Nr. 147. Absmument»• Hedwgunge«: «bonnemenl»-Pre>» pxänumttanbe: Bierteltahrl. 3,30 Mr., monall. 1,10 Mk.. wöchi»Mch 38 Pfg. frei In« Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag«- Nummer mit tlluftrtrter Sonntag»- Beilage.Tie Neue Welt- 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3L0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Pret«ltste für 1SS7 unter Hr. 7437. Unter streu, band für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Mar! pro Monat. 14. Jahrg. Die Zaferttons-Grbilhr beträgt für die fechSgespaltene stolonel- zetle oder deren Raum«0 Pfg., für verein«- und versammlungS-Anzetgen, sowie ArbettSmarst 20 Pfg. Inserat« für dt« nächst« Nummer müssen bi« l Uhr nachmittag» in der Srpedttio» abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bt« 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bt» s Uhr vormittag« geöffnet. Erschein! täglich»uffer Montag«. Vevlinev Volksblakt. Fernsprecher:»mt I, Nr. 1500. Telegramm- Adreffe: „SoiUldemolirat»erlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. N-Mtlirn; SW. 19, ZZ-uIh-Stroß- 2. MmemM-MMG Am l. Juli eröffnen wir ein neues Abonnenient auf den mit der illustrirten Sountags-Beilage „Die neue Welt". Die Aendernngeu, die wir seit dem 1. Januar eingeführt haben, erfreuen sich des lebhaftesten Beifalls unseres Leserkreises, wie schon das fortwährende Steigen unserer Abonnentenzahl beiveist. Unsere Literarische n. Volkswirthschaftliche Rundschau werden allgemein als bedeutungsvolle Bereicherung des In- Halts unseres Blattes angesehen. Durch unsere Nutcrhaltungs-Beilage ist dem Unterhaltungsbedurfniß unserer Leserinnen uild Leser in reichstem Maße Rechnung getragen worden, ohne daß wir darum auf das niedere Niveau des Sensationalismus herabgestiegen wären. Auch in der Unterhaltung soll der Geschmack verfeinert, der Geist erweitert und erhoben werden. Der Roman »» C e p«« i n v" von Richepin, der stch ungewöhnlichen Beifalls erfreut, wird im Laufe des neuen Quartals zu Ende geführt werden. Neue Abonnenten erhalten den bereits erschienenen Theil des Werkes nach- geliefert. Aus politischem Gebiet bereiten sich Ereigniffe von größter Tragweite vor. Ter„Vorwärts" wird nicht blos seinen Leserkreis stets auf dem Lausenden halten, er wird auch allezeit ein furchtloser Führer sein und unerschrocken die Wahr- heit aussprechen. Jetzt, wo die bürgerlichen Parteien sich unfähig gezeigt haben, der frech die Volksrechte bedrohenden Reaktion Halt zn gebieten, ist es Sache der Sozialdemokratie, die bürgerlichen Freiheiten zu vcrtheidigen und die Recht« des Volks zu wahren und zu erweitern. Daß der„Vorwärts" über den Weltangelegenheiten und den deutschen Angelegenheiten auch die Berliner Angelegen- heiten nicht vergißt, das haben wir nicht nöthig denen zu sagen, die den„Vorwärts" lesen. Es giebt kein zweites Blatt, welches das gesammte geistige und öffentliche Leben der Rcichshanptstadt so treu und so vollständig abspiegelt, wie der„Vorwärts". Und wir haben darum ein Recht, von allen, die unser Streben billigen, und namentlich von den Parteigenossen, e s als Pflicht zu verlangen, daß sie für die weiteste Verbreitung des„Vorwärts" thätig sind. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von I Mark I« Pfennige frei inS HanS. Für außerhalb nehmen sämnitliche Postanstalten Abonne- ments zum Preise von 3,3« M. für die Monate Jnli, Aug« st und September entgegen.(Eingetragen in der Post- Zeituugsliste für 1897 unter Nummer 7437.) Redaktion u. Expedition des„Vorwärts". Vre Dekchskttgs-SeNron. Noch einmal ist der Reichstag in allem Frieden auS- einander gegangen. Es hatten sich zwar öfter Konfliktswolken über seinem Haupte zusanimengezogen; wochenlang schien das reinigende Gewitter einer Anslösung und allgemeiner Neu- wählen unvermeidlich. Schließlich blieben die vaterlaudslosen Gesellen aber doch ungestört bei einander. Bekanntlich gaben die Marine pläne den Anstoß zu der kritischen Zuspitzung der Lage— die Neubewaffnung der Artillerie stieß ja auf keinerlei Widerspruch inner- halb der bürgerlichen Parteien. Schon der.Etatsentwnrs hatte in seinen Marineforderungcn alle Fraktionen stutzig gemacht. Ter Zentrumsredner Fritzen hatte„ganz bedeutende Abstriche" für nothwendig erklärt, wenn nicht mit unfehlbarer Gewißheit neue Steuern kommen sollten; das Zentrum wolle nicht mit vollen Segeln in einen Ozean von Flottenplänen hineinstcuern, wo eS schließlich keinen Halt und kein Ende mehr gebe. Der konservative Etatsredne'r v. Leipziger fand die Zunahme des Marine- Etats„ganz bedenklich." Der Natiouallibcrale Dr. Paasche bezeichnete es als„undenkbar", daß in dem Tempo weiter gearbeitet werde, das hier vor- geschlagen wird; die Nationalliberalen würden ebenfalls bereit sein, ernstlich abzustreichen. Anfang Februar fiel dann nach einem Effen bei dem unvermeidlichen Finanzmeister Dr. v. Miqnel aus hohem Munde die Aenßerung, daß das Geforderte nicht nur keine Kürzungen vertrage, sondern noch entfernt nicht ausreiche, Deutschland die ihm gebührende Macht zur See zu erhalten und zu verschaffen. Ansang März schenkte die bekannte Denkschrift der Budgetkommission reinen Wein ein. Der Reichskanzler gestand zwar der„Nieder- schrift" lediglich informatorischen Werth zu, billigte jedoch die in ihr verkündeten Ziele. Natioualliberale und Konservative beeilten sich, sofort einzuschwenken, sodaß man schon Wahlen znr Gewinnung einer Flottcnkartellmehrheit herannahen sah. Die Budgetkommission strich trotzdem 12,4 Millionen vom Etatsentwurf, das Plenum hielt die Abstriche ausrecht. Längere Zeit brodelte und gährte es gewaltig in den Kreisen der Schiffsbauer, Rheder und Kolonialinteresscnten, der Welt- Politiker und sonstiger Abenteurer aller Art. Admiral Holl- mann reichte seine Entlassung ein; aus den Kundgebungen der Regierungsspitzen mußte man auf Kampf schließen. Doch die Logik hat für den Gang der deutschen Politik keinerlei Be- dentung. Der Lärm der Flottenenthusiasten beruhigte sich, die Regierung begnügte sich mit ihrem Etat. Ter ganze Erfolg war, daß der Chef der Marineverwaltung und mit ihm ein gut Stuck des Ansehens der„einheitlichen" Regierung über Bord ging. Freilich, Hollmann geht und Tirpitz kommt. Man ist dem Konsiikt nur vorläufig ausgewichen, auf ihn e»d- giltig verzichtet hat man, wie die letzten Ereignisse beweisen, durchaus nicht. Zunächst hat die leidlich feste Haltung deS Reichstages wenigstens bewirkt, daß die R e i ch s s i n a n z e n bei dem infolge des gulen Geschäftsganges sortdauernd hohen Ertrag der Bcrbranchsstcuern und Posteinnahmen sich auch weiter noch günstig gestalten. Allerdings sind die Beziehungen zwischen Reichs- und Einzelftaats-Finanzen durch die letzte vom Zentrum gebilligte Regelung noch verwickelter und unÜbersicht- lichcr geworden wie je vorher. Auch das Etatsrccht des Reichstages ist nicht so gut gefahren wie bei der ersten lex Lieber, von deren konstitutioneller Wichtigkeit das Zentrum so viel Rühmens machte. Unwillkürlich fragt man bei uns am Schlüsse jeder Reichslags-Session, was die A g r a r i e r während der Sitznngs- zeit ans den Taschen der Steuerzahler und Konsumenten für sich herausgeschlagen haben. Die Abgeordneten v. Kardorff und v. Plötz beklagten sich in letzter Stunde noch über die Ergebnißlosigkeit der Session für die Landwirrhschaft;„schlecht weht der Wind, der keinen Vortheil bringt," denken unsere Agrarier in ihrer angeborenen und anerzogenen Bescheidenheit. Waren ihre früheren Reden sidoch ernst gemeint, so müßten sie jetzt die Erledigung des Margarine gesetzcs als einen großen Fortschritt für unsere Milchproduktion und Laudwirth- schaft im allgemeinen preisen. Sind ihnen schon Be- denken aufgestiegen? Wir nicinen allerdings auch, daß gerade hier der gläubigen bäuerlichen Gefolgschaft unserer Agrarier eine schwere Enttäuschung bevorsteht. Das Kompromiß, mit dem sich die Regierung durch Herrn v. Bötticher einverstanden erklärte, lief darauf hinaus, für den Kleinhandel in Orten mit weniger wie öOQO Einwohnern keine getrennten Verkaufsräume zu verlangen— und den Znsatz, an dem man Margarine und Piargariuckäse er- kennen soll, der Bundesraths- Verordnung zu überlassen, und zwar mit der Einschränkung, daß dadurch„Beschaffenheit und Farbe" der Margarine nicht geschädigt werden dürfen. Damit ist der Wettbewerb zwischen Margarine und Bulter wesentlich zu einer Frage der Kapitalskraft der Be theiligten gemacht, und allein Anschein nach wird es den Margarine- Millionären und-Aktiengesellschaften leicht werden, besondere Verkaufsräume für ihre Maare selber zu gründen oder die Krämer und Fleischer mit fetten Prozenten zur alleinigen Führung von Margarine zu überreden, während die ärmeren Molkereien und gar die armen Privatproduzenten von Butter hier viel hilfloser sind. Natürlich hat man auch dem gewerblichen Mittel- st a n d eine neue Tonne zum Spielen vorgeworfen, während ihm die Großindustrie weiter ihre tödtlichen Harpunen in den Leib treibt. Die künstlich« Beförderung der I n n u n g s- b i l d u n g— die wir hier nur kurz zu streifen brauchen, weil ihre Berathnng die letzten Verhandlungen aus füllte— wird wohl den Arbeitern manche Hemmnisse in der unabhängigen gewerblichen Rechtsprechung, im Arbeits- Nachweis und Hcrbergswesen und noch in mancher anderen Beziehung bereiten. DaS Handwerk selber wird dadurch in seinem Wettkamps mit dem Großkapital um nichts besser dastehen. Wohl aber kann es de» Züuftlern sehr leicht passircn, daß sie in ihren eigenen Organisationen öfter zu einer nichtssagenden Minorität herabgedrückl werden, wenn erst alle Kleingewerbetreibenden, die ihnen bisher feindlich gegenüberstanden, zwangsweise in die Innungen hinein- getrieben sind. Für die Arbeiter war natürlich bei dem neuesten Kurse der inneren Politik wenig zu erreichen. Selbst die Vor- läge über die K o n f e k t i o n s industrie, lange schon vorbereitet durch die Enquete der arbeitsstatistischen Kommission und durch Resolutionen des Reichstages selber, ist unerledigt geblieben. Die mehrtägige Debatte über den Achtstundentag förderte zwar manche platonische Liebeserklärung für Arbeiterschntz im allgemeinen zu tage, lief jedoch schließlich, infolge der jämmer- lichen Haltung des Zentrums unter der Führung des Frei- Herrn v. Hertling, in eine klägliche Resolution aus. Man muß unter solchen Umständen noch froh sein, daß der Ansturm auf die Bäckereiverordnung mißglückt ist, wenigstens bisher. Die einzige Arbeiterschaft, der sich die Sonne des Erfolges zu- neigte, waren die Handlungsgehilfen. Bei Gelegenheit der Reform des Handels-Gesetzbuches haben sie, weil Expedition: LV. lS. Nettty-Str.che 3. alle bürgerlichen Parteien auf diese Wählerschaft Rücksicht nehmen müssen, besonders jedoch infolge der energischen Wahr> nehmung ihrer Interessen durch die sozialdemokratische Fraktion» die Erfüllung mancher längstgehegten Wünsche erreicht. Daß auch die Besoldungsaufbesserung der Beamten in letzter Stunde noch zur Annahme kam, dürfen wir in diesem Zusammenhange wohl mit erwähnen. Dagegen ist die Reform der Unfall Versicherung nach der Kommissionsberathung stecken geblieben. Die Invaliden- gesetz-Novclle hat es zu einer Kommissionsberathung überhaupt nicht gebracht. Hier stehen für die nächste Session noch wichtige Auseinandersetzungen bevor; die Arbeiter werden gut thnn, beide Fragen nicht aus dem Auge zu verlieren. Die Wahlen rücken immer näher heran, man kann die Wünsche der großen Wählerniasscn nicht so leicht bei Seite schieben. Das schließlich angenommene Auswanderungs» geseh entbehrt wenigstens der Ausnahme- Bestimniungen gegen die auswauderungslustigen Laudarbeiter, die man früher plante und die unsere Junker auch jetzt wieder vertreten. Die Erhöhung der D a m p s e r s u b v e n t i o n für Ostasien blieb in der Schwebe. Als ein besonderes Mißgeschick scheint es hier und da empfunden zn werden, daß diejenige Vorlage scheiterte, um derenwillen der Reichstag im vorigen Sommer vertagt wurde. Wir bedauern den schließlicheu Ausgang in keiner Weise. Die Regierung wollte die Einführung der Berufung gegen die Urthcile der Strafkammern wett machen durch eine Verschlechterung des Vorverfahrens, der Beweiserhebung, der Strafkainmerbesetzung und-Entscheidung, des Wiederaufnahme- Verfahrens; sie wollte auch dem Staatsanwalt das Recht der Berufung einräumen, so daß die Lage des Angeklagten sich in vielen Beziehungen verschlechtert hätte. Für diesen Tausch fand sich glücklicherweise keine Majorität. Die Angelegenheit ging somit nach so viel Arbeit in den Kommissionen und im Plenum aus wie das Hornberger Schießen. Sie ist damit jedoch wahrhastig nicht ans der Welt, denn die Einführung der Berufung ist eine so allgemeine Forderung geworden, daß ihre Erfüllung von der Gewährung von Gegcnkonzessionen dauernd nicht abhängig gemacht werden kann. Warten wir es also ruhig ab! Im großen und ganzen kann man dem Reichstag für di« letzte Tagung wohl nachsagen, daß er weder im guten noch im schlimmen Besonderes geleistet habe, und auch das ist unter Um- ständen ein Lob. Jedenfalls hat er gegenüber einer zerfahrenen, von einem Extrem zum anderen taumelnden Regierung eine gewisse Stetigkeit seiner Politik bewahrt, und das ist in Deutschland und vollends heute schon etwas Anßergewöhn- liches. Jede Illusion, daß wir sobald zn einem ausschlag- gebenden Faklor im Reiche heranwachsen könnten, liegt un< fern. Um so mehr wünschen wir, daiß die bürgerlichen Oppositionsparteien an ruhiger Entschiedenheit und an Kraft« bewußtsein gewinnen möchten, was Junker und Schlotbarone trotz alles anmaßlichen Auftretens an Sicherheit verlieren. Die Debatten über Majestätsbeleidigung und über Vereins- und Versammlungsrecht haben gezeigt, daß schließlich auch die Geduld des geduldigsten Bürger? nicht unerschütterlich ist. Möge er durch die Schneidigkeit unserer Regierenden und die Begehrlichkeit unserer Junker weiter zu größerer politischer Selbständigkeit aufgepeitscht werden! Dann wird die Auflösung im nächsten Frühjahr für die Oppo- silio» eine gute Ernte geben. Volikifche Aebvvfichk« Berlin, 26. Juni. TnS preußische Herrenhans, das einzige Parlament, das zur Zeil noch lagt, eiledigle heute nur Rechmiiigssacheu»nd kleiner« Vorlagen, darunter de» Gesetzentwurf betr. das VerwaltungS- Strafverfahren bei Zuwiderhandlunge» gegen die Zollgcsetze, und den vom Abgeordneteiihause in veränderter Fassung»»rückgelangten Entwurf einer Landgemeinde. Ordnung sür Hessen-Nassau. Die Vor- läge betreffend die Verpflichtung der Gemeinden in den Landkreisen der Provinzen Hessen-Nassau und Schlesien znr Bullcnhaltuna wurd« an die Kommissio» zurückverwiesen. Der Antrag des Grafen von Frankenberg, wonach den Provinzen in Znkunst nur unter der Bedingung neue Lasten und Pflichten vom Staate aufzubürden sind, daß ihnen dafür entsprechende Dotationen aus der StaatSkaffe über- wiesen werden, und wonach serner ein festzusetzender Theil der Ueberschüsse der Staatskasse jährlich den Provinzen zufließen soll. ging nacl, längerer Debatte, in welcher sich u. a. Finanzminister Dr. v. Miqnel gegen den Antrag erklärte, nochmals an die Finanz- komniisfion. Am Montag fleht außer kleineren Vorlagen daS Handels« t a m in e r g e s e tz ans der Tagesordnung.— Tie Natiottalliberalen und das Vereinsgesetz. Gegen- Über den im Herreuhans und am Ministertische ausgesprochenen Hoffnungen, daß doch noch eine Anzahl nationalliberalcr Abgeordneten des Abgeordueteuhauses„umfallen" werden, giebt die„Natioualliberale Korrespondenz" folgende Erklärung ab: „Auf einstimmigen Beschluß der Fraktion ist di« Erklärung des Abg. Hobrecht erfolgt, daß die nationalliberal« Fraktion des Abgeordnetenhanseö die Koinmissionssassung sür ein« nützliche Korrektur des Vereinsrechls hält; daß sie der Ueber- zeugung war, die Regierung und die konservative Partei im Herrenhaus« bandelten richtig, diese Fassung unverändert anzu» nehmen; dah die Fraktion jede Znmuthung einer weiteren Aen- derung des Vereins- und Versammlungsrechtes zurückweist; daß schließlich auch nicht ein Bruchtheil der Fraktion zu haben ist, sei es sür die Regierungsvorlag«, sei es im Ein«« der Slntvflflc. wie sie im Abgeordnetenhaufe ge> steflt waren. Entsprechend der biehcrigen Hnllung werden anch für die Zukunft alle Spekulationen, einzetne Mit- g lieber der Fraktion zu einer anderen Stellung- u a h m e z u v e r a n l a s s e n, s i ch als müßig erweisen. Die Erklärung der Fraktion ist aber auch wesentlich in der auch ausgesprochenen Absicht abgegeben worden, eine überflüssige Ber- längerung der Landtagssession zu vermeiden. Wenn trotzdem dies« weiter fortgesetzt wird, so trägt lediglich die Mehrheit des Herren- Hauses dafür die Verantwortung und die StaatSregierung." Ferner schreibt die„Naiionallib. Korresp."; «Der„Berliner Börsen-Courier" hatte nach der Schluß- abftimmung über die Bereinsgesetz- Novelle behauptet, 14 Mir- glieder der»ationalliberalen Fraktion hatten m der Fraktions- sitzung erklärt, daß sie, falls man so weit gehe, den Rest des Ge- setzesvorschlages zu beseitigen, die freikonservativen Anträge sich aneignen würden. Das hiesige klerikale Organ, die„Germania", deflen politische Bedeutung und Methode zur genüge bekannt ist, nahm diese Unwahrheit auf und„beglaubigte" sie mit gleichlautenden „Gerückiten". Obwohl die„Post", das Organ der Freikonser- valiveu. diese Quellen richtig zu bewerthen im stände sein müßte, sucht es, mit einigen ScheiuNauseln sich den Rückzug deckend, den Anschein zu erwecken, als ob diese Bchauplungen richtig seien. Wir weisen sie daher ausdrücklich in aller Form als völlig aus der Lust gegriffen z u r ü ck." Das klingt recht wacker. Aber wir glauben nicht an die natioualliberale Festigkeit in dieser Frage, bevor nicht die lax Recke endgiltig beseitigt ist.— Stmiirtl ist ein Typ.>8— ein Feudalbaron, dessen Seele in emen modernen Jndustricpascha geschlüpft ist. Der beschränkte Eiesichlskreis des Feudalbarons, der unbeschränkte Egoismus des Jndnstriepaschas— die Menschenvcrachtnng beider vereinigt und potenzirt. Ein solch lebendes Petrefakt ist unzweifolhaft ein Kuriosnm. Und im Reichstag wird Freiherr von Stumm auch als solches betrachtet und ge- schätzt. Der Kontraft zwischen dem kapitalistischen Rechner, der auf wirthschaftlichem Gebiet alles vom Staudpunkt des spekulativen Geschäftsmannes ausfaßt; und dein mittelalterlichen Grand Seigneur, der dem leibeigenen Arbeitsvolk kein anderes Recht zuerkennt, als für ihn zu arbeiten, dieser Kontrast ist so ungewöhnlich, so unnatürlich, daß wir, um uns die Möglich- kcit einer solchen Menschenkombination zu erklären, die ganze Rnckständigkeit der denlschen Staats-Entwickclnng in betracht ziehen müssen, die es zugelassen hat, daß Stucke des krassesten Mittelalters noch in unsere Gegenwart hineinragen. Nehmen wir nur unser Junkerthum, dem sich Freiherr v. Stumm, trotz seiner plebejischem Abkunft, doch in Seelenverwandtschaft eng angeschlossen hat. Freiherr v. Stumm ist aber nicht blos ein Typus, er ist anch ein Barometer. Das Ansehen, dessen er sich in be- stimmten Kreisen erfreut, steht genau im umgekehrten Verhältniß zur Höhe des Bildungsniveaus dieser Kreise. Im Reichstag, dem das allgemeine Wahlgesetz die Strahlen der Kultur zuführt, gilt Herr v. Stumm, wie schon gesagt, als Kuriosnm; er wird nicht ernst genommen, und rangirt etwa eine Stufe über A h l w a r d t, der ja auch ein Kuriosum ist. Im Abgeordnetenhaus, dem das elendeste aller Wahlgesetze die Knlturfenster verhängt, aber doch einige Spalten offen gelassen hat, rangirt Freiherr v. Stumm schon etwas höher im Kurs, jedoch ernsthaft wird er auch da nicht genommen, wie sich neulich bei seiner Kapuzinerrede gegen die Katheder. sozialistcn herausstellte. Zu voller Anerkennung kommt er nur im Herrenhaus— an der Seite der P u t t k a m e r, K l i'n l o w st r ö m und anderer Größen der gleichen Art und Dimension. Petrefakt nnter Petresakten. Dort, in dem Moder und den Spinneweben feudaler Muckcrei, Junkerei und Polizeierei— dort findet er noch suhlende Herzen, und hat Spott uns) Hohn nicht zu befürchten. Nicht? Ach— auch in dieses Haus des Moders und der Spiimeweben ist der unheilige Geist der niodcrnen Kultur eingedrungen und der arme Freiherr v. Stumm hat sich vor- gestern vom„Kollegen� Oberbürgermeister Bender sagen lassen müssen: „Der KommißmuS des Herrn von Stumm, de r jedem alles zumessen will, was er schreiben, denken, urtheilen, sagen darf, ist mir ebenso widerlich wie der Kommunismus der Sozial- d e m o k r a t i e." Das ist bitter. Was soll aus der Welt denn noch werden, wenn nicht einmal das preußische Herrenhaus mehr sicher ist? Da bleibt nur noch das N a t i o n a l m u s e u m übrig. Oder— ein anderer Aufenthaltsort. In den höchsten Rcgierungskreisen des Deutschen Reichs aber spielt Freiherr von Stumm, der selbst für die Herren- Häusler zu— mittelalterlich ist, einstweilen noch die erste Geige. Er ist ein guter Barometer.— Brav Ihr Holländer! Erst die Oesterreicher, dann die Holländer. Eine Depesche auS Amsterdam meldet: T r o e l st r a in drei Wahlkreisen gewählt. Damit sind unsere kühnsten Hoffnungen übertroffen. Die näheren Umstände sind uns noch nicht bekannt. Jedenfalls kann aber Troelstra, dem wir im Geiste die Hand drücken, nur e i n Mandat haben, und muß zwei abgeben. Es stehen demnach zwei weitere Wahlen in Holland bevor, in denen unsere Genossen Aussicht haben. Wer von unseren Genossen in diesen beiden Kreisen als Kandidat aufgestellt wird: van Kol, van derGoes, Vliegen oder ein anderer, das werden wir in den nächsten Tagen erfahren. Günstig ist. das Zahlenverhältniß, und unsere Genossen, aufgemuntert durch die glänzenden Erfolge des gestrigen TageS, werden sicherlich das äußerste aufbieten, um die einmal eroberten Wahlkreise auch zu behaupten. Mag übrigens der Ausgang sein, welcher er wolle: auch in den Holländischen„ G e n e r a l st a a t c n" ist die intcr- nationale Sozialdemokratie nun eingezogen. Die Thatsache ist um so schwerer wiegend, als durch das Gebahren eines thörichten Mannes, der unter der Maske des Sozialismus vor längeren Jahren in die Generalstaaten hineiuschlüpfte, die Sache der internationalen Sozialdemokratie in Holland aeg geschädigt worden war. Dieser Schlag ist nun überwunden, und die internationale Sozialdemokratie hat jetzt freie Bahn in Holland. Ein Hoch den holländischen Genossen! Und gut Glück!— Das Wahlergebniß stellt sich im übrigen wie folgt t Es werden in der neuen Kammer 45 Liberale, 22 Katholiken, 20 orthodoxe Protestanten, 4 Historisch-Christliche, 4 Radikale sitzen. Der frühere Minister Tak v. Poortvliet wurde zweimal gewählt. Der Minister des Innern van Honten unterlag dem Gegenkandidaten. Die antiklerikale Mehrheit be- trägt sechs Sitze, wenn man die Historisch- Christlichen als Klerikale rechnet.