Ar. 162. Abonmmtitts- Kedwgunge«: «bonnementZ- Preis pränumerando! vierleljährl. SL0 Sit., monatt. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei inZ Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag«- Numnier mit illustrtrter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt« 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für 1337 unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erschriick taglich sicher Monlag«. Vevlinev Volksvlakk. 14. Jahrg. Die Inserttons- Gebühr beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel» seile oder deren Raum so Pfg., für PereinS- und VerfammlungZ-Anzsigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« t Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen b>» S Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher:»ml I, Nr. 1608. Telegramm-Adresse! »Solisldrmokrst Srrlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Nartei Deutschlands. ZieditlUi«»: SW. 19, Zi-uty-Stmsie S. HLpedltlon: SW. 19, Wenty-Straße 3: Von der Llakionslitökenfrsüe. Man schreibt uns: Der„Deutsche Volkstag" in Eger lenkt wieder die Auf- merksamkeit aus die nationalen Zwistigkeiten in unserem Nachbarlande. Die gegenwärtige Generation im Deutschen Reiche steht theilnahmslos, ja verstäudnißlos diesen Kämpfen gegenüber. Wir sind national geeint, rein wirthschastliche und soziale Probleme beherrschen bei uns die öffentliche Mei- nung. Wohl finden auch bei uns alljährlich Polendebatten statt, hie und da auch einmal eine Diskussion über dänische Klagen, manchmal vernimmt man auch in unseren Grenzen einen litthauischen Schmerzensschrei. Aber eine große Rolle spielen diese Aeußerungen nationaler Minoritäten nicht. Die Machtfrage für die Nationalitäten ist in den Grenzen Preußens und des Deutschen Reiches längst entschieden und damit ist von der Rechtsfrage keine Rede mehr, nian betrachtet das Anschneiden der nationalen Frage eigentlich nur noch als unangenehme Störung. War dem immer so? Es ist blos den heute Lebenden aus dem Gedächtniß ent- schwunden, daß auch in Deutschland vor gar nicht langer Zeit die nationale Frage die Gemüther beherrschte. Lebhaft wurde gestritten, ob der Weg zur Einheit durch die Freiheit, oder der durch die Freiheit zur Einheit der bessere sei. Und über diesen Streit vergaß man Einheit und Freiheit und heute haben wir weder die Einheit noch die Freiheit. Viele Millionen D eutsch-Oesterreicher, die zum früheren Deutschen Reiche ge- hörten, sind heute außerhalb der Grenzen des Reiches und die 25 Souveränitäten, die wir innerhalb der Reichsgrenzen haben, sind auch nicht gerade die Erfüllung der Einheits- träume der verfolgten Burschenschafter, der Männer vom Hambacher Feste, der Kämpfer von 1848/49. Und wie es mit der Freiheit bei uns steht, braucht in den Tagen, wo die Er- drosselnng der Vereinsfreiheit vom Belieben des preußischen— Herrenhauses und einiger Gefinnungsgenossen des Herrn Bneck abhängt, nicht weiter erörtert zu werden. Aber nicht blos wir Deutsche hatten bis zmn Jahre 1870 unsere nationalen Sorgen. In ganz Europa beherrschte damals die nationale Frage die Gcmüther. Wir erinnern nur an die Kämpfe, die zur Schaffung des einigen Italiens führten, an die UnabhängigkeitNämpfe der Griechen, an die polnischen Aufstände! Wo fanden diese Bestrebungen mehr Sympathie, mehr moralische, materielle und auch physische Förderung als bei den Deutschen! Der romantische Zug unseres Volkes, der sich in diesen Sympathien kund gab, er ist verschwunden. Die Profitwnth der Reichen einerseits, die Roth der arbeitenden Klasse, die wirthschastliche und gesellschaftliche Jnteressensolidarität des Proletariates der zivilisirten ganzen Welt andererseits, endlich eine wenn auch nicht befriedigende Lösung der nationalen Fragen für die innerhalb der jetzigen Reichsgrenzcn wohnenden Deutschen hat das Interesse ati der Nationalitätenfrage bei uns vcr- drängt. In Italien, das gleichzeitig mit dem Deutschen Reiche seine Einianngsbestrebungen zu einem Abschlüsse brachte, er- scheint vielen Politikern und vielen Volksschichten dieser Ab- schlnß nur als ein vorläufiger, zum mindestens den Trentino (Italienisch-Tirol) und Trieft und etwa noch den schweizerischen Kanton Tessin wollen die Epigonen der Garibaldi und Mazzini noch an Italien angeschlossen haben, bevor sie die Einigung Italiens für erfüllt«achten wolle«. Die Frage liegt nur zu uahe, warum bei uns keinerlei ähnliche Strömungen existiren. Die Thatsache unseres Bündilisses mit Oesterreich fällt nicht ins Gewicht, ist doch Italien durch das gleiche Bündniß Oesterreich näher getreten. Das hochindnstrielle rein deutsche Nordböhmen, die Stadt Wien, die Alpenländer mit ihrer uralten Kultur, waren Jahr- hunderte lang mit Deutschland verbunden, ja sie bildeten den Schwerpunkt des früheren deutschen Reiches. Sollte nach dem Besitz dieser Provinzen keinen unserer wirklichen und ein- gebildeten Staatsmänner gelüsten? Das Geheimniß dieser bei unseren„Staatsmännern" sonst ungewohnten Zurückhaltung ist wohl in dem Umstände zu suchen, daß schwere internationale Verwickelungen infolge einer solchen starken Verschiebung des europäischen Gleichgewichtes befürchtet werden müßten, daß Rußland als Hort des Pan- slavismns Einspruch erheben würde gegen die bei dieser Ge- legenheit unvermeidliche Verschlingung slavischer Landestheile durch Deutschland. Die innere Politik des Deutschen Reiches würde durch die gewaltige Stärkung der Zentrums- partei durch die katholischen Deutsch- Oesterreicher und durch die dann nicht zu vermeidende Verstärkung der nichtdeutschen Elemente durch einige Millionen Czechcn aus ihrer protestantisch- konservativen Bahn geworfen werde». Hierzu kommen schwerwiegende wirthschaft- liche Gründe. Das hochindnstrielle Wien und Nordböhmen und die ausgebildete Bergwerksiudnstrie Dcutsch-Oestcrreichs, die österreichische Ueberprodnktion an Zucker und Brannt- wein würden einen schweren Konkurrenzkampf mit Sachsen, Preußisch- Schlesien u. s. w. entflammen, so daß eine großdenlsche Politik dem Interesse unserer Gruben-, Schlot- und Landbarone widersprechen muß. All' diese Gründe zu- sammen, vor allem aber der letzte, erklären, warum die deutschen Provinzen Oesterreichs auf absehbare Zeit von keinem Liebeswerben aus dem Reiche berührt werden. Die Partei, der von der Gewinnnng der deutsch- öfter- reichischcn Landestheile große Vortheile erwachsen würde. die Zentrnmspartci, ist aus konfessionellen Gründen gegen eine derartige Politik. Sie kann es nicht fordern, daß Millionen Katholiken die Beziehungen zu einer katholischen, mit dem Papste sehr eng verknüpften Herrscherfamilie aufgeben, zu gunsten des Eintritts in ein Unterthänigkeitsverhältniß zu den protestantischen Hohenzollern. Daß in national geeinten Ländern, wie in Frankreich und Dänemark, die Natioiialitätenfrage eine andere Rolle spielt wie in der Türkei, Rußland, Oesterreich und Ungarn ist selbstverständlich. In jedem dieser Länder stehen sich eine An- zahl von Nationalitäten gegenüber, die auf verschiedener wirth- schaftlicher Stufe stehen, deren Machtverhältnisse und deren Ein- fluß auf die öffentlichen Angelegenheiten ungleich sind, die um Gleichberechtigung der Sprache und der Nationsgenossen in Schule, Gericht, Verwaltung je. kämpfen. Der Natur dieser wie der meisten politischen Kämpfe entspricht es, daß die Hauptobjekte des Kampfes von kleinlich und persönlich be- handelten Nebensächlichkeiten verschleiert werden. Aber nichts wäre verfehlter, als die Nationalitätenkämpfe als gewöhnlicher Schwindel zu behandeln. Sicherlich wurde und wird die Nationalitätenfrage nur zu häufig von den Machthabern, sei es die Regierung oder die herrschenden Klassen, mißbraucht, um das arbeitende Volk von der Erkenntniß seiner Klassen- läge abzulenken, um Erringnng politischer Freiheit und wirth- schaftlicher Besserstellung zu hintertreiben. Wenn die öffentliche Meinung, Presse und Parlament, das Vereinslcben und die Kommnnalverwaltnngen erfüllt sind von nationalen Streitig- leiten und kleinlichen Eifersüchteleien, dann ist der Boden steinig für den Sämaiin, der sozialistische Samenkörner ans- streuen will. Wir können es aber nicht verantivorten, das uns Unbequeme einfach als blödsinnig abznlhnn, die großen nationalen Bewegungen im Osten und Südosten Europas einfach als künstliche Mache hinzustellen, bestimmt das Volk zu betrügen. Ein solcher Standpunkt wäre ividersinnig, wäre nnhistorisch, widerspräche einfach der sozialdemo- kratischen Gcschichtsanffassnng. Es hieße gerade für die internationale Sozialdemokratie einen der schwerwiegendsten taktischen Fehler machen, wollte sie. die ihr Ziel doch nur durch den gemeinsamen Sieg der Proletarier aller zivilisirten Länder erfechten kann, einfach die großen nationalen Differenzen ignoriren, die in mehr als der Hälfte unseres Welttheiles erst ausgeglichen werden müssen; kein Kenner dieser Verhältnisse wird es bestreiten, daß die Existenz der Nationalitätenkämpfe unseren Siegeslauf hemmt, daß sich diese Kämpfe aber weder in Zeitungsartikeln wegdisputiren noch von einer höheren Gewalt, sei es die eines Kaisers oder des organisirten Proletariats einfach wegdekrctiren laffcn. Und drehen sich etwa, wie vielfach angenommen wird, die Nationalitätenkämpfe blos um Lappalien, um die zu streiten eines aufgeiveckten, politisch gebildeten Mannes nicht würdig wäre? Wir überlassen jedem Leser selbst zu entscheiden, ob es gleichgiltig ist, wenn die russische Regierung strenge ver- bietet und das Verbot(am 13.(30.) Mai 1876) auch aufs strengste durchführt, daß in kleinrnsstscher Sprache Zeitungen, Bücher, ja selbst Schulbücher, Bibeln und Gebetbücher gedruckt, kleinrnssische Theaterstücke ailsgeführt iverden, daß die Schüler in den Lehranstalten und ans der Straße sich der kleinrussischcn Sprache bedienen. Erwägt man, daß es sich hierbei um eine unter der Herrschaft der Zarenknnte lebende Bevölkerung von mehr als M1/» Millionen Einwohner handelt, die in ihrer Muttersprache von keiner Behörde Ans- kunft, von keinem Gerichte ein Urtheil erhalten, die die Gesetze und die amtlichen Kundmachungen, nach denen sie sich zu richten haben, nicht in ihrer eigenen Sprache vcrlantbart erhalten, so muß der Kampf der Kleinrnsscn für die Freiheit und Gleichberechtigung ihrer Nationalität sich als ein Kanipf um die Kultur und die elementarsten staatsbürgerlichen Rechte darstellen, dem gleichgiltig gegenüberzustehen für niemanden möglich ist, der Kenntniß von diesen Zuständen hat. ~ n dem uns viel näher liegenden, ja mit nnS durch ein Bündniß verknüpften Ungarn ist die Lage der nicht magyarischen Nationalitäten nicht viel besser als die der Klcinrnssen. Selbst nach der bis zur Fälschung tendenziösen amtlichen Statistik Ungarns bildet der herrschende Volksstamm der Magyaren noch nicht die Hälfte der Bevölkerung; ans 15 133 494 Einwohner kommen in Ungarn und Siebenbürgen (also ohne die im ungarischen Parlamente auch vertretenen rein slavischen Königreiche Kroatien und Slavonicn) blos 7 356 874 Magyaren. Diesen stehen soniit 7 776 62V Deutsche, Rumänen, Nord- und Südslaven gegenüber! Trotzdem herrscht in Parlament, in Verwaltung, Gerichtsbarkeit und Schule ganz ausschließlich die magyarische Sprache und damit die magyarische Nation. Und dabei giebt es Komitate(Landraths kreise), wie das von Arva mit 84 820 Einivohnern. unter denen sich blos 773 Magyaren befinden, die meist noch dazu blos als Beamte, Lehrer, Richter, Landwehrosfiziere u. dergl. dorthin versetzt wurden. Die 81 600 Slovaken dieses Komitates werden von einer Hand voll magyarischer Beamten, Richter w. regiert, sie sind schon der Unkenntniß der Amts- spräche wegen der unkontrollirbaren Willkür der Regierungs- organe ausgeliefert. Wenn da eine antiniagyarische und„staatsfeindliche" Strö- mung erwacht, wenn die nichtmagyarischen Nationalitäten, vor allem die Slaven und Rumäne», nach Durchführung der durch die Verfassung und das Nationalitätengesetz gewährleistetenGleich- berechtigung der Nationalitäten rufen, so ist das völlig begreiflich. Und wenn alle gesetzliche Agitation und alle Beschwerden an den Monarchen, das Parlament und die Minister frnchtlos geblieben sind, wenn die Willkür magyarischer Richter und Polizisten alle Lebensanschauungen der Slaven und Rumänen tn Presse und Versammlungen zu unterdrücken bemüht war, wenn schwere Strafen jeder Lebensänßerung dieser Nationalitäten gefolgt sind, ist es da erstaunlich, wenn die Angehörigen der unterdrückten Nationen das kirchliche Leben, bei dem die Bethätigung ihrer Sprache nicht eingeschränkt ist, besonders pflegen, daß dann die Geistlichkeit über sie eine un« geheure Macht gewinnt, ja daß sie über die Grenzen schielen, wo ihren nationalen Brüdern die volle Freiheit der Nationalität blüht? Die sich mit ihrem Liberalismus brüstenden Magyaren haben gerade durch ihre brutale Unter- drücknngspolitik die großserbische, die so gefürchtete groß- rumänische, ja auch die panslavistische Bewegung innerhalb der Grenzen ihres Landes großgezogen. Daß sich zuletzt eine solche Politik an dem herrschenden Volksstamme rächen muß, ent- spricht der Entwicklung, welche zu einer Demokratisirung, zu einem gesteigerten öffentlichen Leben und zu einer Bethätigung aller Volksschichten an demselben führt. In Oesterreich ist man nun schon in dieses Stadium der Gegenwirkung gekommen. Hierüber soll ein besonderer Artikel handelst. polikische Aebevfichk. Berlin, 14. Jnli. Wie laiige bleibt der Reichskanzler noch im Amte? Nach der„Köln. Volkszeitung" soll der Kaiser zu den nach Travcinüiide geladenen Ministern und Staatssekretären gesagt haben, Fürst Hohenlohe werde ihn wahrscheinlich im Herbst verlasse». Danach müßte man annehmen, daß der Reichs- kanzler bei seiner letzten Unterredung mit dem Kaiser in Kiel eine solche Andeutung gemacht habe. In einigem Widerspruche mit Münchcner Erklärungen des Reichskanzlers steht diese Mittheilung, aber mit dem Hinweise auf den Zickzack-Knrs lassen sich derartige kleine Differenzen schon verständlich machen. Herr v. Miqnel will, wenn die„Mil. Pol. Korr." richtig berichtet, demnächst eine programmatische Rede halten. Diese Rede soll von den Bielefelder und Kölner Ans- sprachen des Kaisers ausgehen nnd eine nähere Darlegung und Erweiterung der in jenen in den Vordergnind geschobenen Gesichtspunkte bringe». Vielleicht bekommen wir da etwas aus der lange an- gekündigten Schrift des ehemaligen Kommunisten gegen die Sozialdemokratie zn höre». Ist es doch gar schade, daß Herr v. Atiqnel damit noch immer nicht auf den Markt gerückt ist.— Es giebt keine Reaktion!— rufen die Konservativen. Was ist denn so Schreckliches geschehen, fragen sie, daß alle Welt mit einem Male von Reaktion redet, daß selbst die lammfrommsten Leute zornig auffahren? Sie suchen darzuthu», daß das alles blos Gespensterscherei sei, daß die liberale und demokratische Presse nur übertreibe und aufschneide,»ni durch die anziehende Parole„gegen die Reaktion" Stimmung für sich nnd ihre Parteien zu machen. Dieses abgedroschene Spiel aber verfängt nirgends mehr. Die Thatsacheu sprechen auch eine zu deutliche Sprache. Die Vorgänge in der Regierung, die reaktionären Gesetzentwürfe, die schon da sind und die geplant sind, der erste Jubel der Konservativen und Agrarier bei den letzten Minister- stürzen sowie deren laut gewordene Forderiingen— da? alles wird dadurch nicht vertuscht und vergessen, wenn jetzt die konservative Presse in komischer Verstellung so thun möchte, als ob gar nichts geschehen wäre nnd gar nichts zu befürchten sei. Selbst bei den sonst regiernngssreundlichsten Leuten verfangen solche Künste jetzt nicht mehr. Die ganze Mittelpresse ist voll von mehr oder weniger scharfen Angriffen auf die Regierung und ihre konservativen Schleppenträger. Als Beispiel sei zitirt, was„ans nationalliberalen Kreisen", jedenfalls von einem Mitglieds der nationalliberalen Fraktion des Abgeordnetenhauses, den„Rheinisch-Westfälischen Politischen Nachrichten" geschrieben wird und was die„Köln. Zeitung" weiter verbreitet. Dort lesen wir; „Anstatt alle staatscrijallende» Elemente zn sammeln, treibt die Regierung dieselben auseinander. Noch sehen wir heute die Regierung als einen Spiclball der extremsten Elemente der konservativen Partei; Leute wie v. Manteuffel, Graf Kanitz und v. Plötz zeichnen heute der konservativen Partei nnd der Staats- regierung die Richtung vor, nnd die„Kreuz'Zeilung" ist heute das leitende Blatt. Ohne Widerspruch aus der Partei werden von de» Führern und der leitenden Prefle der Partei völlig verkehrsfeind- liche Grundsätze gepredigt. Man höre nur die Reden des Grasen Kanitz nnd des Herrn v. Manteuffel über unsere Wasserstraße,� man lese Herrn Oldenberg's Abhandlungen über den Export- Handel und die AuSsührnngen der„Krenz-Zeilung" über die Auf- gaben der Post, man sehe die Bevorzugung der Vcrwaltnngsbcamten vor der Justiz und den überall in der konservative» Presse sich breit machenden blinden Haß gegen das mobile Kapital, und man wird zugeben müssen, daß das Wort Reaktion heute kein leerer Schalk mehr ist nnd daß ein Paktiren mit solche» Grundsätzen für eine Mütelparlei unmöglich ist. Daß die nationalliberale Partei vor dieser Gefahr von rechts nicht einfach die Vogel-Strauß-Politik treibt und die Augen im Sande verbirgt, sonder» selbständig ihren Weg geht, wird ihr kein verständiger Mann übel nehmen." Das Wort Reaktion ist kein leererSchall mehr,— so sprechen heuer die Nationalliberalen. Die Leute, die je»nd je bis am Knöchel und Knie im Schmutze watend den Regiernnaskarren durch den dicksten Morast der Reaktion gezogen und geschoben haben, sie reden voller Besorgniß von Reaktion. Wie ,veit muß es doch bei uns gekommen sein! Freilich, die Regierung besinne sich ein wenig, nehme das mobile Kapital wieder ein wenig in Ehren auf, gebe den industriellen Mehrwerthschluckern Platz an der Krippe neben den agrarischen Ausbeutern— und das Wort Reaktion wird wieder ein leerer Schall sein!