Ur. 157. Adomumeitts-Kedingungen: SbonnementZ- Preis pränumerando: SZierteljahrl. 3,30 SDlt, monatl. 1,10 ÜJlt., Ivöchenllich 28 Pfg. frei WS HauZ. Sinzeine Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftrirter Sonntags- Beilage„Tie Neue Well" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für 1SS7 unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, erscheint täglich außer Montag». - Vevttnev VolkSblskk. 14. Jahrg. Die Dnsertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- «eile oder deren Raum 40 Psg., für. BereinS- und BersammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags in der Srpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher:»ml I, vr. 1303. Telegramm-Adrefse: „So>ialdrmostrat Serlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Menty-Straße 2. ß-pedition: SW. 19, Jlettty-Strnße 3; Der Vuin Dvikiph�Fndiens') Kaum sind die Jubiläumsfeste zu Ende, auS Indien die Nachrichten von H. M. H y n d m a n. so kommen uns von liefer Unzufriedenheit und Bewegung in Indien, von den Mordthaten in Punah, und von dem Aufruhr in Kalkutta und Tschitpur. Diese Nach richten sind nicht überraschend. Zu verwundern ist, daß Indien noch so ruhig ist, denn es herrscht dort eine er- schreckliche Unterdrückung bei entsetzlichen Zuständen, unter denen das große Reich leidet. Indien, nicht Irland, war der Geist Banko's, der bei den Jubiläums-Festen mit an der Tafel saß. Die englische Presse, selbst die liberale, hat in bezug aufJndien sich der Verschwörung des Schweigensschuldig gemacht. Ter Ruin unserer größten Kolonie wird methodisch todtgeschwiegen. Die Aristokratie und die Bourgeoisie sind an der Aufrecht- erhaltuug der jetzigen Schaudwirthschaft direkt interessirt, und die Presse ist darum verpflichtet, die Wahrheit zu fälschen oder zu verbergen. Vor fast 20 Jahren schon habe ich in dem „Nineteeiith Century", in der„Times", in der„Poll Mall Gazette" und in anderen Blättern die Katastrophe voraus� gesagt, die jetzt hereinzubrechen droht. Und ich halte es für sehr wichtig, daß unsere Freunde auf dem Kontinent es wissen, warum die englische Herrschaft in Indien, unter den gegenwärtigen Zuständen, den völligen Untergang des Landes herbeiführt. Unter der Botmäßigkeit der indischen Regierung befinden sich 250 Millionen Menschen. Das Elend, in dem diese 250 Millionen leben, übertrifft alles, was irgendwo sonst auf unserem Planeten vorkommt. Die jährliche Gesammtproduktion Indiens— in Land wirthfchaft und Industrie— beträgt 250 Millionen Pfund Sterling, d. h. 5000 Mtll. Mark. TaS Jahreseinkommen be- läuft sich also auf nicht niehr als 1 Pfd. Sterl. oder 20 M. für den Kops. Und dies ist vermuthlich eine Schätzung, die noch über die Wirklichkeit hinausgeht. Diese 250 Millionen Menschen leben auf einer angebauten Bodeufläche von 155 Millionen Aren, oder 7 750 000 Hektaren; und der größere Theil dieses Landes trägt Pflanzen, die nicht zur Nahrung dienen. Aus dieser Maffe von Unglücklichen ziehen wir Engländer jedes Jahr und ohne irgend eine Vergütung, die ungeheuere Summe von 30 Millionen Pfund Sterling, oder 600 Millionen Mark jährlich. Und der Leser muß dabei bedenken, daß der Werth des Silbers— in Indien zirkulirt bekanntlich meist Silbergeld— in den letzten 20 Jahren um die Hälfte gesunken ist, so daß die Ziffer also thatsächlich eine weit höhere Summe darstellt. Ein solcher Tribut, der Jahr ans Jahr ein außer Landes geholt wurde, müßte selbst das reichste Volk zu gründe richten. Welche Wirkung er auf Indien gehabt hat, das werden wir sehen. Seit der letzten großen Hungersnolh von 1876—1879 haben wir aus Indien, wenn wir die jährlichen Ziffern zu- sammenzählen, über 500 Milliolien Pfund Sterling oder 10 000— zehntausend! Millionen Mark gezogen. Diese un- geheure Summe wurde den Hilfsmitteln Britisch-Jndieus ent- zogen, um Zinsen, Pensionen, Reuten und die zivildicustlichen und militärischen Ausgaben von Engländern im Mutterland zu bezahlen. Wenn dieses Geld zu Verbesserungen in Indien verwandt worden wäre, gäbe es heute dort keine Hungersnolh. Außerdem hat Indien seit der letzten großen Hungers- noth an andere Europäer nicht weniger als 100 Millioueit Pfund Sterling oder 2000 Millionen Mark bezahlt: und des weiteren sind in diesem Zeilraum 714 Piilliouen Rupien, d. h. 50 Millionen Pfund Sterling, oder 1000 Millionen Mark für militärische Greuz-Erpcditiouen bezahlt worden, über welche das indische Volk keine Kontrolle hat. Diese übermäßige„Europäisiruug", diese unfinnigen militärischen Ausgaben, und vor allem jeuer entsetzliche Jahres- tribut von 30 Milliolien Pfund Sterling haben die jetzige gräßliche Hungersnoth geschaffen— die gräßlichste, unter der Indien bisher gelitten hat. Wie gesagt, schon vor 20 Jahren habe ich die furchtbare Katastrophe vorausgesagt, die wir jetzt in ihrer ganzen Ans- dehuung übersehen. Damals schickte die Regierung unseren berühmtesten Astronomen, Sir James Caird, nach Indien, um als Spezialkommiffar die Lage der Tinge zu untersuchen. Vor seiner Abreise hatte ich mit Sir James Caird über die Ursachen der Hungersnoth eine kurze Polemik in der „Times", wobei ich den jetzt von mir vertretenen Standpunkt einnahm, er einen entgegengesetzten. Sosort nach seiner Rückkehr anS Indien besuchte mich Sir James Caird in meiner Wohnung, in Davonshire Street, und sagte mir ohne Umschweife:„Sie haben absolut recht. Herr Hyndman; wir sind im Begriff, eine furchtbare Katastrophe vorzubereiten." Und diese Aeußerung hat er seinem amtlichen Bericht einverleibt. Der Boden Indiens ist durch ein solches System erschöpft, und trotzdem verniehrt die Bevölkerung sich fortwährend. Auch diese Thatsache ist durch Sir James Caird festgestellt. Die Folge ist, daß die Zahl derer, die Hungers sterben, von Jahr zu"Jahr zunimmt. Die anitlichen Statistiker erklären, daß gegenivärtig 80 Millionen— meiner Schätzung ') Aus der„Petite Nepnbliqne" übersetzt. nach sind es 120 Millionen— Hindus nicht im stände sind, sich jemals satt zu essen. Die Hungersnoth ist thatsächlich in Per- m a n e n z,»nd wenn die Menschen nicht Millionen- weise st e r b e n, wie das jetzt der Fall ist, spricht die Re- gierung garuicht von der Hungersnoth. Ob etliche Zehn- tausende Hungers sterben, damit der 30 Diillionen- Tribut bezahlt werden kann, was liegt daran? Man redet uns vor, wir hätten ja die Eisenbahnen in Indien gebaut, und das sei eine große Wohlthat für das Land. Aber unter dem herrschenden System sind diese Eisenbahnen nur große Säugpumpen, um die Reichthnmer des Landes iu die Taschen der Engländer zu schütten. Ucberdies sind die Kosten des Baues schon im Voraus von den Indien» bezahlt worden, denen wir nur einen Theil ihres Reichthums zurück- gegeben haben, um die Eisenbahnen zu erbauen, und die wir obendrein die Zinsen des Kapilals bezahlen lassen, das sie uns vorgestreckt haben. Man begreift, wie die Ansbeutuug Indiens dadurch noch intensiver gemacht ist, daß ivir den Jndiern Geld auf Zinsen leihen, das wir von ihnen selbst genommen haben. Kein Zweifel, die Engländer sind schuld an der Hungers- noth Britisch-Jndiens. Der beste Beweis hierfür ist, daß die großen indischen Vassallenstaaten mit zusammen 50 Millioneli Einwohnern keine Hungersnoth haben. Alle diese Staaten haben dieselben klimatischen und geographischen Bedinguugeu.wie die sie umgebenden, unter britischer Bolmäßigkeit stehenden Theile Indiens. Warum haben diese Staaten trotz der Dürre und Mißernte nicht unter einer Hnngersuoth zu leiden? Wie kommt es, daß ihre Eiuwohner, obgleich die Bewohner mehr einheimische Stenern zu zahlen haben als die britischen Unter- thauen, sich doch in weit besserer Lage befinden? Jeden- falls deshalb, weil sie nickt den verderblichen Forde- riingen der übermäßigen„Eliropäisirung" der ganzen öffentlichen Verwaltung ausgesetzt sind, unter der die Be- wohner des britischen Gebiets zn leiden haben. All das ist dem Lord Salisbury, dem Herzog von Devon- shire und den anderen Milgliedern des TorykabinetS ebenso gut bekannt mie mir selbst. Aber sie richlen Indien lieber zn gründe, als daß sie den Haß der eug'Wnt Kapitalistcuklaffe auf sich laden. Ich habe berechnet, daß nicht weniger als zehn Millionen Hindns im Laufe der gegen- wältigen Hungersnoth gestorben sind oder noch sterben werden. Tie Zahl der in diesem Augenblick bei den sogenannten Uulerstntznuasarbciten be- schäfligten Leute ist vier M i l l i o n e u— die höchste Ziffer, die bisher erreicht wurde. Ter Huugerlod von zehn Millionen menschlichen Wesen ist durch unser ökonomisches und politisches System nicht mittelbar, sondern unmittelbar verursacht. Als Engländer— der beiläufig durchaus kein prinzipieller Gegner kolonialer Expansion kAliSdehnnug) Englands ist— erhebe ich nochmals feierlichen Prolest gegen die Niederträchtig- ketten, welche von den herrschenden Klassen im Namen des englischen Volks in Indien verübt werden. Wenn jemals eine Volkserhebung be- rechtigt iv ar, so ist es die gegentv artige Er- Hebung Britisch-Jndiens. Puft und Eisenbahn. In dein Programm, welches konservative Blätter wie„Post" und„Krenz-Zeitung" dem neuen Slaaisiekretär der Post nnl aus seinen Hnsarcnritt geben, spielt die„stienge Jtuseinnndersetznng zwischen Retchspon und den belbeiliglen denitchen Eisenbahnen" die größte Rolle. Ohne die unenigelttiche» Dienste der Eisenbahnen wurde, so sagt tnan, die Postverwallnng nicht allem ans de» billigen V0 Pf.- Tarif für 5 Kilo- Packele verzichten müssen. sondern ihr Ueberschnß würde ficd noch in ein Defizit verwandeln. Erst ivenn die Post ans eigenen Füßen stehe und ihre Finanzlage klar sei, würde man an Verkehrs- erleich lerunge», Verbesserungen und Tarifermäßigungeu denken können. Eher nicht. Den konservativen Partelen, die sich als die Mortfübrer dieser Ansichten und Bestrebungen gefallen, ist die Bestiuiwuiig des Eisen- bahn- Postgesetzes ein Dorn im Auge, welche die Eisenbahn ver- pflichtet, in jedem fahrplanmäßigen Zuge eine» Post- wagen kostenfrei zu befördern. Fast in zedem Fahre, sowohl bei Beratbung des Postetats im Reichstage als des Eilenbahnelats im preußischen Abgeordneienbause, erheben sie ihre Etunme» aus Be« scitignng dieses Paragraphen. Die letztere gesetzgebende Körperschaft ging im Februar 1893 iogar so weit, in einer Resolution die Staatsregierung zu ersuchen, erstens dem Landtage alljährlich eine Berechnung der AnSgat-en für den postalischen Transpoitdienst nach Maßgabe der bereits im Jabre ISS4 ausgestellte» Rechnung vorzulegen; zweitens mit dem Reichskanzler ivegen Aendernng des Eisenbahn-Postgesetzes voni 20. Dezen-ber 1875 im Sinne einer Erhöhung der von der Reichs-Postvertvaltung für den Eisenbahn- Transport der Postsendungeu zu zahlende» Vergütungen in Ver- haildlnng zu treten. Dem ersten Theil diese? BeschlnsieS hat die StaatSregiernng Folge gegeben, dem zweiten nicht— noch nicht, möchte man sagen. Denn was nicht ist, kann noch werden. Es wäre doch höchst sonder- bar, wenn Herr o. Miqnel in seinem Bestreben, seine Schätze zu mehrell, sich eine solche Gelegenheil entgehen ließe. Vielleicht war also nur der Augenblick noch nicht günstig genug. Ihren Einnahme- Ausfall hat die preußische Eisenbahn-Verwallung tür 1892/03 mit rund 24, für 1893/94 mit rund 23 Millionen Mark angegeben. anerkannt, sondern nur eine Zahl gellen lassen wollen, die in einem kontradiktorischen Verfahren sestgestellt wäre. Diejenigen, die jetzt das Reich an Preußen tributpflichtig machen möchten, vergessen den historische» Enlivickelnngsgang ganz voll- ständig. Besonders übersehen sie, daß die Post ihr Regal: die Personenbesörderung ohne Entschädigung an die Bahnen abgetreten und sich nur eine Reihe»nentgelllicher Leistungen zu dem Zwecke ausbedungen hat, um bei mäßigen Tarifen dem am Post- verkehr beiheiligten Publikum schnelle und häufige Besördertmg seiner Korrespondenz bieten zu können. Hätte der Staat den Bau der Bahnen selbst betrieben und die Beförderung der Passagiere und Sachen nicht aus der Hand gegeben, so läge beute der Eisenbahn- Dienst in den Händen der Post, die bis dahin, wie gesagt, die Personenbeförderung als Regal intte hatte, und der Staat hätte seine 5000 Millionen für den Ankauf der Bahnen in der Tasche be- ballen. Abgesehen hiervon werden aber die Klagen der Konservativen durch die Gegenklage widerlegt, daß die Post zn gttnsten anderer Bebörden und Personen große Lasten trägt: Per- trieb der Marken für die Unfall- und Allersverfichernng, Ans« mhlung der Renten tc., Porto Ermäßigniig für Soldaten- k. Sendnuge», portofreie Beförderung der Sendungen in Militär-, Marine-, Btmdcsraths-:c. Angelegenheiteii. Allein der Ausfall, der der Post durch das Portosreiheitswesen entsteht, wird von ihr ans jährlich 10 Millionen Mark veranschlagt. Und in dieser Summe scheinen die Kosten noch nicht enthalte» zu sein, die durch die Porto- sreiheit der Seiidmigen der regierenden deutschen Fürsten, deren Weinahlinnen und Wittwe», sowohl abgehende wie ankommende Brief- und Packctsendtinge», der Post entstehen,— wenigstens er- wähnte Herr v. Stephen in seiner bez. Ausführung diesen Punkt nicht. Was aber alles ans Konto dieser fürstlichen Poriosrcihcit zu setzen ist. wie diese Porlobefreiuitg ansgemitzt wird in einer die privaten Erivcrbskieise direkt schädigenden Weise, wie alle E>zengnisse der Laudwiribschast, des GarteubanS sc., von Bade Ingredienzien bis zum sürstlich fchanmbnrgischen Rahmkäse, nnler der Pottosreiheit gehen, daS haben die Rnchstags-Ber- haiidliitigcn vom 30. Januar d. I klar gezeigt. Hier hat also da- Reich umfangreiche Leistmigen nicht etwa für das GesniiiNiiwohl, sonder» für private Angelegenheiten einzelner Personen. Und als der freisinnige Antrag— nicht etwa ans Alts- Hebung der fürstlichen Poitosreiheilen, sondern nur onf Besckrän- lung derselben ans die Person der regierenden Fürsten im Reichs- Inge zur Berathnng stand,— wer war es, der dagegen stimmte und das Reich auch weiterhin zu Benefizien für die lange Reihe der sürstticheii Personen verpflichten wollte? Dieselben Parteien, die jetzt Preußen von Leistungen befreien wollen, die durch Hingabe des Regals notbwendig geworden sind. Alle diese Gegengrünte wiegen aber für die Gesatniniheit de? deutschen Volkes noch verbälinißmäßig leicht. Geht man der Sache auf den Grnnd, so stellt sich die überraschende Thalsache heraus, daß die Post, wenn sie tiur den finanziellen Gesichtepniikt heranskehren wollte, an der Beibehalttmg des unentgetttichen Beförderttiigsdienstes gar kein besonderes Interesse hat, sondern daß dieses Jiiteresse lediglich ans der Seile des deiitschen Polles zu suchen ist. Denn die deutsche Post benutzt gerade infolge der unentgeltlichen Beförderung eine große Anzahl von Zügen, die sie ebenso gut entbehren könnte. T as wird an eiiiein Vergleich sofort klar. Nehmen wir England. Ans die englische Post und ihren jährlichen Ueberschnß von sechzig MiNio»«» Mark vetweiscn alte Kritiker des jetzigen Ztistandes mit Vorliebe; und auch Prozessor G Cohn konstaiirl dies(in Schmoller's Jahrbuch, XVlII, 4. S. 52), indem er hervorhebt, daß die englische Post sich von deu Eisenbahnen gar nichts schenken läßt. We ist das Niögtich? Tadurch, daß die deutsche Post eine bedeutend größere Anzahl von Zügen benutzt als England. Allein Berlin mit seinen Millionen Ein- wohueru benutzt eine fast dreifach so hohe Zahl als London mit seinen 5 Millionen. Kommt Eugla, b mit seinem hochentwickelten Verkehr nnb mit seinem auch pro Kopf stärkeren Briefverkchr, also mit einer weit geringeren Anzahl von Zügen ans, so leuchtet ein, daß die deutsche Post eine große Anzahl von Zügen völlig fallen lasse» könnte und mit der Halste immer noch der englischen Post voran wäre. U»d so ist eS. Die Mehrzahl der TageS-Personenzüge sind, wie jeder Fachmann weiß, so schwach mit Postsendiingen belastet, daß sie iin Falle der Bezahlung sicher nnbenützi bleiben würden. Ungeheure Eisparnisse würden die Folge sein: Vmingernng der Briesbestelinnge» und des Bcstaudes an Brstellpersonal, Weg- fall zahlreicher Fahrten von»> d zn den Bahnhöfen, Vmninderting der Begletlniannschaflen der Bahuposte», des Personals ans deu Bahnhöfe», der theneren Bahnpostwagen; Wegfall der jetzigen Zer- lplitterung des Posi-SpebiiionSgeschäfts und bessere Aitsnutznng der Kräfte, der Befölderungi mitlel ans Elsenbahnett und Landwegen, größere Etniiahmen an Telegramm- und Tclcphongebühren sc. sc. Reduzirt sich bei Benntzung der Hälfte der Züge die an die Eisen- bahn zahlbare Einnnie schon aus 12 Millionen, so ist sicher, daß die Post das doppelte an Ausgaben weniger kälte. Nein,— die Post arbeitet nicht mit Drsizit. Und das„Ge- schenk", welches die Eisenbahn der Post machen soll, macht sie nicht dieser, sondern den breiten Schichten des die Post benutzenden ublikunts— wenn nmu das ei» Geschenk nennen kann, was dem esammtivodl zum Nutzen gereicht. Aber freilich, die Junker und Jnnkeigeuossen haben noch niemals die vornehmste Aufgabe des Staates und der Slaalsaiistalten darin erblickt, dem Gesanimtwohl zu dienen. Und so werden sie auch weiter mit ihrer falschen Dar- siellung hausiren gehen._ politische Mebeichchk. Berlin, 8. Juli. Etagen der WirthsckjaftSgesetzgebnng, Steuer-, Zoll-, Bankfragen werden mit recht in engstem Zusammen- hange mit den jüngsten und den kommenden Personen» Veränderungen in den höchsten Reichsämtern distntirt. Konser- vative, liberale und ganz schüchtern auch offiziöse Zeitungen betheiligen sich an der Debatte. Was Herr von Podbielski will, ist ans seiner im Postamtsblatts veröffentlichten Antrittserklärnng und aus dem in der„Nordd. Jedoch hat die Postverwaltimg diese Berechnung als richtig niemals I Allg. Ztg." gegen die„Kreuz-Ztg." gerichteten Dementi nicht ;»« erkennen, vennuthlich weiß Herr v. Podbielski selbst noch nicht, was er eigentlich im Reichs-Postamte will. Ganz wohi aveiß aber Herr Miqnel, was er will und was er soll. Er will seinen alten Stcncvplcmcir zum Dnrchbruche verhelfen und er soll so viel Geld schaffen, um Herrn Tirpitz' Phantasie die Möglichkeit zu schaffen, in vollster Uferlosigkeit plätschern zu können. Trotz des glänzenden Standes unserer Reichsfinanzen, trotz der kolossalen Neberschüsse, die Preußen und andere Bundesstaaten zu verzeichnen haben, sollen die alten Miqnel- schen Reichs-Finanzreform-Pläne wieder ausgegraben werden. »Der Reiclistag hat freilich in sachlicher Kritik die Miquel'schen Steuerphantasien bösartig zerzaust und das Volk und der Reichstag haben in unzweideutigen Abstimmungen dargelegt, daß sie voir diesen Projekten nichts wissen wollen, und die Erfahrung endlich hat gezeigt, daß die verwirklichte einzige Miqiiel'sche Reichs- Steuerreform, die Börsenstencr, elendiglich hinter den Erwartungen zurück- geblieben ist, trotzdem soll wieder mit den, nur zu bekannten Stenerbouqnet aufgewartet werden. Dies geht wenigstens aus der folgenden augenscheinlich offiziösen Kundgebung der„Rordd. Allg. Ztg." hervor, die da schreibt: Die Vehauptung einzelner Blätter, die Berufung des badischen Finanzministcrs Bnchenberger an die Spitze des Reichs. Schatz- aintes sei an Meimmgsvcrschiedenbeiten wegen der Llcichs-Finauz. reform gescheitert, richtet sich für jede» von selbst, der die Geschichte des Miquel'schen Entwurfs für die Reichs- Finanzr eform kennt und sich an die Einmiithigkeit erinnert, in der sich hierbei alle Bundesregierungen zusaiumenfanden. Die Ablehnung deS Herr» Bnchenberger erfolgte lediglich aus Gründen. die in seinen persönliche» Aerhnllnissen liegen. Was aber die prinzipielle Seite der Sache betrifft, hat die sehr wahrscheinlich gewordene Berufung des Freiherr» v. Thielnian» in Washington, wie die„Post" schon zu dieser Kandidatur bemerkt hatte, dieselbe handelspolitische Signatur wie die des Herr» Bnchenberger. Ganz klar ist die Notiz nicht, die Klarheit hat ja aber imich noch nie zu den Eigenthümlichkeiten der„Nordd. Allg. Ztg." und des Offiziösenthums gehört; in der vorstehenden Kund- gebung wird Reichsfinanzreform und Handelspolitik zu- sammengeworfen, als ob dies für irgend jemanden— von den politischen Ockonomen der„Nordd. Allgcm. Ztg." etwa abgesehen— das gleiche wäre. Wenn wir das norddeutsche allgemeine in's deutsche übersetzen, so dürfte gemeint sein, daß Freiherr von Thielmann, dessen Erneunung zum Reichs schatzsckretär übrigens schon vollzogen sein soll, im Reiche Herrn von Miquel's willfähriger Handlanger sein ivird, daß er aber zu einer Handelspolitik im Interesse der Agrarier die Hand nicht bieten wird. Tie Ernennung des Herrn v. Thielmann wird auf die Ostelbier»ach ihren Freuden- rauschen ivieder etwas ernüchternd wirken. Die arme„Kon- servative Korrespondenz", die sich noch soeben über die Nörgler entrüstet hat, welche über neue Minister