Nr. 145. Kboimemtirts-Kedwgilnge«: Abonnements-Prel» pränumerando: «terteljährl. ZL0 Mb, monatl. l.lVMt., wöchentlich SS Pfg. frei WS Hau». Einzelne Nummer s Pf». Sonntag»- Nummer mit illustrtrter Tonnlag»- Beilage.Die Neue Welt» 10 Psg. PostAbonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- ZeitungS- Preisliste für lSS? unter»r. 74S7. Unter«reu, band für Teutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für da» adrige Ausland s Marl pro Monat. 14. Jahrg. Dke Inftttions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene«olonel» zeil« oder deren Raum»0 Pfg., für iverelni- und Versammlungs-Anzeigen, sowie ArbeitSmartt so Pfg. Inserat« für die nächst« Nummer müssen bi» » Uhr nachmittag» in der Erpedition abgegeben werden. Tie Erpedition ist an Wochentagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn» und Festtagen bt» 8 Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich«»her Zvonkag«. Devlinev VolKsbl�tt. Zernsprecher:«mk l,»r. 1508. Telegramm-Adresse: „Ko,i»ldemoKr«l Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschtands. N-d.>s>«i»» ILA. 19, Mellty-Strahe 2. Das Herrenhaus niackzk scharf. Die Gefahr, daß wir in Preußen mit einem neuen Aus nahmegesetz gegen die Sozialdemokratie beglückt werden, rückt immer näher. Die heutigen Verhandlungen des Herrenhauses über das Vereinsgesetz lassen keinen Zweifel mehr, daß die immer kecker ihr Haupt erhebende Reaktion, wenn sie ihr Ziel nicht schon im Laufe der gegenwärtigen Tagung erreicht, nichts unversucht lassen wird, um sobald als möglich ein ihr genehmes Vereinsgesetz zn bekommen. Wer noch nicht davon überzeugt war, welch gewagtes Ssüel die nationalliberale Partei des Abgeordnetenhauses trieb, dem nrnßten heute endlich die Augen aufgehen. Eiw zig und allein sie ist schuld daran, daß die lex Recke nicht schon längst zu Grabe getragen ist, sie wird die Verantwortung dafür zu tragen haben, wenn noch über das Maß der ursprünglichen Regierungsvorlage hinaus reaktionäre Bestimmungen getroffen werden. Zweimal hatten die Nationalliberalen die Entscheidung in der Hand und zweimal haben sie trotz aller Warnungen, und trotzdem sie die aus einem solchen Verhalten entstehenden Gefahren durchschauen mußten, doch nicht den Muth gehabt, das Attentat der Re gierung auf die ohnehin schon genügend geschmälerte Volks freiheit damit zu beantworten, daß sie das Gesetz a llwino ablehnten. War noch gestern in der Presse die Meinung verbreitet, daß das Herrenhaus die ursprüngliche Regierungsvorlage wiederherstellen und daß die Regierung dann auf die Weiter berathnng des Gesetzes keinen Werth mehr legen und den Entwurf infolge der Aussichtslosigkeit zurückziehen würde, so ist nach den heutigen Debatten auch diese letzte Hoff n n n g auf das Scheitern der Vorlage ge s ch iv n n d e n. Da? Herrenhaus ist bereit, alles daran zu setzen und bis spät in den Hochsommer hinein zu tagen, um die Vorlage so reaktionär wie möglich zu ge st alten. Es weiß sehr wohl, welcher Wind jetzt weht und daß eine so günstige Gelegenheit zur Erfüllung seiner Wünsche so bald vielleicht nicht wiederkehrt Und auch die Regierung, deren Stellung bisher im Unklaren geblieben war, hat nun endlich Farbe bekannt Herr v. d. Recke ist aus seiner»vornehmen Reserve" heraus getreten und hat erklärt, daß die Regierung auf das Zustandel kommen neuer vereinsgesetzlicher Bestimmungen den größten Werth legt und, falls das Herrenhaus der Vorlage eine einigermaßen annehmbare Gestalt giebt, auf seine Durchberathung auch im Abgeordnetcnhause besteht. Gelangt aber der Entwurf nach drei bis vier Wochen nochmals an das Abgeordnetenhaus� so ist es, namentlich wenn die Regierung ihr Einverständniß mit dem so gestalteten Entwurf verkündet, nicht unwahrschein- lich, daß ein, wenn auch nur kleiner Theil der Nationalliberalen umfällt. Haben sich doch bereits vor der zweiten Abstimmung ini Abgeordnetenhause 14 Nationalliberale gefunden, die ent- schlössen waren, den Zedlitz'schen Anträgen zuzustimmen, falls die Mehrheit ihrer Partei es über sich ge- wonnen hätte, die ganze Vorlage zu verwerfen! Das giebt zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß, zu weit schlimmeren Befürchtungen, als die heute ausgegebene Parole des Königs Stumm, die nationalliberalen Wähler aus Jndnstriegegenden sollten ihre Vertreter zwingen, bei einer nochmaligen Abstim ninng den Saal zu verlassen oder aber für den Entwurf des Herrenhauses einzutreten. Noch wollen wir nicht hoffen, daß die Nationalliberalcn dem Winke gehorchen und sich auch in diesem Falle wankelmüthig zeigen, noch wollen wir glauben, daß sie in ihrem eigenen Interesse ihrer bis herigen Haltung treu bleiben werden, uni nicht den letzten Rest von Achtung im Volke zu verlieren. Freilich, schwören können wir darauf nicht, und so bleibt die Furcht, daß der Zedlitz'sche Entwurf Gesetz wird, vorläufig noch� bestehen. Käme es nur ans den Inhalt der Reden an, so lohnte es sich wirklich nicht der Mühe, über die heutigen Verhandlungen auch nur ein Wort zu verlieren. Phrasen, wie man sie höch- stens noch in den zurückgebliebensten Gegenden unseres Vater landes ab und zu zu hören bekommt, wie„Konfiskation des Eigen thums",„Vernichtung jedes Erwerbszweiges", wurden für Ernst genommen und mit Beifall begrüßt, ja selbst Brand, Mord und andere Schandthaten wurden an die Wand gemalt, um die sozialdemokratische Gefahr in de» grellsten Farben zu schildern. Kein Wunder, daß es manchen der hohen Herren, die sich wenig um Politik gekümmert haben, kalt überlief und daß sie aus Angst und Schrecke» vor dem, was ihnen bevorsteht, sich zu allem bereit erklärten. So abgeschmacktes und fades Zeng ist wohl selten oder nie gegen die Sozialdemokratie vorgebracht worden. Gegen das, was diese Vertreter des erblichen Grundbesitzes, diese aus allerhöchstem Vertrauen bernfenen Volksbeglücker, ja selbst die meisten Oberbürgermeister als Beweis für die Gemeingefähr- lichkeit der Sozialdemokratie anzuführen wußten, sind die Reden der konservativen Führer im Abgeordnetenhause, die doch gewiß an Ungeschicklichkeit nichts zu wünschen übrig lassen, wahre Musterleistnngen. Wie sich die Sozial- demokratie im Hirn dieser Leute widerspiegelt, wie es nach Ansicht dieser„Edelsten der Nation" in Volksversammlungen, zu denen sie selbst freilich nicnials hinabsteigen, zugehen soll, dafür nur wenige Beispiele: In Königsberg sollen Sozialdemokraten mit Dreschflegeln bewaffnet Hsrpedltio»: SV. 19, Ueuty-Slraße 3; in Volksversammlungen gekommen und diese Dreschflegel so lange über den Köpfen der Redner geschwungen haben, bis sie aus Furcht, erschlagen zu werden, aufs Wort verzichteten. Fälle wo solche» Arbeitern, die zur Zeit eines von sozialdeniokratv scher Seite inszenirten Streiks arbeiten, plötzlich„aus Zufall" ein Stein auf den Kopf fällt, der ihnen das Leben raubt gehören nach Meinung dieser weisen Gesetzgeber zn den Alltäglichkeiten. Die Terrorisirung seitens unserer Partei soll eine so große sein, daß niemand mehr seines Lebens sicher ist und daß andere Parteien überhaupt keine Versamm- lungen niehr abhalten dürfen. Der Spieß wird also einfach umgedreht: Nicht uns soll das Vereinsrecht seitens der Regierung und der herrschenden Klassen verkümmert wer- den, nein wir haben krast unserer Macht den anderen das freie Vereins- und Versammlungsrecht genommen, und dafür sollen wir jetzt büßen. Das preußische Herrenhaus als Ver- gelterin des dem Volke seitens der Sozialdemokratie zugefügten Unrechts! Wäre es nicht so tieftraurig, daß solchen Hohl- köpfen ein so maßgebender Einfluß zuerkannt ist, so könnte man wahrhaftig in ein schallendes Gelächter über diese Weisheit ausbrechen. Was der frühere Staatsminister v. Pnttkamer, der sich ja im Kampfe gegen die Sozialdemokratie die schwersten Nieder lagen zugezogen hat, was König Stumm in seiner Allweishcit, was der Junker Klinckowström in seiner Furcht vor einer sozialdemokratischen Propaganda auf dem Lande vorbrachten, beweist nur, daß diese Herren nichts zugelernt haben und auch wohl niemals etwas zulernen werden. Das Schlimme ist nur, daß solche Leute einen maßgebenden Einfluß ans die Gesetz ausübe» Und noch eins. Ist es nicht mehr als dreist, wenn jemand sich über den Ton in Volksversammlungen entrüstet und Mittel zur Abhilfe ersinnt, der selbst nicht davor zurückschreckt, in dem angeblich vornehmsten Parlamente die sozialdemokratischen Arbeiter, die die Versammlungen besuchen, als„Lausejungen" zn bezeichnen und die sozialdemokratische Reichstags- Fraktion frech und dreist zn nennen, weil sie, von ihrem Rechte Gebrauch machend, die Aufhebung der Majestät� beleidignngs-Paragraphen beantragt hat? Wer sich solche Ge> schmacklosigkeitcn zu Schulden kommen läßt, der sollte nicht wagen, über andere zu Gericht zn sitzen. Als strafmildernd fällt einzig und allein der Umstand ins Gewicht, daß es König Stumm war, deni diese Worte entfielen. Der Gesetzentwurf wurde schließlich einer Kommission von 1ö Mitgliedern überwiesen, ans der er in neuerer, aber nicht besserer Form wieder aus Tageslicht befördert werden wird. politische Mrvovfichk. Berlin, 24. Juni. Ans dem Reichstage. Der Antrag unserer Genossen, die Vorlage der Regierung über die Regelung der Arbeitsverhältnisse in der Konsektions- brauche in die Handwcrkervorlage aufzunehmen, ist den verschiedenen bürgerlichen Parteien wieder recht u n- gelegen gekommen. Die Zustände in der Konfektions- brauche, wie sie durch die gepflogenen Erhebungen festgestellt wurden, sind so ungeheuerlich, daß keine Partei sie ignoriren kann. An Versicherungen, daß auf diesem Gebiete etwas ge schehen müsse, fehlte es bisher deshalb nicht, aber wie immer, will man es eben bei diesen Versicherungen bewenden lassen. Dieses Spiel ist nun durch den Vorstoß unserer Genossen verdorben worden und deshalb die einhellige Front gegen unsere Partei von Richter bis hinüber zu L e v e tz o w. Die Gründe, welche die einzelnen Parteien in ihrem Ver halten gegen den sozialdemokratischen Antrag bestimmten, waren freilich verschiedenster Art. Während Herr v. Levetzow die ungelegene Zeit ins Treffen sükrte, worin er vom Zentrunisredner unterstützt wurde, entdeckte der Großindustrielle Herr von H e y l sein arbeitcrfreundliches Herz. Dieser Herr begründete seine ablehnende Haltung damit, daß die Vorlage im Arbeiterschutz nicht weit genug gebe. Ganz als Aianchestermann gab sich Herr Richter heute wieder. Die Grundwurzel alles Uebels auf dem Gebiete der ranenarbeit ist für ihn, daß für die Frauen noch gewisse ierufsbeschränkungen existiren. Wenn die Frauen erst mauern und Kessel schmieden, dann ist wohl die Franensrage gelöst. Natürlich fehlte auch der alte Vorwurf nicht, daß die Sozialdemokraten der Polizei zu viel Spielraum einräumen wollen. Wenn dieselbe Polizei, deren Thätigkcit ans>Sm Wohl fahrtsgcbiete zu gnnsten der Arbeiter Herrn Richter so schwer ärgert, die Arbeiterorganisationen zerstört nn> zu guusten der Unternehmer gegen die Arbeiter Partei c'>zsreift, dann sieht Richter den Fall freilich ander? an und man sucht in seinen Reden und in seiner Zeitung vergebens einen konsequenten Kampf gegen solche Uebergriffe. Diese verschiedenen Einwürfe und Angriffe wies Genosse Singer in energischer und geschickter Weise zurück, nachdem vorher Genosse Molkenbuhr unseren Antrag sachlich be- gründet hatte. Da alle bürgerlichen Parteien darin einig waren, daß sie die paar Tage nicht übrig haben, welche noth- wendig gewesen wären, um dieses so geringe Arbeiterschutz- Gesetz durchzuberathen, zogen unsere Genossen nach der ersten Abstimmung den Antrag, soweit er sich auf Aende- rungen der Gewerbe-Ordnung bezog, zurück. Ebenfalls an der ablehnenden Haltung der bürgerlichen Parteien scheiterte der Antrag, dem Bundesrath das Recht auf die HauSindustriellen Der Antrag wurde von einznränmen, die Krankenversi und Heimarbeiter auszudehnen. Singer begründet. Der nun folgende zweite Punkt der Tagesordnung, die Servistarifvorlage, wurde ohne erwähnensiverthe Debatte er- ledigt und dann in namentlicher Abstimmung die Handwerker« vorläge mit 183 gegen 113 Stimmen angenommen. Morgen 12 Uhr: Nachtragsetat. Das preußische Abgcorduetcuhans beschäftigte sich heute mit Petitionen, von denen nur die von Helene Lange nnd Marie Mnllien ein öfsenllichcs Interesse beansprucht, wonach den Frauen, ivelche die vorschrislsmäßige Reifeprüfung abgelegt haben, der Besuch der preußischen Universitäten unter denselben Bedingungen mie den männlichen Abiturienten gestatten werde. Gegen den auf Uebergang zur Tagesordnung lautenden Antrag der Kommissio» erhob Abg. Rickert(frs. Vg.) lebhaften Widerspruch unter den Hinweis darauf, daß sich Preußen von allen Kultur- ländern allein ablehnend gegen eine so berechtigte Forderung ver- halte. Seine Bemühungen waren aber erfolglos, denn die konservativ- klerikale Mehrheit trat dem Kommissionsantrage bei. Es bleibt also alles beim alten. Morgen steht die Interpellation v. Arnim betr. die F r ü h b ö r s e auf die Tagesordnung. Die vergleichenden Flotte»- Dabclte»(der englischen nnd der deutschen Flotte), die der deutsche Kaiser eigenhändig für den Reichstag angefertigt hat, sind zweifellos ein sehr verdienstliches Werk. Sie machen es jedem, der einigermaßen Augenmaß und die Kcnntniß des Einmaleins besitzt, möglich, auszurechnen, daß wir ungefähr zehnmal soviel Geld ausgeben müßten, als bisher, um mit den Engländern gleichen Schritt halten zu können, nnd daß es uns ungefähr die Kleinigkeit von 300V Millionen kosten würde, um so weit zn kommen, wie die Engländer jetzt sind. Die Bekämpfer der uferlosen Flottenpläne finden in den neuesten kaiserlichen Flotten-Tabellen vorzügliche Waffen.— Das neue Jufantcriegewehr. Das Gerücht, daß die allgemeine Einführung eines neuen Jnfanteriegewehres be- schloffen und eine größere Bestellnng bereits erfolgt sei, wird vom„Leipz. Tagcbl." bestätigt. Im sächsischen Armeekorps sei wie in anderen ein Bataillon bereits zum M a s s e n v e r s« ch mit einem Gewehr neuesten Modells bewaffnet, dessen Hanptvorznge in noch klein ereni Kaliber als dem bisherigen nnd in einem Mechanismus bestehen sollen, der alle Lade- Vorrichtungen außer der Füllung des Magazins selbstthätig besorgt. Allem Anscheine nach stehe uns wieder eine völlige Nenbewaffnung der Infanterie bevor. So geht das Jagen nach immer„vollkommneren" Waffen fort nnd fort. Heut die Artillerie, morgen die Marine, über- niorgen die Infanterie und so weiter, Waffengattung gegen Waffengattung, Nation gegen Nation— ein wahnwitziges Be- ginnen! Und die Kosten! Die Bewaffnung der Infanterie mit einem neuen Gewehr ist kein billiger Spaß. Die Regierung wird den Steuerzahlern bald die Rechnung präsentiren und sie wird gepfeffert sein!— Tie Kathedersozialisten gegen König Stumm. Die Professoren Delbrück, Schmoller, Wagner wenden sich gegen Stnmm's Herrenhausrede. An den Vertreter der Berliner Universität im Herrenhause, Professor Hiuschius, richten sie ein öffentliches Schreiben mit der Bitte, es zur Kenntniß des Hanfes zu bringen. Aber ach, das soll eine Abwehr der nnwahrhaftigen, dreisten, protzigen Hcransfordernngen des Freiherrn sein! Hatte Stumm den Herren Professoren vorgeworfen, daß sie„an stelle der royalistischen Sozialpolitik einen demagogischen Sozialismus gesetzt hätten", daß sie den Klassenkampf pro- klamirten, gegen Kapital nnd Besitz aufhetzten, die ganze Gefcllschaftsordnnng, den Begriff des Eigenthums in Frage stellte»— so kommen nun diese tapferen Katheder- Herren und bethenern mit flehender Gcberde nnd weinerlicher Stimme: Er hat uns Unrecht gethan; solch böse Dinge haben wir nimmer verübt; im Gegentheil, wir haben gerade den Marx kritisch zerfetzt, die Sozialdemokratie widerlegt; wir haben stets gar vorsichtig und milde für Reformen gewirkt und nie über das Kapitel und den Besitz Verdammniß gesprochen. Einen etwas kräftigeren Ton gegen den Scharfmacher au der Saar hätte man doch vielleicht von den Herren Katheder- sozialisten erwarten sollen. Statt ihn und seine Unwissenheit zu züchtigen, drückt sich der Professor und entschuldigt sich demüthiglich. Der Herrscher von Nennkirchen darf mit der Abwehr der Delbrück, Schmoller, Wagner höchlichst zufrieden sein! Der Friedensschluß soll nach dem„Standard" an diesem Sonnabend zu erwarten sein. In Athen nimmt mau an, daß die Kriegsentschädignng wohl auf 70 Millionen Franks fest- gesetzt werde» würde, welche innerhalb 4 Fahr« in Theilzahlungeu zn entrichten seien. Der griechische Minister des Auswärligen sagte dem Gewährsmann dei„Ehronicle", dies bedeute den Ruin; die Griechen würden natürlich in aubetrncht ihrer Hilf- losigkeit diese oder vielleicht eine größere Summe genehmigen müssen, aber die Mächte würden das Geld finden müssen, da Griechenland dazu außer stand« sei. Das englische Blatt fügt hinzu, die höchst« Summe, die mit Mühe zusammengebracht werden könnte, seien 50 Millionen PapierfrankS; werbe eine größere Summe festgestellt und die Zahlung vor der Räuumng Thessaliens be- ansprucht, dann würde dies thntsächlich die Einverleibung Thessaliens in die Türkei bcdeuie». Eine Athener Drahtinig des Standard nicldet, LlZ 000 frische türkische Truppen seien ans Kleinasten in Thessalien angekommen und marschirten mit fünf Batterien von Pharsalos nach Domokos. Offenbar ist der Friede noch bei weitem nicht gesichert, rö können sich noch sehr schwere Zwischenfälle ereignen.— Deutsches Reich. — Wann die M i n i st e r k r i s e gelöst werden wird— ye- löst, soweit überhaupt unter den gegenwärtigen Verhältnissen von Lösung gesprochen werden kann— weiß niemand. Tie einen mulh- maßen im Herbst, die anderen schon Anfang Juli. Miquel ist zum Kaiser nach Kiel gereist, vielleicht kommt er schon in neuer Würde zurück. Herr v. Bulow, der Marschall-Nachfolger, soll noch nicht recht Lust zu dem neuen Amt habe»; das Zentrum sieht in Bülow's Berufung die Absicht der Regierung, eine andere, schärfere Haltung gegen diese Partei annehmen zu wollen.— — Bei der Reichstags-Er sah wähl in Wies- baden hat der Kandidat der freisinnige» Volkspartci Winter» meyer am Mittwoch über den Zentrumskandidaten v. Fngger gesiegt. Der erstere erhielt zirka 13 500 Stimme», v. Fngger zirka 3500 Stimmen. Im ersten Äahlgang war die Stimmenvertheilung die folgende: Freisinn 6761, Zentrum 5541, Sozialdemokrat 5207, Nationalliberale 3053. Die Belheilignng war bei der Stichwahl»ine stärkere als bei de» Hauptwahl. Die hohe Zahl ihrer Stimmen verdankt die freisinnige Partei offenbar den sozialdemokratischen Wählern. Außerdem erhielt sie die Stimme», die aus den Nationalliberalen gefallen waren; ein anderer Theil der Stimmen deS nationalliberalen Kandidaten, für den auch die konser- tive Partei eingetreten war, ging in der Stichwahl auf den Zentrumskandidaten über.— — Protest-Versammlnngen gegen die Verschlechterung de? Verein sgesetzes fanden statt in Naundorf bei Finsterwald« und Kirch Hain, wo Stndermann- Dresden referirte; in B e r d e n, wo Dr. Diedrich-Bremen sprach; Nauen, Friedrichshagen, E i s e n b e r g, Kahla in Thüringen, Reichen dach S.-A., S ch n a u d e r h a i n i ch e n bei Meuselwitz S.-A.