet i Sonn- tags, vormittags von 10—12, D.i e n st a g s nnd F r e t t a g s, abends U bis 10 Uhr. MtlaliedSbeiliäge werde» an diesen Tagen tn der Nordschule entgegen- genonunen, ebenso in solgenden Zahlstellen: Sotlfr. Schulz. Admiralslr. eoa, Schöning, Kopnickerstr.«s; Bleiil, Barnimstr.<2; Vabiel, Rofenlhalerstr. 67; Aleinert, Müllerstr. 7«; Burghause, Pulbuserslr. 82; Blankenseld, Slephanslr. 28. Werner, Bülowstrat- 89; Arub«, Martendorferstrah« 6; liahler, Junkerstrahe l. H. Königs, Disssenbachstr. So. Nile Zusckirtsten stnd an den«orsttzenden Paul Mücke>r., SO. Man- teusselstr. 126, Aeldsendungen an den«asstrer H. Königs, S.»tessenbachstr. so, zu senden. Arbeiter zä»>«rt»»>» Berlins und Umgegend. Borsthender Ad. Sleuman», Brunnsntlr. I60. All««enderunge» tm BerelnSkalender stnd zu richten a» gitedrich storiui», Mauteusselstr. 49, v. 2 Tr. Kund der gesellige» Arbeit, rverel»» Kerlin»»»d der Hlmgegend. vor- sitzender P. Aent, TreSdenerstr. 107/ioe. Alle Zuschriften, de» BereinSkalender betreffend, sind an H. Bendir, Aierandrinensirahe ioo, zu richten. Arbeiter- Kaucherbuiid Kertlii»»»d der Ilingegend. Aenderungen im BeretnStalender stnd zu richten an Hermann Braunschweig, Dresdener- strahe so, 2. Hof. Deutscher Keneselderbund. Mitgliedschaft Berltn. Heute Abend« Uhr tin Restaurant Sohn, veulhstraße 2t: Mitglieder- Bersammlung und Borstands- sttzung._ Briefkasten der Redaktion. Die suristische Sprechstnnde findet Montags, Dienstags, Freitags und Sonnabends, abends von 7— tj Uhr statt. I. D., Memelerstraste. Die von Hamburg nach London fahrenden Dampfer nehmen Passagiere und Fracht tm Hasen auf; aus den Amerika- Dampfern hingegeil tverden die Passagiere vielfach erst bei Brunshausen an Bord geiivuinien. Stade liegt an einem kleinen Klühchen und kommt für die Secschissfahrt aar nicht in betracht. R. TS, Ripdorf. Da die betreffende Gesellschaft ihr Vergnügen in eineni der Arbeiterschaft zur Verfügung stehenden Lokal abhält, läßt fich redaktionell gegen die Herrschaften nicht gut etwas machen. E. B. 11. Nicht verwendbar. Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit. WitteriinaSlibersicht vom S1. Juni IH!I7. Lvettet-Protzuose für Dieilstag, de» ÄS. Jnni ldist?. Etwas wärmer, theils heiter, theils wolkig»nt leichten Regen« sällen und schwachen südwestliche» Winde». Berliner Wetterb nreau. für de» Inhalt der Inserate beriiimiiit die Nedaktiv» drin Publikum gegonnber keinerlei Peraniwortiing. CI|1 trskov. Dienstag, den 22. Junt. Neues kgl. Operntheater(Kroll). Die Bohönie. Berliner. Kaiser Heinrich. Leiiing. Die Geisha. Schiller. Bürgertich und Romantisch. TSestcn. Der Troubadour. Neues. Trilbp. Friedrich- Wilhel,»städtische». Lchmann's Kriegs-Abeuleuer im Orient. Residenz. DerUnterpräsekt. Vorher: Musotte II. Akt. Belle-Alllaiire. Spezialitäten. StU-xauderplich. Verkäuflicher Werth. Ostend. Ulisere ReichSpost. Volts. Von Stufe zu Stuf«. Slpollo. Venus auf Erden. Pxfiage-Panoptiknm. Die Kinder der Wüste._ Ostend-Theater. Gr. Frankfnrterstr.lSL. Dir. tk-Weiß. ». nnei-e Rcich�poKt. ■ Grober durchschlagender Erfolg. W Aufaiig 3 Uhr. Im Garten: Spezialitäten 1. Ranges, Theater. U. a.: Heeg« Sdiulr,. Anfang 6 Uhr.