— Streikposten stehen— Grober ttnfngk Der Grobe- Unfng-Paragraph ist aus unscheinbaren Anfängen zu hohen Ehren emporgestiegen. Er, der bestimmt war, lärmende Gassen- buben zu strafen, ist unter der sorgsamen Pflege juristischer Auslegekuust zu einem politischen Strafpara- g r a p h e n ersten Ranges gediehen. Er ist aus politische Aenßernugen in der Presse und durch das Wort augewendet worden. Er bedroht rothe Shlipsc und scharfe Worte, das Boykottiren von Wirthshäusern und das Austragen von Flugblättern. Er verrichtet staatsretterischc Dienste, Ivo der Bcleidiguugsparagraph und der Aufreizungs- Paragraph nicht mehr hinreicht. Und fort und fort steigt er zu noch höheren Würden. Jetzt sollen die Streikposten ausständiger Arbeiter seiner Macht unterthan gemacht werden. In L i e g n i tz hatten die ausständigen Maurer sogenannte Streikposten zur Abhaltung von Zuzug ausgestellt. Die dortige Polizeiverwaltuug verhängte, wie wir schon kurz mittheiltcn, infolge dessen über 20 Arbeiter, die Posten gestanden hatten, Polizeistrascn. Die Betroffenen riefen die richterliche Ent- scheidnng an, und das Schöffengericht sprach darauf Geld- und Haftstrafen ans. Die hiergegen eingelegte Berufung wurde vom Landgericht verworfen. Der Erste Staatsanwalt be- gründete seine Auffassung n. a. wie folgt: „Schon in der Thalsache der Slufsiellung von Streikposten lägen die Merkmale dcS bcnnrnhigendc» Gefühls: 1. der Arbeit- geber; diese müssen sich sagen, daß dadurch ihre Interesse» gefährdet werden, wen» sie beispielsweise jkonlrakte abgeschlossen hätten, diesrlben nicht erfülle» könnten»nd Strafe zahlen müssen; ihre Existenz stehe dadurch auf dem Spiel; 2. der Arbeiter, die arbeiten wollen; bei ihnen werde das beunruhigende Gefühl erregt, daß, ivenn sie den Streikposten in die Hände fallen, sie körperlich oder moralisch abgehalten werden können, iveiterzuarbeiten." Das Gericht schloß sich diesen Darlegungen an. Und was man in Liegnitz vorgemacht hat, soll jetzt in Berlin beim Zimmererstreik nachgemacht werden. Wahrlich ein neues prächtiges Mittel, das Koalitions- recht der Arbeiter zu vernichten! Das 5koalitiousrccht ist ausdrücklich vom Gesetze gewährt. Aber die Mittel, das Recht nutzbar zu machen, werden für strafbar erklärt. Dil darfst streiken, aber Du darfst den Streik uicht zu einer wirksamen Waffe machen! Du darfst andere zum Streik überreden, aber Du darfst nicht dorthin gehen, Ivo die anderen sind! Wohl ist besonders im Gesetze festgelegt, welche Art Einwirkungen auf Arbeitende den Ausständigen verboten sein soll. Bedrohung und Anwendung vou Gewalt sind verboten. Andere Arien der Einwirkung sind also uicht verboten. Das Ausstelleu von Posten ist also nicht verboten. Es ist auch stets und immer geschehen und niemand hat es als ungesetzlich angesehen. Mit einem Male stellt sich heraus: es ist ungesetzlich, es ist„Grober Unfug". Wie konuteu Polizei und Staatsanwälte bisher die niaffenhasten Verfehlungen ungestraft hingehen lassen? Jetzt soll nun die behördliche Jagd auf die Streikposten beginnen.„Der Arbeitswillige muß geschützt werden'— sagt das„BielcfelderProgramm". Und der Staatsanwalt vou Lkgmtz will„das Recht a u f Arbeit" schützen, behindert aber dadurch gleichzeitig das Streben nach besseren Arbeitsbeding» n gen. Man darf wirklich neugierig sein, ob die oberste Instanz diese schier unglaubliche Anwendung des Z 360, 11 billigen wird. Mag sie nur. Nichts kann die heulige Rechts- sprechuiig mehr zerrütten und diskreditiren, als derartige Interpretationen. „Grober Unfug!" Was wird der famose Paragraph noch alles für Abenteuer erleben! Wozu brauchen wir eine lex Recke? Wenn sich Sozial- demokrateu versammeln oder wenn Arbeiter zusammentreten, nm dem Kapital eine Fehde anzusagen— sind da uicht die „Arbeitgeber beunruhigt", ist da nicht derHerr Fabrikant nnd seine Kollegen belästigt? Mau verbiete die Versammlung, man löse sie auf, man bestrafe alle ihre Theiluehmer, sonder Zweifel haben sie„groben Unfug" begaugeu. Was brauchen wir ein Sozialistengesetz, ein Ausnahme- gcsetz gegen die Arbeiter? Jedwede Aeußernng sozialistischer Gesinnung, jedwedes Anslehneu gegen die kapitalistische Aus- beutung ist„grober Unfug" und zu bestrase». Warum geben sich die Staatsretter so viele Mühe?„Das Gute liegt so nahe." Rur schade, daß man mit dem Unsiigsparagraphen die Bösewichte mir ans 6 Wochen in Haft sperren kann. Man muß also das Strafmaß erhöhen und verschärfen. So wird der Staat gerettet werden!— Modergeruch, lieber die Begründima des Schiedsspruches im L i p p e' s ch e n T h r o n f o l g e st r e i t wird milgelheilt: „Der Spruch ist darnnf gegründet, daß in den deutschen gräf- lichen und nenfttrstlichcn Hänsern die Ehe eines männliches Mitgliedes mit einer Dame von niederem Abel ebenbüriig ist und daß für das Haus Lippe kein abweichendes Herkommen, noch ein abweichendes HauSgesetz besteht. Es ist ferner für unerheblich erachtet, ob die Dame von altem Adel in dein Sinne ist, daß eine bestimmte Anzahl Ahnen von väterlicher und mütterlicher Seite nachgewiesen werden. Es ist dahingestellt gelassen, ob alter Adel der Braut in dem Sinne erforder- lich ist, daß sie von väterlicher Seite aus einem Geschlechle stammt, welches seit langer Zeit adlig war. Denn das Schiedsgericht hat angenommen: Seine Erlaucht der Gras Ernst stammt aus der im Jahre 1803 eingegangenen Ehe seines Großvaters mit Fräulein Modeste von Unruh. Diese vielumstrittene Ehe war ebenbürtig. Die Eltern von Modeste v. Unruh waren der königlich preußische Generallientenanl Karl Philipp v. Unruh und seine Ge- niahlin, geb. v. Kanieke. Obwohl das GebnrlSjahr, der Vater und die Mutter des Karl Philipp v. Unruh nicht nachzuweisen sind, so iil ans überzeugenden ihatsächlichen Gründen anzunehmen, daß Karl Philipp v. Unruh ein legitimer Sproß aus bem altadligen Geschlechte derer v. Unruh war. Daß Mobeste v. Unruh Freiiu gewesen sei, »st nicht nachgewiesen. Solches war aber auch nicht erforderlich, denn der vieliimstriltene Brndervergleich der Lippe-Biesterfelder und Lippe- Weißenfelder Linie vom Jahre 174S schränkte die Sukzessionsfähig- teit der Nachkommen aus die Abstammung aus einer Ehe mir einer Gräfin oder Freiin nur bezüglich des diesen Nebenlinien znstehenben Paragiuins ein und erstreckte sich nicht ans die Nachfolg« in baS Land iLippe. Da unbestritten im Hanse Lippe die Primogeniturordnung rfiir die Erbfolge gilt, so schließt Graf Ernst von der Biesterfelder -Linie als der näher Berechtigte die gräfliche Linie Lippe-Weißenfeid «nd die fürstliche Linie Lippe-Schainnburg von der Thronfolge aus." Höherer und niederer Adel, alter Adel nnd junger Adel, genug Ahnen nachzuweisen, ebenbürtig, legitim u. s. f.— welche Klänge! Das ganze Mittelalter steigt heraus und der Zuschauer reibt sich das Auge: Träumte ich, an der Wende des 20. Jahrhunderts zu leben? Der Ra. Jahreskongreft der französischen Arbeiter- Partei, der marxistischen Gruppe des organisirteu französischen Proletariats, ist ausgezeichnet gut verlaufen. Das Wachsthum tind die innere Stärke unserer Bruderpartei wurde in der Sitzung des Kongresses klar dolumeutirt. Wir können den französischen Genossen nur unsere Freude über die Fort- schritte ihrer Bewegung ausdrücken. Wir haben über den Parteitag seiner Bedeutung gemäß sehr ausführlich berichtet. Besonders möchten wir die Aufmerksamkeit unserer Leser ans die hochbedeutsamen Aeußerungeu des Kongresses über die elsaß-lolhnugische Frage und die Orientpolitik in unserm heutigen Berichte lenken. Die Uebcreiustimmung des Proletariats diesseits und jen- scits der Vogesen ist hochbedeutsam für die Entwickelung des Sozialismus. Ki-eaten Britain(sprich: grchter brittin, ein größeres Britannien), dieses von dem Radikalen Dilke geprägte Wort bedeutet ein Programm, das den engen Aneiiiaudcrschluß der Kolonien an das Mutterland, die gemeinsame Vcr- theidigung der britischen Besitzungen und die Schaffung eines'britischen Zollvereins zum Ziele hat. Der gegenwärtige Minister der Kolonien, der frühere Radikale und jetzige Führer der Untonifttn Chamberlain ist auch ein eifriger Verfechter dieses Planes, der die Schaffung eines Reiches znr Folge hätte, das dreimal so groß wäre als Europa und den fünften Theil der Oberfläche der Erde umfassen würde. Bei dem eben statt- gefundenen Jubiläum der Königin Viktoria waren sämmtliche Premierminister der Kolonien erschienen. Sie wurden von der Königin besonders geehrt, alle zu Mitgliedern des geheimen Raths ernannt. Mährend sämmtliche Jnbiläumsgäste London längst verlassen haben, weilen die kolonialen Staats- männcr noch in der Rcichshauplstadt nnd verbringen die Zeit in eifrigen Unlerhaudliingen mit den englischen Staatsmänner». Ileber diese Verhandlungen gab in der gestrigen Unterhaus- fitzung der Staatssekretär für die Kolonien, Chamberlain, die Erklärung ab, die Unterredungen mit den Premierministern der Kolonien im Kolonialamt hätten meist keincii formellen Charakter gehabt, sondern seien nur frenndschaftliche Unterhaltnngcn gewesen. Es sei zwar ein Protokoll auf- genommen, aber eine Veröffentlichung desselben im vollen Umfange werde uicht beabsichtigt. Es sei vereinbart worden, daß seine(Chamberlains) Ansprache bei der Er- öffnuilg der Verhandlungen, die Erklärungen des Ersten Lords der Admiralität Goschen, sowie die in den Versainmluiigen von den anwesenden Vertretern gefaßten Beschlüsse veröffent- licht werden sollen. Ans diesen diplomatische», mehr verschweigenden als erklärenden Ausführungen läßt sich über das Ergebniß der Verhandlungen kein Schluß ziehen. Aber ans Aeußeruilgen einiger Kolonialminister läßt sich schließen, daß die Meinungen über die Chambcrlain-Tilke'schcn Ideale sehr getheilt sind. Die meisten australischen Kolonien sind für einen»engen Verband unter sich, der möglichst nnabhängig von Eng- land sein soll, den engen Reichsverbaud verwerfen sie. Und auch die Anhänger von Gh-satsr Britain sind sich über die Art der Verwirklichung dieses Projektes nicht klar. Viel zu viele divergirende Jntereffen kommen da in Frage, als daß man an eine baldige Verwirklichung dieser Jvce, ein einheitliches britisches Weltreich zu schaffen, denken könne. Damit soll aber die außerordentlich große Bedeutung der jetzt in London geführten Verhandlungen nicht in Abrede gestellt werden.— Ncbcr die Rniwoit der Mächte an den Sultan wird ans Koiistantinopel gewelbel: Hier verlautet, daß in säinrntlichen Aul- wortc» der Großmächte dein Sullau ernstlich angerathen wird, i n der G r e» z s r a g e nachzugeben. Die Antwort deS deiuschen Kaisers habe besagt, die deutsche Regierung werbe die Forde. r»»g des Sultans nochmals erwägen. Die dentsche Regierung habe sodann durch de» Botschasler in Konslantinopel, Freiherrn Saurma v. d. Jeltsch, dieselben ernsten VorsteUungen, in der Grenz- frage nachzugeben, machen lassen. Ter Kaiser von Rußland soll in seiner Antwort mit Repressalien in K l e i n- A s i e n g e- droht haben, wenn Thessalien nicht geräumt werde. Der Sultan hätte geantwortet, er werde suchen, die Fürsprache des Kaisers von Rußland zu berücksichtigen; er lehne aber die Veranlworluiig für die Folgen des Eindruckes ab, den die gänzliche Preisgabe Theffaiiens auf das Volk und das Heer machen werde.— Es ist»och nicht bekannt, welche Entscheidung der gestrige außerordentliche Minister- raih geiroffen hat. Die Opposition des Hofes und der Mininer scheint sorizudauern. Ein« Erregung der Volksniaffen läßt sich nicht feststelle»; nur Ossiziere, Beamte nnd Geistlichkeit sprechen gegen die Preisgabe Thessaliens. Man iiiinint an, daß die Bewegung künstlich genährt wird. Die„Times" erfahren aus Athen vom gestrigen Tage, offiziellen Meldniigen zufolge sei es bei Kandia zu einem ernsthasten Kampfe zwischen englischen Truppen und Baschibozuks gekommen. Dabei seien ans englischer Seile 16 Mann gefallen, während die Baschibozuks eine große Anzahl Todte hatten. Weiter wird be- richtet, daß die Admirale 5 Kriegsschiffe nach Kandia entsandt habe»,»in die Beivegnng der dortigen Mohamedaner zu unter- drücken.— *** Deutsches Reich. — Zentrum n n d N a t i o n a l l i b e r a l e. Auf die AnS- lassung der„Köln. Volkszig.", daß dai Zentrum die National- liberalen bei den Wahlen unter Uiiifländen als daS kleinere Uebel ansehen könne, erwidert der„Hann. Cour.': „Die Auslaffung ist in gleicher Weise interessant für die politische Taktik des Zentrums wie für das Verbäilniß, das augenblicklich zwischen dem Zentrum und der konservativen Partei herrscht.„Wer bereit ist, daS ganze Versaintiiluiigs- und Vereinsrecht der Polizei ans Gnade und Ungnade auszuliefern, der ist auch noch z» Schlininimm fähig— wenn die Zeit gekommen ist", damit charakterisirt die„Köln. Volkszig." die gegenwärtige Haltung der Konservativen. Die„Krenz-Zeitung" und ihre GesinuungSgenoffen werden wenig erbaut fein über diese Gardinenpredigt des Haupt- organs der so heiß umworbenen Ultramontaiien. Uebrigens wollen wir zur Beruhigung unserer Leser inittheilen, daß das ullramontane Blatt sich auch in„beziig auf die Bewerihung des National- liberalismus von jedem Optiinisliius frei weiß." Auch auf nationalliberaler Seile hat sich in der„Bewerthung des Zentrums' keine Schwenkung vollzogen. Wir wiflen sehr genau, daß Zeiitrnm und Konservative wieder Arm in Arm die Bildung des JahrdundertS in die Schranken fordern würden, falls es sich wieder darum handeln sollte, die alte lex Zedlitz(das Schulgesetz) durcdzndrückeu, wenn das Zentrum auch augenblicklich bei der lex Recke-Zedlitz auf der Seite des Liberalismus steht." Gewiß, die nllrawoiilaiieii Dunkelmänner, wenn sie auch jetzt ziemlich weit von den Konservativen abrücken, werben nicht nur bei einem orthodoxen Schulgesetz, sondern auch bei vielerlei anderen reaktionären Dinge» gern wieder Arm in Arm mit den evangelischen Dunkelmännern inarschiren. Nnd mit den nationalliberalen Dunkel- Männern ist es nicht anders. Von den Gegensätzen zwischen den kapitalistischen Parteien darf man sagen:„Was sich liebt— das neckt sich!— — DaS preußische Staatsbahn netz hatte sich, wie die„Verl. Polit. Nachr." inittheilen, von 187» bis Ende 1890/91 theils durch Verstaatlichung von Privalbahnen, lheils durch Eröffnung neuer Strecken von 3193,17 Kilometer auf 24 708,15 Kilometer, darunter 6309,49 Kilometer oder 25,4 pCt. Nebenbahnen mit 3881 Stationen erweitert. Das Anlagekapital bezifferte sich ans 6 393 451 775 M. und verzinste sich i» dem gedachte» Jahre mit 5,26 pCt. In dem Etatsjahre 1897/38 soll die Vetriebslänge 29 137,44 Kiloineler, darunter 9134 Kilometer Nebenbahnen, erreichen. Die Zahl der E i s e n b a h n- S t a t i o n e n betrug bei Schluß des Jahres 1835/96 4520 und war daher von 1830/91 ab um 869 gestiegen. Die Betriebseinnahmen betrugen 1890/91 im ganzen 889 438 153 M. oder 36 014 M. auf das Kilometer Betriebslänge. Sie sind bis 1835/96 auf 1039 420 046 M. oder 33 468 M. ans das Kilometer gestiegen, wobei zu bemerken ist, daß beide Zahlen insofern nicht ganz vergleichbar sind, iveil seit 1894/35 für die Betriebsdienstguter Frachtkosten nicht wehr berechnet werden. An solchen Kosten und am Werth der im Bestände verbliebenen Ali- inalerialien sind am Schlüsse des gedachten Jahres von de» Betriebs- einnahmen im ganzen nicht weniger als 22 394 891 M abgesetzt. Die Einnahme ans dem Personenverkehr stieg in dem bezeichneten Zeitraums von 223 751969 M. auf 273 901 836 M., alio«in 45 149 867 M.. oder aiif das Küiomeler von 9483 ans 10 373 M., also»in 832 M. Die Einnahme aus dem Gülerverkehr stiea oleich- zeilig von 610 047 161 M. auf 697 206 028, also um 87 158 867 M., auf das Kilometer von 24 795 aus 25 893 M. also um 1104 M Ein wesentlich anderes Bild giebt die Eniivickelnng der B e- t r i e b s a u s g a b e Ii. Sie stellten sich 1830/91 auf 553 614 153 Mark oder 22 496 M. ans das Kilometer und stiegen im Jahre 1891/92 aus 601 847 405 M. oder 24 010 M. auf das Kilometer. Sie sind von da ab trotz der Steigerung des Verkehrs stetig gesunken und zwar absolut sowohl als relativ. Sie betrugen 1892/93: 581 052 879 M. oder 22 835 M. ans das Kilometer, 1893/34: 579 163 279 M. bezm. 22 472 M.. 1804/95: 570 523 588 bezw. 21817 M. nnd 1895/06: 569 951 358 bezw. 21094 M. Die Betriebsausgaben haben sich somit um nahezu 3000 Mark oder mehr als 12pCt. ans das Kilometer ermäßigt, während gleichzeitig die B e t r i e b s e i u u a h m c n um nahezu 2500 M. auf das Kilometer gestiegen wäre n. Die Folge davon war eine stetige Z u n a h in e des U e b e r- s ch u s f e S und zwar sowohl absvlut alS relativ. Bon dem niedrigsten Staude des Jahres 1691/32 mit 317 884 260 M. oder aus das Kuoineter 12 650 M. hat sich der Ueberschnß im Jahre 1895/96 auf 469 468 683 M. auf das Kilometer 17 374 M., milhin INN nicht weniger als 151534 429 M. und 4634 M. aus das Kilo- ineter gesteigert. Und zwar ist dabei die Verminderung der Betriebs- vusaaben, wie schon gezeigt, ei»»och erheblicherer Faktor gewesen als die Hebung des Verkehrs.— — Die 44. G e ii e r a l v e r s a m in l u n g der Katholiken Deutschlands wird in diesem Jahre in der Zeit vom 29. August bis 2. September in Laudshut ihre Verathun gen pflegen. Bekanntlich waren die Differenzen des Ortes, an dem der Kongreß abgehalten werden sollte, schwer beizulegen. — Der Abgeordnete Eugen Richter ist in seinem Wahlkreise H a g e n- S ch w e l in von einer sreisiiinigen Vertranens- niänuer-Versamuiliiiig wiederum als Kandidat für die nächste Oieichs- tagswahl aufgestellt worden. Herr Richter ist im Jahre 1393 erst in der Stichwahl gegen den sozialdemokratischen Kandidaten ge- wählt worden. Im ersten Wahlgang erhielt er 9659 Stimmen; ein nationalliberaler Kandidat kam auf 6771 Stimmen, ein Zentrninskaudidat auf 2392, der Sozialdemokrat auf 6914 Stimmen. In der Stichwahl siegle Engen Richter mit 13 060 gegen 8773 sozialdemokratische Slimnien. Der Wahlkampf bei der nächsten Wahl dürfte auch in diesem Kreise sehr hitzig werden.— — Aus d e r F e r i e n k o l o n i e. Von einem Parieigenoffen, der jüngst in Nüstrin znr Landwehrübnng einberufen war, wirb uns mitgetheilt, daß bei der Beendigung der Hebung der Oberst v. Wedel die übliche Abschiedsrede geHallen habe, die in der üblichen Warnung vor de»»„Umsturz' und in liiiern Hoch aus den Kaiser bestand. Eine Wendung aber, die der Oberst gebraucht, ist doch werlh, daß wir sie nütlheileii. Er sagte nämlich: „In einer Zeit, in der das religiöse Leben, daS Familienleben und das Volksleben vou den Irrlehren der A n a r ch i st e n, De- in o k r a t e n nnd Sozialdemokraten vergiftet wird, halte ich es für meine Pflicht, Sie auf den Eid der Treue hinzuweisen. den Sie geschworen haben, treu zu sein dem Kaiser. Iren sich selbst, damit Sie bereit sind, wenn Sie gerufen werden den Kamps zu führen gegen äußere oder innere Feinde,»nd in diesem Sinne fordere ich Sie ans zu einen» Hoch...." Was uns an dieser Soidaten-Rede gefällt, ist die Zusammen- stellung der Demokraten mit den Anarchisten und Sozialdemokraten. Wie schmeckt das den Herren Sonnemann und Richter? Daß der Oberst von„inneren Feinden" spricht, ist nicht ver« wunderlich, obschon die Herren doch eigentlich bedenken sollten, ob nicht so mancher„innere Feind" gerade vor ihnen im bunten Rock steht!