trotz des Ernennungsrechtes der Krone zu urtheilcn wagten, wird nun wieder andere Seiten aufziehen, denn Herr v. Thielmann, der zwar ein preußischer Minister sein wird, wie alle anderen, ist doch kein Mann nach dem Geschmacke der Ostelbier. Nicht ans Posen oder Pnttkamernn oder aus sonst einer rück- ständigen Gegend wird der Nachfolger des ans Posen hierher berufenen Posadowsky geholt. Der Mann ge- hört zu denen, die lesen und schreiben können, die nicht mit der Verachtung für moderne Bildung und moderne Wirthschaftsverhällmsse zu prunken verstehen. Er kennt die Welt und hat sie stndirt, er hat niit Sachkunde das Deutsche Reich auf dem internationalen Währnngs- kongreß von 1881 vertreten und dabei, weinet Agrarierweiber, die Anerkennung des-j-f-f- Ludwig Bamberger als Verfechter der Goldwährung erworben, er hat ferner ein Hanptvcrdicnst an dem Zustandekommen der unter Caprivi abgeschlossenen Handelsverträge, er wird ivohl auch kaum bereit sein, die liicichsbank durch eine Verstaatlichnng den Agrariern aus- zuliescrn/) Herrn v. Thielmann's Ernennung wird sicherlich Balsam ans die Thräncndrüsen unserer Liberalen träufeln. Wir bleiben auch dieser Ernennung gegenüber kühl bis ans Herz. Dies muß heute mehr denn je für den kühlen Politiker Vorsatz werden. Lassen doch die Personenveränderungen auf den ein- zuschlagenden Kurs keinerlei festen Schluß z». Herr v. Podbielski ist ein Junker, ein Agrarier, ein Tentschkouservativer, ein Ost- clbier vom reinsten Wasser, er war stets gegen die Handels- vertragspolitik, gegen Verkchrserleichterungen, für die Ans- bildnng deS indirekten Steuersystems, für eine Bankpolitik, welche der Reichsbank die Aufgabe zuweist, durch möglichst leichte Kreditgewährung an die Großgrundbesitzer die Roth der Landivirthschaft zu lindern. Und kaum ist 8 Tage lang Herr v. Podbielski zum Erstannen aller deutschen Staatsbürger innerhalb und außerhalb des Postdieiistes Staatssekretär für das Reichspostamt, da erhält er in dem miiidestens gleichwichtigen Reichsschatzamt einen Kollegen, der seiner ganzen Entwickelnng, seinem ganzen Lebensgange wie seiner wirthschastlichen Anschan- ungen nach sein direkter Gegenfüßler sein muß. Nim freilich Herr v. Podbielski ist Soldat und als solcher kann er füglich auch anders, und Herr v. Thielmann ist preußischer Bureaukrat und diese können bekanntlich auch anders. Und wer heute sich auf ein Urtheil über die Situation einrichten wollte, könnte morgen wieder durch eine neue über- raschende Ernennung Lügen gestraft werden. Tauchen doch, obgleich man nicht weiß, welches Amt neu besetzt werden soll, immer neue Mimsterkaiididateii auf, so heute wieder einmal die Namen des Reichstags- Abgeordneten v. Eamp und des rcichsländischen Unterstaatssekretärs v. Puttkamer. Schwarz in Schwaß bedeuten diese Namen ärgste wirthschastliche, ärgste politische Reaktion! Verstärkung der Intelligenz würden freilich ") Wir lassen über den neuen Staatssekretär einige biographische Daten folgen: Er hat bereits vom Jahre Iö72 ab weite Reise» durch einen großen Theil Rußlands gemacht und war wohl nawent- lich infolge seiner Bertrantheit mit russischen Verhältnissen erster deutscher Unterhändler bei den Zollverhandlnngen mit Rußland 1893/94. Nicht weniger ist er aber mit den bezüglichen amerika- nischen Verhältnissen bekannt; schon 1875 war er Legations- sekretär bei der deutschen Gesandtschast in Washington und bereiste nicht nur die westlichen Staale» der Union, sondern auch Mexiko, Kuba, Haiti, Kolumbien, Ecuador, Peru»nd Chile. Außer vcr- schiedenen Reisebeschreibungen in geographischen Zeitschriften, z. B. im„Auslande", sind von ihm erschienen:„Slreifzüge in Kankasien, Persien und der asiatischen Türkei" 1874 und„Bier Wege durch Amerika 1879. 1885 wurde er der Botschaft in Konstantinopel zu- getheilt, 1887 wurde er Gesandter in Darmstadt, 1390 in Hamburg. Bor vier Jahren wurde Frhr. v. Thielnian», der gegenwärtig wenig über 51 Jahre alt ist. zum Botschafter in Washmglon er- mannt und hatte in dieser Zeit volle Gelegenheit, die Absichle» der Amerikaner in bezug auf Zollfrage», wie sie sich namentlich in der neueren Zeit entwickelt haben, näher kennen zu lernen. Als er im Anfang der achtziger Jahre erster Legationssekretär bei der Bot- lschaft in Paris war, smiairte er neben Herrn von Schraut als Vertreter der deutschen Regierung auf der dortigen Währungs- Konferenz. diese Ernennungen nicht bedeuten. Doch wir sind so wenig neugierig, daß wir auf diese Kombinationen nicht weiter ein- gehen, wir lesen nun seit Wochen den„Reichs- Anzeiger" gc- uauer und das genügt!— Das preusttsche Gemeinde- Wahlrecht soll, so wird von offiziöser Seite geschrieben, verbessert werden. Es wird zugegeben, daß durch die Gestaltung des Wahlrechts nach der Vorlage vom Lahre 1893 und in Verbindung mit der Steuer- refornl«tneVerschiebung zuaunsteit der reichen Minderheit eingetreten sei. Ter Offiziös»? versichert, der Finanzmiuister habe stets die Auffassnug gehabt, daß eine solche plutokratische Verschiebung des Wahl- rechts„thunlichst zu vermeiden sei". Die Erhebungen über die Wirkungen der Steuerreform auf das Wahlrecht für Staat und Gemeinde seien jetzt dem Abschlüsse nahe. „Schon jetzt," so besagt die offiziöse Aeußcrung weiter,„läßt sich übersehen, daß es namentlich auf dem Gebiete des Gcineindewahlrcchts weiterer Kautelcn gegen eine Verschiebung zu guusten der reicheren Minderheit und zu Ungunsten des Mittelstandes bedürfen wird. Es ist sehr wahrscheinlich, daß sich der Landtag schon in seiner nächsten Tagung mit entsprechenden Gesetzesvorschlägen zu beschäftigen haben wird." Das„sehr wahrscheinlich" des Offiziosus will nicht viel sagen und wenn auch wirklich die Regierung im nächsten Winter eine Abändernng des Wahlgesetzes vorlegen will, so" ist sehr zweifelhaft, ob sie damit mehr Glück haben wird, als vor vier Jahren. Den Konservativen ist das Wahlrecht, wie es jetzt ist, sehr angenehm, und wie sie 1893 erst im Herrenhans, dann auch im Abgeordnetenhans die Zwölftelung zu Fall gc- bracht haben, so tverden sie auch jetzt, da sie die Annehm- lichkeiteu dieses Wahlgesetzes kennen gelernt baben, für Aendernngen zu guusten der Wenigerwohlhabenden nicht so leicht zu haben sein. Und sie haben das Heft in Händen; die Junker kommandiren in Preußen. Aber wäre auch der Widerstand der Konservativen zu überwinden, was kann bei dieser großen„Reform" überhaupt herauskommen? Will man etwa ein einiger- maßen vernünftiges und gerechtes Wahlgesetz schassen? Plan will ja nur einige der aller haar- st r ä u b e n d st e n Ungerechtigkeiten beseitigen, um den eigentlichen Kern d e r U n g e r e ch t i g'k e i t erst recht zu k o n s e r v i r c n. Man möchte das Wahl- gcsctz nicht so unsinnig werden lassen, daß selbst der Mittelstandsmann, selbst der Miltclbegütcrte sich gar zu sehr bcschivcrt fühle und unzufrieden werde. An die große Masse der Unbemittelten denkt man nicht, sie soll weiter in der Rechtlosigkeit der dritten Wählerklassc eingepfercht verbleiben. Was da die Offiziösen wieder als„Reform" in die Welt Hinausposannen, ist nichts als eine höchst widerwärtige Heuchelei. Immerhin soll es u»S recht sein, wenn im nächsten Landiag die Frage des Wahlgesetzes angeschnitten wird. Das wird eine g ü n st i g e Gelegenheit sein, um diese Frage auch im Volke anzuschneiden. Und nicht nur die Frage des Gemeinde- Wahlrechts, sondern auch die Frage des noch ungerechteren staatlichen Wahlrechts wird alsdann aufgerollt werden!— Tie Kundgebmig der rheinisch- wrsifälischcn Groß- industriellen, welche wir im gestrige» LeitailiM bclprnchen. wild von der konservative» Presse mit Jndel aufgenommen; Bemerkens- ivertheS hat sie iazn nicht zn sagen. Wichtiger ist die Entgegnung der» a ti o» a l l i b e r a l e n Presse. Die„National- Zeitung" spricht sich folgendermaßen ausc „Wir glauben nicht, daß die erwähnte Kundgebung de- wirken wird, was Herr v. Stumm, der ihr wohl nicht fern steht, verlangte: die Sl>t»me»Ihall»»g»ationalliberaler Abgeordneten, welch« gegen die Hemnhaiisbeschlüsse sind. Bei aller Würdigung der Bedeutung der, übrigens nicht zahlreichen industriellen Unter- nchnnuige», ivelche in dem obige» Bericht»ameuttich aufgeführt werden, können die Herren, welche in der Vorstandssitzung ihre Ansicht aussprachen, in politischen Frage» doch»»r als einzelne Personen, wenn auch als sehr angesehene, in Betracht kommen; keineswegs könne» sie als die biriifene» politische» Wortführer aller an den betr. Unternehmungen Belheiligie». also die Vorstände von Aktien-Gesellschafle», Gcwerkschafien oder S>i»dikaten nicht als die politischen Wortführer der Aktionär« bezw. Mitglieder erachtet werden. Zwischen der polltischen Tragweite einer derartigen Kundgebung nud der wirthschastlichen Bedeutung der von ihren Urhebern geleiteten Werke ist ein großer Unterschied. Wir halten nach wie vor an der lieber- zeugnng fest, daß kein nationalliberaler Ab- geordneter seine Stellung z« den vom Herren- Hanse angenommenen f r e i k o» s e r v a t i v e n Sl n- trägen ändern wer de." Der„Börsen-Courier" macht darauf anfmerksam, daß die Diisscldorfer Stiimmlinge in der Hauptsache solche Herren sind, die besonders an den Lieferungen für den F l o t t e» b a u interessirt sind. Ferner sagt das genannte Blatt: „Die Demonstratio» ivar angekündigt und wird deshalb die Nalionalliberalen, attf die sie gemünzt war, nicht überraschen, sie deshalb nach hoffentlich in ihren Entschlüssen nicht wankend mache». Versagt Einer oder der Andere im Abgeordnetenhanse, so hat, das weiß die Fraktion genau, die gesammte Partei bei den Neuwahlen die„Zeche" für ihn z n bezahlen." Die„V o s s i s ch e Zeitung" bemerkt: „... Und da stellt sich die erstaunliche Thatsache heran?, daß besagte Kundgebung nicht von der rheinisch-»'estsälischen Industrie. sondern— von dem Borstand der»ordivestlichen Gruppe des Ver- ei»S deutscher Eisen- und Stahliiidnstriellen ausgeht. So ist aus de» Berge», die der offiziöse Glaube der„Nordd. Allg. Ztg." ver- setzt, die lächerliche Maus geboren worden." Ob die Sache so lächerlich ist. wie die„Voss. Ztg." annimmt, dürfte noch sehr dahingestellt bleiben. Wir taxire» die National- liberalen etwas anders ein. Allerdings sind die Düsseldorfer Groß- industriellen offenbar gar keine eigentlichen Anhänger der national- liberale» Partei, sonder» eher frelkonservativ, unverfälschte Jünger de? Gebieters von Nennkirchen. Diese Anffassling spricht auch die „Germania" aus: „Wir nehmen an, daß die Herren im Grunde mehr freikonser- vativ als nationalliberal sind. Liberal vielleicht in religiös- kirchlichen Dingen, in politischer Beziehung aber Vertreter des- p o t i s ch e r A n s ch a u u n g e n in Bezug auf„ihre" Arbeiter, die weit mehr an da? Sklaventhum, als an das„patriarchalische Ver- hältuiß' erinnern. Die W a h l t y r a n n e i im rheinisch-westsälische» Jndustriebezirk ist ein offenkundiger Beweis dafür." Wir zweifeln übrigens nicht, daß jener ersten Kundgebung noch verschiedene andere folgen werden. Die bedrohliche Lage Indien? hat vorgestern daZ englische Unterhaus beschäftigt. Es wurde von der Regierung«i» an den indischen Staatssekretär Lord Hamilton gerichtetes Schreibe» des Gouverneurs von Bombay, Lord S-nidhurst, verlese», das die de» britische» Behörden gemachten Vorwürfe z»rück>veist. Die gegen die Pest getroffene» Maßregeln seien nolhwendig gewesen, und bei Ausfühlung der Maßregeln sei auch durchaus schonend verfahre» worden. Britische Soldaten seien allerdings verwandt worve», jedoch nur in einer Minderzahl, und der Vor>vnrf, daß das Scham- gefühl der Frauen und das religiöse Gefühl der Eingeborenen ver- letzt worden sei, entbehre jeder Begründung. Lord Sandhnrst sagt jedenfalls mehr, als er erhärten kann. Uebertrleben mögen die Anklagen sein, allein jedenfalls ist mit großer Rücksichtslosigkeit verfahren worden, wenn auch strenge Maßregeln entschieden nothwendig waren. Uebriaens soll die Pest jetzt in PuNah erloschen sein. Die Ruhe ist weder dort noch in Tlchilpur seil vorgestern gestört worden, dies ist aber hauptsächlich aus die starke Militärmacht zurückzuführen, welche die Engländer daselbst konzenlrirt haben. Die Gährung im Lande dauert sott. Und daß sie nicht ohne Ursache ist, daß alle Vor- bedingnngen einer furchtbaren Katastrophe in dem unglücklichen Indien vorhanden sind, das ersieht der Leser ans unserem heutigen Leitartikel. Strttt d-S YriedensschliifseS neue Kvlegsm,Sfichten. Das„europäische Konzert", welches Kreta nicht zu beruhigeit verstand, welches den Ausbruch des Krieges nicht verhiildetn konnte, bringt auch den Friedensabschluß anscheinend nicht fertig und die Ereignisse im Orient können leicht zu neuen, unübsr- schbaren Verwicklungen führen. Die Türkei ist stolz auf ihre Erfolge, obwohl es doch kein Kunststück war, mit dem kleinen Griechenland fertig zu werde», imd baut auf die Eifersüchteleien der Großmächte. Wie das Wiener Telegr. Corresp.-Bnreau meldet, hat die Pforte eine Zirkulardepcsche an die Mächte gerichtet, in welcher sie erklärt, aus militärischen Rücksichten auf der Peneios- g r e n z l i n i e bestehen zu müssen. Jilzivischen sind dieSi Hungen für die Friedens- Verhandlungen sistirt. Und einer Meldung des„Standard" aus Konstantinopel zufolge hat der türkische Ministerrath am Montag eiue» Be- richt ausgearbeitet, in welchem angesichs der U n>» ö g l i ch- keit, über die Friede nsbedingtin gen durch die Vermittelung Europas mit Griechenland einig z n iv e r d c n, empfohlen ivird, nach Verla nf einer Woche die F e i>l d s e l i g k e i t e n w ie d e r a u f z u n e h m e».— Ob diese Mittheilungen an Wahrheit beruhe», muß ab- gewartet iverdcn. Jedenfalls ist die Lage eine überaus ge- spannte. Und zu den obigen Mittheilungen paßt sehr wohl die Nachricht, daß die Türkei allinälig recht bedeittciide Truppen, nassen auf und hinter dem Kriegsschauplätze ztlsanilitengezoge» habe, welche sich jetzt in Domokos kon- zentriren. Auch iverdcn in Velestina in Eile Bescstigungswerkc angelegt. Das alles hindert freilich die Großmächte nicht, ihre Einigkeit iinmerfort zu rühmeil und dem Sultan zu drohen. So wird ans Wien gemeldet: Tos offiziöse„Fremdcnblatt" mißbilligt daS Verhalten der Pforte, welches die Friedeiisverhandlnugen verzögere, und bc- tont, die Einigkeit der Großmächte sei eine Thatsache, au welche man in Konstantinopel endlich werde glailben müssen. Die Politik der Pforte würde vollständig schlgehen, wenn sie auf Meinungsverschiedenheiten unter den Mächten rechnen würde. Rußland und England stimnitu gleich den anderen Groß- mächten vollständig darin übereiu, daß die Friedensverhand- luiige» zilin vorgesteckten Ziele geführt werden müssen. Die Pforte ivcrde sich überzeugen, daß die Versuche, auS den Siegen über Griechenland extreme Folgen zu ziehen, durchaus vergeblich seien lind daß diese Versuche an dem festen Willen Europas scheitern müssen. Das klingt sehr fest. Aber der Pforte scheinen die starken Worte der europäischen Mächte nicht sehr zu iinponiren. Sie glaubt offenbar nicht daran, daß die Mächte sich aus die An- wendung militärischer Zivangsmittcl einigen werden, und will die günstige Situation nach Möglichkeit ausnutzeii.— * Deutsches Reich. — Der preußische H a u d e l s m i n i st e r hat, wie wir der „Franks. Ztg." entnehmen, die Gewerbe-AufsichtSbeamle» beauftragt, im laufende» Jahre Erhebungen darüber anzustellen, in welchen ge- »'erblichen Betrieben durch eine übermäßige Daner der Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet ivird. Sie sollten sich, um dafür uiöglichst zuverlässige statistische Unterlage» zu gewinnen, mit den Vorständen und Aerzie» der Orts-, Betriebs- und Baukranken- lassen in Verbindung setzen.— In einer Zeit, wo Herr v. Stumm den Ton i» der deutscheu Sozialpolitik angiebt, ist ein derartiger Auftrag bedeutungslos. — Hand Werksorganisation. Der Bmidesrath wird zunächst eine Aussnhrnngsanweisnng nur betreffs des die Bildung von Zwangsimiunge» behandelnde» Theiles des Handwerks-Organi- lalioiis-Gesetzes«rtaffen, deren hanpisächlichster Theil ei» Normal- statnt für solche Innungen bilden dürste. Ter Grund für diese Be- schränknng liegt theils i» dein Umstände, daß zunächst die Jnnnngs- bildnng durchgeführt sein muß. bevor an die Einrichtung der Handiverkekammer» gegangen werde» kann, theils i» dem Wunsche, die Bundesregierungen sobald als möglich in den Stand zu setzen, ihrerseits mit der lokale» Organisation des Handwerks vorzugehen. Bureankratische Arbeit wird die Ausführung des Haudwerks- gesctzes genug gebe». Aber das Handwerk wird dadurch nicht ans eine» grünen Ast gelangen.— — Allerlei Strömungen machen sich in der Zentrumspartei bemcrklich. Auf der einen Seite sind die Elemente, denen die Partei zu gouvernemenlnl ist, und diese Eleuiente sind sicherlich die unbequemste» für die Parteiführer. Aber auch die junkerliche Richliuig tritt ivieder schärfer hervor, sogar in Süd- deutschlaud. So hat sich die.Augsburg« Postzeilnng" mit den von den Aendernngen in den Reichsänitern erwarteten politischen Neuerung«« sehr eiuvcrilanden erklärt. Das Blatt sieht darin einen „Sieg der bäuerlichen Sache" über das Manchesterthum und rälh dem Zentrum,„eine solche gut konservative Politik zu besörder»." Der mabgebeudeu Zentrumspreffe ist es freilich nicht schwer zn zeige», daß von den„neuen Männern" kaum eine gute Bauern Politik, sondern eher eine„gute Junker- Politik" zu erwarten ist. Man sieht aber, daß es auch in, Zenlrum genilg Leute giebt, für die Junker und Bauer dasselbe ist. Die tonservativ-reaklionäre» Tendenzen kommen im Zentrum immer häufiger zum Durchbruch und die Partei wird genug zu thnn haben, »m die nmnnigsaltige» wirthschastlichen Gegensätze, die sich in ihrem Schooße berge», einigermaßen zu versöhnen und das Partei- gesiige zusantmcnznhalten.— — U e b e r die Berufung Prof. D e l b r ü ck' s auf bei» Platz Trcitschke's will die„Köln. Ztg." wissen, daß bei derselben „seine Verdiensie um den Katheder- und den»alionalen Sozialis- »ins eine Roll« gespielt haben". Das Blatt spricht alsdann von einer sörmlichen„kathedersozialistischcn Aera", der gegenüber„den Refonnhebel anzusetzen" besser sei, als gegen die Sozialdemolratie Ansiiahiiieaesetze zu machen. Der„Reformhebel" der„Köln. Ztg." kann aber nichts anderes bedeute» als eine Einschränkung der Rechte der Fakultäten bei der Auswahl ihrer Mitglieder. Es paßt den Kapitalsvcrtretern nicht, daß der Sozialismus seinen Einzug in die offizielle Wissenschasr gehalten hat und immer tiefer eindringt. Und dabei ist eZ nur ein hmidertfach verwässerter Sozialis- mus.— v. Tausch. Die„Norddeutsche Allg. Ztg�" theilt mit: Den von der Presse in letzter Zeit verbreiteten Gerüchten gegenüber können wir fenstellen, baß gegen de» wegen schwerer Erkrankung auf grund eines ärztlichen Attestes beurlaubte» Kriminalkommissar v. Tausch nach seiner Entlassung aus der gerichtlichen Untersuchnngs» Haft die Disziplinar-Untersuchung eingeleitet »Vörden ist.- — Folgen der Maßregel ttng. Die Eemeliidmiitgliedir deS disziplinarisch seines Amtes«nlhobtnen Pastor Kökschke beab- sichtigen eine freie Eeineinde zn griinde», der Herr Kvhschke vor- stehen soll. —- Gegen die PriigelpSdagogit wendet sich die Negierung zn Etralsnud in solgcndein, das ZiichtignngSvccht der Lehrer betreffenden Erlasse:»Seil einiger Zeil hflns'e» sich die Beschwerden über Ausschreitungen bei Handhabung der Echnlzncht in bedenkenerregeilder Weise, und haben wir uns zu nnserein Bedauern genüthigt gesehen, deswegen eine große Anzadl von Ordnitngs- strafen gegen Lehrer zn verhängen. Wir»ebtnen daher Veranlassung, die Bestimmungen unserer allgemeinen Verfügung vom 26. Mar 1KS3, beireffend die törperlichen Züchtigungen, h'erinit in Erinnerung zu bringe». Siamenlltch lveise» wir mit allem Ernste darauf hin, daß es unzulässig und pädagogisch nicht zn rechtfertigen ist, gegen bloße Unanfiiierksaiiikni »>it Schlägen eiiiziischreilen. in der Anfwallnng des ZornS sogar Ohrfeige» z» geben und i>be> Haupt losort— stall»ach der Stunde— zn strafeil, Kiiider zu schlagen,«nährend sie sich noch innerhalb der Schulbank befinden, hierbei nichl selten in der Nebereiliing den Kops stnlt des Rückens zn treffen, niid kleine Kinder— naiuenNich kleine Rtädche»— zn ziichligen. Mädchen sollen«iberhaiipt nicht oder doch nur im äußerste» Nolhfalle körperlich gezüchtigt«verde». Wir «verde» deshalb gegen ülnsschreitungc» in der oben erwähnten Art mit allein Nachdruck und unnachsichtiger Streng« einschreiten. Eiv. Wohlgeboren e»suchc>««vir, die Ihnen unterstellte» Lehrer in der nächsten Konferenz ans diese Bestimninngen ernstlich hinzn- «veisen, auf die genaueste Beachtung derselben hinznivirken und Ans- schieitnnge» zur Anzeige zn bringe««, falls Ihre Mahnungen ohne Erfolg bleiben." Geiviß ist dieser Erlaß«vohlangebracht,»>«»» derartige Ueber- schieilunge» des ZächliguugsrechlS vorgekommen. Aber»vir«vollen doch nicht übersehe», daß es in eisler Linie nölhig wäre, die Schill- Verhältnisse so zu gestallen, daß die Tbätigkeil der Lehrer erleichtert «vird; vor allem müßte die Uebersüllung der Klaffen beseitigt «verde».