Nr. 155. Abmmements• Krdwgungen: ObonnementS- Preis pränumerando! «ierteljährb 3,30 Mb, monall. 1,10 SD! t., wöchentlich 28 Pfg. fret Ins Haus. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags- Nummer mit tlluftrtrler Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: ZPO Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste ftir 1837 unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. Erschein! lägUch«ußtt Monkag«. Verltnev Volksblskk. 14. Iichrgi. Die Insertlons- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- «eile oder deren Raum 40 Pfg., für BereinS- und Verfammlungs-Auzetgen, sowie ArbeiiSmarlt 20 Pfg. Inserate für dle nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags tn der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. F»rnspr«chrr: Smk I, Dr. 1003. Delegramm- Adresse: »Sollaldrinostrst Srriin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V. 19, Menly-Straße 2. Expedition: 8V. 19. Menty-Straße 3. Der ArhkltundvnkAmpf' im rngliNtzen Mafthinvnbemgemevbv. London, den 8. Juli. Heule Mittag werden die Arbeiter von jünf großen Werkplätzcn der Londoner Mafchinenbau-Jndustrie in Ausstand treten, uin die Leiter dieser Anstalten zu bewegen, ihnen den achtstündigen Arbeits- tag unter Beibehaltung des bisherigen Lohnsalzes— in London 88 Schillinge pro Woche— zu beivilligen. Damit wird die bisher sriedlich geführte Bewegung für den achtstündigen Arbeitstag in einen gewerblichen Kampf verwandelt. Mehr noch, bisher ans London und die be- nachbarten Distrikte beschränkt, wird ste zu einer nationalen Angelegenheit. Wie der Telegraph wohl schon gemeldet haben wird. haben die Vertreter der großen nationalen Unternehmer-Verbände der Mafchinenbau-Jndustrie auf ihrer am 1. Jnli in Manchester abgehaltenen Konserenz zetzt wirklich beschlossen, jeden von Mit- gliedern gewerkschaftlicher Verbände in dieser Sache unternommene» Streik gegen Verbandsfirmen damit zu beantworten, daß im ganze» Gebiete der Verbände je 25 pCt. der Mitglieder der betreffenden Gewerkschaft gekündigt wird. In Gewerkschaftskreisen wird dagegen geplant, auf jede solche partielle Kündigung sofort mit dem General- ansstand zu antworten. Ist darüber auch noch nicht allseitig und endgiltig entschieden, so steht doch schon soviel fest, daß der heute in London begonnene Ansstand einen großen nationale» Arbeits- ausschluß einleitet, der leicht hunderttausende von Arbeitern in Mit- leidenschaft ziehen kann. Welche Tragweite dieser Arbeitsausschluß haben kann, lassen die Zahlen der betheiligte» Organisationen deutlich erkennen. Die heutige Londoner Achtstunden-Bewegung ist eingeleitet worden von den Londoner Zweigsektionen von sechs nationalen Gewerkschastsverbänden und einem lokalen Fachverein. Diese weisen folgende Zahle» aus: Zahl der Ge- Zahl der ....w d-, rnuSS.. 1. Sept. 1896 fang Mai 1807 , 83 980 10 000 89 800 2 700 7 700 800 879 800 » 800 2 750 100 600 500 1. Vereinigten Maschtnenbaner.. 2. Keffclbauer und Eisenschiffbauer. 8. Dampfmaschinenbaucr.... 4. Schmiede und Hämmerer... 5. Kupferschmiede....... 6. Maschinenbau-Arbeiter.... 7. Lonboner Bohrer Die Zahlen der ersten Nubrik sind dem Protokoll des Edin- burgcr Gewerkschaftskongresses entnommen. Seitdem dies angefertigt morde», ist die Zahl der Mitglieder des Gewerkvereiiis der ver- einigten Maschinenbauer um über 8000 gestiegen. Sie betrug an! 1. Juni 91328 und wird jetzt zwischen 92 000 und 93 000 stehen. Eine gleich beträchtliche Steigerung ist bei de» anderen Vereinen nicht anzunehmen, aber auch sie haben sich unzweiselhasl gehoben. so daß man die Gesainmt-Mitgliederzahl der ausgezählten Organi- salione» nnf rund 150 000 veranschlagen kann, zehnmal so viel als nach den Zahlen der zweiten Rubrik Mitglieder ans London und Umkreis entfalle». Die Zahlen dieler Nubrik sind dem Mai- Bericht des Sekretärs der Vereinigten Maschinenbauer entnommen, wobei bemerkt werden muß. daß sich, seit derselbe erschienen, noch drei Fnchvereine der Bewegung angeschlossen haben, nämlich die Vereine der Fein-Mechaniler, der Fein-Messingarbeiter und der Werkzeugarbeiler, über deren Milgliederzahl nähere Angaben fehlen. Die der Bewegung entgegenstehenden Uuternebmerverbände sind: 1. der Verband der Maschinenban-Unternehmer, 2. der Verband der Sanffsbau-Unternchmer, 3. der Verband der Eiseniudnslriellen. Es wird als seststcheud erklärt, daß die in diesen Verbänden organisirten Unternehmer direkt nicht weniger als 200 000 Arbeiter beschnstigen. Das wären noch mehr, als die obigen Gewerkschaften rcpräseuliren. Es ist aber zu bemerken, daß diese Gewerkschaften bei weitem nicht alle Arbeiter der Geschäfte umfassen, in denen sie vertreten sind. Auf je 100 Geiverkschaftler kommen da immer mindestens 100 Arbeiter, die entweder gar keiner Organisation oder solchen Vereine» angehören, die sich, wie der Verein der Modellmacher, der Bewegung nicht angeschlosseii haben. Mit anderen Worten, so groß wie die Unlernehmerverbände sind, repräsentiren sie doch nur einen Theil der Geschäfte, um die eS sich bei der Bewegung handelt. Darauf stützt sich der OperationSplan der Arbeiter, vor allem der hiesigen Mitglieder der Gewerkschaft der vereinigten Maschinen- bauer, deren Londoner Vertretung, wie ick) schon früher millbeille, die Seele dieser Bewegung ist. Die Leiter des Vereins berechnen. daß im äußersten Falle etwa 45 000 seiner Mitglieder außer Arbeit komme» würden, so daß 47 000 Mitglieder blieben, deren Extra- steuern den Verein in die Lage setzen>vürde», auf Woche» und gegebenenfalls Monate hinaus Streikunterstützung zu zahlen, ohne die Fonds des Vereins zu erschöpfen. Die bloße Möglichkeit eines sich so lange hinausziehenden Ansstandcs werde aber genügen, viele Unternehmer im entscheidenden Moment vom Rücktritt vom Verband bezw. zur Absage gegen dessen Kampspolitik zu veranlasse». Die Interessen der Unternehmer seien nach Lokalität und Spezialität viel zu verschiedenartige, um eine einheitliche Politik zu ermöglichen. Der Verlans der Bewegung in London, wo bis zur Stunde 152 Firmen mit zusammen 12 000 Arbeitern den Achtstundentag be- willigt habe», spricht im ganzen für diese Annahme. Es darf jedoch nicht verschwiegen werden, daß es doch Faktoren gicbt, die gegen sie sprechen. Es bleibe dahingestellt, ob man allen Unternehmern glauben darf, die erklären, daß, nachdem sie erst im Winter Lohnerhöhung haben eintreten lassen, sie bei den hentigen Weltmarktpreisen absolut rußer stände seien, die ans eine Lohnerhöhung um 12>/s pCt. auslaufende Forderung zu bewilligen. Von einer Anzahl Firnren scheint es sestzustehe», daß sie bereit sind, eher ihre Werkställe» zu schließe» als nachzugeben. Wichtiger ist, daß auch die Interessen der in Frage kommende» Gewerkschaste» nicht gleichartige und daher Spallttngcn in den Reihen der Arbeiter nicht ausgeschlossen sind. So hat z. B. die Zentralleitung des großen Gewerkvereins der Kessel- und Eisenschiffbauer erklärt, daß wenn ihre Londoner Mit- glieder in Ansstand treten wollten, sie dies aus eigene Verantwortung "Hnn müßte», der Gesammtverein könne sich nicht mit ihrer Politik solidarisch machen und siedaher nicht unterstützen. Eine ähnliche Er- klärnng von seilen des Vereins der Dampfmaschinenbauer ist nicht unwahr- scheinltch. Diese beiden Organisationen würden nämlich von einem Generalstreik sehr viel stärker in Anspruch genommen werde» wie der Verein der Maschinenbauer. Sie sind sehr viel mehr als dieser auf bestimmte Lokalitäten»nd Geschäfte beschränkt*) und hätten statt 50 vielleicht 90 pCt. Ausständige. Was das für eine» Unter- schied macht, ist leicht auszumalen. Auch scheint es, daß die Union der Dampsmaschineubauer, eine der ältesten englischen Gewerk- schasten, einen größere» Durchschnitt älterer und vcrheiratheter Mitglieder zählt wie der Verein der Maschinenbauer, was natürlich auf die Politik zurückwirkt. Sie. wie der Verein der Kesselbauer sind hauptsächlich in» Norden vertrete», wo sie an einzelne» Orten dem Verein der Maschinenbauer das Gewicht halten. Wenn dort die Strömung nicht so stark ist, ihre Mitglieder schließlich doch mit fortzureißen, so würde ein General- streik des letztgenannten Vereins eine ziemliche Anzahl von Geschäften nicht so stark treffen, um sie vor die Nolhwendigkeit zu stellen, zu schließen oder nachzugeben. Den» schließlich giebt es doch noch immer eine große Anzahl von Nichigewerkschaftler», die es den Fabrikanten alsdann erleichterten, den Betrieb in ermäßigtem Um« fange fortzusetzen. Dies die ivichtigste» Momente, die als Gegenkräfte gegen das Unternehmen der kämpfenden Arbeiter in betracht kommen. Der Kampf ist also keineswegs ein ganz gefahrloser. Es stehen ihm große Hindernisse im Wege. An sich ist die Forderung des Acktstundcnlages gewiß unler den Arbeiter» populär, aber über die Methode zu seiner Erreichung gehen die Meinungen»och weit auseinander. Es giebt z. B. viele Arbeiter, die da meinen, es sollte erst einmal im ganzen Lande gründlich mit dem System der Uebcrzeitarbeit aufgeräumt werde», ehe man an die Erkämpfung des Achtstundentages gebe. Mit der Ucberzeitarbeit sei derselbe doch nur eine grobe Täuschung. Angesichls all dieser Schwierigkeiten ist das Londoner Acht- stunden-Komitee nach wie vor sorgsam darauf bedacht, sich die Sympalhie der breiten Masse der Arbeiter zu erhallen und die des großen Publikums wenigstens nicht ohne Roth zu verscherze». In seinen Ausrufen spricht es mit Anerkennung von der„Hochherzigkeit" derjenigen Unternehmer, die den Achtstundci4ag bewilligt haben, und bleibt es in seiner Kennzeichnung des Vorgehens der ver- bündeten Unternehmer streng innerhalb der Grenzen sachlicher Be- käinpfnng. „Die Unternehmer in diesem Distrikt", schreibt es in einem soeben versandten Anfrns an alle Gewerkvereine des vereinigle» Königreichs,„sind von Depnt Oioncn persönlich ausgesucht worden, und in vielen Fällen ist auf brieflichem Wege unterhandelt worden. Dieses Verfahren ist so erfolgreich geivesen, daß bis zum 1. Jnli nicht weniger als 152 Firmen in diesem Distrikt den Achtstundentag bewilligt habe». Aber die als Verband der Maschinenban-Unternehmer und Schiffsbau-Unternehmer bekannten Unternehmer des Nordens sind gemeinsam mit dem Verband der Eisenindnstricllcu über diese fried- fertige Methode der Zugeständnisse und der hoelcherzigui Handlungsweise Londoner Unternehmer gegen Londoner Arbeiter in große Unruhe gcraihen und haben diejenigen, die die Forderung nicht bcivilligt haben, mit allen ibne» zu Gebote stehenden Mittel» der Uebcrrcdung, der Schmeichelei und des Zwanges zu bewegen gesucht, ihrem Verband beizutreten, indem sie ihnen jede mögliche finanzielle und sonstige Unlerflützung versprachen, wen» sie nur sich mühen wollte», den von den Londoner Arbeitern gemachte» Forlschritte» Einhalt zu thun. „Wir brauchen den Grund dieser plötzliche» Jnteressenahme der Unternehmer des Nordens für ihre Konkurrenten im Süden nnd deren Arbeiter nicht weit zu suchen, denn es liegt aus der Hand, daß der einzige Grund zur En Mischung die Furcht ist, daß, wenn es diesen Londoner Arbeitern gelmige», diese einsthast erstrebte und populäre Reform— den Achlstuiidenlag— auf sricdlichcm Wege z» erreichen, ihre eigenen Arbeiter nicht lange warten- ürde», dasselbe zu verlangen. „Es mag angenehm sein sestznstelle», daß der Erfolg der Arbeiter bisher kein phänomenaler ist. Aber indem wir auch die Sachlage klar aitSeinandersetzen, müsse» wir doch bemerken, daß sie(die Ar- beiter) eS fertig gebracht haben, einige der weniger gutwilligen Prinzigale dieses Distrikts zu sich herüberzuziehen, Prinzipale, die nie als hochherzig gegen ihre Arbeiter galten und sicher nie mehr gezahlt haben als die Minimallohnsätze unserer Gewerkschaft.(Hier folgt die Schilderung, wie die Masse der Londoner Prinzipale durch die Weigerung, Ueberzeitarbeil zu arbeite», iveich gemacht wurden, »nd wie das Komitee dann schließlich dazu überging, bei drei der widerspänstigen Firmen die Arbeit ganz kundigen zu lasse», wodurch die Unternehinerverbände jetzt mit Gegenkündigungen drohen. Dann schließt der Brief)! „Gewerkschastskollcgen i Wir haben Euch unser« Situation ge- schildert, wie sie heute liegt, in der sichere» Hoffnung, daß wir Eure volle Sympalhie nnd Unterstützung auf unserer Seite haben, wenn wir diese wünschenswcrthe Reform, die unter allen Umständen durchzusetzen der feste Entschluß dieses Komitee'S ist, zu erfolgreichem Ausgang bringen. „Wir hoffen, daß die verbündeten Unternehmer dadurch, daß ste das Gebiet deS Kampfes erweitern, den allgemeinen Achtstunden- tag im ganzen vereinigten Königreich herbeiführen". Möchte es so sein. Aber vorläufig wird es noch harte Kämpfe geben. Von den Schiffbaufirmen am Clyde(Glasgow und Distrikt) haben sich gester» 29 durch Unterschrift für den Beschluß der ver- bündeten Unternehmer erklärt. Aehnliches ist am Tyne und Tees (Durham. Norlhumberland, Cleveland), in Lancashire und anderen Orlen sicher. Es hängt also sehr viel davon ab, wie sich die vorerwähnte» zwei Arbeiterorganisationen erklären, die nächst dem Verein der Maschinenbauer die größte Mitgliederzahl in der Eisenindustrie haben. Schließen sie sich aus, so bleibt der Kampf im wesentliche» lokal»nd sektionell nnd wird die intcr- nationale Silnation nicht sonderlich beeinflussen. Noch weniger wird dies der Fall sein, wen», was immerhin möglich ist, die Mehr- zahl der Provinzseklione» des Maschinenbauervcreius gegen die Londoner Stellung nimmt. Schließen sie sich ihr aber an und treten *) Was der Engländer„Engineer" nennt, umfaßt nicht nur bestimmte Arbeitszweige des Maschinenbaufachs, sondern Mechaniker aller Art. die beiden anderen Vereine der Bewegung als Körperschaft bei, so würde der Kampf hier zu einer Slockung der Industrie führen, die in der einen oder anderen Weise auf das Festland zurückwirken müßte. Der Hochsommer ist ans verschiedenen Gründen für Arbeiter die günstigste Zeit des Ausstandes, an eine baldige Beendigung durch den Zwang der äußersten Roth ist da nicht zu denke». Die Gewerkschaslskassen sind gefüllt und gerade von den hier in betracht kommenden Arbeitern haben eine nicht geringe Zahl noch andere Zahlungsquellen. Aber der Kampf würde noch weitere Kreise der Arbeitcrwelt in Mitleidenschast ziehen, von denen dies nicht gilt. Ties und die Furcht, daß die englische Industrie durch Verluste von Austrägen und Kundschaften schwere Schäden erleiden könne, lassen schon jetzt Rufe nach einem Kompromiß laut werden. Bevor sich jedoch die beide» Heere nicht gemessen, haben sie wenig Aussicht gehört zu werden. Später mag es vielleicht zu einem Kompromiß kommen. Denn die Gewert- schaslen haben neben ihren rein ökonomischen noch verschiedene, sehr ivirksnme soziale nnd politische Machtmittel zur Verfügung, wie z. B. den Einfluß auf Behörden als Auftraggeber, de» Einfluß auf einen großen Theil der Presse und der religiösen Körper- schasten ic., daß eine totale Niederlage wenig wahrscheinlich ist. Ohne irgend ein Zugesländniß würden sie kaum aus dem Kampf hervorgehen. All dies verleiht demselben eine Bedeutung, die ihn der größten Beachtung seitens der festländischen Arbeiter wcrlh erscheinen läßt. Nachschrift. Soeben, abends, erfahre ich»och, daß der Vor- stand der Gewerkschaft der Vereinigte» Maschinenbauer in heutiger Sitzung endgiltig beschlossen hat, den partiellen Arbeitsausschluß mit dem Genernlansstand zu beantworten, und den Sektionsvorständen in der Provinz Weisung hat zugehen lassen, dafür Sorge zu tragen, daß, sobalv die Prinzipale ihre Drohung ausführen und den vierten Theil der Mitglieder des Vereins kündigen, die anderen drei Viertel sofort ihrerseits die Arbeit aufkündige». Andererseits hat der Vorstand der Gewerlschaft der Keffelbaner und Eisenschiffbauer den Vorstand der Vereinigicn Unternehmer offiziell Miltheilnng gemacht, daß feine Gewerkschaft beschlossen hat, den Londoner Ansstand nicht zu unterstützen, was die Unternehmer veranlasse» wird, die Kündigungen nicht auf Mitglieder derselben auszudehnen. Es bleibt aber abznrvarten, ob die Mitglieder der Gewerkschaft den Beschluß der Leitung überall ratifiziren.— *,* Wir fügen der Darstellung rrnsereS Korrespondenten folgendes Wollff'sche Telegramm vom 6. Juli an: Seitens der Werksührer rvurde heute 25 pCt. der in den Maschinenbanwerkstälten am Clyde beschäftigten Arbeitern auf den nächsten Dienstag gekündigt. Es werde» von dieser Maßregel ungefähr 6000 Mann betroffen. Aehnliche Kündigungen von 25 pCt, der Arbeiter sind seitens der Vereinigungen der Arbeitgeber von Hartlepool nnd Sunderland, von Grcenock, Ncwcastle, Manchester und anderen Jnduslrie-Zcntreu angehörigeu Firmen erfolgt. Man erwartet, daß in jedem einzelne» Fall auch die übrigen 75 pCt. der Arbcilcr nach Ablauf der Woche die Arbeit niederlegen werden. politische Mebeeficht. Berlin, 6. Juli. Wilder Hnsx gegen England ist dem preußischen Junker ebenso in die Seele eingewurzelt wie brünstige Liebe zu Rußland, und beide Gefühle, die organisch zusauiinengchörcn, bilden eigentlich nur eins— sind beide; der Ausfluß der rückständigen, urreaktionären Gesinnung, die den preußischen Junker anszeichnet und ihn in dem halbbarbarischcn Mittelalter die Jdealzeit erblicken läßt, in welche Deutschland zurückgedrängt werden soll. Das russische Knutenrcich ist diesem Ideal am nächsten; das durch und durch bürgerlich-modcrnc England steht von allen Staaten der Welt im schroffsten Widerspruch. zu ihm. Wir hatten wiederholt Gelegenheit, auf die Hetzereien unserer Reaktionäre gegen alles was englisch ist, hinzu» weisen. Nach dem Sturze Bismarck's gab es eine kleine Pause. Als Caprivi den Junkern erlegen war, ging. das Gehetze von neuem loS, und jetzt, wo die Junker das Ziel ihrer Wünsche erreicht zu haben glauben, wird es mit ver- doppeltem Eifer betrieben. Und leider nicht blos in den Zeitungen. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, sind auch die offiziellen Beziehungen zivischen Deutschland nnd England durch den Einfluß unserer Junker ernstlich getrübt worden. Daß der deutsche Kaiser nicht zu dem Jubiläum seiner Großmutter nach London ging, ließ sich aus rein persönlichen Stimmungen erklären. Der deutsche Kaiser— das läßt sich nun einmal nicht leugnen— wird in England sehr ungünstig benrtheilt, und wenn daZ auch bloS seiner Person gilt und politisch ohne jegliche Bedeutung ist, so erklärt es doch zur genüge, daß der deutsche Kaiser keine sonderliche Lust hatte, England zu besuchen. Jetzt erfahren wir nun aber, daß es sich um mehr handelt, als wie persönliche Stimmungen oder Verstimmungen. Wir erfahren, daß der deutsche Botschafter in London sich von den� meisten offiziellen Festen der JnbiläumSwoche auffällig fern gehalten hat. Und das geht unzweifelhaft über das Gebiet des Persönlichen hinaus. Dies erklärt sich nur ans Differenzen zwischen den Regierungen beider Länder. Worin bestehen diese? Die Episode des Krüger-Telegramms ist längst vergessen, und die Koniödie der südafrikanischen Enquete hat politisch nur geringe Bedeutung., Wenn wir uns nicht sehr täuschen, liegt der Grund der Er- kallniig in dem Verhältniß der deutschen Reichsregiernng zn Rußland, und zwar speziell darin, daß die deutsche Regierung ihrem zweiten Dreibund gemäß mit sehr großem Eifer die russische Politik in Asien gegen England und in Japan mitcvsliitzt. An der Thatsache ist kein Ziveifel. Was in dieser Hinsicht von unterrichteten Engländern positiv behauptet roird, findet in der Haltung der deutschen Regierungs- presse seine vollste Bestätigung. Und wenn wir ve- denken, daß in Asien sich offenbar Ereignisse von ent- scheidender Tragweite vorbereiten, Ereignisse, welche die Gefahr eines Weltkrieges nahe rücken, dann sehen wir auch, daß es für das deutsche Volk von höchstem Interesse ist, über die Beziehungen der Reichsregierung zu England volle Klarheit zu haben. Das Festhalten Teutschlands an Rnßlaüd, wenn dieses in Konflikt mit England kommt, ,vürde mit fast absoluter Gewißheit die Loslösung Frankreichs von Rußland und die Allianz Frankreichs mit England zur Folge haben, und Deutschland hätte als Bütte des Z a r s für die russische Knute und den chinesischen Zopf zu kämpfen. Das ist eine Rolle, zu der das deutsche Volk sich nimmer- mehr hergeben darf. Und die Gefahr, daß diese Rolle Uns zugemuthet wird, rückt in Unheimliche Nähe. � Ein Post-Programm.