tinjdptcfs 15 p'ermg ♦ 2.?ahr?ang Mittwoch, Son 24. dezember W Ar. 526 /S 2SS> MMMsM vi»• rieb eint woraen» und na�niitiaat. an 5onn» nnd �eiltsoen nur w�raen- De? Lerua. preis betrügt bei irrier �ustellunq ins Paus(f ro��erlm 4.— kN.. bei direktem j�oftdezuq monntl. 4.65 Hu bei.ruPellima unter ftrfttbnnd für Veutfchland LSG tn� fürs Ausland 7.50 per Brief 12.50 M. Redaktion mtd Expedition: Berlin NW. 6 Tchiffdauerdamm 19 III. Fernsprecher: Ann Norden%895 und 2396. Inserate faflen die achtgespalt. Nonpareille.�eile oder deren Raum(£0 IN f., Worianznaen das fettgedruckte Wort 50 PL jedes weiter? wort 25 pf. Teuerungszuschlag 70 Pro). Bei familien- u. Versaimnlungsanzeigen fällt der Zuschlag fort. Inserate für den darauf. folgenden Tag müssen spätesten» bis 5 Uhr nachmittags bei der Lrpedition aufgegeben(ein. Juseratrn'AbteUimg: Berlin NW.«, Schlffbanerdnmm Iii Fernsprecher: Amt Norden 976* berliner■Organ Cieuleocelm gegen Kein Friede mit Rußland. Pari», 24. Dezember.(HavaS.) I« seine« TrNZrunzen über die auswärtige Politik k der gestriaeu Sitzung der französischen Kammer, die C l e m r«- »eau auf eine Anfrage des sozialistischen Abgeordneten Cachin «ad, berichtete er über die mit England und den Vereinigte» Staate« abzuschließenden militärischen a r a n t i e v r r» träge und kam dann ans die anläßlich der Londoner Konferenz geleistete Arbeit zu sprechen, die von Berthelot, der sich noch i» London desinde, fortgesetzt werde. Cle«e»eeau hob die Notwendigkeit eines engen vünd. »issrS mit England hervor und streifte die Fiume-F.aze, die man letzt in einer alle befriedigenden VHse zu lösen hoffe. Bei der Erwähnung der Probleme, die den Balkan, Anetollcn, Syrien und Holen betreffen, erklärte Elemenccau, die Frage von Konstant!. «opel sei immer«och in der Schwebe. Ma« berate sie gegen« wärtig in London. Zur russischen Frag» übergehend, brandmarkte Cle- Menccan die Sowjetreglrrung in heftigen Ausdrücken. Si« fei die barbarischste und bestgehaßte, die je existier habe. Er sagte: Nicht nur machen wir keinen Friede» mit Tom« ieteußland, wie werde un» auch nicht mit ihm abfinden. Elemenceau erinnerte an dir schweren Opfer, dir Frankreich und England gebracht hätten, um die russische» Patri. »te» zu unterstützen, von denen man hätte annehmen können, daß str ihr Land wieder aufrichten würden. Er betonte, daß diese Aufwendungen nicht ewig weiter Hauern würden. Deutschland schicke sich an, heimlich einen Teil Rußlands zu kolonisieren, deshalb müsse mau um Rußland einen Stacheldraht ziehen.— So» warmem Beifall unterbrochen, schloß Elemenceau mit dem Hinwei», daß ma» von Reden zur Tat übergehen müsse. Er kündigte die Absicht der Regierung an, nach Beendigung der Wahle» zurückzutreten und hob hervor, daß es kein Schein» »ü cktritt sei« werde. Die Kammer brachte Ckemeneau eine Huldigung dar. Hierauf fragte E o ch i n an, ob es wahr sei, daß einixe Nationen sich in den Dardanellen und in Konstantinopel fest- gesetzt hätten, wi? Gerüchte besagten. Elemenceau verneinte dies. Der sozialistische Abgeordnete warf der Regierung vor, daß sie den Kriegszustand mit Rußland aufrechterhalte bnd sich in die inneren Angelegenheiten Rußlands einmische. Schließlich nahm die Kammer eine Tagesordnung mit 438 legen 71 Stimmen an, die lautet: Die Kammer bewilligt die Erklärungen der Regiernng und spricht ihr ihr See. Ir«ue» a«S, sie verwirft jeden Zusatz und geht zur Tages. »r>nung über. Danach vertagte sich die Kammer. Die deulsche Delegalon re'st vlch! ab. P ariS, 23. Dezember. sHavas.) Freiherr v. L e r? n e r unh v. Sims»» werden anderslautenden Nachrichten entgegen, Paris heute abend nicht vre- l a's s e«. Nur die Schissahrtssachverständigeu reisen nach Berlin» da ihre Aufgaben für den Augenblick erledigt sind. Freiherr v. Lersner slatlete gestern nachmittag D u t a st» «inen Besuch ab und triste ihm mit, daß er seiner Absicht, am Abend abzureisen, nicht Folge gebe, ebensowenig wie Herr b. Simson. Lord Cnrzou über Vesferreichs Nollsge. H. N. London, 24. Dezember. Im englischen Oberhaus wurde gestern wiederum die Er- dShrungslage TeutschöstcrreichS beraten. Lord C u rz o n erklärte, die Lage in O.sterreich s« sehr schlecht, in ganz Mitteleuropa herrsche ein großer wirtschaftlicher Mangel. Die Alliierten ver. suchten immer auf den Resten doS alten österreichischen ein neue? politisches System aufzubauen, aber dafür, das System auf Wirt» schaftliche Grundlage zu stellen, sei bisher noch lein« Zeit ge- ivefen. Tie Lage in Wien sei so schlechtwie nur möglich. Durch die be'.etts getroffenen Hilfsmaßnahmen könne Oesterreich drch etwa vier Monate ausharren. England und Frankreich hätten dorgefchlagen. die ausländisch. n Wertpapiere im Werte don 3 Milliarden Pfund Sterling, die sich in Oesterreich befinden, du übernehmen und dafür NahrungSmittÄ zu liefern. Die wert» vollen Cemälde, die sich in so großer Anzahl in Oesterreich be- finden, sollten an Amerika verpfändet werden. Für den Ueber» ichuß der amerikanischen Anleihe sollten 30 000 Tonne»«Setreide au» Trieft gUsefert werden. Es sei kein Plan der Kreditbeschaf- fung ohne die Mitarbeit der Bereinigten Staaten möglich. Abtransport von Getreide für Oesterreich. Wien, 24. Dezember. Von der italienischen Regierung ist heute hier eine Depesche eingetroffen, in welcher mitgeteilt wird, daß mit der Versendung der in Trieft befindlichen 80 000 Tonnen Getreide für Oesterreich heute begonnen wird. Bisher sei dies nicht möglich gewesen, weil die Frag« der Finanzierung noch nicht gelöst sei. Vorläufig werden 15 000 Tonnen Weizen aus Venedig und 9000 Tonnen Mehl i�is Trieft abtransportiert werden. Verhandlung'» zwMeu Zapan vnd vublaud. Berlin, 24. Dezember. Dem.Osteuropa-Dienst' wird au» Stockholm berichtet, daß zur Zeit in Wladiwostok Verhandlungen zwischen japanischen und russischen Regierungsvertretern stattfinden. Di« Abgesandten der Sowjctregierung erörterten in erster Linie die Regelung de» G e i se l a u 6 t a tische» und ähnlicher Fragen. Wie weiter tnitgcteilt wird, sprechen all« Anzeichen dafür, daß tn der nächsten Zeit eine umfangreiche Ausfuhr von Rohstoffen aus Sibirien staltfinden wird; jedenfalls hat Sowjetrußland im Verlaufe der Verhandlungen in diesem Punkte bereits weit- gehend« Konzessionen gemacht. Starke Zumutung. T.U. Frankfurt Main, 24. Dezember. Die Angestellten und Arbeiter der Gasanstalt beschäftizten sich, wie die.BolkSstimm«' meldet, in einer star! besuchten Be- triebSversammlung mit der Frage, ob eS für sie ratlich sei, daS - Unternehmen, in d'm si« bcfcküftigt sind, mit finanzieren zu helfen. Di« GaSgesellschaft, deren Aktien sich in den Händen der i Stadt befinden, bedarf weiterer Betriebskapitalien in Höhe von 2 Millionen Mark. Von der Direktion ist nun an das Perso- nal da» Ansinnen gestellt worden, es möge zur Aufbringung dieser Summe beitragen. Die Versammlung lehnte den Vorschlag der Direktion nach langer Debatte ab. Wir finden, dost die ArbeUersefstpt der Gaswerke einen vc h r vernünftigen B e s ch l u-st gefaßt hat, indem sie die finanzielle Beteiligung an dem Unt'rnehmen abgelehnt hat. Und wir hoffen, dast dieser Beschluß aus grund- sätzlichen Erwägungen und nicht etwa nur deshalb ge- faßt worden ist, weil das Unternehmen bankrott ist und keinen Gewinn verspricht. Wir hoffen, daß die Arbeiter- schaft ein ähnliches Ansinnen auch in allen anderen Fällen zurückweisen wird. Aber bei prosperierenden Unternchmun- gen besteht wohl kaum die Gefahr, daß