— — G e r n« a n i s i r u n g in S ch l e s«v i g. Aus Flensburg «vird geschrieben: Die Behörden im nördliche» Schlesivig achten»« der letzte» Z.it besonders darauf, daß den unter Aormunl schasl stehenden jungen Personen verboten wird, die jenseits der Grenze errichteten dänischen Jnstitllte, die sogenannten„Volksbochschnl-n" und.FortsetzUngvschule»" zu besuche». So hat beispielsivejse der Amtsrichter Kind in Tostlnnd(Kreis Haderslebc») der Witlive Etamp i» Ullerup bei lscherrcbeck, delen 14 jährig« konfiliuirte Tochter zur Zeit die dänische Schule in Heils bei Kolbing(Iütland) besucht, ei» Schreiben zugesandt, in den« er ihr eine Ordnungsstrafe von IM M. androht, falls sie ihre Tochter nicht sofort von der dänischen Schule fortnehme» mürde. Amtsrichter K. begründet sen« Bor- gehen damit, daß das junge Mädchen»nur Vorniundschafl stehe, und daß die betreffende Schule in Heils n i ch t i n d e u t s ch- n a t i o n a l e m Sinne geleitet«verde, sondern die Jugend gegen alles,«vas deutsch sei, aufreize. Gleichzeitig wird der Frau anheiingestellt, ihre Tochter auf«ine d e u l s ch e Schule zn schicken, falls noch ein Bedürfniß nach«veiterer Bildirng vorliege. Die Wittwe Stamp«vill übrigens der Anordnung kein« Folg« leiste», sondern genchlliche Entscheidung beantragen, falls die Ordniingsstras« über sie verhäng««vird. Man sieht,«vie wenig es die Behörde» trotz jahrzehntelanger Einivirkung verstanden haben, die nordsclileswig'iche Bevölkerung mit den preußischen Einrichtungen ansznsöhue». Was»»an nicht durch verständige Behandlung erreicht hat, das«vill man den dänischen Staatsbürgern durch S t r a f in a>« d a t e abzwinge».— — Habererprozesse ohne End«. Von» Landgerichte Müirchen II«vnrden am 6. Jnli abermals ö2 Haberer«vege» des Treibens bei Gaisach am 9. und w. November 1694 zn einer Ge- saniintstrafe von 9 Jahren und 9 Monate» Gesängniß verurlheitt nnd zivar 1 zu 10, 3 zn 6, 3 z«t S, 5 zn 4, 3 zu 3, 2 zu 2»�, 10 zu 8 und 2 zu 1 Monat Gesängniß, einer»vurde freigesprochen.— — Chronik der Majestätsbeleidignngs-Pro- zesse. Von der Strafkammer des Landgerichls in Schiveidnitz «vnrde der Maurer Josef Tangs aus Reichrnbach in Schlrsien»vegen Majestälsbeleidigung zu zivei Monaten Gesängniß verurlheitt. Schtvciz. Zürich, 6. Juli.(Eig. Ber.) So lange der Große Stadt- rath an der polizeilichen Frnklifizirung des Jtalienerkraivnlls«var, sühlten sich die großen«l»d kleinen Unternehmer, die Advokaten und andere Vertreter der bürgerlichen Parteien in ihre», Elemente und ihre Arbeil war ebenso positiv«vie frnchlbar. Da eS nun aber an die sozialpolitische» Konsequenzen des Krawalls geht, geberden sich die Herren,«velche Staat, Gemeinde nnb Arbeiterklasse»»r alS ihret- «vegen vorhanden betrachten, als ob sie a»ls bei» Häuschen»vären. Der Statistlker Kollbrunncr sowie unsere Genosse» beantragte» nach der gut beivährte» Praxis eines halben Hnnderts englischer Städte die Aufnahme de§ Minimallohnes i» die Eubniissionsi edingungen für die städtischen Arbeiten; allein die Unternehmer bekämpften die Anträge mit ebenso viel Bornirtheit wie Heftigkeit und sie«vnrden daher mit 38 gegen 35 Stimmen abgelehnt. Damit ist die Frage aber nicht begrabe», nicht ausgehoben, sonder» blos ausgeschobe» nnb die Minderheit von heute kann die Mehrheit von morgen sein.— Im Kanton S o l o t h u r n hat das Volt an« nächsten Sonntag über ein Gesetz beireffend die Erhöhung der Besoldung der Polizei abzustlmine»,«vozu die'llnrcgung von den Sozialdemo- kraten ansging, da sie eine ordentliche Polizei«volle»,«velche auch für die Ueberivachiing der Arbeiterschntzgesetze verwendbar ist. Der gegenwärtige unterste Tagelohn eines Staalspoliziste» beträgt 2,40 Fr.,„ach den, Gesetze soll er ans 2,80 Fr. für Rekrute»»»d 3,50 Fr. für den wirklichen Polizisten erhöht«verde». Sänunlliche Grütlt- und Arbeitervereine des Kantons Solothnrn treten dafür ei», in der Erivartung allerdings, daß die Polizisten die Beschützer des Volkes werde»»nd nicht die Handlanger der Unter- uehmer sind.-- Oesterreich-Ungar». Budapest, 7. Juli. Im AbgeordiielenhanS brachte Hcntaller eine Jnlerpellalion ein«vege» der Zolluiaßnahmen der Ver« einigle» Staaten von Nord- Amerika,«velche Ergänznngs- zölle einführe» und somit auch den ungarischen Zucker differentiell behandeln. Der Interpellant fragt an, ob die ungarische Regierung geneigt sei, dagegen zn protestiren und «vas sie zu thun gedenke, falls die amerikanischen Zölle trotz der Proteste ins Leben treten sollten. Johan» Hock inlerpellirte «vegen der Beivegnng der Landarbeiter und beschuldigte die Regie- rung, daß sie der Beivegvng mit verschränkten Arinen gegenübc« stehe und die Landwirthschaft den Agitaiore» ausliefere.(Nnfe rechts: Sie agitiren ja selbst!) Der Ackerbaumiiiister Daranyi be- antivortete die JiitcrpeUalion nicht sofort merilorisch,»vics jedock. darauf hin, daß es de» Vorkehrungen der Regierung gelungen sei, einen allgemeinen Ausstand zu verhindern, ohne daß Biut vergossen «vurde. Die Laiidwirlhe wüßte» es und zollten der Regierung dafür Dank.(Lebhafter Beisall.) Frankreich. Paris, s Jnli.(Eig. Ber.) Die S t en e rr e f o r ,n- Koinövie, deren erster Akt von« Kabinet Melive im voijährigev Sommer mit ivevig Witz und viel Heuchelei aufgeführt«vnrde, steht «viedern», auf der Tagesordnung der Kammer. Ei» volles Jahr hat die Regierung in Gemeinschaft mit der regiernngsfrenndliche» Budgeikoiinnissioi« auf die Abänderungen des erste» ver- «iiiglückten Resormeiitivurfes niid aus die Abänderungen der Abänderungen vergeudet, um schließlich im Hochsominrr. knapp vor Thoresschlnß. eine noch ärgere Mißgevnrt dem Parlament vorzu- lege». Der neue Entwurf siebt in seinen Haiiptbeftimmuiigen folgender- «««aße» aus. Die Grundstener«vird uin V4 � au S'0"1 gezahlten„Hauptsatzes" vermindert und dieser Beitrag(zirka 28 Millionen Franks) den einzelnen Gemeinde«, überwiesen zun, Zwecke der Verminderung der kommunalen Znschlagssteneri« z«« den vier direkte» Suiierl«. Diese Entlaflniig wird aber, abgesehen von ihrer Gering. sügigkeit i,»« allgemeine», erstens fast auSscbließlich den Gemeinden nitt«veniger als 2000 Simvohnern zu gute kommen, zweitens die wohlhabende» und reichen Steuerzahler weil stärker entlasten, als die ärmeren, drittens von Departement z«i Departement und von Geiiieinde zu Gemeinde höchst ungleich verlheilt sein. Das alles«mirde«» der Kammer von den opposttionelle«, Redner««, namentlich vo» Caväignac, den« ehemaligen Minister in« radikalen Ministerium, ziffernmäßig»aebgeiviesen. Der SunerauSfatl von 26 Million«,« Franks»vird gedeckt durch Erhöhung der Steuer auf die Werthpaviere. Dieser Theil des Entivurfes euveckl natürlich den stärksten Widerspruch der Börsensrennde des Kabincls. Es ist übrigens in der That sehr zivciselhaft, ob neube- stenerte ausländische Werihe, die nicht auf der Börse ver- bandelt«verde««, zn erivischen wären. Und doch erwartet der Entmurf von dieser neue« Steuer«in« Emnahwe vo» 10 Millionen Franks. Ferner«verde«« die personal« Mobiliarsteuer und die Thür- und Fenstrrstener(znsanimen 133 Mch>o»et>) ersetzt erstens durch Er- höhnng der Gebändestener»n» über 20 Millionen und durch Ein- führnng einer nagelneue»„Ergänznugssteuer". Letztere ist in» grnnde iveiter nichts als"eine Woh»tt»gssle»er, deren ungleiche Verlheilung kau«»«leiiiieiisu'erih dadnich gemildert«vird, daß sie— für alle Slenerzahier obne Ausnahme—»nit der Zahl der Kinder i«»d der zu ernährende» Verwandle» in anssteigeiider Linie sinkt nnd mit der Zahl dcr Dienstbot. n höchstens bis auf 50 pCl. des Normalsatzes steigt. Man hat es also,«nie im vorjähngen Sleuertaris, mit einer einsache» Umiieiinnng der alte» Sleueri» zn thun. Dabei kennt die „Ergänznugssteuer" gar kein freies Minimum der Wohnniigsinielbe. «vas zur Folge hat, daß namentlich das städtische Proletariat im Vergleich mit dem bisheiige» Znstailde stärker besteuert«vird. "Mit diesen« jämmerliche» Flickwerk, das der ärmeren ländliche» Bevöllernng eine verschivindend kleine Enilastung, der kleinbürger- lichen und proletaiischen Bevölkernng«ene Laste» billigt, hofft Meline die schreckliche Einkoniiiieiisteuer von dem Geldsock der Bourgeoisie abznivende». Wird ihm daS gelingen? Wie be- nicikt, stößt der Negierungsentivnrf auch ans den Widerstand der ministerielle» Kerniruppe»,«velche«vegen der Erhöbnng der Sleuer ans die Werlbpopiere lieber alles beim allen lasse» möchte». Die Onpostlio» rück« ihre« seits von«»enem mit eine»» von Cavaignnc ans- gearbeiieten progressiven Einkounnenfteuer- Entivnrf auf den Plan. Ain ivahrscheinlichsten ist es. daß die gegenwärtige Kammer,«velche 1835 einen Einkouniienstener-Eniivlirs desselben Cavaignac verivorfe», in« März 1896 de» Ei»koinmenfte»er-E»l>vurf des radikale» Kabinets „im Prinzip" angenonnnen, denselben Eniivurs in« Juli 1896 ab- gelehnt»nd zn gleicber Zeit die erste Flickresori» des jkabinel? Meline(nebst der Renienstener) beiseite geschoben,— mit einem endgiliigei» Beweis ihrer Haltlosigkeit vor die geprellten Wähler zurückkehre»«vird.— Paris, 7. Juli.(Eig. Ber.) Tie Kredite für Felix t a u r e' s R e i s e nach P e t c r s b n r g Hai e» von sozialisliseber eile zivei Proteste auf der Kaunnertribinie hervorgerufen. Die Kniidgebniigen«vare» indeß bei aller Derbheit abstiakl, unvollständig, «veil sie den eigentlichen Kern der Frage nicht berührte». D ö- jeanle piotestirle im Nomen vo» sieben Blanquistischen Abge- ordneten(Vailiant u»d Genossen) von« abstrakt-repnblikanische» Standpunkle auS:„W>r erachten, daß die Republik nicht pro- klamirt»vorde» ist, um der Tyrannei eine Hiildignug darzubringen... Die«wrlangte»»00 000 Fr. könnten von einer republikanischen Kaminer»nie da»» volirt werde», wenn es sich dariini bandelie, die nach Sibirien verbannte» oder nicht verbannte,««nssischen illepublikaner und Nistilisten in ihren« Kampfe gegen die Tyrannei zn unterstiihe» Il»d de» Triumph der Republik in ihrem Lande z» beschleunige»... Andernialls«vare es besser, das Geld Frankreichs zur Liiidernng der Leiden der Arbeiter von Stadt nnd Land zu ve»»ve»den, als es für die Verherrlichung eines Kaisers nnd seiner nnheilvolle«« Politik zu verschnenden..." Die drei allemanistischeii illbacordneten brachten eine» Gege»e»t>v,irf ei», dahingehend, die 500 000 Fr de» Arbeitslosen zuznivende»«. Und in der verlesenen Begründung»ärd ebenfalls nur der Widersprnch z,vische» den„republikanischen Sitlen" und dem„oberflächliche» Bei kehr mit Despoten«nd Selbst- Herrscher»" betont. F a b erat, einer der Antragsteller. liannts»och Nikolai II.„den Todischläger vo» Niißland" (tuonr äs Russie). Auf die konkrete Prellerei de? franko- «lisstscheu Einvernehmens»vnrde dagegen diesmal von keiner Seite hingeiviese».— Die Kredite wurde»«nit 433 gegen 29 Stimmen bei 57 sreiiviliigcn Enihaltiiiigen angenommen. Unter den 29 Ab- lehnciide» sind zwei Linksradikale, Maihö nnd der mutbige Camille Pelletan. Mehrere sonst zur sozialistische» Kaminerfrakiioii zählende Abgeordnete haben es nur bis zur Stimmenthallung gebracht, darnnler Gabriel Deville nnd Jonrde. Die Wahl von Abbe G a y r a n d, des Kandidaten des Papstes und des Paradieses, die,«vie seinerzeit bereits mitgeiheilt, durch eine«»»erhörte terroristisch-klerikalc Einswüchteruna der Wähler zn stände gekommen«vor,«vnrde von der Kummer mit 334 gegen 70 klerikal-monarchistische Stinime» für«in gillig erklärt. An» den» Berichte der pai lanientarischen Wablniitersuchungs- Komniissio» nnd ans der' gestrige» Debatte geht jedoch hervor, daß die polilisä e Macht des Klerus in der Bretagne stark genug ist,»«» den Abbö Gayrand vo»»euem i» die Kammer hinein zu schmuggeln.— Paris, 8. Jnli. In der Kammer verlangte heute Nachinittag ein Abgeordneter, die Regieiung über den Verlans der Friedens- Verhandlungen zu iuterpellire». Minister Hanotaux lehnie die Interpellation ab und versprach, nächste Woche in der Kam«»« ein Gelbbuch über diese Angelegenheil zur Verlheilnng zu bringe». Er bitte, erst nach dem Aiistheilen dieses Buches eine» Termin zur J> lerpellatio«, zu bestimmen. Der Vorschlag des Ministers«vnrde mit 314 gegen 213 Siimmeii angenommen. Belgien. Brüssel, 7. Juli. In, Senat brachte bei der Berathnng des Budgets des Answäriigen Descainps einen Antrag ein,«velcher besagt, daß der Senat niit Genugldniiiig die Anstreng»«, ge» der Regierung in der Richtung ans schiedsrichterliche Eni- f che« du«ig anerkenne unv hoffe, daß die Regierung zur Bildung eines internalionalei« Gerichtshofes beitrage» werde, welcher die Jnrisdiklio» über die kleinen Siaaten haben solle. Der Minister des Auswärtigen erklärte sich niit diesen» Antrage einverstande», «velcher mit großer Majorität angenommen»vnrde.— Holland. A m st e r d a m, 7. Jnli. Die Winschotener Sozialdemokraten haben für die Ersntzivnhl den Genosse»« H. van Kol als Kandidale» aufgestellt. Italien. — Um da? Unfallver sicher ungs-Gesetz für die Arbeiter«vird seit 14 Jahren gestritle». Trotzdem Regierung nnd Kammer in ih,en niehifacdei« Eni würfen nur sehr milde Be- slimmnnge» verlangten, so scheilerte«, dies« doch an den, Widerstand des extrem-»in lernehnierirelindlichei» Senats. Endlich scheint«um dieses Gesetz doch zu stände z«! kommen. In der ersten Sitzung dieses Monats bat sich der Senat»viedernm damit beschäftigt. Das schwerste Hinderniß für die Annahme der Vorlage»var dem Senat ber Artikel 22, der von dem Fortbestehen der zivilrechilicheu Aeranlivortlichkeit des Arbeitgebers für die Folge» eines Unfalls bei der Arbeit auch nach der Dnrchfüdrnng der vnrch das Gesetz anfgestelliel« Versichern,«gSpflichl handelt. Mit den« Senaisansiehuß hat sich nun der HandeiSmiiuster Gnicciardini über eine Fassung geeinig«, nach»velcher die zivilrechtlich« Verant- wortlichkeit des Arbeitgebers»nr in de» Fällen forlbestehen soll, wo der Arbeitgeber strafrechllich wegen schiverer Verschuldung an den, Unfall vernrlheilt»vorden ist. Außerdem»vurde im Ginverständnih mit der Regierung eine andere Adä»der»»g gulgebeißen, noch welcher eine zivilrechlliche Verantwortlichkeit dek Arbeiigebers für die Folgen des UnsaNS in zwek Fällen ansgeschloffen ist; nämlich ersten?, wenn der Unfall ausschließlich der Unersahrenheit oder Nachlässigkeit des Arbeiters zuzuschreiben ist, und ziveitens,»veun der Fall so lag, daß eine flrasrechtliche Berfolgmig des Arbeitgebers nur auf Antrag er- folgen konnte. Es fleht zu hoffen, daß der Art. 22 in dieser Faffnug auch für die Berathnng in der Kammer keinen Stein des Anstoßes bilden wird und daß endlich, nach 14jährigen Bemühnnge», die Unfall« Versicherung gesetzlich eingesührt werden kann. Lange geniig haben die italienischen Arbeiter ans dies« kleine Sicherung ihrer Lag« warten «nüflen. Nnsjland. <— Eine für die russischen Preßverhältniss« sehr charakleristische Geschichte, die einigermaßen an die Eiithüllnnge» im Prozeß- Lecke rt Lnhow erinnert, aber mit dem Unier- schiede, daß die Jonrnaliste»- Spitzelei in Rußland»och in be- deiltend vergiößertem Maßstabe erscheint, ivird vom Petersburger Korrespondenten der„Daily Mail" erzählt. Die plötzliche Einstellung des„Ries", einer vielgeleseiien Zeitung, die Herr Hajdeburoiv herausgab, halte sehr überrascht nnd mm« legte sie zuerst allgemein einem finanziellen Mißerfolge zur Last. Später kam der wahre Sacbverhalt ans Licht. Herr Hajdeburoiv war seit einiger Zeit in der Redaklio»» von einen« geiviffen Drahomiretzky unterstutzt«vorden, der als der verantivorlliche Redakteur figurirle. Dieser Draho- miretzky«var aber einfach ei» P o l i z e i s p i o>», der fich den» Stab des„Rns" angeschlossen Halle, um so die Behörden besser über alles inforiniren zu können,»vas in literarischen und jonrnälistiseben Kreise» vorging. Er empfing dafür ein Gehalt von beinahe 10 000 Mark. Als Hajdeburoiv den««Vahren Charakter «eines Hilfsredaktenrs auk die Spnr kain, kündigte er ihm sofort. Daraufhin gab ihm Herr Solokieiv, das Haupt der zentralen Zensur- deHörde, zu verstehen, ive»n der Spion enilasseii«verde, werde er das Blatt durch Ausübung seiner Konfiskations- nnd Zensnrbefngnisse ruinire»,»vährend er ihn« relative Zensnrsreihsit in Aussicht stellte, falls er den Spion auf seinem Posten lasse. Der Redakteur lehnte als Ehrenmann«in solches Arrangement ab und stellte das Erscheinen seines Blattes ein.— A sie, t. — Aus Kalkutta meldet das Reuter'sche Bureau unterm 7. Jnli: Infolge der gelroffenen inililärischen Vorkehrnnge» gelang eS, den Pöbel in der letzle» Nacht von Linhestörmigeil abzuhalten; auch heule ist alles ruhig. „Pöbel" nennt auch daS Depeschenburea» das bedrückte und ob der Bedrückung sich erhebende Volk.— Slmerika. — Die T a r i f- B i l l ist von» Senat endgiltig»»it 38 gegen 23 Still»»««» aiigenomttien»vorde». Vor der Annahme der Bill Halle der Senat alle dazu geilelllea Abänderiingsanträge ab- gelehnt, bis auf einen, ivelcher besliinmt, daß der Tarif an dem Tage in krast treten soll, an ivclchem er endgiltig von» Kongreß genehmigt ist. Später ernannte der Senat snnf republikanische nnd drei demokralische Tclegirle für die Be- rnlhiingc» mit den Delcgirten des Repräsentanlenhanses. Die Bill geht an daS Repräsentantenhaus zurück und dürfte schnell Gesetzes- kraft erhalte». Die Hochschiitzzöllner und Znckerindustrielle» haben einen vollen Sieg erfochten. Die Zollsragen zivischen der alten und neuen Welt werde»«in» in ihrem ganzen Ernst hervortreten.— Bezüglich des Standes der W ä h r u>« g s f r a g e«vird der „Franks. Ztg." aus„Neiv-Aork gemeldet:. Der P>äsident Mac Kiniry übersandte gestern dein Kongreß eine Botschaft, in der er die Eiusetznng einer Kommission zur Sieviston der Währungsgesetze empfiehlt._ In der Z»sa»»uciisctz»ug dcS NcichStags find auch«nieder im Lause der jnngftverfloffenen Session verichiedenlliche Verände- rnngen vor sich gegangen, indem infolge von Todesfällen sowie auch von Nngilligkeilserklärungei« eine Reihe von Ersatzwahlen vollzogen werden mnßle,»nd zivar deren zwölf. Bei Schluß der Sesfion ivareii dieselben dlirckaveg bereiis erledigt. Der„B. B.-Z." entnehmen wir folgende Zilsananeiistellniig: I» Gießen wurde der AntisemitKöhler «viedergeivahll, in Schlellstadt trat an die Stelle des 1893 gewählicn Reichsparieilers Pöhlmann der Protestier Spieß nnd in Löwenberg- Lauba» ivurde der Dentsch-Konservalive v�Holleufer eisetzt durch den sreifiiniige» Volkeparieilcr Kopsch. Durch den Tod Wiestcki's»vurde demnäckist der Wablkuis Weslhavelland frei und durch die Wahl des Abg. PeuS den Sozialdeniokralen ausgeliefert. Der Rücklritt des sozialdemokratischen Abgeordneten Joest führt zu einer Neuwahl in Mainz, bei der das Ze»lr»»is>niistlied Schmitt den Sieg davontrug. In dem ivürttembergische» Wahlkreise Ellwaagen trat a» die Sielle des Zentrums-Abgeordneten Wengert der derselve» Partei angehörige Hoslnan». I» Donaneschinge»»vurde der durch Tod aus- geschiedene Abgeordnete Fürst von Fürstenbera, fraktionslos, aber den Deuisch Konservative» zuzurechnen, erfetzt durch den Nationalliberaien Mertz, ferner in Bergheim-Enskirche» der Ab- georduele Rndolphi vom Zentrum durch Breuer, ebenfalls Zentrum. In Cchwetz mußie Eiche März 1897 abermals Ersatzwahl stattfinde», naeddeu» das Mandat des nach voraus gegangener Ungilligkeits- erlläriing am 9. Jnli 1896 inirdrrgeivähllen Abg. Holtz von neuen» sofort bei Zusauimenirilt des Sieichslage in« November für«»«gillig erklärt worden«var. DieSmal siegte der Pole v. Sacz-Jaivorski. Weiter trat an die Stelle desReichsparteiiersSupha»»» in Torgan der freisinnige Volksparleilcr Knörcke, an die des Abg.Koepp(frs. Vg.) in Wiesbade» der suisiiinige Voilsparieiler Winiermeyer,»»«d endlich ivurde in Königsberg an stelle des sozialdeniokintischen Abgeordnete,« Scbnltze ein Milglied derselben Partei gewählt. Neuerdings ist erst wieder durch die Ernennung des konservativen Abgeordnclen v. Podbielski zum StaaiSsekreiär des Reichs- Poslanils ein Wahlkreis, die West- priegnitz, freigeivorden, sodaß der Rrichslag gcgemvärtig folgende Znsainmensetzung(bei der die frakiionslosen Mitglieder des Hauses den ihnen näckiststehenden Gruppen zugerechnet sind) ausweist:(In Klammern sind die Ergebnisse der letztei, allgemeinen Wahl 1893 hinzngcsügt,»»» auch ein Bild von den seit der Wahl am 15. Juni 1833 ei»getrelene>, Verschiebnnge» zu geben): Tenisch-Konservative gegen, värtig 64(72), Zieicheparie« 26(28), Natioualliberale 60(53), Antisemiten 16(16), Zenirnn» 10J(100) ,i»ter Einrechnnng von 4 Welfische» Hospitanten, ferner Pole» 20(19), Welse» 8(3), Däne 1(l), Elsässtsche Protestier 9(8), Bayerische Banernbündler 4(4), Freisinnige Ver- einiaung einsetiließlich Rösicke's 14(15). Fre>sti»lige Vollsparlei 27(23), Süddentich« VolkSpartei 12(11), Sozialdemokraten 43(44). ES haben also seit vier Jahren an Nlitgiiederzadl eingebüßt: die Konservaliven 8. Reichsparlei 2, RationaUiberale 3, Freistnnige Vereinigung 1; dagegen geivannen: Zentrum 2, Polen, Elsässtsche Prolestler nnd Süddeutsche Vollsparlei je I, Freisittiiige BolkSparlei und Sozialdemokraten je 4. Die Erfurter Parteigenossen enisalteu» eine lebhafte Agitation für ihr Organ,«vodnrch in kurzer Zeit 335 ueue Abonnenlei» ge» «voiinen»vnrden. Zur Frage der Bcthcilignng au den preußische« Landtags- Ivahlen. Die Elberselder Parteigenosse» setzten in einer zweiten Berfa,»»»lung die Debatte über diesen Gegenstand fort. Der Referent Genosse Lands stellte folgende Grundsätze auf: Be, lheiligniig an den Landtagswable» in denjenigen Wahl- kreise», in»velchen«vir bei Reickstagsivahle», durchgedrungeil oder in Stichwahl gekommen sind, nach Abschluß eines Kompromisses mit den Freisinnigen u»ler der Bedingung, daß die freistnnige Partei sich verpflichtet, 1.»