Ur. 161. Abonnements• Kedtngungen: Abonnement»- Preis pränumerando! Bierteljährl. SLV Sit, monatt 1,10 Sit, wöchentlich W Pfg. fret WS HauS. Einzelne Nummer ö Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrtrtsr Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZettungS- Preisliste für 1337 unter Er. 7487. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat, 14. Jahrg. Die Insertims- Gebühr deträgt für die fschigefpaltene Kolonel- zelte oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und BersammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmartt W Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Dt« Expedtiio» ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis ti Uhr vormittags- geöffnet. Erscheint täglich ausser Wonkag«. Berliner Volksblnll. Fernsprecher:»mk l, Er. 1508. Telegramm-Adresse: „SozialdemoKrak Srrlw". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Wedaktion: 8V. 19, Meuty-Straße 2. ßFpeditlon: 8V. 19, Wenth-Straße 3. Die Vövfe und die Agvuviev. Tie neue Ernte fängt an, nach dem Markt zu drängen, und will rasch in Geld umgesetzt sein; hat doch der Bauer daZ baare Geld kaum je so nöthig gehabt wie gerade heute. Aber die öffentliche Preisnotirung in Berlin ist vollständig zerstört und verfallen und die Berliner Preise waren maß' gebend für die Kaufs- und Verkaufsabschlüsse in der Provinz Der Händler in der Provinz hat am Ende geschäftliche Ver- bindnngen genug, um genügende Fühlung mit den großen Zentralmärkten zu behalten, auch ohne den Kurszettel der Zeitungen. Wie soll jedoch der Bauer zu einem festen Anhalt für die Preisbewegung seiner Waare ge langen? Ist er nicht der Willkür des Händlers viel schrankenloser unterworfen wie vor dem Inkrafttreten des Börscngesetzes, das die Roth der Landwirthschaft zu mildern versprach? Niemand hat beim Erlaß des Börsengesetzes die Folgen vorausgesehen, vor denen wir jetzt stehen. Das Gesetz unter sagte den„börsenmäßigen Terminhandel in Getreide und Mühlenfabrikaten" und nahm in Aussicht,„daß in den Vor- ständen der Produktenbörsen die Landwirthschaft, die land wirthschastlichen Nebengewerbe und die Müllerei eine ent- sprechende Vertretung finden". Die Berliner Produkten� börse löste sich bekanntlich daraufhin ans, um als „Freie Vereinigung" im Fcenpalaste ohne staatliche Aussicht und ohne aiifgezwungene Vertretung der außen- stehenden Landwirthe„handelsrechtliche Lieferungsgeschäfte" zu treiben. Sie hatte damit zweifellos nur ihr Domizil gewechselt und ihren Transaktionen lediglich eine andere rechtliche Forni gegeben; sie hielt sich jedoch nach diesem kleinen Kostümwechsel für gesetzlich unangreifbar, mußte freilich aildererseits auf jede „amtliche Feststellung" und Verbreitung ihrer Preise als Börsenpreise" verzichten. Man erklärte in überquellender Be scheidenheit, daß man gern von dieser Anerkennung vor der großen Oeffentlichkeit absehen und in stiller Selbstgenügsamkeit nur noch von Komptoir zu Komptoir verkehren werde. Dieser Gegenschlag der Börse gegen die agrarische Gesetz gebung war natürlich für den Bund der Landwirthe äußerst schmerzlich. Die Bündler sahen siä) so nicht nur um ihre Vertretung im Vorstand, sondern auch um die alte, für sie doch recht wichtige Berliner Notirung gebracht. Die Bauern im Lande klagten sehr bald, daß sie dem kleinen„Juden" um so wehrloser gegenüberständen, je weniger sie seinen Preis angeboten sichere amtliche Preise entgegenhalten könnten; die eigent lichen Größen und Großgrundbesitzer des Bundes hielten sich sogar vielfach für boykottirt, ivenn sie Lieferungeil abschließen wollten, auf jeden Fall litten sie auch ihrerseits schwer unter der Un- sicherheit der jeweiligen Preislage. Erst hoffte man aus baldige Wiederumkehr der Börsianer� als diese ausblieb, tobte ein wahrer Sturm los gegen die„gesammten Produktcnjudcn", die Herr Brefeld von Rechtswegen„am ersten Feenpalast-Tage in den grünen Wagen packen und zum Polizeigewahrsam ab fahren" lassen mußte. Sehr bald jedoch auch gegen die „schlvache" Regierung, besonders nachdem der preußische Handelsminister immer und immer wieder zu einer Verständigung im guten rieth, so zuletzt noch gegen Ende Mai im Herrenhause. Schon in der bekannten Denkschrift des Blindes an den Reichskanzler heißt es:„Wir halten es grnnd- sätzlich für einen mit der bisherigen Rechtsausttbung im prelißischen Staate nicht zu vereinbarenden Vorgang, daß man mit denjenigen, die ein rechtskräftig erlassenes Gesetz sortgesetzt, absichtlich und dessen offen sich rühmend, übertreten, gütlich zu verhandeln sucht; daß man, statt durch rückhaltlose Anwendung der staatlichen Machtmittel vor allen Dingen die staatliche Autorität gegenüber dem Gesetzesübertreter wieder herzustellen, jetzt im Wege der Anbietung von Kompromissen die freundwillige Bcobachrnng des Gesetzes gewissermaßen er- bitten will." Als trotzdem die kapitalsliäftigen, selbstbewußten Händler ruhig ihr Spiel im Fecnpalast weiterspielten, und als Minister Brefeld offenbar weiter Bedenken trug, mit so potenten Herren Händel zu beginnen, da ging das Bündler- organ entschlossen zum Kampfe gegen den Handelsminister Uiber: i„Unsere Leser wissen, daß wir dem Herrn HandelSminister mit Bertranen entgegen gekommen sind. Aber wir müssen gestehen. daß Herr Brefeld dieses Vertraue», soweit es seine Fähig- s keil und Festigkeit angeht, schon ziemlich schwer ent- ' täuscht hat. Ist die Sprache, die Herr Brefeld geführt hat, eine solche, wie man sie von einem preußischen Minister gegenüber dem Aus- treien der Börseaner gegen bestehende Gesetze erwarten darf und als lounler Staatsbürger erivarten mußte?! Was für eine sellsrnne Anssassung offenbart Herr Brefeld von den Pflichten der Regierung?.. � Dieses Verhalten ist zugleich eine treffende, aber betrübende Illustration zu dem Worte unseres Kaisers, daß auch unsere 3eit stählerner Männer bedarf." Und siehe da, der stählerne Mann fand sich mit einem Male: der Berliner Polizeipräsident untersagte die Fortsetzung der Börscn"versaminlung, die der Genehmigung der Landesbehörde bedürfe, jedoch nicht genehmigt sei;„für den Fall der Zu- Widerhandlung gegen diese Verfügung' drohe ich unmittelbaren Zwang an"...,.... Wie diese übliche, den Arbeitern längst durch Gewohnheit glcichgiltig gewordene polizeiliche Formel alle guten Staats- büracr in ungemessene flammende Entrüstung versetzte über polizeiliche.Schroffheiten".„Rücksichtslosigkeiten",„Be- leidigung",„Kränkung", über den„schroffen Ton" gegen eine „Versammlung ganz friedlicher Kanfleute, die garnichts anderes thnn wollten, als sich zu geschäftlichen Besprechungen zu- sammen zu finden"— das möge man aus dem Bericht über die Abgeordnetenhaus- Sitzung vom 25. Juni ersehen; für Arbeiter ist er höchst ergötzlich nachzulesen.„Man kann ja— meinte ein Redner alles Ernstes— wenn man gegen An archisten vorgeht, auch die Sache nicht anders anfassen, wie es hier geschehen ist." Ganz so stählern wie Herr v. Windheim war Herr Brefeld übrigens nach geschehener That auch wieder nicht. Er bedauerte, daß die Feenpalast-Vereinignng sich wirklich sofort auf- gelöst habe, polizeiliche Zwangsandrohungeil seien in solchem Falle nur übliches Formelwcrk, die ganze Angelegenheit hätte in der Schwebe bleiben können, bis eine rechtskräftige Entscheidung durch das Verwaltungsgericht erfolgt sei. Nunmehr setze er seine Hoffnungen darauf, daß die vom Oberpräsidenten Achenbach neu eingeleiteten Verhandlungen zwischen Vertretern der Brandenburgischen Landwirthschaftskammer und den Berliner Aeltesten der Kaufmannschaft zu einer Verständigung und damit zu einer vollen Wiederaufnahme des Börsenverkehrs führen würden. Am Sonnabend haben diese Verhandlungen im Branden burger Ständehans stattgefunden. Sie sind vollständig gescheitert, obwohl der Oberpräsident zum Schlüsse nochmals von Hoffnungen auf die Zukunft sprach. Die Börsenführer wissen sich offenbar irz einer sehr starken Position, in der sie ruhig den Gang der Dinge abwarten können. Ihre Erklärungen liefen darauf hinaus,„Ehre" und„Unabhängigkeit" verbiete es ihnen, sich im Börsenvorstand fremde Elemente von außen her aufzwingen zu lassen; die Landwirthe hätten das Recht, der Börse beizu- treten und hier, in gemeinschaftlichem Wahlgang mit allen anderen Börsenmitgliedern, die landwirthschastlichen Vertreter des Vorstandes zu wählen. Die Bündler bestanden daraus, daß die Landwirthe, bezw. die Brandenburgische Landwirthschaftskammer, für sich die Vertreter im Vorstand zu stellen hätten;„die Landwirthe sollen nicht als gewählte Mitglieder der Börse dem Vorstande angehören nnd bei der Preis festsetznng mitwirken, sondern als berufene und gesetzlich ver ordnete Vertrauensmänner der L a n d>v i r l h s ch a s t." Zweifellos ist die so geschaffene Situation für die Agrarier eine ganz unhaltbare. Die ehemaligen Fcenpalästler handeln jetzt wirklich in aller Stille nnr noch von Komptoir zu Komptoir; soll man für jeden ihrer Geschäftsabschlüsse den Deklarationszwang einführen, um so eine Griindlage für die amtliche Preisnotirung zu schaffeil? Der Gedanke wird seit geraumer Zeit alles Ernstes in der agrarischen Presse erörtert. Doch selbst wenn ihn die Gesetzgebung erfüllen sollte, für de» Verkalif der jetzigen Ernte nützt das alles nichts mehr. Ein Theil des alten Produktenhandels in der Börse hat sich an den Berliner„Frühmarkt" der Müller, Bäcker, Brauer, Fuhr- Herren, Schiffer angegliedert. Flugs verlangt mall eine Erklärung dieses Frühmarktes zur Börse, um hier zu einer anltlichen Preis notirung zu gelangen. Oder vielmehr, da der Frühmarkt genau so renitent sein dürfte, wie die Feenpalast-Vereinignng, so hat gestern(Montag) Mittag die Versammlung der Wahlkreis' und Bezirksvorsitzcnden des Bundes der Landwirthe für die Provinz Brandenburg bereits einstimmig die„umgehende Schließung der Berliner Frühbörse" gefordert. Man spricht freilich voll„vollkonimen entsprechendem Ersatz" für die Preis- notirungen der vormaligen Produktenbörse, aber so sehr Land- wirthschaflskammern, Genossenschaflcn nnd sonstige Jnter- essenten sich bemüht haben, einen Ersatz zu schaffen— er ist eben doch nicht da, während mit jeder weiteren Ernteivoche das Feuer den Landivirthen immer heißer ans die Nägel brennt. Wir reden von den Klassenkämpfen zwischen den Eisen- bahn- und Elevatorenkolnpagnien einerseits und den Farmern andererseits in Amerika wie von einer uns wildfreniden Er- scheinung. Hier haben wir einen ähnlichen Machtkampf zwischen der Börse nnd der Landwirthschaft, nur daß unsere Agrarier durch ihren politischen Unverstand sich in der Arbeiter- klaffe um alle Synipathie gebracht haben. Wenn die biederen Bündler im Reichstag und Landtag bereit sind, die Arbeit im Kampfe gegen das industrielle Groß- kapital durch polizeiliche Vereinjgliiigsverbote auszuhungern, warum solleil wir— von allen anderen Erwägungen ganz ab- gesehen— Thränen vergießen und uns entrüsten, wenn der Bttndler einnial vom Börsenkapital gezwickt und gezwackt wird? Er hat ja die Polizei aus seiner Seite; mag er sehen, was d i e mit ihren stählernen Männern gegen die Schlußscheine der Börse ausrichten kann. polikische Vebevfichk. Berlin. 13. Jnli. Bom Vereinsgesetz. Die konservative Presse fährt fort, unbekümmert um die mannigfalligcn Betbeuerungen der Nationalliberalcn, aus den Abfall einiger Stimmen dieser Partei bei der endgiltigen Abstimmung im Abgeordnctenkallse zu rechnen. So liest man jetzt in der„Konservativen Korrespondenz": ... Trotzdem aber wäre es möglich gewesen, die Vorlage auch im Abgeordneleuhause mit einer gerade hierbei recht wünschenswertben imposanten Mehrbeit durchzubringen, wen» nicht die nalionalliberale Partei de» Fehler begangen hätte, sich von vornherein in gewissem Sinne prinzipiell dagegen zu wende».... A» stelle einer imposanten Mehrheit bietet sich jetzt für die Vor- läge im besten F alle eineganzknappeMajorität. Das ist bedauerlich. Hoffen wir aber, daß wenigstens überhaupt eine Mehrheit vorhanden sei. Von national- liberaler Seite wird es angeblich als eine Beleidigung empfunden, wenn von den Freunden der Vorlage auf einen, wenn auch geringen„Umfall" in ihrer Fraktion gerechnet wird. Das ist thöricht. Zweifellos fesselt der Fraktionszwang eine ganze Reihe von Anhängern einer Sondergesetzgebung gegen die Sozialdemokratie und nöthigt diese, gegen ihre Ueberzeugung zu stimmen. Wie kann es beleidigend sein, wenn man annimmt, diese Herren könnten versuchen, sich von dieser Fessel im vorliegenden Falle freizumachen, um einem solche» sacrificnim intellectus(Opfer des Intellekts) zu entgehen?... An diese Auslassung ist außer der Hoffnungsfreudigkcit, daß das Gesetz schließlich zu stände kommen werde, noch das Zugeständniß bemerkenswerth,„geradehierbei"sei eine„imposante Mehrheit recht wünschenswerth". Dann allerdings liegt viel« leicht das allererstaunlichste Moment in dieser an erstaunlichen Momenten so überreichen Regiernngsaktion darin, daß sich die Regierung mit einer„besten Falls" zu erreichenden „knappen Majorität" begnügen will. Ein so wichtiges Gesetz, angenommen mit wenigen Stimmen Mehrheit, nur durchgedrückt durch die Hilfe der konservativen Landräthe und Junker, sowie einiger umgefallener Vertreter der Schlot- baronie— wie soll es— im Gegensatz zur Stimmung von vier Fünfteln der gesammten Bevölkerung— bestehen! Daß Herr v. t>. Recke dies nicht sieht, daß er nur sein Gesetz durchbringen will, ohne Rücksicht auf das Wie— das allein beweist übergenug das tiefe politische Niveau der gegen- wärtigen Regierung. Doch das nur nebenbei. In der Hauptsache zeigt uns obige Auslassung, daß die Konservativen noch keineswegs ihre Hoffnungen aufgegeben haben. Ob sie thatsächlichen Anhalt für ihre Hoffnungen haben, ob sie recht behalten werden? Wer weiß es? Die nationalliberale Seite fährt unterdeß weiter fort, ihre Standhaftigkeit zu verkünden. So erzählt die„Köln. Ztg." mit Genugthuung noch bezüglich der großindustriellen Kimd- gebnng, daß jene Meinungsäußerung niit der von Herrn von Stumm angekündigten„Bewegung" absolut nichts zu schaffen habe. Die Verhandlungen hätten nicht in der Vvrstandssitznng, sondern nach Schluß derselben in freier, zivangloser Besprechung stattgefunden. Ein„Beschluß" der nordwestlichen Gruppe liege deshalb überhaupt nicht vor. Ja, die nationalliberale„Standhaftigkeit" hat schon eine merkivürdige Folge gehabt. Im Zentrum erwacht eist heimliches Lieben für die feindlichen Brüder. Wir haben schon früher eine derartige Regung aus der„Kölnischen Volksztg." verzeichnet. Jetzt schreibt dieses Blatt: „Wenn die Nalionalliberalqzt nunmehr, wie eS den Anschein hat, endlich enlschtosse» sind, gegen w e i t e r e V e rk üm m e» rnngen der staatsbürgerliche» Rechte sich anfzu- lehnen nnd auch sonst ans ihrer gehässigen Stellung gegenüber dem Zentrum herausrücke», so kann allerdings ernsthast die Frage entstehen, ob es nicht angezeigt ist, im Einzelfalle emem National- liberalen gegen einen„konservativen" Gcwallpolitiker zu einem Mandat zu verhelfe», anstatt die Parole auf Stimm- enlkaliung auszugeben. Wir haben gar keinen Zweifel, daß Windt- Horst, wenn er noch lebte, genau ebenso handeln würde.... Heute liegen die Verhältnisse so, daß wenn die bnreaukralisch-diktatorische Gewaltpolitik im Abgeordnelenhanse oder im Reichstage die Oberhand gewänne, außer dem Vereins- und Versamm- lungsrecht noch weit mehr in Frage stände. Aber nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber- Zunächst bleibt allerdings die weitere Entwickelung, vor allem der Verlauf der Vereinsgesetzaktion abzuwarten.... Wer bereit ist, das ganze Bersaniniliings- und Vereinsrecht der Polizei auf Gnade nnd Ungnade auszuliefern, der ist auch noch zu Schliinuierem fähig— wenn die Zeit gekommen ist. Die Konservativen haben nichts gelernt und nichts vergessen, wenn die Nationalliberalen etwas lernen— so wird eS nicht ihr Schaden fein." Wir meinen, diese Liebeserklärung der„Köln. Volksztg." sei nundestens recht voreilig. Es müßte denn sein, daß auch die„Köln. Volksztg." die überaus seltsame und zweideutige Politik, welche augenblicklich die Nationalliberalen verfolgen, mitzumachen geneigt wäre. Will sich das ultramontane Blatt wirklich durch die jetzige Haltung der Nationalliberalen so stark umnebeln lassen, daß es den wahren Charakter derselben nicht mehr zu erkennen vermag? Wir wollen die Haltung der Nationalliberalen zur Ist Recke garnicht unterschätzen. Aber man hüte sich ebenso, sie zu über schätzen! Plan weiß doch, daß eine Summe von besonderen Umständen und nicht eine prinzipielle Ueber- zeugung die Zurückweisung dieses Knebelgesetzes seitens der Nationalliberalen gezeitigt hat. Mehr noch, es sind in letzter Zeit mancherlei Aeußerungen ans nationalliberaler Feder gekommen, welche besagen, daß dies Herrenhansgesetz nicht annehnibar sei, weil es nur für Preußen gelte und die Reichseinheit bedrohe; ob Maßnahmen gegen die Sozialdemokratie durch die Reichsgesetzgebung wünscbenswerth seien, das stehe auf einem anderen Blatte. Alan hüte sich also vorläufig, die Nativnalliberalen als eine Partei anzusehen, welche bereit sei, gegen die Verkümmerung der staalsbürgerliebeu Rechte zu streiten. Dafür müßte die- selbe erst andere Proben ablegen als sie bisher gethan. Der Blind der Landwirthe stellt sich imnier mehr auf eigene Füße. Die Konservativen fürchten, daß er bald mehr gegen sie als neben ihnen zu marschiren gewillt sein werde. Dies scheint auch das Ergebuiß der in diesen Tagen statt- gefundenen Znsammenkunst der Vertreter des Bundes der Landwirthe aus der Provinz Brandenburg gewesen zu sein. 8lnf der Tagesordnung dieser Versammlung stand die Be- sprechung der nächsten Reichstagswahlen und die Aufstellung agrarischer Kandidaturen in der Provinz Brandenburg. ,Hie Ergebnisse der stattgehabten eingehenden Berathungen beschloß man vorerst als geheime zu behandeln; so- dann wurde die Agitation in den einzelnen Wahl- kreisen und die Entsendung von Rednern besprochen—" sagt ein offiziöser Bericht. Die Geheimhaltung scheint, zumal in Verbindung mit der Erwähnung besonderer agrarischer Kandi- daturen, speziell mit Rücksicht auf die Deutsch-Konservativen beschlossen zu sein. Herr v. Plötz rückt seinem Ideale, einer Partei, frei von allen Rücksichten politischer Tradition, lediglich bestimmt, die Interessen des Großgrundbesitzes zu vertreten, immer näher. Da die Zeiten einer nichts als gouverne- mentalen konservativen Partei nicht mehr wiederkehren, so können die Deutsch-Konservativen, die weder hinter Stumm noch hinter Plötz, noch auch hinter Liebermann von Sonnen- bcrg zn rangiren gewillt find, bald zn einem kleinen Häuflein zusammenschmelzen. v. Stumm und die Kirchenhirten. Wir haben schon kürzlich die Antwort erwähnt, welche der evangelische Ober- kirchenrath dem Herrn v. Stumm ans seine Beschwerde über die Geistlichen im Saargebict und über das Konsistorium der Rheinprovinz ertheilt hat. Diese Antwort liegt jetzt im Wort- laut vor. Sie bildet einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Erkenntniß der Stellung der Kirche gegenüber dem Staate und seineu Beherrschern. Der oberkirchenräthliche Bescheid trieft von Versöhnlichkeit und Milde nach beiden Seiten hin. Er giebt dem Neun- kirchener Gebietiger nicht recht und nicht den Geistlichen. Und doch bedeutet er einen neuen Triumph Königs S t u m m. Denn wenn er auch zugiebt, daß die Geistlichen „durch vielfache zum theil verletzende Angriffe in begreifliche Erregung versetzt worden sind", so mißbilligt er doch andererseits durchaus das Verhalten der Saar- G e i st l i ch e n. Diese hätten selbst verletzenden Angriffen gegenüber eine würdige Zurückhaltung be- wahren sollen, sie hätten die Preßfehde nicht aus das persönliche Gebiet übertragen und nicht in einer Broschüre, die zur Maffenverbreitnug bestimmt war und thatsächlich weit hinaus über das Saargebict gedrungen sei, ausfechten sollen. Also die Saar-Geistlichen sollen sich gegen Stumm's ganz persönliche Angriffe nicht persönlich wehren dürfen. Sie sollen gegen die weit verbreiteten Ausstreuungen des„kleinen Schleifstein" in Saarbrücken und des„großen Schleifstein" in Berlin nicht haben in einer Broschüre antworten sollen. Sie sollten ini Druck stillhalten. Sie sollen nichts sagen gegen die schlimnisten Verdächtigungen des Mannes, denr die unendlich schwächliche soziale Richtung und Bethätignng der Geistlichkeit als verpönter Radikalismus und Vorarbeit für die Sozial- dcmokratie gilt. Die Geistlichen sollen vor dem mächtigsten Manne Saarabiens nicht nur, sondern dem einflußreichsten vielleicht ganz Deutschlands in die Kniee sinken und ja nimmer soll über den Zann ihrer Zähne gehen, was sie im Herzen fühlen, was ihr Hirn denkt. In der niederen Geistlichkeit regt stch'S hie und da trutzig gegen die hohen Herren, die im Namen der Religion und des Christenthnms wider die Grnudlehren der Religion und des Christenthnms handeln, die den Geistlichen als Zufriedenheits- Prediger und Beschöniger ihrer Missethateil und Ausbeutnugs- gelüste mißbrauchen möchten. Aber mächtiger als diese Regungen ist die Macht des Staates und der ihn beherrschenden Klaffen. Uud in deren Banne steht die höhere Klerisei, welche wiederum Macht hat über die niedere Geistlichkeit, welche nach Brot und Amt verlangt. v. Stumm hat gesiegt. Die Geistlichen werden künftig „auch verletzenden Angriffen gegenüber eine würdige Zurückhaltung wahren"! Eine größere Zahl do», Strafen gegen sozialdemo- kratische RcichStagöabgeordiirte werden»> der nächsten Zeit zum Austrag komme», weiche infolge der Immunität mehr oder weniger lange Zeit geruht habe». Der erste dieser Preß« und Redesünder, über die nach Schlnß der Reichstagssessio» verhandelt wurde, war Genosse Dr. Lütgen« u, aus dessen Revision hin daS Reichsgericht das Urtheil des Dortmunder Land- gerichls, welches fünf Monate Gesängniß wegen Majestätsbeleidignng verhangt hatte, aufhob und an die frühere Instanz zurück verwies. Es werden bald mehr folgen. Wir erinnern an die Prozesse der Genosse» Horn, Herbert, Liebknecht. Schmidt, Stadlhagen u. a.