Ur. 167. / Abmmtments- Kedtngungell: Abonnements- Preis pränumerando! Bterteljährl. SL0 Ml., monatl. l.lvMl., wöchentlich 2S Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Psg. SonntagS- Nummer mit tllustrirter EonniagS- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: SL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungZ- Preisliste für 1897 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für daS übrig- Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Erschrinl läglich auster Montags. Derlinev Volksbl�tk. Die Insertions- GeMhr beträgt für die fschsgefpaltene Kolonel» »eile oder deren Raum 40 Pfg., für PcreinS- und Versammlungs-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserats für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Eon»- und Festtagen bis s Uhr vormittags g-ösfuet. Ärriisprccher: Sinl l, Nr. 1508. Telegramm-Adreffe: „Sozialdruiostrat Srrlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. des des die durch Habs Ober- Krain, einigen Hiedaktio»: SW. 19, Ment Y-Straße 2. Die AskionslitÄkenkÄmpfe in Oepteveeichc. Man schreibt uns: Oesterreich ist das klassische Land der Nationalitäten- känlpse. Enthält es auch nicht so viele Nationalitäten wie das russische Reich unserer Taye oder die Weltstaaten Alterthums, das Perserreich, die Monarchie Alexanders Großen oder das Rönierreich, so haben dagegen Nationalitätenkämpfe in Oesterreich eine viel längere schichte, eine viel interessantere Entwickelung, sie sind trotz aller scharfen, ja blutigen Aufeinanderstöße viel näher ihrer Schlichtung, als etwa die infolge des mangelnden öffentlichen Lebens blos int Geheimen sich äußernden, von der Re- gierung brutal niedergedrückten nationalen Rivalitäten ini Zarenreiche. In den staatlichen, durch Eroberungspolitik vev einigten Völkergemischen im Alterthume hatten dieNationalitäten- f ragen wohl in ihren Ansängen existirt, aber zur Entwickelung kamen sie nicht. Freilich ist die Nationalitätenfrage nicht so modern, wie manche Schriftsteller meinen, die sie als eine erst im 19. Jahrhunderte aufgetauchte Frage behandeln. Auf dem Gebiete des Stamnilandes des österreichisch-ungari scheu Reiches und in den nach Osten und Westen angrenzenden Gefilden wurden die Entscheidungsschlachten geschlagen, denen Europa die Möglichkeit der Entwickelung zu seiner gegenwärtigen eigenartigen Kultur verdankt. Diese Schlachten gegen Avareu, Magyaren und zuletzt noch die mit dem Entsätze von Wien(1683) beginnende Rnckweisung der nach dem Westen Europa's lüsternen Türken entschieden, daß die indogermanische Race und ihre Kultur und nicht ngrisch finnisch-türkische Nationalitäten heute in Europa, Amerika, Afrika, Australien und einem großen Theile Asiens herrschen. Dieser vorgeschobene Posten des Deutschthnms, diese Stätten, wo das Nationalcpos der Deutschen, das Nibelungen� licd, erstanden ist, die Gegenden, ans deren Dialekten die jetzige deutsche Schriftsprache sich bildete, waren Ende des 13. Jahrhunderts in Gefahr, in den Machtbereich der czcchisch nationalen Dynastie der Premysliden zu komme». Die Schlacht ans dem Marchfclde(1278) entschied den Sieg der ans der Schweiz stammenden burger für den deutschen Charakter der Lande und Nieder- Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Tyrol. Von Krain, Südsteiermark, Südtyrol und Gemeinden Kärnthens abgesehen, hat sich der deutsche Charakter dieser Provinzen bis zum heutigen Tage erhalten. Wirthschaft- liche Interessen, die nach einem Donanreiche drängten und die zielbewußte Hanspolitik der Habsburger schufen das jetzige österreichisch-ungarische Reich. Seit dem Jahre 1526 sind die wesentlichen Theile dieses Ländergcbictes unter der Herrschaft einer Dynastie geblieben ohne zu einer Einheitlichkeit zn vcr- schmelzen. Die Verfassnngsgeschichte dieses Staatsgebildcs und d.ie allzu stark divergirenden wirthschaftlichen Interessen der einzelnen Landestheile erklären im wesentlichen diese Thatsachc. Bis in die- zweite Hälfte des vorigen Jahr- Hunderts war Oesterreich blos geeint durch die Personalunion der Dynastie. Die einzelnen Landes- theile hatten ihre Selbständigkeit bewahrt, sie wurden nach sehr verschiedenen Grundsätzen regiert, sie verschmolzen nicht in einander. Die Habsburger waren Könige von Böhnien und Ungarn, Erzherzöge von Ocsterrreich, Mark- grasen von Mähren, gcfürstete Grafen von Tyrol, Görz und Gradiska, Herzöge von Steiermark, Kärnthen:c.:c. ge- blieben. Erst in unserem Jahrhundert, als Franz II. die deutsche Kaiserkrone niederlegte und damit den Verlust des Einflusses in Teutschland zum Ausdruck brachte, als auch die vorder- österreichischen Besitzungen in Süddentschland verloren gegangen waren, ergab sich auch die Nothwendigkeit gegen die napolconische Eroberungspolitik, die Kräfte zusammenzufassen; damals erst erhielten die Länder den Begriff des Reiches mit dem Gcsammt- namen: Kaiserthum Oesterreich(1804). Maria Theresia, ihr Sohn Josef II. und beider Kanzler Fürst Kaunitz wollten, nachdem erst unter Maria Thercsia's Vater eine einheitliche Erbordnung für alle habsbnrgischcn Länder geschaffen war, auch eine einheitliche Verwaltung des ge» stimmten Ländergcbietcs durchführen. Maria Theresia wagte es noch nicht ihre zentralistische Politik auf Ungarn, die italienischen und belgischen Landesiheile auszudehnen. Frei von den Rücksichten auf das historisch Gewordene und für die Anhänglichkeit des Adels an die alten Zustände wollte Joseph II. die„Königreiche und Länder" in ein ein- heitlich geleitetes und zentralisirtcs Staatswesen umformen. Die Sonderverfassnugen der Provinzen wurden beseitigt, die stndalständische Mitregierung und Einwirkung der Provinzial- Landtage wurden außer kraft gesetzt, eine gleichmäßige, einheit- lich ausgeübte Verwaltung durch Beamte, die von der Krone allein abhingen, eingesetzt. Das Ziel war, die Monarchie wirth- schaftlich, politisch und militärisch zu stärken, in ihre innere und äußere Politik Einheitlichkeit zn bringen. Die Kräftigung der deutschen Elemente, die Schaffung deutscher Kolonien in Ealizien und Ungarn, die Erklärung der deutschen Sprache zur Reichssprache waren blos Mittel zum Zwecke, sie ließen aber in allen Nationen den Gegensatz zu den Deutschen erstarken oder erweckten ihn; die Opposition gegen die Zentralregierung, jedes Streben nach Selbstverwaltung, nach selbständiger Entwickelung der Nationalitäten kam zum Ausdrucke in Gegnerschaft, Feindschaft und Haß gegen alles Deutsche. Und diesen Haß verstanden sich die Deutschen zu bewahren, als längst Josef II. todt war und seine Pläne von seinen Nach- folgern zum thcil gänzlich ausgegeben waren, zum theil ohne sein Talent und ohne seine Energie heimlich weiter betrieben wurden. Bis in die 70 er Jahre unseres Jahr- Hunderts wurden die mittleren und höheren Stellen bei Äcmtern und Gerichten fast ausschließlich von Deutschen besetzt. Diese Bureaukratie war reaktionär, sie unterdrückte mit Brutalität jede selbständige Regung des Volkes, auch der Deutschen. Denn der Abstammung nach zwar deutsch, war sie ihrer Gesinnung, ihrem Interesse nach österreichisch, d. h. gonvernemental. Es bildete sich ein dem Volke völlig entfrenideter Kastengeist der Beamten samilien. Und als die Windischgrätz, Schwarzenberg, Stadion, Bach die Revolution von 1848/49 mit Hilfe der Truppen des Zaren Nikolaus I. und der Kroaten niedergeworfen hatten, begann eine verbissene, kleinliehe, gehässige Reaktion, enge vcr- knüpft mit rücksichtslosen, gewaltsamen, selbst militärische Intervention nicht scheuenden Germanisirnngsmaßrcgeln. Während man die wahren Verfechter des Dentschthums ins Exil trieb, standrechtlich erschoß, oder in feuchten unterirdischen Kasematten langsam mordete, unterdrückte die gleiche Bureaukratie im Namen des Deutschthums jede Regung der nichtdeutschcn Nationalitäten. Ohne die Deutschen zu gewinnen, verfeindete sich die Regierung mit allen Nationalitäten. Die neuere Politik war zu Ende der Reaktionscpoche unter Belcrcdi (1865) so verfahren, daß das Ansehen Oesterreichs in der Auswärtigen Politik schwer litt. Llllgemein wurde angenommen, daß ein Krieg den Verfall Oesterreichs infolge ansständischcr Bewegungen im Innern zur Folge haben würde. Aus jener Zeit rührt das vor dem deutschen Kriege gesprochene Wort Napoleons III: Oroz-sz vous, quo je m'allie a im cadavre"(Glauben Sie etwa, daß ich mich mit einem Leichnam verbünde). Die schnellen Erfolge der Preußen ließen die von Klapka geplante aussiändische Bewegung der Ungarn nicht zur Entwickelung kommen.„Der preußische Generalmajor" kam mit seiner in Neiße gesammelten ungarischen Legion nicht ins Gefecht, aber trotzdem hatte der Sieg Preußens und seines Verbündeten unter Führung des„deutschen Natioualheros" Bismarck der germanisircuden Politik Oesterreichs den Todesstoß ge- geben. Die Lander der ungarischen Krone(Ungarn, Sieben- bürgen, Kroatien, Slavonicn und die Militärgrcnze) wurden von der österrrcichischen Zentral- Regierung voll� ständig selbständig und unabhängig, der Kaiser von Oester- reich ließ sich als König von Ungarn krönen und beschwor die ungarische Verfassung, die deutschen Beamten wurden vcr- trieben, die deutschen Lehranstalten magyarisirt, über zwei Millionen Deutsche der Entnationalisirnng preisgegeben. In Galizien erhielten die Polen die volle Autonomie, die ihre herrschende Klasse, die Schlachzizcn nicht nur zur Unter drückung der Ruthenen im Kronlande, sondern auch zur weitesten politischen, sozialen und wirthschaftlichen Aus- bentnng ihres im Wiener Parlamente meist ansschlag- gebenden Einflusses beuützt. So einfach und verhällnißmäßig leicht die polnische und ungarische Frage einer, freilich auch nur vorläufigen Regelung cntgegcngcführt wurden, so schwierig wurde die Beilegung der Nationalitätenkämpfe in Böhmen, Mähren, Schlesien. Im Süden ist eine Schlichtung der Nationalitätenkämpfe zum Theil herbeigeführt, zum Theil angebahnt. Die völlige Selbst- Verwaltung von Welschtyrol wird in kurzer Zeit zugestanden werden, die Slovenen haben die Verwaltung Krains in ihre Hände gebracht und in Südstcicrmark in Bezug auf Schul-, Amts- und Gerichtssprache wesentlich alles erreicht, was sie fordern können, die bleibenden Differenzpnnktc lokaler Natur dürfen, wenn auch hierüber viel Lungenkraft angewandt ivard, nicht überschätzt werden. Aber nach der Richtung bleiben die nationalen Beschwerden der Südslaven be- deutungsvoll, weil ihnen eine nationale Organisation zu gründe liegt, weil sie Ausdruck finden in einer parlamcn- tarischen Vertretung und weil dieser die Tendenz innewohnt, bei allen nationalen Fragen mit den Czechen zu gehen, in allen staatsrechtlichen Fragen sich auf die Seite des Föderalis- mns gegen den Zentralismus zu schlagen und endlich weil die nationale Gesinnung der Geistlichkeit ihre Belohnnug findet in der Förderung der klerikalen Politik durch fast alle parlamen- tarischen Vertreter der Südslaven. Ter nationale Kampf in Oesterreich kouzentrirt sich heute im wesentlichen auf die nationalen Differenzen zwischen Czechen und Deutschen, iu den Ländern Böhmen, Mähren, und Schlesien. Dieser Kampf ist aber nicht blos ein nationaler, er ist gleichzeitig ein staatsrcehllichcr auf wirthschastlicher Unterlage. Die staatsrechtlichen Wünsche der Czechen aller Richtungen werden dadurch nicht aus der Welt geschafft, daß die österreichische liberale Presse Scherze über die aller Wahr- scheinlichkeit nach gefälschte Königinhofer Handschrift, die nr- knndliche Grundlage des czechischen Staatsrechts, macht. Die „Länder der böhmischen Krone" sind von Niederösterreich ab- gesehen die aktivsten Provinzen des ganzen Reiches, von ihren Steuerüberschüssen leben die passiven Provinzen Galizien, die Bukowina, Dalmaticn, Krain ec., die Kosten der Zentral- Verwaltung tragen im wesentlichen die Länder der böhmischen Krone und Nicderösterreich. Ist es da erstannlich, daß Böhmen Mähren und Schlesien, Länder, die nicht die Vortheile Nieder- Oesterreichs als Sitz der Zentralbehörden haben, in irgend einer Form das Interesse kundgeben, staatsrechtlich und damit Spedition: SW. 19, Uettty-Straße 3; auch wirthschafllich unabhängig zu werden von Ländern, für die sie blos Opfer gebracht haben. Mit der staatsrechtlichen Unabhängigkeit bekämen die Länder der böhmischen Krone ähnlich wie die der ungarischen, eine selbständige Zentral- Verwaltung und das unbeschränkte Recht, alle Beamtenstetten in ihrem Sinne zn besetzen und so dieselben ausschließlich für die Söhne der eigenen Bourgeoisie zu reserviren. Die Deutschen sind blos vorläufig gegen die wirthschaftlichen Vortheile des „böhmischen Staatsrechts", weil ihnen die zentralistische Staats- form größere Vortheile bietet, sie werden diese Gegnerschaft in dem Augenblicke opfern, wo die höhere Bureaukratie— und dies wird in absehbarer Zeit der Fall sein, nicht mehr wie früher, ausschließlich und jetzt noch vornehmlich deutsch sein wird, sondern die Beamtenstellcn in den Zentralämtern nicht blos theoretisch, sondern schon praktisch allen Nationalitäten zugänglich sein werden. Auch die deutsche Bourgeoisie wird bald die Vortheile des böhmischen Staatsrechtes einsehen.... Heute freilich stehen sich äußerlich Czechen und Deutsche schroffer denn je gegenüber, faktisch freilich ist alles dem Ausgleiche näher gerückt denn je. Und wenn es sich um wirthschaftliche Vorthcile der Länder.der böhmischen Krone im österreichischen Abgeordnetenhanse gehandelt hat, haben die nationalen Erb- feinde schon bisher geschlossen zusammengestimmt gegen die Interessen der rein deutschen, armen Alpenläuder, so z. B- 1882 bei der Neuvcrtheilung der Grundstener-Hauptsumme! Blos Mittel zum Zweck ist den Czechen der Widerstand gegen jede Festigung des Staatsvcrbandcs, gegen jede gesetzliche Regelung der Sprache der obersten Rcichsbehörden(Staats- spräche). Tie deutschen Bourgeois hingegen meinen ein An- recht auf die besten und meisten Beamtenstellcn für ihre Söhne zu haben, sie wollen deshalb für den Verkehr zwischen den Behörden und als Amtssprache der Zentralbehörden die deutsche Sprache gänzlich fest- gelegt wissen, und dann möchten sie für so viele Aeuiter und Gerichte als möglich die deutsche Sprache als ausschließ- liche Amtssprache gesichert wissen. Sie find auch gegen jede Schwächung der Zentralgewalt, gegen alle weiteren föderalistischen Experimente, weil durch dieselben das praktische Bedürfuiß nach der deutschen Amtssprache die Zahl der für sie zn reservircndcn Stellen vermindert wurde. In Böhmen wird die Entscheidung der österreichischen Nationalitätenkämpfe fallen. Ist dort die Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Czechen vollzogen, so wird die Regelung dieser Fragen in Mähren und Schlesien keinen weiteren Schwierig- keiten begegnen. In Böhnien liegen aber, ähnlich wie in den zwei Nachbarländern--') die Verhältnisse folgendermaßen: Auf eine Gcsammlbevölkcruug von 5 804 065(im Jahre 1890) kamen 2 159 011 Deutsche und 3 644 138 Czechen. Unter den 219 Gcrichtssprengcln, welche in Böhmen be- stehen, befinden sich 90 territorial zusammenhängende Bezirke, in welchen die deutsche Bevölkerung die Mehrheit besitzt. In 15 dieser Bezirke befinden sich mehr oder weniger czechische Gemeinden, und diese Bezirke können als dentsch-gennschte be- zeichnet werden. Dagegen weisen 75 deutsche Bezirke kein ein- zigcs czcchisches Dorf auf, bilden also thatsächlich ein ge- schlosseues deutsches Sprachgebiet. Umgekehrt befindet sich in 129 Bezirken die czechische Bevölkerung in der Mehrheit und bilden 104 Bezirke ein reines czcchisches Sprachgebiet, in welchem sich keine deutsche Gemeinde befindet. In 25 überwiegend czechischen Bezirken zahlen die Deutschen zusammenhängende Ge- mcinden in größerer oder geringerer Anzahl. Es stellt sich daher die ethnographische Gruppirung nach der gegenwärtigen Eintheilnng sehr einfach so heraus: 1 deutsches Sprachgebiet mit 75 Bezirken 1 czechisches„„ 104„ 1 dentsch-gemischles„„ 15„ 1 ezcchisch-geinischtes„„ 25„ In 72 deutschen zusammenhängenden Bezirken beträgt der Prozentsatz der Czechen nicht mehr als 1,15 pCt. Der Vorschläge, die Nationalitätenfrage in Böhnien zn lösen, sind viele. So wird vorgeschlagen, Böhmen in eine große Anzahl rein nationaler verhällnißmäßig kleiner Ver- waltnngs- Bezirke zu theilen und in dieser der Nationalität der Bevölkerung entsprechend die Verwaltungen zu regeln in den übrig bleibenden gemischt- sprachigen Bezirken soll jeder in seiner Sprache Recht:c. finden. Der frühere czechische Ab- geordnete Professor Masaryk schlug vor, daß alle Aemter und Gerichte doppelsprachig sein sollten, d. h. daß in jedem Amte und Gerichte Beamte säßen, die beide Sprachen beherrschen. Nach diesem Vorschlage wäre ein großer Theil des Beamten und Richter blos verpflichtet eine Landessprache zu sprechen. Graf Badem hat aber keinen dieser Vorschläge acceptirt, er hat ohne die Deutschen zn befragen, ohne den gesetzlichen Vorbedingungen zu entsprechen, einen der Wünsche der Jung- czechen erfüllt, wonach alle Beamte in Böhmen und Mähren beide Ländcrsprachcn beherrschen müssen, wonach jede Eingabe an ein Gericht oder ein Verwaltnngsamt in der Sprache er- ledigt und verhandelt werden nmß, in der sie eingereicht wurde. Dies ist für die Czechen, welche mit dem Deutschen eine Weltsprache mit einer ungeheuren Literatur erlernen, welche diese Sprache auch fast ausnamslos beherrschen, kein Hinderniß für die Beamtenkarriere, desto mehr für die Deutschen, *) In Mähren bilden die Czechen 70,3 pCt., in Schlesien 22 pCt., wozu noch hier 30,2 pCt. Polen kommen. welche in den größten Theile Oesterreichs von der Kenntniß der czcchischen Sprache keinen Nutzen hätten. Es giedt in Böhmen 38 Bezirke mit zirka 800 000 Ein- mohnern, von denen 99Vz pCt. deutscher Bevölke- rnng blos weniger als ca. V2 pCt. Czechen gegenübersteht. Daß diesem winzigen Brnchtheile der Bevölkerung zn Liebe das ganze Beamtenthnm fähig sein muß, czechisch zn amtiren, erscheint lächerlich und übertrieben, wollten die Czechen damit 'ncht mehr erreichen: einen weiteren Schritt zu ihrer Selbständig- kcit zn machen. Die Verordnung an sich rechtfertigt nicht die große Erregung, über die uns aus Böhmen berichtet wird. Sie betrifft doch in praxi kaum mehr als 1000 Beamte, die noch nicht beider Landessprachen mächtig sind. Wären diese Bestimmungen ans Verhandlungen zivischen Deutscheu und Czechen hervorgegangen, wären sie vom Par- lamente beschlossen worden und hätte sie Graf Badem nicht einfach mit den Jnngczechen ausgetauscht gegen das Versprechen der parlamentarischen Unterstützung und des�Verzichtes auf ihre demokratische Politik im Innern und ihre russophile Politik nach außen, hätte Gras Badem nicht einfach oktroyrt, so wäre die Aufregung in Deutsch- Böhmen nicht möglich geivcsen. Die dummen Versuche, diese Aufregung durch Versammlnngs- verböte und sonstige polizeiliche Weisheit zu unterdrücken, haben das Feuer noch geschürt, das immer wieder angefacht wird durch die Jnngczeche», welche die Sprachenverordnnng blos als eine Etappe zur Erfüllung ihrer sonstigen nationalen und staatsrechtlichen Wünsche betrachten. Sicherlich werden die Jungczcchcn nicht mehr so weit gehen, wie ihre Vorfahren(1015) die im Prager Landtage beschlossen, niemand, der nicht czechisch verstände, dürfe Einwohner des Landes werden. Aber der Wunschzettel der Iungczcchen ist lang.... Freilich, die Leute, welche den Mund so voll nehmen, die deutsche Sache zu vertreten, die deutschen Fabrikanten in Nordböhmen haben recht wenig Anlaß dazu, sind sie es doch, welche seit Jahrzehnten ununterbrochen lohn- drückende czcchische Arbeiter in deutsche Gegenden gezogen, deutsche Stammcsgenossen dadurch verdrängt und znrCzechisirung beigetragen habe». In deutsche Bauerngemeinden kommen, wenn Industrien errichtet oder Bergwerke erschlossen