- — Zur Aufhebung der Entmündigung d e S F r est h e r r n v. M ü n ch wird uns noch ausführlicher ans S t u t t« gart geschrieben: Die schwäbischeJuristcrei, die sei�einigeii-Jahren durch verschiedene Urlheile ans griind psychiatrischer Gnlachten auch außerhalb der schwarz-rolheii Grenzpfähle sich einen wenig bencideiiswerlheu Ruhm erworben, hat sich heute wieder eine schmähliche Niederlage geholt. Wie im Fall„Hegelmaier", der„ans grund der Aklen" für verrückt erklärt worden war, ging es jetzt auch beim Fall Münch. Frei- Herr v. Münch, der als voltsparteilicher Reichstagsabgeordneter für den 3. schwäbischen Wahlkreis auch in weileren Kreisen bekannt wurde, ist ein Mensch, der in die heutige Well nicht recht hinein- paßt, er ist etwas eigensinnig und hat die heute sehr nachlheilige Untugend, auch hohen Herren«ininal die Wahrheit zu sagen. Er war vor einigen Jahren wegen Beleidigung des Direktors der Würllembergischen Vereinsbank, Geh. Hosralh v. Colin, durch eine Broschüre zu 2 Monaten Gesängniß verurlheill worden. Diese Strafe si'ß er in Rotlenbnrg ab, wobei er alle Vergünstigungen ab- lehnle. Später gab er eine neue Broschüre heraus, durch deren Inhalt sich einige hohe, sehr einflußreiche Gerichlsherren beleidigt fühlien. Die wähllen zu ihrer Sühne aber nicht den Weg des Gerichts, sondern sie veranlaßien eine Begutachtung des Geistes- zustandes v. Münchs. Medizinalralh Köstiin lehnle die Abgabe eines enlscheidende» Gntachlens ab, worauf der Tübinger Psychialer Professor Simmerling ihn einige Wochen in seiner Anstalt „beobachiele" und ihn für geisteskrank erklärte. DaS genügte. Das Amtsgericht Horb beschloß tinlerm 24. Januar 1396 die E n l in ü n d i g» n g v. M ü n ch' S und setzte ihm den Rechtsanwalt Hailer als Vormund zum Betrieb der sehr umfangreichen landwirlhschafllichcn Güter vor die Nase. W ä r e v. M n» ch«in armer Teufel gewesen, so hülle er diese bürgerliche Tödlung„von Rechts wegen" ruhig h i ii n e h in e n müssen, aber Münch Halle Mittel und war nicht der Mann dazu, sich das ruhig gefallen zu lasse». Er nahm, unter- stützt von seinem Geld, alle seine Energie zu Hilfe, fand in dem de- kannten Rechtsanwalt G Pfizer, der vor einigen Jahren alS „des Amtes unwürdig" als Landgerichts- Rath abgesetzt wurde, einen vortrefflichen Vertreter seines Rechts unv nach vielen Mühen in Professor Arndt in Greifswald einen Gegengntachler. Er legte gegen den Beschluß des Amtsgerichts Horb Berusuiig ein, die kürzlich vor dein Landgericht Rottweil zur Verhandlung kam. Das daraufhin verkündigte Urlheil lautet: Das am 24. Januar 1336 vom Amtsgericht Horb gefällte Urlheil, laut welchem Freiherr Oscar v. Münch wegen Geisteskrankheit e n t in ü n d i g t w u r d e. wird hiermit aufgehoben nnd die kgl. Staatskasse zur Tragung sämmtlicher Kosten und znr Uebernahme der dem Kläger durch das Verfahren entstandenen Un- kosten verurtheilt. So müssen auch in diesem Falle wieder die Stenerzaiss-r auZ- fcessen. was auf gruud des Entiuiludignugsverfahreiis die Juristerei eingebrockt hat. Von neuem ist die völlige Unzulänglichkeit des jetzigen Entmnndigungsverfahreus schlagend erwiesen. Wie schon er- wähnt, nur der glückliche Umstand, daß er die ersorderlichen großen Mittel besaß, hat Herrn v. Münch vor dem Schicksal bewahrt, zeitlebens als Entmündigter herumzulaufen.— — Reform der Exekutivpolizei fordert die„Köln. Zeitung" in einer Zuschrift„von sachverständiger Seite" und in Anschluß an die»enlichen besonders schlimmen Uebergriffe eines Polizei-Sittenbeamte» gegenüber einer Dame aus der„anständige» Gesellschaft". Derartige Dinge müssen ja immer erst passire», ehe die„honette" Presse daran denkt, die vorhandenen Uebelstäude zu rügen. Die Abhilfe soll nach der Meinung des Sachverständigen dadurch geschaffen werden, daß die Aufsicht und Kontrolle der Unterbeamten durch die Vorgesetzten verbessert werde. Jetzt würden(abgesehen von Berlin) die Stellen der Polizei- Exekutive bis zum Kommissar und Jnspeklor ans den Reihe» der Schutzleute, der früheren Unteroffiziere besetzt.„Wenn nun auch, fährt der Verfasser des Artikels fort, die Anstellung der Koniniissare gewöhnlich von einer längeren Bewährung im Polizei- dienste abhängig gemacht wird und man auch eine bessere allgemeine Bildung fordert, so ist es doch schon an sich ein recht mißliches Ding, daß diese Stellen so vielfach aus denselben Bewerbungskreisen besetzt werden, wie die der Uutcrbcaniteu, der Schutzleute und Sergeanten. Für den Verkehr mit dem Publikum ist dies deshalb schon bedenklich, weil dasselbe keinen Rückhalt an Vor- gesetzten hat, die die untere» Beamte» auch an Bildung erheblich überragen. Es ist begreiflich, daß manche Kommissare mit einer langen vorangegangenen Uuleroffizierzeit sich zu sehr an ein s ch r o f j e s, kurz militärisches Wesen gewöhnt haben, als daß sie gegenüber dem Publikum den rechten Ton finden könnten. Wie viel berechtigter Unwille und iilergerniß sehr häufig dadurch erregt werde», ist ja bekannt. Daß es auch eine grobe Anzahl aus dem Unteroffizierstande hervorgegangener Polizeikommissare gicbt, die allen Anforderungen im Verkehr mit dem Publikum gewachsen sind, gereicht diesen Herren zu hoher Ehre, vermag aber das Urtheil über das Sristem nicht zu er- schultern. Auch kommt hinzu, daß solche an die strengste Disziplin und Aufsicht gewöhnten Anwärter in eine Stellung gebracht werden, die für sie schon an sich viel zu selbständig und einflußreich ist. Die Folge davon ist nicht selten eine unberechtigte U e b e r- Hebung und ein A e r g e r n i ß e r r e g e n d e r U e b e r m u t h, zumal die Kontrolle meistens nur eine sehr geringe ist oder sein kann." Es wird daher i» der„Köln. Ztg." die Forderung aufgestelll, es möge eine mittlere Karriere eingerichtet werde», zu deren Ergreifung niindestens die Berechtigung zum einjährige» Dienste erforderlich sein müßte; am besten sollten Referendare, die auch„Erfahrung in der militärischen Disziplin" besitzen, und frühere Lieutenants zu jenem Dienste verwendet werde». Wen» so das leitende Exekutiv- beamtenthum auf eine höhere Bildungsstufe und i» bessere soziale Lage und Stellung gebracht werde, so würde» sich bald günstige Wirkungen auch bei den Untergebenen zeigen und„die Mißgriffe, wie fie in letzter Zeit vorgekommen find, würden allmälig zu den Unmöglichkeiten gehören." Der Sachverständige der„Köln. Ztg." muß ein echter Bildungs- Philister und zwar von der spezifischen Sorte des deutschen Bildungs- philisteriums sein, welche nur im Lieutenant den„gebildete» Mann" steht. Die Ausführung des Reformvorschlags würde natürlich an den vorhandenen Uebelständen nicht das geringste ändern. In Berlin ist ungefähr das erfüllt, was der Sachverständige wünscht und sieht es hier denn besser aus? Liegen nicht zum Beispiel eine ganze Anzahl gerichtlicher Urlheile vor über Mißhandlungen in den Polizeiwachen. Das geschah, trotzdem die niittleren Stellen der Polizei-Exekutive nicht ans den Unteroffiziere» rekrntiren. DaS Ucbel liegt ganz wo auderS. Der Geist, der im allgemeinen das deutfcke Beamtenthum erfüllt, der besonders aber im Militär systematisch herausgebildet wird, ist schuld an all jenen, dann und wann auch vom Bürgerthum �unangenehm empfundenen Zuständen. Nicht der Unteroffizier und seine geringe Bildung trägt die Schuld, sondern das System des militärischen Sich-Abschließens und die Durchtränkung de? Militärs mit der Idee, daß es etwas ganz besonderes gegenüber dem gewöhnlichen Zivil sei. Der Durchschnitts-Unieroffizier, der fast unbeschränkte Macht über seine Untergebene» gehabt hat und ein Jahrzehnllnng fast ans schließlich auf dem Exerzierplatz zu lhun hat, wo er den Herr» spielt, kommt in seinem neuen Beruse natürlich leicht zu der Empfindung, daß sei»„kurzmilitärisches" Auftrete» gegenüber dem Pnblikum das allein richtige sei. Und zu solchen Empfindungen kommt natürlich der Lieutenant ebenso wie der Unteroffizier; der Unterschied besteht nur in den Formen, in Aenßerlichkeiten. Wenn eine Reform der Polizei-Exekutive geschehen soll, so muß der Satz, den auch der„Sachverständige" zitirt, ohne ihn jedoch in seiner Bedeutung zu würdigen, zur Wahrheit werde», daß das Publikum nicht der Beamten wegen, sondern die Beamten des Publikums wegen da sind. Dieser Satz steht aber in schroffem Gegensatz zu dem„Geist des Militarismus". der bei uns vorwaltet. Hier also ist der einzige Weg einer gründ- lichen Reform gewiesen.— — Ueberfüllung der Schulklassen. Der preußische Kultusminister hatte vor einiger Zeit eine Versügmig erlassen, worin die Verhütung der Ueberfchreitnng der höchsten Zahl von Schülern in den einzelnen Klassen behandelt ivar. Jetzt sind durch Verfügung der preußische» Provinzial-Schulkollegien die Direktoren sämmtlicher höhere» Lehranstalten angewiesen worden, grundsätzlich jede lieber- schrettung der Maximalzahlen(S0 in VI.»nd V., 40 in IV. und III., 30 in II. und I.) zu verhüten, namentlich aber alle Neuaufnahmen zu unterlassen, sobald durch diese die Höchstzahl einer Klasse über- schritten würde. Diese Maximalzahlen sind noch viel zu hoch. Eine Klasse mit 40 und gar b0 Schülern kann keine angemessene Ausbildung der Schüler gewährleisten. Und wie steht es bei de»„niederen" Lehr- anstalten?- — Pflege der Schule. Aus Wismar wird der„Vosstschen Zeitung" gemeldet: Das mit Stroh gedeckte Echulhaus in Heidekathen, zwei Stunden von Wismar, ist in einer der letzten Nächte ein Raub der Flammen geworden. AlS die Be- wohner erwachten, brannte» das HauS und die benachbarte Scheune bereits lichterloh. Die Schwiegereltern des Lehrers Olto»no der Knecht, die in den oberen Räume» des Hauses schliefen, vermochte» sich nur dadurch zu rette», daß sie aus dem Fenster sprangen. Der zweite Lehrer Wollbrandt wagte gleichfalls de» Sprung ans dem Fenster. Er hatte bereits Brandwunden an Kopf und Händen davongetragen. Sänuntliches Bich ist in den Flammen um« gekommen. So rächt sich denn die greuliche Vernachlässigung der Schul« baute» auf dem Lande zuweilen in sehr böser Weise.— Hannoticr, 14. Juli. Beider heutige» Landtagsersatz- wähl in Linden wurde für den verstorbene» Abgeordneten Barlmer der Kandidat der Nationalliberalen und d e s B» n d e s der L a n d>» i r t h e, lliitlergntsbesitzer Melnecke, mit 140 von 143 abgegebene» Stimmen gewählt. Wie wird sich dieser neueste Fraktionsgenosse des Abg. Krause zur lex Zedlitz stellen? Miiuchc», 13. Juli(Eig. Ber.) Habererprozesse ohne Ende. Von der erste» Slraskammer am Landgericht München II. sind gestern abermals wieder 20 Haberer ans der Ebersberger Gegend ivegen Theilnahme an den« Treiben bei Emmering vom 7./8. Oktober 1833, in ivelcher Nacht auch das Miesbacher Haberfeldtreiben statt- fand, zu einer Gcsammtgefängnißstrafe von 12 Jahre» und 7 Monate» vernrtheilt ivorden und zwar einer zu 1 Jahre 3 Monaten. 9 zu 7 Monaten, 13 zu S Monaten, einer zu 4 Monaten und 2 zu je L Monaten Gesängniß. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen.— — Feindliche Brüder. In einer am 11. Juli in Moosach abgehaltenen Versammlung des Bayerischen Bürger- und Bauernbundes kam es infolge der Polemik zwischen Bündlern und Mitgliedern des Arbeiter-Wahlvereins der Z e n t r u m S p a r t e i zu einem großen Tumult. Der anwesende Polizeikommissar forderte den Vorsitzenden zur Schließung der Versammlung auf. Ulm, 12. Juli.(Deutsches Volksblatt.) In der Feldartillerie- Kaserne wurde unter dem Verdachte der Spionage ein Franzose in Gemeinschaft mit einem Ulmer Einwohner verhaftet. Oesterreich. — Baden i's Rücktritt scheint erwogen zu werden, der polnische Graf selbst soll recht regierungsmüde sein. Der Statthalter (Oberpräsident) von Tirol Gras Merwelt gilt als Nachfolger. Er würde ein politisch farbloses Beamten-Ministerium bilden.— Prag, 14. Juli. Das offiziöse„Prager Abendblatt" meldet, der Statthalter Gras Coudenhove benachrichtigte das Ausstellnngskomitee in Bodeubach/ er könne unter den gegebenen Umständen(Eger!) der Einladung, nach Bodenbach z» kommen, um die Eröffnung der Aus- stelluug vorzunehmen, nicht Folge leisten. Der Mann hat Siecht, könnte er ja doch nicht aus einen freundlichen Empfang rechnen.— Frankreich. — Ucber die kolonisatorischen Fortschritte Frankreichs in H i» t e r i n d i e» meldet eine Depesche aus Saigon: Der Genernlgouvernenr von Französisch- Jndochina ist aus Kambodscha zurückgekehrt; er hat dort die Einführung wichtiger Reformen durchgesetzt. Die Franzosen werden nunmehr den sran- zösischen Gerichten unterstehen, das Eiuzeleigenthnm wird anerkannt, die freien königliche» Besitzungen können veräußert werde»; die königlichen Entschließungen bedürfen der Genehmigung des Gouverneurs. Die Sklaverei wird aufgehoben.— England. London» 13. Juli. Der parlamentarische Unter« s n ch u n g s- A u s s ch u ß betr. den Einfall I a in e s o n' s in Transvaal kommt in seinem Bericht zu folgenden Schlüssen: Was auch die Johannesburger für Rechtfertigung gehabt haben mögen, R h o d e s habe keine für das O r g a n i s i r e n und U» t e r st ü tz e n des Einfalles. Seine schwere V e r- a n t w o r t u n g bleibe bestehen, wenn auch Jameson ohne seine direkte Genehmigung aufgebrochen sei. Rhades habe sowohl die Reichs- wie die K o l o n i a l- R e g i e r u n g in schwere Verlegenheit gebracht, habe einen unerhörten Bruch der internationalen Höflichkeit veranlaßt, habe Lord Rosmead hinter gangen und seine Absichten vor seinen Riitdirekloren und der Kap- Regierung verheimlicht. Von den Direktoren der„Cbartered Company" hätten Beit und Maguire allein von den Plänen Rhades' Keuntniß gehabt. Insoweit Beit Geld für den Einsall beigesteuert habe, müsse er die volle Verantwortung für die Folge» mittragen. Der Ausschuß hält Lord Rosmead, C h a m b e r l a i n und die Unter- s e k r e t ä r e für unschuldig. Bower für schuldig eiuer schweren Pflichiverlctzung, Newton habe gefehlt, aber in geringerem Grade. Der Ausschuß empfiehlt weder ei» Vorgehen gegen Si Hobes und die anderen noch irgend eine b e st i m m t e Strafe. Mr. Sihodes wird sich außerordentlich amüsirt haben, als er den Ausgang der ausgedehnten Arbeiten des Untersuchungs-Ans- schnsses kennen lernte. Aeußerlich ist die Sache ganz ergebnißlos verlaufen. Die Verhandlung in der OeffenIIichkcit ist der einzige Erfolg der ganzen Affäre.— London, 13. Juli. U n t e r h a n S. Im Laufe der Epezial- debatle über die Vorlage, durch welche die Einfuhr von Maaren, die in Gefängnissen angefertigt sind, verboten wird, warf B u r n s Chamberlain vor, er habe bei der zweiten Lesung der Vorlage geäußert, England werde von deutschen, in Gefängnissen angefertigten W aaren ü b e r f l n t h e t. Chamberlain wies diese Beschuldigung zurück und erklärte, er habe im Gegentheil gesagt, die Sache sei von geringer wirthschafilicher Bedeutung, involvire aber ein Prinzip von großer Wichtigkeil, ein politisches Prinzip, und die Opposition würde einen großen Jrrthnm begehen, wenn sie dasselbe unterschätzte.— London, 14. Juli. U n t e r h a n s. Der Zivil-Lord der Ad- miralität Austen Chamberlain erklärt bei Beantragung der zweite» Lesung der Marinebanlen-Bill, daß dieselbe eine Erweiterung des Hafens von Dover bezwecke, nach deren Vollendung der eingeschlossene Hafenranm eine Fläche von 310 Acres bilden würde und' zur Aufnahme von 20 Schlachtschiffen und mehreren kleineren Fahrzeugen geeignet wäre. Der Voranschlag beziffere die Kosten ans 3>/2 Mill. Pfd. StcrI. Die Bill erstrebe ferner eine Vergiößerung der Marinewerften in Hongkong und die Er- richtung eines Wellenbrechers an der Nordscite des Hafens von Gibrallar, durch welchen der Hafen absolute Sicherheil und einen größeren Flächenranm gewinnen ivürde. Auch mehrere andere unter- geordnete Bauten in verschiedenen englischen Häfen und in Colombo würden in der Bill gefordert. Für das laufende Finanzjahr be trage der gesammte Voranschlag 33 000 000 M., von denen 4 000 000 M. für die Bauten in Dover und Hongkong vorgesehen seien. Angesichts der bereits bewilligten Summen sei in diesem Finanzjahre die Ermächtigung zur Aufnahme weiterer Gelder für die Durchführung der Entwürfe unnöthig.— London, 14. Juli. DaS Unterhaus nahm die zweite Lesung der M a r i n e b a u t e»- B i l l ohne Abstimmung an.— Italic». Rom» 13. Juli. Wie die„Opinione" meldet, wird die Unter- suchnng gegen die Anarchisten, welche als Mitschuldige Acciarito's verhaftet worden sind, eifrig fortgesetzt. Erdrückende Beweise seien gegen Cherubino Trents, den Geschäftsführer des sozialistischen Blattes„Avanti", bei welchem sehr komproiniltirende Briesschaflen vorgefunden wurden, gesammelt. Nunmehr steht es fest, meint die „Opinione", daß es sich um ein Komplott handle; es würden noch eine große Anzahl weiterer Verhaflungeu vorgenommen werden. Diese ganze Geschichte ist sicherlich erdichtet, die„Opinione" ist eines der verlogensten Blätter. Man wird bald näheres über den Sachverhalt erfahren. Spanien. Madrid, 13. Juli. Nach einer Depesche aus New-Dork hätten die k u b a n i s ch e n A u f st ä n d i sch e n in der Provinz Havana auf der Flucht vor den Truppen eine D y n a in i t b o m b e zum Explodiren gebracht; 43 Soldaten seien dabei getödtet, SO verwundet worden.— Norwegen. Christiaiiia, 13. Juli. Das S t o r t h i n g nahm mit 59 gegen 54 Stimmen einen Beschlnßantrag des EisenbahnauSschusses an. nach welchem alleinternationalen Vereinbarungen über das Verkehrswesen künftig mit Norwegen für sich allein und nicht gemeinschaftlich mit beiden Reichen ab geschloffen werden sollen. Wieder ein Schritt zur völligen Treniiiing Norwegens von Schweden.— Pa vkei-Vachvichten. Partcipresse. Das Organ der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands„Die Gleichheit" lheilt in ihrer letzten Rümmer mit, daß ihr Inhalt einer Umgestaltung entgegengesührt werden soll. Dies soll in der Weise geschehen, daß der für Artikel bestimmte Raum beschränkt, der Notizentdeil bereichert wird. Hier soll mög- lichft vielseitiges und zuverlässiges Thalsachemnaterial erscheinen über die Arbeits- und LebeiiSbedinguiigen der prolelarffchen Frauen, über den Stand und die Entwickliing der Arbeiteriniien-Orgaiii- sationen im In- und Ausland, über den Stand und die Eat- Wickelung der Franenbewegmig allerwärts, über die Fabrik- inspeklio» ec. ec. Besondere Aufmerksamkeil gedenken wir der sozialen Gesetzgebung zum Schutze der Arbeileriniieii zuzuwenden. Das Unterstiitzilligskomitee für die Familie von Schröder und Genossen giebt für den Zeitraum vom I. Januar bis 1. Juli 1897 folgende Abrechnung bekannt: Einnahmen: I. Januar Bestand......... V• M. 48 964,93 18.„ Ans Essen durch Franzen....... 1,— 1. April Aus Herne durch Adams......-» I.— Summa M. 48 963,33 Ausgaben: Januar: An Unterstützung. Kosten des Wiederaufnahme« Verfahrens, Spesen, Porto........,«- M. 439,50 Februar: desgleichen« 373,80 März: desgleichen» 407,40 April: desgleichen» 432,65 Mai: desgleichen,..,.........»» 618,75 Juni: desgleichen„ 400,40 Einiima M. 2672,50 Einnahme Tl. 48966,93 Ausgaben...... 2 672,50 Bestand. M. 46 294.43 Bochum. 11. Juli 1897. Wolfgang Wunderlich. Wir haben obige Abrechnung geprüft mit sämmtlichen Belegen und bestätigen deren Richtigkeit. Heinrich F i ck e r m a n n- Dortmund. Düppelstr. 4. H e r m. I a u k- Effen, Stoppenbergerstr. 