>« alle» durch die Wahlbetheiligung eur- siehenden gewerkschaftlichen Kämpfen die Aibeiler nach Kräften zu unterstützen; 2. in allen Wahlkmse», in«velchen die sozialbemo- kratischen und freisinnigen Wahlmäiiner die Majorität haben, die Gitze zu theilen.— Zu einem definitiven Beschluß kam eS noch nicht. «r wurde abermals verschoben. Parteiprefse. Die Züricher Parteigenossen haben auf Air ratheu der im Jahre 1SS4 eingesetzten Preßkommission den Beschluß gefaßt, vom I. Januar bezw. 1. April 1893 ab ein täglich er- scheinendes Organ herauszugeben. Genannte Kommission hat bereits einen Garantiefonds von 14 000 Franks aufgesammelt. Polizeiliches, Gerichtliches«. — Zwei Genossen von Wilhelmsburg sollten durch Per breitung von Flugblättern im Hannoverschen am Sonntag gegen die hannoversche Snbbathordnung von Anno 1822 verstoßen haben. Sie wurden vom Schöffengericht zu Tostedt freigesprochen, da die Verbreitung nicht während der Kirchzeit'und nicht öffentlich ge fchehen war._ Die Achtstunden-Keweglmg der englischen Maschinenbauer ist nun auS dem Vorstadinm in das deS ernsten Kampfe?, wo die streitende» Parteien ihre Kräfte zu messen haben werden, getreten Der„Franks. Ztg." wird ans London unterm 8. Juli telegraphirt Wie der hiesige Vorstand der Gesellschaft der Maschinenbauer mit theilt, sind in allen, den verbündeten Arbeitgebern gehörige» Fabriken von London, Manchester, Bolton, Hnll, an, Clyde und in Belfast 28 000—80 000 Mann vom Arbeitsausschluß betroffen. Vom Reste werden 90 pCt. zugleich mit den Ausgeschloffenen die Arbeit nieder legen, sodaß im ganzen IIS 000 Mann ans der Arbeit kommen werden. Vom„ A ch t st n n d e n- N o m i t e e" erhalten wir heute eine Zuschrift, in welcher die Ursachen des Streiks dargelegt werden, die unsere» Lesern durch den Artikel unseres Londoner Korrespondenten bereits zur genüge bekannt sind. Nach den Miltheilnngen des Komitees haben die Unternehmer die Absicht, aus dem Kontinente, namentlich in Deutschland, Streikbrecher anzuwerben. Das Eolidaritätsgefnhl der deutschen Arbeiter wird hoffentlich diesen Plan vollständig vereiteln.— Ein Privatbrief eines deutsche» Arbeiters, der schon Jahre lang in England beschäftigt ist, theilt uns»och mit, daß der jetzige Besitzer der Siemens'schen Fabrik in London. Herr Alexander Siemens, es namentlich sei, der im Fabrikantenverein die Anwerbung deutscher Arbeiter enipfohlen habe; er gehöre zu den entschiedenste» Gegnern des Achtstundentags. Dem„Daily Chronicle" vom 7. Juli entnehmen wir, daß im Londoner Distrikt bis jetzt 157 Firmen den Achtstundentag bewilligt haben; 40 Firmen haben sich an den Aussperrungen betheiligt Die Leitung der K e s s e l s ch m i e d e> O r g a n i s a t i o n hatte bekanntlich den Unternehinern offiziell niitgelheill, daß ihre Organi sation an der Bewegung sich nicht betheiligen werde. Daraufhin sollte der Vertreter der Kesselschmiede ans dein„Achtstunden- Komitee" ausgeschlossen werden. Er stellte aber in Aussicht, daß die Londoner Kesselschmiede, entgegen den Wünschen des Vorstandes, der Bewegung sich anschließen würden. Es wird darüber eine Ur abstiinmung vorgenommen werden. AuS Manchester meldet der Telegraph: Der Konflikt in de» Maschinenfabriken hat eine» ernsten Charakter angenomme». Dreißig Firmen, einschließlich fast aller bedeutende» Maschinenfirme», habe» Aussperrung von Arbeitern angekündigt. GemevKPchAftliches. Berlin»nd tt»igcbu»g. Vom Zimmererstreit. Die Zahl der bewilligten Bangeschäfte hat sich im Lanfe des Donnerstags anf 134 vermehrt, welche zirka 1100 Gesellen beschäftige». Slreikkarten sind ausgestellt 874. Bei der an, ineisten in belracht kommenden Firma Held und Franke ruht die Arbeit auf den meisten Bauten(auf dem Dombau voll- ständig). Die Lohnkommission wird am Freitag Abend definitive» Bericht erstatten. Fünf Werkstattsitzniigc» der KonfektionSarbeiter nud Arbeiterinnen beschäftigten sich mit der am 1 Jnli in Kraft ge tretenen Bnndesraths-Verordnung für die Konfektions- und Wäscht blanche. Die Bestimmungen der Verordnung wurden durch die vielen Einschränkungen, welche sie erhalle» haben, für ziemlich belanglos gehalten. Es wurde beleuchtet, daß, da die Verordnung »ur auf solche Werkstätten Anwendung findet, in welcher die An fertignng oder Bearbeitung von Konfektions- und Wäschegegenstäitt en im„Großen" erfolgt, vielfache Umgehungen stattfinde» werde». Die Bestimmung, daß Werkstätten, i» welche» der Arbeitgeber ausschliest lich zu seiner Familie gehörige Personen oder nur„gelegentlich" nicht zu seiner Familre gehörige Personen beschäftigt und die Werkstätten., in ivelche» die Herstellniig oder Bearbeitung von Waaren der Kleider- und Wäschekonfeklion nur„gelegentlich" er- folgt, von der Kontrolle ausgeschlossen sind, hält man für geeignet, die Uebelstände nur noch zu vergrößern. Daß Arbeilerinne» über 16 Jahre an 60 Tagen im Jahre bis zu täglich 13 Stunden beschäftigt lverden dürfen, mache alle Vorschriften über die Arbeits. zeit hinfällig. Denn die Hochsaison, in welcher namentlich eine Be. grenzung der Arbeitszeit nothwendig sei, betrage nicht viel mehr als 60 Tage im Jahre und in der übrigen Zeit würde schon eine kürzere Arbeitszeit eintreten, iveil weniger Arbeit vorhanden sei. In, übrigen wurde allgemein befürchtet, daß durch die Einschränkung der Arbeits- zeit in den Werkställen die Mitgäbe von Arbeit nach Hanse zu- nehmen würde. Manche Werkstätleninhaber sollen sich schon dahin- gehend geäußert haben. Der Fachverei» der Stnckateure nahm in einer außer- ordentlichen Generalversammlnng einen Antrag an, wonach der Vorstand ermächtigt wird, geeignete Schritte zu thu», um die Ber- schmelzung mit dem Zentrnlverband herbeizuführen. Charlottcnburg! Achtung, Maurer! Den Kollegen zur Nachricht, daß am Sonnabend, den 10. Jnli, unter den arbeitende» Kollgen ein Flugblatt verbreitet werden soll. Wir ersuchen alle, namentlich die Organisirte», sich heute illbend zur Entgegennahnie der Flugblätter bei Leder, B is m a r ck st r a ß e 74. zu melden. Der V e r t r a li e n s ni a n n. Deutsches Reich. Die VertraucttSmäuuer der Textilarbeiter iu der Provinz vraudcuburg werden darauf anfmerksam gemacht, das, sie sich wegen Referenten oder Flugblätter an untenstehende Adresse wenden könne». I. A.: Das Agitalions-Komitee der Provinz Brandenbnrg. Gustav Lehmann, Berlin 0., Koppenstr. 82, Au Gleiwitz(Schlesien) stellte» 50 an dem Aranne- scheu Neubau beschäftigte Arbeiter die Arbeit ein. Der Streik der Lübecker Holzarbeiter droht in ein neues Stadium zu trete». Die angebahnten Verhandlungen mit dem Möbelfabrikauten-Verein sind resultatlos verlaufe». Nunmehr hat der Arbeilaeber-Verband diese Angelegenheit in die Hand genommen. Die 9�/» stündige Arbeitszeit, die von uns gefordert und von der große» Mehrzahl der hiesigen Arbeitgeber bewilligt wurde, soll in den Möbelfadriken auf keinen Fall eingeführt werden. Unumwunden geben diese Herren zu, nur die Furcht halte sie ab, daß andere Be- rufe unserem Beispiel folgen würden, sobald der Streik für uns sieg- reich verlaufen sollte. Sie drohen, daß, wenn diese„fortwährende Beunruhigung der jungen Industrie" nicht bald aufhöre, sie energisch, event. durch Aussperrung sämmtlicher Arbeiter, Stellung dagegen nehmen werden.— Zuzug ist daher noch immer fernzuhalten. Ueber eine Lohnbewegung der bei der Hambnrg-Amcrika- Linie beschäftigten Schanerlente wird uns ans Hamburg unterm 8. Juli geschrieben: Die Bewegung hat hente zu grinsten der Arbeiter ihre Erledigung geslinden. Die Direktion der genannten Nhederei wollte die Schauerleute fest anstellen, und zwar zu folgenden Bedingungen: Bei siebentägiger Arbeitszeit sollte der Lohn 29 M. die Woche betragen. Nachtarbeit und Ueberstiinden sollten nicht extra bezahlt werden. Die Arbeiter waren selbstverständlich nicht damit zufrieden, da die Verwirklichung der Vorschläge für die Arbeiter eine bedeutende Verschlechterung bedeutete. Sie wählten eine Kommission, welche bei der Direktion der Amerika-Linie vor- stellig wurde und derselben folgende Forderung unterbreitet«: Bei sechslägiger Arbeit einen Wochenlohn von 27 M. und Extrabezahlung von Nachtarbeit und Ueberstunden. Die Direktion ging auf diese Forderung nicht ein. Darauf meldete sich eine Anzahl Schauerleule, die zu de» Bedingungen der Direktion arbeiten wollten. Weil diese Leute der Direktion jedoch nicht genehm waren, weigerte sie sich. dieselben anzustellen, sie hat vielmehr heule den Arbeitern bekannt geben lassen, daß es beim Alten bleiben soll. Das ist den Arbeitern am liebsten. Ter Umzug der Gewerkschaften gelegentlich des W a n d s bester Gewerkschaftsfestes ist verboten worden. Gründe sind nicht angegeben; das„Hamb. Echo" erinnert daran, daß andere Vereine von derartigen Verboten stets verschont bleiben. Die Gießerei-Arbeiter der Kieler Schiffswerft haben nachdem ihnen die Forderungen bewilligt, die Arbeit wieder aufgo nommen. Der Steinsetzerstreik in Hannover ist zu gnnsten der Arbeiter beendet. In Leipzig arbeiten jetzt nahezu 1000 Maurer zu den neuen Bedingungen, die am Sonnabend zusammen 3000 M. an Streik- Unterstützung einzahlten: zu den alten Bedingungen arbeiten nur noch 15 Prozent. Abgereist sind 1359 Streikende. Streikbrecher haben sich noch nicht gefunden. Zwar versuchen die Meister rastlos durch die Provinzblälter Maurer nach Leipzig heranzuziehen, doch wissen die Streikenden diese fernzuhalten— trotz des Polizeiverbotes, den Zu zug auf dem Bahnhof zu erwarte». Säinmtliche Klempner der Leipziger Luftgasapparatfabrik von E i s e n a ch haben wegen ausgebrochener Differenzen die Arbeit niedergelegt. Der Zuzug von Arbeitskräften ist zu vermeiden. Alle Arbeilerblälter werden um Abdruck gebeten. In der Porzellanmalerei von Meier in Bayreuth sind die Arbeiter wegen Angehörigkeit zur Organisation ge maßregelt worden. Es wird gebeten, Znzng nach dort zu vermeiden. Tie Zimmerer von LudwigShafen a. Rh. haben über zwei Firmen die Sperre verhängt. Zuzug ist daher fern zu halten. Mittheilungen der Generalkommission. Das Gewerkschafts kartest in Biberach beschloß, um daS Eystem, durch Sammellisten Beiträge für Streiks aufzubringen, zu beseitigen, den Beitrag für das Kartell um 5 Pf. zu erhöhen. Die Unternützung für auswärtige Streiks soll in Zukunft nur an die Zentralkasse der im Streik befindlichen Organisation gesandt werden. Sammeb listen werden nicht mehr in Umlauf gesetzt. Von a»? ivärts eingehende Sammellisten werden weder benutzt, noch an die Absender zurückgesandt.— DaS Gewerkschaftskartell in Arnstadt hat beschlossen, eingesandte Sammellisten zu vernichten und auswärtige Streiks nur zu unterstützen, wenn von dem Zentral- vorstand der Organisation ein Situationsbericht eingebracht wird.— Das Kartell in 5iöuigsberg i. Pr. läßt in Zukunft nur solche Sammel listen zirknlire», die von dem Zenlralvorstand der im Streik be- sindlichen Organisation gestempelt sind.— Das Kartell in Glückstadt setzt Sammellisten nur dann in Umlauf, wenn von dem in Frage kommenden Zeutralvorstand ein Situalionsbericht eingesandt wird. Die Listen werden am Orte geprüft und nicht zurückgesandt. Ausland. Tie streikende» Ziegeleiarbeiter von Budapest, deren Zahl, ivie wir bereits mitgetheill, 15 000 umsaßt, habe» den Unternehmern folgende Forderungen unterbreitet: Die Arbeitszeit dauere von 6 Uhr morgenS bis 7 Uhr abends mit einstündiger Mittags- und je einer halbstündigen Frühstücks- und Jansenpause. Der Arbeitslohn ist auf alle» Zweigen der Produktion mit 25 pCt. zu erhöben. Die Kantinen sind bis zum nächsten Frübiahre, das„Truck" System hingegen sofort abzuschaffen. Die Kantineurs müssen ihre Maaren zu gewöhnlichen Marktpreisen verkaufen. Die sogenannte Sparkasse bildet das ausschließliche Eigenlhnm der Arbeiter, daher dürfe» denselben zu diesem Zwecke keinerlei Abzüge gemacht werden (Bis jetzt wurde» jedem Zirgelarbeiter 10 pCt. seines Arbeitslohnes für die Sparkasse abgezogen, doch hatte der Arbeiter nur in dem Falle Ausprilch auf die Ersparnisse, wenn er mindeüens ein Jahr in ber betreffeuden Fabrik arbeitet.) Die vollen Arbeitslöhne sind wöchentlicli auszubezahlen. Die Geldstrafen sind abzuschaffen.(Jede Arbeitsversäumniß von ö Minuten wurde bisher mit je 50 Kreuzer Strafe belegt.) Die Uebersüllung der Arbeiterwohnungen ist zu vermeiden; in einer Wohnung dürfen mehr als zwei Familien nicht wohnen. Die männliche» und weiblichen Personen sind in abgesonderten Zimmern unterzubringen und muß jeder Person ein separates Bett und ein Slrohsack zur Verfügung gestellt werden. Die Autwort erwarten wir bis Sonnabend, den 10. d. Mis." Man braucht wahrlich nur diese Forderungen inS Auge zu fassen und man wird die Berechlignng des Streiks zugeben müsse». Sozinles. Von den schleflschen Handwebern. Für den HandelSkammer> bezirk Schweidnitz, zu welchem die Kreise Schweidnitz, Waldenburg nnd Reicheubach in Schlesien gehören, ivnrde im Februar d. I. eine S l a t i st i k über d i e H a n d w o b e r aufgeiiomme». Nach den jetzt bekannt gegebenen Zahlen giebt es in diese» drei Kreisen 3138 männliche nnd 3321 weibliche Handweber. Davon im Kreise Reichenbach 1737 männliche und 1352 iveibliche; der Kreis Schweidnitz hat 666 männliche nnd 794 weibliche Handweber, während der Kreis Waldenburg 935 niännliche nnd>175 weibliche Handweber zählt. Fabrikhandweber, die in Werkstätten arbeilen, wo 10 und mehr Handweber beschäftigt sind, gab es darunter in allen drei Kreisen 110. Von den gesaninnen Webern waren sogenannte selbst- ständige, das heißt in eigener Wohnung arbeitende, 3799; Gehilsen gab es 2960. Seit 26 Jahren hat sich die Zahl der Handweber der drei Kreise um 8567 vermindert. Von diesen verschwnndenen Hand- webern waren sogenannte selbständige 4294, Gehilfen 4273. Anf der Genrralvcrsaiumlnng der Schlesische» Textil- BcrnfSaenoffenschaft, ivelche am 29. Juni er. stall, and. ivnrde seslgestelli, daß am Schlüsse des Geschäftsjahres 1396 die Zahl der zur Genossenschaft gedöienden Beiriebe 429 betiug, gegen 408 im Vorjahre. Im Gründungsjabre ber Genoffenschast 1885 hat die 'nhl der zugehörenden Betriebe 421 betrage». Ter Bestand der lelriebe ist also in den Jahre» ziemlich unverändert geblieben. dagegen ist die Zahl der in denselben beschäitigteu versicherungs- Pflichtigen Personen von 38 396 im Jahre 1335 anf 50 460 im Jahre 1896 gestiegen. Betriebsunfälle kamen 1896 zur Anzeige 623 oder 12.45 auf 1000 versicherte Personen, entschädigilngspflichtig wurden davon aber nur 178 Fälle, 450 Unfälle wurden also vor Ablauf von 13 Wochen erledigt, mußten mitbin von de» Kranken- kaffen getragen werden, zu denen die Arbeiter bekanntlich 2/8, die Kapitalisten aber nur'/s der Beiträge zu leiste» haben. Im Berichtsjahre(1896) wurden an Entschädigungen inSgesammt 104 783,97 M. gezahlt. Die Verwaltungskosten beliefen sich im Jahre 1896 anf 25 532.47 M.. d. h. auf zirka 4 M. Unfall- entfchädigw'g kam also 1 M. Verwaltungsunkoste». Daß dies gerade besonders billig geivirlhschaslet wäre, möchten wir nicht >ehaupte». Tie Leipziger GewcrbegcrichtS-Bcisitzer haben beschloffen, um Vermehiung der Vo> sitzenden des GewerbegerichlS beim Ruthe der Stadt vorstellig zu werden und folgende Resoliltion angenommen: .�Die Arbeilnehmerbeisitzer des Leipziger Gewerbegerichls sehen es als eine schwere Schädigung sowobl der klagenden Parteien als des Ansehens des Gewerbegerichts an, daß zwischen Anbringung der Klage nnd dem erste» Sühnelermin jetzt oft 14 und noch mehr Tage verstreichen. Sie betrachten es als eine Nolhwendigkeit, daß dem Vorsitzenden schnellstens genügende Stellvertreter zur Seite gestellt werden, damit dem hauptsächlichen Zweck der Gewer begerichle— chnelle Rechtsprechung— Genüge geschehen kann." Diese Resolution ist bereits beim Ralhe der Stadt eingegangen. Ter iuteruationale Kongreß für die Soniltagsrnhe wurde am 7. Juli in Brüssel vom belgische» Arbeitsminister eröffnet. Sozisls Merhsspftege. DaS Reichs- VersicherungSauit beschäftigte sich kürzlich mit einem eigenartigen Fall. Der Wirthsch-oeamte Czarske wurde im Winter 1391/92 vom Treibriemen einer Dreschmaschine erfaßt und mit voller Wucht herumgeschlendert, so daß er ganz erhebliche Ver- letznnge» davontrug. Nach beendetem Heilverfahren blieb vor- »ehmlich ein nervöses Leide» zurück. Die landwirthschaftliche Berufs- genossenschast bewilligte dem Verunglückten 100pCt.derRente für völlige Erwerbsunfähigkeit, indem sie besonders das Gntachlen eines Arztes Dr. Woltke berücksichtigte. Einige Jahre später, als die Berufs- genossenschast wegen angeblicher Besserung des Gesundheitszustandes die Rente herabsetzen wollte, konstatirte derselbe Arzt, daß die Erwerbsunfähigkeit des Verletzten wesentlich noch die gleiche sei. Czarske niache den Eindruck eines Greises. Die Berufsgenossenschaft, die Czarske für eine» Mann hielt, der übertreibe, setzte demnächst aber doch die Renke auf 50 pCt. herab. Später ließ sie ihn noch- mals von Dr. Wottke untersuchen. Dieser erklärte jetzt Czarske für einen Simulanten, der ihn früher getäuscht habe. Der Verletzte zeige, wenn er in Aufregung gerathe, eine Energie, die darauf hindeute, daß seine sonstige Hinfälligkeit ein Produkt der Heuchelei fei. Seinen Klagen sei eine Glaubwürdigkeit nicht beizumessen. Anf grund dieses Gutachtens wurde dem Czarske die Rente gänzlich entzogen. Gegen de» letzten Bescheid be- schritt er de» zulässigen Rechtsweg. Mittlerweile wurde er wegen Betruges angeklagt. Die Strafkammer in Thorn verurlheilte ihn denn auch zu drei Monaten Gefängniß, nachdem sie eine Reihe Zeugen und medizinische Gutachter vernommen hatte. Ein Arzt Dr. Meier sprach sich dahin ans, daß der Angeklagte zwar simn- lire, zum Beispiel die Lahmheit eines Beines, daß er indessen nicht völlig erwerbsfähig sei. Das Landgericht nahm an, C.Habe de» Dr. Woltke zum mindesten durch bewußte Uebertreibung seiner Gebrechen zu einer falschen Schätzung veranlaßt,»m sich einen unrechtmäßigen Vortheil zu verschaffen. ' ierin erblickte das Gericht das Merkmal des Be>r»ges.— Das chiedsgericht der landwirthschaftliche» Berufsgenossensch fft wies Czarske unter Bezugnahme auf das landgerichtliche Unheil ab. Der Kläger ergriff nunmehr noch das Rechtsmittel des giekurses an das Reichs-Versicherungsamt. Das Reknrsgericht beschloß, ihn in der Universitätsklinik zu Königsberg noch einmal untersuchen zu lassen. Depeschen und letzte Zlerchvichken. GreifSwald, S. Jnli.(W. T. B.) Der Professor der Staats. ivissenscbaflen Dr. Emil Struck ist in der letzten Nacht gestorben. Der Verstorbene war ein genauer Kenner der Börse; in de» letzte» Jahren war er geistesumnachtet, so daß er seine Lehr- und seine publizistische Tßätigkeit gänzlich einstellen mußte. Köln, 8. Juli. Die„Köln. Z,g." meldet aus Kandia, es werde versichert, daß die dortige Bevölkerung den Glauben an endgiltige Maßnahmen zur Linderung der trostlosen Lage verliere. DaS Elend und die Verzweiflung seien allgemein. Frankfurt a. M., S. Juli.(B. H.) Die„Franks. Ztg.* meldet aus Konstantinopel: In den« letzten anßerorvent- lichen Mmisterrath wurden die Vorschläge Tewfik Paschas, die sich denjenigen der europäischen Mächte nähern, ver- worfen. Nur der Arbeitsminister stimmte dafür, während die Mehrheit der Minister sich für den Antrag des GroßvezierS aussprach, wonach eine Note an die Mächte gerichtet werden soll, in welcher die Türkei erklärt, daß sie in Thessalien auf einer Grenze, die sich bis fünf Kilometer jenseits der Eisenbahnlinie Trikkala— Volo hinzieht, bestehen. Major Law. der englische Finanz» attachee, ist nach Athen abgereist, um zu den von der Jdentitäts- kommissio» gefaßten Beschlüssen Erläuterungen zn geben und die Modalitäten der Zahlung der Kriegsentschädigung zn vereinbaren. München, 3. Juli.