„Post" und„Kreuz-Zeitnng" entwerfen eine ganze Liste von Vorschlägen zur„Reform" des Postwesens. Die„Reform" soll darin bestehen, daß die Post „rentabler" gemacht werden soll, daß sie mehr Ueberschüsse für den armen, viel Geld benöthigenden Staat bringen soll. Und nicht nur die Post soll Ueberschüsse bringen, sondern durch Renbelastung der Post soll auch die Eisenbahn einträglicher werden, Es soll die Vergünstigung, welche die Post bei der Beförderung der Brief- Und Packetsendnngen durch die Eisenbahn erfährt, aufgehoben werden. Zum Ausgleich dafür soll der Zeitnngs- tarif verteuert, die Gebühren für Eildepcschen und Telephongespräche erhöht, die SV- Pf.- Packetsendnngen ebenfalls vcr- theuert llnd endlich am Beamtenpersonal gespart werden. Ein hcitercs Programm, das da die Meister aller reaktionären Künste an die Adreffc des neuen Genernlpostmeisters richten! Hoffen sie, daß der Husnrenoffizier in kühnem Ritte alles das niederreiten werde, was Stephan mit vorwärts gerichtetem Geist aufgebaut hat? Daß die Männer der„Post" und„Kreuz-Zeitnng" solches dem Herrn v. Podbielski auch nur zutraue», erscheint sehr charakteristisch. D i e Leute kennen den neuen Postbeherrscher, er ist ihr Parteifreund und Geistesverwandter. Das wäre ja noch eine besondere Bescheernng zn all dem anderen reaktionären Spuk, der heuer drohend aufsteigt, wenn auch„das Zeitalter des Verkehrs" umgekehrt werden sollte, wenn stattJortcntwickelnng des Verkehrs ErschwernngundUntcrbindung die Parole der Postverwaltnng sein sollte, wenn statt der so noth- wendigen Aufbesserung der sozialen Lage der Postjünger Er- sparnisse anPcrsonal und Kosten hcransgcschnndcn werden sollten! Wenn Herr v. Podbielski solchen Ritt zu reiten versuchen wollte, so möge er sich nur hüten, daß nicht Roß und Reiter bald mit zerbrochenen Gliedern im Graben liegen. Denn solche Rückwärtsereien erträgt selbst das dicke Blut des deutsche» Spießbürgers nicht!— Des Ncichskauzlcrs Palais auf der Briennerstraße in M ü n ch e n wird von geschäftigen Händen in stand gesetzt, anscheinend zn dauernder Benutzung. Auch des Kanzlers Sohn sieht sich nach einem Heim in München nm. Fürst Hohenlohe'? Namen steht unter dcni Gesetz, welches den bayerischen Militär-Strafprozeß regelt. Fürst Hohenlohe hat versprochen, daß er den Militär-Strafprozeß für das Reich im Sinne moderner Rechtsanschaunngen durchführen wolle. Aber bisher'konnte er sein Versprechen noch immer nicht halten. Und jetzt wird sicher, daß wiederum das Militär- kabinct des Kaisers den Hohcnlohe'schen Anschauungen in dieser Frage abgeneigt ist und hindernd in den Weg tritt. Wird der Kanzler hieran Schiffbruch leiden? Will er sich „einen guten Abgang" sichern?"— Leopold von Belgien, der Koburger, der bei„seinem Volke" schon lange Einfluß und Ansehen verscherzt hat, sucht im Auslande seinen Leumund wiederherzustellen. Während die belgischen Zeitungen mit ihm ihr lustiges Spiel treiben, will er im Nachbarlande ernst genommen werden, und die- jcnigen, welche dem gekrönten Kongogründer diesen Gefallen nicht thun wollen, zieht er vor das Richtertribnnal. Er hat gegen die Redakteure zweier sozialdemokratischer Blätter Strafantrag gestellt. In Haniburg ist der Prozeß noch nicht entschieden. Ans Schweidnitz wird uns telcgraphirt, daß unser Parteigenosse F e l d m a n n, Redakteur des„Proletarier ans dem Enlengebirge" heute zu vier Wochen Ge- s ä n g n i ß vernrtheilt worden ist wegen Leopold- Beleidi- gung. Die beantragte Beweiscrhcbnng wurde abgelehnt. Wir werden, sobald uns nähere Details des Prozesses vorliegen, darauf zurückkommen. Aus Indien lauten die Nachrichten noch immer be- drohlich. Nach einer Reuter'schen Depesche aus Kalkutta ist die Lage fortwährend unruhig, und sollen bei den Znsammen- stößen iil Tschitpur und Pnnah 6VV Menschen das Leben ver- loren haben. Während die englischen Blätter zwar den Ernst der Situation zugeben aber jede Möglichkeit eines AufstandS im großen Stile bestreiten, nialen die russischen Blätter die Dinge grau in grau. Die„Nowoje Wrcmja" meint zwar, daß England heute„zehnmal so viel Macht in Indien" hat, als 1857, aber sie hält doch einen allgemeinen Ansstand für nicht unwahrscheinlich. Und das ist so ziemlich das Urtheil aller russi- scheu Blätter,bei denen der Wunsch zweifellos Vater des Gedankens ist. Wenn man nun bedenkt, daß die russische Presse von der Regierung ganz direkt abhängig ist und daß die russische Regierung seit Jahrzehnten daran arbeitet, die Machtstellung der Engländer in Indien zu untergraben, so erkennt man in diesen Zeitungsartikeln das gegenwärtige Ziel der russischen Politik.- Die Botschafter in Konstanttnopel waren einmal mehr zu- fammen. Ei» Resultat ist nicht erzielt. Dafür gab es an mehreren Stellen kriegerische Erscheinungen und Unruhen. Die„Times" erfahre» aus Athen vom 4. d. M..»ach Meldungen ans Arla fahren die Türke» fort, ihre Truppe» an der Grenze entlang und in der Nähe des Golfes von Ambrikia zn verstärke»; bei Jsmaret und anderen Arta beherrschen- den Punkten seien schwere Geschütze aufgestellt. Nach einer Meldung desselben Blattes aus Athen vom ö. d. M. richtete die griechische Llegieriing an die Gesandte» der sremden Mächte eine Note betreffs der angeblichen Ausschreitungen der Türken i» Epirus. Aus St t h e n meldet die„Agenee Havas": Bei einem hesiigen Zusammenstoße, welcher gestern im Piräus zwischen be- truttkenen russischen Matrosen und Einwohnern stattfand, erlitt der russische Offizier von'Nelidoff, ein Sohn des Bot- schafters, bei dem Bersuche, de» Streit zu schlichten, ziemlich schwere Berletzungen. Die türkischen Truppen haben»ach einer Schlägerei mit den Einwohnern Kalambaka, im Norden von TheffalUn, besetzt.— Tenisches Reich. —„I ch habe die Geschäfte des Staatssekretärs des R e> ch s- P ojst a m t s übernommen, v. P o d b i e l s k i." — Mit dieser Ankündigung im„Amtsblatt des Reichs- Postamtes" — dessen Nr. 42 nichts weiter enthält als diese Ankündigung— führt sich der neue Postherr bei seiner Beamtenfäiast ein. Ob diese von einer solchen Einführung sehr erbaut sein wird? Höchst bündig ist sie, höchst inilitärisch. — Die Meldung, daß Unterstaatssekretär Fischer einen halbjährlichen Urlaub genommen habe, wird wider- rufen. Auch soll eS nicht richtig sein, daß Dr. Fischer sein Amt aufgebe» will. Man hat ihm von offiziöser Seite tüchtig Honig auf den Mund geschmiert, und auch die sür seinen neuen Chef nicht gerade schmeichelhafte Vorstellung scheint eine Rolle gespielt zu habe», daß Fischer regieren, PodbielSki repräfentiren ivnrde.— — Die Verhandlungen z wisch en den Börsianern und Agrarier» sollen wieder a»fge»omme» werden. Ter Ober- Präsident der Provinz Brandenburg hat an die Delegitten des Vereins Berliner Getreide- und Produktcnhändler Einladungen er- gehen lassen, nm Sonnabend dieser Woche II Uhr im Provinzinl- ständehaus zu erscheinen, uw die seiner Zeit so jäh unterbrochenen Verhanblnngen fortzusetzen. Auf diese Anssorbcrniig hin hat der genannte Vorstand heute de- schloffen, auch seinerseiis wieder in die Verhandlungen einzutreten. Jedoch wurde» die sür die Berathung delegirle» Herren strikte be- nnstragt, prinzipiell von dem bisher eingenommenen Siandpnnkl in keiner Weise abzuiveichen.„Die Delegirlen werden demnach, so lautet der gefaßte Beschluß, daran festhalten, daß der Vor- stand der Produktenbörse ausschließlich aus der freie» Wahl der Mitglieder des Produkten Marktes hervorzugehen hat, ivotei es freilich nicht ausgeschloffen ist. daß äiich Landwirthe, aber mir insofern sie der Korporation der Berliner Prodnktenhändler angehören, durch das Vertrauen ihrer Kollegen in den Vorstand der Berliner Produkten- börse gewählt werden könne». Es wurde weiter betont, daß die Frage der Zusammensetzung des Börsenvorstandes allein«i»e Garantie für einen Wiederausbau der Börse nicht gewähren würde. Ei» AnsgleiÄ) wird nur dann als erzielt zu betrachte» sein, wenn gleich- zeitig Garantie» geschaffen werde», die dem Handelsstande eine ungestörte Entfaltung seiner legitimen geschäftliche» Thätigkeit bleibend ermögliche»." — Die Privilegien ivirthschaft der Apotheken. Im»enesten Jahrgang des„Stalislischen Jahrbuches für das Deutsche Reich" werden, wie die„Franks. Ztg." ausführt, die Ziffern der Aerzie und Apotheken für die Jahre 1887»nd 1896 mit einander verglichen im Verbttltniß zum Flächeninhalt und zur Bevölkerung des Reiches. Am Beginn»nd Endpunkt dieses zehn- jäbrigen Zeliraumes entfielen auf einen Zlrzt je 34,16 bezw. 22,60 Quadralkiiometer, ihre Zahl hat sich also im Bcrhälliiiß zum Flächenraum sehr betrnchllich vermehrt. Dagegen kamen auf eine Apotheke in der gleichen Periode l 15,81 bezw. 103,92 Quadrat- kilometer, deren Zunahme war also eine geringere, trotz der an sich kleineren Zahl. Allein viel schlimnier verhält es sich mit dem Vergleich zur Einwohnerschaft. Auf einen Arzt entfielen im Jahre 1887 je 2961, dagegen im Jahre 1896 nur je 2187 Einwohner, ans eine Apotheke aber je 10 012 bezw. 10 052. Danach Hai die Zahl der Aerzte relativ zugenommen, während im Verhältniß zur Be- völkernng die Apotheken abgenommen haben. Schon daraus ist zu entnehmen, wie daS herrschende Monopolistrnngssyslem unfähig ist, dem natürlichen Anwachsen der Bevölkerung zu folgen, wobei zu bemerke» ist. daß die gesammte Arbeiterversicherung, insbesondere das Krankenkaffen-Gesetz, den Apotheken eine Kundschaft zugeführt hat, die früher nicht entfernt in dem Maße vorhanden war, ver- ordnele» doch die Krankenkassen im Jahre 1895 nicht für weniger als 18,1 Million Mark Arzneien! Die Bewegung der Zahl der Apoiheke» ist keine gleichmäßige. In Preuße» entfielen innerhalb der bctrachlcten Periode auf eine Apotheke je I1 134 beziehnngs- weise 10 917 Einwohner, es ist also immerhin eine leichte Zn- »ahme der Apotheke» zn konftatiren. In Berlin ist das Ber- hnitniß der Einwohnerzahl zu den Apotheken sogar von 13 345 a»f II 035 gesunken. Allein die Westprovinzen weisen eine Abnahme ans. Ebenso fast alle anderen deutschen Bundesstaaten, an deren Spitze Reuß ältere Linie marschirt, woselbst nicht weniger als 16 867 Einwohner auf eine Apotheke komm:», auch in Hamburg sind es»och 12 171»nd wuchs deren Zahl um fast 3000 a». Wen» wir nun erfahren, daß in der letzten Zeit alljährlich gegen 600 Apo- theker approbirt wurden, während die Vermehrung der Apotheken etwa je 60 betrug, wird das Reformbedürfniß um so einleuchtender. Doch für solche dringenden Reformen hat man bei nns keine Zeit; ans ein Knebelgcsetz verwendet man dagegen gut und gerne ganze Monate.— — Frömmigkeit ans Kommando. Die„Frankfurter Zeitung" theilt folgenden Münchener Erlaß mit: „Fronleichnamsprozession. München, 14. Juni 1897. Zufolge höchster Ministerial-Entschließniig vom 11. Juni 1897 Nr. 8659 I wird hiermit bekannt gegeben, daß Seine Königliche Hoheit der Prinzregeut der am 17. Juni l. I. stattfindende» Fron- leickinamsprozession Allerhöchst Selbst beiwohnen werden und zn be- stimmen geruht haben, daß das Personal der kgl. Stellen und Be- Hörden hierbei möglichst zahlreich erscheine. Die Herren Beamten versammeln sich in Uniform früh 6�/« Uhr in der Metropolitan-Piarrkirche zu U. L. Frau. Das unterhabende Personal ist hiervon sofort mit dem Be- merken zu verständigen, daß zahlreiche Bctheilignng gewärligt wird. Die Uniformbesitzendcn und sich nicht beiheiligendc» Herren haben dies umgehend unter Angabe des Grundes anzuzeigen." Co werde» Beamte ähnlich wie die Soldalc» zn religiöse» Uebungen angehalten. Daß da von freiwilliger Religiosität und wirklicher Slndacht nicht mehr die Rede sein kann, ist klar.— — Unzufriedenheit bei de» Richtern.„Im allgemeinen," so schreibt die„Köln. Ztg.",„herrscht in den richierlichen Kreisen eine tiefgehende Verstimmung über ihre Nichtgleichstellung mit den entsprechenden Stellungen der Ressorts des Innern, der Eisenbahn-»nd Finanzvenvaltnng. Die Bevorzugung der letziere» äußert sich, abgesehen von dem höheren Höchstgehalt und persönlichen Zulagen, auch darin, daß das im Richleramt erst»ach 23 Jahre» 1t Monate» erreichte Höchstgehalt in den andere» Ressorts nm last acht Jahre früher erreicht wird. Ist es wesentlich dank den von den Konservativen hinter de» Konlisse» wie im Abgeordnetenhause bethätigten Bemühungen gelungen, den richterlichen Beruf in der Gehallsfrage zurückzudrängen, so macht das einen gewissen Unmnth begreiflich... Uni ivie viel mehr Grund zur Unzufriedenheit haben aber die unteren GerichlS» und sonstigen Siaalsbeanile», sowie die Arbeiter im Staalsdienst. Doch für diese alle gab n»d giebt eS im preußischen Landtag keinen energievoüen Fürsprech.— — DaS S e s a m- O e l, welches nach den AnSführnngs- bestimmnngen zum Margarincgesetz der Margarine zu mindestens einem Zehntel, dem Margarine-Käse zu mindestens einem Ziranzigstel der dabei verwandten Felle»nd Oele zugesetzt werden muß, ist nicht«in bezüglich feiner gesundheitlichen Einwirkungen zweifelhafter fremder Zusatz, sondern ein Stoff, der in der Margarinefabrikalion ohnehin bereits Verwendung findet. Uebcrdies ist Sesam-Ocl, das aus dem Same» des Sesamkrautes gepreßt wird, woblschmeckend. Der Nachweis, daß Sesam-Oel vorhanden ist, kann auch von Laie» vorgenommen werden, da es beim Zusammentreffen mit Rohrzucker und Salzsäure oder Schwefelsäure eine rothe Färbung giebt. Roarzucker und Salzsäure sind leicht erhältlich. Unier diesen Um- ständen erscheint aber die Bestimmung des Gesetzes bezüglich der Trennung der Verkaufsräume, welche am 1. April 1898 in kraft trete» soll, als gänzlich überflüssig.— — W e l f i f ch e S. In Harzbnrg hat am letzten Sonntag eine Versammlung der Bertranensniänner der twelfische») Vaterländischen Vereinigungen stattgefunden, die beschloß, die braunschweigischen Landtags-Abgeordneten zn ersuchen, die Thronfolge-Frnge in Fluß zu bringen. Die Versammlung war von 114 Personen, dariinter zahlreiche» Beamte», besucht. Man nahm in Aussicht, später dem Landtage selbst eine Petition zu unterbreiten und ihn zn ersuche», nm Aufbebimg des bekannten Bnndesraths- Beschlusses bei der Landesregierung vorstellig zu werden, da die Poraussctznngen des- selben(in bezng ans die Behinderung des Herzogs von Cmnbcrland an der Ausübung der Regierung über Brannschweig) jetzt nicht mehr beständen; ferner faßte man eine Resolution,»ach der bei den in diesem Herbste stattfindenden Landtagswahlcn„möglichst viele ent- fchiedene Anhänger des angestammten Herrscherhauses gewählt werden sollen", wobei man es aber den cinzelneii Wählerkreisen überlassen will, je nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse in dieser Richtung thätig zn sein. Die Welsen können sich noch immer nicht an den Gedanken ge« wöhnen, daß in der Politik Macht vorangeht.— Gotha, 8. Juli.(Eig. Ber.) Das Ministerium Strenge kann bald die Strophe„an Ehren und an Siegen reich" s o variiren:„an Mißeisolg und Niederlagen reich." Heute beschloß der Landlag trotz energischer Gegenwehr des Herrn v. Strenge e i ii st i Iii m i g, eine unter seiner Verwaltung ohneZnstimmung des Landtags vorgenommene Veräußerung eines Theiles der Domänen e n t s ch i e d e n z u m i b b i l l i g e n und für ungesetzlich zn erklären. Das Domänengut war bis 1855 Staatsgut, wurde dann von einem schachmatlen Landtag an den Herzog abgetreten, welcher ans dem Ertrag 300 000 M. bezieht. Von dem überschießenden Betrag fließt dem Herzog noch die eine Hälfte zu, die andere Hälfte in die Staatskasse. Der Ertrag belief sich bis jetzt durchschnittlich sür das Herzoglhnm Gotha ans eine Million, geht aber infolge verTehrket Wirlhschaft znrlick. Die Regierung ist gesetzlich verpflichtet, bei Veräußerungen von Domänentheilen über 1500 Mark Werth die Zu« stimiming des Landtags einzuholen; sie behauptet aber jetzt schlankweg, den Erlös im Interesse der Domänen zü vetwenden, wie es ihr beliebe, während der Landtag energisch das Gegentheil behauptet. v. Strenge fürchtet, wie er merken ließ, nicht den Konflickt, der Landtag thut dasselbe. Das herzogliche Hans verscherzt sich damit die ganze Sympathie, was wir nicht zu beklagen haben.— — Die süddeutschen Konsumvereine hielten in Gmünd(Württemberg) ihre» Verbandstag ab. Bezüglich der neiien Novelle zum Genossenschästsgesetz, welche den Verkauf aii Nicht« Mitglieder verbietet, ivnrde festgestellt. Laß sie einen Schlag ins Wasser bedeute. Dem Verbände gehöre» 50 Genossenschaften mit einer Mitgliederzahl von 45 0?1 Personen an. Der Verkaufserlös betrug im abgelaufenen Jahre einschließlich der Lieferanten- Umsätze rund 17 000 000 M., der Reingewinn 1500 060 M. wovon den Mitgliedern 1 430 000 M. als Dividenden über- iviese»»vurde», während zum Reservefonds 30 000 M. und zn Volksbildiiiigs- w. Zwecken 36 000 M. verniendet worden sind. Mit scharfen Worten wandte sich auf dem Verbandstage zn Girniiid der Anwalt der süddentschen Konsumvereine gegen die Uuiwandlnng der Koiisumvereiiie i» Akiiengeselischaften. Die letzteren würden eben „Kapilalgesellschafte»", während bei der Genossenschafl gerade das soziale Eiemenl darin liege, daß jedes Mitglied, ob Geheinirath oder Arbeiter, eine Slimnie habe und gleichberechtigt sei. Um übrigen wurde stark über die Verfolgungen geklagt, welche die Koiisullivereiiie zu erdilldcii hätten. — In Elsaß-Lothringen haben die Parteien mit den Vorbereitungeii für die am 1. August stattfindeiiden Bezirks- tags-Wahle» begonnen. Im ganzen sind 31 Bezirkstags- Abgeordnete z» wählen. Von dem Ausfall dieser Wablen hängt zn», kheil die künftige Ziisammeiisetzung des Landesansschnsses ab, sür de» die drei Bezirkstag« 34 Abgeordnete zu wählen haben. Dies erklärt den Eifer, mit welchem die bis jetzt im Laiivesausschnß nur vereinzelt vertretene klerikale»»d die»och gar nicht vertretene protestlerische und sozialdemokralische Partei sich in Ven Wahlkampf stürze». In Straßburg hat nnsere Partei wiederiun de» Genossen Böhl« aufgestellt.— — Ei» Polizeistreich. AliS Köln wird der„Franks. Ztg." wie folgt berichtet: Großes Aufsehen erregt in der Bürgerschaft die irrige Ver- Haftung einer Damo.durch einen Schutzmann, der eine Razzia abhalten sollte.