3, II. Von der Agitation. Im Wahlkreise M ü 11 ch e n II haben die Parteigenossen bereits begonnen, für die nächste Reichstagswahl zu agitiren. Im Laufe der letzten Tage wurde durch eine größere Anzahl von Radfahrern eine 23 Seiten umfaffende Broschüre, be- titelt:„Die uferlosen Marinepläne und Wellpolitik-Absichten und ihre Gefahren sür das deutsche Boll", stiede des Abg. G. v. Bollmar in der Sitzung des Reichstages vom 19. März 1897 in Taiisenden von Exemplaren an die Wähler zur Bertheilung gebracht. Jahresbericht der schwedischeu sozialdemokratische» Arbeiterpartei für 189«. Das Jahr 1896 war in Schweden ein Jahr der Streiks und Lohnkonflikte. Schon im März fand der erste große Streik, der des Malerverbandes, statt. Hierbei glückte es den Meistern leider, eine Sprengung deS Verbandes herbei- zuführen und damit die Beeiidignng des Streiks zu erzwingen. Im März und April entwickelten sich ferner Konflikte mit den Hasen- arbeitern» Maurern, Kachclofenarbeitern, städtischen Reinigungs- arbeitcrn und Bautischlern. Ende April siegten die Böttcherei- arbeiter in einem seit Monaten geführten Streik. � Der im Mai prollamirte Hafenarbeilerslreik endigte nach zwölf Tagen Hilter Erringung der Streitpunkte. In de» Pfingstlageu brach der Streik der Stockholmer Straßeiireiiiignugt- arbeiter aus»ud endigte nach vier Tagen mit dem Siege der Arbeiter. Anfang Juni mußten die Rohrarbeiter den Streit proklamiren, da ihre Organisation bedroht war. Derselbe dauerte bis Ende Juli und endigte in einer sür die Arbeiter vorlheilhasten Weise. Um dieselbe Zeit fand ein Grubenarbeiter-Streik in Eskilsluma statt, der schon drohte, eine sehr scharfe Form anzu- nehmen, da Militär dorthin beordert wurde; aber auch dieser Streik konnte Ansang Juli zu gmisteu der Arbeiter beigelegt werden. Am 15. August begann dann der größte und andauerndste Lohnstreik des Jahres, die Aussperruilg der schwedische» Tabakarbeiler, ein Kampf, in dem die Fabrikanten den Versuch machten, die Arbeiter- orgainsatio» zu sprengen. Der Kampf wurde durch einen Kompromiß beendigt, bei dem die Arbeiter in einigen Punkten nachgaben, dafür aber namentlich ihr Organisalionsrecht garantirt erhielten. Aus der politische» Thätigkeit des Jahres sei besonders auf das Eintreten der Sozialdemokratie sür den General st reik auf dem V o l k s r e i ch s l a g erwähnt, um»as allgemeine Stimmrecht zu erlange». Die Resolution gelaugte allerdings mit einer geringen Majorität zur jiblebuuiig, da das Kleiiibürgerthum nicht den Math zu einer so energischen Maßregel halte. Später konzentrirle sich das ganze Parteiinleresse auf die Reichslagswahle» in Stockholm, bei denen eS der Partei znm ersten Mal trotz des jainmervolleil Wahl» gesetzeS gelang, einen Zlbgeordneten dnrchznbriiigen. Todtculistc der Partei. In Magdeburg starb der Ge« noffe M öhrin g. Der 15. Iahreskongreß der franMsche« Arbeiterpartei. Paris, 13. Juli. Zweiter Verhandlmigslag.(Schluß.) lieber den fünste» Puukl der Tagesorduiiug: Der Sozialis- III u s und die a u s Iv ä r t i g e P o l i t i k referirt L a f a r g II e. Die derzeitige Weltlage, so führt er ans. steht im Zeichen der Herrschaft der iulernatioiialcii Finanz. Darin ist der Schlüssel zu suchen sür das Verhalten aller europäischen Regierungen im griechisch-lürkischen Kriege. Die Türkei wird geschützt und Griechenland sucht man die europäische Finanzkontrolle aufzii- zwingen— beides im Interesse der türkischen und griechischen Staalsglänbiger. Bor der Genieiiisamkeit der Interessen der inter- nalionalei! Hochfinanz treten die nationalen Gegensätze in den Hinter« grnnd. Uedrigens hält Redner einen europäischen Krieg für„absolut nuinöglich"— gerade infolge der anßerordeiitlicheii Entivickelnng des Militarismus, der Verallgemeinerung der Wehrpflicht und des verhängnißvolleii Rückschlages eines Krieges ans die Industrie. Die von den herrschenden Klassen geschürten chauvinistischen Eigen- schaften sind lediglich ein RegierungSmittel, gerichtet gegen den Sozialismus. Namentlich ist die Hetze gegen Deutsch- land ein Ausfluß der Klassenpolitik der französische» Bourgeoisie. Die Wiedergeivinniing von Elsab-Lolhriiigen kann ja die französische Bourgeoisie nimmermehr aufrichtig wünsche», indem die elsaß-lolbringische Industrie den französischen Industriellen eine fnrchlbare Konkurrenz bereiten ivürde. Znin Schluß erinnert Lasargue unter lebhaftem Beifall an die Worte, die er an Lieb- knecht ans dem vorjährigen Kongreß von Lille richtete:„Die Hätz der klerikal-opportniiistischcn Chaiivinisten ist nicht gegen die deutschen Kongreß», eilnehmer gerichtet, sondern gegen uns, gegen Delory und den sozialistischen Gemeiiiderath von Lille." Nach kurzer Debatte wird einstimmig folgende, vom National- rath vorgeschlagene iltesolntion") angenommen: „Der Kongreß konstatirt vor den Arbeitern Frankreichs und Europas das Doppelspiel der Regiermigen, die einerseits den Patriotismus ausbeuten und die Völker gegen einander aufhetzen und andererseits sich ziisammenthiiii, um daS kleine Griechenland zum Vorthetl der in der Türkei verpfändeten Finaiizinteresseu z« erdrücken und um im allgemeinen immer einträchtiger den iuter- iiatioualen Schutz der jeweiligeu nationalen Börsianer zu orgauistren. „Dieser Politik des europäischen Konzerts setzt der Kongreß die auswärtige Politik des Sozialismus entgegen, beruhend auf einer -immer intimeren Verständigung und einer immer einigeren Aktion des Proletariats der verschiedenen Länder— zum Zweck der Ersetzung der einander seindlichen Nationen durch die in einer klaffen« und ausbeutiingslosen Gesellschaft wieder versöhnten Nationen." Hieran knüpst sich eine Debatte speziell über die franko- russische Allianz. Keine einzige Stimme erhebt sich für diese Allianz. Insbesondere wird von Lafargne und Daziid (Jstres-Bouches-du-VIhüiie) der reaktionäre Einfluß Rußlands auf Westeuropa betont David«riuiiert noch daran, daß auch die russischen Sozialisten Gegner der Allianz seien, weil dadurch die Macht- stelluug des Zareuthunis im Juiierii Rußlands verstärkt werde. Ei» Pariser Delegirter verweift darauf, daß die Allianz vom Zareiithum lediglich im Interesse seiner Finanzen ansgebeutec werde. Z s v a ö s bringt die Proteste zweier früherer Parteitage gegen die Allianz in Enniiermig. Schließlich wird auf David's Vorschlag ein neuer Protest gegen die Allianz ein- st i in in i g v o t i r t. Zum sechsten Punkt: Die Frau und der Sozialis- inus, begründet Genossin Aline Valette. Mitglied des ') Wir haben in der obigen Resolution«inige Ausdrücke aus preßgesetzlichen Gründen gemildert. NationalrathsS, folgende nach lebhafter Debatte zur Annahme gelangende Resolution: „Die geschlechtlichen Eigenschaften und Lasten der Frau, sowie die Höheren Interessen der Rasse und der Gesellschaft stellen die Frau innerhalb der gegenwärtigen Produktions- und Reproduktions- bevingungeu in eine besondere, von der des Mannes verschiedene Lage. Der Kongreß beschließt daher, ans die Tagesordnung des nächsten Kongresses die Frage zu setzen, ob die Ausarbeitung eines besonderen Frauen Programms»othwendig ist, eines Pro- graunnes,.berechnet ans dey Schutz der Frau, die sowohl als Lohn- arbeiterin.wse.als Frau ausgebeutet, wird.— als Lohnarbeiterin des Ertrages, ihxer. Axbejt heraicht(apf grund der übrigen von der Kammer hereitS abgeschafften Bestimmung des Zivil. Gesetzbuches, rvonach der Mai», Ewuthümer des Arbeitsuerdienstes seiner Frau ist. Anw. des Berichterstatters) und gezwungen, ihre Arbeitskraft und ihr Geschlecht zn verknusen; als Mutter der Frucht ihres Fleisches beraubt, wenn sie verhelrathek ist und von alle» Lasten der außerehelichen Mutterschaft bedrückt, eine doppelte Sklavin sowohl als Erzeugerin wie als Wiedererzeugerin." Diese einseitig- frauenrechtlerische Resolution hat im Kongreß, sowie innerhalb des Nationalrathes heftige» Widerspruch gefunden. G u e s d e und drei Delegirtinnen, Valette, Mink nnd Lehrerin R e n a u d. sprachen für, L a f a r g u e und mehrere andere Redner gegen die Resolution. Die Annahme derselben erfolgte nur deshalb, weil einerseits die Abschaffung der zivilrechtlichen Ungleichheit— der Kern der Resolution— im allgemeinen Parteiprogramm ent- halten ist und andererseits die Ausarbeitung eines besonderen Frauen- Programms auf dem nächsten Kongreß erst der Borfrage unter- morsen werden soll. Die Zlbendsitzung unter dem Vorsitz von Pedrou-Troyes war ausschließlich der Organisationsfrage gewidmet. Es war die bewegteste, aber auch erfreulichste Sitzung. Besser, lebendiger als aus allen Berichten drängte sich dabei dem Beobachter der Eindruck des kräftige» Wachsthums der Partei auf. Die bis- herige Gcsammtorganisation wurde von mehreren Seiten gerade deshalb kritisirt, weil die Partei ans dem alten Rahmen heraus- gewachsen ist. So sind sozusagen urwüchsig die verschiedenen Regional- verbände(Föderationen), entsprechend den deutschen Provinz- nnd Landesorganisationen, entstanden. Die sich häufende Arbeit übersteigt die Kräfte der Zeilralleitung. Diese besteht zwar nuS IS Mitgliedern, wenige derselben sind aber in der Lage, den Verwallungsgeschäften die nölhige Zeit zu widmen. Jndeß werden— hauptsächlich mit Rücksicht ans die bevor- stehenden Wahlen— die zahlreichen Entwürfe, betreffend Abänderung der Gesammtorganisation dem nächsten Kongreß überwiesen. Der weitgehende Entwurf der jungen und meist von jüngeren Kräften geleiteten Föderation der Pariser lliegio» erhielt 27 Stimmen. Angenommen wurden nur folgende nebensächliche, vom Nationalrath beantragten illendernngen: I. Die einzelne» Grnppen sollen auch im Falle, daß sie zu einem Regionalverband sich vereinigt haben, unmittelbar Beziehungen mit dem Nationalralh unterhalte». 2. Um den Nationalrath ein wenig zu entlasten, sollen in Zukunft lokale Kon- flikle durch die Regionalverbnnde erledigt werden. 3. Die Mit- gliederkarten an die einzelnen Gruppe» sollen von dem jeweiligen Regionalverband vertheilt werden,— wie das übrigens thatsächlich bereits eingeführt ist. P a r i S. 13. Juli 1897. Dritter VerhandlungStag. In der heutigen Vormittagssitznng(Vorsitz: Dr. F l a i s s i ö r e, Bürgermeister von Marseille) wurden folgende Beschlüsse gefaßt: I. Vor den Wahlen ist eine Broschüre herauszugeben über die parlamentarische Thätigkeit der Partei. 2. Die Sicherung des Wiedererscheinens des wöchentliche» Zentral-Organs„Le Sozialiste" durch Organisation des Einzelverkaufs mit Hilfe von zunächst KO Partei- Kolporteuren in den verschiedenen Gegenden Frankreichs. Davon erhofft man einen sicheren Absatz von min- bestens 3999 Exemplaren, was zur Deckung der Kosten hin- reichend wäre. In der Nachmittagssitzung(Vorsitzender Lasalle-Lille) entspinnt sich eine heftige Debatte über den W a h l m o d u s für den N a t i o n a l r a t h. Mehrere Delegirte beantragen die geheime Abstimmung an stelle der bisher übliche» Wahl des Gesammtrathes durch Akklamation. Schließlich wird der alte Wahl- uiodus mit 48 gegen 22 Stimmen(bei zahlreichen Enthaltungen) auf- rechterhalten. Hierauf wird der bisherige Nationalrath wieder- gewählt, mit Ausnahme des Abg. I o n r d e, der vorher seine Demission gegeben hatte. An dessen Stelle wird P e d r o u- Troyes gewählt. » Im Anschluß an den Parteitag fand, wie alljährlch eine Kon- ferenz der Gemeinderaths- Mitglieder statt. Nach einem Meinungsaustausch über die von den einzelnen Gemeinde- räthen durchgeführten oder versuchten Reformen wird beschlossen, die Forderungen des Lyoner Mnnizipalprogramms»nablässig, trotz des Widerstandes der Präsekten verwirklichen zu suchen. Von den einzelnen Beschlüssen sei hervorgehoben der Beschluß aus Schaffung eines Bulletins der Föderation der Ge- m e i n d e r ä t h e. In seiner Schlußrede betonte der Vorsitzende Lasalle unter allgemeinem Beifall, daß die Partei ans diesem Kongreß geeinigter und stärker denn je hervorgehe. Mit einem kräftige» Hochruf auf die Partei wurden die drei- tägigen ernsten Verhandlungen geschlossen. GvioevKsthÄftlMzes. Berlin nnd Umgebung. Die Maurer haben jetzt, nachdem der allgemeine Streik für beendet erklärt ist, zahlreiche Einzelkämpfe mit den Unternehmern zu bestehen. Eine Reihe von größere» Baufirmen, welche die Forderungen der Maurer infolge des Streiks bewilligten, haben den Lohn neuerdings wieder herabgesetzt, sind aber auf den heftigsten Widerstand seitens der bctheiligten Arbeiter gestoßen, welche die Zurückziehung der Bewilligung mit eiumülhiger Arbeitsniederlegung beantworteten, so daß einige dieser Unternehmer schon nach einigen Stunden sich genvthigt sahen, die bewilligten Löhne weiter zuzahlen. Andere Firmen, welche es ans einen erneuten Kampf mit den Maurer» ankommen lassen wolle», dürsten ebenfalls, da uuter den Arbeitern volle Einmüthigkeit und Ausdauer herrscht, zur Weiterzahlung des einmal bewilligten Lohnes gezwungen werden. Die Lohnbewegung der Zimmerer gestaltet sich fortwährend günstiger für die Ardeiter. Entgegen den Berichten einiger bürger- lichen Zeitungen, die eifrigst bemüht sind, die Bewegung dtt Zimmerer alS versumpft hinzustellen und die Lohukommission, die den Streik inszenirt haben soll, in der unwürdigste» Weise zu ver- lcumden. kann konstalirt werden, daß die Bewegung sehr gute Fort- schritte macht und an Ausdehnung täglich zunimmt. Am Montag und Dienstag haben über 29 Unternehmer, darunter mehrere große Firmen, die etwa 299 Zimmerer beschäftige», die Forderung be- willigt, so daß zur Zeit zirka 2990 Zimmerer bei über 229 Unternehmern zu den neuen Forderungen ar- Veiten. Als sehr vortheilhast für die Arbeiter ist es zu bezeichnen, daß die Bewegung von Anfang an nicht allzu große Dimensionen annahm, sondern sich nach und nach erst ans- dehnte. Auf verschiedenen Plätzen werden die Forderungen in den- Nächsten Tagen gestellt iverdcn. Auf mehreren Plätzen ruht die Arbeit vollständig oder theilweise und ist daselbst die Bewilligung in den nächsten Tage» zu erwarten. Aus den Bauten von Wertheim in der Leipzigerstraße wird die Arbeit eingestellt� werden, um den Unternehmer zu veranlasse», de» geforderten Stundenlohn anzn- erkenne». Bisher bezahlte der Zimmermeister nur SS Pf. nnd die Mehrsorderung wurde von der Firma Wertheim geleistet. Bei der Firma Held u. Franke ruht die Arbeit, da sich nur ein kleiner Bruchtheil der Bewegung nicht angeschlossen hat, fast vollständig. Berantwortlicher Redakicur: August Jacob.'Y in Berlin. Achtuug» Töpfer! Zuzug ist fernzuhalten wegen Lohn- differeuzen nach Rostock, München, Wilhelmshaven, Braunschweig und Freicnwalde a. O.(Ofengeschäft von Schulz). Die Berliner Kollegen werden ersucht, hierauf genau zu achten. Der Vor- stand des Zentralverbandes der Töpfer Deutsch- l a n d s. Deutsches Reich. Die Lohnbewegung der Malergehilfen in Eberswalde ist erfolgreich gewesen, ohne daß es zu einem Ausstände zu kommen brauchte. Am 26. Mai d. I. wurden dem Vorstande der Maler- innung seitens der Gehilfenschaft behufs Rückautwort folgende Forderungen unterbreitet: 1. Tägliche Ivftündige Arbeitszeit, nnd zivar von 6—6 Uhr mit Pausen von l'/2 Stunden für Mittag und Vj Stunde für Frühstück. 2. Pro Arbeitsstunde einen Minimallohn von 35 Pf. 3. Abschaffung der Akkordarbeit. 4. Abschaffung der Ueberstundm- und Sonntagsarbeit, bezw. Lohnanfschlag von 19 Pf. pro Stunde. S. Für Landarbeit ohne Kost S0 Pf. Lohnaufschlag. Nachdem diese Forderungen seitens der Innung für zn weitgehend erklärt worden waren, ermäßigten die Gehilfen ihre Forderungen auf das Verlangen einer lostündigen Arbeitszeit und eines Minimal- Stundenlohnes von 35 Pf. und machten am 7. Juli der Innung eine entsprechende Eingabe. Zur Vernieidung eines Ausstaudes und einer Geschäfisstörung hat die Innung sich nunmehr mit den Gehilfen aus diese Forderungen geeinigt. Der Kongrest derjenigen GastwirthSgehilfe», die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen, wird, wie die Agitationskommission bekannt giebt, Ende Oktober in Berlin statt- finden. Der Kongreß wird sich insbesondere mit der Organisations- frage beschästige» und wahrscheinlich von der losen, durch Ver- trauensmänner zentralisirten Organisation zur Zentralisation über« gehen. Eine von dem vorigen Kongreß beauftragte Kommission wird in nächster Zeit«ine entsprechende Statuteuänderiiug ver- öffentliche». Im weiteren soll zu dem Mitte März 1393 statt- findende» allgemeinen Kellnerkongreß Slellung genommen und auch bezüglich des versprochenen Spezialgesetzes verhandelt werden. Durch Entgegeiirouinieu der Direktion sind die Differenzen, die zwischen der Betriebsleitung der vormals G. Egestorff'schen Maschinenfabrik in Hannover und den dort beschäftigte» Formern ausgebrochen waren, beigelegt worden. Sämmtliche Wünsche der Arbeiter sind erfüllt. TaS Bremer GewerkschaftSfest, das am Sonntag, verbunden mit einem Festzug(freilich nicht durch die innere Stadt), uuter Be- theilignng von Tausenden von Arbeitern und Arbeiterinnen statt- gefunden hat, ist glänzend verlaufen. Achtung, Maler! In Lübeck ist wegen ausgebrochener Differeuzen Zuzug nach der Werkstätte von Hermann Both, Hüx- straße 7S, einstweilen fernzuhalten. In Delmenhorst sind, wie die„Weser Zeitung" schreibt, 7S3 Arbeiter und Arbeilerinnen der Wollkämmerei in den Ausstand gelreten. Die Arbeiter verlangen höhere Löhne und zwar dem Bernehmen nach die von der Kämmerei eine Erhöhung von 1,89 M. bis 2.S9 M. auf 2,59 M. bis 3 M.; außerdem fordert man besseres Trinkwasser, bessere Ventilation der Arbeitsräume ec. Auch die Int espin nerei ist von der Ansstandsbewegung er- griffe»; 299 Feinspinncr haben hier die Arbeit niedergelegt. Der Ausstand der Textilarbeiter in Crimmitschau bei der Firma Selbmann ist plötzlich beendet, indem die Fabrik am ll. d. M. bis auf die Nmsassnngsmancrn niedergebrannt ist. Der Streik wäre aller Voraussicht nach, da sich viele„Arbeitswillige" gefunden hatten, verloren gegangen. Die Schuhmacher in Nürnberg haben beschlossen, daß, falls in den nächsten Tage» eine Versländigung zwischen den Streikenden »nd ihre» Meistern nicht herbeigeführt wird, auch die Geselle» der anderen Jnnungsmeister die Arbeit niederlegen werden. Ausland. lieber drn belgische» Bergarbeiter- Ausstand entnehmen wir dem„Peuple" folgendes: I» einigen Orlen, so in Frameries, C u e s in e s ist ein Theil der Belegschaft wieder angefahren, dagegen haben bei anderen Zechen weitere Arbeitseinstellungen stattgefunden. Am Sonntag ist eine Delegiriensitzung in W a s m e s abgehalten worden, der 62 Delegirte ans dem Streikgebiete beiwohnten. Beschlossen wurde, einen letzten Versuch zur Herbeisühruug einer Verständigung zu machen mit Hilfe der Aibeiterbeisitzer bei den Gewerbe- und Jndustnekammern. In den nächsten Tagen sollte der Nationalrath des Bergarbeiter-Verbandes einberufen werden. Zwei Abgeordueie werden nach England abgesandt, um von den englischen Gewerkschaften Unterstützung zu erlangen. Das Elend im Sireikgebiet wird immer größer; aller Handel und Wandel liegt darnieder. Die kleinen Handwerker und Gewerbe- lreibcnden gehen ihrem Ruin entgegen. Die Erbitterung gegen den Minister auch in diesen Kreisen ist eine große. In zwei Ziindholzfnbrike» in Grammont(Belgien) ist ein Ausstand nnsgevrochen. dem ganz eigenartige Ursachen zu Grunde liegen: Die eine Firma hatte neue Maschinen eingeführt, die be- deutend mehr leistelen als die früheren. Daher wurden die Löhne der nach Stückzahl arbeitenden Personen verringert, ohne daß diese dabei etwas eingebüßt hätten. Die Folge aber war eine Herab- setznug der Löhne in einer anderen Fabrik, wo die neuen Maschinen nicht eingeführt sind. Als nun die Arbeiter der letzleren ausständig wurden, schlössen sich die Arbeiter der erster«» Fabrik an. Man be- fürchtet eine Ausdehnung der Bewegung aus die übrigen Zündholz- fabriken. Die Achtstundenbewegung der Londoner Maschiuenbaner. Unsere Mitiheilung, daß in London nur 19 Firmen Kündigungen erlassen hätten, war der„Daily Chronicle" entnommen. Dieses Blatt ist nun von den auf Seilen der Unternehmer stehenden Zeitungen wegen seiner Angaben angegriffen, gewissermaßen der Lüge geziehen worden.