— Tie Nachrichleu über die Friedeusverhaudluugcn lauten auZ Athen weniger günstig, denn die Kriegsentschädigung soll nicht weniger als vier Millionen Pfund Sterling beiragen. ES erscheint wahrscheinlich, daß die an den griechischen Finanzen interessirten Mächte die Beaufsichtigung der ganzen öffentlichen Schuld Griechenlands beantragen wer- den. Die Grenzregulirung verlangt die Abtretung eines Landstriche? von zwei Kilomeiern Breite längS der bis- herigen Grenzlinie und eines tvalachischen Weilers. Die Türkei besteht sogar darauf, drei Dörfer mit mohamedani- schen Einwohner» einzuschließen. Lord Salisbnry habe erklärt, daß kein bewohnter Landestheil der Türkei wieder ausgeliefert werden könne, dabei aber keineswegs verhehlt, daß England allein nicht im stände sei, bessere Friedensbedingimgen zu erzielen. Ter Eindruck der Meldungen ist in Athen ein sehr schmerzlicher. Die Regierung hat erklärt, daß ein derartiger Fr, ehe die Existenz des Landes in Frage stelle. M Tentsches Reich. — Protest versa mm langen gegen die Ver- schlechter u ng des Verein sgesetzes werden gemeldet aus Dresden(Referent Genosse Slücklen), Apolda(Genossin Zetkin), Hagen(Dr. Lütgenan), G o s l a r(Adler). — Börsenausfchuß. Der Bnndesrath hat in seiner letzten Sitzung die endgiltige Bildung des BörsenanSschusses vor- genommen, dem nach§ 3 des Böisengesetzes vom 22 Juni 1896 die Begutachtung über die durch dieses Gesetz der Beschlußfassung des Bundesraths überwieseueu Angelegenbeilen obliegt. Der im November v. I. gebildete provisorische Börscnausschuß bestand aus der gesetzlichen Mindestzahl von 30 Mitgliedern. Jetzt ist die Zahl ans 40 erhöht und außerdem für jedes Mitglied ein Stellvertreter ernannt worden. — Zu den bevorstehenden Marineforderunge n schreiben die„Berl. N. Nachr.": „Ein Theil der Blätter hält es für angezeigt, sich bereits gegen- wärtig fortgesetzt mit den im Herbst d. I. zu erwartenden neuen Marineforderungen zu beschäftigen, indem man ans der einen Seite wissen will, daß«ine auf mehrere Jahre berechnete Marinevorlage in der Ausarbeitung begriffen sei, während man ans der anderen Seile annimmt, daß die späteren Forderungen sich nur ans das Etatsjahr 1893/99 erstrecken werden. Alle diese Angaben beruhe» ohne Zweifel aus Verntuthung«», da, wie wir zuverlässig ver- nehmen, die Vorarbeiten für die Aufstellung des nächstjährigen Etatsentwnrss heute noch keniesivegs soweit gediehe» sind, um daraus bestimmte Eutschlüsie zu gründen. Es versteht sich aber wohl von selbst, daß bei der zukünsligen Gestaltung des Murine- Etat? dieForderungen fürdie abgelehnten Kreuzer von nenein erscheinen werden; denn darüber, daß die letzteren nothwendig, ist selbst Herr Lieber nicht im Zweifel ge- wesen. Umsomehr werden die naiiounlgesinnten Elemenle für ihre Bewilligung einzutreten Grund haben." Es wird auch bei den zwei abgelehnte» Kreuzern nicht bleibe». Deß kann man sicher sein.— — Eine Unterdrückung aller polnischen Lebens- ä n ß« ru n g e n ist, wie die„Märkische Bolkszeitung" schreibt, offenbar das Ziel der Regierung; denn anscheinend wollen die Be- Hörden in den Provinzen mit polnischer Bevölkerung von jetzt ab allen polnischen Vereinen die öffentlichen Aufzüge mit Musik«. f. w. verbieten. Dem polnischen Gewerbe- und pol- Nischen Turnvereine in Crone a. d. Brahe, die diesen Sonntag ein gemeinschasiliches Waldsest veranstalten, wurde der öffent- liche Aufzug durch di« Eladl mit Fahnen und Musik verboten. Diesem Vorkommuiß stellt sich ein anderes noch ausfälligeres zur Seite, was aber nicht in Posen, sondern in Rheinland-Westsaleii sich zugetragen hat. Anläßlich der diesjährigen Fronleichnams- Prozession erhielt nämlich der katholische Polenverein zu Horst bei Steele a. Ruhr durch einen Polizeiberniiten die Nachricht der Polizeibehörde zu Königssteele, daß dem Verein das Tragen der Fahne, Degen, Schärpen:c. bei der Prozession inner- halb des Amtes KönigSsteel« bei Vermeidung iinangenehiner Folgen verboten sei. Begründet wurde das Verbot damit, daß für die Provinzen Rheinland und Westfalen de» Polenvereiiien das Führen einer in den polnischen Landessarben ge- baltenen Fahne mit polnischer Inschrift gesetzlich verboten sei. wöls Jahr« lang hat sich der fragliche Verein mit Fahne an der rozession ungebindert betheiligt. Die Vereine wollen sich beschwerde- führend an die Regierung wende». Es scheint wirklich, als ob ein Bazillus das Land erfüllt, der überall Unzufriedenheit erzeugen ivill. Ist das etwa der Segen, der de» Kindern des Denlschen Reiches aus de» Kämpfen und Siegen in viele» Schlachten und dem vergossenen Blute erwachsen soll?— — U e b e r die antisemitische Partei, die stets so un- geheuer viel WcsenS von sich mnchl, giebt Dr. Paul Förster, der, wie mitgetheilt, aus der Reichslagssräktio» dieser Partei ausgeschieden ist, eine nette Charakteristik: „FraktionSsitzniigen sind feit Monaten gar nicht mehr abgehalten worden, früher auch nicht in gelingender Weife. Die beiden Wahle» in Königsberg»nd Wiesbaden sind nicht besprochen, kein Entschluß ist gefaßt worden. Der nächste Parteitag hätte meines Erachtens längst vorbereitet werde» müssen, soll er nicht eine ziemlich belang- lose Zusannnenluiift, wie der in Halle, werde». Dazu hätten denn anch die Dr. Slolp'sche» Sätze mit besprochen werden müssen, die wohl umständlich, aber doch geeignet sind. ii»s ein Stück vorwärts zu bringe». Und gerade in der sozialen Politik fehlt es unS noch an der rechten Stellungnahme und an der rechten R»sleg>i»g»nsereß vorlttnsig brauchbaren, indeß noch nicht ausreichenden ProgrammeS. M i t t e l st a» d n» d Mittel- stand, darauf sitzen wir fest, ohne daß recht ersichtlich wird, was wir wollen und was>vir nicht wollen. Bon dem überaus mangelhaften Besuche des Reichstages auf Seiten»userer Fraktion, von unseren ganz unzureichende» Preß- Verhältnissen will ich nicht weiter reden. Die Folge jenes Besuches und des Mangels an aller Berediing ist, daß die Stellung zu de» wichtigsten Gegenständen dem Belieben des Einzelne» überlasse» bleibt. Und demgemäß wird unsere Bewegung auch im Lande keine rechten Fortschritte machen. Stillstand und Mangel am Leben überall! Oder zu viel Leben, d. h. oberflächlicher Radau mit verbrauchten S ch la g w or t en!" Wie mag das den Herreu Liebermann und Zimniermann gefallen!— — Der„Herr" Kläger und der Kläger. Die „Volks-Ztg." hat folgenden recht interessaiiten Fall anfgegrabe»: Vor uns liegen als besondere Beilage des„ReichSanzeigers" die „Entscheidungen des Reichsgerichts" Nr. 1 vom 24. Juni des Jahres 1897, für Jliriste» von großem Werthe; für den nicht-juristischen Staatsbürger aber besonders lehrreich durch eine Enlscheidnng des sechsten Zivilsenats des Reichsgerichts vom 4. Februar desselben Jahres. Zwar, was da über den Prozeß des früheren Gntspächters und jetzige» Rentiers E. G. zu N. wider den k. Botschafter a. D. Prinzen R. zu T. über 34 703 M. 54 Pf. materiell auf Seite 123 mitgetbeilt wird, interessirt uns weniger, als die Form dieses Er- keniltnisses. In den Erkenntnissen, die mehr als 150 Druckseiten füllen, ivird nur immer von den, Kläger, dem Beklagten, dem An- geklagte», dem Gläubiger n. s. w. gesprochen. Der Botschafter a. D. Prinz R. figurirt in dem auf Seite l28 ff. abgedruckten Erkennt,, iß im Gegensatz zu allen anderen in den Erkeniitnissen eine Rolle spielenden Personen konsequent alS der Herr Kläger. Da beißt es:„Der Herr Kläger wurde veriirtheilt, dem Beklagten 13 916,72 Mark zu zahlen."„Der fc r r Kläger hat nun behauptet, daß er den B e- lagten u. s. w." Diese Art der, sagen wir Unterscheidung, zwischen rechtsuchenden Herren«nd Nicht-Herren erinnert nns an»ine vor einigen Jahren erlassene anitSgerichtliche KonInrS- anzeige, di« daS Vermögen«i»es Prinzen betraf. Darin bezeichnete das in Ehrfurcht ersterbend« Amisgericht den„hohen" Konkurstsex stets als den„Herrn Geineiuschnidiier", während jeder andere Pleitier alS„Gemelnschuldner" charakieriflrt wird. Wir registriren diese kulturgeschichtliche Kleinigkeit, weil Kleinigkeiten manchmal eine sehr interessante Sprache sprechen. — Die Elmshörner O h r f e i g e n a ff äre vor Ge- richt. Aus Altona wird gemeldet: I» der vielerwähnten Angelegenheit des Amtsrichters v. Kölker und des Bürgermeisters Thomsen zu Elmshorn stand v. Köller vor der Straskamiiier des hiesigen Landgerichts. Nach dreieinhalb- slündiger Verhandlung erkannte das Gericht gegen v. Köller»vegc» Herausforderung zum Pistolenzweikampf auf eine Woche Festungs- hast, wegen thällicher Beleidigung auf zehn Mark Gelbstrafe. — Soldatenfreuden. Die„Franks. Ztg." berichtet aus Mainz, daß dort gestern bei einer Marschübiing des 117. Regiments fiebei, Soldaten infolge der großen Hitze ans der Landstraße zu- saininengebrochen sind. Mehrere Soldaten sind als bedenklich erkrankt ins Militärlazareth gebracht worden. — Deutscher und englischerHandel in Hamburg. Im Hamburger Hasen hatte bisher die englische Flagge das Ueber- gewicht, sie nahm in den letzten Jahren nach Maßgabe der ein- gegangenen Toiiiienzahl ca. 45 pCt. von allen Flaggen ein. Im letzten Jahre hat, der„Wes.-Zlg." zufolge, nach der vorliegenden. Haiidelsslalistik die deutsche Flagge die britische über- s l ü g e l t und mit«iner recht erheblichen Ziffer. Es liefen Schiffe ein unter 1895 1896 deutscher Flagge 2 772 392 2 914 913 Tons, englischer Flagge 2 822 868 2 734 523„ Die Zunahnie der deutsche» Flagge im Hafen ist danach eine recht erhebliche, während Großbritaniiien in den letzten Jahre» regel- mäßig zurückgegangen ist. Und das alles ohne die„große Flotte"!— — Chronik derMajestätsbeleidigungS-Prozesse. Aus Dresden wird uns gemeldet: Der Handarbeiter Göpel ans Dohma wurde vom hiesigen Land- gericht— die Verhandlung war geheim— wegen Majestäts- beleidignng zu zehn Monaten Gefängniß verurtheilt. Er halte in bezechlein Zustande in einer Privat wohnung im Kreise von Arbeitskollegen einige Aeußernngen über den deutschen Kaiser gemacht.— Ocsterreich-Ungltrn. Wien, 26. Juni. Wie hiesige Zeituiigen mittheilen, haben die Stadlveruelnnge» von Biüx sowohl wie von Töplitz einstimmig be- schlössen, die Arbeiten in dem übertragenen Wirkungskreis vom 15. Juli ab eiiizustelleli. — D i e immer größere Dimensionen an- nehmeiide NiiSstandsbewegnng der Feldarbeiter in der großen»icdeningarischkn Tiefebene versetzt die Groß- gnmdbesitzer, ihre Pächter ii»d die ungarische Regierung in die größte Verlegenheit. Die Zeit der Ernte ist vor der Thür, und die Feldarbeiter werde» immer widerspenstiger. Täglich laufen in Budapest Nachrichte» ei» über neue Arbeilsverweigeruiigen, Kon- lrakllösuugen und Arbeitseiiistelllingen. In ihrer Bedrängniß greifen die Gnisbcsther und ihre willigen Werkzeuge, die Gespäne und Obergespäne, zu allen erdenklichen Mitteln, um die Feld- arbeiter von ihrem Vorhaben abzubringen. Man spart weder mit sckönen Worten und Versprechniigen, noch mit offene» und versteckte» Drohungen. Tie Gendarmerie wurde in allen Gegenden, wo man einen Streik der Feldarbeiter befürchtet, erheblich verstärkt. An sämmt- liche Gendarnierieivachlposteii des Fogaraser Komitats— zwölf an der Zahl— erging die telegraphische Weisimg, daß von jedem Posten je ei» Mann unverzüglich»ach Szegedin zu entsenden sei, was auch ohne Verzug geschah. � Aus mehreren großen Gütern hat der Streik bereits begonnen. So wird z. B. aus Terekegyhaza im Csongrader Komitat gemeldet, daß in säiiimtlicheii Wirthschasten der 32 000 Joch umfaffenden gräflich Ladislaus Karolyi'sche» Domäne die auf Antheil arbeitenden Schnitter der Domäneiidirektion gemeldet habe», daß sie von dem bereits abgeschlossenen Erntevcrtrag zurücktreten. Die Streikenden, Be- wohner der Ortschaften Mnidszent, Csongrad und Alpar, haben die Ursach« der Vertragelösung nicht angegeben noch auch erwähnt, unter ivelche» Bedingungen sie bereit wären, die Ernte- Arbeiten zu ubernehliieil. Ein gleiches Vorgehen befolgten die Mindszeiiter Feldarbeiter der Domäne des Markgrafen Alexander Pallavicini. Die in der Genieinde Szegvar wohiienden Feldarbeiter haben Heuer überhaupt keine Arbeit angeno>i»»en. Auch ans den Besitzungen des Grafen Teleky und mehrerer Guispächter bei Bacs-Almas baben die Arbeiter die Ernleverträge gelöst und die Arbeit»ingestellt. Drei angebliche„Agitatoren" wurden in dieser Gegend verhastet.— Schweiz. Bern, 23. Juni.(Eig. Ber.) Der N a t i o n a l r a t h hat die Fortsetzung der Berathung der Versicherungsgesetze unterbrochen und dehandelte gestern und heute den bimdesräthlichen Geschäftsbericht sowie die Staatsrechnung für 1396. Der Etänderath hielt gestern und heut« keine Sitzmig ab.— Di« Sliinniberechtigten der Stadt Bern haben am nächsten Sonntag über das Jnitiativbegehren der Freisinnigen aus Wiederabschaffung der erst vor etwa ändert- halb Jahre» eingesührlen Proportionalwahl der Stadtverordneten- Versaiiimlnng zu entscheiden. In dem richtigen Gefühle, daß ihr Begehren etwas recht sonderbar„Frei- sinniges" ist. versucheii die Herren mit allerlei gedrechselten Phrasen die ivahre» Gründe ihres Vorgehens zu verschleiern. Tie einfach in der Uiizufriedenheit darüber bestehe», daß unterm Proporz die sozial- demolratischen und konservativen Minderheitsparteien, insbesondere aber erster«, eine stärkere Vertretniig erhielten, als unterm Mehrheitssystem und daß natürlich die Vertrelung der freisinnige» Partei im gleichen Maße geschinächt»vnrdr.' Das Vorgehen der Berner Freisin»igei> ist so bedenklich, daß im eigenen Lager darüber Unzusriedeiiheit besteht, wie dies folgende kritische Bemerknngen des freisinnigen„Handelskurier", der in Biel(Kanton Ber») erscheint, erkeiuieii lassen.„Es giebt in jeder Partei Schafe und Böcke." sagt das Blatt,„Büffel und andere liebliche Thierchen; eine öffentliche Verivaltuiig, ein Geliieiude- oder Staatswesen bedarf nicht nur der Re- präsentativnsfignren, die aus Kosten der Intelligenz in, Ruthe hauptsäch- lich ihrer Würde leben, sondern auch Leute,'die selbst ern bischen lln- rath anziirühre» sich nicht scheuen. Wir haben i» de» Räthe» nicht nur reichdekorirle Staalsdiener, sondern anch gewöhnliche Sialllnechte nöthig. Ein freininthiget,»nabhängiger Lehrer der Volksivirthschaft am eidgenössische» Polytechnikum in Zürich, eine Autorität aus dem Gebiete des tandwirthschasllichen Genossenschaftswesens, spricht irgendwo von de»„meist elivas unsauberen Wegen der Politik", welche gegen die StaatshUse ohne Selbsthilfe sprechen. Da scheuert der Proporz durch die Kontrolle verschiedenartigster Elemente im Staats- Haushalt, wie im enger» Wahlkreise blank; je mehr von Berstaat- lichung die Rede ist, desto mehr wird der Proporz an Boden ge- winnen.— Dps ist eine von freisinniger Seite gegebene, sehr solide Begründung des Proporzes; warten wir nun das sonntägige Re- sultat der Volksabstimmnng ab. Eigenthnmlich wäre es in derThat, wenn 14 Tage»ach der Annahme des Proporzes durch die Volks- Mehrheit des Kantons Baselstadt di« Mehrheit der Stimmberechtigten der Stadt Bern der Herrschsucht der freisinnige» Partei liebe den bestehenden und bewährten Proporz wieder abschaffen würden, Frankreich. Paris, 25. Juni.(Eig. Ber.) Die Debatte über da? P r i v t- legium der Bank von Frankreich verwandelte sich für die Dauer der letzten Woche in einen Kampf um den l a n d w i r t h- sckaftlichcn Kredit. Wie bereits mitgetheilt, hatte Meli»«, der„Vater der Landwirthschast", von der Bank ein lächerlich- winzijjes Zngesländuiß für seine Tochter erkaugt. Mit einem ehemaligen leiweise Voischuß von 40 Millionen Franks und der alljährlichen Abgabe der Bank in der Höhe von 2—9 Millionen soll in mehr oder minder ferner Zukunft ein billiger Agrarkredit geschaffen werden. Das macht, wie Cauiille Pellelair ausgerechnet hat, 85 Centimes pro Hektar, die alliährlich um weiter« l'/s <virthe»2 pCt. (derPariserDiskonlo-Zinsfuß) erheben. Schließlich sollte die Differenz zmische» den von der Agrarbank für die Obligationen gezahlten und den von ihr erhobenen Zinsen eventuell durch eine staatliche Sub- venlion gedeckt werden. Aber nicht nur dieser weitgehende Antrag wurde von Meli»« bekämpft und von seiner kapitalistisch-agrarischen Mehrbeil verworfen. Das gleiche Schicksal erlitten auch alle übrigen, zum theil äußert zahmen Anträge auf Inanspruchnahme der kolossalen Mittet der Bank von Frankreich zu gunsten der Bauernschaft. Und man meine nicht, daß die Anträge ein bloßes oppositionelles Manöver waren, um Meline die Maske der Bauernfreundlichkeit vom Gesicht zu reißen. Daß die verschiedenen Anträge in ihrem Grundprinzip durchführbar waren, beweist die Thatsache, daß auch«in gemäßigter Republikaner, der Abgeordnete Leveills. ein Kenner des Bankwesens, einen vollständigen Entwurf auf Errichtung einer Agrarbank mit Hilfe der Bank von Frankreich einbrachte und fachmännisch be- gründete... Es hals jedoch alles nichts. Herr Meline regiert nun einmal von Gnade» der Hochfinanz und des klerikal-monarchistischen Agrarierlhums. Er mußte daher bis zu Ende feine bauernfreund lichen Versprechungen Lügen strafen und allen praktischen dauern freundlichen Versuchen neue— Versprechungen entgegensetzen. Man begreift, daß dem entlarvten Demagogen vor der Wendung der Baukdebalte angst und bange wird. Mit gewohntem Zynismu beschuldigt er die Opposition, die ihre Pflicht thut. der„Obstruktion" Und die gesammte Reqierungspresse jammert wie auf Kommando über den hartnäckigen Kampf, namentlich der Sozialisten und der Linksradikalen gegen den Löwenvertrag, den die Bank von Frank- reich der Regierung diktirt hat. Das Gejammer beweist, daß die Hiebe gesessen haben. Tie Bankdcbatte dauert— mit einer Unterbrechung von drei Tagen in der Woche— bereits seit dem 25. Mai. In den bis- herige» zwölf Sitzungen sind blos die Generaldebatte und die ersten zwei Artikel erledigt worden. Die verschiedenen Zusatzanträge haben 28 öffentliche Abstimmungen zur Folge gehabt. Es ist aber keine verlorene Zeit— für die Aufklärung des Kleinbürgerthums und der Baueruschast am Vorabend der kommenden Wahlen über den wahren Charakter des herrschenden Ordnungskartells.— Paris, 26. Juni. Dem„Matin" zufolge wird in aus Mada gaskar eingetroffene» Privalbriefen lebhaft über die Kriegsver waltnng geklagt. Dieselbe sei selbst heule noch nicht im stände. den Soldale» hinreichende Nahrungsrationen zu sichern und habe während der Regenzeit viele Soldaten ohne Schuhwerk und ohne genügende Kleidung gelassen, zahlreiche Todesfälle seien die Folge hiervon gewesen. Es sei dringend nöthig, die Hälfte des Expeditionskorps Heimznsenden.— Wie der„Figaro" meldet, hat der Untersuchungsrichter Lepoitevin den französischen Konsul in Wien beauftragt, de» nach Oesterreich geflüchteten Baro» Cottu in Sache» Arton zu vernehmen.— Italien.' — C r i s p i' s Weg zum Zuchthaus bietet mehr Stationen als der Weg Christi nach Golgatha. Mi„oeste,ls ein dutzend Mal war der Antrag auf seine Auslieferung bereits für die Kammer ge- schrieben,— jedesmal wußte der geriebene, mit allen Hunden gehetzte und außerdem von mächtigen Gönnern unterstützte Rabulist— unter allen italienischen Advokaten gilt er für den kniffigsten und gewissen losesten—, irgend ein Schlupfloch zu finden, durch das er für den Moment entwische» konnte. Jetzt will er, wie wir im„Secolo" lese», einen Formfehler entdeckt haben, seine„Domizil" sei nicht ganz richiig angegeben. Nun, vielleicht hat er doch bald ein f e st e s Domizil— ein Z w a n g s- D o m i z i l, a» das er nicht dachte als er für die Sozialisten das Zwangs-Domizil(dommlio coatto) erfand.— England. London, 26. Juni.„Daily Mail" berichtet aus Kairo, die Kredite für die Sudan-Expevition feie» erschöpft, so daß nian die Reservefonds angreifen müsse. Frankreich und Rußland würden sich diesen Finanz-Operatione» widersetzen.— den N a t i o n a l l i der a le n Gefahr für das Land, daß politische Gesetzgebung des voi» etlichen»ationalliberale» waren diesmal so gnädig, die Fuv die Vekheiliigung an den peeutziMen UnndkAgsinahlen sind besonders ausführlich I?arvus in der„Sächsischen Arbeiter Zeitung" und Bernstein in der„Neuen Zeil" eingetreten. Wir geben die wichtigsten Stellen aus den betreffenden Artikeln wieder. Heute zunächst aus der„Sachs. A r b e i t e r- Z t g.": Allgemeines.„Wie ist die innere Gestallung des preußischen Landtags? Die Junker habe» allerdings die Mehrheit nicht Aber die Entscheidung liegt bei' Ist es nun nicht die größte die Entscheidung über die größten Staates des Reiches Stimmen abhängt? Die Herren schlimmsten Bestimmnngen der Borlage zu streichen, aber was ge blieben, ist schon für sich schlimm genug, lind noch ist die Sache nicht erledigt,— vor allem aber, werden die Nationalliberaleu auch in der Zukunft so„fest" bleibe»? Haben sie denn nicht seinerzeit für das Sozialistengesetz gestimmt? Und besteht denn eine absolute Sicherheit, baß die Junker nicht bei den nächsten Wahlen die absolute Majorität erhalten? Wenn die Bethciligung so bleibt, ivce bis jetzt, ist das gar nicht unmöglich. Und dann könne» wir auf das Schlimm st e gefaßt sein. Sollen wir nun niit verschränkten Armen abivarte», bis sich im preußischen Landtage, auf welche Weise auch, eine geschlossene reaktionäre Majorität bildet, die uns dann ihre Gesetze diktiren ivird,— oder solle» wir vielmehr ver- suche», dem beizeiten vorzubeugen? Das wäre nur möglich, wenn die Sozialdemokratie sich an den preußischen Lanvtagswahleil betheiligen wollte." Eiilige besondere Aufgaben der Partei im Landtage.„.... Und wenn sozialdemokratische Abgeordnete in den preußischen Landtag hineinkommen, die in unserer Weise die Verhältnisse der preußischen Eisenbahn arbeite r, der Arbei ter ans de» junkerlichen G ü t e r n unter der famosen Gesinde Ordnung, die Polizeiverhältnisse ic. erörtern, so wird das nicht Verwirrung, sonder» politische Klarheit schaffen. Kein besseres Mittel, den Klassenkampf auch in die entlegensten Winkel Preußens zu trage», kein besseres Mittel, die polnische Be- völkeruug Preußens aufzurütteln, als eine sozialdemokratische Ver- tretung im preußischen Landtage. Die Schwierigkeit unserer Land- agitatio» liegt in der Abwesenheit einer sozialdemokratische» Vertretung im preußischen Landtage. Wie die sozialdemokratische Partei in den Landlagen des kleinbäuerlichen Süddeutschlands zu eineni Agrarprogramm gekommen, welches den Stempel dieser Verhältnisse an"sich trägt, so müßte die Sozialdemokratie im preußlschen Landlage zu einer proletarischen Landagi- tation gelangen, und da? würde den Ausschlag geben für ganz Dentschland." Die Kölner Resolution.„Man hat also in Köln einfach de» jetzigen Fall nicht vorausgesehen. Hätte nian daran gedacht, so würde man wohl den Beschluß in einer weniger bindenden Fori» gefaßt haben. Wie gering in Köln das Jutereffe an der ganzen Angelegenheit war, beweist am besten der Umstand, daß so gut wie keine Diskussion in der Sache staltgesunden hat. In diesem Augenblick kann man aber die Frag« deZ preußischen Landtags nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen." Die Schwierigkeiten des Wahlverfahren „Wir haben selbst wiederholt betont, daß die Oeffentlich keit des Wahlverfahrens das preußische Wahlrecht noch bedeutend gegenüber dem jetzigen sächsischen verschlimmert. Das ist gewiß eine große Schwierigkeit, aber un überwindbar ist sie nich Zunächst erinnern wir daran, daß wir doch auch den„geheimen Charakter der Reichstagswahl nicht so ohne weiteres auf Treu und Glauben hinnehmen dürfe». Wenn die Arbeiter kolonnenweise an die Wahlurne treten, wer weiß da heutzutage nicht, wie sie nbl stimmen werden— von den verschiedenen Praktiken, das Wahl geheimniß zu durchbrechen, schon gar nicht zu reden! Und weiß man denn nicht bereits auch außerhalb der Wahlen in jeder Fabrik und in jedem preußischen Landstädtchen erst recht, wer Sozial demokrat ist? Führt denn nicht die Polizei eine weitgehende Kontrolle über unsere Partei-Anbängerschaft? Haben wir denn nicht selbst dutzendfach Aktenstücke veröffentlicht, daß über die Militärpflichtigen und Reservisten geradezu Register bezug aus ihr sozialdemokratisches Bekenntniß geführt werden Also, wen» man die Sozialdemokraten einfach als solche wirthschaftlich maßregeln wollte, man würde sie schon zu finden wissen und brauchte dazu nicht erst die öffentliche Wahlabstimmung abzuwarten. Eine Partei von 2 Millionen Anhängern läßt sich nicht verstecken, aber gerade deshalb trotzt sie auch den wirlhschafd lichen Maßregelungen." Die deutschen Arbeiter etwa durch eineAus� sperrung von ihrem politischen Bekenntniß abzubringen, ist so aus sichtslos, daß selbst während des schlimmsten Umsturzruniniels, der doch sehr reim war an hirnverbrannten reaktionären Projekten. niemand als allgemeine Maßregel diesen den Unternehmern so nahe liegenden Vorschlag zu machen wagte... Wenn etwas ein offenes Bekenntniß zur Sozialdemokratie ist. so ist das die Theilnahmc an der Maiseier vielmehr, als eine öffentliche Wahlabstimmung Dennoch bringen wir awßl. Mai Hunderttausende aus die Beine Und so erklären wir denn unumwunden: eine energisch durchgeführte Wahlbetheiligung wird vor allem das komplizirtc Wahlversahren über den Hansen werfen! Das wird unser erster Triumph sein. Was ein Wahltag der Polizei schon bei einer Reichstagswahl zu thtin giebt, weiß man. Aber nun erst in Preuße», ,ve»» die Massen sich betheililzen! Oder glaubt man. das wird der Polizei angenehm sein, wen» in den Städten taufende von Arbeitern die Wahllokale stundenlang bedrängen, die Straßen und die Plätze füllen w.? Das ist der Widerspruch: das Wahlrech ist den Massen gegeben, das Wahlverfahre» aber auf eine geringe Betheiligung berechnet— indem sich die Massen an den Wahlen betheiligen, fliegt der Wahlmodus in die Luft. Wenn man nns sagt: Wie können sich die Masse» bei einem derartigen Wahl verfahren an der Wahl betheiligen,— so antworte» ipir: Möge die Regierung zusehen, wie sie ihr Wahlverfahren bei einer Masse» betheilignng aufrechthält! Wir wiederholen, wir verkennen die Schwierigkeiten nicht, aber sie können und müssen überwunden werden. Oder habe» uns nicht soeben unsere österreichischen Genossen gezeigt, wie man" macht? Da war das öffentliche Verfahren und das komplizirte Verfahren und noch tausend Schikanirungen, von denen man hier keine Vorstellung hat— die österreichische Sozialdemokratie aber kämpfte und siegte! Wenn das preußische Wahlverfahren beide» Reichstags wählen eingeführt wäre, würden wir da von den Wahlen zurücktreten? Kein Mensch würde daran denken!" Das„M essen der Partei st ärk e".