die Arbeilerfchast zur Beteiligung am Unternehmen aufgefordert wird. Aus der Kloake. Herr S o l l m a n n, der Vorsitzende de» rechtssozialistischen Untersuchungsausschusses für die mit dem Falle Sklarz zu» sammenhängenden Airgslegenheiten, läßt verkünden, daß er den festen Willen habe, die Untersuchung ohne Ansehen der Person zu führen. Die Beschuldigungen Davidsohn» und Baumeister» würden allen Beschuldigta.i zur Gegenäußerung vorgelegt werden. Man solle da» EvgebniS der Untersuchung abwarten und nicht torcilig Urteil« fällen. Diese Mahnung an die andern hält Herrn Sollmann freilich nicht ab, jetzt schon zu sagen, es sei sicher, daß sowohl Herr. Horden wie auch andere, Behanviungen auf» stellen, für die ihnen der Beweis fehle und daß ihnen Jrrlünicr unterlaufen feien. Insbesondere sei eS unfaßbar, daß die Herren Ebert, Landsberg und Scheidemann al» Volksbeauftrag:« 100 000 Mark kür die Ermordung Liebknechts und Luxemburgs bereitge- stellt hätten. Wir wollen Herrn Tollmann und den Seinen sagen, wa» wir von dieser Untersuchungsaktion halten. Nichts! Die Besiltukdigunzen, um die e» sich hierbei handelt, sind den rechts- sozialistischen Parteiführern schon seit Monaten bekannt. Sie haben nicht» getan, um sie zu widerlegen, dagegen alles, um die Aufhellung der Wahrheit zu verhindern. Die.einigen Wochen', die der rechtssozialistische Untersuchungsausschuß jetzt noch braucht, werden sich wohl solange hinausziehen, bis ander? Dinge die öffentliche Aufmerksamkeit von diesem Sumpf ab- lenken. Zudem urteilen die Herren Sollmann und Genossen in eigener Sache und sie haben allen Anlaß, dafür zu sorgen, daß bei ihrer Untersuchung nicht bici herauskommt. Ile Schalken der Relchslagswahl. Eine Notiz von halbamtlicher Herkunst kündigte vor kurzem die Wahlen zum Reichstag für den April des nach. sten Jahres an. Wenn man sich überlegt, welche Fülle von Gesetzen noch dem bestehenden Arbeitsplan von der National« Versammlung noch erledigt werden soll, kann man verstehen, daß die«De u t sche T a ges zei tu n g" lebhafte Zweifel hegt, ob der Termin innegehalten wird. Vielleicht werden wir bald hören, daß es nicht möglich ist, bis zum Frühjahr fertig zu werden, und daß deshalb die Wahlen aufs neue hinausgeschoben werden müssen. Unser Standpunkt zum Parlament ist bekannt. Wir versprechen uns von dem Reichstag nichts mehr und nichts besseres als von der heutigen Volksvertretung. Aber trotzdem muß dock) immer wieder die UnHaltbarkeit des gegenwärtigen Zustcmdes hervorgehoben werden. Die Aufgaben desz verfassunggebenden Parlaments waren, wenn Worte einen Li nn haben, in dem Augenblick erledigt, wo die Verfassung unter Dach und Fach gebracht war. Damals hätte es von Rechts wegen den Platz räumen und den ordnungsmäßigen: Reichstag an seine Stelle treten lassen müssen. Zur Not konnte man zugeben, daß einige besonders dringende Ge- setze noch verabschiedet wurden; aber was jetzt noch geplant ist, verträgt gut und gern den Aufschub, der nach der Auf- lösung der Versammlung unvermeidlich wird, zumal wenn man bedenkt, daß im Januar noch einmal eine mehrere Wochen dauernde Unterbrechung der parlamentarischen Arbeiten beabsichtigt ist. Es sind indessen ja auch gar nicht die Rücksichten auf gesetzgeberische Notwendigkeiten, die die Regierung die Neu- wählen immer wieder hinausschieben lassen. Der Grund ist ganz einfach der, daß sie sich v o r dem Appell an das Volk fürchtet. Sie weiß sehr genau, daß sie ein solches Parlament, wie das gegenwärtige, nicht noch einmal be- kommt. Es ist, wie die„Charnbre introuvable", die zu allem ja sagende„unfindbare Kammer", mit der die fran« zäsischen Bourbonen in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts das Glück hatten zu regieren. Das Koali- tionsministerium besitzt eine Mehrheit, die ihm trotz aller inneren Reibungen und trotz der häufigen Krisen das Fort- wursteln gestattet, und die seinen Mitgliedern die Möglich- keit gibt, trotz aller Blamagen das scheinbar doch recht an- genehme Geschäft des Negierens weiterzubetreiben. Daß die Volksvertretung heute diesen Namen ganz und gar nickst mehr verdient, ist den sogenannten leitenden Män- nern ebenso gut bekannt wie uns. Zwar hat das Bisten# system das Barometer zerschlagen, an dem sich früher bis Volksstimmung ablesen ließ, denn Nachwahlen finden be- kcmntlich nicht mehr statt. Aber es gibt tausend andere An# zcick)en, die es aller Welt offenbaren, wie wenig die Zu# sammensctzung der Nationalversammlung mit dem' Willen der Wählerschaft von heute übereinstimmt. Es läßt sich doch nun einmal nicht leugnen, daß im Lande von dem Reche- rungsblock nach rechts so gut wie nach links immer größere Teile abbröckeln. Die Ar- beitersck)aft ckehrt mehr und mehr den Noskesozialisten den! Rücken und verstärkt die Unabhängigen, und das im Januar noch so demokratische Bürgertum verläßt in Scharen das schwarz-rot�oldene Banner, um sich zu den schwarz-wein- roten Fahnen zu flüchten, die seinen Profitinteresien einen besseren Schutz zu gewähren versprechen. Es ist schwer zu sagen, ob der Abmarsch nach links oder der Abmarsch nach rechts stärker ist, und nichts liegt uns ferner, als uns in Prophezeiungen über die Einzelheiten der Zusammensetzung des nächsten Reichstages zu ergehen. Aber daß er ein wesentlich anderes Gesicht tragen wird als das, was sich zur! Zeit Volksvertretung nennt, wird ernsthaft keiner zu W streiten wagen. Nun kann die Negierung die Wahlen solange hinaus- zogern, wie sie mag, und sie wird doch diese Entwicklung nickst aufzuhalten imstande sein. Aber sie will eben, solange es irgend möglich ist, ihre Wonnemonate ausdehnen und das Ende ihrer Herrlichkeit bis zum äußersten denkbaren Ter- min hinausschieben. Inzwischen hofft sie, daß, was von dem Block in der großen politischen Schneeschmelze noch übrig bleibt, so fest aneinander zu kitten, daß sie wenigstens mit einiger Aussicht guk Erfolg in die Kampagne eintreten konnJ Bezeichnenderweise sind e'S die S o z i a i d e m o k r a- k e n, die sich jetzt am stärksten für die Erhaltung und Festi- gung der 5ioalition einsetzen. Sie haben es ja auch am nötigsten, denn für sie wäre der Zusammenbruch der gegen» wärtiaen Mehrheit am verhängnisvollsten. DaS Zentrum kann mit Erzberger od�r ohne ihn jeden Tag anders. Ganz nach Bedarf schiebt es seine scheindemo» kra tischen und scheinsozialistischen Forderungen oder sein sehr wirkliches konfessionelles Programm in den Vordergrund, und wenn der Wind umgeschlagen ist, wird es erklären, daß die Zeit gekomnien sei, in erster Linie seinen sogenann» tcn Kulturstandpunkt zu betonen, und daß es zu diesem Zweck mit der ihm seelisch so verwandten konservativen Rech» ien zusammengehen müsse. Drüben, wo jeder Bundes» genösse willkommen ist, wird man den neuen Bundes- genossen ans Herz drücken und ihm gern seine revolutio- näven Verirrungen verzeihen. Die De mokraten können sich jederzeit darauf besinnen, daß sie doch eigentlich eine bürgerliche Partei sind, die im besten Fall die Aufgabe hat, zwischen rechts und links zu vermitteln und den Arbeitern und Angestellten den kkapi- talismus durch einige Redensarten von Frsiheit und Forst- schritt schmackhaft zu machen. Tann aber stehen die N e ch t s s 0 z i a l i st e n da wie ein entlaubter Stamm. Der Opposition sind sie seit Jahren entwöhnt, und ihre Führer müssen fürchten, daß, wenn sie es erneut mit ihr versuchen, die Massen, die bis jetzt noch bei ihnen geblieben sind, die Grenze zu den Unabhängigen