„Daily Chronicle" antwortet prompt, daß die Fabrikanten ihr tiefes Schweigen brechen und die Mittheilnngen des Komilee's der Arbeiter ja doch nur zn berichtigen brauchten. Das scheint denn nun auch geschehen zn fei»,»nd so theilt die „Daily Chronicle" vom 13. Juli mit, daß nach den Angaben der Fabrikanten in London 39 Firmen mit Kündigungen vorgegangen seien; das Achtstunden-Komitee bleibt bei seinen früheren Angaben. Genaue Zahlen werden erst nach Ablauf der Kündigungsfrist(für die meisten der Dienstag; ist also mittlerweile abgelaufen) gegeben werden können. Das A ch t st n n d e n- K o ni i t e e hat jetzt»in M a n i f e st an das Publikum erlassen. In diesem ist klargelegt, wie die Ein- führnng des achtstündigen Arbeitstages, namentlich für die groß- städtischen Arbeiter, immermehr zur Nothivendigkeit werde schon allein wegen der Wohnnngsverhältnisse. Die tbcueren Miethen drängen den Arbeiter immer weiter hinan? in die Vorstädte, sodaß er einige Stunden auf dem Wege von und zn der Arbeit zn ver- bringen habe. Auch gegen den Einwand der Fabritanten, die Industrie werde durch die ausländische Konkurrenz er- drückt, wendet sich das Manifest. Die englischen Produkte, die hergestellt seien bei hohem Lohn und kurzer Arbeitszeit, seien die besten und die billigsten. Schiffe, wie z. B. der Norddeutsche Lloyd sie braucht, würden in Bremen nnd Hamburg in zwanzig bis zweiundzwanzig Monaten fertiggestellt, in England in kaum der Hälfte der Zeit. Die Ausfuhr von Maschinen nehme ständig zn; von 1376, in welchem Jahre sie 7 Millionen Pfund Sterling betragen habe, sei sie qestiegen bis auf 17 Millionen im Jahre 1396. Daß die englische Industrie, die noch immer den Weltmarkt beherrsche, durch de» Achtstundentag nicht rninirt werde, wüßten auch die Unternehmer; ihnen fei es vielmehr darum zn thun, die Organisation der Arbeiter zu zerstören. Die Deptfordcr Branche der Kesselschmiede. Organisation hat sich gegen den Beschluß des Exekutivkomitee's, nach welchem sich diese Gewerkschaft bekanntlich nicht au dem Kampfe betheiligen will, ausgesprochen. Die„Maschinenbauarbeiter-Union" wird eine Ur- abstimmung ihrer Mitglieder vornehmen über die Frage, ob bei der Kündigung von 23 pCt. der ihrigen auch die anderen 7S pCt. die Arbeitsstätte zu verlassen haben. Dem„Wolff'schen Bureau" wird heute auS London gemeldet; Der Termin für die von den Arbeitgebern des Maschinenbaufaches angekündigte Aussperrung von Arbeitern ist gesten abgelaufen; 149 Firmen, davon 47 in London, sind dabei betheiligt. Etwa 199 999 Man» werden arbeitslos. Nur einige kleinere Finnen haben den Achtstundentag bewilligt. Ein Streik der Nagelschmiede, an dem über 5999 Arbeiter betheiligt sind, ist in dem South Staffordshire und North Worcestershire Distrikt(England) ausgebrochen. Die Ar- bester verlangen eine Lohnerhöhung um 10pCt. Der schwedische Seemannsverei» beschloß eine allgemeine Arbeitseinstellung auf sämmllichen schwedischen Schiffen vom 26. Juli ab. Die Seeleute verlangen einen Minimallohn von 59 Kronen per Monat, den Zehnstunden-Arbeilslag und besondere Bezahlmig von Ueberstunden. Ueber den Bergarbeiterstreik in Amerika wird der„Köln. Ztg." mitgetheilt, daß der Streik schon auf dem Jahreskonvent der Bergleute in C o l u m b u s beschlossen worden sei. In der vom Exekutivkomitee erlassenen Slreikordre werden die Arbeiter gewarnt, sich irgendwo Rnhestörungen zu Schulden kommen zu lassen. Bis jetzt streiken 159 999 Mann. Mnkevttvhntvv-Vevbiittde. Die Zentralisation der deutsche» Wollmärkte, eine Frage, die schon vor einigen Jahren die betheiliglcn Kreise lebhaft be- schästigte, wird neuerdings, wie der„Konseklionär" miitheilt, von den deutschen Wollzüchtern wieder angeregt. Nur wenige Märkte, wie der Berliner, Breslaner, Posener. nnd einige andere Märlte, sollen nennenswerlhe Mengen Wolle zum Verkauf stellen. Dagegen soll das Stattfinden zahlreicher ganz bedeutungsloser Märkte den Käufern nnd Verkäufern unnütze Kosten verursachen und die Kräfte zersplittern. Daher wird der Borschlag gemacht, die Märkte pro- vinziell einzurichten, während früher nur eine Hauptsielle in Berlin empfohlen wurde._ Soziales. Auf dem Schlachtfelde der Arbeit müssen jährlich tauscnde von Arbeitern ihr Leben lassen, aber nicht blos Erwachsene, fondern auch Kinder, die man zu gewerblichen Arbeiten ihrer Billigkeit wegen heranzieht, fallen nicht selten der kapitalistischen Ausbeutung zum Opfer. So wird von Dresden über ein furchtbares Unglück be- richtet, daß bei einem Seifensieder sich ereignete. Ter Hofraum bei demselben, der mit zur Seifenfabrikation benutzt wird, ist in etwa Etagenhöhe überglast nnd war ein Glasergehilfe mit dem Ausbessern des Daches beschäftigt. Zn kleinen Handreichungen hatte derselbe einen fast 13 jährigen Knaben, der in seiner freien Zeit vom Meister des Gehilfen- zu leichten Arbeiten verwendet wird, mit auf dem Dache. Zur Verhütung des Durchtretens lagen ans dem Glasdache auch mehrere Laufbretter. Ans einigen derselben hatte der Knabe ge- standen, war aber vermnthlich abgerutscht, hierbei durch das Dach gebrochen nnd in einen darnnterstehenden, etwa einen Meter hoch mit kochender Lauge gefüllten Bottich gefallen. Wie nicht anders zn erwarten, halte das Kind dabei augenblicklich seinen Tod gesunden. Die herbei- gerufene Feuerwehr mußte, ehe sie die Leiche bergen konnte, erst mit zwei in Thätigkeit gesetzten Schlauchleitungen vom Straßensenerhahn die Lange abkühlen nnd dabei auch den Stand derselben in dem reichlich 3 Meter tiefen Boltich in die Höhe bringen. Hiernach herausgebracht, wurde der entseelte Körper in einem schrecklichen Zustande der anwesenden maßgebenden Behörde übergeben.— Es ist geradezu skandalös, daß zu solchen gefahrvollen Arbeiten gar noch Kinder verwendet werden. Im übrigen wirft daS ganze schreckliche Unglück ein bezeichnendes Schlaglicht auf daS kapitalistische Getriebe. Jede Minute muß ausgenützt werden, damit der Prosit nicht leide. Selbst wenn Arbeiter ans dem Glasdache ihre gefahr- vollen Arbeiten ausführen, darf der Betrieb nicht ruhen. Den Schaden haben dann die betheiligten Arbeiter. Vielleicht giebt der Fall den Behörden Anlaß, vorbeugende Maßregeln zn treffen. Ter Zeutralverein für die Interesse» dcS DetailreisenS, der im Oktober vergangenen Jahres in Frankfurt a. M. ge- gründet wurde nnd der jetzt etwa 509 Mitglieder zählt, hielt am letzten Sonnlag in Erfurt seine Generalversammlung ab. Der entralverein bezweckt i» erster Linie gegen alle Beschränkungen de? etailreisens, ferner gegen alle Beschränkungen der Gewerbefrei- heit zn kämpfen. Zu diesem Zweck sind»ach Möglichkeit Zwei gvereine(Bezirks- und Lokalvereiue) zu gründe». Der Jahresbei- trag beträgt 3 M. Sitz des Zentralvereins ist Bielefeld. Zur Hebung dcS HandtverkS. Die Ulmer Metzgermeister sind, wie man den„M. N. N." schreibt, in große Aufregung versetzt worden, da allen militärischen Fleischlieferanlen von den dortigen Truppentheilen auf 1. Januar des nächsten Jahres die LieferungS- vertrüge gekündigt worden sind. Wie schon i» sehr vielen nord- deutschen Garnisonen soll auch in Zukunft in Württemberg in jeder Garnison die gesammle Lieferung von Fleisch an einen einzelnen Großunternehmer gegeben werden. Auch für andere Lebensmittel sei eine solche Konzentralion des Bezugs geplant und zwar solle alles vom Korpskominando in Stuttgart aus vergeben werden. Nezresrhett«nv letzte MscheiiHlen. Ein erhebliches Schadcnfencr cuistaiid gestern Abend in der elften Stunde in dem Berliner Koufektionsstadiviertel am Hansvoigteiplatz. Mehrere Gebaulichkeiten zwischen Tauben- und Oberwallstraße, worin sich u. a. die großen Lager der Weltsirma B. Manheimer befinde», sind ein Rand der Flammen geworden. Budapest, 14. Juli.(W. T. B.) Der Handelsminister hat an den hiesige» Magistrat einen Erlaß gerichtet, in welchem ausgeführt wird, daß die Streikbewegung der Zicgelarbeitcr darauf zurück- zuführen sei, daß die Arbeitgeber zum»nerlanbten Schaden der Arbeiter auf ihren kEtablisjemcnts Einrichtungen erhalten, welche gesetzlich nnlersagt sind, und daß die Genieindebehördei! dagegen nicht energisch nnd streng vorgehen. Solche Einrichtungen seien Lohnabzüge für kredilirie Lebeusmitiel, nnd zivangsweise Spar- einlagen. Der Minister spricht sein Bedauern darüber aus, daß diese Gesetzwidrigkeiten erst durch die Arbeilseinstellniig an das Tageslicht kamen. Der Ausstand der Ziegelarbeiter nähert sich seinem Ende; iü Altofen ist die Arbeit wieder aufgenommen, in Steinbruch hält der Streik an. Graz, 14. Juli.(W. T. B.) In der heutigen Gemeinderaihs- sitznng erklärte der Bürgermeister, das Präsidium des Gemeinderathcs sei nicht i» der Lage, i» folge der gesetzliche» Bestimmungen die Ge- schäfte im Übertragenen Wirknngskreise einzustellen. Der Genieinde- rath»ahm zwei die Egerer Vorfälle bclreffciidc Resoluiionen a». PariS, 14. Juli.(W. T. B.) Anläßlich des heutigen National» festes herrscht eine lebdnflc Bewegling in der Stadl. Bei schönem Weiter dabei, heute Vormittag die gcii'ödnliche» Kinidgebnnge» vor den Statuen von Straßbiirg, dcr Jean»« d'Arc und von Gauibelia stattgefunden und sind ohne jeden Zivischenfall verlaufe».— Ans de» Proviiizial-Städlcn werden von heule Vormittag glänzende Truppenparade» gemeldet, welche Überall im Beisein großer Zu« sckauerniengen abgehalten wurden. Kanea, 14.'Juli.(Meldung der„Agence Havas".) Gegen- wärtig kommen viele Anssländische hierher,»m LebenSmitlel zum Verkauf zn bringen. Die Michamedaner suchen sie daran zn ver» hinder» nnd sagen, es seien Erzeugnisse, die von den verlassenew Besitznngen der Mnhaniednner gestohlen wurden, dabei schlugen sie einen ihrer Glaudeusgcnvssei,. der von einem Christen eine Traube kaufte. Es herrscht grobe Erregung.) Havanna, 13. Juli.(23. T. B.) Eeneial Weyler hat die im Gesängiiiß von Trinidad iuternirUn politischen Gefangenen frei, gelassen. - Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing i» Berlin. Hierzu 1 Beilage n tliiterhnltnngsblatt. ii.« u. Mm. KilM i>es Jotiöärts" Sttlin« DcksdlM. � MIM. Gemeinde- und Kinderwohlfahrtspflege. Einen nicht unbenchtliche» Beitrag zu der Frage, was die Ge- meinde» für die Kinder aus öffentlichen Mitlei» thnn können und thnn sollten, giebt eine Korrespondenz, die uns aus Gera zugeht und einestheils von den Ferienkolonien, anderntheils von der ge- werblichen Kinderarbeit handelt. Unser Korrespondent schreibt. Die Sitzung unseres Gemeinderathes vom letzten Freitag gestaltete stch insofern zu einer recht interessanten, als die Ne> Präsentanten des honneten und Honneteste» Bürgerthums sich plötzlich vor einen sozialdemokratischen Antrag gestellt sahen, dessen Ab- lehnung sie in eine recht unangenehme Lage gebracht haben würde. Jahre laug hat man die sozialdemokratischen Mitglieder unseres Stadt- Parlaments mit dem Borwurf zu ächten ges ucbl, daß sie prinzipielle Gegner der Bewilligung städtischer Beihilfen für Wohlthäligkcitszwecke feien, weil sie gegen eine Unterstützung bourgoiser Wohlthätigkeitsvereine ge- stimmt haben. Und das thaten sie gewiß mit Recht, denn wen» die Herren sich brüsten wollen mit ihrem großen Wohlthätigkeitssinn, dann mögen sie es aus eigene Kosten thnn. Ein billiges Mittel für de» Prunk mit dieser unechten Strahlenkrone bildete» ihnen bisher die Ferienkolonien. Hierzu bat aber keiner von ihnen einen Antrag auf Bewilligung städtischer Zuschüsse gestellt, die Sache würde ihnen zu theuer gekommen sein. Jetzt steht die Sache aber so, daß der Bor» der freiwilligen Spenden zu versiegen droht, wie dies vielfach so ähnlich ist. Auf der Tagesordnung der letzten Sitzung des Gemeinderaths erschien nun der Antrag, für die Ferienkolonien 1lX>0 M. zu bewilligen, und dieser Antrag hat seit seinem Bekannt- werden einen solchen Beifall gefunden, daß an die Ablehnung trotz aller der gehegten„prinzipiellen Bedenken" nicht gedacht werden konnte, so daß den Anwälten der bürgerlichen Herrlichkeiten nichts anderes übrig blieb, als in den sauren sozialdemokratischen Apfel zu beißen. Nach einer trefflichen Begründung des Antrages durch den Genoffen Vetterlein, in der er die Pflicht der Menschlichkeit gegen die gesellschaftlich zurückgesetzten Gemeindeglieder sowohl wie das allgemein politische Interesse der Gesammtheit an der physischen and moralischen Förderung der jungen Generation hervorhob, ver- suchten auch die Gegner ihr Heil mit der Präzisirung ihrer Stellung- nähme. Zunächst erklärte sich der Kommissionsrath N i tz s ch e, Vorsitzender des Kollegiums, sehr besorgt wegen des prinzipiellen Gegensatzes, in dem der Antrag zu der bisherigen Gewohnheit stände, solche Einrichtungen auf die private Mildlhätigkeit zu stützen; durch die Annahme würde der Gemeinderath die Nothwendigkeir an- erkennnen, die Ferienkolonien auf das städtische Budget zu über- nehmen. Dasselbe sagte Oberbürgernieister Ruick, er erging sich in pathetischem Schwung über das„beneidensiverthe Vorrecht", ivclches bisher der besitzenden Klasse verblieben, für die Ferienkolonien zu sorgen. Er mußte aber eingestehen, daß die Besitzenden einen immer geringeren Gebranch von dem gepriesenen„Vorrecht" gemacht haben, und daß dies in steigendem Maße auch später der Fall sein würde. „wenn der Antrag durchginge." Andererseits konnte er selbst die erforderlichen Opfer nicht zu hoch finden,„obwohl der Beschluß einen prinzipiellen Uebergang aus dem alten Zu- st a n d in e i n e n e lt e Gesellschaft bilde." Das ist zwar recht übertrieben, aber immerhin— was wird Freund Stumm zu diesem„Sozialismus" von der her- oorragendsten Stätte des thüringischen Manchester sagen? In der ärgsten Verlegenheit aber, einen unverfänglichen Ton z» treffen, befand sich der Fortschrittler und Dauerredner Kalb. Er versicherte, daß ein solcher Antrag schon längst gestellt worden wäre, wenn man von der„einen Seite" nicht hätte Widerstand erwarten müssen, wie es bei ähnlichen Vorlagen erfolgt wäre. Dieser Kritik der Thätig- keit der sozialdemokratischen Vertreter begegnete Genoffe H e in p e l alsbald mit dem Hinweis auf die Schulberichte über die g e w e r b s- mäßige Beschäftigung von Schulkindern, an denen der Herr Lehrer Kalb einen gewiffen Antheil hat. Das war ein zweiter Erfolg, denn es erfolgte auf der Stelle die Ankündigung einer Polizeiverordnung gegen dieses Unwesen für die allernächste Zeit. Die Geracr Schnlbehörde hat nämlich im letzten Jahre damit begonnen, eine Statistik über die Erwerbsthätigkeit der Schüler und Schülerinnen sowie deren Begleiterscheinungen anfzustellen. Dabei sind nun sehr schlimme Zustände enthüllt worden Von 4352 Kindern, welche die Schule besuchen, müssen 573 für Lohn frohnden, das sind 13,39 pCt. Davon sind 248 Knaben und 325 Mädchen. Dem Alter nach sind darunter Knaben: 4 3—9 Jahr, 33 9—12 Jahr, 181 12-15 Jahr; Mädchen: 22 6-9 Jahr. 74 9-12 Jahr, 229 12—15 Jahr. Die Art der Beschäftigung ist die gang und gäbe, es finden sich Laufburschen, Semmel- und Zeitungsträger, Kegelaufsetzer, Harmonikamacher, Garnspuler, Tabaksripper, Auf. Wärterinnen und Kindermädchen. Die tägliche Dauer der Be- schäftignng währt von 1 bis zu 8 Stunden; theils müssen die Kleinen schon früh'/s5 Uhr antreten, theils abends bis 10 Uhr sich abmartern. Manche arbeiten vom Morgengrauen bis zum Beginn der Schule, dann mittags von 12—2 Uhr. um 4 Uhr nach Schluß des Unterrichts gehts dann wieder ins Joch, je nachdem bis 6. 7 oder 9 und 10 Uhr. Manche arbeiten nur an einzelne» Tagen, an 3 und sogar 7 Tagen pro Woche waren aber 531 oder 95 pCt. der Gesammlzahl beschäftigt. Täglich nur einmal beschäftigt waren 195 Knaben, 172 Mädchen; zweimal Knaben 42, Mädchen 98; dreimal Knabenil, Mädchen 55. Dieser unerhörten Ausbeutung stehen Löhnungen gegenüber von 10 Pfennigen bis zu 2,50 M. pro Woche; ost bestand die Bezahlung aber lheilweise oder überhaupt ganz in Essen. Kleidern, Schulsachen und dergleichen. Darunter giebt es auch Kinder, die täglich mehr als einem Herrn zu dienen haben, einige der Mädchen brachten eS sogar auf je drei Herrinnen. Der Bericht liefert also«in trauriges Bild über die Lage der Familie», denen diese Kinder angehören. Er hebt aber auch die aus diesen Zuständen für die Schulausbildung er- wachsenden Nachtheile hervor. Es heißt da: Zurückgeblieben bei der Versetzung sind von den 243 Knaben einmal 78, zweimal 27, dreimal 4; von den 325 Mädchen einmal 32, zweinial 26, dreimal 2. 160 dieser arbeitsamen Kinder konnten mithin die erste Klasse erst im 14 Jahre erreichen, 53 erreichten sie gar nicht und weitere 6 brachten es nur bis zur dritte» Klasse. Daß hier nicht Mangel an Fähigkeiten, sondern die physische Erschöpfung die Ursache bildet, beweist wiederum der Bericht, indem er sagt:„Die meisten der unter<3. benannten Kinder zeigten in den ersten Morgenstunden eine fast un- besiegbare Neigung zum Einschlafen; viele sind matt und schläfrig." Eine große Anzahl war am regelmäßigen Besuch der Schule ge- hindert, sogar durch Einschließen wurden einige davon zurück- gehalten. Ein Nachtheil für die körperliche Beschaffenheit der Kinder durch die Arbeit sei schwer nachweisbar, sagt der Bericht, da ohne Zweifel der mangelhafte» Ernährung und den schlechten Wohnungen !in Theil der Schuld zufalle. Immerhin aber verdienen folgende Vermerke, die ziemlich häufig vorkämen, voll- Beachtung: sehr blaß — sehr schwach- wenig entwickelt— ost kratzt und matt- sehr kränklich, fehlt deshalb wöchentlich 2 bis 3 Tage- giebt die Be- schäftigung auf. da sie sich Schaden gethan.- Das sind also die Folgen der Kniderausbentung. die bereits nach der ersten statistischen Ausnahme f-ststehen. Und diesen, durch einen bis ins Unmaß geübten Schlendrian genährten und eingewurzelten Krebsschade» wollen die Stützen dieser famosen Ordnung durch private Wohlthaten bekämpfen. Hieran erinnert wagte man es nicht, den sozialdemokratische» Antrag abzu- lehnen und mit allen gegen eine Stimme wnrde er angenommen. Damit hat der Gemeinderath sich auf den Boden der Anschauung beaeben, daß die Gemeinschaft die Schäden zu heilen habe, die durch ihre Einrichtungen verschuldet sind. Von hier aber bis zu dem An- erk-nntniß. daß der Jugend die Garantie des Staates und der Ge- meinde für eine ungehinderte naturgemäße Entwickelung gebührt, rst kein allzu großer Schritt. Uokales. Parteigenosse» der Provinz Brandenbnrg! Anfang September findet die diesjährige Provrnzial-Partei- konferenz in Berlin statt. Es ist deshalb»öthig, daß baldmöglichst die Wahlkreis-Konferenzen resp. Partei-Versammlunge» einberufen werde», um Stellung hierzu zu nehmen und die Wahlen der Dele- girten zu vollziehen. Angesichts der im nächsten Jahre stattfindenden 3!eichstagswahl. sowie anderer wichtiger Partei-Angelegenheile» wegen, welche zur Verhandlung gebracht werde» müssen, ist es unumgänglich nolhwendig, daß alle Wahlkreise auf der Konserenz vertreten sind. Tagesordnung u. f. w. geben wir noch im Laufe dieses Monats bekannt. Die Agitations-Kommission für die Provinz Brandenburg. I. A.: Karl Dimm ick, Berlin 8. 42, Louisen-Ufer 11. Die Partei-Organe der Provinz werden um gest. Abdruck gebeten. Im vierten Berliner Wahlkreis Süd-Ost findet am Sonn- tag, den 18. Juli, früh 8 Uhr eine Flngblatt-Vertheilung statt. Die Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich und pünktlich an folgenden Stellen einzufinden: Tolksdorf, Görlitzerstr. 