„Jede Abstimmung ist ein solches Messen. Aber I. A.(im„Vorwärts") befürchtet, daß wir dabei in Preußen wegen der gernigen Betheilignng zu kurz fahre» würde». Jedenfalls nicht kürzer, als Uiisere Gegner, die unter demselben Mißstand, wenn auch ans anderen Gründen leide» Bei den Landtagswahlen ist die Betheiligung überhaupt, nicht nur in Preuße», eine viel geringere, als bei den Reichstagsivablen— das hat uns aber sonst von der Betheiligung nicht zurückgehalten. In Sachsen hat es die Sozialdemokratie schließlich dazu gebracht, daß die Wahlbctheilignng bei den Landtagswahle» 40 bis 60 pCt beträgt, aber anfangs, als sie in die Wahlkämpfe eintrat, da ivar auch hier die Betheilignng 10 bis 20 pCt.! Kein vernünftiger Politiker wird fordern, daß wir bei den preußischen Landtags wählen ebenso viel Stimmen aufbringen, wie bei den Reichstags wähle». Schließlich ist diese Sucht, immer die größten Massen aus marschiren zu lassen, diese ängstliche Besorgniß, daß wir doch viel' leicht nicht ganz den gewohnte» Eklat hervorbringen würden, ent schieden von Uebel. Das hat z. B. nach unserer unmaßgeblichen Beurtheilung der Durchführung der Maifeier entschieden geschadet. Wir»iiisse» uns gewöhne», nicht nur mit den breiteste» Masse», sondern mit k o» z e n t r i r t e n K e r n t r u p p e n zu operiren. Man kann gerade bei der„Messung der Parleislärke" sehr leicht fehlgehe» wenn man nur auf die große Zahl achtet. Schließlich kommt es nun doch nicht nur darauf an, zu„repräsentiren", eine öffent liche Parade abzuhalten, sondern nns selbst darüber Klarheit zu schaffen, wie stark wir sind. Und darum, glaube» wir, würde sogar die öffentliche Abstimmung in Preußen in bezug auf die„Messung der Parteistärke" eine willkommene Ergänzung sein zu der geheimen Reichstagsabslimmung." Polemisches gegen den ü. 3.»Artikel im„Vor wärts".„Genosse R. 8. giebt zunächst eine Darlegung des Wahl- rechts und in ausführlicher Weise das Thalsachenmaterial der amtlichen Statistik. Das füllt den ganzen Artikel bis auf einen winzigen Rest und es wird dadurch errviese»: l. daß in Preußen ein elendes Dreiklasscn-Wahlrecht herrscht bei öffentlichem, schwer. fälligen Wahlverfahre»; 2. daß die Aussichten der Sozialdemokratie, n der ersten und zweiicn Wählerklasse eigene Wahlmänner zu er- lange»,„sehr gering" sind. Das hat freilich lein Mensch je angezweifelt, und, nachdem es nunmehr auch noch von R. S. statistisch erhärtet worden ist, sind wir dadurch um keinen Schritt rveiter gekommen. Es hat nienrand behauptet, daß„das elendeste aller Wahlsysteme" über Nacht besser geworden sei, sondern die Frage ist, ob wir nicht eine bessere Taktik zu dessen Beseitigung anwenden, wenn wir dieses Wahlrecht ausnutzen?"... Ohne sich Illusionen hinzugeben, kann nian doch mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß wir in einer bedeutenden Anzahl der Urivahlbezirke in der dritten Wählerklasse ein« über- ivältigende Majorität erlangen werde», und das bestreitet schließlich auch R. S. nicht,,, Das Kompromiß.„R. S. kommt zum Schluß:„Soviel ist sicher, aus eigener Kraft können wir kein Mandat e r o b e r»." Wenn dies alles ist, was R. S. bewiesen zu haben glaicbt, dann hat er nichts beiviesen, denn das ist ja unsere Boraussetzung, von der wir ausgehen. R. S. hat also nur einen Kreis um die zu lösende Frage beschriebe» und steht ai» Ende dort, wo er am Anfange war. Was zu erörtern war, ist: was unter Ausnutzung unserer Machtstellung in der dritten Klaff« mit Hilfe fremder Kraft zu erreichen wäre? Da nun R. 8. ebenso wenig wie sonst jemand beweisen kann, daß wir auf diese Weise nichts leisten können, so beschwört er uns. daß wir es nicht thun sollen. An Stelle der Berechnung und Beurtheilung der lolitischen Machtverhältnisse treten nun dunkle Ahnungen und Be. 'ürchtuugen vom Standpunkte eines abstrakten Prinzips.. Kompromiß und Prinzip.„Wir sehen keinen prinzipieUe» Grund, weshalb die Sozialdemokratie keine Wahl üudnisse eingehen soll. Will man daS mit dem Wort Kompromiß" bezeichnen, so schrecken wir vor dem Wort nicht zurück. Wir meinen, es kommt weniger darauf an, wie der Arbeitervertretcr in das Parlament hineinkommt, als darauf, was er dort thut. Wir meinen, das selbst- ändige Wählen schützt»och keineswegs davor, daß die iolitik, welche eine Partei betreibt, eine Kompromißpolitik ist. Das ist die Gefahr, vor der sich die Sozialdemokratie in acht zu nehmen hat: daß st« nicht in ihrer praktische» parlamentarischen Thätigkeit, bei der Behandlung der Gesetzentwürfe, bei de» An- trägen und Interpellationen, welche sie stellt oder nicht stellt, bei der Agitation, welche sie macht oder nicht macht, den Boden des reinen proletarischen Klaffenkampses verläßt. Wenn nur die sozial- demokratischen Abgeordneten im preußische» Landtag« eine selbständige proletarische Politik betreiben würden, so schadet's gar nichts, auf welche Weise sie auch hinein- kommen. Aus welche Weise soll denn auch der Schaden entstehen? Die Wähler werden„verwirrt" werden? Wie können sie denn ver- wirrt werden, wenn das, was wir im Landtage und Reichstage thun und sagen, sich so scharf von dem unterscheidet, was die anderen thun und sagen? Oder glaubt man wirklich, es würde den Freisinnigen je gelingen, die deutsche Arbeiterklasse politisch wieder in ihre Netze zu bringen? Soll das Herr Eugen Richter von der Spar«Agnes? Oder sollen es vielleicht die um Richert? Oder sollen es vielleicht die Nationalliberalen? Also welche Gefahr besteht? Was verlieren wir? Die deutsche Arbeiterklasse ist durch eine gute politische Schule gegangen, um die Gefahr der„Verwirrung" zu be- stehe».— Die proletarischen Massen können nicht demoralisirt werden— man lasse diese Sorgen und sorge dafür, daß die Abgeordneten nicht demoralisirt werden. Wenn nur die sozialdemokratischen Abgeordneten im preußischen Landtag die Interessen der Arbeiter wahrnehmen, so werden sie auch nichts von einer„Zwitterstellung" merken, sondern die Hände voll zu thun haben, um den Kampf gegen dieses brutalste Ausbeuterparlamcnt der Well zu führen." Gegen den Vorschlag von I. A.„Doch ist es I. A. selbst, der seine Demoralisationsargumente total vernichtet. Er macht nämlich den Vorschlag, wir sollen uns wohl an der Wahl betheiligen, aber keine selbständigen, sondern freisinnige Wahl männer wählen. Nun beachte man den Unterschied: Nach unserem Vorschlage wählen die Massen rein sozial- demokratisch und nur die W a h l m ä n n e r stimmen bei der Abgeordnetenwahl, wenn zweckmäßig, für die bürgerlichen Kandidaten; nach dem Vorschlag von I. A. sollen die Massen veranlaßt wer- den, von vornherein bürgerlich resp. freisinnig zu stimmen und im Ersten sieht I. A. eine„Demoralisation", im Zweiten nicht! Wir haben angeführt, daß eine Wahlbetheilignng auch dann von Werth wäre, wenn man auf Wahlbündnisse verzichtete. Allein sichtbar wäre das eine Taktik der Halbheit. Wenn wir uns schon zum Ziel setzen, die Junker aus dem Landtage zu verdrängen. so müssen wir dazu alle Macht ins Werk setzen und die Mittel, die nns zur Verfügung stehen, nicht unbenutzt lasse». Anderseits, wenn wir durch unsere Wahlbelheiligung die freisinnigen Mandate von uns abhängig machen, weshalb sollen wir die Freisinnigen nicht zwingen, nns einige Sitze abzutreten? Die Freifinnigen eine derartige Uneigennützigkeit sehr erfreut, Mandate vnschafften, ohne unserseits ihnen Es liegt uns auch daran, die Führung Kampf gegen die Reaktion im preußischen übernehmen, sie nicht in die Hände deS wären freilich über wen» wir ihnen die etwas abzuverlanae». über den politischen Landtage selbst zu Freisinns zu legen.' Schließlich ist ja für uns die Anwesenheit im preußischen Landlage auch sonst von großer Bedeutung. Gerade um die Wähler nicht irre zu machen, müssen Sozialdemokraten in den Landtag hinein, damit der Unterschied sichtbar wird in der parla- mentarischen Bethätigung." Schlußbetrachtung.„Daß man, wenn man diese Taktik befolgt, nun gleich mit der Reaktion fertig werde, wird selbstver- ständlich niemand erwarte». Es werden noch große Kämpfe kommen. Wir können uns dabei, mögen auch die Wahlen noch so günstig aus- falle», weder auf den preußischen Landtag, noch auf den deutschen Reichstag verlassen. Die Wahlen von 1898, die voraussichtlich ei» ähnliches Wachsthum der Sozialdemokratie offenbaren werden, wie die 90 er Wahl, werden eine gewaltige Erschütterung hervorrufen. Wir müssen aus das schlimmste gefaßt sein. Aber gerade deshalb müssen wir alle P o st e n besetzen, die wir nur besetzen können. Wir fürchten die kommenden Konflikte nicht. Aber wir müssen sehen, daß wir uns die parlamentarische Tribüne wahren, um sie desto besser a u s f e ch t e n zu können. Es können Zeiten kommen, wo die Sitze, die wir uns jetzt im preußischen Landtage erobern würden, zu unserer w i ch t i g st e n K a m p s e s st e l l u n g werde». Nicht weil im preußischen Landtage je die Entscheidung über das Reich fallen könnte, sondern weil wir dort, wenn nian uns mit Ge- walt aus dem Reichstage verdrängt, die Tribüne finden, von der aus wir zu den weitesten Kreisen der deutschen Bevölkerung sprechen können, um sie zu instruiren, zn organisiren und in Disziplin zu er- halten, bis das Unnennbare eintritt, welches aus der politische» Ver- wirrnng Ordnung schafft!" Raekei-"NÄlchvirhken. Mit der Frage der Betheiligung a» den preuffischen Landtagswahlen beschäftigte sich am Montag der Sozialdemokratische Verein in Frankfurt a. M. Der Referent Genosse Hoch führte u. a. aus: Die dritte Klasse sei ohnmächtig, einen eigenen Kandidaten durchjubringen; um die gegenwärtige politische Situation auszunutzen, müsse man daher für einen Kandidaten der bürgerlichen Linken eintreten. Schon darin, daß man einen National- liberalen heraus- und einen Demokraten in den Landtag hineinbringe, liege ein Vortheil. Auch die junkerliche Richtung des Zentrums müsse nian aus dem Landtag zn drängen suchen. Dadurch, daß man sich der Wahl enthalte, unterstütze man die Junkerwirthschaft. Unter der Wahl- parole:„Hinweg mit der Junkerwirthschaft" lasse sich nicht nur in der Arbeiterklasse, sondern auch in dein Bürger- und Beaintenthum eine kräftige Agitation entfalten, denn die gegenwärtige Junker- wirthschaft sei bis in die Regierungskreise hinein unerträglich ge- worden. In der Diskussion waren fäinintliche Redner für Be- theiligung, wenn auch die Begründung und Ausführung verschieden ivar.' Die eine» verlangten n. a. Ausstellung eigener Wahlmänner, was von anderen als gänzlich erfolglos erklärt wurde. Von Be- chlüffen in dieser Sache»ahm man vorläufig Abstand. Ju Lübeck erhielten bei der B ü r g e r s ch a f t S- E r s a tz« wähl im Johannisquartier und i» der Vorstadt St. Jürgen unsere Kandidaten I2S— 1S5 Stimmen, die des Bürger-Wnhlvereins 163 bis 290 und die des Vaterstädtischen Vereins 4S3— S60 Stimmen. Unsere Stimmenzahl sank um 35 und die des Bürgerrechts-Vereins um 27, während die Stimmenzahl des Vaterstädtjschen Vereins um 22 stieg. Aus Baden. Die Mannheimer„Volksstimme" berichtet unterm 24. Juni aus Karlsruhe:„Stellung zu den Neu- wählen für den Landtag, hieß das Thema einer Volks- Versammlung, in welcher nach mehrstündigen Debatten ein definitiver Beschluß zu dieser Sache gesaßt wurde. Der Kompromiß- Vorschlag, betr. das Zusammengehen mit den Oppositions- Parteien, welcher mit 78 gegen 66 Stimmen(6 weiße) an- genommen ist, konzentrirt sich auf folgende Hanptpnnkte: Die Sozial- demokraten stellen zu den drei erledigten Sitzen zwei Kandidaten auf, die demokratisch-sreistnnige Partei eine». Zwei Drittel der Wahlmänner» werden von den Sozialdemokraten aufgestellt, ein Drittel von ven Deniokraten. Die Wahlkosten sind zur Hälfte zu trage». Außerdem verlange» die Sozialdemolralen eine vorherige 'christliche Erklärung, daß die freisinnige Partei i» Pforzheim da- elbst gleich für den sozialistischen Kandidaten einlritt. Sollte» die Sozialisten hier die Mehrheit der Wahlniänner erlangen, so haben die Freisinnigen beziehentlich Demokraten für die Sozialisten ein- zutreten." Todtcnlifte der Partei. In Gevelsberg in Westfalen ist der wackere Parteigenosse Karl B a u in e i st e r, Vorstandsmitglied und Mitbegründer des Wahlvereins, ans dem Leben geschieden. Polizeiliches, Gerichtliches»c. — Wegen Beleidigung des Gntsinspeklors Thilo Engel- n, a v» in Opin wurde in Magdeburg der verantwortliche Redakteur der„ V o l k s st i m in e", Genosse Vahle, zu 10 Di. Geldstraf« oder 2 Tage» Haft verurtheilt. — Der Parteigenosse Schädlich in G l ü ck st a d t hat in der Bersammlnng am 1. Mai am Schlüsse seiner Aussührmigen ein Hoch auf die interiiationale r e v o l n t i o n ä r e Sozialdemokratie ausgebracht. Dafür wurden ihm mittels Slrafbefehls acht Tage Haft wegen„groben Unfugs" zudiktirt. Das Schöffengericht dagegen sprach ihn kostenlos frei. In der Begründung des Urlhcils heißt eS; Ein dolus eventualis 15« allerdings vor, nachgewiesen sei jedoch nur, daß einzelne Personen(nämlich der Bürgermeister und ein Volontär vom Polizeibureau) Anstoß genommen hatten; »in groben Unfug festzustellen, sei es jedoch nothwendig, daß ein größerer Theil der Anwesenden belästigt werde. — Die Vriefsperre, die vom Amtsgericht in U l m über die„Schwäbische Tagwacht" in Stuttgart verhängt war, ist auf Autrag der Ulmer Staatsanwaltschaft wieder aufgehoben. Anlaß zu der Briefsperre war, wie unser Bruderorgan mittheilt, die geringfügige Beleidigungsklage eines Ulmer Pfarrers; die Klage ist auf Antrag des Pfarrers von der Staats- anwaltschaft zurückgenommen worden. Und um einer solchen Bagatelle willen wird in Schwaben über eine Zeitung die Brief- sperre verhängt? Großartig! — In Ilmenau wurde eine Versammlung, wo Frau Klara Zetkin aus Stuttgart über„die Bedeutung des Vereins- und Versammlungsrechts für proletarische Frauen" sprechen sollte, auf grund der weimarischen vereinsgesetzlichen Vorschriften verboten. — Die„Reuß. Tribüne" in Gera hatte mitgetheilt, daß die Geschäftsbücher eines in Konkurs gerathenen Fleischermersters der Staatsanwaltschaft überwiese» worden seien, was sich dann als un- richtig herausstellte. Der Fleischermeister klagte, das Schöffengericht erkannte aber mit der Begründung auf Freisprechung, daß sich jeder in Konkurs befindliche Geschäftsmann die staatsanwaltliche Prüfung seiner Bücher gefallen lassen müsse und daß deshalb eine dahin- gehende Zeitungsmittheilung nicht strafbar sei. Das Landgericht zedoch hob dieses Urlheil auf und erkannt« gegen den veranlwort- lichen Redakteur N a j o r k auf 20 M. Geldstrafe oder 4 Tage Hast und auf die üblichen Nebenstrafen. GemerkMctftliFzes. Berlin nnd Umgebung. Achtung, Maler und Berufsgenossen 1 Um den mißlichen Zuständen im Malergewerbe energisch entgegentreten zu können, fordert der Unterzeichnete die Berufskollegen dringend auf, in den einzelnen Werkstellen und anf den Baute» Werkstellen-Delegirte zu ernennen und die Adrefle an den Unterzeichneten einzusenden oder persönlich am Donnerstag, den 1. Juli, bei Stramm. Ritterftraße, zu erscheinen. Diejenige», welche noch mit den Marke» im Rückstände sind, werde» ersucht, bis zum l. Juli abzurechnen. Der Vertrauens- mann: M. Mark, Fruchtstr. 51. An die Stcinarbeiter Teutschlands 1 Fortwährend treten an die Zentralleitung Ansprüche aus Unterstützung heran, die wir nur als sehr berechtigt auerkenne» müsse». Gegenwärtig befinden sich seit sechs Wochen 74 Mann in den Steinbrüchen von Mehrsdorf, und Sohland und seit drei Wochen 14 Mann i» Düsseldorf im Ausfiand. Dreiviertel der Streikenden sind Familienväter. Wir richten deshalb an unsere Berufskollegen die dringende Bitte, Beiträge zur Unter- stützung der Streikenden einzusenden. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß wir nicht erfolglos diese Mahnung an unsere Kollegen richten. Die Zentralleitung der Steinarbeiter Deutsch- l a n d s. I. A.: P a n l M i t s ch k e, Rixdorf, Sleinmetzstr. 14. Alle Unterstützungen sind nur an diese Adresse einzn- senden. Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Achtung, Metallarbeiter! Dem Unterzeichneten ging hente von Kopenhagen das folgende Tclegranun zu: Die allgemeine Situation ist unverändert. Die Fabrikanten suchen den Lockout auf andere Gewerbe auszudehnen. Eine große Arbeilgebervereinigung aller Gewerbe ist geplant. Frischer Muth und gutes Vertrauen bei unseren Leuten; Begeisterung über das ganze Land für unsere Sache. Gestern haben wir mit den Fabrikanten unterhandelt, aber ohne Resultat; in einige» Tagen werden wir die Verhandlungen fortsetzen. Mit großem Dank haben wir die von Euch abgesandlen 1000 M. heut« empfangen. H. P. Hansen, Kopenhagen.— Im» Anschluß hieran gebe» wir nochmals bekannt, daß Sammellisten für die ans- gesperrten dänischen Kollegen bei allen Vertrauensleuten zu haben sind. Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. Otto Näther, Berlin ü, Anklamerstr. 44. Der Ausstand der Tischler in der Werkstatt von Neu- mann, Luckenwalde, dauert fort. Eine Einigung ist bisher nicht erzielt. An die Kammmacher Berlins! Kollegs» Z Uebcrall regt es sich in Arbeiterkreisen, um die günstige Konjunktur nnszunütze». Nur in unserem eigenen Gewerbe sieht es trübe aus. Und doch wäre es i» anbetracht unserer geringe» Zahl ein leichtes, in einer guten Or- ganisation die Zustände zu bessern. Unsere Statistik, die vor kurzem aufgenommen wurde, giebl die durchschnittliche Arbeitszeit auf 00 Stunden pro Woche an und der Lohn belief sich im Durchschnilt auf 18 M. pro Woche. Die Ansnütznng maschineller Hilfsmittel und das Hineinziehe» weiblicher Arbeitskräfte hat die Lage in un- serem Berns immer mißlicher gestaltet. Es ist deshalb dringend nothwendig, daß sich die Berufsgenosse» mehr um ihre Interessen kümmern nnd der Organisalio» beitreten. Am Montag, den 23. Juni, abends 8 Uhr, findet Frankfurterstraße 183 eine Ver- sammlung statt, zu der wir hiermit alle Berufskollegen einladen. Die Werkstatt-Kontrollkommission der Kammmacher des Holzarbeiter- Verbandes. In Spandau sind die Maurer in eine Lohnbewegung ein- getreten, und zwar wird im wesentlichen eine Lohnerhöhung erstrebt. Die jetzt gezahlten Stundenlöhne bewegen sich zwischen nnd 40 Pf. A» stelle dieser Lohnsätze soll nunmehr ein Mindcst-Slunden- lohn von 40 Pf. treten und leistungsfähigere Kräfte entsprechend höher entlohnt werden. Als besondere Forderung wird ferner geltend gemacht, daß der Arbeitsschluß an gewöhnlichen Sonnabenden eine Stunde, und an Sonnabenden vor den hohen Festen zwei Stunden früher wie sonst, jedoch unter Vollberechnung des ganzen Tages erfolgen soll. Bezeichnenderweise wird sodann eine richtige Jnnehaltung der gewährleisteten Arbeitspausen(Frühstück, Mittag, Vesper), sowie eine anständige Behandlung seitens der Herren Poliere gefordert. Seitens der Lohnkommission sind chiese Forde- rungen schriftlich sormulirt den Meistern zur Rückäußerung zugestellt worden. Für die streikende« Wäscherinnen in Neu-Isenburg sind nachträglich noch eingelaufen: Liste Nr. 41: 1,45 M., Nr. 3: 3,85 M.. Nr. 30: 6,10 M.. Nr. 60: 2,25 M. Bereits quiltirt 923,09 M., heule 13,65 M., Eunima 936,74 M. Frau Wenzels. Deutsches Reich. An die Manrcr Teutschlands! Kollegen, es ist Euch bekannt, daß sich die Maurer Berlins im Streik befinden. Seit 14. Juni dauert bereits der Kampf. Unser Unternehmerthum hat schon auf den meisten Bauten(448) die Forderung: 60 Pf. Stundenlohn bewilligt; ans über 100 Bauten sträubt man sich noch. Es bedarf also des fortgesetzten energischen Eintretens der Berliner Kollege», um auch hier der Forderung Anerkennung zu verschaffen. Wir können ver- sichern, daß wir unsere ganze Kraft zur Erringung dieses Zieles einsetzen werden, bitten aber die Kollegen allerorts, uns in»»serem Kampfe dadurch zu unterstützen, daß sie für F e r n h a l t u n g desZuzugessorgen. Kollegen, unterstützt Ihr uns in dieser Beziehung während der nächsten Monate, so erweist Ihr uns den größten Dienst während unseres Kampfes. Mit kollegialem Gruß Die Lohnkommission der Maurer Berlins, Grenadierstr. 