- Er schleppte die Dame von einer der beleblesten Straßen hinweg zum Polizeibureau. Das zn Tode erschrockene Fräulein ging auch mit; sie hoffte, es, verde sich alles ausklärcu, da der Weg zum Polizeipräsidium a» dem Hanse ihrer Eltern vorbeisührle. Hier erklärte die Dame dem Beamten, i» diesem Hause wohnle» ihre Eltern, er solle sich vergeivissern. Sie ging nunmehr nicht weiter Mit, Der Beamte ging darauf nicht ein und als die junge Dame sich zur Wehr sekle, wurde sie von dem Schutzmann und zivei hinzu- gekomnikiien Kollegen schwer mißhandelt. Die herbei- eilende Mutler der Dame wurde von den Beamten zurück« geftoße», edenso erging es einer größere» Aiisammlimg von Personen, die sich der jungen Dame annehmen wollle». Der Borgang erregte einen großen Massenauflanf. Dem inzivischen hiiizllgerufeiicn Vater gelang es nur schwer, auf dem Polizei- piästdium seine Tochter ausgeliefert z» erhalten. Die junge Dame liegt erkrankt darnieder»nd hat die Sprache verlöre». Der Arzt fürchtet für ihr Lebe». Der Vater hat bei der Slaalsanwaltschast wegen lhällicher Beleidigung Strafantrag gestellt. — Chronik der Majestätsbeleidtgungen. Vor der Strafkammer in Rudolstadt wurde heute gegen den Re- dakteur unseres Saalfelder Parteiorgans, Genosse» Arthur Hof- mann ivege» Majestälsbeleidianng verhandelt. Der inkriminirte Artikel betraf die Hundertjahrfeier. Der Slaatsanwalt beantragte 2 Monat Gefäiianiß. Der Nechtsanwall vertheidigte den Auge- klagte» in vorlrefslicher Weise. Dieser wurde freigesprochen. Schweiz. Zürich, 3. Juli.(Eig. Ber) Mit I. Juli haben»ach dem am 27. Juni vom Volke deschlvssene» Sittlichkeilsgesetze die Bordelle in Zürich und Winterthnr, die zusainnien 90 Prostituirt« zählten, aufgehört zu«xiftire». Die ausländische» Prostitnirtcn wurde» ab- geschoben.— Der Große Stadtralh in Zürich hat beschlossen. daß die Unternehmer städtischer Arbeiten verpflichtet werden sollen, möglichst einheimische Arbeiter zu beschäftigen. Dadurch soll der Ueberschwemninng durch die italienischen Bauarbeiter etwaS vor- gebengt werden.— Oesterreich-Ungarn. — Der Erntestreik. Budapest, 3. Juli.(Bericht der Wiener„Arbeiter-Zeitiing".) Im folgende» resumiren wir die zuletzt ans dem Alföld über den Ernlestreii eingelangten Nachrichten: Berhaftungen wurden vorgenommen in Sznbadka, Szccsö, Bacs-Bikily, Tisza-Kürth und Jasz-Szent-György, waS natürlich eine wachsende Erregung der Bevölkerung und stellenweise förmliche Empörungen zur Folge hatte. An viele» Orten wurde» Haus- durchfuchungen vorgenomme» und alle vorgefniidenen Flngschuste», Bücher und Drucks orten konfiszirt; all dies soll, der„weisen" lieber- zeiigiiiig der verkommenen Stuhlrichler zufolge, die„Gemüther be- rnhigen"! Es ist ivahrlich zu bnnl! I» Tapio-Süly stellte» die Schnitter gestern die Arbeit ei», weil die Herrschaft von ihnen auch die Abmähung der Luzerne forderte, was selbst im Vertrag nicht steht. In Melyknt feiern seil gestern hundert Schnitler, die nur in dem Falle weiterzuarbeiten gewillt sind, wenn sie für eine Arbeitszeit von 6 bis 6 Uhr I fl. 50 kr. Taglohn bekommen. Hierher wurde bereits dringend Gendarmerie requirirt. In Bacs-Bikily meldeten die Arbeiter zivei Aersammliiiigen an, die jedoch von der Behörde untersagt wurden. Die Gemiilher sind schrecklich erbittert, die Erregung so groß, daß 70 Gendarm«» in diese kleine Gemeinde beordert iverdeu mußte». Alle Arbeiterführer wurden verhaflet. I» Talahaza streiken 300 Arbeiter. Sie fordern höhere Löhne«»d die Aiifhebnng der Robot« arbeit. Tie Forderungen der Arbeiter wurden bisher in Tapio-Sap»nd Bacs-Madarasz, serner auf der Gynla-Mezöer Besitzung des Grafen Stefan Karolyi bewilligt.— Wien, 6. Juli. Nach einer Meldung des„Neuen Wiener Tag- blatts" aus Telschen wurde in der gestrigen außerordentlichen Sitzung de? Gemeinde-NuZschnsses einstimmig befchlofsen, die bciien in dem übertragenen Wirkungskreise mit dem IS. d. M einzustellen. Die vtrsamnielten Bürgermeister und Gemeinde vorsieher des Tetschener Bezirks haben den gleichen Beschluß gefaßt, ebenso nach einer Meldung desselben Blattes 3! Gemeindevorsteher des Trantenmier Bezirks sowie die Stadlvertreluug von Kratzan unweit Neicheuberg.— Frankreich. — Bon der Grenze Marokko's werden neue Feind fel i g k e it e n gemeldet. Von Oran kommt ein Telegramm, wo nach in der Nahe von Marina die Reiter des marolkanischen Kaid's Mirun den Sedsana-Stamm, der sich zum Markt nach Marina begab, überfalle» und bis zur algerischen Grenze verfolgt baden, wobei sie dessen Vieh sortführten. Der Sultan von Marokko steht im Begriff ein Heer auszurüsten, um die rebellischen Stämme zu besirasen.— Paris, 3. Juli. Gerüchtweise verlautet, Quesuay de Beau repaire, der Präsident des ilassationshofes und ehemaliger Ober Staatsanwalt, habe cs abgelehnt, vor der Panaina-Koimnission zu erscheinen. Der Präsident der Kommission Balis wolle wegen dieser Weigerung die Entscheidung der Depntirlenkammer anrufen. Paris, 6. Juli. Der Kredit von 500 000 Franks für die Reise des Präsidenten Faure nach Petersburg verursachte in der Heuligen Kammersitznng eine ungemein heftige Debatte. Tie Sozia listen bekämpsten den Antrag. Ein sozialistischer Abgeordneter sagte. er und seine Frennde würden geschlossen gegen die Vortage stimme» Man habe nidit die Republik proklamirt, um der Tyrannei eine Huldigung darzubringen.(Heftige Protestrufe auf allen Bänken.) Man solle das Geld nicht verschlen.dern; man solle es lieber de» Armen geben, die in Südfrankreich rninirt worden seien. Präsident Brisson entgegnete, cs handele sich ihn einen Höslichketts- und Freund schaftSbesiich, der Frankreich glücklich mache. In seiner Prolestrede gegen die Vorlage sagte Faverean, die Reise sei eine Folge des Vesnches des rnssischen Mörders in Frankreich.(Großer Tumult.) Präsident Briskon protestirte energi'ch gegen diese» Ausdruck. Schließlich wurde die Vorlage mit 447 gegen 2? Stimmen a»zeiio»»»en.— Holkand. Nmsterdam, 5. Jnli.(Eig. Bet.) Genosse Troelsira hat daS Mandat für Tieljerksieradeel angenommen. In Winscholen und Lccnwarde» werden also neue Wahle» stattfinden. Für letzteren Sitz ist unsererseits schon der evangelische Pastor W. Vax kaNvidirt. Ter Kreis Tieljerksleradeet, der jetzt sozialdemokratisch ver treten, ist ansschließlich ländlicher Art. Er besteht ans vier großen Gemeinde», jede aus einer Zahl kleinerer Dörfer zusanntiengefetzt. Die Wähler Troelstra's im erste» Wahlgang sind der Mehrheit nach Landarbeiter, sodann auch wirthschaftlich herunter gekommene Pächter und Kleinbauern. I» der Stichwahl ist ihm dazu das liberale Kleinbürgerthmn zugefallen. Auch der Wahlkreis Winscholen ist vorwiegend ländlich, während in Leeuwarden die Stadl vorherrscht, jedoch auch das platte Land ein beträchtliches Theil der sozialistischen Sliniiiien geliefert hat. Gewiß sind dies bedeutende Erfolge unserer agrarischen Sigilation der letzten Jahre. Und unsere Aussichlen für die Ersatzwahlen sind garnicht üble Das vierte sozialistische Mandat ist in den Hände» eines ehemals „antiparlanienlnrischen" Sozialisten, der im alten Wahlkreise des Herrn Rieuwenhuy's gewählt wurde. Mit dem„Zlntiparlamentans mus" ist es natürlich aus. Die Siege unserer Geuosse» haben i» der ganzen holländischen Arbeiterwelt Jubel hervorgebracht und unserer �Bewegung mächtigen Vorschub geleistet. Arbeiter haben gesehen, daß sie etwas erreichen können, wenn sie die Hände nicht in den Schooß lege», und von„Enthaltung", das heißt politischen NichtSthnn darf man ihnen nicht niehr reden.— England. Loiibon» 6. Jnli. Im Unterhaus erklärte der Staat? sekretär für Indien, Hamilton, die indische Regierung betrachte die Unruhen in Tschiipur als von rein lokaler Be- deutung. Die Berichte über dieselben seien übertrieben Der ParlamentSsekretär im Kriegsamt Brodrick führte ans, daß alle Operationen am Nile in diesem Jahre von der egyplischen Regierung geleilet würden»nd daß keine Absicht bestehe, General Kitchener im Ober« Kommando zu ersetzen. Auf Autrag des Ersten Lords des Schatzes Balfour beschloß das Haus, die Regierung zu ermächtigen, aus dem koiisolidirten Fonds die Summe vv» 050 000 Piund Sterling für Schiff-banten zu entnehmen. Die Debatte hierüber wurde auf Wunsch Balfours bis zur zweiten Lesung der Vorlage ausgesetzt.— Asien. Bangkok, 5. Juli. Die von Paris aus verbreitete Nachricht von dem Eindringen siamesischer Truppen auf sranzösisches Get'iet und von der Tödtun g eines Priesters ist gänzlich unbegründei. Man glaubt, daß dieselbe in Umlauf gesetzt winde, um eine Vorsiiimnnng zwischen Frankreich und Siam hervorzurufen und auf diese Weise zu bewirken, daß dem König von Siam in Paris ein uiisreundlicher Empfang zu theil werde.~ Amerika. — Utopistische Thorheiten. Der Gewerkschaftsführer D e b S, ein sehr konfuser Mensch, hat wieder eiiimal den allen utopistischen Plan aufgewärmt, durch sozialistische Arbeiter- k o t o n i e n die soziale Frage zu lösen. Er beweist damit nur, daß er aus der Vergangenheit nichts gelernt hat, und die AmangSgriinde deS Sozialisnius und der Nationalökonomie nicht kennt. In seiner Naivetät hat sich Debs zur Verwirklichung seines Planes jogar a» den berüchtigten Speknlanien Rockefeller gewandt, der ihn natürlich abfahren ließ. Unser amerikanischer Korrrespondent schreibt uns über den abentenerlichen Plan: New-Uork, 24. Juiil. Da hätten wir nun ans einmal, wie im Schlaf gebracht, eine„rein-amerikanische" soziaidemokratische Partei! Aus der vom 15. bis gestern slatigehabte»„Cooperative Co»>i»oiiivealth"-Konv«nlion in Chicago warb iiänilich die Gründung einer Partei beschlösse», welche den Namen„Social Demociacy os Amerika" führen und deren heransziigebeiides Organ„Tbe Social Democrat" heißen soll. Was den Pionieren des Sozialismus tu jahrzehutelauger Thätigkeit nur in sehr beschränkter Weise ge lunge» ist, nämlich die Beseiiigmig deS BoruriheilS anch nur gegen jenen Namen, das haben DebS und Genossen Im Hand ,»»drehen fertig gebracht! D. h. freilich auch nur bei eine,» gewissen Theil der amerikanischeii Arbeiterbevölkerung, in deren Kreise aber unsere Ideen bisher gar nicht oder nur i» sehr verzerrter und ver- blaßter Weise gedrungen sind. Eine sozialdemokratische Partei ohne— Sozialdemokraten? Denn die paar Leute, welche aus unfern, oder i» bezug auf die sozialistischen Prinzipien uns nahe stehenden Kreisen de»„Debs'schen Rumiuel"»litmachen(so soll das seitens eines TheilS der Mitglieder unserer Parleisektion in Denver der Fall sein, wie anderutheils seitens der Mitglieder und Anhänger der„Cincinnalier Richtung"), spielen dabei keine Rolle, so wenig wie die letztere» eine solche in der„Peoples Parly" gespielt haben, der sie bis zur letzten National- wähl— theilweise noch bis jetzt— als Schwanz diente,'. Ueber die Beschickung der Konvention liegen»ur dürftige Nachrichten vor; so die, daß die— ivenigen- Delegirte» zur Skonvenlioii der „Am. Nailway Union", die auf dieselbe Zeit einberufen war, nach- dem sie das Ende dieser Organisation konstatirt hatte», nach dein Lokal der Commoiiwealth-Konvenlion maischirteii und daß sich unter de» übrigen Delegirten einige bekannte Persönlichkeiten befanden, wie Ed. Bellaniy, Ex-Gonverneur Waite von Kolorndo, Hy D. Lloyd w.(Bezügllch des letzteren habe ich die Berichiigmig zu machen, daß dies nicht, wie im früheren Bericht irrthümlich a». gegeben, der Präsident der„Brolherhood of Carpenlers». Joiners" gleichen Namens ist, sondern ein„soziologisirender" Millionär und Schriftsteller). Ferner ward vermeldet, daß mehrere sozialistische Delegirte» zurückgeivieseii worden sind, darnnler der bekanme Ge- nosse Thomas Morgan, der ein Mandat des Chikagoer Lokal- Verbandes der„Socinlist Trade and Labor Alliance" hatte, das aber nicht anerkannt wurde, trotzdem in dem Ausruf zur Beschickung der Konvention alle Arbeiterorganisationen eingeladen worden waren. Freilich wußte Debs, daß M. in vorhergegangenen Versammlungen sei» Projekt recht unbarmherzig vom wissenschaftlich- sozia- listischen Standpunkt aus zerpflückt hatte il»d er hielt wohl „seine" Leute nicht gefeit vor dessen Argumenten.— Was Debs und seinen Plan noch charakterisirt, ist der Umstand, daß er ein Schreiben um Unterstützung der Beiveguug n» eins der größten kapitalistische» Raubihiere des Landes gerichtet hat, nämlich an den Präsidenten der„Standard Oil Komp." Rockefeller. in welchem Schreiben es heißt, daß es in der Bewegung keine K i a s s e u- unterschiede gäbe und Arm und Reich in gleicher Weise will- kommen seien, nui an der„Entthronung des Goldes" mitzuivirke». Benierkenswerth ist, daß die bürgerliche Presse durchaus nicht mit der gewohnten Wuth, die st« sonst bei allem überkommt, was nur nach„Sozialdemokratie" riechst über die Bewegung herfällt, sondern derselben nur„fpöilisch-miileidig" gegeulibersieht. Sie verschweigt auch geflissentlich, daß die ivirkliche» Sozlaldemokrale» ihr proleslirelid gegenüber stehe». Und das Ihnt sie mit gulem Grund: ist doch als gewiß anznuehiuen, daß sie nach dem„Platzen der Blase" de» Mißerfolg als Argument gegen die Bestrebungen der letzteren auffahren wird. Auch ist zn ermähnen, daß das Projekt in den Kreisen der „konservativen" Arbeiterführer, denen sonst schon die Nennung des Wortes„Sozialist" einen Stich versetzt, eine„wohlwollende Be- urlheilung" findet; ist doch in der letzte» Sitzung der hiesigen Eentral Labor Union sogar angeregt worden, das angestrebte eigene Lokal (das den Namen„Tempel" führen soll) ans de» Debs'schen„Prinzipien" zn basiren! Freilich soll sich ja die Geschichte„hinten, weit in der Türkei" abspielen, nämlich im Staate Washiiigton, und da bleibt also auf absehbare Zeit jenen das Schleppergeschnft für die kapita- listiseben Parteien nngefährdet! Uebrigens hat man auch am wahrscheinlichen Schauplätze des Unternehmens keine Angst vor demselben. Der Gonvernenr des Staates Washington hat nämlich an Debs mitgeiheili. es werde ihn freuen, wenn die„Social-Dem oeraty of America" ihr Projekt, einen Staat nach dem ander» zn fozlaltsiren, zuerst dort in Aussührnng zu bringe» versuchen wolle. Land sei reichlich»nd zu billigen Preisen z» haben, und eS bedürfe mit der Arbeit, um aus Wüsteneien Paradiese zu schaffen. Auch habe der Staat durch seine vortheilhaft gelegenen Küsten, au denen sich neben den schon vorhandene» Häfen noch weitere für de» Handel mit den asiatischen Ländern anlegen ließen, eine große Zukniift vor sich. Daß auf die„Paradiese"— wenn sie fertig sind— sehr bald schon die kapital isiischen Hyänen, hlnter denen die Machlfaktore» des ganzen Landes stehen, ihre Tatze» legen köunie», ist freilich nicht in Rechnung gezogen!— Ncber die Frage der Betheilignng an den preußische» Laiidtagöivahlcn referirte in einer gut besuchte» Versonimlung in B r e»> e r h a s e n der Genosse S ch m a l f e l d t. Er sprach sich gegen die Vetheilignng ans; ein bindender Beschluß wurde nicht gefaßt. In der Diskussion sprach man sich dafür aus, daß den Delegirieii in dieser Frage keine gebiindeiien Mandate gegeben werden dürfen. Ein Parteitag für die Provinz Schleswig-Holstein, die freie Hansestadt HaiNburg, das Fürstenthnm Lübeck und das Herzogthum L a u e n b» r g ist auf den 5. September»ach Neu mü»st er einberlisen. Die Tagesordnung lautet: I.Bericht- erstattnng»nd Abrechnung der AgitnItonSkommission. 2. Bericht- erstattiing über die Presse. 3. Stellung zu den bevorstehenden preußischen Landtagswahlen. 4. Stellung zur bevoistehendeii ReichSlagswahl. 5. Beraibnng und Beschliißfassung über die ein- gegangenen Anträge. 6. Wahl der Sitze der Agitation?- uiid Preß- koiiiniiision. Die Kreiskonfereuz für de» Wahlkreis A l t e n a- I f e r l o hn findet am Sonntag, den 12. September, morgens 10 Uhr, in Lüdenscheid beim Wirlh St. Kürbi stall. Borlänsige Tagesordnung: Bericht der Vertrauensmänner, Oiganitalion, Agitation, Presse, die Landtagswahl, die Neichstagswahl. Wahl elncs Delegirlen zum deutschen Parteitag, Wahl eines Kreisverlranensnianiies. A»S Essen wird uns geschrieben: Im hiesigen Wahlkreis zer breche» sich die Leiter der nationalliberalcn Partei— besser wohl der freikonservalive», da von Nalio»alliberaliSi»»S hier nichis zu merken ist— den Kopf, wer wohl von Den Snzialdemokraten bei der nächsten Neichstagswahl als Kandidat aufgestellt werden wird. Wie uns versichert wird, glaubt ma» in den Kreisen der Fabrikanten nnd Zechenbesiher nicht daran, daß wir an der Kandidatur Ludwig Echröder's festhalten. Ein bekanuler hiesiger Führer der Uniernehmerpartei sprach von der„nutzlosen De- inonslralion" im Hinblick ans Echröder's Anfstellmig. Wir könne» nur versicher», daß heute,»achdem der Antrag ans Wiederaninahme des Schröderprozesses abgelehnt ist, mehr als je an bei»„Zuchthäusler" festgehalten werden wird. Wir wissen ganz gilt, daß die Stimmen, Die ans Den„Zuchthäusler" falle», sofort»ngiltig si»D, aber was schaDel das? Gerade soll die heutig« Jurtsleiei sehen, wie man über de» Essener Spiuch im Volke denkt. Unsere Silmmenzahl wird ganz bestimmt sehr anschwellen, denn bis weit in die Bürger- kreile hinein hält noch heute die Entrüstung über das Urlheil im Mcineidsprozeß an. Polizeiliches, Gerichtliches-e. — DaS seltene Glück, einen F r e i s p r n ch zn erzielen, ist dem Genossen Korn, Redakteur der Kieler„Volkszeitung", zu theil geworden. Er sollte de» Verwalter deS Heidgrabener Werk- Hauses Ostermann beleibigt haben durch eine Notiz, in der Demselben vorgeworfen wurde, einen 3Sjährigeu blödsinnige» Insassen mißhandelt zu haben. Der Staatsanwalt beantragte selbst die Frei- sprechnng, da der Wahrheitsbeweis erbracht sei. VII. Gettera'versammluttg des Uerdandes der Kafenardeiter Dentschlands. Hamburg, de» 5. Juli 1807. In der N a ch m i t t a g S- S i tz u n g wird in der Bericht- erstattnng der Delegirte» über den Stand der einzelnen Mitglied- schallen fortgefahren. Der Rostocker Delegirte schildert in längeren Ausführungen die recht traurigen Arbeitsverhältnisse in seinem Heiinathshasen. Der Flensbnrger Delegirte theilt mit, daß die Zahl der Mitglieder in kurzer Zeit bedeutend gestiegen sei. Die Löhne schwankten zwischen 40 und 00 Pf., jedoch sei die Akkordarbeit vorherrschend. Die Arbeitszeit fei auf 10 bezw. 10>/s Elmide» bemessen. Der Durchschnittslohn der dortigen Kollegen be- rrage pro Jahr 700 bis 600 M. Der Dresdener Delegirte gab an, daß die Arbeitszeit auf II Stnnden festgesetzt sei. Der Vertreter von Geestemünde führt ans, daß in Geestemünde hauptsächlich die Fischereiarbeiler organistrt sind. ES seien deren etwa 140 bis 100 beschäftigt gegen einen Wochenlohn von 18 M. an. Ueberstunden würde» nicht bezahlt. Manchmal dauere die Arbeit bis um und»ach Mitternacht. Ueber die Verhältnisse in E ch ö n e b e ck a. E., wo die zur Zeit des Hamburger Slreits ge- gründete Mitgliedschaft schon etwa 200 Mitglieder hat, berichtet der Delegirte. daß selbst die besten Arbeiter bei gänzlich unbeschränkter Akkordarbeit nicht mehr als 000 bis 1000 M. verdiene» können, so niedrig seien die Akkordsätze. Der Delegirte von Harburg childert, wie die Harburger Hafenarbeiter, um die streikendeii Hamburger zu uuterstlitze», ebenfalls in de» Streik hätlen eintreten müssen. Die Organisation habe gewonnen. Zur Zeit befänden sich noch acht Kollegen im Gefängniß, welche 42 Monate zu verbüßen hätten. HierDnrch würden die Harburger Hafenarbeiter stark belastet. Hierauf erstalten die Hamburger Dele- girten ihre Berichte, welche neues für unseie Leser nickt bieten, da wir über die Arbeits-»nd Lobnverhältnisse im und am Hafen während und nack dem Streik ausführlich berichtet habe». Mit dem Bericht der Fwßschiffer ist das Ende der festgesetzten Ver- handlungszeit eingetreten. Es erfolgt die Vertagung auf morgen früh 7 Uhr. Hamburg, den 0. Juli 1307. Bei Beginn der heutigen Verhandlungen nimmt zunächst ein Vertreter der Gelreide-Arbeiter das Wort, um die Verhältnisse in seiner Bernfsgrnppe darzulegen. Der Vertreter der Arbeiter vom Staaisqnai lheilt mit, daß die Mitgliederzahl nach den, Streik er- eblich zurückgegangen ist. Viele vo» den alte» Quaiarbeitern haben eine Beschäsiignng am Quai erhalle» und mußten sich anderen Berufen zuwenden. Vor kurzer Zeit