Ur. 166. Abonnements- Kedingungen: NbcmnemenlS- Pietz pränumerando: Dierteljährl. 3,Z0 Me, monall. l.ioMI., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzeln« Nummer 5 Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrtrier Sonntag?. Beilage.Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste für 1897 unter Hr. 7437. Unter Kreuzband für Teutfchland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige«uSland 3 Marl pro Monat. «rscheinl täglich»uster Zvonlag«. Berliner Volltsl»lnik. 14. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die lechSgefpaltene Kolonel- «itle oder deren Raum so Pfg., für Vereins- und BerfanimlungS-Anzetgen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserat« für die nächste Nummer müssen bi« « Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi»<3 Uhr oormittag» geöffnet. Fernsprecher: Smi l, Sr. 1508. Telegramm-Adresse: „S»,i->ldemokir«i»erlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Htedokiio»: SW. 19, Weiith-Straß« 2. Dienstag, den 26. Juli 1897. Kiepedition: SW. 19, Ueuty-Ktrnße 3; Das Gekveive �Einfuhroerbot. Die Leiter der deutschen und russischen Politik sind eben dabei, ihre Bionarchen zu einem diplomatischen Liebesmahl zu vereinigen. Sofort pflanzt sich eine Rotte zottiger Feld- und Waldagrarier um den Tisch und spuckt nach Leibeskräften in die alisgetragenen Schüsseln— was imtürlich die Bündler- presie nicht im geringsten hindern wird, demnächst in liebe- dienerisch schwülstigen Leitartikeln den Vertretern der beiden Reiche ein recht bekömmliches Zusammenspeisen und eine volle Erneuerung der alten Bismarck'schen Freundschaft zu wünschen, die bekanntlich nur durch die Anhänger der Handelsverträge inS Wanken gerathen sei. Der drohende Konflikt mit den Vereinigten Staaten macht es zu einem unbedingten Gebot der Staatsklngheit, daß Deutsch- land sich mit ausgesuchtester Vorsicht streng auf den: Boden des Vertragsrcchts hält, so daß der Union jedweder Vorwand abgeschnitten ist, die bestehenden Verträge etwa deshalb für hinfällig zu erklären, weil wir als Gegenkontrahenten uns über sie hinweggesetzt hätten. Die politischen Abenteurer, die den Bund der Landwirthe führen, fordern jedoch zum schamlosesten Vertragsbruch gegen alle Länder auf, mit denen uns die Zu- sicherung der Meistbegünstigung verknüpft, besonders anch gegen die Vereinigten Staaten, um„als völlig berechtigte Vergeltung Repressalien zu üben". Herr v. Miquel läßt sich in der offiziösen Presse dafür feiern, daß er durch seine Programmrede eine„Abschwächnng der vielfach übertriebenen Gegensätze" zwischen der Landwirth- schast einerseits, der Industrie und dem Handel andererseits eingeleitet habe. Wie mit einem Faustschlag antwortet darauf die Eingabe der Agrarier, daß man den internationalen Handel in Brotgetreide, den doch anch unsere Industrie braucht, ganz einzustellen habe,„zunächst auf die Daner von sechs Monaten!" Wem irgend ein Ercigniß unsere ganze Entwicklung blitz- artig zu beleuchten und die Regierung aus ihrer schwächlichen Unentschlosscnheit aufzurütteln vermag, dann müßte es diese letzte agrarische Kundgebung sein. Das sind keine rath- losen Glücksspieler mehr, das sind offene, entschlossene politische Falschspieler, die ihren Willen ganz allein zum maßgebenden in Deutschland machen ivollen. Die Regie- rung hat angesichts dieser sich stetig steigernden Treibereien nur noch zu wählen zwischen der Freundschaft von ein paar tausend verkrachter Junker und der vollständigen Untergrabung von Deutschlands Ansehen und Achtung nach außen hin. Sie hat in ihrer inneren Politik nur die Wahl, sich auf die fort- schrittlichcn Elemente der Industrie zu stützen, die um sicherer Ausfuhr willen die Handelsverträge und schließlich auch billiges Brot für ihre Arbeiter braucht, oder die fernere Bundesgenossenschaft der Junker zu bezahlen mit dem Zurückdrängen und dem Absterben unseres viclbeneideten Jndustrieaufschwunges. Freilich, ein drittes wäre noch denkbar, und zweifellos klammert sich an diesen Strohhalm manche Hoffnung in den rettungslos versinkenden Schichten: man könnte unsere Brot- preise im Vcrhältniß zu England maßlos hochhalten und doch die Industrie vor entsprechenden Lohnvertheuerungen schützen — wenn die deutsche Arbeiterklasse durch ein neues Schreckens- regiment an jeder Bethätignng ihrer ivirthschaftlichen und politischen Rechte gehindert würde. Aber wo wäre der Wahn- sinnige, der sich vermessen wollte, den schleichenden Bürgerkrieg zu einer dauerdcn politischen Einrichtung in Deutschland zu machen? Wo iväre die Autorität und trotz aller Bajonnette die Macht, ein solches System auch nur ein paar Jahre ausrecht zn erhalten? Doch wozu die Schnapphähne ernst nehmen, die hoffent lich bei den nächstjährigen Wahlen bereits unschädlich gemacht werden? Sie sind gar nicht so gefährlich, wie sie sich geben möchten. Ihre Dreistigkeit ist nur kennzeichnend für die Schwäche einer Regierung, an die man ohne Be- denken das Ansinnen des Bruches fast aller ihrer Verträge zn stellen ivagt. Kein Bankrotteur hat jemals bestehende Verpflichtungen so leichten Sinnes hinwegdisputirt, wie die Leitung des Bundes der Landwirthe. Wir sollen nach unseren Abmachungen Rußland gegenüber das Recht zu Einfuhrverboten haben, „ans Rücksicht auf die Gesundheit, die Vcterinärpolizei und die öffentliche Sicherheit, oder anS anderen schwerwiegenden Gründen." Ist es nun, meint die Bündlercingabe, nicht e i n s ch w e r w i e g e n d e r G r u n d, daß daS russische Korn den Preis drückt? Einmal ist das agrarische Zitat eine Fälschung. Der Artikel 5 dcS russischen Handelsvertrages lautet nämlich wörtlich: Die vertragschließenden Theile verpflichten sich, den gegen- seitigcn Verkehr zwischen beide» Ländern durch keinerlei Einfuhr- oder Ausfuhrverbote zu heinine».... Ausnahmen sind nur für solche Erzeugnisse zu- lässig, ivelche auf dein Gebiete eines der vertragschliebenden Theile de» Gegenstand eines Staalsmonopols bilden oder bilden werde», sowie auch für gewisse Erzeugnisse, für die ans Nücksichlen auf die Gesundheit, die Veterinärpolizei und die öffentliche Sicherheit oder ans anderen schwerwiegende» Gründen außerordentliche Verbotsniaßregel» ergehen könnten. Daß die vertragschließenden Staaten unter„gewissen Er- zaiginsfen", die einmal«entsprechende SckintzniaßrcAel»"— wie die deutsche Denkschrift besagt— Heraussordern könnten, jede beliebige Waare und vollends die beiderseitigen Hanpteinfnhr- artikel verstanden haben könnten, ist durch den ganzen Zu- sammenhang ausgeschlossen. Und wenn das noch zweifelhaft wäre: die zitirte Vereinbarung gilt für Rußland e il a u so>v i e für Deutschland. Können w i r die illfnhr von Getreide verbieten, weil unser Markt von der heimischen Produktion bereits gesättigt ist, so kann Ruß- land sich gegen unsere Maschinen und Jndnstrieprodnkte vofr ständig absperren, weil die r n s s i s ch e n Industriellen ver sicher», daß sie den russischen Bedarf reichlich decken können. Wenn schlechte Preise bei uns als schwerwiegende Gründe für den Vertragsbruch gelten dürfen, dann wird die Industrie im Zarenlande schon auch hunderterlei Maaren ansfindig machen, in denen die deutsche Konkurrenz die Preise drückt. Alle zwischen den Regierungen feierlich vereinbarten Aktenstücke wären dann nichts wie werthlose Papierfetzen, auf denen man als krönenden Schlnßartikel immer einfach vermerken sollte: Alle hier festgelegten Verpflichtungen sind Verpflichtungen nur im Sinne bankrotter deutscher Junker; sie sind nur solange verbindlich, wie es dem Verpflichteten paßt. Und weiter, der russische Vertrag sicherte Rußland die Meistbegünstigung. Der Inhalt dieser formellen Zusicherung war für Rußland im Augenblicke des Vertrags schlusscs bereits im wesentlichen gegeben durch die voran- gegangenen Verträge mit Oesterreich-Ungarn, Italien und den Balkanländern. Auch was von diesem Inhalt nicht ausdrnck lich im russischen Vertrag wiederholt wurde, muß als verbind� lich gelten, wenn es in den damals bereits in kraft stehenden Abmachungen in anderen Ländern auf lange Jahre hinaus zugesichert war, ohne daß loyaler Weise an eine plötzliche Auf Hebung dieser fremden Vcrtragstheile zn denken war. Nun hieß es damals schon im Artikel 1 des österreichischen Handels- Vertrages: Die vertragschließenden Theile verpflichten sich, de» gegen seitigen Verkehr zwischen ihren Landen durch keinerlei Ein fuhr-, Ausfuhr- oder Durchfuhrverbote zu heininen. A u s Ii a h in e n hiervon dürfen nur stausinden: -r) bei Tabak, Salz, Schicßpnlver und sonstigen Sprengstoffen, sowie bei anderen Artikeln, welche in dem Gebiete eines der vertragschließenden Theile den Gegenstand eines Staats- Monopols bilden; b) ans Gesundheitspolizei riicksichte»; c) in Beziehung auf K r i e g s b e d ü r f u i s s e unter außer- ordentlichen Umständen. Diese Festsetzung, welche jedes Getreide- Ausfuhrverbot gegen Oesterreich-Ungarn ausschließt, gilt infolge der Meist- begünsligung anch für Rußland, anch für die Balkanländer, infolge des Handelsvertrages von 1828 und der Saratoga- Konvention von 1891 auch für die Vereinigten Staaten von Anierika. Beim Antrag Kanitz konnte noch ein Schein von Zweideutigkeit f ü r die agrarische» Bcntcgclüste in Frage kommen. Bedeutete der Antrag Kanitz, der den Inlands- Getreidchandcl für das Privatkapilal frei ließ, ein„Staatsmonopol" für Getreide oder' nicht? Je nach der Bc- antivortnng dieser Frage konnte man den formellen Vertragsbruch bejahen oder verneinen, wenn man auch eine derartige Vcrschanznng hinter Worten für noch so unehrlich und unehrenhaft halten mochte. Für das nackte Einfuhrverbot des Bundes der Landwirthe liefert anch die gc quältcste Wortverdrchnng keinerlei Rechlsboden mehr. Allerdings, meint die Eingabe ganz nebenbei,„Oesterreich Ungarn besitzt gar kein Ausfuhrintercsse mehr für Brotgetreide nach Teutschland, seine bezügliche(armes Landwirthsdcutsch!) Ausfuhr war bereits in den letzten Jahren gleich Null." Ohne diese ganz schiefe Behauptung hier widerlegen zu ivollen: die Zusicherung besteht und kann nicht einseitig außer kraft gesetzt werden. Unser Nachbarstaat müßte anch verblendet sein, in die Aufhebung des Artikels 1 cinzuivilligen, denn wenn wir, wie die Denkschrift behauptet, nach langem Getreide- defizit trotz steigender Bevölkerung ein paar Jahre vollkommen ausreichender Getreidcprodnktion erlebt haben sollten, so kann der habsburgischc Kaiserstaat ebenso gut jeden Augenblick wieder zu einem namhaften Anssuhrüberschnß kommen. Und könnte er zum Verzicht ans Artikel 1 bewogen werden und sollte damit auch der Inhalt der Mcistbegünstignng für andere Staaten zusammenschrumpfe», so gehört zu solchen neuen Abmachungen, die doch anch nie ohne Gegenleistungen getroffen werden, zweifellos eine viel zn lange Zeit, um für die jetzige Ernte noch wirksam zu werden. „Die neue Ernte! Bis dahin muß alle? im Lot sein— imd zwar einschließlich der Neuorganisation deS soliden, effektiven Getreidehandels! Sonst würden als Folge leicht tausende von deutschen Bauer» zu Grunde gehen müssen." So Herr Nnhland am 15. Februar dieses Jahres auf der General- Versammlung des Bundes der Land- wirthe. Wenn das wahr wäre, so wäre jetzt der Führung der Agrarier das furchtbarste Urlheil durch die in- folge der agrarischen Politik geschaffene Lage gesprochen. Es besteht keine Neuorganisation des Getrcidchandels, nachdem man die alte zerstört; es ist nichts im Loth, nachdem man das alte Gleichgewicht anseinandergetrieben hat. Dieses Spiel ist verloren, und man setzt nun seine letzten Hoffnungen auf den Treubruch Deutschlands gegen das Ausland, auf die voll- ständige Untergrabung von Treu und Glanben in allen unseren Verkehrsbeziehungeu— gleichgiltig dagegen, ob dadurch die Lunte nicht anch an unseren industriellen Export gelegt wird. Diese a g r a r i s ch e Nuß wird anch Herr Miquel nicht mehr knacken können! polikifche Bvbevfichk. Berlin, 19. Juli. Die Entscheidniigöwoche. Am Donnerstag soll das Herrenhaus, am Sonnabend das Abgeordnetenhaus das preußische Ausnahmegesetz wieder und nun endgiltig behandeln. Daß die Elite der feudalen und bnreankratischen Herrscher- geschlcchter im Herrenhaus dem Gesetz, das die freie Bewegung des Volkes vernichten, das freie Wort ersticken soll, ohne weiteres Besinnen zustimmen werde, ist von vornherein sicher. Fraglich ist, wie das Abgeordnetenhaus stimmen wird. Von den Nationalliberalen hängt es ab, ob das Gesetz aiigenommen wird oder nicht. Von den Vertretern des Knebelgesetzes ist seit den früheren Abstimmnngen im Mai und Juni alles aufgeboten, um die geringe Zahl der Stimmen, welche zur Mehrheit fehlen, von den Nationalliberalen abzusplittern. Das Herrcnhans hat die Vorlage so umgestaltet, daß ihr„Kaiitschnk"-Charaktcr vermindert wurde und die Sozialdemokratie allein als die der Vereinignngsfreihcit zu beraubende Richtung bezeichnet wird. Die Regierung hat ihre ursprüngliche Absicht, die Wege des geineincnRcchts zn gehen, auf- gegeben, hat sich den Wünschen der Stumm und Zedlitz ge- beugt und versprochen, das Ausnahmegesetz mit Nachdruck zn vertreten. In der Presse wurden die nationalliberalen Ab- geordneten mit großem Aufgebot freundlicher Lockungen und drohender Mahnnngen bearbeitet. Die Wähler suchte man gegen die Gewählten mobil zu mache». In den nächsten Tagen werden diese Einwirknngsversnche fortgesetzt werden. Heute bringt die offiziöse„istorddeutsche Allgemeine Zeitung" einen Leitartikel, in dem sie wieder ein- mal erklärt,„das Wohl des Vaterlandes fordere gebieterisch" eine Umkehr der Nationalliberalen. Man giebt also in den Kreisen der Regierung und der Konservativen noch keineswegs die Hoffnung auf Annahme des Gesetzes ans. Ein Abtrünniger hat sich schon gefunden, vielleicht folgest noch einige nach; viel sind ja nicht nöthig und das große Staatsrettnngswerk ist gcthan. Für die Nationalliberalen giebt es genug Gründe, um sie zn vollzählige»! Erscheinen am nächsten Sonnabend zn treiben. Die Art, wie die Regierung diese Gesetzgebung eingeleitet hat und wie sie dabei das im Reichstage gegebene Versprechen ausgelegt hat; die Ausspielung des Bundesstaats gegen das Reich und insbesondere den Reichstag gerade bei einer Materie, die verfassnngsinäßig dem Reiche vorbehalten ist; die Bedenken der Regierung, ein Ansiiahmegesetz ohne Zeitbeschränknng und ohne genügende parlamentarische Kontrolle zn bewilligen, dessen Ausführung dcrWillkürderPolizeibchörden Thür und Thor öffnet und zugleich der Unznsriedenheit des Volkes reichlichste Nahrung giebt; die zweifellose Geivißheit, daß die vollständige Zersprengnng der nationalliberalen Partei die Folge der Annahme dieses Gesetzes sein würde— diese und manche andere Momente sollten annehmen lassen, daß die Nationalliberalen Mann für Mann ihre gegebene Zusage, bei ihrem bisherigen ablehnenden Verhalten beharren zu wollen, einlösen müßten. Aber es giebt Elemente innerhalb der nationalliberalen Partei, die gleich den Konservativen nnr den einen Gedanken im Hirn haben, die Arbeiterbewegung niederzutreten, die diesem Gedanken zu Liebe selbst den Anstritt ans ihrer Partei und den Ucbcrgang zu den Frcikonscrvativen zu vollziehen bereit find. Der Abg. Bncck ist von vornherein andere Wege gegangen als seine Fraktion. Der Abg. Schoos ist ihm nachgefolgt. Wie groß wird die Zahl dieser Abtrünnigen sein, wenn der Eni- schcidungstag gekommen ist? Es ist ein Entschcidnngstag. Für die Nationalliberalen wie für die Sozialdemokratie, wie für die gesammte politische Entwickelnng Preußens und Teutschlands. Für die nationalliberale Partei handelt es sich um Sein und Nichtsein. Für die Sozialdemokratie handelt es sich, ob ihr neue, noch größere Bedrückungen auferlegt werden sollen und ob sie den Klassenkampf, den zn führen ihre geschichtliche Aufgabe ist, mit verdoppeltem Agitationsstoff und verdoppelter Erbitterung zn führen genöthigt werden soll. Für die gesammte» G e s ch i ck e P r e u ß e u S und Deutschlands handelt es sich, ob eine brutale ReaktionS- Politik hereinbrechen soll, welche die Reichseinheit bedroht, welche die VolkSklassen wüst anfeinanderhetzt, welche die wirth- schaftliche und politische Niederknüttelniig der unteren Volks- klaffen bezweckt, welche zu unübersehbaren Wirrnissen führen muß!— Tic Verschleppung der FriedeuSverhaudlniige» gebt fort. Der Sultan hatte„grunvsätzlich" den Forderungen der Miiäste zu» gestinmit; aber, wie wir sofort bei der Mitlheilnng dieser Zusage meinten bezüglich der„Einzelheiten", geht dieselbe Methode des Hiiiausziehens und der Versuche fort, doch noch günstigere Be- dingnngen herausziischlagni. Die elendesten Mittel sind der türkischen Regierung, welche dabei stets auf die Uneinigkeit der Mächte im Ernstsalte rechnet, recht. Wie das Wiener Telegraphische Korrespoudeiiz-Bnreau ans Konstanliiiopel vom Sonnabend meldet, war eine neue Sitzung der Militärattaches ans Freitag Vormillag 9 Uhr anberaumt worden. Dieselbe mußte jedoch ausfallen, weil die türkischen iiiilitärischeu Dclegirteu nicht erschienen waren. Auch i»n 19 Uhr vor- millags, als in Tophaue die zehnte Sitzung in Sachen der eigeut- lichen Friedensverhandlungen statisinden sollte, erwarteten die Bot- schafler vergebens den Minister des Aeußern und begaben sich deshalb zur Versamiiiliiiig nach der österreichisch-ungarischen Botschaft, wo der Minister des Neußer» sich bald einfand. Hier Wierde nun, trotz der letzten Erklärung Tewfik Paschas von türkischer Seite ver- sucht, in b e z n g auf die Grenzfrage W i d e r st a n d z u leisten, weshalb die Botschafter energisch eine schriftliche Erklärung über die Nnnahine der von de» Mächten festgesetzten Grenze verlangten. Die Botschafter sind, so sagt das Telegranun welter, über das Wartenlassen und die von türkischer Seile beobachtete Haltung sehr ungehalten. Trotz der neuerlichen Verzögerungen sowie der vom Hose vorliegenden Aeu&ermige» und der Preßstiminen, welche n a ch tvie vor an derPeueiosgreirze festhalten, hofft man in den Botschasterkreisen auf einen baldigen Friedens- abschliiß, wenn auch bis zur Unterzeichnung des Friedens und anläßlich der Durchführung noch mannigfache Schwierig- leiten erwartet werde». Die Londoner„Daily Mail" will wissen, der Zar habe dem Snlta» lelegraphirt, sofort Thessalien zu räumen, wenn nicht, werde der Zar russische Truppen in die Türkei ein- Marschiren lasse». Angeblich befindet sich der Zar im Ein- verftändniß mit allen Mächten, mit A u s n a>> m e von England.— Diese Meldung bedarf aber erst weiterer Bestätigung. Und auch wenn sie sich bestätigt, scheint es doch noch keineswegs ganz sicher, daß der Sultan alsdann sofort klein bei- giebt. Ebenso ist es sehr möglich. daß die Türke», die Schwierig» keiten sdes„europäischen Konzerts" wohl kennend und ans seine Disharmonien hoffend, selbst einer zwangsiveisen Einwirkung Wider- stand entgegensetzen werden.— RuS Indien sind in den letzten Tagen zwar keine Nachrichten gekommen, die eine Verschlimmerung der Situation für die Engländer dedeuteten. Doch darf die angenblickliche Stühe nich� täuschen. Im Laude selbst sowie von seine» Grenzen ist die Gefahr schwerer Ver- Wickelungen keineswegs beseitigt, sondern kann urplötzlich in doppelter Bedrohlichkeit hervortreten. Es ist ganz richtig, wenn russische Blätter darauf hinweisen, daß der neuliche Grenzaufstand des Masiri- Stammes nicht nur durch lokale Verhältnisse hervorgerufen sei, sondern seine tieferen Gründe in der Haltung des Emirs von Afghanistan habe. Der Emir steht unter englischem Einfluß, hat aber keinen sehnlicheren Wunsch. als sich von demselben loszu- machen. Die„Nowoje Wremja" meint, es werde in der Stille ein allgemeiner e l i g i o n s k r i e g der mohamedanischen Bevölkerung gegen die englische Herren vorbereitet. Und der Augen- blick, wo i» Indien selbst die Bevölkerung sich in größeren Masse» erhebt, iväre auch für den Emir von Asghanistaii der geciguctste, den fremde» Einfluß abzuschütteln, ili u ß l a n d, so sagt das russische Blatt weiter, würde alsdann„eine geheime Unterstützung der Feinde Englands verschmähen", oder eine wohlwollend« Neutralität für de» Emir einnehmen, so daß der Emir freie Hand in Westen»»d Süden hätte. Thalsächlich hat natürlich Rußland in solchen Fällen nie- »»als die geheime Unter stützuug der Feinde seiner Feinde verschmäht und wird vielmehr die Gelegenheit zu benutzen versuchen, um selbst „auf dem Dach der Well", in den Positionen, ivelche den Eingang in das reiche Indien erschließen, festen Fuß zu sasse».