33. Ueber den Stettincr Tischlerstreik ging uns am Sonnabend nachstehender Bericht zu: Es befinden sich noch 116 Vcrheirathete, die 192 Kinder zu ernähren haben, und 42 Ledige im Ausstand, sodaß eine nennenswerihe Aenderung zu gunften der Streikenden nicht eingetreten ist. Am 25. d. Mts. hielten die Sireikenden im Grabower Schützenhaus eine Versammlung ab. zu der Verantwortlicher Rcdalteur: August Jacobry in Berlin. der Redakteur R ö S k« von der„Holzarbeiter« Zeitung" im Auftrag des Hauptvorstandes erschienen war. Der Bericht- erstalter der Lohnkommisfion klagt über starken Zuzug aus Berlin. Es wären diese Woche 18 Gesellen aus Berlin zu- gereist. Die Berliner Kollegen werden deshalb recht dringend ersucht, dafür zu sorgen, daß der Zuzug nach Stettin ferngehalten wird. Redakteur Röske hat die bis jetzt aufgestellten Listen genau geprüft und daraus ersehen, daß es in Stettin 108 Tischler- und 3 Drechslermeister giebt. Von den 103 Tischler- meistern beschäftigen einundzwanzig 9 bis 32 Gesellen, siebzehn 5 bis 8, und siebzig 1 bis 4 Gesellen. Von den 596 eingezeichneten Streikenden sind 181 abgereist, darunter 33 Ver- heirathete. Angefangen zu den Forderungen haben 161 Ge- sellen und zu den alten Bedingungen arbeiten 54. Es sind für Tischler 375 und für Drechsler 25 freie Arbeitsplätze vorhanden. Röske ist überzeugt, daß. wenn von den Großstädten, namentlich Berlin, der Zuzug ferngehalten wird, der Streik zu gunsten der Arbeiter verlausen wird. Nach langer Debatte nahin die Ver- sammlung einstimmig einen Antrag an, wonach der Streik in der bisherige» Form weitergeführt wird. Den Lcdigen wurde ernstlich empfohlen, abzureisen, um den Kampf zu erleichtern. Zum Tischlerstreik in Rostock. Wie im„Vorwärts" bereits mitgetheilt worden ist. war es zu Verhandlungen zwischen den Ver- tretern der beiden Parteien gekommen, wobei die Vertreter der Unternehmer erklärten, daß am Stundenlohn nnr 2 Pf. zugelegt und von der bisherigen 6vstündigen Arbeitszeit nicht abgewichen werden könne. Wie ans einer unS zugegangenen Privatdepesche zu schließen ist, scheinen sich die Verhandlungen vollständig zerschlagen zu haben, denn die Tischler beschlossen, nachdem ihre geringen Forderungen, die in der Hauptsache 3 Pf. Erhöhung des Stundenlohues nnd 59stündige Arbeitszeit betrafen, abgelehnt worden sind, nun höhere Forderungen zu stellen. Dieser Beschluß wurde mit 110 gegen 7 Stimmen gefaßt. Ziuug ist also auch weiterhin streng fern- zuhalten. � Die Leitung der Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg hat ihren S ch a» e r l e u t e n das Anerbieten gemacht, auf einen festen Lohn von 29 M. oder 41 Pf. pro Stunde für Stückgut- arbeiter und 34 M. gleich 48 Pf. pro Stunde für Getreide-Arbeiter einzugehen. Dafür sollen sie sechs Tage und eine Nacht resp. sechs Tage und einen Sonnlag, zusammen 70 Stunde» arbeiten, gleichviel, ob es in Hamburg oder auf der Unterelbe, in Kuxhaven oder bei Bruns- Hansen ist. Eine Mitgliederversammlung der Schauerleute wählte jedoch eine dreigliedrige Kommisston, die durch Unterhandlung mit der Leitung der Hamburg- Amerika- Linie eine„gerechtere und genauere Präzistrung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse" anstreben und dann in einer Versammlung der Schauerleute über das Er- gebniß berichten soll. Die Zimmerer BochnmS beschlossen am Dienstag, die Forderung des Zehustundcntages fallen zu lassen, dagegen die Forderung auf 3 Pf. Erhöhung des Stundenlohnes beizubehalten. Gekündigt, halten bis Dienstag Abend 74 Zimmerer. Jnsgesammt giebt es in Bochum 164 Zimmerer, davon gehören 116 der Gewerk- schaft an. In Hannover haben die Dreher und Schlosser der K n ö l l e' schen Maschinenfabrik die Arbeit eingestellt. Eine Lohnbewegung bereitet sich nach Angabe des Fach- blattes„Im Zeichen des Verkehrs" in den Teppichmuster- Z e i ch n e r e i e n von Gera, Greiz, Glauchau, Meerane, Netzschkau und Reichenbach vor. In den Musterzeichnereien ist die Arbeitssaison nur kurz; während derselben müssen indessen alle Kräfte auf das äußerste angespannt werden. In der Zwischen- zeit muß ein großer Theil der Zeichner behalten und honorirt werden, um den Anforderungen der Fabrikanten für die Saison ein geschultes Personal gegenüberstellen zu können. Außer einer Lohnerhöhung wird nun von den Muster- Zeichnern die Festsetzung einer Höchftzahl von Ueberstunden, eine Verkürzung der Arbeitszeit in der tobten Saison und ein achttägiger Feriemirlanb gefordert. Die Inhaber der Musterzeichnereien haben die ihnen in einer Eingabe unterbreiteten Forderungen vorläufig ab- gelehnt, da sie von den Fabrikanten ohnehin zu geringe Preise bezahlt bekämen. Ausland. Tie Scnscnarbciter Oesterreichs arbeiten eifrig an der Schaffung einer ihren eigenartigen Verhältnissen entsprechenden Organisalion. Zu diesem Zwecke fand während der Pfiugslseicrtage in Selzthal der erste österreichische Sensenarbeiter-Kougreß stall. Vertreten waren folgende Orte: Kindberg, Waidhofen a. d. Ibbs, Ngonitz, Judenburg. Wolssberg, Spital, Dentsch-Feistritz, St. Lo- reuzen, Eppenstein, St. Gall�i, Mölln, Randegg, Scharusteiu, Gall, Pöls, Klageufurt, Mondsee, Jenbach, Micheldorf nnd Opponitz. Er- schienen waren 30 Delegirte, welche die weitaus überwiegende Mehr- heit der Sensenarbeiter vertraten. In Brüssel brach der„Köln. Ztg." zufolge in der großen Lmtfadrik Vimenet ein allgemeiner Aussland aus. Tie Ausständigen oeschlosse», eine Abordnung zum Gouverneur der Provinz Brabant zu entsenden. Ju der Umgegend von Ferrara in Italien streiken, wie der „Voss. Ztg." aus Mailand lelegraphirt wird, sämnitlich e Feld- arbeiter, so daß die Einbringung der Ernte vollständig ruht. Französische Streiks im Mai. Das Arbeitsamt zählte im Mai 43 Streiks gegenüber 70 Streiks im gleichen Monat des Vor- jahres. Die Durchschnittszahl der Streiks des Monats Mai in den letzten vier Jahren beziffert sich auf 69. Die Zahl der Streikenden war dagegen im verflossenen Monat erlieblich höh>r als im Mai 1896, und zwar 9047(für blös 40 Streiks) gegenüber 6260. Das erklärt sich namentlich aus dem großen Lyoner Maurerstreik, an welchem 5000 Mann beiheiligt sind. Die größte Zahl der Konflikte(16) nnd der B-tkeiligten fällt diesmal auf die Baubranche, welche in dieser Jahreszeit die leb- hasteste Thätigkeit aufweist. Daraus folgen die Textil- und die Metallindustrie mit je 9 Streiks und neun weitere Gewerbe mit je einem Streik.— Von de» 43 Konflikten betrasen 13 mehr als eine Unternehmung. Die Ursachen der Streiks sind, wie immer, ganz über- wiegend Lohnstreitigkeiten. Das ist der Fall in 30 Konflikten, worunter 25 mal Forderung einer Lohnerhöhung, 4 mal Abwehr gegen eine Lohnherabsetzung und I mal Tarisstreiligkeit. Die Ver- kiirzung der Arbeitszeit wurde in vier Fällen gefordert, darunter in zwei Fällen zugleich mit einer Lohnerhöhung. In 5 Streiks wurde um Personalsragen gekämpft(Entlassung von Arbeitern, Aufsehern und eines Direktors), in ze einem Falle um Werkstätten-Ordnnng, um Beibehaltung der Akkordarbeit(65 Arbeiter einer Zwiebackfabrik in Paris), um Abschaffung der Akkordarbeit und uni Abschaffung des Lohnabzuges für die Vcrsicherungskasie. Von den 43 im Mai begonnenen Streiks sind 14 bis zum 31. Mai noch nicht beendet gewesen. Die übrigen 29 dauerten von 1 bis 22 Tagen. Dazu kommen 5 früher begonnene nnd im Mai beendete Streiks, welche von 19 bis 101 Tagen dauerten. Ter Ausgang dieser 34 Streiks war: 10 Erfolge, 16 Aus- gleiche und 8 Mißerfolge. Der Maurer streik von Lyon dauert seit dem 10. Mai bis hente(23. Juni) fort. Die Hauptforderung der Streikenden ist eine Lohnerhöhung von 10 Centimes(3 Pf.) pro Stunde. Ein Ver- mittelungsversuch seitens des Friedensrichters wurde, wie gewöhnlich, von den Unternehmern zurückgewiesen. Soziales. Neber die Verhandlungen des SN. brandenbnrgischen Städtetagcs wird uns ans Schwedt weiter gemeldet: Nach langer lebhafter Debatte wurde der Antrag des Referenten, die Er- richlung eines öffentlichen Psandbriefamls betreffend, abgelehnt und ein anderer angenommen, der ausdrückte, daß kein allgemeines Be- dürsniß für ei» solches Amt vorlieg«. Hierauf referfrte Bürgermeister Lehmann in LandSberg a. D.> über das„Interesse der Gemeinden an ihren Sparkassen". Der Referent hält von allen Spareinrichtungen die kommunale Sparkasse für das geeignetste Institut, weil es unbedingle Sicherheit für die Einlagen gewähre. Tie weitere Ausdehnung der koinmu- nalen Sparkassen und die Verbesserung ihrer Einrichtungen sei durch das öffentliche Interesse geboten. Sollte aber hierin ersprießliches ge- leistet werden, so dürfe die Selbstverwaltung nicht unnöthig ein« geschränkt werden. Ein ausschließliches Anrecht der Sparer aus die Zinsüberschüsse könne nicht anerkannt werden. Die Festsetzung des Einlagezinsfußes einerseits und des Zinsfußes für Anlagen anderer- seits könne unbedenklich den Garaniieverbänden überlassen werden, da dieser Zinsfuß nicht willkürlich bestimmt werden kann, sondern von der Lage des Geldmarktes abhängig ist. Es ist prinzipiell gerechtfertigt und durch die bestehende Gesetzgebung nicht verboten, daß den Garantieverbänden, unbeschadet der gemein- nlltzigen Bestimmung der Sparkassen, ein der übernommenen Haft- pflicht und der übernommenen Arbeit entsprechender Reingewinn zufließt. Die Betheiligung am Reingewinn solle eintreten, sobald der Reservefonds 5 pCt. des Einlagenbestandes erreicht hat. Es müsse genügen, daß dann nur die Hälfte zu gemeinnützigen Zwecken verwendet werden kann. Die Versammlung beauftragte den Vorstand, in diesem Sinn« beini Oberpräsidenten vorstellig zu werden.— Der nächste Punkt betraf das polizeiliche Meldewesen. Bürgermeister D ö r f e l- Pritzwalk machte im wesentlichen folgende Ausführungen: Das Einwohner-Mcldewesen ist in allen Städten nach dem Karten- system einzurichten. Bei jeder Personenstandsaufnahme, Volks- Zählung und sonstiger geeigneten Gelegenheit ist eine Prüfung des Meldematerials auf seine Vollständigkeit vorzunehmen. Bei jeder Anmeldung einer Person ist unbedingt die vorgeschriebene Abmelde- Bescheinigung einzufordern. Ist auf derselben der neue Wohnort nicht oder nicht richtig angegeben, so ist dem Abzugsorte Keuntniß zu geben. Ein immerwährendes Register für Steckbriefe und Aufenthaltsermitlelungen ist einzurichten. Zu diesem BeHufe sind von einer Zentralstelle(königl. Polizeipräsidium Berlin) zur Auf- bewahrung in alphabetischer Ordnung geeignete gedruckte Auszüge herauszugeben(z. B. durch Beilage zum Zentral- Polizeiblait). Debattelos wurden diese Vorschläge gut geheißen. Damit schließt die�Freitag-Sitznng. Die Schlußverhandlnngen am Sonnabend boten einen Vortrag des Stadtbauralhs M a l c o m e ß- Frankfurt a. O. über„Ab- änderungsvorschlägezurBaupolize i-V e r o r d n n n g für die Städte des Regierungsbezirks Frankfurt a. O. von, 23. November 1895". Es lagen hierzu verschiedene Anträge vor, die nach lebhaften Auseinandersetzungen zn dem Beschlüsse führten, daß angesichts der bisherigen geringen Erprobung der neuen Baupolizei-Ordnung vorläufig von Abänderungsanträgen abzu- sehen, dagegen der Vorstand zu beauftragen sei, unter Zuziehung geeigneter Sachverständiger die Vorschläge des Referenten zu prüfen und dem nächsten Städtetage event. eine Vorlage zu machen. Zum nächsten Vororte wurde Sora» gewählt. Zum Schluß wurden noch einige Wünsche und Erfahrungen auf dem Gebiete des Nachtwachwesens ausgetauscht, worauf der Städlelag geschloffen wurde. Eine erhebliche Steigernng der Zahl der Unfälle wurde in der in Berlin abgehaltenen 12. Genossenschasts-Versammlung der Spedition s-, Speichcrei- und Kellerei-Berufs« g e n o s s e n s ch a f t konstatirt und zwar um 16 pCt. der gemeldeten! nnd um 25 pCt. der entschädigten Unfälle für das verflossene Geschäftsjahr gegen das Vorjahr. Zur Anmeldung gelangten im verflossene» Jahre im ganzen 7263 Unfälle: für 1310 Unfälle wurden Entschädigungen bewilligt. Für Unfallentschädigungen hat die Berufsgenossenschafl im verflossenen Jahre im ganzen 1263 034 M. ausgegeben._ Gerichts-Beifim#» Der erste Mai war von Bedeutung in einer Verhandlung, welche gestern vor der 132. Abtheilung des Schöffengerichts statt- fand. Der Schankwirth Wilhelm N i c o l a u s und der Pianofort»« Arbeiter Adolf Kunze befanden sich am Nachmittage des 1. Mai in der Schanlwirihschaft von Heise in der Fidicinstraße. Es erschien der Arbeiter Mehlmann mit einem Korbe, um Frühstück für die auf einem Bau in der Nähe beschäftigten Maurer zu holen. Die An- geklagten gaben ihrem Mißfallen darüber Ausdruck, daß die Maurer am 1. Mai arbeiteten, anstatt zu feiern. Mehlmann erwiderte, daß die Betreffenden ihre Existenz nicht auss Spiel fetze» wollten. Di« Angeklagte» entgegneten in scharfer Weise und so kam es zu Händeln. Die Angeklagten sollen den Arbeiter Mehlmann erst mit den Fäusten, dann mit Stöcken geschlagen haben. Der Staats- anwall beantragte gegen die Angeklagten eine Gefängniß- strafe von je e i n e in I a h r. Der Gerichtshof erkannte auf je einen Monat Gefängniß. Einem Banipyr gleich hat der Schlossergeselle Erich Georg Hermann W i t h u n, der heute wegen räuberischer Erpressung vor dem Schwurgericht am Landgericht II stand, seinen früheren Lehr- kollegen ausgesogen. Der Angeklagte hat in Gemeinschaft mit dem Schlosser Emil Wer» icke bei der Schiffsbau- Aktiengesellschaft �Germania" in Tegel gelernt. Nach vollendeter Lehrzeit verliedert« er aber, er wurde Zuhälter und einer der berüchtigtsten Schläger des nördlichen Berlins. Da ihm bei seinem Müssiggange oft das Geld knapp wurde, so schrieb er wiederholt an Wernicke, denk er als einen überaus ängstlichen Menschen kannte, und drohte darin, den Adressaten todtznschlagen, wenn ihm derselbe nicht so nnd so viel Mark schicke. Diese Briefe ließ Withun durch Kumpane an Wernicke besorgen und nahm dann das Geld in Empfang. Wenn Wernicke kein Geld schickte, so suchte ihn der Angeklagte persönlich anf und prügelte ihn so lange, bis er sein letztes Geld hergab. Auf diese Weise hat der Angeklagte in sechs Fällen deni Wernicke mehr als 60 M. abgepreßt. Die Geschworenen be- jahten die Schuldsragen, worauf der Angeklagte zu zwei Jahren Zuchthaus, Ehrverlust nnd Polizei-Aufsicht verurlheilt wurde. Depesifzen und lvtzke Machvichken. Frankfurt a. M., 26, Juni.(B. H.) Der„Franks. Ztg." wird aus Konstantin opel lelegraphirt: Die türkische Forderung wegen erweiterter Grenzregulirung ist seitens der Botschafter unter Berufung aus die seinerzeilige Kollektivnote der Mächte, in welcher den Türken nnr eine strategische Grenzberichtigung zugestanden wurde, mit Einstimmigkeit abgelehnt worden. In der In- demnitäts-5io»»»ission erklärte der englische Vertreter, daß nach Prüfung des gesammten vorliegenden Materials und mit Rücksicht anf die Wiederansiedelung der griechischen Bauern in Thessalien, welch' letzteres infolge der schrecklichen Verwüstungen Jahre lang nicht ertragsfähig sein werde, Griechenland höchstens 3'/» Millionen Pfund an Kriegskosten-Entschädignng aufgebürdet werden könnte. Zell am See, 26. Juni.(B. H) Der Unbekannte, der am 8. d. M. im ZeUer See ertrank, ist als der Kaufmann Friedrich Petersen aus Flensburg identifizirt worden. Trieft, 26. Juni.(B. H) Der Mitschuldige am letzten Attentat gegen den König von Italien, der in Zara verhastet« italienische Anarchist Nosella, ist heule an die italienische Grenze transportirt worden und wird daselbst an die dortigen Behörden ausgeliefert. Budapest, 26. Juni.(W. T. B.) Die Wahlen zum serbischen Kirchenkongreß haben den Sieg der Opposition ergeben. Von ins- gesammt 75 zu wählenden Kandidaten wurden bisher 46 Oppositionell« und nnr 12 Anhänger der Regierungspartei gewählt. 16 Wahl- ergebnisse stehen noch aus. Die Ursache dieses Ausfalls der Wahlen iü die völlige Passivität der Regierungsfreundlichen, während die Opposition eine überaus rührige Thätigkeit entfaltete, und die radikal- demokratische Wahlordnung. Paris, 26 Juni.(W. T B.) Der Professor der Chemie, Schützeuberger. Mitglied des Instituts, ist gestorben. Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilage« u. Nnterhaliiingsblait. Für den Jnseratcnthcil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Dnnt und Berlag von Nr. 147. lt. imtpm. j Ifilnp Mommunstles. In ihrer geheimen Sitznng cim letzten Donnerstag hat die S t ad tv e r o r dn e t e»- A er s a m»> l nn g zu Mitgliedern der Einkommen st euer- Vera» lag ungs- Kommission außer denen, deren Wahl abgelaufen ist und wiedergewählt worden sind, noch folgende Personen neu gewählt: 1. Bähnisch, Brauerei« besitzer und Stadtverordneter, Kochstr. 3, 2. Bernhardt, Ingenieur, Paulstr. 10, 3. Dr. Caspari, Kaufmann, Stnlerstr. 8, 4. Dr. Eger, Regierungsrath, Rauchstr. 5, 5. Engeler, Bürstenfabrikant, Behren- straße 38, 8. Freist, RathZzimmermeister, Userstr. 18, 7. Friedmann, Bankier, Thiergartenstr. 8, 8. Gundlach, Kaufmann, Mauer- straße 90, 9. Huldschinsky, Fabrikant, Mathäikirchstraße 3», 10. Jacobi. Kaufmann, Königin Angustastraße 4S, 11. Langer, Bankier, Kleinbeerenstr. 2S, 12. Lissaner, Kommerzienrath. Jäger- straße�S9/80. 13. Loeb, Kaufmann. Grostbeerenstr. 6S, 14. Markwald, Rentier, Matthaikirchstr. 33, IS. Mente, Rentier, Reichenberger- straße 14S/8, 16. Meschelsohn. Rentier, Bendlerstr. 36, 17. Nelken. Bankier, Behrenstr. 87, 13. Peters. Rentier. Hallesches Ufer 8, 19. Reimann, Fabrikant und Stadtverordneter, Ritterstr. 43, 20. Rosen- tbal, Fabrikant. Königgrätzerstr. 3, 21. v. Schade, Oberstlieutenant a. D., Nostizstr. 11, 22. Schlesinger, Generalkonsul a.D., Potsdamerstr. 35, 23. Schmidt, Rechnungsrath, Wilhelmstr. 13. 24. Töpfer, Rentier. Kreuzbergstr. 71, 25. Ullstein, Verlagsbuchhändler, Potsdamerstr. 20b, 26. Heidler, Rentier, Gormannstr. 24, 27. Dr. Zeeden, Apotheker, Friedrichstraße 37, 28. Zylicz, Rentier»nd Stadtverordneter. Andreasstr. 54. Ferner wählte die Versammlung zu Mit- gliedern: Stellvertreter der Einkommensteuer- Veranlag ungs-Kom Mission: I.Bracke. Fabrikant und Stadtverordneter, Puttkamerstr. 14; 2. Crohn. Direktor, Teltower- straße 32; 3. Fasqnel, Kaufmann und Stadtverordneter, Linden- straße 108; 4. Hankow, Marin orfabrikant, Jorlftr. 82; 5. Latz, Rentier. Königin Augustastr. 44; 8. Lemp. Fabrikant und Stadt- verordneter, Scharrnstr. 3; 7. Mertens. Rentier und Stadtverordneter, Skalitzerftr. 107; 8. Morawski. Apotheker, Lindenstr. 74; 9. Dr. Paul, Chemiker und Stadtverordneter, Friedrich Wilhelmstr. 10; 10. Vogel. Rentier. Paulstr. 11. Uokales. Zur Lokalliste. In der letzterschienenen Lokalliste haben sich einig« Druckfehler eingeschlichen, welch« hiermit berichtigt rverdcn. Im letzten Abschnitt unter Lokale für den Privatverkehr muß es heißen statt: Tcufelsee» n d Friedrichshagen, Pserdebucht und Köpenick: Teufelsee bei Friedrichshagen. Pserdebucht bei Köpenick. Ferner unter Bernau statt Bohne— Bohre. Die Lokal« kommisston. Die Firma Eduard Jakobsohn, Kartonfabrik, Land- wehrstr. 11, feiert am 3. Juli ihr 25jähriges Geschäftsjubilänin in K e l l e r' s Feftsälen, Köpenickerstraße, einem der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stehenden Lokale. Die Arbeiter genannter Fabrik, welche verschiedentlich bewiesen haben, daß sie Energie genug besitzen, um ihre Interessen sowie die der gesammten Arbeiterschaft zu vertreten, werden wissen, wie sie sich in diesem Falle z» ver- halten habe». Sozialdemokratischer Wahlverei« für den 6. Berliner RcichStags-WahlkreiS. Parteigenossen! Die schwache Be« theiligung an unserer politischen Organisation, dem Wahlverein, läßt es nothwendig erscheinen, an Euch zu appelliren, nach dieser Richtung eine intenstvere Thätigkeit zu entfalten. ES ist das umso- mehr nothwendig in einer Zeit, wo die Reaktion ihr Haupt erhebt, kühner als je zuvor, die Rechte der Arbeiter nach Möglichkeit zu kürzen und einzuengen. Wichtig« Aufgaben haben wir auf politischen, Gebiete zu erfülle». Die Propagierung sozialistischer Grundsätze ist die vornehmste Aufgabe des Wahlvereins. Aber auch die im nächste» tahr« stattfindende Reichstagswahl ermahnt uns, jetzt schon ein« rege hätigkeit für dieselbe zu entfalten. Soll der Wahlverein die nöthige Achtung im öffentlichen Leben genießen, dann ist der Massen- beitritt der Arbeiter des 8. Kreises zu demselben erforderlich. Namentlich diejenigen Genossen, welche vor der Zerstörung unserer politischen Organisation Mitglieder derselben waren, wollen aus ihrer Reserve heraustreten und ihren Anschluß wiederum bemerk- stelligen resp. in den Zahlstellen ihre Bücher umschreiben laffen. Ohne regsam« Agitation kein Erfolg! Die Zahlstellen befinden sich an folgenden Stellen: Schön- hauser Vorstadt: Lietzk«, Schwedterstr. 33; Schmidt, Treskowstr. 22; Augustin. Kastanien- Alle« 11, und Rieb, Schliemannstraße 43. Rosenthaler Vorstadt: Bach- g ä n g e r, Ewinemünderslr. 98; R o s i n, Ruppinerstr. 42. und Hopp«, Ackerstraße 143. Oranienburger Borstadt: Thier und Mlensth als Krufts ntufchinen.'> Sin berühmter Fundamentalsatz beherrscht all« Anschauungen unserer Zeit, kontrollirt jede Berechnung aller Kraft- und Bewegung?- erscheiuungen. ES ist der„Satz von der Erhaltung der Energie". Ehemals hieß er»der Satz von der Erhaltung der Kraft". Sein Sinn ist:.Keine mechanische Energie, so weit sie«xistirt, kann aus dem Weltall verschwinden— keine neue erzeugt werden." Es ist dasselbe Gesetz, das uns aus der Erhaltung der Materie entgegen- leuchtet:.Keine Materie kann vernichtet, kein« auS nichts erzeugt werden." Dieselben Gesetze sind wie unter den tobten Materien auch im Menschen- und Thierleib maßgebend. Hier wird keine Kraft, kein Stoff aus dem Nicht? hervorgezaubert, keine Kraft, kein Stoff zu nichts gewandelt. Alles, was h,er in Erscheinung tritt, komnit irgend woher, geht irgend wohin. Es ist bemerkenSwerth, daß daS rein physikalische Gesetz von der Erhaltung der mechanischen Energie zuerst durch einen Arzt, Robert Meyer, am menschlichen Körper beobachtet wurde. Den genialen Heilbroimer Doktor, damals Schiffsarzt, brachten die Bewohner des heiße» Südens ans den Ge- danken, daß Wärme und Arbeit verwandt seien. Di« kalorischen und elektrischen Energien, welche der ferne Eoimendall ausstrahlt, baue» die Bäume empor. Aus den Bäumen wird Kohle, in welcher die Sonnen-Energie als chemische Energie gefesselt liegt. Dies« wird im Heizraum des Keffels entfesselt und theilt sich dem Dampf als Spannung mit, der wiederum Fabriken treibt, von wo die Energie als Reibungswärme in de» Kreislauf der Dinge weiter eilt, unaufhallsam. den großen Ring der Unzerstörbarkeit, der Ewigkeit erfüllend. Was hier als Wärm« oder Arbeit verloren geht, tritt irgendwo im Weltall als Wärme oder Arbeit, als Elektrizität oder chemische Energie wieder auf. Es ist dies die.Unsterblichkeit" der mechanische» Kraft. Ei» Kilogranun-Meter ist die Energie, welche benöthigt wird, da? Gewicht von einem Kilogramm 1 Meter hoch zu heben. Ein« Calorie oder Wärme-Einheit nennt man die Wärmemenge, die nölhig ist, um I Liter Wasser von 0 Grad auf 1 Grad Celsius zu erwärmen. Will man durch Arbeit, z. B. Reiben, Wärme erzeugen, so gehören annähernd genau 435 Kilogramm- Meter dazu, um 1 Liter Wasser auf 1 Grad Celsius zu erwärmen. Umgekehrt vermag man mit der Energie, welche in 1 Calorie steckt, 435 Kilogramm 1 Meter hoch zu heben. Es repräsenlirt demnach 1 Wärme-Einheit 435 Kilogramm- Meter. Ein Liter Wasser, der um 1 Grad Celsius abkühlt, hat an die umgebende Luft 435 Kilogramm abgegeben» die irgendwo im Weltall wieder auftreten müssen. So werden alle Erscheinungen des Menschen» und ThierleibeS: Wärme. Elektrizität, Luft, chemische Energie, Muskelarbeit, nur als *) Wiener.Neu« Freie Presse". iw Jotniärts" Pfeiffer» Schwartzkopfstr. 11; Diele, Ackerstr. 123, und H i l g e n f e ld, Bergstr. 60. Gesundbrunnen: Thul- in an», Sandstr. Ib; Haferland, Bellermannstr. 87, und Herrmann. Putbuserstraße 45. Wedding: Gleiuert, Müllerstr. 7a; Heising, Schulstr. 114, und Tausche!, Wiesen- straße 23. Moabit: Köhler, Calvinstr. 11; F a b e r, Stephanstr. 11; Renfer, Beusselstr. 24, und Johann Pfarr, Puttlitzstr. 