werden, czcchische Arbeiter. Deutsche Großunternehmer und Bauern kommen so oft in Gegensatz zn czcchischen Arbeitern und Klein- gewerbetreibenden. Den genügsamen czcchischen Arbeiter zog der streng deutsch-nationale Fabrikant in Massen in das rein deutsche Sprachgebiet und schuf dadurch immer neue Zentren der Slavi« sirung. Früher, als der Sozialismus blos den deutsch-östcrreichi- scheu Arbeiter ergriffen hatte, war der slavische Konkurrent auch schon wegen seiner Fügsamkeit und wegen seiner llnkenntniß der sozialistischen Ideenwelt bevorzugt. So haben denn soziale und nicht anthropologische Momente das Vordringen des Czechenthums verursacht. Die Situation in Böhmen, in ganz Oesterreich ist eine solche, daß auf die Erhaltung der alte» Stellung der Deutschen nicht mehr gerechnet werden kann. Sind doch nach der letzten Volkszählung unter 23 895 413 Einwohnern blos 8 401 580 Deutsche, 075 305 Italiener und 209 110 Rumänen, während der Rest, fast zwei Drittel der Bevölkerung, zu den Slaven rechnen. Wohl hofft ein Thcil der Deutschen auf eine Intervention von außen, vom Deutschen Reiche aus. Diese Hoffnung ist aber eitel. Der Friedensschluß wird auf ganz andere Weise kommen. Böhmen, Mähren und Schlesien sind hochindustriclle Länder, die Bourgeoisie in denselben hat, wie wir schon gezeigt haben, trotz der nationalen Verschiedenheiten zahllose gemeinsame Interessen, genau ebenso, wie das heute schon treu zn einander haltende Prole- tariat beider Nationalitäten. Hier wie dort wird das Einigende das Trennende beseitigen. Und wahrscheinlich wird es gerade die starke Entwickelnng der Sozialdemokratie in diesen Ländern sein, welche die sich bekämpfenden Bourgeois czcchischer und deutscher Abstammung zu gemeinsamer Defensive und zum Frieden nnter sich führt. Die Sozialdemokratie in Oesterreich, heute im Parlamente vertreten durch Erwählte der deutschen, der czechischen, polnischen nnd rnthenischen Arbeiter, hat trotz der nationalen Verschiedenheiten ein gemeinsames Programm, ein gemeinsames Exekutivkomitee, eine eng und fest zu ein- ander stehende parlamentarische Fraktion. Die Erklärungen der czechischen Sozialdemokraten zn den Rcchtsverwahrungen der Jungczechen beim Eintritt inS Parlament, die große Programm- crklärung Kiesewetter's im Zldreßansschusse des österreichischen Abgeordnetenhauses beweisen, daß die Lösung der Nationalitäten- frage möglich ist. Nicht ideologische Gründe, sondern die gleichen wirthschastlichen Interessen, der allen Proletariern gemeinsame Klassenkampf hat das Proletariat aller Zungen zur Einigkeit, zur Brüderlichkeit, zur Sozialdemokratie und damit zum nationalen Frieden geführt. Mit der wirthschastlichen Entwicklung mit der Schwächung der Zentralgewalt wird auch die Bourgoisie die nationalen Kämpfe beilegen und als Klasse ohne Rücksicht auf sprachliche Verschiedenheit gegen daS Proletariat kämpfen. Dies wird geschehen, früher als man es heute für möglich hält. Die nationalen Differenzen werden bei der Erkenntniß der Gc- mcinsamkeit der wirthschastlichen Interessen der Bourgeoisie beider Zungen spielend leicht beigelegt werden. politischo LtebevMzk. Berlin, 20. Juli. Die iktnssichte» des Ausnahmegesctzcs. Ende Juli ciue hochpolitische Situation, wie wir sie jetzt haben, ist wohl kaum dagewesen. Man erwartet mit Spannung den nächsten Sonnabend, an welchem das Schicksal des Ausnahmegesetzes end- giltig entschieden werden wird. Es ist zu erwarten, daß in letzter Stunde noch allerhand Konps von den Unterdrücknngs- luftigen um Stumm versucht werden. Jede nationalliberale Avgeordnetenseele steht Heuer hoch im Preis. Eine neue„Kundgebung" für die Herrenhans- Beschlüsse veröffentlicht die„Rheinisch- Westfälische Zeitung". Dieselbe besagt: „Köln. 13. Juli 1697. Die unterzeichneten Firmen nnd Industrielle» des Regierungs- bezirks Köln spreche» hierdurch ihre volle Zustimmung ans zu der Stellungnahme der Mitglieder der Nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahl-Jndnstriellcr in Diisseldorf vom 5, Juli d. I. auS de» dort vorgetragene» Gründen, nnd richte» auch ihrerseits an die Mitglieder des preußischen Abgeordneten- Hauses das Verlangen, daß daS Gesetz zur Ergänzinig und Abänderung von Bestimmungen über Versammlungen und Vereine i» der ihm von dem preußische» Herrenhause gegebene» Fassung an- genommen werden möchte. „Christoph Andreae, Sauunet- und Plüschfabrik, Mnl- heim-Rhei», Franz Clouth, Rheinische Gnmmiwaarenfabrik, Köln-Nippes, Fellen«. Guilleaume, Hanffpiunerei und Bindfadenfabrik, Köln; Feiten u. Guilleaume, Draht- und Kabelfabrikation(Karlswerk), Mnlheim-Rhein; Gasmotoren- fabrit Deutz, Köln-Deutz; Ernst Heinrich Geist, Fabrik für elektrische Maschinen, Köln-Zollstock; F. A H e r b e r tz, Eiseiigießerei und Maschinenfabrik, Köln; „Humboldt", Mnschinenbauanstalt, Kalk; Kölnische Maschinen ban-Aktieugesellschaft, Köln-Bayenthal; F e r d. L e y s i e s s e r». L> e tz m a n n, Walzmühlen, Köln- Tentz; L i n d g e n s».Söhne, Fabrik für Bleiprodnkte, Mnl- Heim-Rbein; P f e i f e r u. L a n g e». Zuckerfabriken, Köln, Eis» dorf und Euskirchen; Alfred Keller u. F r i tz K o r t e, in Firma Rolffs u. Cie., Siegburg; C. Scheibler u. Cie., Che- mische D it n g e r f a b r i k e u, Köln; JuliuS V o r st e r, Köln; C h e m. Fabrik, Kalk bei Köln: W a g g o n f abr ik, A.-G., vorm. P. H e r b r an d u. Cie., Köln-Ehrenfeld; Gebrüder van der Zype», Näderfabrik, Eisen-, Stahl- und Walzwerk, Köln-Dentz; van der Zypen u. Charlie r. Eisenbahn- Wagen- und Maschinenfabrik, Köln-Dentz; August Herder, Blciweißfabrik, Euskirchen; Bedburg er Wollindustrie, Akt.- Ges., Bedburg; Rheinische L i n o l« u m w e r k e. Bedburg; B r ü h l- ft ö l n« r B r a u» k o h l e n- B t r g w e r k Donatus, Liblar bei Köln." Die„Rhcüi..Westf. Ztg." fügt noch hinzu: „Dieser Erklärung eines wetteren hochangrseheuen Theile? der westdeutschen Industrie wollen wir mit Hinblick auf die mehr- fachen Preßstimmen über die Haltung des rheinisch-westsälischen Bergbaues nach nochmals eingegangene»»»ifangreichsten Erkundigungen noch beifügen, daß nenn Zehntel der leitenden Personen dieses Bergbaues dir Annahme des Bereins- gesetzes in der Fassung der Herrenbans-Komuiissio» für wnnschens- werth nnd nothwendig halten. Wir legen solchen Stimmen aus den unmittelbar mit sozialistischen Elementen kämpsende» Kreisen der westdeuischen Industrie wie der hannoversche» Landwirthschaft die höchste Bedeutung bei." Der„Ratio ual-Zeitung" kommt diese Kund- gebuug begrciflicheriveise sehr uugelegeu. Sie sagt dazu lediglich folgendes: „Wenn wir nicht irren, waren einzelne dieser Firmen bereits in der Vorstandssitziing vertreten, zu deren Sleltuiignahme sie jetzt ihre volle Znstiniiming aussprechen. Auf die seltsame Er- scheinung, daß die geschäftlichen Leiter von Akliciigesellschasten, Bergiverksgemeinschaften:c. in deren Namen politische Er- llärnngen glauben abgeben z» dürfe», habe» wir schon hinge- wiesen." Im übrigen erklärt die„Nat.-Ztg." in ihrem heutigen Morgeublatt: „Wir haben keinen Grund, zu bezweifeln, daß das Ab- geordnetenhnns die Bereinsgesetz-Novell« mit der fr tt deren Mehrheit verwerfen wird. Wie wir hören, hat man bis jetzt bei der hiesigen Leitung der natioiialliberalen Partei nicht einmal von einer Absicht des Herrn Schoos, anders als bei der namentlichen Abstiminniig der zweiten Lesung zn stimme», Kenntniß erhallen. Es scheint nnS jedenfalls überflüssig, auf Wiederholungen der früher für die HerrenhauS-Beschlüsse vor- gebrachten Argulneiite, wie sie sich beim Herannahe» der Ent- scheidmig in der Regieriingspreff« von»enein finde», nochmals einzugehe». Der vollständige Fehlschlag deS Ver- s n ch e s, eine Bewegung, namentlich in den zur ualionak- liberalen Partei haltenden industrielle» Kreisen, zu gnnslcn der HcrreiihanS-Beschlüsse hervorzurufen, ist«ine T h a t s a ch e." In ähnlicher Weise spricht sich der„H a n n o v e r s ch c K o t> r i e r" ans: „Soviel wir wissen, herrscht auch innerhalb der national- liberalen Fraktion die Ueberzengmig, daß es f ü r e i n M i t- g l i e d der Fraktion nicht möglich ist, gegen den ans- drücklichen, vom Abg. Hobrecht verkündeten Fraklionsbeschlnß zu stimmen. Dieser Beschluß ging dahin, daß die Fraktion jede Ab- änderiing des Beschlusses des Abgeordnelcnhanses zur Bereins- gcsetz-Novelle ablehnen wiirde. Die Abstimmung am nächsten Sonnabend ist eine Ehrensache, vielleicht eine Lebens- frage für die n a t i o n a l l i b e r a l e Fraktion, und diese Erwägung wird die Mitglieder derselben veranlassen, es als eine Ehrcngflicht zu betrachten, vollzählig aus dem Platze zu sein." Als Beispiel, wie sehr die nationalliberalen Abgeordneten gewillt sind, ihrer Pflicht zu genügen, wird ferner erzählt, daß der Abg. W a l l b r c ch t, dem kürzlich ein schiverer Unfall zugestoßen ist, entschlossen sei, trotzdem am Sonnabend in Berlin zu erscheinen. Die Parteien des Abgeordnetenhauses fordern ihre Mitglieder zu vollzähligem Erscheinen ans, die konservativen Freunde wie die Gegner der Vorlage. In weiligen Tagen ist die Frage entschieden, welche seit Monaten das öffentliche Leben beherrscht. Wir sehen dieser Entscheidung sehr kühl entgegen. Wenn die„P o st", die eifrigste Befürworterin des Ansnahuiegesetzes, heut abend von einer„stetig steigenden und nachgerade bis zur Gluthhitze sich steigernden Erbitterung", von einem„erbitterten Toben" der sozialdemokratischen Presse redet, so rechnet das Blatt des Herrn v. Stumm offenbar damit, daß seine Leser überhaupt keine sozialdemokratischen Blätter einsehen und sich von ihm das»uärchcnhaftcste Zeug aufreden lassen. Wenn dasselbe Blatt sich damit brüstet, sich vor dem„Haß der sozialrevolutionären Führer" nicht zn fürchten und sich ans das Wort beruft: ocUmt dum metuant, sie mögen hassen, wenn sie nur Furcht haben,— so klingen diese Acnßernngen gerade ans dem Munde der„Post"- Hintermänner beinahe humoristisch. Wenn die Herren so wenig Furcht vor der Sozial- demokratie haben,>vic sie vorgebe», warum denn all diese kläglichen Angstproduktc wie ihr jetziges Knebelgesctz? Das ganze politische Treiben der Leute ist ja nichts wie ei» großes Gruseln«»d Gruselmachen vor der„Revolution". Wir die um Stunim„hassen"? Wir haben wahrlich ganz andere Gefühle für diese Gesellschaft, deren„Tapferkeit", lediglich auf dem Besitz brutaler Gewaltmittel bertlheud, in Wirklichkeit die höchste moralische Feigheit ist! Einen sofort durchschantcn, rein agitatorischen Ztvcäk hatte die Eingabe des Bundes der Landwirthe. Und weil sie so rasch durchschaut wurde, hat sie ihre» Ziveck völlig verfehlt. Selbst die„Kreuz- Zeitung" sieht blos einen taktischen Schachzug in dem Vorgehen des feind- lichen Bruders, des Bundes der Landwirthe. Selbst sie kann sich mit der Eingabe nicht einverstanden erklären, da sie ihre Forderungen für undurchführbar hält. Und eine zweite bittere Pille giebt die„Kreuz- Zeitung" freund- nachbarlich der„Deutschen Tagesztg." und ihren Hinter- niänuern zu kosten, indem sie offen zugesteht, daß der von den Agrariern mit so viel Eifer geführte Börsenkrieg den Absatz der deutschen Ernte erschwer» und verzögern wird. Liegt nicht in dieser etwas späten Einsicht eine merk- würdige, aber eng wie Wirkung und Ursache mit einaitder in Zusammenhang stehende Beziehung mit der Eingabe des Bundes der Landivirthe, die doch gerade jetzt dem Schntzheiligei» der Agrarier, dein Miguel, höchst unbequem sein muß? Lluch der stockkouservattve„Reichsbote" hält die Vor- schläge des Bundes für undurchführbar. Die„Hamburger Nachrichten", die sonst dm Bund der Landwirthe" mit Eifer protegiren, lassen es bei nichtssagenden Höflichkeitsfloskeln und der Erklärung, daß sie sich eines Urtheils in dieser Frage einstweilen noch enthalten wollen bewenden. Bösartig ist die Kritik des„Hamburg. Korresp.", der schreibt: „Daß der Vorschlag des Bundes der Landwirthe zur Aus- sühruna gelange» werde, nehme» die Herren v. Plötz und Ge- Nossen selbst natürlich nicht an. Di« lange Anseinandersitzuiig hat es lediglich ans die Aliinentirung der Agiiation des Bundes der Landwirthe abgesehen." An Schärfe läßt es in dieser Frage die nationalliberale Presse nicht fehlen. Am benlerkcnswcrthesten erscheinen uns die Aussührilnaen der„Kölnischen Zeitung": Der Bund der Landwirthe wird sicherlich selbst nicht erwarten, daß sein Antrag auf ei» Einsuhrverbot für ausländisches Brot- gelreide an irgend einer amtliche» Stelle ernst genommen werde. Es lohnt sich kaum der Mühe, ans d-e lange sogenannte Begründung einzugehen, die der Bund seiner Eingabe beigefügt hat und mit der er nichts anderes bezwecken kann, als seinen stutzig gewordenen Anhänger» Sand in die Augen zu slrellM. Ans de» goldenen Berge», die er ihnen verhieß, ist nicht viel geworden, und die Maßregel, vo» der er sich so viel versprach, die Bekämpsmig der Getreidebörse, ist bisher viel eher zum Nachtheil der Landwirhe ausgeschlagen. Jetzt, wo der Getreideverknuf bald beginnen muß, stehen die Landwirthe allerdings vor einer bedenklichen Lage, nnd da handelt es sich für die Herren vo» der Oberleilimg des Bundes einfach darum, die«inen„Erfolg" verlangenden Landwirthe zu beschwichtigen und ihnen wenigstens glauben zu machen, daß der Bund nicht schuld trage, sondern daß er im Gezentheil»och Mittel -im Vorrath habe, um die Einnahmen der Landwirthe auf künstlichem Wege z» erhöhen. Schlimmstenfalls wird man ihnen vann sagen. daß es nicht am Bunde, sondern an der bösen Regierung liege, wenn der Landwirth sein Getreide zum bisherigen nnd vielleicht noch «iiiein niedriger» Preise vcrkanscii muß. Wie gesagt, der wildeste Agrarier kann nicht glaube», daß sich eine Realerung findet, die den ihr angcsonnenen Vertragsbruch ins Werk setzen könnte, und wir behaupten, daß, selbst wenn die Herren Graf Mirbach, Graf Kanitz, ja selbst wenii Plötz und Hahn an der Spitze der Staats- geschäfle ständen, ein solcher Vertragsbruch nicht versucht werden würde, der Deutschland in die schwerste der wirthschastlichen Krisen schleudern müßte. Die Annahme, daß die anderen Re- giernnge» sich gniwillig in die ihnen zugemuhete Verschlechterung ihrer Handelsbeziehnngen fügen würden, ist so unsinnig, daß es schon ein starkes Stück ist, einen solchen Gedanken überhaupt nur zu erwägen. Und die„Magdeburger Zeitung" schreibt: lieber de» Antrag auf Erlaß eines EiiifichrverboieS braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Ihm nachzukommen ist den, Reichskanzler unmöglich, einmal mit Rücksicht aus die Handels- Verträge, dann auch im Hinblick ans die sinanzieNen Folgen für . Reich nnd Einzelstaaleii," ferner, iveil die„mäßige Hohe" des inländische» Preises, bei deren Errichtung das Verbot außer Kraft trete» soll, von der Negierung und de», Bundesrnth nicht festgestellt werden könnte, hierzu viel- mehr unter allen Umständen die Mitwirliiug des Reichstages nölhig wäre, und endlich, weil weder der Reichskanzler noch irgend«ine Landesregierung die Verantwortlichkeit für eine» der- artigen Entschluß zu übernehme» wagen kann. DaS wissen die Urheber des Antrages alles sehr genau; aber es ist doch ein neuer Agitationsstofs vo» diesen„Vertretern der Landivirthschaft" in di« Oeffeutlichkeit geworfen! In ähnlich abfälliger Weise äußert sich das wichtigste bayerische Blatt, das auf nationalliberalem Boden steht, die„M. N. N.", und die Berliner„Nat.-Ztg." sagt: „Der Bruch der Hanbelsverlräge wäre in diesem Falle zu- gleich ein Bruch der Verfassung; die vom Reichstag genehmigte» Verträge binden die Negiernnge» gegenüber de», Lande; diese haben keinerlei Befngniß, durch ei» Einfuhrverbot, wie das ihnen zngemuthete, de» Preis für das inländische Getreide ans eine vo» ihnen„zu bestimmende Höhe" zu bringen. Noch leben wir nicht unter einem agrarischen Konvent und Wohlfahrtsausschuß." Auch die klerikale„Germania" läßt es nicht au Schärfe der Sprache fehlen. Sie schreibt: „Vom politische» Gesichtspunkte aus betrachtet ist dieser An- trag auf Einsührnng eines Einfuhrverbotes für Brotgetreide in der gegenwärtige» innerpolilischei, Situation ein Unternehmen, das nahezu au Tollheit grenzt. Eben erst hat sich ein An- fang der RegierungSkrisis vollzogen. Die Männer, die den „Agrariern" zumeist verhaßt waren, die Herren v. Marschall und v. Bölticher haben das politische Feld geräumt und a» die Spitze der preußischen Regieruiig ist Herr v. Miguel, der„Lieb- ling der Agrarier" getrete». Nu» wird ihm einige Tage„ach seiner Solinger Tischrede, in der er de»„Agrariern" so freundlich- liebe Worte zur Znfriedeuheit und zur Mäßigung zugeredet hat, in denen er sie ermahnte, eine Mittellinie einzuhalte», eine solch- uuersüllbare Forderung gestellt, eine Rechnung mit den, Vermerk „Sofort zahlbar". Das hat nun Herr v. Miguel vo» seine» agrarische» Freunden.. Weniger schroff ist die Ablehiinug seitens der„Kölnischen Volks-Ztg.". Selbstverständlich ist die energische Ablehnung des Projektes seitens der freisinnigen Presse. Diese für die Agrarier wenig erbauliche Preßüberstcht wollen wir mit einein von Professor Rcinhold in der „Kölnischen Zeitung" erwähnten, freilich schon zehn Jahre alten Ausspruch des Agrarierschutzhcrrn Miguel schließen, der damals sagte: „Ich bin für höhere Zölle, aber sie sind politisch unmöglich. In einer Zeit de! allgemeiiicu StiiiimrechteS kam, man daS Korn nicht über eine» bestimmieii Grad verlheuern." Rcinhold sagt, der Bund der Landwirthe werde bei den nächsten RcichstagLwahlcu infolge seiner demagogischen Agitation eine Gegeuagitation ivcckcn, an die man nur uiit ernster Sorge denken könne.— Die Verhaildlungcii in Konstantiiiopel sind wieder,»,, ab- gebrochen. Das alte Spiel geht fort. Das„Renter'sche Bureau" berichtet: Da die Türkei die strategische Grenzlini«, welche von den MilitäraltacheeS festgesetzt ist und ans deren Annahme die Mächte durchaus bestehe», bisher nicht ckligenoinm«, hat, sind die Berhand- liinge» zwischen denBolschaflern und Tewfik-Pascha snspeudirt worden, obwohl Tewfik-Pascha den Botschaftern noch fortgesetzt Milthciliingei, zugehen läßt, in denen es heißt, daß die Frage in befriedigender Weis« erledigt werde» würde. Heute, Dienstag, Vormittag hielten die Botschafter eine lange Unterredung ab nnd erstatteten ihren Negiernnge» Bericht, indem sie denselben Maßnahniei, anheini- stellien. welche die Lage bedingt. Die Angelegenheit liegt also zur Zeit in den Händen der Kabinette. Auf Kreta dauern derweilen die»»ruhigen Verhältnisse fort. I» K a n e a haben die Admirale infolge der Schwierigkeit, die Ruhestörungen in der Stadt zu unterdrücken. 20 Mohaniedaner an Bord bringe» lassen, welche wegen Mißhaildlung von Christen, die Lebensmittel feilboten, nnd derjenigen Mohaniedaner, die dieselbe» kaufte», verhastet worden waren. Ein Schiff jeder Großmacht über- nimmt vier dieser Gefangenen, welche sodann mit den, ersten englischen Packetboot nach Bengasi gebracht werde» sollen.— Deutsches Reich. — Wie Freiherr v. T b i e l», a n>, Schahsekrctär wnrde theilt die„New-Dorker Staats-Zeilung" ans grniid eigener Aenhe- rniigen desselben mit. Auf die Frage des. Berichterstatters, ob nicht in der Regel vorausgesetzt werden könne, daß ein Minister- Wechsel auch einen S y st e»> iv e ch s e l bedeute, erwiderte Herr v. Thielmann:„Ein derartiger Schluß ist durchaus nicht zulässig. Ein Personenwechsel schließt nicht»olhwendigerweise eine Abänderung der bisher verfolgte» Politik ein."„Ein Pro- g r a»i m habe ich nicht", fuhr er fort.„Ich Ijnbe auster der Kabeldepcschs des Fürsten Hohenlohe, ivorin er inich im Nnnien des Kaisers von meiner Er- uennung benachrichtigte, weiter keine M i t t h° i l n n g e» erhalten und erwarte auch keine. Ich habe telegraphirt, daß ich am 22. Juli abreisen werde. Inzwischen arbeitet drüben die Maschine selbstverständlich weiter. Die Etats- Boranschläge werden ausgearbeitet und mir bei meiner Ankunft vorgelegt werde». Ich weiß heute nichts Näheres darüber." Das ist jedenfalls eine sehr seltsame Art. ein solches Amt zu übernehme». Tu sollst Schahsekretär werde», telegraphirt man ihm, und gehorsam sagt er: Ja. Dabei weiß Herr v. Thielmann nicht, was er vertreten soll, welche Aufgaben seiner harren. Oder ist er bereit, alles zu vertrete», was man von ihm auch verlangen möge?