(Referent Kappler-Altenburg), Ost erwiek am 1>arz(Dahlen-Halberstadt), Kiel(Frau Ihrer), ferner in der Hamburger Umgegend. In Breslau protestirte das Gewerk- chaflskartell nach einem Referat von Bruhns, desgleichen die in der Versammlung anwesenden Franen uud Mädchen in einer besonderen Resolution nach einer Rede der Gen. Geiser. — Der Verein für Sozialpolitik hat beschlossen, eine Feststellung der E x i st« n z g r u n d l a g e n des Klein- b a n d« l s in de» verschiedenen Landestheilen vorzunehmen. Das Ergebniß dieser Erhebungen soll als Unterlage für positive Anträge »nd für gesetzgeberische Maßregeln dienen können. ES haben sich eine größere Anzahl von Handelskammern und kaufmännischen Ver- bänden unter der Handelskammer zu Hannover als Vorort vereinigt, eine Anleitung zu einer Enquete über die Lage des Kleinhandels ausgearbeitet»nd versenden dies« nun an Männer der Wissenschaft und Praxi» mit dem Ersuchen um Vornahm« entsprechender Unter- suchungen. Insbesondere werden auch die Professoren und Leiter von volkswirlhschastlichen, staatswissenschaftllchen und statistische» Seminaren gebeten, die Hörer ans das Unternehme» aufmerksam zu machen nnd ihnen die Mitarbeit anznempfehle». Neben Schilde- rungen bestimmter Kleinhandelszwcige sei es von Werth, eine Anzahl Monographien zu besitzen, welche je eine den Kleinhandel bedrohende, schädigend« oder belästigende Erscheinung des wirlhschaftlichen Lebens in objektiver und ebenfalls möglichst aus Thatsachen sich stützender Weise bespreche», wie jj. B. Konsumvereine, die verschiedene» Formen des Wandergewerbes, Versandthäuser und Waarenmagazine, Waaren- und Wanderauktiouen jc., so daß also die Gesammtheit der Arbeiten in ihrem ersten Theil die Anatomie des Klein- und Zwischenhandels, in ihrem zweiten Theil die Pathologie der thatsächlichen oder an- genommenen krankhaften Erscheinungen desselben bilden wird. — Urber die Bäckereiverordnung sprechen sich jetzt die Berichte der Fabrikinspektoren aus. Aus allen ihren Mit- theilungen geht so viel hervor, daß von großen wirthschaftlichen Schädigungen der Bäckermeister nichts bemerkt worden ist. Im übrige» können die Zünftler mit den Geiverbe-Aussichtsbeamten sehr zufrieden sein. Wir werden hierauf»och näher zurückkommen. — Behandlung der Pole». Die polnische„Gazeta TorunSka" klagt ihren Lesern, die Preßprozesse seien bei ihr das all- tägliche Brot geivordcn, sie seien so zahlreich, daß man sie erst gar nicht erwähne, aber damit die Leser einen Begriff davon bekäme», welche Ausdehnung die Sache angenommen habe, wolle daS Blatt feststellen, daß es i» den letzte» 15 Monaten gegen 2000 M. Strafe und Kosten Hab« zahlen müssen. Di« Gerichtsvollzieher seien bei den Redakteuren keine seltenen Gäste mehr.— — Der württembergisch« Landtag ist in derBe- rathnng des Einkommensteuergesetzes bereits weit vor- geschritten. Man hofft, sie in der nächsten Woche beendigen zu können. Dann wird jedenfalls erst«ine Vertagung eintreten und die Berathung des neu eingebrachten RegierungsentwurfS betr. die periodische Wahl der OrtSvorsteher für später vorbehalten bleiben. Hamburg, 24. Juni.(Eig. Ber.) Die Hamburger Bürgerschaft nahm gestern Abend einen Antrag des SenatS an, wonach der Ham- burger Hafen um ein ganz beträchtliches vergrößert werden soll. Es soll außer einem inländischen Schutenhafen ein neuer Seeschiff-Hafen und ein nener Flußschiff-Hafen mit den gehörigen Nebenanlagen auf der Elbinsel Kuhwärder, also etwas elbabwärts von den bis- herigen Hafenanlagen erbaut werden. Die Einfahrt in die neuen Hafenanlagen soll durch gewaltige Schleusen von 13 Metern Breite und 120 Metern Länge bewerkstelligt werden. Der Bau der neuen Anlagen, für welchen inSgesammt 11603 000 M. be- willigt wurden, wird zirka 5 Jahre in Anspruch nehmen. In den Motiven zur Senatsvorlage heißt eS, daß der steigende Verkehr im Hamburger Hafen die neuen Aulatzen dringend erheischt; allein in diesem Jahre seien schon 300 Schiff« mehr im Hamburger Hafen eingelaufen, als in dem gleichen Zeitraum deS Voriahres. Die Burtzer- schaft nahm, wie gesagt, die Vorlage gleich in erster Lesung definitiv an, so daß sofort mit dem Bau begonnen wird. — Koloniales. Die Meldung vom Tode des Hottentotten- kapitäns Hendrik Witboi hat sich nicht bestätigt. In Wal- fischbai war allerdings von englischen Händler», die auS dem Innern zur Küste zurückkehrten, die Nachricht eingebracht worden, daß Witboi bei Gibeou von zivet Hereros aus dem Hinterhalt erschossen worden sei. Diese englische Meldung ist nun dahin zu ergänzen, daß allerdings ein Witboi von HereroS ermordet wurde, aber nicht der alle Hendrik oder einer seiner Verwandten, sondern nur einer feiner Unlerthane». Bekanntlich nennt man dort häufig die Leute gaiizer Stämme nach dem Namen ihrer Oberen; so war es auch hier. Vchtveiz. Zürich, 21. Juni.(Eig. Ber.) Eine offenbar von den foli- darischen Bordellitbhabeni des KantonS Zürich in 30 000 Exemplaren »»entgeltlich vertheilte Broschüre feiert in hehren Worten die wahre Sittlichkeit, verdammt aufs schärfste die Sitllichkeitsbeuchelei und fordert das Volk zur Verwerfung der SittlichkeitS- Initiative, über die am nächsten Sonntag die Volksabstimmung stattstndet, aus. Wie immer solche Machwerke, so wird auch dies« Broschüre der Händler mit Menschenfleisch die gegentheilitze Wirkung haben und erst recht zur Annahn,« der Initiative oder des gleichbedeutenden behördlichen Gegenvorschlages führen. Die Sozialdemokraten werden ebenfalls dafür stimmen. Di« Züricher Arbeiter- Union hat Zustimmung zum Gegenvorschlag beschlossen und zwar durch Annahm« folgender Resolution:„Die Prostitution ist die faule Frucht einer schlechten Gesellschaftsordnung. Sie kann nicht durch Strafgesetze und Polizei- maßregeln, sonder» nur durch gründliche soziale Reformen im Sinne der Sozialdemokratie beseitigt werden. Es wird Prostitution geben: I. so lange alS dt« faktische Möglichkeit der Eheschließung durch die sozialen Zustände und Gegensätze ungemein erschwert ist; S. so kange es viel« arm« Frauen und verhältntßmäßig wenig reiche Männer aiebt; 3. so lange der größte Fleiß einer Arbeiterin nicht hinreicht, sie vor Hunger zu schützen und so lange Löhne von 1 Fr. und noch weniger im Tag bezahlt werden; 4. so lange die Frau nicht völlig frei und sozialpolitisch gleichberechtigt mit dem Mann ist; 5. so lange die Bildung und Erziehung des Volkes und besonders die der Mädchen so vernachlässigt wird. Ob- gleich das Gesetz betreffend Abänderung des Strafgesetzbuches über die Verbreche» gegen die Sittlichkeit Bedenken erregt, so erklären wir uns doch für dasselbe, weil eS ein Vorrecht der reichen Ver- brecher, die Nothzucht und Schändung begehen, abschafft und weil es ein Versuch ist, die Prostitution einzudämmen und die geschlechtliche Sittlichkeit zu Heden."— Ein interessanter Beitrag zum Kampf für Sittlichkeit dürfte folgendes sein: Vor einigen Monaten erregte es im In- und Auslande einiges Aufsehen, daß der Züricher Kantons- rath den seit Milte der siebziger Jahre wegen Mord im Zuchlhause gesessenen zu lebenslänglicher Strafe verurtheilten Hauser von Tuttlingen (Württemberg) begnadigte und in seine Heimathsgemeinde abschob, welch letzteres die Regierung allerdings nicht wollte, sondern die Stellung unter Polizeiaufsicht. Dieser Hauser war nun der uneheliche Sohn eines Dienstmädchens auS Tuttlingen und eine? Züricher Bourgeois, der offenbar Mutter und Sohn vernachlässigte, so daß dieser ohne Erziehung aufwuchs und zum Raubmörder wurde. An diesen Verhältnissen ändern nun die vorliegenden Sittlichkeits-Vor- schlüge garnichlS. Die Verführung von armen Mädchen durch reich« Wüstlinge wird auch in Zukunft stattfinden und deren Opfer werden als ihr Schicksal Roth, schlechte Erziehung und ZuchlhauS erleben. Die Siltlichkeits-Vorschläge hätten auch die Pflichten solcher Verführer gegenüber den unglücklichen Mädchen und ihren unglücklichen un- ehelichen Kindern regeln solle».— Bern, 24. Juni. Unter Vorbehalt der Genehmigung durch die Bundesversammlung ermächtigte der Bnndesrath den schweizeri- scheu Gesandten in Paris, mit de» Vertretern der anderen der lateinischen Münzunion angehörenden Staaten einen Zusatzvertrag znm Zweck der Erhöhung des Kontingents von Silberscheidemünzen zu unterzeichnen. Bern, 24. Juni. Der Ständerath hat nach langer Berathung die Artikel 2, 3 und 4 der Eisenbahn rückkaufs-Vorlage in der Kommissionsfassung mit unwesentlichen Abänderungen an- genommen. Es waren zahlreiche Abändcrungsanträge gestellt, die meisten derselben wurden jedoch abgelehnt. Die folgende Be- stimmung gelangte zur Annahme: Der Bund ist befugt, den Be- trieb von Nebenbahnen zu übernehmen uud in Belriebsverträge, welche zwischen Haupt- und Nebenbahnen abgeschlossen sind, einzu- treten.— «elgieu. Brüssel, 24. Juni. Der unabhängige Kongostaat stellt in aller Form die von der„Röforme' verbreiteten Nachrichte» in Abrede, wonach die Expedition DhaniS gänzlich niedergemetzelt worden fein sollte. Der Kongostaat hat vielmehr im Widerspruch zu der Meldung der.Rösorme" keine Nachricht über diese An- gclegenheit erhalten.— Spanien. — Anarchisten und Tortur. Der spanische Publizist Tarrida del Marmel, welcher sich abwechselnd in England »nd Frankreich aushält und gegen daS Kriegsgericht von Montjuich Stimmung gemacht hat, fordert in der„Revue blanche" Canovas in die Schranke», den er den Henker Unschuldiger nennt. Er will beweisen, daß der wahre Urheber des Dynamitattentats von Barcelona, ein Anarchist, welcher die Gefolterten von 1333 und die Hingerichtelen von 1894 rächen wollte, sich niemals in den Hände» der Justiz befunden hat, daß die Bomben, deren Ursprung der Untersuchungsrichter Marzo nicht zu erklären vermochte, von einem gewissen Momo verfertigt und zu 11,50 Franks das Stück verkauft worden sind, daß endlich die Aus« sagen, die dem ungeheuerlichen Prozesse von Montjuich zur Grundlage gedient haben, falsch waren und den Zeugen durch Folterqualen oder Drohungen entrissen worden sind. Es sollen zu diesem Behufe drei Ehrengerichte eingesetzt werden, eines in London, mit dessen Bildung der Leiter des„Daily Chronicle", Massingham, sich bereits einverstanden hat, eins in Paris, als dessen Mitglieder Tarrida del Marmel die bekannten Preßleiter Rochefort, Eassagnac, Drumont, Clemencean und den Gründer der„Revue blanche". A. Natanfon, vorschlägt, und endlich das dritte in Madrid. Tarrida würde sich verpflichten, falls er die Beweise für seine Behauptungen nicht zu erbringen im stände wäre und seine Anschuldigungen gegen Canovas del Castillo, die Richter und Gendarmen von Montjuich sich als unbegründet herausstellten, sich de» spanischen Gerichte» auszuliefern und die Straf« über sich ergehen lassen, die das Gesetz den Verleumdern androht. Asien. AuS Indien kommen bedenkliche Nachrichten. Mährend zwei englisch- indische Truppenbrigaden nach der afghanischen Grenze marschiren, um die Gebirgsstämme, die eine englische Truppen- abtheilung aufgerieben haben, zu..bestrafen", wird aus Bombay, also aus altenalischem Gebiet, gemeldet, daß ein englischer Offizier meuchlings getödlet, aus einen höheren englische» Beamten ein Mord- versuch gemacht worden ist. Das sind Symptome, die umso ernster sind, als der indische Nalionalcharakter außergewöhnlich sanft ist, sodaß gewaltsame Ausbrüche ohne außergewöhnliche Aufregung nicht zu erklären sind.— Aus Bombay wird hierzu noch gemeldet: Die Ueberfälle haben große Erregung hervorgerufen. Es ist eine Belohnung von 10 000 Rupien auf die Entdeckung der Thäler ausgesetzt. Die An- griffe werden in- Verbindung gebracht mit in Poona und Bombay verbreiteten, mit der Unlerschrisl„Dreihundert Millionen menschliche Wesen" versehenen Flugblättern, in welchen unter Hinweis auf daS Jubiläum der Kömgin Bictoria dies« beschimpft und die Hilf« der livilisirten Völker für dt« in der Sklaverei lebenden Zndier angerufen wird. Amerika. — Di« Spannung zwischen den Bereinigten Staat«nundJapan wegen der Hawai-Annexion scheint schärfer zu werden. Aus Washington wwd telegraphirt: Der Vertrag mit Hawai ist an einen Unterausschuß verwiesen worden, welcher über vielleicht anS dem Vertrage entstehende Ver- Wickelungen berathen soll. Wie es jetzt heißt, hatte der Einspruch Japans gegen die Einverleibung von Hawai fast den Charakter eines Ultimatums; die Einverleibung wird in dem Einsprüche als geeignet bezeichnet, den Handel im nördlichen Stillen Ocean zu stören und Vertragsrechte aufzuheben. Die Antwort der amerikanischen Regierung läuft auf eine nach- drückliche, gesetzliche Vertheidigung der Stellung der vereinigten Staaten hinaus und führt zur Unterstützung der Ansprüche der Bereinigten Staaten viele Beispiele auS dem internationalen Recht« an. — In der kubanischen Frage scheint sich eine«nt- scheidende Wendung vorzubereiten. Die Reformkomödie, welche die spanische Regierung in Szene setzte, hat bei den zunächst Belheiligten nur einen Lachersolg gehabt. Die Verhandlungen mit den Aus- ländischen dauerten n»r ganz kurze Zeit, da die Unannehmbarkert ofort in die Augen sprang. Die Feindseligkeiten, nur auf etwa acht Tage unterbrochen, wurden allgemein wieder aufgenommen, und von den Spaniern wird seitdem der Krieg in Ermangelung taktischer Erfolge, mit verdoppelter Grausamkeit geführt. Dies hat die Aufregung in den Vereinigten Staaten wesentlich lesteigert— um so mehr, als auch viele amerikanische Bürger die Opfer fpanilcher Grausamkeit geworden sind. Der neue Präsident, Mac Kinley, war schon von vornherein der Loslösung Kuba'? von Spanien geneigt; diese Neigung hat in den letzten Wochen sich seh» verstärkt, und wenn es auch wohl nicht wahr ist, daß der neue amerikanische Gesandte in Madrid, General Woodford, wie der Londoner„Daily Chronic!« meldet, die Weisung erhalten habe, der spanischen Regierung zu erklären, wenn Kuba nicht volle Autonomie gewährt werd«, müsse die Regierung von Washington«inschreiten, so haben die Dinge doch jedenfalls sich so zugespitzt, daß die Einmischung der veretnigteu Staaten in nächste ltäh« gerückt ist.--- — Die sozialistische Arbeiterpartei Brasiliens wird, wie unser Hallesches Partei-Organ mitzutheilen weiß, für die nächsten Wahlen eigene Kandidaten ausstellen. Sie fühlt sich be- reits stark genug, selbständig in den politische» Kamps einzutreten. Die deutschen und sonstigen fremdsprachlichen Sozialisten in Brasilien werden durch die Parteileitung ansgefordert, sich den Wählertitel zu besorgen d. h. sich naturalisire» zu lassen.-- HevvensMus� 23. Sitzung vom 24. I U n i 1397. 1 U h r. Am Ministertifche: v. d. Recke, Schönstedt. Auf der Tagesordnung steht die Berathung und Beschlußfassnng über die geschästliche Behandlung des GesetzcutwurfeS zur Er- gänzung uud Abänderung von Bestimmuugeu über Bersamm» luugeu und Vereine. �..... Staatsminister a. D. v. Pnttkamer: Di« Vorlag« ist die ivichtigste von alle», mit denen das Haus in den letzten Jahren beschäftigt gewesen ist. Wenn ich meine Meinung darüber aus- spreche, weiß ich allerdings nicht, ob ich der Regierung damit einen Dienst erweise, denn bei der ungemeinen Unvol k s- lhümlichkett meines NamenS ist alles, was ich sage, in weiten Kreisen deS Volke? von vorn- herein verurtheilt. Da ich aber zehn Jahre lang in der vordersten Reihe derer gestanden habe, welche den Umsturz be- kämpften, so. bin ich gewissermaßen berussmäßig in der Lage, auch zu dieser Vorlage Stellung zu nehmen. Vonveg möchte ich auch die Behauptung zurückweisen, alS ob die�Oeichsregierung ihre dem Reichstage in dieser Beziehung gegebene Zusage nicht loyal erfüllt habe. Daß eine einfache Aufhebung deS Koalilionßverbols dem preußischen Landlage nicht annehmbar zu machen sein würde, konnte die Regierung sich ohne weiteres sagen; kaum im Ab- geordnetenhause war das zu erwarte». Auflösung des Abgeordneten- Hauses, liberaler Pairsschub im Herrenhanse, solche Gewalt- mittel konnten nur vom Standpunkt eines Theil«? des Reichetages für die preußische Regierung in betracht kommen. Es war also vollständig in der Ordnung, wenn die Regierung sich entschloß, das Vereins« und Versammlungsrecht im ganze» zu revidiren. Diese Revidirung nimmt den Fade» wieder ans, wo er nach dem Erlöschen des Sozialisten- und nach dem Scheitern des Umsturzgesctzes fallen gelassen worden ist. Die Viegierung verdient dafür unsere größte Anerkennung(Lebhaftes Bravo!), denn wenn eine solche Frage einmal angeschnilten ist, kommt sie nicht wieder zur Ruhe, als biS sie gelöst ist, und wenn daS auch diesmal vielleicht nicht gelingt, so wird sie. sei eS aus der Initiativ e der Regier u na. oder auS unserer gelöst werden.(Wiederholter Beifall.) Der Entwurf ist in sehr verstümmelter Form zu unS gekommen. Im Lande sehen tausende königSlreuer loyaler Männer der Ausdehnung der sozialistischen Gefahr mit Bekümmerniß zu und er- warten dringend, daß der Regirung die Energit wieder- kehre, welche die Zurückdrängung dieser Gefahr erfordert. Die Opposition gegen die Vorlage hat das ganze Rüstzeug der Argumente wieder mobil gemacht, welche seinerzeit gegen daS Sozialistengesetz und die Umsturzvorlage gellend gemacht wurden. Hätte auch nur eines dieser Argumente annähernd den ihm beigemessenen Werth, so würde ich der Regierung rathen, noch heute den Entwurf zurück- zuziehen, aber so liegt die Sache nicht. Entweder wir erwehren uns der sozialdemokratischen Gefahr, oder sie vernichtet uns, sagte bei der Berathung deS Sozialistengesetzes Herr Bamberger. Jeiies Gesetz ist drakonisch, aber loyal ausgeführt worden, keine andere Partei hat darunler zu leide» gehabt. Wenn eS nun heißt, man werde mit solchen Mitteln die Umsturzparlei stärken, so ist dem gegenüberznsteNe». daß n a ch d e m Erlaß deS Gesetzes dt« sozialdemokratischen Wahlstimmen fast ganz ver« schwanden, b i S man 1887 anfing, die Zügel fallen zulasse n unddiegahl sich wieder hob. Erst nach dem Erlöschen de? Gesetzes hat die Sozial- demokratie lawinenartig zugenomm»».(Sehr richtig!) Die letzten Wahlen haben die ungeheure Zahl von 1700 000 Stimmen ergeben; wo soll denn oaS enden? Wer hätte vor 10 Jahren daran gedacht, daß die ungeheuren Arbeits- einstellungen stattfinden würden, wie sie jetzt in Schwung ge- kommen sind? 1835 genügt« ein einfacher Ministerial- erlaß, sie z» verhindern. Wo waren damals die gewaltsamen Versuche der Streikenden, die Arbeitskollegen von der Arbeit abzu- halten? Also ist daS Ausnahmegesetz zwar nicht im stände gewesen, die Sozialdemokratie«inzu- dämmen, aber es hat die verhältntßmäßig ruhigen tu stände bei unS aufrecht»u erhalten vermocht. ie Bewegung soll an Tiefe verloren, an Breite gewonnen haben; die Sozialdemokraten seien eine radikal« Arbeiter- Partei geworden. Das ist ein verhängnißvoller Jrrthum. Die Sozialdemokratie giebt daS vor allen Dingen selbst nicht zu; sie bleibt die internationale, revolutionäre Sozialdemokratie, die sie war, sie hat keines ihrer Ziele aufgegeben. Solches be- Haupte» zu wollen, schlägt den Thatsachen ,»S Gesicht. Sie ist allerdings vorsichtiger in der Taktik geworden, sie will ab« Vernichtung der bestehenden Gesellschaftsordnung, sei et aus diesem, sei es aus jenem Wege. Geistig« Bewegungen sollen nur mit geistige» Mitteln bekämpft werden. Auf diese Weisheit brauchen ihre«ertreter nicht sehr stolz zu sein; sie ist ga», unbrauchbar in Beziehung aus die Sozial- demokratie. Sie hat ja noch heute ihre pseudo- wissenschaftlichen Vertreter, aber als politisch« Partei ist st« keineswegs harmlos oder keusch. WaS ist nu» dagegen zu lhun? Die Großindustrie der großen Städte ist die Nährmutter dieser Partei: da» platte Land ist im ganzen bisher Gott sei Dank davon verschont geblieben.