hat die Quaivenvaltung versprochen, die Akkordsätze am Quai zu erhöhen. Zu Tagelohn hat man sich noch immer nicht verstehen könne». Viel zu wünschen lassen die Sicherheilsinaßregeln am Quai. Es kommen sehr viele Unfälle vor. Wir habe» jetzt in unserer Organisation des Obmannssystem eingeführt und dürfen hoffen, allniälig auf den alten Stand zu kommen. Verschiedene fremde Delegirte drücken ihre Ber>v»nderling darüber ans, daß i» einem Staatsbetriebe, besonders für die unregelmäßig beschäfligten Hilfs- arbeiler, so überans traurige Lohnverhältnisse bestanden haben und zum guten Theile noch bestehen. Der Vertreter der Arbeiter vom A m e r i k a- Q n a i kann auch nur einen Bericht recht traurigen Inhalts über den Stand seiner Mitgliedschaft, die durch Maßregelmigen nach dem Streik arg geschwächt ist, erstatten. Die Lohnverhältnisse am Ainerikaquai sind iveitans schlechter als am Staatsqnai. Der Vertreter der K e s se l r ei» i g e r: Die Kesselreiniger werden in Hamburg schlechter bezahlt als die chinesischen Kulis. E!» Wochenvcrdicnst von 11 M. ist sehr hoch. Und von diesem erbärmlichen Hundeloh» werden uns auf grnnd einer rigorosen Arbeilsordunng»och große Abzüge gemacht. Es kommen Abzüge von 50 bis 00 Prozent vor. Entgegen den Besliinmimgen der Gewerbe-Ordnung seien die Arbeiter zur Ansarbeitnng der Arbeitsordnung nicht hinjngezogen. Ein Vertreter der Hambnrg-Amerikä-Linie, die die Kesselreinigung in eigener Regie habe, habe in einer Sitzung mit der Senats- kommissio» erklärt, die Kessetreiniger hätte» über 1100 verdient, wie die Lohnlisten auswiesen. Das ist jedoch nicht wahr, sondern nur wenn die Arbeit eine regelmäßige sei, könnte soviel verdient werde». In Wibklichkeit würde weitaus weniger verdient, itngefähr 800 bis 500 M. Wen» die Kesselreiniger beim letzten Streik auch ebenfalls wie 1892 mit dem Streik hliieiiigefallen wären, sie träten stets, und so auch jetzt wieder mit Forderungen an die Arbeitgeber heran. Ein Delegirter führt noch ans, daß die Kesselreiniger von frühester Jiigend an in den gesmidheitsgefährlickste» Betrieben arbeiten müßten und nur ganz vereinzelt ein Aller vo» 35 Jahren erreichie». In längerer Rede schildert der Vertreter der Maschinisten die Löhn- und Arbeiisverhältnisse der Maschinisten, K r a h»- f ü h r e r nnd D o n k e y l e u t e. Im ganzen feie» 038 Personen ans dem Wasser beschästigt Vor dem Streik gehörten nur 00 dem Verbände an, während desselben 169, jetzt 120. Von den in den Streik eingetretene» 140 Krahnfnhrern seien nach dem Streik nur 10 etil- gestellt ivorde». Vo» 53 Donkeyleuten stellten 4l die Arbeit ein;' nur 22 von diese» sind wieder eingestellt worden. I» keinem Aer- häliniß siehe der Lob» zu den Leistungen der von ihm veriretenen Branchen. Die Donkeylente erhiellen oft Slrafniandate wegen Ver- sehlnnge», Strafmandate, ivelche eine Höhe bis zu 00 M. erreichten nnd welche darauf znrnckzusühren seien, daß es die Unternehmer unterließe», Fehler an Kesseln ic. zu beseitige». Oft werde vom Unterilehmer gesagt:„Fahre man»och weiter, es geht wohl noch." Der Vertreter'der Hamburger S ch a n e r l e n t e enlivirft ein anlckanliches Bild von der Lage seiner Kollegen. Die Zahl der der Orgniiisalion angehörenden Sckaiierlenle betrage 3000, während zur Zell des Streits 4000 aufgesührt wurden. Ueber die Unfälle im Hafen kümmere ina» sich wenig. Kleinere Unfälle, wie Ar»i- und Beinbrüche habe ma» nicht auf Rechnung. Auf die Ursache dieser bedauerliche» Unfälle gehe man nicht ei». In einem Falle sei es sogar vorgekommen, daß ei» Mann abends in de» Rani» ge- falle» und am andere» Mingw dort todt aufgefunden worden sei. Dies könnte, wenn entsprechende Einrichtungen geschaffen würden, doch nicht vorkvmnielt. Seit fünfeinhalb Monnlen werde nntersucht und beralhe», jedoch sei bis jetzt Noch nichts Ersprießliches für die Arbeiter herausgekommen. Ein anderer Ver- treter der Schau erleute hat, um den Lohnlistenschlviiidel ins rechte Licht rücken zu können, Grinitlelmigen über die Höhe der Löhne angestellt. Zu diesem Zwecke hat er de» DnrchschnittSverdlenst berechnet/ welche» 9 Gänge ä 6 Mann währerd der letzten vier Jahre hatten. Nach dieser Nechnnng kommt auf den Mann im Jahre 1808 ein Verdienst von 1141,40 M.. 1894 9! 0,10 M. 1803 1289,50 M.. 1896 1451,50 M. Die Nichtigkeit dieser Bereckming ist von einem Vertreter der Kohlenimporlenre in eincr Sitzung mit der SenalSkommissioii anerkannt worden. Die Eihebnnge» beziehen sich ans die Lohnverhältnisse der sogenannten schwarzen Schanerlenle. Tie Auszahlung des Lohnes erfolge nach wie vor i» den Wirthsch'ftc». Man könne behaupten, daß ans diesem Gebiete nichts gelhan worden sei, ja, daß sogar die Mißstände größer wurden. Der Mannheimer Delegirte erklärt, er habe die dortigen B«r- hältuiss» nicht in einein rosigen Lichte geschildert. Gcjuovkschttftliches. Berlin und ttmgebnng. Sln die Zimmerer DentschlandS. Welche Kamerade»! Seit dem 6. Juli befinden sich die Zimmerer Berlins und die der Vor- orte vo» nenem im lkampf»»> die Bessersiellnng ihrer ivirlhschast- lichm Lage. Die Versuche, nebe» der»emistiindige» Arbeitszeit den Stundenlohn von 60 Pf. ans gütlichem Wege einzuführen, scheiierlen an der Halsstarrigkeit der Unternehmer, welche init allen Mitteln versuche», Arbeitskräfte ans de» Provinzen »ach Berlin z» lccken.»m uns zum Nachgebe» zu zivingeu. Bernssgenosse», die Unsicherheit unserer Existenz, die vo» Jahr zu Jahr größer werdende Arbeitslosigkeit in unserem Beruf, hervorgerufen durch die neue Berliner Bauart, veraniaßte uns, diesen Schritt in diesem Jahre zu unternehmen, da vielleicht die Ntöglichkeit in de»»ächsten Jahren nicht vorhmideu ist. Wer aber die BerbKiinisse einer Großstadt kennt, wird wissen, daß dieser Lohnsatz de» örtlichen Verhältnissen nicht nur entspricht, sondern zur Erhaltung einer Familie»»- bedingt nolhwendig ist. Kameraden I Wir erivarien vorläufig vo» Euch keine materielle Unterstützung, sorgt aber dafür, daß der Zuzug»ach Berlin ferngehalten wird, meidet Berlin aus einige Wochen, helft die Anschläge des Unlernehnierlhums durch Fernhallung des Zuzuges zu schänden mache» und der Sieg ist unser. Die L o h» k o in in i s s i o n der Z i in in e r e r B e r l> n s u» d Umgegend. I. 21.: Theodor Fischer, Berlin C., G r e i, a d i e r st r. 33. Alle 2lrbeiterblätter werden nui Abdruck gebeten. Deutsches Reich. Zur Bergarbelterbcwcguug im Meusellvihcr Rebier wird uns geschrieben:„Anch linier de» hiesige» Bergarbeiter» regt es sich infolge des Vorgehens der Bergarbeiter in de» Nachbargebiclc». doch wird es hier jedenfalls nicht zu eincni Streik komme». Eine am Sonntag, den 4. Juli, stattgehabte übervoll besuchte Per- saiiimlung beschloß nach einem Referat des Bergmannes Hirsch ans Weida«, den Grubenverwaltnngen Fordernnge» vorzulegen. Dieselben sind ähnlich denen der Bergarbeiter des Bezirkes Zeitz- Weißenfels, haben jedoch eine 2Ibweichn»g in der Forderung der Arbeitszeit. Sie verlangen eine solche von V Uhr bis i/26 Uhr, also Tag- oder Nachtschicht Il'/s Stunden lull. Aus- und Einfahrt und Pause», so daß eine direlle zehn- stündige Arbeitszeil bleibt. Jetzt ist eine solche in der Regel vo» U— 13 Stunde». Ueberstunden sollen gänzlich beseitigt werden. Der Lohn soll betragen 4 M. beziv. 3,00 M. im Durchschnitt, für die übrige» beschäftigte» Personen 2,70 M. im Durchschnitt. Ferner wird jeden Freitag vollständige 2lllszahlu»g des verdiente» Geldes gefordert. In dieser Woche sollen überall die Fordeningen eingereicht werden; man erwartet vo» fast allen Verwallungeii ein Eiitgegenkommen. da sich eine Anzahl schon dazu bereit erklärt hat. AnS der Diskusston Hörle ma» heraus, wie weit jene Arbeiter»och zurück sind, t8 ist gut, daß<9 endlich auch hier zu tage» beginnt. Am nächsten Soniilag ist Bersammlung in L o t tz s ch, Eine von ca. 600 Töpfern besuchte öffentliche Versammlung, die gestern Abend in Niefl's Salon, Weberstraße 17, tagte, erllärte sich mit allen gegen S Stimmen mit den Vorschlägen, die seitens der Berliner Kommission und der Delegirten des Ausschusses des Zentralverbandes vorgeschlagen wurden, einverstanden. Nach den in der angenommenen Resolution gemachten Konzessionen schließen sich die Töpfer Berlins dem Zentralverband der Töpfer Deutsch- lands an. Zu pfiffig sind die Tabakwaare».Fabrikanten in F r a n k e n y a u s e n am Kpffhäuser. Seit S. beziehentlich 26. Juni streiken die Arbeiter der Firmen Gothe u. Wenzel und Ltabener u. Becker, weil ihre Forderungen nicht bewilligt worden sind. Die Fabrikanten wollen zwar die Hälfte der Forde- runge» bewillige», aber nur dann, wenn die Arbeiter ans dem Uuterstützungsverein deutscher Tabakarbeiter austreten. Natürlich gehen die Arbeiter auf dieses Anerbieten nicht ei», den» die Ge- werkschast ist ein besserer Rückhalt im Arbeiterleben als die »vechselnde Gunst des Unternehmerthums. Im Streik stehen 15 Arbeiter und 60 Arbeiterinnen. Tie harte» Nrtheile anf grund des§ 153 der Gewerbe- Ordnung mehren sich. I» Bielefeld wurden am Sonnabend zwei Maurer, welche beschuldigt waren, arbeitswillige Maurer bedroht und mißhandelt zu haben, zu 6 bezw. 4 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die Angeschuldigten hätte» sich, so führte der Bor- sitzende aus, durch die Hetzartikel einer agitatorische» Presse verleiten lassen. Es müsse ein E x e m p e l st a t u i r t werden, n m L e u t e, die arbeiten wollen, zu schützen.— Sind die Mißhandlungen wirklich vorgekommen und meint der Herr Vorsitzende, daß die Angeklagten durch die „Hetzartikel" der Arbeilerpresse dazu verleitet worden seien, so dürste ihm die Beiveisführung für diese Behauptung sehr schwer fallen, denn diese Presse ist stets eifrigst bemüht. vor Ansschreituuge» zu warnen. AnS deni Ruhrkohlenrevier wird uns gemeldet: In Öfter- feld bei Oberhausen nahm eine von über 1060 Bergleute» besuchte Versammlung Stellung zu der Maßregelung eines Arbeiters an der Zeche„Osterfeld". Dieser, zugleich Ausschußmitglied des christ- lichen Gewerkvereins, hatte an die Verwaltung genannter Zeche das Ersuche» gerichtet, die verletzten Bergleute schonender z» behandeln(!). Ob dieses Verbrechens erfolgte die Maßregelung. In der Versammlung äußerte A. Brust- Allenessen, der Vorsitzende des Gewerkvereins, nach Angabe des„Bergknappen":„Wenn die Verwaltung den Gemastrcgelten nicht wieder anlegen will, dann machen wir die Bude auf Osterfeld zu! Also Androhung des Streiks seitens Vrnst'! Ach, wie hat sich das Blättchen ge- wendet Z Im Zentralt'crci» der Brauer Deutschlands ist zum ersten Mal eine U r a b st i ni m u n g vorgenomme» worden und zwar handelte es sich um die Fragen, ob der Streikfonds obligatorisch eingeführt werde» solle, wie hoch der Monats- Beitrag für diesen zu bemessen sei und ob und durch wen die Bostoner Generalversammlung der amerikanischen Branergeiverkschaft beschickt werden solle, von welcher an die Deutschen Einladung ergangen war. Das Ergebniß der?Ibst!ulln»»g war folgendes: Es betheiligten sich nur etwa die Hälfte der arbeitende» Mitglieder. Für die obliga- torische Einführung des Streikfonds stimmten 2510 Mitglieder, da- gegen 1357. Für 10 Pf. Monaisbeilrag stimmten 1079, für 15 Pf. 23 Mitgl.. für 20 Pf. 1131 Mitgl., für 25 Pf. S2 Mitgl., für 30 Pf. 72 Mitgl., für 40 Pf. 46 Mitgl., für 50 Pf. 37 Mitgl.. für 100 Pf. 19 Mitgl. Für die Beschickung der Bostoner Generalversammlung stimmten 2937 Mitglieder. Der Vcrbandsvorsitzende Wiehle erhielt mit 1996 die meisten Stimme». In Miilheim a. d. Ruhr fordern, die Maurer den Zehn- stundeulag»nd 45 Pf. Stundenlohn. Da die Unternehmer nicht einmal eine Antwort gaben, wurde in einer Versannnlnng der Streik beschlossen. Die Kündigung läuft am 1 0. I u l i ab. Zuzug i st st r e n g fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlicheu Blätler werden um Abdruck gebeten. I» Braunschivcig sind die Töpfer in den Ausstand getreten. Die Meister haben de» jetzt giltigen Lohntarif gekündigt, nnd zivar so, daß er mit dem 1. Anguft außer kraft tritt. Bis zu dieser Zeit würden aber auch die lausende» Arbeiten so ziemlich erledigt sein, weshalb die Gehilfen es vorzogen, sofort die Arbeit einzustellen, den» die„neuen Vorschläge", welche die Meister ankündigen, dürsten nach den Gerüchten ganz erhebliche Lohnreduzirungen enthalten. In Crimmitschau wurde eine Textilarbeiter-Ver- s a m m l u n g aufgelöst, weil das Vorgehen der Polizei im Streik bei Selbmann kritisirt werden sollte.— Eine bequeme Art, die Kritik todt zu mache». Ter Manrcrausstand in Speyer soll nach den Meldungen der„Köln. Ztg." beendet sein. Den Arbeitern wurde eine Lohn- «rhöhnng zugebilligt. Der Müucheiiev Töpferstreik ist noch nicht beendet; es sind noch 56 ausständig. Den Gehilfenverband anerkannt haben 43 Meister, die insgesannnt 130 Gehtlse» beschästigen. GewerkschaftS- Abrechnniige». Zentralverein der B n r e a u- A n g e st e l l t e» Deutschlands. Abrechnung auf das Jahr 1896. I. Mitgliedschaften(Berlin, Königsberg, Hamburg und Thorn): Einnahme 757,63 M., Ausgabe 259 Vi., als lokalen Fonds zurückbehalten 41,40 M.. an die Zentralkasse ab- geführt 452,34 M. 2. Z e» l r a l k a s s e: Einnahme: von den Mitgliedschaften 452,34 M., für Abonnements anf die Verbands- zeitung„Der Bureau-Angestellte" 92,32 M., von der General- konimtssion 300 M., Summa 844,66 M. Ausgabe: sür Zeitung und Druckarbciten 647 M., für Agitation und Porto 142,36 M, Diversa 19,24 M., Summa 808,60 M. In Verbindung mit dem Kassenbestand vom 31. Dezember 1895(34,12 M.) betrug der Ueberschuß 70,13 M., der sich, da noch 61,50 M. Drnckkosten zu decken sind, aus 8,63 M. rednzirt.— Der Mitgliederstand bewegte sich wie folgt: I. Quartal 93, 2. Quartal 101, 3. Quartal 203, 4. Quartal 243. Berlin hat mit 132 Mann die größte Mitgliedschaft, dann folgt Königsberg mit 82, Hamburg mit 86 und Thorn mit 13 Mit- gliedern. Ausland. Ter Streik der Budapester Ziegclei-Rrbeiter droht große Dimensionen anzunehmen. Die Arbeiter sind ausgezeichnet organisirt und es ist genügend Geld vorhanden, um auch einen längeren Streik aushalten zu können. Der eigentliche Grund des Sireiks und der Verzweiflung der Arbeiter liegt nicht so sehr in den geringen Löhnen, alZ in der außerordentlich langen Arbeitszeit(16 bis 18 Stunden täglich), die im Verein mit den miserablen Wohnungsverhällniffen die Arbeitskraft und die Gesundheit der Arbeiter total zu gründe richtet. Alle als Sozialisten bekannte Arbeiter sind von den Unter- nehmern gemaßregelt worden. Die Zahl der in der Umgebung von Budapest beschäftigten Ziegelei-Arbeiter beträgt gegen süns- zehntausend. Die Arbeiterbewegung i» Finulaiib ist in gutem Fortschritt begriffen. Eine ganze Reihe Lohnerhöhungen sind in letzter Zeit durch die Organisationen erstrebt nnd erreicht worden. So erreichten die Tischler in Abo den Zehnstundentag und Lohnerhöhung. In T a in m e r f o r s war ein 700 Arbeiter umfassender Streik der Lederarbeiter zu verzeichnen, der 14 Tage dauerte. Erbe- zweckte hauptsächlich die Beseitigung eines Direktors, der die Arbeiter in schlimmster Weise brutalisirte. Der Streik endigte mit dem völligen Siege der Arbeiter. Der Direktor wurde entlassen. Tie Arbeiter bildeten nach beeudetein Streik eine Fachorgaiiisativn, da sie noch nicht organisirt waren. Zur Zeit schwebt ein großer Schuh- niacherstreik. AiiS Schweden. Der große Streik der Metallarbeiter in M a l m b e r g ist beendigt. Dieser Streik, der von nicht organi- sirten Arbeitern begonnen wurde und dein erst später die Organi- sation beitrat, dauerte mehrere Monate und umfaßte viele hundert Arbeiter. Wenn das groß- Malmberg-Werk sich jetzt bereit erklärt LZerantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnse hat, mit den Arbeitern in einer Kommission zu verhandeln, dann verdanken es die Arbeiter in erster Reihe den Unterstützungen, die ihnen von auswärts zugingen, da sie selbst nicht gerüstet waren, und dem Umstände, daß das Malmberg-Werk wegen der dortigen elenden Wohnungsverhältnisse andere Arbeiter überhaupt nicht be- kommt. Selbst von den bisherigen sind während des Streiks viele abgereist. Der Ausstand der belgischen Bergleute droht große Dimensionen anzunehmen. Am vergangenen Sonntag haben in allen vier Kohlenbecken Versammlungen stattgefunden, die von Tausenden besucht waren. Die Bewegung richtet sich hauptsächlich gegen eine neue Arbeitsordnung, welche die Zechenbesitzer einzuführen beabsichtigen. Ter franzöfische Tabakarbciter- Kongreß schloß seine vier- tägigen Verhandlungen am 3. Juli. Ueber de» ersten Sitzungstag ist bereits berichtet worden. Von den weiteren Beschlüssen seien folgende erwähnt. In Beziehung auf Unfälle verlangte der Kongreß ein einheitliches Reglement für alle Staatsfabriken, Be- seitigung der Willkür nnd der Güusiliugswirlhschaft bei der Vertheilung von Entschädigungen und Erhöhung des 5i'ranken gelbes von eiiiem halben auf einen ganzen Tagelohn.— Daß die Staatsfabriken keine Muster in sanitärischer Beziehung sind, zeigen die zahlreichen sanilärischen Forderungen deZ Kongresses: Verbesserung der Ventilation, Reinigung der Werkstätten in Abwesenheit des Personals, Einrichtung von Bädern und Waschräumen, Lieferung von Arbeitskleidern, Netzung des Tabaks unter Vermeidung von Feuchtigkeit in den betreffenden Räumen, vollständige Durchführung der sanitärischon Vorschriflen des Schutzgesetzes von 1392 und des Dekrets von 1393, häufigere Besuche der Fabrik- inspektoren. Alle Sektionen des organisirten Personals werden die Adressen der betreffenden Inspektoren erhalte», um diesen periodisch ihre sanitärischen Beschwerden zu übermitteln.— Ferner beschloß man die Abschaffung der Gralisikationsgelder, deren Betrag vielmehr zur Aufbesserung des Lohnes der älteren Arbeiter und Arbeiterinnen verwendet werden soll, und zwar bis zur Höhe des Durchschnittslohnes in der gegebenen Fabrik.— Die Einführung des Achtstundentages wurde einstimmig votirt. Wie alljährlich schickte der Kongreß eine Abordnung an den General- direktor des Tabakmonopols zwecks Uebermiltelung der gestellten Forde- rnngen. In einigen Punkten gab der Generaldirektor eine befriedigende Antwort. So wird der jährlich vom Parlament an Krankengeld bewilligte Betrag von 211 000 Franks fortan sämmtlichen Arbeiiern nnd Arbeiterinnen zu gute kommen, und nicht, wie bisher, nur den Mitgliedern der gegenseitigen Unterstützungskassen. In Beziehung auf die verlangte Lohnerhöhttiig von 25 pCt. versprach der General- direktor, diese Forderung dem nächsten Bndgctvoranschlag ein- znverleiben, damit das Parlament darüber entscheiden kann. Schließ- lich werden Baderänme in allen Fabriken, wo sie noch sehlen, ein- gerichtet werden. Ncber den amerikanischen Bcrgarbcitcrstreik wird ans N e w- D o r k unterm 6, Juli gemeldet: Tausende ungarische, slavische und italienische Bergarbeiter weigern sich am Streik theil. zunehmen. Die amerikanischen Bergleute sind deshalb empört und nebnien gegen die ausländischen Kollegen Stellung, so daß Ruhe- störungcn zu befürchten sind. Sozinses. Schulpflichtige Kinder dürfen nach einer Verordnung des Regierungspräsidenten zu Frankfurt a. O. von Unternehmern zu Feldarbeiten nur dann herangezogen werden, wenn sie sich durch ein Zengniß des Lokal-Echulinspektors über die Einschulung am Orte der Arbeit ausgewiesen haben. Ebenso dürfen auch Arbeiter, in deren Begleitung sich schulpflichtige Kinder befinden, ohne diesen Ausweis nicht beschäftigt werden. Zuwiderhandlungen ziehen eine Polizeistrase von 6 M. für jedes schulpflichtige Kind nach sich, und zwar sowohl sür den Arbeitgeber, als auch für den Vor- sclinitter. Ferner sind die Arbeitgeber verpflichtet, die von ausivärts zukomniendeii schulpflichtigen Kinder beim Schulinspektor anzumelden. während die Elicrn verpflichtet sind, beim Älnznge die Kinder deni Loknl-Schulinspektor vorzuführen. Versäumnisse dieser Verpflich- tnngen haben für die Arbeitgeber eine Strafe von 6 M. sür den Fall zur Folge, sür die Eltern von 1 M. Ter Bericht über die dänische Fabrikinspektion für das Jahr 1896/97 ist soeben erschienen. Es standen 5637 Betriebe ttiiler Aufsicht, die sich 1. auf Fabriken und fabrikmäßig betriebene Werkstätten, 2. auf Meieren und Landwirthschaft mit mechanischer Triebkraft und 3. auf andere Betriebe erstreckt, die feste oder beweg- liche Maschinen benutzen. Die Rubrik 1. umsaßt 2635 Betriebe, in denen 50 313 erwachsene Arbeiter, 3203 Kinder im Alter von 10—14 Jahren und 4767 junge Arbeiter im Alter von 14—13 Jahren beschäftigt werden. Die Kinder zer- fielen in 2767 Jungen nnd 441 Mädchen, von den jugendlichen Arbeiter» waren 3911 männlichen und 356 weiblichen Geschlechts, von den Erwachsenen 40391 Arbeiter und 9977 Arbeile- rinnen. Die meisten Kinder sind in der Zigarrenindnstrie beschäftigt, nämlich 1592 Jungen und 135 Mädchen, dann folgen die Woll- sabriken mit 200 Jungen nnd 63 Mädchen nnd die Glaswerke mit 155 Jungen und 20 Mädchen.