— — De? Kaisers Ange ist vom Herzog Karl Theodor untersucht worden. Ein Telegramm meldet: Das Sehvermögen sei i» keiner Weise gestört, nur beständen»och leichte SIeizerscheinungen, infolge deren einige Zeit Schonung nöthig sei; der Kaiser wird die Reise fortfetzen. Vielleicht bringt jetzt das„Verl. Tagebl." und ähnliche Blälter Leitartikel über„Reizerschcinungen im Ange". Auch zu neuen Bildern ist Gelegenheit vorhanden. — E xm i n i st e r von Koller wird, wie die über ihn meist gut unterrichtete„Staatsbürger-Zeilung" meldet, doch nicht Ober- Präsident von Schleswig werden, sondern es soll ihm Kassel zugedacht sein. Der Oberpräsident von Magdeburg würde dann Kassel mit Schleswig vertauschen.— — Die Direktion des Bundes derLandwirthe theilt mit: Heute fand in Hildesheim unter Theilnahme des Abgeordneten Dr. Diederich Hahn eine Versammlung der Vertrauensmänner des Bundes der Landwirthe, der Konservativen und der Dentschsozialen statt, ivelche als gemeinsame Mittelstandskandidaten des 1t). Hau- noverschen Reichstags-Wahlkrcises einstimmig den Hofbesitzer Feld- mann in Warlsiensledt ausstellte. Haben die Dcntsch-Konservativen noch die Macht, den Kandi- baten' zu frage», ivelcher Partei er sich im unwahrscheinlichen Falle seiner Wahl anschließen werde?— — I in F e d e r k r i e ge zwischen D e u t s ch- K o n s e r- v a t i v e n im d B ü n d l e r n nimmt mm wieder einmal die .Kons. Korr." das Wort. Sie schreibt: Die konservative Partei hat nie und nirgends beansprucht, daß der Bund der Landwirthe ihre„Kommandilc" sein möge. Sie hat im Gegentheil stets lebhast gegen derartige gegnerische Nnterstcllung protestirt. Ebenso wenig hat die konservative Partei jemals verlangt, der Bund solle ihre Schlachten schlagen; allein sie erhebt den entschiedenen und unab- iveisbaren Anspruch, daß der Bund„in der Schlacht" sich nicht gegen sie stelle, daß er also im Interesse der landwirthschastlichen Sache nnti- s e in i t l s ch e E i n b r n ch S v e r s n ch e nicht nur nicht b e g ii ii st i g e, sondern unzweideutig dagegen Stellung nehme. Wenn die„Korrespondenz des Bundes der Landwirthe" also schreibt:„Wir stehen nicht i» Lohn und Brot der Konservativen, aber auch nicht der Anlisemiteu, lassen uns überhaupt von keiner Partei aus- schließlich in Beschlag nehmen"— so ist da? nicht ganz richtig. In„Lohn und Brot" unserer Partei— wie geschmackvoll!— steht der Bund freilich nicht; aber u n l e u g b a r besteht der b« i w e i t e in größte T heil der zur Bundeskasse steuernden Mitglieder aus Konservativen, und diese be- rührt es eigeuthümlich, daß die Bundespresse sich jedesmal schar1 gegen unsere Partei wendet, wenn diese ihre berechtigte» An- spräche geltend macht, dagegen über die Aspirationen und An- drängelungen der Antisemiten, die dem Bunde vermnlhlich keine nennenSwerthe Mitglicderzahl zuführen, aber den Frieden in de» Wahlkreisen stören, kein Wort verliert. Die konservativen B» n d e s m i t g l i e d e r werden das nicht länger gleichmüthig hinnehmen dürfen, wen» sie nicht die B e r a n t w ort u n g für eine s ch w e r e S ch ä d i g u n g nicht nur unserer Partei, sondern auch der Sache der d e u t- s ch e n Landwirthe mit auf sich nehmen wollen. Das ist einmal eine Sprache, die beweist, daß die Gegensätze kaum mehr überbrückt werden könne».— — D i e S t i m m u n g in S ü d d e n t s ch l a n d. Der„Köln. Zeitung" wird aus Baden geschrieben: Ei» größerer im Interesse uationaler Entwickelung bedauerlicherer Fehler als das Vorgehen der preußischen Regierung sei lauge nicht gemacht worden. Für diese Art Negierung sei im Süden keinerlei V e r st ä n d n i ß. Heule mache sich wieder der alle Gegensatz zwischen Nord und Süd geltend. In Preußen sci der Adel in der Verwaltung überwiegeud; im Süden ein aus Bauern und dem Bürgcrslande hervorgegangenes Beamteuthnm. Preußen müsse in seinen inneren großen Fragen deutsche Politik treiben und Rechnung tragen dem ausgeprägten Unabhängigkeits- und Freiheitösirni des Südens.— — DiePetitionen der I m p f g e g n e r um Aufhebung des Jmpfgesehes, beziehnngsweiss Beseitigung des JuipfzwaiiaeS, welche dem Reichstage wahrend seiner letzten Tagung zugingen, sind, »ach einer Mittheilung des Bureau-Direktors Knack an den ersten Miluiiterzeichiier der Petition, Dr. Pflng-Berlin, mit Bericht der Petitions-Kommisstoii und dem Antrage, die Petitionen dem Herr» Reichskanzler als Material zur Abänderung der Gesetzgebung zu überweise», dem Reichstage vorgelegt worden. Wegen Schluß der Session sei jedoch die Angelegenheit nicht mehr zur Berathnng und Beschlnßsassung im Plenum des Reichstages gelangt.— — Das Zentrum beginnt die Wahlvorbereitungen. Die Dortmunder„Tremonia" schreibt: „Es bedarf in manchen Wahlkreisen einer völlig neuen Organi- sation von grund auf. Der Klerus und alle berufenen Laien sollten schon jetzt nach dem Rechten sehe», um überall legitime Kreis- W a h l k o m i t e es zu bilden, welche rechtzeitig die Wahlarbeit einleiten. Nicht blos auf dem Lande sind vielfach die Organisationen gelockert, selbst große katholische Städte Westfalens haben durch allerlei Umstände an der früheren st r a>u in e» Organisation eingebüßt.„Streberlhum".„gesellschaftliche Rück- sichten" und„Vergnügungssucht'', das sind gegenwärtig die drei gefährlichen häuslichen Gegner einer gesunde» Förderung derZentrums- Politik."— — Das D i s z i p l i n a r- V e r f a h r e n gegen den B ü r g e r in e i st e r T h o m s e n in Elmshorn soll jetzt dem Ver- nehmen nach der Regierungspräsident von Schleswig eingeleitet haben. Zu diesem Zweck sind die Akten des Prozesses Thonisen- v. Koller von der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Altona eingefordert worden. Amtsrichter v. iköller hat ans die Revision verzichtet; er tritt die ihm zuerkannte achttägige Festnngs- Haft an.— — Frauen im A p o t h e k e r b e r u f.?luf der am 24. und 25. Angust zu Etraßburg i. E. statlsindeiiden Hauptversaminlung des Deutsche» Apothtzfervereins wird auch der Antrag eines Kreisvereins zur Berathung gelangen, nach welchem der Deutsche Apotbekerverein mit Rücksicht auf die im preiißischen Apothekerralh zur Erörterung stehende Frage der Z u l a f s u n g der Frauen zum Zl p o- t h e k e r b e r u f erklären soll, daß den Frauen der Zutritt zum Apothekerfach zu gestalten ist, sofern sie die gesetzlich vorgeschriebene wissenschaftliche Vorbildung besitzen und im einzelnen Falle auch körperlich befähigt erscheinen. — F a h r r a d- S t e» e r. In Bal)«rii soll eine Besteuerung der Fahrräder vom Finanzministerium fest in Aussicht genommen sei». Die„Älugsb. Postztg.", die diese Mittheilung bringt, berechnet die Zahl der in Frage kommeiiden Räder auf mindesteiis 50 000 und sagt im übrigen:„Nur müßte bei einer solchen Besteuerung un- bedingt darauf Rücksicht genonimeii werden, welchem Zwecke das Fahrrad dient. Das Rad des Arbeiters, das Rad des Geschäfts- mannes darf nicht versteuert werde», wenn er es zu geschäftlichen Zwecken benntzl. Die meisten Räder dienen indessen dem Sport." Solche Sleuerexperiineiite haben wenig Zweck. Auch giebt es genug andere Liixusgegeiistände, die weit eher in betracht kommen iniißte». als das Fahrrad, das zu erwerben sich auch Minderbemittelte hie und da ermöglichen.— Dresden, 20. Juli. Von den Korckervativen ist im 1. Landtags- Wahlkreis Dresden-Altstadt Bürgermeister L e u p e l d als Kandidat für die bevorstehende Landtagswahl aufgestellt worden. Die Anti» semiten haben in diesem Kreise den Stadtverordneten Rechtsanwalt H ä ck e l aufgestellt. Die Konservativen werden schöne Augen machen, wenn ihnen infolge des neuen Dreiklassen> Wahlsystems eine ganze Anzahl Mandate von de» Anlisemiteu abgenommen werden.— Ungar«. Budapest, 20. Juli. Abgeordnetenhaus. Die Bänke aller Parteien sind dicht besetzt. Der Ministerpräsident Baron Banfsy, von den Liberalen lebhaft begrüßt, erklärt, da eine An- zahl wichliger Vorlagen der Beschlußfassiing harren, für welche sich ein bedeutendes Juteresse kundgebe und deren Erledigung die Regierung wünsche, so beantrage er, die Dauer der Sltznngen bis 3 Uhr nachmittags auszudehnen. Der Abgeordnete Szenlivaiiyi, der Vizepräsident der Nationalpartei, ersucht, die Debatte über diesen Antrag erst morgen zu eröffnen, da die Parteien der Opposition noch nicht in der Lage waren, sich über denselben schlüssig zu machen. Der Ministerpräsident ist mit diesem Wunsche einverstanden und derselbe findet daraufhin allgemeine Ziistimmniig. Es folgt sodann die Fortsetzung der Berathung über die Zucker- prämien-Vorlage.— Belgien. Brüssel, 20. Juli. Die öi e p r ä s e n t a n t e u k a m m e r be- schloß, den Gesetzentwurf auf Abschaffung der militärische» Stellvertretung in Erwäguug zu ziehen.— — Leopold, der Belgierkönig, hat. wie unsere Leser wissen. wegen zweier Ende vorigen Jahres erschienener Notizen gegen das„Hamburger Echo" Slrafaiilrag gestellt, indem er sich „beleidigt" fühlte. Gegen den zu jener Zeit verantwortlichen Ne- dakteur des„Echo", Slenzel, ist auch richtig Anklage erhoben worden. Stenzel hat es indessen unternommen. den Wahrheitsbeweis für die bezüglich Leopolds II. aufgestellten Behauptungen zu erbringen, und er hat den Antrag gestellt, daß einige Personen ans der Umgebniig des Belgierkölligs kom- uiissarisch von einem belgische» Gericht vernommen werden sollen. Nach der„La pelite Nepublique" habpn die belgischen Behörden diese kommissarische Vernehmung abgelehnt, und zwar unter Be- rufung auf die Verfassung, ivelche die Unverletzlichteit des Königs garanlire. Die Uiivcrletzlichkcit lasse es nicht z», daß die Justiz- behördcu sich zu Untersiichungen hergäben, welche das private oder politische Verhalte» des Königs beträfen. Die„Pelite siispubl." stellt in ihrem„C!o bon Leopold" betitelten Artikel sehr interessante Vetrachlungen über den Belgier- könig an und namentlich über das noble Verfahren, durch Verbot der Veriiehmnngen dem Angeklagten die Möglichkcii zu rauben, de» Wahrheitsbeweis zu erbringen. Leider müssen wir es uns in Rück- ficht auf unsere„Preßsreihcit" versagen, den Artikel des Pariser Blattes zu reproduziren. Leopold II. wird nicht sehr erbaut sein von dem Nmstandc, daß seine„Noblesse" nun auch i» Paris ge- bührcnd charalterisirt wird. Hossand. — Die Ersatzwahlen in Leeuivarden und Winschoten— so wird uns aus A in st e r d a m geschrieben— werde» am 27. Juli stattfindeii, die Stichwahlen, wenn nöthig, am 3. Angust. Unserer- scils sind, wie schon gemeldet, Genosse Bax und Van Kol kandidirt. In beiden Wahlkreisen wenden die bürgerlichen Parteien das mögliche an, um iniS den.Sieg sireilig zu machen. Alle spielen sich sehr radikal ans. Die Leenivardener Vereine, welche vorher den Radikalen Gerritscn kaiididirtcn, haben jetzt den„Radikal- Sozialisten" Middelkoop als Kandidaten gewählt, die Liberalen stall des konservativen Kielstra den forlschrillli'chen Pyttersen. Die Ultra- montanen werden schon ini ersten Wahlgange für den anti- revolutionären Kandidaten stimmen. In Wiuschvlcn treibt man dasselbe Spiel. Die Liberalen haben dort jetzt einen radikale» Kandidaten. Tie geplante Einigung zwischen allen Schutzzöllnern ist hier aber mißluiige». Die Lage ist somit ganz verändert und über unsere Aussichten läßt sich gar nichts voraussagen. Die letzten Wochen haben uns einige Erfolge gebracht bei den G c m e i ii d e r a t h s- W a h l e n. In Sappemcer(Provinz Gco- ningen), Jdaardaradecl(Provinz Friesland), Hengelo und Almelo (Provinz Overysel) sind Sozialdemokraten in die Geineinderäthe ge- wählt worden. In Amsterdam ist Henri Polak, der Vorsitzende des Diamantarbeiter-Bnndcs, in der Stadt Groningen Echaper, ein Mit- glied des Parteivorstandes, in Winschoten der Genosse Kenlher in Stichwahl gekommen. Auch ans diesem Gebiete hat also der Kamps der holländischen Arbeiterklasse einen Ansang gcnomme».— 5?ruukveilf>. Paris, 10. Juli. Der Marineinlnister Vize- Admiral BeSnard hat der Bndgelkominission initgelheilt, daß die Regierung geneigt sei,»iiabhKngig von dem Programm für Schiffsneubaiiteii, die Kredilforderiiiigen für das Jahr 1808 zu erhöhe». um die iiölhigen Ansbesseriliigen innerhalb der Flolle sowie die Anlage eines er- forderlichen Slützpnnktes für dieselbe ins Werk zu setze». Die Re- gierung beschäftige sich mit der Frage der Beschaffung der enl- sprechenden Mittel.— Paris, 20. Juli. In der henligen Vorniittagssitzmig der Depulirlenkainincr wurde die Vorlage beireffend die vier direkten Stenern mit 510 gegen 7 Stimine» angeiivinmen, nachdem alle Abäiidernngsanlräge ziirückgezagen worden waren. Ferner nahm die Kammer nach Beschluß der Dringlichkeit ohne Erörterung mit 518 gegen 18 Stimmen einen Kredit von 7 Millionen Franks für daS Rechiinngsjahr 1807 an zur Kiellegung einer Anzahl Schiffe, zur Beschleunigung der Aiisbesseiung der Kriegsfloile und zur Ansgestallmig des Hasens von Biserta zu einem Sliitzpniikt der Flolle. Biserta liegt an der Nordküste von Tunis und ist französische Flottenstaiion. Durch Bertiefiina der Hafeneinfahrt soll da« Ein- lausen größerer Kriegsschiffe ermöglicht werden, wodurch Biserta zu einem wichtigen Siützpimkie der französischen Flotte im Mittelmeer werden würde. Den Engländern und Italienern wirh diese Enl- ivickelnng der französischen Macht im Mittelmeer nicht angenehm sein.— PariS, 20. Juli. C o r n e l i n s H e r z hat an die Panama- Kommission ein Schreiben gerichlet, in welchem er erklärt, er könne dieselbe erst am 12. August empsaiigen, müsse aber vorher die schrift- liche offizielle Bestätigimg haben, daß die Kominission sich ehrenwörtlich verpflichte, volles Licht in die Panania- Affäre zu bringen. Die Blätter melden, daß Cornelius Herz von der französischen Re- gierung einen Schadenersatz von 5 Millionen Franks verlange für die Unbill, welche ihm durch den gegen ihn an- gestrengten ErpressungSprozeß und durch- die Slreichnng ans den Listen der Ehreulegioii zugefügt worden sei. Der hierauf bezügliche, in drohendem Tone gehaltene Brief sei direkt an den Prä- s i d e n t e n F a n r e gerichtet gewesen, welcher denselben dem Justiziiiinister übergeben habe. Diese Miltheilimgen sind höchst sonderbar. Fast möchte eS scheinen, als ob Corueliiis Herz sich einen groben Spaß mit der Paiiamakoininissioii und der Regierung machen wolle. Andererseils haben die beiden Abgesaudlen der Kommission einen großen Eindruck von de» Mittheiliingeii des abenteuerlichen Mannes gehabt, so daß möglicherweise auch wirklich bedenlenve Enthttlliingeii bevorstehen. Jedenfalls ist es erfreulich, daß die Panainakoninnsston, in der be- öuders anch der Sozialist Viviani eifrig milwirtt, kein Mittel un- >enutzt lassen will, um volles Licht i» die dunkeln Winkel des Panama z» werfen.— I Jtalie». — Umfangreiche Zlrbeiterausständ« herrschen in den Gebieten von Ferrara. Creinona und Bologna. Die Landarbeiter versuchen dort, ähnlich wie es im ungarischen Alfeld der Fall war. die Zeit der Ernte zur Verbefs-riiiig ihrer Lohnverhällnisje zu benutzen. Außer den ländlichen Arbeitern be- finden sich aber anch andere gewerbliche Arbeiter im Ausstand, so die Garnwirkerinnen von Creinona, die Zeinenlarbeiter von Bnrano n. a. Die wirthschaftliche Lage dieser Älrbeilerschichlen ist eine überaus traurige, wie selbst der römische Korrespondent der „Krenz-Zeilung" zngiebt. Am schlechtesten bezahlt sind die Frauenarbeiten des ReiSgätens und ans der Tenne, wofür bei sieben- bis zehnstündiger Arbeitszeit täglich 1— l'/s Lire gezahlt werden. Bei männlichen Arbeitern steigt der Lohn in der letztgenannlen Kategorie bis ans ll'A. Lire. Mit Getreidemähen verdienen die Frauen zwischen 2 und 2>/e, die Männer biS 3'/* Lire täglich, wobei zu erwähnen ist, daß im August, wo die Erntearbeit am dringendsten ist, etwas mehr be- zahlt zu werden pflegt. Höher ist der Lohn für die Drescher, welche es bei durchschiiitllich achtstündiger Arbeitszeit ge- wöhnlich auf 3>/» bis 4 Lire bringen. Außer dem Dienst in fixem Lohn besteht fast überall anch die Akkordarbeit, und da die Arbeiter Rordilalieus mit Recht den Lins fleißiger Leute genießen, so kann es nicht Wunder nehinen, daß ihr Tagesverdienst in den Ernlemonaten die Höhe von dnrchschnitllich 4Vs— 6 Lire er- reicht. Die Slklordarbeiter erhalten allerdings, im Gegensatz zu der Mehrzahl der übrige», keinen Wein. Bei diesen Angaben ist jedoch zu berücksichtige», daß die jährliche Arbeitsdauer eine sehr kurze ist und sich ans etwa 4 Monate beschränkt. Die Regiernng tritt dem Ausstand mit ihren gewöhnlichen Mitteln enlgege», sie schickt Soldaten. Im Slreikgebiet von Bologna und Ferrara stehen über ein Regiment Bersaglieri und ein Regiment Reilerei. Es wurden über 150 Verhaflungen vor- genoinmeu; miter den Verhafteten bestiidcn sich auch verschiedene Lehrer. Echo» haben die gerichtlichen Verhandlungen gegen die Arbeiter, die das Verbrechen begingen, sich eine etwas bessere Lebenslage erringen zu wolle», begonnen, nnd zwar bilden die Auklagepniikte durchweg Delikte gegen Z 248— Bildung von Gesellschaften zur Verübnng von Verbreche» u. s. w.—;§ 100— An« Windung von Gewalt und Drohungen gegen Beamte— und Z 167— Beschränkniig der Freiheit zur Arbeit. Allerdings ist in Ferrara auch eine Kominisflon, bestehend ans Ackerwirlhen und Regierungsvertreler», unter dem Vorsitz des Prä- fekten der Provinz zusainmeiigclretc», um über die Ausstellung je nach der Ocrtlichkeit inodifizirter, aber in ihrem Tenor überein- stimmender Verträge zwischen Besitzern und Landarbeitern zu be- raihen. Verträge, welche danu später, vielleicht mit mehr oder minder bedeulendeii Eiiischninkimgeu obligatorisch werden solle». Arbeiter hat man zu den Beralhmige» nicht hinzugezogen, was allein schon zeigt, daß eine verbälinißmäßig befriedigende Lösung des Streites ans dies« Weise nicht zu erwarten Ist.— Mailand, Juli.(„Franks. Ztg.") Die Ausweisung der Korrespondenten der politischen Tagesblätler, ein- schließlich des konservativen„Corriere della Sera" in Mailand nnd der osstziüscn„Gazetla Emilia" in Bologna ans dem Streik- gebiet erregt hier Aufsehe». Die Massenverhastnngen der Ausständigen danern fort.— Rom, 10. Juli. Eine Depesche ans Turin an den„Meffaggero" bezeichnet die Nachricht, daß der Gras von Turin eine Herausforderung zum Zweikampf an den Prinze» Henri von Orleans zu richte» beabsichtige, als u u r i ch t i g. Schade!— Spanien. — Die Entsendung amerikanischer Kriegsschiffe nach Marokko hat in Madrid starke Verstiimnniig hervorgernseii. Wie dem„Hamb. Corresp." aus Madrid geschrieben wird, sieht die spanische Regierung auf dein Standpunkt, daß nach den Beschlüssen der Marokkokonserenz von 1880 nur die europäischen Staalen das Recht haben, Schntzbriefe für Einwohner des Sultanats auszustelle». Auch sei es geradezu eine Beleidigung Europas, wenn von ainerikaiiischer Seile behauptet werde, daß die nicht mohame- dänische Bevölkerung Marokkos von den europäischen Mächten nicht geiiügenden Schutz erhielt, weshalb sich die Regierung der Ver- einigten Staaten genöthigl sehe, hier Heisend einzugreisen. Die spanische Presse fordert daher die Regierung ans, sie möge diejenigen Regierungen, die das Protokoll der Marokkokonserenz von 1380 uiilerzeichiieteii, zu einem g e nie infamen P r o t e st gegen die E i n in i s ch u ii g N o r d a m e r i k a' s in die marokkanischen Auge- legeuheiten einladen. Nuftlaud. Petersburg, 20. Juli. Der„Handels- und Jndiistrie-Zeitnng" zufolge ist die Blätlerineldiing falsch, daß das Ministerium des Innern auf Anregung einer Seinstivo beschlossen habe, in den Gegenden mit schlechter Ernte Gclreidevorräthe mit Geldern, welche dem allgemeinen Reichskapital entnoinmeii werden sollten, anfjn- kaufen. Obgleich in mehreren Gegenden thatsächlich eine Mißernte an Getreide zu erwarten sei, brauche dennoch nicht zur Verans- gabung von Verpflegungskapital geschritten zu werden, weil, den dem Ministerium ziigegniigenen Berichten zufolge, an diesen Orten genügende Vorrälhe an Getreide zu». Besäe» der Winlerfelder nnd für die Verpflegung der Bevölkerung vorhanden seien.