(B. H.) Die„M. N. N." melden, daß Fürst Hohenlohe bei seiner jüngste» Anwesenheit in München poli- tischen Persönlichkeiten gegenüber wiederholt seinem Entschlüsse Aus» druck gegeben hat, die Geschäfte so lange weiter zu führen, wie ihiq dies seine Kräfte gestatten. Budapest, 8. Juli.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. Der Minister des Innern P e r tz e l beantwortete die Interpellation deS Abgeordneten E ö t v ö s wegen der gelegentlich des Gastspiels der deutschen Schauspieler in Budapest vorgekommenen Ruhestörungen. Der Minister erklärte, die Polizei habe in Erfahrung gebracht, daß anläßlich des deutschen Gastspiel- Zyklus gewisse Kreise den Vorsatz gefaßt hätten, dieses Gastspiel zn verhindern und, da sie ihren Vorsatz am ersten Abend nicht erreiche» konnten, für den zweiten Abend»och größere Skandale planten. Der Polizeichef habe daraufhin Verfügungen getroffen, etwaige» Skandalen vorzubeugen. Die Polizei habe die Skaudalmachcr zur Ruhe ermahnt uud, alS diese Er- Mahnungen nichts nützten, dieselben hinausgeführt und in Gewahr« 'am genommen. Es wurden 23 Personen sestgeuommen, von denen 21 verurtheilt worden sind. Er der Minister, erblicke keine Nolhwendigkeit für ein weiteres Vorgehen. Ab» geordneter E ö t v ö s erklärt, er könne die Antwort des ZNinisters nicht zur Kenntniß nehmen. Die Polizei habe die Schauspwler nur darum in Schutz genommen, weil sie Deutsch« waren. Der Minister des Innern erwiderte, Eoetvoes scheine das Polizeigesetz nicht zu kennen oder dasselbe vergessen zu haben. Die Zeit sei vorüber, in der man den Patriolismus mit der Ver- solgung der deutschen Sprache bethätigen müßte. Jede Nation gestattet gern fremden Künstlern Eintritt in ihr Land und gerade die ungarischen Künstler sind in der ganzen Welt verbreitet nnd werden überall gern gesehen. Niemandem im Auslande falle es ein, dagegen Einwendungen zu erheben. Er bitte das Hans seine Antwort zur Kenntniß zu nehme».(Lebhafter Beifall, Eljenruft rechts.) Die Antwort des Ministers wurde mit überwiegender Mehr- heil zur Kenntniß genommen. Paris, 7. Jnli.(W. T. B.) Die Kammer bewilligte einen Kredit von 7 Millionen Franks sür die Opfer der jüngsten elemen- taren Ereignisse i» Frankreich, Algier und Guadeloupe. Paris, 8. Juli.(W. T. B.) Eine Näherin namens Marschal wurde heule früh in ihrem Zimmer in der Nu« du Fanbonrg Poissonniöre zusammen mit drei jungen Arbeiterinnen erstickt auf- gesunden. I» einem hinterlassenen Briefe stand die Erklärung, sie stürben freirvillig und ohne Bedauern. Die That wird häusliche»» Kuuimer zugeschrieben. In dem Zimmer fand man eine Flasche, in der sich ein Liier Branntwein besunde» Halle, leer vor. Paris, 7. Jnli.(W. T B.) Ter Gemeinderath genehmigte die ersten Artikel der Vorlage betreffend die Errichtung der Stadtbahn. London, 8. Jnli.(W. T. B.) Nach einer Meldung der „Times' aus Buenos Aires vom gestrigen Tage sind Wiederruit grobe Heuschreckenschivärnie in Santa Fö uud den andere» nörd« liche» Provinzen Argentiniens ausgelrete». Derselben Meldung zu- folge ist gestern in Buenos Aires die Nachricht eingegangen, daß die Aniständisckren von U>»g»ay i» der Nähe vo» lliio Negro im Drstr ikt Cerro-Largo stehe». Tie Friedensverhandlungen seien angeuscherrr» lich gesebeiiert. London, 8. Jnli. Dem„Reuter'schen Brrreau" wird ans Lagos von beute gemeldet, daß eine ilbtheil», g der PolizeiKapp« der Niger- Company unler Befehl des Lieutenarcks C r roll und Fitzgeraid den geflüchteten Köiug von Benin mit einem Trupp von 500 mit Gewehreu bewaffneten Eingeborene» südlich vor, Kalststt entdeckt habe. Die Abiheilnng gnff den König uud seine Leute mehrere Male an, schlug dieselben wiederholt nnd bracht« ihnen schrvere Verluste bei. Trotzdem sei es dem König gelungen, zu enllornmcn. on der Polizeilruppe seien zwei'Mann gefallen und Lieutenant Frtzgerald sei nachträglich seinen schrvere» im Kamps« erhaltenen Wunde» erlegen. Koustantinvpel, 8 Jnli.(B. H.) Es verlautet, Rußland fei enlsärlossen, bei weiterer Hartnäckigkett des Sultans, den Vorschlägen der Mächte zuzustimmen, die Schwarze Meer-Flotte in die DarOa- »cQen einlaufen zn lassen. Rio de Aauciro, 8. Juli.(W T. B.) Die Negiernugslritppen haben Canudvs genominen. Tie Banden Couseilherv's sind ver» nichtet. Verantwortlicher Redatteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnferatenthetl verantwortlich:»h. Glocke in Berlin. Dnick und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Ilnterhaltungobiatt. 8t. 157. 14. Ichtgliiig. Stilaat dts Janaitls" Ketlim WKsdlalt. frtitaj, 9. Juli 1897, VII. Generalversammlung des Verbandes der Hafenarbeiter Deutschlands. H n», b« r g, den 7. Juli 1897. Zur Beralhung stehen eine Reihe von Antrügen, die eine Er- höhuug der Beitrüge bezwecken. S a b b a t h, Vertreter der Genercilkommisfion der Eewerlschastcn Deutjchlands, führt folgendes nuS: Ich habe erwartet, daß ganz andere Anträge znr Erhöhung der Beiträge gestellt würden. Bei dein letzten großen Streik seien die Hafenarbeiter von der gesa»»»ten andereii Arbeiterwelt unterstützt. Das sei nun aber vorbei, jetzt seien die Hafenarbeiter verpflichtet, sich auf eigene Füße zu stellen. Ein zweites Mal würden die Mittel nicht so reichlich fließen. Hätte» die Hafenarbeiter 100000 M. in der Kasse gehabt, so würde das dem Unlernehnierihltin iniponirt haben und es würde sich anf einen so gewaltige» Kampf nicht eingelassen haben, sodaß man selbst die 100 000 M. nicht hätte anszugeben brauche». Die Hafenarbeiter müßten ihre Organisation so ausbauen, daß sie gerüstet daständen, um die Lebenslage zu bessern. Man dürfe dem JndifferentiSmns nicht zu große Konzessionen machen. Ein Fehler ist es. daß man mit zn niedrigen Beiträgen angefangen hat. Die Gewerkschaften, die die höchsten Beiträge zahlen, können an, meisten leisten und die ihnen angehörenden Arbeiter erfreuen sich der besten Lebenshaltung. In der Nachmittagssitzung wird sodann i n n a nt e n t 1 i ch e r Ab st i mm tt n g mit 26 gegen 16 S t i m m e n beschlossen. dieBeiträge von 40 aus 60 Pfennige zu erhöhe». Dieser Beitrag wird vom 1. Januar 1898 erhoben werden; von diesen Beiträgen sollen 60pCt. an die Zentralkasse gelangen. S ch in a l j o h a n n- Hamburg, Kcsselreiiiiger. stellt den Antrag, daß den Mitgliedern des Verbandes, welche den ortsüblichen Tage- lohn nicht verdienen, auf Antrag die Beiträge auf die Hälfte ermäßigt werde» sollen.— Der Antrag wird ohne Debatte an- genommen. Zn Z 7 beantragen die Speicherarbeiter und Ewer- führer Hamburgs: Mitglieder, welche ein Lebensalter von über 60 Jahren erreicht haben, sind bei Lohnbewegungen nicht zur Niederlegung der Arbeit verpflichtet. Die Vertreter der Quai- Arbeiter I und der Schauerleute Hamburgs sprechen gegen diesen Antrag. Der Antrag wird mit sehr grober Majorität abgelehnt. Die Generalversammlungenfollen jährlichstattfinden. Die Vertretung erfolgt in der Weise, daß bis zu 1000 Mitglieder einen Delegirlen und jedes angefangene Tausend weiter einen Delegirten entsenden. Slusschnß und Nevifionskomniission sollen durch je einen Delegirten vertreten werden. Zu§ 16 Abs. 2 liegt ein Antrag der Schauerleute vor, welcher besagt, daß jede Mitgliedschaft bis zu 1000 Mitgliedern zur Leitung der Geschäfte einen Vorstand von vier Personen zn wählen und daß Mitgliedschaften von über 1000 Mitgliedern einen Vorstand von sieben Personen wählen können. Der Antrag wird nach längerer Debatte angenommen. Die Mitgliedschaften Magdeburg und Schönebeck be- antragen, dem S 17 als Absatz 3 hinzuzufügen: Die örtlichen Ver- waltungen haben das Recht, bei A d w e h r st r e i k s sofort zn handeln, ohne erst auf die Ordre der Zsntralleitimg zu warten. Der Antrag wird mit einem Amendement Kellermann, daß der Antrag nicht im Statut, sondern nur im Protokoll als bis zur nächsten Generalversammlung bindend fixirt werden soll, angenommen. Es werden hieraus die Anträge z u ni Rechtsschutz- Reglement zur Debatte gestellt. Die Mitgliedschaft der Hamburger Schalt erleute beantragt, den Z 1 wie folgt zu fassen: Der Verband gewährt jedem Mitglicdc unentgeltlichen Rechlsschuh in folgenden Fällen: a) Bei gewerblichen Streitig- keilen ztvischen Arbeitnehmer tmd Arbeitgeber, b) Wenn ein Mitglied durch Eintreten für die Vereinsgrundsätze in Auklagezustand versetzt wird und für Unsallsachen. Der Antrag wird angenommen. Die Mitgliedschaften Schanerleute-Altona, Quai-Arbeiter-Ham- bürg und Speicherarbeiter-Hamburg beantragen als neuen Para- graphen in das Verbandsstalut einzufügen: Zur Leitung der Verbands- geschäste muß eine besoldete Person angestellt werden. Die Debatte hierüber wird auf Donnerstag vertagt. Hamburg, den 3. Juli 1897. In der heutigen Sitzting nimmt bei Eröffnung der Debatte über die Anstellung eines besoldeten Beamten niemand das Wort, woraus dem Antrag zugestimmt wird. Ein Antrag, daß der Verbandsbeamte Mitglied des Zentral. Vorstandes sein soll, wird abgelehnt, dagegen wird ei» Antrag angenommen, daß der Beamte dem Zentralvorstand, dem'Ausschuß und der Nevisionskoininission unterstellt werde» soll. Das Gehalt wird auf 1600 M. pro Jahr festgesetzt. Auf Antrag W a r l i ch- Hamburg wird die Entscheidung über die Personenfrage ausgesetzt, bis die Wahl des Zentralvorstandes erfolgt ist. Die Mitgliedschaften Duisburg und Flensburg stellen den An- trag, von Verbands wegen eine Zentral- Krauken- und Sterbekasse zu gründen. Der Antrag wird darauf mit großer Majorität ab- gelehnt. Es wird sodann zum ersten Punkt der Tagesordnung. Wahlen, übergegangen. Als Sitz des Zentralvorstandes wird Hambttrg, des Ausschiisses Lübeck wieder bestimmt. Anf Vorschlag Kellermann und Vogt-Bremen wird be- schloffen, die nächste Generalversammlung— im Jahre 1898— wiederum in Hamburg stattfinde» zn lassen. Zunächst wird eine Erklärung der Lohnkommission der Quai- Hilfsarbeiter verlesen, welche sich dagegen verwahren, daß die Quai- Hilfsarbeiter den festen Leuten in den Rücken gefalle» sind. Die Ausführungen, die die Delegirten Warlich und Landahl, auf welche die Erklärung Bezug nimmt, gemacht haben, beziehen sich auf die- jenigen Hilfsarbeiter und Karrenleute, welche auf den Schuppen, wo die festen Leute uicht in den Streik eintraten, ebenfalls in Arbeit blieben und nachträglich feste Stellen einnahmen. Hierauf wird die Wahl zum Zentralvorstaitd vollzogen. Gewählt wurden: Kellermann, erster Vorsitzender; Döring, zweiter Vorsitzender; L an d a h l, Kassirer; Heinecker, Schriftführer; R o g a l, Beisitzer. Zum Obmann der Revisionskommission wird Will gewählt. Zu dem Posten eines besoldeten Beamten werden Schipp mann- Altona und Heitmann- Lübeck vorgeschlagen. D e ck e r- Magdeburg beantragt, daß Ausschuß und Zentral- vorstand eine geeignete Person(Hasenarbeiter) zu diesem Posten er- nennen mögen. Mit alle» gegen 4 Stimmen wird der Antrag angenommen. Hierauf wtrd in den letzten Punkt der Tagesordnung, Ver- schiedenes, eingetreten. Nach Erledigung interner Verbandsangelegenheiten stellt Landahl den Antrag, unversäumt darüber Erhebungen anzustellen, wie alt jedes Mitglied ist, welcher Kategorie und welchem früheren Beruf es angehört und wie lange es im Hafen beschäftigt ist. Das Material zu dieser Statistik ist vom Zentralvorstand ,n beschaffen. Der Antrag wird angenommen. Von der Mitgliedschaft Altona wird augeregt, der Zentral- vorstand solle an zuständiger Stelle daraus hinwirken, daß analog einer schon bestehenden Einrichtung für die Tageszeit, für die Nacht- zeit folgende Einrichtung getroffen wird: Um eine» Roth- oder Unglücksfall sofort melde» zu können, wird an Bord des Hilfe be- dürftigen Schiffes ein Blue- Licht gezeigt, welches Zeichen von Wächter», die am Südostende der Südseite der Elbe bei den neuen Häfen während der Nacht postirt sind, weitergegeben wird, um so schnelle Hilfe von der Stadt zu beschaffen. Aus Antrag L a n d a h l wird dieser Antrag btS zum nächsten Kongreß verschoben. S t e h n- Altona verliest hierauf daS Statut der von den Kohlen-Jmportenren nach Heidmann'schem Muster ins Leben ge- rnsenen Spar- und Unterstützungskaffe, um so den auswärtigen Dele- girten aä oculos zu demonftrirev, wie weit die„Arbeiterfürsorge" dieser Arbeitgeber geht. Mit einem kräftigen Hoch anf den Hasenarbeiter-Berband wird hierauf die Generalvcrsainmluiig gegen 11 Uhr geschloffen. Loltotfes. Lokalliste. Herr G r a u m a n n, der neue Inhaber deS Lokals Naunynstr. 27(früher Henke), wird fein Lokal weder zu gewerk- schaftlichen»och politischen Versammlungen hergeben. Am 10. Juli feiert der Guten berg-Bund in Charlottcnburg, Schützenhaus sein Johaunesfcst. Das Lokal stebt der Arbeiterschaft nicht znr Verfügung.— Die Arbeiter der Firma C F. Schulzen. Co., Oranieustr. 189, veranstalten am 10. Juli einen Ausflug nach dem Lokal„Wendenfchloß" in Grünau. Auch dieses Lokal wird von den Arbeitern gemieden. Die Parteigenossen des sechsten Bcrliucr Reichstags- Wahlkreises veranstalten am Sonntag, den 11. Juli, im Jägerhaus, Schönhauser Allee 102, eilt großes Volksfest. Die Parteigenossen werden gebeten, durch recht zahlreichen Zuspruch das Unternehme» zu unterstützen. Für Unterhaltung und Belustigungen aller Art ist auss trefflichste gesorgt. Das Koniitee. Recht merkwürdige Dinge anS dem rothen Hanse standen ans der Tagesordnung der letzten MoualSversammlung des Vereins Berliner G e in e i» d e b e a m t e n, die am Mithvoch stattfand. Dieser Verein hatte a», 20. Jitni 1896 an den diesige» Magistrat und nnterm 21. Januar 1897 an die Sladlverordneteu-Veisanimlung Petitionen eingereicht, um. gestützt aus ß 66 der Städle-Ordnung und auf das Reicksgerichtö-Erkeuntniß in Sachen Malitz, die endliche Regelung bezw. Anerkennung der Anstellungs- und Dienst. Verhältnisse der Hilfsarbeiter sowie deren Pensionsberechtigung »nd Reliktenversorguiig herbeizuführen. Da eine Antwort aus beide Anträge nicht erfolgte, wandle sich der Verein unterm 11. Juni 1897 an den Oberpräsidenten mit der Bilte, die gtegelung der Anstellungsverhältnisse der Genieindebeamten im Attssichlsii'ege zu bestimmen, beziehungsweise zu beschlennige». Daraufhin lies am 7. Juli d. I. folgendes Magistralsschreiben an den Vereinsvorsitzenden ein: Berlin, den 23. Juni 1897. Im Auftrage� des Herrn Ob.erpräsidenten eröffnen wir Ihnen, zugleich zur Weilerniiltheilung a» die Milunterzeichner der an den Herrn Oberpräsibenten gerichteten Vorstellttng vom 11. Juni er., daß Eingabe» des von Ihnen' bezeichneten Ortsvereins vom 20. Juni>896 an den Magistrat und vom 2l. Januar 1397 an die Stadiverordneten-Versaininlung ü b e r h a u p t nicht zu den Akten dieser G e n> e i d e b e h ö r d e n gelangt sind. Möglicherweise haben Sie Anträge oder Eingaben im Auge, welche an einzelne oder alle Mitglieder des Magistrats oder a» ein- zelite oder alle Mitglieder der Stadtverordneten-Versaniinluug ge- richtet ivorden waren. Derartige Anträge sind aber nicht als an die Behörde gerichtet anzusehen, komme» nicht zu den Akte« tmd sind auch nicht von ihnen zu beantworten. Uebrigens dürfte es Ihne» nicht unbekannt sein, daß seit dem vergangenen Jahre eine gemischte Deputation beider Gemeinde- behörden zur Beralhung über verschiedene, das städtische Bureau- personal betreffende F>agcn besteht, bei welltier auck die Ver- hällnisse der Bnrcan Hilfsarbeiter des Magistrats zur Erörterung gelangt sind. Die Gemeindebehörden haben auf Anregung dieser Deputation bereits eine Mehizahl von Beschlüssen gefaßt»nd ins Werk gesetzt, welche die Hilfsarbeiter betreffen und daher Ihnen und de» übrigen Mitglieder» des von Ihnen bezeichneten Vereins bekannt geworden sind.— Der Magistrat, gez. Zolle. Dieses Schriftstück erregte Kopsschüttel» und allgemeine Heiterkeit in der Versammlung. Es wurde in der Debatte festgestellt, daß die Petition vom 20. Juni 1896 mit einem Anschreiben an den Magistrat abgeschickt wurde. Die Abschrist be- findet sich bei den Vercinsakten; serner habe Herr Ober- bürgernieister Zelle wiederholt privatim, wie auch in öffentlicher Sitzung, dieser„Paria"-Pclition Erwähnuitg gethan, hat sie also gekannt, und am 21. Jänuar 1897 ist sie i» der Stadtverordnelen- Sitzung zur Besprechung gelangt. Die Versaminlung wählte eiste Kommission, die eine Protest- resolutioit gegen obiges Schriftstück dem Magistrat übermitteln und gleichzeitig dem Oberpräsidenten über die Jirlhümcr berichten soll, die das Magistratsschreiben enthält. Uns scheint, als ob der Herr Oberbürgermeister eine sehr«n- glückliche Ausrede fand, uui die Petenten abzuschütteln. Ob die Petenten auf die Erfüllung ihrer Wünsche hoffen könne», ist bei den freisinnigen Sozialpolitikern sehr fraglich, denn bisher ist a» dem Grundsatz„viel Arbeit und wenig Lohn" mit seltener Prinzipientrene festgehalten worden. BeleidigtiugSklageu gegen den Oberbürgermeister Zelle haben verschiedene städtische Hilfsarbeiter angestrengt. Die Beleibt- gung wird darin gefunden, daß Herr Zelle geäußert haben soll: Sämmtliche Unterzeichner einer an den Magistrat gerichteten Petition der städtischen Hilfsarbeiter seien„Lügner".— Vielleicht neuester Herrenhauston?— lieber die tägliche Durchschnittsleistung der Berliner Elektrizitätswerke werden folgende Ziffern bekannt: Die Normal- leistung der in den vier Stationen aufgestellten Maschinen beträgt 10 868 Kilo Watt. Gespeist iverden 187 071 Glühlampen(60 Watt- Lampen), 7131 Bogen'(10 Ampere-Lampen nnd außerdem wird Be- triebstraft für Motore geliefert in einer Stärke von 6449 Pferde- kräften. Allgemeine Heiterkeit erregte bei allen Betheiligten nnd Augenzeuge» am Dienstag Abend ein Vorgang, welcher in seiner Art auch bezetchnend ist nnd die Vermnthustg nahe legt, daß das drohende Bereinsgefitz seine Schatten bereits voraus wirft. Es hatte nämlich eine hiesige Gewerkschaft zn gedachlein Abend eine Bezirkssttzung nach dem Lokale von Hoppe, Ackerstraße 146, welches für der- artige Zwecke Vereinszimmer zur Verfügung hält, einberufen und diese Sitzung, um der Form zu genügen, polizeilich angemeldet. Zu dieser Sitzung waren drei Tbeiltiehrner erschienen. Nicht wenig erstaunten diese, als znr festgesetzten Stunde zur Ueberwachnng der Versammlung ein Polizeiwachtineister und ein Schutzmann erschienen. Natürlich konnten die drei Versammelten die angemeldete Versammlung nicht abhalten, andererseits wollten sie nicht vorzeitig daS Sitzungszimmer verlassen, und so wichen sie denn nicht von der Fahne. Pflichtgetreu blieben auch die beiden Vertreter der Staatsgewalt die vereinsgesetzliche Stunde hin- durch am Orte, bis daß die Zeit erfüllet ward und ihre Zeit gekommen war. und sie zugleich mit den drei„Ver- sammelten" das Vereinszimmer räumten. So unscheinbar dieser Vorgang an sich auch erscheinen mag, so bezeichnet er als politisches Wetterfähnlein doch imnierhin die herrschende Windrichtung nnd illuftrirt auf seine Art die preußische Versammlungsfreiheit, die durch das neue Vereinsgesetz eine noch eigenartigere Gestaltung er- fahren soll. Ueber die Vergiftung durch Krebse hat ein Herr Micha, Berliner Spezialist in Krebsen, eingehende Informationen über den auch von uns ansführlich behandelten Fall eingezogen. Das Resultat ist folgendes: Die betreffenden Krebse wurden von Herrn Rndowsky in der Markthalle, morgens 10'/, Uhr. gekauft, nnd waren nach der Aus- sage des Käufers sämmtlich lebend und sehr schön. Sie wurden drei Stunden nach dem Einkauf, also nach 1 Uhr. in einem einwandfreien Gesäße gekocht, nachdem Frau Rndowsky den lebende» Thieren den Darm ausgerissen hatte, eine Manipulation, die in diesem Falle schon deshalb bedenklich ist, weil dadurch der Sänrebildnng in den Krebsen und so ihrem leichteren Verderb wesentlich Vorschub ge- leistet wird. Außerdem nahm Frau Rudowsky zu dem Kochen der Krebse nur'/e Pfund Salz, während das Schock von dieser Größe mindestens die doppelte Quantität erfordert. Die so gekochten Krebse wurden abends nach 8 Uhr etwa zur Hälfte von der Familie und einigen Gästen bei dem Geburtslagsessen verzehrt. Der Rest der Krebse wurde am zweiten und am dritten Tage an verschiedene Personen im Hause verschenkt, von denen einige nach dein Genuß leichte Symptome von Leibschmerz verspürten, was nicht zu verwundern ist, da die Krebse an den daraiifsolgenden Tagen angesichts der herrschende warmen Temperatur jedenfalls schon verdorben waren. Zwei Tage nachher erkrankte der inzwischen Verstorbene, von dem feststeht, daß er seit langer Zeit so schwer magenleidend war, daß er absolut nichts mehr vertragen konnte. Es ist also auch hier nicht im geringsten bewiesen, daß sein Tod durch Krebsgift herbeigeführt ivorden sei. Schließlich wurde noch festgestellt, daß die gekochten Krebse zeitweise auf Eis gelegt wurden— ein Umstand, der wohl die Möglichkeit zuläßt, daß die Krebse durch in dem Eis enthaltene Bazillen verdorben wurden. Der Fall, daß in lebenden Krebsen Gift sich vorfände, ist noch niemals konstatirt worden. Johannes Gnttzeit. der bekannte Natnrprediger, ist der von ihm bisher mit Feuereifer vertretenen Sache des Vegetarisnins im- treu geworden. Er erklärt öffentlich, daß er,„um neue Kräfte zu gewinnen", sich entschlossen habe, wieder Fleisch zn genießen. In Vegetarierkreisen erregt der Abfall des langjährigen Vorkämpfers der natürlichen Lebensweise und fleischlosen Kost unliebsames Ans- sehen. Die Tage der Haseuhaide sind gezählt. Nach Schluß der Sommeisaisoy, am 1. Oktober, wird die allbekannte Vergnügnngs- statt« ihrem Zwecke entzogen werden und dein Banspelulations- geschäft anHeim fallen. Ein Bankhaus hat das Terrain über- nomine». Der ZlrknS Renz wird weiter bestehen. Wie der„L.