— von einer Wiederaufnahme der Friedensverhaudlungen ist noch immer keine Rede. Die Botschafter habe» eine Be- sprechung gehabt, aber die türkischen Vertreter waren nicht dabei. Der französische Botschafter wird sogar am Donnerstag eine Reise nach Frankreich antreten, um sich mit Hanotaux persönlich z» besprechen. Es ist also noch gar nicht abzusehen, wann die Vcrhaud- lunge» ivieder in Gang kommen werden, geschweige wann sie zu Ende geführt werden können. Derweilen scheint es auf dem Kriegsschauplätze recht bös auszusehen. Der„Standard" erfährt aus Konstantinopel:„Die Botschafter haben Briefe von Einwohner» aus Thessalien erhalte», worin diese er- suchen, die türkische Herrschaft beizubehalten, da man sonst befürchten müßte, daß die türkrschen Soldaten, falls sie gezwungen würden, Thessalien zn verlassen, einen allgemeinen Christenmord inszenirten." Natürlich ist hierbei türkische Stimmnugsinache nnverkeimbar. *«' TentscheS Reich. — Die Offiziösen dementiren sich gegenseitig. Heute schreiben Echweinburg's und Miquel's„Berl. Pol. Nachr.": „Wenn unserer Mittheilung über eine voraussichtlich in der nächsten Tagung des Landtages zu erwartende Vorlage über das Wahlrecht die Behauptung entgegengestellt worden ist, daß nach Anfrage an zustandiger Stelle von einer solchen Absicht nichts be- kanut sei, so scheint übersehen zu sei», daß die Slaatsregiernng sich ausdrücklich verpflichtet hat. die Wirkungen der Steuerreform auf das Wahlrecht in Staat und Gemeinde zu untersuchen und ans den Ergebnissen dieser Untersuchung gegebenenfalls die entsprechenden gesetzgeberischen Konsequenzen zu ziehen. Der„Nordd. Allg. Ztg." mag diese Thalsache unbekannt sein; wir aber wissen ganz genau, daß man sich an maßgebender Stelle dieser Pflicht voll bewußt und ihr zu genügen entschlossen ist. Wenn jetzt übrigens behauptet wird, daß der Widerspruch gegen die bei Berathnng der Wahlrechts-Novelle von 1893 im Abgeordnelen- Hause der Regierungsvorlage eingefügten Beftinunnngen zur Erweite« rung des Wahlrechts der minder wohlhabenden Mchrbeit vornehmlich von konservativer Seite ausgegangen sei. so trifft diese Be- hauptung in diesem Umfange nicht zn. Nicht allein hat die konservative Fraktion des Älbgeorduetenhauses diese» Beschlüssen zugestimmt, sondern der Vorschlag, die 2900 M. übersteigenden Einkoinmensteuerbeträge nur halb zn rechnen, wieder auch Haupt- fächlich im Interesse der Aufrechterhallung der liberalen Mehrheilen in einer Reihe westlicher Industriestädte, bekämpft. Gerade aber auf dem Gebiete des kommunalen Wahlrechts treten natur- gemäß die Wirkungen der Steuerreform weitaus am stärksten shervor, weil hier die beiden, auf dem Gebiete der staatlichen Wahlen wirksamen Gegengewichte, die Bildung der Ab- s theilungen nach Urwahlbezirken und die Anrechnung von 3 M. Steuern bei den Steuerfreien ausgeschaltet sind." Nun hat die„Nordd. Allg. Ztg." wieder das Wort.— -- Fideikom miß-Gesetzgebung. Der Wiener„Pol. Korr." wird ans Berlin gemeldet, daß die Slaatsregierung eine Reform des Fideikommißrechtes plane; die Vorarbeiten hierzu solle» bereits im Gange sein. Modern wird diese Gesetzesarbeit sicherlich nicht ausfallen.— — Und noch ein kleines Mittel für die nothleidende Landwirthschast. Die preußische Zenlral- Geuosscnschaftskasse in Berlin beabsichtigt, Darlehe» gegen Verpfändung vo» Branntwein, der unter Milverschlnß der Steuerbehörde lagert, i» der Form des Wechsel- kredits zu gewähren, und hat beim Finanzministerium den Antrag gestellt, daß den Organen der Verwaltung der indirekten Steuern die Erlaubniß zur Mitwirkung bei der Ueb-rtragung, Erhaltung und Aufhebung ihres Pfandbesitzes an dem Branntwein erlheilt werde. DaS Finanzministeriitin hat. der„Brennerei-Ztg." zufolge, diesem Antrage stattgegeben und wird die betheiligten AmtSstellen mit entsprechender Anweisung versehe». Als Herr Miqnel noch in der DiSkontogesellschast war, empfahl er kaum derartige Geschäfte.— — Zum Börsen krieg erfährt die«Vossische Zeitung", daß vom Handelsminister an die Aellesten der hiesigen Kaufmannschaft die Anfrage ergangen sei» soll, ob es nicht zweckmäßig sei, eine Versammlung der Mitglieder der Produktenbörse einzuberufen, in der Sachverständige ernannt werde», die an der Börse unter Aufsicht des Staatskommissars für FeststellmiH der Getreidenotirunge» Sorge tragen sollen. Da die gegenwärtige Produktenbörse in- dessen nur aus einem Saale ohne Besucher besteht, so werden, wie verkantet, die Aellesten zur Antwort geben, daß von der Regierung erst die Grundlage zur Herstellung einer Produktenbörse gegeben werden müsse und daß dann erst die Feststellung von Preisen in Frage kommen könne. Im Verein Berliner Getreide- und Pro- dnklenhändler wird die Angelegenheit in der nächsten, a»> Donnerstag stattfindenden Sitzung des Vorstandes, im Aeltestenkollegium in der am Freitag oder Sonnabend erfolgenden Berathnng zum Vortrag kommen.— — Nicht für die spukhafte„große liberale Partei" aber für ei» gemeiusames Vorgehe» aller Liberalen bei den Wahlen möchte die liiiks-iialionalliberale„Nntional-Zeitung" wieder einmal gerne Sliinmilna mache». Daß sie bei Herrn Eugen Ricdter wenig Glück haben wird, sieht das Blatt wohl ein, desto heißer ist ihr Liebeswerben»ach denen irni Rickert. Ihre» Artikel schließt das natioiialliberale Organ mit folgenden an die freisinnige Vereiiligling gerichtete» Sätzen: „Doch darüber ka»» vom Standpinikte eines gemäßigte» und praktische», aber zur Geltendmachung seiner Auffassung enlschlossenen Liberalisinns kein Zweifel bestehe», daß diese Gruppe, auch außerhalb der augenblicklich denParlanielile» angehörendeuZahl ihrer Mitglieder, Talente enthält und daß in de» zu ihr stehenden Wählerkreisen Kräfte vorhanden sind, auf welche zu verzichten der Liberalismus heut zu tage wahrlich nicht versucht sein kann. Alle wirkliche» Liberale» im Lande zu sammeln, wenn auch unter Beibehaltnng der besonderen Flaktionsgr»ppiru»ge», wird sich sicherlich als unmöglich erweisen, wenn dic freisiunigeVolksparlei das bisherige Verfahre» gegenüber der freisinnigen Vereinigung fortsetzt; durch dieses Verfahren werde» die Gegensätze von neuem verschärst und dadurch ohne Zweifel weite Mäklerkreise zu mißmülhigem Fernbleiben von der politischen Bethätignng veranlaßt werde». Was werden die mit dem Bund der Landwirthe liebäugelnden »ationalliberale» Abgeordneten zu dieser Taktik sage»? Für die Einheitlichkeit der»ationalliberale» Partei sprechen auch diese Auslassungen ihres Berliner Organs nicht.— — Herr v. Tausch wird in einer von der„Post" veröffent- lichten Zuschrift aus juristischen Kreisen nicht so glimpflich be- handelt, wie sonst in der Bismarckpresse. Energische Führung der Disziplinaruulecsnchung wird da gefordert. Dan» heißt es weiter: Das in weite» Kreisen pflichllrener Beamter aller Dienst- zweige des preußischen Staates vorherrschende Gefühl ist das der Scham über die Zi. geHörigkeit des Mannes zum preußische» Beamtenslande. Ein Beamter, der sich solche Pflichtverletzungen zu schulden kommen läßt, wie es v. Tausch gethan hat, muß so schleunigst wie möglich aus dein Beamlenftande entfernt werde». Das fordert, in a g man sonst die Eigenart poltzistischen Amtsbetriibes noch so sehr w ü r- d i g e», das Ansehen des Aeanitenstandes und die Disziplin und die Moral in demselben, die nothwendig eine Beeinträchtigung er- leide» müsse», wenn solche Vergehungen ungeahndet bleiben. Wir fiagen also nochmals: Weshalb nimmt das Disziplinar- verfahre» keinen Fortgang?..... Schließlich fassen wir unsere Be- nlerkungen dahin zusammen: Wir hätte» gewünscht, daß v. Tausch nicht beurlaubt, sondern suspendirt ivorden wäre, und wir hoffen, daß das Disziplinarverfahren gegen ihn bald zum Abschluß gelange» möge. — Die drei welfischen Geistlichen, welche wegen ihrer Haltung gegenüber der Zentenarfeier gemaßregelt worden sind, theile» in einer Berichtigung an„DaS Volk" mit, daß sie nicht des Amtes„entsetzt", sondern„enthoben" seien, wobei ihnen die Anstellungs- sähigkeit noch verbleibt, und daß sie Berufung an das L a n d c s k o» s i st o r: u m ergreifen würden. — Der Prozeß Thomsen-v. Kölker, über den wir ausführlich berichtet hatten, zieht noch weitere Folgen nach sich. Der Bürgermeister Thomse» von Elmshorn ist in zenem Prozeß überaus bloßgestellt worden. Schon vor dem Prozeß herrschte in den Bürgerkreisen Elmshorns weitgehende Unzufriedenheit mit dem Sladtoberhanpt. Jetzt ist diese Unzufriedenheit noch weiter gestiegen und dürfte schließlich dem Herrn Bürgermeister, der so sicher und zuversichtlich anfznlrete» pflegte, das Amt koste». Im Elmshorner Bürgerverein, dem„die besten Kreise" der Stadt angehören, kam die Angelegenheit letzter Tage zur Sprache. Da sagte ein Herr P a n j e in a.: „Die Unzufriedenheit erhebt lauter denn je ihre Stimme und die Reihen der Unzufriedenen sind durch daS schneidige Borgehen deS Herrn Bürgermeisters, das dem feudalsten Junker auS dem schönen Pommerland alle Ehre gemacht hätte, zehnmal mehr gestärkt worve», als durch die ge- schickleste und energischste Agitation möglich gewesen wäre... Allgemein bekannt geworden ist, ich brauche deshalb die einzelnen Fälle nicht besonders aufjnsühren, daß der Herr Bürgermeister bei öffentlichen Feierlichkeiten wiederholt einzelne unserer Mitbürger schwer be- leidigt hat. und solche? Benehme»— ich finde nicht die passende Bezeichnung hierfür, ohne vielleicht beleidigend zu werden— nachher mit Trunkenheit zu entschuldige» versucht hat. In der Gerichts- Verhandlung in Altona gegen den Amtsrichter v. Köller ist das Benchinen und Vorgehen des Herrn Bürgermeisters gegen v. Köller allen Uneingeweihten in seiner ganzen nackten Häßlichkeit offenbar geworden." Garnicht nninteressant ist ferner die nähere Darlegung, wie der Bürgermeister ans persönlicher Rachsucht seine Macht gegen einen Hotelbesitzer anwenden zu wollen gedroht hat.„Wenn Sie, so sagte er nach der Mittheilung des oben genannten Herrn, den Kerl(den Amts- richter) nicht hinausschmeißen, werde ich Sie schädigen, wo ich kann; und daß ich Sie schädigen kann, wissen Sie. Ich kann Ihnen die Polizeistunde nm zwei Stunden kürzen, ich kann Ihnen die Konzession verweigern, wenn Ihr Vater mal sterben sonte. Sie sind gar nicht fähig, ei» Hotel zn leiten." Schließlich nahm der Bürgerverein in geheimer Abstimmung einstimmig folgende Resolution an. welche dem Magistrat und dem Stadtverordneten-Kollegtum zugestellt werden soll: „Nach der Verhandlung über den Fall v. Köller-Thomsen vor dem königliche». Landgericht Altona am 26. Juni er. hält der Elmshorner Bürgerverein von 1896 die Zeit sur gekomme», daß unsere städtischen Kollegen den Fall v. Köller-Thomson als Privatsache zu betrachten, nunmehr verlassen und Stellung nehmen zn der Frage, ob nach den Vorgängen in der gedachten Ver- Handlung der Bürgermeister Thomse n noch fern er an der Spitze unseres Gemeindetvesen verbleiben kann." t Danach dürfte Herr Thomsen wohl bald fein Amt niederlegen. Das kommt von der allzugroßen Schneidigkeit.— Der Graf Lippe-Biesterfeld hat die Negierung von Lippe angetreten. Seinem Schwager, dem bisherigen lllegente» des Fürstenthums, hat der Kaiser ein Beileidstelegramm über den für ihn ungünstigen Schiedsspruch übersandt.— — Freiherr v. Münch, welcher eine zeitlang Mitglied der süddeutschen Volkspartei im Reichstage war. wurde bekannilich wegen uiivernünstiger Verwaliung seines Vermögens und Geistes- krankheit vom Amisgericht Horb in Württemberg entmündigt. Wie uns telegraphisch niitgclheilt wird, hob heute das Landgericht Rottweil die Entmündigung auf und legte sämmtUche Prozeßkosten, auch die des Herrn v. Münch, der Staatskasse auf.— — Chronik der MajestätsbeleidignngS-Pro- z e s s e. Unser Parteigenosse Reichstags-Abgeordneter Dr. Lütgen an war am 7. November 1395 wegen eines sowohl in der„Rheinisch- Westfälischen ArbeiterzeiUing" wie in der„Westfälischen Volkstribiine" erschienenen Artikels wegen Majestätsbeleidigung in zwei Fällen zu 5 Monaten Gesängniß verurtheill worden. Wegen seiner Eigenschaft als Reichstags-Abgeordneter hatte über die von ihm eingelegte gieviston bisher nicht entschieden werden können. Am Montag fand nun die Ver- Handlung statt. Die Revision rügte, daß znUnrecht zwei Handlungen an- genoninien worden find, denn es handle sich um denselben Artikel, dessen Satz erst für das eine, dann für das andere Blatt benutzt worden sei. Reichsanwalt Schumann beantragte die Verwersiiug der Revision und bemerkte u. a.: Er halle es für dringend er- wünscht, wenn diese Sache endlich durch Verwerfung der Revision ihrer Erledigung entgegengeführt wird. Werde das Urtheil auf- gehoben, so würde voranssichilich noch mehr als ein Jahr vergehen, bis die Sacke wieder abgeurtheilt wird. Das Reichsgericht hob gleich- wohl das Urtheil a u s und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Wenn dieser Bericht richtig ist, so müsse» wir uns sehr wundern über die Bemerkung des Reichsanwalts bezüglich des langen Zeit- raumes, der bis zur wiederholten Aburlheilung vergehen würde. Wir können nicht verstehen, was dieses ganz äußerliche Moment mit der lliechlsfrage zu thnn haben soll. Es ist nicht anzunehmen, daß es dem Lieichsaiiwalt richtiger scheint, daß der Angeklagte ins Gesängniß gesperrt wird, als daß die gesetzlichen Vorlchriflen genau innegehalten werden. Das können wir selbst nicht glaube», aber überaus sonderbar ist die Bemerkung des Reichsanwalts.— Oesterreich. Wien, 13. Juli. Das Reichsgericht fällte heute das Urtheil, daß durch den Erlaß des Ministeriums deS Inner», welcher die Auflösung der Eisen bah»vereine verfügte, eine Verletzung des Gesetzes nicht stattgefunden hat.— Egcr, 13. Juli. Ueber die Vorgänge am Sonntag wird noch gemeldet: Auf der Polizei meldeten sich über 29 Schwer- verwundete. Im Krankenhause liegen mehrere Personen schwer- krank darnieder. Frauen und Kinder wurden von der berittenen Wache niedergeritten. Das Vorgehen der Präger Wache war die Veranlassung zu einer Gemeiiidc.Aiisschnß- sitznng, in welcher eine geharnischte Kundgebung beschlossen wurde. Ferner wurde der Antrag des Bürgermeisters ange»o»»iien, alle feftgestelllen Mißhandlungen in einer Bioschüre zu veröffentlichen und ein Exemplar dem Kaiser zu übersende». Tchtveiz. Zürich, IL. Juli(Eig. Ber.) In der Stadt W i u t e r t h u r wurde im zweiten Wnblgang der Kandidat der sozialdemokratischen Partei, Gastwirtb Gräßle, Vertrauensmann der Eisenbahner, mit 1449 gegen 1139 Stimmen, die auf den liberalkonservativen Gegen- kandidalen fiele», in den Großen Stadtrath gewählt, in dem nun die Sozialdemokraten aus 45 Mitglieder 17 Vertreter haben.— Das Polizei- Besoldungsgesetz des KantonS S o l o t h u r n wurde mit großer Mehrheit angenommen., Dsraukreich. Paris, 13. Juli. Die meisten Blätter sind der Ansicht, daß infolge der Abstimmung in der gestrigen Sitzung der Kammer eine Verlängerung der P a r l a m e n t s- S e s s i o n fast u n- v er m eidlich sein werde, da die Opposition in der Hoffnung, noch in letzter Stunde eine M i n i st e r l r i s e herbeizuführen, zahi- reiche Zusatzanträge einbringen dürste, um die Bewilligung der vier direkten Steuern zu verzögern.— England. London, 13. Juli. Dein Vernehmen nach wird dem Bericht des S ü d a s r i k a- A u s s ch u s s e s ein Absatz hinzugefügt werden. welcher besagt, das Komitee habe innerhalb der Grenzen der Parlaineiitssession keine Zeit gehabt, die Verwaltung der Chartered Company zu prüfen und über die für die Verwaltung ihrer Territorien wünschenswerthen Abänderungen zu berichten.— Spanien. — Die Kolonialkriege sind. noch immer nicht beendet. Obgleich die Beendigung des Slusstnndes auf den Philippinen schon öfters gemeldet wurde, wird nun nach einer auch nur mit Vorsicht aufzunehmenden amtlichen Depesche ans Manila daS bevorstehende Ende des Aufstandes angekündigt. Nach der Meldung ist Nasugbu genommen; 5752 Mann unterwarfen sich; die Einnahme von Loec steht nahe bevor; gestern wurde den noch nicht Unterworfenen die letzte Frist gewährt. Die Hauptsührer der Aufstäudischen, unter ihnen Agiiinaldo. haben sich jetzt ebenfalls unterworfen, man dofft die übrigen durch Hunger zu bezwingen. 1199 Mann regulärer Truppen und 1669 Freiwillige sind in Covadonga eingeschifft worden. Weit schlechter als auf den Philippinen steht die Sache der Spanier auf Kuba. Der Zuzug amerikanischer Freiwilliger dauert fort, auch an finanziellen Unterstützungen der Union mangelt es nicht, so daß kein Ende des Anfsiandes abzusehen ist.— Afrika. — Rußland und Abessynien. Nach ei»er Meldung der „Agence HavaS" kehrt Leontjew. der vom Negns zum General- gouverneur der weiten und reichen Gebiete ernannt worden ist, welche den Namen Aeqnatoriale Provinzen Groß-Abessyniens führen, mit Austragen und als Ueberbringcr von Geschenken für den Kaiser von Rußland und den Sultan zurück. Leontjew hat schon in früheren Jahren russische Missionen an den Negus Menelik ausgeführt. Die obige Mittheilung zeigt, daß die Beziedungen zwischen Menelik und Rußland sehr freundlicher Natur geblieben sind. Rußland sucht bekanntlich Einfluß in Ost- asrika zu gewinnen, um auch dort den englischen Bestrebungen ein Gegengewicht bieten zu können. Es ist der schlauen russische» Diplomatie gelungen, den Herrscher von Abessynien sich günstig zu stimmen und seine alle Abiieigiing gegen England zu verschärsen. Was allerdings die Ernennung LeoiUjeivs zum General- gouverneur der„weiten und reichen Gebiete" betrifft, so ist diese Meldung nicht recht llar, denn Memelik kann kaum aus eigener Machtvollkonimenheit größere Gebiete des afrikanischen Inner» vergeben ohne Zustimmung der interessirten europäischen Mächte, also besonders Englands.