— Die meisten Frauen(2230) sind in den Baumwollen- und Leinenfabriken beschäftigt. Tann folgen die Wollfabriken(1573), Tabacks- und Zigarrenfabriken(1424). Die Arbeitszeit in Kopenhagen stellt sich folgendermaßen: bei 24 pCt. der Betriebe auf 7>/» Stunden und darunter. 44 pCt. 10 Stunden, 21 pCt. lO'/e Stunden und 6 pCt. 11 Stunden und darüber. In der Provinz ist die Arbeitszeit durchgehend noch länger. An Unglücksfällen sind im Laufe des Jahres 124 zur Meldung gekommen, unter den Beschädigten sind namentlich Kinder nnd Halberwachsene! 12 Nu- glückssälle führten den Tod herbei. U e b e r t r e t u n g e n des Fabrikgesetzes hinsichtlich der Beschäftigung von Kindern nnd jugendlichen Arbeitern kamen 22 vor, hinsichtlich der Dampskessel- Revision 44 Fälle. Die Strafen sind, selbst in Fällen, in denen die Uebcrtretnng halte Lebensgefahr herbeiführen können, verhällniß- mäßig gering gewesen._ Der 4>ou den Berichtigimaen handelnde§ 11 deö Prcst- geschcS hat kürzlich zu einer Entscheidung des Kainmergerichls Anlaß gegeben, über die wir der„N. A. Ztg." folgendes entnehmen: Die Berichtigung selbst muß so beschaffen sein, daß sie einschließlich der Unterschrist des Namens ohne Einschaltungen und Weg- lassungen erfolgen kann. DieS folgt zwingend auS der Be- stiminung des Gesetzes, daß die Berichtigung ohne Eiuschaltungen und Weglassungen aufgenommen werden muß. Der Re- dakteur ist weder berechtigt noch verpflichtet, aus einer Berichtigung dasjenige, waS sich gegen lhatsächliche An- gaben richtet und wieder Thatsachen enthält, herauszuschälen und diesen Rest der Berichtigung aufzunehmen. Enthält die Berichtigung vielmehr auch nur einen Satz, der über den Rahmen einer zulässigen Berichtigung hinausgeht, so kann der Redakteur die ganze Berichtigung ablehnen. Das Kammergericht als letzte Instanz in diesen Sache» hat diesen Stechtssatz in einem in dem neuesten Jahrbuch seiner Ent- scheidungen abgedruckten Urlbetl(Bd. 16 S. 433) ganz klar zum Ausdruck gebracht. Der angeklagte Redakteur war vom Berufungsgericht ivegcn Nichtaufnahme einer Berichtigung verurtheilt. Das Kammergericht hat aus eingelegte Revision das Urtheil ausgehoben und den Angeklagten von Strafe und Kosten freigesprochen. In den Gründen heißt eS: „Der die Berichtigung verlangende Brief enthält einen SchlußpaffuS, von welchem äußerlich durch den Absatz bei den Worten:„Wenn Ew. Wohlgeborcn" als auch durch den Inhalt erkennbar ist, daß er nicht mehr zur Berichtigung gehört. Durch das Einschalten dieses Schlnßpassns zwischen die Berichtigung und die tziainensuntcrschrift ist aber eln formeller, wesentlicher Mangel der Berichtigung herbei- geführt. Außer den Erfordernissen, daß die Berichtigung sich aus atcntheil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Thatsachen beschränke und keinen strafbaren Inhalt habe, verlangt der§ II des Preßgesetzes, welcher Vorschriften formaler Natur enthält und demgemäß ganz strikt auszulegen ist, daß die Berichti- gung unterschrieben ist. Die Berichtigung muß daher, wie aus dem gesammten Inhalt zu entnehmen ist, so abgefaßt und beschassen sein. daß sie einschließlich der Unlerschrist des Namens ohne Einschaltung und Weglaffungen erfolgen kann. Vorliegend hätte der Angeklagte, um eine unterzeichnete Berichtigung herzustellen, den SchlußpaffuS weglassen müssen; hierzu war er weder verpflichtet noch berechtigt. Ist den Vorschrislen im Z 11 auch nur in einem Punkte nicht genüge gethan, so ist der Redakteur nicht verpflichtet, die Berichtigung auf- zunehmen." Ter Prozefi Koschemann und Genossen wird am 9. Juli vor dem Reichsgericht verhandelt werden. Die von den Verlhei- digern Rechtsanwälten Schöps, Biber und Werthauer ein- gelegte Revision stützt sich u. a. darauf, daß die Geschworenen durch Auseiiiandernehnien der Maschine im Beralhungszimmer eine selbst- ständige Beweisaufiiahme ohne Hinzuziehung der übrigen Prozeß- betheiligten vorgenommen haben sollen. Dem Antrage der Ver- theidigung, über diesen Revisionspuukt Beweis zu erheben, hat das Reichsgericht bisher nicht stattgegeben. lveamte der Kottbnser Polizei beleidigt zu haben, war der Redakteur der„Märkischen Volksstimme", Genosse Zappay, an- gellagt und hatte sich dieserhalb am Dienstag vor der Strafkammer in Frankfurt a. O. zu verantworten. Die„Volksstiinme" hatte eine Korrespondenz aus Koltbus gebracht, worin berichtet wurde, daß am Todleusonntag v. I. ein Dienstmädchen während eines Spazierganges infolge eines schweren Magenübels auf der Straße zusammen- gebrochen, dann nach der Polizeiwache gebracht, von den Beainlen für eine total betrunkene Prostiluirle erklärt und gemeinsam mit anderen Prostituirlen eingesperrt worden sei. Auch die Dienstherrin des Mädchens sei, als sie am solgenden Tage auf der Wache nach dem Verbleib des Mädchens fragte, von den ans der Wache befindlichen Beamten und auch vom Polizei, Inspektor, den sie in seiner Wohnung aussuchte, in schroffer Weise abge- wiesen worden. An die Taistellung dieses Falles hatte die „Volksst." eine Kritik der Kottbnser Polizei geknüpft»nd be- merkt, daß ähnliche Mißgriff« von Beamten schon mehrfach vor- gekominen wären. Bezüglich des letzteren Punktes ergab die Be- iveisausnahme, daß zwei achtbare Mädchen von Polizeibeamteu abends anf der Straße angehallen und nach ihrem Namen gefragt wurden. Eine derselben mußle dem Beamten sogar behufs Feststellung ihres Namens zur Wache folgen. Bezüglich der in dem Artikel an- geführten Thatsachen ergaben die Zeugenaussagen allerdings eine in einigen Piinkien abweichende Tarstellung. Das sistirte Dienstmädchen — von dem feststeht, daß sie nicht betrunken war— behauptete, daß sie während ihrer Haft von der Frau dcS Gefängniß- wärters mit Schimpfworlen wie„alte besoffene Sau" belegt worden fei. Auch die Dieuftherriir gab an, daß die Polizeibeamten auf der Wache nnd namentlich der Gefängnißwärter sie in einer so rohen Weise behandelt hätten, wie es ihr noch nie vorgekommen sei. Was der Artikel über das Verhalten des Polizei-Jnspektors be- hauptete, erwies sich als eine Verwechselung mit der Aenßcrnng eines Beamten über den Inspektor. Die Schimpfereien des Gefängnißaufsehers und seiner Frau stellten diese, aller- Vings in sehr unsicheren Ausdrücken, in Abrede, wobei ihnen eine mit dem Dienstmädchen gleichzeitig inhastirt ge- wesene Prostitnirte sekundirte. Der Staatsauwalt beantragte eine Gefängnißstrafe von drei Monaten, während Rechtsanwalt Wolf- gang Heine den Wahrheitsbeweis in den wesentlichen Punkten für erbracht uud, falls der Gerichtshof zu einer Vcrurlheilung kommen sollte, eine Geldstrafe für angemessen hielt. Der An- geklagte wurde denn auch zu einer Geldstrafe von 100 Mark ver« urlhcilt. Ter Berel» der Schleifer in Iserlohn hielt am 23. Juni 1396 eine Versammlung ab, in der die Lohnverhältniff« in der Fabrik von Becker besprochen werden sollten. Die Versammlung sollte sich auch mit der Frage beschäftigen, ob es nicht vielleicht den vorhandene» Zuständen gegenüber augebracht sei, zum Mittel des Streiks zu greisen. Der Vereinsvorsitzeude meldete die Versammlung der Polizei nicht an, weil er«S mit Rücksicht auf ihren rein beruflichen Charakter für über« flüssig hielt. Genosse Raue, der als Redner auf- trat, erhielt jedoch mit der Begründung ein Strafmandat über 15 M., daß er sich gegen die ZZ 1 und 2 des Vcreinsgesetzes ver- gange» habe. Er habe unbefuglerweise in einer Versammlung ge» redet, die der polizeilichen Amueldiiiig bedurft hätte, da in ihr ö s s e n t l i ch e Angelegenheiten erörtert oder berathen werden sollten und ihatsächlich auch erörtert worden seien. Auf das Ver- langen des Angefchuldiglen nach richterlicher Entscheidung bestätigt« das Schöffengericht das Strafmandat. Raue legte Berufung ein und machte geltend, daß es sich hier nur um eine gewöhnliche Vereins- Versammlung handle und daß man in ihr politische Dinge garnicht berührt wurde». Man habe darüber debattirt. ob nicht etwa ein Streik nothivendig und gut sei, und auch er habe in seiner Rede nur zu dieser Frage Stellung genommen. Uebrigens könne man ihm ei» schuldhastes Verhalten nicht vorwerfen, denn es habe ihm der Vorsitzende mitgelheilt, daß die Versammlung keiner besonderen Annieldung bedürfe. Tie Polizei, die gewußt habe, daß alle 14 Tage eine Vereinsversaminlung stattfinde, habe in Iserlohn im allgemeinen auch wenig Werth auf die Verfamuilnngsanzeigen gelegt. Die Berufung wurde indessen als unbegründet zurückgewiesen. Tie erfolgten Erörterungen seien als sozialpolitische und damit als Erörterungen öffentlicher An« gelegenheiten anzusehen; also hätte die Versammlung angemeldet werden müssen, seien doch jene Elörteriingen beabsichtigt gewesen. Die falsche Jnforinalio» Raue's ändere an seiner Straf- barkeit nichts. Die Revision des Angeschuldigten wurde gestern vom Slrassenat des K a i»»i e r g c r i ch l s verworfen. Der Vorder- richter habe ohne R e ch t s i r r t b» in festgestellt, daß öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollten. Auf jeden Fall habe 3t. fahrlässig gehandelt; er hätte sich vom Vorsitzenden die polizeiliche Aiimeldungsbescheinigung vorlegen lassen müsse n. Ganz gleichgültig sei sür den vorliegenden Fall, ob die Polizei sonst lässig vorgegangen sei. Vepefrszen unv letzte Zlttcheichten. Wien, 6. Juli.(B. H.) Einer Prager Meldung der„Wiener Allgemeinen Zeitung" zufolge sollen die Ausgleichsversuche dcS Grafen Badeni von denischcr Seite auf das entschiedenste abgelehnt worden sein. Der stiücktritt Badeui's sei baldigst zu crwarlen; Freiherr v. Gautsch werde mit der Neubildung dcS Kabinels betraut werden. Derselbe werde die Sprachen- Verordnungen zurückziehen und den Versuch unternehme», die Jnngczechen und nölhigenfalls auch die feudalen Reichsräthe zn tsvllren, wobei ihn die gesamiule Linke, die Christlich-Sozialeu, die Deuisch-Konservativeu und der Polenklub»nterstützen dürsten. Trieft, 6. Juli.(W. T. B.) Der in den Dardanellen auf- gefahrene Lloyddampfer„Memphis" ist wieder flott gemacht. Lemberg, 6. Juli.(B. H.) Infolge eines WoitwechselS zwischen einem Gastwirth und einem Soldaten kam es in Tarnow zu blutigen Straßenexzeffen. Jnfauteristeii überfielen die Häuser der Juden nnd die Synagoge. Ein Jude wurde gelöbtel, ein anderer schwer verletzt. Mailand, 6. Juli.(B. H.) In ganz Italien herrscht an» dauernd eine nnerirägliche Hitze. Es sind meist 4l>/, G>ad C. im Schallen. Hier, in Florenz, Ferrara, Padua und anderen Slädtcn ist lein Eis inebr zu bekommen. Mährend eines UebungLmarschcS des Alpenjäger-stiegiments wurden 21 Plann vom Sonnenstich be» fallen; ein Korporal blieb sofort todt. Kiew, 6 Juli.(B. H) Hier kam man großen lluterschlagungcii, welche ei» Verwalluugsrathsiuitglied der Tschcrkaszkaer Zucker- rassinerien verübt bat, auf die Spur. Ter Betreffende hat auch bei anderen Unteriiehnmiigeii, bei denen er ebenfalls Ehrenstellcn be- kleidete, Betrügereien in Höhe von 200 000 3!»beln ausgeführt. Er wurde in dem Augenblick verhaftet, als er ins Ausland siüchlcn wollte. Max Babina in Berlin. Hierzu 1 Beil, ige u. llittrrhallniigcblatt- st. 155. 14. ZchMg. Keilsge des JwMs" Kerliner MIKsIilM. mmn,?. m m Uoksiles. Den Parteigenosse» des 6. Wahlkreises zur Nachricht, daß am 17. Juli in der Norddeutschen Brauerei, Chausseestraße 58, ein Sominersest stattfindet, bestehend in Vokal- und Justrumeutalkonzerl, unter Mitwirkung der Gesangvereine„Saugeslust II",„Weddinger Harmonie" und„Nordwacht", turnerische Aufführungen von Mit- gliedern des Turnvereins„Fichte". Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Da das Fest vortrefflich zu werden verspricht, machen wir die Genossen schon jetzt darauf aufmerksam. Das Komitee. Wie daS Mädchen ans der Fremde erscheint alljährlich wieder mit Eintritt der heißen Jahreszeit in den Spalte» der bürgerliche» Presse die Dienstboteusrage i» allen Variationen. So gehaltlos auch die gesanmiten diesbezüglichen Betrachtungen an sich sind, am dümmste», ja geradezu blödsinnig sind hiervon diejenigen, denen man die„saure Gurke" aus den einen Blick anmerkt, die aber dem Lesesmbliknm allen Ernstes ansgelischt werden. So wird zum Beispiel jetzt wieder von einer Köchin— denn eine Köchin muß es schon justeinent sein, da eine solche für geivisse Leute noch immer eine Respektsperson ist, indem die„gnädigen Frauen" vom Kochen nichts verstehe» und dem„gnädigen Herrn" ei» guter„Happen- Pappen" so recht nach dem Schnabel rst— berichtet, die sich ver- mieihen wollte, vor Abschluß des Vertrages aber sich zwei freie Nachmittage in der Woche ausbedang,„weil sie gern größere Ausflüge auf ihrem Zweirad mache und des Sonntags es überall so voll sei— nur so gewöhn» ltches Publikum!"— In einem anderen Falle wird be« richtet von einer Köchin, die ein unverheiratheter Arzt„mictben" wollte, der sich aber in die Bedingung fügen sollte, daß die Köchin ihr Piano in sein Zimmer stelle! Natürlich sind dies alles plump erfundene Sachen, indessen— manche Leute glauben eS doch, und fkandalisire» nun nach Herzenslust über die Ansprüche der Dienst- mädchen im besonderen und der Arbeiter im allgemeinen, und da- mit ist der Zweck jener Hundstagsiaden erreicht. Die der Gesinde- Ordnung nnterstehenden Hausarbeiterinnen werden gemeinhin noch als rechtlose Haussklnvinnen betrachtet. Aber auch sie habe» sich erfreulicherweise etwas aufgerüttelt und sich ans ihre Menschenrechte besonnen. Dies wird ihnen nicht verziehen, darum trachtet man, sie in Mißkredit zu bringen, ihre Einsprüche als nn- erhört zu kennzeichnen, wie ja die Forderungen der Arbeiter in, allgemeinen stets als„maßlos" verschrieen werden. Mit ivelchen„geistigen Waffen" gegen den„Uebermuth der Arbeiter" gekämpst wird, das veranschaulicht zur genüge folgendes Inserat: „Bauarbeiter-Gesuch! Es werden Maurer und Zimmer, leute unter folgenden Bedingungen gesucht: Der Man» erhält 9 M. Tagelohn nebst freier Kost, Bier und Zigarre». Die Arbeiter werde» in nnr guten Landauern nach dem Bauplatz gefahren, nach Hause können sie reiten. Die Arbeitszeit beginnt um 8 Uhr, wo die Leute Kaffee und Sahne und Zucker erhalten. Wer Thee trinken will, kann sich Rum oder Milch dazu nehmen. Es werden dazu Semmeln oder Kuchen verabfolgt. Wer sich Semmeln schmieren will, erhält dazu Butter, Gänsefett oder Honig. Von 9—10 Uhr wird Thee mit Rum servirt, dazu giebt es weiche Eier, Kaviar, Sar- bellen, Zervelatwurst, rohen Schinken und Schweizerkäse. Der Polier liest dabei die Zeitung vor. Von 12—2 Uhr wird zu Mitlag gespeist. Hinsichtlich der traurigen Verhältnisse kann nur Suppe, Rindfleisch mit Gemüse, Braten und Salat. Mehl- speise, Butter. Käse und Vrot gegeben werden. Der Mann erhält 8 Liter Lagerbier dazu, zum Dessert ein Glas Kümmel oder Kognak. Der Polier liest die„Fliegenden Blätter" vor. Bon 3—4 Uhr wird Kaffee getrunken, wozu frischer Kuchen verabreicht wird. Um 6 Uhr ist Feierabend und wird ein Imbiß von kaltem Braten, Wurst. Schinken, Heringen oder geräuchertem Lachs verabreicht, wozu der Mann 3 Liter Bier oder eine halbe Flasche Doppelkümmel erhält. Jeden Morgen werden pro Mann 8 Stück Zigarren, ein halbes Pfund Prim- oder Schnupftabak vertheilt; dazu Feuerstein mit Schwamm. Von 4—3 Uhr spielt die Militärkapelle. Außerdem liegt ein Faß Bier zum beliebigen Gebrauch bereit. Wir hoffen, daß wir unter solchen Bedingungen die genügende Anzahl Arbeiter finden und sich dieselben dann nicht mehr zum Streik verleite» lassen werden. Zu melden 1997 in der Kellerschänke." Und das sind die„geistigen Waffen" der Bourgeoisie, welche sie anwendet, wo die brutale Gewalt versagt, um die Arbeiterbewegung, die Kämpfe der Arbeiter und Arbeiterinnen um bessere Existenz. bedingungen, zu bekämpfen, in den Koth zu ziehen. Wie lächerlich! Schwamm drüber! Die Einführung elektrischer Kraft zum Antrieb von Maschinen hält der Gewerbe- Inspektor in seinem letzten Jahres- bericht im Interesse des Schutzes von Arbeitern gegen Nnfallgefahr von großem Nutzen. Die Zahl der Motoren, für deren Betrieb die Berliner Elektrizitätswerke Kraft abgeben, ist von 928 mit 3384 Pferdestärken im Vorjahre auf 1693 mit 6 l 10,3 Pferdestärken im Jahre 1896 gestiegen. Von den 1693 Motorenbetrieben: Pressen 372 mit 1379 Pferdekräften, Aufzüge 333 mit i960. Ventilatoren 226 mit 177,2, Maschinen für die Metallverarbeitung 136 mit 644,9, Maschinen für die Holzbearbeitung 77 mit 310,9, Schleif- und Poliermalchinen 74 mit 293,7, Maschinen für Papierbearbeitung 62 mit 197,4, Maschine» für Fleischereibetrieb 57 mit 192,5, Tnchschneidemaschine» 21 mit 20,1, Nähmaschinen 16 mit 25,0, Spülmaschinen 15 mit 30,5, Spul- nnd Waschmaschinen 14 mit 67,0, Maschinen für galvanoplastische Zwecke 13 mit 43,1, Hutbügelmaschinen 13 mit 22,7, Maschinen für Lederbearbeitung 11 mit 56.5, Antrieb von Dynamos 3 mit 63,5, verschiedene Arbeilsmaschinen 205 mit 626,4 Pferdestärke». Die Zahl der elektrisch betriebenen Arbeitsmaschinen ist selbstverständlich weit größer, als die in dieser Liste aufgezeichneten, die nur von einer Zentralstelle ans gespeist werden. Auch dem Laien wird es auf- fallen, daß verhältnißmäßig viele kleinere Betriebe, die bis dahin wohl der Motoren zum theil entbehren mußten, elektrische Kraft auwenden. Es giebt Leute, die daraus einen neuen Ausschwung des Kleinhandwerks erhoffen. Als ob die Konzentration der Produktionskräste und die Uebermacht des Großkapitals nicht durch hundert andere Umstände gefördert würde! Do» den Magistrats-Hilfsarbeitcrn. Uns wird geschrieben: Der Magistrat steht die mit Kanzlei-Arbeiten beschäftigten Hilfsarbeiter als„Arbeiter" an, indem er dieselben ohne weiteres dem JuvalidilätS- und Altersverficherungs-Zwange ohne Ausnahme auch dann unterwirft, wenn deren Jahres-Arbeils- verdienst den nachZl desJnvalidiläts- und Altersversicherungs-Gesetzes für die Versichern« gsp flicht höchsten zu lässige» Betrag von 2000 M. bis um ein Fünftel desselben übersteigt nnv auch in der vom Ma- gistrat geführten Einkommensnachweisung auf 2400 M. angegeben ist. Diese„wohlthälige Fürsorge", die sich mit Rücksicht auf die Motive, denen sie entspringt, füglich als Danaergeschenk bezeichnen ließe, ver- dient umsomehr Beachtung, als dieser Versicherung