10. Der Vorstand. Ter Schweinbnrg muß bekanntlich im Dienste der deutschen Großindustriellen gegen ein jährliches Gehalt von 12 000 M. die klassenbewußten Arbeiter verunglimpfen und mit Koth bewerfen. Gegenwärtig macht er den Versuch, die Polizei gegen die aus- ständigen Maurer aufzuhetzen, und fordert ferner die schwerste Strafe für die, welche die Streikbrecher an ihrer„freiwilligen" Arbeit hindern. Er läßt seinen„Berliner Politischen Nachrichten" Mittheilungen zugehen, wonach bei Durchführung des jetzt in Berlin inszenirten Maurerstreiks fast täglich die empörendsten Ver- gewaltigungen ruhiger solider(!) Arbeiter seitens ihrer streikenden Genossen zu beobachten sind; daß Maurer, welche an dem bisherigen Lohn und den Arbeitszeilverhältnissen sich genügen lassen, beim Verlassen ihrer Arbeitsplätze in gefährlicher Art beschimpft und thätlich belästigt werden, ohne daß ihnen irgendwie das Maß behördlichen Schutzes zu theil würde, auf das sie als Staats- bürger Anspruch!!! Der Schiveinburg hat seine 12 000 Gründe, um derartige Grenelszenen in seinem Blatte aufzuführen, und daher kommt es ihm durchaus nicht darauf an, die Thatsachen aus den Kopf zu stellen. Denn wenn auch nur ein Fünkchen Wahrheit an seinem Geschreibsel wäre, so hätte man doch in der arbeiterfeindlichen Presse Berlins, die begierig daraus ist, den Ausständigen ein Bein zu stellen, bisher irgend eine Mittheilung über angebliche Ausschreitungen gefunden. Nichts von alledem aber. Die einzige, allerdings em- pörende Rohheit, die gemeldet worden ist, betraf die Affäre auf dem Bau in Wilmersdorf, wo ein Maurrer aus«inen anderen mit dem Revolver geschossen hat. Der Revolverheld aber war ein Streikbrecher, und der Schuß war aus einen Kollegen ge- richtet, der als ehrenhafter«Rann mit seinesgleichen Solidarität geübt hatte. Was kommt es aber dem Schiveinburg auf solche Kleinigkeiten an. Er kriegt ja keine I2 000.Mark, wenn er nicht lügt und ver- leumdet. Die Schönheit der sogenannten„staubfreien" Müllabfuhr tritt in der jetzigen schönen Sommerzeit recht deutlich in die Augen. Denn wenn wir auch dem Namen nach eine staubsreie Müllabfuhr haben, so ist dies thatsächlich nur theilweise der Fall; jedenfalls führt das System, wie es von der Wirlhschastsgenossen- schaft der Berliner Grundbesitzervereiue und anderen Rbfuhrnnter- nehmern beliebt wird, bei welchem die gefüllieu offenen Müllkästen einfach von Arbeitern aus den Häufern geschleppt und in einen auf der Straße haltenden Wagen entleert werden, diesen hochtönenden Namen mit unrecht. Haben die Arbeiter schon im Winter unter diesem Verfahren ganz erheblich zu leiden gehabt, indem sie den ganzen Tag in Staub und Schmutz sich zu bewegen genöthigt waren, so ist dies in der jetzigen Jahreszeit noch weit mehr der Fall. Und auch das Publikum wird jetzt in noch höherem Grade als vordem durch diese Art der Müllabfuhr belästigt. Dies System ist weder staubfrei noch geruchlos; bei der herrschenden hundstäglichen Temperatur macht sich die Anwesenheit des Müllwagens vielmehr in höchst un- angenehmer Weise den Geruchsnerven der Straßenpassanten be- merkbar. Und nun versetze man sich einmal in die Lage der Ar- beiter, zu welchen selbst weibliche Personen gehören, welche den ganzen Tag über bei tropischer Hitze in solchem stinkenden Gemülle herumbaden müssen. Den ganzen Tag hat man diesen unschönen Anblick vor Augen, von einer nächtlichen Müllabfuhr ist keine Rede mehr. Solche war wohl möglich, als wegen der vielgepriesenen Zkntenarfeier ein großer Theil der Friedrichstadt aus längere Zeit abgesperrt wurde. Aber alle Tage ist nicht Zentenarseier! Und nicht einmal die Behauptung, wonach Anordnung getroffen worden sei, daß die Müllabfuhr bis spätestens 10 Uhr vormittags beendet sein müsse, hat sich bewahrheitet; sie hat sich vielmehr als eine falsche Behauptung erwiesen. So wird denn in altgewohnter Weise fortgewurstelt, die geduldige» Berliner und Berlinerinnen saugen resignirt die mephitischeu Düfte ein, welche diesen moderne» Hexen- kesseln entbrodeln. Die Fremden, welche als Sommergäste»ach Berlin kommen, um die Herrlichkeiten der Reichshauptstadt anzn- staunen, werden jedenfalls— die Nase voll kriegen von der Berliner Müllabfuhr. Ein nencS Nntergrnndbahn-Projekt ist dem Magistrat von der Gesellschaft für den Bau von Untergrundbahnen, welche den tausendgestaltige Verwandlungen«ineS und desselben Proteus aufzu« fassen sein, alle? eini und dasselbe. meßbar in Kilogranun-Metern: mechanische Energie! Der Mensch an der Drehbank, an der Nähmaschine, wie an den Werkzeugen deS Handwerks überhaupt, das Zugthier am Wagen oder am Göpel verrichten die Arbeit eines Dampf-, GaS- oder Petroleum- MotorS und lassen sich auch durch solche ersetzen. Der Mensch leistet nur Vio bis'/» Pferdestärke(eine Pferde- stärke--- 75 Kilogramm-Meter in der Sekunde) während einer TageSarbeit von etwa acht Stunden. Er kann freilich auch eine halbe Pferdestärke leisten, aber nur 2 bis 3 Minuten hindurch, ja sogar eine ganze Pferdestärke aber nur wenige Minuten lang. Der Walfisch zum Beispiel, welcher 10 Knoten in der Stunde zurücklegt. also die halbe Gefchwindigkeit unserer besten Dampfschiffe besitzt, ist ein lebender Motor von ungefähr 140 Pferdestärken. Welch« geheimuißvollen Prozesse bringen Bewegung in diesen Apparat ans Fleisch und Knochen, der aus einer großen Anzahl mikroskopisch kleiner Kraftmaschinen und Apparate, den Zellen, zu- sammengesetzt ist? Wir wissen so wenig davon, wissen wir doch kaum, auf welche Weise die Muskelfasern sich kontrahiren! Erst in letzter Zeit ist es Herrn Professor Reuleaux gelungen, eine sehr geist- voll« ErNärung hierfür zu finden. Aus welch« räthselhafte Weise werden die mechanischen Energien entfesselt, um nach außen alS Lebensenergien zu erscheinen? Unzweifelhaft ein Verbrennungsprozeß wie unter unferm Dampfkessel. Aber wie wird diese Verbrennung zu Kraft, Arbeit, unter welchen Bedlndungen ist sie an die Erscheinungen des Geistes, an die Wunder der Empfindungswelt geknüpft? Räthsel über Räthsel, die sich noch steigern, wen» wir noch anderen, für unser« hergebrachten Begriffe ungewohnten und seltsamen Energien in der lebenden Maschine be- gegnen, wie der Elektrizität, dem Blitz, dem Lichte. In unseren Nerven besitzen wir«in wohlgeordnetes Telegraphensystem, in welchem ebenso wie in den Muskeln elektrische Ströme auftrelen. Der Zitter- rochen, die elektrischen Aale und Welse erzeugen als echt moderne Elektrotechniker in eigenen Batterien Elektrizität, mit der sie recht kräftige Blitzschläge auslheilen können, eine wunderbare Schutz- und Angriffswaffe. Dioskorides berichtet, daß man durch Berührung mit dem Zitterrochen Kopsschmerzen heilen könne; die Elektrizität war also Dank den thierischen Elektrizitäts-Maschinen schon bei den Alten als Heilmittel bekannt. Der Zitteraal kann mit einer Entladung Thier« lähmen oder tödten. Ist er durch zahlreich «rtheille Schläge erschöpft, so muß er neue Energie sammeln, daS heißt er bedarf der Nahrung und der Ruhe, um sich wieder neu mit Elektrizität zu laden. Humboldt sagt:„WaS unsichtbar die lebendige Waffe dieser Wasserbewohner ist, was durch die Be- rührung feuchter und ungleichartiger Theile erweckt, in allen Organen der Thier« und Pflanzen umtreibt, was die weite Himmelsdecke donnernd entflammt, waS Eisen an Stahl bindet und den stillen, wiederkehrenden Gang der Nadel lenkt: Alles fließt aus einer Soml-g. 27. liKi 1897. Nachweis der Ausführbarkeit desselben durch die Herstellung einer 160 Meter langen Probestrecke unter der Spree zwischen Treptows und Stralau erbracht hat, zur Genehmigung unterbreitet worden.' Während die im Bau begriffene Hochbahnlinie der Firma Siemens� und Halske den Schnellverkehr zwischen dem Westen und Osten vermittelt, soll die geplante Untergrundbahn zwischen dem Humboldthain und dem Kreuzberg dem Schnellverkehr zwischen dem Norden und Süden dienen. Letztere Linie wird ihren Verkehr zum Theil den west- östlichen Linien zubringen, zum Theil von denselben empfangen, ohne mit ihnen in Wettbewerb zu treten. Die Untergrundbahn, der im allgemeinen eine möglichst hohe Lage ge- geben werden soll, beginnt nach dem vorliegenden Projekt auf dem in der Nähe des Humboldthains von der Gerichts-, Hoch- und Neue Hochstraße gebildeten kleinen Platz, durchzieht die Neue Hoch- straße. biegt sodann in die Liesenstraße und bald darauf in die Chansseestraße ein, in der sie bis zu ihrem Einlaufe in die Friedrichstraße verbleibt. Auf dieser Strecke sind die zwei Stationen„Schwarhkopfstraße" und„Tieckstraße" vor» gesehen. Aus der nunmehr verfolgten Friedrichstraße biegt die bisher in hoher Lage angeordnete Bahn vor der Weidendammer-Brücke in die Uferstraße am Schiffbauerdamm ab, fällt hier unter Kreuzung der Pank« bis unter das Spreebett und unterfährt sodann den Spreefiuß unterhalb der über letzteren führen- den Brücke der Stadtbahn. Auf dem linken Spree-Ufer ersteigt die Bahn unter dem freien Platze südlich des Stadtbahnhofes Friedrich- straße allmälig die hohe Lage wieder und läuft dann in die bei der Friedrichstraße angeordnete Station gleiche» Namens ein. Hinter dieser Station läuft die Bahn bis zum Belle-Alliance-Platze in ganzer Linie und zwar in hoher Lage unter der Friedrichstraße und enthält die Stationen:„Unter den Linden",„Leipzigerstrabe" und Belle- Allianee-Platz". Nach Kreuzung des. Schifffahrtskanals wird die Bahn unterhalb des Bliicherplatzes und der Belle- Alliancestraße bis zu ihrer Endstalion„Hagelsbergcrstraße" weiter geführt. Die Geschwindigkeit der in Abständen von drei Minuten abzulassenden Züge beläuft sich auf 20—30 Kilometer in■ der Stunde. Mit jedem Zuge können 4 X 40 160 Personen befördert werden. Die Anlagekosten der Bahn sind auf 25 Millionen Mark veranschlagt. Tie ncucste Bliithe des polizeilichen VerfromtnuugS- strcbenS. Mehrere hintereinander f a h r e n d e ftremfer bilden einen Aufzug, wie solche nach 10 d e r neuen P o l i z e i v e r o r d n u n g an Sonntagen nicht gestattet werden können. Diese zeitgemäße Erfahrung »lilßt« der Spirituoseusabrikant D. Saudmann. Greifswalder- straße 43, machen, als er vor wenigen Wochen für sein Personal eine Landpartie arrangirte. Herr S. suchte bei der Polizei die Erlaubniß nach für die Mitführung einer Kapelle bei dem beabsichtigten Ausfluge, doch wurde ihm dies nicht genehmigt, mit' dem Hinweise, daß nach§ 10 der Polizeiverordnung öffentliche Aufzüge an Sonntagen nur zu kirchlichen Zwecken stattfinden dürften. Einen gleichen Bescheid erhielt der Fabrikant, als er sich an das königliche Polizeipräsidium, Abtheilung II, wandte. Ja, es wurde ihm hier sogar Kenntniß gegeben, daß die Kremserfahrt am Sonntag � überhaupt nicht stattfindcn'dürfe, da sieben Kremser hinter» einander einen öffentlichen Aufzug darstellen. Ein Bergehen gegen diese Verordnung werde mit einer Strafe bis zu 30 M. belegt. Trotzdem hat der Fabrikant die Partie zur Aus- ftthrung gebracht und da Polizeibeamte sich die Firma des S. notirt, so dürste dieser in den nächsten Tagen bereits ein Strafmandat er» halten. Der Fabrikant wird jedoch richterliche Entscheidung beantragen. Dieser komische Fall zeigt abermals, wie wenig die Verfrommungs- Verordnung, i» deren Zeichen die altersschwache Kirch« über den kecken Umsturz siegen soll, eine gesellschaftSerhaltende Funktion auszuüben vermag. Statt sich über die wenigen Zeichen zu freuen, die noch als Harmonie zwischen Kapitalisten und Arbeiter zu deuten sind, muß die Polizei dem Unternehmer, der für sein Per- sonal ein übriges thun will, die Freude an seinem Wirken verleiden. Und zu wessen Vortheil? Die bejahrte Dame, die als evangelische Kirche au Sonntagen anders kein Geräusch als Glockengelänte hören kann, hat doch wahrlich keinen Nutzen von solchen Polizeithaten. Noch zwei neue Konkurrenz- Uuternchnicn sollen der Packet fahrt. Gesellschaft erstehen. Wie berichtet wird, stehen der einen Gesellschaft frühere Vorstandsmitglieder der ver- flösse»«»„Berliner Verkehrsanstalt" nahe. Die zweite besteht auS einem.Konsortium von Unternehmer», welches bereits mit dem „Deutschen Exportmustcrlager Walter Schulze", Luisenhof. in der Dresdenerstraße 34, als dessen Direktor Herr Dr. Jannasch fungirt, behufs Gründung einer großen, sich über ganz Deutschland er- streckenden Verkehrsanstalt und einer Zentrale in Berlin in Unter« Handlung getreten ist. Quelle, alles schmilzt in eine ewige, allverbreitende Kraft zu- fammen." Ja, eine ewige, allvcrbreitende Energie ist eS, die in zahllosen Formen immer als eine andere und doch ewig die gleiche erscheint, der Proteus der mechanische» Kraft. Ebenso produziren die Leuchtwürmer und Feuerkäfer ihr sanftes Licht, das in lauen Sommernächten eigenlhümlich reizvoll auS Hohem Grase und auS Büschen dem Pfade ihrer Liebe leuchtet, Der Leuchthai erhellt nach Bennet mit dem Schimmer semeS BaucheS ein ganzes Zimmer.„Bei der leuchtenden Meerschwalbe". sagt Schleiden,„ist es das Innere des Maules, welches phosphoreszirt. Wen» der Fisch bei Nacht sich auS dem Wasser erhebt und durch die Luft schießt, glaubt man eine Sternschnuppe zu sehen. Und endlich da? Meerleuchten.„Am 80. Oktober 1772" erzählt R. Forster,„auf der Höhe des Kap der guten Haffnnng schien das Meer um Cook's Schiff zu brennen, jede Welle hatte«inen leuchtenden Kamm, Leuchtkugeln stiegen aus und nieder und dt« Fische schössen wie Blitze in der Tiefe vorüber." DaS Meerleuthtcn, die Milchsee, ist ein von Myriaden lebender Laternen erfüllter Wasserstrom. Die Leuchtwürmer und Feuerkäfer waren in den letzten Jahr- zehnten Gegenstand eifriger Untersuchungen und haben merkwürdige Resultate ergeben. Nach Langley und Very wären sie vierzigmal sparsamer in der Ausnützung der Energie«IS die elektrischen Glttd- lampen und zwanzigmal als die besten Bogenlampen. Der Licht- techniker könnte also bei den winzigen Thierchen in die Schule gehen und ihre Methode der ökonomischsten Lichterzeugung erlauschen. Doch kehren wir von Licht und Elektrizität zur Arbeil zurück. Es giebt Fälle,»n denen diese schwer, ja fast unmöglich zu ermitteln ist. Zum Beispiel im ruhenden Menschen. Nach außen tritt keine Arbeit tii Erscheinung und dennoch stockt die innere Thätigkeit der Organ« keinen Augenblick; auch ist ihre Größe keineswegs zu vernachlässigen. Di« Vorgänge im Hirn, in den Nerven, den Muskeln, den Eingewciden, wie in sämmtlichen Drüsen und Organen stellen eine bedeutende Energiesumme dar. Wesentlich fallen diese Vorgänge ins Gewicht, wo es sich um den geistigen Handwerker, den Gelehrten, den Denket und Dichter, den Erfinder handelt, wo die thierische Maschine nicht mehr als Kraftmotor, sondern als Gedankenmaschine funktionirt. Hier entzieht sich alle aufgebrauchte mechanische Energie völlig unseren Meßinstrumenten und eS ist-scheinbar unmöglich, die Gedankenarbeit in Kilogramm-Metern zu messen. Der Leser darf natürlich mechanische Energien nicht mit geistigen verwechseln. Die Imponderabilien der Seele vermag heute kein Chemiker aus seine Waage zu legen. Trotzdem hat der Forscher einen Umweg gefunden, die Aus» gäbe, wenn auch nur schätzungsweise, zu lösen. Wir sehen den Körper Nahrung aufnehmen, aus dieser seine Zellen bauen, seiiie Organ« in Thätigkeit erhalten, seine Wärnieverlust« nach außen vc- streiten. Bielsach verschlungene, geheimnißvolle innere Wandlungen voll» Nuö den Kreisen der MaqistratS-Hilfsarbeiter wird imS berichlel: Der Mngistral ivendel jetzt ei» weiteres Mittel an, seine Bureau-Hilssarbeiter m«virttzschafllicher Beziehung zu benachthciiigcn. Nicht geniig, daß seit U/s Jahren die früher regelmäßigen skalcn- mäßige» Aufbesserungen«ingcstelll sind, werden jetzt den zu mili- t ä r i s ch e n U e b u n g e n einberuscnen verheiratheten Hilfsarbeitern die Diäten(Gehalt) für die Zeit der Uebmigen konsequent entzogen, Der Magistrat begründet dies in einein Falle mit dem gegenüber- KMcnden Bezug der Militärkompetenzen und der zu er- Dlsebenden(überreichen?!) Landwehr-Unterstütziingsgelder. Zu der Familientragödie in Pankow wird uns noch folgendes berichtet: Frau Schünpke, die aus Zimmer 4 im Sommer- lojarech unter der Leitung des Oberstabsarzles Dr, Reinhardt und des Oberarztes Bennecke behandelt wurde, ist gestern früh um Uhr gestorben. Ihre Verwundung am Halse war zwar schwer, aber nicht unmittelbar tödttich; man hoffte daher, sie am Leben erhalten zu können. Es l)at sich aber herausgestellt, daß Frau ©ch impfe, bevor sie zum Messer griff, um ihre Kinder und sich selbst abzuschlachten, schon die S n b I i m a t p i l l e n eingenommen hatte, die sie zu Haufe aufbewahrte. Als man die unglückliche Frau auf dein©opha liegen fand.gsah man zwar schon, daß ihr eine Flüssig- feit aus dem Munde herauslief, niemand dachte aber an eine Ver- giftmig und die Aerzte wandten natürlich alle ihre Zlusmerksamleit der großen©chnittwimde zu. Im Kranken Hause blieb die Frau bis zum letzten Augenblick bei voller Besinnung, Der Schwester Hertha und der sWarteriii Clara, die sie pflegten, machte sie verschiedene schriftliche Miltheiluugeu. so u. a.. daß sie die Subliiuatpillen schon längere Zeit zu Hause gehabt habe- daß ihr Leben mit ihre», Manne in der letzte» Zeit nicht gilt gewesen. sei, daß sie die beiden Kinder aus Roth unigebracht habe, Schimpke hat früher in der Bernauerstraße Nr, 79 zu Berlin ge- wohnt, dann in der Tanzigerstraße, Im April vor z>vei Jahren bezog er die Häuser, die er in Pankow gebaut hatte,©ein Ver- mr'gcn betrug nur etwa IS Ovo M. Die Bauspelulation schlug so gä«. zlich seht, daß die Familie in der letzten Zeit mit Nahrungs- sorg»'« z» kämpfe» hatte. Diese Verhältnisse haben auch das Familien- gluck zerstört. Einige Tage vor Pfingsten kam es schon so weit, daß ©chimpk«, als er bctruiikeu nach Hause kam, seine Frau mißhandelte, die Möbel zerschlug und sich mit de» Kindern auf den Weg machte, um sie in die Pauke zu wersc». Frau©chimpke benachrichtigte damals schleunigst eine Frau Bartz aus der Bernauerstraße Nr. SO»ud diese traf©chimpke noch zur rechten Zeit aus der Pankower Cbaussee und nahm ihm die beiden Knaben ab. Den vierjährigen Walter, einen verkrüppelte», aber sehr auf- geweckic» Juiige». behielt sie vorläufig bei sich. wahrend sie den zweijährigen Willy sofort der Mutter wieder zuführte. Vor kurzem verlangte aber auch Walter nach der Mutter und kam nun ebenfalls wieder nach Hause, zu seinem Verderben. Frau Bartz hatte damals den Vater Schimpke's aus©chievelbein nach Pankow geholt und diesen, war eS gelungen, das Verhältniß zwischen Mann und Frau wieder einigermaßen bestriedigend zu gestalten. Der Ort der Tragödie war gestern Mittag noch unverändert, da die Gcrichlskommissio» ihn»och nicht besichtigt hatte. Ein Polizeibeamtcr hält an der ver- siegelten Wohnung, in der die Leichen der Kinder noch liegen, die. Wache. ji Der Abriß der alten Gebäude an der Ecke der KoiM- nud Tpandauerstraße gestaltet sich dadurch ganz besonders schwierig, daß die Grundmauern, nngeivöhnlich fest, nur mit großen Aiistreiiguiigcii beseitigt werden können. Die aus dem 16. resp. 17. Jahrhundert stammenden Bauwerke sind größtenlheils aus ge- walligen Feldsteinen zusammengesetzt; das Mauerwerk der Keller- ivölbiingen erreicht eine Stärke bis zu l.bO Metern. Uebrigens hat sich bei dem Abriß die überraschende Tbat- fache gezeigt, daß di« Königstraße früher mindestens einen Meter liefer gelegen haben muß, als dies jetzt der Fall ist. Die säinniilichen Keller sind»lit Fenstern versehen, deren Bauart zeigt, daß es sich keiuesivegs um btinde Fenster handelt, sonder»>»» solche. die das Tageslicht in die Kellerräume haben him indringe» lassen. Das VorhandenseittvcnKochinaschinenvorrichtungen, sowie verschiedene andere Umstände beuleii darauf hin, daß die Keller, ivelcke jetzt ab- solut kein Tageslicht mehr besaßen, früher bewohnbare Räume ge- wesen sein müssen. Bei den Ansschachtungsarbeiten sind übrigens wider Erwarten interessante Funde nicht gemacht worden. Ter Polizei» StadtphysiknS Samtäisrath Dr. Schulz ist vom 6. Juli bis 8. August d. I. beurlaubt und wird vertrete» a.) in den Geschäfte» als©tadtphystkus von Herrn Bezirksphysikus Sauitätsrath Dr. Gravier, Leipzigerstr. 89; b) in den Jmpf- angelegeuheiten von Herrn Bezirksphysikus Sauitätsrath Dr. Do er in, Chausseestr. 198. Straßensperrnng. Die Johanuisstraße, sowie die Thurmstraße (letztere von der Bremerstraße bis einschließlich des Kreuzdammes der Oltostraße) werden behnss Asphaltirung vom 23. d. M. an gesperrt werden. Eine seltsame Leichenfeier fand vorgestern in der Leichenhalle der Charitee und aus de», Charitee-Kirchhof an der Müllerstraße statt. Der Inder Vendagasopp aus der Transvaal- Ausstellung, der in der Charitee gestorben ist. wurde unter Beobachtung aller heimischen Gebräuche zur letzten Ruhe bestattet. Er gehörte der Kaste Nayador an und ivurde von fünf Angehörigen seiner Kaste und einem Brahminen, der das Priesleramt in der Ausstellung versieht— er heißt Ramalhandora— zu Grabe ge- leitet. Um S Uhr nachmittags versammelten sich diese sechs Inder in der Charitee und begaben sich in die Halle. in der die Leiche mit einem Tuche bedeckt auf einem Bette lag. Die fünf Inder wuschen sie unter fortwährendem ein« löuigen Gesang, banden die beiden Daumen und die beiden großen Zehen zusammen, legten die Leiche in den©arg, be- kleideten sie nach indischer Art mit einem Shaivl um de» Leib, be- malten den Kops mit weißer Farbe und machte» einen rolhe» Strich senkrecht über Stirn und Nase. Tann beschmierten sie den ganzen Körper, soweit der Shaivl ihn nicht bedeckte, mit einem ans indische» Bohnen hergestellten Oel. banden ihm eine Schnur über die Brust— als Symbol der Reinigung von den Sünden—. legten ihm einen Kranz von Wasserrosen um den Hals nnd schlössen den Deckel des einfache» braun angestrichene» und weiß ausgeschlagenen Sarges, der hienmch ans den Leichenwagen gehoben wurde. Ten Waschungen nnd der Einsargung wohnte außer dem Ausstellungs- direklor Dr. Ohnefalsch-giichter und einem Inspektor niemand bei. Ui» so größer war der Zulauf auf dem Kirchhofe, zu dem die Inder und die Herren der Ausslellungsleilung i» Droschken dem Leichen- wagen folgten. Die Inder nahmen vor dem Thor den Sarg aus die Schultern nnd trugen ihn unter beständigem Singen nach der Gruft. Nachdem sie ihn hier abgesetzt hatte», öffneten sie ihn wieder und „ahmen iinn noch eine ganze Reihe von Zeremonien vor. Während der Brahmine nur--lies überwachte, streuten die fünf anderen Blninen, Reis»ud. id— deutsches Nickelgeld— auf und neben die Leiche, schlösse» dann den Sarg und versenkten diesen in die Grube. Alle sechs, der Brahmine zuletzt, warfen dann drei Hände voll Erde ans den Sarg, kreuziveise auf den Kopf, die Füße und die rechte und linke Seite, und forderten hierauf, daß die Gruft von den Leichendieuer» des Friedhofes gefüllt werde. Nachdem das geschehen war, machten sie einen Hügel, in diesen oben der Länge nach eine Rinne, setzte» dann a» das Kopfende einen Blechkessel mit gekochtem Reis, steckten zwei Kerze» neben den Kessel in de» Sand nnd brannten sie an. Ein Stück Kampher, das sie mitgebracht halten, schlugen sie in kleinere Stücke, brannten auch diese au und legte» sie dann um de» Hügel herum. Vor dem Kessel am Kopfende legten sie verschiedene Blumen, u. a. Lilie» und Korn- bliinien, und Zigarren nieder. Hieraus vertheilte der Brahmine Geld unter die fünf Inder. Diese traten dann einzeln an den Hügel heran, während abwechselnd einer am Kopsende sich aufstellte, in der rechten Hand eine Flasche mit Milch und Reis, in der linken eine Kanne mit Wasser. Beim Herantrete» an das Grab und de» Hügel trug jeder Mann in der linke» Hand die von dein Brahminen gespendeien Münzen, ließ sich von dem am Kopfende Stehende» erst Milch und Reis und dann Wasser auf das Geld in die Hand gieße», um hieraus die Münze» über den Hügel zu verstreuen. Mi, Ausnahme des Brahminen vertheitle» hiernach die Landsleuie des Todten die»och übrig gebliebene» Zigarren Uiiter das zuschauende Publikum, zündeten sich selbst eine an und legten Flasche und Kanne am Grabe nieder. Hiermit war die Feier beendet. TaS Obcrpräsidiniit von Brandenburg soll, wie berichtet wird, von Potsdam nach Berlin verlegt werden. Infolge von Verbriihung ist wieder ein Kind gestorben. Der vier Jabre alte Knabe Otto Zerbe aus der Grunewaldsir. 