— Prätoria, 12. Juli. Der Volksraad nahm heute mit Akklama- tion die Vereinbarunge» an, welche den Abschluß einer engeren politischen Union mit dem O r a n j e-F r e i st a a t fest- fetzen. Gegenwärtig werden die Zusatzbestimmungen zu den Ad- machnngen berathe». ' Amerika. Washington, 12. Juli. Wenn es auch den zur Berathnng deS neuen Tarifs zusaiuuieiigelretencn Mitgliedern des Reprälcntanten- Hauses und des Senats nicht schwer fällt, sich über die»cbciisäch- licheren Streitpunkle zu einigen, so bestehen doch s ch a r s e Meinungsverschiedenheiten zwischen den Dclegirlcii beider täuser gerade über die wichtigeren Positionen, besonders über die ätze für Baumwolle und Zucker.— Bu* Fvngv der Vekheiligung mf den Uttudkagsmahlon./ In, neuesten Heft der„Neuen Zeit" ergreift Eduard B ij stein nochmals das Wort in«inein Artikel:„Reden 5k ä in p f e h." Er will die von den Gegnern der Wahlbetheiligur t n> gebrachten Einwände zurückweisen. Diese hätten ihm eine zi�der Ausmalung der Verhältnisse und Aussichten vorgeworfen.> z vor. sie selbst alles Grau in Grau malen. Bernstein geht nochl/'rosige die ftrage ein. eine wie starke Betheiligung trotz der Oeff- Ehrend der Wahl wohl zu erwarten sei und bespricht sodann'Ws aus hältniß der Sozialdemokratie zum bürgerlichen Rat itlichkeit Letzteren Theil seiner Darlegungen sowie seine allgemeir�as Ver» bemerkungen glauben wir unseren Lesern zitiren zu �aliSinus. schreibt: ty, Schluß» . Worauf beruht die Schwäche des bürgerliche ollen. Er mus in Deutschland? Unsere Schriftsteller ftimmen d' sie aus die im Verhältniß der allgemeinen Enlwickelni n Radikalis» in� Frankreich und England eingetretene Spal�rin überein. Bürgerthum und Arbeiterklasse zurückzuführen. E»g früher als schön, mit erhabenein Gestus von der Feigheil des liing zwischen sprechen und zu erklären, das Proletariat werde Ji ist nun sehr allein fertig werden. Es erinnert an das Wort � Bürgerthums zu Sie mir SOV OOO Arbeiter in Deutschland, die»''mit der Reaktion treten, und unsere Reaktion ist nicht mehr", �lasialle's:„Geben sind längst da und unsere Reaktion blüht meinem Verein bei» aber haben nicht die Entschuldigung, die£ie 500 000 Arbeiter ins Feld führen kann, wir haben die E>noch munter. Wir als einem Menschenaller weiterer Entwickelunü man für Lassalle gesehen, daß sich die Dinge nicht nach e'hfahrungen von mehr gestalten und zuspitzen, wie es mancher vrtg hinter uns. wir haben sondern ihren eigenen Gang in der Weis�ner einfachen Schablone lungen, die für uns schaffen, andere eutesta, uns vorausgesetzt hat, wenn nicht aufheben, so doch verlangsl! gehen, daß den Entwick» wir schon eines Tages mit der Reaktiozegenwirken. die deren Werk. ist ein Zukunftswechsel faulster Art. deamen. Die Erklärung, daß antworiung enthebt für all die Wn allein anfräinnen werden, Junkerherrschaft in der Zwischenzeit ir uns sicherlich nicht der Ver- ihren Organisationen schlägt. tnde», welche die Polizei und In Frankreich und in Englanier deutschen Arbeiterschaft und die demokratische Entwickelung»ich worden, Ivo das radikale Bürgertd sind die größten Erfolge für bis an die Zähne bewaffnet feind in jenen Epochen durchgesetzt in jenen, wo sie einen Modus faiidnn und die Arbeiterschaft sich kooperiren. elig gegenüberstanden, sondern Daß das Bewußtsein, die Arbei'i, mit- oder nebeiieinauder zu Agrarierlhum uud seine Alliirten,»ia gegebenenfalls als Stütze nebe» sich zupartei im Kampfe gegen das Parteien des Bürgerthunis in Deutschlablos als Zuschauer, sondern einflößen muß, sagt die einfachste psychben, den vorgeschritteneren ebenso liegt es auf der Hand, daß dies B> erhöhte Widerstandskraft als bisher zu Zngestäiiviiissen an die igische Erwägung. Und machen würde. lißlfein mehr Elemelite, Es liegt zum theil in unserer eigenezialdemokralie geneigt Bürgerthum politisch zu kräftigerem Auftrete, die nicht von uns abhänge», haben es in die Hand, das deutsche daran kann gar kein Zweifel sein. Woher. zu bringen. Vorgänge, daß auf allen Seiten in der Sozialer Richtung bearbeitet, radikaleren wie bei den gemäßigteren Elensonst die Erscheinung� Parole sich erhob: Unterstützung der Frcisidemokratie, bei den Landtagswahl? Sind die Auer, die Bebel,»ten, fast spontan die kniidete», daß sie ein kräftiges Anftreten der»>igen bei der nächsten für möglich halten, plötzlich alle zu mir auf l die Arons, die so be- man von den Dingen in Deutschland nichts bürgerlichen Opposition bekomint? Die Sache muß doch nicht so lien Mond geflogen, wo ganze Versammlungen, ganze Landeskonferei zu höre» oder zu lesen sie erklären. zoffnungslos sein, wen» Allerdings stehen sich auch auf der chizen in Preußen sich für eine Aenderung der bisher bei der art Taktik eintret�" lieulen vyren Seite derjenige», die für andere befür'� Landlagswahl beobachtete» andere Gegeke'm' verschiedene Auffassungen gegenüber. Auer und hingegen wirworten kurzerhand Unterstützung der Freisinuigen ohne Wahlmänne.ndienste als Abivehr der Reaklion im Landtag, Parvus ihre Unterill, daß die Sozialdeinokraten nnr für sozialdemokratische abbängig 0r stimmen sollen, die dann bei der Rbgeordnetenwahl Maildatci�stützung der Freisinnigen von bestimmten Bedingungen Ich'machen solle», gegebenenfalls von der Abtretiing von Partei an an die Sozialdemokratie. in den glaube, daß es dem ganzen Wesen der sozialdemokratische» Linie. in besten entspricht, wenn überall, wo dies möglich ist. also stiiumt,'größeren Städte» und in Industriezentren, in erster Wahlm." für sozialdeniokratische Wahlmänner ge- Waht�anOrte» aber, wo es den Genossen nicht möglich ist, eigene Minränner aufzustellen, ihnen empfohlen würde, für forden! männer zu stimmen, die sich auf b e st i>» m i e mäiiniv estforderungen verpflichten. Diese Mindest- ein« ungen würden auch bei Stichentscheidungen bei den Wahl- sie brwahlen maßgebend fein, und wo die Sozialdemokratie eine?� angemessene Zahl von Wahlmännern durchsetzt, da sollte ist außerdem auch ihre Unterstützung von dem Abtreten Seit? SitzeS für ihren Kandidaten anhängig machen. Das die'ein Aktionsprogramm, bei dem die Partei sich nach keiner anf?z hin etwas vergeben würde und darauf rechnen könnte, daß Par Genosse» allerorts mit voller Energie und Kampfeslust die Aktion sozi;iiehnie», während es mir zweitelhaft erscheint, ob die bloße fork'ole„Unterstützung der Freisinnigen" eine größere Anzahl von eilvalistische» Wählern zuni Eintreten in den immerhin Opfer er> der'sernden Kamps veranlasse» würde. Zur Arbeit für die Wahl Leäer möglichst großen Anzahl sozialistischer Wahlmänner regt auch de*' Umstand an, daß die Wahlmänner für die ganze Dauer der ge�islaturperiode ihr Mandat behalten, in Todesfällen, bei Rücktritt ti'tz Abgeordnete» rc. die Bestimmung über den neilzuwählende» Ab- 'ordneten haben und während dieser fünf Jahre eine gewisse poli- n.sche Kontrolle über ihre Abgeordneten auszuüben vermögen. t' Gegen das Eintreten für eigene Wahlmänner spricht wirklich d ur die Rücksicht auf mögliche Maßregelungen, und da bleibe ich, i roh allem, was mir die„Leipziger Volkszeitung" entgegenhält, bei itt von mir geäußerten Ansicht bestehen, daß man sich diese Gefahr ibertreibt. Sie mag an isolirten Plätzen bestehen, sie ist aber sehr gering und verschwindend in den großen Zentren, wo eine starke öffentliche Meinung besteht und die Partei zudem meist über eine ganze Anzahl unabhängiger Elemente verfügt. Ebenso»immt das mit der bloße» Tbeilnahme am Wahlakt verbundene Risiko im um- gekehrten Verhältniß der Größe des Ortes und der Wahl- betheiligung ab. Entweder— oder. Entweder wir haben die Masse der Arbeiter hinter unS und sind ihrer Aktionsfreudigkeit sicher, und dann, wiederhole ich, können und sollten wir es darauf ankommen lasse», ob Unternehmer es wagen werden, ihre Arbeiter wegen Ausübung einer Bürgerpflicht zu maßregeln. Oder aber wir sind des Kampfes- muthes der Genossen nicht sicher, und dann sollten wir»ns wenigstens fortan der Großsprecherei entschlage» und aufhören, beständig von der Feigheit anderer Parteien im Gegensatz zu unserem glänzenden, unüber lr offenen Muth z» sprechen. Mit Mählermassen, die in den großen Städten nach Zehntausenden zählen, um einer Gefahr willen. die nach allen vorliegenden Erfahrungen geradezu winzig ist. den Feinden der Arbeiterbewegung ohne Kamps das Feld zu überlassen. das ist wahrhaftig keine Politik, die zu Großlhuerei berechtigt. Sie wäre«ine wahre Ermuthigung für die Partei der Scharfmacher, die Hände endlich auch an das Reichstags-Wahlrecht zu legen. Ja. wird man uns anlivorte», wenn sie daS versuchen sollten, bann— WaS dann? Die Geschichte ken»t Beispiele, wo Parteien söge» sprachen haben und als die Eventualität eintrat, auf die sie mit ganz andere» Thate» wie bisher zu anlivorie» gedroht, nichts ausrichteten. Die Scharsmacher werden sich gegebeneiisalls schon den für sie günstigsten Moiiieiit aussuchen. Die einfachste politische KlngheUSregek gebietet den deutschen Arbeitern, nicht alles auf die eine Karte des Reichs» tags Wahlrechts zu setzen. Dasselbe mag im Moment nicht bedroht sein, aber daß es in sehr einflußreichen Kreisen seine er- bitterten Feinde hat, das pfeifen die Spatzen von den Dächern. Je mehr wir unseren Einfluß bei der Landtagswahl in die Wagschale iverfen, um so besser schützen wir daS Reichstagswahlrecht. Vor unseren Reden und Protestresolutionen stürzen die Mauern des Dreiklassen Wahlsystems nicht zusammen, das ist nun wohl endlich alle» klar. Unsere Reden und Protestresolutionen werden auch für das Reichstags-Wahlrecht nur einen sehr mäßigen Schutzwall ab- geben. Will man es darauf ankoinmen lassen, daß die deutschen Arbeiter eineS Tages vor den Kleinkalibrigen für ihr Wahlrecht werden eintreten müssen? Ich gestehe, daß rch zu einer Politik, die daraus hinausläuft, nicht den Muth habe. Ich glaube nicht an die Allmacht des Redens, ich wünsche keine Politik deS Va banque. Darum erhebe ich meine Stimme für den Kamps mit allen Mitteln, die das bestehende Recht den Arbeiter» in die Hand giebt, für Ausnutzung aller Einrich- tungen, die die Arbeiter kräftig genug sind, zu Organen für die Geltendmachung ihrer Forderungen zu gestalten, für die Besetzung aller Positionen, die den Arbeitern erreichbar sind. Würdiger als das Vertrauen auf die großen Worte erscheint mir der Versuch, durch eine energisch geführte Agitation Bresche i» das Dreiklassen-Wahlsystein zu legen. Nie war die politische Situation einein solche» Versuch günstiger, und sie unbenutzt vorübergehen zu lassen, kann für die Sozialdemokratie eines Tages Opfer bedeuten, gegen welche die heute inöglicherweise zu bringenden wie Spreu in der Wagschale wiegen würden. Mögen die Genossen diese» Gesichts- punkt nicht a»ls den Augen verlieren. Er ist es, auf den es an- kommt, und nicht, ob der eine von unS über den andere» Recht behält."_ Ein Jnbilämnsfest begingen an» letzten Sonntag die Partei» genossen von Brandenburg a. H. Sie' feierten das Löiährige Jubiläum ihrer Parteifahne. Gegen 4000 Brandenbiirger und Rathenower Genossen mit ihre» Familien nahmen an der iniposante» Feier theil. Von den sozialdemokratischen Frauen Brandenburgs ivnrde«in Fahnenband ans prächtiger rother Seide gestiftet. Die Festrede hielt Gen. P ö» s. Einen Appell an das belgische Volk erläßt das Brüsseler Komitee der„jungen sozialdemokratische» Garde" im„Peu.le". Tarin werden die Gesinnungsgenossen ausgefordert, sich am 15. August in Brüssel einzufinden, um an der Kundgebung gegen den Militarismus theilzuuehmen. Die Zahl der Demonstrante» verspricht eine sehr große zu werden. Polizeiliches, Gerichtliches»e. — Genosse K ü n e k e in O d e r b e r g i. M., welcher vor kurzem vom dortigen Schöffengericht wegen groben Unfugs, der am l. Mai durch Singen der Arbeiter-Marseillaise u. s.>v. auf freiem Felde be- gangen sein sollte, zu 10 M. Geldstrafe verurlheilt wurde, ist in der Berufungsinstanz von der Straskammer des kgl. Landgerichts zu P r e n z l a u kostenlos freigesprochen worden. — Aus Lenze» ist der Softaldemokrat R i s ch e r, ein Oester- reicher, ausgewiese» worden, sttischer hat drei Jahre hindurch in Lenzen gearbeitet. Er war von'Anfang a» Soziatdemokial, ist aber nie in besonderer Weise hervorgetreten. Bei einer Haussuchung wurden alle Bücher beschlagnahmt, auch zwei sozialdeniokratische Flugblätter, weil darin»nivahre Thatsachen enthalten sein sollen. Der 15. Iphreskongreß der französtsche» Arbeiterpartei. PariS, 11. J»li. Erster Verbandlungstag(Schluß). Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: K a in m e r w a h l e n von l 8 0 ö, sprechen zunächst zahlreiche Delegirte über die Situation in den einzelnen Wahlkreisen. D e l o r y- Lille meldet, daß die Organisation deS Nord- Deparleiuents, der stärksten Hochburg der Partei, in 17 Wahlkreisen (von den 22) eigene Kandidaten aufzustelten im stände ist. In mindesteiis 0 Wahlkreisen ist der Sieg so gut wie sicher. Das würde einen Gewinn von vier neuen Mandaten bedeute». I» alle» übrige» Wahlkreisen ist, auf grund uameiitlich der Ergebnisse der vorjährige» Gemeiiideivahlen, ei» bideutender Sliinmenzuivachs zu erwarten. D o r m a y- Montlugo» spricht von der werbenden Kraft der Partei im Allier-Deparleinent. Insbesondere wurde die Partei populär, scitdei» sie 1892 in den Gemeinderath des Hauptortes einge- zogen und eine tlieihe von Reforinen zu gunsten des Proletariats und der ärmeren Bevölkerung überhaupt durchgeführt hat. Auch die länd- liche Bevölkerung hat»ach und»act, die allen Vorurtheile gegen die Partei abzustreifen begonnen. Die Redner der Partei sprechen auch vor bäuerlichen Zuhörern über die letzten koltektivistischen Ziele, ohne durch die berüchtigten Heugabeln gestört zu werden. Die Pariser Delegirte» berichten über die Erfolge der jungen hauptstädischen Organisalion. Diese umfaßt bereits 15 politische Gruppen(in 15 von den 20 Pariser Bezirke») und 19 Gewerkschaften der Arbeitsbörse. Die Organisation des Seine-Deparlements zählt 80 Gruppen. Der Gesammteindruck auS den lokalen EituationSberichten ist ein kräftiges Wachsthum der Partei auf Kosten säniinilicher biirger- licheu Parteien und auch der anderen, hier und da zerstreuten sozia- listische» Richtungen. Hierauf entspinnt sich eine interessante und eingebende Debatte über die Ä a h l t a k t i k. Dabei mache» sich hauptsächlich zwei Strömunge» gellend. Die einen verlange» eine ganz unversöhnliche, kompromißfreie Taktik auch gegenüber den anderen soziatislischen Fraktionen. Diese Strömung wird namentlich von der Pariser Delegation vertreten, welche dabei den gerade in der Hauptstadt besonders stark grassirende» Halb- und Auch-SozialismuZ der kleinbürgerliche» Sesseljäger im Auge hat. Die Mehrzahl der Redner stellt sich dagegen aus den Boden der frühere» Kongreßbeschtüsse. wonach im zweite» Wahlgang für denjenigen sozialistischen Kandidaten einzutreten ist, der in der Hauptwahl die meisten Slimn>e» erhalten hat. Ein Delegirter ans den Ostpyrenäen führte aus. daß die große Masse in Südfrankreich überhaupt die sozialistische Partei als einig betrachtet: dort wäre es daher geradezu unmöglich, ein iniransigentes Verhalte» gegenüber den nicht zur Partei gehörenden Sozialisten zu beobachten. Einig ist»»an darüber, daß den einzelnen Lokalorganisationen weit« Frei- heit in der Wahltaktik zu lassen ist, da die allgemeinen Partei- Verhältnisse von Departement zu Departement und vielfach sogar von Wahlkreis zu Wahlkreis verschieden sind. Ein« uniformirende Schablone wäre da vom Uebel. So weist z. B. Delory darauf hin, daß die Partei in Lille, ohne ihren Grundsätzen etwas zu vergebe», bei den Gemeiiidewahle» mit der bürgerlichen Demokratie gegen den vereinigten monarchistisch- opportunistischen Ordniingsbrei ein Wahlbündniß geschlossen und so ihre eigenen Jntereffe» am beste» gewahrt hat. Der enge Kontakt mit den Liller Radikalen hat sogar der Partei die Bekehrung der hervor- ragende» Persönlichkeit deS Abg. Oberst Sever eingebracht.(Leb- basier Beifall.) Anderwärts stehen dagegen die Dinge so, daß die Radikalen ebenso kompromittirende Bundesgenossen wären, wie die reinen Bourgeoisrepublikaner.—» I» Eüdfrankreich sind die Radi- kalen im allgemeinen demokratischer und zuverlässiger als sonst. Dort ist daher— nach verschiedenen Aeußerungen zu schließen— ein Zusammengehen der Partei mit ihnen unter dieser oder jener Form am wahrscheinlichsten. In Bordeaux kam eS in den vorjährigen Gemeindewahlen zu einem sörmlichen Bündniß mit den— Monarchisten gegen den freilich verrotteten opportunistischen Klüngel. Der Kongreß ging ohne Beschluß über die Bordeauxer Vorgänge hinweg, nachdem einige Redner gegen und einige offen für den Kompromiß von Bordeaux sich geäußert hatten. Die Debatte schloß mit der einstimmigen Bestätigung der! Wahltaktik- Beschlüsse der Parteitage von Romilly und Lille. Danach wird die Partei 1. in allen Wahlkreisen,>vo das nur möglich ist, eigene Kandidaten aufstellen und 2. in den Stichwahlen für den in der Hauptwahl meist- begünstigten sozialistischen Kandidaten eintreten. In bezug auf! letzteren Punkt, sowie auf das Verhalten gegenüber den Radikalen wird jedoch— gemäß den übereinstimmenden Aeußerungen im Laufe der Debatte■— den einzelnen Organisationen volle Freiheit �lif G u e S d e' S Antrag wurde serner beschlossen, eine �.entral-Wahlkommifsion zu ernennen, bestehend aus den Bürgermeistern in der Partei. Dies« Kommission soll in der ersten Hälfte des Februar 1898 gemeinschaftlich jnit dem Nationalrath (Parteivorstaud) zusammentreten,»im die Kandidatenliste für ganz Frankreich festzustellen und zu empfehlen. Di« Aufstellting der einzelnen Kandidaten bleibt jedoch den Lokalorganisationen über- lassen, welche spätestens am 31. Januar die Namen der Kandidaten dem Nationalrath bekanntzugeben haben. Der Zweck der Kommission ist demonstrativer Natur. Erstens soll dadurch die Einheitlichkeit der Arbeiterpartei— der e i» z i g e u französischen Partei, die über das ganze Land verbreitet und auf alliährlichen Landes-Kongressen ihre Grundsätze und Taktik feststellt•— der Wählermasse eingeprägt werde». Sodann erwartet man einen wirksamen Eindruck auch davon, daß jeder eiuzelne Parteikandidat von den Bürgermeistern großer Städte empfohlen werden wird. Am Schluß des ersten Verhandlungslages wurden die e» d- giltigen ErgebnissederMandatsprüfung festgestellt.! Es sind anwesend 188 Delegirte und 25 stellverlrelende Delegirte mit insgesannnt 208 Mandaten für 387 politische Lokal, und Regional-Organisationen und Gewerkschaften. Die Gesammtzahl der vertretene» Orte beträgt 241. Unter den Delegirte» zählt man 54 Gemeinderaths-Miiglieder. 