— NachahmeuStvcrlh. Der Herzog von Orleans hat anläßlich einer Reise nach Abessynien ehrenrührige Behauptungen über die zu jener Zeit in Menelil's Gefnngcnschast gewesen«! italienischen Offiziere veröffentlicht. Eine Reihe von italienischen Offizieren be- abstchtlgten»»». das Mitglied der französischen Präteudeutcnsainilie zu fordern. Nun hat aber der Graf von Turin,«in Neffe des Königs von Italien gefordert, daß ihm der Vorrang bei dieser Duellaffäre gelassen werde. Die Völker iverden dieses Beispiel der persönlichen Austragung dynastischer Streitigkeiten als einen erheblichen Forlschritt anerkennen müssen. Wir wünsche» nur, daß die Dynastie Savoycn es bei diesem Beispiel nicht bewenden läßt, sondern bei jedem künftigen Koufiikle mit einer fremden Macht ein»vohl ausgerüstetes Mitglied der Königs- fanrilie auf Mensur schickt. Die weitere Konsequenz»väre die allgemeine Abrüstung und die finanzielle Wirdergeburt Italiens, Portugals, Serbiens, Griechenlands, der Türkei ec. Begeistert von dieser Idee rufen wir Hoch die Fürstendnelle!— Sozialpolitik wie in Nuszland! iverden bald die deutschen Arbeiter zu fordern beginnen, ähnlich ivie kurz vor dem deutsch-frmizösischen Kriege und dem Sturze Napoleon lll. die Oppositionellen in Frankreich la libevto comme en Autriche (die Freiheit ivie ii» Oesterreich) forderten. Während bei uns trotz der osfenktlndigen, von allen Parteien und von den Vertretern der Regierung anerkannten Schäden in der Konfektionsindustrie die gesetzliche Regelung der Arbeiterverhältnisse in den Schwitzbetrieben immer wieder hinausgeschoben wurde, geht mai» in dem barbarischen Rußland, Ivo freilich die Stunim noch nicht so ausgeivachsen sind wie bei uns, viel energischer vorivärts. Nachdem erst unlängst der Normalarbeitstag im wesentlichen entsprechend den Wt'lnschen der Arbeiter von Petersburg und Moskau eingeführt ivnrde, meldet heute der Telegraph ans Petersburg, daß der dortige Stadthauptmann eine Verfügung blassen habe, welche für die jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen von zwölf bis fünfzehn Jahren in den Koufektions-, Mode- und Schneideriverrstätten den Arbeitstag auf 8 Stunden festsetzt. Dabei darf eine Arbeitsschicht 4 Stunden nicht übersteigen? Nachtarbeit ist gänzlich untersagt. Wir haben Vorsorge getroffen, um den genauen Text in» Wortlaut der Verordnung nnseren Lesern bald mittheilen zu können.f— Tentschcs Reich. — Ein Podbielski für das Reichs-Ver- sichern» gsa ml? Nicht gerade ein Hnsarenoberst, aber ein praktischer Sozialpoiitikcr soll an die Spitze des Reichs- Versicherungsainles gestellt»verde». Eilva ein bisheriger Angestellter des Frei Herrn von Stuimn?— — Die Großindustriellen gegen die Gewerbe- gertchte! Nachdem von der Firma Friedr. Krupp«i»« Statistik über die Bedeutung der Gewerdegerichte veranstaltet»vorden ist, »verde» die gleichen Erhebungen sür die fännntlichen Werke der uordivestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eise»- und Stahlindustrieller ans die Jahre l693 bis 1896 in die Wege geleitet und dabei das Krnpp'sche Schema zn gründe gelegt»verde»».— — In diesen Zeiten des Byzantinismus ist keine Streberer und keine Speichelleckere» verivunderlich. Unsere Byzantiner gebe» sich auch alle Mühe, das höchste zu leisten. Man findet dieser Tage in einer ganzen Reihe von Blätter»— so z. B. in der„Denlschen Tageszeitung"— große Ab.- Bildungen des m e n s ch l i ch e n Auges mit dazu gehörigen Erliänuigei, seiner einzelnen Theile. Solche nalunvissenschastlichen Belehrungen»väre» allerdings an sich für das Publikum ganz dankenswerth, aber jene Blätter bemüh«, sich jetzt in dieser Weise, lediglich»vegen der Beschädigung, die das Auge des Kaisers davon- trug. Die kleinsten Vorkommnisse, die dem Kaiser passiren, werden so zu großen Dingen ausgebauscht. Jenen servile» Seelen muß alles zur Bethätigung ihrer angeborene» und anerzogenen Kriecher- haftigkeit dienen.— — Zur Verschuldung de? ländlichen Grund- b e s i tz e s i» Preußen. Seit der Einführung der Ergäuzungs- steuer gestattet die Statistik nicht nur die Gegenüberstellung von Einkommen und Schuldzinsen, sondern auch diejenige vo» Vermögen und Schulden. Im Jahre 1896/97 wurden i» den Landgemeinden und Gulsbezirken des preußische» Staates(ohne Hohcnzoller») 79 133 Zensiten der Einkoiinnenstener mit einen» Einkommen vo» mehr als 3000 M., mit einem Grundverniögen(einschließlich Betriebs- kapital) von 9,69 Milliarden nnd einer Schuldenlast von 3,44 Milliarden— 35,51 p Ct. des Grundvermögens nachgewiesen. Außer Berechnung bleibt also bei dieser Ziffer der kleinere Grundbesitz, der ein Einkommen über 3000 M. hat. Anderer- seits ist eingeschlossen der Grundbesitz der ländliche» Industriellen, Rentner k. Wollte man also die eigentlichen Landmirthe, ihr Grund- vermögen nnd ihre Schulden ermilteln, so würden sich durch, veg kleinere Ziffern als die obigen ergeben. Die B e r h ä l t n i ß- zahlen für jene drei Größen»vürden dadurch aber s ch>v e r l i ch eine erhebliche Verschiebung erfahre». Der Verschnldungsgrad in den einzelnen Provinzen»veicht erheblich von einander ab. Es sind drei große Gebiete zu unterscheiden. Das erste mit der größten, 50 pCt. des Grundvermögens über« steigenden Verschuldung iimfaßt die Provinzen Ost- und West- preußen, Pommern nnd Posen mit Ausnahme der Bezirke Gumbinuen und Stralsimd, die aber auch nur»venig hinter diesem Satze zurück- bleibe»; das zrveite mit 25 bis 50 pCt. Verschuldung die übrigen Bezirke östlich der Elbe, ferner Merseburg, SchleSivig, Koblenz und Düsseldorf: das dritte mit»veniger als 25 pCt. den Siest des Slaals- gebietes. Im ganzen schivankt die Berschuldnng der Zensiten mit mehr als 3000 M. Einkommen von 57,29 pCt. in Bromberg bis zu 12,02 pCt. i» Osnabrück. A m»» e i st e n erscheinen in der Regel die Gebiete mit ausgebreitetem Großgrundbesitze, demnächst die mit viel groß- und u» i t t e l b ä»» e r l» ch e m, au»»v e u i g st e n die mit vor» wiegend k l e i»> b ä>» e r l i ch e n» Besitze verschuldet. Der Vorzug dieser letzteren ist aber vielleicht nur ein scheinbarer, da Kleinbauern, wenn sie überhaupt ein Einkommen vo» 3000 M. erreichen, kaum verschuldet fein können und in solchen Bezirken— »vie schon oben angedeutet»vurde— diejenigen Eimvohner der Land- gemeinden,»velche mehr als 3000 M. Einkoonnen versteuern, oft nicht Landivirlhe, sondern schuldenfreie oder»veuig verschuldete Kaufleute, Gewerbelrcibcnde n. s. w. sein»verde», deren Hiuzulritt dann auch das ganze Verschuldnugs-Aiitheilverhältniß»veseutlich verbessert. Es ist dabei wohl möglich, daß die Masse der landivirth» schafllichen Grundbesitzer in solchen Bezirken von einer schweren Schuldenlast bedrückt»vird. Aber bei allen diesen Tarlegungen darf,»venn sie zu sozialpolitische» Schlußfolgerungen verwendet werden sollen, nicht außer acht gelassen werden, daß dieselben die»virkstch„überschuldeten" Grundbesitzer insoweit garnicht einschließen als diese nicht mehr ein Gesammteinkomineu von mehr als 3000 M. erreichen, und daß anderseits die Berschuldnng der hier in'dieser Statistik»ach- gewiesene» Zensiten thatsächlich eine geringere sein»vird, da bei manchen unter ihnen sicherlich den Schulden auch Forderungen gegenüberstehen. Jedenfalls ergiebt auch diese Statistik, daß in erster Linie die Großgrundbesitzer verschuldet sind. Die„Noih der Land- ivirthschaft" ist eben die Roth der Großgrundbesitzer, welche 30 000 M. brauchen, um standesgemäß zu lebe», aber„nur" 20000 M. ein- nehmen.— — v Bennigsen hat, wie die„Hannov. Tagesuachr." er. fahre», seinen A l> s ch i e d zum l. Januar u. I. bereits formell eingereicht. Das Reichsiagsmandat werde er für die Wintersession noch behalten,»mr»verde er keine neue Kandidatur an- nehmen.— — Der neue Regent von L i p p e ist noch nicht einmal Soldat; das ist in dem militaristischen Deutschland ganz»mcrhörl! Nun Hai er aber aufgrund der Mililärkonvenlion mit Lippe-Dctmold die B e f n g n i s s e eines k o m m a n d i r e n d e n Generals auszuüben. Mit Rüchsicht aus diese Verhältnisse ist, so»vird der „Köln. Ztg." geschrieben, anziinehinen, daß der neue Regent des Fürsten- thuins Lippe demnächst unter Beilegung eines militärischen Ranges in den Verband der preußischen Armee ansgenominen wird; andern- falls wäre er der einzige deutsche vlegent, der im Kreise der denlschen Fürsten obne militärische» Liang bestimmte Befugnisse eines komman- direnden Generals innerhalb seines Fürsteuthums ausüben würde. Der König von Preußen, der den Vorgänger des neuen Regenten als«inen Fürsten bezeichnet hat, wie ihn einen würdigeren das Lippe'sche Land nicht bekommen»vürde, wird also nicht umhin köiiiicii, diesen ganz uinnilitärischen Herrn zum lommandirendcn General zu machen.— — Chronik der Maj«stätsbeleidig»ngs-Pro, z e j s e. Aus P a s s a u»vird vom 14. Juli gemeldet: Unter der Anklage der Majestälsbeleidigiiug gegen den deutscheu Kaiser stand heut« der Lederhändler Franz Wiesbauer von Freyung. In ge- hobener Stimmung wurde am Josesitage im Märll'schen Gasthause dorlselbst die Orientpolitik kritisch erörtert, ivobei der Angeklagte über das Vorgehen Deutschlands in der Kreiasrage seine Uu- ziifriedenheit ausdrückte und dabei den deutschen Kaiser in die Debatte gezogen haben soll, sodaß der Holzeinkänfer Wich in Freyung veranlaßt wurde, seinem Patriotismus durch die Worte Ausdruck z» geben:„Wennst nochmal über'» deutschen Kaiser was sagst, hau' i Dir's Halbeglas an den Kops." Hierauf bat nach Wich's eidlicher Aussage Wiesbauer den inkrilinnirlen Ausdruck gegen den Kaiser gebraucht und Wich schlug ihm dann wirklich das Bierglas au den Kopf, weshalb er angezeigt wurde und sich nun, der„Donanztg." zufolge, damit vcrtheidigle, daß er in Eiurüslnng über die Kaiserbeleidigung gehandelt habe. Die anderen Gäste haben von der Majestätsbeleidigiing nichts gehört. Das Urtheil lautete ans Freisprechung; es wurde die Aenßerung als feststehend an- genommen, da jedoch die Trunkenheit des Angeklagten nach den Zeugciinussagen eine sinnlose war, gewann das Gericht die lieber- zeugniig, daß Wiesbauer nicht mehr wußte,»vas er sagte.— Oesterreich. Wie», lö. Juli. Zeitiingsmeldiwgen zufolge beschlossen in Böhmen 45 Gemeinden des Bezirks Mies und der Gemeinde- Ausschuß von Bernau bei Goerkan die Geschäfte in dem ihnen übertragenen Wirkungskreise einzustellen.— — Eine Mandats niederl s g u n g. Graf Wenzel Kannie hat den Vertrauensninnneri» seines Wahlbezirkes, Laudgemeiude Karolinenlhal, mitgetheilt, daß er sein R c i ch s r at h s i» a n d a t niedergelegt hat. Der Verzicht des Grafen Kannic ist, wie die Wiener„Arbeiler-Zeitung" schreibt,»nzwcisclhast eine Folge der Politik, die die Jnngezechen heute belreibe» und die so geartet ist, daß sie Graf Kannic nicht mituiachen will und nicht mitmachen kann. Denn Gras Kannic gehörte nicht bloS zu den politisch radikalen Elemeulen der Jungczeche», sondern war durchträiilt von sozialem Geist und voll warmen Interesses für die Arbeiterklasse. Graf Kannic ist eben nicht der Mann, um dort zu enden, wo sich heute Herr Dr. Kaizl wohlfühlt, der ein Verräther ward an allem. was er einst geliebt und vertheidigt hat.— Ungar»». Budapest, 17. Juli. Abgeordnetenhaus. Ludwig Olay richtete eine Jnterpellalion an die Siegicrmig darüber, ob es wahr sei, daß seil dem Amtsantritt des Mimsierimus Baiiffy die Statuten von Vereinen der llnabhängigkeits- Partei nicht genehmigt würde». Weiter fragte Olay an, ob die Regierimg Kennlniß davon habe, daß beim Vau von Eisenbahnen und bei andercii Unternehmungen zum Schaden der»ii garischen Arbeiter fremde Arbeiter angestellt werden und ob die Regierung geneigt sei, hierin Wandel zu schaffen. �. Die Unabhängigkeitspartei wünscht völlige Selbständigkeit von Oesterreich und vertritt noch schroffer als die anderen Parteien des ungarischen Parlamentes einen beschränkt magyarisch-chauvinistischeu Standpunkt. Fraukreich. PariS, 13. Juli.(Eig. B-r.) Die offiziös« Presse hatte ans grund der jüngst verlheilten Gelbbucher über die O r i e n t f r a g e Lobgesänge auf die auswärtige Politik des Kabinets Meline au- gestimmt. Die gestrige O r i e n t d e b a t t e in der Kammer hat die ganze Angelegenheit jener Lobgcsänge aufgezeigt. Der linksradikale Redner, Goblet, durfte, ohne auf Widerspruch zu stoßen, die selbständige Thätigkeit des Herrn Hanotaux darauf reduziren, daß auf seineu Vorschlag die Kolleltiv-Vorflelluugen der Mächte an Griechenland(Alidrohniig der Blockade) nicht„Ultimatum, sondern„Aufforderung"(sommation) getauft wurden. Im übrigen aber beweisen die'Gelbbücher von neuem, daß nach Gablet- Ausdruck die lll olle Frankreichs weiter nichts war, als„eine Art Wieder- fpiegelnng der viel wichtigeren Rolle Nnßlands". A»f die gegen- wältige"Situation hat die Debatte kein neues Licht geworfen. tanotanx nnd der Ministerpräsident ergingen sich in dem duftendslen elbstlob ob der bereits geivoilueneu Resultate, die darin beständen, eine» europäischen Krieg vermieden und milde Friedensbediuguiigen für Griechenland erlaugt zu haben. In b-zug aber aus den Friedens- schluß selbst äußerte sichMcliue ziemlich problematisch:„Der Frieds ist wahrscheinlich; er ist selbst sicher, wenn das Konzert der Mächte sich aufrecht erhält..." Aus der Rede des sozialistischen Jnierpellailteil, Antyde B o y e r, der bekanntlich in» griechisch- türkischen Krieg als Frei- williger tapfer gesochten und auch einen Abstecher nach Kreta gemacht dat. feien einige persönliche Beobachluiigen mitgetheilt. Die türkischen Truppen betrachten Thessalien als ein definitiv erobertes Land, inzwischen verwüsten und rauben sie es vollständig ans. Desgleichen ans Kreta, soweit die Baschibozuks sich vorwagen dürfen. Die Vertreter der kretensischen Insurgenten erklärten Boyer. daß sie.die Waffen nicht niederlegen»vürden,-so lange die türkischen Truppen nicht entfernt seien. Ferner verstehen die Kreter unter der ihnen versprochenen Autonomie— dem buchstäblichen Sinn dieses griechischen Wortes gemäß— ganz was anderes als was die Mächte darunter verstehen, nämlich die voll- ständige Unabhängigkeit von der Türkei. Nur unter dieser Bedingung wollen sie aus die alte Forderung der Vereinigung mit Griechenland verzichten. Das alles verspricht den diplomalischen Verlleisterer» noch sehr, sehr viel Arbeit. Daß die gestrige Orientdebatie mit einem neuen Vertrauens- volnm für die Regimmg endete, ist selbstverständlich. Ein Theil der Siadikalen stimmt ja in answärligen Fragen stets sür die Regierung. Die wiederholte» Jnterpellationeii über die Orientfrage haben nur dem linken Flügel der Radikalen nach und nach die patriotisch- diplomatische Vertranensseligkeit abgewöhnt. In der gestrigen entscheidendeu Abstimmniig brachte es die Opposition auf l53 gegen 332 Stimmen. Nichtsdestoweniger knndigle Goblet in seiner Rede eine neue Orient-Jiilerpellaliou an für die Zeit, da die gegeuivärligen Berivickeluiige» so oder anders definitiv zum Abschluß kommen iverden. Die P a n a m a- K o m m i s s i o n hat»nu die dokninentarischen Beweise in der Hand, daß der ehemalige Oberstaatsanwalt Quesnay de Beanrepair« in bewußter Weise die Administratoren der Panama> Gesellschaft durch die„Verjährung" gerettet hat. Im September 1892 begründete Quesnay i» cinem umfangreichen Bericht die Nolhivciidigkeit der gerichtlichen Verfolgung der Lesscps und Konsorten; zwei Monate später faßte derselbe Quesnäy einen lakonischen Bericht ab. der ans Nichtverfolgung laulele. Woher die Fi ontänderung? Inzwischen war eine weitere Untersuchung der p a r l a m e n t a r i s ch e u Korruption ans die Spur gekommen. Da? parlamentarische Panama sollte also»»» den Preis der Straflosigkeit der Finanz-Paiiamisten vertuscht werden. Zugleich mit Qncsnny ist der ehemalige I n st i z m i n i st e r u ii d gegenwärtige Senator T Heven et unrellbar kom- promittiri. In dem ersten Bericht Quesnay's heißt es nämlich, daß er bereits 1889 gegen die Pauamagesellschaft vorgehen wollle, daß er aber daran durch das Berbol des damaligen Justiz- in in i st e r s T h e v e ii e t gehindert wurde... Die Pannmakommission wird ii»ii Thevenet aufs Kon» nehmen. Zugleich beschloß sie, über den Fall Quesnay eine» besondere» Bericht auszuarbeiten. Zum Bericht- crstatter wurde der sozialistische Abgeordnete Rechlsanivali V i v i a u i ernaimt.— Jetzt»veiß man zuversichllich, war»»» Quesnay eine so rasche und glänzende Karriere gemachl(er ist zu einem Kammer- Präsidenten des Kassationshofes befördert»vorden) nnd»velcher Art' seine„Berufsgeheimnisse" sind, die es ihm„im Namen seiner Grundsätze"(!!) verboten haben, vor der Kommission Aussage zn machen.— PariS, 19. Juli. In dem heniige» Ministerrath im Elysee theilte der Minister sür die Kolonien Lebon mit, daß eine K a v a l l e r i e- A b t h e i l n» g, welche von T i»i b u k t n. der Hauptstadt des sranzosischen Sudan, aufgebrochen war, um Räuber- banden zu verfolgen, eine Schlappe erlitten habe. Die Truppe habe zwei europäische Ossiziere und zwei Unteroffiziere sowie 29 eingeborene Spahls verloren.— Italien. Ans Genna»vird uns über einen politischen Prozeß, der charakteristisch ist für die auch unter llindiiii geübte Verfolgungs- polilik gegen die Arbeiterorganisalionen, beuchtet: Am 12. Dezember des vorigen Jahres hat man die Arbeits- kainmern von Genna und Sampierdarena aufgelöst, ebenso den Landschastsrath der Partei(consixlio regionale) und so für Ligurien cincii wirklichen AnSnahmeziistand geschaffen. So schön nun dieser Zustand auch»var, so reich an Miniaturprozessen, so nützlich zur Nieverchaltnng der sozialdemokralischen Propaganda— er konnte. wie alles Gutes, nicht eivig dauern. Den 25 Genossen, die man niiler Anklage gestelll halt», mußte eines Tages der Prozeß gemacht »verde». Die Monate im Polizeiparabiese wurden— ob nicht zu thcuer, mögen die Parteien vo» Ordnung und Besitz enl- scheiden— nun auch in dieser Woche»ül eine»» ungeheuren Fiasko erkaust. Am 12. Juli begann der Prozeß. Die Angeklagten»varen be- schuldigt, eine„Verbindung zu verbrecherischen Ziveckc.i" gebildet zu habe»(§ 251 des C. P.)— eine in den Aimalen der Partei ganz neue Varinlion, die sich aber»nr gestutzt ans den altbewährten Paragraphen vom Klassenhaß(§ 247) ins Lebe» hiiieinivagte. Die „verbrecherischen Zwecke" waren eben die Handlungen im Sinne des §247. Ans derAiiklagebanksitze» Arbeiter, Stndenleii.Siechlsaiiwälle, kurz Angehörige der verschiedensten Klaffe»— desto einheillicher ist aber das Testle der Belnstniigszeugen: von ihnen ist nur einer nickt Polizist und anch dieser ist»verlh, sich in solcher Gesellschaft zu finden. DaS Belastungsmaterial erdrückt durch feine Wucht. Bei diesem hat man Postkarlen gefniiden, die rhu einluden, eine Ber- sainmliing abzuhalten, jener hat von Sliisbeulern und falle» Kapi- talisten gesprochen, ein dritter hat früher einmal«ine Broschüre ge- schriebe», sür deren„anfreizenden" Inhalt ibn längst der Arm der Gerechtigkeit erlangt hat. Auch die Slrbeilskanliner trifft ein ver- liichtcubcr Vorwurf: gethai, zu haben, was ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit war. Sie hat eiiicm Agenten ihre Aermiltcliiiig verweigert, der Arbeiter nach Amerika senden wollte, ohne mit ihnen einen Kontrakt zn machen und ohne sich darüber ausweisen zn köiiiieir oder zu wollen, ob dort in der betreffenden Branche kein Ausstand sei(es bandelte sich thatsächlich um Streikbrecher). Fmier wirft man der Arbeiiskammer vor. sozialistische Tendenzen zn haben, sozialistischen Zwecken zu dienen, und bringt Beweise in Hülle nnd Fülle bei sür etwas, was sich gewissermaßen aus der Definition der Arbeilskammcr ergiebt und das sicher kein denkender Mensch be- zweifelt. Aus solchem Beiveismaterial eine Schuld zu konsirniren. ist keine leichie Aufgabe, und sie ivnrde noch besonders erschwert durch die Aussage» der Enllastnngszengen. Ein Großunternehmer, der über 3000 Arbeiter beschäftigt, sagt da zu gunsten eines der Haupt- «ngeklaglcii, Chiesa, ans, daß er sein bester Arbeiter fei, llniversitäts- prosessore» treten für ihre Sludenten ein, verschiedene Fabrikherren betonen die segensreiche Tbätigkeit der Arbeitskammern.