129 z» Schöneberg war i» der Umgebung seiner Mutter, die sich beim Waschen befand. Ein Gesäß mit kochendem Wasser fiel um und der Knabe wurde an beiden Beinen so stark verbrüht, daß man ihn i» ei» Krankenhaus bringen mußte. Hier ist er gestern, Sonnabend, seinen Verletzungen erlegen. Die Leiche eines Kindes, die in einem weißen Leinentnch eingeivickelt war. ist am Freitag»m 8 Uhr ans dem unbebauten Gelände bei der Knochenmühle a» der Greifsivalderstraße gefunden worden. Ans der Qbcrsprce.»ittvcit Karolincnhof, ivurde vorgestern die Leiche eines etwa achtzehnjährigen jungen Mannes gelandet. Der Todle scheint mit dem Schlosferlehrling Herde identisch z» sei», welcher, wie seinerzeit gemeldet, bei einer Bootsfahrt ans dem Müggelsee vernngluckt ist. Im Landwohrkanal ist gestern, Sonnabend, Nachmittag gegen 2 Uhr von Schiffer» die Leiche des vierjährigen Knaben Kurt Märende gefunden worden, der, wie wir berichteten, am Donnerstag Nachmittag beim Spielen aus einer steinernen Ladetreppe ver- iliiglückte und vor den Augen vieler Frauen und Kinder ertrank. Selbstmordversuch cineö KindeS. Das zwölf Jahre alte Mädchen des Arbeiters R. in der Senefelderstiaße machte den Ver- ziehen sich. Eiidlich treten Arbeitsprodukte, Wärme, Kohlensäure, Wasser- dämpfe, valze, unverbrauchte Nahrung wieder an den Tag hervor. So halten wir nur die zivei Enden der goldenen Kette des Lebens- rälhsels und hie und da auch ei» Zwischenglied in de» Händen. Aber sie sollen uns genügen, einen Theil des Schatzes zu heben, bis es der Forschung gelingt, weiter einzudringen und über die seit- samen, unbekannte» Prozesse, über die verborgenen materiellen Wurzel» des Daseins die Enthülliiiig herbeizuführen. Seine Brenn- stoffe erhält das Thier, geradeso wie die Dampfmaschine oder der Gasmotor, aus dem Pflanzenreich. Die organische» Kräfte der Vegetation aber stammen wieder»»» aus der unorganischen Welt der Minerale, auS den Gasen der Atmospbäre. Zur Verarbeitung der Materie nimmt das blühende Leben der Blumen und Bäume die Energie des Sonnenstrahls in seinen Dienst. Im Chlorophyll der grünen Blätter wird da? erste Stadium jener SchöpsmigSarbeit verrichtet, deren letzte höchste Stufe? Menscheudasei», Mensche»- wirken, Menschendenken heißt. So imprägnirl sich der Stoff mit den mechanische» Energien der Sonne, alle physische Kraft des animali- sche» Appaiates strömt in letzter Linie aus den noch anerschöpsten Quellen der SternenweU hervor. Aber nicht nur durch die Nahrung, auch direkt nimmt die Sonne an dei» Ausbau unseres LeibeS wie a» der Zerstörung, die wir Lebe» nennen, theil: sie wärmt und belichtet uns. Wärme und Lichtstrahleii sind nach einer neueren Hypothese Aelherwellen. Nun giebt es auch andere Strahlen, welche uusere Sinne nicht wahr- nehmen, zum Veisplellelekiro-magnelische. Nichts hindert die An- »ahme, daß die Sonne auch mit diesen anderen Strnhlenwellen auf Uns einwirkt. Vielleicht trinkt die animalische Maschine aus dem umwebenden Aether einen Theil ihrer Energie, also in einer Form, welche dem kritischen Auge dcS Forschers bis heute entgangen sein kau»? Doch halten wir uns an daS Bekannte, Meßbare. Wir kennen die Brennstoffe, welche die thierische Maschine beleben. Durch Wägen der Verbreiinungsprodukle kann der Forscher das Maaß der Arbeit feststellen und damit das Problem, das unlösbar schien, lösen. Nehmen wir nun die von de» Lungen ausgeathiiiete Kohlen- säure und berechnen die VerbreiinungSgröße zwischen Menschen, die stille stehen oder gehen oder laufen; sie verhalten sich wie 6 zu 29 zu 25 bis 39. Die menschliche Maschine verbrennt somit bei sehr raschem Laus vier- bis sünsmal mehr Kohle alS im Ruhe« justande.') Demnach sind tS die chemischen Aequivalenzen der umgesetzten Stoffe, welche einzig und allein eine Messung»nd auch nur eine ungefähre von der im Druckapparat sich entwickelnden Arbeit gestatten. Prüfen wir deshalb die krnflgebenden Eigenschaften der Nahrungsmittel. Ein Kilo Kohle erzengt je nach ihrer Qualität 4999 bis 8999 Wärme-Eiuhesten(Calorien). Ei» Kilo der in der ') Wir folgen in diesem Artikel einer viel beachteten und sehr geschätzten Arbeit des amerikanischen Professors und Ingenieurs Thurston. Nahrung enthaltenen Proteinsloffe nach Thurston 3729 Wärme- Einheilen oder l 618 299 Kilogramm- Meter Arbeit. Das Energie- quantum eines Kilogramms Kornmehl beträgt dagegen nur zwei Drittel von dem eines gleichen Gewichtes Kohle, nämlicb 2729 Calorien oder l 183 299 Kilogranim-Meler. Nach Prosesior Woods beträgt die tägliche Nahrung eines kiästigcn Arbeiters durchschnittlich 198�2 Gramm Proleine, 186 Gramm Fett und 434 Gramm Kohlen- Hydrale; das ist ungefähr die Energie, die in 2'/2 Pfnnd Kornmehl «nthalten ist. Proleliie und Fette kommen uns im allgemeinen reichlich aus der Fleischnahrnug, die Kobleubydrate aus de» pflanz- lichen Gerichien. Ein anderes äbnlicheS Beispiel ans dem Leben zeigt 117,3 Gramm Protelne, lbS Gramm Fett, 46S Gramm Kohlen- Hydrate nnd ergiebt LK39 Calorien oder I,d3SSS9 Kilogramni. Stellen wir daneben, der Knriosilät wegen, die Energie-Aufnahme einiger HauStbicre. Tie tägliche Fntterration für Kühe beträgt an« nähernd 3999 Calorien oder l 39d 999 Kilogramm per 199 Pfund Körpergewicht; die der Schweine 4999 Calorien oder 2131599 Kilo» granun. Dr. Flint hat den NahrnngSaiifwand des Fußtoiirlsten Wcston während dessen fünflägige» Marsches gemessen. Hier handelt es flch »im angestrengte Leistungen. Weston legte in der genannten Zeit mehr als 117,5 englische Meilen zurück mit einer mittleren Ge- schwindigkeit von 4 Meilen in der Stunde. Der Tourist halte 1 614 699 Kilogramm-Meter Energie täglich aufgewendet, von denen er 1513 999 aus der Nahriing, die er während der Reise zu sich »ahm, den Rest aus dem Verbrennen verbrauchter Gewebe bestritt. Im allgemeinen nimmt man an, daß ein kräftiger Arbeiter für feine volle Tagesmühe annähernd 19 Millionen Fußpfund, da? sind I 889 999 Kilogramm, an Nahrnngszufuhr benöthige. Damit ist auch die Norm für die nothwendige Diät gegeben, die Mahlzeiten können »ach ihren» Energiegehall berechnet, die Speisezettel in Kilogramm- Meter ausgeschrieben werden. Will ein Wißbegieriger seine Lebensweise„wissenschaftlich" ein- richten, dann geben ihm Voit und andere genaue Verhältnißzahlen. 129 Gramm Proteine, 59 Gramm Fette, 559 Gramm Kohlehydrate, in Summe 729 Gramm. Aber mit der Waage in der Hand wird der Pedant nur zu leicht elend werden nnd zu gründe gehen. Denn eS ist selbstverständlich, daß alle Thätigkeit, sowohl körperliche wie geistige im geringeren Maße von der Kraflqnantität der Speisen als von ihrer Qualität abhängt. Manche Speisen werden leichter assimilirt, andere gehen schwerer ins Blut über, verlangen eine tüchtige VerdauungSarbeit, wie sie nicht jeder Magen zumal in unscrm nervösen Jahrhundert leisten kann. Mit der Waage in der Hand wird sich die Freude am Dasein nicht erzwingen lassen. Der thierische Körper erleidet dieselben mannigfaltigen Verluste, wie«ine Dampfmaschineii.AnIage, im Feuerzng, i» den Dampf- kesseln, in den Danipfleitungen und an hundert anderen Stellen. So wird sich im allgemeinen solgendes Schema für die Oekonomie einer Denkmaschine, also eines Hirnarbeiters von Profession, Beamten, Lehrers, Gelehrten, Künstlers, Staatsmannes aufstellen lassen. Bei einer Diät von etwa 1299999 Kilogramm täglich: such, sich in einer Bodenkammer zu erhängen, angeblich weil sie 5 Pf., die ihr geschenkt worden waren, vernascht hatte und deshalb bestraft zu werden fürchtete. Ihr gleichaltriger Better fand sie jedoch und schnitt sie noch rechtzeitig los. Schwere Brandwunden hat gestern Abend gegen II Uhr in der Mainzerstr. 2 in Friedrichsberg eine Frau erlilteu. Sie goß aus einer Flasche in ein offenes Feuer Benzin, das sofort Feuer fing und die Kleider der Frau in Flammen setzte. Aus/ das Hilfegeschrci stürzten Nachbarn herbei, die das Feuer löschten, so daß die Fenerwehr nur noch wenig zu thnn hatte. Die Frau wurde von zwei Aerzten verbunden; sie hat sich beide Beine und Arme so gefährlich verbrannt, daß von einem Transport nach einem Kranken- Hause vorläufig Abstand genommen werden mußte. Von Personen, welche am Freitag zu den Landwehrübungen einberufen worden sind, wird darüber Klage geführt, daß sie auf dem Kasernenhofe in der Generai Papestraße von morgens 9 Uhr bis mittags 12 Uhr in glühender Sonnenhitze hätten stehen müssen. Ein Landivehrmann fiel aus dem Platze um und ivurde ohnmächtig in die Kaserne gebracht. Wie man die Tnellmanic ausschlachtet. Das Polizei- Präsidium berichtet: Militärärzte brandschatzt ein Schivindler, welcher am 19. und 12. Juni d. I. sich in Karlsruhe untcr dem Name» Dr. Albert ans Wien vorstellte und durch die Erklärung, daß er das Unglück gehabt hätte, i» Wien de» Ritlineister Zaparie im Duell zu erschieße» und nun auf der Flucht von Geldmitteln ent- bläßt, de» Eingang von Geld vo» seinem Valer, einem Generalarzt in Wien erwarte, verschiedene Aerzte um Beträge von 15»nd 49 M. schädigte. Ter Betrüger hat auch einem Jmvelier i» Karlsruhe eine goldene Panzerkette im Werth von 199 M. gestohlen. Er ist etwa 49 bis 45 Jahre alt, sehr groß, schlank, hat wagcres, abgelebtes Gesicht, blonde Haare, etwas duiiklere» Schnurr- bart, feines Benehmen, spricht Wiener Dialekt und trägt helle» Anzug und hellen, weichen Filzhut. Im Berltncr Aquarium ist ein Paar der vor 6 Wochen erworbenen und in dem Schildkrötenreich benachbarten Grotteiibeckeil untergebrachten Canchitonsche aus Südamerika bereits zur Forlpflanzung geschritten, und man hat nun Gelegenheit, eines der anmuthigsten FamUieiibilder zu belauschen. Das Weibchen hatte nach vorausgegangenem bochzcitlichcn Spielen an der rechten Wand, und zwar nahe am Fuße derselben, die Eier mittels seiner Legeröhre angeNebt und alsbald in Äcmeintchast niit dem gleichfalls jetzt im schönsten Farbenschmuck prangenden Männchen die Brutpflege be- gönnen, welche sich zunächst dadurch äußert, daß die Thicre abwechselnd oder zu zweien an der Laichstättc stehen, den Eiern durch lebhafte Flossenbewcgung stetig neues, sauerstostlialtigcs Wasser zufächeln und jeden unberufenen Eindringling verjagen, daß sie ferner die ausschlüpfenden Jungen mit dem Maul ab- und auslesen und in eine selbst gegrabene stäche Grube tragen, uni sie hier ebenfalls zu bewachen und zu beschützen und die junge Schaar dann nach erlangter Schwimmfähigkeit getreulich>i»d sorgsam ausführen und leiten. Zltts de» Nachbarorten. Rixdorf. De» Mitgliedern des Frauen- und Mädchen- Bildimgsvcreins zur Nachricht, daß die nächste Versammlung am 7. Juli in den Viktoria-Sälen stattfindet mit der Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Wey! über„Lungen-Heilställen", Bericht des Vorstandes, Kassenbericht, Verschiedenes. Mariendorf, Siidcnde, Tcmpclhof. Der Arbeiler-Bildungs- verein für Mariendorf und Umgegend hält am Montag. den 28. d. Mls., abends S'/s Uhr, im Lokale des Herrn Holz, Südende, eine öffentliche Versammlung ab. Genosse Lamms spricht über „Die Ziele der Sozialdemokratie". Diese Bersammluiig soll»ament- lich den Arbeitern von Südende Gelegenheit geben, sich der polili- iche» Organisation anzuschließen. Wir bitten deshalb um zahlreiche» Besuch. Der Vorstand. Auf dem Töberitzcr Platz sind, wie das„Verl. Tageblatt" berichtet, am Freitag beim Schluß der Brigade-Uebung viele Soldaten tu folge der Hitze dienstuntauglich ge- worden; ein Unlerosfizier des Kaiser Franz-Regiments ist am Hitzschlage auf der Stelle gestorben; zwei Mann vom Königin Augusta-Regiment sind lebensgesährlich erkrankt. Tie Ernte der Süßkirschen in Werder ist als eine gute Mittelemle zu bezeichnen. Täglich werden durchschnittlich 19 999 Tienen per Dainpser allein»ach Berlin befördert, während das gleiche Quantui» täglich per Bah» theils nach verschiedenen großen deutschen Städte», wie Hamburg. Hannover. Stettin, Leipzig, Königs» berg nnd Magdeburg geht, theils auch nach außerdeutsche» Ländern, wie England, Dänemark und Schweden exportirt wird. Ei» schwerer Unfall» der leicht verhäugnißvoll hätte werden können, ereignete sich Freilag Abend bei dem Ausflug einer Schule. Die 5. Gemeindcfchule hatte auf der Rückkehr von einem weilen 'llnsfluge abends auf Pichelswerder Station gemacht. Beim Restaurant Jnselgarteu hatte» an 29 Kinder und einige Mütter, die abends aus Spandau nachgekommen waren, ein Fährboot bestiegen, >8 pCt. Verluste durch mangelbafte Verdauung. 12 pCt. für geistige Thäligkeit, 35 pCt. ausgeströmte Hitze, 23 pCt. innere Arbeit und 12 pCt. für äußere Arbeit, als da sind Spaziergänge, Körper- Übungen u. s. w. Mit dem„Nutzeffekt" der thierische» Maschine steht die Technik geradezu vor einem Räthsel. Die kräftigste mid ausdauerndste Miiskelstrnklnr im thierischen Körper bildet jene Pumpe, welche rast- los thätig die Blutzirknlation aufrecht erhält: daS Herz. Nach Helm- holtz bewältigt dieses Organ im Laufe einer Stunde so viel Arbeit, als es nöthig hätte, sein eigenes Gewicht 6799 Meter hoch zu heben. Eine Lokomotive ohne angehängte» Zug steigt in derselben Zeit nur 899 Meter hoch. Das Herz besitzt demnach im Verhältnisse zu seinem Gewichte eine bedeutende Leistiingsfähigkeit. Das Herz, das dem Dichter als Sitz der tiefsten und gewaltigsten Leidenschaften, der wonne- und schnierzvollften Erregungen gilt, gilt dem Techniker als die vollkommeufte aller Kraftmaschinen. Doch der aauZ� mensch- liche Körper steht in seiner Leistungsfähigkeit über den Motoren»n- serer berühmten Epoche des Dampfes und der Elektrizität. Nach Joule giebt er«tiva zweieiuhalbmal den Nutzessekt der beste» Dampfmaschine» feiner Zeit. Und noch heute, an, Schlüsse eines Jahrhunderts rastloser Forlschritte auf dem Gebiete der Technik, übertrifft sein Nutzeffekt etwa doppelt die besten existtrenden Wärme- motore». Natürlich sind diese Verhältnißzahlen sehr schwer zu«rmiltel» und gelten deshalb nur annähernd. Nach Thurston wäre der Nutzeffekt der thierische» Maschine, wenn man ibre wirklichen Verluste in der scheinbar zwecklos a» die Luft und das Weltall ausgegebene» Wärme suchen wollte, 57 bis 65 pCt., wodurch sie die besten Wärmemotoren unserer Zeit um ein ganz bedeutendes überragen würde. De» Teckmikern erscheint da? horrend. De»» der Nutzeffekt der besten bekaniile» thermo-dynamische» Maschine, wenn sie von vollkommener Kon- struktio»»väre, kölinte nicht über 27 pCt. der zngesührlen Energie gebracht werden. 73 pCt. muffen in, vorhinein verloren gegeben werden, so beweist eS die theoretische Formel. So sehen wir den thierische» OrgauisniuS alle Bedingungen einer Kraft erzeugenden Maschine erfüllen, sehen ihn sich in die Serie der komplizirtesten Apparate einreihen. Aber mitten zwischen Anfangs- und Endprodukt legt sich ein geheimnißvoller Schleier über die Art der Energie-Transformationen. Wie aus den chemischen Prozessen sich Wärme entwickelt, sehen wir alle Tage a» iinseren Kohlenöfe», an de» Gasflammen; aber wie entsteht im Thierleib Muskelbewegiiug, Elektrizität, Licht tn so vollkommen sparsamer Weise? Welche Methoden walten in der Lebensmaschine, die sich dem Blick des Forschers entziehen? Einst werden auch sie dein sieg- reichen Menschengeisle sich ergeben. Die Physiologie wird daS Geheimniß ergründen, die Technik für unsere Industrien nutzbar machen. Dann wird der Mensch wieder zur Natur in die Schule gehe» und seine Maschinell nach ihren Rezepten bauen. _ Leo S i l b e r st e i u. um sich aber die Havel nach Pichelsdorf übersetzen zn lassen, von nio die Heimfahrt auf der elektrischen Bahn angetreten werden sollte Der schwer belastete Kahn war eben vom Ufer abgestoßen, als gellende Schreie ertönten, die in dem ganzen von Hunderten von Schulkindern gefüllten Lokal eine unbeschreibliche Aufregung ver« nrsachlen. Die eine Bordseite des Bootes war abgebrochen und die Insassen fielen in die Havel; es war ein entsetzliches Durcheinander von Kindern, die um Hilfe schrien. Glücklicherweise waren mehrere beherzte Männer zugegen, die in der allgemeinen Panik ans Rettungswerk gingen und auch alle Verunglückten ans Ufer holten Von letzleren waren niehrere ohnmächtig geworden. Das Fährboot war nicht von der Strompolizei abgenommen, sondern wurde ohne Erlaubniß benutzt. In der Havel ertränkt hat sich der fünfzigjährige Hausdiener Karl Fromberg aus der Ackerstraße in Berlin; seine Leiche ist bei Pichelsdorf gelandet worden. Theater. Die„Neue freie Volksbühne" bringt am Sonntag nachmittags 2�/- Uhr im Friedrich Wilhelmstädtischen Thealer V. Sardou's„Der letzte Brief", Lustspiel in drei Akten, zur Aufführung. Die Regie hat Herr Franz Haid. Die Hauptrollen sind besetzt durch die Dame» Fräulein Lenz, Fräulein Felder, Frau Wismar und Fräulein Fey. sowie durch die Herren Possausky, Bauer und Haid. Es wird dies die letzte Vorstellung dieser Saison sein. Das Spieljahr des Vereins nimmt erst wieder mit September seinen Anfang, und'man gedenkt dann Berlin wieder mit einer Novität zu überraschen. Zllte Brlannte sieht man jetzt im Volks-Theater wieder. Das anheimelnde Haus in der Rcichenbergerstraße bringt einige Ein- akter, die trotz des Wechsels der Zeiten wenig von ibrer alten huma ristische» Kraft eingebüßt haben. Die betagte Posse„Bädccker", in der zwei vornehmlhuende Friseure einander im Hotel mit Flunkereien regaliren und schließlich bei der Verlobung ihrer Kinder die durch sichtige Maske fallen lasse», gefiel dank der flotten Darstellung, in der sich namentlich Herr Conrad und Frl. Müller Ruhm erwarben dem lieben Publikum außerordentlich. Eine andere Posse schilderte unter dem Titel„Höllenqualen" gar anschaulich die Verzweiflung eines alten Onkels, der die dramatischen Entwürfe seines im Dalles lebende» Neffen für vollgiltige Leiden hielt. Der Haupttrump wurde aber mit Angely's unverwüstlichem„Fest der Handwerker" ausgespielt. Dieses kernige Fastnachtsstück läßt so recht erkennen wie weit es die Gegenwart im Possenblödsinn gebracht hat. Wae sind die Gestalten dieses Stückes doch für Kerle, wenn man sie mit den Drahtpuppen vergleicht, die in neuen Possen und Echwänke» ihre Mätzchen mache». Die Darstellung des Stückes war frisch und gelungen. Die Herren Conrad. Keltner, Richter, Arno, sowie die Damen Benedix. Senden und Mibitz erfreuten das Publikum durch ein flottes, ungekünsteltes Spiel. TIic>>t«r-Nl«»li»,chroni>,. Opernhaus. Geschloffen.— Schau spl ei- hau«. Geschloffen.— Neue« Igl. Opern-Theater(iiro Il>. Sonnlaa: „Die Boheme". Montag, SS.:„Tannhliuser". Anfang 7 Uhr. Dienstag:„Die Boheme".„Phantasteen im Bremer Raihsleller". Mittwoch:„Ter Freischütz Donnerstag:„Tie Boheme".»Die Rose von Tchira«". Freitag:„LohengriiN sLohengrin: Herr E«rau», Ella: Frl. Wiborg, als Gäste.) Sonnabend:„Die Boheme".„Tie Rose von Schira«". Sonntag:„Undine". Montag:„Don Juan".— Da« Berliner Theater schließt am ao. Juni sein« Pforten di« »um I. August. an welchem Tage da« bereits angekündigte Gastspiel der Mit- glieder de« Lesstng-Theatei« feine» Anfang nimmt. Der Spielplan der Schluß Vorstellungen lautet wie folgt: Sonntag und Dienstag„'« Jungferngift", Montag und Mittwoch„Die Maschinenbauer".— Die Operette„Die w-isha" wiri auch in der laufenden Woche allabendlich im Lessing- Theater zur Aufführung gelangen.— Im Residenz-Theater findet Sonntag die letzte Sonntag«- Aufführung de« Schwanke«„Der Unierpräfekt" mit dem vorhergehenden zweiten Akte von Musoite, und im Neuen Theater die letzte Sonntags-Aufführung des Schauspiel«„Marcelle" statt, da der Schluß der diesjährigen Saison an beiden von Direktor Laulenburg geleitete» Bühnen für den so. Juni anberaumt ist.— In der„Tannen"- Aufführung am Sonntag in der Monvih'schen Oper im Theater de« Westen« tritt zum ersten Male der Heldentenor Herr Emil Buchwald al« Jose auf. Die Titelrolle fingt Hermine Schuner-Wirth und die Micai-la Margarethe Kahler. Montag und Mittwoch fingt Heinrich Botel. Dienstag geht erstmalig die hier lange nicht gegebene Lortzingffche Oper„Der Waffenschmied" mit Hans Keller in der Titelpartie und Sofie David al« Marie in Szene.— Im Schiller-Theater findet die letzte Son»laa«vorstelluna vor den Ferien statt, zur Aufführung kommt da« Krctzerffche Bolksstuck„Der Millionenbauer". Montag wird zum ersten Male W. Streit'« neuer Einakter„Die richtige Ergänzung" in Verbindung mit Jordan'« dreiakligem Lustspiel„Durch'« Ohr" wiederholt. Dienstag geht der Schwank„Mit Vergnügen" von Moser und Sirndi. Mittwoch al! letzte Vorstellung vor den Ferien„Da» Stiftungsfest" in Szene.— Im O st e n d-Theater beginnt die Sonniagsvorsiellung von„Unsere Reich«- pofi"»m n Uhr. von Montag ab dagegen um s Uhr. Daß da« jetzige Repertoir- stück die Anstnerklamkeit der auswärtigen größeren Bühnen bereit« erregt hat, geht daraus hervor, daß Herrn Direktor Weiß mehrere größere Gastspielanträge gestellt worden find, derselbe aber, um die Zugkraft de« Stücke« nicht zu unter- brechen, dieselben vorläufig abgelehnt hat.— Im Volks-Theater i» der Reichenbergerstraße findet Sonntag die letzte Sonniagsvorsiellung vor den Ferien statt. Zur Aufführung gelangt da« Hugo Müller'sche Lebensbild„von Stufe zu Stufe". Zum Schluß folgt da« am Donnerstag mit so großein Beifall auf- genommene«ngely'fche„Fest der Handwerker". Die Vorstellung beginnt um 7 Uhr. Am Mittwoch beschließt das voikS-Theater feine ersolgreiche Saison mit dem Wilken'schen«olksstück„Hopfenralht Erben".— Im Alexanderplatz- Sommer-Theater findet Sonntag eine Doppel-Vorslellung bei kleinen Preisen statt. Zar Aufführung gelangt da« Schauspiel„verkäusticher Werih" und mit dem urkomischen Bendir„Die tolle Prinzeß".— Im Friedrich Wilhelm- städtischen Theater wird die Poffe„Lehmann'«' KriegSabenteucr" gegeben Gevichks-Jeikung. Eine Vernrthcilnng auf grnnd der Brunnenverordnung anS dem Jahre ISVO erzielten gestern vor der S. Strafkammer des Laiidgerichls I die beiden Hauseigenthümer Taege und Neye. Die Angeklagicn sind Nachbarn und Besitzer der Grundstücke Pappel- Allee 21 und 21a. Die Höfe liegen»eben einander, so daß die darauf befindlichen Brunnen aus ein und demselben Brunnenkessel Wasser schöpfen. Während Neye schon seit IS Jahren seinen Brunnen nicht mehr in Gebrauch nehmen läßt, so war daS Rohr bei Taege bis vor kurzem noch in Beiiutzniig. Durch die Länge der Zeit waren aber die auf dein Mauerwerk des Bruuneukeftels liegenden Balken verfault und Taege ließ, um einem Unglücksfalle vorzubeugen, eiserne Träger und Balken aus das Mauerwerk legen und darauf Erde schütten. Die Polizei hielt diese Vornahme für unerlaubt und schickte jedem Brunuenbesitzer ein Strafmandat von 10 M. zu. Die Eigenthümer beantragten richterliche Entscheidung und hielten sich zu derartigen Ausführuiigen aus ihrem Eigenlhum für de- rcchligt. Das Schöffengericht sprach sie auch von Strafe und Kosten frei, weil nicht erwiesen war, daß der Brunnen unbrauchbar gemacht werden war. Hiergegen legte nun die Staatsanwaltschaft Berufung«in, weil nach der Brunnenverordimng von 1660 bei jeder Vornahme an Brunne» der Polizeibehörde Meldung erstattet werden muß. Die Augeklagien beriefen sich darauf, die Verordnung deS Großen Kurfürsten nicht z» kennen, bezweifelten auch, daß es damals schon Polizei gab. und erklärten, daß jetzt bei einem Neubau nicht einmal ein Brunnen angelegt werden brauche. Auf arund der Brunnen- Verordnung in Verbindung mit der Polizeiverordming vom 7. März 1637 erkannte der Werichlshof auf die n i e d r i g st e Strafe von 10 R e i ch s t h a l e r n, die in 30 Mark umgewandelt wurden, und empfahl den Verurtheilten den Gnadenweg! J» einem Vrrbrccherkellcr im Zentrum her Städte spielte sich an einem Februar-Abendc dieses Jahres folgender Vorfall ab. Der Maler Hugo Müller, ein vielfach vorbestraster Dieb, holte ein goldenes Armband mit einem werthvollen Brillanten aus der Tasche und zeigte es mehreren Personen. Eine von diesen, der Handels- mann Richard Jahnisch, verrieth eine bedeutende Sachkenut- niß, er ging mit dem Armband hinaus, kehrte bald wieder zurück und verhandelte nun mit dem Besitzer des Armbandes in einer Ecke des Lokals. WaS nun hier zwischen den beiden Müiznern ver- handelt wurde, bildete di« Grundlage einer Verhandlung, welche gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichls I gegen den Handelsmann Jahnisch wegen Unterschlagung und versuchter Er- pressnng statisaud. Müller, welcher inzwischen wegen schiveren Diebstahls zn langjähriger Zuchihansfirase verurlheilt worden ist, ist in der Strafanstalt zu Brieg kommissarisch ver- uommen worden und hat solgendeS bekundet: Als Jahnisch mit dem Armbande wieder hineingekommen sei, habe der- selbe ihm das Kleinod zurückgegeben mit dem Hinweise, daß er d«i Stein herausgenommen habe. Jahnisch habe ihm für den Reif nebst Stein 60 M. geboten. AlS er sich geweigert habe, auf diesen Handel einzugehen, habe Jahnisch ein Zeitungsblatt hervorgezogen und ihn auf eine Mitlheilung hingewiesen, wonach kürzlich beim Frei- Herrn von Rössing in Groß- Lichterfelde ein Einbruchs- Diebstahl begangen war und wobei den Dieben unter anderen Schmucksachen auch ein Armband mit einem Brillanten in die Hände gefallen war. Jahnisch habe ihm auf den Kopf zugesagt, daß er den Dieb- stahl ausgeführt habe; wenn er ihm das Armband nicht für 60 Mark überlasse, werde er ihn anzeigen. Er habe sich trotz dieser Drohung geweigert, worauf Janisch sich entfernt, den Brillant aber behalten habe. Im Termine gab Jahnisch die Unterschlagung an dem Brillant zn, bcstrilt aber die versuchte Erpressung. Während der Staatsanwalt beide Vergehen für erwiesen hielt und gegen den Angeklagten eine Gcfängnißsirafe von neun Monaten beantragte, führte der Vertheidiger, Rechtsanwalt Meyerstein, aus. daß der Angeklagte mit Rücksicht ans das geringe Maß von Glaub- Würdigkeit, welches der einzige Belastungszeuge Müller verdiene, nur wegen der Unterschlagung verurlheilt werden könne. Der Gerichtshof trat dieser Ansicht bei und verurtheilte den Angeklagten nur wegen Unterschlagung zu sechs Monaten Gefängniß. Tie häufig borkommeildc Ungezogenheit, radelnden Damen beleidigende Bemerkungen nachznrnsen, hatte auch der Schlächter- geselle Otto Becker begangen. Die beleidigte Dame war resolut genug gewesen, die Feststellung Becker's durch einen Schutzmann zu bewirken. Daraus wurde Becker vom Schöffengericht