noch leichter überschreiten als bisher. Es gibt also für sie nur eine Rettung: der Block. AuS diesem Grunde hast in einer der letzston Sitzungen der prerchrschen Nationalversammlung der Minister Heine schon die Notwendigkeit des Zusammen» gehen? bei den Wahlen betont. Herr Hein- rich Sch u l z hat am vergangenen Sonntag auf der Agitation efonferenz des Bezirksveirchan'des Groß» Berlin en erglisch in dieselbe Kerbe geschlagen und dabei die rechts» sozial ist rchen Aengstie und Wünsche deutlich genug offenbart. Was er verlangt, ist der„scharfe und uwzwei deutige Trennung Ist rich gegen die Unabhän'gigen" und die ziel- bewußte Einigung mit Demokraten und Klorikalen. Die erste Fm'dorung war längst erfüllst, als sie au?» gesprochen wurde. Tie Kluft Krischan den Anhängern Noskes und uns ist so tief, daß sie sich nicht zuschütten läßt. Der Trennungsstrich ist durch die rechtssozialistische Politik in dem Jahre, das hintor uns liegst, so gründlich gezogen worden, daß an feine Verwi'jichmstg nicht gedacht wenden kann. Tor zweite Programmpunkt ist wichtiger. Er be- deutet zwar praktisch auch nicht eigentlich etwas neues. vber daß er formuliert und ausgesprochen wird, zeigt doch mit aller wünschensworten Klarheit, wo die Sozialdemo» kratische Partei steht, und wohin sie reisen will. Sie be- gnügt sich nicht mehr damit, nach den Wahlen mist bürgerlicher Demokratie und Zentrum gen, einsame Sache 5» machen, sie ist entschlossen, mit diesen beiden Gruppen auch in den Wahlfeldzug Arm in Arn: zu marschieren. Das bäßst, sie verzichtet auch auf den Schein einer selbstän- big an Politik. Sie gibst den Klassenkampf vollständig preis, sie erhebt nicht länger Anspruch darauf, die Sache ves Proletariats und sie allein zu vertreten, sie stumpft ihre Waffen gegen den Kapitalismus ab, indem sie sich von vornherein mit zwei kapitalistischen Parteien auf Ge» deiih und Verderb verbindet. Sie vertritt n-icht mehr die Interessen der Arbe'isterschaft, sondern sie vertritt die Sache der Koalition. Sie verzichtet darauf, den Wahstkampf als eine Gelegenheit zur Propagienmg sozralisftscher Ideen zu benutzen. Sie läßt sich die Hände binden durch Rücksichlen auf die Erhaltung einer regicrungssähigen, unsozmlistischen Mehrheit. Damit hat die Sozialdemokrat? slche Partei endgültig und offiziell den Bruch mit ihrer eigenen Bergangenheft vollzogen. Daß sie tatsächlich nicht mehr als Per» irotung der Arbeiterschaft in Frage kam, war längst de- lannt, jetzt unterschreibt sie aber das Urteil sck.bst, das wir iber sie gefällt haben. Sie läßt keinen Zweifel mehr »crran, daß sie gar nichts anderes sein will, als die am veitesten links st ehe n de bürgerliche Par- Ruhe auf öer Zlucht. Da8 Sterben vieler Brüder Ist müd' und immer müder Fern in den Dag verhallt. Ein fremder Baum gibt schattend Rast. Sanft hebt der Abend Last und Hast. Die Rehe äsen vor dem Wald. Von Stille überhangen Kommt leiser Wind gegangen Und deckt das Gestern zu. Der vielen Brüder Sterben brennt Als letztes Rot am Firmament. Getier und Wald und Mensch hat Ruh'. i Ulrich Steindorff. Sie Vs'hnachl der Eva Amberz. Von Erich K. Schmidt, Die Glocken, horch! Sie fckwingen tiefe friedvolle Töne über die Stadt. Wer hört ihr Gedrchn? Wer gürtet seinen Geist mit friedlichen Gedanken? Die Glocken, horch: sie läuten Frieden «wem friedlosen Menschengeschlecht Hinter den Fenstern der Reichen zwar glimmen die Kerzen auf: SU hohen Pyramiden geschichtet. Aber deren Stirnen sind ton verworrenen Gedanken zerknechtet: Wie hält man den rinnen» den Reichtum fest? Wer hat den Talisman, der neue Schätze in die Kammern zwingt, der die alten bewahrt, so daß sie sich m-hven in einer fluchbeladenen Zeit? Zählten die Hausherren nicht eben noch seufzend ihre jwssen, in die der.heilige- Abend unliebsame Löcher stieß? Die Armen aber sitzen in kargen Zimmern, durch die der Atem wolkig rollt. Aus der Spitze der kleinen traurigen Tannen. karikatur thront ein dünnes b>e.chsuchtizeS Licht. Und die Ge- iickter sind zum Heucheln zu müde. Die Ärmsten aber schleichen durch die Straßen, Sehnsucht oder Haß im Mick. Luch ihrer sind V ele........ Die Glocken, horch: sie läuten dumpf. Sie läuten Zorn. Sie läuten Hohn. Sie werfen ihre Töne wehmütig über Scheitel, darunter sich das Gezücht der Sorgen schmerzlich verknotet. Luch t e i, eine Porstei her sozialen Reform, aher nickst eine bes zietbewußsten Sozial is-nms. Sie wagt endlich, zu scheinen, was sie ist. VertliAlige klebe. Das R«ch?kalbinett plcmt die Bildung vwes Reichiwirt- s ch a f:§ r a t e s, der der Regierung und dem Reichs ag bei der wirdschaftS» und sozio lpoiitischsn Gesetzgebung beratend zur Seite steh:» soll. Obwohl wir uns von einem solchen Iiristrimciit, der der rem kapflaiistisch ovientierlon„sozialen Einsicht- der gegen« inär: iiyn Regierung seine Entstehung Verldunk.', nicht viel Nutzen für'die Arbeitovichaft versprechen, müssen wir unS doch gegen die in Uniternohmerkr e isen herrisch ende Absicht wenidon, den Reichs' wirtlschaftSrot zu einem Völlig sicheren Mittel der Devtrewnig von Unternehmerin: er« ssen zu machen. Die„Deutsche Arbsitgeiber- Zeitung" beschäftigt sich sehr eingebend mit der Frage der Stimmenverteilung im ReichSwirtschaiftSrat auf die ein- zetnen In t eresftm te ngeupv en. Politisch zortibo'aitet, wie die Herxen von Aar uud Schlot nun einmal sind, eüblickt dos Unter» nehmerblatt den Segen der geplagten Einrichtung darin, daß sie zur„Enipslitsieruug des Wirvchai»lebenS" beitrugen wird. Das soll Heeßen, der Einsluß der politischen Porteiem auf die Wirt. schaftspotitik soll durch den Einfluß deS WirtschaiftSrateS aufge- hoben oder doch gemildert werden. Schon vor:M ger Zeil ertöate aus Unterneihmerkreissn der Ruf noch dem RoichSwirtschaftSrot, weil die„peliti'che- Raiionalversammlung nicht in der Lage sei, das Betriebsrätegesetz noch den Bedürfnissen der deutschen Wirt- tchaft, soll heißen nach den Hsrrschaftsonsprüchen der Unternehmer zu gestalten. E'n Vorwurf, den wir ungerecht finden, denn bi»- her hat die Not'onolvcrfammluing gerode bei den Bevatu.mgen über das Betrieb srö-ege setz gezeigt, daß sie Unlernehmer>initeresssn troff- tich zu würdigen wissen. Um nun der EntPolitisierung zu dienen, wendet sich die „Arboitgeber-Zeiiung- zunäckst gegen die Absicht der Regierung, dem Zentrairat bc« Herrn Evhen-Reuß das Recht zu gelben, elf Arbeitnehmervertreter in den RoichSwirtlschasiSrat zu delogieren. Selbst dieses Herren» und leblose Gebilde erscheint dem Unternehmenblatt gefährlich, denn eS ist—«im posti-flscheS Gebilde. Weiter ist den Untern ehmorn die Bertretnng der V e r- brauche rschaft Mibeqnem. Sie können ihr« Interessen doch oiuSroichcnd m der pofl tischen VoUsvertretunig wahren. Ebouso schädlich für die„Entpolit'sierumg d?S WirtschaftSlobenS- erscheinen dem völlig unpo'l tischen U n ternehme rdlobt 22 Wirtschaftsfachleute, de dem der Regierung und vom ReichSrat in den ReichSwir schaftrot berufen worden sollen. Allediese Grup» Pen verschieben die Parität von Unternehmern und Arbeitern. Und die Unitermehmeir können noch nicht recht übmsehen, wie sich diese Gruppen, die im ReichSwirlschaftrot bei solcher Zusammensetzung einen bedeutenden Einfluß haben würden, stellen wenden. Dagegen gsouben sie bei einer Zusammen- arbeit mit den au? den Arbeitsgemeinschaften hervor- gehenden Arfri te rverwetsrn ihrer Sache völlig sicher zu sein. Sie haben die günstigsten Erfahningen mit ihnen gemacht. Und darum legen sie einmal