53; Trittel- witz, Falkensteinstr. 7; Erbe, Cuvrystr. 25; Beyer, Wrangelstr. 136 (alte Nummer); Bieberstein, Lansitzerplah 12a.; Golz, Grünauer- straße 3; Seidler, Ratiborstr. 16; Brödenfeld, Manteuffelstr. 69 und Streit, Naunynstr. 86. Sozialdemokratischer Wahlverein für den V. Berliner ReichStags-WahlkreiS. Parteigenossen! Die schwache Be- theilignng an unserer politischen Organisation, dem Wahlverein, läßt es nothwendig erscheinen, an Euch zu appelliren, nach dieser Richtung eine intensivere Thätigkeit zu entfalten. Es ist das umso- mehr nothwendig in einer Zeit, wo die Reaktion ihr Haupt erhebt, kühner als je zuvor, die Rechte der Arbeiter nach Möglichkeil zu kürzen und einzuengen. Wichtige Aufgaben haben wir auf poliiischem Gebiete zu erfüllen. Die Propagierung sozialistischer Grundsätze ist die vornehmste Aufgabe des Wahlvereins. Aber auch die im nächste» Jahre stallfindende Reichstagswadl ermahnt uns, jetzt schon eine rege Thätigkeit für dieselbe zu entfalten. Soll der Wahlverein die nöthige Achtung im öffentlichen Leben genießen, dann ist der Masse» beitritt der Arbeiter des 6. Kreises zu demselben erforderlich. Namentlich diejenigen Genossen, welche vor der Zerstörung unserer politischen Organisation Mitglieder derselben waren, wollen aus ihrer Reserve heraustreten und ihren Anschluß wiederum bewerkstelligen resp. in den Zahlstelle» ihre Bücher umschreiben lassen. Ohne regsame Agitation kein Erfolg! Die Zahlstellen befinden sich an folgenden Stellen: Schön- banser Vorstadt: Lietzke, Sckwedterstr. 33; Schmidt, Treskowstr. 22; A u g u st i», Kastanien- Allee I l, und Rieb, Schliemannstraße 48. Nosenthaler Vorstadt: Bach- g ä n g e r, Swinemünderstr. 96; R o s i n, Ruppinerstr. 42, und Hoppe, Ackerstraße 145. Oranienburger Vorstadt: Eugen E r n st, Schwartzkopfstr. 11; Dieke, Ackerstr. 123, und H i l g e n f e l d, Bergstr. 60. Gesundbrunnen: T h n l- m an», Sandstr. 1b; Haferland, Bellermannstr. 87, und H e r r m a n n, Putbuserstraße 45. W e d ding: G l« i» e r t, Müllerstr. 7a; H e i s i n g, Schulstr. 114, uiid Tauschet, Wiesen- straße 23. Moabit: Köhler. Calvinstr. II; Faber. Slephanstr. II; Renfer, Beusselslr. 24. und Johann P f a r r, Puttlitzstr. 10. Der Vorstand. Lokalliste. Der Gastwirth Julius Jsart in Zeuthen, Haiikels Ablage, Seestr. 35(Restaurant„Waldschlößchen") ersucht'«"?, sein Lokal von der Liste zu streichen. Die Mitglieder der Lvkalkommission werden ersucht, bis zum 20. Juli sämmtliche Aendernngen der Lokalliste in ihren Orten an Unterzeichneten einzusenden. Es sei daraus hingewiesen, daß n n r Lokale mit V e r s a m m l u n g s s ä l e n in der Liste auf- geführt werden. Die Arbeiterpresse der Provinz Brandenburg wird um Bekanntgabe gebeten. Die Lokalkommission. I. A.: O s k a r M a h l e. Berlin 8.. Prinzenstr. 3. Efl. l. Die„Freie Volksbühne" feiert am Sonnlag, den 13. Juli, in Weißcusee ihr erstes Sommerfest nach der Nengründung des Vereins. Es ist seitens des Vorstandes und der Ordnerkommission Sorge getragen, dieses Sommerfest zu einem wirklichen Volksfest zu gestalten. Den Besuchern wird gegen ein Entrce von 20 Pf. ein außerordentlich reichhaltiges Programm, bestehend ans Konzert und Gesangs- Aufführungen, Spezialitäten, Kasperletheater, Volks- und Jngendspielen, Preis- Wettkegeln, Land- und Masse rfeuer werk, eineni Tyroler Schützenfest mit Aufführung und Festzug aus der Garten bühne geboten werden. Für Fahr- gelegenheit, Speisen und Getränke ist gleichfalls gesorgt. Billets sind in allen Zahlstellen des Vereins, bei den Ordnern und dem Kassirer, sowie an der Kasse zu haben. Der Vorstand. Die Franeu an der Universität Berlin. Die Zahl der an der Universität hospitirenden Frauen betrug im Sommer v. I. 39, im Winter 95. In den Jahresberichte» der Anstalten und Seminare wird ihrer Theilnahme an den Arbeiten mehrfach gedacht. Unter den drei Frauen, welche sich an den seminaristischen Uebnngen der christlich-archäologischen und epigraphischen Sammlung belhciligten, ist eine Lehrerin der Kunstgeschichte in Amerika. Geh. Rath A. Wagner hebt hervor, daß die beiden Damen, welche sich unter den 46 Theilnehmern seines volkswirlhschaftlichen Seminars befanden, fachmäßig gut ausgebildete Nordamerikanerinnen waren. Auch Geh. Rath Schmoller verzeichnet die Bethciligung einer Dame an seinen Uebungen; eben so waren bei Prof. Sering 2 Frauen im Seminar. Der Literarhistoriker Prof. Erich Schmidt bemerkt, daß„ansnahms- weise" einer Dame(Russin) auf grund ihrer Berner Doklor-Disser- tation die Betheiligung an den Uebnngen der modernen Abtheilung des germanischen Seminars gestattet worden sei; ihre Referate waren die besten. Auch zum romanischen Seminar von Professor von Tobler wurden zwei Fronen alS Hospitanten zugelassen, im Winter sogar vier. In der von Geh. Rath Gustav Fritsch geleiteten mikroskopisch-biologischen Abtheilung des physiologischen Instituts erhielten im Wintersemester die Fräulein Harlmann und Krüger Anleitung zum Zeichnen mikroskopischer Präparate. Und endlich bethätigten sich Damen auch für die Zwecke der zoologischen Sammlung des Museums für Naturkunde: Frau Anna Mntschie-Held und Fräulein v. Zglinicka fertigten Zeichnungen an für Schriften wissenschaftlicher Beamten und für die Schausammlung. Ein kleiner Fortschritt, der sehr zu beachten ist, und die Bor- urtheile gegen das Frauenstndium immer mehr zurückdrängen muß. Ucber die Verhaftung anSländischer Studenten von der technischen Hochschule wird unS heute durch nähere Informationen mitgetheilt, daß 11 der Jnhaftirten innerhalb 24 Stunden wieder frei gelassen wurden. In Haft befindet sich nur ein Student, dessen Freilassung ebenfalls bestimmt erwartet wird. Wie einige Blätter melden, erregt es in den studentischen Kreisen sehr viel Aussehen, daß der seinerzeit in Charlottenburg sehr bekannte russische Student der technischen Hochschule Witscherwin, bei einer Reise in die Heimath von den russischen Behörden in der Grenzstadt Sosnowice in Empfang genommen und auf administrativem Wege nach Sibirien transportirt sein soll. Witscherwin war ein sehr befähigter Mann; er besaß viele Gönner in der hohen Finanzwelt, die sich vergeblich beniühen, seinen Aufenthaltsort zu erfahren. In der Jnnnngs-Kraukenkaffe der Schneider scheint nach einer uns zugegangenen Mittheilung sich die Praxis einzubiirgeni, über die Mitglieder der Kasse Führungsatteste auszustellen. So halte vor kurzem eine Mäntelschneiderin einen Meister wegen rück- ständigen Lohn verklagt und nach geraumer Zeit eine andere Arbeits- stätte bei einem Jnnungsmeister gefunden. Als dieser die Arbeiterin auf der Jnnnngs-Krankenkasse anmeldete, wurde er zur Vorsicht ermahnt, da die Arbeiterin— so hieß es— die Meister verklage. Die Folge dieser Mittheilung war, daß die Arbeiterin wieder ihre Arbeit auf- geben mußte. Zunächst sei bemerkt, daß die Arbeiterin daS erste Mal eine Klage anhängig gemacht hatte und ihr Anspruch für gerechtfertigt erachtet wurde. Sehr entschieden muß aber verurtheilt werden, wenn Institutionen, deren Ausgaben auf anderem Gebiet liegen, Handlangerdienste den Unternehmern leisten und den Arbeiterinnen ein Fortkommen in ihrem Erwerbe erschweren. Den Herren mag gesagt sein, daß mit dem Inkrafttreten der Novelle zur Gewerbe« Ordnung! die Arbeiter sich auch die Verwaltung der JnnungS« Kraiikenkasseii näher ansehen werden und mit solchem Mißbrauch der Befugnisse der Kassenbeamten Kehraus halten werden. Eine Preissteiacrnng für Schweine- nnd Hammelfleisch dürfte auf dem Fleischmarkte denmächst zur Geltung kommen und werden hierfür von fachkundiger Seite verschiedene Ursachen ins Feld geführt. Zunächst wirft die zum 1. September bevorstehende gänz- liche Sperre der russischen Grenze in Oberschlesien, woselbst gegen» wärtig die Einführung russischer Schweine noch an bestimmten Tagen stattfindeu darf, bereits ihre Schatten voraus. Die Einfuhr russischer Schweine war für die Schlachthäuser nnd Fleischmärkte des ganzen Osten vo» großer Bedeutung. Mit Wegfall derselben müssen die für die obcrschlesischen Jndustriebezirke benölhigten Schlachtthiere weiter aus dem Innern des Reiches bezogen werde». Die Folge hiervon ist ein Knappwerden des Schlachtviehes und eine Stetgerung der Preise für dasselbe. In Städte» mit Schlachthauseinrichtnnge», wie z. B. Landsberg a. W., wird die Sperre bereits stark empfunden. Die Viehhändler nnd Engrosschlächter niüssen das Schlachtvieh aus entsernteu Bezirken beziehen. Der Nachfrage nach Hammelfleisch ist kaum Genüge zu leisten, denn Schlachtham»!«! werden immer weniger gezüchtet nnd müssen für dieselben von den Engrosschlächtern eben- falls schon hohe Preise angelegt werde», wie es bezüglich der Schweine schon der Fall ist. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß für Schweine- und Hammelfleisch in nächster Zeit noch ein weiterer Preisaufschlag zu erwarten ist. Dagegen sind die Konjunkturen im Rindvieh- und Kälberhandel ziemlich dieselben geblieben. Den Soldaten der Heilsarmee wird jetzt vielfach von feiten der Gastwirthe das Betreten der Restaurationsräume untersagt, weil die Abgesandten dieser Sekte angeblich in sehr zudringlicher Weise ihrem Geschäftsbetrieb nachgeben. Die Begründung dieser Maß- regel scheint uns wenig stichhaltig, da wir von einein zudringlichen Benehmen oder einer Belästigung des Publikums bisher nichts ge- spürt haben, im Gegentheil oftmals die Gäste ihren Spott treiben. Im übrigen wäre solche Anordnung der Gastwirthe recht kleinlich. Die Tage der großen Laubcnstadt am Zentral-Biehhof sind jetzt gezählt, da mit der Bebauung des umfaugreichen, von der Zorndorfer- nnd Petersburgerstraße, sowie von der Landsberger Allee und der Straße 48 des Bebaunngsplanes begrenzten Terrains noch in diesem Sommer vorgegangen werden wird. Es sind durch das Feld bereits vier breile Straßenziige gelegt worden, mit deren Regulirung man augenblicklich beschäftigt ist. Da, wo diese Straßen- ziige in die Petersburgerstraße münden, erheben sich bereits große und stattliche Eckhäuser. Ans dem Schlesischcn Bahnhofe ist der Bau eines dritten und vierten Geleises in Vorbereitung. In RummelSburg ist den Bewohnern der sogenannten Benmtenhänser, die an der Bahn liegen, bereits gekündigt worden. Ebenso werden die Vorarbeiten für eine Verbindungsbahn zwischen Ruinmelsburg und Kanlsdors, die ans- schließlich für den Verkehr der Vorortszüge der Ostbahn bestimmt ist, eifrig betrieben. Eine Einbrcchcrbande, die den Norden Berlins seit langem unsicher machte, ist jetzt verhaftet. Eine große Menge gestohlenen Gutes wurde vorgefunden nnd den Eigenthümern bereits ausgehändigt. Die Bande bestand aus dem Arbeiter-Ehepaar Spatt- holz, dem mit Zuchthaus vorbestraften Stockmacher Kuhfeldl und seiner Geliebten, der unverehelichten Prcuß. Ueber die Einzelheiten der Verhastnng ging dem„L.-A." folgende Meldung zu: Der Gemeindebeamte Dommaschenz hatte mit seiner Frau in Schöuhaufcn die Hochzeit seiner Tochter gefeiert. Als das Ehepaar heimkehrte, war die Wohnung in der Swinemünderstraße von Dieben vollständig ausgeräumt, nnd die Polizei machte sofort alle Pfandleiher und Trödler daraus aufmerksam, daß u.a. auch der Militärpaß des Bestohlenen abhanden gekommen sei; eS dauerte nur einige Stunden, bis die unverehelichte Prenß, als sie auf jene» Militärpaß hin Sachen zu einem Psandleiher brachte, festgenommen war. Mehrere Beamte begaben sich nun nach der im Hause Swinemünderstr. 30 befindlichen Wohnung, in der die Prenß mit dem im Jahre 1359 zu Breslau geborenen Stockmacher Max Kuhfeldt und ihren drei Kindern wohnte. Man fand dort für etwa 500 M. gestohlene Sachen. Dabei erinnerte man sich, daß Kuhfeldl bis Ende März in dem Hause Putbuserstr. 12 gewohnt hatte, und daß sich dort auch die Wohnung seines Freundes, des im Jahre 1874 hier geborenen Arbeiters Arthur Spaltholz und dessen 1872 geborenen Ehefrau Zinna, geborenen Gebauer, befände. Als die Beamten in der im weiten Stockwerk des ersten Qnergebäudes Putbuserstr. 12 befind- lichen Wohnung Haussuchung halten wollten, wurde ihnen nicht geöffnet. Eben hatte ein Schlosser den Beamten Eingang in die Wohnung verschafft, als eine Frau die Meldung machte, daß Kuhfeldt in das Haus gekommen und in die oberste Etage geeilt sei, wo er die Mielher gebeten hätte, ihm den Bodenschlüssel zu leihen. Kuh- feldl und Spaltholz wurden gefesselt zur Polizeiwache gebracht. Noch waren Kriminalbeamte in der Wohnung mit der Haussuchung beschäftigt, als ihnen mitgetheilt wurde, daß Frau Spaltholz sich im Vorderhause befände und dort einen Unterschlupf zu finden suche. Zlls man sie in ihre Wohnung führte, erschien eine Nachbarin und brachte einen Marltkorb, den ihr die Spaltholz kurz vorher gegeben halte, weil der Steuerbeamte bei ihr pfänden wolle. Man fand in dem Korbe 224 M. baar, einen Revolver mit silbernem Griff, drei goldene Uhren und eine Partie silberner Löffel, die dem Kaufmann Heider am 9. Juli gestohlen worden sind. Bei der Haussuchung in der Kuhseldt'schen Wohnung fand man auch einen Kupferkessel, der aus einem Diebstahl herrührt, desfeut- wegen der Verbrecher im Frühjahr angeklagt war. aber mangels genügender Beweise freigesprochen werden mußte. Alle vier Personen wurden nach dem Polizeigewahrsam am Alexanderplatz und nach längeren Vernehmungen nach dem Nntersuchungsgefängniß in Moabit geschafft. Der in einem Gefangenen-TranSporttvage» dem Stadt- Voigtei- Gefängnisse am Zviolkenmarkt zngcfühue Handelsmann Isidor K versuchte beim Verlassen des Wagens anf dem Hofe des Gefängnisses zu entfliehen. Vor dem Hause Propststraße 7 wurde er jedoch durch einen unbekannt gebliebenen Mann festgehalten und durch den Wagenführer nach dem Stadtvoigtei- Gefängnisse zurückgebracht. Lärmende Anstriite entstehen jetzt jeden Abend in der Elsasser- straße, namentlich in der Gegend der Berg- und Ackerstraße. Die Polizei bemüht sich in diesen Straßen, dem Zuhälterwescn nnd die Ansammlung dieser Burschen zu hindern. Dabei kommt es dann nicht selten zu heftigen Austritten. Am Dienstag Abend stellte ei» Sittenbeamter eine Dirne und wollte sie zur Mache bringen. Die Angehaltene widersetzte sich nnd schlug mit dem Schirm anf den Beamten ein. Sofort kamen andere Dirnen nnd Zuhälter und nahmen gegen den Beamten Partei. Diesem kamen dann«ine Anzahl uniformirte Beamte zu Hilfe, wobei es einen förmlichen Kampf um die Dirnen gab. Gegen 10 uniformirte Schutz- rnciimer zogen blanl imb bildeten einen Ring um die übrigen Beamten. Dttseschob man dann mit der Sistirten in eine Gepäckdroschke, die »es Weges kam und angehalten wurde, und drei Beamte, die sich zu rhr setzten, brachten sie dann zur Revierwache mn Koppenplatz. Tie vcrstitmmelte Leiche, über deren Auffinden wir am letzten ��5"''st»»zwischen als die eines junge» Berliners, des ISiährige» Malergehilsen Eick-nbett, Ekalitzerstr. 25, ermittelt worden. Der junge Mann hatte am Sonntag vor S Tagen mit einem Freunde eine Segelpartie auf der Oberspree unternommen. Ber dem m de» Abendstunden hereinbrechenden Sturm kam das Boot unweit Stralau zum Kentern. Der junge E., der ein guter Schwimmer war, rettete sich zuerst und war nach Aussage seines Freundes im Begriff, das Boot wieder zu besteigen, als er plötzlich vom Schlage getroffen zurückfiel und in die Tiefe sank. Die Leiche des Unglückliche» ist dann von den Dampfern mehrere hundert Meter weit— biS Wilhelminenhof— fortgeführt. Ciue weibliche Leiche, die schon fast vollständig in Ber« wesung übergegangen war, ist am Dienstag Nachmittag auf einem Kornfelde hinter dem Grundstück Landsberger Allee 93 aufgefuude» worden. Wahrscheinlich ist die Unbekannte, während sie als obdach- lose Person dort nächtigte, vom Tode auf dem freien Felde über. worden. Zur Feststellung der Persönlichkeit könne» nur noch die Kleider einen Anhalt geben: schwarzer Rock, graue Taille, grauer Unterrock, leinenes Heind, schwarze Strümps«, blaue Schürze, schwarzer Umhang und Kuöpsstiefel. Eine» Selbstmordversnch machte am Montag Abend die 30 Jahr- alt- Frau des Genre- und Landschaftsmalers M. v. O. ans der Lessingstrnße. Das Ehepaar, das aus dem Bahnsteig/z Meter tief«vie Asche ist. Hafer»nid Gerste leiden fürchterlich, de«' Roggen ist nolhreif geivorde««. Frisch gemähte, höher gelegene Wiesen versengen,«vährcnd die Spreeiviesen««Itter noch nie dagewesenem Hochivasser leiden. Sie sind alle»»gemäht geblieben, das GraS steht unter l—VU Meier hohem Waffcr und ist ver- dorbe». Auch in der Uckermark ist feit Ende Mai kein durch- dringender Regen gefallen. Klee und Heu sind»mar reichlich unb tadellos u»t«r Dach gekoniuien, doch«vird die Hoffnung ans das Gedeihen des Sonnnergctreides von Tag zu Tag geringer. Bei Kartoffeln«wd Runkel» kann selbst ein ausgiebiger Rege«« den Schaden nicht«nieder gutniachei«. Die Steinplah-Nngelcgcnhcit in Charlotteuburg scheint Ii«»« endlich zur Erledigung zn koinine». Der a» der Berliner Ge- «ncindegrenze gelegene Platz ist ans de» Namen des Kominissions- rachs v. H. im Grundbuch eingelragen und dieser hatte, da der Platz zu einen, öffentliche» bestimmt«var, gestattet, daß aus dem- selben Anpflaiiznnge» angelegt«vürden. Darüber, ob v. H. auch die»»entgeltliche Abtretung des Terrains an die Etadtgeineinde Charlotteuburg in Ansstchl gestellt hat,»vird gestritte»; jedenfalls repräsenlirt der Platz einen' bcdentenden Grnnd- und Bodeniverlh und als>n» Jahre 1896 die Ergänzungssteiler veranlagt, vnrde, zog der Charlottenburger Magistrat Herrn v. H.»nit �/s pro Mille von de»» Werthe des Platzcs zu dieser Steuer heran. Die unmittelbare Folge«var. daß v. H. die Entfernung der Anpflanzungen forderte und den Platz einfriedigle. Nach lange», Streite»»nid Schreiben ist man nun mit Herrn v. H.«vegen Ueberlassnng des Platzes i» Unterhandln»» getreten, der de«, Charlottenburger Steuerzahlern ei», schiveres Stück Geld kosten»vird. Sozisse Moch/kspftege. Engagement zur AnShilse. Ter Tischler W., der bei der Chesebrongh Maniisnktnriiig Koinpany beschäftigt»var,«vnrde ohne vorherige A»«skündig»»g entlasse». Er klagte deshalb beim Geiverbegericht«nit den« Antrage, ihm eine Lohn- entschädignng für vierzehn Tage zuzusprechen. Der Vertreter der Beklagten«vandte ein, W. sei nur„ans Aushilfe" cngagirt »vorde». Er brachte auch einen Zeugen bei, der aussagte, er habe de» Kläger ausdrücklich zur Aushilfe engazirt. Die Kaminer IV des Ge»verbegerichls vernrlhcilte indessen die Beklagte zur Zahlung von 46 M.nnd erklärte für ansschlaggcbend.daßKläger thatsächlich 6Monate in, srngliche» Betriebe lhätig«var. Der Vorsitzende Dr. Geich führte ans. die Slnssage des Zeuge» sei für d»>rchans glaubhaft befunden «vorde», jedoch habe sich das ursprüngliche AushilsSverhältttiß durch die über de» Rahme» eines solchen hinausgehende längere Daner der Bcschästigiing verändert, sodaß faktisch ein festes Arbeitsverhällniß zustande gekoinmen sei. Kraukciipflegcriuiiki» und Gcwcrbcgericht. Gegen de» Chirurgen Pnderbach und den praltischcn Arzt Tr. Lasker klagte beim Geiverbegericht eine Krankenpflegerin auf Zahlung von 165 M. Diese. Summe«var ihr«ach«md nach vom verdiente» Lohn als Kaution znrückbehallen worden. Die Beklagten behaupten, das Geld habe der Klägerin nur ausgezahlt iverden solle»,«venu sie drei Jahre in ihren Dienslen bliebe. Da dies nicht geschehen sei, habe Klägerin keinen Anspruch darauf. Anßerdcm betonten die Beklagten, daß sie überhaupt keine» Geiverbebetrieb bältcn. Die Kammer VI des Geiverbegerichls Holle darauf eine Aus- knnft des Polizeipräsldiunts ein. Danach«st das Institut der beide» Heilkundige», die Spezialisten für Haulkrankheite» sind, nicht als private Krankenanstalt anzusehen. Keinen, von beiden ist die für eine solche ZI, istalt erforderliche Konzesfio» erlheiltivorden. Da sie nnr Sprechstunde» abhalten und nicht Kranke beherberge», bält die Polizei eine Konzession auch nick« für„ölhig. Ter Gerichtshof«vies mi« Rücksicht aus diese behördliche Aeußernng die Klägerin»vegcn 11» z»»- st ä n d« g k e i t des Gewerbegerichts a b. Tie Anlprnche von Kraiikeiipflcgerinnen ans einen« Aibeilsverhältnisse gehör len nur dann vor das Fornm des Geiverbegerichls.