10 Bürgermeister oder Bürgeriiielster- Adjunkte, 10 Mitglieder der Gewerbegerichte, 4 Generalraths-Mit- glieder und die 8 Kammerdeputirten der Parlei(Carnaud, Chauvin, Guesde, Jonrde, Sauvanet, Sever). PariS, 12. Juli. Zweiler Verhandlungstag. VormittagS-Sitznng. Vorsitzender: Bruneltore- Nantes, Beisitzer: G i r a r d» Gren oble»nd Vergier-Roanne. Zu», dritten Punkt der Tagesordnung: Rolle der Ge- werkschaften und der Genossenschaften in der sozialen Bewegung, begründet Delory- Lille«inen Antrag auf Einleitung einer aktiven politischen Propaganda in den Gewerkschaften und Genossenschasten und auf deren unmittelbaren Anschluß an die Parteiorganisation, wie das mit so gutem Erfolg die belgischen Genossen thun. Die bisherige Taktik der Partei, die Gewerkschaften außerhalb der Parteiorganisation zu lassen und keine Parteipropaganda in gewerk« schaftlichen Kreisen zu treiben— hat schlimme Ergebnisse gezeitigt. So treten die Liller Geiverkschaste», mit Ausnahme der Texttl- gewerkschaft, mitunter gegen die politischen Parleiaklionen auf, trotzdem die Liller Parteiorganisation eine der stärksten ist. In Roubaix dagegen hat die innige Verbindung der Partei mit säimut-, liche» Geiverkschaste» beide» Seite» geniitzt. Hinsichtlich der Genossenschafre» hebt Delory den finanziellen Nutzen derselben für die Partei hervor. I» der eingehende» Debatte stimmt die Mehrzahl der Redner dem Antrag Delory's zu. Die»ieisten Delegirte» von Paris und, diejenigen von Grenoble und Toulouse, grundsätzlich mit Delory«in- verstanden, weisen jedoch aus die besonderen Bedingungen ihrer! Stadt hin. Namenilich in Paris setzen sich die Gewerkschafte» aus Arbeiter» verschiedener sozialistischer Richtungen, theilweise auch aus Anarchisten zusammen. Die Propaganda für Anschluß der Geiverk- schoflen an die Partei würde daher zu inneren Streitigkeiten und zur Auslösiuig der Geiverkschaste» führe». Ans deuselbe» Gründen empfehle» die Vertreter vo» Toulouse und Grenoble, sich auf die stille Propaganda i» den Gewerkschaft«» zu beschränke», ohn« deren Anschluß an die Partei auznstreben. Bemerkenswerth ist, daß der Kongreß auch in diesen Fragen, wie i» der Frage der Wnhltaklik. übereinstimmend sich dasür ge- äußert hat, angesichts der Verschiedenheit der Situation in den ein- zetne» Gegenden den lokalen Organisationen die Entscheidung zu überlassen. Guesde erklärt sich mit allen frühere» Rednern für die parte!- politische P>opaga»da in den Gewerkschafleii. Dagegen erachtet er die organisatorische Angliedernng der Ge>verkschaslen an die Partei mit seltene» Ausnahmen, wie Roubaix— für undurchführbar. Uebrigens habe bereits der Liller Kongreß von 1890 die Partei- milglieber zum Eintritt in die Gewerkschaften ihres Berufs verpflichtet. Ter Beschluß sei aber leider»laugelbasl befolgt worden.— Sodann erweitert Guesde die Debatte drnch Hervorhebung vo» allgemein- theoretischen Gesichtspunkten. Dieser Theil seiner Rede wird in folgende», vom Kongreß«instimmig votirte» Resolutionen zusammen- gejaßt: 1. Zur GewerkschaftSfrage: „Die gewerkschaftliche Organisalion, welche schon auf den ersten Kongressen der Arbeiteipartei(Marseille 1878 und Roanne 1882) den Arbeiter» Frankreichs empfohlen wurd«, entsteht mit Roth- wendigkeil auS den Bediiigliiigen der modernen Produktion selbst. „Rachdei» das Proletariat i» die gewerkschaftliche Organisation hineiiigezoge» worden, und das überall vo» der gesetzlichen Sichening des Koalitionsrechtes, dehnt stch die Organisation immer mehr auf die Kapilatisten selbst auS. Diese habe» zunächst sich gegen die Forderungen der Arbeiter koalirt und sodann— seit etiva 15 Jahre»— toaliren sie sich gegen die Koiisuiventen m de» Trusts, Karlellen»nd Kousortlen, um die Macht zu beherrschen, die Preise feftzustelle», die Bestelliiugen zu vertheilen, die Prodiiklio» zu beschränken und zu reglemeutire».— Diese ziveifache Organisation(des Proletariats und der Kapitalifte») ist einerseits ein Element z n r B e f e st i g u n g der Ordnung in der Gegenwart, indem dadurch die Koukurreiiz der Arbeits- kräfte und der Kapitale beseitigt wird, uud anderseits ein revolutionäres Element für die Zukunft, indem da- durch die Ko»ze»trat>o» und Kombiiialion der menschlichen und gegenständliche» Faktoren der Produktio», d. h. die neue auf der Einheitlichkeit der sozialen Produktion beruhende Ordnung vor- bereuet wird.' „Erzeugt somit die Organisation der zwei feindliche» Klassen die unenibehrlichen Bedniguiig«» der sozialistische» Gesellschaft, so wäre sie doch nicht im stände, ans eigener Kraft diese Gesellschaft Herbeizuführen. Dazu ist die politische Aktion iiiientbehrlich. Als Beweis genügt da? Beispiel deS englischen Proletariats, das trotz seiner niächtige» Trades-UnionS vielleicht am meiste» von der Verwirklichung deS Sozialismus entfernt ist, weil dasselbe nicht verstanden hat, zu feiner gewerkschaftliche» Aktion die politische' Aktion zu gesellen. „Eine politische zflassenbewegnng zur Eroberung der politischen Macht durch das organisirte Proletariat ist einzig im stände, das kapitalistische Eigenthum a» den Produktionsmittel» durch dasc gesellschaftliche Eigentbum zu ersetzen, außerhalb dessen die Bc-n freiung der Arbeiterklasse unmöglich ist. t „Aus diese» Gründe» erinnert der Pariser Kongreß die orgaiu- sirten Arbeiler daran, daß, ebenso wie die Arbeiterpartei auf dem Liller Kongreß von 1890 die Parteimilglieder zum Eintritt in die Gewerkschaften ausforderte, es die Pflicht der gewerkschaftlich organisirte» Arbeiter ist, der Arbeiterpartei beizutreten zur Er- kämpfung- der politischen Enteignung der Kapitalistenklasse, welche der ökonomische» Enteignung derselbe» als nothwendige Vor- bedingung vorangehe» muß." 2. Zur G-nossenschaftSfrage: „In Erwägung, daß die Produktivgenossenschasl die Vereinigung, in denselben Händen der beide», heute getreiinteii Faktoren de!. Produktion, der Arbeit und des Kapitals erheischt, daß sie folglich »war als Ziel zu betrachte» ist, nicht aber als Besreiungsniittel für daS Proletariat, das kein Kapital besitzt und gerade daher als Werk- »eng der kapitalistischen Klasse dienen muß.— erklärt der Kongreß/ daß einzig der Triumph des Sozialisimis, die vergesellschaftlichtc» Produktionsmittel dem Arbeiter zur Verfügung stellend, a»S ver Produktlvgenvffenschaft eine lebendige Realität, eine Mgemeine That- fache, daS Gesetz selbst der neuen Ordnnng machen wird. „Bis dahin sind dem Proletariat einzig Konsnm-Ge- nossenschaften zugänglich, u..d diese allein können von der Arbeiterpartei unterstützt werden, weil sie zugleich bereits jetzt den Berkauf durch die direkte und gewinnlose Verlheilung der Produkte ersetzen und in sozialistischen Händen eine finanzielle Hilfsquelle für den Befreilmgskampf der Arbeiterklasse werde» können."— Ferner wird beschlossen, am letzten Kongreßtage in I v r y (bei Paris), im Lokal des sozialistischen Gemeinderathcs sich zu versammeln, um über die Vorbereitung des nächsten Kongresses der auf dem Bode» der Partei stehenden Gewerkschaften zu berathen. Diese Gewerkschaften sind zwar in der selbständigen„Nationalen Föderation der Gewerkschaften und Berufsgruppen" vereinigt, die „Föderation" leidet"rndeß an Geldmangel und auch agitatorische Kräfte fehlen ihr. Daher hat sie seit ISSS keinen Kongreß ab- gehalten. Nachmittags-Sitzung. Der vierte Punkt der Tagesordnung: Die ArbeitSlosig- keit, deren Ursachen und Folgen,— veranlaßt neben theoretischen Erörterungen eine Auseinandersetzung über den Antrag eines Pariser Delegirte», eine ständige Geldsammlung in der Höhe eineS Sou(4 Pf.) pro Arbeiter und pro Tag zu beschließen. Mit dem gesammelten Geld wäre» Werkstätten für Arbeitslose ein- zurichten. Der«nditrchsührbare Antrag wird allseitig bekämpft. Lafargue und G u e s d e begründen die Meinung, daß ein einziges Palliativmittel gegen die Arbeitslosigkeit möglich sei: die Einrichtung von»nentgeltlichen Schulküchen und die Vertheilung von Kleidern an die Schulkinder durch die Gemeinden, wie das die Gemeinderäthe der Partei gemäß dem Lyoner Mnnizipalprogramm praktisch durchführen. Die vom Nationalralh vorgeschlagene und einstimmig angenommene Resolution lautet: „Die Arbeitslosigkeit ist keine Zufälligkeit, gegen welche man sich garantiren könnte. Sie entsteht mit Nolhwendigkeit aus der Trennung der kapitalistischen Gesellschaft in eine besitzende und eine besitzlose Klasse und muß mit de» weiteren industriellen k. Fortschritten immer niehr sich steigern. „Die angeblichen AbHilfsmittel, die von bürgerlicher Seite empfohlen werden, als da sind: innere und äußere Auswanderung, Steigerung der Produktion durch Verbilligung der Waaren, haben sich absolut ohnmächtig erwiesen. „Das gleiche wäre mit den SIrbeitslosen-Kasssn des Fall, welche übrigens nie etwas anderes sein könnten als eine besondere Form der öffentlichen Wohlthätigkeit, die weniger den Ausgebeuteten nutzen würde als den Ausbeutern, die letzteren von großen Lasten be- freiend. „Einzig eine wirksame Arbeiterschutzgesetzgebnng: Verkürzung des Arbeitstages für die Erwachsenen. Abschaffung der Nachtarbeit, Verbot der Kinderarbeit, Einschränkung der Frauen- arbeit— wäre geeignet, das Uebel der Arbeitslosigkeit zwar nicht zu beseitigen— es wird nur mit der kapitalistischen Gesellschaft verschwinden,— sondern für einen Augenblick zu mildern." GemerkMAffttchezs. Deutsches Reich. Gegen die selbständige Regelung n»d Nilterstiitzung der Streiks durch die Gcwerkschaftökartcllc wendet sich die General- koinmission in der soeben eingetroffene» Nummer des„Correspondenz- blattes". Ueber Streiks zu entscheiden, müsse Sache der Zentral- verbände bleibe». Regeln die örtlichen Kartelle die Streits und deren Unterstützlmg, so würden den Zentralverbänden die nölhigen Mittel entzogen, um auch die Ausstände au denjenigen Orten durch- zuführen, wo GewerkschaftSkartelle noch nicht bestehen. Die Kartelle selbst wendeten sich neuerdings gegen das sich einbürgernde System der Streikunterstützung. Es habe» in letzter Zeit insgesaniml <52 Kartelle Beschlüsse in bezug auf die Streikunterstützung gefaßt. die dahin gingen, daß Sainmellisten von auswärts nicht mehr in Umlauf gesetzt werden sollen, Unterstütznngsgcsuche nur Berück- sichtigung finden, wenn sie von den Zentralvorständen ausgehen und gesammelte Gelder nur an die letzteren zu senden sind. Diese Be- fchlttsse, meint die Generalkontmissio», werden zu einer Besserung führen, doch seien sie zu verschiedenartig und nicht weitgehend genug Die Sache einheitlich zu regeln, sei äußerst schwierig, da bei dem gegemvärtigen Stand der Organisationen die Kartelle bei der Streik- Unterstützung mitwirken und demnach auch ein bestimmtes Ent- scheidungsrecht haben müssen. Die Generalkommission schlägt schließlich eine Regelung nach folgende» Leitsätzen vor: I. Die Kartellkommission ist verpflichtet, dem Zenlralvorstand der Organisation, die am Orte in einen Streik eintreten will oder sich im Streik befindet, auf Erfordern einen Bericht über die Verhält- niffe, welche für den Ausgang des Streiks von Bedeutung sind, zu geben. II. Materielle Unterstützung für Streiks wird seitens des Kartells nur dann gewährt, wenn der Zentralvorstand der im Streik befindlichen Organisation seine Zustimmung zu dem Streik ertheill hat. Bei den zun« Kartell gehörenden Lokalorganisalioneu(zum Beitritt berechtigt sind nur solche, für deren Beruf eine Zentral- organifation nicht besteht) ist die Kartellkommission vor den, Ent- scheid über den Ausbruch des Streiks zu besrage», und nur bei deren Zustimmung hält sich das Kartell zur Unterstützung verpflichtet. III. Die Mittel zur Unterstützung werden durch freiwillige Beiträge der Mitglieder aufgebracht. Darlehen, welche die Mitglieder zu längerer Beitragsleistung verpflichten, dürfen zur Unterstützung von Streiks nicht aufgenommen werden. IV. Auswärtige Streiks werden von dem Kartell nur dann unterstützt, wenn ein Gesuch um Unterstützung von dem Zentralvorstand der im Streik befindliche» Organisation gestellt und von demselben ausdrücklich erklärt ist, daß die Verbandskasse die Streikunterstützung nicht zu decken vermag. Ueber die Unter- stütznng auswärtiger Streiks ist in jedem Einzelfall ein Beschluß des Kartells herbeizuführen. V. Sollen Sannnellisten zur Unterstützung auswärtiger Streiks zirkuliren, so sind die vom Zentralvorstand der im Streik befindlichen Organisation herausgegebene» zu benutzen d mit dem Stempel des Kartells zu versehen, ehe sie in Unilauf -setzt werden. VI. Die für auswärtige Streiks gesammelten Gelder V..nd ausschließlich nur an den Zentralvorstand der im Streik befind. � liehen Organisation zu sende». VII. Ueber die Beendigung der Unterstützung von Streiks entscheidet das Kartell erst nach vorher- gehender Verständigung mit dem Zentralvorstand der im Streik be- findlichen Organisation. Wegen StrcikpostcustchcnS beim letzten Maurerstreik waren in L i e g n i tz 20 Maurer zu Haft- bezw. Geldstrafen verurtheilt ivorden. Zehn davon hatten hiergegen Berufung eingelegt. Die zweite Straskammer. vor welcher heute die Sache zur Verhandlung kam, bestätigte indeß das erste Urtheil. Der Streik der Banhandwerker und Hilfsarbeiter in Gliickstadt ist beendet. Sämmtliche Forderungen der Arbeiter sind � bewilligt. u Die Mannheimer GaSarbeiter werden vorläufig nicht d in den Streik eintreten. Sie haben die Kündigung zurückgenommen Mid die Lohnkommisston beaustragt, mit dem Stadtrath wieder in Unterhandlung zu treten. Grund zu diesem Umschwünge der Stimmung ist die Thatsache, daß der Stadtrath bereits einen großen Theil der Forderungen bewilligt hat und sür einen anderen Theil die Bewilligung in Aussicht gestellt hat. h. Der Glasarbeiterstreik in Acher» in Baden hat, nach dem Offenburger„Bolksfreund", sür die Arbeiter einen unglücklichen Ver- li laus genommen, da sich leider edle Seelen fanden, die an die Plätze h« der Ausständigen traten. Die meiste Schuld an dem ergebnißlosen ko Verlaus ist aber jenen Arbeitern zuzuschreiben, die i» den Ausstand zu miteintraten, nach ein- oder zweitägigem Streik aber wieder an ihre Plätze eilten. r AuSlaud. S« Trobpau haben in der Gußsiahlfabrik der Martinhütte der ' Witkowitzer Werke 122 Arbeiter der Tagsschicht wegen verweigerter * Lohnerhöhung die Arbeit eingestellt. In Jägerndorf haben lav Ar- f Verantwortlicher Redakteur: August Jarobey i» Berlin. Für den Jnse beiter, welche bei de» Oppa-Sieguliruns beschäftigt waren, ebenfällS die Arbeit niedergelegt. Der Budapester Ziegeleiarveiterstreik dürfte— so theilt Herolds Depeschen Bureau heute rmt— schon heute sein Ende er- reichen,„da die erhofften Geldsendungen aus dem sozialdemokratischen Streikfonds ausgeblieben sind."— Emen„sozialdemokratischen Streik- fonds" giebt es in Oesterreich ebensowenig als in Deutschland. Daß ein Streik einer unorganisirten, mittellosen Masse von vornherein unter schwierigen Umständen ins Leben tritt, ist allerdings richtig. Trotzdem zweifeln wir einstweilen an der Richtigkeit dieser Nachricht. Die schweizerische» Buchdrucker-Prinzipale hatten sich Ende Mai unterschriftlich zur Eiissührung des Neunstundentages, Gewiß- geld Minimum 32 Fr., Erhöhung im Berechnen um 5 pCt. ver- pflichtet. Das Versprechen wurde nicht gehalten, die Prinzipale ver- suchten einen anderen Tarif aufzuoktroyiren. Die Arbeitseinstellung der Gehilfen, die hierauf erfolgte, ist von dem Zentralkomitee des Typographenbnndes und vom internationalen Sekretariat genehmigt worden. Das Tarifamt der deutschen Buchdrucker giebt hierzu folgendes bekannt: Da es sich sonach in der Schweiz um eine Tarisbewegung handelt, so sind die Arbeitsnachweise angewiesen, Arbeitskräfte nach dort nicht zu vermitteln, so lange nicht die Beendigung des Konflikts von uns gemeldet wird. Ueber dcu Bergarbeiter- Ausstand im Borinage wird uns ans Brüssel geschrieben: Die'Arbeiter, die sich an den Gouverneur von Hennegau gewandt hatten, erhielten die Ant- wort, daß er nicht vermitteln werde. Diese Stellungnahme dürfte auf das direkte Einwirken des Arbeitsministcrs zurückzuführen sein. Auch die Industrie- und Arbeitsräthe werden vom Minister zu einer Sitzung nicht einberufen werden. Die Anfregung wird innner größer.— Der„Voss. Ztg." wird»och mitgetheilt, daß die Unternehmer nach wie vor entschlossen seien, ans der Einführung der Arbeitsordnung zu bestehen. Die Zechenbesitzer haben ihren Kunden die Mitlheilung zugehen lassen, daß sie die Kohlenlieferungen einstellen müßten. Aus Mailand meldet der Telegraph: Die AusstandSbewegung der Laudarbeiter hat in der Provinz Ferrara abgenommen. I» Abricella(Provinz Bologna), ist die Arbeit auf grnnd einer Ver- ständigung zwischen den Arbeitgeber» und Arbeitnehmern wieder aufgenomme» worden. Die Achtstundenbewegnug der englischen Maschinenbauer. In L o n d o>i sind am vergangenen Soniiabend die ersten Aus- sperrnngen vorgenommen ivorden. Bei einer größeren Firma war die Küiidignngssrist abgelaufen und die Werkmeister waren beanf- tragt, die 2S pCt. von GeweikschaftSmitgliederii ansziisiichen, die zur Entlassung kommen sollten. Die Bemühungen waren nnnöthig, denn die anderen 7S pCt. verließen mit den anderen zusammen die Arbeit. Zwei weitere Londoner Firmen haben am Sonnabend den Achlstiindentag bewilligt.— In Leicester haben die organisirten Maschinenbauer ebenfalls beschlossen, daß, wenn 25 pCt. der ihrigen entlassen würden, sie. insgesamint die Arbeit niederlegen würden. Auch eine ganze An- zahl Unorganisirte werden sich dem Streik anschließen. In Leeds, Liverpool und im Burgdislrikt ist die Haltung der Arbeiter die gleiche, bei eintretender theiliveiser Kündignna werden alle zu den betheiligten Organisationen Gehörigen ihre Plätze verlassen.— Auch in Schottland, und zwar in Greenock. haben nimmehr die ersten Arbeilseinstelliingen stattgefniiden. Dort wurden die an Bord zweier englischer Torpedoboote bcschäsligteii Maschiiienbaner von den Ge- werkschaftsflihrern zum Streik aufgerufen. In Flcetwood(England) streiken, wie die„Daily Chronicle" mittheilt, 350 Dockarbeiter um Erhöhung des Stundeiilohiies um 1 Penny, wodurch der Lohn auf 8 Peuce(65 Pf.) pro Stunde steigen würde. Sozinlcs. Keine Geselle» oder Arbeiter einzustellen, die a«S Streikorten koininru, sollen die Mitglieder der JnnungSverbänds sich verpflichten, und zwar gemäß einem Antrage, welchen die Berliner Bangeiverks-Jnnimg gestellt hat, und der ans die Tagesordnung des vom 12. bis 14. September in Leipzig stattfindenden Delegirtentages des Verbandes deutscher Baugkiverksnieister gesetzt worden ist. Den Anstoß zur Slellniig dieses Antrages hat ziveifelsohne der Bescheid gegeben, welchen der Reichskanzler der Berliner Baugeiverks-Jniinng ans eine diesbezügliche Anfrage erthcilt hat. Derselbe geht dahin, das; der die Kompelenz der Inniingsverbände regelnde§ 104a der Gcwerbe-Oidnuiig dem Reichskanzler keine Veranlassung geben werde, gegen den Beschluß des Verbandes in der bezeichneten Rich- lung einzuschreiten. Der Staat als Arbeitgeber. In H a l l e a. S. wurden nach den Mitlheilnngeii unseres dortigen Pacieiorgans bereits sechs Eisenbahnarbeitcr gemaßrcgelt wegen ihrer Zugehörigkeit zuin Eisen- bahnarbeiter-Verband. Einer davon ist 7 Jahre im Dienst und hat dabei seine gesunden Gliedmaßen verloren, ein anderer hat sogar 13 Jahre im Dienste der Eisenbahn gestanden.— Glaubt die Ver- ivaliung, daß daZ der geeignete Weg ist, die Arbeiter znsrieden zu mache»? Eine nenc Maschine, die geeignet ist, große Umwälzungen in der Z i g a r r e ii- F a b r i k a t i o n hervor zu rufen, ist gegenwärtig auf der Brüsseler Alisstellnng zur Ansicht aufgestellt. Eine Wickelmachcri», so schreibt der Brüsseler„Penple", kann mit der Hand in 10 Stunden 450—500 Wickel herstellen, die neue Wickel- niaschine bringt in derselben Zeit deren 9— 10 tausend fertig, d. h. 20 nial soviel, als die Arbeiterin. Eine andere Maschine versieht die Wickel mit dem Deckblatt. Während nun eine Arbeiterin im Durchschnitt in 10 Stunden 450 Zigarren fertigt, liefert die Maschine IL00— 2000. In diesem Falle ersetzt die Maschine also 4 Arbeiterinnen.