— Amerika. — Karl Schurz, dem bekanntesten Deutschen in den Ver- einigten Staaten, soll der Petersburger Botschaslerposten angebole» worden sein.— Washington, 10. Juli. Diugley erstattete heute den Bericht der Konferenz für die Berathung der Tarisbill und verlas eine Ans- stellung derjenigen Tarifändernngeu, über ivelche sich die Konferenz geeinigt hat. Zucker über 10 Standard holländisch und raffinirtcr Zucker sollen ly5/ioo Cents für jedes Pfund zahlen. Der Reziproziläis- vertrag mit Hawaii wird anfrech l erhallen. Die Maßnahme tritt uniiiittel- bar nach Annahme des Gesetzes in lrast. Kunstwerke haben einen Zoll von 20 pCt. zu entrichten, es sei denn, daß sie für eine Ans- stellung an irgend einem genau augegebeneu Platze bestimmt sind. Erstklassige Wolle zahlt 11 Cents, zweitklassige 12 CentS Zollgebühren, gewaschene, enlfeitele oder in anderer Weise zubereitcle oder ge- reinigie Wolle den doppelleu oder dreifachen Zollsatz, den die un- bearbeitete zu entrichlm gehabt hätte. Wollfnbrikate unter- liegen im wesentllcheii denselben Bestimmungen wie unter dem Mac Kinley- Tarif. Die Konserenz hat die Bestimmung des Senats aiigeiiomineu, welche denjenigen Maaren, für ivelche Ansfuhrpräinieii gezahlt werden, Kompensationszölle auferlegt. Die Stcmpelpfltcht für Stocks und Bonds wird abgelehnt. Die Zölle, welche der Senat ans Spiritnosen und Weine gelegt hat, werden im allgemeinen aiigeiiommen. Die Gebühren für Baum- wolle bleiben in der Hauptsache so, wie sie vom Nepräsentanleiihause festgesetzt wurden. Fiir Flachs und Hans werden die vom Senale bestiinniteil Zollsätze angenominen. Washington, 20. Juli. NepräsentauteuhauZ. In der»in Mitternacht erfolgten Abstimmnng wurde der von Dingley erstattete Konsereiizbericht über die Tarisvorlage mit 135 gegen 118 Stimmen angenvmiuen._ Die tNtswiiekige Dolttik Ettglemvs kam am Montag im Unterhans in einer große» Debatte zur Erörterung. Die kretenstsche und litrkisch-szriechische Frage stand im Vordergrund, aber anch Vorgänge in andern Erdzonen wurden in die Debatte gezogen. Wir geben die ziemlich ausführlichen tele- graphischen Mittheilungen nachfolgend wieder: London, 19. Juli. Unterhaus. Bei den Verhandlmigen über den Ausgabeiietal des AuSwärligen Amtes wünscht H a r c o n r t Russchlub über die Ergebnisse der V e r in i t t e I u n g der europäischen Mächte bei der Türkei betreffend Armenien, Kreta und die Friedensverhandlungen zwischen Griechen- laud und der Türkei. Im Falle von Kreta sei vollständige Autonomie und die Abberufung der türkischen Truppen versprochen .worden, artein erst im Lause der letzten 48 Stunden habe der Sultan die Absicht, Kreta wieder zu besetzen, aufgegeben. Der Parlaments» Unlersekretür C u r z o n erklärt« darauf folgendes: I» A r m e n i« n herrsche bittere Roth, jedoch seien die türkischen Beamten in Uebereinstimmung mit den europäischen Mächten be- müht, bessere Zustände herbeizuführe». Die Blokade Kreta's sei noch nicht formell aufgehoben worden, weil es erwünscht schien, die Einfuhr von Waffe» und die Landung von Freiwilligen auf der Insel zu verhindern; mit dieser Aus- «ahme sei die Blokade aber thatsächlich nicht in Wirk- samkeit. Dschevad- Pascha sei nicht nach Kreta gegangen; auch sei es nicht wahrscheinlich, daß er sich dorthin begebe, da sein Eintreffen auf der Insel unter de» gegenwärtigen Verhältnissen einen falschen Eindruck hervorrufen würde. Die Statthalterschaft auf Kreta sei D r o z bisher nicht angeboten worden, aber sie werde von den Mächten erivogen. Mit dein Rückzüge der griechischen Truppen hat sich die Haltung der Jnsurgeilteuführer geändert; dieselben schienen geneigt, die völlige Autonomie der Insel und die Ernennung eines christlichen Gouverneurs jetzt höher zu schätze». Durch die Wahl von Abgeordnete» zur Rational- Versammlung böte» die Christen den Mächten eine wesentliche Unter- stntzung. Die Lage in Kandia sei noch etwas gefahrvoll, im all- gemeine» hätten sich jedoch die Verhältnisse aus Kreta gebessert. Die Mächte seien von keiner ihrer Erklärungen und Verpflichtungen zurückgetreten. Neber die Grundlagen der Antonomie Kreta's, nämlich Einrichtung einer Gendarmerie nach europäischem Muster und progressive Verminderung der türkischen Truppen ans der Insel, seien die Mächte einig. Europa könne nur die Bedingungen schaffen, unter denen die Pazifizirung der Insel niöglich sei, die Durchführung der Pazifizirung müsse den kretensischen Christen überlassen bleiben. Betreffs der g r i e ch i s ch> t ü r k i s ch e n F r i e d e n s v e r- Handlungen seien die Mächte von Anfang an darüber einig gewesen, den Forderungen der Pforte entgegenzutrete», und sie hätten die Erklärung abgegeben, daß eine Wiederabtretung Thessaliens an die Türkei nicht zugelassen werden könne. Einer Grenzberichtigung hätte» sie zugestimmt, damit die Türkei in Zukunft nicht so leicht einem plötzlichen Angriffe ausgesetzt sei. Bezüglich der Kriegsentschädigung hätte» die Mächte erklärt, daß dieselbe in gewissem Grade zu bemessen sei nach der Leistungsfähigkeit Griechenlands, die jährlichen Zinsen zn zahlen. Was die Kapitulationen anlange, so hätten die Rtächte eingewilligt, daß eine Reform derselben hinsichtlich gewisser Mißbräuche vor- genommen werde. Die Pforte habe im Prinzip der von den Militärbehörden skizzirten strategischen Grenzlinie zugestimmt; falls innerhalb dieser Linie kleine Gruppen Christen wohnen, sollten diese die Wahl der Ausivandernng habe» und Entschädigung erhalte». Die Fachleute seien bemüht, den Höchslbelrag der Kriegsentschädigung festzustelleu, welche Griechenland zahlen könne. Auch diesen Punkle» habe Pforte im Prinzip zugestimmt. Die Dragomane der Botschafter halte» eine Ausstellnng der bezüglich der Kapitulationen herrschenden Mißbränche entlvorsen, welche mit den Rechtskundigen der Pforte er- örlert würden. Auf beiden Seilen sei die Neigung vorhanden, hierüber zu einer Verständigung zu gelangen, mithin sei ein sehr entschiedener Fortschritt gemacht worden. Während der ganzen zwei Monate der Unterhandlnnge» seien zwischen de» Mächten niemals wesentliche Streitpunkte entstanden, ja er könne sage», überhaupt keine Streitpunkte entstanden. Es läge kein Grund vor, weshalb die Eintracht nicht fortdauern sollte. Jede isolirte Hand- lung und einseitige Politik einer Macht könne die FriedeusanSsichlen nur gefährden. Es sei nicht zn sanguinisch von der Regierung, zu hoffen, daß das europäische Konzert den Frieden sicher» werde. (Beifall.) Ferner streifte der Sekretär des Aeußern auch die abessynische und ostasiatische Frage. Es würde, meinte er, nicht weise sein, über den mit A b e s s y n i e n abgeschlossenen Vertrag gegenwärtig eine Erklärung abzugeben. Was Korea anlange, so habe das Land lange Jahre von China ab- gehangen, jetzt lehne es sich an Rußland an. Englands Handelsintercssen in Korea seien nicht umfangreich. Eng- lands Hauptinteresse richte sich ans die Unabhängig- keit Korea's, dasselbe dürfe nicht territorial oder administrativ mit Rußland vereinigt werden, und die koreanischen Häfen dürften nicht zn Stützpunkten für Operationen gemacht werden, welche das Gleichgeivicht im Osten stören oder einer Macht die maritime Kontrolle in den östliche» Gewässern geben könnten. Wenn e i» s o l ch e r V e r s u ch gemacht werden sollte, so. würde England seine eigenen Interessen zu wahren haben. Der Antrag Balfour ans Schluß der Erörterung wurde sodann mit 166 gegen 73 Stimmen angenommen und der Etat des Ans- wärt igen Amtes ohne besondere Abstimmung genehmigt. Bei der Erörterung des Etats des K o l o n i a l a in t c s griff Arnold F o r st e r Rhades heftig an. Der Bericht des Untersuchnngs- ausschusses sei unzulänglich und unbefriedigend,«insoinehr, da das Vorgehen der Chartered Company nicht untersucht worden sei. Balfour wies die Angriffe Forsters zurück; seine Beschuldigung, daß die Regierung die Debatte zn hintertreiben suche, sei grundlos. Der Ausschuß habe den Einfall Janieson's als gänzlich ungerecht- fertigt verurlheilt. Rhades selbst habe nie versucht, ihn zn recht- fertigen, es sei jedoch billig, anzuerkennen, daß Rhades Südafrika und dem Reiche werthvvlle Dienste geleistet habe.(Beifall.) Was wir zn sichern haben, ist, daß die Verwaltung des Landes eine gerechte ist und nicht illegitini durch pekuniäre Rück- sichten bestimmt wird. H a r c o u r t verlangt darauf, daß ein be- stimmter Tag für die Besprechung dieser Angelegenheit angesetzt werde. Balfour gab der Hoffnung Ausdruck, am Montag oder Dienstag der nächsten Woche die südafrikanischen tili» gelegenheiten zu besprechen. St an Hope bemerkte, er werde eine iliesolntion beantragen, welche das Unterlassen eines energischen Eingreifens und den Bericht des Nntersnchungs-Ans- schuffes bedauere, hauptsächlich die Unterlassung des Vorschlages be- sonderer Schritte gegen Rhodcs und die Unterlassung eines so- forligen Berichtes Über den Ungehorsam Hawksley's bei Unter. breitung gewisser Telegramme; die Resolution werde serner be- antragen, daß Haivksley vor die Schranken des Unterhauses zitirt werde und die Telegramme vorlege. Die Debatte über den Etat wurde hierauf vertagt.— Partcikoiifereuze». Für den II. anhaltischen Reichstags- Wahlkreis findet am IS. August eine Parteikonserenz in Stoß- fürt statt. In R i e d e r- I n g e l h e i m hält am LS. Juli der Wahlkreis A l z e y- B i» g e n eine Kreiskonferenz ab. Der 1. weimarische Wahlkreis hält am LS. Juli in A l l st e d t eine Konfereiiz ab. Reichötagskandidature». In Elberfeld ist in einer Parteiversanimluiig an stelle des bisherigen Abgeordneten Harm der Genosse M o l ken b u h r als Kandidat für die nächste Reichs- tagswahl aufgestellt worden. Die Versammlung nahm nach einem Referat des Genossen Harm nachstehende Resolution an:„Die heutige Kreisversammlung von Elberseld-Barmen bedauert, daß der Genosse Harm nicht mehr gewillt ist, die Kandidatiir anzunehmen. Sie erkennt die Gründe seiner Mandatsniederlegung als vollkommen gerechtfertigt an. Die Versammlung spricht dem Genossen Harm für seine stets aiifopferungsvoNe Thäligkeit im Interesse des kämpfenden Proletariats ihre vollste Anerkennung aus. Sie glaubt dies um so eher thun zn können, da Genosse Harm nach wie vor der Partei seine Kräfte widmen wird." In Hof in Bayern wurde der Genosse Redakteur S t ü ck l e n als Kandidat aufgestellt._ lBerantwortlicher Neba«»»»� August Jacoben in Berlln. Für den Ins Von der Agitation. Genosse Psannkuch-Hamburg unternimmt gegenwärtig eine Agitationstour im 7. schleswig-holsteinischen Wahl- kreise, und zwar wird er in folgenden Orten sprechen bezw. hat er bereits gesprochen: Gaarden, Nortorf, Ellerbek, Wellingdorf, Dietrichsdorf, Neiimühlen, Greve, Holtenau,. Kiel, Winterbek, Neu- Münster, Rendsburg, Preetz. Polizeiliches, Gerichtliches rc. — Gegen seine Verurlheilung wegen angeblicher Beleidigung des Königs der Belgier hat der Redakteur des„Proletarier aus dem Eulengebirge", Gen. Feld mann, Revision eingelegt, sodaß sicher die für die belgische Majestät so unangenehme Sache noch einmal zur Verhandlung kommen wird. — Das sozialdemokratische Parteifest, welches von den Sozialdemokraten der Unterweserorte in G e e st e in ü n d e abgehalten werden sollte, ist vom Hilfsbeamten des Landralhs ver- boten worden. Der Vertrauensmann, der das Fest beim Landraths- amt angemeldet hat, erhielt folgende Verfügung:„Die Abhaltung des Arbeiler-Parleisestes am I. August er. im Schiefert'schen Lokale kann, da Frauen, Schüler, Lehrlinge pp. an demselben theilnehmen sollen, mit Rücksicht auf die Vorschrifie» des Z 8 des Vereinsgesetzes vom 11. März 1850 nicht gestattet werden."— Man sieht, es geht auch ohne die lex iltecke. — Genosse M a t t n t a t, den unsere Berliner Genossen von früher her sehr wohl kennen. hat dieser Tage eine Gesängnißstrafe von 14 Tagen angetreten, die ihm als Redakteur der„Angsbiirger Volkszeilung" zudiklirt worden war. Gemevkpchstftlirfjes» Berlin und Nmgcbniig. Betreffs deS neuerrichtete» Arbeitsnachweises im Bau- gewerbe hat dessen Kliratorinm den Autrag der Lohnkoinmissio» der Zimmerer wegen der Betheiligung der Arbeitnehmer an der Ver- waliung des Arbeitsnachweises dahin beaulworlet, daß man ini Prinzip hiermit einverstanden sei, daß man jedoch infolge der gelten- den Geschäslsordnung ohne Zustimniung der Innung der Bau-, Maurer- und Zimmermeister keine Aendernng vornehmen könne. Das Kuratorium drückte seine Bereitwilligkeit aus, die Angelegenheit der nächsten JnnungSversammlung zur Entscheidnng vorzulegen und das Gesuch der Arbeitnehmer zn befürworten. TcntschcS Reich. „Grober Unfug" in neuem Glänze. Die Anwendbarkeit des groben Unsug-Paragraphen ist noch lange nicht erschöpft. Die Rostock er Polizei hat ihm neue Aufgaben zugeiviescn. Die dortigen streikenden Tischler hatten sich sehr gehület, mit diesem Allerweltskerl von Slrafparagraphen in Konflikt zu kommen. Das einzige, was die Streikenden gethan haben, um die arbeitswilligen Tischler für de» Streik zu gewinnen, bestand darin, daß sie diesen unter Polizei-Eskorte zur Arbeit Geführten ein„stilles Geleite" gaben. Und in diesem ruhigen Gehen auf der Straße neben jenen anderen soll nun plötzlich ein„grober Unfug" erblickt werden. In einem Falle hat die Polizeibehörde bereits einen Strafbesehl wegen dieses Vergehens erlassen. Ein dcutfchcr Richter über streikende Arbeiter. Kürzlich machte die Aeußerung eines englischen Richters die Runde durch die Presse, in welcher die Streikbrecher nicht gerade als die acht- barsten Leute hingestellt wnrden. Heute können wir die Aeußerung eines Hamburger Gerichtsvorsitzenden registriren, welche dieser bei Abiirlheilung eines Arbeiters that, der sich während deS Hamburger Hasenarbeiterstreiks gegen den§ 1S3 vergangen haben sollte. Der Herr Landgerichlsdircktor sagte:„Die Streikenden erklärten es ja damals für ihr göttliches und menschliches Recht, jeden, der arbeitete, verprügeln zu dürfen!"— Das„Hamb. Echo" sagt dazu: Man darf billiger Weise von einem Landgerichtsdirektor, dessen Aufgabe es ist, der Wahrheit zu ihrem Rechte zu verhelfen, er- warten, daß er selbst sich in erster Reihe der reinen Wahrheit befleißigt und sich nicht zn Behauptungen herbeiläßt, für welche er den Beweis der Wahrheil nicht zu erbringen vermag. Eine ArbcitScinstclliing hat ans dem Holzlager von Albers, Hainbnrg-Borgselde, stattgefunden. 16 Hilfsarbeiter legten die Arbeil nieder, weil sie statt des bisherigen Lohnes von 4M. nur noch einen Tagelohn von 3,60 M. erhalten sollten. Tic Arbeiter der Jutcspinncrci in Delmenhorst haben am 17. d. M. beschlossen, wie die„Weser-Zeilung" meldet, am Montag die Arbeit bedingungslos wieder äiifjunehmen. Im Laufe des Tages soll eine Vereinbarung betreffs Lohnerhöhung angestrebt werden. Von dem Ergebuiß ist der weitere Gang der Angelegenheit abhängig gemacht.— Eine Bestätigung dieser Nachricht bleibt abzuwarten. Tie Frisenrgchilfcu von Hannover haben eine Konimission beauftragt, den Meislern folgende Forderniigen zu unterbreilen: Schlnßzeil des Geschäfts für die Gehilsen außer Sonnabends 9 Uhr, Bewilligiiug eines Minimallohnes von 6 M.; Anirkennung der Ge- hilscnorganisation. Ter Konflikt zwischen den B r a u n s ch iv e i g e r Töpfern und ihren Meister» hat nun zum offenen Bruch geführt, die Gehilfen sind in den Streik eingetreten. Zwar werden noch Unterhandlnnge» gepflogen, die Unternehmer aber befleißigen sich, mittlerweile Ersatz heranzulocken. Der Obermeister, Herr st! ei necke, ist nach Berlin gereist, um seine Arbeit von hier aus anfertigen zulassen, worauf die Berliner Töpfer aufmerksam gemacht seien. Z»i» Leipziger Maurerstreik. Beim Maurermeister Pastänier in Plagwitz halten zugereiste italienische Maurer zu arbeiten be- gönnen. Diese sind aber bis aus 4 Mann wieder abgereist; die letzten werden Leipzig in den nächsten Tagen verlassen. Wie die� Polizeibehörde, so hat nun auch die Nmlshanptmaniischaft den Streikenden, die die von ansivärls kommenden Kollegen über die Lage aufklären wollen, das Ausstellen und längere Verweilen ans ösfentlichen Straßen verboten. Lohlibcwcgiing der Zicglcr am Ricderrhein. In der Gegend bei Oberhansen haben die Zicgler an mehreren Stellen die Arbeit niedergelegt. Sie verlangen zum theil LS M. Wochenlohn und freie Station, womit sich nach der„Rheinisch-Wcstsälische» Zeitung" die Besitzer nicht einverstanden erklären können, da sie schließlich mit Difisit arbeiten niüßten. Das Essener Kapitalisteublalt berichtet weiter: Für diejenigen Ziegelcibcsitzcr aber ist es schlimm, welche die Steine vertragsmäßig liefern müssen und bei Arbeitseinstellniigen ihren Verpflichtungen nicht nachromme» können. Wie wir hören, sind einige Unternehmer gezwungen, vor- läufig die hohen Löhne zu bezahlen, doch wird dies nicht lange an- halten, da in einigen Wochen Steine genug vorhanden sein werden und dann wird der Spieß umgedreht.— Die Arbeiter sollten sich organisiren, dann wäre das Spießumdrehcn nicht so leicht.