— 28 NuininerN- Morgen: Dieselbe Vorstellung. Volks- Theater St. Rcicheuberger- Strotze St. Abends« Uhr: Von Stuft m Stuft. Lebensbild mit Gelang in 5 Budern von Dr. Hugo Müller. Musik von R. B i a l. Vor der Vorstellung von SV- Uhr ab: Garten-Konzert. Entree 30 Pf. bis 3 M. Morgen Mittwoch: Hopfenrath's Erben. Sckiller-Elzrntrr Dienstan, abendS 8 Uhr: Biirgerkich und Romantisch. Mittwoch, abends SUHr: Eine Palast- redolution. Pulilmalui's Vaudsville-Ibeater Schönhauser Allee 118, » a st a n««„-« l l e e 97-99. TUfilich: MamMlist im Bord. Koniische Operette in I Akt. Bland, VerwandlungS- Soubrette. Paul Petra«-, Gentl. Jongleur. 91artiiiiuH, Geiangs- u. Tanz-Tnettisten. Burburlno, Ballet-Euleuibte. IMizxl Braun, Kostliiu-Gonbrette. l-iebr. Ilurry und William I.atourc, Piccolo- Theater. C-ckcIiw. Morles, die Planeten d. Lust. Arthur Martin, Humorist. I.ittl« Charle«, Lawinensturz. Metzcity Tronp«, Miniatur-Akrobaten. Im Saale: Ball, Anfang t'/z Uhr. Entree 30 Pf. Rescrvirter Platz Ev Pf. ScMni' Garten Am Königstlior n. Friedrichihaln. »»«licht Theater- n. Kpeziallthten- Voratellnng. Boltsbelusttgungen aller Art. Im Saale: Ball. ITÄ' Kxtrll-Porite5«ng, Sonimerfest des Vereins der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- und Kravnttenbranche.— Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. BilletS vorher tn dm Haiidluiigeil. Im Juli find noch 2 Sonnabende an Vereine zu verg eben._ VereinSztmmer mit Piano zu ver- geben MtchaeMrchplatz 21. 2712b Passage- PanopUcum. 80 Kinder der Wüste. Beduinen. Derwische, Schiengenbeschwörer, Beuch- Mnzerinneo etc. VorsteUune; IL. 5, 7, 9 Uhr. Apollo-Theater und Konzert-Garten. Otto Reutter mit feinen aktuellen felbstverfabteii Kouplets. v in v Ahr: vt»«s auf Lrdtll. BiirleSk-phantaslifche Operette 1». Tanz in 1 Akt von Bolten-BäckerS. Musik von Paul Ltncke. In Szene gesetzt vom Direktor I. Glück. Der Kinetograph mit neuer Bilder-Serie. Auftreten hervorragender ISpezlallt&ten. Kaffenöffnung«>/, Uhr. Konzert 7 Uhr. Ansang der Borstellung 8 Uhr. Oastan Panopticum. Uanl Die eloktrlach nCU. belebten |ln||t nnd künatlich HCU. aprechenden Neu! Mensehen.�g Neu! und hochkomisch U r a ü i a. Tauben-IdstraHise 48—49. Naturkundliche Ausstellung Eintritt 30 Pf. Wiffruschastl. Theater abendS«Uhr. Jiivalideiistr. 57/02(Lehrter Stadt- Bahnhof): Täglich von 5 Uhr»ach- »litlagö ab bis 10 Uhr abends Stern- warte und Mondpanorama. Eintritt 5V Pf. Näheres die Tagesanschläge. Beielisgarteii Frledeiistrussc SO (Ecke B u s ch i» g st r a tz e). Täglich: Gro58e8 Prel-Konzert. Die«affeeküche ist täglich, auch Sonntags, von S Uhr ab geöffnet. B. Koalowsky, Viktoria-Brauerei (Garten resp. Saal) litttzow- Straieaie 11111s nahe Potsdamer Play. Heute sowie tüsllch: Slettiner Sänger (Mehsel. Pietr», Britto». Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) NeneS Programm? U. a. Em verfügter Wahltag. Enfeinble von Meyfel. Anfang 8 Uhr. Eutree S0 Pf. Billets tr 40 Pf. mid Familien- Billets ir 1 Marl(für 3 Personen gilttg)sind»nr in den Vorverlaufs- stellen zu habm.(Siehe Plakate.) üctjeit'kMei'kj krisdmdsliajii. Heute Dionatax: Gr. Militär- Frei-Konzert. Programm unentgeltlich. Konzerthaus Sanssouci, Kottbusersir.ta. Jnh. H. Pierry. Täglich: Gr. Konzert- nnd Theater- Voratellune von Aacbinser dt Hnskel. Ua» I Hermann«. Dorothea, Ua„> NCU! Tie»allhanS-Auna liVU! und Iber 4,u in penhall machen tägl. ansverkaufte Häuser. ?rjma Spezialitäten. Anfang 8 Uhr.- Entree 30 Pf. Easse-partonts gelten. Wegen Todessalls lompl.