zu einer Ge- fängnißstrafe von zehn Tagen vemrtheilt mit der Begründung, daß derartig überhand nehmenden Rohheilen energisch entgegen- getreten werden müsse. Der Verurtheilte legte wegen der Höhe des Strafmaßes Berufung ein, aber ohne Erfolg, denn die sechste Straf- kammer bestäligle gestern daS erste Erkenntniß. Die für Getverfschaften wichtige Frage, ob der Bevoll« mächtigte der hiesigen Zahlstelle des Unterstützungsvereins deutscher Tabakarbeiter verpflichtet ist, der Polizei- behörde Statuten und Mitgliederverzeichniß einzureichen, resp. ob diese Zahlstelle als ein selbständiger Zweigvereiii an- zusehen sei, sollte am Sonnabend vor der 8. Straf- lammer am Landgericht I als Bernfsinstanz verhandelt werden. Zu einer Enlscheidung kam eS noch nicht, es wurde vielmehr der Staatsanwaltschaft aufgegeben, für ihre Behauptung, daß sich die ge- nannte Zahlstelle nicht nur mit den statutarisch festgesetzten Vereins- geschästen besaßt, sondern in ihren Versammlungen auch öffentliche Angelegenheiten erörtert habe, Beweismaterial herbeizuschaffen. Eine in der PetitionSkommissio» des Reichstages von einem Regierungsvertreter gethane Aeußerung bildele den Gegenstand einer am Sonnabend vor dem Charlottenburger Schöffengericht verhandelten Beleidigungsklage, die der Ober-Postassistent a. D. Thier gegen den Geh. Ober-Postralh und vortragenden Rath im Reichs-Postamt Spilling gerichtet hatte. Der Kläger war seinerzeit Ober-Postassistent in Naumburg a. S. und hatte als Milglied des Verbandes der Post- und Telegraphen- Assistenten einem Vorstands Mitglied« seines Verbandes Miltheilungen im Interesse des letzteren gemacht, welche von der vorgesetzten Behörde in einem Falle als Verletzung eines Amtsgeheimnisses an gesehen wurde, während es sich in dem anderen Falle um Mit Iheilung einer unrichtigen Thatsache handeln soll, durch welche das Ansehen der Behörde herabgesetzt werden sollte. Auf grnnd dessen war der Kläger Thier auf Antrag des Ober-Postdirektors zu Halle durch eine Verfügung des Reichs-Postamtes disziplinarisch in eine Geldstrafe in der Höhe seines einmonallichen Diensieiukommens genommen und in eine» kleinen Ort des Bezirks Gninbinnen versetzt worden. Nach dem er vergebens die Aufhebung dieser Verfügung und Einleitung eines geordneten Disziplinarverfahrens bei den in Frage kommenden Instanzen beantragt hatte, petitionirte er in demselben Sinne an den Reichstag. Im Juli vorigen Jahres befaßte sich die Petitionskommission mit der Angelegenheit Thier. Wie der als Zeuge vernommene Reichstags< Abgeordneie Vogtherr de kündete, sei die Mehrheit der Kommission für Berücksichtigung der Petition gewesen, der Regierungsvertreter, Geh. Ober- Postrath Spilling, habe diesen Standpunkt zunächst sachlich bekämpft, sei aber später zn Aeußerungen gegen den Petenten übergegangen, die nicht gerade schmeichelhaft waren, und habe u. a. auch mit beziig aus den Pelenten den Ausdruck„mauvais sujet" gebraucht. Der Anwalt des Klägers hielt diese Bezeichnung, die im Deutschen soviel bedeute wie: schlechtes Subjekt oder Lump, für zweifellos beleidigend, auch habe der Beklagte vie Absicht gehabt, den Kläger zu beleidigen und könne also nicht auf den Schutz des K 193 Anspruch erheben. Der Gerichtshof folgte den Ausführungen des Anwalts des Beklagten und erkannte ans Freisprechung, da in dem Ausdruck„mauvais sujet" teilte Beleidigung gefunden werden könne. Mit diesem Worte bezeichne man in gebildeten jbreisen einen Menschen, dessen sittliche Qualifikation nicht gerade eine besonders hohe sei. Zn dieser Aeußerung sei der Regierungsverlreter, dem der Schutz des ß 193 zugebilligt werden müsse, berechtigt gewesen, denn er sei. nachdem er mit seinen sachlichen Gründen nicht durchdrang, b« greiflicherweise zur Kennzeichnung der moralischen Qualifikation des Petenten übergegangen, um die Ablehnung der Petition zu begründen Auö Frankfurt a. O. wird berichtet: Die des versuchten Giftmordes angeklagte Emma Pfeiffer aus Berlin, Frau des Pianoforte- Fabrikanten Pfeiffer, wurde von der Anklage des versuchten Mordes, der Körperverletzung und der Tödtung frei- gesprochen. DaS erste Nrtheil in Sachen des Schließens der Thüren von Schankivirthschaften während des Sonniags ist gefällt worden. Gegen den Gaftwirth E., der in der Schlesischenstraße eine Wirth- schaft betreibt, war von der Polizei ein Strafbesehl ergangen, weil er sich der Anordnung des Rcviervorstandes, während des Sonntags überhaupt, nicht nur während der Kirchstunden, die Thüren zu seinem Lokal eingeklinkt zu halten, nicht gefügt hatte. Er legte gegen den Strafbefehl Berufung ein und erzielte Freisprechung. Das Gericht erklärte, daß der Polizeilieutenant sich bei An wendung der fraglichen Paragraphen geirrt habe. Die Polizei hat, wie berichtet wird, gegen daS freisprechende Urtheil Berufung eingelegt. Eingelaufene Trnckschriften. Von der„Neuen Zeit" iSIuiiaart. I. H. W. Dietz' Verlag) »». Heft des>«. Jahrgang» erschienen,«u« dem Inhalt hede Was die Cozialdemokraiie in Preußen Bernstein «o» Ed. ist foeden' da« u« dem Inhalt heben wir hervor: bei der LandiagSwahl ausrichten kann. Laffalle'» Anfänge, van Franz Mehring.— Industrie und Finanz. Von Theodor Kapeiutz.(Forlfehung.)— Revue der Revue».— Feuilleton: Da» Jugendieden de« Aalet. Eine jüngst« Eni- deckung. Von Dr. Friedrich Knauer. Im Verlag von I. H. W. D i e tz in Stuttgart find von der Befchlchi» der Deutfchen Soiiaidemofirail« von Franz Mehring Heft s und 10 erschienen. Sm« dem Inhalt heben wir hervor: Kap. XiV.». Die«risi« im Bunde der Gerechten. Kap. XV. Da» Kommunistische Manifest. Zweiter Abschnitt. Die Märzrevolutton und Ihre Folgen. Kap. I. Die Kiaffenkämpfe der deutschen Revolution, l. Der is. März. s. Der Verrath der Bourgeoiste. s. Die Parlamenie. s. Da« Ministerium Hansemann.«. Di« Opserung der Bauern. Da« komplele Werk wird ca.»o Lieferungen ä so Pf. umfassen. Der Prei» ist fo niedrig bemeffen, wie er bei einem wiffenschaftttchen Werke sonst kaum anzutreffen ist. Alle Buchhandlungen und Kolporteure nehmen Vi stellungen entgegen. „KittiaU Prxri«, Zentralblatt sfür Sozlalpolilit", enlhäli u. a. in ihrer neuesten Rr. Z« folgenden leitenden Aufsah: Die Trust« in Rordamerlfa. Von Pros. H. D. Lloyd.— Allgemeine Sozial- und WirihfchafkSpolilik: Einigung der demotrattlchen und der Arbeitergruppen in der Schweiz.— Soziaiistische Bewegung in Ungarn.— Kommunale EoztalpoliNk: Slädttsche Gasaulomaien.— Kommunale Werfsiäiien für HeKnarbeiler in Bern.— Justiz: Beschlllffe der kriminalistischen Bereinigung über Strafvollzug.— wvrfommniffe im Zuchthaufe zu Delißsch.— Arbeiierbewegung: VIII. interna lionaier Bergarvetter- Kongreß.— Berbandttag deutscher Post- und Teiegraphenassistenten.— Kongreffe für da« kaufmünntsche Personal.— Unlernehmervei bände: Staatliche Unterstützung von Unternehmerkäuipsen gegen Arbeiter,«on RechtSanwaik W. Hein«.— Kartell deutscher Grobblech- Walzwerke.—«lbeiterlchutz und Gewerbe-JnfpeUion: Di« österreichische Ge- werbe-Jnspettton im Jahre iss». von Prof. Ii. Mischler. «eopoid Freiherr».»xonbeete. Ein Beitrag zur vateriänhischen Geschichte -on Ludolf Parijiü«. Erster Th-ii. Verl«...... «erlin. Prei» brvschiri« M. gebunden» VI. Briefkasten der Redakkion. Die jurtstische Sprechstunde findet Montag«, Dtenstag«, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Berichtigung. In der Notiz über die Orts-Krankenkass e d e t Berliner Schneider in der Frcitagnummer(Hauptblatt, 4. Seite, 2. Spalte) muh es heißen:„Bei 41(nicht 4) dieser Arbeitgeber stel die Zwaugsvoffstrerkung sruchtlos aus". L. B., Budapest. Wir brachten in dm letzten Tagen schon mehrfach,« Darlegungen über den Emtearbeitcrstreik und uiüsicn deshalb aus die Wiedergabe Ihres Artikels verzichten. Bezüglich evmtuetler zukünftiger Korrespondenzen von Ihrer Seite können wir uns im Augenblick nicht entscheiden, da umcr Redakteur, der die östcrreichisch-ungarischen Verhäitmfic bearbeitet, zur Zeit verreist ist; in ca. 14 Tagen können Sie endgiktige Auslnuft erhalten. WittcriiiiffSiibersicht Pom 2K. Juni 1897. —— 5- 2 wK «(£1�4 LZ II g-fö M«jo 16 13 17 22 22 23 17 23 Wetter-Prognose fstr Sonntag, den L7. Jnni 1897. Trocken und vorwiegend heiler, am Tage etwas wärmer bck schwachen nördlichen Winden. B e r l i'n e r W e t t e r b n r e a u. :Iag«buchhandlung I. Gutlenberg. Arbeiter- Siillllerbunb Berlins iinb llingegenb. Sonntag. 4. Juli, vorm. 11 lthr, im Saale der Brauerei Frtedrichshain t Ipgr Uebnngsstumle.'MW Vorbereitung z.gr. Sängerfest in Pichelsdorf am 8. August. Programmmästige Lieder: 1.„Weltcnfricde". 2.„Bruderlied", 3.„Liedeslust", 4.„Fcstaesang", 5.„Frühlingsruf", 6.„Sängerniarsch". - Tie letzten drei angegebene» Lieder werden geübt.----- Es ist Pflicht der Vereine, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Bundes- Mitgliedskarte lcgitimirt. m,,«,* NB Von 10 Uhr ab im Ncbmsaale Nnsgnbe der Billcts zum Sängerfest nach Vorzeigung der BcreiuS-Buiidesinitglieds-Kartc.- Vereine, welche mit Beiträgen im Rückstände sind, können daseibst jhren Verpflichtungen nachlommen._ n/2 D. O. Achtung! Achtung! Charlottenlmrg. PienstaK, den»9. d. Mls., abends 8 Uhr, Im I,okala ItlKinai'ckHhUlic,'WilmerMdoi.-l'erstr. 30: Gr. öffentliche Versammlung der gemrWstl. Wrik-Hilss-Arbeiter\i Arbeiterinnen. TageS-Ordmmg: 1. Vortrag: Zweck und Nutzen der Organisation. Nefcrcnt: Genosse Massatsch. 2. Diskussion. 3. Wahl der Gewerkschafts- delegirtm. 4. Verschiedenes. Pfiicht eines seden Arbeiters Ist es, zu erscheinen! NB. Besonders hierzu eingeladen sind die Fabriken von Hehl, Salz- Ufer 8, von B e r i n g e r, Charlottenbiirger Ufer, Chemische Fabrik von Schering, Tegeler Weg, Cichorien- und Scisen-Fabrik, Tegeler Weg. ff» vorzügl.u. Garant., schi»crzl.,ZahnschinerzbcseIt.,schmerz- liUlIIll« L Uff 11«»loses Zahnziehen. Ti>eilzahl.Goldsteiii,Oramenstr.l23. Zeerdtgungsverem Berliner Jimmerlente. Am 2ö. d. M. verstarb plötzlich am Lungenschlag unser langjähriger Kamerad 28i>Bb Herr Äugusl Thiele. Die Beerdigung findet Montag, dm 28. Juni, nachmittags 4»/, Uhr, vom Trauerhause, Lichtenberg, Hubertus- straße ö2, aus nach dem Kirchhof tn Lichtenberg statt. Ver Vorstand. Allen Bekannten und Kollegen die traurige Nachricht, daß Mittwoch Abend 73/. Uhr mein geliebter Mann, unser lieber Vater und Schwiegervater, der Bautischler und Einsetzer s2808b tzJuüuL Laube, Maiitcuffelstraße 5, nach langem schweren Leiden ver- starben ist. Die Beerdigung stiidet Sonntag, dm 27. Juni, nachnütlags 13/� Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses am Urban aus nach dem Emmaus-Kirchhofc in Britz statt. Die ttestrauenlden Hinterbliebenen. Tode«■ ÄnsKelstsc. Am 24. d. M. verschied nach langem, schweren Leiden uiiscr lieber Sohn Jla» L'tke im Alter von 6 Jahren. Dies zeigt allen Freunden und Be- kannten tiesbetrübt an SchankwiAh Vtke und Frau Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhaufc Oppelncrstr. 23 aus statt. IlnfaUsachen, Klagen, Eingaben M Pnugerl Stcglitzerstr. 65. Linoleum. 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Intti Die deutsche Hafenarbeiter- Orgauisatiou «ach dem Hamburger Streik» SJilS Hamburg wird uns geschrieben: AlS im letzten Winter der Riesenstreik am Hamburger Hafen tobte und noch mehr. als derselbe beendet war, machte man den Hafenarbeitern den durchaus berechtigten Vorwurf, daß sie, ohne eine kräftige Organisation zu besitzen, die an sich schon fähig geivese» wäre, ans Wochen hinaus die Zlusständigen über Wasser zu halten in einen Ausstand von so gewaltigen Dimensionen eingetreten waren Die Hamburger Hafenarbeiter haben die Berechtigung dieses Vorwurfs nur zu wohl erkannt und von dem Tage der Beendigung des Streiks emsig an dem Ausbau ihrer Organisation gearbeitet. Da- durch, daß während des Streiks aste Zlusständigen der Organisation angehören mußten,»m überhaupt auf Unterstützung rechnen zu können, war ja die Organisation gewaltig gewachsen— hierbei wolle» wir bemerken, daß an dein Ausstände Angehörige verschiedener Organisationen, u. a. der Fabrikarbeiter und der Dietallarbeiter, belheiligt waren— aber nicht ohne Grund mußte man besürchte», daß ein guter Theil wieder abfallen würde, denn unsichere Kantoniste» gicbt es schließlich überall. Jedoch hat es sich erfreulicherweise gezeigt, daß die Zahl der Abtrünnige» weil hinter den Befürchtungen zurückgeblieben ist. Außer dem gewaltigen Wachsthum der Hamburger Organisation, die ja schließlich das Fundament des ganze» Zentralverdandcs der Hafenarbeiter Deutsch- lands bildet, ist aber auch der Gesammtverband seit dem Hamburger Streik gewaltig gewachsen. Nicht nur habe» die einzelnen außer- hamburgischen Mitgliedschaften an Mitgliedcrzahl ausnahmslos er- heblich zugenommen, sondern der Verband hat auch in fünf Städten neue Mitgliedschaften gewonnen, so daß er jetzt 38 Mitgliedschafte» in 21 deutschen Städten hat. Wir geben im nachfolgenden eine statistische Anfniachnng, die ein anschauliches Bild über die Eutwickelung deS Verbandes seit Beginn des Hamburger Streiks bietet. Zahl der Mitglieder in Hamburg. •) Während de? Streiks wurden die A l t o n a e r Schauerleute den Hamburgern zugezählt. Mitgliederzahl in den übrigen Städten Deutschland?. Die Gesammtzahl der Mitglieder des Verbandes betrug also vor dem Hamburger Streik 6840 Mann in 33 Mitgliedschaften, während sie jetzt 12b5ö Mann in 38 Mitgliedschaften beträgt. Ab- genommen haben nur die Mitgliedschaften der Staatsquai-Arbeiter und der Arbeiter am Amerikaquai infolge der umfassenden Maß regelungen, die in den betreffenden Betrieben nach dem Streik er- folgten. Um nahezu einmal soviel ist die Zahl der Verbands- Mitglieder gewachsen, und man geht sicherlich nicht fehl, wenn man dies außergewöhnliche Wachsthum nicht nur in zeitlichen, sondern auch in ursächlichen Zusammenhang mit dem Hamburger Streik bringt. Die Hafenarbeiter haben i» und an jenem gewaltigen Lohn kämpf gesehen, was ihnen fehlt, und schon diese Errungenschaft ist wohl der Riesen-Geldopfer werth, welche die Arbeiter Deutsch- lands, ja man kann sagen der ganzen Welt beim Hamburger Streik gebracht haben._ Vevpsinmlungen. In einer öffentlichen MetaNarbciter-Versammlnng. die am 24. Juni in Marlen'? Salon, Friedrichslr. 236, tagte, erfolgte der Thätigkeits- und der Rechenschaftsbericht für den Agitalions- und Unterstützungsfonds der Berliner Metallarbeiter für die Zeit vom 20. März 4896 bis zum 22. Juni 4897 durch den Haupt- Vertrauensmann N ä t h e r. Daß der sonst übliche Jahresbericht dieses Mal sich auf l1/* Jahr erstreckte, hat nach Näther's Er- klärung fenie Ursache in den seit 3/* Jahr gepflogenen Unter- Handlungen, oere» Resultat die Auflösung des Berliner Metallarbeiter- Verbandes zu gunsten des deutsche» Metallarbeiter-Berbandes war. Die Möglichkeil eines Zusammenarbeitens ist hier durch das Ver- trauensmänner-System gegeben; nur ist nöthig, daß jede Gruppe einen Vertrauensmann delegirt und sich an den Sammlungen be- theiligt, ans welche» die gemeinsamen Lasten zu tragen sind. Eine Anzahl Lohnbewegungen, wie sie bisher noch nicht zu verzeichnen waren, hat das abgelaufene Berichtsjahr den Berliner Metall- arbeitern gebracht, daneben noch eine große Zahl kleinerer Werkstatt- Differenzen. Abgesehen aber von den infolge der Maifeier und einigen Abwehrstreiks, die naturgemäß die hartnäckigsten und kostspieligsten sind, kann das Resultat der geführten Kämpfe als ein günstiges bezeichnet werden. Wie viel Arbeit diese Kämpfe erforderten, läßt sich daraus ermesse», daß im Laufe des Berichtsjahres nicht weniger als 436 öffentliche Versammlungen, weit über 4000 Werkftatts-Versammlungen und Be- sprechungen und unzählige Vertrauensmänner- Sitzungen und Kon- ferenzen stattfanden; außerdem waren 4680 Briefschaften und 42 982 Drucksachen zu expediren. Die Zahl der Or- gauisirten ist denn auch stetig gestiegen und beträgt jetzt. alle Organisationen zusammengefaßt, 24 000. Demgegenüber waren auch die Unternehmer nicht müßig; neben dem Verband der Elsen- gießereien und Maschinensabrikauten hat sich im Oktober 4896 ein Verband der Metallwaarenfabrikanten gegründet, und im Dezember der „Kühnemänner-Verband Nr. 3" für die Klempner- und Kupferschmiede- meister. Gas- und Wasser- Jnstalleure. Um diesen volksfeindlichen Organisationen erfolgreich begegnen zu können, besonders deren Unfug der schwarze» Listen, ist es unbedingt nothwendig, stetig mit aller Energie weiter zu agitiren und zu organisiren. Nach diesem Thätigkcitsbcricht folgte die Verlesung der der Versamm- lnng gedruckt vorliegende» spezialisirte» Abrechnung: Diese ergab eine Einnahme von 143 274,70 M. und eine Ausgabe von 93 799,73 M. Unter den Ausgaben befinden sich 6S 939,35 M. für die am 1. Mai 1896 ausgesperrten Metallarbeiter, 7518,25 M. für die Streikenden der Firma Härtung und 2910,50 M. sind an andere Gewerkschaften und außerhalb Berlins in Streik stehende Berufskollegen überwiesen worden. Als Bestand blieben 44 474,97 M. In der hieraujchließenden Diskussion wurde die Frage über die hohe Summe unter„Rechtsschutz" dahin beantwortet, daß darin 624 M. enthalten sind, welche die Klage der Wiener Kollegen in dem Massenprozeß verursachte, außerdem 450 M. für den Prozeß Arn- heim. Weiter wurde» eine Reihe Restanten von Maimarken und eine größere Anzahl Listenrestante» veröffentlicht. Auf Antrag der Revisoren, die bekundeten, Bücher, Quittungen und Belege wohl- geordnet und in bester Ordnung gefunden zu haben, wurde Rüther einstimmig Tccharge ertheilt. Einen größeren Zeitraum nahm die Besoldungssrage der Vertrauensleute in Anspruch. Das Resultat des ausführliche» Meinungsaustausches war folgendes: Das Prozent- system ist aufgehoben; die Bezirks- Vertrauensleute liquidiren ihre llnkosten; der Hauptvertrauensmann erhält für seine Thätigkeit ei» Fixum von monatlich 165 M. Weiler wurde wie bisher jährlicher Rechenschaftsbericht des Vertrauensmannes, daneben halbjährliche Revision, deren Resultat durch die Revisoren im„Vorwärts" und „Metallarbeiter- Zeitung" bekannt zu geben ist. Hierauf wurde N ä t h e r als Hauptverlrauensmann sür 4897/88 einstimmig wieder- gewählt. Als Bezirks-Vertrauensleute wurden sür den Norde»: R ie v c r, für Moabit: I ä n i s ch. für den Süden: N ö s k e einstimneig, für de» Osten: L i p p i ch gegen 7 Stimmen gewählt. Ein Vertrauens- mann für den Westen fand sich nicht, somit wurde dessen Wahl einer im Westen einzuberufenden öffentlichen Versammlung über- trage». Der Bericht über die Thätigkeit der Gewerkschafts- kommission wurde zurückgestellt, der Antrag, fünf Delcgirle dorthin zu entsenden, abgelehnt, und N ä l h e r, K ö r st e n und Berg er als Vertreter in die Geiverkschaftskomnrissio» delegirt. Zum Schluß erging an sämmlliche Metallarbeiter die Ausforderung, daß alle diejenigen, welche von den Arbeitsnachweisen der Kühnemänner ausgeschlossen sind, dem Ver- trauensmann Rüther, Anklamerstraße 44, MiUheilnng machen sollen über Dauer der Aussperrung und vermuthlichen Grund, unter genauer Angab« der Adresse. Das Resultat soll dann veröffentlicht werde». Es wurde bekannt gemacht, daß mit dem 24. Juni alle blauen Zehnpsennig-Marken von den Bezirks-Verlrauensleuten ein- zuziehen find, an deren Stelle werden hellrolhe verausgabt. Am 5. Juli findet hier eine Generalversanimlung der deutschen Metall- arbeiter und am 40. Juli daS Sommerfest des Deutschen Metall- arbeiter-Verbandes statt. Eine öffentliche Versammlnng der Graveure und Zisc- leurc tagte am 23. Juni in Krieger's Salon, Wasserthorstraße 68, um durch einstimmige Annahme der bekannten Resolution gegen die geplante Verkümmerung des Vereins- und Versammlungsrechts energisch Protest zu erheben. In seinem einleitenden Referat hatte Güttin an» vorher, unter Beifall der Zuhörer, die in dem neuen Vcreinsgesetz Bestimmunzen für die vorwärtsstrebende Das zweite Referat über die Zukunft der wurde von der Tagesordnung abgesetzt. die Rechnungslegung des Vertrauens- Revisoren. Hiernach stand 853.82 Mark eine Ausgabe enthaltenen nachtheiligen Arbeiterschaft dargelegt. deutschen Gewerkschaften Es erfolgte daraus mannes Buchholz durch die einer Gesammleinahme von von 59,45 M. gegenüber, so daß 294,37 M. Kassenbestand verbleiben. Gutschmidt wurde darauf zum Vertrauensmann und zugleich als stellvertretender Gewerkschafls-Delegirter ernannt. Nach- dem sür recht eifrigen Anschluß an die Organisation plädirt war, wurde bekannt gegeben, daß am 47. Juli eine Dampferpartie statt- findet, zu welcher Betheiligungskarten bei Muthschall, Wienerstr. 60, abzuholen sind. I» der Generalvcrsamnilung dcö Vereins der Stnckatenre Berlins und Umgegend gab zunächst Krebs den Kassenbericht. Derselbe weist eine Einnahme von 2073,57 M. auf. der eine Aus- gäbe von 4445,90 M. gegenübersteht. Somit verblieb ein Bestand 627,67 M. Das Gesammtvermögen des Vereins beziffert sich aus etwa 2450 M. Der Kassirer wurde einstimmig entlastet. Der hierauf folgenden Wahl des Vorstandes ging eine interessante Debatte voraus, in der Wünsche über eineZ Aenderung der Organisationsform laut wurden. Der Vorstand wurde beauftragt, die Geschäfte bis zu einer außerordentlichen Generalversammlung weiter zu führen, alsdann solle die Zlngelegenheit einer weiteren Besprechung nuterzogen werden. Hieraus nahm die Versammlung die Wahlen zu verschiedeuen Kommissionen vor, die folgendes Re- sultat ergaben: Arbeitsnachweis: Scheck, Kühl, Bastian, Richter. Jacob und Harmnth. Rechtsschutz: O. Daske, H. Hölzcl, I. Wehnert. V e r g n ü g u n g s k o m i t e e: Scheck, Wege, Diemer, Böschnitt und Bienitz. Bibliothekar: Otto Liudner. Tie freie Kranken- und Begräbnistkassc der Schuhmacher hielt am 24. Juni eine öffentliche Schuhniacher-Versammlung ab, in der nach einem einleitenden Referat eine Resolution zur Annahme gelangte, die de» Anschluß an diese freie Hilfskasse empfiehlt. Der allgemeine Arbeiter- und Arbeiterinnen-Verein hatte am 24. Juni eine Versammlung anberaumt, in der nach einem Referat der Frau M e s ch die Mitglieder zum Abonnement aus die „Einigkeit" ausgefordert wurden. Die Freie Vereinigung der Barbiere nnd Frisenre stimmte in der Sitzung vom 21. Juni folgendem Tarif der Gehilfen zu: Einführung eines Minimal- Wochenlohnes von 8 M. bei ganzer Kost oder 41 M. bei halber Kost. Für Aushilfe am Sonnabend und Sonntag 6 M. 2. 9>Uhr-Ladenschlilß. 8. Koalitionsrecht- 4. Kon- trolle über den Arbeitsnachweis. Der diesjährige Kongreß der Ver- cinigung findet am 3. und 4. August in Berlin statt und wurden die Mitglieder Weisfluck. Kappe, Scholz und S a a l m a n» zu Delegirten ernannt. Die Vcrgoldcr beschäftigten sich in ihrer Versammlung am 24. d. M. mit der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten. Zu- nächst wurde das Mitglied Schnorre zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Sodann wurde auf das am 26. Juli in Waidmannslust stattfinvende Sommerfest hingewiesen. Zum Schluß nahm die Ver- sammlung auf Antrag Ewald«ine Resolution an, in der sie er- klärt, daß sie mit der Antwort auf ihre Protestresolution, die seinerzeit gegen den„Vorwärts" wegen seiner Haltung der national- liberalen Partei gegenüber beschlossen wurde, nicht zufrieden- gestellt sei. Die Freie Vereinigung der Zivil-Berufsmnsiker beschäftigte sich am 22. d. M. in ihrer ordentlichen Mitgliederversammlung mit der Erledigung einiger Vereinsangelegenheilen. Der Antrag Wagner. den Arbeitsnachweis durch Annonciren weiteren Kreisen in Er- innerung zu bringen, wurde angenommen. Mit der Sperre, welche der Verein Berliner Musiker über das Lindenlheater verhängte, er- klärte sich die Versammlnng einverstanden und ersuchte die Mit- glieder, nicht unter den daselbst üblichen Gagen Stellung zu nehmen. Die auf Holzplätzc» und in HolzbearbeitnngS- Fabriken beschäftigten Arbeiter(Filiale II. U.) halten am 22. d. M. ihre Monatsversammlnng anberaumt. Genosse Kiesel referirte über das Bereinsgesetz und wurde der Vortrag sehr beifällig auf- genommen. Hierauf verlas der Kassirer die Abrechnung vom Urania- Besuch. Dieselbe ergab eine Ausgabe von 475 M. und eine Einnahme von 200,50 M.; der Ueberschuß nebst Kassenbestand b sich auf 169,96 M. Das Amt des zweite» Schriftführers>t Möse übertragen. Sodann nahin die Versammlung eine v«, Kollegen H o f s m a n n ausgearbeitete Resolution zur Unfallstatistik einstimmig an. Bekanntgegeben wurde, daß an jedem Sonnabend von 8—10 Uhr in den Zahlstellen Beiträge einkassirt und neue Mit« glieder aufgenommen werden. Tie Färber nnd Appreteure erörterten in ihrer Versammlung am 20. Juni die Verhältnisse in ihrem Berufe; das Referat hierzu hatte das Mitglied K o tz k e übernommen. Bei Besprechung der Bereinsangelegenheiten wurde bekannt gegeben, daß der Kassirer der IV. Filiale, Plöntzig, Eisenbahnslr. 