hinsichtlich der Bei- tragshöhenichtderthatsächlicheJahres-Arbeitsverdienst.nachdenidieVer- sicherung in der IV. Lohnklasse unter höhere» Beiträgen mit Aussicht auf eine höhere Rente zu erfolge» hätte, sondern der ortsübliche Tagelohn gewöhnlicher Tagearbeiter zu gründe gelegt wird, der in Berlin so niedrig bemessen ist, daß mit der Versicherung in der III. Lohnklasse dem Gesetz zum Schaden des Versicherten genüge geschieht. Ganz anders verhält es sich aber mit der„Sicherstellung gegen Krankheilen" dieser sogenannten„Hilfsarbeiter". Denn da keine Krankenkasse besteht, sind nach§ 3 des Kraukenversicherungs- Gesetzes die bei den Koinmunalverbändcn beschäftigten Personen von dieser Versicherungspflichl nur dann befreit, wenn sie Anspruch auf Fortzahlung ihres Gehaltes ans die Dauer von 13 Wochen(drei Monaten) nach der Erkrankung oder auf eine im§ 6 bezeichnete Unterstützung haben. Daß der Magistrat im Vorjahre einem dieser„Arbeiter" für einen sechswöchigen Erholungsurlaub nur 60 Mark„Unterstützung" ans Gnade gewährte und zwar nicht, ohne daß über seine bedürftige Lage die weit- gehendsten peinlichsten Erkundigungen eingezogen und ein günstiger Bericht über seine Würdigkeit eingegangen war, ist als ein Zeichen für billige Anwendung der„Arbeilerschutz-Gesetzgebung" nicht an- zusehen, ebenso wenig wie diese„Arbeiter" nach einem 25 Jahre allen Lohntarife vom Jahre 1872„arbeiten" müssen, nach welchem der Verdienst je nach Gunst der Verhältnisse entweder unverdient hoch oder unverdient niedrig ausfällt und großen Schwankungen trotz großer Anstrengungen unterworfen ist. In dem ehrengerichtlichen Verfahren gegen den NechtS- antvatt Dr. Leipziger vom hiesigen„Kleinen Jon r n a l" findet morgen, Donnerstag, vormiilags 9 Uhr, vor dem Ehrengericht der hiesigen Anwaltskammer im Kammergcrichts-Gcbäude Verhandlung statt. Endlich! Ten Vertrag über die Umwandlung des Pferde- Eisenbahnbetriebes in einen elektromotorischen hat der Magistrat vollzogen der Direktion der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn- Ge- sellschafl nbersandt, um denselben ihrerseits zu vollziehen. Damit haben die Verhandlungen über diese Angelegenheit, welche eine» Zeitabschnitt von beinahe vier Jahren in Anspruch nahmen, ihre 'Abschluß erreicht. Die Tnrnlchrorinnen-Priifnng ist auf den 22. November d. I. anberaumt. Meldungen sind spätestens bis zum 1. Okiober d. I. bei dem Polizeipräsidium einzureichen. Die über Gesundheit, Führung und Lehrlhäligkeil beizubringenden Zeugnisse müssen in neuerer Zeit ausgestellt und zu einem Heft vereuiigt sein. Koche mit GaS 1 Dieser kategorische Imperativ, dem zur Zeit immer mehr Folge gegeben wird, macht der Jnnungsbrüderschnft Magenbeschwerden. In der letzten Sitzung des Ausschusses der ver- einigten Innungen Berlins stand eine Zuschrift der Töpfer- Innung zu Dresden zur Debatte, die sich gegen die„Anpreisungen" betreffend die Verwendung von Gas zu Koch- und Heizzwecken wendete. Der Ausschuß war verständig genug, über diese rnckschritt- liche Zuschrift mit einigen wohlwollenden Worten zur Tagesordnung überzugehen. Charakteristisch für das sortschritts- und kultur- seinbliche Wesen, das in de» Innungen herumspnkt, bleibt das Send- schreiben immerhin. DaS große Oclbild vo» Ernst Hildebrand:„Tullia über- führt den Leichnam ihres Vaicis", welches mit der großen goldenen Medaille ausgezeichnet worden ist, hat Professor Schauer der Stadl- gemeinde Berlin als Geschenk überwiese». Das sehr wcrthvolle Kunstwerk gelangt jetzt im Festsaale des Rathhauses zur Auf- stellung. Unparteiische Lohukstrznngcn. Eine augenehme Ueberraschung hat zum 1. d. Mls. die deuische Zeitiingsgesellschaft Hnchfcld, Schmitz u. Komp., Wilhelmstr. 29, den Berliner Berichterstattern bereitet. Diesen wurden bei der Abrechnling über den ver» gangenen Monat eröffnet, daß der„Berliner Herold" für durchgcschriebene Berichte statt 5 nur noch ll'/s Pfg. die Zeile be. zahle. Selbstverständlich lassen sich die meisten Berichterstatter dieses inerkwürdige Versahren nicht gefalle»; sie werden sich durch das Gericht ihr Recht suche», bevor die Platten noch weiter in die Brüche gehen; sie sind auch für die Zukinift nicht gewillt, ihre Arbeit der Gesellschasl für einen Schundprcis zu liefern. Infolge des große» BrandeS i» der Chansscestraße hat der Beti leb der N a ch t o m n i b n s s e auf allen drei Linien der Oiiiiiibus Kompagnie Berlin, tvie sich die erste Berliner Nacht- ouinibus-Gesellschnft nennt, vorläufig eingestellt werden müssen, ba die Gesellschaft a» Pferden wie Wagen durch den Brani bedentcnb Schaden erlillen hat. Von den Pferde» sind nicht we»igc> als 35 verbrannt und ebenso viele dermaßen schwer verletzt wordn, daß sie trotz der ärztlichen Behandlung, in der sie sich aiigeiiblicklich befinden, für den schweren Oninibusdienst wohl nicht mehr tauglich sein werden. Ebenso sind die meisten Wagen zum theil stark be- schädigt und müssen, che sie wieder in den Betrieb ciiigcstelll werden können, gründlich reparirt werde». Die Fahrten sollen in, Laufe des Monats wieder begomic» werden. Die einzige Tageeliiiie der Oinnibns-Konipagnie Koltbnser Thor— Neues Thor, ans welcher der Betrieb infolge des Brandes vorläufig ebenfalls eingestellt werden mußte, kann jedoch erst zu Anfang des Anglist wieder crvffiiet werden. Ter Ronian der Sanioancrinne» in Berlin. Unter diesem Titel hat Herr Karl Maiquardt, der Führer der Samoanertriippe, welche bis vor einigen Monate» im Passage-Panoptilum ausgestellt war, eine Rechtfertigungsschrift herausgegeben, die sich gegen den bekannten Vorwurf der Frauenmißhandlunge» wendet Herr Mar- qiiardt verspricht, daß er die Angelegenheit demnächst vor Gericht zum Aiislrag bringen werde. Da die Oeffeutlichkcil somit auf jeden Fall»och von der Angelegenheit i» Anspruch genonimen wird, er- übrigt sich wohl, auf die Rechtfertigiingsschrifl und die in ihr ent- haltenen schweren Vorivürse gegen die Direktion des Passage-Panop- tikums vorab einzugehen. Der Verein der Militärinvalidc», Veteranen und Militär- anwärter von Berlin und Umgegend(Vors. Hirsch) hat sich der im Jiistizdieiiste angestelllen Unterbeamten, welche zmn größten Theil Mitglieder des Vereins sind, angenommen und eine Petition vor- gearbeitet, die an das Haus der Abgeordneten gerichtet werden soll. Es wird darin auf die ungünstige», de» heiitige» Verhältnissen nicht mehr entsprechenden Gehaltsverhältnisse hingewiesen. Die Petenten erbitten eine Erhöbung des Maximalgehalts von 1500 auf 1800 M, Erhöhiing des Wohnnngsgcldzuschnsses von 240 auf 400 M. und für die Hilfsbeamte» Erhöhung der Diäten ans 3 M., sowie deren An- stellung nach halbjährigem Probedienst. Zahlreiche Vergiftungen durch Genuß von Krebsen sind in dem Hause Rostockerstraße Nr. 50 vorgikommen. Einer der Ver- gifteten, der 47 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Hänschke, ist g e- storben, die aiidere» sind wieder hergestellt oder befinden sich auf dem Wege der Besserung. Der Hauswirth Schmiedemeister Rudoivsky feierte am 2. d. M. seinen Geburlstag. Seine Frau kochte zur Feier des Tages Krebse, die sie in der Markthalle an der Dorotheen- straße gekanft halte. Da weniger Gäste zur Geburtstagsfeier er- schienen, als man erwartet hatte, so gingen die Krebse fast durch das ganze Haus, und so erklärt sich die Massenvergislung. Eine Tochter des Arbeiters Hänschke war Frau Rudowsky beim Kochen zur Hand gegange» und brachte ihrem Vater einen Krebs in die Wohnung hinauf, wie sie bestimmt erklärte, nur eine» eiiizigen. Hänschke aß davon den Schlvanz, die übrigen Theile überließ er seinem Stiefsohne Alfred Jrrgang. Im Lause der Nacht erkrankten alle Personen, die von den Krebsen gegessen hatten, Hänschke und sein Sohn am schwersten. Noch in der Stacht wurden verschiedene Aerzte zn Hilfe gerufen. Dem ersten, der zu ihm kam, verschwieg Hänschke, der von den anderen Erkrankunge»»och nichts wußte, daß er Krebse gegessen habe, er klagte ihm lediglich über Erbrechen und Kopfweh. Als nun später im Zusammenhang mit den anderen Hilfsleistungen ein zweiter kam, war eS schon zu spät; der Mann lag bereits im Sterben und die Gegenmittel schlugen nicht mehr an. Die übrige» Erkrankten wurden durch geeignete Gegenmittel gerettet. Ai» schwersten leidet noch der Stiefsohn des Verstorbenen. Auf dem Wege der Besserung befinde» sich eine Tochter des Hanswirthcs, die zwei Tage lang ununterbrochen in Krämpfen gelegen hat, die Frau des Schmiedes Behrend und ihre beiden kleinen Töchter im Alter von drei und vier Jahren, die mir ein Stückchen vom Schwanz bezw einen ganzen Krebs und einige Scheeren gegessen hatten, eine Arbeiterfrau Herrmann, bei der die Vergiftungscrscheinungen weniger stark auftraten, eine Frau Cirow, die niehrere Krebse aß und ziem- lich schwer erkrankte, Frau Borch und der Kaufmann Strickert und seine Frau. Als Gegenmittel wirkten günstig heiße Milch, Kognak und Rhizinusöl. Ei» eigenartiges Stückchen von Bahnbeamten- Bnrean- kratisnms passirle dieser Tage einem Berliner Speisewirth B. auf dem Bahnhos in Wilmersdorf. Herr B.. der sonst sehr modern ge- kleidet war, aber wegen der großen Hitze seinen Hut zu Hanse ge- lassen hatte, wurde einfach, als er die Billeteure passireu wollte, mit der Frage:„Wo haben Sie Ihren Hut?" angehalten! Er wurde bedeutet, daß er ohue Hut nicht fahren dürfe, und daß ihn die Bahn nicht barhäuptig mitnehme! Erst nach längerem Pro- testiren und nachdem B. die Beamten um die betreffende Instruktion ersucht hatte, die es natürlich nicht giebt. bequemte man sich dazu. ihm seine» Fahrschein zn koupiren und ihn auch ohne Hut mitfahren zu lassen.— Diese Geschichte erinnert an ein Vorkoinmniß. welches einem Leser der„Nat.-Ztg." vor längerer Zeit im Schloßpark zu Schönhausen passirte. Der Herr schreibt dem Blatt:„Ich prome- nirte dort an einem heißen Tage und hatte meinen Hut in der Hand Da näherte sich mir ei» Mann, der freundliche» Tones zu mir sagte:„Sie könnten Ihren Hut auch wohl draußen abnehmen." Ich verstand ihn erst nicht recht und wollte schon für seine Ausnierk- samkeit danken, als ich eine Dienstmütze auf seinem Haupte be- merkte. Noch zögerte ich, feiner gütige» Aufforderung nachzukomme». Er aber setzte eine strenge Amtsmiene auf und richtete an mich die Worte:„Sie scheinen mich nicht verstanden zu haben: Es ist nicht gestattet, im Park den H»t abzunehmen." Natürlich gehorchte ich nun als guter Unterlha» sofort und zerbreche mir seit jener Zeit den Kopf über die Frage: Verstößt es gegen die gute Sitte, barhäuptig in einem königlichen Park spaziere» zn gehen i" LchrlingSanSbentnng. Der Ingenieur Wildt hat i» der Chailffcestr. 2e eine Werkstatt für mechanische Arbeiten, in welcher zur Zeit 14 Lehrlinge bcschäsligt werden. Gehilfen sind dort nicht thäiig Die Lehrkontrakle weiden mit de» Eltern derartig ab« geschlossen, daß für eine dreijährige Lehrzeit 150 M. Lehrgeld gezahlt werden nuiß; daS Lehrgeld ist innerhalb der ersten nenn Monate der Lehrzeit zu entrichie». Für Kost und Logis haben die Eltern zu sorge», ebenso wüste» sie sich kontrakllich zur Zahlniig der Krankeiikaffen-Beiträge verpflichien. Das sind stranime Bedingniigen, aber die Eitern erwarten wenigstens, daß ihre Sohne etwas Tüchtiges lernen, Damit hapert es jedoch sehr. Einmal läßt seine ausgedehnte Korrc- fpondenz Herr» Wildt wenig Zeit zum Anlernen, dann ist aber auch die Art der Arbeil so, daß wenig dabei zn lerne» ist. Die meisten Arbeile», welche bei Herr» Wildt angefertigt werden, werde» in andere» Jnstitntcn schon von nngelernte» Arbeitern gemacht. Und dann werde» die Lehrlinge auch nur auf bestimmte Theile eingearbeitet. Herr Wildt scheint aber auch einer der- jenigcn Lehrherren zu sein, die gern den Prügel gebrauchen. Zwei Lehrlinge halten miteinander Neckereien wegen des Werkzeugs. Der Lcbrherr fährt mit einem Stock ans hartem Holz dazwischen und schlägt dermaßen ans den eine» Lehrling ein, daß zivei Aerzte nach Bcsichiigilng der Mißhandlung äußerten: noch ein Schlag hätte genügt, den eine» Arm vollständig zu ruiniren. In dem ärztlichen Attest heißl es, daß die Folgen der Mißhandlung noch nicht abzu- seben sind. Die Eltern habe» de» Fall der Staatsanwallschaft unterbreitet. Auf der Brandstätte in der Chansscestraße traten gestern Vormittag»och einmal zwei Löschzüge mit zwei mechanischen Leilern in Thäligkeit, Der eine arbeilete vo» dem Garte» des Garnison- Lazarclhs, der andere von der Chausseestraßenseite des Aktienhoses a» dem aitsgebraintlen Wohndanse nnd stießen die gefahrdrohend, zum theil fast frei in der Luft häiigeiiden, morschen Mauer- stücke, namenllich von dem Thnrni in das Innere hinab. Als sie da»» abrückten, blieb nur eine Brandwache von drei Fetierwehrlenlen zurück, um mittels eines an den Hydranten angeschraubten Schlauchiohrs die noch immer wieder ausbrechenden kleinen Flampien z» ersticken. Im übrigen sind jetzt Privatleute dabei, die Lampen und sonstigen Ueberreste zn beseitigen. Gestern war auch eine Kesselrevisioiiskoinmission an der Brandstätte, um zu untersuchen, ob vo» de» zahlreichen Lokomobile», die in dem Schuppen am Hinterhause der Boyeiistraße standen nnd zum theil i» die brennende Lackirerwerkstätte hinabstürzten, noch etwas zu be- nutze» wäre. Es wurde aber sestgestellt, daß sämmtliche Kessel durch die furchtbare Hitze ausgeglüht, undicht und gänzlich tinbrauchbar geworden sind. Toppclsclbstmord eincS Liebespaares. Vor etwa 10 Tagen wurde im Grunewald»»weit der Slalion die Leiche des 32jährigen Kausmannes Solack aufgefunden, welcher sich mittels seines Re- volvers erschossen hatte. Ten Angehörigen des pekuniär in guter Lage befindlichen Mannes war die Veranlassung zu dieser That nicht bekannt. Erst jetzt haben sie Aufklärung über die Ursache zn dem Selbstmorde erhallen. Er Halle im vergangene» Jahr Hierselbst ein junges Mädchen kennen gelernt, ivelches als Kassirerin in einem Dclailg'eschäst lhätig war. Das Mädchen, die 23jnhrige Martha Rndloff, deren Ellern in einem Vororte Wiens wohnen, kehrte nnfmigS dieses Jahres auf Wniisch ihres Vaters nach Hause zurück..Die junge» Leute bliebe» zwar in brieflichem Verkehr, doch scheinen sich einer ehelichen Verbindung zivische» beiden erhebliche Schivicrigkeiten entgegengestellt zn haben. Vor einigen Tagen erhielt ein hier wohnender Bruter des S. von den Eltern der R. die Mit- thijlung, daß sich das Mädchen in der elterlichen Wohnung vergiftet habe. In einem zurückgelassenen Schreiben, welches dein Briese ebenfalls beilag, erklärte die ingend» liche Lebensmüde, daß sie im Einverständniß mit ihrem Geliebten haiidcle.wclcher z u r g l e i ch e n S t u» d e w i e s i e st e r b c n w e r de. Thatsnchlich haben auch beide an demselben Tage den gesuchten Tod gefunden. Im Besitze eines festgenommenen nnd vielfach vorbestraften Mannes wurde» 21 Stück neue Donblö-Ringe mit verschiedenen Sieine», Perlen:c. vorgefunden. Die Ringe dcfindeu sich in einem. rothbraunen, innen weißausgelegle» Sammetetni zu 36 Ringen passend, ans der Hinteren Seile des Elni befindet sich eingepreßt die Bezeichniing Musterschutz Nr. 4341. Etwaige Eigenthümer wollen sich vormittags zwischen 9 und 1 Uhr im Polizei-Präsidium parterre Zimnier 26, einfinden. Ein»uaufgeklärter Lcichcnfnnd beschäftigt die Behörden. Noslizsir. 62 wohnte seit Weihnachlen der 47 Jahre alte Klempner Sllbert Bley, dessen Frau sich seit August v. I. in der Irrenanstalt zu Herzberge befindet, während seine Töchter Annensir. 20 wohnen und in einer Parfümeriefabrik arbeiten; ein Knabe von zehn und ein Mädchen von fünf Jahren sind von der Waisenverivaltung in fremde Pflege gegeben. Bley, der Flickarbeiten machte und stark trank, wohnte mit einer Person, die polizeilich nicht gemeldet war, zusammen, die die Wohnung recht zwcifelhaster Gesellschaft zur Ver- fügiing stellte. Bley wurde nun seit Freilag Abend nicht mehr ge- sehe»»»d gestern von dem Portier Herbert halb ans seinem Bette liegend todt ailfgefmiden. Die Krinunalpolizci rechnet, wie uns be- richtet wird, mit der Möglichkeit, daß Bley keines natürlichen Todes gestorben, sondern von der Theilhaberin seiner Wohnung oder vo» Znhällern, die bei ihr verkehren, gelödlet worden ist. Erschossen hat sich in der Pallisadenstraße der 82jährige Barbier Teile, Elisabethstraße 17 wohnhaft. T. hatte einem Kollegen in der Pallisadenstraße einen Besuch abgestattet und erbat sich nach kurzem Ausenlbalte dortsclbst den Schlüssel zum Abort. Wenige Minute» spälcr erdröhnte der Knall eines Schusses. Man saud T. auf dem Kloset als Leiche vor. Beweggründe zur That sind nicht bekannt. Durch Verbrennen ist die 8 Jahre alte Tochter Martha des Schnhinachernteisters Göpel aus der Stralsnndcrstr. 26 zu Tode gekommen. Das unglückliche Mädchen wollte, während sich die Mutter im Waschkeller befand und der Vater in seiner Wcrkstnbe arbeitete, in der Küche auf der Maschine Milch kochen. Da die Ofenlhür nicht geschlossen war, so fing das Kleid des Kindes, als es nach der Milch sehen wollte, Feuer und stand bald in helle» Flammen. Die Beda»er»?wertlie wurde mit schweren Brandwunde» an den Beinen und m» Nnterleibe in daS Lnznrns-Krankcnhaus ge- bracht und ist sie seinen Verletzungen erlege». AilS de« Nachbarorte». Achtung» Wcifsensce! Die arbeilende Bevölternng von Weinensce wird hierdurch anfgefordert, sich ungesäumt ans die im nächsten Jahre stattfindende Reichstagswahl vorzubereiten. Hin einen für die arbeitenden Klasse» möglichst günstigen Ausgang der Wahlen zu erzielen, ist es nolhwendig, sich zu einer ledhaslen Agitation zu rüsten; nur dann kann gleich beim erste» Wahlgange ein durchschlagender Erfolg erkämpft werde». Jedermann aus den Arbeiterkreisen weiß, daß unsere Interesse» nur einzig und allein von der sozialdemokratische» Partei vertrete» werden; deshalb ist es aber auch Pflicht eines jeden, der mit den sozialdemokratischen Prinzipien einverstandeu ist, ans die weiteste Verbreitung unserer Idee» hinzu- wirke». Der am hiesigen Ort bestehende„Politische Arbeiter- verein" hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Arbeiter auszii- klären; außerdem bietet er seinen Mitgliedeen durch eine ausgebreitete Bibliothek Gelegenheit, auf asten Gebieten ihr Wissen zn bereichern. Nur durch eine straffe Organisation, nur durch möglichste Bereicherung unserer Kenntnisse ist es möglich, bei den kommenden Mahlen den Sieg für uns nicht nur zu erringen, sondern auch dauernd zn erhaltcw In folgenden Zahlstellen werden Aufnahmen vollzogen und Beiträge entgegengenounuen. W. Schwitzte, Restaurant, Hcinersdorscr Weg 39, W. Friedrich, Restaurant, Prenzlauer- Chaussee 19, Kirchner, Restaurant, Rölkestr. I3S, Frenz, vtestanrant Sängerheim, Königs-Chaussee und Lehdcrstraßc» Ecke, Speck m a n n, Restaurant, Königs-Chanssee 55, W. Straßburger, Restanrant, Straßburg- und Metzerstraßen Ecke, S o r r e r» Restanrant, Straß- bnrgstr. 