Änschläger- Wcrkz. zn verk. Exerzierstr. 9, 2. Hof 1 Tr., Renz. ff. Xoack's Thealer Bruniieii-8traNBe 10. Täglich: Konzert, Theater- und Spezlalititten-VurMtelluns IettchenS Liebe und Kabale. Original-Posse i» zivei Bildern vot Salingrö. Novität! Großer Beifall! Novität Die Clreusfee. Operette in 1 Akt von E. Filsch. Musik von Fritz Bafelt. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag tm Saalc� Groaaer Ball.— Concordia Variete-Theater Brnniicnatr. 134. SHT" Jeden Sonntag:'IKLZ Gründe Theater-»ud 8pe2!lalltitteii-Vor«tell,inL;. Immer neues Programm. Aiuaua« Uhr. Eutree 30, reserv. 50 Pf. |)qp Jeden Donnerstag:-Ptzli Painlllen- Abend. Gr. Theater- Vorstellunv:. Ans. 7i/s Uhr. Entree 26, reserv. 40 Pf. Der Soinuiergarten ist nebst Kasfee» küche geöffnet._ Ostbahn-Park RstderSdorferffr. 71. Am Kiistriner Platz. Tkeater- und Spezialitäten-Vorstellung. Garten-Konxert von der S0 Man» starken Hanskapelle unter Leitung des Muflkdirektors Herrn Ott« Glirncr, Kaffeeküche 3 bis 5 Uhr.— Bolksbrlustiguiige» aller Art. 4 Kegelbahnen. Gute Bim', ausgezeichnete Küche. Ifftlffss- llSochentagS nur 10 Pf. u ÜIUlll. Sonntags 30 Pf., Kinder 10 Pf."■ JBIIDS» n Brauerei- Ausschank der Brauerei Stralau t» Oeconomie: Blrkhols& Mittue. Jeden Sonntag und Donnerstag; BV* Theater- und Spcxialltltcn-Vorstellung;."NX/ Garten-Konxert der 20 Mann starken Hauskapelle. Im Saale: Gr oh« er Ball bei gänzlich freiem Sntreo. Sport- und Ruderboote in gr. Auswahl stehen zur Verfügung. KalTecktiehe v. 8—7 Uhr. Volksbelustigungen jeder Art. 2 verdeckte Kegelbahnen. Gute Biere, ausgezeichnete Küche zu soliden Preisen. Birkholz& Mittag. mmmmmmmammammmmmmmmmmmmaaaaaaäii Achtliiig! ß. Wahlkreis. Dienstag, den SS. Jnnl, abends 8 Uhr, Im Küsliner Hof, KOslinerstrasse Xo. 8: Gr. öjfeiltl. VolksversmmlNjl. Ta ges-Ordnung: 1. Betheiligen wir uns an den Landtags-Wahlen? Referenten Genossen De. Arons und W. Ldebknecht.• 2. Diskussion. In anbettacht der wichtigen Tagesordnung erwarten zahlreichen Besuch 220/4 vi« Vertraaensleate. SMaldemoKraMer Mahlverem im �.Veriiner Reichstags-Wahlkreis(Most). Dienstag, den SS. Juni, abends SV. Uhr, im Lokale des Herrn Bruder, Waldemar- Ttrafte Nr. 75; Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Gen. Ad. Hoffmann über:„Modenies Raubritterthum". a. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 243/4* Gäste haben Zutritt. Neu« Mitglieder werden ausgenommen. _ Der Vorstand. Centralverein der Bildhauer g/erwaltnnssstelle Berlin). ienstag. abends SVs Uhr, Annenstr. 16: SM" VersÄmmlung."WU Vortrag des Herm Hat-enstela:„Die materialistische Ge- schichtsaufsassung". 22/3 Der angesetzte Biblwthel-Abend fällt aus. Der Vorstand. Verein der grapb. Arbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands.(Filiale Berlin.) Donnerstag, den 24. Juni 1897, abendS»V- Uhr: IVliitglieeler» Versammlung im Lokale des Herm Holfinann, Alexanderstr. 27c. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht der Siebencr-Koninnsflon. 3. Vorttag des Herrn«rundmann über:„Ein Blick in das Innere des Menschen." 4. Diskussion. 5. Verschiedenes. Um pünttliches und zahlreiches Erscheinen ersucht 2�/15 Die Verwaltung, V ersaiiiiiilungeii der Arbeiterinnen im graphischen Gewerbe an» Mittwoch, den 26. Juni, abends 8 Uhr, Im Dokale des Herrn W.«rilndcl, Brnnnenstr. 