große? Gewicht darauf, daß die Mehrzahl der Vertreter der Industrie im ReichSw'rischafiSrat von den Arbeits- gemewnschaften benannt werden, und sie fordern ferner, daß daS MehüheitSverhAtwiS im ReichswivtschastSrot so gestalllet werden soll, daß Industrie und Landwirtschaft soviel Vertue» ter erHalden, daß kein Beschluß gegen die vereinig- ten Stimmen— Arbeiter und Unternehmer— dieserdei- d e n Gruppen zustande kommen kann. DaS wäre die Majori sierung des RsichswiirtschaktSrateS durch die Unternehmer und die mit ihnen Vevkmndenen Gewerkschaftsführer. Wie sehr sich diese schon in der Hand der organisierten Unternehmer be- finden, zeigt auf» neue daS Vertrauen der Unternehmer zu ihnen, das au» die'em wcromher.zigen Eintreten der„Arbeitgeber-Zeibung- für die Arbeitsgemeinschaften fpr'cht. Für die klassenbewußte Arbeiterschaft nur ein Grund mehr für ihren Kampf gegen diese verderblichen Gebilde und gegen die Ausdehnung ihres EiniflusseS auf öffentliche Einivichtungen. Sie eln'amen Hirsche. Bald nach dem Waffenstillstand wurde ein«Deutsch-dem». kratischer VewerkschaftSbund' gegründet, d» die christlichen Ge- werkschaften, die Hirsch-Dunckerschen G.werkvereine und einige kleine Organisationssplitter nationaler Couleur vereinigen wollte. diese Nacht gibt leine Erlösung. Der millionenmal Gekreuzigte starb vergebens. DaS Geschlecht dieser Erde ist dem Inferno verfallen. Die Stimmig der Propheten schrien gegen Steine. Jahrtausendelang. * Unter denen, die eilig durch die frostharten Straßen rennen, rührt mich die kleine Cft« Amberg am meisten. Sie blickt mit ihren klugen Augen gegen die Scheiben, dahinter sich die Pyra- mldcn türmen. Doch sie neidet niemand sein Gut. Sie über- wand alle hohlen Illusionen. Di« Not hat ihre Blicke geschärft. Trauer trägt sie im Herzen um ein armseliges Menschengeschlecht. Ihr Mantel, von mitleidiger Hand geschenkt, ist sckon zerschabt und dünn; doch st« spürt keinen Frost. Sie fühlt sich berufen, Künstlerin zu fein; ja, sie ist eingesetzt von Gott, den Wandelnden zu sagen, was sie leiden. Doch wer hört auf jene im ärmlichen Gswamid? Sä« folgen den Spuren hohler Stutzer, feiler HrrreN, so sie sich mit Seide behängen. Saht ihr schon jemals einen in zerschlissenem Kleide, den sie feierten, weil sie die heilige Flamm« spürten? Saht ihr schon jemals«inen, Mann oder Weib, in ävmkchen Lumpen auf bälfallamtostom Podest? Welch Gadern!«. Sie erheben ihre Augen hündisch nur, Lerni seidiger Glanz von oben her sie streichelt. Sie beugen sich vor Auszeichnungen, Uniformen, vor dem Reichtum in jeg- licher Gestalt; gleichviel wie der Umwebelte ihn einst envarb. Die Künstlevimnen aber, die die Menge umstrecht: st« wurden«nt- weder in begüterten Häufern geboren. Oder sie wälzten sich durch zahlreiche Betten. Wie viele sind ihrer, die durch Oual und Mühsal gmgen, ohne je den Körper zu verkaufen? Wie viel« steigen empor, ohne daß Direktor, Agent, Impresario si« besudeln? Wie viele treten an» Sicht, wenn nicht ein reicher Liebhaber die Taschen weit öffnet um schönen Lohn? Avrn« Eva Amberg, du rührst mich sehr. Wie ärmlich du durch den Weihnacksikabend läufst. Wie schäbg und wie stolz. Noch nie hat eine geile Hand deinen Leib berührt. Wer(M> dir den Mut, so tapfer zu leiden? Sah ich dich nicht w dem traurigen ZsiitningSbuireau hocken vom Morgen bis in di« Nacht hinein? Um Usbeoswrbengald bi» zur BesiunungSlosigksit die schmievigen Blätter wenden, abwecksselnd Scher« und Blaustift in klebrigen Händen? Bis daß, dann und wann, der Pinsel trotzig in den Kleisiertopf fuhr, um zersckmittene Fetzen wieder zu einen? Ging zu Hause— o dum, le» Loch im vierten Stock de» Hintergöbäu- deSI— wicht eine alte Mutter sorgenvoll umh:r, die einzige 'Mahlzeit des Kinde» immer wieder vergeblich wärmend? Hin« Bald änderte der Bund seine Firma und nannte sich„Deutscher GeworkichastSbund". Er hat sich im Lause des Jahr.s durch mehrere K.isen hindurchloviert und sich im November neu lon- stituiert. In dem Verzeichnis der angeschlossenen Verbände, das im Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften erschienen ist- fehlen die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine. Heber den Grund ihres Ausscheidens verlaulet weder von der einen noch von der anderen Seite auch nur ein Wort. Niemand erfährt, warum die Hirsche dem Gesamtvcrband aller sozusagen nationalen Gewerkschaften nicht mehr ang.hören können. Sie stehen nun einsam zwischen den Schluchten. Rechts und links von ihnen sammeln sich die Massen der gemerk« schaftlich organisierten r vbeiter immer geschlossener in zivei— allerdings ungleich— großen Lagrrn. Finden die Hirsche nicht bald den Weg zu den freien Gewerkschaften, dann werden sie der Gefahr kaum entgehen, daß si« zwischen den beiden großen Orga- nisationen zerrieben werden. Sie Elvlpngsbeweztmg in Sauzig. Am Sonntag hielt die rechis sozialistische Partei de» Frei» staates Danzig einen Parteitag ab. auf dem ein Kompromiß zwisch.n den Anhängern der proletarischen Diktatur und der Demokraten gesucht wurde. Der Entwurf der Programmkom» Mission enthielt folgenden Absatz: „Um diese» Ziel zu erreichen, bedient sich die Sozialistische Partei der Freien Stadt Danzig aller politischer, und Wirtschaft« liehen Kampiinittel, gegebenen(«18 muß di« Diktatur de» Proletariats durch politische Arbeilerrät« cht»« geübt werden. Zur Sicherung bitter Diktatur ist die E r r i ch« tung einer Volkswehr aus den gieihen de» klaffen« bewußten Proletariats erforderlich" Demgegenüber wurde nach mehr als sechsstündiger Debatte eine Entschließung angenommen, in der eS u. a. beißt: „Der Parteitag nimmt weiier Kenntnis von drm beschlossene« EinigungSprogiamm. Er schlägt an Stelle der strittigen Formel vor:„Um diese» Ziel zu erreichen, bedient sich die Sozialtsttsche Partei der Freien Stadt Danzig aller politischen und Wirtschaft- lichen Kampfmitftl. Der Klassenherrschaft der Bourgeoisie ist gegebenenfalls die Diktatur des Proletariats entgegenzu« setzen. Erst der Sozialismus bringt die Beseitigung jeder Klassen« Herrschaft, jeder Diktawr. Der Parteitag beauftragt den Londesvarstand mit der Leitung der unabhängigen sozialdemoktatrschen Parteiorganisation zusam« menzutretcn und die Einigung auch für das ganze FcerftaatS« gebiet auf dieser Grundlage zu vollziehen." Außerdem sollen in allen Orte» nach erfolgter Einigung zu» nächst paritätische Neuwahlen der Vorstände stattfinden und ein möglichst noch im Januar««nzuberufender Parteitag beider Par« teien die Tinigung formell vollziehen. Die U S. P. in Danzig hat zu dieser Aenderung de» u» sprüngtichen Programm», die tt verme'den will, die Arbeiterrät« als pöfl tische HerrschaftSovgane der Arbeiterklasse ausdrücklich z« nennen, noch keine Stellung genommen. Sie Verkeuerung des Zeltonzsdrvlkpapiers. Vor einigen Tagen haben wir die Bekanntmachungen der Organisationen de» bürgerlichen Zeitungsgewerbe» wiedergegeben, in denen auf die außerordentlichen Preiserhöhungen für all« Materialien aufmerksam gemacht und«ine weitere Steigerung der Bezugspreise für die Zeitungen als unabwendbar angekündigt wird. Eine Anzahl von Blättern kündigt denn auch bereit? an, daß sie vom 1. Januar den AbonnementSprei» um etwa 26 Proz. steigern müßten. Ueber die Preiserhöhung für ZeitungS« druckpapier wird nun folgende» mitgeteilt:„Was jetzt vom 1. Januar 1920 an neuerdings auf die Preise für Druckpapier aufgeschlagen werden soll, erreicht mit einem Schlage fast die Höhe deS Betrüge», um den