«S gilt jetzt, den Riegel vorzuschieben. SS ist eine unglaubliche Thorheit der sozialdemokratischen Partei, daß sie glaubt, die ländlichen Wähler durch die Redensarten ihrer Wähler auf ihr, Seite zu bringen. Aber gelingt es ihr, dies« auf ihr« Seite zu bringen, dann ist der Anfang vom Ende da, und die Verantwortung dafür zu über- nehmen wäre ein ungeheures Wagniß, was ich auch den Herren im anderen Hause zu bedenken gebe. Da reicht denn die Vorlage, wie wir sie bekommen haben, nicht entfernt anS. Heben wir das Verbot de» JnverbindnngtretenS der Vereine auf. so kommt daS vor allem den Sozialdemokraten zu gute. Wir würden also lediglich«inen weiteren Riegel fortschieben, und der Ausschluß der Minderjähigen ist nicht im geringsten eine aus- reichende Kompensation dafür. Der Standpunkt, daß die Theil- „ahme an Vereine»»nd Bersammlunge» zur Erziehung unserer Jugend beitrage, ist geradezu haarsträubend. Die gebildete Jugend gehört in die Studirstub« und in die BildungSanstalten, die Arbeiter gehören in die Werlstatt und in die Fabrik. DerFeind ist die Sozialdemokratie, die muß vor allem bekämpft werden, und«S genügt ein Gesetz, welches dies« ausschließlich bekämpft. Darum sollten wir das Gesetz zuspitzen auf die wirklichen Umsturzparteien- Eistens haben wir dafür die überwältigende Mehrheil in diesem Hause, im anderen Hause würde» wir uns von den Freikonservativen nicht zu trennen brauchen und mindestens eine an die Mehrheit grenzende Minorität erhalten. Ein solches Gesetz würde der heutigen Lage Rechnung tragen und nützlich wirken. Ich weiß, daß dieseS hohe SauS schon mehr alS einmal sich als die unerschütterliche tütze der Staatsordnung geltend gemacht hat, eS wird sich auch diesmal nicht von dem richtigen Wege abbringen lassen. (Beifall.) Oberbürgermeister Gicse- Altona: Der Ausschluß ber Minder- jährigen aus den Versammlungen erscheint einem großen Thal meiner politischen Freunde als ein sehr wirksames und nützliches Mittel zur Verbesserung der bestehenden Zustände aus diesem Gebiete. Gegen die Auswüchse d er Sozialdemokratie müssen aber noch besonder« Vorkehrungen getroffen «erden, denn«S muß da» Rech t«g, fühl«schüttern, wenn offen «nb straflos in Versammlungen die Grundlagen unserer EtaatS- ordnmig verhöhnt und angegriffen werde». Der Regierung muffen Z» diesem Zwecke Machtmittel in die Hand gelegt werden. Die Sozialdemolratie spielt den Kamps um die politische Macht auf das wmhschastliche Gebiet über, und das bedroht die Prosperität des Landes geradezu. Der letzte große Hafenarbeiter-Slre>k in Hamburg hat uns in Altona das gründlich zum Bewußtsein gebracht. Nach der Beendigung des Streiks sind 2» 000 Arbeiter in Hamburg dieser Partei beigetreten, das bewein, daß die wirthschaftlichen Fragen nur benutzt werden, um die politische Partei zu stärken. Das ist zum theil durch direkte Bedrohung und Gewalt herbeigeführt worden; die Arbeiter wurden in die Streikkaste» hineingezwungen. Und diese Dinge stehen nicht vereinzelt da. Die Strafe allein stellt die Rechtsordnung nicht wieder her; die Regierung muß Repressivmittel haben, um vor» beugend einzugreifen. Auch mit Belagerungszustand und mit der Selbsthilfe der Unternehmer würden wir nicht iveiter kommen. Das Ver» eins-undVersammlungsreckt bietet hier immerhin eine nutzbareHandhabe. Angesichts des Terrorismus,>v eichen die Sozial- demokratie ausübt, steht mir die Freiheit des einzelnen höher als die Freihert des Ver- sammlungs-und Vereinsrechts. Lieber wäre es mir ja gewesen, wenn die Aktion von Reichs wegen ersolgte, da aber von dort nichts zu erwarten ist, seh« ich auch kein Bedenken darin, die partikulare Gesetzgebung zu beschreite», und hoffe, daß uns die übrigen deutschen Staaten bald nachfolgen werden.(Beifall.) Graf Klinckowström: Der uns aus dem anderen Hause zugegangene Torso ohne Kopf und Bein« ist für uns ganz unannehmbar. Wir sind der Staats- regierung für ihre Vorlage ganz besonders dankbar, indem sie uns dadurch zeigt, daß sie entschlossen ist, den staatsgesährlichen Be- strebungen der Sozialdemokratie entgegenzutreten, und wir vertrauen, daß der jetzt betretene Weg nicht wieder ver- lassen werden wird. Alle Gründe, welche die Gegner des Gesetzes im anderen Hause augesührt haben, bezeugen nur. daß die Herren entweder das Wesen der Sozialdemokratie nicht verstanden haben oder die alten liberalen Schlagwörter dem Wohle des Vater- landes vorzogen. Ganz unverständlich war mir die Haltung der Rativinrlllberale», von denen ich in der That ein größeres Ver- ständniß erwartet hätte. Geradezu naiv ist es zu fragen, warum nicht im Reiche das Gesetz gemacht wird. Be» der jetzigen Mehrheit im Reichstage ist doch an eine ordent- liche Regelung der Sache nichtzu denken, und es »var geradezu Pflicht des führenden Staates im Reiche, die Sache in die Hand zu nehme». Mit dem Gesetze allein soll ja die Sozialdemokratie nicht bekämpft »verde»; aber haben wir bei unsern Bestrebungen auf Vertiefung des religiöse» Gefühls, auf Hebung deS Mittelstandes auf die Unter- stützung der Rationalliberalen zu rechnen? Um damit vorwärts zu kommen, müssen wir vorher der sozialdemokratischen Agitation uud Wühlerei einen Riegel vorschieben. Dieltrregung gegen das Gesetz i st wie beim Volksschulgesetz eine künstliche. Ausgegangen ist die Beivegung wieder von den großen Städten wunderbarer Weise, denn gerade sie hätten das größte Jntereffe an der Repression des Umsturzes. Eine große Stadt nach der anderen geht an die Sozialdemokratie verloren;»venu die Sache so rveiter geht,»verde» wir auch bald die Herren Sozialdemokraten im Land- tage haben. Und»vas soll dann aus den, preußischen Staat, aus dem Deutschen Reich»verde»? Es klingt»vunderhübsch, daß es sich um die Wahrung des vornehmsten Bürgerrechts handelt; aber»vo ist denn das frei« Vereins- und Versammlungsrecht der bürgerliche» Parteien in den großen Städten geblieben? Gerade die Sozial« demokratie ist es, ivelche ihnen ihr freieL Versammlungsrecht nimmt. Herr Zell« schüttelt den Kopf; eS mag ja in Berlin anders sein Cftürmlsche Heiterkeit); aber in anderen Städten sind die Sozial- demokratcn sogar mir Dreschflegeln in die Versammlungen anderer Parteien gedrungen und haben sie zur Auflösung gebracht. Wir müffen doch dafür sorgen, daß nicht auch noch Armee und Polizei von dieser Seuche augesreffen»verde»». Auf dem Lande leben«,r in Ruh« und Frieden mit unseren Arbeitern, komnit dann ein« Reichstag?- wähl, so kounnen zwölf dumm« Jungens von der Sozialdemokratie u»S auS der Stadt auf den Hals und hetzen die Arbeiter gegen die Arbeitgeber auf, und die Folgen fühlen wir noch Monate lang nachher. Diesen Leuten stehe» wir völlig recht- und schntzlos gegen- über. In dieser Beziehling muß uns die Regierung Schutz und Hilf« g-, vähren. weil wir die Machtmittel der Städte nicht habe». Kommt es eimnal auf dem Lande zum Krach, dann»Verden die Wirkungen Brand, Mord und Vernichtung jedes EriverbslebenS fein. Die Sozialdemokrat«»,»velche die bürgerliche Gesellschaft nicht anerkennen,»velche sie mit Gewalt umstoßen wollen, haben nicht die Recht« der anderen Bürger.(Beifall.) Ich wünsch«, daß ein Gesetz bald zu stände koinmt, und da muß ich praktische Politik treiben, ich muß dem Gesetz eine möglichst milde Form geben, aber auch die Sozialdemokratie, die ich meine, beiin Rainen nennen. Deshalb wird meine Fraktion in der Kommission für die konservativen An- träge eintreten, i» der Erwartung, daß die Regierung auch die ernst« Absicht hat, das Resultat dieser Arbeit dem andern Hause vorzulegen. Wir wollen«in Kompromiß schließen, aber dann auch die Aussicht haben, daß die Vorlage im andern Hause wieder zur Verhandlung kommt. Ich hoffe, daß sich die Regierung dafür erklären wird. Minister v. d. Recke: Die Regierung legt de» allergrößten Werth darauf, dir Reform be- treffend das Vereins»vefen in einer ihrergesetz- geberischen Absicht entsprechende« Art zu,n Ab« schluß zu bringen. Fall» aus den Beralhungen dieses Hauseö ein dementsprechender Gesetzentwurs hervorgeht, wird sie dem Hause der Abgeordneten noch i« dieser Session zur Beschlußfaffung Se- legenheit geben.(Bravo!) Oberbürgermeister Zelle: Ali das Bürgerlich« Gesetzbuch ver- abschiedet»vurde, hat der Kanzler das Versprechen abgegeben, daß die Aufhebung des Koalitionsverbots separat geregelt werden sollt«, und der Reichstag, der es von Reichs wegen wollte uud damals konnte, gab nach. Wenn jetzt an dieses Versprechen ersch»ver«»de Bedingungen geknüpft werden, so kau» das nicht als etwas Er- »varletes erscheinen. AuS de« gehörte» Reden hat sich die Gewißheit entwickelt, daß»veder die Präventivanträge der konservativen, noch die Regierungsvorlage Annahme finden; angenommen werden»vird die sreikonservative Formulirupg. Die richtet sich gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial- demokratie, Bestrebungen, die»vir alle gleichmäßig für schädlich halten und mit gleicher Kraft bekämpfen. Aber wa? ein solches Gesetz»virkt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Ich habe diese Wirkungen»vährend der gairzen Zeit in dieser großen Stadt mit angesehen und kann die Meinung des Herr»» v. Pultkamer nicht theilen. ES sind künstlich Märtyrer geschaffen worden. Gras Klinckoivström ist,»vas die Handhabvng des Vereins- und Versammlungsrechts anbetrifft, immer Hammer, niemals AmboS gewesen. Die Ausführung, wie sie Herrv. Puttkamer im Auge hat.»vürde nach meiner Ansicht gegen die Reichsgesetzgebung verstoßen.(Rufe: ohol) Daß eine solche Formulirung im Hause der Abgeordneten auf Annahme zu rechnen hätte, ist»ach den» feierlichen Ausspruche der National- liberalen, die inan doch nicht so minderwerthig einschätzen muß, aus« 8«schlöffe». Ich werde gegen«in« Vorlage stimmen, die dies« Se- altung angeuommen hat. Freiherr v. Manteuffel: Nach de« Verhandlungen im Reichs- tage von 1896»st unziveifelhaft, daß eine Befchräirtung in Verbindung mit der Aufhebung des KoalittonsverbotS eintreten würde. Illoyalität kann man also dem preußischen Slaatsminifterium nicht voriverfen. Da»vo da? Reich versagt, muß jede pflichtbewußt« Staatsregierung ihrerseits eintreten. Wir gehen auch mit einem solche» Beschluß keineswegs weiter alS ander« Einzelstaaten gegangen sind; im Gegentheil giebt es in vielen Ein,«lstaat«n schon viel schärfere Bestimmungen. Daß hier ein neue» Recht geschaffen würde, kann ich also ebenfalls nicht finden. Die meisten Parteien rechnen leider tmm«»och darauf, bei dm Wahl«, in den Sozialdemokraten BundeZge« offen zu finden, daher ihr Wider, villen gegen die Annahme der Regierungsvorschläge; und dieser Punkt»st mir der allerbedenklichste in unserem Heuligen Staats- und GesellschaftSleben. Der Regierung bin ich für ihre letzte Er- klärung sehr dankbar. Es»väre auch wirklich eine traurige Sache geivesen, wenn»nit der Durchberathung dieses Gesetze? dasselbe nicht an das Abgeordneteuhaus zurückgegangen wäre; dann hätte man in der Praxis gesagt, die Regierung' hat»vieder die Kourag» verloren uud das Gesetz zurückgezogen.(Beifall.) Wcsterburg-Kaffel: Ich halte trotz deS Geiste? und deS Ernstes, mit denen bis jetzt diejBorlage be- sprochen ist, dieselbe sür ein lodtgeborenes Kind. Daß der Torso nicht Gesetz wird, nehme ich mit Eicherhett an. Bliebe die Möglichkeit der Annahme der Anträge Zedlitz. Daß diese im Abgeordnetenhause Annahme finden, halte ich sür ausgeschlossen, dafür steht mir die kategorische und authentische Erklärung des StaatsministerS Hobrecht. Nach einer so markanten Stellungnahme kann die nationalliberale Partei nicht zurück, wenn sie nicht alle Achtung im Lande verlieren will. Also wird auS der ganzen Sache nicht» werden. Im Gegensatz zu vielen der Borredner bin ich nicht der Ansicht, daß der Regierung ein Dank für die Einbringung der Vorlage ge- bührt. Eine so aussichtslose Vorlage, deren Scheitern gewiß ist, einzubringen, bedeutet allem schon eine außerordentlich« Stärkung der Sozialdemokratie. Bei den nächsten ReichslagSwahlen werden Sie die Folgen sehen. Vom Standpunkte des Reiches, da? wir doch hochhalten müssen, find doch überhaupt solche Vorschläge als partikularistische bedenklich. Als das Sozialistengesetz ablief, war«ach meiner Meinung der Reichstag«instimmig darin, daß eS nicht verlängert werden solle.(Zuruf deS Herrn v. Stumm: Unglaub« (ich!) Mit neuen Zwangsmaßregel» gegen die Sozialdemokratie vorzu- gehen, würde nur heißen, die Partei, die immer mehr in die Breit« und auseinander geht, wieder zusammen zu schweißen. Da? könne» wir nicht mitmachen. Frhr. v. Stum«: DaS hätte ich nicht für möglich gehalten, daß emmal behauptet werden würde, der Reichstag sei einig ge- wesen in der Meinung, da» Sozialistengesetz nicht zu verlängern. Man war vielmehr in der großen Mehrheit mit der Verlängerung und zwar auf unbegrenzte Dauer einverstanden und da» Gesetz kam nur zu Falle, weil die Nationalliberalen den Ausweisung?- Paragraphen nicht bewilligen wollten. Di« sämmtlicheu Gegner des Gesetzes hier haben sich eines sehr maßvollen Tones befleißigt. In den andern beiden Häuser» hat man aus der Mücke eiuen Elefanten gemacht, vo», Wortbruch deS Kanzlers, von Reaktion, von Herbeiführung russischer und chinesischer Zifftände geredet. Im Lande hat man allerdingt jene Meinung gehaßt, daß das Koalitionsverbot ohne Kompensationen aufgehoben wevden würde, weil ein großer Theil unserer Press« gewohnt ist, durch Fälschungen der Thatsachen die öffentlich« Meinung zu»«wirren; aber im Reichstage hat«S keiner geglaubt. Redner geht auf die historisch« Sntwickelung der ganzen Frage näher«in und stellt fest, daß er bei der dritten Berathung der Anträge Ancker und Auer»hn« Widerspruch von der Regierung erklärt habe, daß er«S für»tu« unverzeihliche Schwäche der preußischen Regierung halten würde, wenn sie in die Aufhebung de? tz ö d«S Vereinsgesetzes ohne Kompensationen nach Art d«S bayerische» Vereinsgesetzes willigte. Auch aus dem Hause hätte er keine» Widerspruch ge- suuden. Der Kanzler hat in seiner Erklärung, die er bei der Ver« abschiedung des Bürgerlichen Gesetzbuches abgab, von den Korrelaten gar nicht gesprochen. Ich aber habe damals namens meiner Pariei ausgeführt, daß wir gegen bat Bürgerliche Gesetzbuch stimmen würden, weim die Aufhebung des Koalitionsverbots hinein käme. Daß an unbedingte Aufhebung be»§ 8 nicht gedacht wurde, beweist ja auch die nachfolgende Red« des VolkSparteilerS Haußmanu. Wenn Herr Richter nachber w einer von Majestät»« beleidigungen triefenden Rede erklärt, daß meine Auffassung für die Reichsregieruug ja garnicht maßgebend ist, so versteht fich daS ja ganz von selbst. Wenn aber jemand behauptet, es sei die Sache anders verstanden worden, so ist da» krasse Heuchelei. Zur Sache selbst muß ich zunächst daS Reaktionsgeschrei für eine geradezu unglaubliche Ausartung erklären. Von Kautschuk kann man viel eher beim bayerische» Vereins- gesetz reden. Ohne eine gewisse Latitüde geht eS bei solchen Dingen nicht. Man kann sich ja auf den Antrag Zedlitz zurückziehen, ich hätte auch gegen die Fassung der Regierungsvorlage nichts emzuiveuden. Diese ganze Kaulschukcheorie ist aber nur»in Vorwand, denn in» Antrag Zedlitz ist vo» Kautschuk kein« Red« mehr. Der Ausschluß der Minderjährigen ist unter allen Um- stände« völlig unzureichend, wenn er auch«inen gewissen Fort- schritt bedeutet. Der Staat hat heute viel zu wenig Machtmittel dem Umsturz gegenüber; sie müssen verstärkt werden von den staatserhaltenden Faktoren; mindestens muß ei» Ersatz für daS Machtmittel gefunden werden, welch«? der Staat hier au« der Hand geben soll. Herr Zelle spricht davon, daß es sich hier um est, Reichsgesetz handelt; dann hätten sich ja die Nationalliberalen mit ihrem Tors» ebenso vom Reichsgesetz entfernt. Bayern, Sachsen, Hamburg haben schon ein viel allgemeineres Gesetz, welches viel weiter geht als die hier verlangten Bollmachten; ob aber Reuß ä. L. auch ein solches Recht hat, ist da ziemlich gUichgiltig. Bei der Nrbeiterschutz-Gesetzgcbung von 1660 hat fich der Streit zwischen mir und den Sozialdemokraten hauptsächlich darum gedreht, ob ß 153. die schärfer« Bestrafung derjenigen, die die ArbeitSgen offen an der Fortsetzung der Arbeit hindern, angenommen wurde oder nicht. Di« Regierung hat ihn in ihter Schwäche fallen lassen. Die Verhandlung beweist aber, daß man hier doch ein« scharfe Waffe gegen dir Agitation der Sozialdemokratie zu er- blicken hat, daß eS also doch noch wirtja«« Waffen gegen sie giebt. Nicht» ist unrichtiger al» die Behauptung, daß dt« Partei sich jetzt«iuer gemäßigteren TonarS befleißigt; zu allen Schandthateu bekennt sie sich heute»i» vordem; in ihrer Frech. heit ist sie jetzt so weit««gangen, zu beantragen, daß alle MajestätSdeleidigungen straflos sein sollen. Ob ein Schiff laugsam angebohrt oder plötzlich auf den Felsen geworfen wird, ist für die Pflicht deS Steuermann» ganz gleich; er hat da» Schiff zu retten. Zu diese» Steuerleuten gehört vor alle» Dinge», auch diese» Haus, welches sich stet» als Stütz« und Schutz von Thron und Altar bewährt hat. Steve«» da» Gesetz wieder her. es wird namentlich auch auS den Kreisen der Industrie lebhafte Zustimmung finden; die gegentheiligen Behauptungen in der Press« sind einfach unwahr. Di« Ehanc« de» Gesetze» im andere« Hause betreffend, habe ich Kennlniß von Strömungen, welche auf die National- liberalen dahin«inen Druck ausüben, daß sie entweder für die vor- lag« stimmen oder sich der Abstimmung enthalte» sollen. Letzteres gehört doch nicht zu den Unmöglichkeiten; es ist nicht unwahrscheinlich, daß vielleicht ein Dutzend zum Verlaffen de? Lokals bewogen werden kann. WaS daS bei der geringen Mehrheit bedeutet, brauche ich nicht auS- zuführen. Ich spreche sür mein« politischen Freunde und für weit« Kreise im Land«, nicht bloS industrielle, sonder» für all« patriotischen Kreise im Lande der Regierung meinen Dank au» für die Energie, die st« wieder gewonnen hat. Die Zahl dieser patriotischen Leute wird wachsen, wen« die Srkenntniß sich Bahn bricht. daß dies« Energie stetig ist. E« handelt sich hier um eine groß« und schwere Verantwortlichkeit, Regierung und Herrenhaus müffen ihr« Schuldigkeit thu» med da» Abgeordneten- hau» hat die Verantwortung dafür, wenn au» der Sache nicht» wird und die Regierung ihr verspreche» nicht»inlösen kann.(Beifall.) Becker-köln: Auch ich«««ach dem. was ich au« de» ve- richten ersehen hatte, der Meinung, daß der Reichskanzler«in« ein- lache Aufhebung de» KoatitionSverbol» von Reichtwegen in Aus- licht stellte. Ich bedauere, daß da« nicht goscheben ist, und ich bedauere überhaupt jede» Abbröckeln der Reichskompetenz, die man vielleicht einmal wieder sehr nöthia hat, wenn die Landtag« unbequem werden.(Unruhe.)«der hi« Hab»« wir M ja mit einer ordnung». mäßige» vertag« zu thnn. Ich steh» aus dem«madmuUt de»«». gierungSprogramms, welch«? jetzt wieder in Bielefeld so stark betont worden ist; ich stehe ebenso energisch auf dem Staudpunkl der Be- kämpsung der Sozialdemokratie mit aller Energie. Trotzdem kann ich der Vorlage der Regierung nicht das Wort reden. Will nian»veiter gehen als der jetzige Torso, dann ist mir der Antrag Zedlitz sym- pathischer. Aber jetzt kann ich auch dafür kein Bedürfuiß anerkennen. Man hat auf Hamburg verwiesen. Ja, dort besteht ja das Vereins- gesetz, wie Sie es so gern haben wollen. Was hat es den» genützt? Die Versammlung in Königsberg mit den Dreschflegeln kann auch für die Verschärfung des bestehenden Rechts nicht ins Feld geführt werden. Die Macht der Agitation soll beschnitten werden. Ja, wie wollen Sie der Agitation vo» Person zu Person in den Werkstätten zu Leibe gehen? Damit erreichen Sie also auch nicht?. Aus dem Bedürfnih ist der Gesetzentwurf ja gar nicht entstanden, sondern ans einer äußeren Beranlasiung: bis dahin hat kein Menich diese Verschärfung verlangt. Gewiß können Fälle ein- treten, wo jede Rückstcht aushört, wenn wir etwa Anarchisten- komplotte haben. Aber wir leben doch in einem tieferen Frieden als seit Jahren. Und haben die scharfen Gesetze in den Staaten, wo sie bestehen, der Sozialdemokratie geschadet? Königreich Sachsen: um Gottes willen! Hamburg: ich bitte Sie!