— Kann diese Maschine in der Zigarren-Jnduslrie sich Eingang verschaffen— und sie wird es früher oder spater ohne Zweifel—. so bedeutet das wieder für tausende von Arbeitern Brotlosigkeit._ Vevsanrntlnttigett. Der Verband der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und Ar- bciterinucn hielt am 8. Juli seine fällige Mitgliederversammlung ab, in welcher Genosse A. H off m a n n einen Vortrag hielt. Zu Verbandsangelegenheiten wurde der Ausruf im„Proletarier", der im Verbandsorgan stand, besprochen. Unter anderem wurden auch die Lohnverhältnisse in der chemischen Fabrik Schering und in der Hartgummi- Fabrik von Dobler besprochen. Sodann wurde»och folgender Antrag einstimmig angenommen, welcher dem nächsten Verbandstag unterbreitet werden soll:„Der Berbandstag wolle beschließen, um die Unterstützungsfrage bei Streiks und Aussperrungen in geregelte Bahnen zu lenken und das Sammelwesen möglichst einheit- lich z» regeln, dürfen Zahlstellenverivaltuiigeii, wo sich am Ort keine Geiverkschaftskommission oder Kartell befindet, Sammellisten nicht mehr versenden. Die Listen werden vom Vorstand heraus- gegeben und versandt, und müssen dieselben am Kopfe die Bezeich- nuiig tragen, zu welchem Zweck die Gelder gesammelt werden sollen, und so gehen die einlaufenden Gelder nur durch den Vorstand an die Unterstützenden." Der Zcntralverein der Burean-Angestcllteu DentschlaudS (Mitgliedschaft Berlin) hielt am S. Juli er. feine Monals- versammlung ab. Brüllke verlas den Geschäfts- und Kassen- bericht für das 2. Quartal 1897 und wurde demselben Decharge ertbeilt. Hierauf erstaltete Bauer als Referent der Fünfer-Kom- Mission Bericht über die vorzunehmende Etaliilenänderiing. Nach längerer Diskussion über einzelne Punkte, Urabstimmung. Erhöhung der Beiträge und den im Statut neu aufzunehmenden Paragraphen „Rechtsschutz der Mitglieder des Vereins" betreffend, wurden sämmt- liche Anträge mit kleinen Abänderungen angenommen. Zum Schluß der Versammlung machte der 1. Bevollmächtigte noch auf den am 18. Juli cr. stattfindenden Ausflug nach Tegel und Umgegend auf- merksam und ersuchte um recht zahlreiche Betheiligung. Treff» punkt: Vormittags 10 Uhr im Restaurant Meyer, Ecke der Berliner- und Brunowstraße in Tegel. ntentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Dentseyor Holzarbeiter- verband. Die Parketbodendvgre > Wunen i» einer mäßig besuchten Versammlung am Sonntag vor- n sttag den Bericht der Kommission über die augenblickliche Konzunktiir en'gegen. N e r r e berichtet, daß von über 200 Bodeiiiegern zirka 14" Kollegen den Tarif bezahtt erhalten; theilwesse erhalten den Taxjss bezahlt(bei Sampmeyer) zirka 30 Kollegen. Und unter dem Tar»? arbeiten zirka 50 Mann. Außerdem arbeitet noch em Theil Kolle z«n außerhalb. Beschlossen wurde, von einem Borstoß gegen die Schleuderfirmen, in welchen unter dem Tarif gearbeitet wird, zur Z(it abzusehen und bei nächster Gelegenheit vorzugehen.— Unter Verschiedenem wurde das Verhalten der Zwischenmeister B u ck n j h und Meyer von der Firma K a m p m e y e r, welch« den Kol>'-gen Bleck derartig mißhandelten, daß derselbe 5 Wochen arbeitsu,'zhig war, scharf verurtheilt. In\er Mitglieder Versammlung der Zahlstellen des Zentrawerbandcs deutscher Manrer hielt Schulz einen Vor. trag über die Verhältnisse im Baugewerbe. Seinem mit Beifall aufgenommenen Vortroge folgte eine lebhafte Diskussion, an welcher sich Worni. Baganz, Fränzel«nd S i l b e r s ch m i d t be- Iheiliglen. F r i tz s ch gjebt dann einen Ueberblick über den Stand unserer Lohiiuewegung und welche Opfer dieselbe bereits gekostet habe. So sind P o h l a n d, K o m o l l und Wolfs zu I>/„ 1 und V,, Jahr Gesängniß eines Streikbrechers halber verurtheilt ivorden. Für die Familie des P» h j a n d wurde sodann eine Tellersammlnng ver- anstaltet. Ein Antrag. Webers und Weiß g erber kurzerhand ans dem Verbände auszuschließen, wird abgelehnt und werden diese Fälle der Untersuchiliigskoniinission überwiesen. Die Versammlung war äußerst gut besucht. Maurer. Ein» sehr gut besuchte General-Versammlung des Vereins zur Wo h r n n g der Interessen der Maurer tagte am 11. diese? Monats im Lokal Alexanderstr. 27 c. Der Abrechnung des Kassirers vom 11.� Quartal 1897 zufolge war eine Einnahme von 615,50 M., Ausgabe 240,33 M.. Be- stand am Schluß des 2. Quartals 1897 827,40 M. Ausnahme von Mitgliedern im 2. Quartal igg?: 285. Mitgliederzahl des Verein? 1350. Als Revisor wurde I z m e r gewählt. Iii Vereinsangelegen- heilen wurde beschlossen, dag Organ die„Einigkeit" als Pnblikations- organ zu bestimmen, und es jedem Mitgliede zur Pflicht gemacht, für dessen Verbreitung einzutreten sowie auf dasselbe zu adonniren. Ferner wurde beschlossen, dem Vertraueiisinann der Berliner Manerer(lokaler Richtung) Igo M. zur Agitation zu überweisen. Der Verband deutscher Zimmerlente, Zahlstelle Berlin, hielt seine Geiieralversainnilung ai�ii.J„li in den Arminhallen, Komitian» dantenstraße 20, ab. Die Ab-echnung vom Kommers des Provinzial- Verbandstages ergab eine Eis„iahiiie von 95,60 M., eine Ausgabe von 103,34 M, mithin ein Defizit von 7,74 M. Die Einnahme und Ausgabe der Hanptkasse betrug 284Z.g6 M. Die Lokaleinnahme 1678,65 M.. Ausgabe 885,87 M., Bestund 792,78 M Die Jahreseiiinahine der Lokalkasse betrug 4531.7ß M. und die Ausgabe 3739.01 M., bleibt Baarbestand in der Lokalkasse 792,73 M. Die Richtigkeit der Ab- rechnuiig wurde von den Revisoren bestätigt und dem Kasstrer Decharge ertheilt. Für seine jährliche Thätigkeit wurden ihm 25 M. bewilligt. Die Tapezircr beschäftigten sich in einer am Montag statt- gehabte», seitens der Eiiiigungskonimission einberufenen öffentlichen Versammlung mit dem Stande der Einigungsfrage. RanienZ der Koinmission erstattete Franke Bericht, aus welchem hervorging, baß dieselbe, nachdem die sachlichen Differenzen so ziemlich beigelegt, aus persönlichen Gründe», z„ scheitern drohe. Die äußerst lebhafte DiS- knssion. welche sich bis»ach 1 Uhr nachts hinzog, führte zu keinem positiven Resultat. Maricnfcldc. Der Arbeiter-Bildlingsverein für Marienfelde und Umgegend hielt am Sonntag, den II. d. M.. seine ordentliche Geiieralversammlung jn Marienfelde bei Tentschbein ab, welche gut besucht war. Genosse Koblenzer referirte über die Frage:„Be» theiligen wir»ins an tzen Landtagswahlen oder nicht?" Der Referent legte klar, wie aussichislos die Betheiligung hauptsächlich in den Landkreisen sei. Er rl»,h, ,iiien bindenden Beschluß noch nicht zu fassen, sondern die Frage bis zum.Hamburger Pewtei» tag in den einzelnen ue-rif-» iioo» zu erwägen. Die Versammlung erklärte sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und beschloß, die Frage in»iner öffentlichen Volks« Versammlung ans die Tagesordnnng zu setz-n. Ferner nahm die Versammlung noch den Bericht des Vorstand's kntgrg«� welcher mittheilte, daß die Mitgliederzahl ans 80 angewachsen fei. Die Ab» rechnnng vom vorigen Quartal ergab folgendes Resultat: Einnahme 27,60 M., Bestand vom vorigen Quartal 10,11 M.. zusammen 33,71 M., Ausgabe 27,70 M., Bestand 10,01 M. Nach Erledigung einiger Vercins-Angelegenheiten schließt der Vorsitzende die ver» sauimlung._ Depeschen und letzte Ztachetchlen. Hamburg, 13. Juli.(B. H.) Die chemische Fabrik von Zimmer u. Colistein steht seit heule Vormitkag 10 Uhr in Flamm«». Die Feuerwehr ist fast machtlos, da das Löschen nur durch Aufschütten von Sand geschehen kann. Kiel, Dienstag, 13. Juli.(W. T. B.). Bei heute vorgenommenen Ucbnilgen des Hasenschisies„Friedrich Carl" explodirte d»,rch zu frühes Anspringen des Torpedos ein Lanzirrohr. Dadurch ivurden dem Heizer Miller beide Hände weggerissen, ferner»vnrd«:,, der Malrose Neß und der Oberheizer Schröder»veniger schive« ver- mundet. Odde, 13. Juli.(W. T. B.) Lieutenant ,. S. v. Hahnke iiiitcriiahni gestern eine Nadfahrt nach dem Skarssos und Lacckefos. An einer Slelle, wo der Weg steil nach dem Snndveii-See hinab» acht, stürzte v. Hahnke in den See und ertrank. 160 Mann»zmei» heute Vormittag damit beschäfligt. die Leiche zu suchen. Frankfurt a. M., 13. J"li.(B. H.) Der„Frkf. Ztg." wird aus Konstanlinopel gemeldet: In autoritativen Kreisen wird versichert, daß im Dildiz-Kiosk zwischen der Türkei und Rumänien ein Vertrag abgeschlossen worden ist, bei dessen Zustandekommen eine Großmacht bclhciligt sein soll. Ter Verlrag würde vor allein der Türkei militärische Hille bringen, im Falle Bulgarien Kriegspläne hätte.(?? Red. d.„Boriv.") Kopenhagen, 13. Juli.(Auf ein an unsere Kollegen vom „Sozialdeniokraten" gerichtetes Beileidstelegramm erhalten wir heut« die folgende Depesche.) Herzlichsten Dank für Ihre Theilnabme an dem Eisenbahiiiinglück. Bis jetzt 31 Todte, 31 Verwundete! Sowohl unter den Tobten als Verwundeten befinden sich Parteigenossen. Hier herrscht große Trauer über daS Unglück. Wie», 13. Juli.(B. H.) Die Genossenschaft deutscher Bnbne>,. angeböriger Oesterreichs Hai die Errichtung eineS große» Versorgung�, Hauses sür invalid gewordene Theaterleute beschlossen. In Vcc- bindung mit diesem Institut soll ein Asyl geschaffen werde». wo durchreisende Bühnenangehörige gegen geringes Eulgetr Nachtquartier erhalten können. Behufs Ansbringung der«rforder. lichen Fonds sollen Sammlungen in allen größeren Städten und» Veranstaliuiigen von Vorstellungeii stattfinden. Budapest, 13. Juli.(B. H.) Ein großer Theil der Ziegel- arbeirer Hai heute die Arbeit wieder aufgenommen. Bukarest, 13. Juli.(W. T. B) Die Gesellschaft„Eicillz Roinnaine" hat auf ihren Petroleumterrains eine Rohöi-Spüng� quelle erbohrt. Paris, 13. Juli.(W.T.B.) Depntirtenkainnier. Der Ab- geordnete Coulanl brachte heute eine Vorlage ein, gelegemlich dcv Reise des Präsidenten Faure nach Rußland eine Amiiestte für politische Verbrechen, Streik- und Preßveigehen zu erlassen. Die von ihm beantragte Dringlichkeit wurde von dem Justiz- minister Darlan bekämpft und von der Kaimiier mit 396 gegen 125 Stimmen abgelehnt.— Der Fiiianzininister Cochery brachte sodann eine Vorlage über die direkien Steuern ein, welche eine Herabsetzung derselben nm� 25 Millionen Franks zu gunsten der kleinen Landwirlhe vorschlägt. Die Vorlage umrde der Budget- koinmission überwiesen. vlar Babing in Berlin. Hierzu I Beilage u llnterhaltiiiigsblatt llt. 161. 14. Kiltzt ks Joraiärts" KM» DMlill. WWch, 14. Juli 1897. Mebvv tlrfttttdheiksschsidNrhe EiuMffe in gewerblirtlen AnlNgen bringt der letzte Jahresbericht deZ Berliner Gewerbe-Jnspeltors manche Einzelheile». die erkennen lassen, daß ans dem Gebiete der Gewerbe- Hygiene noch manches zu thnn ist, bevor gesagt werden kann, daß wenigstens die Reichshanptstadt den übrigen Industriezentren des Staales der eingefrorenen Sozialreform mit gutem Beispiele voran- gegangen ist. Erwähnt sei vorweg, daß der Gewerberath sich energisch gegen die Gasheizung ausfprick)t, die neuerdings mehr und mehr auch in Fabriken eingeführt worden ist.„Da die Gasöfen die Verbrennungs- gme meist in die Arbeitsräume entweichen lasse» und nicht, wie andere Oese», durch den Schornstein abführen. So ver- schlechter» sie die Athemluft. Um diesem Uebelstande entgegen zu arbeite», mußte wiederholt ans Ableitung der Ver- brennungsgase gedrungen werden. Die Frage, ob Gasöfen ohne Ableitung der Verbrennungsgase im gesundheitlichen Interesse über- Haupt zuzulassen sind, ist»och unentschieden." In einer Luxus-Papierfabrik war der Prägeraum bei einer Höhe von 2,25 Metern so überfüllt, daß auf jede Arbeiterin ein Luftraum von 4.5 Kubikmclern kam. Das Polizeipräsidium gab dem geivissenlosen Unternehmer«uf, diesem gesundheitsschädlichen Znstande insoweit abzuhelfen, als für jede beschäftigte Person ein Luftraum von mindestens 12 Kubikmeter» vorzusehen sei. Hinsichtlich der Luftbeschaffenbeit gaben auch diejenigen Arbeits räume zu gerechtfertigten Klagen Anlaß, in denen wie in vielen 5k o n f e k t i o n s iv e r k st ä t t e n mit Bügeleisen mit H o l z k o h l e n- H e i z u n g gebügelt wird. Die Luft in diesen Räumen enthält vier- bis fünffach soviel Kohleuoxyd als hygienisch zulässig ist. Der Gewerbe-Jnfpektor führt als entschuldigend an, daß die wirthschastlich ungünstige Lage der Werkstälteninhaber die Ver> drängung dieser Art Bügeleisen schwierig inache. Ein neuer Beweis wie nothwendig es ist, große Betricbswerkstätten unter Verantworte lichkeit des Unternehmers herzurichten. Eine Reihe gewerbehygienifcher Vorschriften sind erlassen worden um den verhängnißvollen Einflüssen des Schwefelkohlen- stosfs und Ch l or s ch w e f e ls in Gummiwaarenfabriken vorzubeugen. Die Lust der Vulkanisir- und der erwärmten Trocken räume dieser Fabriken ist mit Schwefelkoblenstoff-Dämpsen ge schwängert. Wird nun nicht für ausreichende Ventilation der Räume gesorgt, und müssen die Arbeiter sich längere Zeit darin aufhalten, so athmen sie erhebliche Mengen des sehr giftigen Schwefelkohlenstoffs ein. Sie leiden zunächst an Kopfschmerz und Benonunenheit, dann an Schwindel. Muskelschwäche»nd Störungen dcr Sensibilität, schließlich treten Schwinden des Gedächtnisses, Be wcgungsslörnngen an Armen und Beinen und auch Geistes störungen ein. Besonders nachlheilig wirken die Schwefel kohlenstoff-Vergiftungen auf die noch in der Entwicklung be� griffenen jugendlichen Arbeiter, namentlich ans die weiblichen Leider ist nur jugendlichen Arbeitern beiderlei Geschlechts das Arbeiten in Vulkanisir- und Trockenräumen verboten worden; er- wachsene Arbeilerinnen dürfe» in den Gifthösien immer noch bis IVa Stunden, Arbeiter dagegen bis 2 Stunden beschäftigt werden. In einer neu errichteten E s s i g f a b r i k hatten die Arbeiter unter den schädlichen Wirkungen der E s s i g s ä u r e d ä m p f e zn leiden. Es sollen in dieser Fabrik Einrichtungen getroffen worden sein, welche daS längere Verweilen der Arbeiter in den Gährräumen unnöthig machen. In den L u m p e n f o r t i r- A n st a l t e n ist eS nach dem Bericht des Gewerbe-Jnspektors noch nicht gelungen, eine wirksame Absaiigung des Staubes von den Sortirtischen zu erreichen. Einige der Beamten stellten bei ihren Revisionen fest, daß die Arbeiterinnen trotz des Verbots und obwohl ihnen ein anderer Raum zu diesem Zwecke angewiesen war, ihr Mittagsmahl in den Sortirräumen wärmten und einnahmen. In einer Anlage sträubten sich die Arbeiterinnen, die ihnen gelieferten, aus grobem Leinen gefertigten Arbeitskleider überzuziehen, die sie als„Sträflings- kleider" bezeichneten. Das sind, vorausgesetzt, daß die Sache sonst keinen Haken hat, seltsanie und verurtheilenswerihe Anschauungen, die sich am Ende nur dadurch erklären lassen, daß die betreffenden Sortirerinnen zum theil den rückständigsten Schichten der Arbeiter- schaft angehören. Eine gewerkschaftliche Organisation thäte hier noth. Der Beamte der ersten Gewerbe-Jnspeklion beklagt sich ancki über die Bc- sitzcreinigerLnmpcnsortiranstalten.welchedieangeordneten und durchaus nothweudige» Maßnahmen lediglich als eine Geschäftsschädigung ansahen und sich gegen die Durchführung sträubten, so lange sie konnten. Ein Unternehmer drohte damit, daß er den Kranken- Häusern, deren Lumpen er aufkauft und verarbeitet, diesen Verdienst entziehen würde, wenn ihm die Behörde fernerhin Schwierigkeiten in seinem Betriebe mache. Es scheint hiernach, daß einige Besitzer von Lumpensortiranstallen noch um ein beträchtliches Stück weiter als ihre Arbeiterinnen in moderner Weltgesiltung zurück sind. Die Arbeiter in den B r o n z i r a n st a l t e n leiden unter dem Bronzestaube. Es ist. wie der Gewerbe-Jnfpektor meldet, dafür gesorgt, daß ihnen Respiratoren oder Mnndntasken geliefert werden. Als Beweis, daß es vielfach, wenn nicht immer möglich ist, gesundheitsschädliche Einflüsse in Fabriken überhaupt zu beseitigen, sei angeführt, daß im letzten Jahre hier ein vollkommen gelungener Versuch mit einer Bronzir Maschine gemacht worden ist. Es ist. wie der Bericht meldet, zu hoffen, daß diese Maschine die staub- erzeugende Arbeit des Aufreibens der Bronze mit der Hand all- mälig verdrängen wird. In der kapitalistischen Gesellschaft geschieht dies auf Koste» der Arbeiter, die beschäftigungslos werden. Erst unter der kommenden sozialistischen Produktionsweise wird es ge- iingen, die Arbeit möglichst unschädlich und angenehm zu gestalten, ohne daß der Arbeiter die Zeche zu zahlen hätte. Die Blei»Erkrankungen in Aktumulatoren- f a b r i k e n, die vor kurzem noch die Behörden beschäftigten, sollen zurückgegangen(?) sein. Dagegen wird konstatirt, daß unter den Feilen Hauern Blei-Erkrankungen nicht selten sind. Nach einer Auskunft der in betracht kommenden Orls-Krankenkaffen halten innerhalb der letzten 2>/« Jahre von insgesammt I4S versicherten Feilenhauern 41 an Blei-Erkrankungen gelitten und für zusammen 310 Tage Krankengeld erhalten. Diese Gewerbekrankheit ließe sich, so schreibt der Gewerbe-Jnfpektor, ja durch das Verbot von Blei oder Bleilegierungen unterdrücken; es mußte aber vorläufig von einer so durchgreifenden Maßregel abgesehen werden, da ein Theil der Unternehmer und auch der Arbeiter behauptet, die Blei-Unter- lagen ließen sich bei Herstellung feinerer Waare gar nicht ent- behre». Der Berichterstatter theilt in seinen von unS hiermit im Aus- zuge wiedergegebcnen Meldungen mit. daß von vollständiger Auf- zählnng dessen, was im Einzelfalle vorgekommen ist, und auch zu rügen gewesen wäre, abgesehen werden mußte, daß aber die Sorge für au?- reichenden Luftraum und Luftwechsel, für Beseitigung von Staub und üblen Erhalationen aus den Arbeitsstätten, für Beschaffung von Waschgelegenheit und für ausreichende reinliche Bedürfnißanstalten obenan stand. Hoffentlich hebt sich dieser Eifer von Jahr zu Jahr und hoffentlich wird— trotz alledem— die Gewerbe-Jnspektion endlich mit Mitteln ausgestattet, die eine Wiederkehr der beschämen- den Klagen über AbHetzerei und Ueberbürdung unnöthig machen. Das ist um so nothwendiger, als im verflossenen Jahre überhaupt nicht viel mehr als die Hälfte der Fabriken, welche der Gewerbe- inspeklion unterstellt sind, 2629 von 4933, besichtigt werden konnten. Welcher Art und wie gefährlich mögen die Mißstände sein, die bisher dem Ange des Gewerbe-Jnspektors verborgen blieben? Uoknles. Die Mitglieder der Lokalkommisston werden ersucht, bis zum 20. Juli sämmtliche Aenderungen der Lokalliste in ihren Orten an Unterzeichneten einzusenden. Es fei darauf hingewiesen, daß n u r Lokale mit V e r s a m m l u n g s s ä l e n in die Liste auf- geführt werden. Die Arbeiterpresse der Provinz Brandenburg wird um Bekannt- gäbe gebeten. Die Lokalkommission. I. A.: Oskar Mahle. Berlin 8., Ritterstr. 8. Sfl. I. Ueber die HundSlvnth theilt das Polizeipräsidium folgendes mit: Jin folgenden werden diejenigen Ergebnisse wiederum zur Kenntniß gebracht, welche über die Kennzeichen der Hundswuth durch langjährige Erfahrungen an der thierärztlichen Hochschule sich herausgestellt haben. 1. Die Tollkrankheit der Hunde kommt nicht allein bei großer Sonnenhitze oder bei strenger Winterkälte vor, wie viele Leute glauben, sondern sie entsteht in jeder Jahreszeit, und zwar entweder direkt aus Ursachen, welche man noch nicht kennt, oder durch An- stecken vermiitelst des Bisses von tollen Hunden. Auf die letztere Weise kann die Krankheit von einem tollen Hunde zu jeder Zeit auf viele andere Hunde übertragen werden. 2. Unrichtigerweise glaubt man, daß Hunde mit sogenannten Wolfsklauen, Hündinnen und kastrirte Hunde nicht toll werden können, die Erfahrung lehrt aber, daß auch diese Thiere, im Fall sie von einem wulhkranken Hunde gebissen werden, nicht gegen die hierbei mögliche Ansteckung geschützt sind. 3. Wasserscheu, ein sehr auffallendes Symptom bei den in die Wuthkrankheit verfallenen Menschen, fehlt bei dieser Krankheit der Hunde so gänzlich, daß man sagen kann:„kein toller Hund ist wasserscheu". Der Durst ist zwar bei vielen nur gering, aber alle lecken oder trinken Wasser, Milch und andere Flüssigkeiten, und ein- zelne tolle Hunde sind sogar durch Waffer gekchivomnien. 4. Die allgemeine Annahme, daß tolle Hunde Schaum vor dem Maule haben sollen, ist ganz unrichtig, denn die meisten solcher Hunde sehen um das Maul ganz so aus, wie gesunde Hunde, und nur die- jenige» von ihnen, denen die Kaumuskeln so erschlafft sind, daß ihnen das Maul offen steht, lassen etwas Speichel und Schleim, aber nicht Schaum, ans dem Maule fließen. 