188, und am Donnerstag, den 24. Juni, abends 8 Uhr, Im 8aale der„Arminhallen", Kommandantcnstr. SO. Tagesordnung in beiden Versammlungen: Arbeit nnd Lohn, Ernährung und Lebensgcnust der Arbeite- rinnen im graphischen Gewerbe und die Nothtvendigkeit der gewerk- schaftlichen Organisation. Referenten: Frau Hohrlack und Frau Thiede, Herr Dr. Friedeberg und Reichstags-Abg. O. Kieglen. Um rege Betheiligung ersucht 2713b_ Die Flnbernferln: Frau P. Thiede. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Verwaltungsstelle CUpenlck). Dienstag, den 22. Juni 1897, abends 8 Uhr. im Goldene« Hirsch zu Cöpenick, Friedrtchshagenerstraste Nr. 1» Krosse öflentliche Versammlung für(fiipfiiiit! ii nb MArichshageil. Tages-Ordnuug: 1. Vortrag des Kollegen Paul l>lttin über:„Die wirthschastlichen Umwälzungen und die EntWickelung der Gewerkschaftsbewegung". 2. Dis- kussion. 3. Der Anschluß an den Deutschen Metallarbeiter-Verband. 4. Ver- schiedenes.— Mit kollegialischem Gruß 122/3 Der Einherufer. Metallarbeiter! Am Donnerstag, de» 24. Jnni 1897, abcndö 8>/2 Uhr, in Martcn's Salon, Friedrichstraste 256: Geyc»ttl. VersatNtnlitng. 167/13 Tages-Ordnung: l. Bericht des Haupt-Bertrauensmannes und Bericht der Revisoren. 2. Neuwahl der Vertrauensmänner. 3. Bericht und Neuwahl der Delegirten zur GcwerkschaftSkommission. Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. DM" Der Rechenschaftsbencht wird den Kollegen in der Versammlung gedruckt vorgelegt werden. Der Vertrauensmann der Berliner Hetallarbelter: Otto Rüther, N., Anklamerstraße 44._ Donnerstag, Achtung, Töpfer I g, den 24. Juni 1897, abends 6 Uhr, bei Frist Wille, Andreasstrafte 2«: Außerlirdtiltliche Geiirral-versaminliiiig. TageS-Ordnung: 1. Stellimg des Vereins zu den gefaßten Beschlüssen der letzten össmt- lichen Versammlung. 2. Gewerkschaftliches. Mitgliedsbuch legitimitt. Jedes Mitglied ist verpflichtet, diese Versammlung zu besuchen. ISO/ii_ Der Vorstand. Graveure! Ciseleure! Mittwoch, den 23, Jnni, abendS 8V2 Uhr. in«rieger's Salon, Wafferthorstrafte 68: GeHeutlnehe Versammlung. Tagesordnung: 1. Das neue Vereiusgesetz. 2. Die Zukunft der deutschen Gewerkschaften. Referent: Kollege«uttmann. Korreferent: Kollege 8chaal. 3. Diskusston. 4, Verschiedenes und Wahl eines VerttauenSmannes. Der wichtigen Tagesordnung wegen werden die Kollegen dringend ge- beten, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 2703b_ Der Einberufer: E. Brückner.___ Tapezlrer- V erein. Mittwoch, den 23. Jnni. abends 8V1 Uhr. im Lokale deS Herrn Zubcll, Lindeustrafte 106: Mitglieder-Vechmlilllg der Filiale Tiiden. A 'agesordnung: 1. Vottrag des Herm Dr. Wollhelm über: Naturerkenntniß und Weltsortschritt. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Donnerstag, den 24. Juni, abendS 8»/- Uhr. im Lokale deS Herr« Bahiel, Rosenthalerftrafte 57: gg: Mitglieber-Versammluilg der Filiale Narbe«. T agesordnung: 1. Vorttag des Herrn Hosenstock. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten._______ 1''/9 lurtdlj! Urmh! MMerEmtild! In Friedrichshagen war nichts zu wollen, vielleicht ist Adalbertstr. 99 was zu holen. Speisen und Getränke in bekannter Güte! Jeder lstwtll- konliuen! Krack dort keiner machen— nicht in die Tüte! LOovL* Emil Jost, Adalbertstr. 