56. Der Vorstand des politischen Arbeiter-Vereins für Weißensee und Umgegend. Ans den Spandancr Militär- Werkstätten. Tie Militär- Verwaltung hatte vor einiger Zeit in einzelnen Betrieben der Militär- Werkstätten in Spandau versnchsivcise Sonnabends und an den Tagen vor den hohen Festen einen früheren Arbeitsschluß eingeführt, um den Arbeiterfamilien Zeit und Gelegenheit zu geben, wegen der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe ihre Einkäufe am Tage vorher zn besorgen. Anstalt um 6 oder 7 Uhr abends wurde zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags der Betrieb eingestellt. Bis dahin wurde, unter Fortlassung der Mittagspause, durchgearbeitet und die Ar- beiter erlitten keine Einbuße an ihreni Verdienst, da ihnen die zehn- stündige Arbeitszeil vollgercchnet wurde. Nachdem sich die Arbeiter- ausschüsse mit dieser Neuerung einverstanden erklärt, ist dieselbe in allen Spaudauer Militär-Werlstätte» nunmehr definitiv eingeführt worden. Auf der Ningbahu-Statio» Schöneberg hat sich am Montag Abend um 16 Uhr ein älterer gutgekleideter Mann von einem Eisenbahnzuge überfahren lassen. Der unbekannte Selbstmörder starb nach wenigen Augenblicken. Z» dem Toppclmord und Selbstmordversuch in Potsdam werden noch folgende Einzelheilen bekannt: Der bei dem Magistrat in Berlin angestellte Bnrean- Assistent Gelfert lebt noch; der Schnitt, durch den er sich die Pulsader öffnen wollte, ist nicht tief genug ausgeführt worden. Seinem Zustande nach ist auch der Blutverlust kein bedeutender gewesen. Er scheint außerdem Morphium genommen zn haben, wenn auch nicht in genügender Menge. Gestern rvar er tagsüber bewußtlos. Erst am späten Nachinittag Hörle er auf seinen Namensrns. Gelfert dürfte mit dem Leben davon- komme». Im Hotel halte Gelfert angegeben, er wäre Sekretär beim Berliner Magistrat. Ueber die Ursachen, welche Gelfert zu der That veranlaßte», schreibt ein hiesiges Blatt: Der 37 Jahre alte, ans Leobschütz gebürtige Bnrean- Assistent Max Gelfert, der in der Zwinglistr. 8 Hierselbst wohnte, wird von alle» Seilen als ein sehr gutmüthiger und sparsamer, aber in feiner Familie energieloser Mann geschildert, der ans den traurigen Verhältnissen, in die er immer tiefer hineingerathen war. wie er selbst vielfach klagte, keinen Ausweg mehr zn finden wußte. Er war seit zehn Jahren mit seiner Frau verheiralhet, die ihn vor einigen Woche» verlassen hat und sich in Schlachtensee aufhält. Gelfert lehnte es ab, die Frau zur Rückkehr aufzufordern. Die beiden jetzt von ihm ermordeten Kinder waren schwer krank; der nenn Jahre alte Bruno war blöd- sinnig, der sieben Jahre alte Kurt hatte einen Wasserkopf und ein Nierenleiden. I» falscher Liebe ließ er sich nicht dazu bewegen, sie in eine Heilanstalt zn bringen. Diese traurige Lage wurde dadurch besonders verschärft, daß Gelfert sehr große Schulden hatte und daß ei» Verwandter nicht nur das gesammte Mobiliar pfänden ließ, sondern auch das Gehallsabzugs-Äerfahre» gegen ihn beim Magistrat beantragte. Gelfert besaß, zumal sein letztes Vierteljahrsgchalt in eincni Schrank vom Gerichtsvollzieher beschlagnahmt war, fast gar keine Geldmittel mehr, so daß er in größte Verzweiflung gcricth. Er hat die kleinen Schulde», die er z. B. beim Milchhändler hatte, bezahlt und ist wahrscheinlich in der Absicht mit den kranken Kinder»»ach Potsdam gefahren, um einen Bersnch zu machen, von dort wohnende» Verwandten Geld zu leihen, was ihm aber wohl im letzten Moment wieder leid wurde. Soziale Vechkspflege. Unfaltversichcrung der Tapczircr. Der Tapezirer M i l t e n- b e r g e r stürzte am 9, August des vorigen Jahres von einem Balkon herab, woran er einige Fahnenstangen befestigen sollte. Er erlitt sehr schwere Verletzungen. Sein Zlnsprnch auf eine Unfallrente wurde von der Baugewerks-Bernfsgenossenschaft mit der Begründung abgewiesen, daß er bei einer nicht versicherte» Arbeit ver- nnglückt sei. Mit seiner Berufung gegen diesen Bescheid hatte M. beim Schiedsgericht Erfolg. Nach dem Bnndesraths- beschlnß vom 18. Juni 1888 sei von Tapezirerarbeiten das Anbringen von Wcttervorhängen und-Laden an Baute» versichert, während das Anbringen von Gardinen und Rouleaux im Innern der Wohnungen der Versicherung nicht unterliege. Die st» Bnndesraths« Beschluß angeführten Arbeile» seien aber nur als Beispiele anzusehen; ohne Zweifel habe man alle Arbeiten im Auge gehabt, die des gleiche» Aersichernngsschntzes bedürfte», nämlich alle Tapezirerarbeiten an der Außenseite der Gebäude. Um solche Arbeiten habe es sich»nn hier gehandelt, der Kläger sei deshalb niit der Rente zu bedenken. Die Bernfsgenossenschast legte gegen das Urtheil Rekurs ein, worauf das R e j ch s- V e r s i ch e r u n g s a m t darüber Beweis erhob, aus welche Art die Fahnenstangen befestigt werden sollten und befestigt wurden. Es wurde festgestellt, daß es sich um eine lose, jederzeit bequem lösbare Verbindung handelte. Das Reichs-Bersicherungsamt hob darauf das Urtheil des Schiedsgerichts auf und wies den Kläger mit seinem Ansprüche endgiltig ab. Um die Arbeit zu einer versicherungspflichtigen Banarbeit zu machen, hätte sie aus eine feste und dauernde Verbindung der Fahnenstangen mit dem Mauer- »verk abziele» müssen. Da dies nicht der Fall gewesen sei, könne Kläger eine Unfallrente nicht fordern. Gevichks-Äeikung. Ter Bauschwindel-Prozeff Stntz. Am ersten VerhandlnngS- tage wurde» gegen 69 Zeuge» vernommen. Zunächst kamen die Belrugssälle zur Erörterung. Die Beweisaufnahme gestaltete sich in dieser Beziehung für den Angeklagten verhältnißmäßig günstig. Eine ganze flteihe Zeugen bekundeten, daß sie von Stutz nichts zu fordern hätten und deshalb auch nicht betrüglich geschädigt seien. Diesen Zeugen stand eine andere Gruppe gegenüber, welche durch Stutz in zum Theil recht erheblicher Weise b-nachtheiligt sein wollten. Sie hatten in der Regel mit dem Angeklagte» abgemacht, daß sie für die gelieferten Arbeiten zu zwei Drittel» in baar, zu einem Drittel durch Bestellung einer Hypothek seitens des Angeklagte» befriedigt werden sollten. Die Baarzahluug habe» sie fast alle er- halten, nur bei Hergäbe der Hypothek habe es sich herausgestellt, daß die Hypothek nicht auf einem dem Angeklagten gehörigen Grundstück, sondern auf einem fremden Grundstück haftete. Der Angeklagte wies denigegenüber darauf hin, daß schon aus seinen, mit den betreffenden Personen abgeschlossenen Liefernngsverträgen ersichtlich sei, daß es sich um eine Hypothek handele, die für ihn«ingetragen fei. Er bestreite, daß eine Schädi- guug der betreffenden Personen erfolgt sei. Eine dritte Gruppe von Zeugen hielt sich dadurch für geschädigt, daß der Angeklagte ihnen noch im September 1895 Arbeiten für seine Häuser aufgab, obwohl er damals schon zahlungsunfähig gewesen und bereits zwei Monate später in Konkurs geralhen sei. Die Zeugen haben aber doch dem Auftraggeber so viel Vertrauen geschenkt, daß sie die Arbeiten fertig gestellt haben. Die Beweisaufnahme wandte sich dann der Gründung der Deutschen Handelsbank zu. Der Angeklagte bestritt auch hier, daß er betrügerische Absichten gehabt. Er habe gedacht, nach einiger Zeit Anlheilfcheine zu erwerben. Bei Gründung der Gesellschaft habe er sich erst von den vier Betheiliglen Wechsel über je 15 999 Mark geben lassen und dann einen Baarbestand von 69 999 M. besorgt. Erst als dieser vorhanden war, habe er die Eintragung der Gesell- schaft durch den damals mit der Geschäftsführung betraute» Mit- gründcr Müller eintragen lasse». Dies wurde von dem Zeugen Müller— welcher wegen Verstoßes gegen das Gesetz vom 29. April 1892— nicht, wie gestern irrthüinlich berichtet wurden, zu drei Monaten, sondern nur zu einem Monat Gefängniß verurtheilt wurde und hiergegen Revision angemeldet hat— be- stätigt. Der Zeuge mußte auf Vorhalten einräumen, daß er damals über Baarmittel in Höhe des von ihm hinterlegten Acceptes nicht verfügte, er meinte aber, daß er im stände gewesen iväre, sie innerhalb kurzer Zeit zu beschaffen. Tie früheren Gesellschafter der Deutschen Handelsbank, welche in ihren Aussage» die in der Vorunter- snchnng gemachten Angabe» abzuschwächen suchten, wurden vom Staatsanwalt Dr. Eger in ein scharfes Verhör genommen und auch die Geschworenen betheiligtcn sich au demselben durch viele Zwischen- fragen. Die Verhandlung wird Mittwoch fortgesetzt. 8ln versuchten Todtschlag grenzte ein überaus frivoler Miß- brauch der Waffe, welcher gestern den Feld- und Forsthütcr Hermann Pfütze ans Herzfelde unter der Anklage der qualifizirte» Körperverletzung vor die erste Strafkammer am Land- gericht II führte, eingeklagter war von niehreren Privatbesitzern init der Beaufsichtigung ihrer Feld- und Waldparzellen betraut worden. Um ihm eine gewisse Autorität zu geben, ersuchten die be- treffenden Besitzer den Laudrath»nr Bestätigung des Feldhüters, und diesem Gesuch wurde auch entsprochen. Der neue Flurschütz« hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als sich einen kompletten Jä geranz» g zuzulegen, aber ihm fehlte noch das wichtigste, nämlich eine Waffe; den Knüttel in seiner Hand mochte er nicht als Waffe cstimiren. Er tischte daher seinen Auftraggebern das Märchen auf, daß er von den Wilderer» und Felddiebe» mit dem Tode be- droht sei und erlangte damit die Genehmigung seiner Auftraggeber, einen illevolver zu trage». Obwohl jeder Privatmensch einen Revolver tragen darf, wurde doch noch die Genehmigung des Land- raths erbeten und von diesem niit der ausdrücklichen Einschränkung erlheilt, daß Pfütze den Revolver nur ivie jeder Privatmann tragen dürfe und das Gesetz über de» Waffengedrauch der Beamte» auf ihn keine Anwendung finde. Der Angeklagte schaffte sich nun eine» Ledergurt an, den er über seinen Jägerrock schnallte und an diesem Gurt trug er ostentativ die Revolvertasche, des Augenblicks harrend, in welchem er von seiner Schußwaffe Gebrauch mache» könne. Tiefe Gelegenheit fand sich bald darnach, am 22. September 1395. Er sah am Nachmittage die Maurer K i r s ch k e und Sasse querfeldein kommen,' jeder einen schwere» Sack auf dem Rücken tragend. Beide kamen von ihrem Pachtacker und hatten Seradella für ihre Ziegen geholt. Obwohl Pfütze wußte, daß beide dicht dabei ihren 9Icker hatten, glaubte er doch angeblich, daß sie Feldfrüchte auf fremdem Bode» gestohlen hätten. Er stellte sie und verlangte, daß sie ablegen und die Säcke vor ihm öffnen sollten. Er erhielt eine mehr einladende wie höfliche Aniwort und faßte nun den Kirfchke, der sich aber den Angreifer einfach abschüttelte. Da griff Pfütze nach seinem Revolver, rief:„Ich werde Dir doch zeigen, daß ich schießen kann!" und schoß den Kirschke in die Brust und zwar aus solcher Nähe. daß der Nock des Getroffenen zu brenne» begann. Kirschke konnie sich zwar noch bis zu Hause begeben, mußte aber alsdann sofort »ach einem Krankenhanse gebracht werden, wo er ivochenlang zwischen Tod und Lebe» schwebte und erst nach 199 Tagen als geheilt entlasse» werden konnie. Ter Angeklagte suchte sich durch Nothwehr zu entschuldigen, doch ließ ihn die Beweisaufnahme völlig im Stich. Das Uräheil des Gerichtshofes lautete auf neun Mo- » a t e Gefängniß. J» einer Privatklagcsache vor dem Schöffengericht I Berlin hatte der Abiheilungsvorsitzende, nachdem er in einer Sache niit den Parteien zu verhandeln angefangen hatte die nächste Sache vorweg genommen und Parteien und Zeugen bis zur Erledigung dieses Falles drei Viertel Stunden auf dem 5dorridor des Gerichts- gebäudes warten lassen. Auf eine vom Kläger an den Justiz- minister gerichtete Beschwerde, i» welcher der Beschwerdeführer die Unbequemlichkeiten hervorgehoben hatte, welche den Parteien und Zeuge» durch unverschuldetes Warle» an Zeit und Geld erivachsen, ist kürzlich ei» Bescheid des Amlsgerichtspräsidenten dahin ergangen, daß er den betreffenden Vorsitzenden darauf hingewiesen habe, daß dieses Versahren nicht in der Ordnung sei. Der Kläger, ivelcher in erster Instanz mit seiner Klage unter Kostenlast abgewiesen wurde, beabsichtigt jetzt den Vorsitzenden für seine Unregelmäßigkeit, durch die einige Mark Zengengebühren mehr entstanden sind, regreßpflichtig zu machen. Ein Ehepaar, welches die Einwohnerschaft von Johannis- t h a l mit anonyme» Briefen unsicher machte, stand gestern in dem Rcstanratenr Friedrich Wilhelm August Lenze aus Johannisthal und dessen Ehefrau vor der dritten Strafkammer am Landgericht II. Die beiden Angeklagte» sind vom Schöffengericht wegen wiederholter öffentlicher Beleidigung zu je 599 M. Geldstrafe verurtheilt worden. Von beiden Seiten war dieses Urtdeil im Wege der Berufung an- gefochtc» worden, die Staatsanwaltschaft bestand auf einer Ge- sängnißstrafe, die Angeklagten ivollten ihre Freisprechung erzielen. Ter Anklage lag iolgeuder Thatbestand zu gründe: Seit dem Jahre 1392 ivurde die Beivohnerschaft von Johannisthal durch anonyme» Postkarte» und Briefe beunruhigt, ivelche schivere Beleidigungen und Beschimpfungen enthielten. Die Sache begann daiuit. daß eines Morgens an der belebteste» Straße des Ortes ein geschriebenes Plakat angehestet war, welches die Ausschrift trug:„Ein Vater, der zwei hübsche Töchter hat, wünscht dieselben z» verheirathe». Reiche Beamte bevorzugt. Meißner. Geh. Postsekrelär." Der Geh. Post- sekrelär wohnte am Orte, er hatte zwei Töchter, die kurz vorher daS Verbrechen begangen hatten, bei einer Reunion im Kurhause zweien Sommerfrischler», die noch im allerersten Jugeudgrün schiimnerlen, eine» Tanz abzuschlage». Dann erhielt der Gemeindevorsteher eine Karte mit der Aufforderung,«inen im Orte bekannte» Schneider- ineister auf seinen Geisteszustand zu untersuchen. Des weiteren erhielt der Ortsvorsteher eine» Tag nach einem Scheunenbrande eine Postkarte, die neben allerlei Schimpfereien die Ankündigung enthielt, daß demnächst eine andere bestimmt bezeichnete Scheune abbrennen würde. Die bezeichnete Scheune ist thatsächlich abgebrannt. Dem Gerichtshöfe lagen heute ca. 29 Korrespondenzen dieser Art vor. Darunter befanden sich einige, welche in niedrigen Ausdrücken von dem nen errichteten Kaiser Wilhelm- Denkmal sprachen und damit drohte», das Denkmal in die Luft zu sprengen, und wohl nur den Zweck haben sollten, den Anschein zu erwecken, als sei der anonyme Briefschreiber unter den Sozialdemokraten des Ortes zu suchen. Der Gendarm Haufschild vermochte »ach längereu Recherchen eine solche Menge von Indizien zusammen zu tragen, daß Lenze und Ehefrau als die Thäter unter Anklage ge- stellt werden konnte». Die Schristenvergleichnug ließ keinen Zweifel darüber, daß Frau Leuze die Schreiberin war und die Beweis- aufnahm« ergab, daß der Ehemann Leuze seine Frau veranlaßt haben mußte, die Karlen nach seinein Diktat zu schreiben. Nach Ver- nehmung von 15 Zeugen und der beiden Sachverständige» Gerichts- chemiker Dr. I e s e r i ch und Gerichtssekretär D r o g o l i n gelangte auch die Strafkammer zu der Ueberzeugung von der Schuld der Angeklagten. Indessen wurde die Sache mehr als ei» recht herzlich dummer, alberner und schlechter Scherz aufgefaßt und demgemäß die Strafe auf 399 M. für den Ehemann und 150 M. für die Frau Lenze herabgesetzt. Die gehcininißbovcn lNeziehnngen zum geheime« Zivil- kabinct des Kaisers und zum Justizministerium, deren sich der Privatsekretär Pfahl in Hannooer rühmte, kamen gestern vor dem 3. Strafsenate des Reichsgerichts zur Sprache. Herr Pfahl ist am 26. März vom Landgerichte in H i l d e s h e i m von der An- klage des Betruges freigesprochen worden. Es ivar von der Anklage behauptet worden, er habe durch die unwahre Angabe. er sei vermöge seiner Beziehungen zu dem geheimen Zivilkabinet des Kaisers und zu dem Jnstizuliiiisteriuni in der Lage, Begnadigungen herbeizuführen, einen Jrrthum hervor« gerufen und sich dadurch rechtswidrige Vermögcnsvortheile verschafft. Aus den» Sachverhalt ist folgendes zu erwähnen: I» dem Dorfe Aligse(Reg.- Bez. Lüneburg) rvohnen zivei Brüter Hofbesitzer Tiers mit ihrem Vater, dem Allsitzer Tiers. Diese drei sind»vegen gemeinschastlicher Körperverletzung zu längere» Gesängnißstrafen ver- urtheilt ivorde». Da sie gehört hatten, daß Pfahl selbst in den aussichls- loseste» Fällen Begnadigungen herbeiführe, so»vandten sie sich an ihn. um so mehr, da ihre Vermögensverhaltnisse ihnen die Auf- ivendung der entstehenden Kosten ermöglichten. Der erste Erfolg, de» Pfahl erzielte, bestand darin, daß die Verurtheilten aus der Haft beurlaubt wurde». Während des Urlaubes verhandelte» die Brüder Diers mit Pfahl»vegen des Gnadengesuches. Pfahl meinte, ei» so- fort eingereichtes Gnadengesuch»verde Erfolg nicht haben. Dagegen ivar er bereit, ein neues Gesuch»im Beurlaubung aus dem Ge« fängniß einzureichen, wenn die Verurtheilten zunächst einen kleinen Theil der Strafe verbüßt haben»vürden. Im Anschluß daran»verde er dann das Gnadengesuch um Erlaß des Nestes der Strafe einreiche». Für seine Bemühungen erbat und erhielt Pfahl 1259 Mark(je 599 Mark für einen der Brüder, 259 M. für den Vater). Außerdem ließ er sich einen Revers aus- stelle», durch den die Brüder sich verpflichteten, für jeden Monat Strafe, der ihnen bcziv. ihrem Vater erlassen»verde»»vürde, 199 beziv. 50 M. zu zahlen. Infolge dieser Abmachung hat Pfahl »veilere 799 M. erhalten, es müssen demnach den rauflustigen Gliedern der Familie Diers noch diverse Monate ihrer S t r a f e i»n G n a d e ,»»v e g c erlassen w o r d e n s e i n. Die Anklage ging nun davon aus, daß es für einen Privatsekretär in Hannover ganz und gar»»möglich sein müsse, aus die Entscheidung des Kaisers über Gnadengesuche irgend- ivelche» Einfluß auszuüben. Pfahl erklärte in der Hanptverhand- linig, er habe thatsächlich Einfluß in Berlin und zivar durch seinen Bruder, einen Geheimen O b e r f i n a n z- r a t h. Wen» er den Brüdern DierS gesagt habe, er»verde durch seinen Bruder voraussichtlich erreichen, daß er von den maßgebenden Personen im geheime» Zivilkabinet und im Jnstizministerium ein- pfangen und gehört»verde, so habe er damit nur die Wahrheit ge- sagt und ebenso habe er mit Recht einen Erfolg als »vahrscheinlich bezeichnen können. Das Gericht sah sich»ach dein Ergebniß der Beiveisaufnahme genöthtgt, die Möglich- keit zuzugeben, daß der Angeklagte berechtigt ivar, seinen Empfang an de» betreffenden Stelle» in Aussicht zu stelle». Der Antrag der Staatsanivaltschasl, die Herren H o r st in a» n und LucanuS als Zeugen z» vernehmen, wurde vom Gerichte abgelehnt, da der Angeklagte Pfahl auch freigesprochen werden müsse, wenn er von diesen Herren nicht empfangen worden wäre.— Die Revision der Staatsainvaltschaft wurde in der gestrigen Verhandlung vom Reichsanivalt für begründet erklärt. Der Angeklagte Pfahl habe sich offenbar gerühmt, daß er einflußreiche Verbindungen habe und daß es ihm leichler als jedem anderen gelinge, an de» maßgebenden Stellen gehört zu»verde». Dies sei nach den Behauptungen der Anklage ziveisellos falsch. Di« Diers hätten aber an den Angeklagte» nur gezahlt,»veil sie geglaubt haben, daß er mehr vermöge als andere. Darin liege eine Ver- mögcnsschädigung und i» der Angabe des Angeklagten die Vor- spiegelung einer falschen Thalsache.— Das Reichsgericht verwarf indessen mit Rücksicht auf die uuangreisbaren Feststellungen die Revision des Staatsanivalls. Vevlttntntlungen. Die Ziinmercr waren am Montag in einer Anzahl von eliva 3999 in» flfeller'sche» Saale versammelt, um über ihre bevorstehende Lohnbeivegnng zn berathen. Der Vertrauensmann Fischer begrßndete zunächst die Forderung eines Stundenlohns von 69 Pf. und besprach die von der Lohnkonimission an die Unternehmer gerichteten Schreiben und die»»»»mehr eingegangenen Anlivorten derselbe». Von 699 Unternehmer» haben 43 die Forderung beivilligt, weitere 14 Unternehmer haben sich bereit erklärt. 