5. Ebenso ist es unrichtig, daß tolle Hunde beständig geradeaus laufe», und daß sie immer den Schwanz zinischen die Hinterbeine gebogen hallen. Dagegen sind als die wirklichen Merkmale der Hundswulh-Krankbeit folgende zn betrachten: a) die Hunde zeigen zuerst eine Veränderung in ihrem gewohnten Benehmen, indem manche von ihnen mehr still, traurig oder verdrießlich werden, mehr als sonst sich i» dunkle Orte legen, andere dagegen sich mehr nn- ruhig und zum Beißen oder Fortlaufe» geneigt zeigen, b) Viele wulhkranke Hunde verlassen in den ersten Tagen der Krankheit das Haus ihres Herrn und laufen mehr oder weniger weit davon, sie kehren aber dann, wenn sie nicht hieran gehindert werden, nach etwa 24— 28 Stunden wieder zurück, c) Die meisten dieser Hunde verlieren schon in den ersten zwei Tagen der Krankheit den Appetit zu dem gewöhnlichen Futter, aber sie ver- schlucken von Zeit zu Zeit andere Dinge, welche nicht als Nahrung diene», wie z. B. Erde, Torf, Strob, Holzstückchen, Lappen und dgl. ä) Alle tollen Hunde zeigen eine andere Art des Vellens; sie machen nämlich nicht mehrere von einander getrennte Laute oder Schläge der Stimme, sondern nur einen Anschlag und ziehen den Ton etwas lang und in die Höhe. Diele Art des Bellens ist ein Hauptkennzeichen der Krankheit, e) Manche Hunde bellen sehr viel, andere sehr wenig. Bei den ersleren wird nach und nach die Stimme heiser, t) Fast alle lollenHunde äußern einegrößereBeißsnchtals im gesunden Zustande. Dieselbe tritt gegen andere Thiere»her und mehr hervor, als gegen Menschen, ist aber zuweilen so groß, daß auch selbst leblose Gegen- stände nicht verschont werden. Doch behalten die Thiere hierbei oft noch soviel Bewußtsein, daß sie ihren Herrn erkennen und seinem Zuruf folgen; zuweilen aber verschonen sie auch ihn nicht, g) Bei manchen tollen Hunden findet sich bald gleich beim Entrill der Krankheit, bald im weiteren Verlaufe derselben, eine lähmungsariige Erschlaffung der Kaumuskeln ein, und in Folge hiervon hängt der Unterkiefer etwas herab, und das Maul steht etwas offen, doch können auch diese Hunde von Zeit zu Zeit noch beißen. h) iltlle tollen Hunde magern in kurzer Zeit sehr ab, sie bekommen trübe Augen und struppige Haare; sie werden nach etwa fünf bis sechs Tagen allmälig fchioächer im Kreuze, zuletzt im Hintertheile gelähmt, und spätestens nach acht bis neun Tagen erfolgt dcr Tod. ergiebt sich hiernach, daß die Erkenntniß der Hundswuth nicht immer leicht ist. Es ist daher jedem Besitzer eines Hundes dringend anzurathen, daß er, sobald an dem Hunde irgend welche Ab- Weichlingen seines gewöhnlichen Zilllandes oder Verhaltens bemerkbar werden, schleunigst einen Thierarzt zu Ruthe ziehe. Wieder einmal grober Unfng. Der Vorsitzende des Arbeiter Bildungsvereins für Mariendorf und Umgegend soll dadurch groben Unfug begangen haben, daß er i» einer Mitgliederversammlung dieses Vereins die Anwesenden aufforderte, in den Ruf einzri stimmen: Die Sozialdemokratie, sie lebe hoch! Diese Missethat will der Vertreter des Amtsvorstedcrs in Mariendorf mit>5 M. Strafe geahndet wissen. Natürlich wird in der Sache eine richterliche End scheidung herbeigeführt werden, die ja bisher in ähnlichen Fällen zur Freisprechung führte. Der Vertreter des Herrn Amtsvorstehers dürfte wohl mit seinem Eifer, eine neue Auslegung des„grobe» Unfugs" zur Bekämpfung der Sozialdemokratie herbeizuführen, auf ein erfolgloses Bemühen stoßen. Die Sache ist doch zu widersinnig, als daß ein Gericht ein Hoch, im Verein ausgebracht, für grobe» Unfug ansehen könnte. Aufgebauscht, jedenfalls nicht genau, war die auch von uns aus anderen Blättern übernommene Mittheiluug von der Verhaftung und bevorstchenden Auslieferung russischer Studenten. Es scheint sich blos um die Sistirung eines oder zweier harmloser polnischer Studenten zu handeln. Bon einer Auslieferung an Rußland dürfte wohl keine Rede sein. „Kinder, Kinder, wie soll daS noch enden?" Einem hiesigen Komiker ist der letzte Vers des bekannten harmlos-scherzhaften Kouplels mit dem oben zilirten Refrain von der Zensur gestrichen worden. Es heißt daselbst nach einer witzig sein sollenden Schilderrmg des Wirkens der drei ersten Reichskanzler:„Bald wird man uns den vierten Kanzler senden, Kinder, Kinder, wie soll das noch enden?" Der Verfaffer des Kouplets hatte in echt„dichterischer" Prophetengabe diesen Passus schon seinerzeit bei Ernennung Hohen- lohe's niedergeschrieben. Das staatsgefährliche Kouplet wurde denn auch mitsammt der verpönten Strophe die ganz« Zeit über anstands- los in allen Spezialitätenlokalen vorgetragen und hat offenbar erst, eit es durch die Regierungskrisis aktuell geworden, das Mißfallen Der Behörde erregt. I» der Zcntral-Markthalle für den EngroS-Verkehr sieht man, wenn man dieselbe in den frühen Vormittagsstunden betritt, Laub und ähnliches Verpackungsmaterial, welches die Arbeiter zu iroßen Haufen zusammengekehrt haben, in den Gängen herumliegen. Arme Frauen und Kinder durchwühlen diese ekelhasten Müllhausen, um aus denselben saules oder sonst zum Verkauf ungeeignetes Obst, welches die Händler fortgeworfen haben, wieder hervorzusuchen und dasselbe entweder sofort zu verzehren oder in Körben mit nach Hause zu nehmen. Wenn man bedenkt, welch' schädliche Folgen der Genuß von verdorbenenpObst haben kann, so ist wohl der Wunsch berechtigt, daß die Händler angehalten werden, ihre Obstabfällc an solchen Stellen auszuschütten, die dem Publikum nicht zugänglich sind. Trübe Ferien hat die Familie des Lokomotivführers Tittmann, der am Kttstriner Platz im Gebäude des OstbahnhofeS wohnt. Dittmann hatte feine zehnjährige Tochter Grethe, die nerven- leidend ist, z» Verwandten nach Neu-Rodram bei Misdroy geschickt. Vierzehn Tage war das Kind bereits dort und erholte sich gut. Da traf auf einmal die Nachricht ein, es sei verunglückt. Der Vater reiste sofort nach Neu-Rodram und mußte erfahren, daß das Kind ein Auge verloren hatte. Beim Schützenfest hatten am letzten Sonntag die jungen Burschen mit Knüppeln nach einem hölzernen Bogel geworfen. Ein Flügel war abgeflogen und hatte dem Mädchen das reckte Ange ausgeschlagen. Auch die hiesigen Aerzte, denen die Ellern das Kind jetzt zuführten, mußten es ver- loren geben. Verhaftet wurden im Geschäft von A. Werthheim Hierselbst die in der Hermannstraße zn Ripdorf wohnhasten Geschwister K., welche sich dort eines gnten Leumundes ersreuen und sehr bekannt sind. Das Pärchen hatte bei einem Einkaufe Maaren gestohlen, ivas von einem der Angestellten bemerkt worden war, worauf die Ver- Haftung der beiden erfolgte. Am Spielplatz im Humboldthain wurde eine arbeitslose Fabrikarbeiterin dabei ertappt, wie sie einem Kinde die Ohrringe aushakte. Die Diebin ist bisher unbescholten und ihrer Angabe nach durch Hunger zu der That getrieben worden. Unfälle im Straßenverkehr. Vor dem Hause Koppeustr. 20 wurde vormittags der 2>/sjährige Emil Brauowski durch eine Droschke überfahren und am Kopfe bedeutend verletzt. Das Kind wurde von einem in der Nähe wohnenden Arzte verbunden und dann seinen Angehörigen zugeführt.— Beim Absteigen von dem Verdeck eines über den Askanischen Platz fahrenden Omnibus der Linie Danziger Platz— Anhalter Bahnhof fiel mittags der Kürschner Paul Püschel von der Treppe und blieb mit der rechten Hand am Geländer hängen, so daß ihm der kleine Finger völlig ausgerissen wurde. Er fand in der Unfallstation I Aufnahme. Seit längerer Zelt spnrlos verschwunden ist der Arbeiter Ernst Nicht, wohnhaft Wöhlertstraße 19 Hos pari. Der Ver- mißte ist seit 25 Jahren in der Gasanstalt in dcr Müllerstraße be- schästigt und war ihm durch ein Versehen die Einlassung angedroht. Dies hatte sich N. sehr zu Herzen genommen und man vermuthet. daß er sich mit Selbslmordgeoanken trug. Sollte jemand über den Verbleib des N. Auskunst geben können, so wird er gebeten, dies der Familie mitzutheilen. Von einer schweren Walze überfahren wurde gestern ein bei dem Gaslwirlh Richter, Quitzowslr. 6, beschäftigter Arbeiter, der mit mehreren anderen damit beschäftigt war, den Platz der Gebr. Borchardt'schen Radfahrlehrbahn in der Quitzowstraße zu walzen. Er gerielh unter die Walze und wurde mit schweren inneren Ber- letzmigen in feine Wohnung Gilschinerstr. 4 gebracht.. An dcr Drehbank verunglückte am Montag, nachmittags um 5 Uhr, der 50 Jahre alte Drechsler Johann Mewald. In der Heeriug'sche» Dnmpfdrechslerei in der Charlottenstr. 98, flog ihm ein Drehftahl, aus dem das Holz bearbeitet wird, mit solcher Wucht an den Kops, daß er einen Schädelbruch erlitt. Auf der Unfall- station I i» der Wilheluistraße starb der Verunglückte unter den Händen der Aerzle, die ihm einen Verband anlegen wollten. Zwei Bannnfälle mit tödtlichcm Ausgange haben sich am Monlag Nachmiuag ereignet. Der 33 Jahre alt« Manrer Franz Scdmidl aus der Wilsnackerslr. 44 war am Neubau aus dem Grund- stück Bnrgftr. 23 beim Aufrichle» eines Gerüstes für den Fahrstuhl beschäftigt. Als ihm kurz vor 4 Uhr ein Mitarbeiter ein Brett reichen wollte, wechselte Schmidt, der sich in der Höhe des fünften Stockwerkes befand, seinen Stand und trat dabei fehl. Er verlor das Gleichgewicht und stürzt« kop'über ans einer Höhe von 23 bis 24 Metern in den Hausslnr hinab. Mit gebrochenem Genick blieb er nnten liegen und war nach einigen Augenblicken todt. Der Ver- unglückle hinterläßt«ine Fra» mit vier unerwachsenen Kindern.—. Auf einem Neubau in dcr Lützowstraße stürzte um dieselbe Zeit der 2bjährige Zimmermann Robatschek a»S der Hauptstraße zu Schöne- bcrg vom Dachstuhl ab, indem er ausrutschlc. Man brachte den Verunglückten, der äußerlich weniger, innerlich aber um so schwerer verletzt war, zuerst nach der nächsten Unfallstation und von dort in in das Elisabeth-Krankenhaus. Hier erlag er beretts drei Stunden nach der Einlieseruug seinen Verletzungen. Robatschek war nicht ver« heiralhet. Z» einem schweren Unfälle führte gestern, Dienstag, Vor» mittag um 10>/sUhr, eine Balgerei in der Oranienstraße. Bor dem Hause Nr. 101/102, in der Nähe der Herberge zur Heiniath, standen wie gewöbnlich mehrere Männer umher. Zwei von ihnen, der 40 Jahre alte wohuungslose Schneider Friedrich Müller ans Güstrow, und ein Tapezirer, rcmpcllcn und balgten sich, ob im Scherz oder im Ernst, war nicht zu sehen. Schließlich er- hielt Müller einen Stoß, daß er auf den Damm flog. Im felbei« Augenblick kam ein Schlächterwagen dahergefahrs». Der Kutscher suchte mit aller Anstrengung das Pferd zu pariren, es gelaug ihm aber nicht mehr. Das Thier trat dem Daliegenden auf den Kopfs und auch ein Rad des Wagens ging ihm über die Brust und den Kopf« hinweg. Auf Veranlassung eines Arztes, den das Publikum herbei- rief, brachte ein Schutzmann des 28. Reviers den Schwerverletzten schleunigst mit einer Droschke in die Charitee. Der Tapezirer und ei» dritter Mann wurden festgenommen. Eine» Selbstmord verübte der Tapezier Wilhelm Leopold, Seidelslr. 16, im Rathskeller gestern Abend �«7 Uhr. Er saß mit noch mehreren Gäsle» im Zininier, Holle einen Revolver aus der Tasche und schoß sich in den Mund. Der Tod erfolgte sofort. NahruugSsorgcn sollen die Ursache gewesen sein. Der Selbstmörder wurde mittels Wagen nach dem Leichenschanhanse gebracht. Sclbstmordversnch einer Chausonnette. Weil st« ihre Stimm« verloren halte und deshalb kein Engagement finden konnte, hat sich die 25 jährige Chansonnelle Ella Ernesti aus Hannover das Leben zn nehmen versucht. Nach einer längeren Krankheit brotlos geworden, nahm Fräu- lein E.. da alle ihre Bemühungen, wieder zur Bühne zn gehen, ohne Erfolg blieben, schließlich, um ihr Leben zu fristen, ein« Stellung als Kellnerin an. Sie mußte jedoch, weil sie das viel« Trinken nicht vertragen konnte, ihren neuen Beruf, zu den, sie sich ohnehin nur mit äußerstem Widerwillen entschloffen hatte, aufgeben und sah sich nun wieder dem Hunger preisgegeben. In ihrer Ber- zweiflung versuchte sie sich mittels einer von einem Kostüm ab- getrennlen Borle an einem Fensternagel zu erhängen. Die Unglück- liche wurde jedoch„och rechtzeitig von Hansleulen bemerkt, ab» geschnitten und in ei» Krankenhaus gebracht. Durch eigene�Unvorsichtigkeit fiel gester» am Görlitzer Ufer unter der Eiseubahii-Uebersuhrung der siebenjährige Sohn Wilhelm der Steinmetz Lehmann'schen Eheleute in den Landivehr-Kanal. Er wurde durch den 24 jährigen Metallschleifer Gustav Scholz, dcr ihm sofort nachsprang, ohne Schaden genommen zu haben herausgeholt und den Eltern zugeführt. AnS de» Nachbarorte». Achtung! Parteigenossen und Partcigenosfinue» d»» Niederbarnim! Arn Sonntag, den 18. Juli, soll ein Flugblatt verbreitet werden. Es wird ersucht, an dcr Verbreitung recht thätig mitzuwirken. Die genaueren Treffpunkte sollen später bekannt ge- macht werden. Die Parteigenosse» von Pankow- Nieder- Schönhanse« beabstchtigen am Sonnlag, den 13. Juli, ihr Volksfest unter Mit- Wirkung des Gesangvereins„Kaiser'scher Männerchor" abzuhalten. Das reichhaltige Programm verspricht einen genußreichen Sonntag und sind hiermit insbesondere du Genvsseii des 6. Wahlkreises ein» geladen. Das Komitee. Kbpenilk. Parteigenossin! In diesem Jahre findet m der dritten Abiheilung zu dem Stadtverordneten- S o l l e g i u m eine Ergänzungswahl statt. Um den Sieg von vornherein zu sichern, ist es Pflicht eines jeden Parteigenosse», sich zu überzeugen, daß sein Name auch richtig in die Wahlerliste ein- getragen ist. Dieselben liegen im R a t h h a u s vom IS. Juli bis 31. Juli öffentlich aus und können von jedem stimm- berechligteu Einwohner eingesehen werden. Die Vertrauensperson. Zum Ban einer evangelischen Kirche hat die Gemeinde. vertreiung den an der verlängerten Herrfurlhstraße gelegene» Platz zur Verfügung gestellt. Die fehlenden Baugelder solle» durch eine Hauskollekle zusammengebettelt werden. Die Art, die Mittel aus» zubringen, wäre sehr der Nachahmung zu empfehlen, nur sollte man sich keine Beschränkungen auserlegen und die ganzen Kosten so zu. sammenbringen. RnS dem Verbrccherlebcu. Eigenartige Umstände, die noch der Aufklärung bedürfe», sind mit einem Selbstmorde verknüpft, der sich in Friedrichsberg abgespielt hat. Am Freitag kam die ver» ehelichte Arbeiter Müller zu einem Gendarmen und meldete. daß sich ihr Mann aufgehangen habe. Der Gendarm fragte:„Wer hat den» die Leiche gefunden?"—„Ich l" erwiderte die Frau.—„Haben Sie Ihren Mann gleich abgeschnillen?"—„Nein, ich denke, man uiuß immer zuerst die Polizei holen!"—„War denn der Körper noch warm?"—„Ja, warm war er noch, als ich herging!"—„Na. da kommen Sie nur, da wird er wohl inittlerweile kalt genug sein!" ironisirte der Gendarm und begleitete die Frau zur Leiche ihres Mannes. Ob aber in Wirklichkeit ein Selbstmord oder ein Verbrechen vorliegt, hat sich nicht ohne weiteres feststellen lassen und wird vielleicht die Obduktion ergeben. Jnler» essant sind aber die begleitenden Umstände. Vor 6—10 Jahren wurde Friedrichsberg und Berlin von einer Eindrecherbande unsicher gemacht, als deren Führer der Maurer Robert G r ö s ch k e in Friedrichsberg ermittelt wurde, der gelegentlich eines Einbruchs um ein Haar den Gastwirth Spitzig erschossen hätte. Robert Gröschke verrieth seine Komplizen nicht, er spielte den wilden Mann und führte im Gerichtssaale die tollsten Szenen auf. Sein Bruder und seine Braut waren milangeklagt. Diese beiden sollten an einem Einbrnchsdiebstahle theilgenomme» haben, bei welchem dem Kohlenhändler Fänger im Hause Kl. Andreasstr. 3 rund ISOO M. Geld gestohlen ivurde. Braut und Prüder muhte» mangelnder Rekognition halber freigesprochen werden, Robert Gröschke erhielt 12 Jahre Zuchthaus. Bald daraus wurde der eben freigesprochene Bruder Karl Gröschke bei Gelegenheit eines Gold- und Juwelendiebstahls in der Holzmarktstraste ergriffen. Ii» diesem Falle wurden Gold- und Schmucksachen im Werlhe von 4000 bis 5000 M, gestohlen. Hier waren Mutter und Schwester mitbetheiligt. Nachdem nun die ganze Familie als Diebes- und Hehlerbande entlarvt war, griff das Haupt der Familie. Maurerpolier Gröschke, zum Strick und machte seinem Leben durch Erhängen ei» Ende. In- zwischen waren auch die jüngeren Kinder der Familie heran- gewachsen, die Töchter verheiralheten sich an die Steinsetzer Broda und Müller. Mit diesem neuen Zuwachs und seinem Anhange wurde das Diebesgeschäst wacker forlgesetzt. Vor etwa vier Jahren standen unter der Bezeichnung„Broda und Genossen" wieder eine Anzahl von Familienmitgliedern auf der Anklagebank. Darunter befand sich auch Müller, der Sohn des vorerivähnle» Selbstmörders. Diesmal hatte sich die Gesellschaft aus Handwage» verlegt, von denen sie nachweislich Ig gestohlen hatte. Jeder von den Angeklagten erhielt eine mehrjährige Gefängnißstrafe. Die Ermittelung der Bande war dem alten Müller zu danken, der zwar ein Trunkenbold, aber sonst ein ehrlicher Mann war. Gendarmen hatten ihn in eine Kneipe gelockt, durch Bier und Schnaps redselig gemacht und hatten ihm so alles, was er wußte. herausgelockt. Der junge Müller ist im» vor etwa einem halben Jahre nach Verbüßnug seiner Strafe entlassen worden, hat sich aber sofort wieder dem Verbreche» in die Arme geworfen Seinem Vater hat er hoch und theuer geschivore», daß er ihn mit Hilse der ganzen Familie aushängen würde, ivenn er noch einmal den Verräther spiele. Müller ist nun aber doch kürzlich wieder als Einbrecher ertappt und nach dem Moabiter Untersuchungsgefängniß gebracht worden. Nun werden zwei Möglichkeiten seitens der Beamte» in betracht gezogen, nämlich, daß der alte Müller entweder selbst Hand an sich gelegt hat, um nicht wieder im Schnapsdnsel zum Verrnlher an seinem Sohne zn werden, oder aber, daß er das Opfer der Spitzbubenjusliz geworden ist._ Soziolle Aerhksz» flöge. Gewerbegericht. Für Rollkutscher ist eine Eni- scheid nng von weittragendster Bedeutung, die die Kammer VII des Gewerbegerichts in ihrer letzten Sitzung gefällt hat. Der Kutscher W. verlangte von der Berliner Privatpost (Speditions- Gesellschaft) die ihm vorenthaltene Kaution heraus- gezahlt. Der Vertreter der Beklagten machte geltend, die Firma sei berechtigt gewesen. die fraglichen SL.SO Mark dem Kläger zu versagen. Nach dein von W. s christlich anerkannten Bertrage hafte der Kutscher für alle Ansprüche, die aus dem Verluste oder der Beschädigung der ihm anvertrauten Güter entständen. Dem Kläger sei nun ein Ballen im Werlhe von über 300 M. aus einer Tour verloren gegangen, obivohl er einen Begleiter mit gehabt habe. Der Verlust könne nur erfolgt sein, während er den Begleiter, eine» dreizehnjährigen Knabe», zn einem Gange verwandte.