99, am ttottbuser Dhor. Mum! Zimmerers Achtung! M Mtmih, dt» II z««i,«it»dS 8 Ujt, in Mtt'S Itstfält«, Smutustwif 3: Grabe bfentlide General-Verjammlnag. Tages-Ordnuug: Skellungttshme zu einem Skundenlohn non 60 Vfg. 277/12 Ehrenpflicht eines seden Zimmerers ist es, diese Bersammlung zu besuche«. Die liohukommlssion. ! Krankenkassen Mittwoch, den 23. Juni 1897, abends 8 Uhr, im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4»: GroHe öffentliitze Veefammlung. 2oegb» der Hitglieder und'�forst&nde siimnitl Icher Orts-, Betriebs" nnd Innung« Krankenkassen Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Frlt« Suheil über:»Ist die freie Aerztewahl bei den Krankenkaffe« durchführbar?« 2. Diskussion. Krankenkassen-Mitglieder l Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es nothwendig, möglichst zahl- reich zu erscheinen. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt._ Die Fünfer-Kommission. , Maurer Cl/arlottenlmrgs! AZeuke» Dienlksg» SS. Auni» ubenvs 7 Ahr» im Uokul„Vismsvckshöho**, AVilmevsdovferftv. 39: Krosse ölleMeke Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Der Stand unserer Lohnbewegung. Referent Kollege 811berschmldt. 2. Diskussion und Gewerkschaftliches.— Das Erscheinen der Kollegen ist nothwendig._ Der Vertrauensmann. Lederarbeiter I Mittwoch, den 23. Jnni 1897, abends 8'/, Uhr, im Lokal„Marienbads Vadstr. 35/36; Oellentl. Versammlung aller in der Lederfabrikation beschäftigten Arbeiter Uhr, im Lokale des Herrn _ Moser. Lichtenberg, Dorfstrafte 2: fjAF" Mitglieder- Versammlung"-Wj des Nebeitee�Vilduugsueveins. Tagesordnung: 1. Vorttag des Genossen Th _....... Metsner"übet: Die Sozialdemokratie nnd ihre Gegner. 2. Dtskussiou. 3. Verschiedenes. U/9_ Der Vorstand. Grosser Vortrag nur für Frauen und Mädchen reiferen Alters am Mittwoch, den 23. Juni. abendS 8'/« Uhr, im Moabiter Klubhaus(Fischer), Beusselstrafte Nr. 9, Hof Part.: Fräulein Minna Kube prakt. Naturheilkuudige Leiterin des Carlottenburger Naturheilbades, über: II v a u e« l e i d e n (Krebs, fchüitme Kruste, offene Füße), erläutert an anatomischen Zeichnungen. Um zahlreiches Erscheinen wird höflichst gebeten. 2711b Der Vorstand des„Heilverein Kube" Charlottenburg. (Neuer Naturheilverem Charlottenburg.) Entree 29 Pf�_ Zu Landpartien nnd Reisen ijJfHlilletd ist M.& W. Müller s Nordlicht wegen seiner ir NORDLICHT vorzüglich wohlschmeckenden Qualität ganz besonders zu empfehlen nnd namentlich als Zusatz zum Trink- und Selterwasser geeignet. 2<)S4L« M. A W. 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Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des RestauratcurS Hermann Schlrokäsc. sage hiennit allen Freunden und Be- ktrnnten, insbesondere dem Gesang- verein„Melodia"(Ripdorf) meinen herzlichsten Dank. 2723b Die trauernde Wittwe. Erklärung. Herr Wöllstein in Adlershof hat auf Plakaten meinen Namen als Ringer in seinem Lokal aufgeführt. Dies ist unberechtigt, da ich sein Lokal nicht betteten werde. 2710b Willy Hans. Meisterringer. Kranzbinderel u. Blnmcn- handlnng von 16438* Robert Meyer, No. 2. Mariannenstr. No. 2. Widmungs-KrSnze, Guirlanden, Ball- sträußchen, Bouquets k. werden sehr geschmackvoll und preiswerth geliefert. Mlnmenhandlung �l'.�I'OMelt.Aücherstt�i'. Hränze, Bonqncts, Topf- gewllchse. Guirlanden etc. Billigste(Markthallen) Preise bei geschmackvoller Ausführung. Photographie. 12 Visttbilder 4 M., 2 Stck. Kabinet- proben gratts, 12 Kabinet 12 M. E. Hering, Zimmerstr. 55. 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