«ven» dies Verhältniß ein gewerbliches Arbeitsverhällniß sei, d. h. iven«, sie in eine», Geiv erbebetriebe gearbeitet hätten. Eine Privat- Kranken- anstalt könne«vohl ein Geiverbebetrieb fein, die Abhaltung von Sprechstunden durch Aerzte sei«iidessen nnr als Ausübung der Heilkunde und nicht als Betrieb eines Gewerbes anzusehen. Gevichks-Jettimg« Mit einem Meineidsptozest schloß die letzte Sitzung des Sch»v»«gerichts vor de» Gerichtsferiei«. Aus der Untersuchnngshaft «vurde ber Kaufma«», Franz H o f f in a n«> vorgeführt, ein junger Man», der einer achtbaren Familie entflammt und kürzlich bei einem hiesigen Gardereaitnent als Einjähriger gedient hat. Er fungirte bei einer MagdevurgeXLellschrist als Jnseratenageut und soll nun mehrere» hiesigen und austvärtigen Geschäftsleute» versichert haben. daß von jeder Brauche immer„ur ein Inserat in der Zeitschrist Aufiiahuie fände. Nach der Anklage sollten>bn« daraushi» die Geschäfts- inbaber Jnserate»nler der ausdrückliche» Bedingung des Koiikiirreiiz- ansschlusfcs ausgegeben haben. Gleichtvohl bescknvor der Angeklagte in dem Zivilprozeß, den der Verleger der Zeitschrift ans Zahlung der veriveigerten Jnsertionsgebühre» gegen einen Inserenten an- strengte, daß Konkurrenzausschlnb nicht bedungen«var. In der Ber- Handlung bekundete der Inserent unter seinem Eide das Gegenthcil. Der Vertheidiger, Rechtsaninalt Leop. Meyer, ließ die Verleger an- gesehener Zeitungen, für die der Angeklagte früher getvirlt.als Leninnnds- zeugen vernehmen und sie bestätigten, daß der Angeklagte Nets ei» Mnster von Korrektheit, Zuverlässigkeit und Geivissenhaftigkeit gewesen sei. Der Staatsnntvalt beantragte das Schuldig wegen Meineides,«vogegen der Vertheidiger behauptete, daß man vor einen, psychologischen Räthsel siehe. Er könne sich nicht erklären,»vie ei» Man» von Bildung, makelloser Vergangenheit und anerkannter Pflichttreue plötzlich zu einem Verbrechen des Meineides herabgesnnken fei» solle. Es«»ttfse ein Mißverständniß z, vischen den Kontrahentei, obivalten. Zur Prüfung der Frage, ob die Auffassung de» Angeklagte«, oder diejenige des Zeuge» von dem Inhalte der Abmachungen die richtige sei. müsse man nothivendig die vor dem Vertragsschlusse geivechselten Worte kennen, die heute nicht geuan hätten«viedergegeben«verden können. Die Sache sei»»indestens nicht aufgeklärt«»«V schon aus diesen« Grunde ein freisprechendes Urlheil geboten. Die Geschworenen vernein«» die Schuldsrage, woraus der Angeklagte freigesprochen und sofort auf freie» Fuß gesetzt»vurde. Tie Dheilnahmc am Fortbildungsunterricht kann nach der Gcwerbe-Ordnuiig für Arbeiter und Lehrlinge uiiter 13 Jahren durch die Gemeinden erzivunge»»Verden. Der Schlachtermeistcr Ficns«var beschuldigt»vorden, sich gegen ein Ortsstatut seiner«vest« preußischen Heiinalhsgemeinde vergangen zu haben, das alle Geiverbe-Unteriiehmer verpflichlet, ihre Arbeiter:c. unter!3 Jahren in die vom Staate als Fortbildungsschule anerkaniite Unterrichts- anstalt der Stadt zu schicken. Und zwar«vnrde sei» Vergehen darin ge- sehen, daß er seinen eigenen, sünfzehn Jahre alten Sah» nicht zun« Besuch der Fortbildungsschule angehalten hatte. Er protestirte gegen das Slrafuiandat,«nit dem man ihn bedacht hatte, und ver- laugte richterliche Entscheidung. Sein Sohn sei nicht als sein Arbeiter anzusehel», dem« er hätte ihm nnr ein klein«venig ans Langenveile beim Schlachten geholfen. Das Schöffengericht sprach darauf Ficus frei, iuden« es seiner Auffassung des Begriffes „Arbeiter" beistiminte. Die Staatsanivaltschaft legte»nnmehr Be- rufung ein und erzielte von der Strafkammer die Vernrtheilung des Aiigeklaglen zu einer Geldstrafe. Der junge Mensch habe an mehr als 6 Tagen dem Vater geholfen; er sei deshalb als geiverblicher Arbeiter im Sinne der Geiverbe-Ordnung anzusehen. Ficns senior «vandte sich jetzt a» das Kannnergericht und machte zur Begründung seiner Revision geltend, die Voroussetziiiig jeden Arbeitsverhältnisses sei ein Arbeitsvertrag. Ein solcher müsse auf gegenseitiger Willens- Übereinkunft beruhen, und die fehle in« vorliegenden Falle. Die Hilfe seines Sohnes»väre nur eine zufällige geivesen. auch habe sie dieser nur geleistet,»veil er sich»«»terhalten«vollte. Der Oberstaatsanwalt an» Kannnergericht«var jedoch derselbe«, Meinung,«vie der Border- richter. Es genüge für die Annahme eines Arbeitsverhällnisses im Sinne des Gesetzes, daß der junge Mann von« Baler«vie ein gewerb- licher Arbeiter beschäftigt»vurde. Der Strafsenat des Kammer- gerichts hob nbe'r die Vorentscheidung auf und«vies die Sache zn nochnialiger Verhandlung in die Vorinstanz zurück. Ei» geiverb- liches Arbeitsverhällniß liege nur dann vor,«venu zwischen de», Arbeiter und den» Arbeilgeber«in Vertrag zu stände gekoinme«, sei. Schriftlich brauche dieser allerdings nicht abgeschlossen«verde», er könne auch durch konkludente Handlungen zu stände komme««. Ob dies der Fall geivesen sei, müsse die Strafkammer»achprüsen. Z» was für Koiiseqiicnze» der beabsichtigte Ausschluß der Minderjährigen ans Versaminliiiigcu führen kann, das läßt eine »eueste Enlscheidung des Kammergerichts deutlich ahne». Zum Schutze der Sittlichkeit hat der Landrath eines preußischen Kreises angeordnet, daß Personen unter 17 Jahren sich nicht an« öffenllichei, Tanz betheilige» und nicht während desselben«m Tanzsaal aufhalten dlirfen. Im Tanzsaal eines Gastivirths Tieze hatte» sich nn» unzweifelhaft jüngere Leute anfgehalle», obwohl er Plakate angebracht hatte, diejdie Ausschließung derselbe» bekanntgebe». Das Schöffengericht sprach ihn denn auch von der Zinklage frei, die fragliche Polizeiverordnung ver- letzt z» habe». Ans die Berufuiig der Staatsanwaltschaft ver- »lrtheiite ihn jedoch die Strafkainnier zu 10 M. Er legte Revision ei», und verwies ans den Aushaiig des Plakats. Er könne, so »»einte er, nicht in jedem Falle entscheiden, ob die jungen Leute schon oder noch nicht siebenzehn Jahre seien. Eine niundliche Aus- fordcrung zu«» Verlassen des Saales«vürde auch nicht»»ehr»ühen. Das Kannnergericht wies die Sievision«nit der Begründung zurück, daß der Gaslivirth auf jeden Fall hält« Vorkehrnngen treffen müssen, die den Besuch der Leute unter 17 Jahren verhinderte»,. Daß eine Entführung»»» Sinne des§ 237 des Str.-G.-B. schon dann vorliegt,«venn jeinand an demselben Orte in eine andere Behausung aebracht«vird, hat das Reichsgericht in eine«,, von der „Deulscheil Juristen- Zeitung"«nitgelheiltei« Erkemilniß anS- gesprochen. Der verheirathete Angeklagte hat mit einen« »liiidenährige«, Mädchen ein Liebesverhältniß angeknüpft«nid das Mädchen geschlechtlich mißbraucht. Ihre Eiter«, hatten sie, n,n den Einfluß des Angeklagten zu breche», zu Verwandten »ach C. gebracht. Der Angeklagte«var aber dorthin gekommen und hatte mit den, Mädchen eine Ziisaniiiienkuiift in einem Gasthofs- zinimer herbeigeführt. Um den Bemühungen der Verivandte», das Mädchen«vieder zurückzuholen, zu entgehen, hatte der Angeklagte das Mädchen dann in einen anderen Gasthof gebracht niid dort mit ihr übernachtet. Er«vnrde«vege» Enlsührung bestraft. DaS Reichsgericht bestätigte das Urlheil aus folgenden Gründe»: Der in«§ 237 gebrauchte Ausdruck„Ort" sei nicht als andere Ortschaft zn verstehen,«vie die Revision behaupten«volle. Dafür biete«veder das ältere Recht noch die herrschende Meinung oder die Literatur einen A»- hallspimkt. Die einzige bestehende Kontroverse habe die Frage behandelt, ob auch ein Znriickhallei« an eine», bestimmt«, Orte als Eulfährimg gelten könne. Auch der Zweck des Gesetzes, Schutz der Rechte der Ellern oder des Vornnindes gegen die Eni- feriiiing einer Minderjährigen aus deren Geivalt, spreche gegen die Deutung._ VevsÄMnttirnsen. In der Versammlung deS Verbandes der Vnchbinder vom Montag hielt Hansen eine» Vortrag. Der 2. Punkt der Tagesordiiiiiig: Rbrechuuiig verschiedener Vergnüguiigei« förderte eine Tisknssio» zn tage, die die Ausgaben für zu doch hielt; man«var der Meinung, die Vergnüglingen in fernerer Zeit etwas einzuschränken. Das Streikregleinent, das von der biesige» Ber- waltung ausgearbeitet ist,«vird angenommen. Unter Verschiedenem «vnrde ei» Herr Kronseld, der sich eine dreifache Unterschlagung z>« schulden kommen ließ, aus Antrag der Bevollmächtigten ans dem Verbände ausgeschlossen. Allgemeiner deutscher Tapezirerderei»(Filiale Süd). In der Milgliederversaninilnng am 6. Juli sprach Kollege Leo Schmidt über: Das koninuinistische Manifest. A» der Diskussion belheiligten sich die Kollegen Bechert, Friedmeier und Sander. Unter Vcreinsangelege,«heilen wird die Einigungssrage besprochen. Anlaß dazu gaben die Beschlüsse der beiden letzte» Versaiinnlungen des Fachvereins. Ter Arbeiterverein von Stralau RummelSbiirg und Ilm- gegcnd hielt an« 7. Jnli feine Generalversaininlinig ab. AIS I. Piiiikt, Abrechnung vom II. Quartal, verlas der Kassirer den Kassenbericht«nie folgt: Bestand vom I. Quartal 169,49 M. Ein- nähme 105 M.. Ausgabe 113,79 M., bleibt Bestand 160,70 M. Dem Kassirer«vnrde Decharge erlheilt. Bericht des BibliolhekarS: Es«vnrden im verflossenen Vierteljahre 18 Bücher anS der Verein?- bibliothek verliehen. Zu Punkt 3: Wahl von Beitragssainiuler», wnrde» für 3 Beitragssa»»»ler, welche ihr Amt als solche nieder- legte», ebenfalls 3 neue Beitragssammler gewählt. Nachdem noch verschiedene Komninnal-»nid A-reii,sangelegenheiIe>« geregelt«vareu, wnrde die Versammlimg geschloffen. Zcutralvcrband der Konditor««. I» der Generalversaun»li»ig vyn« 8. d. Nils, gab der Vorsitzende eiuen Bericht über die Thätig- teil des Vorstandes,»velcher gntgeheiße»«vurde. Es erfolgte dann die Neinvahl des Vorstandes,»velcher sich wie folgt zilsauimensetzt: I.Vorsitzender Stoil, 2. Vorsitzender Birkl, Kassirer Ente, Schristsührer P i g n s ch, Revisoren W e i ß e n st e i n»i»d Hasen- tamp, Bibliothekare Haase»i»d Schmidt, Stelleiiverniitleliing W e« ß e n st e i i« und Zeituiigsspeditenr K a b i t s ch. Nach der Ver» lesung des Kassenberichts, wonach ans der Jlnii-Abrechnung ein Bestand von 72.17 M. vorbanden ist,, vurde der Kassirer entlastet und nach Erledigung einiger Vereinsangelegeiiheilen die Versammlung ge- schloffen; die nächste findet an, 22. Juli statt. Der Verci» Berliner Droschkenkutscher nah«» in feiner vierteljährlichen Mitgliederversanimlung für das ziveile Quartal nach üblicher Ehrung der verstorbenen Mitglieder K e d i n g, Hein, R e»«i e b a r t h, S ch l e n S» e r und M i e h l den Geschäftsbericht I für die gedachte Zeit durch den Vorsitzenden Knütter«nt- geqen. Nach deniselben wurden im Vereinsbureau 139 Pro- lokolle in allen das Droschkeugewerbe betreffenden Augelegen- beiten angefertigt, sowie 394 Sorrespoudenzen erledigt. Im Fnndburcau wurden 370 Fnudsache» eingeliefert, hiervon 20 reklaniirl und für diese 394,35 M. Finderlohn gezahlt. 110 schrifl» liehe Anfragen, Fundsachen betreffend, gclangien an das Bureau. Die Zahl der Mitglieder ist um 49 gewachsen und betrug am Quartalsschlüsse 877. Das Gesannntvcrmögcn belief sich am ge- »annlen Zeitpunkte auf 3255 M. Nachdem der Vorstand entlastet worden war, gelangten ausschließlich interne Vereiiisangelegenheitcn zur Verhandlung, aus denen zu erwähnen ist, daß der Verein am Freitag, den 23. Juli, seine übliche Zkrcmser-Landpartie veranstaltet. In Aussicht genvmmeu ist die Brauerei Pichelsdorf. Eiuc vou über 1500 Pcrsoucu besuchte Gcncral-Ver- sammluug der Filiale II dcö Verbandes deutscher Maurer tagte am Sonntag, den 11. Juli in iteller's großem Saal. Der Verbandsvorsitzende B ö m e l b u r g sprach über die Einwirkung der Verbandsorganisalion auf die Lohukämpfe der deutschen Maurer. Er führte ungefähr solgendcs ans: Der Zentralverband habe schon in diesem Jahre 30 Streiks siegreich zu Ende geführt. Die Bewegung hat sich größer gestaltet, als in de» Jahren 1888—1890, die Kämpfe seien intensiver und heftiger, aber auch besonnener geführt ivorden, als in jener Zeit. Dies sei vor allem den Einflüssen der Organisation zuzuschreiben. Besonders nutzbringend hat sich die Bc- stiimnnng erwiesen, die Streiks vorher anzumelden. Diese Einrichtung sei nicht neu, sie existirte schon vor der Verbandsgründung. jedoch kann sie nur in der heutigen Form der Organisation zur vollen Geltung gelangen. Hierdurch ergiebt sich die Zeit und Gelegen- heit, gemeinschaftlich mit den Kollegen des betr. Ortes die Sitnation nochmals zu prüfen, planlos in Szene gesetzte Streiks zu vermeiden und den geführten Lohnkämpfen kraft der besseren und umfassenderen Erfahrung der zur Leitung bcauflragteu Kollege» zu einem glücklichen Verlaufe zu verhelfen. Die geregelte, statutarisch festgelegte Streik- und Reiseunterstützung ist ein weiterer Faktor zum siegreiche» Ver- laus eines Streiks. Wenn früher aller Streiks verloren ging, so ist durch den heilsamen Eingriff der Organisation zu ver- zeichnen, daß die Zahl der verlorenen Streiks auf ein verschwindend kleines Minimum zusammengeschrumpft ist. Weiter ist zu erwähnen, das, wir zur Deckung unserer Lohnbewegungen nicht mehr in solch hohem Maße den Klingelbeutel in anderen Gewerkschaften zu schwenken brauche». Wenn wir heute nur SpCt. der Unterstützung von anderen Berufen bedurften, so kann festgestellt werden, daß der Prozentsatz dieser Gelder sich 1889 auf 40 pCt. belief. Das Obligatorium des„Grundstein" ist ei» nicht zu unter- schätzendes Erziehungs- und Vilduugsmiltel, welches Aufklärnng unter die deutschen Maurer bringt und das beste Mittel ist, den Zuzug nach Orten, wo Lohnbewegungen stattfinden, fernzuhalten. Nach diesen Klarlegungen ging Redner ans die spezielle» Verhältnisse Berlins ein. Er meinte, daß es endlich an der Zeit wäre, durch eine stramme Organisation der Willkür des Unternehmcrthums wirksam entgegenzutreten. Wolle man den theuer erkämpften Neun« slundentag und den Stundenlohn von 30 Pf. auf die Dauer er- halte», wäre eine Einigung der hiesigen Maurer unumgänglich nothwendig. Und zwar solle man nicht warten, bis es vielleicht zu spät sei. Von Seiten der Unternehmer wird mit aller Macht daran gearbeitet, um das Errungene wieder zu entreiße»; den Anfang macht man mit dem Arbeitsnachweis, welcher be- zweckt, nur Kollegen in Arbeit zu bringen, welche den Arbeitgebern passe». Die Kämpfe werden in Zukunft erbitterter und ernster werden. Angesichts der Situation dürfte die Einigung der Berliner Maurer nicht an einzelnen Personen scheitern. Alle Kollegen haben ein Recht und die Pflicht, für dieselbe einzutreten. In der Diskussion bewegte sich der Kollege G r ö p p l e r in de» Ausführungen des Referenten. Silbe rschmidt führte ans. daß sich oer Gedanke der strammen Zentralisation i» ganz Deutschland durchgerungen habe. Warum das gesammelte Geld nach einer Zentral- stelle kommen müsse, wenn eine regelrechte Vertheilung platzgreifen und dieBewegung gedeihen solle, habe heute schon jeder erkannt. Wersich noch heule der Einigung entgegenstelle, habe die Verantwortung zu tragen, wenn uns die schwer erkämpften Forderunge» wieder entrisse» würden. Er forderte die Anwesenden auf, den Geist der Zusammen- gehörigkeit in alle Herzen der uns Fernstehenden zu tragen. Jeder Streit über die Form der Organisation habe zu unterbleiben, an- geflchts deffe�i, daß 43 000 deutsche Kollege» die Form gezeigt, in welcher zu arbeiten ist. Redner forderte noch auf, daß die Verbands- kollegen den Unternehmern. welche sich Abzüge erlaube», streng entgegentreten. Nachdem noch einige Vereinsangelegenheiten geregelt, wurde durch ein kräftiges Hoch die imposante Versammlung geschlossen. Die Vereinigung der Maler nnd verwandten Bcrnfö- genossen(Filiale Berlin I) hielt am Dienstag eine General- Versammlung ab, wo der Kassirer zunächst die Abrechnung vom letzten Quartal erstattete. In der Debatte wurde zwar von einer Seite die angeblich nicht gründliche Zievisio» bemängelt, ein Autrag des Kassirers auf nochmalige Revision aber abgelehnt und somit die Kassensnhrung gut geheißen. Nun folgte eine längere Debatte über den vor einiger Zeit gefaßten Beschluß, betreffend die Verschmelzung aller in Berlin bestehenden Filialen der Vereinigung, mit Ausnahme derjenigen der Lackirer. Es wnrde von alle» Redner» abfällig beurtheilt, daß die Filiale Nord allein sich gegen die Ver- schinelzung sträubt. Andererseits gab man der Hoffnung Aus- druck, daß die widerstrebende» Kollegen im Norde» sich über kurz oder lang von der Nützlichkeit der Verschmelzung über- zeugen und derselben beitreten würden. Hierauf wurde die Neuwahl des Vorstandes für die vereinigten Filialen vollzogen. welche folgendes Resultat ergab: Nicolai. Vorsitzender. Köln. 5kassirer, Degries, Schriftführer. Nowusch nnd Fechner. Beisitzer. Zu SHevisore» wurden N e u m a n n und Unger bestimmt nnd in die Beschwerdekoinmission Pliß, Fleischer und Gesser gewählt. Für die Dekateure tagte am 13. Juli eine öffentliche Versammlung in der Alten Jakobsir. 