- A." mittheilt, ist den Mttgltedern des Zirkus mitgetheilt worden, daß jetzt die Gründung eines Konsortiunis gesichert erscheine, so daß der Zirltts weiter bestehen werde und das gesaminte Personal dabei bleiben könne. Eine endgiltige Entscheidung sei in etwa drei Tagen zu erwarten. Das Polizeipräsidinm macht bekannt. Ein gewisser H. B o n f i l s in Paris, Rtte Chauchat 4, versendet in großen Massen nach Deutschland Zirkulare in detttscher Sprache, in welchen er zni» Ankauf von Loosen der Pariser Weltaiisstellnugs-Lotterie 1900, zu tüikischen und andern zum theil in Deutschland verbotenen Piämienloosen gegen Natenzahlinigen unler Hinsweis ans die angeblich außerordentlichen Geivinnchancen auffordert.— Bonfils soll im fünfte» Stockwerk des genannten Hauses zusammen mit einein ans Belgien zugezogenen Kaufmann Schlesinger ei» kleines Bureau unterhalten. Da das Spielen � in der Pariser Welt- ailSstellniigs-Lottme sowie der Verlauf von Prämicnloose» gegen Ratenzadliingen in Denlschland nicht gestattet und mit Strafe bedroht ist, wird vor einer Geschäflsverbindmig mit Bonfils gewarnt. Ter lSjährige Knabe Siegfried Rögliu, Sohn der Wittw« R ö g 1 i n, Nene Hochstr 3, der bekanntlich im Spandauer Schiff- fahrtskaual einen 11 jährigen Spielkameraden vom Tode des Ertrinkens rettete, hat für seine brave That noch eine besondere Anerkennung gefunden. Wie ein hiesiges Lokalblatt berichtet, ist ihm von dem Uhrmacher H. Zimmermann, O r a n i e n- st r a ß e 206. eine schöne silberne Udr mit einer anf die Rettungs- lhat bezüglichen Inschrift verehrt ivorden. Ein ganzes Waarcnlager gefundener Gegenstände hat sich in dem„Bereinsbureau Beiliuer Droschkenkutscher" angesammelt und werden etwa 250 Droschkenkutscher aufgesordert, die von ihnen ab- gelieferten Fnndgegenstänbe gegen Zahlung der Gerichtskosten ans dem Bureau abzuholen. Ter im Lcckert-Lütiotv-Prozcst als Polizei-Agent erkannte frühere Redakteur des„Berliner Tageblattes". Gingold Stärk, hat Europa verlassen und sich in der vorigen Woche von Bremen aus nach New-Iöik eingeschifft. Das Opfer eines Menschenlebens hat wieder eine Spiritus- explosiv» gefordert. Die 28 Jahre atle verheirathete Köchin Minna Gehrmann hatte vor acht Tagen ans dem Hose des stiothacker'schen Restaurants in der Teltowerstraße Nr. 3 Gänse, Hühner und Tauben abzusengen. Sie beiinyte dazu eine Pfanne mit brennendein Spiritus und goß, als die Flamme nachließ, unvor- sichtigerweise ans einer Steinkriike nach. ohne vorher das' Feuer zu löschen. Die Flamme schlug hoch, eist- zündete den Inhalt der Kruke und brachte diese zu Explodiren. Der brennende Spiritus ergoß sich über die Kleid» der Frau, die ihr, während sie in der Todesangst durch den Gart rännle, bis auf einen Rest deS Korsets auf dem Leibe verb.-vraufc. Im Krankenhaus Am Urban ist die Unglückliche ihren Ferletzungtn erlegen. Die Staatsanivallschaft hat die Leiche b�tHtagnahmt, die Schuld eines anderen erscheint jedoch anSgeschlch'sen. Der Inhaber des Nestauraiits Gastmirth Mönch zog sich bei dem Versuch, daS Feuer der Kleider mit einem Tischtuch zu ersticken, am linken Arm so erhebliche Verletzungen zu, daß er ih,,»och in einein Verbände tragen muß. In seinem Berufe tödtlich vernuMckt ist gestern, Donners- tag, Nachmittag kurz nach 3 Ubr der Kitischer Kiiiestädt, der in der Baumaterialienhandlttng von Richard Schäffer thätig war. Dem Manne ging, als er mit einem beladen«» Stcinwagen vom Hafenplatz nach der Ljnkstraße zn wegsuhr, in dex Nähe der Uebersührnng der Potsdamer Bahn die Vorderschütze los. Die Steine, deren Packung jetzt nachgab, drückten ihn vom Wage» herab, so daß er vor ein Vorderrad fiel. Dieses ging ihm über die Brust und verletzte ihn so schwer, daß er anf der Unfallstation I i» der Wilhelmstraße, wohin ein Schntzmann des 34. Reviers ihn mit einer Droschke brachte, bald nach der Aufnahme starb. Mit Absinth vergiftet hat sich Mittwoch Abend zwischen 10 und 11 Udr die Lindenwirthin. die 22 Jahre alte Gastwirihssratl Auguste Möhring aus der Lindenstraße 45. Die Frau hat vor �t-s Wochen ein Kind durch den Tod verloren und war seitdein schwer« müthig. Nachdem gestern Abend ihr Mann weggegangen war» wurde ihre El.immnng noch gedrückter. Sie zog sich in einen Privatratim zurück und hier fand sie eine Kellneri» um IG/s UPe schwerkrank auf. Sie hatte soviel. Absinth genossen, daß eine schwere Alloholvergistnng eingetreten war. Ein von der nächsten Sanitätswache herbeigerufener Arzt ließ sie in ein Krankenhaus bringen. Wegen unglücklicher Liebe hat sich vorgestern Abend der Gärtner Höcke, bei in dee Hanplstraße 99 zn Schöneberg ivohnt und in Königs- Wnsterhansen beschäftigt ist, in Groß-Lichterfelde zu erschießen versucht. Der Vorfall ereignete sich an der Ecke der Ring- »nd Drakestraße. H. jagte sich hier aus einem mit sechs scharfeil Patronen geladenen Revolver eine Kugel in die linke Brust. Das Geschoß verletzte die Lunge und der Lebensmüde brach schwer verletzt jnsainmen. H. wurde nach Potsdam in ein Krankenhaus gebracht. SlttS de» Nachbarorten. NuS Rixborf. In einem größeren Geschäfte in Berlin wurde» dieser Tage zivei sehr nobel gekleidete Damen bei Ausführung eines Diebstahls ertappt und der Polizei übergeben. Es stellte sich heraus, daß beide Mädchen, welche sich im Alter von 17 und 19 Jahren befinden, die Töchter angesehener, in der Hermannstraße zu Rixdorf wohnhafter Eltern sind. Bei einer in der elterlichen Wohnung vor- ginou»»s»en Ha»Isuchu»g wurden noch zahlreiche Sachen auf- gefunden, welche noch Ansicht der Kriminalpolizei aus ähnlichen Diebstählen herrühren und glaubt man daher, in den beiden Dämchen einen guten Fang gemacht zu haben. Di« älteste Schwester wollte sich demnächst mit einem bekannten Nixdorser Geschäftsmann ver- heirathen und man kann sich dessen Schreck vorstellen, als er erfuhr, weß Geistes Kind seine Angebetete ist. In der Fabrik vo» Naglo wurde gestern ein Arbeiter von einem elektrischen Wagen übersah«». Peinlich berührte es, daß dem Berimglnckten nicht sofort ärztliche Hilfe zu theil werden konnte. Da die Fabrik ziemlich abgelegen auf dem Treptower Terrain liegt, mußte erst ans der Stadt eine Droschke herbeigeholt werden, in der dann die tteberführnng des Verunglückten zum Arzt erfolge» tonnte. In einem so großen Betriebe, wo die Gefahr eineS Unfalls immer vorhanden ist, sollte doch besser für Hilfe in UnglückSsällen gesorgt werden. I» der Genicinde Tchtincberg wird«e bereits sehr nn. angenehm empfunden, daß die tliegiermig noch immer- keine näheren B e st i m m n» g e n getroffen hat, in welcher Weise die Einführung der dem Orte verliehenen städtischen Verfassung vorbereitet iverden soll. Diese Frage ist für die Gemeinde um so wichtiger, als der Zeitpunkt für das Jnkrast- treten der neuen Verfassung ein recht ungeeigneter ist. Der Ansang der neuen Etadtrecht-Aern fällt genau zusammen mit dem Beginn des neuen E t a t s j a h r e S. Zu diesem aber muß der Etat für das neue Verwaltungsjahr bereits festgesetzt fein und kann also nicht erst nach dem Inkrafttreten der stäbtischen Bersassung von den neuen Geineindc-Körperschaften fertiggestellt werden. Ebensowenig aber dürste es angängig sei», daß der Etat für die Stadt Schöne- berg von den Verwaltungsorganen der bisherigen Landgemeinde festgestellt wird, da es dann in ersterer niemand gäbe, den der Etat nach innen wie außen hin verantwortlich zu vertrete» hätte, be- sonders hinsichtlich der viele» neu zu schaffenden Stellen be- ziehnngsweise Gehallspositionen(Bürgermeister, Stadträthe zc.) nnd ähnlicher Etatetitel(königliche Polizeiverwaltung u. s. w.). Da die EtatS-Ansstellnng und-Berathung nur von dem für die neue Stadt eingesetzten Magistrat und der Stadtverordneten-Ver- sammlung vorgenommen werden kann, so dürsten 4 bis 2 Monate erforderlich sein, um von der Vollziehung der Stadtverordnelen- Wahlen nn bis zur endgiltigen Einführung der städtischen Verfassung am I. April ISSS die Festsehnng des ersten Schöneberger Stadtetats fertig zu bringen. Man sieht daher in der Gemeinde den Bestimmungen der Regiernng'über die Durchführung der Berfafsnngs- änderung mit'Ungeduld entgegen, erwartet aber schon heute be- stimmt, daß die Slusschreibung der Wahlen zur erste» Schöneberger Stadtverordncten-Versammlung bereits für den Monat September oder Oktober angeordnet werden wird. Ter beklaaciiSwerthe UngliiifSfall, der sich am Montag Abend a»f der R i n g b a h n st a t i o» S ch ö» e b e r g dadurch ereignet hat, daß ein älterer unbekaiinter Herr von einem Grüne- waldzuge überfahren und getödtet wurde, hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Der Verunglückte war der in Wilmersdorf ivohuende Geheime Kanzleidiener K l u t h vom Minifterinin für Landwirlh- schaft«. Er hatte in Schöneberg einem Kollegen anS einem andern Ministerium mit das letzte Geleit gegeben uud wollte nun abends von dem bezeichneten Bahnhof nach Hause zurückkehren. Als der Grüne- waldzug dann in die Station einfuhr, ging ihm K., weil er sehr kurz- sichtig ist, direkt entgegen, um das am Kopf der Lokomotive an- gebrachte Richtungsschild zu lesen und nicht statt nach Wilmersdorf nach Tempelhof zn fahre». Hieran ließ er sich auch durch einen bei ihm stehenden anderen Herrn, der ihn zurückhalten wollte, nicht hindern. Und so wurde er, als ihn dieser, um nicht mitgerissen zn werden, wieder losgelassen hatte, im nächsten Augenblicke von der Maschine gefaßt nnd unter die Räder geworfen. Damit fällt die Annahme, daß der Bernnglnckte Selbstmord begangen habe» könnte, in sich zilfammen. Die Leiche ist vo» seiner Familie gestern reklamirt und von der Polizei daher auch freigegeben ivorde». Einbruch in eine Bnnbnde erfolgte in der Nacht vom Montag znm Dienstag auf dein Bau Rheingau- und Bürgerstrnßen• Ecke in Wilmersdorf. Die Diebe cnlivendete» zwei Wasserwaagen mit den eingeschnittenen Namen P. Diesener und Runge, ferner zwei Drillich-Hojei» nnd einen Hobel. Zn dem räthsclhnften Verschwinde» der Martha Bahren- dorf aus Spandau wird uns noch folgendes gemeldet: Die Span- daner Kriminalpolizei hat ihre Recherchen ans die sämmtlichen Vor- orte an der Ober-Havel ausgedehnt. Da die Leiche der F. bisher »och nicht gefunden, ist, da bereits über acht Tage seit ihrem Ver- schwinde» dahingegangen, die Möglichkeit, daß das Kind»och am Leben, nicht ausgeschloffen. Alle bisherigen Recherche» deuten darauf hin, daß das zur Entführung benutzt« Boot Privat- Eigenthum gewesen und es wäre dringend wünfchenSwerlh, "aß Personen, die irgend ivelche verdächtige Wahrnehmungen emacht haben, hiervon sofort der Berliner oder Spanbauer riminalpolizei Mittheilnng geben. Es sei dabei bemerkt, daß es ehr leicht möglich, ja nicht ganz unwahrscheinlich ist, daß der Ent- nhrer eine in Berlin ansässige Person ist. Die Martha V. war eist ig nicht normal, sie litt an einer Art Zerstörungswah», und iergte rv. letzter Zeit auch zu diebischen Handlungen. Die Kleine ollte deSivbßen»ach einer Irrenanstalt überführt werden und halte iervon Kenntniß erhalten. Demgegenüber äußerte sie, daß sie sich nf keinen Fall in die Irrenanstalt bringen lasse» werde und lieber vorher verschwinde» oder sich das Lebe» nehmen wolle. Zur E n t d e ck u n Z der Spur des verschwiindenen Mädchens wird jetzt geschrieben: Endlich ist es de» alle Tage hindurch forlgesetzten Nachforschiiiigen der Polizei geglückt, eine Spur zn ent- decken, und diese führt na-h Berlin. Der erste Anhaltspunkt ist ans Tcgelort ermittelt wordei'- Dort im Hille'schen Lokal ist der Ent- sührer mit dem Kinde gewesen an demselben Tage, wo dieses rniS Spandau verschwand. Die Beschreibung stimmt mit den Angaben dcr Personen i» Spandu»- ivelche den jungen Mann mit dem Kahn gesehen haben nnd auch bezüglich des Mädchens genau überein. Der Entführer ist dem Personal der genannten Restauration auch ober- flächlich belainit; öS»st danach ein Kellner, der auf Tegelort schon öfters aushilfsw-ise als Kellner beschäftigt gewesen ist und immer ans Berlin engngirt worden war. Jetzt hat sich die Spandnuer Polizei mit ver Berliner Kriminalpolizei in Verbindung gesetzt und es sollen fämmtliche Kontrollen»nd Arbeitsnachweise der Kellner in Berlin durchforscht iverden. Von Tegelort hat sich der Eutsührer nach der Tegeler Haide zu gewendet. Gevichks--Seikuttg. Wie ein Vampyr hat der Former Hermann Tavernier einen bejahrten Herrn, den Buchhalter K.. ausgesogen. Tavernier stand gestern unter der Anklage der Erpressung vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I. Schon vor drei Jahren hat der Angeklagte den Zeugen geängstigt durch allerlei Anspielungen, daß er etwas von ihm wisse, wodurch er ihm schwere Nngelegenheiten bereiten könne. K. ließ sich damals z»r Zahlung eines Schweigegeldes herbei. Von dieser Zeit an gab der Angeklagte sein Opfer nicht wieder frei. Sein Verlangen nach Geld wiederHolle sich in immer kürzeren Zwischenräumen und immer dringlicher wurde er bei seinen Forde- rungen. Der Zeuge hat ihm nach und nach gegen 40(1 M. gegeben. Als der Angeklagte ihm schließlich drohte, er werde nach dem Bureau kommen, wo der Zeuge beschäftigt sei und werde dort einen furchtbaren Skandal machen, da einschloß sich der Bedrängte zur Erstailung der Anzeige. Das Gericht verurtheilte den Erpresser zu einem Jahre G e f ä n g n i ß. Aussage stand gegen Aussage in einem Wucherprozeß. welcher gester» vor ver siebenten Straskamnier des Landgerichts I qeaen den Kassirer CKristian Schreiber stattfand. Der Angeklagte bekleidet in der Kittel'schen Verlagsbuchhandlung eine Vertrauens- stellung. Im Jahre 1393 wurde der frühere Poltzeilieutenaiit v. H. in derselben Buchhandlung als Chefredakteur mit einem Anfangs- gehalt von 6000 Mark angestellt, um das dort erscheinende Werk„Patriotlicher Hausschatz" zu redigiren. Herr v. H. hatte bei seinem Antritt alte Verpflichtungen. welche ihn drückten; es war ihm darum zu thun. einen Vorschuß von 200 M. zn erhalten. Er wandte stch an den Angeklagten, den er bat, bei dem Chef Fürsprecher zn sein. Nach einigen Tagen theilte Schreiber ihm mit. daß sein Versuch erfolglos gewesen sei; er erklärte aber, daß er den Geldbedürftigen die Summe gegen Wechsel aus eigenen Mitteln geben könne. Herr v. H. nahm dies an. Er hat nach setner Be- hauplung dem Angeklagten vier Wechsel über je 140 M. geben müssen und hierfür nur einen Betrag von 490 M. erhallen, so daß der Angeklagte sich für eine» Zeitraum von 6 Monaten 140 M. Zinsen berechnet Hube. Der Befchuldigie bestritt dies ganz entschieden. Der Zeuge habe 260 M. für die vier Wechsel erhalten. Da bei der Abmachung keine Zeugen zugegen gewesen waren, so kam es darauf an, welcher Aussage am meisten Glauben zu schenken sei. Für den Angeklagten sprach seine Unbeschollenheit, für den Zeugen sein Eid. Iii betreff de? letzteren kam aber zur Sprache, daß derselbe durch lleberarbeitinig hochgradig nervös geworden war. Der Staatsanwalt hielt es aus diesem Grunde nicht für angezeigt, gegen den Angeklagten das Schul- big zu beantragen, nach seinem Antrage fällte der Gerichtshof ein freisprechendes Nrtheil. Mit der Frage, ob Vierblatt als ein Glücksspiel anzusehen ist, hatte sich gestern das Ober-Aerwaltnngsgericht zu beschäftigen. Der Schaiikiuirth H ü d n e r war vom Schöffengericht wegen Duldens von Glücksspiel zu 60 M. Geldstrafe verurlheilt worden. Es war als erwiesen angeiioinuieii worden, daß H. in seinem Lokale Bierblatt und„Lustige Sieben" bnite spielen lassen. DieFolge seiner Beriirtheilung war, daß das Polizeipräsidium gegen ihn auf Entziehung der Konzession klagie. Der Bezirksausschuß erkannle in diesem Sinne, indem die Entziehung hanplsäctilich dadurch begründet wurde, daß bei dem Beklagten ein Gast im Vierblattspiel einmal 70 M. verloren, der erster« sich selbst daran betheiligt nnd dem Gast noch Geld geborgt halte, um das Spiel fortsetzen zn können. Vor der zweiten Instanz, dem Oberverwaltiingsgericht, führte der Verlheidiger, R.- A. Dr. SchöpS. ans, daß Vierblatt kein Glücksspiel sei, zum mindesten allgemein für ein solches nicht angesehen werde und daß der Beklagte sich in diesem besonderen Falle bei einem Kriminalbeamteii erkundigt habe, ob Vierblatt«in Glücksspiel sei. Es sei ihm der Bescheid gewordcn, daß er Vierblatl ruhig spielen lassen könne. Der Umstnnd, daß in dem Lokale deS Be- klagten wiederholt 17 nnd 4 gespielt worden sei, könne ebensowenig die Konzessionsentziehuiig begründen, denn dies Spiel werde mit Würfeln und nur um Getränke gespielt. Das Oberverivaltungsgericht hob das Erkenntniß der Borinftanz auf nnd beließ dem Beklagte» die Konzession mit der Begründung, daß Vierblatt als ein Glücksspiel nicht anzusehen sei. Eine dramatisch bewegte Szene spielle stch in der letzten Sitzung des Rixdorfer Scliöffengerichls ab. Der Obstbändlcr Hein- rich Krone aus Berlin nnd der Bootsmann Hei mann Meye aus Brandenburg a. H. halten sich wegen gegenseitiger Mißhandlung zu verantworten. Krone hatte sich eines Morgens mit seiner Frau am Maybachnser gezankt nnd wollte dieselbe schließlich in den Kanal stürzen. In der Nähe mit Ausladen von Mauersteinen beschäftigte Schiffer nahmen die Frau auf ihre Bitte in Schutz, was de» Ebemann veranlaßt?. einen der Schiffer, den obenerwähnten Meye, mit der Peitsche zn schlage». Meye wehrte sich den An- greiser mit einem Mauerstein ad und verletzte ihn dabei am Kopse. Auf Anzeige des Krone wurde gegen Beide Anklage erhoben. Iii der Haiiptveihandlung bestritt Krone nnn entschieden, den Meye mit der Peitsche zuerst geschlagen zu haben und sein 17 jähriger Knlscher Schäfser bestätigte dies unier seinem Eide trotz eindringlicher Verwarnung seitens des Vorsitzende», Amtsrichters Betckc. Da- gegen stellten zahlreiche andere Zeugen den Sachverbalt wie oben geschildert dar. Als Sch äffer nun merkte, daß er mit seiner Schilderung allein dastehe, verlor er sein dreistes Auftreten, zumal als der Amlsanivalt es scharf krilisirte, daß Schäffer mit seltener Frechheit den Aieineid geleistet habe. Bor Vetkündmig desUrtheils fragte der Vorsitzende den Zeugen Schäffer noch einmal, ob er bei seiner Aussage bleiben ivolle Mit zaghnftcrSlimme erklärte er daraiif.dastsein Zengniß linwahr, daß er von dem Vorfall überhaupt nichts gesehen habe und nur den Angeklagte» herausreißen wollte. Infolge dieses Geständnisses unterblieb die bereits beschlossene Verhastung des Zeugen. Auf alle Zuhörer machte die Szene den tiefsten Eindruck. — Iii der Sache selbst lautete das Urlheil gegen Meye auf Freisprechung, gegen Krone, der schon unzählige Slrakcn hinter stch hat. ans 3 Monate Gefängniß und 3 Wochen Haft. Allz» große Vcrtraneiisseligkcit hat den Malergehilfen Richard Blietschau aus ilt t x d o r f aus die Anklagebank wegen Beamtenbeleidigiing gebracht. An einem-Aprilabend dieses Jahres ließ sich V l i e t s ch a u durch den Nachtwächter Dur- choivsky seine Hauslhür anfschließen, wobei der Wächter mit ihm ei» Gespräch anknüpsle, in dessen Verlauf auch die Venirtheiluiig des Gemeindeverordneteil R e tz e r a u wegen Gendarmeriebeleidigniip berührt wurde. Nach den Angaben des Angeklagten äußerte dcr Nachiwächter, nun werde wohl Retzeran kamt fein, was Blietschau zu der Bnuerkung vernnlaßle. es sei doch sehr gut und liege im allgemeinen Interesse, wenn Retzeran an maßgebender Stelle, wie in der Gemeindentzung, Mißstände, welche in der Gendarmerie beständen, zur Sprache bringe. Der Nachtwächter D u r ch o w s k y wollte nicht gelten lassen, daß in der Gendarmerie Mißstände vorhanden seien»nd fing den B., ob er denn solche an- führen könne. Ter Gefragte bemerkte hieraus, daß mau sich deispiclsweise erzähle, ein Gendarm habe sich von dem G ftwirlh Josef Riedel in der Hermannstraße 6 M. geliehe»; als Liiecel nach längerer Zeit den Beamten an die Begleichung des Betrages gemabnt habe, solle dieser erklärt haben, wenn Lticdel nicht schweige, werde er die Kon- zeision verliere». Ter Nachtwächter bebauptel nun, Blietschau habe nicht gesagt,„ein Gendarm", sonder» habe bestimmt de» Gendarmen Donath als den betreffenden Geldleiher bezeichnet, weshalb Dnrchowsky diesem davon Mitiheilung machte. Ans erstattet« An- zeige wurde daher gegen Blietichau Anklage wegen Beleidigung des Gendarmen Tonalh erhoben. Der Angeklagte bestritt, den Namen Donath genannt zu haben, denn er kenne diesen Beamten gar nicht, doch blieb der Nachtwächter vor dem Siixborfer Schöffengericht bei seiner Angabe. Ter als Zeuge ver- nommene Gastwirlh Riedel erklärte, daß er noch nie mit Donath etwas zu thun gehabt, wohl habe er aber einem andern Gendarmen, der jetzt nicht mehr in Rixdorf im Dienst sei, einmal ein Darlehn gewährt.