— Der Kläger bestritt vor allem, daß er den Wagen allein gelassen habe. Während der Junge im Geschäsisinteresse fort war, habe er den Rollwagen überwacht und hiernach habe der Ballen auch noch nicht gefehlt. Er sei erst verschwunden gewesen, nachdem er an anderer Stelle 13 Kisten abgeladen hätte, und zu dieser Zeit sei der Knabe auf dem Wagen gewesen. Allerdings habe der Junge geschlafe», als er das letzte Mal von dem bedienten Kunde» gekommen und an den Wagen herangetreten sei. Das sei doch aber nicht seine Schuld. Der Vertreter des Beklagte:, konnte diese Angaben nur bestreiten, den Beweis für das Gegentheil blieb er schuldig. Betreffs des Vertrages erhebt Kläger den Einwand, der Bertrag sei von ihm wie von änderen Kutschern schließlich nur unterschrieben worden, weil man ihnen gesagt habe, sie brauchten nicht für Diebstahl und Beschädigungen aufzukommen. Vorher hätten sie es schon mal ab- gelehnt, den Vertrag mit jener Ersatzklausel anzuerkennen. Aus die Frage eines Arbcitgeber-Bcisitzers erklärte der Vertreter der Privat- post, er glaube nicht, daß den Leuten vor der Unterschrislleistung ein Duplikat des Vertrages ausgehändigt worden sei, damit sie sich gründlich über seine Bestimmungen informiren könnten. Er sei wohl nur vorgelesen worden. Derselbe Beisitzer:„Ich halte das sür einen groben Fehler, wenn nicht für etwas Schlimmeres." Der Gerichtshof vcrnrthctlte die Beklagte zur Zahlung der 52, SO M. Assessor Dr. Meter führte zur Begründung ans: Das Gericht fordere, daß ein so weit gehender Vertrag, wie der vorliegende, sorgfältig den Arbeitern inhaltlich vorgeführt werde. ES wäre erforderlich gewesen, ihnen vor A b s o r d e r u n g der Unterschrift ein Duplikat zun: eingehenden Studium auszuhändigen. Diese Forderung deS Gerichts scheide aber hier für die Entscheidung aus, denn schon aus einem andere» Grunde hatte die Beklagte verurtheilt werden müssen. Wie ihr Vertreter selber zugebe, würden auf den Rollwagen dem Werthe nach Vermögen befördert. Und da gebe die Gesell- schaft einen dreizehnjährigen schulpflichtigen Knaben dem Kutscher als Begleiter! Ein solcher Junge könne doch wohl kaum für irgendwelche Unterlassungen haftbar gemacht werden. DeS- halb sei anzunehmen, daß diese Begleitung so gut wie gar keine gewesen sei. Und schon anS diesem Gesichtspunkte heranS könne der K l ä g e r— s e l b st w e n n d e r Vertrag bindend sein s o l l t e— n i ch t i» Anspruch ge- nomine» werden. Zn de» Entscheidungen deS ReichS-VersichernngSamteS, die geringere Verletzungen betreffen, liefert die in der Unfall- fache des Arbeiters Gehle» einen wichtigen Beitrag. Gehlen hatte einen Betriebsunfall erlitten, der ihm fast den ganzen kleinen Finger der linken Hand kostete. Sein Anspruch auf Unfallrente wurde von der Nahrungsmittel- Berussgenosfenschast mit der Begründung abgewiesen, daß mit der sozialpolitischen Gesetzgebung Ent- schädigungen für solche kleine Verletzungen nicht bezweckt worden wären. Der Verletzte legte Berufung ein. Nach einem ärztlichen Attest hat die verletzte Hand an Kraft und Sicherheit eingebüßt. Das Schiedsgericht sprach ihm 7Vs pCt. der Vollrente zu und führte zur Begründung aus, jede Beeinträchtigung der Gliedmaßen, die in erster Linie be, der Arbeit in Frage kämen, namentlich der Hände, mindere die Arbeits- und damit die Eriverbsfähigkeit. Die Berufsgenossenschaft ergriff das Nechlsmittel des Rekurses und betonte, die Beschränkung der Eriverbsfähigkeit durch Verletzung des kleinen Fingers lasse sich nicht mehr messen und komme deshalb sür eine Entschädigung nicht in betracht. Der Rekurs wurde jedoch vom Reichs-Verstcherungs- arnt zurückgewiesen. Der Senatsvorsitzende Geheimer Regierungs- rath Greif hob in der Begründung hervor, daß nach der Meinung des Senats der Verlust des kleinen Finger? für den Kläger doch eine nennenswerthe Erwerbsbeschränkung zur Folge habe. Der Sanitätsrath Dr. Becker in Berlin und andere medizinische Sach- verständige hätten in letzter Zeit eine Abhandlung über den Verlust des kleinen Fingers pnblizirt, worin sie die Ueberzeugnng aus- spräche», daß der kleine Finger von größerer Wichtigkeit sei bei der Arbeit, als der Ring- und Mittelfinger, und daß er in seiner Be- deutung für die Arbeit gleich hinter dem Zeigefinger und dem Daumen komme. Der Verletzte könnte eigentlich 10 pCt. verlangen, indessen sei nur der Rekurs der Berufsgeiiosseuschaft zurückzuweisen, da der Kläger es versäumt habe, ebenfalls Rekurs einzulegen, Gerichts �Seikung. Die Fürstin Chimay ist freigegeben worden, aber nicht von Riga, dem heißgeliebten Zigeuner, sondern von der vierte» Straf- kannner des Landgerichts I. Bekanntlich hat eine Pariser-Verlags- buchhandlung Porträts der vielberusenen Dame in den Verkehr gebracht, welche dieselbe in Trikots— ohne jede weitere Hülle— und zwar in verschiedene» Stellungen zeigten. Zwei dieser Bilder waren in dem in Berlin erscheinenden Wochenblatt„Re- porter, Jllustrirtes Wellblatt" veröffentlicht worden. Die Behörde hielt diese beiden Porträts i» sittlicher Beziehung sür anstößig und veranlaßte deshalb durch vorläufigen Gerichtsbeschluß die Beschlagnahme der betreffenden Nummer des„Reporter". Gleichzeitig war die Beschl'gnahine auch gegen die in den Schausenstern verschiedener Buchhandlungen ausgestellten Photo- graphien angeordnet werden. Die Strafkammer, welche sich gestern mit dem Fall zu beschästigen hatte, gelangte zn der Ansicht, daß die beanstandeten Bilder in sittlicher Beziehung Anstößiges nicht enthielten und lehnte deshalb den auf destuilive Beschlagnahme lautenden Antrag des Staatsanwalts ab. Bezüglich der im„Reporter" veröffentlichten Porträts hob der Vorsitzende ausdrücklich bervor, daß dies gerade die am wenigsten anstößigen Bilder der ganzen Serie seien. Der Antrag des Rechtsanwalts des Reporter- Verlags aus sofortige Aushändigung der beschlagnahmten Exemplare wurde abgelehnt; die Freigabe wird erst erfolgen, wenn das Urlheil rechtskräftig geworden ist. Wie wir höre», hat der StaatSamvalt bereits Berufung ein- gelegt. Ein MajcstätSbcleidignngS- Denunziant bestraft. Das Wiesbadener Schivnrgericht vernrtheilte den Buchdrucker Wiih Reusch wegen wissentlich falscher Anzeige und Meineids zu 1 Jahr und 3 Monaten Gefängniß. Rcnsch hatte als Mitglied des Athleten- klubs„Deutsche Elche" ein anderes Mitglied bei der Polizei wegen einer im Privatgespräch mit ihm angeblich begangenen Majestätsbeleidigung angezeigt und demenisprecheude eidliche Aussage gemacht. Es handelte sich um die Ausbringung eines Kaiserhochs gelegentlich des Klnbfestes am 6. Januar. In der Gerichts- Verhandlung wurde aber nachgewiesen, daß ein Brief Rensch's in direktein Widerspruch zu seiner mündlichen Aussage stehe, und außerdem bekundeten Zeugen die Unrichtigkeit der Denunziation. Als Grund für die Anzeige gab Reusch a»:„Die Anzeige habe ich aus dem Grunde erstattet, iveil neuerdings der Verein einen Sozial- demokrate» Miedrcich zum Vorsitzenden gewählt hat und ich der Polizei zeigen wollte, was für Mitglieder der Klub hat."— Der saubere Patron erhielt den verdienten Lohn für seine Schufterei. ZahlsteNen-Jnteresseiiten alS selbständiger Verein. Die Bergleute Rösener und Weinhold hatten jeder eine der schlesischen Zahlstellen des Verbandes deutscher Berg-»nd Hüttenarbeiter(Sitz Bochum) inne und waren zugleich für ihren Bezirk die Vertrauens- leute der dortigen Verbaiidsmilgliedcr. Sie nahmen Beitrittserklärungen und Beiträge für den Verband entgegen, die sie dem Verbandsvorstaude ablieferten. Auch übermittelleu sie das in Bochum erscheinende Verbandsorgan, die„Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitnug", de» bei ihrer Zahlstelle interessirten Mitglieder». Alljährlich hatte nach dem Statut des Verbandes mindestens eine Versammlung dieser Verbandsmitglieder ihres Bezirks stattzufinden, Ivo die Neuwahl der Bertraueuspersouen vorzunehmen ist. Diese Versammlungen machen eigentlich nur Vorschläge, da ftatuteiigemäß die VerlrauenSpersoneii und ZahlsteNeiiinhaber der Bestätigung des Verbandsvorstandes be- dürfen. Rösener und Wetnhold wurde» nun von der Hochivohllöb- Lichcn als Vorsteher eines Vereins angesehen, der ans öffent- liche Angelegenheiten einzuwirken bezweckt, und die deshalb verpflichtet gewesen wären, Statuten und Mitgliederverzeichniß der Polizei einzureichen. Die Berbandsmitglieder ihres Bezirks erklärte die Polizei und später mit ihr der Staatsanwalt für einen selbst- ständige» Verein. Die Gerichte waren derselben Meinung und ver- urtheilten sie zu je 15 M. Gegen das Urtheil der Slrafkaminer legte für sie der Rechtsamvalt W. Heine die Revision«in. Aus den Zahlstelle»- Mitglieder» einen selbständigen Verein zu konstruiren, sei völlig unbegründet. Die Annahme des Vorderrichlers, daß ein selbständiges Vereinsleben jener örtlichen Mitglieder des Verbandes vorliege, sei rechtsirrthühmlich. Als ein selbständiger Verein könnten ste»ur betrachtet iverde», wenn eine selbständige Vereinstdätigkeit gegenüber dem Zentralverbande geübt worden wäre, d. h. wenn die Leute die Thäiigkeü eines Lolalvereins entfaltet hätte». Davon könne aber hier nicht die Siede sei». Dafür spreche iveder die Ver- breiltnig der Zeitung, noch die Entgegennahme von Beitritlserklärnngen und Beiträgen durch die Vertrauensleute, und auch nicht, daß der Vertrauensmann Unterstützungen geben könne. Bei der Uebermiitelung der Zeitung an die Verbandsniitglieder spiele die Vertrauensperson nur den Bote» des Verbandsvorstandes, wie sie im übrigen als dessen Bevollmächtigter handele. Das Land- gericht finde dann die Abhaltung eines Kränzchens der Zahlstellen- Interessenten bedenklich und halte sie sür ein Zeichen der Existenz eines besonderen Vereins. Diese Annahme sei durchaus hinfällig.— Der Strafsenat des Kammergerichts wies die Sievision gestern zurück. Die Feststellungen des Landgerichts seien ohne Rechtsirrthnm erfolgt. Es liege ein selbstständtges Vereinsleben in den festgestellten Tbalsachen und da der Hauptverein unstreitig auf öffentliche An- gelegenheiten einzuwirken bezwecke, so fei dies auch von den Lokal- vereine» anzunehmen. In dem wirklich entfalteten VereinSleben hätten die Angeklagten aber als Vorsteher fungirt, wie ihre Tdätig- keit beweise, sie seien deshalb für die ihnen vorgeworfene Unter- lassung zu bestrafen. Widerrechtliche Anflösutia deS Dienstverhältnisses. Der Dienstknecht Schimpf aus dem Orte Schladitz-Zivochau bei Delitzsch war vom Schöffengericht in Delitzsch wegen Ueberlretung der Gesinde- Ordnung vom 8. November des Jahres 1810 in Verbindung mit der Uedertretung des Gesetzes vom 24. April 1654 zu 10 M. Geld- strafe event. 2 Tagen Haft verurtheilt worden, weil er am 0. Fe- bruar d. I.„unbesugt", nämlich ohne vorhergehende Aufkündigung, bei dem Gulspächter William Ochse in Schladitz den Dienst verlasse» haben sollte. Gegen dieses Urtheil hatte Schimpf bei den: Land- gericht Halle Berufung eingelegt, um feststellen zu lassen, daß«r nicht dazu verpflichtet sei, sich total verlausen zn lassen In der Verhandlung selbst wurde dargelegt, daß der Angeklagte wiederholt daraus gedrungen hatte, daß die Unreinlichkeit in seiner Schlafftätte, die er mit einem anderen Knecht theilte, beseitigt wurde. Schließlich wurde der Zustand unerträglich, da auch die Kleidungs- gegenstände von Ungeziefer strotzten, wie überhaupt das ganze Ge- finde unter der Plage litt. Schimpf verließ den Dienst und wurde hierauf zu der erwähnten Strafe verurtheilt. Die Berufungsinstanz hob zwar den von erster Instanz gefällten Richlersprnch ans, er- achtete aber trotzdem den Zlngeklagtei: des unberechtigleu Ver- lassens des Dienstes für schuldig und verurtheilte ihn wegen Uebertretung des genannten Gesetzes zu 5 Mark Geldstrafe event. 1 Tag Haft. In der Urtheilsbegründung hieß es u. a: In der Gesinde-Ordiiung sind alle die Gründe einzeln aufgeführt, welche dem Gesinde gestatten, den Dienst ohne vorhergehende Aus- knndigndg zu verlassen, von diesen Gründen treffe aber keiner ans den vorliegenden Fall zu. Es hieß dann weiter in der Urtheils- begründung, es könne ja vorkommen, daß einmal Ungeziefer ein- geschleppt wird; dagegen könnten aber Maßregel» ergriffen werde». Nehme man als erwiesen an. daß in jener Dienststelle so viel Un- geziefer vorhanden gewesen ist. so könne man auch annehme», daß der Angeklagte sich zum Verlassen des Dienstes berechtigt gehalten hat und deshalb sei die Strafe bis aus 5 M. event. 1 Tag Haft erniedrigt ivorden. Das Urtheil zeigt wieder, wie dringend nothwendig eine Aendernng der Gesinde-Ordnnng herbeigeführt werden muß, um Urtheile unmöglich zu machen, die in sich ein großes Unrecht gegen die Arbeiterklasse bergen. Das Ende cineS laugen Prozesses. An: 13. Oktober 1605 brachte die„Kölnische Bolks-Ztg." unter de»: Titel„Eine merk- würdige englische Firma" eine» längeren Artikel, der aktenmäßig die verschiedenen Manipulationen schilderte, durch welche der Cakes- Fabrikant E. Damcke zu Charlottenburg seine Firma in„E. Deckau: u. Cie." umwandelte. Durch diesen Artikel fühlte Herr Damcke sich beleidigt und erhob Klage gegen den Verleger und verantwortlichen Redakteur. Die prozeffnalischen Gründe, durch welche die Sache sich mehr als anderthalb Jahre hinschleppte, werden wenig interessiren, wohl aber das Ende vom Liebe, nämlich die Ablehnung der Eröff- nuiig des Hauptmrfahrens unter folgender Motivirung: „Die thaisächlichen Angaben des in der Nr. K6l der„Kölnischen Volks-Zlg."(Erstes Blatt, Morgen-Ansgabe) vom 13. Oktober 1805 enthaltenen inkriminirte» Artikels mit der Ueberschrift:„Eine merk- würdige englische Firma" entsprechen, wiedie Einsichl derFirmenregislcr- Akten des kgl. Anilsgerichts zu Charlollenburg V. Band 46 Blatt 2 betreffend die Firma Deckau: u. Ko. resp. die Strafakten oovtra Danicke u. Gen. des königl. Landgerichts II zu Berlin IIIä R. 12 36 ergeben hat, durchaus der wahren Sachlage. Unter dieser Voraus- setzung kann sich der Privatkiäger nicht in seiner Ehre verletzt fühlen, wenn er in diesem Artikel zur Zunft der„Schlillenfahrer" gerechnet wird und ihm indirekt vorgeworfen wird, einen„Falscheid" vor einem englischen Notar geleistet zuhaben. Unter der Bezeichnung des„Schlittenfahrens" wird allgemein die Vornahme unlanlerer mehr oder weniger zur Täuschung kleinerer oder weilerer Kreise des Publikums im Auslande unternommenerGeschäftspraklikeu verstanden, und einer solchen hat sich der Privatkläger in London kurz vor und am II. Juli 1395 zweifellos schuldig gemacht und ebenso hat der Privaikläger eine einem Eide gleich zu erachtende feierliche Ver- sicherung, welche den dadurch betheuerten«nd erwähnten„Sachen und Dingen" durchaus zuwider gelausen ist, vor dem öffentlichen Notar H. A. E. de Pinna zu London am II. Juli 1395 abgegeben, wie die betreffende Notarials-Urkunde, welche sich mit beglaubigter Abschrift Blatt 4—7 der Firmenregister-Akten befindet, zur Evidenz ergiebt; daß diese eidesähuliche feierliche Versicherung„wissentlich" falsch vom Privaikläger abgegeben worden sei. ist aber in dem in- kriminirten Zeitungsartikel nicht ausdrücklich dem Privaikläger vor- geworfen. Mithin ist der Beweis der Wahrheit für den fraglichen Zeilnngsartikel als erbracht zu erachten und muß daher, da auch ans der Form desselben, bzw. aus den Umständen, unter welchen derselbe durch die„Kölnische Volkszeilung" verbreitet wurde, das Vorhandensein von Beleidigungen ans bei: ZZ 165, 136 Strafgesetz- buches nicht als vorliegend erachtet iverde» kann(§ 193 Strafgesetzbuches), die Zurückweisung der Privalklage stattfinden, wobei die Kostenfrage aus§ 503 Sirafprozeß-Ordnung sich erledigt. Berlin, den 7. Juli 1897. Königliches Amtsgericht I Ablh. 147. gez. Gaulle. Das uneutgeltlichc Vertheilcu von Druckschriften betrifft eine Entscheidung des Kammergerichts, die gestern der Strafsenat gefällt hat. Die Genossen Scad och, Petlar und Steide! verbreitete» vor einiger Zeit den„Märkischen Landboten" und andere sozialdemokratische Zeitschriften unter der bäuerlichen Be- völkerung in der Nahe ihres Wohnorte-, ohne dazu eine polizei- liche Erlaubniß zu besitzen. Unter anderem betrieben ste auch ihre Agitation im Wirlhshaus. Ans ihrer Tour begegnete ihnen ein Mann, dem Sleidel Schriften verabreichte und dem er dazu an- spornle, sie recht aufmerksam zu lese». Wie sich alsbald heraus- stellle, war dies ein Gemeindevorsteher. Alle drei erhielten später Slrafmandate von je 20 M. Sleidel beruhigte sich dabei, die anderen beiden verlangten aber richterliche Eulscheidung. Schöffen- gericht und Landgericht verurtheilte:: sie jedoch mit folgender Begründung: Die Verlheilung im Wirlhshanse scheide aus, da dies als geschlossener Raum anzusehen sei und nach S 43 Absatz 5 der Gewerbe-Ordnnng niemand zun: n i ch t g e w e r b s m ä ß i g e n Ver- theileu von Druckschriften in geschlossene:: Räumen einer Erlaubnißbe- dürfe. Indessen komme der noch rechtsgiltige Z 10 des preußischen Preßgesetzes insoweit zur Anwendung, als die Verlheilung von Druck- schriften aus einem öffentliche!: Wege erfolgt sei. Nun habe zwar der vom Verfahren ausgeschiedene Steide! die Blätter fortgegeben, aber die Angeklagten feien in seiner Gesellschaft geiveseiv und alle drei hätlen gemeinschaftlich die Absicht gehabt, soviel als niöglich von den Schriften unter die ländliche Bevölkerung zu bringen. Es sei somit tz 47 des Slrafgesctzbnches anzuwenden, der bestimme, daß wenn mehrere eine strafbare Handlaug gemein- schafllich ausführten, jeder als Thäter bestrasi werde. Auf die Revision der Verurtheilte:: hob das Kainmergerichl die Vorentscheidung auf und sprach sie frei. Die Vorinslauzen seien mit der An- wendnng des Z 47 des Strafgesetzbuches zu weit gegangen. Ein wirkliches Mitwirken der Angeklagte,: sei hinsichtlich des Falles Steide! nicht festgestellt, das wäre aber erforderlich gewesen für die Heranziehung des genannten Paragraphen. Die gemeinsame Absicht, möglichst viel Schriften zu verbreiten, genüge nicht dazu. „Der NPSliefernngövertrag zwischen einzelne» dentsche» Staaten und den Niederlande» kam in der Revisionsverhandlnng vor den: Reichsgericht in Leipzig an: 12. Juli gegen den Malrosen Johann Wilms Janssen zur Sprache. Derselbe ist am 23. April vom Landgericht Oldenburg wegen zweier schwerer Diebstähle unter Einrechung einer ihm von: Schöffengericht Bremen an: 31. März ivegeä Hansfriedensbruchs und Sachbeschädigung auferlegten Strafe von 24 Tagen Gefängniß zu 2 Jahren 3 Monaten Zuchthaus verurtheilt woroen. Nach Begehung dieser Thaten war I. nach den Niederlanden geflohen. Seine Auslieferung erfolgte nur wegen der schweren Diebstähle, nicht wegen der beiden anderen Delikte. Während der Angeklagte sich in Oldenburg in UnlersuchrnigShaft befand, wurde er auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Bremen nach dieser Stadt gebracht und in der erwähnten Weise abgeurtheilt. Dieses Urtheil hat der Angeklagte merkwürdigerweis« rechtskräftig werden lasten.— Ans die Revision des Angeklagte» gegen das Oldenburger Urtheil hob das Reichsgericht dasselbe a u f und verivies die Sache an das Landgericht zurück. Die Feststellung des erschwerenden Momentes in dem einen Falle wurde nicht als genügend erachtet. Eventuell würde nur einfacher Diebstahl in: Rückfalle vorliege»; wegen eines solchen wäre aber die Auslieferung nicht zulässig geivesen._ teine Ziuiuierervcrsammluug, die an: Montag in Keller's Saal tagte, beschäftigte sich mit den: neu gegründeten Arbeits- Nachweis für das Äaugeiverbe. Der Referent Fischer erinnerte daran, daß schon in: Jahre 1883 und 1889 die Berliner Zimmerer den versuch gemacht haben, einen Arbeitsnachweis zu gründen, der aber wieder eingegangen ist. Ei» Arbeitsnachweis könne nur nützlich wirken, wenn er von beiden Theilen, Arbeiter und Arbeitgeber verwaltet werde. Der von der Innung errichtete Nachweis solle jedenfalls dazu dienen, Arbeiter, welche sich durch ihre gewerkschaft- liche Tbätigkeit bei den Unternehmern unbeliebt gemacht haben, zu maßregeln und eine schwarze Liste durchzuführen. Das dürften sich die Zimmerer nicht bieten lassen, weshalb sie gegen diesen Arbeits- nachweiS protestiren und denselben nicht benutzen sollten. Der Redner empfahl folgende Resolution: Die Versammlung erkennt wohl die Nützlichkeit eines Arbeitsnachweises für das Baugewerbe an, hält ihn aber für verfehlt und nicht den Verhältnissen entsprechend, so lange er einseitig von der Innung: Bund der Bau«, Maurer- und Zimmermeister, verwaltet wird. Die Versammlung erblickt gegenwärtig in der Gründung des Arbeits- Nachweises eine schwere Schädigung der Interessen der Arbeitnehmer und eine Vergewaltigung ihrer persönlichen Freiheit, und protestirt solange gegen diesen Arbeitsnachweis, bis er einer gemeinsamen Verwaltung von Unternehmern und Ar- beitern nnterstelll wird. Die Lohnrommission wird beauftragt, sich sofort mit der Kommission der Arbeitgeber in Verbindung zu setzen. Die Anwesenden verpflichten sich, den Nachweis solangs anfs strengste zu meiden, bis die Verhandlnnge» ihren Abschluß gesunden haben und die Vertreter der Arbeitnehmer in der Ver- ivaltung anerkannt werden. Die Resolution wurde nach knrger zttstinimender Diskussion angenoinmeu. Hierauf berichtete Fischer über die Situation des Streiks. Anknüpfend an die Auslassungen der„Baugewerks-Zeitung" und einer hiesigen Tageszeiluaq, welche den Streik als ein Machwerk der Lohnkoni- Mission be�..chi>en und dessen baldige Versnmpfimg voraussagen, »»einte der Redner, daß die in diesen Artikeln ausgedrückte Meinung durchaus unzutreffend sei und den tbatsächliche» Verhältnissen nicht entspreche. Daß der Stand des Streiks ein günstiger sei ersehe, man ivohl daraus, daß bis jetzt 202 Unternehmer die Forderung bewilligt haben, und daß bei diesen— soweit die Kommission Kenntnift davon habe— etwa 1800 Zimmerer beschäftigt sind. Daß der Kamps nicht so schnell beendet sein würde, war vora»tSzilsehe>i. auch würden natürlich, nachdem die Forderungen im großen und ganzen durchgeführt sein weiden, immer noch einzelne Unternehmer durch Bausperren zur Aufrechterhaltung der Bewilligung gezwungen iverden müssen. Von einer Versumpsung des Streiks könne gar keine Rede sein, vielmehr sei zu erwarten, daß in der»ächslen Zeit auch die größeren Geschäfte, wo gegenwärtig die Arbeit ruht, bewilligen werden. Nachdem sich mehrere Redner in ähnlichem Sinne geäußert, wurde die Versammlung geschlossen. Zirbei>«r-Kilv»,ig»schul». Die Btvlioihet w der Nordschule, vrunnenftr.