— Aus Mülheim an der Ruhr wird gemeldet: Die Ziegcleiarbciter im hiesigen Kreise sind theils in einen Ausstand ciiigetreten; sie verlangen eine bedeutende Lohnerhöhiiiig. Einige Ziegeleibesitzcr haben vorläufig nachgegeben, um nicht mit ihren Betrieben ins Stocke» zu geralhen. Anstand. Zur Achtftniiden-Bewcgnng der englische» Maschinen- bancr. In den letzten Tage» haben in L o n d o n nenn weitere Firmen den Achlstnndenlag bewilligt. Ans B e I f a st kommt die Nachricht, daß auch dort drei Firmen die Forderungen bewilligt haben; im ganzen haben im Laufe der letzten Woche also 17 Firmen bewilligt. Nach der Vewillignng wird überall die Arbeit sofort wieder anfgenomnien. Die Führer des Ausstaiides erklärten sich mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden. Vom Gewerkverein der deutschen Metallarbeiter ist das folgende Schreiben im Hauptquartier des Slreik-Ansschusses der englische» Metallarbeiter eingegangen: Nürnberg, 14. Juli. Lieber Kollege l Anliegend erhallen Sie No. L3 und No. 29 der„Zeitung für die deutsche Metall-Industrie". Sie werden darin Ihren Appell an ratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Tiuil und Verlag von die deutsche Gewerkschaft der Metallarbeiter abgedruckt finden. Ich möchte wissen, ob es Ihnen möglich ist. uns. so lange der Kampf dauert, einen Bericht über die Lage für die „Metallarbeiter- Zeitung" zu senden. Das würde uns sehr nützlich sein, da die deutscheu Metallarbeiter aus diese Weise authentisch aus erster Hand ohne Verzug über den Achtstundenkampf insormirt blieben. Indirekt würde es England auch nützen. Der Deutsche Metallarbeiler-Verein hat Zweigvereine in über 400 deutsche» Städten und ungefähr 60 000 Mitglieder. Schließlich kann ich Sie versichern, daß der Kampf unserer englischen Kollegen um den Achtstundentag nicht nur unsere größte Sympathie besitzt, sondern auch die anderer deutscher Gewerkvereine. Indem ich Ihnen allen Erfolg in Ihrem heldenhaften Unternehmen wünsche, verbleibe ich Ihr u. s. w. Johann Scherin. Ter befürchtete Telegraphistenstreik im General-Postamte zu L o n d o II wird nicht zum Ausbruch kommen, da die Forderung«» derselben bewilligt wurden. SozmlciZ. Ter Bund deutscher Friseur- und Perrückenmacher- Juniingcn sprach sich ans seiner in Dessau abgehaltenen Bundes- Versammlung für„Schluß der Geschäfte bei Entlassung de- Personals an Sonn- und Festtagen ans". Dagegen will der Bund nichts wissen von dem A ch t n h r- L a d e n s ch l u ß. damit die Gehilfen der anderen offenen Verkaufsgeschäste noch Gelegniheit sänden, die Friseurgeschäfle zu besuchen. In der Vcrsaiiimlung deS Gewcrkvercinö der christlichen Bergarbeiter, welche am Sonntag in Essen a. d. Ruhr staltsand und sich mir der Maßregelung von drei Ausschußmitgliedern beschäftigte, rielh der Vorsitzende des Gewerkvereiiis, Berg- mann Brust, von einem Ausstand abzusehen, so lange der Verband nicht auch ans den übrigen Zechen genügend gefestigt sei. Man beschloß, den entlassenen Kameraden ein auskömmlichen Unter- hall zn sichern, bis denselben Gelegenheit geboten sei, andere Arbeit zu finden. Die Versammlung iinhm einen ruhigen Verlans. Die Verwaltung der Zeche Osterfeld war bereit, die entlassenen Ausschuß- Mitglieder auf einer andern Grube zn beschäftigen, falls sie ans dein christlichen Gewerkverein austräten, eine ihr bisheriges Ver- halten mißbilligende Erklärung abgäben u. s. iv. Die Bergarbeiter haben dieses Ansinnen zurückgewiesen, da sie dadurch auf jede Koalitionsfreiheit verzichten müßten. Tic„natioiialc Arbeit" ist bedroht— von den amerikani- scheu Fahrrädern nämlich. Wie das„Hamb. Echo" erfährt, will ein Hamburger Verkaufshaus in nächster Zeil billige Fahrräder in den Handel bringen, die es in Amerika angekauft hat. Darob großes Geschrei bei den Händlern, die eS bisher gewohnt waren, 100 Mark und darüber an einem Rade zn verdienen. Diese den hiesigen Fahrradhändlern drohende Konkurrenz wird jedenfalls den heilsame» Einfluß ausüben, daß sie ihrerseits mit den Preisen, die in gar keinem Verhällniß mit dem Essektivwerthe der Fahrräder stehen, bedcnlend heruntergehen müsse». Die Widersinnigkeit der kapitalistischen Produklions- und Distribntionsweise kaiin nicht besser gekennzeichnet werden, als durch dieses Beispiel. Es werden jetzt schon Stiinmen laut, welche unter der Devise:„Schutz der nationalen Arbeit!" hohe Eingangszölle ans amerikanische Fahrräder verlangen. Gcwcrbcgevichte in Belgien 18S6. Das belgische Arbeitsamt veröffentlicht nachstehende Daten über die Thäligkeit der Prnd'homines im Jahre 1896. Den vorhandenen 27 Gewerbe- gerichten wnrden 76L4 Streitfälle vorgelegt(gegenüber 71S3 im Bin- jähre); hiervon wurden 6757 oder 75 pCt. durch Ansgleicd bei- gelegt, 698 oder II pCt. wurden durch Urlheil erledigt und 1113 Streit- sälle wurden von den Parteien fallen pelassen. Dezrefchett und letzte M«ihvi,hken. Kattowin, 20. Juli.(W. T. B.) Wie nunmehr festgestellt ist, wurden durch den Einsturz des Schornsteins ans der iienen Zink- Hütte in Rodziii zwei jugendliche Älrbeiler geiödtet nnd zwei Ar- beiter schwer verletzt, von denen sich einer in Lebensgefahr befindet; vier Arbeiter wnrden leicht verletzt. Paris, 20. Juli.(W. T. B.) Der Brief, den Cornelius Herz an die Paiiama-Kommission gerichtet hat und in welchem er neue Bediiignngen stellt, unter denen er die Kommission empfangen will, hat in den Wandelgängen des Palais Bourbon große Anfreguiig hervor- geruse». Der Brief bedeutet für die Kommission einen unangenehmen Zivischenfall, da bereits mehrere Mitglieder derselben mit dem Prä- sidenten Vallö an der Spitze nach London abgereist waren; auch halle die Qnäster der Kammer schon in einem Hotel in London 26 Zimmer bestellt. Unter den Depntirte», welche der Kommission nicht angehören, herrscht allgemeine Heilerkeit. PariS, 20. Juli.(W. T. B.) Die Panama- Kommission hat beschlossen, die Reife nach Bonrnemonlh aufzugeben, da der Brief Cornelius Herz beweise, daß Herz sich der Erfüllmig seines Ver» spreche»? zn entziehen suche und seine Aussagen von einer Be- diiigung abhängig mache, die unmöglich ernst genommen werden könne. Mailand, 20. Juli.(B. H.) Der„Secolo" erfährt ans Konsianliiiopel: Edhem Pascha erhielt aus Saloniki eine Postschachtel nach Domokos gesandt, die eine Hölleiimaschine enthielt. Dem Adjutanten, der damit beauftragt war, die Schachtel zu öffnen, wurde durch die Explosion ein Arm zerschmettert. Barcelona» 20. Juli.(B. H.). Die A r b e i t e r- U n- ruhen dauerten gestern fort. Zwei Höllenmaschinen wurden in der Nähe der Gendarineriekaserue entdeckt. 14 Jiidividnen sind verhaftet worden. Haag, 20. Juli.(W. T. V.) Dem Vernehmen nach ist heute das Miiilsterium von Pierson wie folgt gebildet worden: Pierson Finanzen, der Gesandte in London Baron van Goltsiein Aeußeres, Noell Inneres, Professor Drucker Justiz, Vize-Admiral Mac Leod Marine, Oberst van Dam van Jsseit Krieg, der Abgeordnete Cremer Kolonien und der frühere Minister Lely Waterstrat Handel und Industrie. Petersburg, 20. Juli.(33. T. B.) Amilich wird veröffentlicht: Der Gesandte in Stockholm Sinowjew ist zum Bolschaster in Kon- stantinopel ernannt, der bisherige Botschafter in Koiistantiiiopel Nelidow zum Botschafter am Quirinal, der Gesandte in Teheran von Bötzow zum Gesandten in Stockholm, der Vizcdireltor des asiatischen Tcparteinents Giibastow zum Gesandten in Cetinje, und der dortige bisherige Ministerresident Argyropnlo zum Gesandten in Teheran. Budapest, 20. Juli.(B. H.) Zwischen der Regierung und der Opposition sind Verhandlungen angebahnt wegen eines zn er- zielenden Kompromiffcs. London, 20. Juli.(V. H.) Einer osfiziellcn Statistik zufolge entließen 250 Arbciigeber ihre Arbeiter, nnd zwar 4l in London, 35 in Manchester, 10 in Hnll, 40 in Leeds, S0 in Liverpool, 30 ans Clyde und 44 in den nordöstlichen Bezirken. London, 20. Juli.(B. H.) 3l»i nächsten Dienstag wird die Interpellation Labrnichsre über die mangelhafte Wirksamkeit der südafrikanischen lliitersuchnngskommission eingebracht werden. Die Rcgicniiig hat sich bereit erklärt, die Interpellation im Unlerhanse zn beasilworten. Konstantinopcl, 20. Juli.(B. H.) Heute soll die letzte Konscrenz der Botschafter und der türkischen Delegirten statlfindeii. Die Garantie der Großmächte sür die Kriegsentschädigung wurde zilgcstaiiden, die Trenzreguliruiigsfrage geordnet, und die Kapitu- lalionssrage wird zwischen der Türkei und Griechenland direkt ge- regelt werden. Man glaubt allgemein, daß' heule der definitive Friedensschluß erfolgt. LabnanZ(Britisch Nord-Boriieo), 20, Juli.(33. T. 93.) Die nach Gaya entsandte britische Expedition ist hierher zurückgekehrt, »nchdem sie den von den Ausständischen gefangen gehaltenen Schatz- meisler Nenbronner befreit hatte; die 3lnfsläiidischen waren mit ihrem Raub geflohen, noch ehre ihre befestigte Stellung angegriffen wurde. B-nx Padiiig in Berlin. Hierzu 1 Brilnge u llntcrhaXnngSdlait> Hr. 167. 14. rnnm. Mlllge NairteigvnoWen! Avbeitev! Im Herbst d. I. finden die Ergänzungswahlen für die Stadt- verordneten'Versammlung statt. Wahlberechtigt ist nach Z 5 der Städtc-Ordnung jeder in die Wähler- liste» eingetragene selbständige Einrvohner. der Preuße und 24 Jahre alt ist. seit einem Jahre in Berlin wohnt und seit einem Jahre keine A r m e n- N n t c r st ü tz n n g aus öffentlichen Mitteln empfangen hat, sowie m i n d e st e n S zur zweiten S t e u e r st u f e(660 bis 900 M. Einkommmen) ein- geschätzt i st. Tie Liste der stimmfähige» Bürger liegt bis zum 30. Jnli d. I. täglich, also auch TonutagS. von 0—3 Uhr im städtische» Wahlbnrean, Poststr. 10, S Tr.» zu jedermanns Einsicht anö. Einwendnngc» gegen die Richtigkeit der Liste köniic» nnr während dieser Zeit schriftlich beim Magistrat erhoben werden. Ncbcr die Berechtigung der gegen die Richtigkeit der Liste» erhobene» Einsprüche entscheidet die Stadtvcrord- »ctctt-Bcrsammlung. Zu einem für die Sozialdemokratie erfolgreichen Ausfall des bevorstehenden Kommunal- Wahlkampfes ist eS nolhwendig, daß jeder stimmberechtigte Parteigenosse und Arbeiter sich durch Einsichtnahme in die Listen vergewissert, daß er sein Wahlrecht ausüben kann. Wir mahnen daher dringend zur genauesten Kontrolle der Wählerlisten. Bei der Ausübung dieser Kontrolle wird es sich empfehlen, die letzte Steuerquiltung mit zur Stelle zu nehmen, um, sollte die Ein- tragung versäumt sein, sofort die Nachtragnng in die Liste beantragen zu können. Möge niemand verabsäumen, dieser Pflicht nachzukommen, damit er im stände ist, sein Wahl- recht auszuüben. Um den Parteigenossen, die keine genügende Zeit zur Einsich. nähme in die Wählerlisten übrig haben, die Sache zu erleichtern. haben sich folgende Parteigenossen bereit erklärt, Meldungen ent- gegenzunehmen, um dann für diese die Einsicht in die Wählerlisten zu besorgen: I. Wahlkreis. C. Büttner, Charlottenstr. 82. W. W a l l h a u e r, Kronen- straße 72. C. W o l d t, Kanonierstr. 7. P r e u ß, Nene Friedrich. slraße 20. Mörschel, Jüdenstr. 36. H. G ä r t n e r. Molken- straße 12. Carl Büttner, Charlottenstr. 24, Hof IV. II. Wahlkreis. K l e i n e r t, Zeitungsfpedileur, Dennewitzflr. IS. F a l l c r Schankwirlh, Pallasstr. 16. Antrick, Cigarrengeschäft Sleinmetzstr. 60. Werner, Schankwirlh, Bülowstr. S9. Hitzing, Belle-Alliancestr. 174. G rn b e, Mariendorferstraße, Ecke Solmsstraße. L ü d l k e, Zossenerstr. 10. I m h o f, Mitten- walderstr. 16. N e i ch e l t, Hasenhaide 46—47. Paul Müller Gräfestr. 31. S ch o n h e i m, Gräfestr. S. Ewald. Schönlein- straße 6. III. Wahlkreis. Wilh. Börner, Ritterstr. IS. Flick, Simeonflr. 23. Pönitz, Brandenbnrgstr. S4. Gölte, Brandenburgstr. 18. W ö r n e r, Kürassterstr. 10a. Ferger, Sebastianstr. 72. Lenz, Alte Jakobstraße 69. Li er. Alte Jakobstraße 119. Schöning, Köpnickerstr. 63a. H. Pinzer, Friedrichsgracht 16. J.Moll, Klosterftr. 101. H. I a h n s, Holzmarkiftr. 13, Hof III. A. Tripke. Zimmerstr. 19. IV. Wahlkreis(Osten). O.F ra n ke.Friedrichsbergcrstr. 11. H. Baum garten, Königs- bergerstraße 7. O. Z a b e l, Frankfurter Allee 90. W. S p ä t h, Weinstr. 23. 2l. Bogel, Elbingerstr. 9. P. K o b u s, Rigaer- straße 127. IV. Wahlkreis.(Süd-Ost). Bieberstein, Lausitzer Platz I2a. Dierberg, Forsterstraße 17. G o l z. Grünanerstr. 3. Seidler, Naliborstr. 16. Streit, Naunynstr. 86. Scholz. Wrangelstr. 27. Gesche, Wrangelstr. S3. Mertens, Cnvrystr. 35. Thiele, Zeitungs- spcdition, Skalitzerstr. 3S. VI, Wahlkreis. Lietzke, Echwedterstr. 33. Emil Schmidt. TreSkow- straße 24. Augustin, Kastanien-Allee 11. Rieb, Schliemann- straße 43, Laden. G r ö b l e r, Franseckistr. 12, Laden. N a m l o w, Schönhauser Allee 135. Mars, Kastanien-Allee 95/96, Pinn er, Zigarrengeschäft, Treskowstr. 32. Nicke, Zigarrengeschäft, Saar- brllckerstr. 7, pari. Karl Fischer, Beusselstr. 9, Hof geradezu. Georg Neuser, Beusselstr. 24. P a u l G r u ß, Beusselstr. 4S. L? t t o Fischer, Beusselstr. 66. I o h. D ö r i n g, Thurmstr. 72. Rt o b e r t Kern, Stromstr. 47. I o h. P f a r r, Puttlitzstr. 10. Max Faber, Slephanstr. 11. Gustav Köhler. Calvin- st.raße 11. O tt o B a ch g ä n g er, Swinemifnderstr. 96. Rosin, Rnppinerstr. 45, Ecke Schönholzerstraße. Hoppe, Ackerstr. 14ö. Her m an», Pntbuserstr. 4S. W i tz e l, Swinemünderstr. 88. II o r e n z, Voltastr. 43. B r i n k in a n n, Prinzen- Allee 21. B ä r s ch, Sandstr. I. Restaurant Thulmann. G a ß in a n n, Spediteur, Grünthalerstraße 64. Anders, Buttmannstraße 17. P e u ß e, Zigarrengeschäft, Schulstr. 37. F. Bergmann, Rest., VZasewalkerstr. 3. Dahlke, Antonstr. 3, Hof 3 Tr. C. S ch m i d t, kseestr. 25. C. G a e d e. Rest., Fennstr. 17, Keller. A. D o b a t, i liest., Sellerstr. 3. E. S ch n m a n n, Kolbergerstr. 23. R. S p e d e, (Schneider, Chansseestr. 85. F. Völle l, Rest., Borsigstr. 25. Sj. Steinicke, Zigarrenhandlung, Borsigstr. 23. C. T h o m a s, Rest., Gartenstr. 152. Ch. H i l g e n f e l d. Liest., Bergstr. 60. C. Blosfeld, Hnssitenstr. 21. part. O. Brückner. Rest., Gartensir. 63. C. W a l t e r, Zigarrenhandliing, Hussitenstr. 35. In betracht kommen alle Wahlbezirke, auch die, wo im Herbst voraussichtlich nicht gewählt wird. Es empfiehlt sich auch für diejenigen, die durch die hier genannten Genosfen die Einsicht in die Wählerlisten vermittel», daß sie die Steuer- q u i t t u n g m i t z n r S t e l l e bringen.- Ks Jütiiiiiils" Lokales. Tie Gesellschaft Stanbschut; führte gestern einem geladenen Publikum, das ans Vertreter» der Polizei, der städtischen Behörden und der Presse bestand, ihr System der staubfreien Müllabfuhr ans den Häusern und der staubfreien Entleerung ihrer Sammelwage» in ein Schiff vor. Seil der Polizeiverordnnng vom 30. Januar I3SS, ivelche das Einladen und Abfahren des Hausunraths unter Vor- meidung von Staub, üble» Gerüche» und Slraßenvernnreinigunge» verlangt, sind verschiedene Abfnhrsysicnic bei uns in Gebrauch. Am einfachste» und bequemsten scheint das der Wechselkäste», wobei die Absnhrgesellschaft oder der einzelne Unternehmer die vollen Käste» durch seine Arbeiter geschlossen abhole» und dafür andere hinstellen läßt; doch scheinen von diesem System ivegen der nicht unerheblichen Kosten nicht allzu viele Hausbesitzer Gebrauch zu machen, illuch ist es sehr umständlich, an den Versrachtungsstellen jeden einzelne» Kasten zum Schiff oder zum Bahnwage» zu bringen und dort zu entleeren. Einen Hohn aus staubfreie Müllabfuhr bildet das System, Hei welchem ein geschlossener Wagen vorführt, dessen Hinterwand zu öffnen ist; durch diese wird der Müllkasten geschoben, die ülrbeitcr klettern ebenfalls in den Wagen, schließe» ihn und entleeren im Innern den Kasten. Da der Wagen vor jedem Hans zweimal geöffnet und geschlossen werden muß, ist an Siaubsreiheit gar nicht zil denken; außerdem verrichten die illrbeiter ihre schivere Arbeit unter den denkbar ungünstigsten, die Gesundheit überaus schädigenden Bedingungen. Das Absuhrsystem der Gesellschaft S t a» b s ch u tz ist in letzterer Beziehung vorzüglich. Die Arbeiter bringen einen mit besonderer Verschlußvorrichtnng versehenen Deckel mit, mit dem sie den Müllkasten statt des gewöhnlichen Deckels verschließen; dann tragen sie ihn zum Wagen und stülpen ihn auf einer bestimmten Stelle ans dem Verdeck um. Bei dieser Operation öffnet sich der Wagen automatisch und gleichzeitig schiebt sich der Deckel vom Müllkasten zur Seite, so daß das Innere des Wagens und des Müllkastens einen einzige» durchaus standfrei abgeschlossenen Hohlraum bilden. Wird der Kasten, nachdem der Unrath aus ihm in den Wagen gefallen, wieder umgestülpt, so schiebt sich sein Deckel wieder darüber, während sich gleichzeitig der Wagen automalisch schließt. Auch die Ver- theilnng des Mülls im Wagen geschieht von außen, indem durch Drehen einer außen angebrachten Kurbel ein innen befindlicher Rechen den Müll gleichmäßig verlheilt. Weder die Arbeiter, noch das Publikum werden hierbei vom Staub irgendivie belästigt. Die gefüllten Wagen werden dann zur Abladestelle gefahren, zum Schiff, zur Eisenbahn oder zum Verbrennungsofen; die Gesell- schaft führte gestern die Verfrachtung in ein Schiff vor. Durch eine» Krahn wird der ganze Oberlheil vom Gestell abgehoben und zum Schiff Herunigefahren, wo die Oeffnung des Schachtes und der Bode» des unten konisch geformten Wagenobertheils sich automalisch öffne», so daß der Müll ins Schiff entleert wird. Dort muß allerdings eine Verlheilung durch eine» Angeslellten ersolgcn, der gegen den beim Sturz sich entwickelnde» Staub durch eine starke Leiinvand- gardine geschützt ist und auch sonst eine passende Ausrüstung hat, die vielleicht noch verbesserungsfähig ist. Unter anderein besitzt der Man» eine Karbolspritze zur Anfeuchtniia des Mülls und zur des- insizirenden Allsspritzimg des entleerten Wagens. Der durch den Krahn wieder emporgehobene Wagen schließt sich nicht autoniatisch, was vielleicht ein Mangel ist. Ueberhaupt klappte bei dem vorgeführte» Probcversnch mittels eines Handkrahns noch nicht alles zum beste»; doch zeigte die Vorsühruug ganz klar die Brauchbarkeit des Systems, das bei einem Betriebe im großen in manchen Einzelheilen ja unzweifelhaft noch Verbesserungen er- fahren wird. Zur Geschichte deS Berliner TroschkenwesenS betitelt sich ein sehr interessanter Artikel, den wir der Fachzeitschrift„Der Fuhr- Halter" entneknnen und der gerade gelegentlich des heute statt- findenden 8. Verbandstagcs deutscher Lohnfnhr- Unternehmer auch für größere Leserkreise von Interesse sein dürfte. Berlin hatte bis in die Mitte der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts kein ge- rcgeltes Fuhrwesen. Es exislirte» zivar Mielhschaisen, die um das Jahr 1700 die Zahl von etwa 100 Fnhnverke» erreicht haben dürften. Meisientheils benutzte man derartige Chaisen»nr bei größeren Festlichkeiten oder zu Reisen nach außerhalb. Die ständige Einrichtung von Droschken verdankt Berlin dem bekannten Kammerherrn Friedrich Wilhelms I. Baron von Pöllnitz. Der weit- gereiste Mann hatte die„Fiacres" am Hofe Ludwig XIV. kenne» gelernt und eine so lockende Schilderung von derartigen Fuhnverken gemacht, daß sich Friedrich Wilhelm I. entschloß, auch in Berlin solche Wagen einzustellen und eine amtliche Zunft Fiakrehalter ins Leben zu rufen. Der König erließ im Jahre 1739 eine diesbezügliche Kabinetsordre an den Minister Hnppe, wonach nur die Zunft- genossen das Recht haben sollten, mit solchem Wage» in der Stadt gegen Lohn zu fahre». Natürlich waren diese Fuhrwerke»och sehr primitiv: 4sitzige Kastemvagen in Riemen hängend; am Kulscherbock waren kleine Fenster augebracht. Die Kasten waren olivenfarbig, das Gestell rolh angestrichen. Aber gleich nachdem diese Fiakres ins Leben getreten, begann ein Streik der Zunftgenossen. Sie erklärte», nicht bestehen zu können, wenn nicht den»ichlberufs- mäßigen Fuhrhaltern direkt verboten ivürde. Lohnfuhren innerhalb der Stadt zu machen. Der sonst so energische Friedrich Wilhelm der Erste beendete den Streik dadurch, daß er durch Kabinetsordre vom 4. Januar 1740 das gewünschte Verbot erließ. 12 Tage später wurde die Fiakrezunst in aller Form privilcgirt. An der Spitze stand ei» staatlich ernannter Direktor, der Siadlpräsidcnt von Neuendorf. Die Vorfahren unserer Droschkenkutscher scheinen dem genannten Herrn indessen das Leben recht sauer gemacht zn haben, wie ans einem Schreiben Neuendors's an den Kammerherrn von Pöllnitz hervor- geht:„Mit der Fiakrezunft sieht es schlecht aus, die Leute schreien mir die Ohren so voll, daß ich mir nicht zu rathen und zn Helsen weiß." Auch der König scheint keine besonder« Freude a» der Fiakresache gehabt zu haben. Er erklärte dem Minister von Happe gegenüber, er möchte gern einen Theil seines Vermögens den Armen geben, wenn er sich damit von der ganzen Fiakre- fache lossage» könnte. Im Jahre 1769 wieS Berlin 36 Fiakres auf, im Jahre 1734 standen de» Berlinern nur noch sieben derartige Fuhrwerke zur Verfügung. Bei einer so trostlosen Lage entschloß sich das General-Direktorinm im April 1734, das Fiakrewese» zu verpachte». Aber es meldeten sich keine Pacht- lustigen und im Jahre 1795 gab es in Berlin keine Droschken mehr. Erst im Jahre 1312 bewarb sich ein Pferdehändler Mortier ans Dessau um die Konzession, in Berlin Warschauer Droschken, das heißt, vorn und hinten halb verdeckte. kleine einspännige Wagen zur allgemeinen Benutzung gegen feste Fahrtaxen aufstellen zn dürfe». Am 29. November 1814 wurde Mortier die Konzession auf 6 Jahre ertheilt. Der Unternehmer mußte sich dabei verstichten, alle Nächte ein aufgeschirrtes Pferd für die Feuerwehr zu stelle». Außer ihm hatten noch sechs Fuhrleute je eine Droschke in Betrieb gesetzt. Die Droschken durften nur innerhalb der Stadtmauern fahre». Fahrten nach außerhalb waren ihnen nicht gestattet. Außerdem hatte ein Fuhrbesitzer Sparwald zwölf sogenannte„Wiener Jagdwagen" in Betrieb gesetzt, die auch außer- halb der Ringniauer» fahren durften. Bis zum Jahre 1337 ivar Mortier dieses Privilegium verlängert worden. Erst in diesem Jahre wurde es aufgehoben und das Polizeipräsidium erließ nun sehr genaue Anordnungen der Wage», Pferde, Halteplätze u. s. w. Im ganzen traten 236 Wagen in Betrieb. 