— Einer der Angeklagten, Giovanni Lcrda, fragt ganz einfach, was man ibm eigentlich vorwerfe? Verlegenheitspause— Blätlcrii in den Prozeß- alten und dann die Erklärung, daß Thatsachen nicht vor- lägen, auch die Hanssnchung bei ihm ein negatives Resultat ergeben babe— aber Murmeln von propagandiflischcr Thätigkeit und Zurückgreifen ans ein« verbüßte Veriirtheiliing ans grund des üblichen Klassenhaß-Paragraphen. Besonderer Ungnade des Staatsanwaltes erfreut sich serner der Dr. der Malbematik Vacca, gegen den aber anch nichls vorliegt, als daß er seine Thälig» keit in den Dienst der Partei stellt.— Die Rede des Staats» a n w a l t e s ist recht kümmerlich, obwohl Wille und auch Fähigkeiten gut waren. Er betont die persönliche Ehrenhaftigkeit der An- geklagte», hebt ihre guten Absichten hervor, sieht aher in den Mittel» zur Verwirklichung derselben eine Gefahr für den Staat Und kommt zu dem Schluß, daß diese Mittel dem entsprächen, was das Gesetz durch die Z§ 251 und 247 treffen wolle. Die beiden ohnehin elastischen Paragraphen werden nach Kräften gedehnt, so daß sie nicht nur die That. nicht nur de» Willen zur That, sondern selbst die unbeabsichtigte Möglichkeil einer Gesetzesverletzung einschließen. Obwohl weder der Partei- rath noch die Vorsitzende» der Arbeilskammern im Ver» dacht stehe», zum 5klafsenhaß aufgereizt zu haben, ihnen auch nicht die Absicht einer Propaganda in diesem Sinne nachgewiesen werden kann, beantragte der Staats- anwalt für sechs der im Vordergrunde der Bewegung stehende Genossen die Vernrtheilnng, weil die Milte!. deren sie sich zur Er- langnug ihres Zieles bedienen. die Möglichkeit der Klasse»- Verhetzung bieten. Es folgt die Verlheidignng, bei der sich besonders der Universitätsprofcssor Bensa und Dr. Mnccaggi Hervorth»», die Lauge ihres Spottes über die juristische Enormilät eines solchen Prozesses ergießend. Und das siiesultat? Snmmtliche An- geklagten iverden von der Anklage, eine Verbindung zu verbrecherischen Zwecken zu bilden. freigesprochen. dagegen verurtheilt man wegen Ausreizung zum Klassenhaß Chiesa und Vaeca zu drei Monaten, Lerda z>' drei Monaten und 15 Tagen Gefängniß, ohne jedes juristische Kriterium die Herausgreisend, deren propagandistische Thätigkeit der Polizei am meisten ei» Dorn im Auge ist. So weit sind wir glücklich in Italien, daß man für eine» Prozeß, dem man die Polizeimache von weitem anmerkt, einen Staatsanwalt findet, um die aus den Wolken gegriffene Anklage z» vertreten, und euien Gerichtshos, der sich dazu hcrgiebt, im Sinne der Polizei— in souveräner Verachtung des geschriebenen Nechtes und des gesunden Menschenverstandes— ein Urtheil zu fällen, das zu de» in den Prozeßakten niedergelegten Behauptungen rn keinem ersichtlichen Zusammenhange steht. Die Strafe ist geringsngig»nd trifft Genossen, die an derartiges ge- wöhnt sind. Dessenungeachtet war dieser Prozeß mehr als eine Komödie und mehr als eine Blamage derer, die ihn veranlaßt haben; er kennzeichnet die heutige Phase der Sozialistenverfolgung in Jtalren, gegen die die Zeit der Ausnahmegesetze an politischer Moralität»och hoch st e h l. Damals nannte man das Kind beim rechten Namen, wenn man die Sozialisten ins Gefängniß oder ins Zwangsdomizil schickte; heut« vergewaltigt man die Paragraphen des allgemeine» Rechts und die gesunde Vernunft macht die Justiz zur Dienerin der Polizei, um. wie damals, den Sozialisten zu verurtheilen, weil er Sozialist ist. oder wenigstens von den Sozialisten die, die der Sache am offensten dienen.— Belgien. Briissel, IS. Juli. Eämmtliche einflußreiche liberale Blätter stimme» dem Plane der Vereinigung der Liberalen aller Schatlirunge» in eine einzige Partei, welche gleichzeitig gegen die Sozialisten und K l c r i l a I i st e» gerichtet ist. zu. Die Blätter veröffentlichen Aufrufe an die Wähler, dem Bündnisse bei- zutreten. Auch dieses Bündniß würde de» weiteren Rückgang der liberalen Richtungen nicht verhindern können. Spanien. Madrid, Milte Jnli.(„Züricher PostM Bei de» letzten Munizipalrathswahlen(Monat Mai) war eS den Arbeiter» in Bilbao trotz der von der Regierung angewandten Mittel gelungen, drei Vertreter in den Etadtrath zu entsenden und somit dem Allmächtigen der Stadt, dem„Kazike»' Chävarri, eine Niederlage zu bereite»; dieser hatte geschworen. keinen der„verruchten Sozialisten" in den Stadtrath zu lassen, und sollte es ihm Millionen kosten. Was ihm die Wahlen gekostet haben, weiß man nicht. Soviel weiß man aber, daß sei» Einfluß bei Canovns und seinen willenlosen Kollegen so weit ging, die gerechte und gesetzliche Wahl der Arbeiter> Stadträthe für»ngiltig zu erkläre». obwohl die Provinzialregierung ihre Gesetzlichkeit in vollem Umfange anerkannt hatte. Die Königin, ein Spielzeug in den Händen von CanovaS, unterzeichnet« das daraus bezügliche Dekret, wahrscheinlich, ohne eL gelesen zu haben. Die Wahl der sozialistische» Stadträthe wird ans dem Grunde für ungiltig erklärt, iveik diese Stadträthe nicht die für die Wählbarkeit»ormirte direkte Slaatssteuer zahlen: da aber in den daskischen Provinze» keine direkte Slaatssteuer gezahlt wird, ist die genannte Klausel hinfällig, oder man müßte dort sämmlliche Wahlen sür ungiltig erklären. Der von der Regierung im Auftrag« des„Kaziken" Chüvarri gegen die Arbeiter unternommene Gewaltakt war daher offenkundig und der sich in einer eintägigen Arbeits- einstellung manifestirende Protest gerechtfertigt. Man er- reichte damit wenigstens das Versprechen der Regierung, den Fall auss neue zu untersuchen, wenn die Arbeiter sich mittlerweile ruhig verhielten. Dies« haben ihr Verspreche» in musterhafter Weise gc- hallen. Trotzdem hat die Regierung mehrere Bataillone Infanterie neben Artillerie in Bilbao zusammengezogen und derartig postirt, daß die Arbeiter in dieser Maßregel eine direkte Provokation sehen mußte»: die Zugänge zu den Minen wurden mit Infanterie besetzt und ihnen gegenüber ward die Artillerie aufgestellt. Aber die Arbeiter ließen sich trotz dieser Provokation nicht zn Gewallthate» verleite», sondern harren weiter einer gesetzlichen Ent- scheidung; ja. sie haben sogar auf zwei Versammlungen verzichtet. weil z» befürchte» war, daß die Regierung auf alle Fälle einen An- laß zu gewaltsamem Einschreiten forcieren wollte So stellen die Sache auch die den Arbeiter» feindlichen Zeitungen dar. Die öffentliche Meinung und die unabhängige Presse stehen ganz und gar aus feiten der Arbeiter und bezeichne» die Handlung der Regierung als«ine unerhörte Rechtsverletzung; mit recht konnte darum Jglesias am II. Juli sagen, daß die Sozialisten, welche eigentlich Ursache hätten, das bestehende Recht zu bekämpfen, nunmehr die Aufgabe hätte», gerade dieses Recht gegen die täglichen Gesctzesverletzunge» der Regierung zu verlheidigeu.— Madrid, 16. Juli. In Manresa find Unruhen unter den Arbeitern ausgebrochen. Der Präfckl von Barcelona sowie Gen- barmen sind dort eingetroffen. Älcht Verhaftungen wurde» vor- genommen. Auch in Montornes waren Unruhen ausgebrochen, die Gendarmerie hat dort aber„die Ordnung wiederhergestellt". Bei Ruhestörungen in Sabadell wurde eine Person verivundet. In Bilbao ivnrde eine sozalistffche Versammlung abgehalten. So werden die„Unruhen" der im liessten Elend lebenden Arbeiter durch die Säbel der Gendarmerie beseUigt. So heilt man mit Et- fängniß»nd Flinte die soziale Roth.— Portugal. — P r e ß r n e b e l» n g. Tie portugiesische Regierung geht mit nngewöhnlicher Strenge gegen die Blätter vor, die ihr durch eine allzu scharfe Kritik der Regierungshandlungen unbequem werden. So wurde dieser Tage drei republikanischen Zeitungen das Weiter- erscheinen verboten, weil sie sich mit der Finanzfrage beschäftigten und das Volk zum Widerstände gegen die neuen Steuern aus- forderten. Die Finanzlage i» Portugal giebt nach wie vor zu de» größten Besorgnissen Anlaß, denn mit dem Steigen des Zinsfußes und des Goldpreises ist auch ein Steige» der Lebensmittelpreise verbunden, so daß daS Lebe» immer theurer und schwerer wird.— Schwede»». Stockholm, 16. Juli.(Privat- Telegramm.) Eine große Demonstration sür das allgemeine Wahlrecht hat heute hier statt- gefunden. Von vier Redneriribüneu ivurde zu de» Versainmelten, die zu Tausenden erschienen waren, gesprochen.— Stockholm, 19- Juli.(Privat- Depesche) Der s k a n d!- n a v i s ch e A r b e i t e r k o n g r e ß ivurde heute um 19 Uhr Vor- mittag von Branting eröffnet. Es find aus Dänemark 51, aus Norwegen 22, aus Schweden 191 Delegirte erschienen.— Norwegen. Christiania, 19. Juli. Die Zollkommission deS Storthings wird in den nächsten Tagen ihren Bericht erstatten, in welchem sie die Einführung eines Differenzial-Zolllarifs vorschlagen wird, jedoch solle der Maxinialtarij zur Zeit gegen kein Land zur Anwendung gebracht iverden. Die Konnnission wird auch einen Zoll ans einige landivirthschaftliche Produkte sowie einen erhöhte» Zollschntz sür die klelnindnstriclle» Betriebe in Vorschlag bringen. Rußland. — Ei» K u l t u r f v r t s ch r> t t s ü r S i b i r i e n ist zu ver- zeichnen. Dort hat vor kurzem der russische Jnftizmiiiister Murawiew'' die„liberale" Jnstizordniing Alexanders II eingeführt und dort das erste G e s ch w o r n e n g e r i ch t eröffnet. Obgleich die Jiistizordming Alexander II. sicherlich nicht an eillem Ueberinaße von LiberaliSnins leidet, hat man sür- sorglich für Sibirien besondere Beschränkungen eingeführt; so hat man an stelle der im europäischen Rußland gewähr- leisteten Wahl von Friedensrichleri» die Ernennung der- selben durch den Jnstizniinister gesetzt. Trotzdeni dürfte die Einführung der Justizordnung die Allmacht und damit die völlige Willkür der Polizei in Sibirien etwas beschränken. Und das ist unzweiselhalsl ein Kültnrsortschrltt.— Asien. Nokohania, 19. Juli. In der osstziellen Presse heißt es. Japan iverde wahrscheinlich den Vorschlag Hawaiis an- nehmen, die Sireitsrage bezüglich der j a p a» i s ch e n Ein- Wanderung in Hawaii einein Schiedsgericht zur Enlschei- dung z» überweisen.� Enquete übev den Nleinlznndel. Bor einige» Woche» haben wir bereits berichtet, daß ange»- blicklich eine größere Enquete über die Lage des Klein- n»d Zwischen- Handel? in der Ausführung begriffen ist. Wir könne» heute näheres zn der Angelegenheit mittheile». Die Sache geht zurück auf eine Konferenz, die Ende 1895 in Osnabrück zur Besprechung der Bedräng- nisse des Kleinhandels und c>er Mittel zu ihrer Abhilfe staiigesilnden hat. Es haben sich nn» in Verfolg der damals ge- faßten Beschlüsse einige zivaiizig Handels- und Gewerbetainmer», sowie kaufmännische Zentralverbände znsanimengetha». um die er- wähnte Enquete zn veranstalten, bereu Resnltat dann als Unterlage sür Anträge nn die Gesetzgebung dienen soll. Es wird dabei aus atigemeine MitarbeUerschafl von berufenen Kräften gerechnet»nd als Muster sür die Ausführung aus die Untersuchuugeii des Vereins für Sozialpolitik über die Lage des Handwerks verwiesen. Die fämmtlichen eingehenden Arbeite» solle» ans gemeinschaftliche Koste» der be- theilizte» Handelskammer» gedruckt werden»nd seiner Zeit auch als Jiiformativiien für eine große, die Klemhaiidelsfrage behandelnde Vcrsanniilttng dlcneu. Die Milarbeiler a» der Unlersuchinig solle» bezüglich der Wahl der z» behandelnden Kleinhandelsziveige und bezüglich der An- ordniuig des Stoffes sreie Hand habe»; doch wird gewünscht, wenn sie sich, li»> möglichste Einheitlichkeit und Vergleichbarkeil herbei- zusühreii, an die zu diesem Zweck Herausgegebeue„Anleiluiig" an- lehne». AuS dieser für die Mitarbeiter bistlimulen„Auleilung zu de» Erhebungen über die Lage des Kleinhandels" sei das solftende mit- getheilt:• Die eiiizeliien Mitarbeiter sollen sich soivohl lokal alS auch sachlich beschränken, iiidcin es nicht ans allgemeine Abhandliinge» nnkomiiit, souder» darauf, die einzelnen Kleinhandelsziveige ge- sondert morphologisch zu schildern. Als solche Ziveige komiiieii namentlich in bctracht der Kolonial-, Material- und Delikauß- waare»- Handel. die Manufaklur-, Woll- und Weißivaare»-. sowie Tapisseriegeschäfte, der Handel mit Tuchen und Konfekiions- nrtikel», die Galanterie-, Papierwaarc»- und ähnliche Geschäfte, der Eiseinvaaren-, der Wein- und der Zigarrenhandcl. Und ferner sollen die Schilderungen lokal begrenzt sein, die einzeluenHandelsziveige sollen für die derschiedenen Gegenden DeulschlandS nud für die Groß-, Millel-, Kleinstädte und Dörfer gesondert behandelt werden. Besonders berücksichiigt sollen in den Schilderungen solgende Punkle iverden: l. Beschreibmig des untersuchlc» Handelszweiges. 2. Geschichtliches und Slatistischcs. Zahl der Geschäfte seit 1866 in zehnjährige» Zeilränine», also 1876, 1886, 1896. Anwachse» und Abnehmen der Geschäfte in den einzelnen Jahren. Ali wie viel Konsninentcn kommt ein Geschäft? 6. Personal, Geschäftsinhaber, Hilfspersonal, Lehrlinge. Vorbildiing, Vermögens- und Einkoinmensverhältnlsse, LebenShaltmig je. 4. Die Waare». 5. Einkauf. Von wein wird gekauft? Zahlnngk- bedingniigen. Kredllverhältniffe, Einkallssgenossenschaften. 6. Verkauf. Art der Käufer. ZahlnngSbedingilngen, Preiskalkulation. 7. Konkurrenz. Waarenhänser, Konsumvereine, Hausirer. Nnlanterer Wettbewerb. 6 Kapital. Wie hoch es ist und wie hoch es sei» soll. Endlich Darstellung«nd Kritik von Reformbeivegungen, Abhilsevorschlngen je. Solche Schilderungen, wie sie hier geplant werden, sind bei zn- verlässiger Anssührinig und bei absolulcr Bornrtheilslosigkeit bei der Erhebung gewiß sehr werlhvoll für die Erkemitiiiß der sozialen Zustände der Gegenwart. Diese absolnte Vornrtheilslosigkcit scheint uns allerdings bei den Unterneh»i«r» nicht ganz vorhanden zn sein. In dem zur Mitarbeit auffordernden Aufruf heißt es: „Nebe» diese» Schilderuiigen bestimmter Kleinhandelsziveige würde es von Werth sei», eine Anzahl Monographien zn besitze», ivelche je eine den Kleinhandel bedrohende, schädigende oder belästigende Erscheinung unseres ivirthschaftlichen Lebens in objek- tiver und ebenfalls möglichst ans Thaisachen sich stützender Weise besprechen, wie z. B Konsnmvereine, die verschiedene» Formell der Wandergemerbe, Bersandthäuser, Waare»- magazine, Wnaren- und Wanderauklionen u. s. w., so daß also die Gesammtheit der Arbeiten in ihrem erste» Theil die Aiiatomie des Klein- und Zivischenhaiidels, in ihrem ziveite» Theil die Pathologie der thatsächlickien oder a n- genommenen k r a n k h a s t e n Erscheinungen desselben bildet." Jiiwiefern die Waarenmagazine oder der Hansirhandel patho- logische, krankhafte Erscheiiilliigen des seßhaften Kleinhandels sein sollen, ist nicht klar. Mit genau demselben Recht löiiuteu die Waarenmagazine. die Konsumvereilie oder die Hausirer in dem scß- haslen Detailhandel pathologische Erscheiiluuge» sehen. Eines wie das andere sind historisch entstandene wirthschastliche Gebilde; und vor allen der Forscher soll an diese Dinge mit dem kühlen Auge deS wiffe»- schaflliche» u»d kritischen Beobachlers herantreten, aber nicht schon vorher wifftii, wo die pathologischen Erscheinungen sitze» und daß es gilt— wie es ebenfalls in dem Aufruf heißt—„dem Klei»- und Zwischelhandel seine berechtigte Stellung zu erhalten". Hoffeiillich gehen die Mitarbeiter, von deiie» ja doch, falls nicht eine ivilllürliche Redaktion der Beiträge nachträglich beliebt iverden sollte, schließlich der Ausfall des lliileriiehmeiis abhängt, u»- parteiischer und objektiver au die Sache Hera». GvtvevkschKftlirhes. Berlin nud Itmaebiing. Die Tischler in Fiirstcnwalde haben am Montag die Arbeit eingestellt. Sie haben folgende Forderungen gestellt: lllstündige Arbeitszeit. Stuiideiilohn 39 Pf.; bisher ivurde bei Ilstündiger Arbeitszeit 29—25 Ps. pro Stiliide bezahlt; Erhöhung der Akkord- preise von 5—12 pCt.; Abschaffiing von Kost und Logis beim Meister. Die in einer öffentlichen Holzarbeiter-Versammlunz gewählte Lohnkommission wurde vor einiger Zeit beauftragt, mit den Meistern zu unterhandeln. Eine Einigung wurde indeß nicht erzielt da die Arbeitgeber alle Forderungen abwiesen. Dcntsches Reich. lieber den gegenwärtigen Stand deS TischlerstreikS i» Rostock wird initgelheitt: Bei Alisbruch des Streiks beschäftigten 42 Arbeitgeber 163 Gesellen, von denen 94 am 17. Mai die Arbeit niederlegten und weitere 15»je Kündigung einreicht«». Außerdem blieben bei 19 Arbeitgeber» 32 Gesellen thätig, ivelche» die erste Forderung bewilligt ivar. Somit waren also nnmitlelbar vor Ausbruch des Streiks'195 Hobelbänke in 71 Tischlerwerkstätte» besetzt gewesen. Von diesen 195 Hobelbänken sind gegenwärtig 70 besetzt, nämlich 10 mit Arbeiter», denen alle Forderungen bewilligt sind, und 69 mit arbeitsivilligen Elemente», die sich von der Streilbeivegung sernhalten. Auö Benthe» in Oberschlcsien wird der„Köln. Ztg." ge« meldet: Ans der Bleischarleygrube, Giesche's Erbe» gehörig, ist ein Ailsstand der Bergarbeiter niisgebrocheii. Die Ausständigen sordern Lohnerhöhung. Die Former der Finna Jacobi i» Halle a. S. haben»ach längerem Ausstände solgende Forderungen zugebilligt erhallen: Einstellilng sänii»tliche>; Alisgesperrten. Eullassung aller Former, ivelche während der Sperre dort angcfange» hatten. Kein Former braucht den von Lehrlingeii hergestellten Guß abzugießen. Pünkt- licher Feierabend. Eine Maßregeluiig der Wiedereingestellleil darf nicht stattsiildeii. Als„nnbcachtlich" zuriickgeivicscu wurde von der Kreis- hanptmannschast Leipzig die Beschwerde des Tischlers Mensch ans Leipzig, der zur Zeit des G e r i n g s w n l d e r Stuhl- arbeiler-Streiks aus dem Nm'.sgerichts-Bezirk R o ch l i tz ausgewiesen worden war. Die streike»!)