69 Pf. zu zahlen,»ven» sie wieder Arbeit habe», andere 27 Unternehmer beschäftigen»nr Zeit keine Gesellen, und 79 haben die Forderung der Zinnnerer strikte abgelehnt. Der größere Theil der Unter- »ehmer hat überhaupt keine Ailtivort erlheilt. Im Hinblick a»lf die gcgenivärtige Lage— meinte der Redner— sei es durchaus nolhiveudig, daß die Berliner Zimmerer die gestellte Forderung energisch durchzuführen gewillt wäre», und auch vor einem Streik nicht zurückschrecken würde»; we»»» alle Beiheiligtsii ans dem Posten »vären, da»» könne in acht Tagen der Sieg errungen»verde». Die Disknsstonsredner traten zum theil mit großer Wärme für den Streik ein, darunter Robbe, Obst und Lehman». Andere Redner, unter ihnen Schwalbe, Ernst, R i ck e r t und Meißner hatten Bedenken gegen die augenblickliche Durch- sührbarkeit des Streiks. Die Stimmung»nter de» Ver- sammelten»var,»vie aus den Beifalls- und Mißfallsäußernngeii hervorging, gleichfalls geiheill. Die Bersannnlung erklärte sich schließlich für den Streik, indem ste folgende Resolution annahm: Im Laufe des Dienstags ist an alle Arbeitgeber die Forderung eines Slundcnlohncs von 69 Pf. zu stellen. Wo dieselbe nicht beivilligt wird, ist die Arbeit niederzulegen. Die Anivesenden sind das denjenigen Unternehmern schuldig, ivelche bereits 69 Pfennig Lohn zahlen. Hierauf wurde» die auf Kontrolle der Streikenden und Ueberivachnng der Arbeitsstellen bezüglichen Bestimniliiigen festgesetzt, dann gab der Kassirer Hoff die Abrechnung über de» AgitationS- und Unterstntznngsfonds für die Zeit vom 1. Janliar bis 24. Juni 1897. Die Rechnung schließt ab mit einer Einnahme von 13 536,14 M., einer Ausgabe von 7658,65 M. und weist eine» Bestand von 5377.49 M. auf. Die Diskiisstoii über den Kassenbericht»vurde bis zur nächste» Versa»»»»»- lung vertagt. Tie freie Vereinigung der Händler und Häudlerinnc» nahm in der Versaminlung am 2 Juli den vierteljährliche» Bericht über die Thätigkeit des Vereins entgegen. Hierauf ivurde Fran D u n s ch zur Schriftführerin und Luther, Schultz« und Rein- k u n tz zu Revisoren geivählt. Der Zentralverband der Maurer(Zahlstelle! Putzer) hielt am 4. Juli seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab, in der über die Ausübung der Kontrolle berathen»vnrde. Sämmtliche Redner empfahlen, die Koiiirolle etivas schärfer zu handhabe», da sich durch die jetzige Konjunktur einige Putzer herbeilassen, die Preis« herabzudrücken. Die hierauf verlesene Abrechiiuiig von» 2. Quartal ergab eine Gesammteinnahme von 1945,59 M. und eine Ausgabe von 1589,56 M., somit ist ein Bestand von 355,94 M. vorhan oen. Auf Antrag der Revisoren ivurde der Kassirer einstimmig entlastet. A»b»>t«r-K»d„»osci>,nle. Tie Biblis»her i» der Nord schule, Brun neu st r. 36, ist vom 1. Juli ob bis auf weileres geschloffen: die»och au»- siehenden Bücher sind umgehend Tonner IlagS abends von yfi d>Z ',10 Uhr zurürtzuUesern. MUgltedibcUräge»veiden an diesem Zage in der Nord- schule enlgeg-ngenomniin, ebenso in folgenden Zahlstellen: Sotlfr. Schul,. Admiralstr.«da; Reu», Barnimstr,«3: Babiel, Nosenihalerstr, 67: Sletnerr, Müllerstr. 7a: Paul Mücke, Manteuffelstr.»33! H. Königs, Ticffeubachstr, 30. Alle Zuschriften stnd an den Boisthendcn Paul Mücke jr., SO. Man- teusselfir. Iis, Geldfendungsn an den Nnsstrer H. U ö n i g s, S. Dtesssnbachstr. so, zu senden. St'liilUr-�niigtvlmiib Divllii» u»d Umgegend. Vorsitzender Ad. Neninann, Grunnenstr. lso. ANe tlendernnge» Ii» i!!ere>»dknle»der f>»d z» rlchle» a» Friedrich Kortuni. Manleusselslr.«9, v. S Tr. Giuiid der oeleliinen Arl'citerverei»« Ä-rlln« ,»,» der Zlmgegend. Borsitzender P. Gent, Dresdenersir. 107/ios. Alis Znschriflen, den Vrretnikalender dslressend, sind on H Bend ix, Alexandrinenfirabe 100, z» richten. Arbeiter- NitncherMliid Kerlin» ,»>d drr tiinoeg-iid. Aenderungen im Bereinssalender sind z» richte» an Hermann Braunschweia. Dresdener- straße so, 9. Hos. Landsninnns'chaft der Schleswig. Nolss«>»»r- Heute, den 7. Juli. odends s� Uhr, in Feuersteins Festsälen, Alle Jakovsiraße 7ö: General- Versammlung, Eiiigcluiifciie Tnickschrifte». Ton der Gleichheit, Zciischrisl snr die Interessen der Arbeilerinnen(Stuttgart. I. H. W. Dictz' Verlag) ist uns soeben die Nr. 14 de« 7. Jahrgang« zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer hebe» wir herror: An die Leserinnen und Leser.— Wir kärnpsen für unser Recht.— Aus der De- ivegüng.— stur Debatte über meinen Vorschlag. Bon Lily Braun-Berli».— Feuilleton: Bcatrlce Wcbb.— Notizenlhcil von Lily Braun und Klara Zettln: Gewerkschaftliche Ardeilerinnen- Organisation.— Soziale Gesetzgebung.— Frauenarbeit aus dein Gebiete der Industrie, des Handels und Verkehrswesen«. — Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Frauenbewegung. Die„Gleichheit" erscheint alle i« Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen(eingetragen in der Reichspost- ZeitungsUsie für 1997 unter Nr. 2802) betrügt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld os Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Im Verlag von I H. W. D i c tz in Stuttgart sind von der«Zetchichte der D rllischr» Soziatdenlollraiie von Franz Mehring Hest II und>2 erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Zweiter Abschnitt. Die Märzrevolution und ihre Folgen. Kap. l. Tie Stasi nläinpse der deutschen RevolntiSn: 6. Krone und Junker. 7. Die Tragikomödie des Novembers. 8. Da« rebellische Kleinbürgerihum. o. TaS i evolutionäre Proletariat. Kap. II. Neue Rheinische Zeitung, i. Deutsche Politik. 2. Europäische Politik. S. Rheinische Agitation. Das komplete Werk wird ca.«8 Llcserungen a 20 Pf. umfassen. Der Preis ist so niedrig bemessen, wie er bei einem wisfcnschastlichcn Werke sonst kaum anzutreffen ist. Alic Buchhandlungen und Kolporteure nehmen Be- stellungen entgegen. Bon der„Iteuen Zeit"(Stuttgart, I. H. SB. Dietz' Verlag) ist soeben das «I. Heft d.« 18. Jahrgangs erfchlenen. Aus dem Inhalt hebe» wir hervor: Ein Bier-Ulk und ähnliches.— Die Anfänge des modernen Dramas, von Dr. Paul Ernst.— Industrie und Finanz. Von Theodor KapsluSz.(SchlUd.) — Zum Schutze der Arbeiterkinder. Von H.Vogel.— Notizen: Ueber Arbeits- leistnnge» und Arbeitslöhne im Jahre iss« in den französischen Steinkohlen- Bergwerken.— Literarische Rundschau.— Feuilleton: Symphonie. Bon Otto Ernst. Hamburg.(Schluß.) „ 5-0, inte Vlnri«, Zentralblatt für Sozialpolitik", enthält u. a. in ihrer neuesten Nr. so folgende Aussätze: Der Erntestreik In Ungarn. Von Handels- tammer-Sekretär Dr. E. R. I. Krescst.— Reform der landivirthschaftlichtn Ardeitsverhältnisse in Oesterreich. Jungczechische Anträge.— Deutsches Mar- aarinegesetz.— Bekämpfung sozialer Bestrebungen in Deutschland.— Der Muniztpal-SozialismuS in England. Von Ed. Bernstein.— Bergardeiier-Aus- stand int thüringischen Braunkohlenrevier.— Gewerkschaftliche Arbeitsstalistik des österreichischen BuchdruckgcwerbeS.— Achtstundentag im österreichischen Bergbau— Eeiverbc-Jnspeliion in Mecklenburg.— Der gegenwärtige Siand der WohnungSsrage in Deutschland. Bon vr. zur. St. v. Mangold i.— Verringerte Sterblichkeit in Londoner Muslerhäusern.— Verbot der Kinderarbeit in Gastwirthschaften für Hamburg.— Literarische Neu-ErscheintlUgen. lUtt, Krvue Sir. 27 vom 2. Juli 1887 hat folgenden Inhalt: I. Deutsch: 'KU. P Meisengriin: Zur Theorie der Kartelle. I. sv. Newald'" Revolution im Bilde. K. Mareiner: Zur Frage de« Kleinhandels. köpf: GtschäslSgeheimnisf«.— Miniaturbilder aus der Zeit. Die große >i«e Ill/IIL nahe Potsdamer Platz. Ilente«on'le tUglich: Stettiner Sänger (Mcysel. Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Zum Schluß: Kin liergniigter Anfang 8 Uhr. Eutree 39 Pf. 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Mittwoch, den 7. Jnli, abends 8Va Uhr, bei Weigel, Tttrrschmidtstr. 45: Venei'sIvvi'SsmnHiungm 8/7 T a g e s- O r d n u n g: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Bericht des Bibliothekars. 3. Wahl von Beitragssammlern. 4. Die letzte Konrmunalwahl und der „Rummelsburger Anzeiger". 5. Verschiedenes. Quittungsbnch legitimirt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Verbailiiher Fabrik-, Lülld-, Silssarbeiter u.-Arbeiterimlen Deutschlands(Zahlstelle Berlin). Donnerstag, 8. Juli, abends 8:/, Uhr, bei Bergmann, Pasewalkcrstr. 3 WM" Mitglieder-Uersammlung'MD Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Ad. H o s f ui a n n über„ModemeS Raub- ritterthum". 2. Diskussion. 3. BerbandSangelcgenheiten und Verschiedenes Kollegen! Agiiirt für besseren Bersammlungsbesnch. Gäste willkommen. 64/12 Die Bevollmächtigten. Achtung! BiF Achtung! Verein der Former. Sonnabend, den 40. Jnli 1897, abends SVa Ehr, im Vercinslokal, Btrtenstr.: Ordentliche halbjiihrliche Generalversiinimlnng Der wichtige» Dagcsordiiung halber sind alle Mitglieder hiermit ersucht, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. _ Per Vorstand. 1. 3(.; Alb. M e w e s. Achtung! Achtung! Irbeiter-Radfalirer. Zwecks Gründung einer Filiale dcS Arbeiter-Nadfahrcr-Bereins Berlin findet heute Abend, 8i/, Uhr, int Swinemünder Gcst'Ilschafts- Hans. Swinemünderltr. 42, eine Versamnilnng statt. Genossen dcö Nordens, welche gewillt sind, dieser Filiale beizutreten, sind dazu höflichst eingeladen. s263/7s Der Vorstand. I. A.: Max Kern, 1. Vors. Charlottenbnrg. ! kKsus'Vi»!' Wlüg» Beute, Blttn-oeh, den 7. Jnli, nbends S Ehr, Im Eokale„BlsiiiarckshUhc", Wllniersdorrcrstr. SO: Große öffentliche Versammlung TageS- Ordnung: 081/9 Die Errungenschafte» der Lohnbewegimg und Stellungnahme zu dem Verhalten etlicher Unternehmer. Kollegen: Erscheint zahlreich In der Versammlnng. _ I. A.; Der Vertranensmann. Der Landarbeiter nms vv tnav. ist«nv sein tnivh. Bon Eduard Adler. Preis 59 Pf. 136 Seiten Großoktav. Inhalt: Aus der Geschichte der ländlichen Arbeit. Die Entstehung der Landarbeiter. Die Erzeugung von Landarbeitern dauert fort. Der Landarbeiter in der heutigen Gesellschaft. Arbeitsverhältnisse und Einkommen in den verschiedenen Staaten Deutschlands. Die Sachsengänger. Was lehren die bisherigen Angabe»? Die Arbeitszeit. Das Recht der Landarbeiter(Die Geflnde-Ordnungen). Die Zukunft der Landarbeiter. Obige Broschüre ist für die Landagitation unentbehrlich. s20g6h Verlag der Gntenbcrg- Bnchdrnckerel Baiberstadt. Kommissionsverlag v. B. Baakc, Berlin, Clty-Passagc. _ Zu beziehe» durch alle Partei-Buchhandlungen. Dr.SiiwIfÄS.""" (früher Prinzenstr. 91) Spezialarzt f. Haut».Harnleiden.«.Vsttfufftm Betten, spottbillig 10-2, 5-7, Sonntags 10-2, g-l«ntlltll>iskl-,PfandleiheNeandcrstt.S. Olga Jacobson, Jn- Zelitrill-KraM- n. Sterbe» fujje der Tischler Oertlichc Verwaltung Berlin B. 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Schnlerzlofes Zielien eines od. mehrerer Zähne(Lachgas- od. Chloroformnarkose) im Beisein eines Arztes 0 Mark. Waläomar und Bsiuhoia Baupt, Brnniienstraste 18 H. Fraiikfnrterstrafie 113 II. Gliteil Verdienst verschaffen stch Personen jeden Standes durch Erwerbung von Sterbekaffen- u. Kinder-Versichernngen. Meldungen vorniittagö 9 bis 3 Uhr nachmittags im Bersicherunas- Bureau Berlin, Manerstr. 03— Oo parterre. 27ö4b Gut gehendes Barbiergeschnft ist weg. unheilbarer Leiden des Inhabers zu verkaufe». Adr. unter T. 1 m der Elp. d. Ztg. bis Freitag niederzuleg. Sahn-Akoliov. Künstl. Zähne in tadelloser Ans- jührung v. 3 M., Plomben v. 2 M. an. Schnlerzlos. Zahnziehen mitt. Cocain, Clorethnl, Chloroform und Lachgas unter Leitung eines prakt. Arzteö. Bei Bestellung v. künstl. Zähnen Zahn- ziehen, Zahnreinigen umsonst; Raten- Zahlung gestattet, Woche 1 M.*i Onckcl, Laust her Platz 2, Elsafferstraste 12, Steglitzersttaße 71,' 2. Ziehung d.!. Ksosse 197. Kgl.Piei'h. Lotterie. giftmig uom c. Juli 1897, BoraiiNag?. lilic die li'kwame ülar NO Marl sind drn dcttrffmdeu Siummmi in Parcnthrfc brigcfiigt. (Ohne Bewahr.) 208 28 82 449 670 87 9t 720 95 837 4332 476 624 766 86 2030 70 254 379 87 458 640 3077[100] 397 467 567[150] 651 708 41 51 980 4275 356 79 445 509 853 5035 239 433 60 72t 926[1001 6162 253 75[150] 409 94 635 719 41 89 882 7054 248 52 451 542 611 762 942 8060 67 395 405 67 704 75 98 890 94 97 0033 39 1100)»0 197 308 32 40 432 523 832 911 10059 87 93 125 52 908 47 60 1 1028 47 79 80 127 322 90 477 623 90 744 937 65 1 2000[100] 22 39 108 64 65 202 312[100] 54 505 1100] 741 921 64 13149 59 216 32 380 462 14277 429 512 701 42 839 53 959 81 82 1 5142 90 91 98 454 526 976 1 0005 107 89 210 365 90 444 665 733 811 91 17111 210 302 56 409 87 60 64 634 37 750 1 8148 85 241 70 490 811 932 1 0335 465 91 604 732[3001 844 50 909 13 80 20184 367 79 87 481 723 63 800 3 912 99 21 162 232 64 307 516 864 986 98 22044 55 535 617 54 91 895 914 64 1500) 28275 528 692 716 44 879 910(1001 21359 92 405 15 29 67 695 674 832 924 25075 127 90 354 427 502 35 813 901 20058 117 275 378 452 601 790 27387 659 79 87 707[300] 39 950 79 28360 903»9060[H/O] 819 28 86 433 791 80000 11 16 75 155 342 491 501 41 89 778 81146 219 805 82089 416 97 626 71 616 58 718 22 90 805 920 88286 92 562 887 928 70[100] 841)2 67 97 280 375 [ICK)] 435 518 54 86 840 903 37 85112 209 48 58[100] 355 568 639 55(100] 92 814 43 70 953 30164 95 326 28 405 526 82 744 54 88 87126 213 692 763 83 864 88007 419 83 579 692 716 69 960 89026 132 269 80 379 619 45[100] 91 757 76 807 43 74.„„ 40048 110 222 73 361 79 482 89 94 559 70 708 41003 431 979 42186 282 314 52 470 526 618 774 843 48081 148 28i) 411 82 533 668 779 1200] 836 55 44119 706 30 78 858 945 97 45011(100] 65 221 88 888 517 19 95 684 40013 91 99 333 81 429 534 637 1100) 78 708 819 41 68 87 962 47230 457 61 512 911 35 48099 J91 200 60 381 460 622 666 724 856 90 939 49032 48 2905O046<)192 231 50 91 478 612 664 69 010 89 51056 133 1200] 67 203 16 51 401 51 90 681 687 6 2020 58 169 Mg 381 528 31 612 869 86 5II093 264 1150' 70 152 H50J 443 606 56 62 791 64054 802 79 97 463 596 604 22 778 931[1001 55015 201 36[100] 589 690 790 897 6«0o0 18 102 879 414 723 863 944 57098 141 283 99 383 89 442 580 833[160] 904 88 60 58225 95 305 82 478 638 99 763 85 854 69 907 10 50342 85 92 514 t'00««°97 652 69 841«1069 175 485 749 72 804 80 «2209 48 612 4« 55 80 616 47 889 941«»190 92 545 88 822 943 51082 106 295 346 644 90 783 876«50 86 208 17 26 413 813 89 951 79 94«0033 171 498 969 «7090 98 fl2 307 403 520 684 820 58 955 08380 83 «0 46 51 78 724 934 38 09017 117 40 320 446 93[100] mwmm 668 92 712 34 967 71046 219 801 954 72038-84 319 502 620 68 722 47 864 73099 243 94 378 86 410 36 40 52 83 673 961 74051 228[200] 398 429 35 506 25 80 665 725 42 75142 211 714 830 70064 104 8 11 240 88 375 95 703 47 67 884 77053 103 259 608 74 602 24 27 46 80 82 802 28 47 910 80 78035 103 230 308 521 6 M 39 809 950 70193 429 75 542 97 836 ÄÄ-i|ao.02 20 288 819 498 612 76 606 56 708 9 868 962 81026 15474 94 286 857 496 529 870 929 ,<22025 190 215[1501 35292 407 503/ 8 693 8fl077 1?2 315 548 602 11 100 27 700 72 76 84144 409 45 54 632 76 733 34 60 972 85026 156 312 532 48 71 713 31 «K»24 56 86168 88 236 62 330 434 586 624 57[1001 «6 78 87050 251 303 11[150] 446 715 88040 200 2 92 327 94 665 742 980 80100 62 92 308 74 92 481 567 69 O«m96579[1001 125 366 496 506[100] 15 601 939 Ol 048 68 352 85 518 83 733 88 816 917 92031 129 550 «91 74[5001 746 947 03027 467 525 760 832 94003 177 268 436 44 688 flOOl 861 982»5137 248 821 39 41 65 90� 9 15 OC184 312 597 721 857 919 61 71 07041 127 363 69 84 419 43 692 761 806 70 98095 218 55 869 84 913 24 29 99078 196 237 374 468[100] 770 845 100237 44 349 610 953 101007 71 112.82 220 31 1O5110 29 66 341 501 61 641 96 711800 924 48 106070 f?« 270 401 80 633 92 793 807[100] Gl 95[150] 107115 all 421 624 85 792[100] 888[100] 933 36 39 65 108220 43 56 88 429 32 659 86 627 763 679 100024 104 23 38 96 507 712 8U 44 894 110123 307 475 601[150] 924 58 111148 346 491 505 47., 2088 177 422 509 90 623 797 999 llS'UG 89 185 333 551«145 812 17 957 1 14 9- 447 798 870 935 ,15092 91 180 293 346 535 681 701 023 110027 212 335[100] 43 433 8:6 117060 140 268-388 98 718 78 86 907 10 1 18312 454 632 43 784 119107 229 819 431 652 740 855 95 120008 173 206 13 71 362 64 406 11501 41 58 550 84(IOd) 707 802 121083 36 203 71 72 431 120i)| 82 508 632 1150) 71 96 816 122111 37 232 43 343 431 39 613 11001 42 87 946 1 23021 117 326 565 602 94 983 1 2 1006 14 50 266 302[1001 56 417 61 521 746 802 904 57 125058 145 236 36! 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L.Zikhiliist d. t. Ksstsse 197. ttsts.PreiH. Lotterie. Z'chunz vom 5 J'ili 1107, Slaqmiilage. Nur die Siewinnc über<10 Marl sind den deireffeadev Nummern in Parenihese beigefügt. (Ohne Gewahr.) 114 80 248 334 703 77 1410 71 706 811 57 98 916 27 51 54 56 2054 117 411 63 747 57»080 270 89 374 413 31 509 79 743 4021 416 44 562 75 605 37 847 5116 322 4(is 10 31 522 97 706 55 79 831«159 95 508 648 57 739 818 70 7357 647 SX74 97 350 84 480 659 0070 327 427 43 615 45 76 84(300] 89 929 58 83 10005 131 327 447 573 678 891 926 43 70[1501 95 1 1069 100 1100) 284 417 28 79«27 703[300] 10 823 43 97» 121(26 197 273 412 636 738 72 916«9 98 I»(58 257 552 63» 785 800 33 93« 14116 265 70 73 78 86 334 53» 741 6! 912>50'>5[100' 5« 199 202[100] 392«54 93 713 849 984 90 92 10043 2,2 318 430 770 73 972 17052 235 85 391 496 812 984 IS004 243 410 764 808 916 40 1006« 93 124 269 455 515 642 779 865[100] 91 983 41)541 68 8« 92 625 702«2 833 958 21007 196 265 (100 634 749 97«[100] 22010 132 66 69 4«7 89 56 t 813 996■»»207[ISO] 360 432[100] 40 696 769 916 75 24017 1150] 48[100] 4» 192[2001 96 99 227 442 813 603 85 76 758 891 25008 20 43 171 265 432 501 24[100] 622[100] 795 805 33 52 20035 37 139 230 40 554 1150J 720 30 27923 26 28197 494 622 660 64 733 802 75 934 29289 506 73 757 »0001>229 588 659 850 925 31020 57[100] 84 107 28t 84 38« 90 93 401 73 529 616 799 809 991»2059 137 97 212 381«38 745 829 901 28«9»»035 154 226 «« 347 57 80 518 27 98 679 97 714 995»1046 75 95 137 62 222 78 82 300 4 567 627 732 954 33(62 92 2u0 »0012 235 409 30 820 9ol 57»7093 116 19 51 60 97 24« 54 65 364 97 448 59 95 521 46 733 930 38010 89 254 399 453 518 37 90 922 30429 85 86 650 55 94 613 77 40328 94 413 24 41026 82 91 224 58 84 378 472 509 «14 756 810 42025 6» 64 129 54 376 444 91 530 33 603 893 034 43009 24 62 220 34 332 415 65 541 678 843[100] 920 55 44191 263 375 590 671 873 907 45013 263 66 405 697[1001 40059 338 89 405 84[100] 528 601 29 55 829 47101 245 402 38 769 931 48288 377 95 650 401«0 88 92 221 81 95 336 63(100) 544 686[100] 929 50190 319 471 553 98 603 754«0[100] 54093 243 87 521 59 52-114 38 4552 81 689 709 814 905 30 34(100] 96 53305 11 84 566 690 829 86 5 4034 200 503 659 79 855 55002 79 170 216 51 97 825 75 80 933 52 75 60064 172 2, 9 23 46 556 94 644 847 57010 465 606 11 738 861 973 58117 49 97 422 52 8» 553 99 600 32 750 81 880 918 79 50067 104 84 656 839 ODO 84 98 207[150] 341 67 442 520 25 643 61 807 981 0 1 079 259 66 317 5.32 612 02118 90 354 551 686 87 754 74«»>(76 493 578»05 24 730 837«4128 247 06 330 71 84 88 460 693 898 968«5036[300] 237 85 382 565 737 827 961«0118 271 322 606 739 884 938 92 «7037 84 186 317 489 620 23 795 985 99«S103 35 312 57» 732 58 863 73 971«0076 128 217 329 404 699 8�3 938 70190[100] 203 18 311 435[150] 45 635 756 77 830 949 71019 25[100] 131 256 96 313 82 539 746 973 72174 564 88 829 992 7»067 219 84 99 423 574 867 74056 80 181 242 450 624 831 90 75159 351 88 536 83 C5'( 701 973«5 70091 2«4 836 50 415 756 832 923 77194 205(200) 99 483 556 67[100] 634 906 7)4174 94[100] 305 49 flOO) 55 432 44 776 70290 565 931 44 «4)010 252 352 559 870 HI306 46 72 91 400 534 617 42 1100] 43 745 8.6 94 939 47 55 82164 2 2 379 710 34 54 74 Sil 8.1217 430 51 691 84034 114 49 ,8 311 14 26 35 656(.98«39»1 915 60 85280 418 559 80105 32 238 47 323 64 87 608 644 701 85 829 31 82 971 87014 373 435 780 864 88071 116 67 290 659 739 872 91[100! 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'««rnnlwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnseralencheil verantwortlich: Tl,. Glokte i» Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.