(Große Heiterkeit.) Solche Gesetze sollt« man nicht gelegentlich machen, denn sie verbittern nur. Daß im preußischen Landtag« sozialdemokratische Tendenzen zur Geltung kommen, das haben wir doch wohl vorerst nicht zu befürchten. Eile hat also der Gesetz- entwurf nicht. Ja, wenn er die Sozialdemokratie verschwinden machte, gerne; aber zur Zeit können wir uns begnügen mit dem Torso, den wir bekommen haben. Der Weg der sozialpolitischen Gesetzgebung muß unentwegt weiter beschritten werden; davon ver- spreche ich mir viel mehr als von einem solchen Ausnahmegesetz. Graf d. Pfeil-Hausdorf: Ich würde es den NaUonalliberalen zur großen Ehre rechne», wenn sie trotz ihrer bisherigen Haltung zum Wohle unseres Vaterland«« eine Vorlage annähmen, wie wir sie sür nothwendig halte». Alle Gutgesinnten werden durch die Form, die der Antrag Zedlitz bietet, nicht berührt, und die Sozialdemokraten werden keineswegs überrascht, sie wissen C genau, was kommen würde. Vvn der grauen Theorie deS »ahmegesetze« mag ich nichts wissen. Jeder, der sich einer Etrafthat schuldig macht, muß der gesetzliche» Straf« unterliegen; da« gilt auch von Gesetzen, die sich gegen diejenigen wenden, die das Eigenthum konfisziren, die Staatsordnung umstürzen wollen. Professor HinschiuS: Herr v. Stumm hat vor einigen Tagen hier auch Mitglieder des Berliner Lehrkörper? der Berliner Universität angegriffen, und sie beschuldigt, wenigstens indirekt der rothen Revolution zu dienen. Ich weise namens der drei angegriffenen Dozenten diese Angriffe auf die Univerfität Berlin zurück. Daß solch« revolutionären Bestrebungen bei u«S Entgegenkommen finden, dagegen yrotestire ich aus da» ont« schiedenste. Bender- Breslau. Ich bestreite, daß die Ding« seit 1690 irgendwie schlimmer geworden find.(Lebhafter Widerspruch.) Die Arbeiterpartei steht die Sozialdemokraten als ihre Standesvertreter an,' und wer wollt, ihnen da»»erdenken in einer Zeit, ,vo sich alles auf SlandeSvertretung ausbaut?» Daß sie fich dabei irren, weiß ich sehr wohl. Die Störungen öffent- licher Versammlungen müßte« als Hausfriedensbruch viel härter als jetzt bestraft»verde«, den» sie richten sich gegen ein Recht, welches für das öffentlich« Leben unerläßlich ist. Das Gesetz wird aber nur noch mehr dazu beitrage», die maßvollen, ruhigen Kreis« aus dem öffentlichen Bereinslebe» wegzudrängen und unser öffent- liche» Leben leidet darunter, daß die scharfen, häß- lichen Interessengegensätze es beherrschen. Auch Herr vo» Stumm hat heule mit Ausdrücken, wie Frechheit, Heuchelei u. s. w. gesprochen in einer Weis«, die man an dieser ruhigen Stell« nicht gewöhnt ist; wie will er in demselben Sinne als»»ach außen auf da» vermSleben reformatorisch wirken? Die Sozialdemokratie blüht am meisten in dem Staate mit der schärfsten BereinSgesetzgebung. Wenn der Sozialdemokrat gezwungen wird, scheinbar maßvoll auszutreten, wird sein Einfluß auf die schwankenden Massen gerade gesteigert. Der kommißmuS des Herrn Stumm, der jedem alle? zu- messen will, waS er schreiben, denken, urtheilen, sagen darf, ist mir ebenso widerlich wie der Kom munis- mus der Sozialdemokratie. Die besondere Behandlung der Minderjährigen kann ich auch nicht billigen. Auch die Be- Handlung der Verfassungsfrage hat meinen Beifall nicht. D i e Verfassung hätte ausdrücklich geändert werden müssen, das verlangt da» StaatSgrundgesetz. Ich stimme gegen das Gesetz, schon»eil H au» diesem Grunde etwas Unordentliches an fich hat. Nach einer kurzen Bemerkung des Freiherrn v. Glum« schließt die allgemeine Diskussion. Freiherr v. Manteuffel beantragt die «erweisnng der Vorlage an ein« Kommission»on 15 Mitgliedern. Der Vorschlag wird angenommon und die Kommission sofort durch Akklamation gewählt. Di« Kommisfio» wird sich gleich nach Schluß der Sitzung kouftituiren. Schluß 4'/« Uhr. Nächst« Sitzung: Sonnabeub» Uhr (Kleinere Vorlagen.)_ Der BundeSrath«tch eilte in seiner Sitzung am Donnerstag dem Protokoll des Ausschusses vom 19. Juni 1897, betreffend die Zollbehandluug der auS dem bremischen Freibezirk«ingehenden Postsendungen, und betreffend den Antrag des Ausschusses zu dem Entwürfe der Vorschriften, betreffend die konlingentirung der Brennereien sür die koutingentsperiode 1898/1908 seineZustimmung. Ferner erklärt« der BundeSrath sein Sinverständniß mit dem Reich!- tagSbeschluß, detreffend die Herstellung eine» PrästdialgebäudeS für d,n Reichstag.—_ Zeitz Melßeufels-r Kerg«rl»vertschastskartell einen A»»sruf an die Geiverkschaslen Leipzigs. In einer öffei»tlichen, von 1000 Mann besuchten Zimmerer- v er s a m in l u n g wurde der Beschluß der Handlanger, jetzt (>vo infolge des Manrerstreiks Arbeitslosigkeit herrscht) den Streik zu beginnen, scharf getadelt. Die Versammlung beschloß einstinnnig. vorläufig von einem Streik der Zimmerer abzusehen und erst den Maurern zu»»» Siege zu verheljen, für»velche jeder arbeitende Zimmerer pro Man» und Woche 1 M. Unterstützung zahlen soll. Die Innung geprüfter Maurer- und Zimmer- meister hat beschlossen, auf ihrem ablehnenden Standpunkt gegen- über den Forderungen der Maurer(58 Pf. Stniidenlohn und Neunstundentag) zn beharre». Diese Meister beschästigteu vor dem Streik angeblich 1400 Maurer; ei»„hoher Prozentsatz" derselben soll nach Angabe der„Leipz. Neuesten Nachrichten" unter den früheren Be< dingnngen fortarbeiten,»vas aber von der„Leipziger Volkszeitnng" als Flunkerei bezeichnet»vird; die Innung habe überdies ans die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse keine» ausschlaggebende» Einfluß, »veil die Herstellung von Wohnhäusern fast nur durch die söge» nannte Spekulation erfolge, an»velcher die Jnnungsmeister nicht be- theiligt seien. Tie Holzbildhauer TreSdens forderten den Neunstundentag nnter Beivehaltung des jetzigen Tagesverdienstes, 28 pCt. Aufschlag für Ueberstunde», Anerkennung einer Werkstallkommission zur Bei- legung etivaiger Differenzen. In fünf Geschäften, darunter drei der »laßgebendsten, wurven die Fordernnge» ohne besondere Umstände bewilligt, in allen übrigen mit dem Vorbehalt, daß eint Meister- versaminlung ihre Zustimmung ertheile. In Pillnitz bei Dresden sind die Tischler der Fabrik von E. R o ch ausständig, weil die Firma den neuen vereinbarten Tarif nicht anerkennt. In aus»värtigen Blätttern»verde»» nun Erfatzkräfte gesucht, denen man einen Akkordlohn in Höhe von 24—30 M. in Aussicht stellt. Von einen» derartigen Verdienste kann aber,»vie uns geschrieben»vird, bei normaler Arbeitszeit keine Rede sein. In Meiste»» sind sännntliche 16 Töpfer der Haupt'scken Ofeufabril ausgesperrt»vorden,»veil sie eine Regelung der Loh»- und sonstigen Arbeitsverhältnisse verlangt halten. Tie Aintshauptmanuschaft in Plauen i. V. hat einer Textilarbeiter-Versammlung in Mylau die Wahl euies Delegirten zum internationalen Textilarbeiter- Kongreß verboten,»veil„Funktionäre der Versaminlung nur für diese selbst gewählt»verde» könnten und ihre» Wirkungskreis nicht darüber hinaus erstrecken dürften"; im vorliegenden Falle handle es sich dazu noch um einen Delegirten, der ins Ausland gehen solle.(Die Amtshauptmannschaft in Plauen hat dieselbe Auslegung des„Juwels" unseres Wissens schon früher praktizirt.) Als nun der Vorsitzende der Versammlung dieser das Verbot der Delegirtenivahl mittheilen wollte,»vurde ihn» das von dem über- ivachenden Beamten untersagt, und als ein Redner in der Debatte darauf zu sprechen kam,»vurde diesem das Wort entzogen.— Amts- dauplninn» von Plauen ist der bekannte Adlige v. Polenz, dessen Mandat»vegen ungeheuerlicher Wahlbeeinflussnng von» Reichstag kassirt»vurde und über den dann bei der Neuivahl unser Genosse Gerisch eine» so glänzenden Sieg erfocht. Die Polenz'sche Ans- legung des Vereinsgesctzes ist natiirlich ausgezeichnet dazu angetha», die Position»tnserer Partei in» Voigllande z» stärken. Di- Maler>>» Giullud stehen seit dem 19. Juni in, Streik. Sie fordern den Zehnstundentag und 40 Ps. Stundenlohn. In Schwcinfurt hatten am 17. Juni die im Maschinenbau beschäftigten Arbeiter der Deutschen G u ß st a h l k u g e l- Fabrik Forderungen gestellt. Bei den Verhandlungen, die die Kommission der Arbeiter mit der Direktion führte, kam eine Einigung zu stände. Die Direktion beivilligte den Zehnstundentag und ver- stand sich auch zur Festsetzung«ineS Minimallohnes für die Maschinenba»»- Arbeiter. Bisher war die Arbeilezeit«lsftündig. Mttkevnrlzmer-'VevbÄttde. Dem Syndikat von Ziegeleibefitzer», das vorige Woche hier in Berlin und z>var unter dem Namen„Z e n t r a l- B e r k a u f s- K o n» t o i r von Hinter in auerungs st einen in Berlin" zu stand« geloinmen ist, sind bis jetzt 180 Ziegeleibesitzer mit einer Jahresproduktion von über 1200 Millionei» HintermauerungSstein« ohne Bedingung beigetreten,»vozu noch zirka 100 Millionen mit Be- dingungen kommen, die jedoch die Grundlage der Vereinigung nicht berühren. Hauptziveck des Syndikats ist, durch„Regulirung" des Absätze? die Preise möglichst hoch hinauszuschrauben. Vorläufig ist ein Preis von 22 M. pro 1000 Steine in Berlin in Aussicht ge- »»»Minen, was ungefähr 18 M. ab Ziegelei entspricht. tA> die Herren Ziegeleibesitzer bei den Verhandlungen über daS Syndikat daran gedacht haben, daß die elenden Arbeitsverhältnisse ihrer Personale wenigstens schandenhalber etwas aufgebessert»verden müssen, wenn man dem Publikum die Erhöhung des Ziegelpreises einigennaßei, plausibel machen will? Sozinlrz». Die Orts- Krankenkasse der Schneider, Schneiderinnen «nd verwandten Gewerbe z« Berlin mußte im Jahre 1896 durch Zwangsvollstreckung 80 799,97 M. Kassenbeiträg« von Zwischen meistern einziehe,». Bei vier dieser„Arbeit- geber" fiel die Zwangsvollstreckung fruchtlos aus. Die Summe, die der Kasse unterschlagen wurde, betrug 1098,69 M. Diese Vorkomninisse beiveisen wieder deutlich, wie uothwendig es ist, der «rankenkaffe gegenüber nicht den Zivischenmeister, sondern den wirk- lichen„Arbeitgeber", den Konfektionär, hastbar zu machen. Die von der Regierung vorgeschlagenen Abänderungsbestimmungen zur Krankenversicherung der HausindustrieUen sollen eine solch« Regelung herbeiführen; es ist nur zn wünschen, daß die betreffenden Vorschläge nicht noch, wie die Konfektionäre es wollen, beseitigt »verden. Fiir die türkische Armee werden, wie der„Konfektionär" berichtet. 200 000 Uniformen neubestellt. Der Sultan soll sich dafür entschieden haben, diesen Austrag an deutsche Firmen zu vergeben._ Gerichts-Äeikuttg. Ein Jmpfgcgner, der in seinen Mitteln nicht sehr»vählerisch »var, stand gestern in der Person des Komponisten Freiherr» Karl von Grothe vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II. Die Anklage lautete auf Fälschung einer Privaturkunde, und nebenher lief eine Anklage wegen Körperverletzung und Mißhandlung seiner Schwägerin. Der Angeklagte ist der Sohn des Kammerherrn und Rittergutsbesitzers von Grothe auf Schloß Wederbüttel; er ist Reserve- lieutenant a. D. und hat Musik studirt. Zur Zeit lebt derselbe in Scheidung mit seiner Frau und wird von seiner Mutter unterhalten. Im Jahre 1893»vohnte er in Groß-Lichterfelde. Er war damals ausgefordert»vorbei», feinen Sohn Otto impfen zu lassen. Da er aber Jmpfgegner ist. so entzog er sich seiner gesetzlichen Pflicht, indem er eine Fälschung verübte. Er besorgte sich ans einer Apotheke das Formular eines Impfscheins. füllte dasselbe aus, setzte den Namen des Dr. Rohde dar- nnter und stempelte ihn mit dem Amtssiegel der � Gemeinde Martinsbüttel im Kreise Gifhorn ab. Diesen Stempel besaß er noch aus der Zeit, in welcher er Gutsvorsteher von Martinsbüttel war. Der Angeklagte hat diesen Schein als Ausweis darüber benutzt, daß sein Kind vorschriftsmäßig geimpft»vorden sei; es konnte aber dem Schein nicht d/r Charakter einer öffentlichen Urkunde beigelegt werden, da Dr. Rohde sich nicht in irgend einer amilichen Stellung befand, daher alich nicht befugt gewesen wäre, eine amtliche Urkunde auszustelle». Der Angeklagte erhob den Einwand, daß er sich in dem guten Glauben befunden habe, daß Dr. Rhode nicht? dagegen haben»verde, wenn er dessen Namen auf den Schein schreibe, denn er sei mit Dr. Rhade, der ebenfalls Jmpfgegner sei, sehr gut befreundet. Der Gerichtshof war mit den, Staatsanwalt der Ansicht, daß es auf ein eventuelles Ein- verständnitz des Dr. Rhode in diesem Falle gar nicht ankomme, denn dieser sei gar nicht befugt gewesen, eine falsche Thatsache als wahr zu bescheinigen. Der Staatsanwalt beantragte vier Wochen G-fängniß, das Urlheil lautete auf drei Wochen G e s ä n g u i ß. Ferner »vurde der Angeklagte»vege» Beleidigung und Mißhandlung zu 70 M. Geldstrafe verurtheilt. Eine neue Bcleidignngsklage deS Pfarrers Thiinimel. Aus Elberfeld wird vom 24. Juni berichtet: Ei» indirektes Nachspiel zu dem Aachener Alexianer- Prozeß bildet die VerHand- lung, die morgen, Freitag, die erste Strafkammer des hiesigen königl- lichen Landgerichts beschäftigen»vird. Pfarrer Thümmel hatte im Jahre 1898 in der in Barmen erscheinenden„Westdeutschen Zeitung" den Aachener Alexianer- Prozeß in mehreren Artikeln zu», Gegen- stände einer Besprechung geniacht. Eine Iserlohner Zeitung druckte diese Artikel ab. Gegen den verantwortlichen Re- dakleur letzterer Zeitung und den Pfarrer Thümmel erhob deshalb die Staatsanwaltschaft zu Hagen Anklage»vegen Beschimpfung der katholischen Kirche und»vegen Beleidigung des Kreis- Wundarztes Dr. Rose in Menden. Letzterer hatte seinerzelt begutachtet, daß der schottische Kaplan Fordes, den, wie erinnerlich, der Gastivirth Mellage aus Iserlohn aus dem bei Aachen belegenen Alexianerkloster„Mariaberg" besreil hatte, an einem moralischen Defekt leide. Der Erste Staatsanwalt in Hagen, Dr. Prahl, hatte gegen Thüminel»vege» Beschimpfung der katholischen Kirche eine mehrinonalliche Gesängnißstrase,»vegen der Beleidigung 800 M. Geldstrafe beantragt. Der Gerichtshof erkannte jedoch wegen der Beschimpfung der katholischen Kirche auf Freisprechung, wegen der Beleidigung dagegen dem Antrag des Ersten Staatsanwalts entsprechend. Pfarrer Thümmel griff in seiner Vertheidig»»ngSrede den Ersten Staatsanwalt sehr heftig an, so daß er vom Vorsitzenden Landgerichtsdireltor Berkemeyer»viederholt unterbrochen und auch zur Ordnung gerufen»vurde. Bei dieser Gelegenheit soll der Vorsitzende zu dem Angeklagten Pfarrer Thüinmel gesagt haben,„daß Sie keine Achtllng vor den Staatsbehörden habe», geht schon au» den inkriminirte» Artikeln hervor". Als der Vertheidiger. Rechtsanivalt Dr. Niemeyer(Essen) gegen diese Bemerkung des Vorsitzenden protestirte, soll Thüminel seinein Vertheidiger zustiinineud zugenickt habe». Daraufhin soll der Vorsitzende bemerkt haben:„Herr Pfarrer Thümmel, ich ersuche Sie, da? Kopfnicken zu»»nterlassen. Betragen Sie sich'vie jeder gesittete Angeklagte vor Gericht. Wir sind hier nicht im Parlament, wo jeder seine» Beifall ausdrücken kann, sondern Sie haben sich einfach gesittet und anständig zu betragen." Dies Vorkomnniiß ver- anlaßte deu Pfarrer Thümmel, über den Vorsitzenden Landgerichts- Direktor Berkmeyer, den Ersten Staatsanwalt Dr. Prahl und den Landrichter Westerma»», der in den» Prozeß am 18. Dejeinber 1395 als Referent fungirl und de» Pfarrer Thüinmel höhnisch aiigelacht habe» soll, bei dem Oderlandesgerichts« Präsidenten Staatsministers a. D. Dr. Falk in Hamm Beschwerde zu sühren. Letzterer hat nach eingehender Untersuchung den Beschwerdesührer abschläglich be- schieden...„ Daraufhin beschwerte sich Pfarrer Thüinmel über de» Ober- landesgerichts-Präsidenten Dr. Falk und die drei genannte» Herren bei de», Jiistizminister. Thümmel erhielt aber auch von dem Letzteren «ine» abschlägigen Bescheid. Gleichzeitig stellte der Jnstizminister gegen Thüinmel den Strafanlrag, da in der Bcschiverdeschrift an- geblich arge Bele>digu»geii gegen den Oberlandes-Gerichtspräsidenten Dr. Falk, den Erslen Staatsanwalt Dr. Prahl, den Landgerichts- direktor Berkemeyer»nd den Landrichter Westermann entbaiten waren. Thüminel hat sich daher morgen auf grund des tz>68 des Strafgesetzbuchs vor Eingangs bezeichnetem Gerichtshofe zu verantworte». Der Angeklagte will den Beweis führen, daß er in de»» Prozeß an, 13. Dezember 1395 vor der Strafkanimer zu Hagen eine »»»gerechtfertigte Behandlung erfahren und deshalb i»» Wahrnehmung be»echligter Juteresseii gehandelt habe. Er hat zu diesen» Behuf« eine Reihe Zeugen laden lassen. Unter diesen befindet sich auch sein damaliger Veitbeidiger, Rechtsanwalt Dr Victor Niemeyer(Essen a. Ruhr), der bekanntlich auch in de»» Aachener Alexianer-Prozeß als Vertheidiger fungirt dat. Morgen wird der Angeklagte von den Rechtsanwälten Dr. Sellt» (Berlin) und Dr. Flucht(Elberfeld) vertheidigt, verde». Vepesiitzen und lvkzte Zlcrchvnhten« Athen, 24. Juni.(B. H) Nach einer Meldung der„Alro- polii" wird die«ersauunliing der christlichen VolkscerUeler KretaS folgende Erklärung an die Admirale richten: „Die christlichen Kretenser fühlen sich eins mit de», griechischen Volke,„nd der einzige Zweck der bis- herigen acht Revol»,tionen war die Vereinigung mit dem Müller« lande. Da aber Europa dieselbe leider gegenwärtig für undurchführbar erklärt, dagegen völlige Autonomie iind die Entfernung der türkischen Truppen von der Insel zusagt,- und da serner die Kretenser ihrerseits den Frieden zwischen Griechen- la»d und der Türkei wiederhergestellt sehen möchten, so ver- schieben sie die Erfüllung ihrer Wünsche auf Vereinigung mit Griechenland auf bessere Zeiten und bitten um baldigste Durchführung der neuen Verfassung. Sie geloben, daß unter derselben alle Beivohner der Insel, gleichviel»vebner Konfession oder welchen Stammes sie sind, vor dem Gesetz gleich sein sollen." Kanea, 24. Juni.(Meldung der„Agence Havas".) Infolge eine? vorgekoniineuen WaffeudiebstahlS fanden in Haleppa eine Durch- suchnng mehrerer Häufer von Mohainedanern und einige Ver- Haftungen statt. Die heftig erregten Mohamedaner proteslirten leb-, hast. Die Truppen zeniirle», das Stadtviertel Pyrgos.__ Mar Badiua in Verlin. Hierzu 1 lveilagc u. Ilntrrhallnugsblatt. Für deu Jnseratentheil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von itt. 145. Ii Iahrgaiiz. KcilM des LmoSlls" Kerlim WksM Freitag, 2S. Imi 1897. VeichskAA« 23«. Sitzung vom 24. Juni 1397, 12 Uhr. Am Tische des Bundesrnths: v. Bötticher, Brefeld. Die dritte Berathung der Handwerkervorlage wird fortgesetzt bei dem von den Sozialdemokralen beantragten neuen Artikel 10, welcher lediglich die von der Regierung vorgeschlagenen Vor s Christen über die Konfektionsarbeiter in die Vorlage hinein arbeiten will. Es handelt sich darum, daß der Bundesrath das Recht haben für bestimmte G e w e r b e(d. h. für die Konfektionsarbeiter) Lohnblicher oder Arbeitszettel einzuführen(Z 114» der Gewerbe Ordnung) und die Arbeiterschutz-Bestimmnngen auf die Konfeklions arbeiter. speziell auf die Heimarbeiter.(HZ 135. 137». 138 und 139 der G.