«» Zimnierrr Dortmunds habe» ein Flilgblatt herausgegeben, das die bisher noch arbeilendeu Kollege» zur Em- �eichiliig der Kündigung auffordert. Bis jetzt sind 79 Man» abgereist, 33 arbeiten zu de» gestellte» Bediiigungeu und im Rnsstand stehen 31 Mann. Nach diesem Siesullat, sagt das Flugdlatl, müßle eine allgemeine Arbcitseinstellniig den sofortigen Sieg bringe». Tie Maßregelung mehrerer dem Geiverkverein christlicher Berg- leute angehörende» Arbeiter, von der wir bereits Mitiheilung machte», ist am vergangenen Sonnlag in einer Vcrsannnlung der Belegschaft besprochen worden. Die Belegschaft will, ehe sie zum Streik schreitet, bei de» Behörde» vorstellig werden. Nebcr de» Tcxtilardcltcr-Streik in Delmenhorst, von dem wir schon kurz berichtet, wird uns von dort geschrieben: Hier ist am 12. d. M. ein Nusstmid sämmtlicher Arbeiter der Nordd. Wall- kännnerel, Abtheilung Käinmerei und Vorbereitung, zirka 1999 Per- sonen, eingetrete». Dieselbe» verdieuten bei einer tägliche» Arbeits- zeit von 12—13 Stunden 1,39—2,59 M. und verlange» eine Lohn- erhöhung bis zu 2.59 resp. 3 M. Bei den hohe» Preisen sür Lebensunterhalt find die Forderungen der Arbeiter vollstäudig be- rechtigl. Die Aktionäre der Fabrik erhielten laut Bericht im Vor- jähr, welches als„sehr u n g ü» st i g" bezeichuet wurde, eine Dividende vo» 18 pCt. Dasselbe gilt zm» theil von der Jnte-Spiunerei und Weberei, wo sich zirka 739 Personell, die Weber aber»ur infolge des Spluiierstreiks, da dieselben sich weigertc», sreuide Garne zu verarbeite», im Ausstand befinde». Znsauimen sind also zirka 1799 Perlone» zu unterhalte». Die Arbeiier anderer Ab- lheilungen haben sich mit de» Slreikende» solidarisch erklärt. In nächster Zeit iverde» auch die andere»?lblheilu»ge» gezwnugeii sei», die Arbeit»tederzulege», da dieselben von der Kämmerei und Vor- bereitung abhängig sind. Der Geist unter den Streikenden ist ein guter, die Ordnung innsterhaft, die Arbeiterinnen wetteifern mit den Arbeitern, l»n die gemeinschaftliche Sache zum Siege zn führen. Die. hiesige» Bürger stehen de» Streikende» sympathisch gegenüber. Wir bitte» alle Geuosseu und Freunde, uns tu unserem gerechten Vor- gehnm»ach Kräften zu unterstützen. Durch besonderes Flugblatt wird in einige» Tagen ei» genauer Bericht über Ursache und Stand deS Streiks gegeben iverden. Geldsendiiilgen sind zn richten an: H. Thielbar, Delmenhorst. Koppelstraße. Strafbefehle wegen Verletzung des§ 153 erhielte» zivci Ar- beiler in München, weil sie durch.Ehrverletzung" nicht streikende Töpfergcscllen zu bestimmen versucht habe», sich am Streik zu belhetlige». I Ausland. TaS Streikkomitee der Bndapcstcr Ziegrlarbeitcr beschloß neuerdings, in den Ausstand»inznlrete». Man glaubt aber, daß der größte Theil der?lrbeiler sich demselbe» nicht anschließe» wird. So berichtet ein Herold-Telegrannn vom 19. d. M. Dagegen theilt die Wiener „Arbeiter-Zeilnng" mit, daß der Streik im weseiitlichc» beendet sei; mir in drei Fabriken, deren Inhaber sich weigern, die Forderungen der Arbeiter anzuerkenne», werde»och nicht gearbeitet.— Der Streik, so heißt es m einem Berichte an obigeS Blatt, hat die Lage der Ziegelarbeiter bedeutend verbessert; nicht nur daß sie wesentliche Zugeständuiffe erreicht babe», er hat auch die öffentliche Meinung ausgerüttelt, und daS will bei einen» Lande wie Ungarn nicht wenig sagen. Die Bewegung greift jetzt auf die Provinz über. In der Mohacser Dampfziegelei, die 359 Ardeiter beschäftigt, ist der Streik bereits ausgebrochen. I« Trieft stehen die Tischler und Böttcher im Streik. Tic schwedischen Scemannö- und Heizer- Fachvrrcinc haben beschlossen, am 25. Jnli in eine» allgemeinen Ansstand einzn- treten, falls folgende Forderunge» nicht bewilligt iverde»: Ein Minimalloh» von 59 Kronen monatlich, zehnstündige Arbeitszeit inklusive der Mahlzeiten, und Extrabezahlnng sür Uebcrarbeitszeit.. Der Ausstand der belgische» Bergarbeiter dauert unver- ändert fort Da die Zechenbesitzer zu den Sitzinigen der Arbeits- kammern in den einzelnen Orlen zum theil gar nicht erschienen wäre», die Erschienene» aber auch selbst die vorläufige Zurückziehniig der Arbeitkordnnnge» verweigerte», so sind die Berhandlunge» ganz ergcbmßlos gewesen. Der belgische Bergarbeiterbund und der Generalralh der sozialistischen Arbeiterpartei haben jetzt die Unter- stützung der Ausständigen in die Hand genommen. Fünfhundert Bergarbeiter sind»ach Nordfraukreich gewandert»nd haben sosort in dortige» Zechen Einstellung gesunden. In Havre haben am Sonnabend 399 Hafenbau-Nrbeiter wegen Lohndifferenzeii die Arbeit eingestellt. Zur Achtflnudenbewegnug der englische» Maschinenbauer. Die Sitnatio» ist gegenwärtig eine den Arbeitern sehr günstige. Zwei weitere Londoner Firmen haben bewilligt. Im Londoner Distrikt sind es im ganzen tauin 3999 Mitglieder der Organisation der Maschinenbaiier, ivelche durch den Konflikt in Mitkeidenschast gezogen sind; davon haben cp» letzte» Sonnabend erst 1599 Streik- unterstützuna erhalten. Da die Organisalion auch Nichtorganisirle» eine— allerdings geringere— Unterstützung zukommen läßt, so haben eine Menge dieser die Arbeit uiit niedergelegt. Mehrere Fabriken sind infolge dessen ganz geschlossen. Die Unternehmer beabsichtige». i» Newcastle eine Zilsammeuknnst abzuhalte», um über de» Kon- slikt zn berathen. In Newcastle habe» die Zimmerleule und Tischler beschlossen. Extrabeiträge von ihren Mitgliedern zn erheben. »m die Maschinenbaiier zu»nterstützen. Die K u p s e r s ch»i i e d e- Gewerkschaft ivill zu demselben Zweck vo» ihre» Mitgliedern pro Woche 1 Schilling erhebe». Bon dem Sekretär des Deutschen Metall- arbeiler-Berbandes Schern, i» Nürnberg ist ein Sympalhieschreiben bei dem Achtstlludeiiromitee eingelaufe». Den Meldnnge» bürgerlicher Blätter zufolge hat der Archi- diakomis von der St. Panlskirche versucht, eine Verstäudigiiiig zwischen Unlernehinern und Arbeitern herbeizuführen; zu diesem Zweck will er eine Konserenz einberuse». Das Achtstmidenkomitee hofft nicht viel von diesem Plan; die Maschinenbauer seien zu erbittert, daß eine Arbeitssperre außerhalb Londons verhängt worden sei. da die Arbeiter außerhalb Londons doch bereit waren, unter de» bisherige» Bedingungen weiter zn arbeiten Erst »nisse man die letzteren wegen der verlorene» Löhne entschädigen, ehe es zu einer Konferenz kommen könne. Unter dein Vorsitz von Alexander Siemens hielt am Mittwoch der Londoner Distrikts- Verband der Maschinen- und Schisisbanineister eine Versammlung ab. Es wurde ausgemacht. dan Schritte zur Versöhnung zn thu» Sache des Verbandes sei; die Initiative müsse von den Arbeitern ausgehe»., Sozmlcs. Verwendung von schulpflichtigen Kinder» zum Austragen von Zeitungen, Brot und Milch. Der Hamburger Senat hat als Landes-Zentralbehörde fiir den Bezirk der städtischen Polizei- behörde bestimiilt, dast znm Älustrage» von Zeitungen, Brot und Milch Kinder unter 12 Jahren nicht vor 8 Uhr morgens und nicht nach 8 Uhr abends, und schulpflichtige Kinder, die das 12. Lebens- jähr vollendet haben, nicht vor 7 Uhr morgens und nicht nach 9 Uhr abends verivandt werde» ditrfen. Zuwiderhandlungen werden ans grund des§ 147 Ziffer 4 der Gewerbe-Ordnung mit Geldstrafe bis zu 300 M. und im Unvermögensfalle mit Haft bestraft. Die Ver- ordnung tritt am IS. August in kraft. Eine wichtige Entscheidung fiir Mitglieder freier Hilfs- kassen ist vom sächsischen Ministerinin des Innern unterm 30, Mai d. I. gefällt worden. Eine Anzahl Dresdener ein« geschriebener Hilsskassen, denen von der Anssichtsbehörde aufgegeben worden war, an die doppelt versicherte» Mitglieder(das heißt die noch bei einer Geineinde-Krankenversichernng oder einer auf grund des Krankenversichernngs- Gesetzes errichteten Krankenkasse angehöre»), die an stelle von Arzt und Medizin ein Viertel des ortsüblichen Tagelohnes mehr an Krankengeld erhallen, diesen Betrag auch für Sonntage auszuzahlen, an denen Krankengeld nicht gezahlt wird, halte sich mit einer Eingabe um Entscheidung dieser Frage an das Mintsterinin geivandt. Die Antwort bez. Entscheidung ist nun beim Stadtrath eingegangen und zn Ungunsten der freien Hilsskassen ausgefallen; auch an erwerbssähige Kranke soll dieser Betrag gezahlt werden. Die Frage, heißt eS in der Entscheidung, ob diese Geldleislung auch an Sonn- und Feiertage» sowie in dein Falle z» erfolgen habe, wenn das Hilfskassen-Mitglied zwar krank, aber nicht eriverbsnnfähig ist, sei unbestritten. Dann heißt es wörtlich weiter: Zweifellos ist sie dem Wortlaute des§ 75 gegenüber zu ver« »einen, da von einer Erhöhung des Kraukengeldes nur dann die Rede sein kann, wenn solches überhaupt zn gewähren ist. Kranken- geld aber auch nach§ 6 des Gesetzes nur bei Erwerbsunfähigkeit vom dritten Tage nach dem Tage der Erkrankung an und für die Arbeitstage zu leisten ist. Das Ministerium des Innern ist indessen der Ansicht, daß auch in den Fällen der Erwerbsfähigkeil und für Sonn» und Feiertage die Abfindung mit dem vierten Theile des ortsüblichen Tagelohnes stattzufinden hat, da nach dem im Gesetze unzweideutig zum Ausdruck gebrachte» Grundsätze die Hilfskasse unter allen"Verhältnissen ebensoviel wie die Gemeinde-Krankenver- sicherung leisten und daher ausnahmslos in allen Krankheits- fällen, um ihre gesetzliche» und statutarischen Verpflichtungen zn erfüllen, unbedingt entweder ärztliche Behandlung und Arznei oder den vorgeschriebenen Brnchlheil des Krankengeldes als Entschädigung hierfür gewahren muß. Mit dieser Auffassung stimmen übrigens anch die Erklärungen überein, die der Urheber der jetzigen Fassung des dritten Absatzes von§ 75 im Reichslage hierzu abgab, indem er ausführte, es sollten die Mitglieder der Hilsskassen an stelle ärztlickier Behandlung einen Geldbetrag beanspruche» können.(Schicker, Kommentar znm Krankenversicherungsgesetz, Anm. 29 zu Z 75, vergl. auch Woedtke, Anm. 13 zn§ 75.) tieftet; die Lage der Metallarbeiter i» Leipzig giebt eine Broschüre Aufschluß, die den Lesern das Material einer von den Leipziger Metallarbeitern im vergangenen Winter veranstalteten Statistik bietet»nd ans der zn ersehen ist. daß sich die Erhebungen zwar nicht ans alle, aber doch auf die größten Betriebe der Metallindustrie Leipzigs erstreckten. Die Statistik nnifaßr 183 Betriebe mit zusammen 11 724 Arbeitern; davon sind 10155 erwachsene Männer, 724 Arbeiterinnen und 845 Lehrlinge. Ueber die Zustände i» den einzelnen Fabriken und Werkstätten wird mit- getheilt, daß 137 derselben genügendes, 32 dagegen nnr unzureichendes Tageslicht haben, während in einer Fabrik den ganzen Tag bei Gaslicht gearbeitet iverde» muß, wodurch namentlich im Sommer «ine unerträgliche Hitze entsteht, unter der die Arbeiter sehr zn leiden haben. Auch die Abendbeleuchtnng ist ost mangelhaft. I» der Fabrik von Dierksmeyer u. Helsner hat sich jeder Schleifer eine eigene Petroleumlampe zu halten, er muß dazu anch die Zylinder, -welche durch spritzendes Wasser häufig zerbrochen werden, selber kaufen. Ventilationseinrichtungen sind in 99 Betrieben in genügendem, in 03 dagegen in ungenügendem Maße oder garnicht vorhanden. Eine Fabrik wird mittels der im höchsten Grade gesnndheitsschäd- ilichen offenen Koaksöfen geheizt. In einer anderen Werkstatt wird täglich mehrere Stunden am Feuer einer Feldschmiede mit Kali gehärtet. Den hierbei entstehenden Ranch müsse» die Arbeiter oft stundenlang einathmen, da eine geeignete Abzugsvorrichtung nicht besteht. Im ganzen sind etwa 39 pCt. aller Betriebe zn verzeichnen, deren sanitäre Zustände viel zu wünschen lassen. Genügende Wasch- einrichtungen sind nur in 77 Betrieben vorhanden, während sie in anderen 77 unzulänglich sind und in 17 Betrieben ganz fehlen. Ferner wird häufig über mangelhafte Schutzvorrichtungen, unzureichende Bedienung der Dampskeffel, ungenügende Heizung der Arbeitsrämne, schlechtes Trinkwasser und inaugelhafte Abortanlagen geklagt. Die Arbeitszeit ist in den meisten Be- triebe» auf 10 Stunden, in einigen Schmiede- und Klempnerwcrk- stätten aus 9Vs, anch 9 Stnnden festgesetzt, sie wird aber in de» weitaus meisten Fällen durch Neberflunden derart aus- gedehnt, daß eine tägliche Arbeitszeit von 14 Stunden nicht selten vorkominl. Dabei beträgt die Mittagspause oft nur eine halbe Stunde. Mehr als die Hälfte aller Betriebe gewähren keinen Zuschlag für Ueberstunden. Tie Zahl der Lehrlinge ist in manchen Fabriken eine unverhältnißmäßig hohe. In einem Falle kommen aus 119 Arbeiter 40 Lehrlinge, in einein andern auf 564 Arbeiter 96 Lehrlinge u. s. iv. Die Lehrzeit beträgt 3 bis 4, anch 5 Jahre. Die meisten Lehrlinge erhalten ein geringes Kostgeld, ein Theil derselben jedoch garnichts. Gerichts-Jettung. Von großer Bedeutung, speziell fiir das VereiuSlefteu, ist eine Entscheidung des Ober-Berivaltnngsgerichls, die soeben be- kannt wird. Wir derichteten bei Gelegenheil der mündlichen Ver- Handlung bereits über das Vorgehe!, der Polizei gegen den polnischen Turnverein Sokol in Graudenz. Die Behörde hatte die Statuten des Verein? verlangt und sie auch erhalten. Da sie jedoch polnisch gedruckt sind, gab die Polizeiverwaltung dein Vorstande des Vereins auf, eine deutsche Uebersetznng des Schriftstückes ein- zureichen. Man begründete dies Verlangen damit, daß man sehen wolle, ob etwa§ 2 des Vereinsgesetzes auf die Vereinigung Anwendung finde. Die Beschwerden des Vorstandes beim Regierungspräsidenten und Oberpräsidenten blieben ohne Erfolg. Letzterer berief sich ans das sogenannte Geschäftssprachen-Gesetz vom 28. August 1876. Die Geschäftssprache der Behörden Preußens sei danach die deutsche, also könne die Polizei auch die Statuten in deutscher Uebcrsetzung verlangen. Der Vorstand des Sokol klagte nunmehr beim Ober- Verwaltungsgericht gegen den Obcrpräsidenten und ließ sich durch den Rechtsanivall Dr. von Laszewski vertreten. Der 1. Senat des Gerichts kam in der mündlichen Verhandlung»och nicht zu einer Entscheidung. Es ivurde beschlossen, die Entscheidung aus- zusetzen und das Urtheil den Parteien schriftlich zugehen zn lassen. Die Entscheidung, die nun vorliegt, i st z n g n n st e n des „Sokol" ausgefallen. Aus den Gründen ist hervorzuheben: 2 des Vereinsgesetzes komme nicht in Frage; eine Einwirkung ans öffentliche Angelegenheiten sei nicht erwiesen. Run sei allerdings richtig, daß sich das U e b e r w a ch u n g s r e ch t der Polizei auf Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. alle Vereine erstrecke und daß von ihnen die Behörde die ver- sch i e d e n st en Auskünfte verlangen könne. Dieser Pflicht hätte indcß der klagende Vorstand mit der Ueberreichung der Statuten genügt. Es sei die Ausgabe der Polizei, sich die Mittel zum polizeilichen Einschreiten selbst zn verschaffen; sie müsse deshalb eventuell selbst für eine Uebersetznng der Statuten sorgen. Auf das Geschäflssprachen- Gesetz könne sich der beklagte Oberprasident anch nicht stütze». Sein Z 1 betreffe nur die eigenen Eingaben und Erklärungen von Privat- personc» und die Beilagen, die noch als Theile jener gelte» können. Aus andere Beilagen beziehe sich das Gesetz nicht, besonders aber nicht ans die in fremder Sprache abgefaßten Werke und Urkunden einer Privatperson, die den schriftlichen Verkehr mit einer Behörde veranlaßlen. Die fragliche Bcrfügung der Polizeiverwaltung von Graudenz sei dariiin außer kraft zu setzen. Eine eigenartige Ursache lag der Vertagung einer Anklage« fache zu gründe, ivelche gestern vor der 136. Abtheilnng des Schöffen- gerichts verhandelt werden sollte. Dem Rohrleger M. wurde Körper- Verletzung zur Last gelegt. Als Hnuptbelastungszeuge trat ein Bau- meister auf. Vor Eintritt in die Verhandlung lehnte der Angeklagte den einen der beide» Schöffen wegen Besorgniß der Befangenheit ab. Er begründete dies damit, daß er gesehen habe, wie der Schöffe und der Verletzte sich zuvor auf dem Flur auf das freundschasllichfie begrüßt und sich längere Zeit unterhalte» hätten. Er müsse an- nehmen, daß das Gespräch sich um ihn und seine Anklagesache gedreht habe, und befürchten, daß der Schöffe für den Zeugen und gegen ihn eingenommen sei. Der Gerichtshof glaubte, den Antrag des Angeschuldigte» nicht ablehnen zu sollen und vertagte die Ver- Handlung. Vevsmnmltmgett� Die Bauarbeiter hielten am II. Juli eine öffentliche Ver- sannnlung bei Wernau, Schivedterstr. 23 ab. Das Referat über die Lage der Bauarbeiter, welches Krüger übernommen hatte, wurde mit großem Beifall ausgenommen. Unter anderm sprach sich der Referent gegen den Arbeitsnachiveis der Maurer« und Zimmermeister aus, der nur den Zweck erfüllen soll, billige Arbeitskräfte von außerhalb heranzulocken. Sieben Kollegen schloffen sich dem Ver- bände an. Zni» Schluß wurde eine Resolution angenommen, durch welche sich die Anwesenden verpflichten, für die Organisation zu wirken. Tie freie Vereinigung der Bauarbeiter nahm in ihrer Monatsversannnlnng am II. d. M. die Abrechnung vom zweiten Quartal 1897 entgegen. Dieselbe ergab einen Bestand von 79,54 M. Dem Kassirer ivurde Dccharge ertheilt. Ans der Neuwahl des ge« saunnten Vorstandes gingen hervor: Krüger, 1. Vors.. Müller, 2. Vorsitzender, I l l m a n n lind H o f f l e i t h als Schriftführer, Kiekeber und Friedrich als Kassirer, Barth el. S ch u in a» n und T h r a n n als Revisoren. Die nächste Mit- gliederversammlnng findet am 15. August in der Andreasstr. 26 bei Wilke statt. Ter Verband aller in der Kiirschiierbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hielt am 12. d. M. seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab, in welcher Rieh in über das„Ein- gesandt" in Nr. 13 des„Kürschner" referirte und eine darauf be- zügliche Resolution angenommen wurde. Die Abrechnung des ersten Quartals betrug eine Einnahme von 104,40 M., eine Ausgabe von 42,65 M., mithin bleibt ein Bestand von 61,75 M. Der Gesamml- bestand beträgt zur Zeit 437,58 M. Unter Verschiedenem stellt Kollege Peters einen Antrag ans Arbeitslosen-Ilnterstütznng, wird aber gegen einige Stimmen abgelehnt. Zun» Schluß macht der Vorsitzende noch bekannt, daß die nächste öffentliche Versammlung am Montag, den 26. Juli, im Schützenhause stattfindet. Tie Stellmacher nahmen in ihrer letzten Versammlung zunächst den Kassenbericht des Kassirers entgegen. Danach betrug für das 2. Quartal die Einnahme 415,44 M., die Ausgabe 46,30 M., der Kassenbesland 369,14 M. Nach Berathung einiger Anträge, betreffs einer Entschädigung der Vorstandsmitglieder für die Borstands- sitzungin, ivurde ein Beschluß gefaßt, ivonach nnr den während dieser Zeit arbeitslosen Vorstandsmitglieder die Entschädigung zu gewähren sei. Ueber die vorgekommene Aenderung des Aersaunnlungstages zur letzten Vereinsversainmlnng wurden von verschiedenen Seiten Mißbilligungen lautbar, worauf be- schloffen lvurde, auch ferner wie zuvor die Versammlung am Donnerstag vor dem 15. jeden Monats stattfinden zu lassen. Nach« dem Kollege Baum einige Nachlässigkeiten des Vorstandes rügte, wurden die Angelegenheiten betreffs der Vereinsvergnügungen erledigt. Kollege Schwarz warnt vor Uebertreibungen in dieser Sache, die Organisation sei eine Kampfesorganisation und kein Vergnügnngs- verein, folglich sind die Vergnügungen auch nur zn veranstalte», wenn sie zweckmäßig seien, um in weiteren Kreisen der Kollegen die Geselligkeit wie auch die Agitation für den Verein zn fördern. Zinn Schluß forderte der Vorsitzende die Anwesenden noch auf, für den Besuch der nächsten Versammlung recht rege zu agitiren und mehr Interesse für den Verein zn bekunden, wen» er was Ersprieß. lichcs leisten soll. Der Unterstiiitutigsverein aller i» der Hnibranche be- schäftigte» Arbeiter»nd Arbeiterinnen(Filiale Berlin) hielt am Dienstag, den 13. d. M., eine Mitglieder-Versammlung ab, welche äußerst zahlreich besucht war. Bevor in die Tagesordnung eingetreten wurde, gab der Vorsitzende auf Anregung der Ver- sammelten bekannt, daß der frühere Kassirer der Filiale Berlin, C. Kempe, sich schwerer Veruntreuungen im Gesamintbetrage von über 10 000 M. schuldig gemacht hat und sich dieserhalb in Unter- suchungshafl befindet. Zum 1. Punkt der Tagesordnung wurde nach längerer Debatte dem Vertreter in der Gewerk- schaftskonnnission aufgegeben, bei der nächsten Delcgirten- Versammlung der Geiverkschastskonnnissio» zu beantragen, die Delegirten mögen beschließen: die seinerzeit anläßlich des Streiks von den Atitgliedern der Filiale Berlin bei der Gewerk- schaflskommission entliehenen 3000 M. zu quittiren, da die Ver- sannnlung es für unmöglich hält, unter den jetzigen Verhältnissen diese Summe von der Filiale Berlin aufzubringen. Zum 2. Punkt der Tagesordnung giebt der Vorsitzende bekannt, daß die deutsche Hutsabrik an die Firma Silber u. Brand für 80 000 M. verkaust sei. Von einer Anzahl Redner wurde die Art. wie der Verkauf durch den Firmeninhaber B o r g m a n n bewerkstelligt ist, kritisirt. Di« Versammlung schloß sich diesem Tadel einstimmig an. Eine anslerordentliche Mitglieder-Versammlung dcö Zentral Verbandes der Zimmerer Dentschlandö, Zahlstelle Berlin, beschäftigte sich am Sonntag, den 13. d. M., eingehend mit dem Thema:„Unsere Lohnbewegungen in diesem Jahre". Dem Vorstand wurde Austrag erlheilt, daß er, sobald die Lohnbewegung in Berlin beendet sei. Schritte thu» möge, um die übrigen Zimmerer- Streiks in Deutschland thatkräftigst zu»nler- stütze». AlS dann wurde ei» 91» trag, welcher besagt, den Mitgliedern des Zentralverbandes, welche vom Streik betroffen werden, pro Woche 6 M. extra au? der Verbandskasse zu gewähren, gegen zwei Stimmen abgelehnt. Die Anwesenden wurden ersucht, mit aller Energie für unsere jetzige Forderung einzutreten, damit der Sieg recht bald erreicht werde. Das Mitglied H e y in a» n wurde als Bezirksknssirer für den Bezirk 5(Moabit) ernannt. Britz Ter hiesige VolköbildungSPerein hielt am Montag den 12. d. M. feine Generalversammlung ab. Der Bericht des Vor- standcs ergab, daß im verflossenen Vereinsjahr 4 Generalversaunn- lungen, 20 Mitgliederversammlungen und 24 Borstandssitzungen stattfanden. Der Verein zählt 37 Mitglieder. 