sich im Laufe der letzten fünf Jahre da» Papier überhaupt verteuert bat. Das Zeitungsrollenpap'er wird auf rund 2 Mark für das Kilo erhöht gegen bisher rund 1,20 Mark und gegenüber einem Friedenspreis von 50 Pfg.j damit wird eS zehnmal so teuer wie früher. Der einzeln« Bogen einer Zeitung wird damit unbedruckt schon über 3 P f g. kosten. Bei einem Umfang von 8— 4 Bogen wird daher da unbedruckte Papier der Zeitung allein schon 10—13 Pfg. kosten. Diese Preisfestsetzung für Druckpapier ist zunächst nur für den Monat Januar 1920 erfolgt. ES liegt daher die Be- fürchtung nahe, daß dieser PreiStaumel noch nicht beendet ist." unterhorchend in den Hofschacht, ob nicht die müden, wohlbekann- ten Schritt« klopften? Wer kcomtte deine ganze Oniol als jener arme Poet und seine Frau, zu denen du in schwachen Stpindon ranntest, um der Ber« zweiftung zu entweichen? Wem lasest du der großen Dichte« Vevse vor mit doiraar Stimme, die wie Glut und Donner ist- wenn dich Ekstase faßt? Ihnen, die dich hörten, da keiner dich hören wollt«. Ihnen, die an dich glaubten, da all« an deiner Armut achselzuckend vorübe rgingen. Seht, ein pelzgeschmückter Kerl verfingt die klein« Eva m# lüsternen Worten. Ein Kavalier, der seinen Weihnacht sal'end billig verschönen möchte! Prachtvoll, wie sie ihm die Faust an dem Ellenbogen stößt und vorwärts rennt. Denn auch sie läuft nicht nutzlos umher. Sie hat ein Ziel, die kleine Eva... Und denkt Ihr an jenen Abend, da sie zum ersten Male da» Podium bestleg? Wie diel Wege, um die Summe für den Saal zusammenzubetteln. Wie viel vor der Mutter unterschlagene Mittagbrot« und Fahrtgroschen, um das immer noch Fehlende zu ergänzen. Und schließlich war der Saal fast leer, und all die Mühen waren umsonst. Wer von der hohen Kritik kam herbei, um die Stimme der Unbekannten zu hören, flir sie zu zeugen? Nur der arme Dichter sah im Saal und schrieb eine Hymne un» kargen Sold. Wer aber war in so früher Morgenstunde auf der Straße, um, wochenlang vorher, zu sehen, wie die kleine Eva Amberg, vor den harten Dienststunden jene Plakate, die ihren Abend anzeigten, selbst an Mauern und Brückenpfeiler klebte? Von lächelnde« Blicken verfolgt, vom Johlen unreifer Burschen begleitet, un« bcirrbar den Gummi au» der Tube preßte, die Tapfere? Nie- manh von jenen, die des Abends blasiert in die Säle gehen, hat e» gesehen. Ich aber weiß darum, und ich sage e» Euch, damit Ihr die Ohren öffnet. Damit Ihr ein Schicksal erkennt, da» sich hoch über den dumpfen Alltag erhebt. Ein Leben, erfüllt vo« herrlicher Jnbrun", trotz Armut und Oual. Die klein« Eva Amberg, auf langem Wege, durch viel« Straßen, um das Fahrgeld zu sparen, lauft von einer arme» bittenden Frau, di« frierend am Gitter einer protzigen Villa steht, kaust Streichhölzer, die sie nicht braucht, und gibt noch fünf Pfennige dazu, weil vor ihr so Viele stolz an der Armen vorüber« ziehen, ohne die krächzende Klage zu hören. Denkt auch an die leibliche Kraft in der Kleinen. Auf alle« Wegen, in der Straßenbahn,— immer, überall trägt sie ei« kill Vorschlag zur ArbeliMellMe. G. D. H. Cole enhaicfelt im„Daily Herald" vom 13. 12. ein r Schema zur Lösung der Frage der Arbeitslosigkeit. Er führt aus: „W.e müssen wir die Frage der Arbeitslosigkeit behandeln, lvenn die Erhebung von Versicherungsbeiträgen �r falsche Weg ist? Wir müssen unser Schema nach Möglich- reit zu ei�er Vorbeugung der Arbeitslosigkeit und so wenig wie mögl.ch zu einer Unter st ützung der Arbeitslosen machen. Lucrst müssen wir sehen, was getan werden kann, um das Ent- stehen der Arbeitslosigkeit überhaupt zu verhindern. Augen- lcheinlich kann V-ieleS von der Regierung und von den örtlichen Behörden dadurch.getan werden, daß sie ihre Nachfrage nach öfsentlichen Arbeiten aller Art der allgemeinen Lage des Arbeits- Marktes anpassen. Wenn die Programme der Regierung für die Wiederaufbau-Arbeiten beschleunigt würden, kblmten alle Arbeitslosen leicht untergebracht werden. Da? Ergreifen dieser Matznahmen würde indessen die Ar- be tslosigkeir nicht abschaffen, besonder» in einigen ihrer meist irritierenden Formen, wie zeitweiliger Ausstand und Unter- beschästigung in der Form von„ArbeitSzeit-Verkürzung". ES handelt sich daher darum, einen Weg für die Lösung deS Problems zu finden, durch den die ArbeitSlosigloit auf ein Minimym reduz-ert und für de» Unterhalt solcher Ar- beiter, die unbeschäftigt bleiben, gesorgt wird. Ter Schlüssel zu der Lösung liegt in der vollen Anerkennung der Tatsache, datz die Arbeitslosen wirklich aus einer Anzahl von .Arbeitsreserven" bestehen, die die Oekonomisten als wesentlich für das kapitalistische Produktionssystem betrachten. Mit dem Unterhalt dies er Arbeitsreserven sollten direkt die Industrien belastet werden, die dies« benötigen. Gegenwärtig werfen diese Jndu» strien die Last auf Löhne oder Ersparnisse, auf die Gewerkschaften, auf den Staat, oder auf private Wohltätigkeit, während anerkannt werden mutzte, datz der Unterhalt de».Neferve"-Arbe>terS, recht- mäßig der Industrie, zu der er gehört, zur Last zu legen ist. Ein Gesetz sollte erlassen werden, daß das allgemeine Rech! des Unterhalte» zu einem Lohn, der den Lebensunterhalt ermög- Ii dt, anerkennt und jeder Industrie die gesetzliche Verpflichtung auferlegt, ihre eigenen Arbeitslosen zu unterhalten. Dies würde bedeuten, datz die Firmen in jeder Industrie im Verhältnis zu den bezahlten Löhnen oder zur Anzahl der Be- fchäflig�en mit einer genügenden besteuert würden, um für den vollen Unterhalt aller Arbeitslosen in der Industrie zu sorgen. Für die Zwecke der Besteuerung würde Unterbeschäftigung wie Arbeitslosigkeit zu behandeln sein, da sonst die Unternehmer ihren Verpflichtungen ausweichen könnten, indem sie mit verkürzter Arbeitszeit arbeiten. ES wird auch nölig sein, autzerdem einen allgemeinen für alle Industrien gleich bemessenen Beitrag zu er. heben, um die Kosten des Unterhalts derjenigen Arbeitslosen, die keiner besonderen Industrie zugeteilt werden können, zu decken. Di« Methode, dies?» Schema zu verwalten, ist nicht weniger wichtig alö die Methode der Steuererhebung. Das eingegangene Geld soll vollkommen den Gewerkschaften ausgehändigt werden, die es den Arbeitslosen auszählen. Dies ist während de» Krieges unter dem Baumwoll-Kontroll-Sckema geschahen, unter weidjem die Gewerkschaften sowohl Mitgliedern als Nichtmit» gliedern die Beträge auszahlte. Das Geld wurde durch eine Steuer von den Frrmen erhoben und dann den Gewerlschasten «uSgehändigt. Was in einer Industrie getan worden ist, kann in allen geschehen. In Verbindung mit diesem Schema sollten die Arbeit«» Ämter, welche der Arbeitsminister bureaukratischeral» je zu machen im Begriffe ist. den Gewerksckoften überlassen wer- den. Sie sollten die Verwal'ungSkörperschasten für die Zahlung von Unterstützung an die Arbeiter sein, die nicht unter daS Spezialschcma einer besonderen Industrie fallen. Die Handelskammern mutzten die Arbeitsämter kontrollieren, die dann gesichert sein würden gegen die Versorgung mit Streik- blechern oder mit Arbeitern unter dem Tarif, die dann wirklich« Zentren de» örtlichen Gewerkschaftsleben» werden würden anstell« von Ausdehnungen der Whitehall- Vureaukratie in jedem Distrikt. Sin auf dieser BasiS vcrsatzteS Schema würde die folgenden Vorteil« haben:_ Versbuch in der Tasche und lernt und lernt und lernt. Ein paar schnitten, von dünnster Fettschicht überhaucht, sind zu- weist die Kost de» ganzen Tage». Und das Abend- ®fot, wenn sie endlich kommt, ist in der Röhre kalt ge« worden; die Mutter konnte«s länger nicht warm halten. Doch die Bissen werden geschluckt, ohne datz die Zunge sie fühlt, Und die Lippen murmeln selbst beim Essen die Verse großer Dich. wt: Ihr Heroen der Gegenwart und Vergangenheit, seid Fhr auch alle es wert, daß die Eva Arnberg mü solcher Inbrunst firb in Vure Werke wühlt? Wehe, wenn ein Ritz zwischen eurem Men» mtntum uno Künstler tum klasftl Wir alle sollten mehr von uu- feren Dicht« on wissen, damit wir keine menschlich kleinen, nur ialentbegnadeten Götzen artbeten.... Der Schlaf der Eva Amberg aber ist kein Schlaf. Es sind VSachträum«, die vom Glanz entzückter Strophen funkeln. Wo- ber nimm# sie, am Morgen, die Kraft, froh aus dem Bett zu springen nach den Poesie verklärten Ekstasen der Nacht? Geist und Willen tragen st« durch die Welt, und jene unzerstörbare Kraft, bi« wir Hos'mung nennen. Di« Letzten werden die Ersten sein! Die klein« Eva glaubt an den Tag. da sich ihr Schicksal erfüllen wind. Da d!