-O.) auszudehnen. Ferner enthält der Antrag die Ans- dehnung der Krankenversicherung auf die Konfektionsarbeiter. Präsident v. Buol ist zweifelhaft darüber, ob diese letzten An trage mit der Sache in Verbindung stehen, behält sich aber die Eni scheidung vor bis zur Begründung der Anträge seitens der Antragsteller, die einen solchen Zusammenhang vielleicht nachweisen können. Zunächst kommt die Frage der Lohnbücher oder Arbeits z e t t e l zur Verhandlung. Abg. Molkenbnhr(Soz.) weist darauf hin, daß die Ko»sektio>»s nmiter Arbeiten übertrage» erhalten, ohne daß ihnen der Lohn be nimit gegeben worden ist, worüber nachher sehr viele Schwierig leiten entstehe». Ein schriftlicher Arbeitsvertrag ist bisher nicht zu erschwingen. Es wäre nun wünschenswerlh, wenn gleich ein all gemeiner Lohntarif eingeführt würde, der sehr wohl möglich l?' wenigstens für die meisten Geschäfte. Die Preise der Konfektionswaaren werden ja von vornherein mit einem be stimmten Lohnsatz kalkulirt, der auch dein Arbeiter bekannt gegeben werden könnte, damit nicht willkürliche Aenderungen vor- genoinme» werden können. Wo Lohntarife nicht möglich sind, wird der Bundesrath andere Versllgungen treffen könne», denn der Bnndesrath soll ja nicht überall solche Vorschrifen einführen, sondern nur das Recht dazu haben. Unmögliches wird auch der Bundesrath nicht verlangen. Abg. v. Hertliug(Z.): Als Vorsitzender der Kommission welcher der Gesetzentwurf, um den es sich hier handelt, überiviesen worden ist, muß ich mittheilen, daß die Kommission sich konstituirt hat an dem Tage, an welchem der Reichstag sich vertagte. Vor- gestern habe ich die Kommissionsmitglieder zusainmenberufen, und die Mehrheit warderMeinung.daß die Erledigung dieser Vorlage nicht mehr zu erwarten sei, da sie nnverändert kaum angenommen werden würde. Auch der Vorredner hat die Schwierigkeit der Verhandlungen an- erkannt, und darauf hat die Kommission zu ihrem großen Bedauern mit Rücksicht auf die Geschäftslage die Berathung unterlaffen. Man könnte ja im Plenum die Vorlage berathen. Meine Freunde hätten die Vorlage ohne weiteres angenommen, aber auf den Boden des Antrages können wir uns nicht stellen. Wir müsse» denselben daher ablehnen. Ab(j. v. Hehl(natl.): Alle Mitglieder der Kommission waren der Meinung, daß das Gesetz nach der einen oder andern Seile hin ainendirt werden müsse; eine KommissionSberathung war daher dringend nothwendig, und es war»ine Verschleppung damit nicht beabsichtigt. Wir haben bereits bei der Interpellation IS96 erklärt, daß wir die Materie für spruchreif hielten und sofort eine Vorlage wünschten. Di» Vorlage hätte, wenn es nach unseren Wünschen gegangen wäre, schon im vorigen Jahr« eingebracht und erledigt werde» können. Wir haben erreicht, daß die Arbeiterschutz-Bestim mungen auf die Konfektionsindustrie ausgedehnt worden sind aber wir wünschen auch die Ausdehnung auf die Heimarbeitern Die Anträge der Sozialdemokraten beschränken sich auf die Vorlage, welche die Regierung unS in dieser Frage gemacht hat; sie halten sich nicht einmal auf der Höhe der europäischen Gesetzgebung. Man verlangt allgemein eine Spezialinspektion, namentlich auch eine weib liche Inspektion für die Wäschekonfektion. Unsere Anträge ginge» über die Anträge der Sozialdemokraten weit hinaus, die uns in keiner Weise genügen. Wir wollen nicht die Krankenversicherung allein. sondern auch die Invalidenversicherung auf die Konfektionsarbeiter ausdehnen. Die sozialdemokratischen Anträge entsprechen nicht den nationalliberalen Anträgen und auch nicht den Wünschen der Arbeiter. Wir lehnen eS ab, bloS der agitatorischen Wirkung wegen so»iwas mitzumache». Wir sind aber bereit, gründlich in der Kommission zu berathen. Abg. Gauch(Rp.): Wir sind bereit, die Mißstände in der Konfektionsbranche zu beseitigen, aber wir wollen deshalb dem Bundesrath nicht so wesentliche Befugnisse geben. Da die Vorlage a» eine Kommission verwiesen ist, müssen wir es ablehnen, an der Diskussion unS zu beiheilige», und werden die gestellten Anträge ablehnen. Abg. v. Levetzow(k.): Meine Freunde nehmen den leb hafteste» Antheil an diesem Gegenstande, der hier sehr unversehens angeregt wurde. Nach den Verabredungen zwischen den Vertretern aller Parteien stand es fest, daß unsere Verhandlungen i» dieser Woche beendet werden sollen. Darauf haben wir uns alle«ingerichtet. Wir können daher jetzt nicht auf die Berathung des tief eingreifenden Antrages uns«inlaffen. SIbg. Singer(Soz.): Auf die KommissionSberathung hat mein Freund Molkenbnhr natürlich deshalb kein Gewicht gelegt, iveil keiiie Hoffnung vorhanden war, daß deren Ergebnisse»och im Plenuni zur Erledigung hätten kommen können. Deshalb muß die Sache im Plenum erledigt werden, und wen» eS den Herren ernst ist, dann sollten sie ihre Sehnsucht nach der Sommerfrische noch einige Tage unterdrücke» und diese Arage hier erledigen. Herr» v. Heyl gehe» die Anträge für die Arbeiter nrcht weil genug. Etwas Komischeres habe ich aus nationaUiberalem Mund« noch nicht gehört.(Heiter- keit links, Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Die National- liberalen sind immer bemüht gewesen, die Forderungen der Arbeiter zurückzuweisen.(Zuruf bei de» Nationalliberale»: Ilnivahr!) Ein Nalionalliberaler war es, der in der Ver- schlechieruttgskominission die Gewerbe-Ordnungs-Novelle am meisten verschlechterte.(Sehr richtig! links.) Es glaubt niemand im Lande, daß die Gründe des Herrn v. Heyl, die ja seiner eigenen Herzeusmeinnng entsprechen mögen(Heiterkeil). aNein maßgebend sind für die Ab- lchaung der Vorlage.(Widerspruch bei den Natioualliberalen.) Kommen Sie mit Ihren Anträgen, Herr v. Heyl, unserer Zu- stiiuitiung sind Sie sicher. Wir wollen den Arbeitern wenigstens das sicher», was die Bundesvorlage bringt. Wir haben von vornherein«in« Kommifsionsberathung lediglich als eine Verschleppung erkannt und wollten sie deshalb vermeiden. Bei der gegenwärtigen Stellung, die innerhalb der verbündeten Regierungen zur Sozialpolitik eingenommen wird, haben wir nicht die Sicherheit, daß die Vorlage wiederkommt, und wir wissen auch nicht, ob Herr v. Heyl später mit seinen Anträgen durchdringt. Denn es könnte nachher Stumm Trumpf sein, und deshalb sollten die Herren vom Zentrum sich überlegen, ob man nicht wenigstens das wenige für die Arbeiter nimmt, ivas jetzt geboten wird. Die Situation ist ja dahin zu beurtheilcn, daß die ganzen Ministerkrise» hauptsächlich in der veränderten Auffassung der Sozialpolitik ihren Grund haben. Es besteht nicht blas der Wunsch, denjenigen zu bestrafen. der einen anderen Arbeitswilligen an der Arbeit hindert, sondern man will auch diejenigen bestrafen, welche auf«ine Verbesserung der Lage der Arbeiter hinwirken. Deshalb müssen wir das in der Vorlage gebotene annehme», welches«inen kleine» Tbeil der festgestellten Mißstände beseitigt. Die Berathungen werde» sich nicht lange ausdehnen, wenn die Herren vom Zentrum ihren, ursprüngliche» Gedanken, die Regiernngsvorlage un- verändert anzunehmen. treu bleiben wollte». Schlechter würden die Verhältnifse durch die Annahme der Vorlage nicht werden. Der Reichstag hat jetzt Gelegenheit. s»,n gegebenes Wort einzulösen. Die Regierung wird ihre eigene Vor- läge, wenn sie in die Handwerkervorlage hineingearbeitet ist, nicht zurückweisen können. Den Arbeitern wird der Sperling in der Hand lieber sein, als die Taube auf dem Dache, die ihnen Herr von Heyl in Aussicht stellt. Abg. Richter(frs. Vp.): Die Sozialdemokraten glauben»och an die Heilkraft von Polizeimaßregcln, und deshalb setze» sie sich über alle konstitutionellen und parlamentarischen Bedenke» hinweg. Wir glauben nicht daran. Alles Vorgeschlagene sind nur Pflästerchen, nur Versuche, an Symptomen zu kuriren. Die Hauptursache liegt in der mangelnden Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts, welches sich bei dem Mangel anderer Erwerbsquellen dieser Arbeil zudrängt. Ver sprechungen haben wir in dieser Frage nicht gemacht. Es handelt sich nur um einen taktischen Zug, die andern Parteien ins Unrecht zu setzen, sonst hätten Sie den Antrag nicht erst gestern eingebracht.(Zuruf: Kommission!) Sie wußten schon vor drei Wochen sehr gut, daß die Kommifsion nichts mehr fertig bringen würde. Und nun sollen folche wichtigen Bestimmungen in der dritten Lesung ohne zweite Lefung angenommen werden. Wenn Stumm Trumpf ist, dann macht Stumm von de» Vollmachte», die dem Bnndesrath gegeben werden solle», keine» Gebrauch. (Heiterkeit.) Glaube» Sie, daß Herr v. Bötlicher die letzten Stunden seines Daseins nur damit ausfüllen wird, von diesen Vollmachten Gebrauch zu machen?(Heiterkeit.) Die Erfahrungen mit den Voll machten, die man dem Bundesrath erlheilt hat. sind nicht verlockend, auf diesem Wege weiterzugehen. Bei dem Zickzackkurs kann sich die Meinung jeden Augenblick ändern Der Kladderadatsch kann bald nach dieser, bald nach jener Seite gehen.(Heiterkeit.) Unter solchen Umständen giebt man überhaupt keine Vollmachten. Der Reichstag kann ebenso klug sei» wie der Bundesrath. Abg. Tr. Friedberg(natl.): Gegen den Vorwurf, daß unser früherer Kollege Möller in der Verschlechternngskommijsion die Gewerbe-Ordnung verschlechtert habe, brauche ich ihn nicht in Schutz zu nehmen; denn er versteht von sozialpolitischen und gewerblichen Dingen viel mehr als die Sozialdemokraten. Bei den materielle» und formellen Bedenken hätte auch Herr Singer auf die Berathung ver- zichten sollen. Aber wenn er die Dreistigkeit hat(Unruhe bei den Sozialdemokraten), uns vorzuwerfen, daß unsere vorgebrachten Gründe nicht die wirklichen sind, so nenne ich sein Vorgehen ledig- lich ein agitatorisches.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten, Zu- stiminung bei den Nationalliberalen.) Abg. von Heyl(natl.): Die Untersuchungen haben viel schlimmere Dinge ergeben, als die Begründung der Vorlage andeutet; es wird mit der menschlichen Arbeitskraft geradezu ein Wucher getrieben, gegen den scharfe Maßregeln nothwendig sind. terr Singer weiß das selbst wohl sehr gut. Ohne Amendirung der orlage würden die Arbeiter geradezu in die Hausindustrie hinein- getrieben. Anträge kann ich doch nicht stellen; denn ich kann nicht in wenigen Stunden einen ganzen neuen Art. 7 der Gewerbe- Ordnung für die Heimarbeiter vorschlagen. Dazu gehört eben eine Kommifsionsberathung. Hoffentlich gelangen wir mit dem Zentrum im Herbste zur Verständigung über unsere Anträge und beweisen, daß wir für die Arbeiter etwas Durchgreifendes thun wollen.(Zu- stimmnng bei den Nationalliberalen.) Abg. Hitze(Z.): Wir hätten die Vorlage der verbündeten Regierungen schlankweg angenommen, wenn von anderer Seite keine Anträge in Aussicht gestellt worden wären. Zu den Parteien, die auf Antrüge nicht verzichten wollten, gehörten auch die Sozialdemo- traten.(Hört! rechts.) Wen» wir uns dazu herbeiließe», die An- träge in die Handwerkervorlage aufzunehmen. würde» Sie(die Sozialdemokraten) sich dann bereit finden lassen, für das ganze Gesetz zu stimmen?(Große Heilerkeit.) Das ist die Art der Sozial- demokraten, sie bringen selbst in dritter Lesung»och Anträge ei», »in die Welt in Ersiannen zu setzen. Aber nachher stimmen sie schließlich gegen die Vorlage. Wenn wir in die Falle gehen und für die Anträge stimmen wurde», und die anderen Parteien würden sich von uns abwenden, dann würden nicht blos Ihre Anträge zu Falle kommen, sondern auch die Handwerkervorlage, die wir endlich fertig gebracht haben. Können Sie das von uns verlangen?!(Zu- stiminung rechts und im Zentrum.) Abg Tinger(Soz.): Das Zentrum sucht ja auch die Gesetze, die vorgelegt werden, einigermaßen zu verbessern, auch wen» es ihnen sonst nicht zustimmt. Wenn die Anträge des Zentrums in der nächste» Session bei der Regierung keine Gegenliebe finden, so wird das Zentrum es beklagen, heule nicht für unsere Anträge gestimmt zu habe». Schließlich kann man ja unsere Anträge an eine Kommission verweisen und die Schlußabstimmnng über die Handwerkervorlage bis zur Erledigung der Koinmissionsberathung aussetzen(Heilerkeil). Der grundsätzliche Widerspruch des Herrn Richter beruh! auf dem ödesten Manchesterthum, welches den Staat blos als Nachtwächter betrachtet. Gewiß sind die Vollmachte» an den Bnndesrath be- denklich. Der Sieichstag ist allerdings ebenso klug als der Bundes- ralh(Heiterkeit; Zuruf: DaS ist kein Koinpliment!), aber ich traue in sozialpolitischen Dingen dem Bundesralh immer noch mehr zu, als der freisinnigen Partei.(Heiterkeit.) Abg. Hitze: Es zeigt sich immer deutlicher, daß diese Anträge nur«in letzter Versuch sind, die Handwerkervorlage zu Falle zu bringe». Wenn wir bezüglich der Konfektionsarbeiter-Vorlage alle Anträge schließlich abgelehnt hätten, hätten dann die Sozialdemo- kraten für die Regierungsvorlage gestimmt? Sie hätten wohl irgend eine» Punkt gefunden, um dagegen zu stimmen, wie Sie es bei alle» sozialpolitischen Gesetzen gemacht haben. Abg. Richter: Die Vorlage besteht nur aus Vollmachten, und ohne Vollmachten für den Bnndesrath wäre sie ein Messer ohne Klinge, an dem das Heft fehlt. Die Behauptungen des Herrn von Heyl sind in der Enquete über die Konseklion zum theit als unrichtig bewiese» worden, sonst hätte man auch in der Kommission für Arbeiierstalistik weitergebende Anträge gestellt. Wir betrachten den Staat nicht blos als Nachtivächter. Wir sind schon vor Jahr- zehnten für die Einführung der Haftpflicht eingetreten und habe» den Arbeiterschutz in jeder Weise gefördert. Unsere sozialpolitischen Anträge fanden früher den Widerspruch des Bundesraths. Daß die Sozialdemokratie so zugenoniinen bat, liegt darin, daß die jüngere Generation so sehr in der Polizeigesinnung, in dem Glaube» an die Allmacht der Polizei erzogen ist(Heilerkeil); daher wollen die Sozialdemokraten dem Bundesralhe alle von ihm gewünschten Befugnisse geben. Gegenüber der übertriebenen Einmischung des Staates Hältnisse ist eine Reaktion am Platze; der Bevölkerung ist durch diese Politik mindert worden. Abg. Friedbcrg: Wenn ich die Aeußerung de? Herrn Einger als dreist bezeichnet habe, so wollte ick ihn dadurch nur mahnen, daß er sich einer anständigeren Ansdrucksweis« bedienen solle. Präsident v. Bnol ruft den Redner wegen dieser Aeußerung zur Ordnung. Abg. Singer(Soz.) lehnt es ab, von Herrn Friedberg Anstand?- lehren entgegenzunehmen. Die Sozialdemokraten verlangen den Schutz der Polizei für die Arbeiter gegen die Unternebnier, während die Manchestermänner den Schutz der Polizei für die Unternehmer gegen die Arbeiter fordern.(Zustimmung bei de» Sozialdeiuokraten.) Das bat sich besonders in der Haltung der«Freisinnigen Zeitung" bei,» Buchdruckerstreik gezeigt. Darauf schließt die Diskussion. I» versönlicher Bemerkung verwahrt sich Abg. Richter dagegen, daß die.Freisinnige Zeitung" in dem Buchdruckerstreik die Hilf« der Polizei angerufen habe. Abg. Friedberg: Ich unterwerfe mich der Rüge des Präsi- denten, möchte ihn aber frage», welche Waffe mir zu Gebole steht gegen de» Borwurf des Herr» Singer, daß wir andere Motive hier vorbringen, als wir wirklich habe». in die gewerblichen Ver- denn die Unzufriedenheii nur gesteigert, nicht ver- Präsident v. Buol: Es ist nicht meines Amtes, den Herrn Ab- geordneten darüber zu belehren.(Große Heiterkeit.) Die sozialdemokratischen Anträge werden darauf abgelehnt, so« weit sie sich auf die Gewerbe-Ordnung beziehen. Bezüglich der Einbeziehung der KonfektionS« arbeiter in derKrankenverficherung führt Abg. Singer aus. daß die Krankenversicherung der KonfektionS« arbeiter insofern mit der Vorlage im Zusammenhang stehe, als ja die Konfektionäre Innungen bilden und Jnnnngs-Krankenkassen ein- richten könnten. Jedenfalls müsse für die Krankenversicherung der Heimarbeiter Sorge getragen werden, nachdem die Hoffnungen, daß die Kommunen durch Ortsftatut diese Versicherungspflicht einführen würden, zu schänden geworden sind. Es muß deshalb zu gesetz- geberischen Maßregeln gegriffen werden. Auch dieser Antrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemo- kraten abgelehnt. Es folgt die Berathung der Resolutionen. Die Kommission beantragt zunächst:.Die verbündeten Regierungen aufzufordern, dem Handwerkerstande eine wesentliche Förderung dadurch aii- gedeihen zu lassen, daß iin Bedarfsfalle Geldnnterstütznngen �zur Ausführung der de» Innungen obliegenden Ausgaben gewährt werden." Abg. JoruS(natl.) spricht sich für die Annahme dieser Re« solution aus. Die Resolution wird angenommen. Eine zweite Resolution lautet:.Die verbündeten Regierungen zn ersuchen, spätestens in der nächsten Session einen Gesetzentwurs vorzulegen, durch welchen für das Baugewerbe und diejenigen anderen Gewerbe, deren Ausübung mit erheblichen Gefahren für Leben und Gesundheit verbunden ist, der Befähigungsnachweis eingeführt wird" Die Abgg. Hitze und Genoffen(Z.) beantragen, vor den Worten .für das Baugewerbe" die Worte„für die handwerksmäßige» Gr- werbe, insbesonders" einzuschalten. Abg. Gamp erklärt, daß die Mehrheit der Reichspartei nicht für diesen Antrag, sonder» nur für den Kommissionsantrag stimmen könnte. Abg. Baffermaun(natl.): Ein Theil meiner Freunde wurden für das Baugewerbe den Befähigungsnachweis zugestehen können, aber nicht für andere Gewerbe. Abg. Hitze erklärt, daß das Zentrum bei Ablehnung seines An« träges sich mit dem Antrage der Koinmission begnügen würde, der eine Abschlagszahlung enthalte, der vielleicht bald weiter« folgen würden. Abg. v. Freae(k.) erklärt sich für den Antrag des Zentrums, weil die Handwerker auf den Befähigungsnachweis einen größeren Werth legen alS auf alle andern Punkte der Vorlage. Abg. Richter betrachtet die Resolution als eine Rnckzugsbrücke und hält de» Befähigungsnachweis auch in der Beschränkung auf das Baugewerbe nicht für zweckmäßig, wie die früheren Ersahrungen in Preußen bewiesen. Der Antrag deS Zentrums wird mit 1«« gegen 126 Stimmen angenommen. Es folgt die dritte Berathung des Nachtragsetat?, betreffend die B e s o l d u n g s v e r b e s s e r u n g e n. In der Generaldiskussion kommt Abg. Schädlcr(Z.) auf die Einführung der Abendkost für die Mannschaften zurück. Der Schatzsekretär hat schließlich nur von einer Aufbesserung der Mannschastskost überhaupt gesprochen. Redner wünscht eine Erklärung des Kriegsministers darüber, was in dieser Etage geschehe» n eide, da er diese Frage in Verbindung mit der esoldungsaufbesserung erledigt zn sehen wünscht. Staatssekretär des Reichsschatzamtes Graf PosadoivSky: Ich kann erklären, daß die Mittel in den nächsten Etat eingestellt»'erden für die Verbesserung der Kost der Mannschaften. Damit dürste dem Wunsche des Vorredners Genüge geschehen sein. Älbg. v. Kardorff(Rp.): Wir haben in Preußen und im Reiche große Enmmen ansgewendet zur Aufbesserung der Beamten- besoldnugen. Diese Aufbesserungen sind erfolgt auf grund älterer Zusagen. Gleichwohl habe ich schon im Abgeordnetenhause aus- gesprochen, daß der Zeitpunkt für die Besoldungsverbesserungen ein ungünstiger sei. weil die Landwirlhschast sich in einer Nolhlage befindet und kein Verständniß für diese Mebransgaben hat. Nachdem die Beamtengehälter in dieser Weise erhöht sind, erachte ich es für die zwingende Pflicht der verbündete» Regierungen, endlich etwas zur Beseitigung des Nothstandes der Landwirthschasl zu thun.(Unruhe links.) Es sind verschiedene Anforderungen ge- stellt, z. B. bezüglich der Aufhebung der Zollkredite, aber es ist nichts geschehe». Abg. von Plötz(dk.): Im großen und ganzen kann ich mich dein Vorredner anschließe». Meine Freunde haben für die Vorlage gestinnnt, midi ich werde es wohl diesmal auch thun, wenn auch niil schwerem herzen. Abg. Schwarze(Z.) beniängelt, daß infolge unrichtiger In- formationen für die Beamten des Statistische» Bureaus nichts ge- schehen sei. Abg. vo» JazdzcwSki erklärt namens der Polen, daß sie den Beamten gewähren wollen, was die Regierung verlangt; sie ver- langen aber von dem Reichskanzler und der Regierung, daß die Beamte» angewiesen werden, gerecht zu verfahren gegen alle Lande?