9lns dem Bericht des Kassirers ist zu entnehmen: Einnahme inkl. Bestand vom vorigen Quartal 89,38 M., dem gegenüber stand eine 9lusgabe von 62,55 M:, sodaß ein Bestand von 26,33 M. verblieb. Die Revisoren be- stätiglen die 9lbrechnung des Kassirers, und wurde dein- selben Decharge ertheilt. In den Vorstand wurden hieraus gewählt: W o d t k e, Äorsitzender; H u t t e r, Schriftführer; N i e m a n n, Kassirer; Beisitzer: Ernst, Köhler, Dorn; Revisoren: R o h in, C z y ch ii l s k i, K u r s ch, Schneider. Da die Biblio- thek vorn Verein wieder zurückgekauft ist, wurde Genoffe C z y ch u l s k i zum Bibliothekar gewählt. Unter anderem wurde noch beschlossen, die Versammlungsabende auf den Freilag vor dem 1. und vor dem 15. eines jeden Monats zu verlegen, nachdem ein 9lntrag, nur einmal im Monat zu tage», mit Rücksicht aus die be- vorstehenden Reichstags-Wahlen abgelehnt war. In dem Bericht über die öffentliche Volksversammlung in Steglitz, siehe unser» Bericht in der Nummer vom Sonntag, muß es heißen:„in die Lokalkonnnission für Zehlendorf wurden gewählt die Genossen Otto B i e l k e und Oskar Richter. Ein Lokal steht den Genossen von Zehlendorf zur Verfügung, aber der 9lmtsvorsteher Milinowski sorgt in ausgedehntem Maße dafür, daß dort keine Versammlungen stattfinden können. Die Verbote erstrecken sich bis aus die Mitgliederversammlungen des Zentralverbandes deutscher Maurer. Depeptzen und letzte LlÄcheirhten. Wien, 19. Juli.(B. H.) Einer Konstantinopeler Depesche der „Neuen Freien Presse" zufolge soll der Friedensabschluß unmittelbar bevorstehen. Gestern Nachmittag sind die Berhandlungen im Tophanc- 5iiosk wieder aufgenommen worden. An denselben nahinen Theil der türkische"Minister des Aeußern Tewfik Pascha und zwei andere türkische Delegirle. Wie es heißt, soll eine Einigung wegen der Grenzregulirung erzielt worden sein. Gerüchtweise verlautet. die Großmächte hälten der Türkei nun auch noch die Stadt Ty- navos zugestanden, Merane, 19. Juli.(W. T. B.) Seit 6 Tagen streiken über 1000 Bauarbeiter. Der heulige Versuch der Streikenden, vereinzelle Arbeitsaufnahme zu verhindern, wurde von der Polizei unterdrückt. Es kamen einige Berhastnugen vor. Durch Landcsschntzen verstärkte Patrouillen halten die Ordnung aufrecht. BehördlichePlakate warnen die Streikenden vor Llnsschreitnngen. Es kamen keine weiteren Ruhe- störungen vor. Kattotvitz, 19. Juli.(W. T. B.) Das„Oberschlesische Tage- blatt" meldet: Ter neuerbaute 150 Fuß hohe Schornstein der Zink- Hütte in Rodzin ist heute Nachmittag unter donnerähnlicher Detonation eingestürzt, wobei mehrere Personen getödtet und mehrere leicht verletzt wurden; eiiie9lnzahl soll sich noch unter den Trümmern befinden. Bitdapest, 19. Juli.(W. T. B.) 9l b g e o r d n e t e n h a u s. Der Finanzminister von Lnkacs besprach in längerer Rede die Zuckerprämien-Vorlage und bezeichnete es als irrig, daß diese Vor- läge einen Vertrag zivischen Oesterreich und Ungarn bedeute, und äußerte sich schließlich über die Haltung der Opposition. Hierbei erklärte er, daß das Schicksal des Kabinets keineswegs von der 9lnnahme der Vorlage abhänge. Sollte dieselbe fallen, so könne wohl die Landwirthschaft, die Industrie und der Staats- schätz beträchtlichen Schaden erleiden, aber der Sturz der Re- gierniig werde dadurch nicht herbeigeführt. Dieselbe werde unter allen Umständen ihre Pflicht thun, um den Konstitutionalismus und de» Parlanientarismus zn schützen. Die Rede wurde sehr beifällig alifgenoinmen. Prag, 19. Juli.(B. H.) Das Zustandekommen des allge- ineinen Zuckerkartells ist gesichert; nur eine kleine ungarische Fabrik verweigert den Beitritt. Die Errichtung des Kartells wird aber da- durch nicht verhindert. Kattotvitz, 19. Juli.(B. H.) Tie neile, von Giesche's Erben erbaute Zinkhütte in Nodzin-Schoppinitz, die gestern in Betrieb ge- setzt worden war. wurde heute Nachmittag durch den Einsturz des 150 Fuß hohen Schornsteins theilweise zerstört. Mehrere Personen wurden getödtet und verwundet. Bis AbendS wurden 3 Todte»nd 2 Schwerverwundete aus den Trümmern hervor- gezogen. Die Ursache der Katastrophe ist aller Wahrscheinlichkeit, nach auf Explosion des Flugstanbes zurückzuführen. Veuedig, 19. Juli.(B.H.) Im hiesigen Hafen kollidirte eine Gondel in der sich ein Herr und eine Dame aus Trieft befanden, mit dein Lloyd- dampfcr„Graf Wnrmbrand". Beide Personen fielen ins Waffer. es gelang jedoch, dieselben zu retten. Die Dame hatte allerdings schwere Verletzungen durch die Schiffsschraube erlitten. Lansanile, 19. Juli.(W. T. B.) Der große Stadtrath hat für den S i in p l o n- D u r ch st i ch einstimmig eine Subvention von einer Million Franks bewilligt. PariS, 19. Juli.(93. H.) Der hier eingetroffene Botschafter Eambon dürste»ach der Konferenz mit Hanotanx sofort nach Kon- stantinopel zurückkehren. Cambon ist der 9lusicht, daß der Friedens- schlich bald erfolgt. Tie Grenzregulirung sei eine rein strategische. Die Kriegsentschädigung sei auf 4>/z Millionen türkische Pfund definitiv festgesetzt worden.' Londo», 18. Juli.(W. T. V.) Dein„Reuter'schen Bureau" wird ans Tanger gemeldet, daß die besondere italienische Gesandt- schast nach einem 9lufe»thalle von zehn Monaten.am Hofe des Sultans von Marokko zurückgekehrt ist; alle zwischen Italien und Marokko schwebenden Fragen seien von der Gesandtschaft ge« regelt worden. London, 19. Juli.(W. T. B.) Das„Reuter'sche Burean" meldet ans Konstantiuopel. der Minister des 9leußeren Tewfik Pascha habe am Sonnabend den Vertretern der Mächte den Eni- wurf eines Friedensvertrages vorgelegt. Dieser Entwurf halte nicht nur an der Grenzlinie Salambria-Xeragis fest, sondern fordere auch eine Kriegsentschädigung svon 4>/z Millionen Pfund, also eine halbe Million Psnnd mehr als der von den Botschaftern festgesetzte Betrag, und komme auf die Forderung der 9lbschaffung der Kapitulationen zurück. London, 19. Juli.(V. H.) Aus Sebastopol wird den„Times" telegraphirt, die russische Flotte sei angewiesen worden, klar zu machen, um den Hafen innerhalb kürzester Zeit verlassen zn können Madrid, 18. Juli.(W.T.B.) Nach einer amtlichen Meldung aus Manila wurden mehrere Banden Aufständischer von den Re- gierungSlruppen geschlagen, wobei der Anführer der ersteren Aguinaldo verwundet wurde. Tie Gesammtzahl der bei den letzten Zusammenstößen getödtclen 9lnfsländischcn ist 33. Warschau, 13. Juli.(B. H.) Die Regiernng bewilligte die Herstellung einer Verbindungslinie der Weichsclbahn von Tomaszow bis zur österreichischen Grenze. Warschau, 19. Juli.(B. H.) Durch Großseucr wurden in Monaslyrszhtiua 400 Wohnhäuser und mehrere öffentliche Gebäude eingeäschert. Sieben Personen sind verbrannt. Sofia, 19. Juli.(B. H) In dem demnächst stattfindenden Kongresse der Zankoivislen beabsichtigt Zankoiv, die Leitung der Partei niederzulegen. Konstantiiiopel, 19. Juli.(B. H.) In den letzten Tagen sind wieder beunruhigende Gerüchte zirlulirt. Tie Kausleute i» Stainbnl haben gestern ihre Geschäfte zeilig geschlossen, da man Unruhen be- fürchtete. Heute durchziehen starke Patrouillen die Stadl. Kanea, 19. Juli.(B. H.) Bei dem Dorfe Piscopi hat ein großer Raubzug der Mohamedaner gegen die Oelmagazine der Christen stattgefnrlden. Türkische und italienische Truppen griffen die räuberischen Baschibozuks an und trieben sie zurück. Tie Rebellen halten 40 Todte und inchrcrc Verwundete. Infolge des Umstandes, daß die Unterstützung seitens der englischen Truppen nur eine sehr schwache war, drohte Adnriral Kanevaro mit der Zurückziehung der italienischen Besatzung. Washington, 13. Juli.(Meldung des„Reuter'schen Bureaus".) Der neue Gesandte der Vereinigle» Staate» in Madrid, Woodford, ist angewiesen worden, für die Familie des Hingerichteten Dr. Ruiz eine Entschädigung von 75 000 Dollar zn verlangen. Labnaii»(Britisch Nord-Bornco). 19. Juli.(W. T. V.) Ter Schatzmeister der Regierungskasse in Gaya, Neubronner, wird noch immer von Mnt Safleh gefangen gehalten, aber gut behandelt. Der Führer der 9lusständischen und 150 bis 300 von seinen Leute» hallen eine befestigte Stellung am Jnanam-Flnsse besetzt; wie es heißt, haben sich zwei Stämme Eingeborener mit Mnt Salleh ve» buiiden. Die von hier ansgesandte britische Expedition ist in Gaya angekoinnien, wo sie Verstärkungen erwartet. Max Babing in Berlin. Hierzu t Beilage u. Iknterhaltnngsblatt) Für den Jnseratentheil vernntwortlich: Th. E locke in Berlin,-e Druck iinb Verlag von Nr. 166. 14. IchMg. L�'Slge dev Lv�szll�vthciliüung rvivd uns noch folgendes geschrieben: Während der Sluer'sche Vorschlag von vornherein auf die Errnigung sozialdemokratischer Mandate für das preußische Abgeordnetenhaus verzichtet und unser Eintreten ausschließlich zur <>erilark>li>g dcr� bürgerlichen Opposition wünscht, hofft Bernstein durch seinen Vorschlag zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlage» 17."«rulich außer der Verstärkung der bürgerlichen Opposition noch die Malst einer kleinen Zahl sozialdemokratischer Abgeordneten zu erreichen. Ter Verfasser dieser Zeilen ist nun der Meinung, daß Bernstein durch dieses„Zuviel" seine», eigenen Kinde schadet; er wünscht den Bernstein'schcn Vorschlag in seiner strengsten Einfachheit zu ver- tietei, und zwar mit der ausschließlichen Absicht, sozioldeniokratische Abgeordnete in den Landtag zu bringen. Es wird sich zeigen, daß hierbei, je nach dem Verhalte» der bürgerlichen Oppositionsparleien bei der Wahl, unter Umständen sogar eine Schwächung dieser Parteien erfolge» kann, unter Umständen freilich, die ei» Bedanern ausschließen. Die�., Kerntruppe" der Opposition i», Landtag bilden die beide» frnstiinigen Parteien/ welche Bernstein wie Auer denn mich wesentlich ins Auge fassen. Von ihnen zählt die„freisinnige Volkspnrtci" im Abgeordnetenhaus 14 Köpfe, während die„freisinnige Vereinigung". die sich übrigens den Namen der„Wadenslrümpfler" wohl erworben hat, ganze fi Mann stark ist— d. h. 20 Liberale unter 433 Abge- ordneten! Wie wenig Aussicht aber diese Parteien auf erhebliche» Zuwachs haben, geht daraus hervor, daß im Jahre 1833 auf preußischem Boden zu», Reichstage gewählt wurden: IS von der freisinnigen Volksparlei nnd 9 von der freisinnigen Vereinigung! Die Aussichten also, eine starke Oppositionspartci im Abge- ordnetenhaus zu schaffe», sind die denkbar schlechteste» und die sozialdemokratische» Wähler werden sich hüte», diesem Gedanke» zu Liebe einen Arbeitstag zu opfern, ganz abgesehen von den Be- denke», die einer Agitation für die Liberale» entgegenstehe». � Anders dürfte sich die Stimmung der sozialdemokratischen Wähler gestalte», wenn der Versuch, eigene Kandidaten in das Ab- geordneteiihaus zu bringen, ohne dabei bedenkliche Abmachiinge» mit aiideren Parteien zu treffen, sich doch als nicht ganz aussichtslos darstellt. Ueber die Bedeutung, die es haben würde, wenn auch nur einem oder zwei Sozialdemokraten eine neue Tribüne zugänglich würde, von der sie ihre Stimme gerade in solche» Fragen erheben könnten, die für das Proletariat in Stadt und Land von der eluschneidenste» Bedeutung sind— darüber besteht kein Zweifel. Mit recht weist mal, ans den außerordeiitlichen Vortheil hin, den für die Erringung des neue» Wahlrechts das österreichische Proletariat durch die Anwesenheit des einen Pernerstorffer im österreichischen Rcichsrath hatte. Dieses Ziel zu erreichen strebt der Bernstein'sche Vorschlag. Nach ihm wäre— wem, streng immer nur das eine Ziel der Er- oberung von Mandaten im Auge behalten wird— an Wahlbetheiligung mir in solchen Kreise» zu denke», wo Freisinnige oder allenfalls demokratisch angehauchte Zentrumslcnie bisher die Mandate inne haben oder bei den letzte» Wahlen mit sehr große» Minderheiten unterlagen. Hier wären sozialdemokratische Wahlmänner aufzustellen und eine möglichst große Anzahl derselben durchzubringen. Die Schwierigkeiten der Ausstellung der Wahlniänner, die riesigen Opfer, die die Wahl selbst von unseren Wählern verlangt, werden keinen Augenblick verkannt; ja wir wüßten de» bisher besprochenen Schwierigkeilen noch weitere hinzuznzählcn — wir werden aber sehen, daß selbst scheinbar sehr kleine Er- folge hier das erstrebte Ziel erreichbar machen. Bernstein's Vorschlag knüpft nämlich für die von den Wahlmännern vorzunehmenden Abgeordnetenwahlen an eine diesen Wahlen eigenthümliche, bisher kaum genügend gewürdigte Vorschrift au— ein Umstand, der es erklärt, weshalb gerade die„Theoretiker" zuerst den Vorschlag begünstigte». Nach der Wahlvorschrift werden nämlich in de» hier in betracht kommenden Kreise» zwei oder gar drei Abgeordnete in getreu» t-e„ Wahlgängcn gewählt. Haben nun die Wahl- »lännerivahle» ergebe», daß die Freisinnigen nicht a» sich die absolute Majorität habe», wohl aber mit den von uns durchgebrachten Wahl- männer» zusammen, so wird ihnen von unserer Seite ohne jede weitere Verhandlung erklärt: �Stimint Ihr im ersten Wahlgang sür de» von uns aufgestellten sozialdeniokratischen Abgeordneten und ist derselbe als gewählt erklärt, so werden wir i», zweiten resp. auch noch im dritten Wahlgang für Eure Kandidaten eintreten. Fällt im ersten Wahlgang unser Kandidat durch, so verlassen unsere Wahl- männer sofort das Wahllokal, ohne sich an weitere Abstimmunge» zu betheiligen." Freilich, die Zumnthung hat für die Liberalen etivas Demüthigendes; nichtsdestoweniger ist sie berechtigt und nolh- wendig. Denn ihre Disziplin ist locker und sie könne», wie sie selbst zugeben müssen, ihrer Lcnte nicht absolut sicher sein, wenn diese offen für eine» Sozialdemokrate» eintreten solle». Für»ns aber ist diese„Abmachung" oder dieser„Kompromiß" nicht bedenklich; für diese Abmachung gellen voll nnd ganz die von Bernstein zitirten Worte Liebknechl's in der Vorrede zum„Leipziger Hochverraths- Prozeß". Freilich, ein Bedenke» hat der Vorschlag, wie bereits anfangs erwähnt— aber nur für solche, die noch ernsthaft a» die Macht- Möglichkeit einer bürgerlichen Opposition glauben. Wie steht es nämlich, wen» die Liberalen erklären, auf unsere Forderung nicht einzugehen, lieber auf ihre Mandate zu verzichte», als einen Sozialdemokrate» z» wählen? Sie könnteil das in der Thal an einigen Orte» versuchen— in der Hoffnung, daß unsere einmal gewählten Wahlniänner ihnen doch als kleinerem Uebcl zum Siege verhelfen müßten, und beispielsweise hat Mehring erklärt, daß unsere Wahlmänner sich dann wirklich in einer Zwangslage befänden. Dem kann ich durchaus nicht ziistimmen. In dem- selben Augenblick, wo die Freisinnigen erklären, eher ihre Mandate aufs Spiel zu setzen, als für eine» Sozialdemokraten zu stimmen, in demselben Augenblick beweisen sie, daß sie auch in rein- politischer Beziehnng zu der einen reaktionären Masse gehören, beweisen sie, daß sie auch in r e i n p o l i t i s ch e r Beziehung»i ch t mehr das kleinere Uebel für uns sind. Und ist das einmal begriffen, so bin ich sicher, daß unsere Wahlniänner in diese», Fall ruhigen Gewissens das Wahllokal verlasse» werden— unbekümmert darum, ob hierdurch von den ganze» 20 Freisinnigen im Abgeordnetenhause noch diese oder jene Leuchte verschwindet. Es fragt sich nun einmal, oh denn überhaupt irgendivelche Aus- sichten auf Erfolg vorhanden sind, dann wie zu entscheide» ist, ob in einem Wahlkreise in die Wahl eingetreten werden soll. Zur Be- antivortung der ersteren Frage wiederhole ich, daß an ein Eintreten nur gedacht werden kann in solche» Wahlkreisen, in denen die Frei« sinnige» entweder bisher die Majorität halten, so i» Breslau mit seine» drei Abgeordneten, wo ihre Majorität nur äußerst gering war, so daß ein kleiner Erfolg unsererseits sie bereits in die Zivangslage bringt, einmal für uns z» stimmen, u», die beiden andern Mandate zu rette», oder in solche», wo sie knapp vor der Majorität stehen, so in Königsberg, wo die Gegner von 1013 Wahlmänner» höchstens SSI hatten, in Hagen i. W., wo die Nationalliberalen von SKS Wahlmänner» nur 283, also grade eben die absolute Majorität halten,»nd i» Frankfurt a. M., wo die Nationalliberalei, mit 321 von 64S Wahlmännern siegten— hier gaben die vereinigten Gegner(Freisinnige und Volksparteiler) 317 Stimmen ab; einige Wahlniänner fehlten bei der Abstimmung. Wie soll nun entschieden werden, ob Wahlbetheiligung in Preußen überhaupt zulässig sein soll? Man hat aus de» Hambnrger Parteitag veriviese» und mit recht. Aber der Parteitag als solcher kann nur den Kölner Beschluß insofern rückgängig machen,, als er erklärt: „Die Betheilignng an der Landtagswahl ist Angelegenheit der Genossen des betreffenden Landes." itts Juniiiitls" Knliim Ein solcher Beschluß würde für alle überigen Bundesstaaten mit Ausnahme von Preußen nur die b e st e h e n d e n Verhältnisse gut heiße». Ob man aber in Preußen zur Landtagswahl schreite» soll, darüber können nur die Preuße» entscheiden. Um einen besonderen Parteitag mit seinen Kosten zu ersparen, würde es sich empsehlei, zur event. Abstimmung nach gemeinschaft- sicher Diskussion nur die aus preußischem Gebiet gewählten Telegirtcn aufzurufen. Taklisch völlig verfehlt erscheint es, schon auf dem Parteitag zu erkläre», daß man auf keinen Fall zur Wahl schreiten wolle. Schon der Umstand, daß die Wahlbelheiligungsfrage in nnseren Reihen lebhaft diskutirt wird, hat Verwirrung bei den Gegnern hervorgerufen; politisch klug wäre es, jene bis zum letzten Augen- blick über unsere Enlscheidung im Ungeivissc» zu lassen. Das läßt sich sehr einfach durchführe», ohne uns selbst etwas z» vergeben; ich erlaube mir zum Schluß einen Weg von gewiß vielen mögliche» vorzuschlagen. Tie preußische» Delegirle» auf dem Parteitag be- schließen: I. Wo in die Wahl eingetreten wird, darf es nur zu», Zweck der Erringung eines sozialdemokratischen Mandates geschehen, und zwar nach Maßgabe des oben formulirten Vernstcin'schen Vor- schlages. Irgend welche andere Unterhandlungen oder Verträge mit anderen Parteien sind unzulässig. 2. In anbelracht der außerordentliche» Schwierigkeiten und der gewaltigen Anforderunge» an den Opfermuth der Genosse» haben in erster Linie die Genosse» der einzelnen in belracht kommenden Wahlkreise zu entscheiden, ob sie in die Wahl eintreten wollen. Nur wen» ei» Dringlichkeitsbeschluß mit sehr großer Majorität gefaßt ist, können weitere Schrille unternommen werden. 