— Ans grnnd der Aiissagc des Nachtwächters erachtete der Gerichtshof den Angeklagte» für schuldig und nur mit Rücksicht auf seine bisherige Unbescholtenheit sei von einer Freiheilsstrafe abgeseben und nur auf 20 M. Geldbuße event. 10 Tage Gefängniß erkannt worden. Türfen Stellcuvermittlcr während dcö sonntäglichen HauptgotteSdiensteö ihr Gewerbe betreiben? Diese wichtige trage hatte gestern das Kammergericht zu entscheiden. Der lellenvermittler Hebera, der in der Taubenstraße 42 sei» Geschäfts» lokal besitzt, wurde angeklagt, weil er an zwei Sonntagen zwischen 10 und 12 Uhr vormittags Stelle» vermittelt hatte. Er sollte ver- letzt haben die ßZ41», 102d Absatz 2 und 146» der Gewerbe-Ordnnng, sowie die ßsf 1 und 4 der Polizeiverordnung vom 20. Juni 1392, betr. die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Besonders wurde§ 4ia der Gewerbe-Ordnung angezogen, der vorschreibt, eS dürfe an Sonn- und Festtagen ein Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen nicht statifinden, sonüt Gehilfe», Lehrlinge und Arbeiter im Handels- gewerbe an solchen Tagen nicht beschäftigt werden dürien. Hebera wurde vom Schöffengericht und vom Landgericht f r e i g e s p r o ch e u. Die Straskamnier fübrte aus, das Gewerbe der SteUeiiveriiiilteluiig sei zwar als Handelsgewerbe zu belrachtcn, es ließen sich aber nicht die Geschäftsräume eines Stelleuvermitilers als„offene Ver- k a n s s st e l l«" bezeichnen. Höchstens könne man von einer Betriebs- stelle reden. Der Staatsanivall legte Revision ein und machte geltend, der Begriff der Beiriebsstelle sei vom Vorderrichler zu eng ans- gefaßt worden. Er sei nicht nur beschränkt aus Räume, worin Maaren verkauft würden, sondern erstrecke sich auch ans solche, wo das Handelsgewerde ausgeübt werde. Darum müsse der Raum, worin Stellen vermittelt werden, als Verkaufsstelle angesehen werde», und da jeder Zutritt habe, als offene Verkaussstelle. Das Kammer- gericht wies iiidessen die Revision der Staatsanwaltschast zurück. In der Annahme des Landgerichts, es handle sich um keine offene Verkaussstelle im Sinne des§ 41a der Gewerbe-Ordnung, sei«in RechtSirrthiim nicht entHallen. DicPosrner BerfromnmngSvctordmiug vor dem Kammergericht. Gegen den Voistand des Männergejangvereins zu Kosten in der Provinz Posen, Fabrikdirektor Meißner nnd Genossen, wurde von der Polizei auf grund der Ober-Präsidialverordnuiig für die Provinz Posen vom 14. April 1346 vorgegangen. Der Verein hielt im internen Kreise am 16. Januar 1397 bei dem Gastwirlh Krüger ein Familienkränzchen ab. Die versammelie Gesell- schast war unzweifelhaft«ine geschlossene, und so kehrte man sich denn auch nicht an die Bestimmung des Absatzes 4 des fj 11 der genannte» Verordnung, worin es heißt: „Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Tanzlustbarkeiten in Schank- wirlhschafle» und sonstigen Vtrgnngungslokalen müssen Sonn- abends um 12 N h r nachts g e s ch l o s s e n w e r d e n. Die Polizei rechnete dem Vorstande aber gerade das als ein Verbrechen an, daß er nicht um 12 Uhr den Tanz beendige» ließ. Das Schöffen- gericht indessen sprach die Leute frei, dagegen wurden sie vom Landgericht Liffa zn je 3 M. verurtbeilt. Die«straskammer konstatirte zunächst, daß die ganze Verordiiiing giltig sei. Sie stehe im Einklänge mit dem§ 137 des Laiides-Verwaltmigsgesetzes, mit der Kabinetsordre vom 7. Februar 1837 und den§§ 6, 12 und 15 des Polizeiverwaliungs- Gesetzes Unter anderem führt das Urlheil dann aus: Die Aufsafflliig des Schöffengerichls sei irrig, daß der Absatz 4 des§ 11 der Verordnung ans geschlossene Gesell- s ch a s t e n nicht Anwendung finde, weil dieser Absatz seine An- wendbarkcit ans geschlossene Gesellschaslen nicht ausdrücklich betone. Der Zweck der Verordnniig sei die Sonniagsheiligiiug, und ans diesem Zwecke heraus müsse der Absatz 4 so interprelirt werde», daß auch die Taiizlustbarkeilen geschlossener Gesellschaslen in Vergnüg»» gs< lokalen betroffen iverden sollten. ZmeiseUos bedeuteten die Vorschrtsten der Verordnung cincii Eingriff in die persönliche Handlnngssreiheit. Er sei jedoch durchaus im Interesse des Gemeinwohls berechtigt. Die Vorschriften über die Sonnlagsheilignng dienten imveikcnnbar den Zwecken des Gemeinwohls, indem sie den Zwecken der Religion diente», nämlich der Förderung des kirchliche» Sinnes, der Hebung und Wahrung des im Volke lebenden Pflichtbewiißiseins zur Heilig- Haltung der Sonn- nnd kirchlichen Feiertage(!?). Die Angellagteu fochten diese Entscheidung im vollen Umsanae an. Jhre Revtsio» ver- trat gester» der R.-A Hormitz vor dem Strafsenat des Kainmergerichls. Das Revisionsgericht hob die Vorentscheidung auf und sprach die Angeklagten frei. Unstreitig sei die Ver- ordnung des Oberpräsidenten rechisgiltig erlasse». Strafgesetze dürften aber nicht exlensiv interpieurt iverden, deshalb sei der Absatz 4 des§ 1l der Verordnung nicht auf gesehlossene Gesell- sehasten anwendbar, da er stch nicht ausdrücklich auf derartige Gesellschaften beziehe. Aber selbst wenn er eine solche Bestimmung enthielte, köniilen die Angeklagten nicht ver- nrtheilt werden, denn dann würde er der gesetzlichen Giltigkeit entbehren. Wegen Straßcnrnnbes wurde am 8. Juli vom Schwurgericht in Dresden der Fleischergeselle Ot>o ßteinbold Bruno S ch e f s l e r ans Breslau, 23 Jahre alt, zn 12 Jahre» Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurlheilt. Sckeffler hat in der Nacht vom 14. zum >2. Okiober 1896 mit einem Komplizen, der schon zn 10 Jahren Zuchthaus verurlheilt ist, den Bureau- Assistenten Unger aus der Wiiikelmannftraß« zu Dresden überfallen, dabei Uhr und Porte- monuaie mit ca. 13 M. Geld gewaltsam weggenommen. Jonrnalistischc Wichtigthner. Ein intereffanter Prozeß stand am 6. Juli i» Wien zur Verhandlung. Am 13. Juni brachte die „Wiener A b e n d p o st" an der Spitze deS Blattes folgende offiziöse Note:„Ein mit ITI. zeichnender Wiener Korrespondent der„Norddeutschen Sl l l g e m e i n e n Zeitung" hat die üble Geivodnheit, für seine eigenen politischen Kombiiiationen hoch- gestellte Persönlichkeiten als fingirle Gewährsmänner zu bezeichnen. Besonders Mitglieder des jerneiligen österreichischen Kabinels werden natürlich ohne' Nennung des Namens, was auch schwer wäre, zn dieser journalistische!! Praxis verwerthel. Nachdem diese Schwäche des betreffenden Publizisten allgemein und seit Langem bekannt war, haben wir es bisher unterlassen, ans das unschuldig gewordene Treibe» besonders aufmerksam zu machen. Ein Wiener Blatt, die „Dcnlsche Zeitung", welche in das stadlbekamile Geheimniß nicht ein- geweiht zn sei» scheint, zitirt aber heute einige, selbstverständlich wieder„e i» e n> M i t g l i e d e d e s K a b i n e t s" in de» Mund gelegte Aelißenmgen des genannten Korrespondenten. Dadurch ist es iür uns nothwendig geworden, zn erklären, daß jenes„Mitglied des Kabinets" nichts anderes ist, als die gewöhnliche stylistische Verzierung des betreffende» Artikels." In den nächsten Tagen erhielt die Redaktion der„Wiener Abeiidpost" eine von dem Journalisten Herrn Flelschmann als Korrespondenten der„Norddeiilschen Allgemeinen Zeitung" gezeichnete Berichtigung nach§ 19 des Preßgesetzes, deren Aufnahme jedoch seitens der„Wiener Abendpost" verweigert wurde. Infolge dieser Weigerung klagte um Ansiiahme der Berichligmig Herr Fleisch- manu gegen den verantwortlichen Redakteur der„Wiener Abend- post". Vie von Herrn Flelschmann eingesendete Berichtigung bestreitet die in der Note auSgesührten Benierknngen und erklärt, daß die betreffende Korrespondenz ans grnnd einer Ihatsächlich statt- gehabten Unterredung mit einem Miigliede des Kabinets abgesabt worden sei. Der Vertreter des verantwortlichen Redakteurs der „Wiener Abcndpost" bestreitet die KIngelegitimation des Herrn Kleischmann» da derselbe den Nachweis, daß er der„IR."-Kor- respondent der„Norddeutsä en Allgemeinen Zeitung" sei, nicht er- draeiit habe, nnd zudem handle es sich um eine offiziöse Note, welche nicht zu berichtigen sei. Die Freisprechung des angeklagten Nedakteurs erfolgte aus dem formale» Grunde, weil der Kläger keine Legitimation für die Be- rechtigung der eingesandten Beriehligung beigebracht hatte. Watzum klagt Herr Fleischmann nicht wegen Beleidigung? Vevsammlungrn. Ter sozinldemokratischc Wahlvcrein für den S. Berliner Reichstaas-Wahlkreis hielt am Dienstag zwei Bersammliingen ab. In der Bersanimlnng für den Gesundbrunnen, die im Viktortagarten tagte, referirte Genosse Glocke über„Die ver- schiedenen Formen des Klassenkampfes". Eine Diskussion über den beifällig aufgenommeiieii Vortrag wurde nicht beliebt. Bemängelt wurde der verhältnißmäßig schwache Besuch der Bersammlnng nnd gewünscht, daß in Znkuiift die Versaniinlungeii pünkilich eröffnet werde», da durch den späten Beginn derselben vielfach den Genosse» der Versammlungsbesuch verleidet werde. Von einigen Genosse» wurde gerügt, daß die AbiheilnngSsührer»ach ihrer Ansicht»och nicht die nothweiidige Thätigkeit enlfallet haben nnd insbesonders mit den ehemaligen Mitgliedern des Vereins„Vorwärts", deren Adressen vorhanden sind, Verbindung angeknüpft worden ist. Eine Anregung, die Frage der Landtagsivahleu in einer der nächsten Vereins- Versammlungen zur Diskussion zu stelle», wird der Vorstand in Er- wäguiig ziehen. Zum Schluß ersuchte der Vorsitzende die Amvesenden. recht rege für die Ausbreitung des Wahlvereins zu wirken nnd für zahlreichen Besuch der Versammlungen zu agilire». Die Zahl- st e l l e» des Vereins für den Gesundbrunnen bestude» sich bei Thalmann, Sandstr. Ib. Haferland, Belleriiiaimstr. 87, und Herrmann, Pntbuserstr. 45. Für Moabit war die Bersammlnng im„KlubhauS", Beuffel- straße, einbernsen. in der Genosse Mücke einen längere» Vortrag über„Ter Kamps ums Dasein" hielt, dem Beifall gezollt wurde. In der Diskussio» unternahm es Genosse Kiesel, die AnSfüh- rnngen des Referenten in verschiedenen Punkten zn er- gänzen, des näheren auf die Klaffenkäiiipfe, deren Ursachen und die damit verbundenen Opfer eingehend. Nachdem auch iJenosse Schumann im Sinne des Vorredners gesprochen,»erweist Kiesel in kernigen Worten auf die Nolh'.neudigkeit der politischen Organisalioin Die nächste Retchslagswohl iniisse den Scharsmachern nut Schrecken beiveisen, doß aus den„Lausejungen" reise, politisch denkende Männer wurde»; hierauf wurde die Bersammlnng mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie geschlossen. Ter Verein der Maschinisten und Heizer hielt am 4. Juli seine Generalvetsainmluna afn Der Kassenbericht vom letzten Quartal schloß bei einer Einnahme von 1(548, SS M. und einer Ans- gäbe von 1574,50 M. mit einem Neberschnß von 69.75 ab, Von den im halben Jahre gemeldeten 105 aibcilslosen Mitgliedern nnirden 77 in Arbeit gebracht, außerdem fanden bei<50 Kesselreinignnge» 82 Mitglieder Beschafligiing. Der aiif der Tagesordnung stcheiide Antrag: Neuwahl eines ArbeilsvermUiUrs wurde dahin erledigt. daß die Vermiltelung in der bisherigen Meise von dem Borsihentcn Holz weitergeslihrt wird. Ferner wurde dein Antrag: Anschluß a» den deulsche» Metallarbeiler-Verbaiid, ans Zweckmäßigkeitsgriinden keine Folge gegeben. Eine ordentliche vle»crall>crsa»>lnln»g der VerWalinngS- stelle.Vcrlin" des deutsche» Metallarbritcr-VerbandeS tagte am Atoiilag, den 5. Juli bei Marten, Friedrichslr, 236. Zu», i, Plinkl der Tagesordnung gab der Kafmer die Schlußabrechnung der früheren Ollsverwaltung. Tie Einnahmen der örilichen Berwallungsstelle belriigen 5770,76 Vt.(hierunter auf Listen- saunnlnng durch die Kollegen der Firma Bolzani 94 M.), die Ausgaben 91,94 M. für Neiseunlerflützmig, für viechtsschutz 3,53 M., Unterstützung nach tj 2c 236 M., Lvkalausgaben 3373 16 M.< der Hnnplkasse überwiese» 2514,10 M., Gesamintausgabe 4218,73 At, verbleibt ein Bestand von 1552,05 M. Die Einnahme der Lokalkasje betrug 1293,35 M. die Ausgabe 3305,95 M., ergab eine Mehrausgabe von 32,60 M., woz» noch ein Desijil von der früheren Abrechnung koinnil, verblieb ei» Defizit von 26.38 M, welches durch auf Schuldschein gegebene Darlrye» gedeckt ist, da noch ca. 200 M ausstehen. Die Revisoren berichteten, Bücher and Beläge u. s. iv i» Ordnung befunden zu haben; auf Antrag wurde der Reudaiit enllastet. Verschiedene Kollegen haben trotz niehrinaliger Aufforderung nicht abgerechnet, die Ein- Ziehung der Außenstände wurde der jetzigen Ortsvcrivaltnng übertragen, sämnnliche Restanten müssen bis spälefteus l. August abrechnen, wibrigeiifalls diese iiffeiitlich durch Inserat im„Vorwärts" ausgefordcrl werden solle». Hinterlegte Säinldscheine aus Darlehen ivnrden ebenfalls der jetzigen Aerivaltung überwiese». Zum 2. Punkt der Tagesordiliing, Regeliing der Bibliotheken, eulspaun sich eine längere Debatte. Ee wurde der Antrag gestellt „sänimiliche acht bestehenden Biblioihele» zu einer einzigen zu ver- einigen und diese im Zenlruiii der Stadl zu eröffiien»nd die Ausgabe der Bücher jeden Abend an de» Wochentagen statlsiude» zu lassen". Nachdem von den einzelne» Kollegen die Vorlheile der Zentralisalioii gesellilde>t, von anderen wieder die Nachiheile, welche sich für die Mitglieder hieraus ergebe» dürften, wurde beschlossen, snmmtliche Biblioihelen in eine Zentralbibliolhek zu vereinigen. Des weiteren wurde beschlossen, der Hanplknsse 10 000 Mark vom jetzigen vorhandene» Vermögen zu libenveise». Dieser Antrag wurde der Acrsauimimig von der Orts- Ver- waltung vorgeschlagen; abzuführen wäre» laiit Statut nur 25 pCl., da aber durch die Verschmelzung bedenteiide Uilkosien eutstanden, das Verlrauen der deutschen Metallarbeiter zu geivwne» gesucht werden nuiß, wurde der Antrag enipsohlen und gcgen vier Sliiumen angenoinine». In den einzelne» Bezirksversamnilungen vorgeschlagene Bezirks- leitniige» wurden von der Generaivcrsnniiiiluug besläligt, und zivar sind dies folgende: Für Bezirk„Gesundbrunnen, Schönhauser, Rosenihaler, Prenzlauer Vorstadt" die Kollegen Dochow, Bezirksleiier, Pia low, Stellvertreter, W ruck, Kassirer, P i e t s ch, Schriftführer; für Bezirk„Osten": F i c i» s, Bczirksleiter, P i e s k e, Stell- Vertreter, Herbst, Kassirer, �K o r i t k o iv s k y, Schrislfsihrer; für Bezirk„Südoste»": Heinrich, Beziiksleiter. Boge», Stell- Vertreter, Rud. Müller, Kassirer; snr Bezirk„Rixdors": Roh- I e d e r, Bezirksleiler, Köhler, Slellverireler, Preßte r, Kassirer, G e r st I» n n n, Schuflsührcr; für Bezirk„Südwesten. Weste!!, Schöne- berg": Schlegel, Bczirksleiter, Schneider, Stellvertreter, K r ö ß n e r provisorisch als Kassirer(bis die Angelegenheil des vor- geschlagene» KassirerS geklärt ist), Werth, Schriftführer; für Bezirk„Moabit": Moritz Becker, Beziitsleiter, Nagott, Stellvertreter, Krüger, Kassirer, Hey, Schrisliührer; für Bezirk „Charlotlenburg und Spandan": Montag, Bezirke leiler Wart hold. Gleliverlreler, Pasche, Kassirer, Guzinsky, Schriftführer. Für den Bezirk„Süden n»d Zentrum", in welchein'eine Bezirks- leituug nicht gewählt werden konnte, wurden die Kollegen Mahle als Bezirksleiter»iid Schinzler als Kassirer bis zur nächsten Versammlung bestätigt, ebenso der Kollege Pagets als Bezirls- leiler für den Bezirk.Wedbing und Orainenburger Vmstadt". Für den Bezirk„Südosten" muß die Wahl des SchriilsührerL in der am 14. Juli stattfindenden Versammlnng vollzogen ivcrde» Als Brancheuverlreter in der O'tsverivallung wurden die Kollegen H e n» i g für die Gürtler, Drücker. Kleinpnrr, Schnitt- arbeiier und der in der Laiupeusabrikation beschäsl igten Personen, M a s s a t s ch für die Former, S ch e f s l e r für die Rohrleger und Gehilse», und Schröder für die Mechaniker und Uhrmacher bestätigt. Die örtlichen Verhältnisse erfordern besondere Be- stimmungen für Streiks und Maßregelungen für Berlin; es wurden daher von der Vcrivallnng die»achstehenden Anträge, welche im Orlsstatut anfgeiiornnie» werden sollen, der Versaniinlnng niiler- breitet und von dieser gcgen einige Stimmen angenommen: I.„Sollen Fordernngen, welche noch nicht i» der Werkstatt be- standen haben, durch Arbeitsniederlegung dura gesetzt werde», so darf das nur geschehen, wenn �/z"er bort beschäftigle» Arbeiter wadl berechtigle Mitglieder einer Organisaiion sind und ihr« Absicht den Vorständen vorher mitgetheilt haben.— In Fällen, wo es sich um die Abwehr irgend welcher Bedrückungen oder um die Abivehr von Lohnredukliouen handelt, werden, falls der Streik nach vorauf- gegangener Verhandlung der Verwaltung mit dem Unternehmer be- schlössen wird, alle davon betroffenen Arbeiter vom ersten Tage an unterstützt, jedoch werden bei Angriffs- wie bei Abwehrstreiks von dem Tage, wo der Sireik seitens der Organisation ausgehoben wird, nur»och diejenige» Milgliedcr nnlerstntzt, welche bei Beginn desselben vollberechtigt, d. h. 26 Wochen dem Verbände angehörten und ihre Beiträg« gezahlt hatten. Bei allen Streiks, welche inner- halb 5 Tage» ihre Erledigung gefunden haben, wird seile»? des Verbandes keine Unterstützung gen ährt. Nur in Fallen, wo diese Beschlüsse sowie das Statut eingehallen werden, gewährt die Verwaltungsstelle Berlin ihre moralische und materielle Unter- stütz», ig," II.„Bei Arbeitseinstellungen oder Maßregelungen wird den dabei belheiligten Verbaubsmilgliedern, soier» sie mindestens 26 Wochen dem Verbände angebören und ihre Beiiräge gezahlt babeu, eine von der beschließende» Versaimiilling nach Maßgabe deS vorhandenen Vercinsverinögens sestznsitzende Entschädigung gewährt. Dieselbe beträgt bis zur Festsetzung durch eine spätere Versammlung. so lange die Kasseuverhäliuissc dies gestatten, für männliche Mit- glieder 12 M.. für weibliche Mitglieder 7 M. wöchentlich. Die ver- heirgtheten Mitglieder erhallen für jedes Kind unter 14 Jahre» l M. extra pro Woche." III„Da bei der G'öße der Verwallungsstille Berlin eine genaue Durchführung des Z 3 Abs. 6a nicht durchführbar erscheint, beschließt die heutige Geueralvcrsauunluna zur besseren Wahrung der Verbaudsiutercssen solgeude Regeln: Mitglieder, welche länger als 13 Wachen mil ihren Beiträgen restire», verliere» ihre Rechte. Der R e n d a» t»nd die Kassirer sind be- rechligi, restiiende Beiträge in jeder Höhe anznuehinen, es ist dies jedoch nur zulässig, wenn der Betreffende soviel Beiträge ent- richtet, daß er aus Grund des Statuts wieder als Miiglicd zu be- trachte» ist; für diejenigen, welche länger als 3 Monate restire», treten alle durch das Statut gewnh, leisteten Recht« erst nach Ab laus von 3 Monaten vorn Tage der Zahlung an wieder in krasl." Hierauf dericl tete Kallege Schlegel noch, daß für Marken- fammliinge»»och 727.20 M. vereinnahmt seien, wovon der noch i» seine» Händen befindliche Rest der ÄlgitalionSloinmission über- iviesen meide« soll. Von den Kollegen ans Rixdors wnrde beantragt, die dort ans- gebobene Zahlstelle wieder mit Material zu versehen, der Oelsver- tvallnng Ivnrde die weitere Ziegelnng übertragen. In der vsfentlichei, Vcrsainuilniig der Vilderrahuieiiniachcr, die am 5. Juli in den Armin-Hallen tagte, eestaltele Brandes den Rechenschaftsderichl der letzlen Lohnbewegung. Aus demselben geht hervor, daß die Errungenschaften jetzt»och voll bestehen, aber es bedürfe auch der volle» Energie der Kolikgen, dieselben serneihi» ausrecht zu erhallen. Dieses sei aber nur möglich, wenn sich jeder einzelne de> Organisalton anschließt. Redner lhkili mit, daß zn», S'rcik- fonds 218 60 M. eingegangen sind, denen eine?lnsgabe von 107,70 M gegenübersteht. Es iü somit ein Ucberschnß von 110,90 M. vorhanden, der zur Gründung eines öffentlichen Fond» unter Verwaltung des Go- wcrkfchasls-Delegirlen vestiuiint wnrde. Zu Revisoren wurden die Kollege» Damast, Kellermann nnd Nöthen ernannt. Blandes gab alsdann nach den Bericht über die neue Relolution der Gewcrkscbaftskomnnssion. Nach eingehender Debatte erklärte sich die Versammlung mit den Ausführungen des Delegirten einverstanden und beauftragte denselben mit der ferneren Vertretung in der Kömniissia». Alt-Glieiiicke. Hier tagte an, 4. d. M. eine Versammlung des Allgrineiae» Arbeiter- und A'beiterinnenvereink im Lokale deL Herrn � a ß. Genosse M a s s a l s ch halle da? Rei'erat übernommen und besprach inner reger Aufmerksamkeit der Versammlang die ge- planie Verschlechternng des Vereins- und Versaininlniigsrechts. I» der Diskussion empsahlcn mehrere Redner dur Anschluß au die Organisation. Köpenick. Arn 6. Juli fand hier eine öffenlllche Versammlung iür Männer»nd Frauen stall, in welcher N.ichslagSabgeordneler Z» b e i l gegen die Beiheiligung an den preußischen LandtagLwahle« sprach. Ei» Bescblnß wnrae»ach dieser Ricblnng nicht gefaßt, sondern einer späteren Verkammluug überlasse», hierzu endgillig Siellmig zu»ebmen. Wie schon des öfteren, so imißleu die anwesende» Frane» auch diese Versanilung verlassen, wodurch Köpenick wieder einmal gcreltet war. Bei dieser Gelegenbeit gab Genosse Znbeil der Versammlung die Antwort des ßlegiernngs-Präsidenlen von Potsdam bekannt, die derselbe ans eine Belchiveide, die wegen Ausweisung der Franc» ans einer frühere» Versammlung an den Rsgieinngs-Prasideuteu eingereicht wurde, erlheill hat. In derAntwor! heißt es:„Die Versammlnng wäre»nr durch Zettel, ivelche dein Vor- wärts beigelegt waren, und nur den Mtigliebern des Arbeilervereinö bekannt gegeben worden. Auch sei die Versammlung weder durch Anschlag an den Tafeln, noch durch die örtlichen Tngesblätter ver- ösfentlichl worden. Diese Art Bekanntmachung van Versanimlunge» l->sse aber erkennen, daß es sich um eine Bertinsversanniilnng ge- handelt habe, a» der Frane» nicht thcilnekine» dürfen." Selbstver- stündlich wird der Beschwerdeweg weiter beschriiten werden. Zt> l>«iter-KUr»»io»rch»i«. D!