« angebörigen. Darauf werde» die Besoldungsverbesserungen ohne weitere Debatte im einzelnen bewilligt. Es folgt die dritte Beralhnng des Gesetzentwurfs, betreffend den ServiStarif und die Kl a s sen ei n t h ei l n n g der Orte. Die Vorlage wird nnverändert»ach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen, nachdem zwei Anträge, die Städte Lötzen und Mililsch aus der IV. in die III. Servisklass« zu versetzen, abgelehnt waren. Darauf wird die Handwerkervorlage in namenlli.ber Abstimmung mit 188 gegen 113 Stimmen angenommen. Dafür stinimen die Deutschkonservative» mit Ausnahme der Abgg. v.Viereck, v. Werdeck und V.Plötz, die Reichspartei, das Zentrum mit Ausnahme des Abg. Mehner, die Welsen, die Mehrheit der Natioualliberalen und dieAntisemite» Förster-Neustettin und Lieder-Meißen. Gegen ditVorlag« stimmen die Sozialdemokraten, die deutsche und die freisinnige Bolls- partei, die sreisinnige Vereinigung, von den Nationalliberale» die Abgg. Hainmacher, v. Marquardsen. Adt, Bassermann, Bürlli». v. Cuny, Frank-Baden. ferner die Polen, die deutsch-soziale Reform» partei und die wildkonservativen Abgg. Hahn und von Dallwitz. Schluß 4»/« Uhr. Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr(Nachtrags- Etat, betreffend die Vermehrung des ArtilleriemalerialS u. f. w.) Vtomnnumles. Etadtverordiieteu-versaminlniig. Oeffentlich» Sitzung v o>» Donnerstag, 24. Juni, Nachmittags 5 Uhr. Die heutige Sitzung ist die letzte vor den Sommerferien. ES werden eine Reihe von geschäftlichen Anordnungen für die Wahr» nehmung der Geschäfte der Versammlung während der Monate Juli und August beschlossen. Der Ausschuß für die Prüfung der Stadl- verordnetenwahlen wird beauftragt, über die gegen die Richtigkeit der im Juli berichtigten Wählerlisten etwa eingehenden Proteste zu berathen und Bericht z» erstatten. Eine Reihe von Rechnungen ivird ohne Diskussion erledigt und die Entlastung der Verwaltung ausgesprochen. lieber die Anstellung eines städtischen Hydrologen in der Person des Herr» Ingenieurs Piefke mit einem Gehalt von 6006 M. jährlich und unter den bereits bekannten Bedingungen hat sich der niedergesetzte Slusfchuß einverstanden erklärt. Stadtv. Virchow berichtet über die Ausschnßverhaudkungen. Dem bezüglichen Beschlüsse hat der Ausschuß noch folgend« Resolution hinzugefügt: Schließlich ersucht die Bersammlnng noch den Magistrat um eine Vorlage, durch welche, behufs Anbahnung eines städtischen Gesundheitsamts, bereits sür den nächstjährigen Etat auch die Anstellnng eines in der Bakteriologie er« fahreuen Direktors und«ineS bewährten Chemikers, sonne die Errichtung eines sür die Zwecke des Gesundheitsamts hinreichen- de» Laboratoriunis t» Slussicht genoinine» wird. _ Der Referent weist auf die Schwierigkeit hin, welche stch diesem Wunsche dadurch entgegenstellt, daß der Staat sich immer noch weigert, die Sanitätspoliz« auf die Stadt zu übertrage», und führt aus, daß die Anstillung weiterer Beamter und die Errichtung des Laboratoriums verlaugt werde», um die Richtung der Wünsche der städtischen Vertretung mit hinreichender Deutlichkeit aus- zudrücken und damit einen Druck auch auf die E»t- fchli, Hungen der Regierung auszuüben. Von den Auf» faben, die dem Hydrologen zu stellen seien, hat der lusschuß diejenigen, welche die Verfolgung aller Fortschritt auf dem Gebiet« der Wasserversorgung und selbständiges experimentelles Studium der auf dem Gebiete der Hydrologie und der damit ver- bundenen Fächer noch zu lösenden Probleme betreffen, alS den AintSumfang des neuen Postens überschreitend auS dem vom Magistrate aufgestellten Tableau herausgelassen. Stadtv. S p i n o l a hat Bedenken gegen den in der Resolution aufgeführten„Direktor", da doch die Konstruktion d«S SesundheitS- amtS noch in der Zukunft liege. Stadtv. Schwalbe wünscht die Erstattung regelmäßiger Be- richte durch den Hydrologen. Vorsteher Langerhans hält letzeres für selbstverständlich und bittet um unveränderte Annahn»« der Ausschußvorschläge. Die Stadt müsse zeigen, daß sie sähig sei, ein leistuugssähiges Gesund- heitSamt inS Leben zu rufen unabhängig vom Staat«. Stadtv. Sanitätsrath Rüge ist sür die AuSschußvorschläg«, will aber auch den Ausdruck„Direktor" beseitigen, da«S für diesen Beamten noch nichts zu dirigiren gebe. Stadtv. Dr. Zadel: Die Vorlage ist uns sehr sympathisch, da wir ja gerade die Idee derselben seil Jahren eifrig vertreten haben. Ich schließe mich de» Ausführungen des Vorstehers an und hätte nur ge- wünscht, daß er diese zustimmende Haltung schon vor vier Jahren bekundet hätte, wo wir zum erste» Male ein städtisches Gesundheits- amt beantragt hatten. Jetzt scheint ja der Magistrat auch der Ansicht zu sein, daß die StaatSregierung uns kein« Schwierigkeiten in de» Weg legen wird, ivenn ein solches Amt von Stadt wegen ein- gerichtet wird. Von den städtischen Gesundbeitsaufsehern, die«vir auch verlangt haben, und die mindestens ebenso wichtig sind wie der Bakterio- löge und der Chemiker, finde ich leider in der Vorlage nicht», obwohl diese Institution in Süddeutschland und England überall, wo solche Gesundheitsämter vorhanden sind, die Hauptrolle spielt. Aber diese Dinge werden sich erst näher erörtern lassen, wenn die Errichtung eineS solche» Amte? angebahnt ist. Di« Ablehnung der beiden erwähnte» Punkte in dem Tableau der Aufgabe» für den neuen Beamten durch den Ausschuß verstehe ich nicht, sie scheinen mir doch recht harmlos; andererseits heißt es, stch ein Nrmutbszeugniß ausstellen, wenn man dem Mann einfach verwehren will, das selbständige Studium auf diesem Gebiete zu betreiben. Thatsächlich ist aber auf diesem Ge- biete nichts mehr zu arbeiten, die Sache ist kritisch gesichtet und durchgearbeitet; wir wissen, daß es mit dem Oberflächeuwasser nicht mehr geht. Nachdem noch Stadtv. M o m m s e n sich gegen die Resolution ausgesprochen, von deren Verwirklichung er bei der ungeklärte» Rechtslage unr Konflikte mit den Polizeibehörden fürchtet, werden die Ausschußvorschläge mit der Modifikation angenommen, daß nur von einem erfahrenen Bakteriologen in der Resolution die Rede ist. Für Reis est ip en dien an städtische Beamte und Lehrer, welche die W e l t a u s st e l l u na in Chicago besuchen wollte», waren am S. Juli 1693 28 000 M. bewilligt worden, und zwar sind davon 25 000 M. an 14 Beamte und Lehrer vertheilt worden. Sämmtliche Herren haben Reiseberichte erstattet. Diese Berichte sind einem Ausschusse zur Prüfnug auf die Möglichkeit der Veröffentlichung hin überwiese» worden. Der Ausschuß bat seine erste Sitzung an» 16. Juni 1896 abgehalten. Damals waren aber»och nicht alle Berichte eingegauge»; er hat am 15. Juni 1897,«in Jahr später, sein« zweite Sitzung ab- gehalten. Jetzt lagen sämmtliche Berichte vor. Von der Veröffent- lichung dieser soll indessen Abstand genommen werde», weil die Koste» zu bedeutend sei» würden und die Ausstellung schon viel zu weit zurückliegt. Die Berichte sollen der Magistratsbibliothek überwiesen werden. Um aber so ungemeine Verzögerungen der Berichterstattung in Zukunft zu vermeiden, soll der Magistrat ersucht werde», dafür Sorge zu trage», daß in ähnlichen Fällen die Bericht« der betreffen- den Beamten spätestens binnen vier Monate» nach der Rückkehr ein- geliefert werden. Di« Versammlung beschließt dementsprechend ohne Debatte. Tie freihändige Erwerbung deS seit der Verlegung der Stettiner Dahn verfügbar gewordenen Bahnterrarns zwischen Völker- und G r ü n t h a l e r st r a ß c auf der Strecke von der Christiania- praße bis zur Weichbildgrenze zum Preis« von 25 M. für jeden der 7713 Quadratmeter wird von» Magistrat zur Freilegung der be- treffendeu Straßen und zur Schaffung einer Mittelpromeuade vor- geschlagen. Die Stadtvv. Wallach und E s m a n n halten den vom Eisen- bahnfiSkus geforderten Preis für viel zu hoch und besürworteu Aus- schußberathuug. Nach längerer Berathung wird ein Antrag Wohlgemuth, die Borlage mit der Modifikation, daß nur 20 M. sür de» Quadrat- Meter geboten werden solle», anzunehtnen, zum Beschlüsse erhoben. Die übrigen Segeltstände der Tagesordnung sind von unter- geordnetem Interesse. Schluß VI* Uhr._ Voksllrs. In Sachen Ziethen theilten wir bereit» mit. daß di, Dinge äußerlich wenigstens eine interessant« Wendung genommen hätte». ES bestätigt sich dies nach jeder Richtung hin: eS ist gelungen, einen neuen Zeugen zu finde», der auszusagen gewillt ist. Der Zeuge hatte sich schon vor längerem gemeldet, die Vertheidigung in Sachen Ziethen legte keine» Werth auf dieses Zeugniß und so blieb es privater Ermittelung überlassen, diesen Zeugen aus seine Wissenschaft und seine Glaubwürdigkeit hin zu prüfe». Dabei sind ganz überraschende Dinge ans Licht gekommen. Der Zeuge dürste in einem Wiedcrausnahme-Ver- fahren kaum abgelehnt werde» können. Seine Bekundungen sind über jeden Zweifel erhaben, und sein« Person bürgt dafür, daß er nicht wieder als befangen oder bestochen ausgegeben werden kann. Wenn in einer hiesigen Korrespondenz behauptet wird, der Ver- theidiger Ziethen's scheine wenig Hoff»unä auf einen günstigen Aus- gang zu haben, so ist diese Bemerkung weder taktvoll, noch entspricht sie der Wahrheit. RechtSauwalt Lenzmann— der beiläufig zu unserer Freude sich des besten Wohlseins erfreut und überhaupt nicht krank war— hat im Gegentheil die Absicht, sich selber nach Elberfeld zu begeben, und dieThatfachen, welch« neu zu tage getreten sind, einer genauen Prüfung zu unterwerfen.— Die vou der Großen Berliner Pfcrde-Eiseubahn-Gesell- schaft für daS Geschäftsjahr 1896 vertragsmäßig an die Stadt- gemeinde zu zahlende Rente(3 pCt. der Brulto-Einnahme) beträgt 1 347 764 M. Hierauf sind bereits anfangs d. I. 607 683 M. an die Etadt-Hauptkasse abgeführt worden, der Rest mit 740 081 M. wird ani 1. Juli d. I. sällig. Die städtische BerkehrSdeputation hat der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn-GeseUfchaft die Genehmigung zur Weiterführung des elektrischen Betriebes der Linie Zoologischer Garten-Treptow bis zur gegenwärtige» Endhaltestelle der Pferdebahn beim ehemaligen Zenner' scheu Restaurant, sowie zum zweigleisigen AuSbau der Ab- fahrtstelle daselbst«rtheilt. DaS„Kleine Jonrnal" zeigt sich durch den Musikreferenten- Prozeß feines Tappert am wenigsten touchirt. Auf die Ruthenhiebe, mit denen die anständigere Presse daS Gebühren der musikalischen Geld- nehmer gezüchtigt hat, entgegnet das Blättchen:„Daß derlei Anzapfungen jede Wirkung auf unS verfehlen, beweist der Umfiaud, daß Herr Wilhelm Tappert in unserer gestrigen. Nummer die Kritik über Puccini's „Boheme" geschrieben und unterzeichnet hat." DaS ist so herz- erfrischend offen ausgedrückt, als ob der selige Spitz sei» journalistisches Glaubensbekeiinliitß abgelegt hätte. Das Bier der Arbeiter. Eine Anordnung, die gerechtes Mißbehagen unter den in betracht kommenden Arbeitern hervor gerufen hat, ist von dem Fabrikanten Leopold Stern in der Köpuickerstraß« getroffen. Der Herr hat wörtlich folgenden UkaS erlassen: Hiermit zur Kenntniß, daß der Bierverkauf nur allein Kessel- Heizer Poligkeit übertragen worden ist. Es varf somit von anderweitig kein B i e r in der Fabrik rein kommen. Da- gegen verpflichtet flch Poligkeit wöchentlich 8 M. an die Straf- kasse zu zahlen, und jede halbe Stunde vor Frühstück und BeSper einen Jungen zum einholen von Esswaaren zu stellen. Di« Be- sliinmungen der Procentgelder kann nach Uebereinkommen zur Landpartie oder sonstigen Veranstaltungen getrossen werden. Berlin, den 22. Juni 1897. Im Austrage: Leopold Stern. Wolff. Poligkeit. Da eine große Anzahl Arbeiter in der Fabrik beschästlgt sind, so würde der Maschinenwärter Poligkeit, der hier als Günstling des Herrn Stern in betracht kommt, bei alledem einen hübschen Nebenverdienst haben. Die Arbeiter meinen nun aber, erstens, daß der Wärter am gesährliche» Dampskessel viel nothwendiger ist, als am Bierkorb, und zweitens, daß der Fabrikant eine ganz grobe Ungehörigkeit begeht, wenn er sich derart in di« Privatangelegen- heiten seiner Leute einmischt. Gegen die Färbung von Hack- und Schabefleisch durch die sogenannte Meat-Präserve wird von der Polizeibehörde in letzter Zeit sehr scharf vorgegangen. Eine Anzahl von Schlächtermeistern ist wegen Verwendung deS Präparats, das dem in der warme» Jahreszeit bald seine Farbe verlierenden Fleisch ein frische? Aus- sehen verleiht, zu Geldbuße» biS zu 100 M. verurtheilt worden. Während bisher ein Zusatz von 0.2 pCt. von Meat-Präserve zum Fleisch anstandslos gestattet war, soll>etzt jede derartig« Zuthat alS Verstoß gegen daS NahrungSmittel-Gesetz bestraft werden. DaS Komitee für das Märzaefallrneu-Dciikttial geht die Konnnunalvertretnngen verschiedener Städte nm Beiträge zum Denk- malfondS an. Daß dieS ein ziemlich fruchtloses Beginnen ist, wird einleuchten. In der letzten Sitzung des Stadtvcrordneten-KollegiumS zu F r a n k f u r t am Main beantragte der Redner der fort- s ch r i t t l i ch e n Fraktion, über das Gesuch zur Tagesordnung überzugehen, da der allgemeine Steuersäckel der Stadt nicht für aus- wältige Lokalangelegen heiten(!) da sei. Di« bürgerlichen D-nkmalsstifter in Berlin niüffen die Gesinnung ihrer Parteigenossen schlecht kennen, wenn ste flch über die Ablehnung und ihre«cht philiströS-forlschrittliche Begründung etwa noch wundern. Dem Magistrat von Berlin hat der Oberpräsident, Staat?- minister Dr. v. Gichenbach, ausgegeben, sofort ein Berzeichniß der in den einzelnen städtischen Bureaus beschäftigten Kanzlisten ein- zureichen, da dies« Stellen sämmtlich durch Melde-Auwärter zu besetzen seien. In allen städtische» Bureaus wurden di« Kanzlisten- stellen bisher nur ganz ausnahmsweise mit Militäranwärtcrn besetzt. Jedenfalls wird hier, so wird gemeldet, die Stadtgenieinde im Wege des ZwangeS die Versorgung der Kanzlisten anerkennen müssen, die bisher in beziig auf Pension und Reliktenversorgung völlig vernach- lässigt wurden. Ob die Stadt sich fügen wird? Die„Norddeutsche Allgcmciue� behauptet in einem Lelt- artikel wieder einmal, daß„unser großer Kaiser", womit Wilhelm I. genieiiit ist,„unser Reich von neuem zusainmengeschmiedet habe". WaS soll die ewige Wiederholung solcher alberne» Geschichts- fälscherei? Schade um daS Papier. Das königliche Landgericht I ver- öffeutlicht nunmehr einen Steckbrief gegen den Echriststcller Ernst Schuinann, genannt N o r m a n n- S ch n m a n n, w e g e n wieder- Holter Majestätsbeleidigung. Mau schreibt unS: In dem Bureau der Allgemeinen O r t s- K r a n k e ii k a s s e für gewerbliche Arbeiter und Arbeite- rinnen, Prenzlauerstraße 46, ist ein Uebelstand zu bemerken, dem unseres Erachtens auch anderweitig nicht die gebührend« Beachtung geschenkt wird. In dem täglich von Hunderten, ja vielleicht von Taiiseuden krequentirten Raum, der für das wartende Publikum abgegrenzt ist, steht auf einem Tisch«ine blaue Eniaillckanne mit Waffer und daneben«iu heute Morgen um 9 Uhr bereits völlig blindes Trinkglas. Wir dächten, daß es ausgeschlossen fein müsse. in einem der Gesundung erkrankter Proletarier ge- widmeten Institute dernrtigen, dem allergewöhnlichsten hygieni- scheu Instinkt zuwiderlaufeiiden Gebräuchen zu begegnen. In diesen heißen Tagen ist der Anreiz,«inen Erfrischuugstruiik zu sich zu nehme», besonders groß; die mit dem Genüsse von etwas abgestaudeneui Wasser erreichte Durststillung ist aber mit der ganz einiuenten Gefahr, sich dadurch den verschiedenartigsten Aiisteckiiugs- gefahren auszusetzen, doch zu theuer erkauft. Ist die Kasse nicht in der Lage, in einem nur von Kranken besuchten Raum eine Wasser- leitiing anbringen zu lassen, unter der sich jeder den Becher selbst erst genügend auszuspülen vermag, so sollte sie jede Darbietung von Wasser lieber uiilerlassen. Wir gehen aber mit der Annahme wohl nicht fehl, daß di« Kasse im stand« ist, ihren Mitgliedern daS zu bieten, was wir verlangen. Daß cS Umstände giebt, unter denen selbst die„Norddeutsche Allgemeine" offiziös- kapitalistischer Koulenr sich gegen B e- nutzung billiger Arbeitskräfte wendet, sollte man nicht für möglich halten. Und doch ist dieser Fall eingetreten, wie die folgende, dem genannten Blatte entnommen« Notiz lehrt: „Die Pserd ebahugesellschast hat löblicher Weife bei der beim Hafeuplatz neuerbauten Hilfsbrücke über den Landwehrkanal ein Pferd aufgestellt, welches die Pferdebahnwagen über di« ziemlich stark an- steigende Anrampiintz Heraufziehen hilft. Anfangs wurde dieses Vorfpannpferd vvn«mein erwachsenen Manne bedient, seit einiger Zeit sind aber junge Leule damit betraut. Wir waren schon zu wiederholten Malen überrascht von dem geradezu unglaublichen Un- geschick, mit dem di« meisten dieser Burschen die Pferde behandeln: die jungen Leute scheinen kaum«ine Anweisung über die Be- Handlung der Thiere, die Handhabung der Zügel u. s. w. erhalten zu haben, jedenfalls aber sie nicht zu berücksichtigen. Gestern Nach- mittag kurz nach 6 Uhr wurden wir wieserum Zeuge einer solchen Szene. Der Pferdewächter, der auf der Mütze das Abzeichen W 2 trug, zerrte daS Pferd so unvernünftig an den Zügeln, daß eS nicht errathen konnte, was es thun solle, und daher daS Gegen» theil von dem that, waS„W 2" wollte. Da erhob der Bursche den nicht? weniger als ungefährlichen Eisenhaken, den er zum Ein- hängen der Wage bei stch führt, und hob zum Schlage gegen das Pferd an»— da konnten wir unS denn doch nicht enthalten, dem Burschen zuzurufen, er solle erst mit dem Pferde umgehen lernen, ehe er es mallrätire.„Det Pferd jeht Ihnen nischt an!" erhielten wir z»r Antwort.— Nun, wir sind anderer Ansicht und glauben, daß dt« Leitung der Pferdebahn der uuserigen fein wird. AIS seinerzeit, wie wir dben erwähnten, anstatt erfahrener Männer die jungen Leute den Vorspannsdienst übernommen haben, wurde uns auf unsere Frage nach dem Grunde dieser Aendening die Antwort zu theil. die Leitung der Pferdebahn Hab« den Wechsel „auS Erfparnißrücksichten" verfügt. Wie sie eine Er- sparniß darin erblicken kann, wenn sie ihr kostbare? Pserde- niaterial dem Ungeschick und der Herzlosigkeit solcher inngen Burschen überläßt, ist nicht recht verständlich, und so viel hat wohl die Berliner Pferdebahn noch übrig, daß st« für ihren Dienst geübte Männer einstellen kann und dadurch dem Publikum das Aergerniß erspart, Zeuge halber und ganzer Thierquälereien durch ihr» Angestellten»u werden." Es ist schade, daß in den meisten Fällen, wo die Arbeiterschaft sich gegen die„Ersparnißrncksichten" ihrer Ausbeuter anslchnt, nicht gleichzeitig die Rücksicht ans das Wohl und Wehe einer gequälten Kreatur auS dem Vichstande in Frage kommt. Wir würden sonst vielleicht daS blaue Wunder erleben, daß das offiziöse Organ sür rücksichtslose Knechtung und Ausbeutung der Arbeiter gegen die Kapilalisten Stellung nimmt! Nicht allein die Dhrateranaestellte» dcö Bellealliaucc- ThcaterS, sondern auch solch« Personen, welch« in anderer Weise sür die leichtfertig verlracht« Direktion Maurice und Häseler arbeileten, sind von diesen Herren hinein gelegt worden. So wird unS mitgetheilt, daß die armen Frauen, welche die Kostüme ec. für das Ausstattungsstück„Konstanlinopel" anfertigten, fast sämmt- lich ohne Bezahlung geblieben sind. Die Näherinnen mußten s. Z. nicht allein Wochentag» bis in die späte Nacht, sondern selbst Sonntags arbeiten. AIS einige von ihnen endlich den Direktoren ihr Elend vorstellten und wenigstens uni Abschlagszahlungen baten, wurden sie kurz abgefertigt. Di« Beträge, welche die Arbeiterinnen zu fordern haben, belausen sich im einzelnen durchschnittlich aus SO biS 50 M. Ob der GerichlSvollzieher, den die Frauen jetzt in Ausprnch ge» nommen haben, ihnen zu ihrem Geld« verHelsen wird, bleibt wohl mehr als fraglich. ZirkuS Renz komm» nicht wieder? Wie der„Berliner Börsen-Kourier" erfährt, soll«in Beitrag zu stände gekcmmen seui, durch den der ZirkuS Renz an die Olympia-Theatergesellschaft zu- nächst für drei Jahre übergeht. Der Zirkus soll für die Zwecke der AiiSsialtungSbühii« umgebaut werden. ES wäre im nächsten Winter seit dreiuudzivanzig Jahren das erste Mal, daß der Zirkus Renz nicht nach Berlin konimt. Daß nicht allein einfache Handarbeiterinueu, sondern auch höher qualifizirte Damen von unersättlichen Ausbeutern zur Prosti- tulion gedrängt werden, beweist aufs neue«in Stellenangebot, das stch in Nr. 283 deS„Lokal« Anzeigers" befindet. Di« Annonce lautet: „Ein Fränlein für«ine novellistische Redaktion in Steglitz gesucht. Gute Handschrift. Sprachkennt n iß, etwas Zeichnen, neue Orthographie erwünscht. Arbeitszeit von S'/e bi» 12'/» Uhr. 14 Tage Prob«, dann per Woche 6 Mark. Sofort frei« Fahrt. Adressen F. R. Packelfahrt, Potsdamer Bahnhof." Großkapitalistische Unternehmen im GasthofSgewcrbe. Unter der Firma„HotelbetriedS-Aktiengesellschaft" ist im Berliner Handelsregister ein Konsortiun4 eingetragen worden, dessen Zweck der Betrieb und event. dir Pachtung des der Eisen- bahn-Hotelgesellschaft gehörigen Zeutralhotels sowie anderer größerer Etablissemeiils ist, di« dem Hotel- oder RestaurationSbelricb an- gehören, mit demselben verwandt oder verbunden sind. Die Eisen- bahn-Hotelgesellschaft(Zentralhotel) ist Hauptaktionär und Gründer der Gesellschaft und beträgt das Grundkapital 2 000 000 M., worauf zunächst 25 pCt.