3. Da trotz dieser Einschräntungen»och übereilte Beschlüsse zu stände kommen könnte», müsse» diejenigen Wahlkreise, welche Wahl- betheiligung beschlossen haben, das zu ernennende Zentral-Wahlkomilee sür die preußischen Landtagswahlen(etwa die preußische» Mitglieder der Reichstagsfraktion) befragen. Erst mit dessen Zustimmung darf die Wahlbetheiligung erfolgen, wenigstens soll nur i» diesem Falle ans die Unterstützung der preußischen Gesammtpartei gerechnet werden dürfe». Würde in Hamburg so beschlossen werden, so wäre erstens die Entscheidung bis zum Augenblick des Handelns hinausgeschobe» - die Gegner bliebe» im Ungewissen. Nichtsdestoweniger wäre» ivir zweitens vor Uebereilungen geschützt nnd drittens könnte kein Wahlkreis von außen zur Betheilignng gezwungen werden, was — das mag ausdrücklich wiederholt werde»— bei den ungeheuren Opfern, die die Wahlbelheilignng erheischt und die von de» Be- fürworler» des Vorschlags bedingungslos zugegeben werde» müsse», uinimgänglich nölhig ist. Ein Wahlkreis aber, der da? Opfer bringt nnd ivirklich eine» Sozialdemokraten in das Abgeordneten- Haus entsendet, dürfte der Bewunderung»nd des Dankes der Gc- sammtpartei sicher sein! I-. A. •• • Die Wi e» e r„Ar 6 ei te r-Zei t u»g" spricht ebenfalls in einem längeren ülrtikel über die preußische Landingswahl und die Sozial- demokratie; sie erwähnt die verschiedenartigen Meinungen, welW über diese Frage laut geworden sind, und giebt schließlich ihr eigenes Urtheil. Bei de», Interesse, mit dem die österreichischen Genossen die deutsche Bewegung begleite», halten wir sür angezeigt, die Meinung derselbe» zu verzeichnen. Die„Arb.-Ztg." schreibt: So weit sich das bisbcr übersehen läßt, haben sich thalsächlich die»leisten deutschen Partciblatter und Parieiversauunlungen für die Betheilignng erklärt. Wir glauben: mit Recht: und man wird im allgemeinen dem nur beistininie» können, wie Bern- stein die Einwände gegen die Wahlbeiheiligung zurückweist. Die „Reinheit des Klassenkampfes" und des prinzipiellen Gegensatzes gegen die bürgerlichen Parleie» kann durch ein Wahlkompromiß nicht leiden. Es handelt sich doch hier um die leichtverständliche gc- meinsanie Aktion gegen die Nbcnteurerpolilik der Junker und Stumm's. Was thäten denn die Sozialdemokraten in Frankreich und in der Schweiz »eben politisch streng radikalen Parteien? Gemeinsame Bestrebniigen um die politische Freiheit können doch den Klassengegensatz des Arbeiters»ud des Bürgers nicht verdecken, wen» dieser einmal den Arbeitern deutlich bewußt geworden ist. Die mündliche Stimmen- abgäbe und die widerwärtige Wählnrt kann aber die preußische» Sozialdemokraten schon gar nicht hindern. Haben beides doch b e i uns die Mährer, die Schlesier, die Linzer». s. w. zun, t h e i l siegreich n b e r w n» d e». Bleibt nur, daß die Aus- sichtslosigkeit selbständiger Kandidaturen die Kampfcslust sehr herab- stimmt. Da muß es nun den Sozialdemokrate» gelinge», die große Masse des arbeitenden Volkes darüber aufzuklären, was diesmal von, Kampf gegen die Junker abdängt. Wie wir schon oft ausgeführt haben, rüsten Junker und Stumm z»«ine», mächtigen Vorstoß. Um die Regierung ans ihre Seite zu bringen, haben sich die Junker, die erst vor einen, Jahre das Verslein gesungen hatten:„Kein Kanitz, keine Kähne!" in große Flotlcnschivärnier verwandelt. Sie könne» ihre Absichten nur erreiche», wenn sie den Widerstand des Volkes besiege»..Heute geht es ans Vereinsrecht, wer will abstreiten, daß es morgen nicht gegen das R e i ch s t a g s w a h l r e ch t gehen kann? Deshalb, weil das all- gemeine Wablrecht des Reichstages der festeste Kitt der Reichs- einheit ist. ist es keineswegs unantastbar. Was kümmert die bankerotten Ostelbier die Sicherheit der Reichseinhcit? Gerade weil es das Volk mit so abgefeimten Milteln ausschließt, ist das preußische Dreiklassenivahlrecht zun, Ideal aller Rcaklionäre in Deutschland geworden. In Sachse n wurde es im vorigen Jahre eingeführt. Da ist wohl die belle Abwehr, daß man de» Junker» ihr geliebtes Drciklasse» Wahlrecht„ach Thun- l i ch k e i t u n s ch in a ck h a f t macht, indem>na» ihnen so viel Sitze abknöpft als nur möglich. Heute fehlen ihnen mit Stumm im Bunde nur acht Stimme» zur Mehrheit. Das ist ein unerträglicher Zustand. Freilich muß der Kamps mit dem Bürger- thui», den Freisinnigen und de», Zentriin, vielleicht, sogar theilweise mit dem nichtagrarische» Flügel der Nationalliberalei, im Bunde geführt werden. Eine„„angenehme Bnndesfreiiudschaft, geiviß. Doch die allgemeine Mißstimmung gegen die Junker nnd gegen die reaktionären Hirschanerstückchen des neuen Kurses in ganz Deutschland, besonders in den intelligenten sowie in den reichstreuen Schichte» des Bürgerlhums, der Kampf des Bürgerthnnis mit den Agrarier» wegen des Börsengesetzes, der Zölle und der Währungsfrage, mache» es wahrscheinlich, daß es diesmal den, Bürgerthun, ernster ist mit seinen Abwehrabsichten. Bei politischen Aktionen entscheidet aber i» erster Linie der nächste Ssveck, wenn er lebenswichtig ist. Aber sür die Arbeiterklasse wie sür das ganze deutsche Volk bildet es die Lebensfrage: Die Junker und die Leute vom Schlage Stumm's politisch unschädlich zu machen oder wenigstens ausgiebig zu schwäche». Das ist in Deutschland jetzt das eine, das nolhthnt.— Uolmlss. Der Sozialdemokratische Wahlverein für de»» 1. Berliner Wahlkreis hält am Mittwoch, den 21. Juli, in Cohn's Festsälen, Benthstr. 20, eine Versammlung ab, zu der um recht regen Zuspruch gebeten wird. Die Zahlstellen befinden sich bei M c r s ch e l(früher Linke), Jüdenstr. 36; P r e u ß, Neue Friedrichstr. 20; Sommer, Grünstr. 23; Moll, Klosterftr. 101. Dort werden auch neue Mit» glieder aufgenommen. „Die Heiligen der letzten Tage" oder, wie sie sich noch lieber nennen hören:„Die Mormonen", haben am gestrigen Sonntag Nach- mittag in Berlin eine Sitzung abgehalten. Um die Propaganda in Berlin in möglichst großen, Stile anszusühren nnd der Konkurrenz- ff, DinißG. 20. fllli 1897. feite der Heils-Armee de» Wind aus den Segeln zu nehmen, waren aus Lake-City, der Salzseestadt Utah, ne»» Aelteste eingetroffen um die Bewohner Berlins zun, Mormonismus zu bekehre». In Kühn's Festsäle» in der Niederwallstraße waren an, Sonntag Nach- mittag etwa Ivo Personen erschienen, die zum großen Thcil aus Augehörige» der hiesigen Mormonen-Sekte bestanden, the' aber auch aus Offizieren der Heilsarmee, aus den Sekten ue Jrvingiauer, Baptisten jc. sich zusainmensetzie». Ein monotoner, schier endloser Gesang eröffnete die Konferenz. Dann sprach der Aelteste der Stettiner Mormonen, Mr. Larki», ein Gebet und Mr. Hyde aus Utah eröffnete die Reihe der Anträge an die„lieben Geschwister" mit einer Anrede, in welcher er bat, das Evangelium mit den Glaubensartikeln der Mormonen zu vergleichen. Die Grund» sähe der letztere» lauten:„Keusch, tugendhaft, wohlthäiig", drei Glaubensartikel, die sich mit denen der großen Christenheit deckten. Der Präsident der Liverpoler Mission, Mr. A. S. Wells, versuchle sodan» de» Zuhörern das Evangeliuni der Heiligen der letzten Tage klarzulege». Gott habe in, Staate New-Iork de» damals 14jährigen Joseph Smith, dem nachmaligen Propheten und Oberhaupt der Mormonen, das Evaugeliu», verkündet. Luther, Zwingli, Calvin seien ja ganz gute Männer gewesen, aber Gott habe diesen, weil es noch nicbt an der Zeit gewesen, de» ne»e» Glauben nicht verlautbare» lassen. Mr. R. D. Hoiitz ans Utah erklärte, daß das Mormonen- Evangelium ohne jedes Enlgeld verkündet werde, das sei doch ein Beweis dafür, welch ein gottgefälliges Werk damit geschehe! An, Abend sprach der Präsident der schweizerischen Mission, Herr Lauter- sack, über„Uiah". Die Mormonen zählen in diesen, Staate über 300 000 Anhänger und hätten sich mit der Regierung völlig ausge- söhnt. Die Vielweiberei unter de» Anhängern dieser Sekte sei gänz- lich abgeschafft, man habe sich den Gesetzen des Staates gefügt. In Berlin lebe» etiva 100 Mormonen, Männer und Frauen, zumeist dem Kleinbürgerstande angehörig, deren Aeltester Mr. A. E. Hyde ist Erste Hilfe bei Unglücksfälle». Das Polizeipräsidinn» bringt insbesondere de» Herren Aerzten in Erinnerung, daß der Magistrat dem Polizeipräsidim» 24 Kästen mit Verbandzeug»nd Mittel» sür die erste Hilfe bei Unglücksfällen, Verletzungen und plötzlichen Er- krankunge» zur Verfügung gestellt hat»nd daß diese Hilfskästen de»»achbezeichneten Polizeirevieren überiviesen worden sind: Flemmingslr. S, Wühlerlstr. 1, Grünthalerstr. 11, Kaiser Wilhelmstr. 25, Kaiser Wilhelmstr. 18 e. Neue Königstr. 91 (der hier vorhandene Kasten wird gleichzeilig von, Polizei- revier Liehmannstr. 10 mitbenutzt). Neue Friedrichstr. 4, Holz- marktstr. 12(der hier vorhandene Kasten wird gleichzeilig von, Polizeirevier Andreasstr. 62 milbenuht), Kreuzbergstr. 23(der hier vorhandene Kasten wird gleichzeilig vom Polizeirevier Zossenerslr. 37 mitbenntzi), Kronenstr. 73/74, Charlottenstr. 28/26, Lindenstr. 71, Große Frankfurterstr. 17, Christinenstraße 16(der hier vorhandene Kasten wird gleichzeitig vom Polizeirevier Zehdenicker- straße 12 o und vom Polizeirevier Straßbnrgerstr. 24 niilbcnntzt), Memelerstr. 39(der hier vorhandene Kasten wird gleichzeitig von, Polizeirevier Stralauerplatz 8/9 und vom Polizeirevier Königsberger- straße 26/27 mitbenutzt), Müllerstr. 13S, Brunnenstr. 113, Oderberger- straßc 24/25, Frankfurter Allee 143, Hornstr. 2. Teltowerstr. 16. Gneisenaustr. 61, Hochstr. 87, Stargarderstr. 76.— Diejenigen Polizeireviere, ivelche in der Nähe von öffentlichen Krankenhäusern oder Saiiitälsivachei, belege» sind, haben keine Kästen erhalten. Die Hilfskästen enthalten Berbaudsgegenstände und Arznei- mittel.— Ferner hat der hiesige Magistrat den, Polizei- präsidiii», 19 Tragbahren behufs Verwendung in den Polizei- wachen zum Transport Verunglückter überwiesen. Diesen Bahren befinden sich i» folgende» Revieren: Oberwallstr. 20», Fleuinriugstr. S, Neue Königstr 91, Holzmarktstr. 12, Kreuzbergstr. 23, Königin Augnstastr. 36, Kronenstr. 73/74, Gharlotteustr. 2S/26, Lindenstr. 71. Benthstr. 4. Louiseu-Ufer 44. Stralaner Platz 8/9, Kotlbnserstr 4b, Christinenstr. 16, Memelerstr. 39, Oppelncrstr. 1, Müllerstr. 136, Oderbergerstr. 24/25, Teltowerstr. 16. Die Theaterageutnren. Seitens der Minister des Innern und des Handels ist ein Runderlaß an die Regierungspräsidenten, be, treffend die Ucberwachung der Theateragenturen, gerichtet worden. Der Erlaß besagt, wie die„Berliner Neuesten Nachr." mittheilen:„Die infolge unseres Runderlasscs vom 30. Angust v: I. vorgelegten Zählkarten über die Theateragenturen lassen erkenne», daß bei Feststellung der Vorstrafen nicht überall mit der erforderlichen Sorgfalt verfahren worden ist. So sind in einer Reihe von Fällen nur Uebertretungen oder Strasthate» angegeben, deren Eigenschaft als„Vergehen" nicht ohne weiteres ersichtlich ist, während in anderen Fällen der Agent„so viel bekannt" alS„»bestraft bezeichnet ivird. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß durchaus unzuverlässige Personen jahrelang das Gewerbe als Theateragent ausüben, ohne daß das Nntersnchungsverfahre» aus§ 35 der Gewerbe- Ordnung gegen sie eingeleitet wird und es scheinen thatsächlich Agenten vorhanden zu sein, bei welchen noch jetzt die Ein- leilung dieses Verfahrens in Erwägung genommen werden könnte, obgleich die letzten einschlägigen Straflhalen bereits eine Reihe von Jahren zurückliegen. Die Polizeibehörde» sind daher anzuweisen, in allen Fälle» das Vorlebe» der Theateragente» mit Hilfe der Straf- register genau sestzusteNen»nd, falls hierbei Thatsachen sich ergeben sollten, ivelche die Unzuverlässigkeit des Agenten in bezug auf diesen Gewerbebetrieb darlhun, die Klage auf Untersag, mg des Geiverbe- betriebes gemäß Z HO des Znständigkeitsgesetzes zu erheben." Tie trniirige» Gagcnt'crhältnisse der Sommerbtthneu werden ausreichend veranschaulicht durch folgende verbürgte Beispiele: Eine Schauspielerin, die im Winter an eine», größeren, sehr respek- table» Theater engagirt ist, bezieht in ihrem Sonnnerengagement eine Monatsgage von 70 Mk., die in Raten von 5 bis 10 M. zur Auszahlung gelangt. Die betreffende Dame muß für diese Gage all- abendlich i» einer neue» Rolle aiiftretei,, entweder als Liebhaberin oder als Soubrette.— Ein tüchtiger Musiker mit großer Vorbildung nnd Routine bekam von einer reisenden Gesellschaft einen Kontrakt als Opern-Kapellineister mit einer Monatsgage von 60 M. Dafür sollte er tagsiiber einstudiren, abends dirigiren und zur Roth auch noch die Klavierbegleiluiig übernehmen. Ein„Verein Berliner Postsekretäre" ist hier nach dem Vorbilde des Postassistenten-Verbandes vor kurze», begründet worden. Wir entnehmen hierüber der„National-Ztg." das folgende: Der Vorstand desselben fordert jetzt mittels Ausrufes die Postsekretäre in Berlin nnd den Vororten auf, der neue» Vereint» gung beizutreten. Bemerkenswerth ist in dem Ausruf„die Er- klärung, daß der neue Verein gebildet sei i», Vertrauen aus das Wohlwolle» der von unsere» Bestrebiingen unterrichteten vor- gesetzten Dienstbehörde", und daß der Verein demgemäß„manches früher Versäumie nachzuholen bemüht sein wird." Wie verlautet, soll das Hauptziel des neuen Postsekretär-Vereins dahin gehe», in, Gehalt eine Gleichstellung der Postsekretäre n>it den preußische» Gerichtssekretären zu erreiche», deren Meistgehalt„ach der vor kurze», abgeschlossenen BesoldungSausbessernng 3300 Mark beträgt (gegen früher 3300 Mark) während sich das Meistgehalt des Postsekretärs ans 8500 M. belänft. Merkivürdig erscheint es bei diese» allgemeinen Bestrebungen der neuen Beamtenvereinigung, daß man letztere als„Verein Berliner Postsekretäre" begründet hat. welcher die Postsekretäre der übrigen— 40 Ober-Postdirektions- bezirke nicht beitrete» können, obgleich sie an der Aufbesserung des Gehalts nicht minder interessirt sind, als die Berliner Post- sekretäre. Eine Liquidationskommission, die zu„liqnidiren" versteht. Von den 63 000 M. des VereinsmögenS des aufgelösten Kons»»,- Vereins„Südivest". lediglich„Ersparnisse" der Mitglieder, sind a/s mit vielem Ach und Krach vertheilt worden, und die übrigen 20 900 M. verschwinden jetzt unter den Händen der Liqnidalions- lommljffton wie Butter unter der Sonne. Wie das..Fremdenblatt� niltthellt, hat der Vorsitzende erbauliche Dinqe über die Thätigkeit der Kommission ausgeplaudert. Zunächst beschlossen die Herren, den ganzen �tarkeubestnnd zu zählen»ndzuforliren, und liquidirten zunächst für die Stunde 1 M., bald aber verlangten und erhielten st« pro Stunde l.dv 3)J. Was dafür geleistet wurde, darüber erzählt der Vorsitzende solgendes: An einem Markenzähltage war der Geburtstag des Schriftführers Kl., eines alten jovialen Herrn. Da flogen die Marken »ii die Ecke. Herr H. sehte eine„zufällig mitgebrachte" Ziehharmonika »ii Bewegung, und unter Scherz»nd Gesang wurden Bier und Zigarren vertilgt. Für diese Thätigkeit liquiditren 6 Personen je V Stnuden ä 1,50 M., zusainnmien 54 M. 0?iitc grostc Betricböstörnng gab es am Sonntag auf der Stadtbahn. Der Zug. der von Johniinisthal nach dem Grunewald um 11 Uhr S Minuten vormittags über Bahnhof Friedrichstraße fährt, mußte in der Nähe der Lkarlstraße angehalten werden, weil uian auf dem nördlichen Geleise einen Schienenbruch entdeckt hatte. Obwohl sofort alle Mittel anfgeboten wurden. den Schaden auszn- bessern, so dauerte eS doch 50 Minuten, bis man die gebrochene Schiene durch eine neue erseht und das Verkehrshinderniß beseitigt batte. Welch' ein riesiges rollendes Material sich in den sünfzig Minuten ansaminelte, kann man sich vorstellen. wenn man bedenkt. daß wir Sonntags auf der Stadtbahn den Dreiininuten- Verkehr haben. Dabei war es noch ein Glück, daß der Verkehr nur nach der einen Richtung stockte, während das andere Geleise niigehindeit befahren werden konnte, und daß die Stockung noch in die Vor miltagsftnndeu fiel. Ohnehin aber fainmelten sich ans allen Bahn Höfen große Mcnscheumengeu an, die eine Stunde lang vergeblich auf den ersehnten Zug warteten. Nu» die Neberfüllung der Züac im Vorortverkehr zu ver- hindern, ersucht jetzt die Eiseubahu-Direktion Berlin das Publikum mittelst Anschlags auf den Vortort-Stationen, die Rückkehr aus den Vororten nach Berlin an den Sonn- und Festtags- Abenden nicht bis in die letzten Stunden vor Mitternacht, d. h. bis in die letzten Betriebsstuiidcn, zu ver- schieben, weil es der tSisenbahu-Verivallung nicht möglich sei, in diesen Stunden so viele Züge zur Versüguug zu stellen, daß bei dem starken Andrang der Verkehr ohne Uebersüllung der Züge bewältigt »Verden könne. Ein»euer Jiidnstriczwcig hat in den letzten Jahren in Deutschland mehr und mehr an Ausdehnung gewouiieu, nämlich die Herslelluua. von Pflastersteiiien aus Schlacke. Wie die„Eiseuzeilung' »uitlheilt, gelangen in best Berliner Vororten seit einiger Zeit Pflaster steine zur Verweudung, welche aus Schlacken gegossen sind. Die Mansfclder Kupfer und Schiefer bauende Gewerkschaft in Mansfeld und Eislebeu stellt diese Schlackensteine her. Die Schlacke ist Kupfer- Hochofenschlacke. die aus den vier Hochöfen der Geiverkschafl in eiserne Wagen abgestochen und unmittelbar aus diesen vergossen wird, und zwar iu eiserne Formen, die je SK Steine enthalte». Wenn man früher noch nicht auf die Idee kam, diese Abfallstosse industriell zu verwerlhen, so lag das daran, daß die Schlacken,»venu man sie ohne weiteres in die Formen gießt und an der Luft erkalten läßt, zu einer völlig unbrauchbaren glasigen Masse erstarren, die so hart und spröde ist, daß sie weder das Einrammen, noch viel weniger den Stoß der Wagenräder aushalten kann. Die Erfahrung hat iiun gelehrt, daß diese sonst ganz werthlosen Masse» ciiicu guten Stein abgeben, iveun die Formen gut vorgewärmt sind und man die Schlacke nllmälig abkühle» läßt. Die gefüllten Formen werden zu dem Zweck sofort nach dem Gießen hoch mit Saud bedeckt und hernach miudestcus 72 Stunde» sich selbst überlasse». Sind sie dann völlig abgekühlt, so erweise» sich diese Schlackensteine als ganz vorzuglich inid können mit dem besten schwedischen Granit in Wettbewerb treten. Da sie wegen ihrer Herslellnug durch Guß den Vorzug einer regelmäßigen Form haben, so daß die Fugen sehr klein werden können, ist solches Pflaster daher auch ziemlich geräuschlos. Die Versuche in Berlin haben ein sehr günstiges Ergcbniß gehabt. Nach diesen Erfolgen »vird man den Versuch machen,'ob sich diese Schlackenmassen nicht auch zu Bausleincn verarbeiten lasse». Gegen die bisherige Leitnug der Kredit» und Koni- m i s s i o n s b a n k s ü r L a n d w i r t h s ch a f t, Gewerbe- und G r u n d st ü ck s v e r k e h r, die in Konkurs gerathen ist, hat der neue Vorstand bei der Staatsanwaltschaft die Strafanzeige erstaltct. Das zweite Geschäftsjahr der Bank, das Jahr 1394, schloß»ach dem Geschäslsbcrichte mit einer Dividende von 0 pCt. ab. Die Goncrab Versammlung vom 9. April 1896 genehmigle auch für das 3. Ge schästsjar, 1395, dieselbe Dividende und erlheilte die Decharge. Hiernach und nach dem Gcschäslsberichl halte die Lage der Bank im?lpril v. I. noch gut sei» müssen. Aber schonim Septembcrcrklärtc der Bücherrevisor Richter, der ein halbes Jahr vorher die Prüfung vorgeuomme» hatte, daß die Gesellschaft vor dem Konkurs stehe. Der Zusammeii- hrnch hat über 300 Geiiosscnschasler, meistens kleine Gewerbe- treibende und Beamte, unglücklich gemacht. Sie haben nicht nur ihren GeschäflSanlheil von 300 M. verlöre», sondern ans grnnd der Haftpflicht auch noch je 600 M. für den Aulhcil. Von einem Hiiudc beinahe zu Tode gebisseu wurde am Sonntag Nachmittag der 40 Jahre alle Friseur Hugo Kurzinann a»S der Scharnhorslslr. 40. Kurzinann war in der Louisen- und Phtlippstraße seinem Geschäfte nachgegangen und kehrte gegen 2 Uhr in die Gastwirlhschafl von Brüning, Philippstr. 