83, in welcher Genosse W a l d e ck M a n a s s e einen Vortrag hielt über„Götter und Götzen". Ter hiernach erfolgte Rechenschaftsbericht der Vertranensmänner wies eine Einnahme von 36.95 M. gegenüber einer Ausgabe von 80,75 M. auf, sodaß ein Bestand von 6.20 M. verbleibt. Der Vertrauens- man» wurde entlastet; eine Wiederivahl lehnte derselbe entschieden ab. schließlich wurde Freiheit, Rixdorf, Hermannstraße 255. an dessen Stelle gewählt; die Vertretung der Dekateure in- der Gewerkschastskommissioii wnrde dem alten VerlranenSmann noch so lange übertragen, bis die Regelung einer einheitliche» Vertretung für die gesammten Textilarbeiter stattgefunden hat. Die frühere» Revisoren übernahmen ihre» Posten wiederum ans ei» Jahr. Die Besprechung der Sperre über die Werlstatt Böhmert u. Weiß zeitigte zwei inhaltlich gleiche Anträge, die Sperre aufzuheben; die Ver- juinmluiig beschloß demgemäß. Die Zimmerer CharlottenburgS hielten am Dienstag Abend eine Versamnilung ab, in der über den Stand der Lohnbeivegiing berichtet wurde. Genaue Zahlen konnten für Charlottenbnrg»nd die übrigen westlichen Vororte bisher nicht festgestellt werden. Aber so weit sich die Kontrolle bis jetzt erstreckt hat. arbeitet gleichfalls «in großer Theil der Zimmerer bereits»n dem Stundenlohn von 60 Pf. Im übrigen ist das Verhältniß ähnlich wie in Berlin; nur dort, wo die Arbeiter muthloS und indifferent der Bewegung gegenüberstehen.wird ein Stundenlohn von 55 Pf. bezahlt. Insbesondere gebe» die Jnnungs- gesellen, die i» Charlottenburg aus aller Zeit»och übrig gebliebe» find, ihren klassenbewußten Kameraden Veranlassung zu Klagen. Wie bei früheren Gelegenheiten stehen diese Lcute in ihrer Mehrzahl ttiseits vom Kampfe und lheilnahmslos der Bewegung gegenüber. sind aber allerdings dann gern geneigt, die Früchte des Erfolges ihrer Kameraden einzuheimsen. Nachdem noch von den verschiedenen Rednern ans das bisher schon günstige Resultat hingewiesen und �um einmnthigen,«nergischßn Vorgehen aufgefordert worden war, um einen vollständigen Sieg der Arbeiter zu ermöglichen, gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme:„Die in Bismarcks- höhe tagende öffentliche Versainmlung der Zimmerer CharlottenburgS und Ilmgegend nimmt mit Befriedigung Kenntniß von dem der- zeitigen Stand der Lohnbewegung, spricht aber entschteden ihre Mißbilligung Über das Verhalten derjenigen Kamerade» ans, die aus schnödem Eigennutz bisher nichts zur Durchfübrung der an sich durch die miserabel» wirthschaftlichen Verhältnisse der Zimmerer nolhwendig gewordenen Lohnbewegung gethan habe». Sie erwarten mit aller Bestimmtheit, daß auf den Arbeitsstellen, wo noch unter dein geforderten Lohn gearbeitet wird, die Arbeil niedergelegt wird, da nur durch ein konsequentes Handeln die geforderte Lohn- erhöhiing durchgeführt und festgehalten werden kann. Ferner ver- pflichtet sich jeder arbeitende Kamerad vom 5. Juli ab, nebe» de» zu leistenden 50 Ps., bis auf tvcileres jede Woche«in« Extramarke für 50 Pf. zu kaufen. Nach kurzer Diskussion über den vom Bund der Bau-, Maurer- nnd Zimnienneister jetzt während der Lohnbewegung so plötzlich eingerichteten Arbeitsnachweis, der anscheinend dazu benutzt wird, Streikbrecher zu werben und im weiteren ähnlich wie der be- rüchligle Arbeitsnachweis der Metallindustriellen zum Nachtheil der Arbeiter fimgiren wird, wurde einstimmig der in Berlin bereits angenommenen Resolution zugestimmt. Danach ist der Arbeitsnachweis so lange anss strengste zu meiden, bis die Verhandlungen der Lohn- konunission ihren Abschluß erlangt und die Vertreter der Arbeil- nehmer in der Verwaltung anerkannt werden. Hierauf wurde Webers als Vertrauensmann der Zimmerer für Charlottenbnrg gewählt. Nachdem auf die Kontrollstelle hingewiekeu. die sich bei Leder, Bisinarckstr. 77, befindet, wo die Abstempelung der Streik- karten für Charlottenbtirg. Wilmersdorf und Schöneberg vor- genommen wird, und zum Abonnement des„Vorwärts" aufgefordert worden war, erfolgte der Schluß der Versammlung mit einem Hoch auf ein völliges Gelingen der Lohnbewegung. Arb«tter-KU»nng»>'ch»le. Tie Bibliothek in der Nordschule, Brunnensir. ee, ist vom I.Juli ab bis aus Ivetlere« gefchloslcn: dlenoch au»- stehenden Bücher sind umgehend Donnerstags abends von x» di! üiv Uhr zurückzuliesern. Mitgliedsbeiträge werden an diesen» Tage in der'Nord- schule entgegengenomme». ebenso i» solgcnde» Jahlstelleu: LioUfr. Schulz, Adiniralstr.«oa: Meul. Barntmstr.: Babtel, Rofenthalerstr.»7; wletnert, Müllerstr. 7a: Paul Mücke, Manieusselstr. iss; H. König!, Diesseubachstv. 30. Alle Zuschrtsten sind a» de» Boistheude» Paul Mücke jr., SO. Ma»- teusselslr. ISS, Geldsendungen au de» Kassirer H. Königs, 8. Dlessenbachstr. e«, zu senden. kese» n. Z>I»k»tirkl»b». Donnerstag. Neue Zeit, Boqenstr. 40?el GieShott.—Süd-Ost, bei Tolkddors, Sorauer->l. Eörlitzcrstr.-Ecke.— K l u b d e r sr r e u n d e bei Burghause, PuNbuserstr, se.— Sozialistischer Lese- und Diskuttrklub, Reichendergerstr. IK7.— August Seid, im üiestauranl Streit, Nannynstr. 87.— Reimer, GerichiSstr. 19 bei Seidel.— Friedrich Engels. Weißenburgerstr. so bei Kiesel.— Pestalozzi, Pücklerstr. 49 bei Schuhmacher.— Ost, TilsUerstr. 40 bei Schillinger< jeden Tvnuersiag nach dem I. und id.).— Morgenroth, Licbemoalderstr. 43 bei R. Wille tjeden Donnerstag nach dem I. und id.)— Brüderlichkeit, jede» Donnerstaginach dem l.»nv >». im Monat LandSbergerstr. 8 bei Haseioss.— Friedrich Engels II, Gör- Utzerstr. 40 bei Thäder. Arbeiter Sängcrbnnd Berlin» u»d der Nmgsgend. Borsigeuder Ad. Neu- mann, Brunnenstrade lso. Alle Aenderungen im BereiuSlaleuder sind zu richten an Friedrich Kortum, Manleustclstr. do, v. dir. Donnerstag AdeudS s—n Uhr: UebungSstnnde und Aufnadme»euer Mitglieder.— St. Urban, Rnnenstr.» bei Protz.— K II I» m e r' s ch e r Eesauaverein, Koppenstr. 47 hei GiUivich.— Vorwärt» II.99 bei Gold.— Sängerhort, Mariauuenstr. 48 hei Liebeheuschcl.— LiedeS-Echo, Rcichenbergecstr. il8 bei Hauisch.— Alpe»- glühe», Elaiitzerstr. 22 bei Raab«.— Oberon, Orantenstr. si bei Heiser. Knud der geselligen Ardelteroereine jSerli»»»nd der Zlmgegend. Alle Zuschriflcu den Bund betressend find zu rtchlen an: P. Gent, Dresdener- straße 107/s. Ardeiter zianchirlinnd Kerlin» und der Umgegend. Aenderungen im VereinSlalender sind zu richte» an Hermann Braunschivetg, Dreideuerstr. 80, 2. Hos. Donnerstag: Mehr Licht, Wcibensce. SIrabburgerstrabe 08 bei Sorrer.— Wahrer Jalob, Stiiieonstr. 29 bei Flick.— W e t s, e A s ch e, wärlttzerftr. 89 bei Schulze.— Pseisen decket, Langestr. 24 bei Jcralsch.— E 0 lu m b u s, Urbanstrabe 94 bei Krüger.— Einigkeit II, Köpeuickcrsirabe ni bei Rickmann.— Ohne Furcht, Wienerstrabe 44 bei Schmidt.— Glüh- licht II, Ltebenwaidersirabe 27 bei Purmann.— Tabalblüthe. Bcr- nauerstrabe 91 bei Scholz.— G e 1» ü t h I t ch k e> t U, Falckenstelnstrabe 7 bei Trtttelwltz.— Havanna I. Rixdors, Jultusstr. 69 bei Neubauer.— Te g« l« r- A l p en, Schulstr. 21 bei Fiaule. VSelang-, s»rn- nnd gesellige pereine. Donnerstag. Geselliger Verein Unter Uns, Beusselstr. 88 bei O. Fischer.— Orchcster-Verein Allegro, Oranienstrabe 180 bei Rautenberg.— Rauchllub S ü d- W e st, Sinieonstrabe 18 bei Michaelis.— Rauchllub Kern spitze, Rüdersdorserstrabe 8 bei A. Böhl.— Slatllub Unter UnS, Eisrnbahnstrabe 7 bei Bauer.— Orchestcrchor Vorwärts, Rirdors(Viltorta- Säle).— Slatllub Süd, Böckhstratze 21 bot Krebs.— Eesangverein SängerlrelS, lMusll- Instrumenten- Arbeiter), Naunqnstrabe 78 bei A. Böter.— Mudervcrein Vorwärts, Jnselstr. 10 bei Siabernack.— Arbeiter» Rabfahrervcrei» Berit», Sitzung jeden Donnerstag nach dem I. und 16. l»> Monat, AndreuSstr. 28 bei Wille.— Skoltlub G e I» ü I l) l t ch e r Ramsch, Blumsnstr. 21a bei Jonas.— Statklub G ra u d- S ch w arz, Gbristburaerstr. 47 bei St. in.- Gutta rrei» und Gesangverein E t»tra ch t, Schönhauser Allee 199 l>«> Maub.— Rauchtlub O h n e- sorge, Louisenuser 62 bei MünSbera.— Gesangverein R t t t e r h 0 s. Linden- straße los bei Fritz Zubeil.— Pslauzervereiu Veilchen, Rizdors. Jeden Donnerstag nach dem IS. im Restaurant Feldschlößchen. Elsenftr. 79.— Tauzllud Unton, jeden Donnerstag nach dem 1. und 16. Perlebcrgerstr. 29.— Theater- verein Aschenbrödel ll. Ackerstr. 144, Vorst,»astno. Arbeiter- Unrnerduild. Donnerstag: Tnrnverelr Fichte, Berlin. Abend« vo» 8—10 Uhr: 7. Männer- Abiheilung, Reicheubergerstrabe 181. 2. Dameu-Abthdl., Ackerstr. 97.— Freie Turnerschaft Rixdorf-Britz, 2. Schüler. Abtheilung von 7- sjj Uhr, 2. Männer-Ably. vo» sjj-iojs Uhr, Britz, Ehausscestrabs bei Lange. Verein S te u og rap h e n s ch ul e, S-It Uhr: Uneulg-llllcher Unterricht und UebungSstunde für Schüler nnd Erwachlene, Annenstraße Nr. 9.— A r e n d»'scher Stenog raphe»- Berein„Apolloblind". Becker'« Bterhallen, «ommandantenstr. co, abend« 0 Uhr, Unterricht und Nebung tn der ganz ver- ciusachten ArendS'schen Stenographie. l,« Lercle äe Conversaiion K a n 9 a i s e s'asassernble iouts Ics •jeudis soir ä 9 b. dans son local.Zum Patzenliofer", Leipzig« retr. 19«. Cercle Francais: deudi Seanco a 9 h. dans son local Rest.„Vier Jahreszeiten", Prinz Aibrechlstr. 9. Des hätes sont les hien-venus. Deutscher Arbeiterverein iiNaewiirto", Kopenhagen, U., Compagnie- Strade Nr. 49, Cajo Bolange. Longkoliorv, Lvglisb Oonversaiional- and Readinx-OIub. 9 o'eloclt et Teltenborns' Restaurant, Wall-Slrasse 91. Guests are welcome. Derbnnd deutscher Karbiere, Friseur,„nd perrücheiimacher. Zweig- verein Berlin. Heute, abends lojs Uhr, Rosenthaierstr. 67 bei Bablel, Generni- Versammlung. verein sUr Körper- und ziaturhelllinn»,. Vortrag über„Magen- und Herzleiden" vom pralt. Noturh-tllundtgen Srundinann, im Märlischen Hos. Admiralstr. isa, abend» e* Uhr, für Männer und Frauen. Keriluer Arbeitervertreter. Derei» tagt jebeu Dienstag nach dem ersten im Monat bei BuSle, Srenadierstr. 99, abend» sx Uhr. Unentgeltlicher Rath wird ertheilt: 9m Uorde» Kerlin«: Für Unfall-, Jnoalldltäl!- und Alter»-Verstche- rung, abends von 7—9 Uhr: SB. B» ch ho l,, Hussttenstraße 90, v. 9 Dr. A. Daehne, Demminerftr. SS, 0. 9 Tr. K.Gut heit, Wiesenstr. 29a, vo» 9-9 Uhr abends. F. Pieschel, Sartenstr. 69, v. 2 Tr. E. StmanowStt, Sartenstr. 78, Portal 2, 2 Tr. Al. Stuhl 1» a n n, Oderbergerstr. 27, 4 Tr., vo» 8-9 Uhr ablnd». R. Tamm, Hussttenstraße 8, von 8—9 Uhr abend» A.« 0 t g t. Wiesenstrabe 41—4». E. Warnst,»oibergerstrabe 7, von s- 7 Uhr abends.— Nur für JnvnlidtläiS- und ANerSoerstcherung: F. Blume. SlrelitzerNr.«s. P. R e t m a n n, Bellermannstr. s». F. Trapp, Schulstr. 6», von 7—8 Uhr abends. tm Diord-«sten: Nur sür Invalidität«- und«l lersverstcherung 1 0 h s, Schönhauser Allee 82. Im vstru: Nur snr Invalidität»- und VUerSrerstcherung: G. Bader Gr. Frantsurterstr. 94. v. 4 Tr. ?,» Küd. eiste»: Für Unfall-, Jnoalidiiäl»- und Altersuerstcherung! S ch a l I h 0 s s, Michaeltirchstr. 18. Im Süd«»: Für Unsall-, Invalidität«- und AllerSverstcherung: F.Stügei m a i e r, Grimmstrabe 9».— N u r für JnvaltditätS- und AllerSvtrstcherung «. Keller, Eamphaufenftr. e. Im Siid-Ul.p,,,: Nur für Unfallverstcherung:». Hänel,«olmSftr.«4 Hm ziord-Weft«»: Nur für Unsallverstcherung: I. Krause, WUSnacker straße 10. N.Stephan, Lesstngstr. 94. Im Zentrum: Nur sür unsallverstcheruug: E. Lösel er,«losterstr.»1, Bei sämmlltchen vorgenannten Personen, bei denen hie» keine Sprechzeil an- gegeben, ist dieselbe Wochentag» von 7— 0 Uhr. Briefkasten der Redaktion. Brand. Am Freitag. A. M.. Ruppinerftr. 1«. lex heißt Gesetz: Isr-Recke wird die Vereinsgefetz-Borlage genannt, uni deiit Minister v. b. Recke das Verdienst an diesem famosen Gesetzentwurf zu sichern.„___ 91. P. Sie sind zur Zahlung verpflichtet.- R. N. KV«. Nur, wenn ein schriftlicher Lehrvertrag vorliegt.— Vertrauensmann 4. Lassen Sie die Klage durch einen Anwalt anstellen.— A. V. 100. 1. Lassen Sie di« Gesundheitsgefährlichkeit der Wohnung polizeilich untersuchen und verlangen Sie vom Wirth Aushebung des Miethsvertrages und Schadens- ersah. 2. In.— H. A. 31. Leider läßt sich lein weiterer Rath geben, als der, Inapp zu fmlteu und sich zu verständigen.— E. W. Rein. — P. II. Die Kündigung einer Wohnung muß m der Zeit ersolgen, die in dem Miechsvertrag festgesetzt ist. Ist in dein Miethsvertrag, wie Sie schreiben, halbjährliche Kündigung vereinbart, so hätten Sie spätestens am 31. März die Kündigung dem Wirth übergeben müssen. Ist im Vertrag etwa entgegen Ihrer Angabe 3 Monate und 3 Tage festgesetzt, so hätte spätestens am 27. Juni die Kündigung in den Händen des Wirths sein müssen. Hat der Wirth die Kündigung anzunehmen sich geweigert, so ist die Sachlage ebenso, als wenn er sie thatsächlich angenommen hätte. Ist eine Kündigmig rechtzeitig erfolgt und will der Wirth die Rechtzeitigkeit nicht auerlennen, so kann der MietHer gegen den Wirth daraus klage», daß dieser ihn mit allen Sachen zur Beendigung des Vertrages ziehen läßt.— G. M. Ja.— Tteiudriicker. 1. Ja. 2. Ja.— P. K. 13. 1. Nein. 2. Ja. 3. Ja; näheres in der Antwort unter P. II.— N. 47. Nur wenn minderjährige Kinder vorhanden, ist die vorherige AuseiimnderfetzuW erforderlich. Großjährige können auf ihr Erbtheil klagen.— M. 10. Ja. _ WiltcriniflSilbersicht vom 14. Juli IB9?. E I n l i 0 n e». fi ß'»ä S E a lyT S 5 S S Iiis 3,1*0 •6 C O p K ltec. «5fe" Schlafs Klubhaus Achtung! Pankow— Nieder-Schönhausen. Achtung I Sonntag;, den 18. Jnll 1807 Grosses Volksfest veranstaltit von den Toziilldemskr. Ceiiosseil voll Pllilkvlv-NleHtr-ZchöliHilllsell unter Mitwirkung des Gesangvereins Kalser'schcr HUnnorchor. Garten-Konzert. Leitende Bilder. Briliant-Peaenverk. KtnderbclnstlKnnson aller Art miter Leitung des bekannten Onkel lineseveek. Großes Kaspee-THeater. Im Saale: v r 0 s s v r Dans. Herren, welche daran thellnehinen, 'zahlen 50 Pf. nach. sS23/l3 JedeS Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Anfang S Uhr. Kalseelüche ist geöffnet. Entree 80 Pf. Ilm zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. Kür de» Inhalt der Inserate uberuiuimt die Redaktion dem Publiknm gegenüber keinerlei Veraiitlvortung Donnerstag, den IS. Ist» l i. Neues kgl. Operntheater(Kroll) Lohengrin. 7 Uhr. Sesstng. Die Geisha. Westen. Die lustigen Weiber von Windsor.>/-« Uhr. Neues. Der Stellvertreter. 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In anbctracht der wichtigen Tagesordnung wird um pünktliches und zahlreiches Erscheinen gebeten. Der Vorstand. Achtung! Dachdecker. AMng! Montag, den 19. Juli, abends 8Vz Uhr, in Cohn's Festsälen Beuthstrastc Nr. SO: 54/9 Große öffentliche Nersommlung der llaehdeelcer und Berufsgenossen. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zuni Streik-Reservefonds. 2. Bericht- erstatttung des Delegirten von der Getverkschaftskommissson. 3. Unser Arbeits- Nachweis. 4. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Kollegen ist absolut noth- wendig. Die Agitationökommission. I.A.: G. Bart hol. ÄMnng! Maurer. Achtum! Sonnabend, den 17. Jnli K8S7, in der Derliner Kock-Sraaerei, Tentpelhofer Berg 7. Stiftungsfeft» ilO Itiltralvttdaudes dir Maurer Mutschlauiis Viliale Berlin 11. GvDKrs Gurken ausgeführt von Mitgliedem der Freien4IZereinigung der Zivil-BerufSmusiker unter Leitung des Dirigenten Herrn«eumann. Gesangsvoeträge. Turnerische Anfsiihrunge». Den geehrten Damen ist die Kaffeeküche von 4 Uhr an geöffnet. ' Bei eintretender Dunkelheit: Groster Kinder, Fackelzug, wozu jedes Kind eine Stocklaterne gratis erhält. Im großen Saale: 151/7 Herren, welche daran theilnehmen, zahlen 39 Pf. nach. Billet SO Pf. Das Comlt«. Schweizer Garten. Am Künigsthor. Haltestelle d. Pferdebahn. Arn Friedrichshaln. Täglich: Theater und Spezialitäten. lilttlc Parkins II. Zliss I.izzl, Transformationskünstler. Thcod. lAppardt. Tanzhuinorist. Geschw. Tilly, Gesangs- und Tanz- duetnsten. Uniniy Dahl, Liedersängerin, l'he two BufTalos, Radfahrer- Humoristen. John de. Paolo, Excentrics- Pantomimisten. Daria Walton, Kostümsoubrctte sc. Im Saale: Bolksbelnstigltttgei» aller Art. Ball. DSP Ettkvee pfg.-MU Jeden Mittwoch: Kindcr-Frendenfest. ÄchMHih kill Tmmend im Auziisi siir Btttiae stti. AmküstrinerFIst? kermavll Imbs. Am Kästriner Platz WM- T ü g 1 1 c h: Kouzert, Thtater- iini) SstMlitliten-Vorsiellung. Ulcul Vor Skttinanv«ttir fein Sllfe. Vene Ausstattuna Attraktiv s-Ensemble. ___ ons-Vuniniern. 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Sonnabend, den 17, Juli 1897, in der Aktienbrauerei„Fnedriclishain"; Grosses Sommer- Fest Grosser Ball. unter Mitwirkung des Gesangvereins„Nord". Turnerische Aufführungen. Konzert. Fackelpolonaise. (Näheres das P r o g r a m ui.) Billets ä 25 Pf. sind auf allen Zahlstellen sowie bei dem Kollegen Post, Grünauerstr. 37, v. 1 Tr. GcsangsYorträge. zu haben.— Herren, die am Ball theilnehmen, zahlen 59 Pf. nach. Haffee in Portionskannen von 2 Portionen an wird im Garten zu nach- stehenden Preisen verabreicht: 2 Portionen(4 Tassen) 49 Pf., 3 Portionen(6 Tassen) 69 Pf., 5 Portionen(19 Tassen) 99 Pf., 8 Portionen(16 Tassen 1,49 M.), 198/17 19 Portionen(29 Tassen) 1,59 M. ms Typographia Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgiesser. Sonntag, den 18« Juli 1897 In der„Bock- Brauerei"(Tempelhofer Berg) Vocal- u. Instrumental-Concert sowie Spezialitäten- Vorstellung. Kassen-Eröffnung S Uhr. Anfang präzise 4 Uhr, Billets: im Vorverkauf 39 Pf., an der Kasse 59 Pf., Kinder 19 Pf. Von 7 Uhr ah npn-nv Herren,-welche daran theilnehmen, im kleinen Saal: zahlen 59 Pf. nach. Die Kaffeeküche ist von 3—6 Uhr geöffnet. Billets sind vorher bei Herrn Kann, Grüner Weg 17; Herrn Vetterniann, Bandelstr. 45; Herrn Granmann, Eykestr. 23; Herrn Süewept, Gräfestr. 69/79; in der Setzerei des„Vorwärts", auf der Verwaltung des Vereins Berliner Buchdrucker und Schrift- fiesser, Eitterstr. 88, II, sowie Freitags in dem Uebungslokal des ereins, Beuthstr. 29/21, zu haben._[3917b i Branerei- Ausschank der Brauerei Stralau i Oeconomie: Birkholz A mittag. Jeden Sonntag und Donnerstag: Theater- und Speziniillten-Vorstellung.-"WM Garten-Konzert der 29 Mann starken Hauskapelle. Im Saale: Grosser Ball bei gänzlich freiem Entree. Sport- und Euderboote in gr. Auswahl stehen zur Verfügung. Kaireekliclic v. 2—7 Uhr. Volksbelustigungen jeder Art. |p(P" 2 verdeckte Kegelbahnen."9$ Gute Biere, ausgezeichnete Küche zu soliden Preisen. 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Uni rege Betheiligung ersucht 246/19 Der Borstand. Dodes- Anzeige. Allen Verwandten, Genossen, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann. der Zimmerer Gustav Hanthez�, am 13. d.M., früh, plötzlich am Herz- schlag gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag Nachniittag 5 Uhr von der Halle des Gnadenkirchhofs(Barfusstr.) aus statt. Wwe. Manthey nebst Kind. General-Versammlung der Mitglieder der Sterbekasse „Pflug'scher Arbeiter" (Hetzel'sche Kasse) am Sonntag, den 25. Juli, vormittags 10 Uhr. in Gründel s Saal, Brunnenstr. 188. Tages-Ordnung: 1. Protokoll-Verlesung. 2. Kassen- bericht pro 1. Halbjahr 1897. 3. Fest- setzung der Zeitungen pro 1898. 4. Er- höhung der Remuneration des Vor- standes um 1 pCt. 5. Verschiedene Kassenangelegenheiten. 3112b Das Mitgliedsbuch legitimirt. Um zahlreiche Betheiligung ersucht Der Borftanv. I. A.: Otto Winkler, Vorsitzender, Ackerstr. 164. Orts-Krankenkasse der Uhrmacher. Aufterordentliche Geueralversammlung Freitag, 10. b. M.. abends 8 Uhr. bei B r o ch n o w, Sebastiunstr. 39. Tagesordnung: 1. Abänderung des Z 2, Abs. 3 betr. der Handlungsgehilfen und Lehrlinge, ArbeitsiNrkt. Ausbohrer, Fraiser, Hobler sucht 3111bj Knopffabrik, Blumenstr. 29, Tüchtige Mamsells a. Jaquets außer dem Hause verlangt L-obstcln, Gerichtstr. 18. Arb. 1,85-2 M.[31196 Ges. per sof. tücht. Ballschuh-Arbeiter K. Michaelis A Co., Hamburg, Schönstrafte 1. Gas und Wasser. Tüchtige, durchaus sanber und selbständig arbeitende 193/19« Monteure, welche mit besserer Hausinstallation vertraut sind, für dauernde Arbeit bei guten» Lohn von einem In- ftallations- Geschüft Westdeutsch- lands per sofort gesucht. Meldungen ohne Zeugnisse finden keine Berück- sichtigung. Gest. Offerten unter J. 85 an Haasenstein A Vogler A. G., Dortmund. Elm- Tischler» der Zargen machen und Klotzen ein- passen kann, wird sofort gesucht. Weiter pr. Korrespondenz mit Henri Grafstrüm, Etuifabrik. 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