« neue Kurve kommt, die sie zur Höhe trägt. Do der Lohn sie mit großer Gnade überfällt, und Heller Ruhm in kristall- u«r Glorie auf ihren Scheiiol stürzt.... Sie ist am Ziel ihres Wege». Die Straßen wurden hohl. Nur Nachzügler noch, pakeidcbürdct, laufen durch den tlirrenden Frost. Auch Eva Tm6erg trägt ein schmale» Päckchen unter der Achsel. ist ein Buch, das der arme Dichter sich sehnsüchtig wünschte, lokrolang. Eva Amberg hat e» gekauft. Wieviel Mittagbrote? Dia,!«! Fahrgroschcn? Wer wird da? zahlen, pfui! Nun läuft sie balbdunkl« GarienlguZtreppen empor. Sie schieb!, atemlos, ein Dannenztveigloin durch das grün« Band, da? den Umschlag»er- schnürt. Tie lächelt. Sie keucht. Soll sie klingeln? Stören? Nein. |pi« legt da« L'.ch leise vor die Tür. Sie weiß, er wird eS noch knie finoen. Ahnung wird ihn an die Schevelle treiben. Sie swht sein staunende» Gesicht und hat in der Brust da» tiefst« Pienschenglück. Schritte im Korridor, Kinderstimmen? Die klein« Eva er- vbrickt. Sie flieh:. Zuerst langsam und leise; auf der untersten Dreppx polternd und schnell. Sie jagt gehetzt in die WeihnCchtZ- wuht hi nau». Wird die Mutter nicht schon lange warten? 1. ES würde dazu führet?, daß die Arbe'.tZvertellung nickt mehr dem Zufall unterworfen ist. 2. ES würde den Kapitalisten für die Arbeitslosigkeit, die das Produkt des Kapitalismus ist, zahlen lassen und würde ihm einen Antrieb geben, den Betrag zu reduzieren. S. ES würde die Last, für die Arbeitslosen zu sorgen, vom allgemeinen Steuerzahlen und von den Gewerkschaften weg- nehmen. 4. Es würde den Gewerkschaften verwaltende Arbeitskontrolle sichern und ihre Position stärken." Lelriebselnstckungen im liuhrgebi?!. Die Hütte.Phönix" in Ruhrort hat ihren Betrieb in ähnlicher Weise einstellen müssen, wie die Rheinischen Stahlwerk« in Meiderich. Voraussichtlich werden das Eisen» und Stahlwerk, sowie die Gießerei! voraussichtlich ganz stillgelegt werden müssen. Da» Rheinisch- W estfätiiche Elektri- zitätswerk hat die Siromlieferung nach hier infolge Kahlen- mangels einstellen müssen. Fast die ges a mie I n d u st r i e steht still. Auch im Siegen-Nassauer Eisenerzrevier ist es wegen deZ herrschenden Kohlenmangels kaum möglich, die Eisen- und Siahlindustrie aufrecht zu erhalten. Eine Reihe von Erzgruben, Stahlberg-Müsen, Kunst, Viktoria, Wolf, PeterS- bach, liegen still, weitere, wie Alte Dreisbach, werden in den nächsten Tagen zum Stilligen kommen. Einige Gruben stehen in der größten Gefahr, zu ersaufen und damit auf Jahre hinaus verloren zu gehen. Walz, und Hammerwerke sind zum Teil schon stillgelegt. Hochöfen sind gestopft; ob e» ge- singen wird, sie wider, in Gang zu bringen, ist mehr denn ftag- sich. Aus dem DillkreiS wird ebenfalls über Stillegung von Gruben berichtet. Sie Erhöhung der Zuckerpreise. Mit Zustimmung de» ReichSratS und der Nationalversammlung ist die Verordnung über die Förderung der Zuckercrzeugung und des Zuckerrübenanbaus nunmehr veröffentlicht worden. Da- nach wird zu dem Zucker, der vom 1. Januar an von ven Fabriken abgeliefert wird, ein Zuschlag von 25 Mark auf den Zentner er- hoben und zu einem Fonds angesammelt, auS dem die Zucker» rübenandauer und Zuckerfabriken für die besonde- ren Unkosten dieses Jahres entschädigt werven sollen. Die Durchführung der Entschädigung regeln die gleichzeitig erlassenen AuS'ührungsbestimmungcn. Für das nächste Jahr ist«in Roh» zuckerprei» von 150 M. für den Zentner gesichert. Di« Zuckerfabriken haben durckonea recht gute finanzielle Er- gefrnisse zu verzeichnen, trotzdem erhalten sie neue Liebesgaben Zurch die die Zuckerpreise eryeblich erhöhl werden. An die deutschen Kriegsgefangenen richtet die deutsche Re- gierung einen Weihnachtsaufruf. Ei« sagt darin, daß sie alles getan habe nnd weiter tu« wolle, um sie wieder nach ter Heimat zurückzuführen..Sie bittet die Gefangenen, hierauf zu vertrauen und nach allen tapfer überstandenen langen Leiden und Entbehrungen auch noch die kurze Zeitspanne, die sie jetzt vom Tage der Heimkehr trennt, in Geduld zu ertragen." — Die Regierung kann sich von dem Vorwurf nicht reinigen, oatz sie durch ihre Politik dam beigetragen hat, die Heimkehr der Kriegsgefangenen zu verzögern.. Durck» da» baltische Aben- teuer, durch die von den Kreaturen der Regierung begünstigte Versenkung der Schiffe in Seapa Flow, durch die Verschleppung der Verhandiungen mit der Entente und ähnliche Dinge ist die endgüttige Ratisikation de? Friedensoertrages und die Ausliefe- rung der Gefangenen verbindert worden. Eine neue englische Südpolexpedition soll im Juni nächsten Jahres aus London abreisen. Der Plan geht dahin, die Eis- Barriere, die sich vor dem Südpol befindet, zu über- fliegen und durch drahtlose Einrichtungen mit der zivilisierten Welt in Verbindung zu bleiben. Führer der Expedition wird John Cope, der auch an der bekannten Shakleton-Expedition teilnahm. Der achtstündige Arbeitstag ist durch Beschlutz de? polnischen Landtag» in Polen eingesühr' worden. Am Sonnabend ist die Arbeftldauer auf 6 Stunden begrenzt, so datz sich eine sechsund- vierzigstündige Arbeitswoche ergibt unter strenger Durchsührung der Sonntagsruhe. Ter Arbetter-Elternbund. Genosse Jakob Meth schreibt unS: Genosse CriSpien schildert in der.Freiheit" seinen Besuch bei den Kindern in Schönbrunn. Er mag das Gute nicht nur in der Ferne suchen. Auch in Berlin besteht eine Organisation mit gleichen Zielen, die heute bereit» acht Ortsgruppen und 1000 Mitglieder zählt. Allerdings stehen dieser Organisation weder kaiserliche Schlös- ser noch städtisches Geld und Lebensmittel zur Verfügung Ilm so mehr find die bisherigen Leistungen des Arbeiter-Eltern» Bundes zu beachten. An jedem Sonntag wurden Kinderwande- rungen und Spiel«, während der Schulferien dreimal wöchentlich Ferienipiele veranstaltet. Im Winter treten Stadtspaziergänge und MufenmSbesuche an ihr« Stelle. Drei Jugendschriften-Ab- toilungen mit j« 500 guten Jugendschriften wunden angelegt, deren Zahl demnächst vermehrt wird. Für die Kleinen haben bisher 12 Vorstellungen eines eigenen Kasperl-Theaters stadtge» funden, die von.600— 1000 Kindern besucht waren. Für die größeren Kinder sind bisher 50 Märchen- und Liederabende mit einem durchschnittlichen Besuch von je 600 Kindern abgehalten worden. 