« B t bli o lh el>» lex N o> d s ch n l», B r u n»« n N r. S5, Ist vom i. Juli ob bl« ans wettere« geschlossen: dle ucch aus- stehe den Biich-r sind umgehend Tonnerstags abendS von d!S ijw Ilde ziiiückzulieseni. MtigliedsbeUrägs weide» an i-Ies-m Tage ln der Nord- schule«nlgi geugciioiiiinen, ebenso in solgenden Nahsstes!«»:«Sonsr. Echul». Adiniralslr.«o»! öteul, Barnlinstr. ee: Bablel, Mos-Nlhaleriir. b? I Mlelnsri, MiUlerstr. 7a: Paul Miicke, Maiiteusselstr. IS?: H Nöiiig«. Diessenbnchstc. aa. Aste Zuschriilcn sind an den Ko sNieiideil Ipaiil iUI u rt e je., SU. Mail- tciisfelstr. 128, Seldseirdiiiigen an de» itassirer H. König», L. Tstesseiibachstr. eo, m senden. Abbelter-Sniiserdn»» Verl»!» und Umgegsiid. vorsttzeiider Nd. Neinnann. Brunnenfir. lio. Alle Aeiideriiiigiii in, Bsreiiisialeiider sind zu richte» a» Friedrich Kortum. MaiiteiisfelNr.i d 1 r< Sl-landrineiislrab- loa. ,u richten. Znieiaverein Aertln de» Perbaxdeo deutscher Knilstoeiverbe-zelchnei', Heule Abend» Uhr im.MgNschen Hos", Neue Rvßstr. s: Dlhung. andgerichlsialh tu Bramilchweia.— Tie AiiSdehiiuna der keanlen- mg aus die Hausindustrie islon P. Blankenstetn, Magtstratealsessoi: >1.— Die heul Ig« sScwertschasiSbeivkguiig ln der Schwel». Von Alvert iSerllner Arbestervertreter- tzterein tagt seden Tienstag nach dem ersten im Monat bei Buske, Wrenadterstr. 83, abends 8); Uhr. Unentgsllltcher Rath wird ertheilt: Im v-rde« Oerlin»! Fttr Unsall-, JiivaNdttät»- und SIlierS- Versiche- rung, abend» von 7-�s Uhr: W. B u ch h o l», Hilffltöiistiabe so, v. s Tr. A Dach n e. Dciiimiiierstr. öS, v. 3 Tr. K. Euthelt, Wiesenstr. 2Sa. von »-« Uhr abend». F. Pseschel, Gartenstr.«5, v. 2 Tr. E. Sinianowsls, Sartenstr.?8, Porial 2 Tr. M.Stuhl in a n n, Oderbergerstr. s?, i Tr., von 6-9 Uhr abends. 8). To nun, Husstienstraße 6, von 8-9 Uhr abends A. Wo ig», Wiesenstrabe«i-«2. 8 Warnst, Koibergerstra»« 7, von»-7 Uhr abends.— Nur siir JnvalldstSiS- und NllerSveistchermis: F. Blume, SlreUherkir. 6». P R e t»i a» n, L-llermannstr. es. F. Trapp, Schulstr. 53, von 7—3 Uhr obends. »m Lord.«st, II! VI u r für amllbttütl. UN»«lterSverstcherung W. Mohi, Schönhauser Allee»».__„__. |m eßen: Nur siir Jnvalldlltlls- und AlterSverslchening! S.Bader Sc.»raiisfw ierstr. 3». v. e Tr. Im Sil»,«stell! Für Unsall-, giwaltdlläl»- und AllerSverstchernng! Schallhoss, Michaillirchstr. la. �. Im Süden i Für Unsall-, Jnvalldiläi»- und Allertversicherniig: F. S tu gel in a i e r, Grlnimsirahs 39.— Nur für JnvalwitätS- und AllerSverstchernng P. Keller, Camphansenstr.». tili Süd. Kirsten: Rur für Ulifallverstcherung:<». Hänel, SoliilSstr. tt III Zlord-WeNiil! Nur lür niisallverstcherung: I Krause, WUSnacker strahe>9. R. Stephan, Lelstngslr. e«. Im Zeutriiin: Rur sür Unsallverstcherima: E. Lössler, Klostorslr. 91, Bei famiiiilicheii voraenannlcii Personen, bei denen hier telne Sprechztll an- gegebe», ist dleseibe Wochentag« von 7—9 Uhr. Gingeltiufene Triickschrifte». „Archiv fit» p-stnl,«elebgebniig nn» Ktntift»»". Ta« iieuest« Hist bteser nuliniebr im»ehnieu Jahrgang«rschetneoden von Dr. Heinrich Braun heraus- gegebenen Zelischrisl sverltn, Karl Hepnionn'S Verlag) hat solgenden Inhalt: Abhandlungen: Ta« deulsche Ae eiii«- und WerjaiiimIungSrecht. Von W Kille- inaini. LandgerichtSiath' verstchcrung'" tn BerlinX—________„__________..._______„___„______-_,< � Siel! in Bern.— Besesgodung: Erogbiltannten. Der Hastpstichl'ilesehenlwurs von>897. lWortmen sOomgen-nIion soe il.ecl2«ni8s Bill.) Bon The Rt. Hon. Sir Charles W. Tille, Pn»y Somiclstot, M P. in vondon. Worllaui des gimvu.sS»Ine« giel-he« betrestend Aenderung de« Rschie» auf Sinschädigung der Arbeiter für Nnsälle, die st? tn der- An-»bring Ihres Berns« erleiden.— Miszelle»: Di»»ewcrbe-Jnsp.tlio» in Oesterreich im Jahre lsoe. Von Prof. Dr. Ernst Milcht r i»«-a,.- Da« dclgischi Arbeitsamt. Bon Dr. itöstiS Barlez, Korrespondent deS Arbeitsamts ln Eent. Briefkasten der Redaklian. Die jntistischc Tprechstnnbe findet MontagS, Dienstags, Freitags»nd S o Ii» a b e» d s, abends von 7—« Uhr statt. ' Litsin. Da? Manuskript wird beim Setzen so zerschnitten, daß eS wertblos wird. Mätschke. Kann im BerelnSkakender nicht berfickfichtlgt werden. F. C. 3. 1. Nein. 2. Wenn die im Jahre 1394 gekauften Sachen nicht sür den Geiverbcbetricli gekanst find, die Fordcnmg auch nicht in- zwischen anerkannt ist, dann ist sie seit Ausgang Dezember 1890 verjährt.. Snlenger.(finc schriftliche Beschwerde an daS Polizctpräfidinin wäre zulässig, aber, nacht wahrscheinlich mir völlig nutzlose Schreibarbeit. C., Schiiiieborg. Eine genaue Angabe, was Sie zu thun haben, um als Sachse in de» preußischen StaatSverband aufgenommen zn werden, finden Sie im Lrieskastcn des„Vorwärts" vom 2. Juli unter„Fritz". V. W. 9. 3. und 2. Nein.- G. W. 45. Darüber bestehen leine allgemein giltigen Vorschriften.— 3. Die Kündigung ist um einen Tag verspätet nivlgt.— Rt. GS. Sie könne» wegen der Schweinerei sich an die Polizei ivenden, können auch außerdem ans Gewährung eines ordmings- mäßigen Abortes gegen dcn Wirth klagen.— W. P. 7. Nein.— O. K. Klaget» Sic gegen den Pfuscher ans vollen Schadensersatz»nd Rückgabe des BiloikS.- O. L. 51. Erheben Sie gegen den Zahlungsbefehl beim Amtsgericht Widerspruch.- Pvil..«hari Ottenburg. Ist uns nnbckaniit. — Bscrncr 55. 1. Für EntStudMigs-»nd SechSivochenkosten wird im all- geincincn ein Betrag»an 00 M. als aiigeuicsscii erachtet. Die Klage ist beim Amtsgericht aiizilstellen. 2. Nein.— Sin Straßeiiabonnent. Ein Kind, daS znriickgcbiicbcn ist, kann so lange in der Schule zurückgehalten werden, bis c« die aNgemcili erforderliche» Kemitnistc sich angeeignet hat. Sind Sic mit der N ich te» tlnssniig ans der Schule nicht einverstanden, dann wenden Sie fich an die Schnidepntation.—<6. G. 139. Nein.— Ntelsch. Krankcnvrrsichcrnngspsllcht liegt nach Ihrer Darleglmg nicht vor. Sprechen Sic geiegentitch in der juristische» Sprechstunde mit dein Lohnvertrage vor. - P. F. 9i). Der Berwalrcr.-«F. B.. Moabit. Melden Sie Ihren Anspruch ans Uufallrente bei der Berilssgenosseiischast an.— Behrens. Stellen Sie einen dahingehenden Antrag beim Kriegs ministeriilUl.— 31. P. 48. Der Verwalter ist im Recht; Sie können ihm aber de« Schlüssel Überlasten. W!ttcn»iFSiil>ersicht vom 8. Juli IX»?. Wetter- Vrogtlose fiii Freitag, dcu 9. Jnli Etwas wärmer, ziemlich Keiler bei mäßigen südwestliche» Winde»; keine oder uneiheblicde Niederschläge. Für de» Inhalt der Inserate iibrriiimint die Redaktion dem Btiblikum gegenüber keinerlei Berantwortiiiig. Thentev. Freitag, den 9. Juli. Neues kgl. Opernthcater(Kroll). Undine. 7V„ Uhr. Lessing. Die Geisha. Westen. A Basso Porto(Arn unteren Hafen).?>/, Uhr. Neues. Der Stellvertreter. HL Uhr. Friedrich- Wilhelniftädtischc». Lehmann s Kriegs-Abeiitener im Orient. 8 Uhr. Belle-Alliance. Spezialitäten. Anfang 6 Uhr. Ostend. Unsere ReichSpost. S Uhr. Slpollo. Venus auf Erden. 8 Uhr. Alexanderplntz. Verkäuflicher Werth. Hierauf: Eme tolle Prinzeß. Pasiage-Panoptiknm. Die Kinder der Wüste. kssssge- Psnoplieiun. ao Kinder der Wüste. Beduinen, üerwieche, Schlangenbeschwörer, Bauch- tänzerinnea etc. Vorstellung 1«, 6. 7. v Uhr. Osiettd-Theater. Er. Franksnrlerstr. I.!2. Dlr. t5. Weiß, Tlnsev« Anfang 8 Uhr. Im Garten: Spezialitäten ersten Nanaes. U. a.: Iiiig« fizctieels!. Lebende Photographien. Ans. ö'/, Uhr. Sonnabend: Gr.SlinimernnchtSfest. Bei eintretender Dunkcihcit: Prachtbolle Illumination. Sonnabend, den Iv. Jnli. Kr. vAmpker-tiAelstrsIirt nach Sirandschloß Müggelsee. Abfahrt 8 Uhr abends«tralauer- brücke 5, Rückfahrt 12 Uhr nachts. Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt nur 50 Pf. 31096 1-. Kahwt, Stetnstr. 28. PuMann's Vaiideville-Theater Schönhauser Slllee 148, Kastanien-Allee 97—99. Täglich: Im Reiche der Sirenen. Große Ausstattlingsburicslc nitt Gesang und Tanz. Miß Clara, Trapezkünstlertn. Ltttle Irudy Brygardh. das Wunderkind. Wally Smolni, excentr. Chatisonette. »«erkwi-In»'» Ballet. Clown Sarnssaiii, m. s. drcss. Thteren. Harry u. William Latonre. Ptccolo- Theater. William. Handantivode. I Ansang 1»Hg.(vntree 30 Pf. Schweizer Garten. A.»» It>i»IgistI>t»r. Haltestelle d. Pferdebahn. An» W'i-Iedi'lelielmln. Täglich: Theater und Spezialitäten. Llttle Parklns u. Blas lilxai, TranSforulationSkünstler. Theod. Kilpuardt, Tanzhunivrist.«eschw. Tilly, Gesangs- und Tanz- duettisien. Ilmiiiy tlalil, Liederfängerin. DIi« trv«> Ilullkal««, Radsahrer- Humoristen. John& Paolo, Excentrics- Pantouiimisten. Oai-la IValton, Kostümsoubrette zc. Volksbelnstigungen aller Art. Äctien- Brauerei fiiedrichshaiii. Meute Freitag: Gr. Militär- Frei-Konzert. Programm unentgeltlich. W. Noack's Theater Brnnnen-Straaae 10. Im schönen Garte» täglich: Konzept, Theater- u. Spezialitäten- Torateilung. Eine verhäugnistvolle Nacht. Posse niit Gesang in 1 Akt von Mehner. Berliner Wäschermädel. Burlesk« mit Gesang und Tanz von W. Gertcke. Jeden Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag im Saale: aV Oroaaer Ball."MB Konzerthalts Sanssouci, Kottbnferstr. 4 a. Inn. H. Pierry. kr. Borstelliniß int Kartell. Bei ungniistiger Witterung im Saal. Stets wechselndes Programm. Wiederholung auf Wunsch. Ballhan»-Anna. Grossarti�e Speziali täten. »Anfang 8 Uhr. Entree 3« Pf. �»sss-partout» gelten. Aehtnngl Familien können Kaffee kochen. mm Castan's mm Fanopticum. II All I sble elcktriech "vnl belebten NPnf nn<� hMaetllch "ClI! Neu! 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Wahl eines Bibliothekars. 4. Ausgabe der Billets zu der am 18. Juli stattfindenden Dampferpartie und Bercinsangelegenheiten. 199/2 Mitgliedsbuch lcgitimirt. ver'Vordtiuid. Achtung! M aar er! Achtung! Sonntag, de» 11. Juli, vormittags 10 Uhr, im Lokale„klnxlisolivr Cleti»!«»»!", Alexanderstrasse 87c: Oeneral- Versammlimg des Vereins zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins nnd Umgegend. Tages-Ordnnng: 1. Abrechnung des Kassircrs vom II. Quartal. 2. Eventuelle Neuwahl eines Revisoren und eventuelle Neuwahl von 2 Aus- schnfimitgliedern. 3. Erledigung der Antrage auS der Versammlung in Königs- dank vom 27. Juni. 4. Wichtige Vercinsangelegenheitcn. Die Mitglieder werden dringend ersucht, die Versammlung zu besuchen und dafür zu sorgen, dafi sich jeder betheiligt. Mitgliedsbuch lcgitimirt. 129/19]_ Für den Vorstand: Frit« Kater, Lübeckcrstr. 39. Achtung! Msurer! Achtung! Zentral-Verband deutscher Maurer(Filiale Berlin II). Sonntag, de» 11. Juli, vormittags 10 V- Uhr, in Louis Keller's großem Goal, Koppenstr. 29: SeneuI-ISitzüellei'-Vei'zsmIuiig. 137/5 Tages-Ordnnng: 1. Die Einwirkung der Verbandsorganisatioi» auf die Lohn- bewegung der deutschen Maurer. Referent: Bcrbandsvorsitzender Kollege Theodor BOmelbnrg(Hamburg). 2. Diskusston. 3. Gewerkschaftliches. XL. Wir sind der Ueberzcugung, durch obige Versauunlung den Wünschen der Mitglieder Rechnung getragen zu haben und dürfen uns tvohl der Mitwirkung für guten Besuch auch seitens der Indifferenten zu dieser Bersamni- lang versichert halten. Kollegen, es wird endlich Zeit, alles Nebensächliche bei fette zu lassen und die Reihen der uns so nothwendig erscheinenden Organisation zu starken. Mit kollegialischem Gruß 137/5]_ Ple Uokalverwaltnng. Achtung! Bauarbeiter! Achtung i Sonntag, den 11. Juli, mittags 18 Nhr: Oeffeutliche Versammlung der Lau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter im Lokale des Herrn HVernan, Schwedterstr. 83. Tages-Ordnung: 30/42 1. Die Lage der Bauarbeiter in der Gegenwart und wie gedenken die- selben ihre Lage in Zukunft zu regeln? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um rege Betheiligung ersucht_ Der«ertrauensman». Drele Vereinigung der Bauarbeiter Berlins. Sonntag, den 11. Juli, vormittags 10 Uhr, in, Lokale des Herrn Wllke, Andreasftraste 80: Große General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1897. 2. Bericht des ersten Vorsitzenden und Neuwahl des Gcsammt- BorstlUides. 3. Vereinsangelegenhciteu und Verschiedenes.— Neue Mitglieder werden aufgenoniuien. Es ist Pflicht sämmtlicher Mitglieder, pünktlich zu erscheinen. L1/1g_ I. A.: Fritz Kritger. Verband Der in AWstalttn, öiif Sch-il.KHtilvlWl beslhiistigten Arbeiter, Kutscher und sonstigen Arbeitslente. Ver,valtnng I. Sonntag, dc« 11, Juli, abends OV- Uhr. im Lokale von Kinh u. Co., Alte Jakobstraste Nr. 83: 70/4 mf Vsrpamtnlnng. Tsi Tages-Ordnung: 1 Vortrag des Genossen Schnlimann über: Unsere Ziele. 2. Dis- kllssion. 3. Kassenbericht und Abrechnung vom Stiftungsfest. 4. Verschiedenes Gäste haben Zutritt.»v>- Vorstand. oi-.Simmell��SS. (früher Prinzenftr. 91) Gstezialarzt f. Haut u�Harnl eiden. 10—2, 5—7. Sonntags 10—2, 2—4 Halber Morgen Roggen zu verk. Rich Reichenbergerstr 73, v. III 13031b Sarggeschäft zu vermiethen oder zur Vertretung Wrangelstr 125, 1 Tr. s3S32b Deutsch. Holznrbeiterverbnnb. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege 108/15 Heinrich Hiede! am 5. d. M. an der Schwindsucht ge- storven ist. Die Beerdigung findet am Freitag in seinerHeimath in Zittau statt. Die OrtSverwaltung, Nach langem, schweren Leiden ver- schied sauft am Dienstag, den 6. Juli, Mittag 12 Uhr, meine liebe Frau und unsere gute Mutter Frau Anguste Btinzberg geb. sslanthcl. Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. Juli, Nachm. 31/, Uhr, von der Leichenhalle des St. Sebastian- Kirchhofes, Neinickendorf, Humboldt- straße ans statt._ 30296 Für die unS bewiesene herzliche Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters Brnst Seelig sage ich Allen meinen herzlichste» Dank. 3026t) Im Namen der Hinterbliebenen Frau Marie Seelig. vis Metallarveiter vom Norden! ersuchen wir, Sonntag Vormittag zur Morgensprache Brunuenstr.44 im Lokal sich einzufinden behufs sreundschaft- licher Annäherung und wegen Auf- nähme noch nicht organifirter Kollegen. Mehrere Kollegen vom Norden. sollte Niemand versäumen bei Bedarf Brnnnenstr. 110 (neben dem Pferdebahn- Depot) von Jgnutz Seil« zu beziehen: Frisch. Äalteanlr.V, Fl.iull. 50 Pf.; alten Xordliftnser per Liter 50 Pf., hochfeinen Stonsdovfer inkl. Orig.-FI.(V. Ltr.) ä 80 Pf., Halb nnd Halb, feinste Likör- mischnug, per Vi Champagner-Flasche inkl. 90 Ps., Ingwer-. Pfeffer- niünz-:c. ff. liikOre Vi Liters!. inkl. 1,10 M, V- Literfl. inkl. 55 Pf., Hlmbeer- nnd Kirschsaft, rein und dick eingelocht, per Liter 1,10 M., süssen Ungarvt-ein, Orig.-Fl.(Vi Liter) von 90 Pf. an, sowie sämiutl. Weine, Oognae, Knm etc. Spirituosen im Einzel- verkauf, auch eingemesseu nur zu Engrospreisen. Billigste Bezugsquelle. Bitte genau auf Mo. HO, Brnnnenstr.ssfo. HO zu achten._[17151!" nphllstsss-Rtste K SSSHBSHHMBBHHRB •ö« Bezügen ausreichend, in Phantasie, Rips, Tainast, Crepe, Gobelin, Moqnette und Pliisch,svwieSatteltaschen spottbillig. J. Ä d I e r, 1632S» Teppich-Hans. Spandanerttr. BO, vis-h-vis dem Rathhause. Jllustrirte Preislisten gratis u. franko. 8 ophastoffe auch AM- in Siips, Taniast, Crepe, Phantasie, Gobelin und Plüsch spottbillig'. 1635g* Proben franko!"TWg ilankaoktaik«>» allen Qualitäten MsttBNe zu Fabrikpreisen. M\ Leievre, ISI' Carl Becker Clgarren, Clgarretten n. 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Reichhaltiges Spezialitäten-Programm. 1. Auftreten eines Seilläufer- Paares auf dem über den See gespannten Drahtseil. 2. See-Theater: Komiker, Spezialitäten, Chansonetten-Vorstellung in künstlerischer Ausführung, Auftreten des Geigenvirtuosen Zigeuner Gyula Misohka. 3. Volksspiele, Jugendspiele, Preis-Wettkegeln, Kasperle-Theater mit neu einstudirten Kinderkomödien. 4. Beim Schtitzenwirth am See: Zither-Konzert u. Schnadahüpfl-Sängerkrieg. 5. Diu Schützenfest in Sistrans in Tirol. Schützenplatz und] Wirthshaus- Scene. Festzug. Eine Verlobungsfeier in der Schenke zu Sistrans unter Mitwirkung der Tyroler Sänger-Gesellschaft„Berliner Edelweiss" und der bewährten Schuhplattler Herr Staudinger und Fräulein Nanni Hofer sowie des Jodler-Seppl, verbunden mit dem Brande der Sistranser Pulvermühle am See. c. Riesen- Ita nd- n. Wasser-Feuerwerk, ausgeführt vom Pyrotechniker Herrn Bock. 7. Bai champßtre, von 4 Uhr ab geöffnet. Dem Publikum wird die rationellste Ausnutzung der den ganzen Tag geöffneten KafTcektiche sowie der Bulfets und Spciscsltlc wännstens empfohlen. Die Rundfahrt auf dem See erfolgt viertelstündlich gegen Zahlung von 10 Pf. Die Mitglieder werden gebeten, im Interesse des Vereins für einen zahlreichen Besuch des Festes Sorge zu tragen. Billets ü 80 sind bei den Ordnern des Vereins, in sämmtlichen Zahlstellen und beim Kassirer zu haben. Der Vorstand. I A.: G. Winkler. 231/10 Jfl Vereine! Achtung! Kollegen! Da das Lokal von krossö, Annenstraße 16, geschlossen ist, ersuche die geehrten Gewerkschaften nnd Vereine, Vestellungen an R. Heinrich, Naunyn- straße 78, zu senden.— Den Kollegen zur Nachricht, daß die Sitzung am Freitag auch daseblst stattfindet. Taiizlthrttvtrtiil„SÄimtiit". 200/2 Central-Verein der Bildhauer (Gauverein Berlin). Sonnabend, den lv. Juli, in der„Meuen Welt", Hasenhaide: Großes Sommer-Fest mit reichhaltigem Programm. s22/K Konzert- Spezialitäten- Tyroler Sänger-Gesellschaft. WF SchUtzenfest~&J Wirthshansszene mit Gesang u. Zitherbegleitung, Tchnhplattlertanz. Billets a 25 Pf. sind bei den Kollegeil Drautvetter, Krautstr. 28 tagsüber, und Otto Meyer, Eugel-Ufer 2B, und in den mit Plakaten be- legten Handlungen zu haben. Dee Vorstand. R. F. Mittelstadt, Berlin N, Brnnnenstr. 152. Infi. Mk.0,60. 1,10.&1.80. Im Anaschank und In Flaschen überall zu haben. ■ Branerei-Ansschank der Brauerei Stralau kb Oeconomie: Birkholz A mittag. Jeden Sonntag und Donnerstag: DM- Theater- und SpezlallUten-Vorstellung.-Mg Harten- Konzert der 20 Mann starken Hauskapelle. Im Saale: Clrosser Bull bei gänzlich freiem Entree. Sport- und Ruderboote in gr. Auswahl stehen zur Verfügung. KalfeekUche v. 8—7 Uhr. Volksbelustigungen jeder Art. __ 2 verdeckte Kegelbahnen._ gezeichnete Küche zu soliden Preisen. Gute Biere, ausBirkholz& Mittag. Viktoria-Brauerei (Garten resp. Saal) LUtzow- Strasse 111118 nahe Potsdamer Platz. Heute sowie taglich: Stettiner Sänger (Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Zum Schluss Eilt vergnügter Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Billets k 40 Pf. und Familien- Billets ä 1 M. nur in den Vorverkaufsstellen.(Siehe Plakate.) Guten Verdienst verschaffen sich Personen jeden Standes durch Erwerbung von Sterbekaffen- u. Kinder-Verstcheruugeu. Meldungen vormittags 9 bis 3 Uhr nachmittags in: Versicherungs- Bureau Berlin, Mauerstr. 63—05 parterre. 2754b �Ällln-Atoliov. Künstl. Zähiie in tadelloser Aus» sühruug v. 3 M., Plomben v. 2 M. an. Schmerzlos. Zahnziehen»litt. Cocain Clorelhhl, Chloroform und Lachgas unter Leitung eines prakt. Arztes. Bei Bestellung v. künstl. Zähncil Zahn- ziehen, Zahureiuigcn umsonst! 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