1341 wurde» 458 ein« und 164 zweispännige Wagen gezählt. Im Jahre 1861 wurde das Gesetz bezüglich der Vorschrift, daß jeder Unternehmer mindestens 5 Droschken stellen mußte, aufgehoben. Damals zählte man 1200, im Jahre 1865 2077 Droschken. Im Jahre 1363 wurden die Mitti-ch, 21.|iili 1897. Droschken I. Klasse eingeführt und den Kutschern eine Livree vor geschrieben. Im Jahre 1373 traten die Gepäckdroschken ins Leben. 1892 wurden für Berlin die Taxameter durch Polizeiverordnung genehmigt, deren Einführung anfänglich ans de» energischsten Wider- stand seitens der meisten Droschkenbesitzer stieß. Im Jahre 1397 ivaren vorhanden: S229 Droschken I. Klasse(darunter 3512 Taxameter), 2239'Droschken zweiter Klasse(8 Taxameter), in Summa 7679 Droschken. Seit dem Jahre 1834 hat sich die Zahl der Droschken 1. Klasse m» etwa 60 pCt. vermehrt, die der Droschken 2. Klasse hat nur um 12 solcher Fuhrwerke zugenommen. Mit der Z»schiiti»»g deö Neue» Tees im Treptower Part ist dieser Tage begonnen und die Userbekleidung auf der Nordseite ist auch bereits abgerissen ivorde». Da die 56 612 Kubikmeter Füll- boden, mit ivelchem zunächst das Bett des Sees bis zur Höhe der den früheren Rasenplatz umgebenden Fußwege fest angebaut wird, hauptsächlich von dem Terrain des ehemalige» Hauplansstellnngs- gebändcs entnomnien werden, so wird auch hier nun endlich mit der Beseitigung der kolossalen Sand-»nd Schuttmasse», die den Platz äugen- blicklich noch bedecke», derAnfaug gemacht Ferner wird jetzt auch aus der Südseite des Parks mit der P l a n i r u» g der noch wüst daliegenden Wege vorgegangen und es ist dazu eine große Anzahl Arbeiter engagirt worden, welche das nöthige Material schon an Ort und Stelle geschafft haben, so daß die Regulirung sofort beginnen kann. Hinsichtlich des ü b r i g e n A u s st e l l n n g s t e r r a i n s ist noch zu erwähnen, daß Kairo einem wüsten Brelterhausc» gleicht, ans dem nnr noch die Palme» hervorrage». Dagegen ist der Bretterbau des Ausstellungshotels nun endlich verschwunden bis auf die Hotel- restauratio» am Schnittpunkte der Treptower Chaussee und dcrKöpenicker Landstraße. Der große Droschken-Halleplatz an der Ringbahn ist zu einer Lehr- und Rennbahn für Radfahrer hergerichtet worden, zu deren Stärkung auch der große, an dem Platz liegende Pavillon d t Bockbrauerei stehen gebliebe» ist. Auf der Wasserseite des Parkes sind jetzt die Abbrucharbeite» flott im Gange. Am Chemiegebäude ist bereits die gesaminte Gipsbekleidung entfernt und nun mit dem Abriß der Eiseukonstruklio» begonnen worden. Und endlich ist auch der Abbruch des Fischereigcbäudes schon ziemlich iveit vorgeschritten, während der Pavillon der Stadt Berlin noch unberührt dasteht. Im ganzen also kann man sagen, daß die Abbrnchsarbeiten und die Wicderherstellung des Parkes jetzt in etwas lebhafterem Tempo fortschreite». Die Aufflihriiugcu der Privattheater-GcseNschafteu werden in neuerer Zeil von der Polizei mit außerordentlicher Strenge kontrollirt, und zwar genau nach dein Wortlaute der den Gesellschaften ertheilten Konzession. Nach dieser darf nämlich solchen Personen, welche nicht Vereinsmitglieder sind, der Eintritt zn den Vorstellungen gegen Entgelt nicht gestattet werde», so»- der» die Kosten der Ansführnnge» sind einzig und allein durch gleich- mäßige Beiträge aller Vereinsmitglieder auszubringen. Ferner darf, falls bei dem Eintritt in das Theater überhaupt eine Kontrolle für nöthig erachtet wi>d, diese nnr durch Le g i t i»i a t i o» s k a r t e n gehandhabt werden, welche den Namen des Mitgliedes enthalte». Diese Karlen, welche allein zum Eintritt berechtige», dürfen n u r vorgezeigt, aber nicht abgenonunen werden. Während nun be- kannttich bisher die Theatervereine sich zu ihren Aufführungen besondere Billets drucke» ließen, die sie an ihre Mitglieder und deren 'Angehörige vertheilten, und die auch von der Polizei stillschweigend geduldet wurde», hält sich diese jetzt ganz streng an den Wortlaut der Konzession und droht mit sofortiger Li ä u in u n g des Saales, falls besondere Billets zu den Vorstellungen ausgegeben werden. Die Theatervereine wissen sich jedoch dieser Polizeimaßregcl gegenüber zn Helsen. Sie geben Mitgliedskarten für— außer- ordentliche Mitglieder ans, deren Aufnahme statutenmäßig zn- lässig ist. Aus diesen mit dem Datum des Eintritts versehenen Karten heißt es n. a.:„Die außerordentliche Mitgliedschaft erlischt dhiie weiteres, falls nicht der monatlich zu zahlende Beitrag von 50 Pf. pünktlich an de» Kassirer eingesandt wird. Nach Einsendung des Betrages wird den außerordentliche» Mitgliedern zur nächsten Vorstellung ei» Freibillet, welches nicht übertragbar ist. zugesandt." Tic ArbeitöverHältnisse im Bäckcrgcwcrbe schildert das Organ der Bäckergehilfen in recht trübe». Farbe». Nach demselben sind von 5000 Berliner Bäckergesellen gegenwärtig 2000 arbeitslos. Der JunungSverband„Germania" soll 19 000 Gesellen und 15 000 — Lehrlinge beschäftigen, und wird der Lehrlingszüchterei die Haupt- schuld an der großen Arbeitslosigkeit beigemessen. Die Sprechbureaus (Arbeitsnachiveise) sollen von hunderte» von Geselle» belagert sein, welche den Glücklichen beneiden, der Arbeit findet. Die„privaten Sprechnieister"(Kommissionäre) lassen sich gilt bezahlen nnd vergeben eine Arbeitsgelegenheit unter 10 bis 15 M. überhaupt nicht. Tie Große Berliner Pfcrdc-Eiseubahu-Gcscllschaft beab- sichtigt, bei Einführung des elektrischen Betriebes auf ihren Linien Wage» von 10 Meter Länge zu verwe»d>-n. Das Polizeipräsidinm hat jedoch de» Bescheid ertheilt, daß die Verwendung dieser Wagen »nr für die Außenlinien gestaltet werden könne, dahingegen für das Innere der Stadt nur Wagen von höchstens 7 Meter Länge verwendet werden dürfen. Ter ehemalige Präsident des NcichövcrsichcruugSamteS Dr. Bodiker, hat nunmehr fein Amt als General-Direktvr der neuen Aktien-Gesellschaft von Siemens u. Halske, für dessen Annahme er sich nach Bewilligung seines Abschiedsgesuches entschiede» hat, an- getreten. Die Einführung und die Vorstellung des Beamten wurde, ivie die„B. N. N." miltheile», durch Herrn Wilhelm v. Siemens bewirkt. Die Sterblichkeit unter den Platteuzcitungcn dauert fort. Wieder haben zwei ihr junges Leben ausgehaucht, nnd zwar der „Friedländer Anzeiger" in Mecklenburg und die„Elbe-Zeitung" in Magdeburg. Bei diesem Unter» ehmen wurden in den vier Monaten des Bestehens S0 000 M. eingebüßt. Nachdem daS Kousistorium dem Pastor JSkraut die Gc» nehmiguiig zur Wahl an der Sophiengenieinde auch zum zweiten Male versagt hat, so soll— wie berichtet wird— unter den Gemeindemitgliedern, welche ihre Stimme für Jskraut abgegeben habe», die Absicht bestehen, unverzüglich mit einer Bittschrift an den König von Preußen, als den obersten Bischof der Landeskirche, sich zn wenden. Von anderer Seite sind sogar Protestversannnliingen der Positiven Berlins in Anregung gebracht worden.— Wir wünsche» den besten Erfolg. Ein schanderhaftes Verbreche», anscheinend im Säufer- mahn begangen, kam in der vergangenen Nacht im Hause Schiverin- Straße Nr. 6 zum Austrag. Der dreißig Jahre alte aus Torgau gebürtige Barbier Richard Fischer hat mitten in der Nacht sein jüngstes Kind, die am 13. Januar d. I. geborene Margarethe Fischer, aus einem Fenster seiner im dritten Stock gelegenen Wohnung auf den gepflasterten Hof hinab- geivorfen und so getödtet. Fischer ist seit fünf Jahren mit seiner Frau Wilhelmine, geb. Lange, verheirathet und Vater von drei Kindern, der i'/s jährigen Else, der 2>/s jährigen Frieda und der jetzt getödteten halbjährigen Margarelhe. Die Ehe >var anfangs nicht unglücklich, wurde eS aber, als Fischer in seinen wirthfchafllichen Verhältnissen hernntergekommen war. Der Manu hatte U/e Jahre lang in der Sleinmehstr. 34 ein eigenes Geschäft, das gut ging. Fischer, von Hans aus leichtsinnig angelegt, konnte aber die guten Tage nicht verlragen. Er wurde lüderlich, vernach- lässigte sein Geschäft und richtete es endlich ganz zu gründe. Anstatt nun die Schuld sich selbst zuzuschreiben und durch geregelte Arbeit sich anständig dnrchzubringen, ließ er seinen Unwillen über den Mißerfolg an Frau»nd Kindern ans, ließ sich von der Frau ernähren, soweit diese durch Wascharbeiten den LebenSmiterhall für die ganze Familie beschaffen konnte, und arbeitete nur aushilfsweise an Sonnabende» und Sonntagen bei verschiedenen Meistern, unter anderem auch in Spandan. Was er aber so verdiente, ging alles für Schnaps dranf. Die Mißhandlungen von Fra» und Kindern ivurden immer ärger n»d ivicderhollen sich schließlich jeden Tag. Nur die älteste Tochter war davon anSgenommen. um so mehr haßte er dafür die beiden jüngsten, von denen er ganz ohne grnnd behauptete, daß sie nicht seine eigenen Kinder seien. Es ging so weit, daß ein Hauswirth in der Katzbachstraße, bei dem er im Keller wohnte, ihn wegen der Mißhandlnngen und des Lärms, den er dabei fortgesetzt machte, schon nach einem Monat ans der Wohnung verwies. Tann zog er nach der Knlm- straße 13 und von hier am l. April d. I. nach der Schwediniir. k, wo er Stube und Küche aus dem Hofe bewohnte. In der Culm- ftraße war es nicht besser gegangen wie vorher. Im Oktober wurde «s so schlimm, daß die Hansgenossen sich ins Mittel legten und mit der Frau zur Polizei gingen. Diese veranlaßte dann, daß Fischer in die Maiscrn de santd zu Schöneberg gebracht wurde, in der er vom 9. Oktober bis zum Ausgang November blieb. Acht Tage nach Pfingsten bekam er solche Wulhanfälle, daß nian ihn in die Charilee brachte, wo er zehn Tage an epileptischen Krämpfen behandelt wurde. In der neuen Wohnung setzte Fischer das alle Treiben fort. Wiederholt drohte er, seine Frau und die beiden jüngsten Kinder umbringen zu wollen. Vor drei Wochen warf er die Frau die Treppe hinunter und rief ihr den Wunsch nach, daß sie sich das Genick brechen möge. Selbst dann verschonte er sie nicht, wenn sie in gesegneten Umständen war. und oft empfing er sie, wenn sie von schwerer Arbeit abends heimkehrte, mit den gemeinste» Ver- dächtigunge» und Beschimpfungen. Die beiden jüngste» Kinder nahmen vorsichtshalber Hausgenossen in der Regel die Stacht über zil sich. I» der letzten Nacht aber war das zufällig nicht ge- schehen und das wurde für die kleine Margarethe ver. hängnißvoll. Um I2'/2 Uhr nachts kam Fischer nach Hause, angetrunken wie geivöhnlich. Obwohl er einen Schlüssel zur Wohnung bei sich hatte, so verlangte er doch volternd und lärmend, daß seine Frau aufstehe und ihm öffge. Willig folgte die Aermste. aber damit war nichts gebessert. Fischer hatte kaum die Küche betreten, da packte er auch schon seine Frau und riß sie an den Haaren hin und her. Der Frau befahl er. ihm die Pa». toffeln zu holen, und sie holte sie sofort. Statt zu besänftigen, schien das seine Wnth nur noch zu steigern. Die Stiefel wollte er zum Fenster hinansiverfcn und nur mit Mühe hielt ihn die Frau davon ab. Dann richtete sich die Wnth wieder gegen die Frau,»nd als er ihr alle» Ernstes drohte, ihr das Genick zu breche», da floh die Geängstigte, um bei Flurnachbarn Unterkommen und Schutz zu suchen. Nun kannte die Wnth des Mannes keine Grenzen inehr. Er lief au das Bettchcn des jüngsten Kindes, riß die Kleine heraus, schleppte sie von der Stube in die Küche und warf sie mit solcher Gewalt zum Fenster hinaus, daß sie gegen die gegenüberliegende Wand des Hofes flog. Zu einer im- förmlichen Masse zerquetscht fiel dann die Kleine auf das Pflaster hinab; das Leben war wohl schon nach dem Anprall au die Wand dem zerschmetterten Körper entschwunden. Schon hatte der Wülherich auch das zweilälteste Kind gepackt, um es das Schicksal des ersten theilen zu lassen. Sein Lärmen hatte aber die Hans- beivohner geiveckt. Als sie dann auch von der Frau noch hörten, daß es wieder schlimm hergehe. eilten zahlreiche Männer ans dem Hause zur Wohnung Fifcher's hinauf. Nichts Gutes ahnend trat der Tischler Krause kurz entschlossen die Thür ein und kam so noch gerade rechtzeitig, um das zweite Kind zu retten. Während er Fischer das Mädchen entriß, packten die anderen Männer den Wülherich, um ihn unschädlich zu machen. Fischer zog sein Handwerkszeug aus der Tasche und setzte sich mit dem Rasirmcsser zur Wehr. Die beherzten Männer aber ließe» sich nicht abschrecken, sondern griffen zu und überwältigten ihn. Inzwischen halle man gesehen, was mit dem kleinsten Kinde geschehen war. Weinend und jammernd lies die Mutter auf den Hof hinab, raffle den Liebling aus der Blutlache ans und trug ihn zur Unfallstalion VII in der Jorkstraße, immer noch hoffend, daß die ZIerzte ihm das Leben würden wiedergebe» können, obwohl sie nur eine formlose Masse ans den Armen trug. Trostlos kehrte sie bald zurück. Den Mörder hallen die Hausgenossen an die Leiche seines Opfers hinunter geschleppt. Hier lynchten sie ihn. daß das Blut floß, und brachten ihn dann auf die Revierwnche An der Apostel. kirche, wo er blutüberströmt ankam. Frech und ohne eine Spur von Rene äußerte er hier während der Vernehmung:„So. die bin ich los, die anderen kommen nach". Heute Vormittag sührle man ihn der Kriminalpolizei zu. die Leiche des Kindes wurde heut« Morgen mit dem polizeilichen Wagen nach dem Schauhanse abgeholt. Eine»«„verständlichen Pflichteifer entwickelte der Buchhalter Giese. welcher in einem hiesigen Bierverlag in der Greifswalderstraße angestellt ist. G. hatte am Mdntag an stelle eineS erkrankten Bier- fahrers es übernommen. Kundschaft zu besuchen und passirte am frühe» Nachmittag die Straße Unter den Linden. Als der Buch- Halter einem vor ihm befindlichen Fuhrwerke ausweichen wollte und sein Gefährt hierbei etwas schleuderte, stürzte G. vom Wagen und zwar so unglücklich, daß die Räder über seine Beine hinweg gingen. De» Aufforderungen des sich schnell ansammelnden Publikums, ein Krankenhaus aufzusuchen, leistete jedoch der Veruttglückte nicht Folge. Er nahm vielmehr wieder ans seinem Sitze Platz, um das Geschäft weiter zu erledige», und kehrte gegen Abend nach Hause zurück. In- zwischen waren die Beine des G. stark geschwollen, so daß der Ver- letzte den Wagen nicht mehr verlassen konnte. Ein nunmehr hinzu- gezogener Arzt konstatirte. daß wohl die Knochen der Beine nicht gebrochen, so doch stark beschädigt waren. Dadurch, daß der Buch- Halter ärztliche Hilfe zu spät in Anspruch nahm, ist der Znstand des- selben ein ziemlich bedenklicher. Eine nnangeiiestme Stiirnng erhielt das Sommerfest, welches der Verein„Freie Volksbühne" am Sonntag im Etablisseuient Schloß Weifiensee abhielt. Zu den Theilnehmern des Vergnügens gehörte auch ei» Kaufmann G., welcher des Guten etwas zu viel gethan halte und infolge dessen von seiner Frau Vornvürfe erhielt. Der Attgetrnnkenc wurde hierdurch in einen so erregten Zustand versetzt, daß er schleunigst dem am Park anstoßenden See zulief und sich ins Wasser stürzte. Wiewohl Hilfe sofort zur Stelle war, gelang es doch erst nach längerem Bemühe», den Lebensmüden im be- sinnungslosen Zustande den Wellen zu entreißen. Einem hinzu. gerufenen Arzt gelang es Ovar, den Bewußtlosen ins Leben zurück- zurufen, doch mußte G. nach einem Berliner Krankenhause überführt werden. Professor L. Goldschmldt, der bekannte Handelsrechtslehrer an der Berliner Universität, ist in Wilhelmshöhe im Aller von «S Jahren gestorben. Er galt als eine Autorität auf dem Gebiete des Handelsrechts und gehörte im Jahre 1872—77 dem Reichstag als Mitglied an. Tie Ortskrankenkasse siir HandlnngS-Gehilfe« und-Lehr- linge z» Berlin soll bekanntlich ans Verfügung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg geschlossen werden. Da diese ein- schneidende Maßregel ganz unerivartet gekommen, halten sich die B-lheiligten an den Oberpräsidenten mit der Bitte gewendet, ihnen zur Abwicklung der Geschäfte«och einige Monate Zeit lassen zu wollen. Wie wir hören, hat der Oberpräsidenl dieser Bitte eut< sprachen und eine ausgiebige Frist zur Abwickelung der Geschäfte gewährt. Danach soll die Schließung der Ortskraztleukasse erst mit dem I. Januar 1898 erfolgen. Beim Baden ist der Igjährige Kelluerlehrliug Pluscher er- trunken. Der Verunglückte, der zur Aushilfe in dem Schwedischen Pavillon am Wannsee in Dienst treten sollte, nahm vor Antritt des Dienstes ein Bad in dem See und wurde hierbei plötzlich von einem Schlagansall betroffen. Wahrscheinlich war er zu erhitzt ins Wasser gegangen. A�iederbelebungsversnche blieben erfolglos. Auf dem Lehrter Bahnhofe erschoß sich in der vergangenen Nacht ein Mann von etwa 40 Jahren, der eine von der Ham- bnrger Polizei ausgestellte Gewerbelegitimation ans den Namen des Handlungsreisenden Karl Friedrich August Gerboth von der Firma August E. Schulz, Handlung i» Thürschildern und Liniierfedern zn Harburg a. E.. bei sich führte und wohl mit diesem Gerboth identisch ist. Mehrere Arbeiter der städtischen Gasanstalt in der Müller- straße theilen uns berichtigend mit, daß dem Arbeiter Ernst Nicht die Entlassung wegen eines Versehens nicht angedroht wurde. Nicht hat vielmehr selbst die Arbeit verlassen rcsp. ist dahin nicht wieder zurückgekehrt, weil er mit seinen Kollegen wegen eines Vorkommnisses in Differenzen gerathen war. Im übrigen ist der angeblich Vermißte bereits wieder zu seiner Familie zurückgekehrt. Mit cincr Arznei vergiftete sich der 47 Jahre alte Schuh- machermeister Karl Tanz vom Mariamienplatz 18. Gegen die Nieren- Wassersucht, an der er seit sieben Jahren litt, hatte ihm ein Arzt Strophantin verordnet. Davon sollte er jedesmal 8 Tropfen nehmen, als er aber einmal heftige Schmerzen halte, nahm er in eineni uil- bewachten Augenblicke die Flasche, die vor ihm ans dem Tische stand, und trank sie ganz ans. Die Leiche sollte am Sonntag von dem Krankenhause aus. in dem Tanz gestorben ist. beerdigt werde»; die Staatsanwaltschaft hat sie jedoch beschlagnahmt und die Beerdigung vorläufig untersagt. Wege» andauernder Krankheit hat sich die Z3 Jahre alte Wittwe des vor 7 Jahren gestorbenen Cigarrenhändlers Jungheim, Therese geb. Wilde, aus der Adalbertstr. 81 am Montag das Lebe» genommen. Bon ciiicm größeren Fener ist gestern Dienstag Bormittag das Lager der Hanf- und Flachswaare»- Handlung und Seilerei- waarensabrik E. F. W. Berg auf dem Grundstück Schillingstrabe 29 heimgesucht worden. Es brannte im dritten Stock und im Dach- stuhl. Brandincister Tenbner ließ den I.nnd den 7. Zug, die znnnchst ausgerückt waren, sofort mit zwei Dampf- und zwei Handdruckspritzen von der Magazin- und der Schillingstraße her angreifen. DnS Feuer blieb auf seinen Herd beschränkt, um 11 Uhr war die Wehr seiner Herr geworden und um 12 Uhr konnte sie mit den Ans- rämnnngsarbeitcn beginnen, die voraussichtlich bis morgen früh dauern werden. Um 1 Uhr mußte aus drei Hydrantenschläuchen noch Wasser ans die von der Feuerwehr hinuntergeworfenen Hansmassen gegeben werden. Der dritte Stock und der Dachstichl des Gebäudes, das hinter dem zweiten Hofe an der Magazinslraßenseite liegt, sind voll- ständig ausgebrannt. Das Feuer hat einen Schaden von etwa öS ovo M. angerichtet; durch Wasser sind außerdem»och SSV Zentner tafer, 100 Zentner Weizen und SO Zentner Stroh beschädigt worden. ie Wehr nimmt au, daß das Feuer schon länger gebrannt habe, bevor man sie rief. Auf demselben Grundstück hat vor mehreren Jahren einmal ein verheerendes Fener einen großen nach der Kaiser- straße zu gelegenen Speicher vernichtet. Gestohlene Sachen. Das kgl. Polizeiprästdinm theilt mit: Bei einer Einbrechcrbanve sind folgende Gegenstände gesunden worden: Ein glattes goldenes Kren; mit der Nummer SOO. Ein Nickelservis bestehend ans: Kanne, Sahnenlopf nnd Zuckerbehälter. Ein Eierservis ans weißem Metall, sechs Eierbecher. 