«ingezahlt sind. Solche Erscheinungen sind den Jnnungs- und Befähigung?- »achweiS-Schwärmern natürlich ein Gräuel. Ter Frrusprechvcrkehr mit Ronneburg ist«öffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bi?»ur Dauer von 8 Minuten beträgt 1 M. DaS Befindcu der Schneidersrau Pinkalla giebt noch zu Be- denken Anlaß. Di« Frau liegt meistens bewußtlos da und kommt nur ab und zu zur Besinnung. In infamer Weife ist am Mittwoch dn frühere Droschken- kutscher Heinrich Quappe, der in der Wörtherstr. 38, Hof 3 Tr. wohnt, in Gemeinschaft mit einem Nachbar von einem Schwindler betrogen worden. Quappe, der im 64. Lebensjahre steht, ist seit Monaten krank, er erhält von seiner Krankenkasse keine Unter- stiitzunge» mehr und befindet sich daher mit seiner Frau und»in« Enkelin, die er großzieht, im tiefsten Elend. AlleS, waS irgendwie von seinem HauSgeräth versatzfähig war. hat er dem Leihhause überantworten müssen. Am Mittwoch Nachmittag erschien ein Mann in seiner Wohnung, der angab, aus Potsdam zu kommen. Dort sei der traurige Zustand, untn den« mit seiner Familie lebe, einigen edelgesinnten Leuten bekannt ae- worden, und diese hätten 75 M. sür ihn gesammelt, damit zunächst sein HauSgeräth ausgelöst werden könne. Zu diesem Zweck müsse er aber die Exmissionsklage, dt» sein HauSwtrth ihm zu- gestellt habe, in Händen haben. Ter Droschkenkutscher gab dem gewandten Manne da» Schriftstück und dieser ging mir schnell zu einem im selben Hause wohnenden Böttcher, um dem- selben mit Erfolg den Betrag von 4 M. und öO Pf. unt« der Be- gründung abzuschwindeln, daß daS Geld für Depeschen und Porto bezahlt werden müsse, andernfalls könne der arme Droschkenkutscher di« gesamiiielten 75 M. nicht bekommen. Als der Fremde dal Geld in Händen hatte, verschwand er auf Nimmerwiedersehen. Der Droschkenkulscher soll heul« ermittirt werden, weil« seinem HauS- wirth für vier Monate die Miethe schuldet. ErbschaftSftreitigkeiteu mit seinen Töchtern haben den 56 Jahr« alten Koufeklionsschiieider Karl Fischer auS der Gubenerstraße 13 in den Tod getrieben. Fischer hatte auS erster Eh« eine 22jähriat und aus zweiter«ine 19 Jahre alle Tochter. Da»nu die älteste Tochter Heirathen wollte, so gab es einer Erbschaft wegen Streit, der dem Manne das Leben verleidete. Vorgestern Nachmittag fand ihn seine ra» in seiner Laube auf dem Felde an der Ostbahn«hängt alS eiche aus. Der Lebensmüde hinterließ einen Zettel mit den Worten: „Ich kann mit den FrauenSIeuten nicht mehr fertig werden und hänge mich deshalb auf." Eine Aufsehen erregende Berhaftung ist durch den Unter- snchnngSrichter beim Landgericht 1 Berlin veranlaßt worden. ES handelt sich um die Stadthebamme Wittwe Naumann, zuletzt in der Brnniienstr. 66 wohnhaft. Sie soll sich mehrfach deS Verbrechens der KindeSunterschtebung schuldig gemacht Huben. ES wird der Nan- mann zur Last gelegt, im Auftrage reicher Danien, denen eS an Mniterfreudeii gebrach, neugeborene uneheliche Kinder gegen hohe Belohnung besorgt und die gesetzlich vorgeschriebene standeSainliiche Geburlianzeige unterlnssen zu haben. Die kriminalg«ichtlich« Untn- suchiing erstreckt sich aus eine Reihe von Jahren zurück. Ei» Ergcbuiß hatte eine Sistirung wegen Beleidigung, welche vorgestern in der Weinmeisterstraße ersolgte. In dieser Gegend sind bclannllich in letzter Zeit«ine große Anzahl Einbruchs- diebstähle verübt worden, wodurch die Anwohner erklärlicherweise stark beunruhigt wurden. Vorgestern Nachmittag zog ein junger Mann dadurch die Anfiiierksanileit auf sich, daß er daS Eckhaus Weinmeister- und Nene Schönhauserslraße. in welchem allein drei Ein- bruchsdiebstähle staltgesiinden. beobachtete. Da der betreffende auch einen wenig vertrauenerweckenden Eindruck machte, so ging ein Arbeiter L. an den Fremden heran und sagte ihm auf den Kopf zu, daß er einer dn Einbrecher sei. Der Unbekannte suhlte sich hierdurch beleidigt und beide riefen nach einem Schiitzniann. Dieser erschien und L. wurde behufs Feststellung seiner Persöiilichleit nach der Polizeiwache ststirt; nalürllch mußte auch der Fremde seine Personalten angeben und bezeichnete stch alS einen Kausuiann F. Er erhielt nun ans seinen Wunsch von der Polizei »um Zwecke der Anstrengung einer Beleidigungsklage die Personalien des L. und beide enlsernlen sich. AlS iiachlräalich nach den Personal- angaben deS ttaufmanni recherchirt wurde, stellte sich heraus, daß dieser ein falsches Nationale angegeben hatte. Da inzwischen aber auch Mitlheilungen«tiiliefen, durch welche der angebliche Kaufmann verdächligt, wurden sofort Nachforschungen nach ihm angestellt, leider vergeblich. Der Unbekannte, der sich früh« ziemlich viel in der Nähe der Weinmeister- und Schönhauserslraße aufhielt, ist an? der Gegend vollständig verschwunden. Tnrch Verbrennen ist der stebzehnjährig« Sohn Georg deS Wagmachsen-Fabrttanlen Becker auS der Neuen Jalobftraße 5 zu Tode gelommen. Der junge Mann war in der Werlstatt seine» VaterS als Lehrling thällg, setzte mit einem glühenden Eisen, daS er zur Abkühlung zum Wasser tragen wollte, fein« Schürze in Brand und erlitt, da ihm all« Kleider aus dem Leibe verbrannten, so schwer« Verletzungen, daß er in Bethanien verstorben ist. Di« Mutter, dl» I. »ersuchte, ihm die brennenden Kleider cmSmiehen, verletzte sich an beide» Händen und Armen derartig, daß sie in ihrer Wohnung schwer daniederliegt. Bei der Arbeit schwer venmglückt ist gestern, Donnerstag, der 25 Jahre alte Andreas Rambotzky aus der Borsigstr. IS. Der Mann ivar seit acht Tage» aus einer neuen Arbeitsslelle thcitig und gestern für seinen Arbeitgeber aus'dem Nordbahiihof mit Beladen von Eisenwaare» beschäsligr. Hierbei fiel ihm ei» Strick ans ein Bein und zerschmetterte ihm den Unterschenkel. Der Berunglückte wurde nach der Charitce gebracht. Ein Feuer entstand gestern Abend um S Uhr in der Nestau« ratio» von Fiedler, Slosenthalerstraße 4. Das Feuer war bald gelöscht, immerhin ist ein beträchtlicher Schaden angerichtet. An Vergiftung ist nach einem Unfall der 55 Jahre alte Photograph Leopold Wedel gestorben, der seit einem Jahre in dem Laboratorium der Verlagsbuchhandlung von Mittler u. Sohn in der Kochslr. 71 beschäftigt war. Am Montag Mittag ließ ein Lauf« barsche im Laboratorium«ine Kasserole fallen, die einen mit Schwefelsäure gefüllten Ballon traf und zerstörte. Wedel löscht« mit den Laboratorlumsarbeitern daL Feuer, da? entstand, und alle athmeten dabei giftige Dämpfe ein. Während die anderen so vor- sichtig waren, so bald wie möglich den Raum zu verlassen, blieb Wedel noch länger darin, um zu zeigen, daß leine Gefahr mehr vor- Händen sei. Das ist ihm verhäugnißvoll geworden. Die anderen Arbeiter waren nach heftigem Erbrechen bald wieder hergestellt. Wedel aber erkrankte so schwer, daß ärztliche Hilf« vergeblich war und er vorgestern Vormittag starb. Straßensperrung. Die Charlottenburger Chaussee, vom kleinen bis zum großen Stern ausschließlich der Kreuzdämme, wird behufs Neubeschüttung. wobei die Dampfivalze zur Anwendung kommt, vom 28. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt.— Der Kreuzdamm der Dorotheen- u»o Charlottenstraße wird behufs Umbaus von Pferdebahu-Geleisen vom 1. Juli ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Aus dcu Nachbarorten. Den Parteigenossen von Tcmpclhof- Mariendorf zur Kenutniß, büß der Rauchllub„Bruderhand" sei» Vergnügen am Sonnabend, den 3. Juli, im Lokale„WilhelmsgarUn" in Tempelhos abhält.— Ferner beabsichtigt der G e w e r k v e r e i n der deutschen Maschinenbauer und Metallarbeiter gleichfalls ein Vergnügen, und zwar am Sonnabend, den 51. Juli, im Lokale„Gundermann's Gesellschaftshaus"(Juh. Horn) abzuhalten. Es werden die Arbeiter eben genannter Ortichasten darauf aufmerksam gemacht, daß diese Lokale gesperrt sind. Die Lokalkoni Mission. Schiiucbcrg. Der Arbelter-Bildungsverein hält am Sonnabend, den St>. Juni, in der Schloßbrauerei sei» 7. Sttstuugsfist ab. Außer dem Konzert, welches von BerufSmusikern auSgesührl wird, werden die Gesangvereine Freiheit, Frühlingslust, Gerechtigkeit, Frohe Hoff nung und Rothe Nelke das Fest verschönen helfen. Der Vorstand hofft aus zahlreiche Betheiligung der Genossen von Westen und Schöneberg. Ter Vorstand des Arbeiter-BildungSvereiu. Die technische Untersuchung von Nahruugs-, Genuß tnitteln und Gebrauchsgegeuslünden für de» Kreis Nieder» ba rnim findet behördlicherseits vom 1. Juli d. I. ab»ach Lösung des bisherigen Vertragsverhältnisses mit dem Chemiker Dr. Theodor Geuth zu Berlin in der öffentlichen Anstalt der Landwirthsckafts- kammer der Provinz Brandenburg in Berlin liW., Werftstr. 8, unter Leitung des Direktors Dr. Welluy statt. Infolge eiueS wunderlichen Mißverständnisses hat et» Schwerverletzter mehrere Stunde» im Grunewald liegen bleibe» müssen. Ueber den Vorfall, welcher erklärlicherweis« großes Auf» sehen hervorruft, wird uns nachträglich folgendes gemeldet. Durch die Detonation eines Schusses wurden am Montag Nachmittag gegen S>/» Uhr zahlreiche Ausflügler, welche am Huiidekehlensee ver- weilten, erschreckt. Die sofort Hinzueilenden fanden in der Nähe des Restaurants Hundekehle unweit der Potsdamer Chaussee einen Mann, der sich durch einen Schuß in die Stirn zu tvdten versucht hatte. Man Holle den Arzt Dr. Krön auS der Villen- kolonie Grunewald, der dem Schwerverletzte» einen Notfy verband anlegte. Da der Transport des Selbstmörders, eines Darmhändlers S. aus Charlottenburg, nach einem Zkrankenhause nothwendig war, so sollte aus der Villen Kolonie eine Tragbahre besorgt werden und ein Radfahrer erNärte sich bereit, zu dem Amtsvorsteher des Ortes hinzusahren. Er kehrte jedoch bald zurück mit der Mittheilung, daß die Bahr« nicht geschickt werden könne, weil der Selbstmörder sich nicht innerhalb des A in l s g e b i e t e s der Kolonie Grunewald, sondern im Bezirke von Schildhorn befinde! Aus Veraiilassung des Herrn Dr. K., der den Verletzten unter Anwendung geeigneter Mittel am Leben zu erhalten vermochte, begab sich der Radfahrer noch- mal? nach dem Amtsbureau, daS nunmehr die Tragbahre stellte. Es war inzwischen°/«S abends geworden, als der Selbstmörder nach dem Krankenhause Charlottenburg gebracht werde» konnte; hier verstarb S. etwa«ine halbe Stunde «ach der Einlieferung. Wie Herr Dr. K.. der bis zun, letzten Augen- dlick persönlich bei dem Verletzten geweilt, feststellte, war die Ans läiidignng der Tragbahre zunächst verweigert worden, weil der Viadfahrer die Aenßerung gelhan haben soll, daß jemand, der sich erschossen hätte, fortgebracht werden solle. Da nun das fragliche Revier thatsächlich zu Schildhorn gehört, so wollte der Amtsvorsteher »die Krankenbahr« zum Transport eines Tobten nicht hergeben. Erst, «achdcin sich der„Jrrthum" aufgeklärt, wurde die Bahre aus gehändigt. Man sollte eigentlich denken, daß i» einem zivilisirten Staat und in der Nähe einer Millionenstadt eine öffentliche Hilfe keiftung in keinem Falle durch KoinpeUnzfragen aufgehalten werden Könnte. Eine Masern- Epidemie ist laut Bekanntmachung des Lank lathsamts des Kreises Teltow in dem Vorort Lankwitz aus> gebrochen. Ein GefangriirntranSport von 800 Mann traf am Mitt- woch um ls Uhr b9 Ntiuuleu nachts von Köln in Spandau ein. Er war begleitet von fünf Gesangenenausseheru und einem Militär komniando des öS. Jusanterieregiineiits, beflehend aus einem Feldl webet und sechs Mann mit scharf geladenen Gewehre». Die Ge> faugenen, je zivei aueiiiander gefesselt, befände» sich auf dem Transport nach Ostpreuße», wo sie in mehreren Elrasanstalte» unter> gebracht werden sollen, weil das Gefängniß in Köln überfüllt ist. Auf dem Bahnhof in Spandau erhielte» sie Kaffee und Bulterbrot. / (NeLichks-33eiktmg. Die deutsche Justiz gegen deutsche Arbeiter. Wohl in Erinnerung a» die Worte des Kaiser? in Viele seid:„schwerste Strafen demjenigen, der seinen Rachbar an frinvilliger Arbeit hindert" verhängte gestern die 134. Abtheilung am Amtsgericht I «ach dem Antrage bei Staatsanwalts eine empfindliche Strafe gegen den Rohranschläger Karl Lanka«. Auf einem Neubau in der Lychenerstraße war der Angeklagte als Slnfchläger beschäftigt; er feiert« den 1. Mai d. I. in der tiblichen Weise. Ein Theil der Bauarbeiter hatte sich aber an jenem Tage zur Arbeit auf dem Baue«ingefunden. AIS heftigster Gegner seiner Ansichten trat ihm sein Kolleg« Papke entgegen, mit dem er gemeinsam die Anschlagarbeiten besorgt hatte. Letzterer lachte den Angeklagten aus. und dieseS Benehmen versetzt« ihn so m Wulh, daß Lanka» schließlich eine Klamotte nahm ind nach Papke warf. Durch einen Seitensprung ver- jütete Papke eine Verletzung, doch gleich darauf traf ihn in zweiter Stein am Arme. Um weiteren Mißhandlungen »orznbeugen, wurde Polizei geholt und der Lanka» sistirt. ver Staatsanwalt beantragt« 1 Jahr Gefängniß und sofortig« Verhaftung deS Angeklagten mit der Begründung, daß derartig» liohheilen sireng geahndet und die Personen, welcht arbeiten wollen und mit Gewalt daran verhindert werden sollen. energisch in Schutz genommen werden müffen. Diesen Ausführungen schloß sich der Gerichtshof an, erkannte nach dem Antrage und ließ den Angeklagten sogleich ins Untersuchungsgefängniß abführen. Man vergleiche mit diesem harten Urlheil die milden Geldstrafen, welche hiesige Gericht« oft gegen„gebildete" Studenten verhängen, die sich rüpelhaft benommen haben. Uulantercr Wettbewerb. Bor der VII. Kammer für Handels- fachen des Landgerichts I wurde nach dem„Konfektionär" in einer Sache verhandelt, wodurch der Mißbrauch, der mit den, Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb ge- trieben wird, in das hellste Licht gestellt wurde. Die Klage batte folgend» Unterlage: Die Firma „Hamburger Engros-Lager A. Jandorff u. Co.", Sptttelmarkt 15/17, hatte von drei großen Häusern Strohhüte für Damen unter der Bezeichuung„Manillahüte" gekauft und einen derartigen Hut im Schaufenster ausgestellt, den sie mit einer kleinen Tasel mit der Auf schrist„Manilla" versehen hatte. Der Strohhutsabrikant Franz Kriege! nahm an diesem Plakat Anstoß, zumal viele seiner Kunden ihn auf die billigen Preise bei Jandorff u. Co. hin wiesen. Um die Firma Jandorff u. Co. festzunageln, wurde ein bekanntes Manöver ausgeführt. Die Ehefrau Kriege!» welche in dem Jandorff'schen Geschäft unbekannt war, begab sich dorthin und kauft« einen Hut, zu dem man ihr auf ihren Wunsch,— da sie ihn für«ine auswärtige Be» kannte besorgen solle— eine Nota mitgab, auf welcher der Hut als„Manillahut" bezeichnet war. Jetzt glaubte man den Beweis in Händen zu haben, daß die Firma sich de? unlauteren Wettbewerbes schuldig gemacht habe. Es wurde Klage er- hoben. Im Termin beantragte der Vertreter des Klägers, Rechts- anmalt Raphael, dem Beklagten die Ankündigung der Hüte»IS „Manillahüte" zu untersagen, da es lhatsächltch solche nicht seien. Ein echter Manillahut könne für den ausgeworfenen Preis garnicht geliefert werde», dies könne das Publikum aber nicht wissen. Es lause dorthin, wo es billig sei, die reelle Konkurrenz werde aber dadurch geschädigt. Für die beklagte Firma trat Rechtsanwalt Dr. Mendel ein. Er führte aus, daß die Klage aus thatsächlichenund recht- lichen Gründe» aus Kosten des Klägers zurückgewiesen werden müsse. Die von dem Beklagten verkauften Hüte seien weit und breit als „Manillahüte" bekannt. Es sei eine Kollektivbezeichnung sür eine bestimmte Sorte von Strohhüten. Wem falle es wohl ein, zu glauben, daß eine„Wiener Wurst" oder„Kasseler Rippespeer" aus Wien bezw. Kassel kommen müsse. Ferner komme es bei einem Verstoß egen das Wettbeiverbungsgesetz einzig und allein auf den Inhalt des akats an; all« Vorgänge im Laden seien gleichgiltig. Die Bezeichnung Manilla" sei keine Angabe thatsüchlicher Art und nicht den Anschein eineS besonders günstigen An- erwecken. Endlich seien nach s 1, Absatz 5 des alle handelsüblichen geographischen Bezeichnungen nicht gegen das Gebrauchsmustergesetz verstoßen, jedem gestattet. Ter Gerichtshof schloß sich diesen Aus an und lehnte jede Beweisführung in der Sache ab. Das Gericht erkannte dahin, daß der Kläger mrt seiner Klage ab- zuweise» und ihm sämmtlich« Kosten des Rechtsstreites aufzuerlegen seien. Der Bürgermeister Plaschke auS Strausberg, der anfangs dieses Jahres wegen Verdachts, sich in sittlicher Beziehung gegen sein Kindermädchen vergangen zu haben, verhaftet, dann aber von der 2. Strafkammer des Landgerichts ll freigefprcchen wurde, nunmehr im Disziplinarverfahren wegen seines Verhallens z Verantwortung gezogen worden. In nächster Zeit findet vor dem Bezirksausschüsse zu Potsdam die Verhandlung statt. Der Angeklagte wirb wie im Strafverfahren vom Rechtsanwalt Dr. Schwindt ver- theidigt werden. Herr b. Miquel hat der Stadt Berlin gegenüber eine empfindliche Niederlage erlitten. Bekanntlich sind durch königliche Verordnung für Berlin und etliche ander« Städte Gebühren für die Ertheilung von Baukonsensen in außerordentlicher Höh««ingeführt worden. In einem Prozeß, den dieserhalb die Stadt Berlin gegen die Polizei geführt hat, hat sich, wie die„Freis. Ztg." mittheilt, das OberverwaltungSgericht auf den vom Oberbürgermeister Zelle wieder- holt im Herreuhanse vertretenen Standpunkt gestellt. Danach ist die Erhebung dieser Gebühren aus grund königlicher Verordnung, ohne Besetz, verfassungswidrig. Aus der herrlichste» der Welte«. Zwei KindeSmörderinuen standen gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I. Zunächst wurde gegen die unverehelichte Arbeiterin Anna Sch. verhandelt. Sie wurde, da die Geschworenen ihr mildernde Umstände zubilligten. zu einer Gefängnißstrafe von drei Jahre» verurtheilt. Bei der zweite» Angeklagten, der Echürzennäherin Martha W., waren noch niehr Milderungegründe vorhanden, gegen sie wurde nur auf zwei Jahre Gefängniß erkannt. geeignet. gebot« zu Gesetzes soweit sie Kaufmann fiihrungen Versa uttttlungcn. Ueber 2000 Zimmerer waren am Mittwoch bei Keller, Koppenstraße, versamnielt, um zu der Forderung