36a, bei Kunze wohnt, und die Fachzeitung jeden Freitag bei K l e m a n n. Frankfurter Alle« 98. zur Vertheilung gelangt. Die Steinarbciter nahmen am 22. Juni im„Englischei Garten" den mündlichen Bericht über die, während der Pfingst Feiertage in Schlesien stattgehabte Steinarbeiter-Konferenz entgegen Lebhaft bedauert wurde, daß die Marmorinduftrie gar nicht auf der Konferenz vertrete» war. Im allgemeinen boten die Schilderungen der schlestschen Lohn- nnd Arbeitsverhältnisse ein trauriges Bild, während der Bode» für die Agitation als ein günstiger zu nennen ist. Mit dem Resultat der Konferenz war man im allgemeinen zu- friede». Den Konferenzdelegirte» wurden nach kurzem Meinung? anstausch 40 M. Tagesdiäten bewilligt. Längere Zeu nahm die Besprechung der Presse(„Bauhandwerker") in Anspruch. tierauf fanden einige Unterstützungsgesnche zustimmende Erledigung. äe Abhaltung eines Sommersestes wurde von der Versannnlung abgelehnt. Wiederholte Mißbilligung fand das freisprechende Urtheii des der Urkundenfälschung und des Betruges angeklagten früheren Vertrancnsmannes Buchmann.(Buchmann hatte sich, um ein ent« standenes Defizit zu decken, eigenmächtig Beitragsmarken ansertigen lassen und diese in Umlauf gesetzt.) Die Drechsler nahmen am 23. d. M. in einer nur mäßig be« suchte» Branchenversammlnng zu dem in Aussicht stehenden Bau- drechsler-Streik Stellung. Die durch die Preffe eingeladenen Bau- Werkstätten waren bis ans Voigt(Köpnickerstraße) erschienen. Nach den Aussagen der in Frage kommende» Arbeiter ist die Geschäfts- konjunktur lnomenta» allerdings nicht dazu angethan, um sofort in eine Bewegung einzutreten. Eine Ausnahme bilden nur die Bauwerkstätten desj Herrn Törmer, Frankfurter flraße. Es wurde allgemein befürwortet, de» Monat August als den geeignetsten zu wählen, wo aller Wahrscheinlichkeit»ach eine Pro- sperität in genannter Branche Platz greisen wird. Zu einer leb- basten Debatte kam es zwischen den Arbeitern, die schon im vorigen Jahre mit ihren Forderungen durchkamen, und denjenigen, die bei der bevorstehenden Bewegung in Frage kommen. Schließlich fand folgender Antrag einstimmige Annahme:„Die Ver» sammlung sieht die Nothwendigkeit einer Verkürzung der Arbeitszeit innerhalb der in betracht kommenden Werlstätten ein. sie wird die Agitation unterstützen, um die Arbeitszeit auf 52 Stunden zu reduziren."— Zum Schluß wurde für den Bezirk Süd-Osten noch eine Neuwahl vorgenommen. An stelle des ausgeschiedenen Kommissionsniitgliedes Trümper wurde Kollege Binde, Andreas- straße 48, und sür den Bezirk Westen Hesse, Nollendorfstr. 3, gewählt. Der Verein der Töpfer verhandelte am 24. Juni über den Beschluß der öffentlichen Versammlung betreffend die Einigung beider Organisationen. Die Angelegenheit wnrde als noch nicht spruchreif betrachtet, und soll der Beschluß ausgesetzt werden bis die Einigungskommission gesprochen hat. Sodann wurde auf die Sammlungen zum Streikfonds und aus die Vertrauensmänner» Sitzungen, die jeden Mittwoch bei Moll, Klosterstr. 404, stattfinden, aufmerksam gemacht. Nachdem die Abrechnung für richtig befunden und die Wahl eines Revisors vollzogen war, erfolgte der Schluß der Versammlung. Pankow. Am 24. d. M. hielt der hiesige Arbeiterverein eine Mitgliederversammlnng ab, in der Herr Grundmann referirte. Hieraus wurde die vom Vorstand beantragte Statutenänderung von der Versammlung angenommen.— Die Generalversammlung findet am 6. Juli statt. Köpenick. Der hiesige sozialdemokratische Arbeiter-Verei» hielt am 21. d. M. seine regelmäßige Monntsversammlung im Lokale des Genossen Ad. Schulz ab. Genosse Wagner referirte über„Unter- nehmer-Verbände nnd Arbeiter-Verbände". Die Ausführungen des Referenten, welche darin gipfelten, daß die Arbeiter alle Ilrsach» haben, sich in starken Organisationen zusammenzuschließen, wurden irnl lebhaftem Beifall anfgenommen. Ei» Antrag des Genossen Hilliges, einen Jahresbericht in Form eines Flugblattes heraus« zugeben, wurde angenommen und daraus bekannt gegebe», daß die Wasserpartie am Ii. Juli nach dem Neue» Krug bei Erkner statt« findet. Um rege Bei Heiligung bittet der Vorstand. Charlottcnbnrg. Eine große öffentliche zahlreich besuchte Versammlung der Maurer tagte am 22. Juni im Lokal„Bismarcks« höhe". Der Referent, S i l b e r s ch in i d t, schilderte den Stand der jetzigen Lohnbewegung»nd die bisherigen Erfolge, die Redner als sehr günstig bezeichnete. Wenn jetzt die Situation geschickt auS- genutzt werde, sei ein baldiger und vollständiger Sieg zweifellos. Nach einer längere» Diskussion empfahl Schulze, treu und fest im Kampfe auszuharren, und forderte die unorganisirten Berufs» kollegen zum Anschluß an den Zentralverbaud der Maurer auf. Alsdann wurde die Versammlung mit einem begeisterden Hoch aus hie Arbeiterbewegung geschlossen. Beim bevorfteheuden Monaksmvrhsel empfehlen sich folgende Partei-Speditionen: HvR-Ikn vierter Wahlkreis O.: Robert Wengeis, Fruchtstraße 30, Hof I.-««.: Fritz Thiel, Skalltzerstr. 35 v. pari.- Seehster Wahlkreis(IlloaMt): Karl Anders, Salzwedeler- straße 8, pari, im Laden.— Wechllag und Oranienburger Vorstadt: Emil Stolz enburg, Wiesenstraße 14.— Oesnnd- brnnnen: Wilhelm G a ß m a n n, Grünthalerstr. 64.— Hosen- thaler Vorstadt und Schlinhanser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien- Allee 95/96.— Charlottenbnrg: Gustav Scharnberg, Pestalozzistr. 34, Quergeb. pari.— Deutsch- Wilmersdorf: Frau Küb ler, Sigmaringenstr. 34 und Frau H e i n e m a n n, Sigmaringenstr. 35.(Hier ist auch die„Brandenburgische Volks-Zeitnng" zu erhalten.)— RIxdorf: O st e r m a n n, Jägcrstr. 70, II.— SchUne» berg: Wilhelm Säumtet, Belzigcrstr. 69, Seitenflügel part.— Johannisthal-Vicder- nnd Ober-Schöneweide: Otto John, Ober-Schöneweide, Sicmensstraße 7, Zigarrengeschaft. Annahme- stellen: Nicder-Schönewcide: Karl Weber, Zigarrengeschaft. Johannis- thal: Senftleben, Restaurateur.— Friedenau-Steglitz; H. Bernsee, Kirch straße 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppclstraße 8, und Fr. Schellhase, Ahorn« straße lös. Außerdem ist sänuniliche Parteiliteratur, sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts« entgegen genommen. Um genaue Allgabe der Adresse wird veingenv gebeten. ff Jnhnlt der Inserate nit die Redaktion dem m gegenüber keinerlei i Verantwortung. Tlzvtttev. Sonntag, den 27. Juni. Neues kgl. Operuthcater(Kroll). Die Boheme. B/- Uhr. Montag: Tannhäuser. 7 Uhr. Berliner,'s Jungferngist.?>/, Uhr. Montag: Die Maschinenbauer. Lessing. Die Geisha. V'/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schiller. DcrMillionenbauer.«Uhr. Montag: Die richtige Ergänzung. Hierauf: Durch's Ohr. 8 Uhr. Westen. Carmen. 7�2 Uhr. Montag: Der Postillon von Lon- jumcau. B/z Uhr. NeneS. Marcellc. 7>/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- WiilielnistndtischeS. Lehmann s Kriegs-Abcnteuer im Orient. 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Der Unierpräfekt. Vorher: Musotte(II. AN). 7-/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Alliance. Gpeztalttäten. Anfang 4 Uhr. Zllexandcrstlaii. Verkäuflicher Werth. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ostend. Unsere Rcichspost. B/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. 8 Uhr. Volks. Von Stufe zu Stufe. Zum Schlich: Das Fest der Hand- iverlcr. 7 Uhr. Ahollo. Venus auf Erden. 7Vz Uhr. Passage-Panoptiknm. Die Kinder der Wiiste. SMillvv-Tlzeakev (HV»IInvi'-1'Iiei»tv>e). Sonntag, abends 8 Uhr: Der Millionenbaner. Montag, abends 8 Uhr:.Die richtige Ergänzung. Durchs Ohr. Ostend-Theater. Gr. Frankfnrtcrstr.lJZ. Dir. E. Weift. Ilnnvrv Itekelinpost. Durchschlagender Erfolg. Ans. 7�/. Uhr. Montag: Dieselbe Vorst. Ans. 8 Uhr. Im Garten: Spezialitäten l. Ranges. Ans. 4 Uhr. U.a.: Hnx« Schnlx. Morgen: Dieselbe Vorst. Auf, är/, Uhr. Volks-Theater 34. Reichenbcrger- Strafte 34. Abends 7 Uhr: von Ailft!U Alift. Lebensbild in. Gesang in 5 Bildern voll Dr. H.Müller. Musik von R. Bial. Zum Schlich: Das Fest der Handwerker. Posse mit Gesang von L. Angelh. Vor der Vorstellmig von SV, Uhr ab: Garten-Konzert. Entrce SO Pf. bis 3 M. Viktoria-Brauerei (Garten resp. Saal) litttzow- S»ii'UH«c 111118 nahe Potsdamer Plah. Wlvntv sowie tllgllch: Stettiner Sänger (Mehsel, Pietro, Britton, Stcidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Anfang heute 7 llhr. Entree 50 Pf.-ML Großart. Sonniags-Programm. Unter anderem: „Ein vergnügter Wahltag.- Ensemble von Mehsel. Nach der Soiree: Morgen Montag: Anfang 8 Uhr. Apollo-rNeater und Konzert-Garten. Otto Reutter mit seinen aktuellen selbstverfaßten Kouplets. Pin O Uhr: Nenug auf Wen. Burlesk-phantastische Operette in.Tanz in I Akt von Bolten-Bäckers. Musik von Paul Linckc. In Szene gesetzt vom Direktor I. Glück. Der Kinetograph mit neuer Bilder-Serie. Auftreten hervorragender Sipezialitllten. Kassenöffnulig 6 Uhr. Konzert KVzUhr. Anfang der Vorstellung 7Vz Uhr. Vk. Koaek's fdeater Itriiiiiieii-tdtU'nsse 40. Täglich: Tiientei'- u. Spezialitäten- Vorstellung. Berliner Wäschermädel. Burleske mit Gesang und Tanz van W. Gerickc. Großer Beifall! Großer Beifall! Neu: Die zilkllssee. Neu: Operette in 1 Alt von E. Felsch. Musik von Fritz Baselt. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag im Saale: M- txrosser Mail. Urania, Tauben-Strasse-18—49. Naturkundliche AnSsteNnng täglich gevssnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt SN Pf. Wissenschnftl. Theater abe»ds8Uhr. Jiivalidenstr. b7/KZ(Lehrter Stadt- Bahnhof): Täglich von 5 Uhr nachmittags ab bis 10 Uhr abends Stern- ivarte und Mondpanorama. Eintritt bv Pf. Näheres die Tagcsanschläge. ?a88age- Banoptieum. »o Kinder der Wüste. Beduinen, Derwische, Schlangenbeschwörer, Bauchtänzerinnen etc. Vorstellung 12, 5, 7, 9 Uhr. Castan's Panoplicurn. 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Hermann und Dorothea. TpeDialitaten etc. Entree 39 Pf. Ansang 5 Uhr. Ball."ffG Faehferein der Stellmacher Berlins und Umg. Sonnabend, den 8. Juli er.: Grosser Sommernaclits-Ball in der Brauerei Friedrichshain, Am Königsthor, verbunden mit Jnstritmental- u. Vokal-Konzert sowie humoristische Borträge unter Mitwirkung des Gesangvereins„Weltenruf", Mitglied des A.-S.-B. . BBSSBKS Anfang des Konzerts 4 Uhr.>»i>WW Progrämme ä 25 Pf. sind im VerlehrSlokal, Elsafferstr. 9, zu haben. Um zahlreichen Besuch ersucht_ 159/10 Das Komitee. Schweizer Garten. n Kiinigsthor. Ai» Friedriehsha Täglicli; Theater und Spezialitäten. Tronpe Crigolatis, Täuzcr und Gymiiastikcr. Ernrny Bahi &, Carla Walton. CHansoncticnsängcrinncn. Theod. Eippnrdt, Tanzhumorist. Cieschw. Tilly, Gesangs- und Tanzducttistinnen. DUbn& Walde, Spielducttisten. The Bnflaios, ExcentricS zc. Im Saale: Ball. Bolksbeluftignttgen aller Art. Jtn Jnli sind noch 2 Sonnabende an Vereine zu vergeben._ Ostbahn-Park 71. Am Kustriner Platz. 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Juni er., abellds 8»/2 Uhr, Krosse ölleMede VersammlMg der Maurep BeHins und Umgegend im Lokale des Herrn Kellen, Koppenstr. 29. Tages-Ordnung: 1. Bericht iiver den Stand unserer Lohnbewegung. 2. Diskussion. Kollegen! Euer pünktliches und vollzähliges Erscheinen ist nothwenbig! 281/5 Die Bau-Kontrolllisten gelangen in der Versammlung zur Ausgabe. _ Die Ijohnkommisslon. Sozialdemokratischer Mahlverein sur den 2. Deriiner Reichstagg- Mahtkreis. Dienstag, den SS. Jnni. abends S1/? Uhr, In Haber» Brauerei- Ansschank. Bergmannstrasie 5—7: UMF* Versammlung. Tag es-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Theodor Mctzncr über:»Die Sozialdemokratie und ihre Gegner". 2. Diskussion. Die Broschüre:„Die Sozialdemokratie und das allgemeine Stimmrecht", von Bebel, gelangt in dieser Versammlung zur Vertheilung. Gäste haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet 238/14 Der Vorstand. Mm! ß Mltilg! Dienstag, den LS. Janl, abend» 8 Uhr, im Kdsllner Hof, Ktf»liner»tra»8e Vo. 8: Gr. öifiitl. ÄlksversWmlNg. Tages-Ordnirng: 1. Fortsetzung der Diskussion über die Frage:„Betheiligen wir uns an den Landtagswahlcn"? Zu recht zahlreichein Besuch laden ein 246/8__ Die Tertranenslente. (Zahlstelle Berlin.) Montag, de« S8. Jnni i8g7. abends 8 Uhr, im Vorstädtischen Kasino, Ackerstr. 144: BnsnoKen- yersammlung der Modell- und Fabriktischler. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. Referent Kollege Coblenzcr. dands- und Werlstattangelegenheiten. 2. Diskussion. 3. Ver- 108/3 Branchen-Verfammlitng Ä. Kammmaclter u. Bernfsgen. Montag, den 88. Jnni, abends 8 Uhr. im Lokal des Herrn Coid, Groste Frankfurterftr. 133. TageS-Ordnung: 1. Sind unsere Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Aufbesserung bedürftig? Referent: Kollege linsehke. 2. Diskuston. 3. Interne Werkstatt-Angelegenheiten und Verschiedenes. Kollegen! Agitirt dafür, daß die Versammlung zahlreich besucht wird. _ Der Obmann: P o p i tz. Verein dentseli. Scliulimaclier. Versammlungen am Hontag, den 88. d. Mt»., abend» 8V2 Uhr._ Zahlstelle l bei F e i n d t, Weinstr. 11: 1. Vortrag' des Genossen 2. Neuwahl des 2. Bevollmächtigten. "ei Lan H a m m a ch e r. Dr. Weyl. Zahlstelle II bei ge, Dragonerstr. 15: Bortrag dez Kollegen Zahlstelle HI bei Müller, Johannisstr. 20: Vortrag des Genossen R 0 s c n st 0 ck. Zahlstelle IV bei Roll, Adalvertstr. 21: Vortrag. Zahlstelle V(Schäftebranche) bei Babiel, Roscnthalerstr. 57: Bortrag des Genossen Wagner. Zahlstelle Schöneverg bei Obst, Gruncwaldstr. 110: Abrechnung und Wahl des Gesammtvorstandes. 285/0 Zahlstelle Friedrichsberg bei Fuchs, Frankfurter Allee 4 9: Vortrag. Die Bevollmächtigte». Ikchkung!"Wl HSSP" Artztun/g! Gewerkschaften, Vereine ic. Es komnit häufig vor, dast vereinzelte Musiker, politisch wohl organisirt, jedoch die gewerkschaftlichen Interessen nicht achtend, sich geschäftlich an die Arbeiterschaft herandrägen wollen. 50/15 Die Gewerkschaften, Vereine«. werden hiermit ersucht, im Interesse der Solidarität sich bei Musikbestellungen nur a» unterzeichnete Vereinigung zu wenden. Der Kollege Cieorg Schonert ist nicht mehr Mitglied. Freie Vereiniguttg d. Zivil-Berufsmusiker Berlins und Umgegend. �_ Restaurant Babiel, Rosenthalerstr. 57._ Verband der Graveure, Ciselenre M verwandten BenMenchn Dentschlands. Sonntag, d. 87., n. Hontag, d. 88. Jnni, nachm. 8 Uhr, im Restaurant„Luxhof", Mariannen-Ufer No. 2; I. General-Versammlung. Die provisorische Tages-Ordnung lautet: 1. Berichterstattung der Delegirten aus den einzelnen Städten über Lohn- und Arbeitsverhältnisse, sowie die inneren Einrichtungen der Zahlstellen IWerkstatt-Vertrauensniänner-Kommisston, Arbeitsnachweis 2c.) 2. Bericht des Verbandsvorstandes: o.) des Verbandsvorsttzenden, b) des Verbandskafsirers. c) der Kontrollkommission. 3. Bericht und Abrechnung der Fachzeitung. Wahl des Redakteurs. 4. Berathung der eingegangenen Anträge. 5. Agitation, 6. Arbeitsnachweis. 7. Festsetzung des Gehaltes der Verbandsbeamten. 8. Neuwahl der Vcrbandsleitung: a) des Zentralvorstandes, b) der Kontrollkommission. 9. Festsetzung der nächsten Generalversammlung. Am Sonntag Abend im»Luxhof": Ctamttthl. Beisammen »ein der Kollegen mit ihren Damen nnd Familien. 249/2_ Der Vorstand. I. A.:«it-r-KIld,i»o«fch»le. Die Btbttothet tn der Nordschule B run nenstr. 26, ist siir die Mitglieder an folgenden Tagen geöffnet: Sonn» tags, vormittags von lo— Ii, D te n st ag s und Fr« it a g«, abend« M dt« 10 Uhr. Mitgliedsbeiträge werde» an diesen Tagen t» der Nordschuie entgegen- genommen, ebenso tn folgenden Zahlstellen: ölottfr. Schulz, Admtralstr. toa. Schöning, Köpnilkerstr.«8; Neul, Barnimstr. ea; Babtel, Rosenthalerslr. 67; Gleinert, Müllersir. 7a; Burghause, Putbuserstr..sa; Blantenseld, Stephanstr. 2». Werner, Bülowslrobe so; iSrnbe, Mariendorferstraße s: Naßler, Junlerstraßs t, H. Königs, Dteffenbachstr. so. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Paul Mücke jr., sc». Man- teuffclftr. 128, löeldsendnngen an den Kasflrer H. König«, L. Dtefsenbachstr. so, zu senden. Ardeitrr-5!i»g-rl>»»d Berlin« und Umgegend. Vorsttzender Zld. Neuma»», B runnenstr. 160. Alle Slendcrungen in, BereinSkalender sind zu richte» an Friedrich Kort»»,. Monlenflelstr. es, v. 2 Tr. s»»d der geselligen Arbeitervereine«erlino»od der Umgegend. Vorsitzender P. Eenl, TreSdenersir. 107/108. Alle Zuschriften, den VeretnSkalender betreffend, find an H. Bendix, Alexandrinenstraßc loa, zu richten. Arbeiter-Kauch-rbnnd Berlins und der Zlmg-g-»d. Aenderungen im Verctnstalender find zu richten an Hermann Braunschwetg. Dresdener- straße 80, 2. Hof. Neretn deutscher Schul, Macher. Montag, den 28. Juni, abend» Si; Uhr. Zahlstelle 1 bei ss-indt, Weinslr. Ii: Zahlstelle 2 bei Lange. Dragonerstr. 16; Zahlstelle s bei Müller, Johannis»!. 20: Zahlstelle 4 bei Roll. Adaibertfir. 21: Zahlstelle 6 lSchästebranche) bei Babiel, Rosenthalersir. 67: Zahlstelle Friedrichs- berg bei Fuchs, Franlfurter Allee es: Zahlstelle Schöneberg bei Obst, Grunewald- straße HO. Alle« Nähere siehe Inserat. Allgemeine Lamilien-Sterbeliaspe, Heute Zahltag: Ackerstr. 12S bei Diel» und Lranienstr. 2sa bei Bulow. Berliner Arbritervertreter- Nerein tagt jeden Dienstag nach dem ersten im Monat bei BuSte. Grcnadierslr. ss, abend« 8� Uhr. Unentgeltlicher Rath wird ertheilt: Im Zlordr» Keriin»: Für Unfall-, Invalidität«- und Alter«-Persiche- rung, abend« von 7— s Uhr: SB. B n ch h o l z, Hussitenstraßc 36, v. s Tr. A. D a e h n e, Deminincrstr. 66, v. 8 Tr. K. G u t h e i t, Wiesenstr. 69a, von 8—0 Uhr abends. F. Pieschel, Gartenstr. 66, v. 2 Tr. E. Simanowiri, Gartenstr. 78, Portal 2, 2 Tr. M. Stu h lni an n, Oderbergerstr. 87, 4 Dr., von 8-0 Uhr abend«. R. Tamm, Husfitenstraße 0, von 8—9 Uhr abend» A. Voigt, Wiesenfiraße 41-42. E Warnst. Kolbergerstra«-« 7, von 6- 7 Uhr abend«.— Nur für Invalidität«- und AlterSverstcherunB: F. Blume, Strelitzerstr. 68. P. R e i m a n n, Bellerinannstr. 83. F. Trapp, Schulstr. so, von 7—8 Uhr abends. Im ziord- vsten: Nur für Invalidität«- und Altersversicherung W. Mo HS, Schönhauser Allee 62. Im(h|t«»: Nur für Invalidität«- und Altersversicherung:».Bader Gr. Iranlsurterftr. 34. v. 4 Tr. Im Süd- chsie»! Für Unfall-, Invalidität»- und Alter« Versicherung: S ch a I t h 0 f f, Michaelfirchstr. 18. Im Kiide»: Für Unfall-, Invalidität«- und Alter« Versicherung: F.Stügil m a i e r, Griininstraße so.— N u r für Invalidität«- und Altersversicherung P, Keller, Eainphausenstr. 6.. Im Süd Wieste»: Nur für Unfallversicherung: s. Hänel, SvlinZftr. 44 Im Nord Wieste»: Nur für Unsallversicherung: I. Kraus«, WilSnacker straße 19. R. Stephan, Lesfingstr. 3«. Im lientrni»: Nur für Unfallversicherung: G. Lössler, Klofterstr. 91, Bei sämmtlichen vorgenannten Personen, bei denen hier leine Sprechzeit an- gegeben, ist dieselbe Wochentag« von 7— 0 Uhr. Eingelnnfene Druckschriften. von der«lelchliei», Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen sTtuItgart, I. H. W. Dich' Verlag) ist UN« soeben die Nr. 13 de« 7. Jahrgang« zu» gegangen. Alls dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die lex Recke.— Beschwerde der Arbeiterinnen der Silberlammer de» königlichen Schlosses zu Berlin.— An« der Bewegung.— Frauenarbeit tn Apotheken. Bon Lz-mmaobos.-- Do« Frauenfltmmrecht tn England. Bon Lily Braun.— Feuilleton t Die Rückkehr. Von Ginlia Mulazzi. Au« dem Italienischen über- sitzt von Ida St.-B.— Kleine Nachrichten. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Prei» der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen leingetragen in der Reichspost- ZeitungSliste sür 1897 unter Nr. 2»o2> beträgt der Slbonnementzprei» vierleljährlich ohne Bestellgeld 66 Pf.: unter ikrenzband ob Pf, Besuchszeit verschiedener Museen nnd sonstiger SehenSwiirdigkette». Altes und Neue» Museum am Lustgarten. Besuchszeit täglich, mit Ausnahme de« Montags t» den 8 Wtntermonaten von 10—3 Uhr, in den 8 Sommermonaten von 9— s Uhr: Sonntag« tml April— September 12 bt» 8 Uhr, Oktober und März 12—6 Uhr. November und Februar 12—4 Uhr, Dezember und Januar 12— s Uhr(Unentgeltlich).— Die National» g a l l e r i e in der MnseumSstraße. Besuchszeit Wochentag« von 10—> Uhr lMontag« ausgenommen). Sonntag« im April— September von 12 b>« 6 Uhr, im März und Oktober 12—6 Uhr, Februar und November l2-4 Uhr, Januar und Dezember 12— s Uhr(Unentgeltlich).— Kunstgewerbe- Museum, Prinz Aibrechtstr. 7. Geöffnet an den Wochentagen(Montag! ausgenommen) im Sonnner von 9—3 Uhr, im Winter von 10— s Uhr, Sonntag«, April— September von 12— 6 Uhr, Oktober und März 12—6 Uhr, November und Februar 12—4 Uhr, Dezember und Januar 12— s Uhr(Unent- gcltlich).— Museum für Völkerkunde, Köntggrätzerftr. 120. Besuch«- zeit wie im Kunftgewerbe-Mufeum(Unentgeltlich).— Hygiene-Museum, klofterstr. 36. Besuchszeit Sonntags wie tni Kunstgewerbe-Muleum. Außer- dem Dienstags nnd Freitags von 10—2 Uhr(Unentgeltlich).— Museum für Naturkunde, Jnval idenstr. 42. Besuchszeit Sonnlag« wie im Kunstgewerbe- Museum. Außerdem Montag. Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend von 11— 3 Uhr. — Piuseum für deutsche Wollslrachlen und Erzeugnisse de! Ha u« g ewer be«, Kloslerslr. 36. Jeden Tag mit Slusnahme de« Mittwoch! von 11— 2 Uhr gcöstnet. Eintrittsgeld: Erwachsene 60 Pf., Kinder 26 Pf., Vereine Sonntag« 10 Pf.— R e ich« p oft- Mu scu m, Leipztgerstr. 16. Es- öffnet Sonntag« 12—2 Uhr, Montag«, Dienstag«, Donnerstag«, Freitag« von 11—2 Uhr(Unentgeltlich).— Rathhau«, Köntgstratze. Gcöstnet täglich außer Tonnerstag und Freitag von 11— 3 Uhr.(Unentgettltch). AuSstchlslhurm im Sommer-Halbjahr(Eintrittspreis 20 Ps.).— Kunstausstellung de« Verein« Berliner» ü» sl l- r, Wilhelmstr. 92. Sonntag« ZI— 2 Uhr, Wochentag« 10 bis« Uhr. 60 Pfennig Enrree.— Sternwarte, Encke- platz sa. Mittwochs und Sonnabends von 9 bt« 11 Uhr Vormittag«. Urania, Wistenschastliche« Theater. Sternwarte. Jnvaltdenjlraße 67—8» und Taubenstr.«8/49. Eeostnet von 6 Uhr Nachmittags bt« 10); Uhr Abend«, Entree 60 Pf. Zuschlag für Theater von 60 Ps. bi« 6 M.— Sternwart« im Treptower Park. Täglich bis 10 Uhr abend«. Entrce 20 Ps., Fernrohr i M.— A q u a r t u in! Echadowstr. 14. Geössnel von 9—6 Uhr. Enlree Sonntag« 60 Pf., an jedem letzten Sonntag im Monat 26 Pf.— Eastan'« Panopttlum, Friedrich- straße. Geöstnet 10— 10 Uhr. EimrittZpreii so Pf.— P a s f a g e- P a n 0 p l i k u m 10-10 Uhr. Eintrittspreis 60 Pf.— M a r i n e- P a n 0 r a>na, Am Lehrter Bahnhof. Sonntags von 9— 9 Uhr. Entree 60 Pf.— K a t s c r- P an 0 r am a, Passage(Unter den Linden). Geöstnet von 9 Uhr Morgen« bt« 10 Uhr Abend! 300 verschiedene Reisen, Landschasisbilder. Jede Reise 2i)Pf. Berestna-Panorama Herwarthstraße. Täglich.— Z 0 0 lo g t s ch er Garten, Lützowuser. Sonn- lag« 60 Pf.— B 0 r s i g'« G a r r e n mit P a l m e n h a u«, All-Moabtt 86/88, Eintrittspreis so Pf.— Oeffentltche Lesehalle der Deutschs» Gesellschaft für Ethische Kultur, Neue Schönhauserstr. 13. Unentgeltlich geöffnet am Werllag abend« von 8 bt« 10 Uhr, Sonntag oj(— 1 vorm.» 6—10 abends.— Städtische Lesehalle, Mohrenslr. 41, geöstnet Woche», �ag« abend« von 8—9 Uhr und Sonntag« von 11 bis 2 Uhr. Beste und billigste Bezugsquelle für Händler, Restaurateure und Viederverkäufer! Sumatra-Decke mit gemischter, langer Einlage ohne Spitzeneinlagc oder gar Rippen! 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