6 Löffel, zwei Pfeffer- und Salznäpfe von Glas. Ei» großer Gußstahlhammer mit zwei viereckigen Bahucn. Ein vernickelter Sicherheitsbcscblag sür Thürcn. Eine kurze Jagdpfcise mit Hol, köpf. Ein Jagdmesser mit Hirsch- hornschale, zwei Klingen und Säge, am Ring zu tragen, ans der großen Klinge steht„Waidmannsheil, D. R. P. 54486". Eine Herren-Chalelainekctle aus silbernen Zwanzigpfennigstücken, daran ein Krönungsihaler nnd ein kleines silbernes Herz. Eine silberne Münze mit erhabenem Bildniß Friedrich des Großen. Ein großer Posten Plüschslücke von verschiedenen Farben. Eigenthüincr können sich im Polizeipräsidium, Zimmer 37 parlerre, in den Vormittags- stnnden von 9— l2 Uhr melden. Unfälle im Siraßcuvcrkehr. Auf dem Potsdamer Platze von einer Eqnipage überfahren wurde gestern, Dienstag, nachmittags der Geheime Okerbaurath Franz ans der Bülowslr. 107. Der Verunglückte ivurde an der linken Kopfseite so erheblich verletzt, daß man ihn in ein Krankenhans bringen mußte.— Dienstag Nachmittag wurde in derThurm- straße die ö jährige Amalie Löwe ans der Wilhelmshavener- slraße 13 von einem Mörlelwagen überfahren, dem Kinde ivurde ein Bein zerschmettert nnd es mußte nach dem städtischen Krankenhanse Moabit gebracht werden.— Von eineni Radfahrer wurde vorgestern Abend der siebenjährige Sohn Georg des Arbeiters Grell ans der Naunynstraße 7 überfahren. Der 5klei»e saß, niit einem Drachen spielend, an der Ecke der Naunyn- nnd der Adalberlstrnße ans der Vordschwelle, als ein Siadfahrer ihn umstieß nnd ihm über beide Beine hinwegfnhr. Das rechte Bein war gebrochen. Der Verletzte wurde nach dem Krankenhaus am Urban gebracht, der Radsahrcr, der vorschristsividrig auf der linken Straßenseite fuhr, von der Polizii festgestellt. Sliis dcu Nnchbarorteu» Zur Stadtl'rrovdiietcn- Wahl in Köpenick. In einem in Köpenick erscheinenden Amtiblällchen finden wir folgende Mit- thcilnng: Eine große Anzahl hiesiger Einwohner ist in der Liste der stimm« fähigen Bürger gestrichen worden, da bei denselben z. Z. die Erfordcr- nisse, welche zur Eckangung des Bürgerrechts vorgeschrieben sind (z. B. Einkommen über 660 M.), nicht mehr zutreffen. Der Z 7 der Städte- Ordnung vom 30. Mai 1853 bestimmt nämlich im Absatz 4; Das Bürgerrecht geht verloren, sobald einer der zur Er- langiing desselben vorgeschriebenen Erfordernisse bei den bis dahin Berechiiglen nicht mehr zutrifft.— Man sieht daraus wieder einmal, wie plutotralisch auch unsere Gemeindeverlreliings-Verhältnisse sind. Tie ans unter 660 M. Einkommen Gesunkenen erhalten nicht einmal das gezahlte Geld für das Bürgerrecht zurück. Wahrscheinlich hofft man durch diese strenge Maßnahmen auch die Wahl sozialdemo- kratischer Vertreter zu erschweren. Die Genossen müssen deshalb um so eifriger die Agitation bei der Wahl betreiben. Beim Bau des Nathhanöthurmcs in Steglitz stürzte au, Montag der Zimmerer Wilhelm Müller ans Groß-Lichtersclde ans die ei» Slockwerk tiefere Rüstniig herunter. Mit schweren Per- letzungen wurde der Verunglückte in das Krankenhaus in Britz über- .... � Für die„Kadctteuschule", welche die Heilsarmee in Schöneberg errichten will, ist dort in der Bahnstr. 18, unmittel- bar neben dem Kinderheim, ein mit der Rückseite an die Potsdamer Bahn anstoßendes großes Gartcnterrain auf 3 Jahre gemiethet worden, zu welchem an der Bahnflraße bereits ein großes hölzernes Portal errichtet wird. In der Kadeltenschule werden 35 ausgesucht tüchtige Kräfte der Heilsarmee wirke», die aus aller Herren Länder stammen und allen möglichen BernfSklassen angehöre», namentlich aber viele— Seelente unter sich zählen. Herr Neumann, Restanrateur in Schöneberg. Golhstr. 9/10, berichtet unS, daß die in der gestrigen Nmnnier erwähnte Schlägerei nicht in seinem Lokal stattfand, sondern aus der Straße vor seinem Lokal. Die Gäste hatte» hierzu keine Beziehung. Sozmle MvchksMege. Vertragsklausel auf„jedcrzcitige" Entlassung. Der Droschkenkutscher R. rechnete in der letzten Zeit seines Arbeits- Verhältnisses bei dem Fuhrherrn Kurth mit diesem gewöhnlich des Morgens ab, wenn er seinen„Dienst" wieder autrat. Am 5. Juni ruh wurde er nach der Abrechnung der Einnahmen vom vorigen Tage entlassen. Kurth zahlte ihm indeß für den 5. Juni den ver- einbarten festen Lohnsatz von 1,20 M. aus. Der Kutscher meinte aber, auch den üblichen Prozentsatz von der Tageseinnahme verlangen zu können, und beanspruchte deshalb im Klage- wege noch 2 M. Er glaubte, daß er soviel am 5. Juni mindestens noch verdient hätte, wenn er nicht entlassen worden wäre. Daß die Kündigung ausgeschlossen worden sei, erkannte er an, und er begründete seineu Anspruch damit, daß die Enllaffung am Abend vorher nach der Beendigung deS Dienstes hätte erfolgen müssen. Die Parteien einigten sich, dem Raths des Gewerbegsrichts, Kammer VII, folgend, auf 1 Mark, ivorauf der Vorsitzende Dr. Meier als Ansicht des Gerichtshofes folgendes kundgab: Nach dem Revers, den Kläger unterschriebe» habe, könne er„jeder- zeit" entlassen werden. Dieser Wortlaut berechtigle den Bs- klagten formell, K. an jenem Morgen nach der Abrechmmg zu eutlasscu, zumal in letzter Zeit des Morgens immer abgerechnet worden sei. Etwas anderes sei es jedoch, ob ein solches Verhalten anständig sei._ GevilsztS Ter Mechaniker Koschcmanu will sich bei dem verurtheileuden Erkennlniß des Schwurgerichts noch nicht beruhigen. Nachdem das Reichsgericht kürzlich die eingelegte Revision verworfen hat, hat Koschemaim jetzt an seinen Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Schövs geschrieben und ihn um einen Besuch gebeleu. Er giebt au, dem Vertheidiger noch eine Anzahl neuer Tbatsachen unterbreite» zu wollen, auf gruud deren der Aulrag ans Wiederaufnahme des Ver- fqhreus sich begründen lasse. Amerikanisches Fleisch. Wegen Vergehens gegen das Nahrnngsmillel-Gesetz war der Handelsmann Franz R e ck e w i tz aus Berlin mit seiner Ehefrau angeklagt. Wie die Verhandlung ergab, betreibt Frau Reckewitz einen Grünkramhaudel nnd bezieht die Märkte. Milte Januar kaufte sie ans vieles Zureden eines Verkanfsvermittlers von diesem einen Posten geräuchertes Schweine- fleisch und zahlte für den Zentner 40 M. Dieses Fleisch bot sie am 16. Januar ans dein Wochenmarkle auf dem Winterscldt-Platze i» Schöneberg feil und verlauste das Pfund mit 45-50 Pfennige». Der Posten Fleisch bestand ans etwa 50 Stücken, die schon beim Schlachten znrecht geschnitten worden waren. Die Waare, die nur in ganzen Stücken abgegeben wurde, fand starken Abgang. Schlimmere Erfahrungen hat die Frau Portier Schulze mit ihrem Einkauf machen müssen. Dieselbe hatte ein Stück von 3>/s Pfund gekauft. Deren Ehemann iind Tochter aßen am Sonnabend Abend von dem rohen Fleische, ohne etwas auffälliges daran zu bemerken. Am Sonntag schnitt Frau Schulze ein Stück ab und brachte das- selbe in die Pfanne. Mittags aßen vier Personen davon, die Ehe- leute, die Tochter und ein zn Besuch gekommenes Fräulein. Letzteres und die Frau Schulze haben von dem Genuß keinerlei üble Folgen verspürt, der Ehemann und die Tochter begannen gegen Abend über Appetitlosigkeit zu klagen nnd mußten einen Arzt in Anspruch nehmen. Frau Schulze hat dann den Rest des rohen Fleisches zur Polizei nnd auf deren Anordnung nach der Markthalle in der Lindenstraße gebracht, wo Polizei-Thierarzt Dohr- meyer das Fleisch untersuchte und feststellte, daß dasselbe durch seine branngraue nnd gelbe Farbe und noch mehr dadurch auffiel, daß dasselbe mit einer Schicht schmieriger Masse überzogen war. Daß das Fleisch verdorben war, sei auf den ersten Blick er- kennbar gewesen. Das war aber am Dienstag. Wie das Fleisch am Sonnabend zur Zeit des Verkaufes ansgeschen habe, lasse sich nicht sagen. Es handele sich hier um amerikanisches Fleisch, das d> übe» bereits gepökelt und geräuchert wird. Hier wird dasselbe von Koinmifstonäre» i» großen Mengen auf den Markt geworfen und an tändler zu jedem Preise verkauft, oft schon mit 30—35 Pfennig pro fand, ivährend der Marktpreis 70-80 Pfennig sei. Das Fleisch kommt meist in gefrorenem Zustande hierher, es kommt an- scheinend gut an, sobald das Fleisch aber anfthaue, könne der Fänlnißprozeß sehr leicht um sich greifen. Es könne auch nicht gesagt werden, daß alles Fleisch schlecht war, das Fleisch komme in Stücken an, die in der Mehrzahl gut sein können, während einzelne doch verdorben sind. Der Thierarzt Henze, welchem die Beaus- sichtignng des Marktes in Schöneberg obliegt, bestätigt den An- geklagte», daß ihn Neckwitz am nächsten Marktlage, nachdem er von Frau Deter das Fleisch zurückerhalten hatte, an seinen Wagen gerufen und ihn gebelcn habe, das noch unverkaufte, sowie das von der Frau Deter gekochte Fleisch zu prüfen, ob dasselbe gut oder verdorben sei. Er habe das Fleisch untersucht, das- selbe für völlig einwandsfrei befunden und erklärt, das Fleisch könne ruhig weiter verkauft werden. Dr. S i e g h e i m, der den Ehemann Schulze behandelte, hat aus den ihm niitgetheillen Erscheinungen der Krankheit ans Fleischvergiftung geschlossen, doch erklärt derselbe auf Befragen des Vorsitzenben, Landgerichtsdirektor Gartz, die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen, daß die Vergistmigserscheinnngen auch von dem Rothkohl herrühren konnten, der zum Fleisch genossen worden, falls derselbe in einem schlecht verzinnten Topfe gekocht worden sei. Nach de» übcreinstiminendeii Gutachten des praktischen Arztes nnd der beiden Thierärzte vermochte der Staats- anivalt nicht die Anklage wegen wissentlichen Vergehens aufrecht zn erhalten, sein Antrag beschränkte sich auf 10 Mark Geldstrafe ans dem Gesichlspnnkle der Fahrlässigkeit, der Gerichtshof erkannte jedoch ans gänzliche Freisprechung, bezüglich des Ehemannes, weil dieser nicht der Verkäufer war, bezüglich der Ehefrau, weil diese weder wissen mußte noch erkennen konnte, daß das verlauste Fleisch verdorben mar nnd dieser Znstand erst bei der Zubereitung be- merkbar wurde. Ein völlig verwahrloster Knabe, der Schüler Paul U«- gnad, stand gestern uuter der Anklage des Diebstahls in drei Fällen vor der 146. Abtheiluna des Schöffengerichts. Der soeben slrafiuündige Bursche ist von so kleiner Figur, daß er kaum über die Einsriedignng des Anklagcranmes blicken konnte. Er schien sich kaum bewußt zu sein, daß er etwas Unrechtes gethan, treuherzig blickten seine Singen aus dem von Lust»nd Sonne gebräunten Gesicht aus den Richter. Derselbe fragte ihn, ob er keinen Vater habe, der sich nin seine Erziehung bekümmere.„Ja, manchmal haut er mir, wenn ick kceuen Schnaps holen will."— Und Deine Mutter?— Die geht auch auf Arbeit.— Weißt Du de»» nicht, daß man nicht stehle« darf, daß der Dieb ins Gefängniß kommt? Der Knabe nickte. A»S der Verhandlung ging hervor, daß der Angcllagte besonders den Droschkenkulschern gefährlich war. Er umschlich die Wagen, die. an den Hallcstellen von ihren Führern ans kurze Zeit verlassen worden waren und benutzte den geeigneten Augenblick, auf das Lind zn springen, die Peitsche zu ergreife» ünd damit davon zu lausen. Er muß ordentliche Stmszijge imtrruommcn haben, denn einer der Kutscher war aim Halle'schcn Thor, ein zweiter in der Karlstraße und ein dritter in Moabit bestohlen worden. Wie der Angeklagte angab, hat er t)ie Peitschen, die durchschnittlich einen Werth von 2 bis 3 Mark hattem. für je 50 Pf. au Müllkutscher verkauft. Der Gerichtshof hielt-es nicht sür" angezeigt, den jugendlichen Taugenichts ins Gcsänguiß-zu schicken, er erhielt nur einen Verweis, soll dagegen einer Zwangt- Erziehungsanstalt überwiesen wilden. Wege» Bedrohung n. f. w. im Sinne deS§ 158 de e Reichs Gewerbe-Ordunug war— wie wir seinerzeit berichtetem — der Maurer Wilhelm Wenudorff vom hiesigen Schöffengerichte.1 zu 1 Monat Gefängniß verurtheilt worden. Da Wenudorff Be-- rnsung einlegte, hatte sich am Montag die 3. Ferieu-Strafkainme r des Laudgerichs I mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Wie c'x- innerlich, war auf dem Neubau Friedrichstr. 12 infolge von Loh'»- disferenzen am 28. April d. I. ein Streik ausgebrochen. Ast» folgenden Tage sing der Maurer Stutz auf dem Neuba'n zu arbeiten an, mit ihm zugleich 24 andere. Die Eher- keuden forderten nun am Mittag desselben Tages, er soff.e zu arbeite» aufhören. Da er daS nicht wollte, kam es zu einem aufgeregten Austritte; einer der Streikenden drang mit einer Wasser- waage aus Stutz ein, dieser ergriff eine leere Bierflasche nnd war,' sie bliMiiigs in die aufgeregte Menge. Seinem Vorgehen folgten i andere und es entstand das schönste Flaschenbombardement. Dabei sollen auch ehrverletzende Worte gesallcn sein. Als Hanptlhäter halte Stutz bei seiner polizeilichen Vernehinung den Angeklagten hingestellt', bei seiner eidlichen Vernehmung vor dem Schöffengericht ebensr> wie nunmehr vor der Straskammec konnte er jedoch seine: damaligen Behauptungen nicht mehr aufrecht erhalten nnd keines- wegi sagen, was Wenndorff gesagt oder gethan habe. Die Ruhe an dem Miltagauftritt wurde erst hergestellt, als Polizei herbeigeholt wmde. Eine Fortsetzung fand jedoch am Abend auf der Linien- straßs statt, als Stutz von der Arbeit nach Hause ging. Er wurde hier von dem Augeklagten und einigen anderen angehalten. Der Angeklagte soll auch»och gesagt haben:„Streikbrecher, Luiup, Strolch!" Als Stütz zu Boden fiel, faßte Ainrath den Angeklagten am Kragen und sagte:„Das geht doch nickst; wenn sie"arbeiten wollen, laßt sie arbeiten. Ich als Arbeitgeber nehme ihn in Schutz." Der Vorderrichter hatte entgegen der Ansicht des damaligen Staats- anwalts-Verlrclers, ivelcher für das Vorkommniß am Mittag Freisprechung beantragt halte, die Geschehnisse ain Mittag- und Abend als eine Handlung angesehen. Das Bernfnngsgcricht erkannte jedoch wegen des Miltagvorganges aus Freisprechung und setzte demgemäß die Strafe auf drei Wochen Gesänguist herab. Zwei Konknrreutcir hatten sich gegenseitig durch Zeitungsannoncen befehdet. Tie Folge ivar eine gegenseitige Klage wegen Beleidigung, der Klüger verband damit einen Schadensersahanspruch wegen Kreditschädigung. Dieser Anspruch wurde in allen Instanzen und—nach der Juristischen Wochenschrist— auchvoinNeichsgerichts als ungerechtfertigt abgeiviesen und zwar unter folgender Begründung: Derjenige, welcher wahre Thatsnchen an die Oeffentlichkeit bringt, die den Kredit eines anderen zu untergraben und ihn zu schädigen geeignet sind, ist zum Schadensersatz verpflichtet, wenn er dies un- defugt th»t und ohne hierzu durch das Verhalten des anderen Theils herausgefordert zu sein. Dem Beklagten seien jedoch in einem vom Kläger veröffentlichten Inserat mit der Ueberschrist:„Wehe dem, der lügt" sehr schwere Vorwürfe gemacht. Angesichts derselben erscheint es nicht ungerechtfertigt, vielmehr als Wahr- nehmung berechtigter Interessen, wenn der Beklagte seinerseits geschäftliche Blößen des Klägers rücksichtslos aufgedeckt habe. Es ist nur derjenige z»ni Schadensersatz verpflichtet, welcher einen andern ohne Siecht kränkt, also widerrechtlich handelt. Eine widerrechtliche Handlung liegt aber nicht vor, wenn jemand, der öffent- lich durch die Zeitungen angegriffen wird,„zu seiner Vertheidiguug, also zur Wahrnehumug eines berechtigten Interesses, ebenfalls durch Zeitungen Thatsnchen verbreitet, die wahr sind, wenn dieselben auch zugleich geeignet sind, den Gegner in der Achtrnig Anderer herabzusetze» und ihn zu schädigen. Dies ist auch anerkannt in dem Deutschen Strafgesetz buche. Denn Z 193 in Verbindung mit§ 183 desselben bestimmt, daß Aeußcrungen, welche zur Wahrnehmung berechtigter Interessen gemacht werden, selbst wenn die Wahrheit der behaupteten Thatsnchen nicht erwiesen wird, nur dann strafbar sind, wenn das Borhandensein einer Beleidigung ans der Form der Aeußerung oder ans de» Umständen, iluter welche» sie geschah, hervorgehl. Ist dies nicht der Fall, so fehlt eben bei einer zur Wahrnehmung berechtigter Jnter- essen geinachten Kundgebung das zur Strafbarkcit crfordeiliche Moment der Rechtswidrigkeit. Das neue Bürgerliche Gesetzbuch, welches im§ 824 die Verpflichtung zum Schadensersatze bei Ver- brcilung unwahrer Thatsacheu ausspricht, läßt denn auch diese Ver pflichtung nicht eintreten, wenn der Verbreiter oder der Empfänger der Miitheilung an ihr ein berechtigtes Interesse hatte. Vevlmmnltmsett. Sattler und Tapezirer. An, Sonnabend, den 17. Jnli, fand an Englischen Garten eine Mitglieder-Versammlung der Filiale statt, in welcher Genosse Ingenieur G r e in p e einen interessanten Vortrag„über Sitte und Sittlichkeit der verschiedenen Völker" hielt. An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen Rosenthal und andere. Unter Gewerkschaftlichem wurden noch verschiedene inlerne Angelegenheiten erörtert. I» einer iiffcutlichcn Malcr-Vcrsaini»li»ig, die am 19. Jnli bei Gründet in der Vrmmenstraße tagte, wurde nach einem einleitenden Lieferat des Berufskollegen Mark ernstlich über die gegenwärtige durcliaus unhaltbare Lage im Malergewcrbe disknlirt und zur Besserung derselben verschiedene Vorschläge gemac(>t. Die kräftigste Unterstützung fand der Vorschlag, eifrige Agitation von Mund zu Mund zu betreiben, vor allen Dingen energische Werkstattagitation und-Organisation; für ebenso nolhwendig wurde erachlct, Fühlung zu suchen und Boden zn sasscn in den große» Werkstätten, von deren Verhältnissen bisher äußerst wenig bekannt sei. Im Hintergrund dieser nolhwendigen Vorbedingungen stehe dann eine Bewegung um Verkürzung der Arbeitszeit. Irgend welche bindende Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Drei öffentliche lvcrsainmlnngcn der Zimmerer, die von der Lohnkommission zum Montag nach den verschiedenen Stadt- theilen einberufen waren, hatten sich mit dem gegenwärtigen Stand de» Lohnbewegung zn befassen. Allen Versammlungen lag folgende Sielivrtioii vor: „Die Zimmerer Berlins und der Umgegend verurtheilen scharf das Verhalten der Minorität der Kameraden unserer Lohnbewegung gegenüber, da dadurch dieselbe nur unnütz in die Länge gezogen wird und unnöthige Opfer gebracht werden müssen; die zn den neuen Bedingungen arbeitenden Zimmerer fordern deshalb alle die jenigen, welche noch in nicht»»bewilligenden Bangeschäften thätig sind, auf, die Arbeit niederzulegen und die Beschlüsse der Mehrheit der Berliner Zimmerer zn respekiiren. In dem Vorgehen einzelner Unternehmer, den bewilligten Stunden lohn wieder rückgängig zu machen, erblicken die Anwesenden eine neue Provokation den Arbeitern gegenüber und verpflichten sich, sofort die Arbeit wieder einzustellen, wenn derartige Ansinnen gestellt werden; im übrigen sind die Anwesenden mit dem bis jetzt erreichten Resultat zufrieden und Halle» eS als selbstverständlich, so lange für diejenigen einzutreten, welche sich noch im offenen Kampf mit den Unternehmern befinden" In F e y' s Salon, Bruunenstraße, referirte der Vertrauens- mann der Berliner Zimmerer T h. Fischer. Nach den Ausfüh- rungen des Redners, der eingangs die jetzigen Zustände im all- gemeinen beleuchtete, arbeiten die Mehrzahl der Berliner Zimmerer zn einem Stundenlohn von 69 Pf. Trotz der Bemühungen der Innung, durch den nengegründeten Arbeitsnachweis billige Arbeitskräfte zu beschaffen und des Versuchs, von ans- wärts Zimmerer heranzuziehen, war es fast überall dort gelungen, den Stundenlohn zn erringen, wo diese Forderung gestellt wurde. Die Berichte in den bürgerlichen Zeitungen, in wel- chen der Anschein erweckt wird, daß die Bewegung keine Erfolge zn verzeichuen hat, entsprechen keineswegs den Thatsacheu. Bisher sind der Kommisston 262 Unternehmer gemeldet, die bewilligt haben und bei denen mindestens 2899 Zimmerer zu den neuen Bedingungen arbeiten. Hinzukommen noch mehrere Plätze, wo die Forderung be- willigt ist, aber der Kommission»och keine Mittheilung gemacht wurde. Im weiteren kann konstalirt werden, daß allgemein durch diese Bewegung eine Lohnerhöhung erzielt worden ist. Z. B. ist ans verschiedenen Plätzen, wo ftlassenlöhue üblich sind und die nicht zu den bewilligenden gezählt