120 Eltern-Versammlungen mit Vorträgen über Schul- und Erziehungsfragen wurden veranstaltet. An 26 Gemeinde- schulen wurden provisorische.Elternräte gewählt. Und eben geht man daran, die ersten HandferiigkeitSunterrichte und Horte für die Kinder einzurichten, die da» zum Ziel haben, was Genosse CriSpien so schön schildert. Was an pädagogischen Zielen in Wien verwirklicht ist, tst in Berlin nicht fremd, denn die so- zialistischen Lehrer Berlins stehen mit dem Arbeiter- Eltern-Bund in enger Fühlung. Es ist also auch bei uns die Grundlage zu einem großzügigen Wirken gegeben. Und die Partei würde sich große Verdienste erwerben, wenn sie den Ar- beiter-EItern-Bund fördern würde. Brionders im gegenwärtigen Augenblick wäre daS notwendig.. Vor allem aber ist es erforder- j lich, datz unsere Stadtväter endlich mehr Zutrauen zu denen fassen, die zielbewutzt sozialistisch auf dem Gebiet der Jugend- fürsorge arbeiten, nnd mit den Bureaukraten aufräumen wür- den. die im besten Falle den heutigen Mißständen schöne Pfläster- che» aufkleben. Wenn das Geld, das heute von der Gemeinde Berlin für Jugendfürsorgczwccke ausgeworfen wird, unter Kon. trosi« und unter Mitarbeit de» Arbeiler-Esiern-BundeS ver« wendet werden würde, könnten auch bei unS lxrld Kinder- Heime und Kinderfarmen entstehen, wie sie dem Ge» nassen Erispien erstrebenswert erscheinen» p".......... � Gswerkschaftliches. Angestellte in Heeresbetrieben und Verwaltungen! Die Angestellten werden darauf aufmerksam gemacht, datz die „Interessengemeinschaft der Acbeits-AuSschüsse der Angestellten der NeichSmimsterien, der Reichsmittelbehörde und der Wirt- scha i:so rßemi satio nen(ehemal. Kriegsorganisationen). Berlin W. 35, Potsdamer Stratze 32 I" mit der aus Wahlen hcroorge. gangenen alleinigen Angestelltenvertretung, dem Siebener-Aus- schuß, Fachgruppe 3 b, nichts zu wn hat. Hinter vem schönen Titel verbirgt sich einzig und allein Herr Lindi'g vom ehemaligen 14er-AuSschuß, der sich anscheinend bemüht, eine unter den heutigen Vechälwissen geradezu verderbliche neue Zerspsitte- rung innerhalb der Heeresbetriebe herbeizuführen. In diesem Beginnen wird er leider von einer Anzahl Kollegen, die auS irgendwelchen Gründen in der rechtmäßigen Interessenvertretung der Heeresbetrrebe keine Rolle spielen tonnten, weil die Mehr- heit der Angestellten sie nicht wählte, unterstützt. Der Siebenerausschutz war durch besondere Umstände noch nicht in der Lage, den Zeitpunkt der Neutoahl festzusetzen.'Die Neuwahl der Interessenvertretung der Angestellten der Heeres- betriebe findet bestimmt in den ersten Tagen des MonaiS Januar statt. Die in der ArteitSgemeinsck'ast freier ilnfleitell'envectän&e organisierten Angestellten-AuSichutzmitglteder und Vertrauens!- leute sind zu einer wichtigen Besprechung zu Momag, den 29. Dezember d. I., nachmittags 2 Uhr, in die Florasäle, Aelle-Allian.ce- Straße 21, geladen(siehe entsprechende Pressenotiz). Die Angestellten haben es wieder in der Hand, sich selbst ihre Interessenvertretung zu bilden und sind nicht darauf angewiesen, daS Bureau einer Sonderorganisation zu finanzieren. Fachgruppe 3 b(Siebener-Ausschuß). Wenn die Arbeiter höhere Löhne verlangen. Ein Funktionär deS Deutschen Holzarbeiter-Verbandes wurde kürzlich bei dein Kistensabrltanien Wich. Ktöde, Fruchtstraße 37, vorstellig, um über die für diese Branche mit den Unternehmern vereinbarten Löhn« zu verhandeln, damit diese auch für die Ar- beider dieser Firma gezahlt werden. Das Ergebnis der Ver» Handlungen endet« damit, datz nach voraufzegangenem Wort» Wechsel der Beauftlag'e der Arbtiter mit Tätlichkeiten bedroht und mit dem Hund vom Hof gehetzt wurde. Zu solchen brutaien Mitteln greifen die Unternehmer, wenn eS sich darum handelt, ihren Profit zu verteidigen. Aber schließ- lich macht ein kleiner Kistenfabrikant bloß das nach, was die Re- gierung vormacht, indem sie wie in Oberschlesien Noöketruppen venvendet l NoSketruppen kann sich em kleiner Fabrikant nicht leisten, aber einen Polizeihund und etwa? Brutalität, dazu reicht es aus. Die Arveiter-AuSschusswahlen im EiemenV-Konzern sind nun vorüber. Nach dem Vorspiel, datz 14 Tage vorher durch die provisorischen Wahlen' gegeben wurde, muh naturgemäß die Arbei- terschaft Berlins gespannt sein, ob die antigewerkschaftlich Rich- tung innerhalb der Siemens-Arbeiterschaft sich tu ihrer wenig gemeinnützigen Art wieder betätigen würde. Und so müssen wir leider feststellen, datz trotz der lovalen Bedingungen, die der Hauptvorstand den Kollegen der S. P. D.» richiung stellte, diese wieder eigene Listen gegen die Listen der freien Gewerkschaften aufstellten. Ja, im Elmo-Werk ging die S. P. D. sogar wieder mit den Hirschen auf eine gemeinsame Liste. Bei der Knappheit de? mir zur Verfügung stehenden LlaumeS, ist es mir leider nicht vergönnt, noch besonders auf die schmutzige Agitation dieser Leute einzugehen. Und so- lassen wir denn das Resultat der Wahl vom 19. Dezember selbst sprechen. Werner. Werk: Liste I(S. P. D.) 1811. Liste II(freie Ge- werkschaftl 4028, Liste III(gelb) 413 Stimmen.— Elmo- Werk: Liste I(gelb) 223. Liste II lS. P. D. u. Hirsche! 202, Liste III(freie G' werkschaft) 1555 Stimmen.— Glüh« lampen-Werk: Liste I(S. P. D.) 232, Liste II(freie Gewerkschaft) 1396, Liste III(gelb) 164 Stimmen.— Kabel- Werk: Liste I(freie Gewerkschaft) 1320, Liste II lgelb) 138 Stimmen.— Franklin-Werk: Liste I(gelb) 207, Lille II(freie Gewerksckmft) 1759 Stimmen.— Block-Werk: Liste I(freie Gewerlschaft) 463, Liste II(Hirsch«) 167 Stimmen. — Dynamo-Werk: List« I(Hirsche) 179, Liste II(gelb) 208, Liste III(fteie Gewerkschaft) 1256 Stimmen.— In den übrigen Werken erübrigte sich ein« Wahl, da dort nur eine Liste der fteien Gewerksckaften aufgestellt war. Während sonst die Listen eine einheitliche Nummer trugen, glaubte dt« Firma durch die Verschiedenartigkeit der Nummer die Wähler vertvirren zu können. ES ist dies aber nicht gelungen. Die Raubvozel-Republik. Die Reichsregierung hat als Wappen das schwarze Adlervieh endgültig beibehalten und ihm nur die' Krone abgenommen. Aesthetisch scheußlich wie die Brief- marken und alle anderen Jnsignien der schwarz-rot-goldenen Republik, offenbart sich doch in dieser neudeutschen Heraldik die treue Liebe zum alten Regiment. Gustav in der Badehose?. Nein: NcSk« mit dem Adlerhelml Die militärtrüue StaatSlapelle. Di« Berliner StaatSspcr- kapelle hat ihrem gefeierten Dirigenten Felix Wetngartner mitgeieilt, datz sie auf fein« Mitwirkung an den Sinfonie» k o n z e r i» n verzichte, weil Weingartner politische Aeutzerungen getan habe, die geeignet seien, zu verstimmen. Es handelt sich um scharfe Bemerkungen de? au» Dalmatien stammenden Künst- lerS gegen den kutturfeindlichen deutschen Militarismus, die nach Weingartner» Angabe noch dazu entstellt in die Oefsent- llchkeit kamen. Die StaatSoper kann sich ja nun, dem Wunsche reaktionärer Ordhestermitglieder folgend,«inen der arbeit:':? gewordenen Militärkapellmeister für patriotische Abend« wählen.— Ter Sänger Michael Bo h nen Ist au» dem Verbanae der StaatSove- auSn-lchneden Paul Colin» der Generalsekretär der„Elarti", der vor kurzem— als ernr Franzose nach dem Kriege— in Berlin einen Vortrag hielt, läßt demnächst in der von Kasimir Edschmid beraiiSgegebeiien Sammlung«Tribüne der Kunst und Zeil" (Erich. Reitz-Verlag. Berlin) ein Buch.In den Dunkel» Veiten de» Siege»" erscheinen. Colin entwickelt hierin das Programm der Clarte-Gruppe und bekämpft heftig den Jmperia- liSmuS der Enten'«. In der Volksbühne wird in Abänderung deS Spielplans am Sonntag den 25. 12., abends 6)4 Uhr„Götz von Berlichingcn" und am Monwg, den 29. 