1, ein. Hier neckte er, da er etwas augelrniiken war. einen Hund, der schließlich den Spaß falsch verstand, zufaßte und dem Kurzinann die�Schlagader am linken Arm aufbiß. Der Bursche verband ihm die Wunde mit einem Taschentuch. Anstalt nun aber zu einem Arzte zu gehen, lief der Aerletzte in der Philippstraße umher, bis er bewußtlos zusammen- brach. Er wurde nach einer halben Stunde ausgefnudeu und er- schöpft in ein Krankenhaus geschafft. Vom Tode des Ertrinkens gerettet. Ei» i» der Bergstraße zu Nixdorf wohnender Gastwirth. der mit einer größere» Anzahl von Kollegen und Freunden eine Dampferpartie nach dem Zeuthener See uiiteriiomme» hatte, sah hier von der Landungsbrücke aus, »vi« unweit des Ufers ei» Boot, in welchem sich ein Fabrikbesitzer aus Berlin und dessen Gattin befanden, kenterte und beide Insassen ins Wasser stelcn. Während die übrigen Theilnehmcr der Partie noch starr vor Schrecken am Ufer staiiden, warf sich der Gastwirth sofort in ein Boot, ruderte nach der Unfallstelle hin und es gelang ihm mit äußerster Krastanstreugnng, die mit den Welle» Ringende» aufs Trockene zu bringen und so vor dem Tode des Ertrinkens zu bewahre». Ein zweiter Unfall ereignete sich am Sonntag auf demMüggel- see. Hier kenterte ein Segelboot und beide Insassen fielen in die Flntheii. Hiiizukoniinende Ruderer retteten die Vernnglücklcn. Verletztes Ehrgefühl hat vorgestern zwei Männer, beide Familienväter, in den Tod getrieben. Der Bodeumeister Adolf Selmke aus der Usedomstraße Nr. 9, ein Mann von 60 Jahren, der in einer Getreidehandlung am Görlitzer Bahnhof angestellt war, kam vorgestern Mittag ganz verstört nach Hause. Als ihn seine Frau theilnehmend fragte, was denn geschehen sei, erwiderte er bitter, man habe ihm Unrecht gelhan; es seien sechs Sack Mais ver- schwunden, und ihm lege man den Verlust zur Last. Er wisse jedoch nicht, wo sie geblieben seien, und wolle zum Spediteur gehen, um eine Aufklärung des Verlustes zu versuchen. Damit ging er weg. Vergeblich warteten seine Angehörigen auf seine Rückkehr, bis seine Frau einen traurige» Gruß aus Plötzensee erhielt. Dort hatten gester» Morgen zwischen 4 und 5 Uhr Arbeiter in der Haide die Leiche eines Mannes gefunden, der sich in knieeuder Stellung mit seinem Halstuch erhängt hatte. Bei dem Tobten, den sie auf dem Gehöft eines benachbarten Restaurants niederlegten.»m danil der Ortspolizei ihren Fund anzuzeigen, fanden sie einen Zettel, der einen Gruß an Frau Selmke in der Usedomstr. 9 enthielt. Es war Selmke'S Abfchiedsgrnß an seine Frau. Dies« und ein Sohn erkannten die Leiche als die ihres Manne« und Vaters.— Etwas anders liegt der zweite Fall. Der Modelltischler Fritz Gericke ans eue ein der Großen Frankfurterstr.»93 hatte seit langer Zeit eine eigl Werkstatt und arbeitete selbständig für»ine gute Kundschaft. S Eifer und Ehrgeiz aber verleiteten ihn, mehr zu übernehmen, als er schaffen konnte. So halte er u. a. von einer Firma in der Admiral- straß« für einen Preis von 200 M. den Auftrag angenommen, nach Zeichnuiigen einen Lichtscheinwerfer innerhalb einer beftimmteii Frist zu modellircii. Da er jedoch die � Arbeit nicht rechtzeitig liesern konnte, so wurden ihm die Zeichnungen unter Lösung des Vertrages wieder abgenommen. Das nahm er'sich so sehr zu Herzen, daß er tiefsinnig wurde und seit einigen Tagen ganz krank war. Sonnabend Mittag fand man im Friedrichshain einen Mann auf, der sich aus einem Revolver eine Stilgel in die linke Schläfe gejagt hatte. Der Schuß war tödtlich, vier' Stunden nach der Einlieferimg starb der Verletzte, in dem man Gericke feststellte, im Krankeuhause. AlS ein ehrlicher Tefraudant, dessen Reue allerdings zu spät koiiimt, zeigt sich der vor einigen Wochen flüchtig gewordene Inhaber eines Sporlbureaus, Emil Buschan, in der Mittelstraße wohnhast. B., der sich im Auslände aushält, hat dieser Tage an einen hiesigen Rechtsanwalt I. eine bedeutende Geldsumme gesandt mit der Bitte, au diejenigen seiner Kunden die seinerzeit depouirten Weltbeträge zurückzuerstatten, deren Slusträge er, sei es durch seine Flucht, sei es durch andere ilmstäude, nicht zur Ausführung hätte bringen können. Seine Flucht sei— so schreibt V.— dadurch iivthweildig geworden, daß er die ihm zu spät überwiesenen Weit- auftrage nicht ansgesührt und so nicht in der Lage gewesen, auf die erfolgten Totalisatorgewtnuste Zahlung zu leisten. B. hat den betreffenden Rechtsanwalt beauftragt, dahin wirken zu wollen, daß die gegen ihn gerichteten Strafanzeigen zurückgenommen werde» und er oline Gefährdung seiner persönlichen Freiheil nach Deutschland zurückkehren könne. Einige Studeiiteu-Pankercicu sind am Sonntag in einem Lokal in der Auguststraße und in der Wadzeckstraße aufgehoben. Die Polizei überraschte die Herren bei ihren Arrangements und sislirte einige, um die Pcrfonnlien festzustellen. Messerhelden. Am Sonntag Abend drang ein Mann in der Schnukwirthschaft, Kreuzbergstraße 84, auf den Wirlh Alexander Ulrich, der ihm kein Bier mehr verabreichen wollte, mit dem blanken Messer«in und verletzte den dem Wirlh zur Hilfe kommenden Steinmetz Louis Dalmaskio durch einen Stich in die Schulter. Der Thäler ergriff daraus die F'ucht und eulkam.— In der Nacht zum Sonntag eutslnnd vor dem Hause Zionskirchslraße 54 eine Schlägerei, bei der der Arbeiter Franz Rietz von seinen Gegnern, dem lijährigen Tischlcrlehrliug Karl Panis und dem 19 jährigen Schlosser Otto Panis durch Messerstiche am Kopfe und am Hand- gelenk erheblich verletzt wurden. Die Thäter wurden verhaftet. Unfälle im Straßenverkehr. Beim Abspringen von einem durch die Gr. Franksnrterslraße fahrenden Pfcrdebahuwagen siel vormittags die 54 Jahre alte Wittive Pauli»« Eichholtz hin und zog -ich einen Bruch des linken Oberschenkels zu. Sie wurde in daS Krankenhaus am Friedrichshain gebracht.— Vor dem Hause Holzmarllstr. 1 wurde der mit einem Hundeivagen dort haltende Arbeiter Max Schröder durch einen vornberkommende» Henwageii überfahren lind am linken Fuße erheblich gequetscht. Er fand im Krankenhaus am Friedrichs« Hain Aufnahme.— Der Schachtmeister Karl Prinz fuhr gestern Nacht auf d-'n Zweirad die Jüdcustraße entlaiig und fuhr durch igene Nuvorsichtigkeit gegen eine quer über den Fahrdamm auf- �stellte, vorschriftsmäßig beleuchtete Barriere. Durch de» Fall zog er sich eine Quetschung des rechten Beines zu. Polizeilich anfgchaltc» worden ist die Beerdigimg der 67 Jahre alten Italienerin Willwe Rosa Bussani aus der Bnchholzerstr. 2. Die Frau wohnte bci ihrem Sohne, einem Drehorgelspieler und machte sich in dessen Haushalt nützlich, indem sie die Kinder wartete. Arn Freilag war sie ausgetreten und kam mit einer Slirnivunde in die Wohnung zurück. Schon längere Zeit leidend, war sie nun o schwach, daß sie nicht mehr angehen konnte, wie sie sich die Wunde zugezogen halte. Bald daraus starb sie. ohne daß ein Arzt znge- zogen war. Jäh vom Tode ereilt wurde, wie nns ans Heringsdorf mit- zetheill wird, am Freitag ein Berliner Kurgast, der in der Friedrichstraße 15 wohnende Inhaber des Schuhwaareiigeschäfis Fortuna. Herr M. Neustadt. Ter erst 41jnhrig« Mann weilte seit etwa acht Tagen mit keiner Familie i» HcrmgSdors uiid huldigte daielbst stark dem Radfahrsport. Als Herr Neustadt am Freilag Nachmittag eine Liadtour unternahm, stürzte er so unglücklich gegen einen Prellstein, daß er eine tödtlich- Verletzung des Rückgrates erlitt»nd nach wenigen Minute» verschied. Gesperrt wird bie Bcllevue-Allee zwischen dem Kleinen Stern und der Lutherbrücke bchuss Vornahme von Kanalisalioiisarbeite». Gcheimrath Prof. Hahn, Direktor am KcaukenhanS Friedrichs- Hain, hat seinen bis Ende August daueriide» Urlaub augelrele». Ltiiö dcu Nachbnrovtctt. Kiipcuilk. Parteigenossen! In diesem Jahre sindet in der drille» Zlblheiliiug zu dem Stadtverordneten- Kol l e g i n m eine Ergänz ungsivahl statt. Um den Sieg von vornherein zu sichei», ist es Pflicht eines jeden Parteigenossen, sich zu überzeugen, daß sei» Name auch richtig in die Wählerliste ein- getragen ist. Dieselben liegen im Rathhans bis 31. Juli öffentlich ans und können von jedem stimiiiberechliglen Ein- wohn» eingesehen werden. Die B e r t r a u e» s p c r s o n. Achtung, Parteigenossen! Anläßlich des bevorstehenden Schützenfestes in Schöuholz sei ganz besonders ans nachsolgcudc Liste aufmerksam gemacht: In Schöuholz sind sämmtliche Lokale für den persön- l i ch e ii Verkehr frei mit Ausnahme von„Schotte" und„Schloß Schön holz", welches Eigenthum der Schützeitgilde ist. In Nieder- Schönhausen wolle inaii nur folgende Lokale besuchen: Thiele, Bismarckstraße 44. Seltekorn's Waldschlößchen, Liudenstraße 1. Schlal's Klubhaus, Lindenstraße 25. Weibliche Fahrgäste dürfen nicht anfS Verdeck! so hat die Stadtverordneteii-Veisaminluiig von— Köpenick beschlösse», mit der Begründung, daß die Freigabe der Deckplätze der Pferdebahn- wagen für Damen den dortigen Verhältnissen nicht auzlipassen sei, weil in Köpenick die polizeiliche Benufsichligniig zur Vermeidung von— Ungehörigkeitcn nicht so wie in Berlin erfolgen könne. Welcher Art diese„Ungchörigkeiten" sei» löniiteii und ob sich in Berlin gezeigt habe, daß die Benutzung der Tecksitze durch Dauien einer besonderen„polizeilichen Beaussichrigung" bedürfe, wurde von den Köpenicker Stadlvätern nicht dargelegt. Sliilaß zu dem erwähnten Beschlüsse gab die zur Verhandlung stehende Nenverpachtniig der Köpenicker Pferdebahn, für welche sich zwei Berliner Unternehmer gemeldet haben. Iu der Vering'fchcu Farbenfabrik In Charlottenburg brach am Sounabend Abend gegen V»S Uhr ein Feuer ans. Der erst» Angriff gegen das verheerende Element wurde von den Angestellten der Fabrik mit der Fenerlöscheinrichtiing unlentommen, woraus die -«fammte Charlolteiibiirger Feuerwehr innerhalb einer Stund« jede - tzefahr beseitigt«. Da« Gebäude des ZinnoberwerkS ist ausgebrannt. das gefmninte Lager n»d drei große Mahlgänge sind völlig ver- nichtet, die zahlreichen Bottiche mit den in der Zubereitung befind- lichen Farbe» fast ganz unbrauchbar geworden. Eine blitiige Schlägerei, bei der wieder da? Messer die Hauptrolle spielte und einer der Beiheiligten lebensgefährlich verletzt wurde, fand in der vergangenen Nacht im Renmann'schen Lokal in der Goltzflraße zu Schöneberg statt. Unter den Gästen bc- änden sich auch ein bei Lilsch und Köster in der Blumenthal- straße bediensteter Kutscher Hermann Gruim, ein in der Blninenthal- straße wohnender Schlosser Wilh. Noack und ein Anstreicher Wilh' Will aus der Schwerinstraße 14. Diese drei gerielhen im Verlause eines Wortgefechtes hart aneinander. Und schließlich artete der Streit zu einer Schlägerei aus, wobei der Letztgsnannle, ein aus Elbing stammender, erst 2Sjähriger Mensch, der Hauptangreiser war, sofort das Messer zog und damit auf seine beiden Widersacher GrUirn»nd Noack so rasend einhieb, daß beide bald blutüber- strömt zusaiumeusankeii. Von den hinzllsprmgendeii andere» Gästen wurde der wütheud um sich schlagende, nur leicht verletzte Messer- slecher mit großer Mühe überwältigt und dann der derbes- gerufenen Polizei übergeben, die ihn nach dem Schöuebergcr Amts- gesänginß brachte, von wo er heute nach Moabit transporlirt wurde. Bon den Gestochene» aber mußte ver Kutscher Grunn, nachdem ihm von dem herbeigernfeiien Arzte ein Noihverbaud angelegt war, scheuiiigst Wittels Droschke nach der Charit«« geschafft werden, da er i» Brust, Hals und Arme» so schwere Verletzungen erhalle» bat, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Auch der andere Ge- stocheue, Schloffer Noack, ist erheblich verletzt, dürste jedoch nach /einige» Wochen wieder hergestellt sei». Mcssiiigbiebe treiben in Nixdorf wieder ihr Unwesen. In der Nacht vom Soniilag zum Montag enlweudelen sie auf dem Grund- stück Maiuzerstr. Nr. 1 eine Thttrklinke, indem sie den Stift heraus« schlugen. An einer zweiten Klinke versuchten sie sich vergeblich, weil sie festgenielet ist. Der Wächler von einem gegenüber liegenden Neubau sah sie bei der Arbeit, ließ sie aber gewähren, weil er glaubte, daß sie nur die Hauslhür öffnen wollten. Eine sehr werth- volle Klinke erbeuteten die Spezialisten in der selben Nacht in der Kaiser Friedrichstraße. Sozittle NvcsztspfleZe. Akkordarbcitcr dürfte ein Nechlsstreit besonders iiiteressiriii, der die Kammer V des Gewerbegerichts beschäftigte. Der Schrauben- dreher M. beanspruchte von dem Fabrikanten Schivarzkopf 55,40 M. und führte zur Begründung aus, er sei ohne berechtigten Grund entlassen worden und habe einen größeren Akkord unterbrechen müssen. Ein Akkord sei ein einheitlicher Austrug, er habe deshalb Anspruch ans die gesammte Akkordsnmme, obwohl die Kündigungsfrist ausgeschlossen sei. Der Beklagte bestritt, dem Kläger einen größeren Akkord übergeben zu haben. Die fraglichen Schrauben würden nur pro 100 bezahlt. Dafür gebe es 1,10 M. Der Kläger babe also höchstens jedesmal verlangen können, 100 sertigzustellsn, M. blieb aber dabei, daß ihm 10 000 Stück mit dem Bemerken übertragen seien:„Hiervon kommen 10 000, für 100 giebl es 1,10 M." Auch sei ihm der Zettel übergeben worden, worauf die Summe 10 000 angegeben ist. Aus Besragen bestätigt der Kläger, daß der Zettel auch den AlkordpreiS pro 100 enthielt. Nachdem der Gerichlshof berathen Halle, ersuchte der Vorsitzende den Kläger, die Klage ziiriickzunehmen. Die Kammer sei derselben Meinung wie der Beklagte. Die Preisabrede für das Hundert sei maßgebend. Wenn auch gesagt worden wäre, es kämen 10 000 von der Sorte, dann verpflichte das den Beklagten nicht gegenüber dem Kläger. Kläger folgte darauf dem Ruthe des Gerichts. TaS Bestrebe», dem NcichS-Versichcrnngöaint die Vefng» nisse eines R e k n r s gcrichts zu iichiiicn und es zur Revisions- iustanz zu degradiren, wird durch den folgenden Fall wieder einmal als durchaus bösartig charallerisirt. Der Knlscher Meckel stürzte seinerzeit in einen etwa 12 Meter tiefen Schacht. Er»uißle sofort in ein Krankenhaus geschafft werden. Erst dort kam der total bewußtlose Mann wieder zum Vewußiscin. Die Brauerei- und Mülzcrei-Bcrufsgenosscnschast bewilligte ihm dann 100 pCt. der Rente für völlige Eiwerbsunsähigkeil. Im Februar 1806 ließ ihn die Benl'sgeuossenschast von iieueni untersuchen. Sie entzog ihm darauf die Reute gänzlich. Das Gutachten eines Dr. Nebel war hierbei für sie maßgebend. Das Schiedsgericht bestätigte demnächst den Bescheid der Berufsgeuossenschast. Äluf den silekurs des Ber- letzten beschloß das ilieknrSgericht, Meckel in der Klinik in Gießen noch einmal uulersucheu zu lassen. Die Anstaltsärzte erstatteten dem Gericht ein ausführliches Gutachten über den Gesundheils- zustand Weckel's. Sie legten dar. daß er durch de» uuvermutheten Fall nicht nur sehr erschreckt worden sei, sondern auch eine Gehirn- eischütternug erlitten habe. Zuerst»ahmen sie a», der Verletzte stmulire, dann aber überzcugtc» sie sich davon, daß er wirklich krank sei. Mehrmals beobachtelen sie an ihm krampfhafte Zuckungen. Sie führen aus, seine Beschwerden seien der Ausdruck einer ich periodisch zu Krämpfen sleigeruden Hysterie, die in dem unglücklichen Falle ihre Ursache babe. Wie eine Besserung, so sei auch eine Verschlimmerung möglich. In welchem Grade W. in seiner Euverbslhätigleit geschädigt sei, könne man schwer sagen. Jedenfalls seien aber 50pCt. der Vollrenle angemeffen. Das Llcichs-Versichcruiigsaml sprach hierauf Meckel 50pCt. der Voll- reute zu. Als Revisiousiustaiiz wäre es nicht iu der Lage gewesen, die vorgenommene Beweiserhebung zu veraustalten lind dem schwer belasteten Mau»« zu Helsen. Gerichts �Seikuttlg» Tic Ermittelung der Ursache, wodurch die Enlgleisnng eines Rangirzuges aus dem Anhalter Güterbahnhofe slallsand, bereiteie gestern der ersten Ferienstrafkammer des Landgerichts I bedeutende Schwierigkeiten. Am Vormittage des 23. Novembrr v. I. war ein Lokomotivführer damit beschäftigt, einen aus neun leeren Wagen be- -tehcnden Zugvon einem Geleise auf da? andere zu schieben. Die Maschine schob die Wagen vor sich her. Sieben der Wagen hatten die Weiche bereits passirt, da entgleisien ohne sichtbare Veranlassung die beiden letzten der Maschine zunächst befindlicheil Wagen, die Maschine sprang aber mit einem H»ps aus das andere Geleise hin- über und fuhr ruhig weiter. Einer der Zugbedienstelen kam hierbei erheblich zu Schaden. Bon den hiuzueileiideu Beamten wurde sestgestelit, daß die Weiche so gestellt war, wie sie stehen mußte, um den ganzen Zug hinüberjiilaffen. Die Anklage- behvrde nahm an, daß der WeichensteNer Ernst ML gel in. welcher die Weiche zu bediene» hatte, de» Hebel zu früh wieder in seine früher« Slelluug der Ruhe gebracht hatte. Dadurch sei die Weiche noch unter dem rollenden Znge und unmittelbar vor der Maschine wieder umgestellt und die Entgleisung herbeigeführt worden. Mögeliii halte sich infolge dessen wegen Gefährdung eines EiseubahiitransporleS nud fahrlässiger Körperverletzung zu verantworie». Er bestritt mit aller Eutschiedeuheit, daß er in der geschilderten Weise ein Versehen begangen habe. Wo- durch der Unfall heibeigesührt sei, könne er sich nicht erklären, er könne nur aniichmeii, daß ein Steiuchen sich in die Zunge geklemmt und die Eutgleisniig der beiden Wagen, sowie das Hin überspringen der Rtaschine bewirkt habe. Auch sämmtliche Kollegen des An- geschnldigten koiinlen«ine Angabe für die Ursache des Unfalls nicht wache». Der als Sachverständige vernommene Re- giernngS- Banralh Stürz hielt es für höchst unwahr- scheinltch, daß ein Sleinchen die Ursache gewesen sei. Es spreche dagegen das Fehlen sämmtlicher Schrammen an der Zunge. Er nehme an, daß der Zlngeklagte im Diensteifer die Weiche zu früh wieder niiigestelll, dann sein Versehen erkannt und schnell die Weiche wieder in die frühere, richtige Stellung gebracht habe. Der Vertheidiger R.-A. Dr. Halle halte einen Zeugen gestellt, welcher bekundete, daß ibin in seiner Praxis ein Fall vorgekommen sei, in welchem ein Weichenapparat nicht sunktionirt halte, zum Glück seien keine bösen Folgen eingetreten. Der zweite Sachverständige, Ober-Bahnhoss- nspeklor 1. Klasse a. D. Engelhardt, war der Ansicht, daß«in bestimmtes Gutachten nur abgegeben werden könne, wenn der Sachverständige »nmittelbar nach dein Unglücksfalle hätte zur Stelle sein können. Auch ihm seien in seiner lange» Praxis Fälle von Entgleisungen vorgekommen, welche nicht mit Vestimmlheit auf eine besondere Ursache zurückzuführen waren. Im vorliegenden Falle könne auch der Pnfferstand der beiden vor der Maschine befindlichen SSiigcu ein verschiedener gewesen fein und ba§ Nußsetzen der Maschine bewirkt haben. Man könne allerdings nur mit Vermuthnngen rechnen. Nehme man an. vaß der Angeklagte das Versehe» begangen habe, so schließe er sich dem Gutachten des Regierungsraths Stürz darin an. daß der Fall sehr milde liege. Der Angeklagte habe in z w ö l f st ü n d i g e r D i e n st z e i t 800 bis 1000 Mal die Weiche» zu stelle». Der Staatsanwall hielt es zwar für sehr wahrscheinlich, daß der Angeklagte eine Fahrlässigkeit begangen habe, aber die Möglichkeit, daß die Entgleisung aus andere Ursachen zu- rückzuführen sei, müsse zugegeben»ud ans diesem Grunde die Frei« fprechung beantragt werden. Der Gerichtehof erkannte auf Frei- sprechung. Ein arger Verstos? gegen Pflichttreue und Zuverlässigkeit wurde dem ehemalige» Briefträger Otto Kessel zur Last gelegt, rvelcher gester» wegen Vergehens im Amte vor der 4. Ferien-Straf- kammer des Landgerichts I stand. Kessel war beim Postamt 42 angestellt. Es gehörte zu seine» Obliegenheiten, die im Bezirk angebrachten Brief- kästen zu entleeren. Wiederholt waren beim Postamt Beschwerden darüber eingelaufen, daß Briefe nicht an ihre Adresse gelangt waren. Auch ivurden dem Vorsteher einmal zwei Soldatenbriefe vorgelegt, welche angeuscheinlick geöffnet und wieder verschlossen worden waren. Der Verdacht lenkte sich auf den Angeklagten. Eines Tages nahm ina» eine Durchsuchung seiner Person vor. Man fand in seiner Tasche mehrere Briefe, die er hätte bestellen müssen. Er gestand zu mehrere Veruntreuungen begange» zu haben. Einmal habe er zwei Soldatenbriefe geöffnet, weil er angenoinine» habe, dieselbe» ent- hielten Briefmarken. Als er sich in seiner Annahme getäuscht gesunde», habe er die Briefe wieder geschlossen und zur Bestellung weitergegeben. I» einein zweiten Falte habe er in einem Soldaten- briefe 10 Stück Briefmarke» gefunden. Er habe dieselben für sich beHallen und den Brief vernichtet. Dies Geständniß wiederholte der Auge« klagte im Termine. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn eine Gefängnißstrafe von 8 Monaten»nd Aberkennung der Befähigung, ein öffentliches Amt zu bekleide» während der Dauer von drei Jahren. Der Gerichtshof beließ es bei einer Gefängnißstrafe vo» sechs Monaten. Daß ein Anaeklagter seinen Vcrthcidigcr durchprügelt, dürfte in de» Annale» der Rechtspflege ein recht seltener Fall sein. Er hat sich dieser Tage in Königsberg i. Pr. ereignet, als der wegen wissentlichen Meineides»nd Verleitung dazu in zwei Fällen an- geschuldigle 56 Jahre alte Fleischermeister Theodor Seidler ans die Anklagebank geführt wurde. Kaum hatte er Platz genommen, als er seine» Verlheidiger, Rechtsanivalt B., derartig von hinten unvermuthet in den Nacken und an den Kopf schlug und ihn am Talar hin- und herzerrte, daß Herrn B. das Barett vom Kopfe flog, und daß Herr B.. um vor weiteren kviiß. Handlungen geschützt zu sein, schleunigst sich zurückziehen mußte. Anch die Geschworenen, der Gerichtshof und der Staatsanwall blieben vor den allerdings nur wortlichen, schwer beleidigenden Angriffen des'Angeklagten, welcher, um sich aus der Affäre zu ziehen, den sogenannten„Wilden Mann" spielte, nicht verschont. Der Angeschnldigte wurde jetzt auf Antrag der Staats- anwaltschast für die Zeit der Verhandlung, die mit Verurtheilung zu fünf Jahren Zuchthaus endigte, gefesselt. Vevsammlmrgen. Ter Fachvercin der Mnsikinstrunicnten-Arbeiter hielt am Sonnabend, dm 17. Juli, bei Holser eine gut besuchte General-Ver- sammlnng ab. in welcher der Kassirer Hensel die Abrechnung vom 2. Quartal 1897 verlas. Dieselbe ergab folgendes Resultat: Ein- »ahme 233,55 M.. Ausgabe 1307.70 M.. verbleibt mit Zurechnung des Streikfonds ein Gesammtoermöge» von 1980,21 M. In betreff der obligatorischen Einführung des neuen Organs,„Die Einig- keit"— vom Kollegen B l o s s i e s warm vertreten— sind sämmtliche Redner gegen zwangsweise Einsührnng, so daß die Versammlung einen Antrag annimmt in dem Sinne, die Sache bei dem freiwillige» Abonnement zu belassen, jedoch für das Blatt rührig zu agitiren. Ferner wurden an stelle von 10 ausscheidenden Mitgliedern aus dem Arbeitsnachweis folgende Kollege» gewählt: Bock. Kern, Schubert, Johannes Schulz, N e u m a n», Wagner. Verdeck. Klee mann, Krischke und Glocke. ZUbiIIer.KiIM,»e>«>'ch»>r. Die B Ibli o Ih ct w der Nord schule, Brunnenslr. 26, Ist vom>. Zult ob bl» aus weiteres geschlossen: die noch aus- stehende» Bücher sind umgehend Donnerstags abeuds von ffi bi» iiO Uhr zurückzultefern. MUgliedSbeiträge werde» a» dlesei» Tage in der Nord- schnle e»tgcgengeno»»ne». ebenso In solgende» Zahlstellen: iSottsr. Schulz. Admiralstr. ioa; Neul, Barniinsir. es; Babiel, Nosenihalerstr. 67; Gle inert, Müller sir. 7a: Paul Mücke, Maiiteufselstr. 12s: H. Königs, Diefsenbachstr. so. Alle Zuschrlste» find an de» Voisthenden Paul M ü cke jr., SO. Man- leufselstr. 12s, Eeldjendungen an den Kasstrer H. Königs, L. Diessenbachstr. so, zu senden. » der sesettigen Arbeiterverein» Kerti»» und der zl»>oea»»d. Bor- sthendcr P. Gent, DreSdenerstr. 107/10». Alle gnschristen, den BeretiiSlalender detresfend. sind an H. Aendix, Alexandrinensirobe 100, zu richten. Arbeiter-Nn»ch»ri»i»d Kerl!»»»nd der Zlingeoend. Aenderungen im PercinSkalender sind zu richten an Hermann B raun schweig, Dresdener- strafte»o, 2. Hos. Arbeiier-Knngerb,,»» Berlins und Nnigegend. Borsthender Ad. Nemnann, Brunnenslr. uo. Alle Aenderungen im AereinSkaleiider stnd zu richten a» friedlich ff or tum, Mantensselstr. e->, o. s Dr. Uerband der Graveur», Ziselenr»-tr. Filiale Berlin. Dienstag, den so. Juli, abends»Jz Uhr, Oranienstr. 61: Vortrag über Chemie.„Die Luft im HauShalt der Natnr". Referent Herr Dr. Wollheim. deutscher senefetder Sund.(Mitglicdschast Berlin.) Heute Abend S Uhr im Restaurant Cohn, Beuihstr. so: Milgliederversauimlimg und BorstandSstzung. Kerllner Ardeitervertreter- perein tagt jeden Dienstag nach dem erste» im Monat bei BuSle, Srenadierslr. 38, abends sjf Uhr. Unentgeltlicher Rath wird ertheilt: Im Vörden Kerlin«: Für Unfall-, JnvaliditätS-»nd Alters- Bersiche- rung, abends von 7-s Uhr: W. Buchholz, Hnssttensirafte 38, v. s Dr. A. D a e h II e, Demmlncrstr. 80, v. Z Tr. ff. G u t h e i t, Wiesenftr. 238, von s—s Uhr abends. F. Piefchel, Wartenstr. S6, v. s Tr. E. EimanowSli, Sartenfir. 7S, Portal s, 2 Tr. M. S l u b l in a n», Oderbergerftr. 37.« Dr., von 8-0 Uhr abends. SI. Tamm, Hussitensirafte 8, von S-S Uhr abends Sl. Voigt, Wielenstrafte«i— es. ffi. W a r>i N, ffotbergerstrafte 7, von s- 7 Uhr abend?.— Nur stir JnvaliditätS- und Altersversicherung: F. Blume, Elreliherfir. 68. P. R e i m a n», Bellermannstr. SS. F. Trapp, Echulstr. b«, von 7— s Uhr abends. 'm«ord- Gste»: Nur für JnvaliditätS- und Altersversicherung ohs, Schönhauser Allee ss. I»: Nur sür JnvaliditSIS- und Altersversicherung: E.Bader Er. FranlUrierstr. 3t. v. t Tr. Im M!d. Gste»: Für Unfall-, JnvaliditätS- und Altersversicherung: S ch a l i h v f f, Michaelkirchstr.!8. Im Süd»»: Für Unfall-, JnvalidllätS- und Altersversicherung: F. Stügel m a i e r, Ärimmfirafte so.— N u r für JnvaltditätS- und Altersversicherung P. Keller, Camphanfenftr, 6. Im Süd-Uirs!»»: Nur für Unfallversicherung: ffl. H ä n e l, SolmSftr. tt Im Ztord-Wefte»: Nur für Unfallversicherung: I Kraule, Wllinacker strafte i>. N. Stephan, Leffingstr. Zt In: Zentrum: Nur für Unfallversicherung: E. Löffler, Klostersir. 01, Bei fammilicheu vorgenannten Personen, bei denen hier leine Sprechzeit an- gegeben, ift dieselbe Wochentag» vo» 7— g Uhr. Im Mo Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet während der Gerichts- serien am Dienslag und Freitag Abend von K-7Vs Uhr statt. P. L. Ihr Borschlag ist der Buchhandlung Vorwärts zur Erivägung übermittelt worden. B. 100. Gute Pflege und Ruhe. Im Versagungssalle suchen Sie einen Arzt aus.. A. B. 30. Da Posener Ervrecht in bctracht kommt, so fallt die eine Hälste des gütergemeinschaftlichen Eigenthums an Sie als Wittwer. Die andere Hälfte wird als Nachlaß betrachtet. Von diesem Nachlaß erhalten Sie die für Ihren persönlichen Gebrauch bestimmten Gegenstände(Leib- Wäsche, Kleider, Betten), Ihre Kinder die zum persönlichen Gebrauch ihrer Mutter bestimmt gewesenen Gegenstände voraus. Bom Nest erhalten Sie die eine Hälste, die Kinder Heile» unter steh die andere Hälfte.— Elfriedc. 1 Tag biö i! Monate Gefänaniß.- E. Petermann. Da besteht lein Forderungsrecht.— W. N. 28. 1. bis 3. Ja. 4. Die Kostenhöhe hängt von der Höhe des Wertstes der Gegenstände ab.— W. B., Britz. New. M.oi» IS. Juli I8V7. Weiler-Proguosc für Dienstag, de» 20. Juli 4897. Etwas wärmer, zunächst ziemlich heiter bei mäßige» südliche» Winde», nachher zmiehmende Beivölkung und Gewitterneigung. Berliner W e t t e r b u r e a». Für heu Inhalt der Inserate überiiimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Verantwortung._ Ehrsitev. Dienstag, den 20. Juli. Neues kgl. Opcrntheatcr(Kroll). Undine. Wz Uhr. Lcsslng. Die Geisha. Weste». Fra Diavolo. 71/. Uhr. Neues. Der Stellvertreter, l'/z Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Lchmann's Kriegs-Abentener im Orient. 8 Uhr Ostend. Unsere Rcichspost. 8 Uhr. BeUe-Alliance. Spezialitäten. Anfang 6 Uhr. Apollo. Venus auf. Erden. 8 Uhr. Alexaiiderplatz. Vcrlmiflicher Werth. Hierauf; Eine tolle Prinzeß. Passagr-Panoptiki»». 30 Kinder der Wüste. FteAge- Panopticum. so Kinder der Wüste. Beduinen, Dcnvische, Sclilangen- beschwörcr, Bauchtänzerinnen etc. Vorstellun 12.5,7 ;ellunir . O Ih r. Ostend-Theater. Gr. Frankslirterflr. 132. Dir. tt. Weist. Oosioi'«; KclcI>sz»o»t. Anfmig 8 Uhr. JiuZG arten: Spezialitäten 1. Ranges HiiKf« Scljuiz. The Srcnilow, Mlrzl Wald- hurg. Toni Grlsntil, Kostüm- soubretto. Lebende Photographien. Anfang öVz Ithr. Mittwoch: Grosses Kinderfest. Bonbonregen:c._ Apollo-Theater und Konzert-Garten. Dir. J. Glück. Um 9 Uhr: Nemrs auf Erden. Bnrlesk-phautastifche Operette mit Tanz in I Akt. Otto Oeuttei'.« Kinetograph. Ferner: -a fk hervorragende-g jfk K." Spezialitäten. AV KaffenerSffming ß'/s Uhr. Konzert 7 Uhr.— Vorstellung 8 Uhr. Wedding-Park, MUllerstr. 178. Im herrlichen Konzertgarten heute, sowie jeden Dienstag: j2203L» Gr. humoristische Soiree der altrenommirten Norddeutschen Luartett-»iih Äanjertföniift (Biegler, Wolfs, Pausten, Rudolphy, Hohenberg und Wagner.) Stets wechselndes Programm. lMmZOPs. AtisWMr. Bei ungünstiger Witterung findet hie Soiröe im Saal statt. Zur nächsten Vorstellung Vorzugs- billets ä 20 Pf. in den mit Plakat belegten Geschäften zu haben. WUdelm Trapp. Castan's mm Panopticum. 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Vercinsangelegenheitene 246/11 Der Vorstand. arrangirt vom Arbeiter-Sängerbund Berlins u. Umgegend. Sänger- Festzng 203 Gesangvereine 4 Musik-Kapellen Bei eintretender DnnkeUieit feenhafte Belenchtnng des ganzen Etahlissements Massen- Oesänge Volks-Belustigungen aller Art TANZ Sozialdemokratischer Mahioerein für den 6. Deriiner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, de» SO. Juli, abends SV- Uhr, im 8»vtnemtinder Gesellschaftshans, Swinemiinderstr. 42: AM" Versammlung« Tages-Ordnun 1. Vortrag über Friedrich 2. Diskussioiie 3, Verschiedeues. Zahlreiches Erscheinen cilvartet chiller. Referent: Zl»x Iliesole 346/11« Der Vorstand. 2 Riesen Kaffee-Küchen stehen von früh 7 Uhr ab —■ zur Verfügung.— Anfang des Konzerts früh 8 Uhr. Gesangs- Aufführung nachmittags 3 Uhr. Musik von der Freien Vereinigung der Zivil-Berulsmusiker. Sämmtliche Büffets und Bedienung in Händen der Freien Vereinigung der Gastwli'thsgehilfen im Interesse ihres Verbandes. IM- Ausschank von 4/io Bier ä 15 Ff."WS Biliets ä 80 Pf. sind bei allen Mitgliedern des Bundes, in den mit Plakaten belegten Geschäften und folgenden Vorstandsmitgliedern zu haben: A. HUbncr, Steindrucker, Wilhelmstr. 134; O. Rasche, Zigarrengeschäft, Eeichenbergerstr. 160; R. Meyer, Blumengeschäft, Mariannonstr. 2; A. Menniann, Eestaurateur, Brunnenstr. 150. Für schnelle Beförderung nach allen Fahrverbindungen ist Sorge getragen. Pahrplanmässige Züge auf der Vorort-(Lehrter Bahn) und Stadtbahn sind auf den Billets angegeben.— Von Spandau ab bis Pichelsdorf: Flekti-ische Balm und Dampfer 5 ä Tour IO Pf. Festprogramme(Lieder-Texte) an allen Eingängen. 17/4] Der Vorstand. Achtung, Maurer! Donnerstag, den 22. Juli, abends 8'/- Uhr, in Keller's Lokal, Koppenstr. 29: DeuWrr DolWMkr-VkMM. Xuv Reaclitnng! Die BertrauenSmänner< Bersammlnng für sammlliche Bezirke zc. findet in diesem Monat nicht statt.— Dienstag, den 26. Juli: GeneralTersainmluiig, Musikinstrumenten-Branche! Mittwoch, den 21. Juli, bei Cohn(großer Saal), Beuthsiraße 20—22. Tagesordnung: 1. Bcrtheilung des Arbeitsertrages. Referent: O. St liier. 2. Die gegenwärtige Lage der Musikinswumenten- Arbeiter. 3. Verstärkungswahl der Äommisfion.— Die Kollegen aus folgenden Werk- stätten sind bierdurch ganz besonders eingeladen: Götze, Grofi-Lichterfelde; Rösner; Görs«..Kallmann; Cutertze.— Jeder Jnstrnmenten-Arbeiter und Arbeiterin hat die Pflicht, zu erscheinen. Achtung! Achtung! VolMrbeitev! lenstag, den 20. Juli, abends 8 Uhr, in den Vlctoria-Sdlen: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal. 2. Diskussion. 3. Ersatzwahl von drei Mitgliedern der Werkftatt-Kontrollkommifsion. 4. Verbandsangelegen- Heiken und Verschiedenes. 1109/2 Die Kollegen werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimirt. Die Ortsverwaltnng. inilcl]llly, DCll aj1111/ Utn.UUW O /2 vn/l-,«II oetut«, ovw��v,ii|vv. uu. j,_ I»• I• ftt rt Grosse öffentliche Versammlung der Maurer WlZinalvereill TUf Berlin U. Umg. Berlins und Umgegeud. Tages-Ordnung: 1. Die Bedeutung der Arbeitsnachweise. 2. Situationsbericht der Lohiikommission über den gegenwärtigen Stand der Bewegung. 3. Wie lange sollen die Streikkarten abgestempelt werden? Kollegen! Die Tagesordnung erfordert die Anwesenheit sänuntlicher Kollegen. zgz/iz Die Lohnhoinniission. Das wegen Reacn nicht abgehaltene Sommcrfest findet am Sonuabeud, den«4. d. M., Karpfeuteich-Treptow bestimmt statt. 3183b Programme behalten ihre Giltigkeit. Das Vergnügungskomitee. I. A.: Karl Liesack, Waldeinarstr. 34, Oucrgeb. 2 Tr. Danksagung. Für die graste Betheilignng und die zahlreichen Blumenspendcn bei der Vc- crdigung meines lieben Mannes und unseres Vaters, des Schuhmachers Joseph Adnmczak, sagen wir allen Kall. u. Bekannten unfern herzl. Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Datttfagung. Für die graste Berheiligung an der Beerdigung meines lieben, nnvergest- lichcn Mannes, des Zimmerers Gustav MaaUei. sage allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Cbefs und Kollegen der Finna Stiehitz: & Köpchen, den Genossen des Wahlvereins des 6. Berliner Reichs- tags-Wahlkreiscs, den Stammgästen aus der Boyenstr. 40 für die reichen Kranzspenden, ferner dem Gesangverein„Nordwacht" für den schönen Gesang ihren besten Dank. Die tranerndc» Hinterbliebenen. RraagMaderei n. Blnmen- Iiandlnng von 16432' Robert Meyer, Mo. 2. Mariauncnstr. Vo. 2. Widmungs-Kränze, Guirlande», Ball- stränßche», Bonquets zc. werden sehr geschmadvoll und Preiswerth geliefert. Mlttmenhandlnng KrUiiEe, Bonquets, Topf- geniichse, Gnirlanden etc. Villigste(Markthallen-) Preise bei geschmackvoller Zlusführulig. er.8lmmeIi,LZJS- (früher Prinz enstr. 91) Spezialarzt f. Haut« Harnleiden. 10-2, 5-7, Sonntags iO— 12, 2-4. Künstl. Zählte in tadelloser Ans- sührung v. 3M., Plomben v. 2 M. an. Schmerzlos. 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Die Kaffeeküohe steht den geehrten Damen von 2 Uhr | an zur Verfügung.[220/8 Im Saale: TailZ. Herren, welche daran theünehmen, zahlen 50 Pf. nach. Jedes Kind erliUlt eine Stocklaterne gratis. Ua Billets 20 Pf. Anfang 5 Uhr. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Das Komitee. ie gratis. hr.* Jyj Badsti Volks. qarten(früher Weimanu) t ras sc 5«. Gesnndbrnnnen. Pankstrasse 85. Sonnabend, den 24. Juli 1 897 Gr. Sommernachts-Ball veranstaltet vom -„Zündholz" (Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes)[3185b bestehend in Kon-ert, Spez.Ialitftten-Vorstelinng, Gesang, Tanx. Anfang 4 Uhr. Billet 30 Pf. Tanz 60 Pf. Um zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. v. Ciüu-cl, Lothringerstr. 52. Lassalle, Marx-c. in Cigärreüspitzcn, Pfeifen, Nadeln, Brachen, Knöpfen, Büsten, Bildern u. dgl., sowie jede Drechslerwaare u. Repar.(Man verl. Preiskurant.) HTnlm IT 1 ü« k S I Zähne 2 M, Theilzahlung IM. die Woche. Zfl.llll-l4.iIlItK Grieser, Grüner Weg 29, II.[2584b* Verein d. graph. Arbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands(Filiale Berlin I). Donnerstag, den 88. Juli 1897, abends 8V2 Uhr: General- Versammlung im Lokale des Herrn Hoffmaui», Alexanderstr. 27c. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Kassenbericht. 3. Bericht der Siebener-Kommission. 4. Neuwahl des zweiten Vorsitzenden zum Zentralvorstand und eines Re- visors zur Hauptkasse. 5. Bericht der Unterstütznngskoininisston. 6. Bericht von der Arbettsloscn-Untcrstützitng.— Mitgliedsbuch legitimirt. 97/19 Ilm pünktliches nnd zahlreiches Erscheinen ersucht Tie Verwaltung. Oeffentliche Bersammlnng der Arbeiter und Arimtentmeit der Berliner Bekieidnllgs-Indnstrie (Schneider»nd Näherinnen aller Branchen, Handschuhmacher, Hut- macher, Zürschuer, Arbeiter und Arbeiterinnen der Waschebranchc, Arbeiter und Arbeiterinnen der Schirmbranchc)_ W Dieilstag, heil 20. zuli, aheilds 8'i- Uhr,"MI im grasten Saale der Armin-Ballen, jiomiilandantenstr. 20. Tages-Ordnung: X. Der internationale Arbeiterschntz-Kongrest in Zürich und seine Bedeutung. Referent: J. Di mm. 2. Stellungnahme und eventuelle Delegirtcnwahl. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 164/8* Die Fiinfer-Kommission. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Verwaltnngsstelle Berlin). Mittwoch, den 21. Jnli. abends 8V2»hr: Bezirks-Versammlung für den„Norden" (Gesundbrunnen. Wedding, Oranienburger, Nosenthaler, Schön- hanser nnd Prenzlauer Vorstadt) im Lokal von Wernau, Schwedtcrstraße Nr. 23—24. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau Ihrer über: Gesundheitsschädliche Einflüsse in der Metallindustrie. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegcnheiten und Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 122/18 Die Ortsvcrivalfnng. Mittwoch. Achtung, Rabitz-Putzer: »och, den 21* Juli, abends 8 /zUhr, Inselstr. 10 bei Ttabernack: Versammlung der zahlßelle III bes Ztiltral-MbaM bentscher Miiurer. Tages-Ordnung: 1. Die Lohnbewegung der Maurer und wie stellen wir uns zu der- selben? 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 252/1 KB. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Kollegen als Gäste haben Zutritt._ Die Hiotaalverwaltnng. Achtung! Friedrichsberg! Achtung! Dienstag, den 20. Juli, abends 8V-»str. im Lotale des Herrn Giirseta, Frankfurter Allee Mo. 174; Mitglieder- V er saiiiiiilung des Arbeiter-Bildnngsvereins. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen G. Wagner über Ursachen der Verbrechen. 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. 14/10 Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorstand. Verein der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wölllik- und Rraoatlknbrnilihe. Mittwoch, den 21. Juli 1807, abends SV-Ustr. in Schulz' Festsälen, _ Nene Königstrabe Nr. 7(oberer Saal): Mff- VerlÄttttttlung.-MI Tages-Ordnung: 1. Die Bundesraths-Verordnung vom I.Juli 1897 und ihre Bedeutung für die Wäschebranche. Ncsercnt: I. T i m in. 2. Diskusston. 3. Viertel- jahresbericht. 4. Verschiedenes. g 251/10 Die Zahlstelle des Vereins befindet sich bei �e r g t, Landwehrftr. 1 (Zigarrcngcschäst); daselbst werden auch Mitglieder aufgenommen. Gäste willlolilmeil. Der Vorstand. Achtung! Achtung t Putzer! Mittwoch, den 21. Juki, abends 5 Uhr, bei Keller, Koppenstr, 29: Oeffentliche Versammlung d. Putzer Berlins u. Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Situationsbericht. 2. Neuwahl des Vertraucnsmannes. Um zahlreichen Besuch dieser Versammlung ersucht 281/12 Die Lohnkommission der Putzer Berlins und Umgegend. Central-Kraukeu- und Sterbekasse der deutschen W a g e n 1> a n e r. (Eingeschriebene Hiltskasse Nr. 8.) Dieilstag. den 20. Juli, abends 8»Hr. in Ittflllg's Festfälen, Rosenthalerstraste 11—12: WT Mitgliedtt-Verslimmlnng Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Friedeberg über: Lungenschwiiidsilcht und LlUlgenheiMtten.— Mitgliedsbuch legitimirt. Die Delegirten sowie der Zmtralvorstand der Kasse sind eingeladen. Die Generalversammlung beginnt am Montag, de» 10. Jnli, vormittags 9 Uhr in obigem Lokal und haben Mitglieder bei Vorzeigen des Mitgliedsbuches Zutritt. 3171b Die Ortsberwaltungen Berlins«. Umgegend. I. A.; R. Arendt. Ächtung! Uharlotteiibnrg. Achtung! Große öfftiitlillie yctfiiiniiihino siimmtlicher Arbeiter n. Arbeiterinileil her Alt-Mslhereieil niib llieinislbeil Mslbiinstiilteil Chlirlottenbiirgs am Donnerstag, den 82. Jnli 1807, abends 8Vz Uhr, im Lokale des Herr» Leder, Rüctert- und Bismardstraslen-Ecke Nr. 7A Tages-Ordnung: 1. Vortrag über: Wie stellen sich die in Alt-Wäschereien und chemischen Waschaiistalten beschäftigten Personen zu einer Organisatton? Refcrentm: Frau Emma Schulz. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 1/7_ Der Einberufer. Brauerei-Ausschank der Brauerei Stralau i Oeconornie: Birkholz& Bittag. Jeden Sonntag und Donnerstag; Theater- nnd Spczlallilten-Vorstcllnng.'■ Garten-Konzert der 20 Mann starken Hauskapelle. Im Saale: Grosser Ball bei gänzlich freiem Entree. Sport- und Ruderboote in gr. Auswahl stehen zur Verfügung. KalTeektlche v. 8— 7 Uhr. Volksbelustigungen jeder Art. DWf- 2 verdeckte Kegelbahnen, Gute Biere, ausgezeichnete Küche zu soliden Preisen. Birkholz& Mittag. «erantivortlicher Redakteur: Angnst Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlind Druck und Berlag von Max Bading in Berlin.