eineS Stundenlohnes von 60 Pf. Stellung zu nehmen. Einleitend beleuchtete der Ver- trauensmann Fischer die gegenwärtige Situation, wobei er das durch die Urabstimmung gewonnene Material verwandte. An dieser Urabstimmung haben sich V» der in Berlin und Umgegend wohnenden Zimmerer betheiligt, und von diesen haben sich*/« sür die Forderung ausgesprochen. Die Betheiligung kann immerhin als«ine gut« bezeichnet werden, wen» in betracht gezogen wird, daß dieses Verfahren zum ersten Mal angewendet wurde. Im weiteren werden durch die viele» Bemerkungen auf den Fragebogen, die ein sehr lehrreiches Material liefern, die Zustände im Beruf nach jeder Richtung hin beleuchtet. Den längeren interessanten Ausführungen desRedners war noch zu entnehmen, daß derStuudenlohnvondöPf.uud die Sstündige Arbeitszeit allgemein zur Durchführung gelangt ist, sowie daß aus verschiedene» Plätzen bereits jetzt ein Siundenlohn von 60 Pf. bezahlt wird. Nach einer sehr regen Diskuflion, an der sich Hecht, Obst, Petzold, Ernst, Döhring, Schwerenski, Pete reit, Hinz und andere bei heiligten und nachdem mehrere Anträge, in welchen eine bestimmte Zeit für den Eintritt in die Be weguua festgesetzt war, abgelehnt wurden, gelangte folgende, von der Loyiikomnilsston vorgeschlagene Resolution zur Annahme: „In Erwägung, daß»eben der neunstündigen Arbeitszeit ein Stundenlohn von 60 Pf. den örtlichen Verhältuisseii nicht nur ent- spricht, sonder» zur Erhaltung einer Familie unbedingt nothwendig ist. zumal oft noch längere Arbeitslosigkeit die Einnahme be- deutend schmälert und die Arbeitsgelegenheit für Zimmerer durch die neu« Bauart immer fetlener wird, beschließt die Versammlung ebenfalls für die Erreichung dieses Lohn- satzes einzutreten; sie beauftragt die Lohnkommissiou, diesen Beschluß den Arbeitgeber» unverzüglich zu unterbreite». DeS weiteren beschließt die Versammlung: vom Montag, den 28. Juni, ab be- trägt der Beitrag zum Agitatious- und Uuterstützungsfonds bis auf weiteres SO Pf. pro Woche, kann aber bei einem eventuellen Streik nach Lag« der Sache erhöht werden. Di« Versammlung beschließt ferner: Die Sammelkarten und Organtsationsdücher müssen bis zum 15. Juli der Lohnkommissto» zum Abstempeln und Emtragen der Marken vorgelegt werden." Einer herben KrilU wurden die Zustände bei dem Hof» und Rathszimmermeifter Kraus« unterzogen. Wie angeführt wurde, sind dieser Firma auf ein sehr niederes Angebot die Abrißarbette» der Fischerei-Ausstellung übertragen worden. Wie es Icheint, haben die Arbeiter darunter zu leiden. Es wird behauptet, daß bei dieser lebensgefährlichen Arbeit ganz primitiv« Rüstungen benutzt werden, die keiuesweg» den Vorschriften entsprechen. Im weiteren wird über die BeHandlungsweise von feiten des PolierS Nagel Klag« geführt. Die daselbst beschäftigten Zimmerer werden in den»ächsten Tagen Stellung uehmen, um dies« Mißstände zu beseitigen. )k*fe«it(r-glUuna*r4|ttU. au«•tbltothtt tu bn Aordschule- «ruunenstr. u, tft fite M RttolKbrc a» s»le«i>dm Sogen gtfffntl:«onn» iug«,■ennUM-at»O» io-u,».teuftug» im» tzreteaa».«t«aM|i Ms 10 Uhr. Milglttdib-ürage werden �an dielen Tag«« in dn Vordschule mtgegen genommen, ebenso ,n folgenden Lahlstellen: L l «qonlng,«öpntclerstr. Reut, Barntmstr.«! Bablel. gioremhalectc 67. ffllclnert, Müll-rstr.?»: Burghause, Putbusery,..»»! BUnlenteld, Llexhanstr.�»9. Werner, Bülowstrahe 69;(Stube, Martendorserslraße 6, Nablet, Zrmtsrsrraß- 1. �Alle�nsWnm �flnd"an den«orsttz-nden P-ul �«lan- leusl-lftr. tes,«eldsendungen an den»asstrer H. König». L. Dlesssnbachstr. so, ju rblll(> Berlln» und Umgegend, vorghender Ad. Neumann. Brunnenslr. iso. Alle Ae»der»»g«n tm BerelnSkalender g»d zu richte» an Frledrlih Nor tu in, Mauteuftelltr.««, r>.» Tr..... m„. Kund b«r g-setttg-n Arbritcroer-in» K»»tii>« und der A>ua«s»nb. Bor sitzender O.«ent, Dreidenerstr. iot/ios. Alle Zulchrtsle», ds««eremStalender belresiend, sind an H. B endir. Alerandrtnenstrah- wo, ,u rtchten. Ztev»i»«r. Kaucherbund Kerttn» und der R'ngegenb. Aenderungen tm BeretnSlalender sind zu richten an Hermann Braunschwetg, Dresdener» Prioat-�Ä«at»«v«r»w„Lre«r»ndo". Heute, abends« Uhr, Ltntenstr.?»! S'8lJi«rbo»b deutscher Kui>fts»«erde-Z»tch«»r.(Lwetgveretn Berlin.) Heute, abend»» Uhr. im L«lal.»ngltscher Hof". Neue Siobstr. Z: Sitzung. Briefkasten der Redaklion. F.«. Die Eisenbahnfahrt Kopenhagen-Stockholm stellt sich aus 44 M. wenn Sie«in lombimttes Billet dritter Klasse kaufen. Ein solch-S Billet können St« an einer hiesigen Fahrkarten- Ausgabestell«, j. B. Bahnhot AlttlMderplatz, bestelle«._ Wittebuugtzlibersscht dam 24, Juni>897. Swinemünde Hamburg. Berlin., Wiesbad««. München e Wien... Haparanda, Petersburg. Cork.., Aberdeen.. Pari»... Weiier-Prsguose für Freitag, Vorwiegend heiter und Winden und etwas Neigung wolkenlos wolkenlos heiter wolkenlos wolkenlos wolkenlos wollenlos wolkenlos 22 de« SS. Ju«i»807. *■' südlichen sehr ivarm bei schwache« zur Gewitterbildung. Berliner Wetterbureau. Deiitsclrcl' Holzarbeiter-Verband. SO: (Zahlstelle Berlin.) Heute Freitag, 25. Juni, abends 8V> Uhr, bei Colin, Beuthst». Sitzung der Ortsverwaltung. ms/i MT Nur Vo�chkreng!"MW Der Verband hat eine Anzahl Billets von der Sterilwarte Treptow zu einem Vortrag über Sternkunde und zur Besichtigung der Himmelskörper durch da« Riefen-Fernrohr cnwommen. Der Vortrag findet Mittwoch, de» 30. Juni, adend» 8 Uhr. m der Sternwarte Treptow statt. BMets ä 76 Pf. sind ans folgenden Zahlstellen zu haben: Nr. 4 Nuppinerstr. 42 bei Rosstn: Nr. 10 Blumenstr. 38 bei Tcheer; Nr. II Müllerstr. 7a bei Alemert; Nr. 13(Sriitiauerfit. 3 bei Golz; Nr. 23 Framsurter Allee 90 bei Zabel; Nr. 17 Dicflcnbachstt. 31 bei«Laube; Nr.« Lülowstr. b» bei Werner; Nr. d«»ulntftraße 16 bei Beelitz(Bodenleger); sowie im ArbettSnachwetS, �"�Die Bettraasammler dieser Zahlstellen werden ersucht, die BilletS heut« Abend in der BorstandSsitzung in Empfang zu nehmen. Montag, de»»8. Juni 1807, abendS 8 Uhr. tm vorftiidtifche» Kasino, Ackcrftrasje 144: Snsnvkvn-Versammlung - der Modell- und Fabriktischler. TageS-Ordnung: 1. Bortrag. Referent Kollege C»I»l«n«eZe. 2. Dtskusston. 1. Ler- bands- und Werkstattangelegenheite». Branche der Einsetzer« Tonntag. 27. Juni, vormittag» 11 Uhr, bei«rosse, Unnenstr. 16: 8W Vor Sammlung"Wi Tagesordnung: Die OrganisattonSfrage. Die Kommlsflonönlitglieder werden ersucht, sämmtlich zur Stelle zu sei». Zahlreiches Erscheinen erwattet VI« OrtitvcrwaUnng;. Fach», der Musikinstrumentett-Arbeiter. Sonnabend, den 26. Juni, abends 8'/, Uhr, Iva leokal dea Herrn Helfer, Oranlenietraaae Bio. 61 („Oranlcnhallcn"): General-Versammlung. TageS-Ordnung: • 1. ErgänzungSwahl des Vorstandes. 2. Di« Einführung de» OrganS der lokalorgantsttten Bewerkschasten. 3. Vereinsangelegenheiten. Auftiahme neuer Mitglieder.— LHT' Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Miiglieder erforderltch l 142/18 Der Vor»t«nd. Wtkdxldr Verein. Sonnabend, den L6. Juni, abendS 8'/, Uhr, Melchiorstraft« 16: WM" Versammlung."WW Tages-Ordnung: Vercinsangelegenheitev und Ausgabe der Billets zu der aur 18. Juli stattfindenden Dampferpartie,_ De» Vorstand. Achtung, Bauarbeiterl Tonnta g. den S7. Juni/ vormittag» iL Uhr, im Lokal des Herr» Flacher, Beusselstrafte 9/10 t Oeff entliche Versammlung der Bauarbeiter Berlins und Umgeg. Tages-Ordnung: 1. Agitation und Organisation. 2. Dislussion. S. Berschtedene».— Um rege Bethelltgung ersucht 30/11 Der vertrnnenaniiuin. Sehäfte-Branclie. Montag, den 28. Juni, abends 8Vi Uhr, Roienthalrrstrafte S7: WM yersammlung."WW Tages-Ordnung: Bortrag deS Genossen«cor« Wnenar. Mtims! gjjjjenii Achtmlg! Um Sonntag, de» 27. Juni, nachmittags 2 Uhr, im Lokale des Herrn«oheer tWilbelmsgarten): Grotze öffentliche Verfamiulung aller in der Färberei und Appretur beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: 1. Der internationale Textilarbeiter» Kongreß und seine Bedeutung. Referent Karl Hübsch. 2. DtSkusfion. 3. Wahl eines Telegirlen zum Kongreß. 4. Verschiedenes.— HM- Das Erscheinen eines jede» Arbeiters und seder«rbeiterw der Firma*8. Sptudler iß Ehrenpfsiam Der«tndernfrr. Nur den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theakev. Freitag, den 25. Juni. Neues kgl. Operntheater(Kroll). Die Boheme. Berliner,'s Ju»gfer»gift. Lessing. Die Geisha. Schiller. Mit Vergnügen. Westen. Der Wildschütz. Neues. Marcelle. Friedrich. Wilhel,»städtisches. Lehmann s Kriegs-Abenteuer im Orient. Residenz. Der Unterpräfelt. Borher: Musotte II. Akt. Belle-Alliance. Spezialitäten. Alexauderplah. Verkäuflicher Werth. Ostend. Unsere Reichspost. Volks. Von Stufe zu Stufe. Apollo. Venus aus Erden. Passagc-Panoptikum. Die Kinder der Wüste. Siftillev-TTzetttev ( wallner-TIicater). Freitag, abends 8 Uhr: Mit Ver gnügen. Sonnabend, abends 8 Uhr: Onkel Brasig Ostend-Theater. Gr. Frankfurtcrflr.lZL. Dir. Großer durchschlagender Erfolg. M Anfang 8 Uhr. Im Garten: Spezialitäten 1. Ranges, Theater. U.a.: Iliix« ScImlsE. Auf. 6 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend: I. grosses Sommer- nachtSfest. W. Hoack's Theater Bvnnuen- Strasse 16. Täglich- Theater- u. Spezialitäten- Vorstellung. Berliner Wascherinadel. Burleske mit Gesang und Tanz von W. Gericke. Großer Beifall! Großer Beifall! Neu: Die Zirkltssee. Neu: Operette in 1 Akt von E. Felsch. Musik von Fritz Bafelt. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag im Saales Grosser Ball.'W Schweizer Garten Am Königsthor u. Frledrlohshaln. Täglich- Theater- a. Spezlalit&ten- Vorstellang. Volksbelustigungen aller Art. Im Saale: Ball. tztra-wM»,. Soiiimerfest des Vereins der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- und Kravattenbranche.— Anfang 5 Uhr Entree 30 Pf. Billets vorher in den Handlungen. Im Juli sind noch 2 Sonnabende an Vereine zu vergeben._ Vandeville-Tbeater Schönhauser Allee 148, Ka st anien- Allee S7-SS. Tllgllch: MamMM an Dord. Komische Operette in 1 Akt. Ai»£lia Bland, VerwandlimgS- Sonbrctte. Paul Petras, Gentl. Jongleur. IMnrtlnlns, Gefangs- «, Tanz-Duettisten. Barbnrlna, Ballet-Ensemble. Sfizzi Braun, Kostüm-Soubrette. Gebr. Harry und William Imtonre, Piccolo- Theater. Geschw. Morls, die Planeten d. Lust. Arthur Martin, Humorist, l-lttle Charles, Lawinensturz. Mctzelty Troupe, Miniatur-Akrobaten. Im Saale: Ball. Anfang 4V, Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz SO Pf. Konzertliaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Jnh.H. Pierry. Täglich- Gr. Gartcu-Konzert und Borstellßiug. W Anerkannt bestes Programm. W Täglich- Vielen Anfragen und allseitigen Wünschen entsprechend: Dvv Uanttpenball. Jeden Tag wechselndes Programm. Anfang 8 Uhr.-«utree 30 Pf. _ Passe-partonts gelten._ Urania, Tauben-Strasse 48—49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 60 Pf. Wiffenschaftl. Theater abends 8 Uhr. Jnvalidenstr. 57/82(Lehrter Stadt- Bahnhof): Täglich von 5 Uhr nach- mittags ab bis lv Uhr abends Stern- warte und Mondpanorama. Eintritt 50 Pf. Näheres die Tagesanschläge. Passage- Panoptieum. 30 Kinder der Wüste. Beduinen, Derwische, Schlangenbeschwörer, Beuchtänzerinnen etc. Vorstellung lg, 5, y, 9 Chr. Castan's Panopticum. Hanl Die elektrisch neu! belebten Upill und künstlich "CHI sprechenden Neu! Menschen.� Neu! undhochkomisch! Acden-Branerei FriedrictistiaiD. Heute Freitag: Gr. Militär- Frei-Konzert. Programm unentgeltlich. Volks-Theater 84. Reichenberger> Strasse 84. Abends 8 Uhr: Von Stufe zu Stufe. Lebensbild mit Gesang in 5 Bildern von Dr. Hugo Müller. Musil von R. B i a l. Bor der Vorstellung von KV, Uhr ab: Garte»-Konzert. Entree 30 Ps. bis 3 M. Morgen: Höllenqualen, Bädeker und Fest der Handwerker._ Viktoria-Brauerei (Garten resp. Saal) Idltzow- Strasse 111/112 nahe Potsdamer Platz. Heute sowie täglich: Stettiner Sänger (Meysel, Pietro, Britto», Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Neues Programm: U. a. Kill vtrglliigttt Wahttllg. Ensemble von Meysel. Anfang 8 Uhr. Enttee 60 Pf. Billets k 40 Pf. und Familten- Billets k 1 Mark(für 3 Personen giltig) sind nur in den Vorverkaufs- stellen zu haben.(Siehe Plakate.) Apollo-Vdester und Konzert-Garten. Otto Reutter mit seinen aktuellen selbstverfaßten KoupletS. Dm 9 Ohr: Veuus auf Crdeu. Burlesk-phantastische Operette m. Tanz in 1 Akt von Bolten-Bäikers. Musik von Paul Linck«. In Szene gesetzt vom Direktor I. Glück. 0er Kinetograph mit neuer Bilder-Serie. Auftreten hervorragender 8peslall tüten. Kaffenöffnung K1/, Uhr. Konzert 7 Uhr. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. Damen behufs Einführung neuer Klaviermethode verl. Erlemung 12- stündtg uncntgeltl. Oranienstr. 118 I. "■ Ostbahn-Park"■ Rndcrsdorferstr. 71. Am«iiftriner Platz. TUeater- und Spezialitäten-Vorstellung. Garten-Konzert von der 20 Mann starken Hauskapelle unter Leitung des MusikdtrettorS Herrn Otto G lirner. Kaffeeküche 3 bis 6 Uhr.— Volksbelustigungen aller Art. 4 Kegelbahnen. Gute Viere, ausgezeichnete Küche. lkuira»» Wochentags nur 10 Pf. . Sonntags 30 Pf., Kinder 10 Pf. R. Jmbs, ■■ Brauerei-Ausschank der Brauerei Stralau m Oeconomie; Birkholz A Mittag. _ Jeden Sonntag und Donnerstag: DM" Theater- und Spezlallttten-Vorstellung.-WM Garten-Konzert der 20 Hann starken Hauskapelle. Im Saale; Grosser Ball bei gänzlich freiem Entree. Sport- und Ruderboote in gr. Auswahl stehen zur Verfügung. Kaffeeküche v. 8—7 Uhr. Volksbelustigungen jeder Art. DM- 2 verdeckte Kegelbahnen."96 Oute Biere, ausgezeichnete Küche zu soliden Preisen. Birkholz& Mittag. Dentscber Metallarbeiter-Verband (Verwaltungsstelle Berlin). An unsere Nettwntngxerssne« und Mitglieder! Kollegen! Zwei große Versammlungen der Vertrauenspersonen des Nordens und Südens haben sich damit einverstanden erklärt, daß die Vertrauenspersonen die von ihnen benöthigten Zeitungen in einer der unten angeführten Zahlstelle» da es zur Zeit unmöglich ist, den Versand anders regeln zu können. Wir bitten die Kollegen, im Bureau unverzüglich anzugeben, wieviel Zeitungen die Kollegen gebrauchen, und von welcher Zahlstelle fie dieselben abzuholen gedenken. Die Zeitung wird in sämmt- Itchen Zahlstellen Freitag Abend ausgegeben. Horden: Schmoldt, Grenzstr. 4. Jungnick, Vemauerstr. 103. Fischer, Auklamerstr. 34. Schröder, Wiesenstr. 39. S ch a y e r, Brunnenstr. 44. Bergmann, Pasewalkerstr. 3. Hilpert, Badstr. 43. Sommerfeldt, Putbuserstr. 32. R i e d e r, Chauffeestr. 83. Klein, Chausseestr. 71. Herzog, Reinicken- dorferstraße 53. G l e i n e r t, Müllerstr. 7a. Do y s, Müllerstr. 32a. M a t t n e r, Müllerstt. 162a. Immen- dors, Lothringerstr. 67. Görner, Bergstr. 30. ThomaS, Gattenstt. 152. Knappe, Gartenstr. 165. A u g u st i n, Kastanien-Allee 11. Hansen, Danzigerstr. 93. R a m l o w, Schönhauser Allee 135. Brink- mann, Prinzen-Allee 21. Post, Prinzen-Allee 44. Seidel, Gerichtstr. 19. H a s e r l a n d, Bellenuannstr. 87. Lietzke, Schwedterstr. 33. Preuße, Schulstr. 37. Garde, Fennstr. 17. Kerb er, Neue Hochstr. 30. Dieke, Ackerstr. 123. Borchert, Hussitenstr. 18. Osten: P e t i t I e a n, Wrangelstr. 4. Erbe, Cuvrvstr. 25. G e f ch e, Wrangelstr. 63. Enz, talckenfteinstr. 7. Friedrich, Eisenbahnftr. 20. KoczorowSkt, Langestr. 65. Friedrich, Brcslauerftt. 27. ch e e r e, Blumenftr. 38. R a t t k e, Krautstr. 48. Z i p p k e, Markusstr. 14. Steuer, Weinstr. 22. A d a vi, Elisabethstr. 10. G e r m e r, Landsbergerstr. 105. Z a b e l, Frankfurter Allee 90. G o rn, Frankfurter Allee 119. Rummelsburg! Burgenger, Kantstr. 44. Friedrichsberg- Lange, Wartenbergstt. 67. Neu- Weisteusee-(Pfeifen)-Müll«r, Königs-Chauffee 38. Süden und Zentrum: Hense, Ecke Prinzen- U. Gitschinerstraße. Schöne mann, Skalitzer- straße 7. Schwarzkopf, Skalitzerstr. 11. Ewald, Schöuleinstr. 6. Z u b e i l, Lindenstr. 106. G o t t s r i e d Schulz, am Kottbuserplatz. S ch m i e b e r, Admiralstr. 21. W ä h l i s ch, Adalbertstr. 4. T e i ch e r t, Adalbert- straße 15. Streit, Naunpnstr. 86. Hämisch, Reichenbergerstr. 118. Müller, Gräfestr. 31. Bathe, Rittcrstr. 32. Pönitz, Brandenburgstr. 54. M a n z e y, Reichenbergerstr. 47. Böhm, Dresdenerstr. 57. P r e u ß, Neue Friedricbftr. 20. Stramm, Ritterstr. 123. Tauchert, Waldemarstr. 16. Schilling, Manteuffelstr. 88. Rixdorf- Preßler, Ziethenstr. 69. Adlershof- S ch u l z e r, Villa Lischitzky. Westen: Lüdtke, Zoffenerstr. 10. Kitzing, Belle-Alliancestr. 74. Werner, Bülowstr. 59. Engel, Alt-Moabit 51. Hermerfchmidt, Beuffelstr. 90. Rowe, Beuffelstr. 62. Fabra, Waldstr. 57. Faber, Stcphanstr. 11. Eharlottenburg: Leder, Bismarckstr. 74. Spandau: Ducksch, Bismarckstr. 6. Schöucbcrg: Obst, Grunewaldstr. 110. PF* Achtung!"HW Heute, Freitag, abeuds 8'/, Uhr, im Lokale von Stabernack, Jnselstr. 10: Vertosttitngs- Sitzung. Die bisherigen Bibliothekare beider Verbände, sowie die neugewählten Bezirksleiter, Stell- Vertreter. Kassirer und Schriftführer, wie auch die bisherigen Branchenvertreter sind hiermit eingeladen. Wir ersuchen die Mitglieder, die ihnen bekannte« Verwaltungsmitglieder auf dieses Inserat aufmerksam zu machen....„ Wir geben den Kollegen noch bekannt, daß die Umschreibung der Mitglieder des Berliner Ver- bände? nur in den Zahlstelle« des ehemalige» Berliner Verbandes vorgenommen werden kann. 122/9 Hie Ortsverivnltung. Sozialdemokratisclicr Wahl- verein für den 6. Berliner Reichstags-Walilkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, Genosse Adolf Kaspar, Restaurateur, am 22. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 27. d. M.. nachmitt. 4 Uhr von der Leichenhalle der Golgatha- Kapelle (Barsusstraße) aus statt. Zahlreichen Besuch erwartet 246/7_ Der Vorstand. Am 22. Juni entschlief nach langen schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater und Bruder, der frühere Maschinenbauer jetzt Gastwirth Moli Kaspar im 48. Lebensjahre. 27526 Dies zeigt tiesbetrübt an Wwe. Antonie Kaspar». Sohn. Berlin, den 24. Juni 1897. Die Beerdigung findet am 27. Juni nachmittags 4 Uhr von der Leichen- Halle des Golgathakirchhofes in der Barsusstraße, statt._ Kiuistl. Zähne in tadelloser Ans- sllhrung v.3M., Plomben v. 2M. an. Schmerzlos. Zahnziehen mitt. Cocain, Clorsthyl, Chloroform und Lachgas unter Leitung eines prakt. Arztes. Bei Bestellung v. künstl. Zähnen Zahn- ziehen, Zahnreinigcn umsonst; Raten- zahlung gestattet, Woche 1 M.* Guckcl. Lausitzer Platz 2, Elsasserstraße 12, Steglitzcrstraße 71. s ophastoffe auch DflT Nestor« in Rips. Damast, Crepe. Phantasie. 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Juni, von nachmittw Rosensee-Terraffe, Ehausseestra >s 4 Uhr an, im Lokal I««v/70- Von der Reise zurück. Hr. Cnrt Frendenberg. Waldemarstr. 22. 27506 8 ReistWr, spottbillig Pfm Bette». KleidungS- , stücke. Remontoiruhren spottbillig Pfandleihe Reanderstr.«. In dem nasskalten Klima ventsehlands billiger und bekömmlicher als Bierl Oswald Nier3 Ungegypste! Kein k. Gemisch, kein Malz, keine sog. schwer. Weine etc., sondern seit 1876 laut Fürst ▼. BUmsrok's Worten;„Natlonslgetränk" Angenehme, leicht trinkbare und debei so sehr stärkende Natur weine ans Weintrauben ▼. 10 Pf. pro Vw L. an,«ow. 1« m. plomb. Orls.-Flaachen v. V«.'/«u. Vi 1» f.Festlichkeit.,Vereine,Krankenhäuserbew.hoh. Rabatt! 67 Centralgescb.(41 in Berlin) und über lOOOFiliaien in Deutschland! Aaef. Preieoonrant nebst Broeohflre gratis und fraaoo. V er sandsLb th e l: nag BERLIN N., No OSWALD NIER__ R. F. Mittelstädt, Berlin N-, Brunnenstr. 152. V> fordert vorzüglich die ller> in Fl. 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Für den Jnseralentheil verauttvorUich: Th.«locke in Berliu. Druck und Verlag von Max Vadiug in Berltu.