12, abends 7% Uhr„Paul Lange und Tora Parsberg" gegeben.— Die Tat'ach«, oatz der Verband dcd Freien Volksbühnen in diesem Jahr keine Mitglieder mehr auf- nehmen kann, hat vielfach zu der Annahme r« führt, datz die Verstellungen der Volksbühne, Theater am Bülowplatz, dadurch von vornherein ausverkauft wären. Da? ist nicht der Fall, Ein Teil der Eintrittskarten ist nach wie vor dem täglichen Kassen- verkauf fteigeg-wen, so datz es iedermann freisteht, sie Porste 1» i un gen der Volksbühne zu besuchen. Der Verliiier VoikSchor veranstaltet am 23. rrnd 29. Dezember, abends%3 Uhr, in der Garnisonkirche, Neue Friedrich» stratze, Äussührungen de» Weihnacht». Oratoriums von Job. Seb. Bach. Außer dem VolkZchvr und dem Blüthner. Orchester w rken mit die Damen Thanner-Ofter, Paula Wein,. bäum und die Herren Bauer und Weißendorn. Die Steigerung der Lebensmittelpreise vom April bis zum November. Dr. Moritz Elsas au? Frankfurt a. M. hat die Kosten oer Lebensinittelhaltuiig einer Arbeiterfamilie von vier Personen in Frankfurt a. M. für den 1. November 1919 berechnet.(53et* ton von Heinrich Tiedemann, Frankfurt a. M.) Elsas fetzt die Kosten der Lebensmittel nach den Calwerschen Zahlen für den April 1919 gleich 100. Er kommt dabei zu folgendem EraebniS: Ei> kosteten die Lebensmittel für vier Personen in 1. April 1919 1. November 1919 Berlin 100 165 Hambum 100 182 München 100 12S Leipzig 100 155 Dresden 100 126 Breslau 100 138 Frankfurt 100 125 Elsas bemerkt zu dieser Tadelle:„Die besonders hohen In- dcrziffern für Bcrliir und Leipzig sind die Folge der auher- ordentliche» Preissteigerung der amtlich verteilten Lebensmittel. Beide Städte weifen nach Ealtver für Juli noch mätzige Sätze auf, dann setzen in Leipzig im Augnft, in Berlin erst im Ssp- tember sprunghafte Steigerungen ein, die in den hohen Preisen für Auslandsware, vor allem von ausländischem Fleisch, ihre Erklärung finden." Ja Berlin ist also die Lebenshaltung'besonders teuer. Die Preise sind aber seit dem 1. Novembev nocb weiter sprunghaft tu die Höhe geschnellt, und sie steigen fast täglich, so datz die Whlen mätzige Berechnung kaum nachkommen kann. Vom 1. Januar ab aber wird durch die Umsatzsteuer und die Erhöhung der Brot- und Kartoffelpreisc eine neue gewaltige Preissteigerung einsetzen, durch die die Lebenshaltung der Arbeiterschaft noch mehr beeinträchtigt wird, als das bisher der Fall war. Erweiterung der Mieterschutzverordnung. In Zukunft ist, wie ein Erlaß des Preußischen Minister? für Volkswohlfahrt bestimmt, auch bei Bureau- und p'-'schäftsräumen zur Kündigung die Zustimmung des Mieteiniguiigsamtes einzuholen. Wer hat den Mord begangen? UnZ wird mitgetsilt: Am Sonnabend, den 20. Dezember, wurde in Jakobs darf bei Briefen in der Mark ein russischer Kviegsgesairgeuer erschossen. Der Erschossene ist vier Jahre in dem Ort beschäftig! �gewesen. Wer der Mörder ist, steht noch nicht fest, doch wird vermutet, dag es ein Mitglied der dortigen Ein- wohnerwehr ist. Hoffentlich gelingt es, den Mörder aussindig zu machen, damit er seiner gerechten Strafe nicht entgeht. Ober sind Kriegsgeisangene bei uns vogelsrei? Das Konzert des Sangerchors Webding, das zum Besten der politischen Gefangenen am 1. Feiertag in den Germaniasälen, Ehausseestratze 110, stattfindet, beginnt bereits mittags um 12 Uhr. Selbstmord durch Brandstiftung. Eine überraschende Aus- Wamiifl fand ein Stubenbva.nb,'der die Feuerwehr gestern nach dem Hause Li.no o wer«.trotze 12 rief. Tort drand starker Qualm aus der Wvhnuna eines 40 Jahre alten Erziehers W.'.!- beton Eisfelder hervor. Die von Hausbewohnern horbei.gevitsenc Feuerwehr schlug die verschlossen« Tür mit Gewalt ein und fand ix'» Wohnungsiiisassen Eisfelder entkleidet und tot aus. Ter Man» hatte seine Kleidung, Wäsche und Stisfel, loweit eS ihm möglich war, m den Ofen gepackt und angegüiidct und dadurch einen Sluibenlvvmid'hervorgeoufen. Der Oualtn harte ihn er- stickt. V«s Sem CemeinSe'ebe». Köpenick. In der letzten Skadtverordneten-Versammlung wurden die Fahrpreise auf der städtischen Straßenbahn mit Wir- kung vom 1. Januar 1920— wie in Grotz-Bertin{rbrvhaupt— für die Einzetfahrt auf 80 Pf., für Wochenkarte(mit Umsteige* berechiigung) auf 2,50 M. uiw. erhöht. Dih Arbeitslosen er- suchen um eine Wcihnachtsbeihilfe, welche ein« Staffelung bis zu 80 M. vorsteht. Hierzu wurde seitens unserer Fraktion ein: gemischte Kommission vorgeschlagen, welche diese Angelegenheit schnellstens erledig.» will. Unsere Genossen Weber u. Schulz gehören dieser Kommission an. Bei der Wahl der Waisenräte wurden die Vorschläge des Magistrats verivorfen und neue Vor- schlüge seitens unserer Fraktion und der S. P. D. angenommen. Die Zahlung einer Wirtfehastsbechilfe von 830 M. für das Fahr- personal der Straßenbahn wurde beschlossen, ebenso eine Er- höhnng der Wasscrpreise, sowie Legung einer elektrischen Licht- anlage im Awmenhause. Alt-Glicnicke. Zu einem kleinen Demagogen hat sich der .Vorwärts"-Berichterstatter unseres Ortes schnell entwickelt. Knapp ein Jahr Mitglied der S. P. D., erdreistet er sich, poli- lisdk Gegner, denen ier nicht das Wasser zu reich» n vermag/ in ein schiefes Licht zu bringen. Die sachlich und historisch tief schürfende Rede unseres Genossen Jäckel in der Gemeirde- Vertretung gegen die Absägung des Arbeiterrats vergleich! er dreist und gotteSfürchtig mit einer„Ausleerung des historischen Müllkastens". Dieser Mangel von Achtung vor der geichicht- lichen Wissenschaft kann bei einem solchen blöden Geist freilich nirto Wunder nehmen. Zwei weiteren unserer Genossen droht er die Abrechnung der Wähler an, weil sie für Geflügel, Ziegen- und Kaninchenvereine keine Prämie für dessen Weihnachtsaus- steklung aus öffentlichen Mitteln hewillstjien.. Dornt läge eine Schädigung der Vollsevnäbrung. Und der.Vor» wärts" gibt diesem Kohl Raum. Die Bürgerlichen, die natur- lich für diese Krähwinkelei ebenfalls zu haben waren, werden nicht wönig stolz da ivus sein, datz sie nach dem„Vorwärts" zu Förderern der Vollsernährung avanciert sind. Aus den öcgkinlsakionen. 18. Tisirikit. Bildungoausschuh. Weihnachtsfeier aw IS. Dezem' b-r. nachmitiags 5� Uhr, im Schullyzeum. Panchtrahe. Ecke Böttcher- ftvaße. Teltvw-Beeskiow. Sonntag, den 23. Dezember, voinutto#» 10 Uhr findet in Berlin, Gewerkschnflshaus. Engelufer l->, d, rSÄST-SU. Vereinskalevdsr. Turnverein sticht«. Am stteitog. den 2 Januar 1»0, Ctofsnung der Knabenabteitung 4b in der Turnhalle Etephanstr. 3. Tu.nze.s-n. Dienstag und Freitag von 6% bis Uhr abends. Einmanzeve Schrlfleu. Soziale Vlesevgebung in Oesterreich von 134? bis 191«. Ein« geschichtliche Darstellung von Ludwig Brägel. Verlag Franz Tenticke, Leipzig. Preis 14 M._,.,. Die neuen Reickisstcuern. Von JuMzrat'j.-: Noest. H.st 1. Die Kriegsabgabe 1919 von Mehrein. omwen und Mehvösivinn. Preis 3 M.; Heft 2: Die Kriegsabgabe vom Vermögenszuwachs, nach dem Gesetz vom 10. September 1919, Preis 3 M. Heu Das Erbschaftssteuergesetz, nach dem Gesetz vom 10. September 1919. Preis 4 M., Verlag Spaeth u. Linde. Berlin.___ Verantwortlich für die R-dohti°n Alfred Wiel-PP. Veuhölln. V-rlagsgenosftnschaft„Freiheit".». m. b. H., Berlin. u-:uck der Lindendruckerei und BerlagsgeseNschast m. b. H.. Echiffdauerdamni 19. Freie Weif 32 Heute neu! "«OsOsOoO�OsO�OsOoOoO»• 0 Sätigercbor„WecZciing" o Mitglied des D A.S.B.(OanBerHn) Chorraelster Fr. Cflro• 0 0 Am Donnerstag, den 25. Dezember 10:9 0(1. 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