>e, ist vom r Juli ob bis aus weiteres geschlossen: die noch dus- sleheoden Bücher sind umgehend DonnersiagS abends von ijo bis !j>0 Uhr zurüllzultesern. MitgliedSbeilräae iverden an dtelem Tage in der Nord- schule enigegengenoinmen, ebenso tn solgenden gahlfieNen: Botisr. Schul,, Admiralslr. eoa; Neul, Barnimsir. o; Babiel, Rosenihalersir, 57;»leinert, Wüllersir. 7a: Paul Mülle, Manteuffelstr. las: H, Königs, Diessonbachstr. so. Alle Zuschrifien sind an de» Bo> sihenden Paul Mülle>r,, SO. Man- teusseisir. las, Cieldsendungen an den tiassirer H. Königs, L. Diefsendachstr. so, ju senden. StTt-»»d Dlakiitlililnb». Mittwoch. I o h an nJ a c o b v, bei Fritz Lietzle, Cchivedterslilche'LS.— Belundbrunnen, abends Ssj Uhr, bei Halerland, Bellermannslr. 57.— SIeichhei t, abends SZ, Uhr bei Stramm, Nttlersiratze 128.— Heine, Rixdors, abends ssj Uhr, Prinz-Handjerylir. so. parlerre.— Sin igt et t, abends ay, Uhr bei Zeige, Tristsir. l.— Thealer- und Leseliub M o ra en r ot h, abends o Uhr, im Resiauranl Diele, Lolhringerstr.«7. — Sozialdeinolralischer AgilaltonSllub Osten, abends Q Uhr, bei Jauer, Fruchtstr. 62.— Frcige ist Arlon a. abends« Uhr, Arlonaplatz« bei Melener.— Friedrich Engels Norden alle Miliivoch l» Uhr bei Acißcn, Bollaltr. S«. Arb«it»r-Kä»g«rbl»>d Kerlin»»»d der zimgegeiid. Borsttzender Adois Neumann, Brunnenstr. 160. Alle Aenderunge» im BereinSlalender sind zu richten an Fried. Korlum, Manleusselstr. 60, v. 2 Tr. Mittwoch. UebungS- stunde abends o Uhr, Ausnahme von Mitgliedern.— LtedcSsreiheit I. AndreaSslr. 25 bei Wille.— Norddeulsche Schleise, Melchiorstr.>6 bei Stehmann.— F r e? a l, sSemtschter Thor), Rosenthalerslr. 67 bei Babiel.— Lorbeerkranz, Wetnstr. 28 bei Späth.— Ltederlust, Adalbertstr. ii bei Roll.— Spandau, tn Spandau, Neumeisterstr.« bei N. Radlle.— Deutsche Eichel, Er. Franlsurlerstr. 188 bei Gold.— Bruderherz, Putbuserftr. 25 bei Lutz.— Echo I, Pankow, Wollanlstraß«.— Treue, Mariannen-User 2 im Luxhos.— Eintglett I sHutmacher), Rosenihalerstr. Ii— 12 bei Rölltg.— A I l e g r o, Wrangclsir. i,i bei Schmidt.— Freiheit I. Bülowstr. so bei Richter. — Stein nelle.Pasewalkerstr. 8 bei Ad. Bergemann.— W a l d e S l u st, Oppelner- ftraße se— Freier Männerchor N o r d. W e ft, Bmilitzstr iv bei Psarr.— Eesangvereinder Kup f er schm i ede, Weinsir. Ii beiFeindt.— Gleichheit l, Schönhauser Allee 186 bei Ramlow.— Appolonia, Klosterstr. bei Moll.— Erohe Stunde, Slalitzerftr. 7 bei Schonenmnn.— FrethettSgruß, runnenftraße 150 bei Schulze.— Schueeglöclchen l, Rixdorf. Hermann- und«arlSgartenstrabeu-Ecle bei Köpke.— Hossnung III, Brandenburg a. H. WilhelmSdorserstraße,„Toncord ia".— Arbeit er-G-sangverein Britz in Britz, Bürgerstrabe l bei Dorn.— S e e g e r' scher Männerchor, Landsberger Allee 160 bei«iöbel.— Einig, Blumenstraße 82 bei Reich,— Gesang- Berein der Buchdrucker u. Schrtstgteher Rixdors u. Britz, Rirdorf, Bergftr. l«2 bei Thomas.— Fstohftnn Ii, Friedrichsberg, Warlenbergstr.«7 bei Lange.— Arion III, Rixdors, Herrmann- u. Hcrifurthttraben-Ecke bei Geschuhn.— Malengrub II, Tharlotlenburg, Straße 6a, Nr. I, bei Barlfch.— Hetmathl län g e, Köpenick, Rosenstr. loi bei Meyer.— Wacht auf I, Wörtherstr. 15 bei Buiprecht.—Vorwärts X, Nauen, Marltstr. 15 bei Hobusch.— Schneeglöckchen II, Potsdam, Brandenburger Kommunilalton IS bei Glaser.— Treu unb Fest, Koppenstr. 17 bei Lohmann.— Wald- la pelle, Seldelstraße 80 bei Krüger.— Bruderbund, Usedomstr. 22 bei Fickinger.— Freie Sänger, Heegermühle bei EberSwalde, ivorfstr. 12, Rest. Zagdschlöbchcn.— Sängerlust, Werder a./H., Kugelweg im Lokal.— Ost- und West preußen, Alexauderstr. 27c, Englischer Garten.— R t e n z i, Wrangelstrabe vi bei Ludwig.— Osten, Melallarbetter, Grüner Weg 13 bei Pippke.— Rosalte, KöntqSbergerstr. 84 bei Plaen.— Gerstenähre, Grün- straße 21 bei Sommer.— Keramik, Charlotlenburg, Kepplerstraße bet Prestel. — Grüne Eiche, Rixdors, Hermannstr. 187 bei Babenschnetder.— Fortschrtll, Köpnickerstr. 88 bei P-ulert. K»»d der gesellige» Ardeiterurreine Kerlin« und der Ilmgegend. (Zuschristen stnd ,» richten an P. Gent, Dresdener- Straße Nr. 107'». Mittwoch: Geselliger Berein Brüderlich reit, Georgenkirchstr. 55 bei Spgth. — Verein R helortl, Brandenburgstr. 5« bei Ponitz.— Thealei oerei» Pr o le- t a r t at, Köpnickerstr. 58 bet Schöning.— Rauchllud Rorhe Fahne, Falcke- steinstr. 5 bei Aonell.— Geselliger Verein Freundschaft, Prinz Alorecht- strabe 3 bei Schulz— Geselliger Berein Deutsche Eiche, Fürbringerstr aße. bet Grothe.— Munbharmonika-Verein Vorwärts, Kreuzbecastr. 12 bet Roth. — Theaiprverein Nora, Abmtralstr. ise. Märkischer Hof.— Berein Gefelliger Bund, jeden 2. Miltwoch t», Munal, bei Sommer, Grün- straße 21.— Berel» Gesellige Brüder, Palltsabenstr. 20 bet Schäster.— Musilverein Pauke nschwengel, Fiirstenstraße isd bet Bernstg.— Skattlub Vorwärts, Schweblerstraße 28 bei Muchow.— Skalllub Lustige Brüder, Barnimstr. 18 bei Büschel.— Dhtaier-Verein Spree Athen, Annenftraße bei Protz. Gesang., Turn» und gesellig» Nereiue. Mittwoch. Skalllub Revolution, Grünauerstr. 3 bei Solz.— Geselliger Verein Hoffnung, jetzt alle 14 Tage, Lebuserstr. 5 bet Dicseler.— Artisten- und Ningsportverem Vereinte Kraft tagt Mitiwochs abends und Sonntags oormitlagS Plan- User 82» bei Zcpke.— Aliek-nveiein A l I a S, Brunnenstr. 162 bei Tale.— Geselliger Verein Türltsche P seife, Tanztgerslr. 08 bei W. Hansen.— Tambour-Beretn Froh-Fret, UebungSftundc Mittwoch und Sonnabends, Wteienftr. 27 bei Bolz.— Arbeitcr-Schachklub Norden, Seestr. 25 bei Mandel. — Musilverein Knaatsch, Koibeigerslr. 2 bet Stessens.— Psropsenverein Nord-Ost, Elbingerstr. s dei Bogel— Rauchklub Schi» okc'S Werke, Kraulste. 39 bet Hegner— Gefangvelein SangcStreue, Spreeterrasse an der Hannowttz- brücke.— Gesanaveretn Lerche, Schönhauser-Allee bei G. Gerber.— Arbeiter- Rabfahrer-Be rein BorwärtS lagt jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. im Monat, Beusselstr. v(Moabiier Klubhaus).— Vereintgung der Turn- freunde von sjj— ivjj Uhr abends, Demmtnerllr. 55/57.— TiiiNverein Osten, Turnhalle Blumenstr. K8a, Slj— 10 Uhr abends. Männer-Abihellung.— Arbeiier- Grsangveiein Hossnung, Fr>edrich»b-rg, Friedrich KarlNr. 84 bei Schultze.— Tambourveiei» Ruf. UcbungSIiunbe lllltttwochS und Sonnabends DrrSdener- straße 58.— Mnstk-Dileitanten-Berein BorwärtS, Langestr. 108 bet Nebelt». Arbeiter- Turiurbund. Mittwoch: Turnverein Fichte, Bern» Abends von«—10 Uhr: i. Mätmer-Abihetlung Friedenstraße 87. 3. Männer- Ablheilung Böckhstr. 21. 2. LchrttngS-Ablhetlung Skalcherftr. 55—65. 4. Lehr- NugS-Abiheilung Slephanstr. 8.- Freie Turnerfchasi Rixdors-Britz, I. Echüierinnrn-Adih. von 7— sjj Uhr, I. Frauen-Abihetiung von 8!ä— lOSlihr bet Wirsing, Knesebeck straße; 2. LehrNngS-Adlh. von 8'/-— lost» Uhr, Britz, Ehaussee- straße bei Lange. Arbeiter-Vailcherbond Keriin» n»d der Pingegend. Aenderungen im Berrinskalender find zn richre» an Hermann Braunsthwotg, DreSdenerstr. so, 2. Hof. Mittwoch: Arkona, Skalitzerjer. 4i bei Rtchier.— Sumatra Eüd-Ost, Llegnitzerstr. 18 bei Manegold.— Waldesgrün, Foriierstr. 22 bei Kunze.— Virginia, Admiraliir. 21 bei Tchnieber.— Frei Weg, Schöneberg, Kolounenstr. 2 bei Kretschmer.— Ftbele Raucher. Fichlestr. 80 bei Krause.— Jnkclligenz, Urdanstr. 33 bei PeierS.— Granale, Forftersir. 4» bet Tujunlk«.— Fibel« Brüder, FriedrichSselde, Luisen str. 20 bei Lobse.— Moigenroih, Landsberger Allee 44 bei Roland.— Frohsinns« H e i»1 a l h, Siromstr. 28.— D e u l s ch e r Michel, Pankow, Kaiser Friedrich- straße 15 bei«rtffei.- Kairo. Paitkff,. tu Sei L ihr ich. Frisch. Gewagt. Posenerstr. 5 bei Mockendorf.— O h la u e r, Geäseftr. 18 bei Prater.— Abguß I. MarkuSstr. 28 bei Garn.— Die Dampsenden, Langestr. 24 bot Zeratsch.— Weiße Nelke, Forfterftr. 17 bei Dierberg.— Zufrieden« bett, Rixdors. Mühlenstr. 6 bei Baeden.—«lühltcht, Neu-Wetßensee, Gödlerftraße so bei Schul,.— Apfelblüthe. Pankstr. 8b bei Schmidt.— Fltederdu st. Frtedenstr. 74 bet Schmidt.- Weichseldust, Pappel-Allee 44 bet Ztbell.— Alter Husstt, Husstlenstr. 5sd bei Brinamaun.— Blau- WolkeimOsten, Frtedenstr. 5, bei Talllühn.—»ein Ton. Rykestr. 18 bei Neckel.— RotheFahne, Görlttzerstr. so bet Steoert.— Semüthltchleitl, Wienerstr. 7 bei Gläser.— Kornblume, Sneisenaustr. vi bet Menzel. German- American Kiub„U n c 1 0 Sa m"(esiabliähsd 1892). 9 o'cloclr p. m Walislrasse 57.— Ladies und Genilemen welcome. Schmargendorf. Die Generalversammlung des Arbetter-BtldungSvereinS finde! am Dienstag, den 20. Juli, stati. Am Sonnabend, den 17. Juli, wird im Restaurani„Sanssouci" die Feier des sechsten EltslungSs-st-S abgehalien. Der Vorstand. zandomannfchaft der Schleswig- Aolfteiner. Heute, abends sjj Uhr, tn Fcuerpein's Fesisäien, Alle Jakobstraße 76: Versammlung. Sonntag, den 18. Juli, Sommerses« ebendaselbst. Eingelaufene Druckschriften. Bon der„«»»«» Zeit"(Stuttgart, I. H. W. Dletz' Verlag) ist soeden das 42. Heft des 16. Jahrgangs ersch ienen. ittuS dem Inhalt heben wir hervor: Die hadernden Beutepolittker.— U-der die BerwandlchastS-Organisatione» der Zigeuner. Von A. Bebel.— Der enilarvle Luztser. Bon EharleS Henry.— Reden oder Kämpfen. Eine zweite Epistel zur LandtaaSwahl- Frage. Von Ed. Bernstein.— Literarische Rundschau.— Feuilleton: Die Glocke des heiligen Enschemon. Bon Dr. Richard Sarnett, London. Aulortstrte Uebersetzung. Vriefkssten der Redaktion. R. K. 38. Uns ist ein derartiges Institut nicht bekannt. M. I. B. und lSK b. Ein T e st a vi e n t mub iu» Gebiete des allgenieinen Landrschts lmterfchrieben und bei Gericht niedergelegt sein, um giltig zu sein. Dasselbe gilt für ein wechselseitiges Testament. Für ein solches ist etwa folgende Fonn zu empfehlen:„Wir(Namen der Eheleute) setzen uns einander gegenseitig und unsere Kinder(Namen), sowie diejenigen Kinder, die uns etwa noch geboren werden, mit der Maßgabe ein, daß de: Ueberlebende von uns die von aller Aufsicht und Rechnungslegung befreite Verwaltung unseres beiderseitigen Vermögens bis zu seinem Tode behält und berechtigt ist unter Lebenden über die Substanz zu versügen. Was nach dem Tode des Letztlebendeu übrig bleibt, theilen die anderen Erben nach der gesetzlichen Erbfolge. Für den Fall einer Wiederverheirathung des Ueberlebeiideii hat Auseinandersetzung nach der gesetzlichen Erbfolge zu er- folgen." Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Höhe des Objekts. D i e Kosten für protokollarische TestamentSaufgaben sind doppelt so hoch wie die für die Annahme eines offen oder versiegelt iwer- gcbenen Testaments. Die Kosten für die Annahnie von Testamenten be- tragen: bei einem Objekt von 2—300 M.; 2,40 M., von 300—450: 3,—, von 450-650: 3,00, von 650-900: 4,20, von 900-1200: 5-, 1200-1000; 6-, 1600-2100: 7,-, 2100-2700: 8,-, 2700-3400: 9,-. 3400- 4300: 10,-, 4300- 5400: 11,-, 5400- 6700; 12,-, 6700-8200; 13, 8200-10 000; 14,—, 10 000-12 000: 15,—, 12 000-14 000: 16,— M. und so steigen bis 30 000 M. bei je 2000 M. mehr Objekt die Kosten um je 1 M., so daß also bei Objekten von 28-30 000 M. die Kosten 24 M. betragen. Es betragen bei Objekten von 30-35 000 M. die Kosten 26 M., bei Objekten von 35-40 000 M. 28 M. Bon da ab steigt es in der Kostentabelle bei den Objekten um je 10 000 M., bet den Kosten um je 2 M., so daß also bei Objekten von 90-100 000 M. die Gebühren 40 M. betragen. Bon da ab steigen die Werthklasseußunr je 10 000 M., die Gebühren um je 1 M., so daß also z. B. die TestameiitsannaHme bei Werthcn von 1990 000 2 Millionen Mark 230 M. kostet. Die Kosten sind also wie durchweg syerichtssachen bei niederen Objekten prozentual außerordentlich viel höher als bei hohe» Werthen. Wechselseitige Testamente gelten als zwei Testamente. Der Fiskus erhebt ferner ein Fünftel der angegebenen Sätze für die A»i f b e>v a h r u n g der Testamente. Für die Eröffnung und Aus- fertigung einer letztwilligcn Verfügung wird so viel wie für die Annahme erhoben. Für die Zurücknahme eines Testaments ist, falls wenn zugleich ein anderes Testamcnt überreicht wird, nichts, sonst die Hälfte der oben- genannten Gebühren zu zahlen. bis in «Vetter-Prostiiose für Mitttvoch, de» 14. Jnlk 1»V7. Elinas kühler, lheils heiler, theiis wolkig mit leichten Regen« fälle» lllld mäßigen nördliche» Winden._ P. P. Stuttgart, 8. Juli 1897. Meinen werthen GeEchäktsfireunden mache ich die ergebene Mittheilung, dass meine unter der Firma J. H. W. Dlctz in Statteart betriebene Terlaesbuclihandlnne und lluch- druckerel am heutigen Tage mit sämmtlichen Passiven und Aktiven in den Besitz der Finna J. H. W. Dlctz Machfolerr (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) übergegangen ist. Indem ich Ihnen für das mir bewiesene Vertrauen meinen Dank ausspreche, bitte ich Sie, solches auch auf die neue Finna ku. übertragen. Hochachtungsvoll! JT. H. W. IMetz. Bexugnehmend auf das Obige tbeilt die unterzeichnete Gesellschaft ergebenst mit, dass sie ihre Eintragung ins Handelsregister unter dem heutigen Datum bewirkt hat; sie übernimmt sämmtliche Aktiven und Passiven der Firma J. H. W. Dlctz und bestellte ihren Gesellschafter Heinrich Dlctz als Geschäftsführer. Sie schliesst mit der Bitte, das Vertrauen, welches Sie Herrn Dietz entgegengebracht haben, auch der neuen Finna zu erhalten. Hochachtungsvoll J. If. W. IMetz Nachfolger (Gesellschaft mit beschränkter Haftung). Die Gesellschafter: August Bebel. Heinrich Dlctz. Paul Singer. imrer! Donnerstag, rten 15. Juli, abends 8 Uhr, In GrUndePs fSaal. Di„ niic»Strasse 188: Große öfftttMe Generoi-Versommlultg niler nuf den, Boden der Vcrtraueiisiiiniiner-ZeiltrnlisötioustcHeiidcil Maurer. T a g e s- O r d ll u n g: 1. Bericht der Delcgirten F. Kater und 4. Dianrock vorn Kongreß der auf dem Boden der Vcrtraiicttsmälilier-Zciitralisation stehenden Gewerkschaften Deutschlands zu Halle a./S. 2, Dislussion. 3. Wahl eines Vertrauensmannes für die Berliner Maurer. 4. Gewerkschaftliches. gllBT" Kollegen! Die Wichtigleit der Tagesordnung erfordert das Er- schcilicn aller von Ulllercm Prinzip übrrzeligtcii Kollegen. Also, alle Manu am Platz! 281/10 Ter BertranenSmann: v. Dianrock. Reue freie Volksbühne. Sonnabend, den 84. Juli: Gv. Setminernnttzksfest in dem feenhaft erlerichteten Garten-Etablissement des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater, Chausseestrasie ÄS— 26. Konzert im Arten. Thellter-ü.SVtMlitStell-Mssilhrilngeü auf der Sommerbühue. Nach dem Theater: Sommernachtsball. Anfang 7 Uhr. Entree 40 Pf. inkl. Tanz. BilletS stnd tn den bekannten Zahlstellen des BereinS zn habe». Allgemeine Familien-Sterbe-Kasse zu Berlin. Sonnabend, den 24. Juli, abends 81/, Uhr, im Lokale des Herrn Dieke, Ackerstr. 123: 3085b Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht pro 1896/97 und Bericht der Revisoren. 2. Festsetzung der Entschädigung sür den Vorstand und die Re- viioren. 3. Beschlußfaffung, in welchen Zei- tungen die Bekanntmachungen der Kaffe stattzuffnden haben. 4. Neuwahl des Vorstandes und der Revisoren. 5. Verschiedenes. Der Eintritt ist nur gegen Vor- zeiaung des Quittniigsbuches gestattet. Um pünktliches Erlcheinen ersucht Der Vorstand. I. A. i Aug. Acke, Vorsitzender, Neue Hochstr. 41, 4 Tr. Unterstützungsverein der Xupsepsvkmivlle Deutschlands. (Filiale Berlin.) Sonnahend, den 17. Jnli, in Felnd's Salon, Weinstraße 11; ktilmlvemmlW. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl der Statutenkommlsstim. 3. Der Breslauer Streik. 4. Verschiedenes. Die Kollegen der Firma Heck- mann werden hiermit sämmtlich zu dieser Versammlung eingeladen. Zahlreiches Erlcheinen erwartet 99/14 Der Vorstand. Tilsiter Vollfettkäse, lst/z Pfd., i 65 Pf. pro Pfd., versendet franko gegen Nachnahme die Dampf- meieret«oldap, Ostpr.(2150L* Verein m Wahrung der Interessen der Gast- und Schaukwirthe Berlins«nd Umgegend. Freitag, den lO. Jnli er., naclinilttags 5 Ihr, beim Kollegen 6 r tl n d c 1, Brunnenstr. 188, ger Versiatntnluttg. Tages- Ordnung: I. Vortrag. 2. Dislussion. 3. Vierteljahrs- Bericht. 4. Aiifnahine ueiier Mitglieder. 5. Bersctiiedenes. 69/15 Z» zahlreichem Besuch ladet ein Ter Vorstand. __» I. A.: Ferdinand Ewald. FachTereiii der Hol»- und Bretterträger Berlins und II in g c g e n d. Sonntag, den 18. Jall er., vormittags lO I hr, bei Herrn ■BMI Wllkc, Anilrcas- Strasse SO, BB1B1I llflitglieder- Versammlung. Tageo-Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1897, L. von der Dampferpartie. 3. VercinSaiigelegenheiten und Verschiedenes. 184/11 yflF' Neue Mitglieder werden aufgenommen."VG Zu gleicher Zeit werden die fäimiigen Mitglieder ersucht, ihren Ver- pflichtungen nachzukommen. Die neuen MitgliedSschleifen können in Empfang genommen werden. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Zmtutlgs-Kxtlttkenkasse her Tischier-Innnng. Ausserordentliche GeneralTersammiung am Mittwoch, de» 31. Juli 1897. abends 8 Uhr, Alte Jakobstraste 75, im oberen Saal. Taaes-Ordnung: Den§ 17, Ziffer 3 des Statuts dahin zu ändern, daß statt drei, ferner nur noch zwei Karenztage bestehen bleiben. 3101b Mit der von der Geniralversamin- lung vom 24. Februar d. FS. be- schlossenen Aenderung soll der§ 17 Ziffer 3 jetzt folgende Fassung erhalten: „Im Falle der Erwerbsunfähigkeit vom dritten Tage der Erkrankung ab für jeden Wochentag, cinschlteßlich der Festtage, welche aus einen Wochentag fallen, drei Fünftel des durchschnitt- lichen Tagelohns, wie dieser zur Zeit in 88 festgesetzt ist, als Krankengeld." Das QuittungSbuch legittmirt. Um recht pünktliches Erscheinen ersucht_ DerBor stand. Tchankgeschäft, Kegelbahn und TaubenbSrse vill. Swinemünderstr. 58. Tanzlehrer- Verein „Solidarität". Den Gewerkschaften und Beremen zur Kennttliß, daß von jetzt ab alle Engagements und Bestellungen nach dem Vercinslokal, N a u n y n ft r. 78, bei Heinrich oder an den Unter- zetchnctcn zu richten sind. 200/3 Hlchard Hartmnnn, Vors., Schönhauser Allee KZ. Eine sehr leistungsfähige Fabrik von Konsnm-irtiilein, welche in jeder Familie täglich ver- braucht iverden, beabflchttgt überall Detail-Gcschäfte zu errichten. 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Hennig, Reichenbergerstr.63a Für die Theilnahme beim Be- grädniß meines guten Mannes und sorgsamen BaterS 3090b August Radtkc sagen wir allen Verwandten und Be- kannten herzlichsten Dank. Besonderen Dank für die ehrenhafte Begleitung seines Chess und seiner Kollegen der Radelfahrsschen Fabrik, sowie dein Verband der in Holzbearbeitungs- Fabriken beschäst. Arbeiter Berlin 1. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung.[30956 Für die zahlreiche Betheiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Schornsteinfegers Hlehard Hcchstedter, sage allen, insbesondere seinen Kollegen, herzl. Dank. Die trauernde Wittwe. Arbeitsnillrtt. Idjtitnj! Stttckateure. Die Lohildifferenzen in der Firma Fabris, Landtagöbau, stnd geregelt. 270/3] Die Lohilkoiuniissio». Druhterlnnen 30946 »eil. sofort Meinhard Borchardt, Beuthstr. 20.__ Geübte Polirer aus Steinnuß- knöpfe verl. Lenschow u. 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