werden, durch Anschlag in den letzten Tagen bekannt gegeben worden, daß ein entsprechender Lohn- Zuschlag stattfinden wird. Im Streik befinden sich gegenwärtig noch ca. 339 Zimmerer, deren Verhalten die Unternehmer wohl veranlassen dürfte, die Forderung in den nächsten Tagen gleichfalls zu bewillige». Demnach kann die Situation als eine sehr günstige fÜr die Arbeiter bezeichnei werden. Wenn auch einige Unternehmer die Forderung jctzt nicht bewilligen, so werden diese doch später, wen» die allgemeine Lohnbewegung beendet sein wird, durch Platzsperren gezwungen werde», dieselbe anzuerkennen. B« Redner erörtert sodann die einzelnen Punkte der Resolution und empfiehlt deren Annahme. In der hierauf folgenden Diskussion wurden die Zustände auf dem Arbeitsnachweis einer herben Kritik unterzogen und das Verhalten derjenigen Kameraden gerügt, die indifferent der Bewegung gegenüberstehen und dadurch den Kampf erschweren. Nach- dem noch die Arbeitsverhältnisse von einzelnen Plätzen besprochen und aufgefordert worden war, energisch für die gänzliche Durch- führung des festgesetzten Stundenlohnes einzutreten, wurde obige Resolution einstimmig angenommen. Bei I o ö l, Andreasstraße, behandelte Webers den Stand der Lohnbewegung, dabei betonend, daß das bisher erzielte Resultat ein recht günstiges zu nennen sei; I» der Diskussion wünscht Knopp, daß die Lohnkommission beauftragt werde, einen Lohntarif nuszuarbeiten, den jeder Zimmerer zugestellt erhalte. Eine dem- nächst stattfindende Versammlung soll sich eingehender mit dieser Angelegenheit befassen. Die Resolution gelangle auch hier ein- stimmig zur Annahme, worauf der Schluß der Versammlung mit einem Hoch aus die Arbeiterbewegung erfolgte. In der Versammlung für den Westen, Schö neberg und C h n r l o t t e n b u r g, die im Königshof, Bülowstraße, tagte, be- richtete Kube über die gegenwärtige Situation, wobei derselbe gleichfalls auf die bis jetzt erzielten Erfolge hinwies. In der Diskussion kritisirte R i ck e r t die Schreibweise der bürgerlichen Presse, insbesondere die des„Lokal-Auzeigers", über die Lohnbewegung der Zimmerer und bedauert, daß derartige Blätter, welche stets bemüht sind, die nach besseren Arbeitsbedingungen strebenden Arbeiter zn verdächtigen und unwahre Berichte verbreiten, in Arbeilerkreisen noch Anklang finden. An der weiteren Diskussion, in der das Verhallen der Polizei gegenüber den Streikenden, wie dies auch in den anderen Versammlungen ge- schehen ist, gerügt wurde, betheiligten sich: K n ü p f e r, H e ch t, Liebenau, Schlendern und andere. Ein Antrag, den Beitrag zum Ililterstützungsfonds auf I,ö9 M- zu erhöhen, wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Unter Verschiedenem wurden die Mißstände von verschiedenen Firmen besprochen. Den bei Held u. Franke beschäftigten Zimmerer», denen wohl ein Stundenlohn von 69 Pf. zugesichert ist, die aber im Akkord arbeiten, wurde auf eine Aufrage hin auheimgegeben, für die Abschaffung der Akkordarbeit einzutreten." Aebiiter-KIttiiiwafch««». Tie Bibliothel i» der Nordschul-, B r» n n e» st r. 26, ist vom I. Juli ob bis aus weiteres geschlossen! die noch auS- stchei.de» Bücher sind umgehend Tonuerstags abends von sis dlS i'm Nhr zurülkzuliefern. Mitgliedsbeiträge werden an dielcin Tage in der Nord- fchnle entgegengenommen, ebenso in sosgenden Zahlstelle»: Goiifr. Schulz, eidmiraliir. roa Renl, Barnimsir. es: Babiel, Nofenlhalertir. 67; Aleinert, Mlillersir. 7a; Panl Mücke, Mantensfelstr. res I H. Königs, Dtessenbachstr. 30. Nile Znschrlsie» sind a» den Eoisihendcn Panl Mücke jr., 39. Man- lcusselftr. res, Eeldsendnngen au dm Kasstrer H. Königs, 8. Ttesfeubachstr. io, zu sende». Arbrit-r- Na»ch»rb»»d K-rlius n»d dir Hlmsegend. Aenderunge» im VereinSlalcnder sind zn richle» an Hermann.B ra u» schw e i g, Dresdener- straße so, s. Hos. Ztriiciter-Kängerbniid Berlins»nd Umgegend, vorsthender Bd. Nenmaun, Brunncnsir. reo. Alle Aendernnge» im BereinStaiender lind z» richle» an Friedrich Kortni», MmNeusselsir. es, v. 3 Tr. ia»d»,»an»schaft der?ch>««n>ig- Koistllner, Heute, abends s)j Uhr: Zusammen kunft bei Fiuerstetn, Alle Jakobstraßi 7S. Eingelaufene Druckschrifte». Bon- der Zeit" lTiniigart, I. H. W. Tietz' Berlag) ist soeben baS es. Hesl des 18. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt hebe» wir hervor: Die Geschichte eines Schlagworts.— Grohbetrieb und Kleinbetrieb in der Schweiz. Bon Otto Lang.— Die allgemeinen Wahlen in Holland. Bon W. H.«liegen.— Polnrland»nd Tropenstora- Von Heinrich Vogel.— Lilerartsche Rundschau.— Notizen: Die NechlSflellung der Gärtner.— Feuilleton: Russische Fabrilpoesiie. Bon P. Sch. Bon der oZIeichhcit, Zciischrifr slir die Jnlcressen der Arbeiterinnen lSInttgart I. H. W. Dich' Verlag) ist nnS soeben die Nr. lö des 7. Jahrgangs zu gegangen. Ans dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Di« Frauensrage ans dem cvangelisch-sozialen Kongreß.— Genossin Braun's modisiztrter Borschlag. Bon Klara Zetkin.— Aus der Bewegung.~ Feuilleton: Bcatrtce Webb.(Schluß.)— Notizeniheil von Lilg Braun und Klara gsiki»: Der internationale Kongreß für geschlichen Arbeiteischuh zu Zürich.— Gewerkschaftliche Ardeiterinncn-Organisation.— Soziale Geseh- gebung.— Weibliche Fabrikinspekloren.— Frauenbewegung.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— GewsrbegerichtlicheS. Die..Eleichlieill' erscheint alle it Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf. durch die Post bezogen(ringetrage» in der Rcichspost- Zeitnngslifte für ISS7 unter Nr. egos) beträgt der AbonneuientSpreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 88 Pf.: unter Kreuzband so Pf. Im Verlag von I H. W. D i e tz in Stnltgart find von der HZepchlcht« der Srntschc» poiialdcmoliratie von Franz Mehring Heft 13 und u erschienen. AuS dem Inhalt heben wir hervor: Zweiter Abschnitt. Kap. III. Ferdinand Lassalle. Kap. IV. Tic Ausgänge der deutsche» Revolntio». I. Franlsurt und Berlin, s. RelchSverfassungskampagne. Kap. V. Der Kölner Kommunisten Prozeß. Kap. VI. Tie snnsztgcr Jahre, l. Polnischer Niedergang. Das komplete Weck wird ca. so Liessrungcn a so Ps. umfassen. Der Prci» ist so niedrig bemcsse», wie er bei einem wissenschafiliche» Werke sonst kaum anzutreffen ist. Alle Bnchhandinngen und Kolporteure nehmen Be stsilungen entgegen. SpvrchJTeml. Die Medaklion stellt die Bcnnhung des Sprechsaals, soweit der Na,»» dasür zu begeben ist, dem Pubiilum zur Besprechung von Angelegenheiien aNgenreinsn Interesses zur versügnng: sie verwahrt sich aber gleichzeilig dagegen, uril dem Inhalt desselben idenlisizirt zu iverden. Wie ich uns Nr. 14 der„Solidarität" ersehe, beschäftigte sich Genosse Mussini auf der Berliner graphische» Zufaininenknnft mit einer Notiz, die in Nr. 133 des„Vorwärts" stand, folgendermaßen: „Die Notiz betreffend die Norddenlsche Buchdruckerei im„Vo» wärts"»nd in der„Solidarität", welche die Organisalion herab- würdige, sei eine Infamie. Der betreffende Wirth habe erklärt, sein Lokal zn allen Versammlungen herzugeben, also sei dies nicht ge sperrt". Da ich als Vertreter der Lokalkommission besagte Notiz im „Vorwärts" veranlaßt habe, sehe ich mich gezivunge», diese Behanp tungen auf ihren wahren Werth znrückzusührcn. Die Notiz lautet:„Die Buchdrucker der Norddeutschen Blichdruckerei und Verlagsanstalt veranstalte» am 13. Juni in de»» gesperrten Lokale von Zimmermann, Lindenstr. 19S, eine Jubiläumsfeier. Die Theilnehmer sind alle geiverkschastlich organisirt, achte» aber äugen- scheinlich wenig auf die Beschlässe der Berliner Arbeiterschaft. Die Lokalkommission." Wo in aller Welk will Genosse Massini daraus nun eine Herabwürdigung der Organisation herausfinden? Es ivird doch nur behauptet, daß, trotzdem die Theilnehmer gewerkschaftlich organisirt sind, sie wenig ans Arbeiterbeschlüsse zu achten scheine»; und nach dem Vorgehen der betreffenden Arbeiter ist dieser Vor- ivnrf berechtigt. Bo» der Organisalion der Buchdrucker als solcher ist also garnichl die Rede. Wem hat denn der Wirth die betreffende Erklärung abgegeben? Dem Genosse» Mnssini oder den Veranstaltern der Feier? Der Lokalkommission hat der Wirth die Erllärmig nicht gegeben, denn sonst würde das Lokal ans der Lokalliste verzeichnet sein, und daraus kommt es an. WaS mancher Wirth alles verspricht, wenn er ei» gutes Geschäft in Aussicht hat, ist wohl jedem bekannt, der schon Gelegenheit halte, Geschäfte mit Saalbesitzern abznschließeu. Eine Infamie, eine Ehrlosigkeit soll diese ganze Noliz sei»! Wenn Genosse Massiui es mit sich vereinbare» kann, die Handlung der betreffenden Arbeiter der Norddentschen Druckerei nicht nur zn verlheidigen, sonder» sogar meine Braudmarkung dieser Handlung beschimpst, kennzeichnet er sich selbst, was um so bedauerlicher ist, da er zu denen gehört, die in erster Linie aus Seiten der Arbeiter stehen müssen und verpflichtet ist, darauf zu achten, daß die Be- schlüffe der Arbeiterschaft hockgehalten werde». Oskar Mahle, Prinzenstr. 8. Briefkasten der Redaktion. Die iuristische Tprechsinnde findet während der Gerichts- f e r i e n am D i c» st a g und Freitag Abend von«—?>/- Uhr statt. Strastenabonnement. Prophezeiungen über die Zahl der sozialdemo- kratischen Sitze im Reichstage nach der nächsten Wahl find ebenso unzu- verlässtg wie all« Blicke in die Zukunft. F. L. Z. O. Korrespondenzen und Anfragen in Angelegenheiten der von uns gestern erwähnten Enquete über den Kleinhandel sind an die Handelskammer tn Hannover zu richten. Gafimnnn. Bei Einsicht in die Gemeinbe-Wählerlisten kommen alle Bezirke in betracht. Die anderen Wünsche werden im Aufruf nach Möglich- keit berücksichtigt werden. Matuszewski. Zeigen Sie dies« Bedrohung mit einer Schußwaffe bei der Staatsanwaltschaft an. T. O. Konrad Schramm und®. A. Schramm find nicht identisch.— Rummelsbiirg. Ihre Kündigung ist giltig. Sie können den Mrth mit Aussicht auf Erfolg niit dem Antrag verklagen. Sie mit Ablauf der Kündigungsfrist ziehen zu lassen.— G. H., Sictingenstr. 4. Ist daS Grundstück im Wege der Subhastatron verkauft, so kann der neue Eigen- tbitmer zur Räumung zum 1. Oktober bis spätestens am 3. Juli kündigen. War das Grimdstück nicht subbastirt, so läuft der Vertrag weiter.— Dt>. K. 33. 1. Die standesamtliche Trauung, und nur diese, ist rechts- giltig. 2. Ja. 3. Ja.— Reichel. Wenden Sie sich an ein Mitglied des Arbeitervertreter- Vereins, die allwöchentlich(zuletzt im„Vorwärts" vom 29. Juli) namhaft gemacht werden.— Sch. 1. Sie müssen ein Straf- aufschubsgesuch an das Amtsgericht richten. 2. Werden die Kosten nicht bei- getrieben, so kann Offenbarungscid verlangt werden: weiter nichts. 3. Ver- pflcgungskosten in Staatsanstalten werben mit 89 Pf. täglich berechnet. 4. Lohn ist wegen Gerichtskosten nicht pfändbar. 5. Nein.— X. N- Nein. - E. Eh.. Tchönrberg. Nein.- E. 1000. 1 Die Gerichte sind dar«»«' getheilter Ansicht. 2. Das Kind kann durch spätere Heirath legrtimirt werben. Anerkennen Sie bei der Hcirath das Kind als daS Ihre beim Standesbeamten und beantragen Sie dann bei dem Standesbeamten, der die Geburt registrirt hat, Eintragung des Legitimationsvermerls. 3. Das ist uns doch gletchatltig.- N. K. Ivo. Der Wirthtn steht das Recht nicht zu.- H. 91. 933. Das landrcchtliche Schreiben beruht ans einer allgememeii Ver- fügung des Ministers des Innern. Ihre Eingabe genügt nicht. Sie müssen innerhalb 14 Tagen Beschwerde einlegen(außen an den Landraty, innen an dm Regierungspräsidenten adressirt), dann abermals Beschwerde gegen den Bescheid des Regicrungsprasidentm(außen an den Regtcrungspräfidcntkii, imie» an den Oberpräsidmtcn), bann gegen den Bescheid deS Obcr- präsidentcn Klage beim Obcr-Vcrwaltnngsgcricht erheben.— I. K. Ja. WiiimiiiflSlibepsicht vom 20. Juli I8N7. E l n I i o» i». t> H a.S; B««j £.5 s S Ö c O!rt ® 3" o I e ja n *> Ol Z7 itlfH ja � r..5 Wetter » 3« m pH S-öö Weiiev-Prostiiose für Mittwoch, de» 21. Jnli ISS7. Warin und schwül, zeilweise heiter, vielfach wolkig mit wilterregen und schwachen südwestlichen Winden. Berliner W e t t e r b>i r e a». Berli ner Gewerkschafts- Kommission. Freitag, den 23. Jnli, abends 8Vj Uhr, im Lokale„Enxllscliei- Garten, Alexanderstrasse»Vc: Grffrntliche Uersammlnug der lleleginten. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung über den Maurerstreil. 2. Berichterstattung über den Zimmcrcrstreik. 3. Ergänzungswahl zum Ausschuß. 4. Kassenbericht. 5. Gewerkschaftliches. Die Delegirteii werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 3201b] F. A.; B. Millarg._ gtanticiilinirr der Wmachergeselie« i« Derli« (Eingeschriebene Hilsskasse 67). Sonntag, den 23. Jnli. vormittags 11 Uhr: im Lokale des Herrn Feind, Weinsiraste Nr. II. Tages-Ordnung: 1 Kassenbericht. 2. Wahl der Revisoren und Kranken- Kontrolleure. 3. Verschiedenes., l319ab Um zahlreichen und pünktlichen Besuch bittet �. Ter Vorstand. I. A.: O. Tichoppe. Achinng! Wilmersdorf! Achtnng! Hitglieder- V ersaiiiinluiig lies Arbeiter-Vereins zu Deutsch-Wilmersdorf u. Umgegend Mittwoch, den LI. d.M.: Borirag des Geiioffm Massatseh üb« Religion»nd deren Entstehmig und Wirkung. �„ V'a Zu regem Besuch ladet ein__ Der Vorstand. Der LaiidarSeiter rv nmv, ifk mttr fVttt mivtr. Bon Eduard Adler. Preis 50 Pf. 136 Seiten Großoktav. Inhalt: Aus der Geschichte der ländlichen Arbeit. Die Entstehung der Landarbeiter. Die Erzeugung von Landarbeitern dauert fort. Der Landarbeiter in der heutigen Gesellschast. Arbeitsverhältnisse und Einkommen in den verschiedenen Staaten Deutschlands. Die Sachsengänger. Was lehren die bisherigen Angaben? Die Arbeitszeit. Das Recht der Landarbeiter(Die Gisinde-Ordnuiigen). Die Zukunft der Landarbeiter. Obige Broschüre ist für die Laudagitatiou unentbehrlich.[2996b Verla« der Gutenbcr«- Bnclidrnckcrcl Halbcrstadt. Kommissionsverlag v. 15. Baake, Berlin, Clty-Passage. Zu beziehen durch alle Partei-Puchhaiidlinisteii._ Tanzlehrer- Verein „Solidarltiit". Den Gewerkschafim und Vereinen zur Keiuitniß, daß von jetzt ab alle Engagements und Bestellungen nach dem Vereinslokal, N a u n h n st r. 78, bei Heinrich oder an dm Unter- zeichneten zu richten sind. 299/3 Biehnrd Hartmnnn, Vors., Schöiihauier Allee«3. Todes-Attzeige. Allen Berwandte», Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachricht, daß. unser unvergeßlicher, lieber Sohn Fritz Fredrech genannt Pinscher, am Sonntag Vormittag beim Baden im Waimsee ertriinken ist. Die Beerdigung findet am Donners- tag, nachm. 4 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Pauli-Kirchhofes(w der Seestraße) aus statt. Die tiefbetrübten Eltern Carl Pinscher nebst Frau. Orts- Krankenkasse der Sattler. Am Montag, den 19. d. M., starb »ach längerem Leiden das Mitglied Anpst Hübner. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 22. d. M., nachmittags- Uhr, vom Krankmbaus Frtedrichshain nach dem Emauuelkirchhof in Falkeuberg statt.[3192b] Der Borstand. Ich erkläre, daß ich die Beleidigung gegen Frau Lehmann, Solmsstr. 25, in der Uebereilung gethan habe und reumüthig zurücknehme. Engler, Solmsstr. 25.. 31936 N nfallsachen. Klagen, Eingab«! Pntzger, Tteglitzerstr. 65. Achtnng! Achtung! HolMveiter. Znzng ist fernzuhalten von Netzband& Henkel Auklamerstr. 33. Ferner von Stettin, Rostock. Lübeck. 199/3 Former! Die Firma Lauritz RaSmilssen in Kopenhagen sucht durch Inserate in deutschen Zeiwngen Former anzu- werbe». Die Kollege» machen wir deshalb daraus aufmerksam, daß die vereinigten Metallindustrtelleii Däne- marks sämmtliche Metallarbeiter ans- gesperrt haben und ist deshalb der Zuzug nach dort streng fttnzuhalteii. Der Bertrauensmann d. Berliner Metallarbeiter. Gtto h'Hthcr, N., Auklamerstr. 44.[167/15 Bmmwm tüchtigen, verl. Höhne, Neuenbors bei Potsdam. Meldungen schriftlich. TUligt Mlssstr find, dauernde Arbeit b. Sil. Fabian, Badstr. 59. Wäschenäherin, auch Lehrmädchen, verl. Ada m, Ranmerstr. 11.[3299b IiellttsttlltiW, sichere Lebensstellung erhalten junge Leute gratis, wen» sie einen kurzen Lehrkursus in der Dienerschule des Berliner Dienervereins durchnchiiien. Der Vorstand: 3294b Schirow, Berlin, Maucrstt. 93. Kur de» Inhalt der Inserate uber»i»iuit die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Pcrantivortnng. ÄlhvÄtev. Mittwoch, den 21. Qu Ii. NeucS kgl. Operntheater(Kroll). Tzas Heimchen am Herd.— Phantasien im Bremer Raths- keller 7 Uhr. Lessiug. Die Geisha. Westen. A Basso Porto. T'/j Uhr Rcnes. Der Stellvertreter. 7l/z Uhr Friedrich- Wilhclinstadtischcs. Lehmann's Kriegs-Abenteuer im Orient. 8 Uhr. Ostend. Unsere Reichspost. 8 Uhr. Belle-Zlllinnce. Dritte italienische Nacht. Spezialitäten.<> Uhr. Apollo. Venus auf Erden. 8 Uhr. Alexauderplan. Verkäuflicher Werth. Hierauf: Eine tolle Prinzeh. Passage-Panoptikun». Lv Kinder der Wüste. Neue freie Volksbühne. Sonnabend, den 24. Juli: Kr. Sommeraachts-Fest in dem feenhaft erleuchteten Garten-Etablissement des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater. Koulcent im Garten. Reichhaltiges u. amüsantes Dheaterprogramm auf der Sommerbühue. Nach dem Theater: Sommernachtsball. Anfang 6 Uhr. Entree 40 Pf. inkl. Tanz. BilletS find in den bekannten Zahlstellen zu habe». _ Siehe auch Säulenanfchlag am Freitag._[150/20 Ostend-Theater. Gr. Frailkflirtcrslr.lZ2. Dir. C-Weip. Täglich: Unsere Keichspost. Anfang 8 Uhr. Im Garten: Anfang 4 Uhr. Graftes Kinder-Freudcufest. Jedes _ Kind erhält ein Geschenk. Spezialitäten 1. Ranges. Huso Sclinlz. The Srcnilow. ITlirzI Wald- burg.— Lebende Photographien.— Jit der Badezelle.— fliingkanipf.— _ Endlich allein._ Viktoria-Brauerei (Garten rcsp. Saal) Elitz»«'- Strasse lll llZ nahe Potsdamer Plah. Uligllob: Ltelliuer Bänger (Mcysel. Pietro, Britto», Steidl, Krone, Röhl, Schneider und Schräder.) Goldene Hochzeit. Ensemble von Mensel. ßiü mgliiigter Wahltilg. Ensemble von Meysel. Billets a 40 Pf. und Familien- Biflets ä 1 M.(für 3 Personen) nur iit den Borvcrkaussflcllcn. (Siehe Plakate.) Anfang K Uhr. Entrec 30 Pf. Pulilinaiin's Vaudeville-Theater Schönhauser Allee 148, K a st a n i c n- A l l e c»7-99. Täglich: Im Reiche derSireuen. Grobe Ausstattungaburleske mit Gesang und Tanz. Mift Clara. Trapezkünstlerin. Little Trndy Brygardy. das Wunderkind. Wall» Smolin, cxcentr. Ehansonctte. Ikarbarina's ßnllet. Clown Sarassani, in. f. dress. Thieren. Harry u.William Latoure.Piecolo- Theater. William, Handantipodc. Anfang 4 llhr. Entrec 30 Pf. Ostbahn"Park Arn Kiistriner Platz Hermann ImbS. Am Ktistriner Platz T 11 g 1 i c h:-Tm Konzert, Thenter- null SneMlitiiten-Vorßellnng. Ucu! Dev Skttmano nnv Nffe. _" AuSstattungs-Ensemblc._ ,3�- ZVene Attraktions'-lVuninicrn."TpS Entree Sonntags SO Pf., Kinder 10 Pf. Wochentags 10 Pf., Kinder 10 Pf. Kaffeeküche. Volksbelustigungen. —» Mittwoch: K I n d e r- F e s t. Schweizer Garten. An» KOnigstlior. Haltestelle d. Pferdebahn. An» Fi-icdrlchshain. Täglich: Theater und Spezialitäten. Eittlc Paritins it. IHissEizzi, Transformalionskünstler. Theod. Eippnrdt, Tauzhnmonst. Geschw. Tilij'. Gesangs- und Tanz- dncttisten. Ili»>»v ldabi, Liedersäugerin.'flie t«'« ßnkfal««, Radfahrer- Humoristen. d«»I»n& Paolo, Exccntrics- Pantomimisten. Paria H4'alton, Kostümsoubrette:c. Volksbelttstigungeit Im Saale: aller Art. VaU. Entree 30 Mg. Jede» Mittwoch: Kittder-Freudcttfest. Es ist llttr noch ein Sonnabend in! Angnst si'ir Pmine frei. If kll, Hasenliaide. Jeden Mittwoch: Grones Erntefest mit grofte» Umzüge». Gratisvcrloosung, Spezialitäten- BorstcUung, Marionetten-Thcatcr und>21701."I ' lilnderbeinstixiinxen aller Art. 15 Pf. Borverkauf 10 Pf. Anfang 4 Utj Entree 15 Treptow. Viktoria-Garten, früher Kiintpel, Haltestelle der elektrischen Bahn. Jeden Mittwoch: C* s*. Kinderfest. Grosse Vcrloosnng. Kasperle-Theater, Bonbonregcn. Fadclpolonaisc. Ponuy- und Eselrcitcn. Belnsti- gungen aller Art. 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